Samstag deu 15. Juni 1807 — Mr. 87 TTxWh «Li - '*■ W |*] L ■ Yr. 26. Eine Heiratsgeschichte, der Wirklichkeit nächerzählt von Harro Köhncke, Hamburg. Nachdruck verbotet. Er war Lehrer und fachwissenschaftlicher Schriftsteller in N., 38 Jahre alt und seit zwei Jahren kinderloser Witwer. Jetzt stand er ganz allein auf der Welt, gehegt und gepflegt von seiner alten Babette, einem Jnventarienstück, das er noch von seiner Frau Mutter geerbt hatte. Schrecklich langweilig und ungemütlich war es bei i hm zu Hause, so daß er die meisten Abende in seiner Stammkneipe verbrachte; eine Gelegenheit, mit Freunden und Bekannten eine Partie Billard oder Skat zu spielen, fand sich dort jeden Abend. Tast ihm dies Leben behagte, konnte er wirklich nicht behaupten; aber was sollte er machen? Heiraten? Gern! aber welche? Seine alte, 50 jährige Babette konnte er doch nicht heiraten, und andere weibliche Individuen kannte er eigentlich nicht. Eines Abends in der Dämmerung saß er in seinem Zimmer und gab seinen Gedanken Audienz. Woran er dachte? Das wußte er wohl selber nicht; seine Laune war aber nicht gerade die beste. Da klingelts. Babette öffnet. „Guten Abend, mein liebes Bettchen." „Guten Abend, Herr Doktor." „Nun, Sie sehen ja so griesgrLmlich aus; wo fehlts denn?" „Mir fehlt, Gott sei Dank! nichts; aber er, Herr Doktor — es ist schrecklich — heute hat er wieder fast gar nichts gegessen, und ich hatte doch eine so schöne Suppe gekocht, und der Braten war ganz besonders gut. Sehen Sie doch einmal nach ihm und reden Sie ihm zu, daß er sich besser pflegt. So--" „Ja, liebes Bab.ettchen, das will ich tun, das Zoll anders werden, so kann das nicht mehr fortgehen." Nur schwach, aber doch ziemlich verständlich klang dieses Gespräch vom Korridor in das Zimmer. „Herein!" „Guten Abend, Hans." „Guten Abend, Fritz. Hast du deine Piatienten schon besorgt und aufgehoben?" „Ich komme eben zum letzten und schwersten, Hans. Was machst du mir für Sachen? Tu verschmähst mir die kräftige Suppe und den saftigen Bvaten deiner guten alten Babette! Willst du eine Hungerkur durchmachen?" „Unsinn, Fritz. Aber es ist fpohl richtig: ich werde der alten Babette von Tag zu Tag unerträglicher." „Sei nicht ungerecht, Hans! Tie Alte meint es gut mit dir; sie ginge für dich durchs Feuer. Es muß anders mit dir werden. So verkommst du an Leib und Seele." „Tanke für das Prognostikon! Hast du sonst noch Schmerzen?" „Nein, alter Junge, nur das alte Lied: du mußt heiraten! Meine Frau hat mich heute nur zu dem Zweck hergeschickt, dir dies alte Lied in allen möglichen Variationen vorzusingen. Sie hat noch immer die Hoffnung, daß dir doch irgend eine gefallen werde." „Was? Eine Frau oder eine Variation des alten Liedes?" „Beides, Hans, beides! Uebrigens, wenn du witzig wirst, kannst du ja nicht allzuschlechter Laune sein." „Schieße nur los: Ich flehe es schon, du hast wieder eine in petto." „Leider nein. Nach den schlechten Erfahrungen, die ich M dir mit meinen Vorschlägen bere'its gemacht habe, wage ich es nicht, dir noch einige Schönen zur Wahl zu präsentieren. Uebrigens wüßte ich auch keine; du mußt selbst 'suchen. Besuche doch einmal einen anständigen Ball und halte Rundschan. Es müßte doch mit d.cm Teufel zugehen, wenn für dich keine Frau zu finden wäre." „Lache mich aus, Fritz: ich habe das bereits' getan. Vorgestern bin ich auf dem Ball des Bürgervereins gewesen." „9?a, und?" „Ja, Fritz, es wird wohl an mir liegen, aber keine hat mtv gefallen. Ich habe — und du darfst mich wirklich auslachen —■ ich habe sogpr getanzt. Einige waren wirklich nicht übel; aber wenn sie den Mund austaten, dann hatte ich genug. Fade, Fritze trivial zum Davonlaufen." * „Hör' mal, Hans, wie soll die denn eigentlich sein, die dir gefallen soll? Ich bin doch neugierig." „Ach, laß das. Ich weiß es nicht; nur so viel weiß ich, daß sie anders sein muß, als diejenigen sind, die ich kenne." „Also ein verschwommenes Ideal. Ja, alter Freund, da ist Vichts zu machen. Doch laß mal sehen, ob ich nicht auf chatechetische Manier das Bild etwas Gestalt gewinnen lassen kann." „Jung?" „Bin ich denn schon so ein alter Knabe, daß ich zufrieden sein muß, wenn eine alte Schachtel nicht „nein" sagt?" „So zwanzig bis fünfundzwanzig Jahre?" „Mir schon recht." „Hübsch?" „Eine Vogelscheuche mag ich nicht, dst heirate ich lieber! meine alte Babette." „Reich?" „Unsinn, Fritz! We'nN sie zu wirtschaften versteht, baß wir mit meinen 5000 Mark anständig auskommen, dann bedarf es keines Geldes. Hat sie was, nun, da lebt sichs vielleicht ein bißchen angenehmer, zumal ich zum Pfennigfuchser nicht das geringste Talent habe." „Hans, erschrick nicht, —. tpas meinst 'du 'zu einem Heiratsk gesuch?" „Nein, alter Junge, das wollen wir doch lieber lassen. Die Damen, die sich da melden würden, dürften nicht nach meinenl Geschmacke sein." „Sage das nicht. Ich kenne ein Ehepaar, das sich auf diesem! „nicht mehr ungewöhnlichen Wege" gefunden hat. Es sind hochachtbare und liebe Leute, und die Ehe ist 'die glücklichste, die. man sich denken kann." „Ja, das große Los wird alljährlich auch ein- oder zweimal gewonnen. Wer aber in Hoffnung auf einen wichen Glücksfall in der Lotterie spielen wollte, wäre ein Narr.' „Wie wäre es Hans, wenn du eilte gebildete Dame als Haushälterin suchtest? Gefallt ihr euch, Hann könnt ihr ja jeden Tag heiraten." ,, ., , . „„ „Eine anständige Dame, wenn sie nicht bereits tut Mittel- alter steht, zieht nicht pls Hausdame zii einem einzelnen fremden Herrn." „Tas wollen wir doch Nicht so schroff dahin stellen. — Bitte, gib mir einmal dein Schreibzeug." „Mas solls, Fritz? Mach keine Dummheiten!" „Laß mich doch erst schreiben. Du kannst 'ja nachher urteile«! und dich entscheiden." 346 — „Wie du willst. Auf meinem Schreibtisch findest du alles, ivas du wünschest." Nach wenigen Minuten überreichte der Doktor seinem Freunde ein Blatt Papier, auf dem folgende Anzeige stand: Ein älteres, gebildetes und sehr gemütliches Ehepaar, kinderlos, sucht zur Gesellschaft und zur Leitung seines kleinen Haushaltes eine junge, womöglich alleinstehende, gebildete Dame. Stellung einer Tochter selbstverständlich. Ausführliche Mitteilungen über Bildungsgang, persönliche Verhältnisse nebst Photographie wolle» reflektierende Damen gütigst senden snb — -— a. d. Exped. d. Bl. „Ich verstehe dich nicht, Fritz. Ich und Babette bilden doch kein „älteres, gebildetes und sehr gemütliches Ehepaar"! Was soll 'das?" „Junge, sei doch nicht so dämlich. Erkennst du denn gar nicht meine Schlauheit? Sieh, auf eine solche Anzeige kann sich jede, auch die prüdeste Dame melden. Wir bekommen eine Menge Photographien und ausführliche Mitteilungen über «die Originale. Wir können Erkundigungen cinziehen, und — das andere findet sich!" „Aber das ist ja Betrug, Fritz." „Papperlapapp, Hans. Sei nicht närrisch. Wen wollen wir denn betrügen? Jede Reflektantin bekommt das Ihrige wieder zurück. Getäuschte Hoffnungen hat jedes Gesuch zur Folge, wenn sich mehr als ein Reflektant meldet." „Aber was soll es nützen? Gesetzt den Fall, wir finden eine passende Persönlichkeit, was dann? Dann säßen wir ja erst recht in der Patsche." „Pfui, Hans! „Passende Persönlichkeit" — wie trivial. Doch laß das nur. Das andere findet sich später. Dies Inserat trage ich 'morgen in die Expedition der „—Ztg." Morgen ist Mittwoch — Freitag abend bringe ich dir die Offerten." „Auf deine Verantwortung, Fritz. Ich wasche meine Hände in Unschuld." — —• Einige vierzig Offerten brachte Doktor Fritz am Freitag abend seinem Freunde. „So, Hans, nun trollen wir praktisch verfahren. Paß auf! Wir trennen vorerst alle Photographien voit den Briefen, und damit wir sie wieder zusammenfiuden, versehet! tvir Photographie und Brief mit einer gleichen Nummer. Nun frisch gn's Werk!" „Aber wozu das, Fritz?" „Tu wirst es schon sehen. Schnell an die Arbeit! So ist recht — 1, 1 — weiter! 2, 2 —. Immer die Rückseite der Photographie numerieren, 3, 3 —• die Briefe ohne Photographie kommen zuletzt daran, Hans, 4, 4 — nicht erst lesen, alter Junge, 5, 5 ■— Donnerwetter, ist das ein hübsches Gesicht, 6, 6 — hu, die alte Schachtel, 7, 7 — die Nachteule! 8, 8 — Ah superb, 9, 9 . . . ." Endlich waren alle numeriert. Wvhlgezählt: 32 Offerten Mit Photographien, die übrigen ohne eine solche. „So, Hans, jetzt sehen wir uns die Bescherung an. Alle Bilder hübsch nebeneinander gelegt, stramm in Reih und Glied, wie eine wohlgeschulte Kompagnie Linientruppen. Jetzt scheiden wir aus. Hier — alt und häßlich, weg damit! Hier eine dito, und noch eine dito, und noch eine dito. Diese auch, Hans; man erschrickt ja förmlich bor dieser Habichtsnase. — So, Freund, die Zahl ist schon kleiner geworden. Jetzt scheide du aus; bin doch neugierig auf deinen Geschmjack, altes Haus!" „Hier, weg damit!" „Nun, das Gesicht ist doch nicht so übel." „ „Freilich! Aber sieh einmal diesen Hut, auf dem ein großes Stück eines Botanischen Gartens seinen Platz gefunden hat! Wie kann mau nur so geschmacklos sein? Hier ist noch eine Modenärrin. Weg dankit!" „Plebejer, du!" „Sei es darum. Mir einen Kleiderständer eines Modewaren- geschästes danke ich bestens." „Hans, Hans! Esl passieren bekanntlich viele Dinge zwischen Himmel und Erde, von denen der Mensch sich nichts träumen läßt; aber toenn du je zu einer Frau kommst, will ich in zweimal vierundzwanzig Stunden kein Glas Bier trinken." „Ties Gelübde nehme ich nicht au, Fritz. Grausam war ich nie." „Spötter!" Die Freunde schieden unter Scherzen und Lachen und Streiten weiter aus, so daß zuletzt ein engerer Wahlaufsatz von drei Schönheiten übrig blieb. „So, Hans, nun lesen wir die Briese. Lies du laut vor." „Das können wir bequemer haben. Als gläubiger Anhänger der Graphologie wollen wir erst 'einige -©riefe, ohne sie zu lesen, ausscheiden." Sechs wurden auf die Seite geschoben. „Jetzt scheiden wir alle aus, die mit den Worten beginnen: Bezugnehmend auf Ihre Anzeige in der „—Ztg." usw." (Schluß folgt.) Zhukalonkorn, der „König der Könige". Bon Tr. I. Wiese. (Nachdruck verboten.) Zurzeit besucht der Beherrscher des „Reichs des Elefanten" auf seiner Europareise auch das Deutsche Reich, unter dessen Schiffsflagge er den Weg vom fernen Osten nach dem europäischen Festlande zurücklegen wird. Da ist es -gewiß von Interesse, Näheres überden König von Siam, Chulalonkorn, zu erfahren. Vielleicht kein Herrscher der Welt trägt eine solche große Anzahl von Titeln, wie unser demuachstiger Gast. Hier sind sie: Chulalonkorn, der „Fürst, der vonr Himmel gekommen ist, um i ,zu regieren", nennt sich eigentlich : Somdetsch — Phra — Chao — Luck — Pah — Jo — Chaofa — Chulalonkorn — Brodinthara —• Thephaya — Maha — Mvngkut — Burutsaya — Ratana — Rat — Räwiwougs — Wurutana — Pongs — Boriphat — Sri — Watana — Racha — Kumau. Für die Siamesen bedeutet er die lebende Inkarnation Buddhas. Daher war es früher verboten, die Augen zu erheben, um Se. Majestät zu betrachten Nur auf dem Boden kriechend nahten die Untertanen sich ihm, die Stirn im Staube rund die Ellenbogen auf die Erde gestützt. Bor wenigen Jahren noch war es ihnen verboten, an denr Palast vorbeizugehen, ohne niederzuknien und ohne die Hand zur Stirn zu erheben zum 'Zeichen der Ehrfurcht. Heute dürfen sie bei der Vorüberkunft des Königs stehen bleiben, aber nur unbedeckten Hauptes. Die Regierung in Siam ist der Despotismus in der schrofssten Anwendung des Wortes. Der König ist dort absoluter Herr der Menschen und Dinge, alles gehört ihm: der Boden wie der Bewohner, er kann nach Belieben darüber verfügen. Ter König ernennt die hohen religiösen Beamten, er ist tauch zugleich oberstes Haupt der Kirche. Siam ist eine Erbnwnarchie; obwohl das älteste von den Kindern des verstorbenen Königs nicht Kraft des Rechtes als Nachfolger den Thron besteigt, geschieht es doch tatsächlich so. Tie Thronfolge ist durch eine Unzahl von Vorsichtsmaßregeln geordnet, nm Palastrevolutionen zu vermeiden. Alles wickelt sich auch gewöhnlich in Ruhe ab. Tie Etikette verlangt, daß der König wenig ausgeht; aber Chulalonkorn ist durchaus nicht gewillt, sich allem zu unter- wersen, was seine Launen genieren kann. Er fährt oft in einer Barke, noch öfter in einer Kutsche spazieren seit der Einführung der Wagen in Bangkok und der Anlage neuer Wege. Ist die Entfernung zu groß, z. B. bei einer Reise von einer Provinz zu einer anderen, vom Winterpalast zum Sommerpalast, so reift der König in seiner Damipfjacht. In seinem Palaste zu Bangkok oder in dieser Stadt läßt sich Chulalonkorn in einer reich geschmückten Sänfte durch Sklaven in. Livree tragen. Trabanten schreiten voraus, Lanzen und Fackeln tragend. Bei großen Feierlichkeiten ziehen die Mandarinen, gleichfalls je nach Rang und Würde in Sänften getragen, der des Königs voraus, und die königliche Hymne wird gespielt. Oft auch besteigt Se. Majestät einen reich aufgezäumten Elefanten, dessen Zähne mit goldenen Zieraten geschmückt sind. Tie Etikette des Hofes von Siam ist durchaus lästig. Iw einem alten Zeremonialkodex Phra-Aja-Kan-Montheraban ist alles bezüglich der Etikette geNau geregelt: das Aufstehen, das Bad, die der Lektüre der Gesetze und den Annalen des. König-, reiches gewidmete Zeit, die Äudienzstunden, die Almosen, die Unterhaltung mit der Königin und den Tiamen des Harems. Chulalonkorn würde der erbarmungswürdigste Sklave des ganzen Reiches sein, wenn er nicht sehr weise nach dem Grundsatz zu handeln verstände: der Buchstabe tötet, der Geist macht lebendig. Ter Palast des Königs von SiaM ist ein gewaltiges Gebäude u nd umfaßt für sich allein die Hälfte des Terrains, das in die Befestigungen — was man in Bangkok die „City" nennt — eingeschlossen ist. Er ist vollständig von hohen Mauern unt- geben; mehrere Tore ermöglichen den Zutritt. Betreten wir das Innere, so bietet sich ein herrlich in chinesischem Geschmack errichteter Square zunächst unseren Blicken, dar. Man sieht dort eine Menge seltener Pflanzen in vielfarbigen Porzellankübeln.. An Jll u m i n a t io n s.ab enden bieten diese exotischen Blumen einen herrlichen Anblick. In der Mitte erhebt sich der hohe Uhrturm, gegenüber trägt der Pavillonmast, höher als diejenigen aller Konsulate, die Flagge in den siamesischen Farben. Um diesen Mast zieht sich ein geräumiges Zelt, in dem täglich die Musiker des Palastes ein Konzert geben. Diese sind nicht etwa, wie man vielleicht.annehmen sollte, jene alten Musiker, bereit Kunst darin bestand, mehr oder weniger stark in lange antike Trompeten zu blasen, ähnlich denen, die man den Engeln auf den Gemälden des letzten Gerichts in die Hand. gibt, sie sind auch nicht jene leidenschaftlich das Gong-gong oder Tamtam schlagenden Künstler, sondern ausgezeichnete Musiker, die geschickt die schwierigsten Stücke iunserer großen Opern ausführen und einen Euq ropäer als Kapellmeister an ihrer Spitze haben. , Tie Privatgemächer Sr. Majestät sind niemals zugänglich. Sie sollen sehr luxuriös ausgesifattet sein. Nimmt der König seine Mahlzeiten ein, so wird er gewöhnlich von jungen Leuten aus guten Familien bedient. Alle Gerichte, die auf den Tasch kommen, find versiegelt. Bezeichnet der König ein Gericht, so zerbricht der „Mundoffizier" das Siegel, hebt den Deckel ab und ' kostet, bevor er es Sr. Majestät darretcht. Das geschieht- 347 AM fest'zustellen, ob die Speisen nicht etwa vergiftet find. Man nimmt gewöhnlich an, daß der König kein bestimmtes Schlafzimmer besitzt und daß er bald hier, bald dort schläft. Fcst- stellen läßt sich das sehr schwer, da es Mühe kostet, in die Geheimnisse des Privatlebens eines Königs von Siam zu dringen. Alles verläuft dort sehr geheimnisvoll. Der Thronsaal existiert nicht mehr in seiner früheren Ausstattung, denn verschiedene Verbesserungen sind gemacht worden; aber dieser Neubau scheint nicht in Harmonie mit dem unverändert gebliebenen Teil zu stehen. Ter Schmuck der Decken und Säulen bringt allerdings eine ausgezeichnete dekorative Wirkling hervor; aber dennoch stört hier die glückliche Vermischung des siamesischen und des europäischen Stils. Der Thronsaal hat die Form eines T. Die Mauer sind mit Gemälden geschmückt. Wenn der König, die Stirn mit der siebenzackigen Krone geschmückt, in sein goldenes, am Gürtel voll einer mit kostbaren Edelsteinen besetzten Schärpe gehaltenes Gewand gekleidet, an den Füßen mit goldenen Sandalen, an deueil Diamanten blitzen, auf seinem glänzenden Throne sitzt, umgeben von seinem ganzen Hofe, den Prinzen von Geblüt, den Großmandarinen, glaubt mair einer Feerie ohnegleichen beizuwohnen. Höchstens können die Turbans der Groß-Rstjahs Indiens dieser orientalischen Pracht gleichkommen. In der Nähe des Palastes steht auch eine Pagode mit kostbaren Schätzen. Um sie herum befindet sich ein Garten mit Kiosken, in denen Blumenkübel, in chinesischer und japanefischer Arbeit gefertigt, stehen. Seit einigen Jahren hat übrigens der König einen prächtigen .Garten anlegen lassen, der ein sehr angenehmer Aufenthaltsort für die Europäer ist. Wenige Großstädte in Europa besitzen in ihren zoologischen Gärten so viele sehenswerte Pflanzen und Tiere, als der von Bangkok. In einem sehr geräumigen Kiosk dieses Gartens befindet sich auch ein Rauchzimmer und ein Billardsaal. Hier kann man die als Dekorateure geschickten Siamesen bewundern, wenn sie an großen Festtagen ihren unvergleichlichen Spürsinn und einen wirklich erfinderischen Geist in den Arrangements an beit Tag legen. Mit Bambus uud Papier, die sie mit verschiedenen Farben bemalen, stellen sie phantastische Tiere, Drachen, außergewöhnliche Fische, denen nur das Leben fehlt, dar. Sie erbauen Schiffe aus Eßwsaren, Paläste aus 'Streichholzschachteln uud kommen in der Fabrikation von Feuerwerk den Chinesen an Geschick gleich. Spiele jeder Art, wie Degen-, Kürten- oder Schachspiele, stehen bei ihnen in hohen Ehren. In jedem Lebensalter geben sie sich ihnen leidenschaftlich hin. Lärm, Feste ifitb Prozessionen bringen dieses Volk in helle Begeisterung. Es gerät in Entzücken, wenn der Feuerwerker das Geschrei der Tiere, das Gezische der Schlaugen, das Brüllen des Tigers, das Schreien des Elefanten nachahmt. Ter im Jahre 1853 geborene König hat etwa 40 Frauen, von denen mehrere Königinnen sein können; aber eine von diesen letzteren nimmt eine hervorragende Stellung unter den anderen ein. Sic ist 'die regierende Königin und zu diesem Range im Jahre 1896 erhoben worden. Mutter des im Jahre 1881 gebor. Erbprinzen, ist sie nach dem Könige die mächtigste Persönlichkeit Siams. Sie ist die Halbschwester des Königs, und das erklärt sich daraus, daß ein Sohn des Königs immer nur eine Tochter des Königs heiraten darf. Auf diese Weife hat der König nacheinander seine fünf Halbschwestern zu Frauen genommen, die also fünf Königinnen sind, von denen wieder eine in dar tzauptgunst steht. Tie anderen Frauen sind nicht königlichen Geblüts. Die zahlreichen Kinder des Königs werden in zwei Klassen geteilt: die Erben der Königin oder die Prinzen und Prinzessinnen und die anderen, die hohe Stellungen einnehMen. Alle Kinder indes bewohnen den Palast.von Bangkok. König Chulaloukorn ist ein eifriger Anhänger der Bestrebungen seiner Vorgänger an der Krone, Tschan Fa Mongknt uud MahaINongknt, die amt der! von ihnen geübten Praxis der Fremdenfeindschaft brachen und mit den seefahrenden Völkern Handelsverträge abschlossen. An Energie und Weitsicht bei Ausführung seiner Pläne jene aber weit übertreffend, hat Chulaloukorn selbst große Reisen, besonders nach Europa unternommen, und seines Hauses Prinzen erhalten ihre bürgerliche und militärische Erziehung zum Teil in Bangkok, zum Teil in europäischen Hauptstädten, wie Berlin und Paris. — Religiöse Toleranz ist 'ein Hauptzug im CMraktcr Chulaloukorns. In dem kleinen, aber seltene Schätze bergenden Museum Ariana in Genf, das der Gattin eines reichen und gelehrten Russen sein Dasein verdankt, sieht man unter den vielen Bibeln in allen Sprachen der Welt, auch eine solche, welche in siamesischer (Tai) Uebertragung beide Testamente enthält, und welche die buddhistische Majestät mit einer) eigenhändigen Widmung versehen Hat.' Seitdem der Europäer in Bangkok ein gern gesehener Gast ist, hat selbstverständlich auch der europäische Handel dorthin seinen Weg gefunden. Während vorher der betriebsame und geschäftskundige Chinese allein auf dem MaMe von Siam herrschte, die reichen Schätze des Landes ausk- und die Erzeugnisse seiner Heimat, besonders die des benachbarten Jünnan, einführte, sind heute deutsche, englische, amerikanische und französische Firmen rn Bangkok in großer Zahl ansässig und Machen glänzende Geschäfte. Das bezeugt die große englische Zeitung „The Bangkok Times Wcekly Mail", in der fast auf jeder Seite von neuen'. Unternehmungen der Fremden in Siam zu lesen ist. Bangkok ist 'eine Großstadt von etwia einer Million Einwohnern. Sie hat elektrische Bühnen, Wersten, Docks, elektrische Beleuchtung, industrielle Anlagen mit Dampf- und elektrischem Betrieb — kurz sie ist ein Ort, der durchaus großstädtische Bedürfnisse bat, Namentlich für die deutsche Einfuhr sind gerade jetzt die denkbar günstigsten Aussichten vorhanden, denn die Wirkung des Einflusses, den der vor einigen Jahren verstorbene Baurat Bethke auf die Regierung in Bangkok ausübte, ist noch deutlich erkennbar und wird auch für die Folge den deutschen Unternehmungen, förderlich sein. Sittgeude Aslseu. (Nachdruck verboten.) Nicht die Großartigkeit der Meere, die Erhabenheit dcst Gebirge hat die Menschen von jeher am tiefsten ergriffen., Ueberhaupt keine noch so gewaltige Naturerscheinung, solange sie nur auf sein Auge wirkte. Was die Menschen am mächtigsten erschütterte, ivaren stets' Töne, Geräusche, kurz alles, was sein Ohr fesselte. Unser Gehör ist das am meisten vergeistigte unserer! Sinnesorgane. Die Sprache, als das früher einzige Ausdrucks^ mittel des Geistes, brachte die Gewohnheit mit sich, alles Hörbare' von einem denkenden, mit Vernunft begabten Wesen herstammen zu lassen. So entstanden religiöse und abergläubische Borstelb- ungeu aller Art von Geistern und überirdischen Gewalten, die die ganze Welt bevölkern sollten. Im Grollen des Donners vernahm man das Schelten eines Gottes, im Murmeln des Meeres, im Säuseln des Waldes hörte m.cin schmeichelnde Lockrufe fröhlich tanzender Nymphen und Elfen, die sich auf wogenden Wellen, schaukelnden Zweigen auf und ab schwangen. Alle diese Gott- heilen waren weiblich. Waren ja auch jene dichterischen Phaii- tastcn, die alles Unbelebte belebt sahen, meist Männer, sind das erklärt alles. i Heute ist unser Sehnen nach dem Ueberirdischen erloschen'., Verglimmt ist auch das Feuer so vieler menschlicher Leiden-, schäften. Heute hoffen wir, nicht mehr lieblichen Äaldelsen, ver- heißungsvoll-neckenden Dryaden zu begegnen. Mit dem Wunsch erloschen die Phantasien. Freilich auch heute hören wir noch jene geheimnisvollen Töne, jene schauerlichen überraschenden Geräusche der.freien Natur genau wie sie vor Tausenden von Jahren in den Uranfängen des Menschengeschlechts gehört wurden. Aber heute überlassen wir ihre Deutung nicht dem Dichter und Sänger, heute zieht der Gelehrte hinaus und photographiert, zeichnet, rechnet, mißt, fängt Tiere und spießt sie auf, bricht Pflanzest, und mikroskopiert sie. Ob dos edler, humaner ist, schöner? Genug, es ist so! Auf diese Forscherweise ist cs kürzlich auch gelungen, eines dev merkwürdigsten Wunder der alten Welt zu erklären, das Rätsel der Memnonsäule bei den alten ägyptischen Theben. Um die Zeit von Christi Geburt begann die nördliche der beiden sogenannten Memuonstatuen auf der thebanischen Nckropol Plötzlich zu tönen. Und zwar gab der ganze 10 Meter hohe kolossale Sandsteiublock bei Sonnenaufgang ein Geräusch von sich, das mit einem richtigen Singen entschieden Alehulichkeit hatte. Die Erscheinung blieb dem Staunen aller neugierigen Touristen des römischen Kaiserreiches erhalten, bis etwa um das Ende des zweiten Jahrhunderts unserer Zeitrechnung, als Kaiser Septimius Severus eine Restauration der Säuleustatue vornehmen ließ., Seitdem zeigte sich stichts derartiges wieder. Lange war man beinahe geneigt, diese Berichte ausnahmslos als ein Märchen anzusehen, bis am Anfang des 19. Jahrhunderts Alexander von Humboldt auf seiner berühmten Weltreise an dem Ufer des Orinoko in Südamerika singende Felsen entdeckte. Es waren dies einzelne Felsklippen im Tale, die im Winde erklangen. In neuster Zeit hat Pcschuel-Löschke ähnliches aus Deutsch-Südwestafrika beschrieben. Als Ursache des merkwürdigen Singens dieser Felsen siehtflstast heutzutage das Reiben kleiner Gesteinsschuppen im Winde an. Im allgemeinen ist ja jedes Gestein wasserhaltig. Friert es nun, so daß die kleinen Wasscrbläschen gerinnen und sich ausdehnen, zersprengen sie den Felsen und haben ost genug kleine Schüppchen vor der Oberfläche, die zwar noch fest genug sitzen, um nichti herunter zu fallest, aber doch gelockert genug sind, um unter den Stößen des Windes. leise hin und her zu schwingen. Auch wenn das ursprüngliche Gestein keine Wafserbläschcn und über-: Haupt keine Hohlräume enthielt, wird es sich infolge des verschiedenen Wärmeausdehnungskoeffizienten an den einzelnen -reuest so ausdehnen, daß notwendig Spänunugeit, Risse, Sprünge und damit cventl. Abschuppungen entstehen. Auch auf der alten Mcumonsäule mögen sich rmolge der! ausdörrenden Hitze der ägyptischen Tage und der ziemlich empfindlichen Kühle der Nächte solche Gestcinschuppen gebildet haben.. Ging dann die Sonne auf und erwärmte die Säule, so Vera schoben sich die Schuppen und klingende, singende Geräusche! dranaen an das Ohr. der abergläubisch ein höheres Wesen pexsi ehrenden Pilgct, Felix J.eutzsch, Berlin., — 848 Vom Superintendenten Palmer. ®er Superintendent Palmer, wegen seiner Temen Gestalt meist schlechthin „das Palmerche" genannt, der Professor in der theologischen Fakultät/Prediger und Schulinspektor war, darf nicht verwechselt werden 1. mit dem ersten Stadtpfarrer Kirchenrat Engel (f 1864), dem sogen. „Engelch e", der ebenfalls 'von kleiner Statur war und der theologischen Fakultät angehörte, und 2. mit dem Sohn des Superintendenten, der Lv u i s P'a l m e r hieß, Pfarrer in Wätzeirborn-Steinberg war und von seinem Amte suspendiert wurde, weil er einmal seine Predigt vorzeitig mit den Worten schloß: „Marsch Katz Amen: Der Jockele (ein Mitglied des Kirchenvorstandes) schläft ja." LouiA Dalmer lebte hernach in Gießen, und ältere Einwohner erinnern sich feiner iro4) recht wohl. Eine gedrungene Figur, etwas über Mittelgröße, mit erbsenstrohgelbem, weißgesprenkeltcm Haupthaar und dicken Backen, auf denen es wie Mehltau lag. Tuchmütze mit breitem Schild, Baternrörder, laugschößiger blauer Rock mit engen Aermeln umd hohem Kragen, Spazierrohx mit weißem Knopf, das er stets auf d en Rucken hielt. Er ist anfangs der 60 er Jahre Hier im Hause Marburger Straße 19 gestorben. Sein einziges Kind, eine Tochter, war hier verheiratet. Daß das (alte) Palmerche und das Engelche in der Tradition vielfach zusammengeworsen zu werden scheinen, nimmt nicht Wunder. Denn beide fvaren klein von Gestalt, und über beide kursierten viele Schnurren. „Tas Haar oder die ganze Barrick (Perrücke) im Heiraten ge- funne" hat nicht das Palmerche, sondern das Engelche. Es war in kinderloser Ehe verheiratet mit einer Pfärrerstvchter aus Brvmswiukel in Nassau. Bon: Palmerche (also vom Superintendenten) sind besonders berühmt die Fragen gewesen, die er im theologischen Examen und bei Schulbesichtigungen stellte, und die nur der Fragesteller selbst beantworten konnte. „Was tun die Fürsten voir Reuß?" „Sie teilen sich in drei Linien." — „Wann wurde Christus geboren?" „Gerade zur rechten Zeit, wie es der Wille war seines Vaters im Himmel." Solcher Fragen hat es gab viele gegeben, und wer noch solche weiß, wird freundlichst gebeten, sie samt der Antwort mitzuteilem qr Ein Herr Propst K. Palin er nttS Braunschweig beklagt sich tu einer Zuschrift an uns über diese und jene Veröffentlichung aus seiner Familie. Es bat uns, wie auch ganz gewiß allen unseren Einsendern nichts anderes im Sinne gelegen, als die Erinnerung an den alten Superintendenten Palmer, eine der originellsten, aber auch geistig bedeutendsten Gestalten aus deut älteren Gießen, müs neue wachzurnsen und von den vielfachen geistreichen Bemerkungen dieses moralisch wie auch sonst in jeglicher Hinsicht durchaus unantastbaren vorzüglichen Menschen und angesehenen Gelehrtett für unsere und ivomöglich auch eine spätere Zeit so viel zu retten, als sich heute noch retten läßt. Doch um allen etwaigen Mißverständnissen vorzubeugen, sei aus der Zuschrift des Herrn Propst Palmer bereitwilligst nntgeteilt, daß der Superintendent Palmer nicht mit seiner Haushälterin verheiratet war, sondern mit einer Tochter des Superintendenten Becktold zu Gießen, daß er in glücklicher Ehe gelebt und zur Zeit seines Lebens eines nicht geringelt Ansehens sich erfreut Hai. Ein in beit dreißiger Jahren des vorigen Jahrhunderts von ihm gefeiertes Jubiläum und die damaligen Berichte der hessischen 'Blätter darüber geben dafür den besten Beweis. Literatur. — Albert Sie fferr, Ott, Alois und Werelsche. Roman. (S. Fischer, Berliag, Berlin.) Geh. 4 Mk. — Ein neues Buch von einem neuen Autor; aber dieser unbekannte Name Albert Steffen wird sicherlich in kurzer Zeit unter den Besten genannt werden. Dds Buch erzählt, wie sich drei junge Menschen kennen lernen, von denen jeder seine eigene Welt mitbringt. Wie nun jeder den anderen in sein Reich einführt, verändern sich 'diese Welten, verblassen, werden brüchig, zerfallen. Bald als Freund, bald als Feind, zu dritt, zu zweien oder jeder für sich finden sie andere, bessere Lebeusregeln, die sich doch immer wieder nutzlos erweisen, da sie nicht durch das Leben selbst 'erprobt sind. So geht es eine Weile heiter zu auf Wanderungen, Spaziergängen und Festen, bis dann großes Un- - glück die drei Freunde lehrt, daß sie erst gelebt und gearbeitet ■ haben müssen, bevor sie etwas wissen wollen. Und zwar ein Leben in allen Formen. Und sie sehen jetzt, daß der Verzicht, dein sie vorher auswichen, keine Schmälerung ist, sondert: ein Urbarmachen des Unglücks in Glück. So wandelt sich bei jedem das Begehren zum Weib Nach und nach um in Liebe zum Menschen, den Mann ausmacht und freilich ohne Verzicht nicht mvgltch ijt, wie denn das Buch vielleicht auch sagen will, daß Lehrmhre der Jugend Jahre des Verzichts sein sollten. Die dre: stehen am Ende der Geschichte allein. Was Farben, Freude und Lachen brlachte, ist tot oder vorbei: die beiden Mädchen und ein l'Ojähriger Küab'e, der durich das Buch hin in eine Schab von Kindern fiihrt, so daß es Heller wird, wie etwa das Geräusch einer Gasse des Abends um einen Ton sich erhöht, wenn so viele Kinder hinunterkommen zum Spielen. Und doch hat für die drei das Leben jetzt alle Tore geöffnet. — Das Buch ist überreich an Bildern von Schönheit und Wahrheit, es ist 'voll voir einer jungen, aus der Tiefe der Unberührtheit schöpfenden Weisheit. Hier in Steffen Tindigt sich in Wahrheit eine neue Ronmntik an, eine echtbürtige, durch keine Stilabsichten und historisch schielenden Erwägungen künstlich gezüchtete. Es ist eines vott den Werken, die nicht geschaffen, sondern geboren sind. Kunst. I—’ Die Kun st Monatshefte für freie und angewandte Kunst (Berlagscmstalt Bruckmann, München, vierteljährlich 6 Mk.), Mai-Heft. Dias vorliegende Heft vermittelt uns wieder die Bekanntschaft einer Reihe interessanter Künstlerpersönlichkeiten. Besonderes Interesse dürften die in einen: Sondcraufsatz behandelten Leiden Maler Adolf Hölzel-SUfttgart und Rudolf Schramm- Zittau, München, beanspruchen. Es ist nicht die Gemeinsamkeit der Richtung in ihrer Kunst, welche diese beiden Künstler in einem Aufsatz zusammenführt, sondern der Zufall, daß sie in der letzten Winterausstellung der Münchener Sezession nebeneinander durch große Kvllektioncu vertreten waren. Einen gemeinsamen Zug haben freilich beide, nämlich, ihr Ziel nur auf künstlerischem Wege, auf dem der reinen Malerei zu erreichen. Die zahlreichen Illustrationen zeigen uns Holzel als einen Künstler, der trotz der vielen technischen Wandlungen, in welchen er die Lehren der Impressionisten und anderer moderner Richtungen verarbeitet hat, eine persönliche Sprache spricht. Schramm-Zittau ist unter den heutigen Tiermaler:: einer der begabtesten. Besonders die dem Heft beigegebene prächtige farbige Reproduktion zeigt ihn als einen Künstler von großer malerischer Kultur, der nicht nur dem Spiel von Licht und Schatten nachzugehen vermag, sondern der auch die Form und die Lebensäußerungen des Tieres in charakteristischer Weise festzuhalten weiß. — Der übrige Teil des Heftes beschäftigt sich mit der Frühjahrsausstellung der Münchener Sezession. In dem der angewandten Kunst 'gewidmeten Teil wird besonders der Streit „Fachverbaud für die wirtschaftlichen Interessen des Kunstgewerbes" gegen Hermann Muthesius interessieren. Kür die Küche. — Kalbsmilch ä la Conti. Mehrere schöne Kalbsmilche blanchiert und häutet man, spickt sie zierlich, legt sie nebeneinander in eine Kasserolle, zerteilt einige Butterstückchen darüber und gießt so viel kräftige Bouillon darüber, daß die Kalbsmilche bedeckt sind. Alan stellt sie 15 Minuten in einen heißen Brätoseu und läßt sie gar und glänzend werden. Junge Erbsen kocht man indes iit Salzwasser, mengt sie mit Butter, wenig Salz und Zucker, richtet sie erhaben in der Mitte einer Schüssel an und legt die Kalbsmilch kranzförmig herum. — Kälte Speise. Ein angenehmes, schnell herzustellendes Gericht bereitet man wie folgt: Alan nehme 4 Eigelb, rühre sie schaumig mit 4 Löffel seinem Zucker, lüge einen guten Teelöffel voll Zitronensaft hinpl, nach Belieben auch etwas Schale, dann den Schnee der 4 Eiweiß; 6 Taseln Gelatine, in einer halben Tasse Weißwein ausgelöst, rühre man darunter und tue es, sobald es ansängt stets zu werden, in eine mit Wasser ausgespülte Form. Nach dem Erkalten halte man die Form einen Augenblick in heißes Wasser und stürze schnell um. Fleißiges Rühren bei der Bereitung des Gerichtes ist eine Hauptbedingung ftir das Gelingen. Wenn man Fruchtgelee oder Schlagsahne zu der Speise serviert, schmeckt sie noch bedeutend besser. — F i s ch e s ch n: 11 ch e n. Drei neue Matjesheringe werden gut gesäubert, aus Haut und Gräten gelöst, in etwa 3 Ztm. lange Streiien geschnitten und dann mit dicker Mayonnaise, die mit gewiegten leinen Kräutern gewürzt ivnrde, vermischt. Zierliche Semmelscheiben röstet man, streicht die Heringsmasse gleichmäßig darüber und verziert die Schnittchen mit gehackter Fleijchsulz, Kapern und geriebenem, hartem Eigelb. Rätsel. Machdrnck verboten. Erschein' ich in der Einzahl dir, Trägst du Verlangen sehr nach mir Und forderst mich reichlich und täglich. Doch in der Mehrzahl werd' ich zur Last, Und mein: du mich dann zu tragen hast, Da heißt's: „Nur so wenig als möglich I" Auflösung in nächster Nummer. Auflösung der Vexier-Charade in voriger Nummer: Thekla (Theater — Klavier). Redaktion: Ernst Heß. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Langem Gieße».