Mittwoch dm 15. Wal uZSl907 — Yr. 71 ambäcH'v^CÄ a. w& b R t* Jem Irrlicht nach. Roman von Alexander Römer. Nachdruck verboten. (Fortsetzung.) . Ihre stolzen, kühlen Augen glitten über Sylvias schmächtige Gestalt, sie überragte sie um Kopfeslänge. Der meiste Schwanenbesatz ihres Mantels schmiegte sich um den wundervollen Nacken, ein Schmetterling von Brillanten zitterte in ihrem dunklen Haar. Sylvia starrte wie gebannt in das schöne, klassisch geformte Gesicht, ein kalter Strom rieselte langsam durch ihre Adern, das war sie — die Russin — die schöne, herrliche Vera Petruschka. Immer noch war er in ihrer Nähe, war sie seine Braut? Im welchem Verhältnis stand er zu ihr? „Störe ich Sie, Roderigo? Wie Paul mir sagt, haben Sie eine Jugendbekannte gefunden." „Meine Pslegeschwester, Fräulein Sylvia Zernial." Roderichs Stimme zitterte leicht — er nannte Sylvia auch Veras Namen. „Ihr Gesang war sehr schön, Signorina, es klang die deutsche Gemütstiefe daraus." Vera sprach französisch mit ausgezeichuetenr Akzent, ihre sonor: Altstimme klang wie Musik. Sylvia verneigte sich stumm. Wie em zerflatternd Nebelbild huschte die Vision an ihr vorüber, wo sie sich auf dem Thron als hochgcfcicrte Künstlerin gesehen und Roderich reuig zu ihren Füßen. Jetzt bot Roderich dieser strahlenden Gestalt den Arm, das schwere Atlasgcwand Veras streifte ihr schon etwas vergilbtes Seidenkleid, und die welken Rosen aus ihrem Haar freien zur Erde Der Cvnte. bückte sich darnach, küßte die armen Rosen und steckte sie mit einem süßlichen, faunischen Lächeln in sem Knopfloch. Ihr aber war zu Mut, als müsse ste vergehen vor Qual und Weh. „Na, Roderich, der zu Hause das Herrschen so hübsch verstand und nur gefügige Sklaven r>m sich duldete, scheint hier das Dienen' gelernt zu haben," sagte die Mutter in ihrem beisten- deil Ton. „Er trottet ja wie ein geduldiger Hammel hinter seiner Schönen — ist! das ein 'hochmütiges, widerwärtiges Frauenzimmer, diese Russin — eine frivole Person, die sich mit verschied-nen Galanen in der Welt herumtreibt." Sylvia taten der Mutter Worte in den Ohren weh. Jstc hatte für alles so niedrige Auffassungen — aber — beglückte diese Russin Roderich? Glücklich hatte auch er nicht ausgesehen. Roderich geleitete Vera an ihren Wvgen. „Wann darf ich morgen vormittag kommen, Vera?" fragte er. „Morgen?" — sie lehnte zerstreut in den Wagenkissen — „warten Sie — um elf Uhr kommt Paul, um mir Bericht über seine Funde abzustatten, er ist ja sehr befriedigt." , „Nun, das lockt mich nicht," entgegnete Roderich scharf, „das wird jedenfalls recht langweilig." . „Gut — um zwölf Uhr kommt dre norwegische Malerm, um mein Bild zu vollenden, wollen Sie da Gesellschaft leisten, oder finden Sic auch das langweilig?" „Mit Ihrer Erlaubnis, ja, Vera; da komme ich lieber am Abend, um Sie für misch allein zu haben, Vera mia!" Er küßte ihr die Hand und sprach in weichem, zärtlichem Ton. „Sie Hoffnungsreicher!" Vera antwortete mit ihrem kurzen, tiefen Lachen. „Wenn niemand uns stört, können Sie mir von der Kleinen — einer Pflege- oder Milchschwester, nicht wahr? — erzählen. Pvverina, wenn sie sich zur Sängerin hat ausbilden wollen, ist das ein arges Fiasko! Ihr Stimmchen ist lceblcch wie ihr schon halb verblühtes Persönchen, aber damit macht sie kein Furore." Ter Diener hatte die alte Anna Kaduschda, von der nie jemand sprach und die jedermann Vergast, bis sie gebraucht wurde, in ihre Pelze gewickelt, der Schlag wurde geschlossen und drr Wagen rollte davon. Roderich stand draußen und schlug den Mantel um die Schultern. Tie Luft war milde,. die Sterne funkelten am Firmament, er schickte sich, an, zu Fuß nach Hause zu gehen. Er schritt an der Statue Marc Aurels vorüber, die prachtvolle kapitolinische Treppe hinab. Was war er Vera? Wenn sie ihn nicht liebte, warum hatte sie dann nicht längst eine Trennung herbeigeführt? Er galt doch allen ihren Freunden als ihr künftiger Gatte. Abb !vv er von Liebe redete, wies sie ihn zurück. Nicht schroff oder verletzt, sondern lachend, mit einer sonderbar geschickten Abwehr Und er — fand er seine Rechnung bei diesem wundere lichen Handel? Er hatte alle anderen Verehrer und Bewerbet aus dem Sattel gehoben, auch Paul — denn an seine Kälte, mochte er sie noch so sehr zur Schau tragen — glaubte ep nicht. Und er hatte sich an dieses Leben in ihrer berauschenden! Nähe gewöhnt, er konnte nicht mehr atmen in anderer Lust, Sylvia — sie wäre sein demütig liebendes Weib geworden, er ihr Herr, ihr Gott — neben Vera herrschte er nicht. Er schritt rascher aus', sein Blut wallte mehr als sonst heut abend Ta klang, die Stimme des Italieners, des Cvnte Bocca- levue, an sein Ohr, ein Wagen fuhr dicht an ihm vorüber, und Tante Cölestinens Lachen war nicht zu verkennen. Sylvia da drinnen zwischen den beiden. Konnte er denn nicht heute noch sie retten und befreien? Ach, der schwache Funke, der während dieser Jahre mehr und mehr in Asche zerfallen war, hatte keine Kraft mehr, ein Feuer zu entzünden. Was an Stoss dazu noch in ihm war, brannte aus anderen Altären. Veras Wagen hielt auf der Piazza d'Espagna, wo sie im zweiten Stock des' Palazzo Ruspoli ihre Wohnung hatte Das Vorzimmer und ihr Schlafgemach warm hell erleuchtet, Ni letzterem slackcrte ein leichtes Kamiufeuer. Sie warf njtvan ihren Mantel zu und wünschte Anna Kaduschda gute Nacht. Die Aermste hielt sich kaum noch auf den Füßen und ihre Augen waren halb geschlossen vor Müdigkeit. Vera trat in ihr Schlafgcmach. Es' war ein großer, hoher Raum, mit weichm Teppichen belegt, dessen sernfte Ecken und Winkel trotz der acht Kerzen, welche die Jungfer darin entzündete, noch in Schatten gehüllt blieben. Vera ließ sich ent- xleidcn und in den weichen, weißen Schlafrock hüllen, dann winkte sie der Dienerin, daß sie sich zur Ruhe begeben solle, Ihre Züge zeigten keine Spur von Müdigkeit, sie war gewohnt, die Nacht zum Tage zu machen, und bedurfte wenig Schlaf, Sie trat an den Schreibtisch, welcher dem großen, mit rot- jchcrrer WmlleiM- AnterhaltmMall M tEießenrrAiPiger OewÄ-Atzeiger) W; BSE ilth — 282 Diese drei Jahre waren für sie eine rastlose Pilgerfahrt, eine vergebliche Jagd nach dem Gliick gewesen. Darüber waren ihr Leib und Seele schloss anfangs von den großen Bühnen tiiiim- vornehmen und reichen Heirat. Ständen, durch der Mutter entgegen^ Enttäuschungen gefolgt. Md müde geworden. Die Mutter fabelte phcu, dann von einer Herren ans allen kommendes Wesen ermutigt, huldigten ihr uni) umschmeichelten sie, aber noch keiner war bis znm ehrlichen Antrag vorgegangen. Sylvias Herz hatte auch keinem von ihnen entgegen- geschlagen. Sic hatte sich für Stunden berauschen lassen von dem Glanz eines Festes und dem' Weihrauch, den man ihrer Schönheit gezollt. Der Enthusiasmus der Mutter, welche dann strahlende Zukunftsbilder heraufzauberte, hatte sie zu Zeiten angesteckt und auch tu ihr den Wunsch rege gemacht, durch eine Heirat Erlösung aus einem Leben, das ihr immer schaler wurde, Rang und Reichtum zu gewinnen. Wenn dann aber die leicht aufgcbautett Zauberschlösser wieder versanken, fühlte sie nichts als diese immer mehr zunehmende tödliche Müdigkeit, bis das dlte Spiel aufs neue begann. Gestern abend hatte ihr Herz gezuckt, als Paul Hendrichs — auch er war eine lebendige Erinnerung an schöne, sorglose, glückliche Tage — ihr sagte, Roderich sei im Saal. Sie hatte ihn ja gesehen in den Katakomben — ein Schauer hatte sie in jenem Augenblick gerüttelt, und die Begegnung war ihr wie ein gespenstischer Vorgang erschienen. Zwischen diesen Grüften sah sie ihn wieder, dessen Namen sie ost des Nachts in beängstigenden Arä innen gerufen — und sie grüßten einander nicht einmal. Marell sie denn^ noch Wesen von Fleisch und Blut? In dem festlichen Saal null auf Mollte Caprino hatten sie einander die Hände gereicht urld alltägliche Worte getauscht welch eine Farce war das Leben! Ausgebrannt die Gluten, die einst — einen kurzen Augenblick Nur — in ihr emporgclodert — tote Asche rings umher. Sie sah ihn gehen, sich voll iHv wenden, das königliche Weib all seiner Seite, ein Fremder er für sie und sie für ihn. So war sie müde, sterbensmüde eingeschlummert. Doch jetzt beim ersten Hahnenschrei fuhr sie einpor aus schwerem Traum., Sie richtete sich auf und strich das Haar lvirr aus der Stirn, Sie wußte nicht, was sie geträumt, doch ihre Wangen waren naß Mld auch das Kissen war ganz feucht von ihren Tränen. Ihr Atem keuchte — was lvar es nur, das sie geträumt? Es war wie in dem Lied, das sie gesungen — sie hatte wohl der alten Zeit gedacht, und wie die null so weit — so weit. 14. Kapitel. Es war um die Nachmittagsstunde zu Ende des Januar. Int Walldorfschen Hause zündete mail schon die Gasflammen an, denn es war ein trüber, dunkler Tag. Erna bereitete im Wohnzimmer nach ihrer alten Gewohnheit den Kaffee; der Duft von blüheii- den Hyazinthen und Maililieti, welche den Blumentisch zierten, mischte, sich mit dem kräftigen Geruch des aromatischen Getränks, Eine Atmosphäre äußerster Behaglichkeit erfüllte dell Raum., Ter Kommerzienrat las seine Zeitimg und sah mit großer Frelindlichkeit zu seiner Tochter auf, als sie ihm seine Tasse reichte. Er war recht weiß geworden, der alte Herr, lind obgleich er in diesem Augenblick zuftieden und heiter ausfah, lagen doch Furchen und Falten in seinem Gesicht, die früher nicht da waren, und die ihm nagender Herzenskummer gegraben — Kummer um den einzigell Sohn, der sich dem Bäterhansg alles anders herausgestellt, als sic erwartet, immer ferner war ihr großes .Ziel gerückt, zuletzt war es ihr ganz ent« schwanden. Ihr Eifer, ihre Begeisterung für den Berns, in den die Mutter. sie gedrängt, war lange erlahmt, aber die Hiildi- gungen, die man ihr zollte, die vielen Courmacher und Vergnügungen hatten die Jahre gestillt und das Herz leer gelassen. Es toaren immer große Hoffnungen, weit ausschauende Pläne, glänzende Aussichten vorhanden gewesen, von immer neuen zu sein — gottlob! „Daß er nicht darnach fragt, diese Stätte hier wiederzusehen, finde ich begreiftich," hatte der alte Kommerzienrat früher gemeint; „in unsere Hause hat er bitteres Leid genug erfahren, ich hab' es nicht voraus gesehen und ihm nicht abwebren können'. feibeucii Vorhängen versehenen Himinelbett gegenuberstand, und öffnete die eingelaufenen Postsachen. Sie warf verschiedene gleich- gültig beiseite, bis sie an ein größeres zn nnterst liegendes Schreiben kam, das sie, nachdem sie die Auffchrist gemustert, hastig, mit zitternden Händen erbrach. Ihre Augen überflogen die Blätter, sie wareit in russischer Schrift beschrieben, dann schlug sie die Hande zur Decke empor und sank in einen Stuhl. | Niemand, der Vera kannte, hätte geglaubt, daß auf diesen Zügen ein solcher Ausdruck verzückter Leidenschaft sich spiegeln । ^Endlich, endlich!" rang es sich in erstickten Lauten aus | ihrer Kehle, „endlich, ein Stern in dunkler Nacht — ein Hoffnungsstrahl !" , „ , Trän eil überströmten ihr schönes Gesicht, ite, trocknete pe flüchtig und überlas wieder und wieder das Schreiben, das ihr eine so große Botschaft gebracht. Daun sprang sie auf, öffnete die Tür zum Nebenzimmer, lvv Anna Kaduschda schon in ihren • Kissen lag, und trat an das Lager der Alten. Diese richtete sich, höchlichst erstaunt, mit einem ängstlichen, erschreckten Ausdruck auf, Bern umarmte sic stürmisch. „Anna, Anna Kaduschda, ich kann es nicht tragen allein — eine Hoffnung, eine Hoffnung ist da!" Sie schrie das eine Wort „Hoffnung" der Tauben ins Ohr, und diese schien zu verstehen. „Vera, Mein Täubchen — ach, Gott ist groß —■ da konnte ich heim in mein Kloster?" Vera ließ die Alte aus ihren Armen und richtete sich auf. Was für eine Schwäche wandelte sie da an — die Alte wollte gern heim in ihr Kloster, das Ivar alles, alles! O, und ihr war die Brust, als Müsse sie zerspringen, als könne sie den Gedanken, nun, da er Wirklichkeit zn werden verhieß, nicht tragen, nicht fassen, daß das Ziel ihres Lebens erreicht werden sollte. Sie streichelte die welken Wangen der Alten und drückte sie in ihre Kissen zurück. „Schlaf, Alte, schlaf sanft. Du sollst in dein Kloster zurück." Zu derselben Stunde lag in der kleinen möblierten Mietwohnung in der Via Gregoriana Sylvia in tiefem Schlaf. Sie war sehr müde gewesen, als sie nach Hause kamen, und der Mutter Reden über den Coute und über den wiedergefundenen! Roderich, sie hatte sie kaum noch verstaudeu. Ihr war zu Mut, als lösten sich ihr Seele und Glieder. immer mehr entfremdete. , , Fran Friederike lehnte in der Sofaeckc mit einem Roman, in dem sie aber nicht mehr las. Sic hatte sich entschieden vorteilhaft verändert, die bunte, ihrem Alter ost nicht angepaßte Kleidung, wie sie sie früher liebte, war verschwunden, sie trug dunklere Farben, und ihr feines Gesicht hob sich unter der schwarzen Schleierhülle, die lose über dem grauen Scheitel lag, vorteilhaft hervor. Was sie aber hauptsächlich verschönte, war der zu- friedenere Ausdruck, sie verfolgte ihrer Tochter Erna Bewegungen mit einem zärtlichen Blick. Erna war ihrem Herzen in diesen Jahren alles geworden; es hatte oft den Anschein, als mühe die Mutter sich, versäumte Zärtlichkeit nachzuhvlen bei der Tochter. Erna sah etwas bleich uuu|C wir«।uw, i aus, sic war sehr vorteilhaft und elegant gekleidet, der Vater; Es hatte sich legte Wert darauf, sprach oft bestimmte Wunsche in dieser Richtung aus, und so willfahrte sie ihm und zeigte dabei den ihr angeborenen Geschmack, ohne daß eigene Eitelkeit sie dazu trieb. Auf des Kommerzienrats Wunsch war überhaupt in den letzten Jahren eine regere und großartigere Geselligkeit entfaltet worden, die reichen Mittel des Hmifes murden gezeigt, und ausgedehnte Gastlichkeit geübt. So war aiich für den morgenden Tag ein größeres Diner anberanmt, und Ernas Kopf war von wirtschaftlichen Sorgen für dasselbe erfüllt. Alle Welt fand, daß Erna Walldorf jetzt hübscher sei als je. Der gutmütig hausbackene Ausdruck, der in der erstell Jugend, als sie noch überftische Farben hatte, auf ihren Zügen lag> hatte sich vergeistigt. Zu dem Festen, Zielbewnßten, , welches ihr Wesen charakterisierte, war etwas Neues, Unbeschreiblicycs — Leiderfahrenes, Menschlichbewegteres gekommen, was das Gesicht anziehend machte. Sie fiel jedem fremden Beschauer auf. Der Diener trat ein und überreichte eine Kürte. Der Herr warte draußen. Der Kommerzienrat erhob sich mit ungewöhnlicher Lebhaftigkeit. „Villatte!" sagte er, „Professor Villatte! Eintreten, ist herzlichst willkommen." Erna war jäh zusammengefahren bei Nennung dieses Namens. Sie hatte Villatte in diesen drei Jahren nicht wiedergesehen. Er hatte es offenbar vermieden, nach Dresden zn kommen, hatte regelmäßig zn jedem neuen Jahr seine warmen Glücks wünsche eingesandt, ohne weiter viel über sich zu berichten, und hörte dann aus der pwmpt gegebenen Erwiderung des Kommerzienrats auch von dem Ergehen der Menschen, die „er in unveränderter Gesinnung hoch verehrte". Erna hatte ihren Kampf lange ausgekämpft — wie sie sicher vermeinte »md fW djarein ergeben, ihn nicht me£jr zu sehen. Durch andere hörte sie von Zeit zu Zeit von ihm, wie sehr er beliebt fei unter der akademischen Jugend, wie sie ihm anhingeN und ihn vergötterten, wie geachtet er fei unter feinen Kollegen. Unglücklich, finster und verbittert schien er also nicht geworden 283 — Ich Hatte es ihn nicht geheißen, sich in die TeufelsHexe zn verlieben." Und nun kaue er — und stand da in der Tür. Erna zitterten doch die Kniee, obgleich sie sich eingebildet Hatte, sie habe völlig überwunden. Ja — das war noch das warme, liebe Gesicht mit dem milden, guten Ausdruck, nur schmal und hager war es geworden und in den Augen — vielleicht sah es nur sie — aber da lag das, was er der Welt nicht zeigte, das herbe, tiefe Leid, das er durchkämpft. Sylvia — es stieg wie Haß gegen die Schwester in Erna herauf, obgleich sie im Laufe der verflossenen Zeit Stunden gehabt hatte, wo ein grenzenloses Mitleid mit der, die so ziellos in die Irre ging, ihr Herz erfüllte. Konnte ihr das je vergeben werden, was sie au diesem gesündigt! Ter alte Kommerzienrat bewillkommnete den Herrn Professor äußerst herzlich. „So haben Sie doch endlich einmal wieder! den Weg zu uns gefunden," sagte er; „wie freut mich das!" Auch Fran Friederike reichte ihm ihre schmale Hand und begriißie ihn wann. Dann stand er Erna gegenüber., Er sah aus, als ob er plötzlich stutze, als ob ihn etwas sehr jit Verwunderung setze. Eine dunklere Röte überflog seine Wangen. Sie nahm sich gewaltsam zusammen — was sollte dies dumme Herzklopfen, sie schlug — ihrer Meinung nach — genau den alten Ton an, unbefangen, schwesterlich und warm; Er saß auf seinem früheren Platz und lebhaft wurde geredet und gefragt. Hatte er vergessen? Hatte er gesiegt? Er schien doch heiter und zufrieden zu sein, seine Rede war noch schnell und feurig wie sonst. Er hatte einen sehr angenehmen, ihn sehr erfreuenden Auftrag erhalten, er ging in Interessen der Universität nach Rom, um in den vatikanischen Archiven Studien und Nachforschungen zu machen, eine Aufgabe, die seinen Neigungen sehr entsprach. (Fortsetzung folgt.) Bauheben in Oberhesfen. In unserer raschlebigen Zeit, in der alles nach Verdienst Und Erfolg hastet, wird gar mancher mitgerissen, der gerne an den althergebrachten Sitten feiner Väter festhalten möchte; er stflgt aber dem Zuge der Zeit und bald zwingen ihn fortschreitende Technik und moderne Berkehrseinrichtungm, das Alte über den Haufen zu werfen und sich dem ungewohnten Neuen anzupassen. Der Oberhesse aber, insbesondere der Vogelsberger, hat sich lange gesträubt, alte Sitten und Gebräuche aus Ur- großväterzeiten dem Modernen zum Opfer fallen zu lassen. Der stetig sich vollziehende Umschwung im Handwerksbetriebs, die Großbetriebe der Holzindustrie, die durch den Bahnverkehr jetzt leichter zu beschaffenden Baumaterialien und noch viele andere Momente haben dazu beigetragen, daß namentlich beim Hausbau das sogenannte „Bauheben" nur noch in solchen Orten Brauch ist, die fern vom Bahnverkehr, weltabgeschieden, ihr Plätzchen haben. Bei erneut solchen Bauheben geht es ganz eigenartig zu. lieber dem Steinsockel des Hauses schlägt der Zimmermann den Oberbau aus Holz auf. Beim Mfschlageu helfen auch die Maurer mit, damit die Arbeit gefördert wird und die in Aussicht stehende Festlichkeit bald beginnen kann. Ist endlich das Dach aufgeschlagen, dann schmücken die Nachbarskinder eine Fichte von der Größe eines Christbäumchetis mit Taschentüchern, buntem Papier und einem Kranze, an dem eine Girlande von Eierschalen aufgehängt ist. Diese so aufgeputzte Fichte wird nun beim Umzug durchs Dorf voraugekragen. Dahinter folgen die Zimmerleute, Maurer und die übrigen Bauhandwerker. Wahrend des Zuges spielt ein Geselle auf der Ziehharmonika lustige Weisen, oder die Teilnehmer stimmen einen Bllksgesang an. Nach vollbrachtem Umzug besteigt der Zimmermeister das Dach, befestigt am Giebel die Fichte, an der die Taschentücher wieder abgenommen sind, und hält von der Giebelseite des Hauses herab den Zimmerspruch, der mit dem Berschen endigt: „Zum Schluffe wünsch' ich bem Bauherrn ein Rind, Der Bausrau tüt Kind, ! Der Tochter zwei. Das gibt zusammen ein Hausgeschrei." Ehe aber der Meister den Ban verläßt, trinkt ev ein dar- tzereichtes Glas ans und wirft dasselbe über die Schulter in den leeren Bau hineüt. Zerbricht das Glas, so bedeutet es, für den Bauherrn Glück, bleibt eS aber unversehrt, so ist Unglück zu erwarten. Die Taschentücher Verteilt nun die Baufrau an die Lehrjungen und Gesellen, nur die Meister erhalten je ein wollenes Halstuch. . Damit ist der feierliche Wt beendigt. Meister, Lehrungen Und Gesellen, sowie die nächsten Anverwandten der Bauleute, gute Freunde, getreue Nachbarn und desgleichen versammeln sich jetzt zum Schmaus in der derzeitigen Wohnung des; Bauherrn. Dabei geht es nun hoch her, und damit es an uiafls fehle, haben die Frauen der geladenen Gäste aut ?lbend vor dem Bauheben den sogenannten Baukorb gebracht. Dieser enthält ein Säckchen Weißmehl, ein bis zwei Dutzend Eier, einen, Laib Brot, einen mehrpfündigen Butterweck und einen Topf Milch. Die Mahlzeit besteht aus Suppe, Kochfleisch, Braten und Wurst mit Beigaben. Ms Dessert fehlen niemals gedörrte Zwetschen und Apfelstücke. Ein Schälchen Kaffee mit mürbem Kuchen bildet den Beschluß der „Gasterei". Dauiit aber auch der Spielmann zu feinem Recht kommt, wird ein Tänzchen eingeschaltet, bei deui der Bauherr mit der Baufrau den ersten macht. Dem vollauf gereichten Bier und Branntwein wird auch tüchtig zugesprochen, sodaß nach wenigen Stundeii die ganze Gesellschast in die heiterste Stimmung versetzt ist. Als einmal bei einem Bauheben der Bauherr seines vor-, gerückten Alters wegen vom Tanze absehen wollte, drang ul die Abwesenden in ihn, doch von der alten Sitte nicht Weichen, denn so einen „Langsamen" könne er sich doch noch leisten. Nach längerem Zureden willigte er auch ein, faßte seine weit jüngere Fran um die Taille und los ging der Tanz —J anfangs etwas holperig, dann aber immer rascher, bis er so ins Sausen kam, daß er dem Spielmann ob seines langsamen Tempos zurief: „Peter, reiß! Ich dah (taue) wirrer ganz off." AB. ! . Klage» eines deutschen Bauern in Rußland. Bon Joseph August Lux. Es wird wenige unter uns geben, die etwas wissen von den Deutschen Südrußlands in den Gouvernements Bessarabien, Cherson, Jekaterinoslaw, Tanrien (mit der Halbinsel Krim), ;a noch weiter an der Wolga in Saratow und Samara. Und doch sind, von den Zeiten Peters und Katharinas ganz zn schweigen, noch int 19. Jahrhundert etwa anderthalb Millionen dahin gewandert. Ans so weiter Ferne vernehmen wir den „Stoßseufzer eines Bauern": „Hexr, wann kommt die schöne Zeit, wo wir von dem die Menschen rasend machenden, die Sprachen schauderhaft entstellenden Uebel — den Fremdwörtern — gnädiglich erlöst sein werden; wo uns die gesamten deutschen schriftlichen Geistes- erzeugnisse auch wirklich deutsch, durch nichts mehr getrübt und verdunkelt, lauter und rein vor unser Auge geführt oder uns verkündigt werden; wo die Gelehrten einsehen werden, daß wir Bauern nur deutsch — nicht aber irgend ein deutsch- französisch-englisch-lateinifch-italienisches Kauderwelsch verstehest können. Ja, Herr, laß sie doch bald, recht bald anbrechen — die schöne, ibiie sehnsuchtsvoll erwartete Zeit, wo dieses alles fein wird." So mußte iich schon mehr als hundertmal seufzen und stöhnen, besonders in letzter Zeit (früher war eben der ,Gebrauch' der Fremdwörter selbstverständlich, da gings auf keinem Gebiete ohne geheimnisvolles Dunkel ab; heute dagegen . . . —), tröste mich aber allemal wieder im Hinblick auf die gegenwärtige Zeit, — wo sich alles regt; wo alles sichtbar zu lebest beginnt; wo man sich jufammentut, Vereine gründet und schließlich auch Bittgesuche an die höhere Obrigkeit um Hebung der deutschen Sprache einreicht! — Mancher Gelehrte wird vielleicht denken, daß ich allein so spreche,; so sei also hervorgehoben, daß Tausende meiner Brüder mit mir unter derselben Last seufzen und sich nach dieser Erlösung sehnen! Ich bin überzeugt, daß ich Tausenden aus der Seele spreche, wenn ich mich an die Gelehrten mit der bescheidenen Bitte wende, daß sie mit uns armen Bauern etwas gelinder fahren und doch deutsch sprechen und schreiben möchten, da wir eben das Deutsche mit fremden Wörtern ebensowenig verstehen können, als man einen Vogel in fremdest Federn erkennen kann. Ein armer Bauer." Die „Odessaer Ztg.", die diese Mahnung veröffentlicht, Jkgf sie ihren Mitarbeitern in einer Nachschrift auch selbst ans Herz und ertoirt den Kampf gegen die entbehrlichen Fremdwörter mit dem größten Nachdruck zu führen. Die südruffischen Deutschen haben als nächstes Ziel die Gründung einiger Fachschulen zur Heranbildung tüchtiger deutscher Vvlkslehrer ins Auge gefaßt, und was sie mit Recht zu allermeist von diesen erhoffen, das ist die Begründung eines rechten Unterrichts in der deutschen Sprache. Ei» Sonntag in Swakoprmmd. Nachdruck verboten. p. Nachstehender Auszug aus einem dieser Tage entgangenem! Brief eines Missionars zu Swakopmund, geschrieben am 7. November 1906, dürfte mit größtem Interesse gelesen werden. Sonntag! Wie heimelte mich dies Wort daheim stets an! Da schien es, als feiere Mensch und Natur miteinander. Wie erhebend war es schon, in der Sonntagsfrühe die Glocken zu hören und hernach die Scharen zn sehen, die alle nur ein Ziel hatten, das Gotteshaus! Hier in Swakopmund ertönt am Souiitagmvrgeu keine Glocke, denn unsere evangel. Gemeinde hat noch keine Kirche, auch für die Eingeborenen läutet am Morgen keine Glocke den Sonntag ein, weil bis sunt Mittag fast alle, Weiß und Schwarz, in der Arbeit sind. Ta 284 werden Häuser gebaut, Schiffe entladen, Garten angelegt, uttb gar mancher Weitz nicht einmal, daß es Sonntag ist. Wenn auch für die evangelische Bevölkerung noch keine Kirche da ist, so findet doch allsonntäglich in der Schule Gottes- dienst statt. Wir brechen zu demselben mtf. Um 10 Uhr vormittags soll er beginnen. Der Weg führt uns zuerst durch tiefen Sand. Weit und breit sehen wir keinen grünen Halm, direkt vor uns breitet sich der endlose, blaue Ozean aus, auf deut fünf große Schiffe sich wiegen, bis sie ihre Ladung gelöscht haben und die Heimreise antreten. Zahllose kleine Boote schwimmen zwischen ihnen und der Lairdungsbrücke, alle sind mit Gütern schwer beladen. Jetzt betreten wir die erste Straße der Stadt, denn die Missionsstation liegt _ außerhalb. Mehrstöckige Häuser sehen wir überall. Gleich ist es 10 Uhr. Dort ist schon die Schule. Wo sind denn die Kirchgänger? Sind wir heute allein? Vielleicht ja; denn am vorigen Sonntag waren beim Gottesdienst etwa 30 Personen, für uns eine erfreuliche Anzahl. Die leeren Stühle zeugen wider die Söhne unseres! Volkes, die in der Fremde so leicht Gottes vergessen. Der Gottesdienst wird ganz !vie daheim gehalten mit Liturgie und Predigt. Heute ergeht auf Grund der Stelle in Offenb. 22, 17 die Einladung, zu Jesu zu kommen. Um 11 Uhr ist der Gottes-, dienst aus und wir kehren heim. Wir Missen eilen. Arif der Station wartet noch eine große Arbeit, herzerhebend und erfreulich. Heute soll ja Tauffest sein für die Herero und hernach für die Bergdamara. Um 12 Uhr mittags ertönt unsere Mittagsglvcke. Sie ruft die gefangenen Herero, die ganz in der Nähe wohnen, zum Gottesdienst. Soeben sind sie von der Arbeit .zurückgekommen, denn einen Sonntag haben die Gefangenen hier Nicht. Die Mittagspause ist die einzige Zeit, in der sie zur Kirche kommen können. Kaunr hat die Glocke sie gerufen, da versammeln sie sich mit Tore des Drahtzauncs, der ihre Hütte umgibt. Ein Soldat führt sie her; bald ist unsere Kirche bis auf de» letzten Platz gefüllt. 43 Männer und 65 Frauen, die zum Teil schon IV2 Jahre lang den Taufunterricht besucht haben, sollen heute zur hl. Taufe zugclasseu werden. Christen, Täuflinge und Heiden, alle sind in ernster Stimmung. Auch äußerlich machen sie einen guten Eindruck. Die Frauen sind in ihren Blandrnckkleidern, die sie selbst'genäht haben, ganz anständig und sauber gekleidet, und die Männer tragen entweder Uniformen oder Mziige, denen wir auf den ersten Mick ansehen, daß sie aus den vielen Kisten stammen, die von Freunden in der Heimat mit so viel Liebe, gepackt und herausgeschickt sind. Es läutet zum zweitenrual und auch tote betreten die KCirche. Der Altar und ein kleiner Tisch, der als Taufstein dienen soll, sind mit grünen Blättern ft glich geschmückt. „Kvra nvtfari tjoje — Ach, bleib mit deiner Gnade", so ertönt das erste Lied von den Frauen mit kräftigen Stimmen gesungen, die Männer erfinden in geschickter Weise eine zweite und dritte Stimme dazu. Dann folgt die Liturgie und nach abermaligem Gesang die Festpredigt über Mark. 16,16: Mer da glaubet und getauft wird re. Danach findet die heil. Handlung selbst statt. Nachdem alle die Tauffvagen stehend mit emem deutlichen „Ja" beantwortet und den christlichen Glauben bekannt haben, knieen wir nieder, um Gottes Segen herabzu- slehen. Bet vielen fließen die Tratten, wir spüren es, daß der Verr nahe, ist und sein Geist unter tms waltet. Dann werden je oret und drei aufgerufen, die am Altar uiederknieeu und 1 . Miaust werden. Alm Schluß steigt mit den diu rtt 10->. Psalms em Dankgebet gen Himmel empor, und nut dem Gesang: „Nun danket alle Gott", schließt die Feier. Vsemrschte». Gefrorene Blumen. Schon seit längerer Zeit be- schafttgen sich Blumeninteressenten mit dem Problem, geschnittene natürliche Blumen längere Zeit frisch zu erhalten, und man denkt dabei an die Möglichkeit. aus anderen Weltteilen, be- sonders aus Amerika, Mumen nach Europa zu bringen. Die Versuche, die tn dieser Hinsicht unternommen worden sind, sind [ev ujtet'ejlmit ititb basieren auf der alltäglichen Beobachtung, datz Blumen, die tn einem kühlen Raum anfbewahrt werden, fnu unverhältnismäßig langer halten, als in warmer Temperatur. .^it den „Annales" erzählt Henri de Parville, daß es ihm gelang, ent Ro,enbukett vom 31. Dezember 1906 bis zum 2°;. Vamta}‘ K9.07 fttsch zu erhalten, ohne daß ein einziges Blatt abstel, und dies i-aupisächlich dadurch, daß er die Blumen in tut Zimmer stellte, das eine Turchschnittstemperntur von 4—6 ©^1)01(0 Die Möglichkeit, in Kühlwagen frisches Fleisch größten Entfernnngeu zu transportieren, mußte bald nahelegen, mit Blumen dasselbe Experiment zu ,^^on im August 1904 wurden der Pariser Socjsts hnrnd? CUtu-lc chrnesische Pfingstrosen gezeigt, die drei Monate s.orhrr geschnitten waren und ohne Schaden diese Zeit über- Monate lang waren sie im Kühlrauni npffpnT1" „^rntlich langgeschnittenen Zweige waren in Wasser von 1 ftülh /"n^.Eüdlkeller mit gleichmäßiger Temperatur Grad aufgestellt. Alle, drei Wochen wurden die Zweige etwas gekürzt und das Wasser erneuert. Sv erhielten sich am 11. Mai geschnittene Pfingstrosen bis September. Gegenwärtig werden auch Versuche mit einer Atmosphäre von künstlich erhöhtem Sauerstoffgehalt gemacht. Jedenfalls wird man in nicht zu ferner Zeit imstande sein, die Lebensdauer geschnittener Blunien zu verlängern. * D ie musikalische Ehe. In einem Wocheublatte findet sich folgendes Inserat: „Heirat wünscht junger Kapellmeister, zugleich Schriftsteller, Künstler in seinem Fach, mehrere Jahre an besten Bühnen des In- und Auslandes tätig gewesen, mit vermögender, schicker Dame zwecks Anbahnung einer neuen musikalischen Richtung." — Ach du lieben Gott: Wenn nun die Seelen nicht miteinander harmonieren werden, wird aus diesem musikalischen Ehebund. gewiß eine gräßliche Kakophonie entstehen. Hoffen wir, daß der Mann der Frau schon die Flötentöue Leibringen wird. LrtLVKL'^Ä)SS. — Mehers' Großes Konversations-Lexikon. Ein Nachschlagewerk des allgemeinen Wissens. Sechste, gänzlich neubearbeitete und vermehrte Anflagc. Mehr als 148 000 Artikel und Verweisungen auf über 18 240 Seiten Text mit mehr als 11000 Abbildungen, Karten und Plänen im Text und auf über 1400 Jllustratioustafeln (darunter etwa 190 Farbeudruck- tafeln und 300 selbständige Karteubcilagen) sowie 130 Textbeilagen. 20 Bünde in Halbleder gebunden zu je 10 Mark. (Verlag des Bibliographischen Instituts in Leipzig und Wien.) Dursten wir bisher bei jeder Fortsetzung des „Großen Meyer" mitAn- erkeuttung die außerordentlich gewissenhafte und erschöpfende Behandlung des vielgestaltigen. Inhalts hervorheben, so bringt uns der neueste, im März erschienene 16. Baud, den ebenfalls die Vorzüge seiner Vorgänger auszeichnen, erfreuliche Beweise, wie die Redaktion nicht nur aufmerksam, sondern auch erstaunlich schnell den Zeitereignissen Rechnung zu ttagen versteht. Das zeigt uns z. B. die vielfarbige Karte der erst im Februar beendeten Reichstagswahl en mit genauer Liste der Abgeordneten und der Wahlkreise. Sticht minder bewundernswert erscheint das große Geschick, nach dem Druck eines Bogens eingetretene Veränderungen zu registrieren und so auch mit der geschichtlichen Entwickelung stetig Schritt zu halten. Ist z. B. im Artikel über den preußischen Minister p. Podbielski dieser noch als im Amte tätig aufgeführt, so finden wir diese inzwischen veraltete Angabe bereits in dem wenige Bogen später beginnenden dlrtikel „Preußen" durch die Erwähnung v. Arnim- Krievens als seines Nachfolgers berichtigt. Der genannte Artikel „Preußen", wohl der umfangreichste in dem vorliegenden Bande, darf überhaupt tn erster Linie Anspruch erheben, genannt zu werden. Bildet er doch mit 79 Spalten, 2 guten Kartenbeigaben, einer Wappmtafel der preußischen Provinzen und einer Preußens Wachstum übersichtlich erläuternden Textbeilage eine ansehnliche Monographie, die uns den Gang der Politik bis auf die jüngste Gegenwart' gedrängt, aber erschöpfend vorgeführt. Das Gleiche gilt von „Polen" (mit 2 Karten) und „Portugal". Für die Presse bietet besonderes Interesse die unter diesem Stichwort eingeschaltete objektive Darstellung der deutschen und ausländischen Preßgesetzgebuttg, wobei auch auf die Artikel „Politische Verbrechen" und „Polizeiaufsicht" hingewiesen fei.. Sonst erwähnen wir an lehrreichen Artikeln noch die über Preis, Produktion, Reute, über Prämiengeschäste und Privatbeamtenversicherung. Zeitgenossen wie Wilhelm Raabe, Graf v. Posadowsky, Felix v. Pvssart fehlen auch nicht, wenn sie auch noch nicht so eingehende Würdigung wie Raffael, Rembrandt, Ranke, Reuter, Männer, die auch schon der Geschichte angehören, gefunden haben. Beispiele aus den Gebieten der Naturwissenschaft und Technik herauszugreifen, zu denen eine Fülle farbenprächtiger Tafeln gehören, versparen wir uns auf einen der ttächsten Bände. Im vorliegenden zählten wir im gmtzen 38 farbige und schwarze Tafeln in künstlerischer Ausführung, 14 vorzügliche Karten und 10 Textbeilagen. Charade. Nachdruck verboten. Das Erste, tief im Nixenreich, erfreut sich uicht des Zweiten, Ter ersten Größter aber nennt das Ganze dennoch sein. Die Frau'n und Mädchen brauchen's beut', zum Kamps sich zu bereiten, Doch zwängt sich Manche allzufest in diesen Panzer ein. Auflösung in nächster Nummer. Auflösung des Magischen Quadrats in voriger Nummer: E j L | B | E L |-E | A j E 1T| A | L |L E |R | L | E Namktion: Ernst Heß. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen UniversttätS-Bnch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen.