IrerLag den 15. Wä-z 1907 — Ur 40 4 Hfl Jer Kall KarneLL. Novelle von Reinhold Drtmann. Nachdruck verboten. (Schluß.) Fünftes Kapitel. Dr. Laurence Chillons Sprechstunde hatte am nächsten Morgen wie immer um neun Uhr begonnen. Und so groß auch immer die Zahl der Hülfe suchenden Patienten gewesen war, hatte er es doch mit einer schnell erworbenen Virtuosität verstanden, sie alle innerhalb kürzester Zeit abzufertigen. Als die Uhr auf dem Kamiu zum Schlage der zehnten Stunde anfetzte, war nur noch ein einziger Besucher im Vorgemach — ein langer, hagerer Herr mit glattrasiertem klugen Gesicht. Er hatte gegen alle amerikanische Sitte auch den später gekommenen den Vortritt gelassen, und erst als er sah, daß niemand außer ihm mehr da war, legte er die illustrierte Zeitschrift aus der Hand, in der er so lange gelesen. Aber epc er sich in das Ordinationszimmer begab, trat er noch auf einige Sekunden an das Fenster und machte mit dem Taschentuch in seiner Rechten allerlei sonderbare Bewegungen, die man fast für verabredete Signale nach der Straße hinab hätte halten können. Da unten auf der gegenüberliegenden Seite promenierten zwei ebenfalls sehr hagere und glatt rasierte Herren in anscheinend sehr interessierter Unterhaltung auf und nieder. Es konnte Absicht, aber es konnte auch bloßer Zufall sein, daß einer von ihnen des öfteren zu den oberen Fenstern auf der anderen Seite der Straße emporsah. Und sicherlich fiel es keinem Vorübergehenden auf, daß auch er eben jetzt sein Taschentuch zog, um damit ein paarmal nachlässig durch die Luft zu fahren. Eine Minute später trat Mr. Carter, der Mann am Fenster, in den Rahmen der in Dr. Chiltons Ordinationszimmer führenden Tür. „Darf ich, Ihre kostbare Zeit noch! auf ein paar Minuten in Anspruch nehmen, lieber Doktor?" fragte er jovial, „diesmal leider nuyt in meiner Eigenschaft als Berichterstatter des „Morning Telegraph", sondern als Patient." Dr. Chilton war während der ganzen Dauer seiner heutigen Sprechstunde nicht in hier rosigsten Laune gewesen, jetzt aber zwang er sich, eine freundlich heitere Miene aufzusetzen. Denn mit, einem Journalisten durfte er's natürlich nicht verderben, am wenigsten mit einem, der ssch so bereitwillig zum Herold seiner außergewöhnlichen ärztlichen Geschicklichkeit gemacht hatte. „Als Patient? — Sie, Mr. Carter!" fragte er lachend. „Davon sieht man Ihnen erfreulicherweise nichts an." „Es steckt in den Nerven, Doktor! — Eine ganz verteufelte Geschichte. — Aber ich halte Sie doch nicht auf? — Habe schon gewartet, bis die anderen alle abgetan waren. Es ist keine Seele mehr nebenan int Wartezimmer." „Um so besser. — Dann können wir ja in aller Gemächlichkeit miteinander plaudern. — Also in den Nerven, sagen Sie? — Wäre bei Ihrem aufregenden Beruf ja nicht gerade ein Wunder. — Aber wie äußert sich denn Ihr Leiden?" „In den wunderlichsten Träumen, Doktor, — in Träumen, die mich nicht nur im Schlaf, sondern zuweilen auch in ivnchem Zustande heimsuchen. — Ist das nicht eine sehr merkwürdige Sache?" „Hum — in der Tat — aber Sie werden mir das etwas deutlicher erklären müssen. — Träume im wachen Zustande? — Ich kann mir keine rechte Vorstellung machen, was Sie damit meinen. Und außerdem — ich bin eigentlich kein Spezialist für Nervenleiden, lieber 'Mr. Carter." „Das meinige aber kann meiner festen Ueberzeugung nach von keinem andern kuriert werden, als von Ihnen. — Vielleicht stimmen Sie mir darin zu, wenn Sie meine Krankengeschichte gehört haben." „Also bitte — was ich tun kann, wird natürlich von Herzen gern geschehen?" „Wie meinten Sie? — Ich solle beginnen? — Ich bin nämlich leider seit zwei Tagen entsetzlich schwerhörig geworden. — Wahrscheinlich hängt das auch mit meinem Leiden zusammen. — Sie müssen darum schon die Freundlichkeit haben, recht laut zu sprechen, lieber Herr Doktor!" Die beiden hageren Herren von der Straße, die seit nngefähr einer Minute lauschend hinter der Tür des Ordinationszimmers standen, lächelten sich bedeutsam an. Es ioar ganz überflüssig, daß Mr. Carter ihnen ihre Aufgabe auf solche Art zu erleichtern suchte, denn sie hätten auch jedes halblaut gesprochene Wort deutlich verstanden. „Ich darf Ihnen also einen von meinen wunderlichen Trän- men erzählen — nicht wahr? — Denken Sie nur, mir träumte, ich wäre ein Arzt, ein blutjunger Arzt ohne Vermögen und ohne Praxis — eurer von den vielen Hunderten hier in New- 8vrk, die am Abend niemals wißen, wovon sie am nächsten Tage ihr Mittagessen bestreiten sollen. Sie haben das an sich selber ja wohl nie erfahren, aber Sie werden sich vielleicht trotzdem vorstellen können, daß es ein sehr beängstigender Traum gewesen ist." „Ja, ich kann mir's vorstellen, Mr. Carter, denn auch ich bin vor noch nicht allzu langer Zeit einer von diesen Hunderten gewesen." „Wirklich? — Nun also — ich muß nämlich etwas ausführlich fein, damit Sie möglichst schnell über die richtige Be- handlungsweise meines Leidens ins Klare kommen •— plötzlich war mir s, als ob meine Nacht klingel ertönte und als ob ich zu einer schwer reichen Patientin gerufen würde, die nach dem Bericht des Voten beinahe schon im Sterben liegen sollte. Das konnte ein Glücksfall sein, der sich bei einiger Geschicklichkeit weidlich ausnutzen ließ, denn bis dahin hatten meine Kranken — die Kranken meines Traumes — nur aus Lastträgern und Negern bestanden. Ich beeilte mich also, um der Erste an dein Krankenbette der Millionärin zu sein und ich fand, daß die Sache nicht gar so schlimm sei — eine leichte Vergiftung, hervorgerufen durch den Genuß irgend eines verdorbenen Nahrungsmittels. Aber ich hütete mich wohl, ihr ober ihrer Umgebung das zu er» zählen, denn die Wunderkur, die ich an ihr zu vollbringen gedachte, hätte dadurch ja leicht erheblich an Wert verlieren können. — 158 — Ich setzte also eine bedenkliche Miene auf, sprach von einer schweren Vergiftung, von ernster Lebensgefahr usw. und brachte es durch allerlei kleine Künste glücklich dahin, daß mir die baldige Genesung des alten Fräuleins — es handelte sich nämlich um ein Fräulein, Dr. Chilton — als eine ganz außerordentliche ärztliche Leistung angerechnet wurde." Auf Dr. ChiltonS Gesicht war allgemach eine auffallende Veränderung vorgegangen. Das verbindliche Lächeln war verschwunden, und jetzt sagte er scharf: „Vielleicht erklären sich Ihre sonderbaren Träume daraus, Mr. Carter, daß Sie etwas zu stark gefrühstückt haben. —- Ich bin ein großer Freund von guten Scherzen, aber ich kann nicht finden, daß dieses einer von den besten und geschmackvollsten wäre." „Und wer denkt an einen Scherz, Doktor Chilton? — Sie haben ja noch kaum den Anfang meines Traumes gehört. — Was weiter folgt, ist bei weitem das Interessanteste." „Und Sie sind während der ganzen Dauer Ihres sonderbaren Traumes in der Rolle jenes — jenes Arztes geblieben?" „Freilich — das ist ja eben das merkwürdige. — Ich habe mich so ganz mit ihm identifiziert, daß ich alles bis in die geheimsten Seelenregnngen mit ihm erlebt habe. Ich könnte einen Roman darüber schreiben, wenn ich das Talent dazu hätte. Da ich aber nur ein simpler Reporter bin, könnte ich den interessanten Traum höchstens den Lesern des „Morning Telegraph" erzählen, der mir seine Spalten gewiß bereitwillig dafür öffnen würde." Dr. Chilton war erst dnnkelrot und dann sehr bleich geworden. Nun lehnte er sich in seinen Schreibstuhl zurück und sagte mit erzwungener Ruhe: „Fahren Sie also fort. —- Aber kurz und mit möglichst wenig Ausschmückungen, wenn ich bitten darf!" „Mein Gott, ohne ein bißchen Romantik geht es bei Träumen nun einmal nicht ab. Und wenn die Liebe schon wachen Leuten mitunter die übelsten Streiche spielt, um wieviel mehr sollte sie nicht einem Träumenden zu schaffen machen. — Aber das kommt zu allerletzt. Das erste war, das; ich mir den Kopf darüber zerbrach, wie ich mich meiner reichen Patientin nach ihrer Genesung von dem kleinen Unwohlsein auch weiterhin unentbehrlich machen könnte. Mit einem schönen schwarzen Bart und feurigen dunklen Augen — die hatte ich nämlich im Traume, Dr. Chilton! — war es bei ihren Jahren nicht getan. Und sie verfügte leider über eine so ausgezeichnete Gesundheit, daß Jahre vergehen konnten, ehe sie wieder einmal meines ärztlichen Beistandes bedurfte. Schon sah ich wieder das Gespenst der Armut an meinem Lebenshimmel aufsteigen, als mir ein glorreicher Gedanke kam. Wenn ich sie durchaus nicht anders gesund machen konnte, als wenn sie vorher krank gewesen war — nun, so mußte man dem Zufall eben ein wenig zu Hülfe kommen — vielleicht durch ein kleines nettes Gift, das nicht gerade unbedingt tödlich wirkte und dessen Wirkung natürlich der am leichtesten be- I kämpfen konnte, der über Beschaffenheit und Dosis des Krankheits- > erzeugers genau unterrichtet war. Zweimal setzte ich diese harmlose kleine Komödie in Szene, und der Erfolg---" Unfähig sich länger zu beherrschen, sprang Laurence Chilton auf. „Wofür halten Sie mich, daß Sie es wagen, mir solche Schändlichkeiten anzudichten! — Wenn ich Sie recht verstehe, läuft die ganze Geschichte auf einen schamlosen Erpressungs- Versuch hinaus. Aber ich bin nicht der Dummkopf, als den Sie mich eingeschätzt haben. Erzählen Sie Ihre verrückten Märchen, fvem Sie wollen. Ich werde schon Sorge tragen, daß man Ihnen bald genug das Handwerk legt." „Vielleicht auch mit einer kleinen Dosis Atropin, lieber Doktor? — Sie könnten mir ja leicht auch ein Schlafmittel gegen meine unbequemen Träume verschreiben — ein Mittel, das sicher genug wirkt, um mich sanft und süß in die Ewigkeit hinüber- schl.ummern zu lassen. Aber es iväre eigentlich nicht der Mühe wcrt, Dr. Chilton, denn erstens bin ich ein armer Teufel, der seinem menschenfreundlichen Arzt nicht einmal Hunderttauseich Cents, geschweige denn hunderttausend Dollars vermachen kann. Und dann würde doch auch durch meinen Tod kein holdes weibliches Wesen frei werden, dessen Besitz einen kleinen Mord verlohnen könnte." Dr. Chilton staich regungslos mitten im Zimmer. Wohl rang er noch immer nach Fassung und Selbstbeherrschung, aber der Schlag war zu kaltblütig und mit zu tödlicher Sicherheit geführt, als daß er seiner vernichtenden Wirkung zu begegnen vermocht hätte. Sein Gesicht war verzerrt und seine Brust arbeitete in keuchenden Atemzügen. „Weshalb sind Sie mit diesen absurden Geschichten zu mir gelomnten?" brachte er mit ungeheurer Anstrengung heraus. „Es ist ja alles heilloser Unsinn — und ich sollte Sie einfach hinauswerfen ---" „Nein, Doktor Chilton", fiel Mr. Carter mit grausamer Milde ein, „Vas sollten Sie lieber nicht tun. Ich habe nämlich die Analyse des von Ihnen so geschickt verstärkten Schlafniittelchens in der Tasche. Und die Leser des „Morning Telegraph" sind schrecklich erpicht auf interessante Geschichten von der Art des kleinen Romans, beit ich Ihnen va erzählen könnte." Der Arzt trat an seinen Schreibtisch. „Nennen Sie mir Ihren Preis!" stieß er heiser heraus. „Ah, ich wußte es wohl, daß Sic über die rechte Art, mich von meinen lästigen Träumen zu befreien, nicht lange im Zweifel sein würden. — Ein Scheck auf zwanzigtausend Dollars dürfte sich meiner Ueberzeugung nach als ein recht wirksames Rezept erweisen." „Sie sind von Sinnen. — Soviel habe ich gar nicht in meinem Vermögen." „Sagen wir also: zehntausend auf der Stelle — und zehntausend in einer Anweisung, zahlbar nach dem Tode der Miß Elizabeth Garnett." „Und wenn ich Ihrem unverschämten Verlangen entspräche, welche Bürgschaft hätte ich dann für Ihre Verschwiegenheit." „Bin ich nicht in dem Augenblick, wo ich Ihr Geld annehme, gewissermaßen Ihr Mitschuldiger, Doktor Chi: ton?" fragte Carter mit erhobener Stimme. „Wir können jetzt doch ganz unverblümt miteinander reden — der Mörder mit dem Erpresser. Es ist mitunter ganz amüsant, die Dinge und die Menschen beim rechten Namen zu nennen." „Sie müssen verrückt fein, daß Sie das so hinaus schreien. Wenn nun jemand sich hier-nebenan eingeschlichen hätte!" Er wollte zur Tür, aber Mr. Carter hielt ihn auf. „Es ist niemand da —■ ich habe Ihnen das ja schon gesagt. Und nun stellen Sie mir die beiden Schriftstücke aus, wenn ich bitten darf. — Ich werde Ihnen nachher in einer Form darüber quittieren, die Sie vollkommen sicher stellt." Er drückte ihn fast gewaltsam in den Stuhl vor dem Schreibtisch nieder und Dr. Chilton riß nach einem letzten kurzen Zaudern wirklich ein Blatt aus seinem Scheckbnche. „Das sind zehntausend", knirschte er, nachdem er geschrieben, „und damit könnten Sie sich wahrhaftig begnügen." „Das Geschäft war beredet und abgeschlossen — wie ich denke! Noch zehntausend nach dem Tode der Miß Garnett und der Auszahlung ihres Ihnen ausgesetzten Legats — oder ich erzähle den Lesern des „Morning Telegraph" in der nächsten Nummer, wie man sich eine einträgliche Praxis, eine fette Erbschaft und eine schöne Frau verschafft." Und wieder glitt die Feder des Arztes in kreischenden Zügen über das Papier. Mr. Carter überflog die beiden Blätter und barg sie bedächtig in ferner Brnsttasche. Dann erhob er wie lauschend den Kopf. „Jetzt war mir'S wahrhaftig doch, als ob sich da nebenan etwas geregt hätte. — Wollen Sie nicht lieber einmal nach-- sehen, Dr. Chilton, während ich Ihnen die Quittung ausstelle?" Der Arzt war mit einigen raschen Schritten an der Tür. In dentselben Moment, da er sie ausriß, hatten vier kräftig« Fäuste seine Arme gepackt. Und eine tiefe Stimme sagte: „Machen Sie keine Umstände,' Dr. Chilton — Sie sind unser Gefangener." Mr. Henry Carter aber rief lachend vom Schreibtisch her: „Nehmen Sie das als Quittung, Doktor! — Ihre beiden Anweisungen werden hoffentlich von der Jury des Schwurgerichts honoriert werden. Ich für meine Person bin mit der Ehre und dem Honorar für den Artikel im „Morning Telegraph" vollauf zufrieden." Glücklich, daß ihm der meisterhafie Streich seiner ruhmvollen Reporterlaufbahn gelungen war, fuhr Mr. Carter in die Redaktion. Und niemals war ihm die Arbeit so leicht von der Hand gegangen wie an diesem gesegneten Vormittag. Miß Elizabeth Garnett war in tiefster Seele erschüttert, als sie erfuhr, loer der Urheber der verschiedenen Anschläge gegen ihre Gesundheit und ihr Leben gewesen. Die wunderbare Kom-, binationsgabe des Reporters hatte den Sachverhalt und die Beweggründe des von brennendem Ehrgeiz und unersättlicher Habsucht erfüllten Dr. Chilton vollkommen richtig erfaßt. Und der überlistete Verbrecher hatte wenigstens den Stolz, sich offen zu seiner Schuld zu bekennen, als er eins ah, daß es ihm nicht mehr gelingen würde, durch Leugnen seine Freiheit und seine gesellschaftliche Stellung zurückzugewinnen. In der Tat hatte sich's bei Miß Garnetts erster Erkrankung nur um ein zufälliges Unwohlsein gehandelt, bei dem keine ver- hrecherische Hand im Spiele gewesen war, und erst die beiden späteren Fülle waren wirkliche Vergiftungen gewesen, nicht schwer genug, um bei einer geeigneten Behandlung ernste Lebensgefahr zu bedeuten, aber' inrmerhin so beängstigend und peinvoll, daß die Gerettete ihrem hilfreichen Arzt zu innigstem Dank verpflichtet sein mußte. Der letzte Anschlag aber war bitter ernst gemeint gewesen. Die Furcht, daß ihm Margaret verloren sein oder ihm gar durch Morton Rahward abspenstig gemacht werden könnte, hatte den bis zum Wahnsinn Verliebten alle Vorsicht vergessen lassen. Vielleicht auch hatte er von den im dunklen schleichenden Gerüchten, die den Neffen der alten Dame verdächtigten, bereits Kenntnis erhalten und gab sich der Hoffnung hin, daß man ihn für den Mörder halten würde, so daß damit jede Möglichkeit einer Verbindung zwischen Morton und Margaret abgeschnitten gewesen wäre. Natürlich würde man ihn zuerst gerufen haben, wenn die alte Dame unter der Wirkung des unbedingt tödlichen Giftes erkrankte und er würde daun unschwer Gelegenheit gefunden haben, das Arzneifläschchen zu beseitigen, dem er am Abend die Atropindosis beigemischt hatte, während er sich den Anschein gab, den Inhalt zu prüfen. Margarets Absicht, etwas von dem Medikament zu nehmen, hatte seinen schurkischen Plan über den Haufen geworfen, und die furchtbare Angst, die ihn gepackt hatte, als er das geliebte Mädchen in der höchsten Lebensgefahr sah, hatte ihn verraten. Immerhin wären die tatsächlichen Beweise für seine Schuld viel zu gering gewesen, um seine Ueberführung zu ermöglichen, wenn er nicht — durch Mr. Carters kaltblütige Schlauheit ein« geschüchtert, — in die von diesem gelegte Falle gegangen wäre. Au seiner Verurteilung war kein Zweifel und ein paar Wochen lang wettete man in Newyork sehr lebhaft für und gegen sein Leben. Margaret Barrhmore aber war für eine gute Weile sehr gegen ihren Willen die Heldin des Tages und sie wurde es noch mehr, als man in den Zeitungen die Anzeige ihrer Verlobung mit Mr. Morton Rahward las. Die Wolken am Lebenshimmel des jungen Kaufmannes hatten sich wieder verzogen, als Miß Garnett aus dem Munde ihrer jungen Gesellschafterin erfahren hatte, was Mr. Carter über die schlimme Lage des durch schwindelhafte Vorspiegelungen zu jenen unglücklichen Spekulationen verlockten Neffen ausgekundschaftet hatte. Sie hatte ihm, der zu stolz gewesen war, sie selbst darum anzugehen, mit ihrem eigenen Vermögen beigcstanden. Und sie hatte dem Herzcnsbunde des verliebten jungen Paares freudig ihren Segen gegeben — unter der einzigen Bedingung, daß Margaret bei ihr bleiben müsse bis zur letzten Stunde ihres nunmehr von dem gräßlichen Schatten einer ständig drohenden, unfaßbaren Gefahr befreiten Lebens. Ende. Kottesvcrehrrmg und Wenschheiisdienst, (Original-Artikel der „Gieß. Fam.-Bl."). Ueber dieses Thema sprach am 9. März Dr. Bruno Wille aus Berlin auf Veranlassung der Gießener Freidenker-Vereinigung im gut besetzten Saale des Hotel Einhorn zu Gießen. Schon mit diesen Worten des Themas, so führte der Redner aus, soll der Gegensatz zwischen der alten, dogmatischen, dualistischen Weltanschauung und der neuen, freidenkerischen, monistischen gekennzeichnet werden. Mir selbst, sagte der Referent weiter, liegt es durchaus fern, alles, was die alten Religionen lehren, zu verwerfen, im Gegenteil, ich persönlich bin ein solcher Verehrer von Einzelheiten dieser alten Glaubensreligionen, dhß ich es nicht unterlassen kann, mich immer wieder mit Liebe und dem Bewußtsein, daß dort Schätze zu heben sind, an die alten Religionsurkunden heranbegebe. Ich finde immer wieder neue Herrlichkeiten in der Bibel, im alten wie im neuen Testament, aber nichtsdestoweniger bin ich ein Gegner des Konfessio- nalismus und des, Kirchxntums. Zu dm herrlichen Ideen, die sich in der Bibel finden, gehört beispielsweise die Idee, daß dick Gottheit den Menschen nach ihrem Ebenbilde geschaffen habe. Ich fasse diese Worte sinnbildlich auf, ich verstehe das so, daß die Menschen die Aufgabe haben, das Ideal, das sie mit dem Begriff ihrer Gottheit verbinden, in sich zu verwirklichen, daß die Menschen die Aufgabe haben, gottähnlich zu werden. Unter dem Göttlichen verstehe ich einfach die Vollkommenheit, und ich meine, daß der Mensch dann göttlich wird, wenn er ein vollkommener Mensch wird. Man braucht dabei nicht an eine Person zu denken, die jenseits in einem übernatürlichen Reiche regiert, eine Person mit ehrwürdigem Bart und in Menschengestalt. Das ist nur die biblische, bildliche AusdruckSweise. Im neuen Testament findet sich ein herrlicher Ausspruch: „Werdet vollkommen, wie euer Vater im Himmel vollkommen ist". Die Vorstellung, welche ein Mensch vom höchsten Wesen sich bildet, ist mitbestim- 8 mend für seine ganze Lebensstellung und Weltanschammg. Er richtet sich, er, bildet sich nach ihr. Wer zu einem sehr vollkommenen Ideal emporschaut, wird hohe Ansprüche an seinen Veredlungstrieb stellen. Er wird den Segen dieser Jdealverehrung in sich erfahren, indem er praktisch das Ideal in sich zu verwirklichen sucht. „Es wächst der Mensch mit seinen höheren Zwecken." Wer aber rohe Vorstellungen von dem hat, was er das höchste Wesen nennt, der wird von dieser Roheit und Unvollkommenheit seines Ideals beeinflußt. Heutzutage werden noch massenhaft Vorstellungen verbreitet, die auf längst überwundenen Kulturstufen beruhen und daher • als reaktionär int sittlichen Sinne bezeichnet werden müssen. Die Religion, oder was man heute so nennt, ist etwas großenteils Erstarrtes. Sie ist eine Summe von Ansichten und Anschauungen jüdischer Priester, unchristlicher Persönlichkeiten und mittelalterlicher Kirchenfürsten. Wir müssen bedenken, daß damit zu unserer modernen Jugend eine alte Kultur spricht, die ja gewiß manches Schöne und Herrliche enthält, zugleich aber auch eine Menge von Uuvollkommenheitert und barbarischen Ideen, die geradezu sittliche Verwüstungen anrichten können. Denken Sie itur an den starken und eifrigen Gott, der die Sünden der Väter heinr- sncht an den Kindern. Ein solches Wesen kann doch einem Kinde in dieser Hinsicht nicht als höchstes Wesen vvrgetragen werden, als gerechter, allgütiger Vater. Tie Kinder kommen bimtn leicht zu dem Schluß, das höchste Wesen kann sich alles Mögliche erlauben, denn wo die Macht ist, da ist auch das Recht. Solche Vorstellungen sollten aber in einem Kiitderherzen nicht Platz greifen. Denken Sie ferner an die Geschichte von Isaaks Opferung. Wie stimmt eine derartige Gefchichte überein mit der Bitte des Vaterunsers: Führe uns nicht in Versuchung? Dem höchsten Wesen wird Alliebe, Allgüte, Allmacht und Barmherzigkeit nachgesagt. Es sieht alle Dinge in der Gegenwart wie auch in der Zukunft. Die ersten Menschen schon sündigten, was übrigens das höchste Wesen, da es auch allwissend sein soll, vorher wissen mußte. Aber nicht genug damit, daß sie ans dem Pavadies verstoßen wurden, nein, die Erbsünoe ist damit in die Welt gekommen, die Kinder und Nachkommen der ersten Menschen müssen noch büßen. Die Sintflut kommt, aber auch damit ist die Sünde noch nicht ans der Welt geschafft, das höchste Wesen versucht es nun auf eine andere Art, indem es sich selbst für die sündige Menschheit opfert. Hier haben wir die Idee eines stellvertretenden Opfers, ein Gedanke, der einem sittlichen feinen (Semüte widerstrebt. Und was ist nun durch die Erlösung, durch das Sühneopfer erreicht worden? Auch nach der Richtung haben wir Grund, uns kritisch zu besinnen. Die Erlösung hat die Welt nicht ton, der Schuld befreit, denn es heißt, daß nur ein Teil der Menschheit erlöst ist, während ein anderer Teil verdammt ist und in der Hölle schmachten wird ewiglich. Das Werk wird also verantwortlich gemacht für den Schöpfer. Und was sollen wir zu den Höllenqualen sagen, wie sie in der Bibel, bei den Kirchenvätern und Heiligen beschrieben werden? Wie reimt sich das mit der himmlischen Mlgüte und Barmherzigkeit zusammen? Entpört sich nicht unser sittliches und menschliches Gefühl gegen derartige Qualen, die dazu noch ewig sein sollen? Seit Jahrhunderten, meine ich, ist es zeitgemäß zu fragen: von solch,' einem höchsten Wesen sollen wir Heil.ermatten, sollen mir sittliche Erhebung erhoffen? Wenn die Kinder durch derartige Gefahren des heutigen Religionsunterrichts verschont bleiben, so liegt das wohl daran, daß sie ein modernes Leben umgibt, daß sie in einer humanen Zeit und Familie groß .werden. Die Idee eines stellvertretenden Sühneopfers vermögen wir Kinder der Neuzeit gar nicht mehr zu fassen, geschweige denn mit der Vorstellung eines gerechten höchsten Wesens zu vereinigen. Der biblische Satz: „Gott schuf den Menschen nach seinem Bilde" ist von Goethe, Feuerbach und anderen, Denkern in zutreffender Weise umgekehrt worden. Die Menschen haben nach ihrem Ebenbild ihre Götter geschaffen; wie der Mensch, so sein Gott. In Zeiten, wo das Ideal des Menschentums noch rückständig war, bildete sich naturgemäß eine rückständige Vorstellung vom höchsten Wesen. So kam das Altertum mit seiner Tyrannei und Sklaverei auf die Idee, das höchste Wesen sei ein gebiete» rischer Regent. Heutzutage hallen wir vom absoluten Herrscher- tum sehr iuenig. Die morgenländische Welt aber, der das Christentum entstammt, ging bei ihrer religiösen Anschauung ans von Gott, dem absoluten Herrn über alles. Verschlungen von der Größe und niedergedrückt von der Macht dieses Regenten glaubte der Gläubige gar nicht genug darin tun zu können, sich selbst zu erniedrigen zum Knecht und als Wurm im Staub zu kriechen. Ans diesem Gedanken entspringt auch die Idee des Gebetes und des Opfers. Der Mensch möchte dadurch, tont höchsten Wesen etwas zu erreichen suchen, etwas erflehen. Jede Konfession, jede Religion glaubt den allem wcahren Gott zu haben, und so ist es gckkomnMtz daß die verschiedenen Konsessionett und Religionen übereinander hergefallen sind wie reißende Tiere. Tie menschliche Bernuiist kann eine solche göttliche Autorität, einen solchen Regenten, der lohnt und bestraft, nicht anerkennen. Tie Vernunft mitt Gründe gelten lassen, aber keine Autorität, die Vernunft will Beweise. Ein sittlich feiner Charakter will nickst Verheißungen ton Lohn hören, er will weder belohnt noch 160 R. S. Redaktion; Ernst Heb. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl’icben Univerütäts»Buch» und Stemdruckerrt. R, Lanae. Dieb Vortrag: „ , , , o m r . Wohl preisen viele das Vaterland, Wir aber leben dem Kinderland: Die Väter lebten, die Väter sind tot. Ihnen tut Lieb' und Arbeit nicht trat. Dort hinten waltet ewige Nacht, Doch vor uns glühend der Tag erwacht. Bald wird sein Licht ein Land umfließest, Dein neue Arbeit und Menschen entiW&ei". Wir sind des Landes Sonne und Regen, Des Landes Speise, des Landes Segen, Trum auf das Kinderland bestellt. Zu grüntet die neue, die bessere Welt. VesMisrhtrs. **- Woher weißt du, wie die Sterne heißen? Nachfolgendes, in der Wetterau passiertes Geschichtchen, stellte uns die Gattin eines Landarztes zur Verfügung: In einer kalten, sternklaren Winternacht wird mein Mann in em entferntes Dorf zu einem Kranken gerufen. Hannes, unser Kutscher, spannt an und darf sich der starken Kälte wegen zu meinem Mann ms Verdeck setzen Tie Betrachtung des wunderbaren Sternhimmels bereitete meinem Mann einen reinen Genuß und schließlich wandelt ihn die Lust am, auch unseren Hannes etwas den Blick zu weiten nntn ibn die Schönheit genießen zu lehren. Er hielt ihm einen Vortrag über Astronomie, erklärt ihm die Sternbilder und sucht ihm einen Begriff davon zu geben, was die Wissenschfift leiftet, indem sie vermittelst vorzüglicher Instrumente die einzelnen Serne erforscht und ihre Entfernung berechnet. Zu all diesem nickt Hannes verstaiidnis-- vvll unduuterbricht meinen Mann mit keiner Frage. Als dreier ihn zuletzt fragt, ob er auch lalles vcrstandeii habe und nicht auch erstaunt sei darüber, was die Wissenschaft alles vermöge, antwortet Hannes nach einer bedächtigen Pause: „Ja, Herr Doktor, verstonne hab ich alles und ivills auch gerne glowe. Wes mer awwer net in Kopp will, das is: woher waaß mer denn, tote all die Sterite hauße?" Selten habe ich meinen Mann herzlicher lachen hören, als er mir beim Nachhatisekommen seinen Mißglückten Bfldungsversuch erzählte. * Waldbestand und Ha g e 1 b 11 d u n g. Wahrend der Waldreichtum eines Landes die Niederschläge, soweit es sich um Regen handelt, vermehrt, wirkt er ans die Hagelbildung ganz entschieden hemmend ein. Bereits in den sechziger Jahren des vorigen Jahrhunderts stellte man in der Schweiz fest, daß in den waldreichen Kantonen Hagelsälle gar nicht oder wenigstens nur m sehr ab- geschwächtem Maße vorkamen, während sie sich nach umfangreichen Abholzungen in ganz erheblichem Maße und teilweise in solchem Umfange einstellten, daß sie gewaltigen Schaden stifteten und die Bewohner zu einer Aufforstung der entwaldeten Partien zwangen. Der Erfolg war geradezu überraschend; denn die Hagelfälle nahmen von Jahr zu Jahr in dem Maße an Häufigkeit nnd Heftigkeit ab, wie der Wald im Wachstum fortschritt, um schließlich ganz auszuhören. Neuerdings kennt man auch aus Teutschlaud derart charakteristische Beeinflussungen der Hagelbildung durch Walder. Zwischen Marburg und Gießen waren von alters her die Höhen und Schluchten an der Lahn mit dichten Wäldern bestanden, itnd von Hagelfällen hatte man seit Menschengedenken in diesen Gegenden nichts gehört. Tas änderte sich aber, als vor einigen Jahren ut der Gemeinde Hattenhausen eilt nur 700 Meter langer und 200 Meter breiter Streifen Waldes niedergelegt und urbar gemacht belkraft sein, er toM Gerechtigkeit. Eine echte Sittlichkeit tut das Gute aus Liebe zum Guten. Liebe ist nttmer terotlhg ®ie freie Selbstbestimmung gehört unbedingt zum sittlichen Charakter. Der bessere Mensch meidet das Unrecht nicht, weil er sich von Rache bedroht glaubt, sondern weil fern innerstes Selbst eine natürliche Abscheu vor dem Bösen hegt. Und schließlich wissen wir doch auch nur, was das Rechte und Gute istx wenn wir! unsere Vernunft anwenden. Ter Mensch sollte sich selbst das Allerwichtigste und Mev- nachste fein Er hat die sittlichen Aufgaben und religiösen Kräfte, die er in sich spürt, vollkommen darin zu behäbigem, daß er Seinesgleichen hilft gerechter und vollkommener zu werden. Das ist Menschheitsdienst! Wir müssen den Gott nicht m einem jenseits außerhalb der Natur suchen, sondern im Menschen. Den Heiland haben wir alle in uns selbst. lUiser Gott ist das Ideal der Vollkommenheit, wie cs von den Besten der Erde erdacht wurde, und unsere höchste Seligkeit besteht darin, diesem Zdeal nachzustreben Wenn wir aber das tun, haben wir m dec heiligsten Weise den Sinn unseres Menschenlebens erfüllt, dann sind wir religiöse Naturen, nicht im Sinne der alten Glaubensreligivnen, sondern im modernen Sinne. Wir werden allerdings mit unseren leiblichen Augen die Berwirklichung unseres Ideals nicht Watten, denn es kann nur in der Ewigkeit verwirklicht werden. Wir aber wollen für unser Kinderland, d. h. für die Zukunft des Menschengeschlechts arbeiten, auf da«z den kommeiidm Geschlechtern die Bahn zu höherem Menschentum frei werde. Mit folgendem Gedicht Nietzsches, das diesen letzten Gedanken zum Ausdruck bringt, schloß Dr Wille seinen mit reichem Beifall aufgenommenen Logogriph. Mit B ein tüchtiger Komponist, Mit D am Haus es zu finden ist. Auflösung des Ergänzungsrätsels in voriger Nummert Eines schickt sich nicht für alle I Sehe jeder, wie er's treibe, Sehe jeder, wo er bleibe, Und wer steht, daß er nicht falle. Goethe. wurde, wodurch die nördlich und südlich vom Walde belegenen Felder miteinander in Verbindung gesetzt wurden. Die meist von Süden kommenden, Hagel führenden Gewitterwolken unternahmen nunmehr regelmäßig ihren Weg über diesen Streifen Neuland und richteten die ärgsten Verwüstungen an. Forstmeister Röhrig berichtet nach einer Mitteilung des Prometheus über ein furchtbares Unwetter, das vor einigen Jahren vom Elsaß her die oberrheinisch: Tiefebene, Hessen und den Regierungsbezirk Kassel durchzog, um erst im südlichen Hannover zu eiltet. Von den Wirkungen des Wirbelsturmes abgesehen, hatte der Hagelschlag ganz besonders verheerend gewirkt, und zwar hatten die in der Nähe größerer Waldbestände liegenden Mecker — auch wenn sie in der Zugstrahe des Unwetters! Ingen — viel weniger gelitten als-die vom Walde entblössten oder ihm ferner liegenden Kulturflachen. Diese Erscheinung wiederholte sich aus der ganzen Strecke; nirgends hatte der Wald selbst gelitten. Offenbar ist das verschiedene Berhalteit auf die ungleiche elektrische Spannung zurückzufiihren, welche die Erdoberfläche auf bewaldeten und wcfldsreien Gebieten notwendigerweise zeigen muß. Für die Praxis ergibt sich hieraus die Bedeutung der Aufforstung aller Oedländereien. , * Ein Muster von Ehemann. Sowohl der König von Italien wie der Zar suchen das höchste Glück im engsten Familienkreise. Es ist unmöglich zu sagen, welcher von beiden Herrschern die schönste Gattin besitzt, oder welcher von bettet den Frauen ergebener ist. Muster von Ehegatten und Katern find beide Beide heben es, die Staatsgeschäste in den etnjaetet Freuden des Familienlebens zu vergessen. Die Königin montenegrinischer Abkunft nimmt gleichwohl lebhafteres Interesse an den öffentlichen Angelegenheiten. Die Hausregel bet beiden Hofen ist: früh zu Bett und früh auf den Beinen. In der Irischen Morgenluft liebt es der italienische König, in seinem Automobil die weite Wüste der Campagira zu durcheilen. Ter Nachmittag ist den Audienzen gewidmet. Er ist der zugänglichste aller Monarchen und verbringt täglich 4 bis 5 Stunden mit dem Em Pf ang en von Person eit jeden Standes nnd jeder Gattung Er geht zu Bett zu einer Stunde, wenn gewöhnlich ein Ball beginnt unb des Sommers fährt er mit seinem Automobil zu einer Zett aus, toetttt die letzten Eingeladenen nach Hause zurück zu kehren pflegen. * Der W irt'iu Töchterlein. Iw das Fremdenbuch des Gasthauses eines Thüringer Walddorfes schrieb kürzlich ein! unbekannter Wanderer folgende scherzhafte Verse, die eines ernsten Hintergrundes nicht entbehren: . Es zogen drei Burschen wohl über den Rhein, Bei einer Frau Wirtin, da kehrten sie ein. „Frau Wirtin, bringt's kalten Aufschnitt tyerein, Wo ist denn Emilie, Ihr Töchterlein?" „Mein Aufschnitt ist kalt und scharf der Senf, Emilie studiert Medizin jetzt in Genf!" , . „Fran Wirtin, den Mosel und Rheinwein uns bring. Wo ist teilt die Alma, das schnuckrige Ding?" „Mei Mosel ist süffig, gar süß ist der Most, Die Alma telephoniert bei der Post!" Da fragten die Burschen, sehr traurig gesinnt: „Wo ist denn das Aenncheii, das drittälteste Kind? „Das Aennchen amtiert als Buchhalterin, Ist Typewriter-Mamsell aus der Schretbmaschin! Ta schimpften die Burschen, nicht fein war es grab , Und traten in Stücke den hieran tomlat. Literarisches. — Wi 1 dhecken, Jagd- und Wilddiebsgeschichten aus denk Otenoalde. Von PH. Buxbauim Mit Originalzeichnungen von A. Buxbaum. Verlag von Emil Roth tu Gießen. Preis 1,50 Mk. Was der Verfasser uns hier in seinen Jagd-und Wilddiebs geschichten bietet, ist eine echte und warme Heimatkunst. Ein ergötzlicher Humor, mitunter em derber Schalk, ein ebenso ttav.s Auge als mitfülsteiides Gemüt für die Schwachen der Menschheit weht uns aus diesen Erzählungen entgegen. Wir sehen te Ueb« des Odenwälders zur Natur, seine Jagdlust, die bauerM^e Schlauheit, Hinterlist und Leidenschaft, die der Odenwalder so reich entfaltet und der Findigkeit der Forst- und Jagdbeiamten entgegensetzt. Wildererfiguren wie der geriebene und gutinuttg teme Jack'l, der mit allen Hunden gehetzte Gilles find echte Lwld-- typen, wie sie in einem! gesunden Volksschlag zahlreich wucheri, zu Kreuz und Leid der Jägerwelt. Kem Leser wird das Buch unbefriebigt aus der Hand legen. Der köstliche Humor, der uns aus allen Zeilen janlacht, wird jetten Leser, gefangen nehmen. Ludwig Schuster.