1907 Montag den 15, Juki wlrfctf «A Ct MM itM ■ HB Mi W! JunKen unter der Asche. | Roman von M. Pros; ni tz (M. Nörenberg). Unbefugter Nachdruck wird gerichtlich verfolgt. (Fortsetzung.) Vs ivar ungefähr vierzehn Tage später. Grau und wolkenschwer hing der Himmel über der regenfeuchten Erde, die, aufgeiveicht von der tagelangen Nässe, überall da kleine schmutzige Lachen zeigte, wo der Regen nicht schnell genug qbfließen konnte. Heulend fuhr der scharfe Nordost über die Felder, deren ehemals weißer Mantel sich über Nacht in ein häßliches Grauweiß verwandelt Hatte. Und weiter raste der böse Gesell. Mit hef- tigein Tosen schüttelte er die kahlen Neste der uralten Linden, die im Halbkreis um düs vor der Hauptfwnt des! Schlosses befindliche Rasenwndell stünden... In ohnmächtigem Grimm knarrte und quietschte die Wetterfahne, knackten die Läden aneinander, tert die auf einmal der Stegen in großen, dicken Tropfen schlug. Schneller, immer schneller klatschten sie dagegen. „Ein tüchtiger Guß," murmelte Dagmar trübselig. Sie schüttelte sich. Brrr, wie unbehaglich! So ein echter, nordischer Frühling hatte doch recht rauhe Seiten. Freilich, die Luft hier oben war stets von einer erquicklicher Herbe und Reinheit, nicht so schlaff und weichlich wie in Lugano, aber dieses anhaltende Regenwetter war abscheulich. Wenn Magnus dann wenigstens gestattet hatte, daß sie im offenen Wagen spazieren fuhren! Aber davon ivar gar keine Rede. Ter Uebevängstliche bestand darauf, daß bei schlechtem Wetter das Coup« genommen wurde. In Decken gepackt, als ob es nach Sibirien ging, fuhren sie dann gewissenhaft eine Stunde auf der aufgeweichteu Chaussee spazieren, die rechts und links von Pappeln mnsäumt, deren kahle Ztveigc steif gen Himmel standen, einen gradezu trostlosen Eindruck machte. Dagmar zog langsam die Uhr aus ihrem Gürtel. Richtig! In einer Viertelstunde würde der Wagen vorfahren. Sie sah aus dem Fenster. Ter Regen hatte urplötzlich nachgelassen, freilich fuhr der Wind noch mit unverminderter Heftigkeit daher, aber die Landschaft sah doch nicht mehr so grau und trübselig aus. Ja, als Tagmar genauer hinblickte, merkte sie sogar, wie sehr sich die Sonne bemühte, durch die grauen Wvlkenfetzeu zu gucken, schlich gelang ihr das. Neugierig bespiegelte sie ihr blasses -Antlitz in den Wasserpfützen. Tie sahen plötzlich gar nicht mehr so schmutzig aus. Mer das war nur einen Augenblick so, gleich kam der ungestüme Wind und trug eine dicke Wolke vor die Himmelskönigin. Gespannt sah Tagmar diesem Kampf zu. Sie wünschte so sehr, die Sonne möge siegen. Und wirklich, das geschah! Ein leises Klopfen störte sie in ihren Betrachtungen. Nus ihr verwuuder.tes Herein erschien Franz, der bestellte: „Der Herr'Baron lasse bitten, ohne ihn spazieren zu fahren. Er müsse noch mit dem Oberförster konferieren." Dagmlar überlegte einen Augenblick, dann befahl sie dem Diener, den offenen Wagen zu bestellen. Eine Viertelstunde später fuhr sie Pom Hof, nicht in gewohnter Weise auf die Chaussee', sondern in den Wald, dessen hohe, alte Kiefern bestände schon dicht hinter dem Pari begannen. Lautlos rollte der Wagen auf dem wenig befahrene:: Gen stellweg dahin. Ter Wind schien sich mehr und mehr zu legen. Mit starkem, pber gleichmäßigem Brausen fuhr er durch die Wipfel der hohen Tannen, deren rötlich brjaune Stämme dann und ivann im Strfahl der Sonne aufglänzten. Dagmlar atmete mit großem Behagen die reine, würzige Luft. Wie schön war es doch lauf dem Laude. Sie begriff ihren Gatten gar nicht, der sich förmlich n!ach dem Hvfleben sehnte. Nein, sie haßte das eintönige Treiben dort, mit seiner steifen Etikette, dem beständigen Achtgeben auf fürstliche Huld! Ihr war das nie so zuwider gewesen wie jetzt, tot) sie das Herrschergefühl des Großgrundbesitzers kennen und schätzen gelernt hatte. „Nach dem Wasser runter, Finn Baronin?" riß die Frage des Kutschers sie aus ihrem Sinnen. Sie verstand ihn im ersten Augenblick nicht gleich. Dann nickte sie. Langsam wendete der Mann die Pferde. Steil bergauf ging es, zur Düne hin. Hier oben, wo ders Wald sich mehr und mehr lichtete, pfiff der Wind noch recht heftig. Tagmar wickelte sich fest in ihren Pelz, während ihre leuchtenden Äugen auf das Meer blickten. Stahlschwarz schimmerten die breiten, von weißen Schaume krönen geschmückten Wellen in der Ferne, während sie unten am Ufer sich in ihrer ganzen smaragdgrünen Pracht überschlugen^ große Löcher in den sandigen Grund bohrend. Ab und an sprang wohl das Handpferd unruhig zur Seite, wenn eine besonders große Welle lautklatschend überkippte, weithin ihren weißen Gischt- schleudernd. Aber der Kutscher beruhigte das et», regte Tier bald mit schmeichelndem Pfiff. Dagmar' achtete gar nicht darauf. Ihre Augen hingen wie gebannt an der weiten, wogenden Wasserfläche, während ihre Lippen unbewußt den salzigen Meevesodem schlürften. Ein feines Rot trat allmählich in ihre Wangen. Wie schön ivar doch die Welt! Es dämmerte bereits, als der Wagen endlich wieder in den Park bog. Aufmerksam sah Dagmar umher. Sie liebte diesen letzten Teil, mit den hohen alten Ulmen, ganz besonders. Frei-^ lich, die schlanken, weißen Birken, die da unten am Teich standen, schienen ihr auch sehr ivohl des Ansehens wert. Grüßend flog ihr Blick zu ihnen hin. Auf einmal stutzte sie. „Ist das nicht Hektor, der da suchend umherläuft?" Sie Pfiff- Ä r Der Kutscher wandte spähend den Kopf. „Ich sehe nichts, Frau Baronin." „Weiter rechts, er dreht dem Schloß den Rücken." Siej pfiff voir neuem, wiederum vergeblich. — Tas war doch sonderbar! Hektor parierte doch sonst so gut. Sie sah scharf zu ihm' hin. Warum kam er nicht? Und auf einmal, während sie noch zu ihm hinspähte, war der Hund in der Dämmerung verschwunden, wie in Nebel zerflossen ... ' Ein unheimliches Gefühl kroch SjagntaT über den Rücken, doch blieb ihr nicht hange Zeit, darüber nachzudenken, denn schon hielt 410 — Wofür Dahlie er dem Kerl denn solch fürstliches Nichts jan. 4* V'-tj'M /W-V14*V VV VvUl dlvVl VHHI| IV 4 vt.j’ | ♦**!*•♦ k**/ v'< Äz VVU* VA-1 Ul V VA- X# IH V . ■ J . ‘ y. . . rvx f A Eulair, wenil eg ihn obendrein mitGlacöhandschulstN anfasfenj Kunden. Pcipa Bieler wurdeOsi Jahre alt, trotz Beresiiia,^ Aus der SLudenLeuzcii. Er nnernngen eines alten Gießeners. II. Die Universitätsstadt. Die Stndcntest. Tie Einrichtungen. Tie innere Stadt, der Schauplatz des studentischen Lebens, war bis wenige Jahre vor meiner Studentenzeit schrecklich schmutzig Ein Straßenpflaster, mas mit Fug und Recht so zu nennen, existierte! kaum, nur in der Mitte der Straße zog eine Reihe glatter Basalte steine, sodaß eine einzelne Person dieselbe trockenen Fußes passierest konnte. Es gaben (diese Schrittsteine einen beliebten Anlaß zu studentischen Rencontres. Dias muß in anderen Universitätsstädten auch so gewesen sein. Tenn es heißt im Lied: „Wo smd sie, die vom breiten Stein nicht wankten und nicht wichen?" iv In 1846, glaube ich, wurde mit der Pflasterung wenigstens der Hauptstraßen und Plätze begonnen. Tie Beleuchtung blieb in ihrer primitiven Gestalt. Tie Laternenpfosten sahen aus wie Galgen, an bcitctt die Laternen baumelten. In den hohlen hölzernen Pfosten befand sich eine Kurbel, mittels berat die Laternen heruntergelassen, imb nachdem sie geputzt und mit Rüböl (Petro- leuiti kannte man noch Nicht) gefüllt wieder aufgezogen wurden. Dre Vorrichtung war durch ein eisernes Türchen abgeschlossen. Test Schlüssel besaß der Laternenputzer. Natürlich waren die Verschlüsse aber nicht stndentensicher. Wie die Latenten heute ausgedreht werden, wurden sie damals heruntergelciert, gelöscht und der Wagen Vor der Haustür. Kaum wär sie in der Halle, so kant Vcltlingen auch schon nn. „Dagmar, wo bleibst du nur solange? Ich habe mich so um dich geängstigt. Und dann noch der Unsinn, im offenen Wagen zu fahren!" Sie lachte sorglos und nestelte den Hut ab. „Mein Himmel, Magnus, ich bin doch nicht von Zucker." Da rieb Hektor seinen Kopf an ihren Knieen. „Siehst du, Hek', nun schämst du dich gewiß, weil du vorhin nicht kamst, als ich pfiff!" Schweifwedelnd sah der Hund sic mit seinen, klugen Augen an. „Dagmar!" rief Beltlingen mahnend. Er haßte solche kindische Possen. Und als sie fortfuhr, den Hund zu streicheln, bemerkte er scharf: 1 „Hektor ist überhaupt iticht draußen gewesen!" „Nicht draußen?" wiederholte Dagmar erschrocken, „nicht am Teich?" Franz, der ihren Pelz forthängte, spitzte die Ohren. Betroffen sahen die Gatten sich an und beide durchzuckte der gleiche Gedanke. Wie sehr sie sich denn auch anszureden, lächerlich zu machen suchten — das unheimliche Gefühl blieb. Früher als sonst begaben sie sich zur Ruhe... Dagmar erwachte am andern Morgen wie gewöhnlich frisch und munter. Beltlingen dagegen hatte schlecht geschlafen itnb sah dementsprechend elend und alt aus. Während Dagmar im Schlafzimrner von Anna frisiert wurde, ließ der Kammerherr sich in dem daneben liegenden Toiletten-- zimmer von Franz ankleiden, der nicht wenig von der schlechten Laune seines Gebieters zu leiden hatte. Sei es, daß Beltlingen vor Aerger lauter sprach, oder hörte Dagmar unwillkürlich schärfer hin — sie verwunderte sich nicht wenig über die Grobheiten, mit denen er Franz belegte. Worum es sich eigentlich handelte, hörte sie ebensowenig, wie die Ant- Ivort des Dieners auf eine besonders heftige Frage Beltliitgens. Eine Weile blieb alles Ml nebenan. Tann klirrte plötzlich irgend etwas zit Boden. „Du Esel!" vernahm sie alsbald Wettlingens scheltende Stimme und klatsch, klatsch! sausten zwei Hiebe hernieder. „Au, Herr Bgron!" Tann war alles still, nur nach einiger Zeit ein leises, seines Klingen, als ob ein Geldstück zur Erde fiele. Heftig erschrocken war Dagmar zusammengezuckt. Wie konnte Magnus nur so sein! Das hätte sie seinem ruhigen, glättet! Wesett nie zugelr,aut. Verstohlen blickte sie in den Spiegel. Ob Anng das auch gehört hatte? Doch vor deren ntitleidigem Blick schlug sie beschämt Ibüe Augen nieder. Tie Treue sah es wohl. Ta (tat ihst die Gnädige doppelt leid. Wie lange mochte es dauern, dann wurde der Herr der Frau Baronin auch grob! Still vollendete sie deren Toilette. Dagmar saß längst in ihrem hellblauett Morgenrock am Frühstückstisch, als Beltlingen endlich erschien. Sein eben noch so finsteres Gesicht hellte sich auf, als er das anmutige Bild betrachtete, welches sich feinen entzückten Augen darbot. Das schöne, alte Silber funkelte und leuchtete in dem Sonnenschein, der breit und golden plus deut appetitlich hergerichteten Früh- stückstisch lag, den man im Erker attfgestellt hatte. Lustig! huschten die Sonnenstrahlen umher. Sie tanzten über das blonde Haar der Baronin, ihren edelgeformten Kopf mit einem förmlichen Heiligenschein verklärend. Einen eigenartigen, reizvollen Hinter- grtmd gab dazu der blaßblaue Märzhimmel ab, der greifbar nah hinter dem breiten Fenster zu sein schien, dessen Spitzensi gardinen Dagmar erregt zurückgeschoben hatte. Sie zitterte innerlich noch in dem Gedanken an die Szene von vorhin, die ihr so unwürdig für ihren Gatten erschienen! War. Schweigend balanzierte sie einen Teelöffel auf der Fingerspitze. Sie sah auch nicht auf, als Beltlingeit hereintrat. Jetzt unbefangen seinem Blick zu begegnen, wäre ihr unmöglich gc- tZesen. Sie schämte sich in seiner Seele. „Guten Morgen, Tagmar," begamt er in seiner gewohnten verbindlichen Art. „Guten Morgen," entgegnete sie gepreßt und reichte ihm abgewandtert Kbpfes die Hand. Er wußte sofort, daß sie alles gehört hatte. Das war ihur höchst ungemütlich, aber nur nichts merken lassett, beschloß er rasch. । ii; Schiveigend goß ihm Dagmar den Tee ein, reichte ihm Sahnej und Zucker. Dieser stille Protest gegen sein Benehmen ärgertes ihn unsagbar. Was siel iHv ein? Seinen Diener ivürde er ja ivohl so behandeln können wie er wollte! Tas ging sie gärj sollte? Nein, die Angewohnheit wollte er ihr ein für ällemal austreiben! „Was ist dir, Tagmar?" begamt er herrisch. Sie fuhr bei seinem scharfen Ton erschrocken zusammen. Groß und ernst die wunderschönen Augen aufschlagend, wandte sie ihm langsam das tief errötete Antlitz zu. Eine bange Frage stand darin. Eq begriff sie wohl, aber er wollte sie nicht verstehen, wollte seinem Zorn gegen sie keine Zügel anlegen, und darum sprach er hart und höhnisch: „Ich habe dir doch schon einmal gesagt, daß deine Ansicht über gelegentliche Jagdhiebe eine verkehrte ist.. Tu hast für das, was man „Herrenrecht" nennt, wirklich nicht die richtige Auffassung, meine Liebe. Wer den Dienenden all-, zusehv gestattet, sich mit Wett Befehlen ihrer Herrschaft in Widerspruch zu setzen, wird zuletzt vergeblich befehlen. Nun, ich gestatte das meinen Leuten überhaupt nicht. Geschieht das,, was ich befohlen habe, nicht ausis Haar, so wird ihnen das — beigebracht. Das zieht — besser als stundenlanges Ermahnen! Frei von allem Humanitätsdusel erziehe ich mir meine Leute zum! Gehorsam nach dem Grundsatz: „Lieber ein Schlag zu viel,, als einer zu wenig." Sieh, das ist meine Art, die „soziale Frage" zu lösen!" „Uitb bist du wirklich ganz sicher, niemals ungerecht ,zn sein, Magnus?" frag Dagmar mit hochrotem Atttlitz. Er lachte gleichmütig. „Nach meiner Auffassung verdient eben jeder das, was ich ihm zukommcn lasse. Absichtliche Ungerechtigkeiten wirst du mir hoffentlich nicht zutrauen." Sie hob den Köpf. Ihre Augen blitzten. (Fortsetzung folgt.) wieder aufgezogen. , . , Der Laternenputzer hieß Schnecko und war rm Nebenamt Danzmeister und Pfandhausdiener. Die städtische Pfand-, u n d Leiha n st a l t blühte zu meiner Zett noch, ^hr stand ein Veteran aus den Napoleonischen Zeiten vor, Rendant Bieler, der den Uebergaug über die Beresina mttgemacht hatte Tie Studenten waren selbstverständlich seine besten Müden., Wenn Man nach der Zeit fragte erhielt man mast selten die Antwort: „Bedauere, Meine Uhr rst beim U hr m a ch e r B t e l e r. Zu meiner Schande muß ich gestehen, daß die meinige auch einmal dorthin gewandert ist. Es galt aber Nicht als solche. Bieler war auch der Begründer und Inhaber der aus^ ae-ceickneten Wellenbäder an Sauerbiers Mühle, das heißt derjenigen, mit welcher jetzt dps städtische Elektrizitätswerk verbmroen^D^e vier Räder. Unterhalb dieser in dest Rinnen, wjaren Bad e zellen angebracht, durch welche das! Wasser draußen in den brodelnden Kessel schoß. Heber den Rinnest befand sich die offene Badehalle, von der Man sich köpf-, über in den Wellenstrudel stürzte. Dias Ivar der Tummclplah der badenden Jugend. In den Wellen hingen Geile., Mast schwamm an dieselben und es war eine Lust, sich nun von den überstürzenden Wiassern bespülen zu lassen. , Leider haben die beiden Institute Bielers frnUettig! zu existieren Msgehört, das Wellenbad als Sauerbiers! Mühle ut andere Hände überging und an Stelle der Räder eine große Tu^ bitte Mat An der Pfand- und Leihanftalt erlebte die otabt wenig! Freude, nicht aus Mangel an Zuspruch, sondem weil Papa Bieler zu vertrauensvoll wär. Sie wurde daher aufgelöst, Mst Leidwesen der in Betracht kommenden studentischen und, anderen > 411 — Die Studenten mußten sich nun für Aufbewahrung' ihrer Ueberzieher im Sommer eine andere Stelle suchen. Sommern Überzieher gab's zu meiner Zeit bei den Studenten noch nicht. Viele trugen weder Ueberzieher noch Mäntel im Winter. Ich hatte, wie viele andere einen Shwal, der anstandslos über die Straße getragen wurde. , Dis Studenten waren zu jener Zeit überhaupt burfchrko; er. Man war einfacher in der Kleidung, Handschuhe wurden kaunt getragen. Tie Mutzen und Bänder wurden nicht so oft erneut. Luxusstöcke waren selten. Wir begnügten uns mit sogenannten Ziegen h ia i n e r n. Diese waren billig und gewährten cinej nicht zu verachtende Schutzwaffe, die man manchmal recht nötig hatte. ~ , 1 . • Man ging mit der Tabakspfeife über die Straße, meist, sogenannten Schwanenhälsen. Ich hatte einen Kameraden, einen! Schleswig-Holsteiner. Dieser zog morgens mit einem wahren Ungetüm von Schwanenhals, der mit den schleswig-holsteinischen .Farben im Wappen geschmückt war, aus. Es ging ein halbes! Paket „leichter Kanaster von Georg Heinrich Schirmer" hinein. Das reichte für den Vormittag. Weder das Tragen des! Ungetüms über die Straße, noch das Aussühren des Tabaks galt als unanständig. Tas Letztere wird heute noch so sein, vielleicht mit dem Unterschied, daß man die Zigarren ausführt, die damals noch mehr als Luxusartikel angesehen wurden. Tas Aus führ en war damals' überhaupt noch mehr Mode, wie heutzutage. Es erstreckte sich bis kurz vor meiner Studentenzeit gar manchmal auf wertvollere Tinge, als da war: Gänse, Hasen rc. Einmal soll es sogar vorgekommen sein, daß dem Herrn Känzlesrat El. ein gebratener Hase aus der Küche „ausgeführt" wurde. Wurde der Täter entdeckt, so galt es als ein Studentenstreich, der von beirt Universitätsgericht sehr milde beurteilt wurde. Ties dauerte so lange, bis eines Tages ein Student wegen eines solchen Streiches als Dieb verurteilt wurde, und heutzutage würde der Student, der dem Dienstmädchen eines in unserer Nachbarschaft wohnenden hohen Justizbeamten mit einer langen Stange auf 'die Hand schlug, als Räuber bestraft werden. Er hatte! dem Mädchen zugerusen: Klathrinchen, sie wollen Euch die Gans (die am Fenster hing) stehlen. Tas Mädchen hatte nichts Eiligeres zu tun, als die vor denr -Fenster hängende Gans herein- zuholsn. Dabei erhielt es den Schlag mit der Stange und ließ vor Schreck die Ggns fallen. »Ter „Muber", dem der Vogel zu hoch hing, hatte seinen Zweck erreicht. Der Streich, der Allerdings etwas Wer daL Erlaubte hinausging, rvurde belacht und auch der geschädigte Herr Präsident v. Pr. soll ihn nicht tragisch genommen haben. ' 1 Solchen losen Streichen stand die Hilfsbereitschaft der Studentenschaft zum Mwande öffentlicher Kalamität in auerkennenSi werter Weise gegenüber. Ms es zur Bfeit des sogen. Kartoffel^ lriegs hieß: „Die Rebellen kommen", war die Studentenschaft sofort organisiert, um jenen einen würdigen Empfang zu bereiten. Es kam nicht zum Schlimmsten. Ein blinder Lärm führte sogar zu ergötzlichen Szenen, aber der gute Wille war da und würde sich auch' durch die Tat bewährt haben. Bei Bränden in Gießen oder der Umgegend Maren die Studenten die ersten zur Stelle. Feuerwehren gab es noch nicht, ebensowenig Wasserleitung und Hydranten. Da griffen die Studenten rasch und hilfreich ein, und ihrem! Organisationstalent, ihrer! kräftigen und unermüdlichen Tätigkeit ist es nicht selten gelungen, die größere Ausbreitung des Feuers) zü verhindern. Damit soll selbstverständlich nicht gesagt sein, daß. die übrigen Bewohner lässig gewesen seien. Aber wenn es galt, Reihen zu bilden, das Wasser den Spritzen zuzuführen, habe ich doch öfter erlebt, daß es müßige Zuschauer genug gab, üte. zu tätiger Mitwirkung gngehalten werden mußten. Tas waren aber keine Studenten. Tas Gefühl dev Solidarität, welches die Studentenschaft 'früher beherrschte, hat inzwischen Einbuße erlitten. Ist den Kämpfen mit den „Philistern", die früher allerdings häufiger waren, 'Hat der Ruf „'Bursch' heraus" dem in Not befindlichen Studenten stets Hülfe gebracht. Aus 'meiner Zeit sind mir nur noch zwei Falle dieser Art bekannt geworden. An dem Begräbnis eines Studenten nahm stets die ganze Sju- ddntenschast Anteil. Fackelzüge waren bei solchen Gelegenheiten, häufiger, wie später, und es wurde da nicht gefragt, ob der Verstorbene einer Kvrpbratiorr Ängehörte, und ob er ein Korpsi- oder BerbindungsstWeut war. Ich 'will nicht behaupten, daß dies gerade in solchen Fällen anders geworden, aber ich habe doch in der langen Zeit meiner Gießener Zugehörigkeit häufig erlebt, daß bei öffentlichem! Auftreten der Studentenschaft jenes Gefühl der «Solidarität sehr in den Hintergrund treten mußte vor kleinlichen Form fragen. Kommt einmal heutzutage ein gemeinsames' öffentliches Auftreten der Studentenschaft zustande, so ist es. allerdings auch weit pompöser, wie zu meiner Zeit. , , : ) 1 Es ist natürlich auch wett kostspieliger. ■, Ueberhaupt. war die Lebensführung! 'der Studenten im' Allge- tneinen zu meiner Zeit eine einfachere. Man begnügte sich Mit kleineren Buden, einfacheren Mahlzeiten, der Frühschoppen luap noch njcht obligatorisch; ein Bruder Studio, der etwas Ms 'sich HM, braucht 'heute für Handschuhe, Schlipse, Friseur rc. sstanchmal mehr, als.' für seist Kvlleggeld, . Nun gar die gegcn- seitigen Tedikationen und die Versteigerungen auf den Weihnachts- kneipen! ' Ein Verbindungsbruder von mit kam mit einem Jahreswechsel von 450 Fl. ganz anständig herum; Er war allerdings Kameralist und'verstand als solcher das Rechnen. Natürlich war alles auch verhältnismäßig billiger. Flinf- nnddreißig Gulden pro Semester für eine Bude war schon ein hoher Preis. Für 20 Gulden konnte man anständig wohnen. Ich habe 1855 in Hei del berg für zwei Zimmer nach der Straße nconatlich fünf 'Gulden bezahlt. Tas oppulente Mittagsmahl im Prince (Prinz Carl) kostete 24 Kreuzer (70 Pfg.) im Abonnement. Man aß in den Speisewirtschaften für 14 Kreuzer zu Mittag und für 12 Kreuzer zu Abend. Tas Ivar allerdings der Stipendiatensraß, wie er nicht sehr geschmackvoll ge-. nannt und jedenfalls nicht geliebt wurde. Tie Ataatsstipendien! wurden für Mittags- und Abendtisch gewahrt und mußten damals regelmßig noch ab gegessen werden. Tie Stipendiaten strebten denn auch mit allen Listen oanach, das Stipendium in Geld (etwa 50 Gulden pro Semester) umgewandelt zu erhalten. Es gelang auch nicht selten, den EP Horns hierzu zu bewegen. , . „ , '. ■ Dazu gehörten allerdings gute Testate., Fleißig war so viel, wie wenig im! Kolleg gewesen. Bei sehr fleißig konnte M!an ganz st a t t l i ch „g e s ch w ä n z t" haben. Ich hatte ein Familienstipendium und mußte deshalb auch Testate haben. Bangervw in Heidelberg fragte: Wünschen Sce ein Prädikat. Mit rühmlichem Fleiß und Eifer testierte er. Ob dieser wirklich so rühmlich wär, bezweifle rch. Aber ich habe wenigstens meine Schwänze nachgeritten. , Auf diese Weise besitze ich die Autogramme von Jhermgs' Neuner, Teurer, Bangcrotv, Wasserschleben, Birnbaum, Stahl, Leopold Schmidt und Schilling, von meinem Vater diejenigen von E. vvn Löhr, dem Nnmittelbaren Vorgänger von Jhercng, Marzoll, Thibaut lind Mtttelmaier. Letztere,r habe ich selbsj noch dreißig Jahre später in Heidelberg gehört. . ..... (Fortsetzung folgt.) Mb er das Brot. Dr. M.Bial in Bad Kissingen schreibt in der bekanntest Monatsschrift „Die Gesundheit in Wort und Bild": Das Brot ist unstreitig das wichtigste Nahrungsmittel der Menschheit. Wie sehr die Ueberzeugung von der Bedeutung des Brotes allgemein verbreitet ist, das zeigen! am besten sprachliche Ausdrücke, Ivie die: „Daß einer fern Brot hat", daß wir „vom täglichen Brote" reden, um die Nahrung im allgemeinen zu bezeichnen. Das Sprachgefühl, welches ein sehr feiner Gradmesser für allgemein feststehende und geläufige Ueberzeugungeu ist, bewirkt, daß wir mit dem! Worte „Brot" auch den Begriff der Nahrung an sich verbinden, weil es eben jedem bekannt ist, daß das Brot den! bedeutungsvollsten Bestandteil der Ernährung darstellt. Nun sollte man meinen, daß über ein so unentbehrliches Nahrungsmittel die Kenntnis seiner Bereitung und seiner Zusammensetzung wie sonstiger, dasselbe betreffender Punkte auch allgemein verbreitet fei. Das ist aber nicht der Fall. Die wenigsten, die Brot essen, wissen genau, wie es hergestellt wird. Auch Wrzte, die ja sehr oft m die Lage kommen, Urteile über die Verdaulichkeit und Anwendbarkeit der einzelnen Brotsorten in den verschiedenen Kor- perzuständen abzugeben, sind wenig in allen diesen Fragen) orientiert. _ Ich bin deshalb gern der Anregung von Exzellenz vort Leyden gefolgt, die wichtigsten Punkte aus diesem Gebiete zusanimenzustellen; und wenn ich auch natürlich i'nerBct keine neuen Ergebnisse zur Sprache bringe, so hoffe rch doch) für manchen Neues und Wissenswertes mitzuteUen. Brot nennen wir das Produkt, welches aus, Mehl, also fein zerriebenen Getreideköruern, durch den Gürungs- und Backprozeß entsteht. Die Technik der Brothersteilung ist in allen Ländern mit Ausnahme unbedeutender Ws, weichungen dieselbe. Das durch die Mühle aus den. treidekörnern, Roggen oder Warzen, dargestellte Pulver wird mit Wasser angerührt und durch Meten ffsemen formbaren Teig umgewandelt. Nun muß diesem zähen Produkt eine gewisse Lockerung gegeben werden, um dasselbe genießbar unst verdaulich zu machen; und zu dresem Ende wrrd. der Teig der Gärung unterworfen, wobei tue Entwicklung von Gasblasen erfolgt, welche durch ihre Ausdehnung den Teia auflockern. Diese Gärung tritt ber längerem Stehen d2 Teiges von selber ein, da genügend Gärungserreger, Hefezellen, an den Getreidekörnern, also auch an dem aus dem aus ihnen bereiteten Mehl hasten. Um aber den » rungsvorgang zu beschleunigen, fetzt man künstlich noch Gärungserreger, Hefe, Mnzu, entweder Zorn, des Sauerteiges, eines in starker Gärung befindlichen Teiges von e- 412 — einer früheren Brotbereitung, oder direkt in Form von Preßhefe, d. s. Kulturen von Hefepilzen. Der so vorbehan- oelte Brotteig wird Lei einer Temperatur von 25 Lis 30 Grad gehalten und gerät dadurch in Gärung, indem die H-efepilze aus dem in ihm enthaltenen Zucker Kohlensäure und Alkohol bilden; der Teig wird nun durch das AusdehnungsLestreben der Kohlensäurebläschen genügend aufgelockert. Das so vorbereitete Material wird nuu in Einzelstücke zerteilt und darauf fertig gebacken. Zu diesem Zwecke werden die Brote in einem vorher ungeheizten, auf eine Temperatur vou ca. 120 bis 130 Grad gebrachten Ofen gelegt und einige Stunden darin gelassen. Alkohol und Kohlensäure, die sich während der Gärung gebildet haben, verflüchtigen sich dabei, die Stärke im Brot quillt auf, die äußere Schicht härtet sich und bildet die Brotkruste, das Innere wird eine krümelige Masse. Das ist in großen Zügen die Technik der Brotbereitung, und so ist mau fett den ältesten Zeiten mit der Brotbereitung zu Merk gegangen, nur, daß heutzutage anstatt der unsauberen und unhygienischen Operationen nrit den Händen in den Großbetrieben eine maschinelle Tätigkeit getreten ist. Die Mischung des Mehls aus verschiedenen Sorten wird durch eine Maschine automatisch besorgt. Das Anrühren des Teiges durch Vermischen des "Mehls mit Wasser und Hefe leistet ebenfalls eine Maschine, die eine Anzahl von Querstangen in Kreisbewegung setzt und so den Teig im Bottich umhertreibt und damit fein gleichmäßig anrührt. Das Schneiden des Teiges in Einzelbrote, gewöhnlich zu 4 Pfund, ist wiederum Sache einer Maschine, der alte Backofen, ein weites, flaches Gewölbe mit einem Backloch in der Mitte, welcher durch Holzkohle, Fichtenkloben usw. geheizt wurde, ist ersetzt durch hohe, große Oefen, die von hinten her durch abgeschlossene Heizschlangen mit warmem Wasser geheizt werden. Durch alle diese Vorrichtungen ist es möglich, die Leistungsfähigkeit der Betriebe sehr zu steigern und in derselben Zeit das vielfache an Brot zu bereiten mls früher. Aber gegenüber diesen Fortschritten unserer Technik ist es besonders reizvoll, die Geschichte der Brottechnik seit den alten Zeiten zu verfolgen, und man darf wohl sagen, es spielt sich darin ein gut Teil Kulturleben der Völker ab; Daß die Brotbereitung schon in den grauen Vorzeiten der Hirtenvölker des alten Testaments bekannt war, davon zeugt ja das Wort Moses' an die Israeliten, zum Osterfeste ungesäuertes Brot zu essen. Die Art und Weise der Brotbereitung war Lei diesen orientalischen Völkern (von den Phöniziern weiß man das bestimmt), die, daß man Getreidskörner durch Handmühlen zerdrückte und auf heißen Steinen fertig buk. Vom Morgenlande kam die Kunst der Brotbereitung wahrscheinlich durch phönizische und ägyptische Kolonisten nach Griechenland; und schon'im 5. Jahrhundert v. Ehr. war die Brotbereitung in Griechenland bekannt. Das beweist sehr hübsch eine Terrakotta-Figur aus dieser Zeit, welche im Antiquarium des Berliner Museums aufbewahrt ist. Dieselbe stellt einen sitzenden Bäcker dar, der eben sich anschickt, einen geformten Teig auf den Backofen zu legen. Nach Italien kam die Kunst des Brotbackens viel später. Selbst in der ersten Zeit des römischen Staates kannte man das Brot nicht, sondern aß statt Brot eine Art Weizengrütze in Suppen- oder Breiform (alica genannt). Später zerquetschte mau in Rom die Körner zwischen Steinen und röstete sie sodann. Man sah darin damals doch eine so wichtige Erfindung, daß Numa ihr zu Ehren eine jährliche Festfeier veranstaltet haben soll. Schließlich kam dann durch griechische Einflüsse auch nach Italien die Backkunst. Eine sehr hübsche Freske im Neapolitaner Museum aus Pompes anischen Funden zeigt einen Bäckerladen, in dem eine Bäckersfrau gerade für einen Kunden ein rundes, Brot abwiegt. Unter den Lavamassen haben sich in den Ääckereien Pompeji's sogar noch Probbn des damaligeu Brotes, natürlich als völlig getrocknete rmd harte Asche, erhalten. Die Form der Brote !var die pnserer heutigen runden Bauernbrote. Später ist im wesentlichen die Technik der Brotberei- tung im Mittelalter und in der Neuzeit dieselbe oben geschilderte geblieben, und die Verschiedenheiten in einzelnen Ländern bestehen hauptsächlich darin, daß das Material der Brotbereitung wechselt.' Bei uns ißt man Roggen- und Weizenbrot, weit weniger Gerstenbrot; in Schweden «tischt man zur Brotbereitung Gerste Und Hafer zusammen; die Isländer pflücken das auf Felsen wachsende Moos, trocknen und mahlen es zum Zwecke des BackenL In Sibirien und Nordchina muß der Buchweizen zur Brot- bereituug herhalten; in Lappland verwendet man sogar dazu eine Mischung von Hafergrütze, Tannen- und Fichten-, rinde. In Italien ißt man in einigen Provinzen Brot aus den Früchten der roten Kastanie. In Japan und China' wird aus Reis eine Art Brot gebacken. In Persien wird dem Reismehl noch Milch zugemengt. In Aegypten, Arabien' und Kleinasien eine bestimmte Sorte Hirse. Je mehr man sich von historischen und ethnographischen Gesichtspunkten mit der Brotfrage befaßt, desto mehr wird man zu der Ueberzeugung geführt, daß das Brot als ein dem Menschen--, geschlechte unentbehrliches Mittel zur Ernährung bezeichnet werden muß. Unter allen Völkern und Zonen wird als die umfassendste und den meisten Anforderungen genügende Ernährungsform der Brotgenuß angesehen. Vevmrschtss. * DaS Ende der Dienstbotennot. Ja Amerika ist die Dienstbotemiot wenn möglich noch schlimmer wie bei uns, und die amerikanische Hausirau muß, neben dem hohen Gehalt, den die Jungfrauen vom Staubbesen und vom Kochtopfe in der neuen Welt fordern, noch manches Opfer bringen, um die anspruchsvollen Töchter der Freiheit bei guter Laune zu erhalten. Einige verzweifelte Leidensgenossinnen in KanfaS City haben sich nun zusammengetan und eine Art Boykott der Dienstmädchen veranstaltet. Sie mosten sich und ihren Angehörigen auf eigene Faust durchhelfen und sich von der Tyrannei der Küchensee befreien. Acht Damen haben das Experiment gewagt und einen Klub gegründet. Aste Familien speisen fortan im Klick', rmd am Ende des Monats werden die Kosten geteilt. Ein Klubiiiitglied leitet die Geschäfte, ein Oberkoch und zwei Gehiilsen assistieren, und in diesenr Amt iverden die Damen abwechseln. Jede Familie liefert ihr eigenes Tisch- und Silberzeug. Das Unternehmen hat sich so trefflich bewährt, daß man schon zur Erweiterung schreiten mußte, imd die entschlossenen Frarien üon Kansas City sind sehr stolz und glücklich, die Dienstbotenfrage nun endgültig gelöst zu haben. ■— Die Richard Wagner-Stipendien-Stiftung. Deal Kunstwort schreibt: Denkt man an den ungeheurer! Fremden- strvm, den keines Baireuther Sommers Glut versiegen läßt, so möchte man glauben, daß die Begeisterung für das Richard Wiagnersche Kunstwerk heute eine ungeahnte Höhe erreicht habe/ In Wahrheit ist Baireuth — einmal muß es doch offen gesagt werden — für das große Publikum auch heute noch nichts weiten äls eine Sensation, bei der dabeigewesen zu fein zum guten Ton gehört. Gehört es sauch zum „guten Don", in die Enge des Alltags 'zurückgekehrt, sein Interesse einem Unternehmen wie; dem Stipendienfonds zu versagen, dessen ideale Aufgabe es ja ist das Werk im Sinne dessen zu erhalten, der das Festspielhaus als Hüter seines Erbes erbaute? Nichts liegt hier ferner,; als Propaganda zu treiben. .Eines nur soll Betont werden. Klarin man sich über die viel beklagte Interesselosigkeit rm-. seves Publikums (nicht nur des Dresdner, dsas ich hier besonders im Auge habe) wundern, da noch nicht einmal die KNlturan- stalt: das Theater sich aufgeschwungen hat, durch Aufführungen eines .Wagnerwerkes zugunsten der Stipendienstiftung seinen Tribut zu zahlen? Ist es z. B. von einem Hoftheater wirklich zuviel verlangt, von jährlich 'fünfzig gutbesuchten Wagneraufführungen eine einzige der pietätvollen Tänkespflicht zu opfern? Insofern war der warNre Schlußappell 'in einem Vortrag des. Jenaer Aesthetikers Hugo Dinger von symptomatischer Bedeutung.; Noblesse oblige!! Gerlade den Hofbühnen, wie Berlin, München,; Stuttgart, auch Wiesbaden, Böte sich hier Gelegenheit zu vorbildlicher Initiative für alle Bühnen, denen die Pflege Wagnerscher Kunst gevadezu Lebensbedingung geworden ist. Daß ich auch München nannte, hat nicht etwa itt Sachunkenntnis seinen Grund. Der Konkurrenzkampf sollte ausgef Haltet sein, wo es. sich darum handelt, das Wagnersche Kunstwerk (ob in Baireuth, München oder schließlich — .Amerika) als Allgemeingut den Jahrhunderten zu bewahren. LvgvMiPh. Schreibst du cs deumiSvoll mit G, So ist's als Bitte aufzuiassen. Doch mein ich. jeder kann fich's mit B vom Geldbriefträger gefallen lassen. Auflösung in nächster Nummer. Auflösung des Versteckrätsels in voriger Nummer: Zwei harte Steine mahlen selten kleine. Redaktion: Ernst Heß. — Rotationsdruck und Verlag der Brkhl'schm Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen,