Ireitag deu 14, Iu«t 1907 DMW WMM »sVSWj .« K - W ^OWrtjEB Lieöestod. Eine Erinnerung aus Japan. Bon Franz Woas. Während des letzten Krieges im fernen Osten saß ich eine Zeit lang untätig in Shimonoseki, dem großen japanischen Hafcn- orte. Ich wäre gern nach Korea hinübergesetzt, das nur hundert Seemeilen davon entfernt liegt; aber die Japaner hatten ein mißtrauisches Auge für alle Fremden, die sich damals in der Nähe der Kriegsereignisse aushielten; sie ließen es nicht zu, daß ein Fremder eines der vielen großen Schisse benutzte, die fort» während zwischen Japan und Kvrea hin- und hergingen, um Proviant und Kriegsmaterial hinüber und dafür Verwundete und Kranke herüber zu bringen. So wartete ich auf die Gelegenheit, um auf einem der kleinen Küstcndampfer unbemerkt wegzukommen — was mir schließlich auch wirklich gelingen sollte. Inzwischen sah ich mir Shimonoseki mit Muße an. Es war freilich nicht viel daran zu sehen; es ist ein ganz gewöhnlicher japanischer Hafenort, nur bis ins Ungeheure ausgedehnt. Tie unzähligen, niedrigen, recht unansehnlichen hölzernen Häuser stehen dicht gedrängt in schmalen Gassen unmittelbar am Meeresstrande; dicht dahinter schon erhebt sich das Land zu leichten Bergrücken, die mit Tempeln, Kirchhöfen und Teebuden, aber auch mit starken militärischen Befestigungen besetzt sind. Am Hasen fiel mir bald ein etwas ansehnlicheres Gebäude auf; es war mit einigen grell gemalten Plakaten bedeckt und erwies sich als ein Thmter. Mein Führer hatte nicht eher Ruhe, als bis wir eines Abends' richtig zusammen darin saßen. Es wurde ein modernes Stück gegeben, in dem eine Geisha und ein junger Lebemann, der übrigens nach der allerneuesten Pariser Mode gekleidet war, die Hauptrollen spielten. Wohl an 2000, Zuhörer waren in dem Theater, und ergötzten sich an dem Spiele. Ich saß mit meinem Führer in einer erhöhten Abteilung, die wir 1. Rang-Balstm bezeichnen würden; unmittelbar unter uns war das Parterre, wo in hunderten von besonderen Abteilungen die Zuhörer familienweise nebeneinander aus dem Boden hockten. In der vordersten Reihe fiel mir bald ein junger Mann von vollendeter Schönheit aus, der mit besonderer Aufmerksamkeit nach der Bühne schaute und allein in feiner Abteilung saß; ich merkte aber auch bald, daß seine Aufmerksamkeit weniger dem Stücke, als einer der Schauspielerinnen galt. Es war Vies ein Mädchen von etwa 17 bis 18 Jahren, vielleicht keine Schönheit nach unserem Geschmack, aber jedenfalls eine überaus liebliche Erscheinung, von einer Anmut in Haltung und Bewegung, wie man sie selbst in Japan in solchem Grade nur selten findet, die verkörperte Liebenswürdigkeit und Hingebung. Sie wirkte als Statistin mit, zog aber trotzdem die Aufmerksamkeit gar vieler Zuschauer auf sich, da die Japaner für anmutvolle Erscheinung ein ganz besonders gutes und liebevolles Auge haben. Wenige Schritte von mir entfernt saß ein anderer Fremder, ein vierschrötiger Mann, anscheinend ein Amerikaner, der an der schönen Statistin ebenfalls großes Gefallen zu finden schien. Er mußte bemerkt haben, daß der Japaner, der im Parterre dicht an der Buhne saß, dem schönen Wesen gelegentlich eine Aufmerksamkeit erwies, indem er ihr — und zwar ohne jede Rücksicht auf die augenblickliche Bühnenhandlmig — eine schöne Blume oder einen süßen Kuchen hinaufreichte, worauf sie dann immer unsagbar lieblich dreinfchaute und mit den langsam sich senkenden Wimpern dem Geber dankte. Tas Stück geht inzwischen seinen Gang; Held und Heldin stehen einander gegenüber, es handelt sich um Sein unb Nicht; em. Ta bricht sich durch alle Zuschauer des Parterres hindurch ein Kuli 'Bahn, ein zierliches Körbchen tragend, das mit bunten Bändern und Blumen reich geschmückt ist und eine ganze Last süßer Fruchte enthält. Dieses Körbchen reicht er, ohne sich durch die Püffe, die ihm rechts und links zuteil werden, stören zu lassen, dem schönen Mädchen auf die Bühne hinauf, und zugleich flüstert er ihr zu, was es damit für eine Bewandtnis hat; er weist auch zu uns hiupnf, um ihr den Geber zu zeigen, der niemand anders war, als mein Nachbar, der Amerikaner, der sich weidlich über all das amüsierte und vor Vergnügen eine tadellose Doppelreihe falscher Zähne zeigte. Die Schöne dankt, indem sie kaum merkbar ihr zartes Köpfchen senkt und dazu einen halben Blick unter den laugen Wimpern hinauf zu dem Ameri- faner sendet. Der Japaner aber im Parterre erhebt sich halb aus seiner hockenden Lage, greift aufgeregt in die ^Falten seines Kimono, als suchte er da die beiden Schwerter der Samurai, und wirft wütende Blicke zu uns hinauf. Ich beitfe so bei mir: Nun, nun, da könnte sich ja am Ende eine fürchterliche Geschichte entwickeln. Ta aber nichts weiter erfolgt und auch das weitere Spiel auf der Bühne mich zu fesseln beginnt, wende ich mich von dem Zwischenspiel ab, um es schließlich ganz zu vergessen. Zwei oder drei Tage darauf aber sollte mir all dies wieder sehr deutlich ins Gedächtnis gerufen werden. Mein Führer, obwohl ich ihn längst entlaßen hatte, lungerte immer noch um das Gasthaus herum, und wo er meiner nur habhaft werden konnte, drängte er mir immer wieder seine Dienste aus. Eines Morgens redete er mich beim AuSgange an; ich solle nur sofort mit ihm kommen, er könne mir etwas ganz besonderes zeigen. Ich ließ mich bewegen; wir nahmen zwei Rickschahs und fuhren los; er vornweg, ich hinter ihm her. Zunächst ging es den Hafen entlang, dann weiter durch die Stadt hindurch und schließlich in eine Vorstadt, offenbar die Gegend, wo die reichen und vornehmen Leute wohnten, denn die Hauser standen hier weniger gedräiigt und waren von Gärten umgeben. Vor einem stattlichen Hanse, das ein wenig erhöht und mitten im Grünen lag, sahen wir eine Menschenansammlung, und gerade, als wir aukamen, trug man auf einer Bahre aus dem Hanse etwas hepans, waA offenbar das größte Interesse der versammelten Volksmenge erregte: Es war eine Leiche, die in weiße Tücher gehüllte Leiche eines jnngen Mädchens. Hunderte von Frauen, aber auch viele Männer nahmen sie in Empfang und begleiteten sie auf dem Wege nach der Stadt; aber nirgends wurde ein Ton der Klage laut, nicht ein einziges Schluchzen war zu vernehmen; ja, auf den Gesichtern vieler junger Mädchen, die mit in dem traurigen Zuge gingen, lag es eher wie eine innere Befriedigung, wie ein Abglanz eines glücklichen Ereignisses. Tie liebreizende Kiki war es, die man da trug. Da sie zueinander nicht kommen konnten, hatten sie den ,,^,iebestvd gewählt, waren gemeinfam in das Meido *) eingegangen, Sm und ihr vielgeliebter Takamuro. Tieier war nun leider bei ^eb zeit en ein etwas leichtsinniger Herr gewesen, bei all seinen ivnstigen äußeren Vorzügen. Sein Vater, der dies stattliche Haus bett bewohnte, war ein Samurai, und wenn er auch nicht mehr gleich fernen berühmten Vorfahren zwei scharf geschliffene Schwerter im Gürtel trug, so trug er doch bei feierlichen Gelegenheiten eine glanzende Uniform, denn er war ein angesehener Regierungsbeamter. Ter *) Soviel wie Unterwelt. — 342 —« Sohn hatte bei der Marine eintreten sollen; da hierzu aber zwei sehr schwierige Prüfungen abzulegen sind, war ihm dies bis dahin nicht gelungen; er war zweimal durchgefallen, und es war gar keine Aussicht, daß er jemals das Ziel erreichen würde. Anstatt Astronomie rind Mathematik zu studieren, strich er am Tage draußen herum und den Abend verbrachte er im Theater. Das Einzige, was er gut fertig brachte, wird leider auch in Japan bei der Fähnrichsprüfung nicht verlangt, nämlich Verse, Liebesgedichte in der Art des berühmten Dichters Mahito, jedoch mit einem Schuß ganz moderner Lebensanschauung verseht, denn der junge Herr Takamuro war zudem noch ein wenig Sozialist, was den Vater ganz besonders verstimmt hatte. Der stolze Mann hatte ihn deshalb eines Tages förmlich enterbt, ihn aller Sohnesrechte entkleidet, und dafür einen Neffen an Sohnes Statt angenommen; es Ivar dem Verstoßenen von nun an nur noch erlaubt, im Hause der Eltern zu nächtigen; vor deren Augen durfte er sich nicht mehr zeigen. Niemand kümmerte sich sonst um ihn und keiner srug, wie er sich seinen Unterhalt verschaffte. — Gerade damals hatte er im Theater Kiki kennen gelernt, und beide hatten sich sterblich ineinander verliebt. Zunächst schien dies freilich eher zum Glück für den jungen, bisher so leichtsinnigen Menschen auszuschlagen; denn um regelmäßig ins Theater gehen und seine vielgeliebte Kiki bewundern zu tonnen, bedurfte er Geld, und so bemühte er sich um Arbeit und brachte es wirklich dazu, durch Abschreiben von Briefen und Rechnungen in den Kaufhäusern tont Hafen ab und zu einige Ben zu verdienen. Ja, es gelang ihm außerdem sogar, bei der japanischen Zeitung, die in Shimvnoseki erscheint und start fortschrittlich, fast ein wenig sozialistisch angehaucht ist, anzukommen, und gelegentlich als Berichterstatter aufzutreten; schon träumten die beiden Verliebten von einer rosigen Zukunft, bis plötzlich um so schaurigere Nacht Üitt sie wurde. Eines Tages war ein Fremder — eben jener Amerikaner, den ich selbst im Theater beobachtet hatte —• bei dem TlMterdirektor erschienen und hatte kurzer Hand gefragt: „Was ist der Preis für Fräulein Kiki?" Nun ist der Kauf und Verkauf von Frauen im gesitteten Japan selbstverständlich läng'st durch Gesetze verboten; aber in -Wirklichkeit besteht beides nach wie vor. Der Direktor hatte doch auch seine Ausgaben mit dem Mädchen gehabt, er hatte sie lehren und anleiten müssen, er hatte sie solange genährt, auch ihre Mutter uild Schwester erhalten, ihr dann all die schönen Kleider und zierlichen Ausstattungsstücke gekauft, die sie brauchte, um würdig vor die Zuschauer zu treten; er hatte soinit Kapital in sie hineingesteckt, das gerade erst begann, sich einigermaßen zu verzinsen — kürz, der Direktor konnte sie beim besten Willen un- tnöglich so ohne weiteres frei geben. Alles in allem handelte es sich so um runde 250 Ben oder 500 Mark. Takamuro griff sich verzweiflungsvoll in die lürzgeschorenen Haare und wollte sie durchaus einzeln ausraufen, als er von dem Handel erfuhr, wie er im Gange war. Woher das viele Geld Nehmet!, um den Amerikaner zu überbieten? Hatte er doch keine 5 Den im Vermögen! Der Direktor zögerte noch eine kleine Weile; der fremde Mann, der Amerikaner, war ihm selbst nicht angenehm, die verzweifelte Miene der liebenswürdigen Kiki ging ihm nahe, aber schließlich . . . bar Geld — 250 Yen in lauter blanken goldenen Zehn-Den-Stücken.. auf den Tisch gezählt — das hat eine wunderbare Krtoft: Kiki-san wurde dem Amerikaner zugeschlagen : Nur noch eine Nacht sollte sie für sich behalten; am nächsten Morgen sollte sie in den Besitz — oder zarter ausgedrückt ■— in den Dienst des Amerikaners übergehen. In dieser selben Nacht aber schlich sie sich mit ihrem Geliebten in dessen väterliches Haus .und am nächsten Morgen fand man sie beide, Kiki und den jungen Takamuro, im Staatszimmer des Hauses, unweit der Ehren-Nische, tot zu Füßen des Hausaltars liegend. Sie hatten Gift genommen. Vollständig bekleidet, eng und doch züchtig aneinander geschmiegt, lagen sie Nebeneinander aus, den Matten. Einen Zettel fand man mit einer Nadel jan einem Pfosten der Wand befestigt, worin sie baten, man möge sie in einem und demselben Grabe, in einem Sarge beiseßen. Ter Vater wollte den letzten Wunsch des Sohnes zuerst! durchaus nicht erfüllen, aber die Mutter bat ihn auf den Knieen daruni, und so gab er zuletzt seine Einwilligung dazu; es beruhigte ihn dabei der Gedanke, daß der Tote auf diese Weise nicht in der stolzen Familiengruft beigesetzt zu werden brauchte, was sonst« ttwhl die Verwandten verlangt hätten. * Ich wohnte dem Begräbnis bei. Ter Kirchhof, in dem die beiden ihre letzte Ruhestätte finden sollten, liegt unweit des Hafens an einen jener sanft ansteigenden Bergkehnen, und es war sonderbar genug, daß man von ihm aus deutlich den hohen hölzernen Theaterbau sehen konnte, der ihnen beiden so verhängnisvoll geworden war. Etwas nach Sonnenuntergang bewegte sich hier herauf ein seltsamer Zug. pausende von Frauen und Mädchen in blütenwei^n Gewändern, den Kbps herhüllt mit weißen Kapuzen, geleiteten die beiden 'Sarge. Sein Gesang ertönte, kein Wort wurde gei- sprocyeri; geräuschlos wie Schatten der Unterwelt stieg langsam das Heer der Frauen den beiden Särgen nach und den Berg hinauf; dfazu liehen der Mond, die Gestirne und schwankende! Papierltoternen ein unbestimmtes, geheimnisvolles Kalblicht. Tie beiden Särge wurden in die Grube gelöffelt und in der feierlichen, beinahe lautlosen Stille hörte man deutlich, wie die Bastseile des Totengräbers dabei knirrschten. Tann aber hörte man noch einen Ton seltsamer Art: von einem Beile ging er aus, das der Totengräber nunmehr handhabte, um die beiden Seitenwände der Särge, die unten in der Gruft einander dicht berührten, zu entfernen. Bis dahin voneinander getrennt, waren nun die beiden Unglücklichen miteinander vereint; sie ruhten nebeneinander, in einem Grabe, einem Sarge, so wie sie es gewünscht hatten ... Ta endlich kam Gefühl und Bewegung in die bis dahin schtottenhaste Trauerversammlung; ein tiefes Auf- seufzeu, ein allgemeines, leises, zitterndes Schluchzen ging durch die Tausenden, die gekommen waren, dem unglücklichen Liebespaare das letzte Geleit zu geben. * Tie japanische Zeitung, bei der vorübergehend der Verstorbene Dienste getan, hatte auf einmal entdeckt, daß er eine hervorragende Kraft gewesen; sie brachte ausführlich den Fall und beklagte aufs Schmerzlichste den frühen Tod ihres geschätzten Mitarbeiters. Was sie noch außerdem und mit besonderem Genuß veröffentlichte, das war das Abschiedsschreiben, welches Kiki an die Iran ihres Direktors gerichtet hatte. Es war sehr zierlich in der eigenartigen Redeweise der japanischen Frauen abgefaßt, und es ist beinahe unmöglich, all die Zartheit und Anmut; wiederzugeben, die aus diesem letzten Schreiben der Unglücklichen spricht. A n S a t o - s a n von Kiki. Ich schreibe diesen Brief. Zweimal haben die Kirschen geblüht, seit ich in dem glänzenden Hause weile, das nicht mehr war als ein Vaterhaus. Hier war meine eigentliche Heimtot. Welcher Ueberftuß von Liebe ist hier verschwendet worden an meine unwürdige Person! Ihr gabt mir seidene Kleider in allen Farben des Regenbogeus; Ihr gabt mir zwei Paar kunstvoll geflochtene Sandalen; Ihr gabt mir reichlich Nadeln und Ptopierblnmen, auch einen Kamm aus dem Horue der Schildkröte, damit ich mein weniges Haar auf-! stecken tonnte, wie sichs gehört. Blumen auch gabt Ihr mir in Fülle je nach der Jahreszeit, und wenn das Fest 'der Jugend kauft da habt Ihr mich zweimal in den Tempel geführt; Ihr habt Tee, Gebäck und Früchte herbeibringen lassen und alles bezahlt/ ungerechnet die süßen Töne der Musik, die Ihr dazu stelltet. Um aber des Maß voll zu machen, habt Ihr auch meine arme Mutter unterstützt und meine liebe Schwester die Kunst des Nähens erlernen lassen — alles nur wegen meiner unwürdigen Person. So lebte ich sorglos dahin. — Dia sah ich Takamuro-san; es war in der Zeit der letzten Kirschenblüte, und seitdem liebe ich ihn, und er liebt mich. Es hat mir d.iiancher Schlechtes über ihn gesagt; ich aber finde, er ist der beste und wohlerzogenste Mensch der Welt. Er hat nur liebreiche Worte für mich gehabt; er hat mir niemials ein Wort gesagt, das nicht wahr war wie das Gestirn des Tages und mild wie das Gestirn der, Nacht. Sein ehrwürdiger Vater war steilich zornig auf ihn; es ist aber hier zu Lande noch bange nicht jedermanns 'Sache, das nachzulernHn ■ was die roten Fremden sich in 'ihrem Lande ausgedacht und in die Bücher hineingeschrieben haben. Er wußte sonst die Worte gar schön zu setzen und in keinem Buche habe ich schönere gelesen. Roch "gestern hat er mir ein Gedicht gebracht, djas so süß ist wie das Gezwitscher der Nachtigall. Ach, ich werde sie nicht wieder hören, die Nachtigall, ich gehe zum! Meido und Takamuro geht mit mir. Es ist uns bestimmt, wir sollen diesmal nicht glücklich sein. Warum wohl? 11 ei>et dieses Eine habe ich mir in der letzten Zeit meinen schwachen Köpf zerbrochen; jetzt weiß ich "es: Wir haben in einer früheren! Zeit der Lebeusverwandlungen einander schon einmal angehört; wir waren Mtonn und Frau, aber wir waren Toren und wußten dies nicht zu schätzen; wir wurden einander, untreu. Jetzt, in der neuen Gestalt Unseres Lebens, wo wir einander von Herzen treu sein wollten, werden wir dafür bestraft und können zusammen nicht kommen. Darum gehe ich zum Meido und Takamuw mit mir. Ich schließe unbeholfen, wie ich "begonnen. Verzeiht mir, daß ich so schlecht Euer Wohlwollen lohne. Mein Wunsch ist, in ein ganz neues Leben einzugehen; es mag sein, daß ich bald einmal einer der Singvögel sein werde, die verstohlen im Gebüsche der Grautoten sitzen. Und wenn wieder Frühling wird, dann lauscht auf die Nachftgall. . . Jetzt ist "mir das Herz so schwer . . . Ten Kamm von Schildkrothorn —: könnte ihn meine Schwester haben? Ich lege meinen Pinsel hin. . . Von Kiku Imaer Zustands vor 90 Jahren- ii. Jena den 12 ten September 1817. Liebe Mutter! AM denk vdd einigen Tagen von Vettern empfangenen Briefs h K ft U n 8" n d a n n 2 ft n d b F h z: e ft b 4 u is g u b st ei g it n ic it a ei w bi v! H d n di E ic zi d, g L a Z n Ii n lc i T ß lc C si w N ic $ d bi 6-i di ic w 81 Ä — 343 habe ich zu meinem Leidwesen Meyn', daß du dich diesen Sommer wieder nicht wohl befindest; ich hoffe jedoch daß Allwinas Besuch, und deine Reise nach Altenkirchen mit ihr dich zerstreuen, und darnach die kühlere Jahreszeit dich gänzlich wieder heilen werde. Hier ist es, fast die ganz« Zeit die ich hier zugebracht, ziemlich heiß gewesen, das heißt, so lange die Sonne scheint; morgens und Abends dagegen ist es empfindlich kalt; wegen der Berge, die die Stadt umgeben, sehen wir die Sonne hier aber beträchtlich kürzere Zeit als andere Leute. Du bekamst nun ja auch wohl bdld viel zu sthun mit dem Umzüge, denn nun naLgrade müßt ihr doch wohl ein.rücken ins Winterquartier. Wie werden aber die Bucher alle hinkommen? Doch ihr wolltet ja Lotte Beugen zur Umzugsgehülfin annehmen, die wird schon was wirthschaften. ! Ich wohne hier an der Nordseite des Marktes bey der Mamsel Krause, zwey Treppen hoch nach dem Markte hin, in demselben Hause, wo Baier so krank gewesen ist, als er hier stu- dierte. Die Aufwärterin im Hause, die auch meine Angelegenheiten besorgt, heißt Stinchen, und ist, wie meine Hausgenossinn die Frau Hosräthin Fries sich ausdrückt „a gutes Thierche". Sie hat ein andres, dem Namen nach mir unbekantes, junges Thierche zur Gehülfinn; ferner erscheint alle Morgen ein Rock-stiefek- putzer, genannt Rodeck; dann und wann suchet sich auch der Famulus, genannt Güße, ein, und fragt ob was zu befehlen seh. Mein Mittag kocht die Frau Nitschke, und das Sfinchen Holts her, und ich esse es für mich allein auf, welches allemal sehr schnell geschieht. Ich äße weit lieber in Gesellschaft, in einem Wrrthshause; allein das ist hier gar nicht Gebrauch, so sehr auch die in meiner Lage sich befindenden darüber klagen. Tas Essen ist leidlich, aber fröhlich auf andre Art gekocht als bey uns; die Suppen schwimmen immer ganz voll geriebenen Pepper. Des Morgens kocht Stinchen mir ein Töpfchen Milch, und Abends esse ich etwas Butterbrodt, oder nichts. Das Bier ist auch nur mittelmäßig. Tie Frau Geheime Kirchenräthin hat mir allerhand Sachen gekauft, von ^men sie meinte, ich müsse sie haben, als Messer und Gabel, ent paar Löffel, ein paar Teller, Gläser, und eine blecherne Kaffekanne; das habe ich alles in eine Schieblade gestellt, wo es gaitz ruhig steht. Meine Bucher habe ich vor einigen Wochen bekommen, und in zweh 'Bücherbrettern ausgestellt; auch habe ich mir beym Tischler einen großen Schreibtisch bestellt, nach dem' Muster dessen den mein Kollege Fries hat. Das Mehl Hut 7 Sgr. Porto gekostet, und die Griesbach war von dem Handel nicht sonderlich erbaut; indeß es war nicht zu ändern. Bon dem Buchhändler Weigel in Leipzig habe ich nur das eine Buch zu 20 Thaler gekauft. Uebrigens kann ich nicht sagen, daß er ein Schinder seh; er hatte die Bücher nur ein geringes theurer angesetzt, als sie meinem gedruckten Cataloge zufolge in England selbst kosten, und nichts theurer als Perthes in Hamburg. Mein Kollegium über den Hosea habe ich gelesen, und eine ganze Menge Zuhörer gehabt, im Griesbachschen Auditorio, wo auch Luden liefet. Ten Tag wie ich anfing, Nachmittags von 1—2 nämlich, waren wohl über 200 Mann eingerückt, und obgleich alle Fenster und Thüven offen standen, eine stickende Hitze. Mir kam es vor, als hätte ich die Kinder Israel, von bettelt ich redete, vor mir. Der gröste Theil waren natürlich nur Neugierige, die den neuen Professor wollten keniten lernen, daher ich in den folgenden Tagen doch Luft schöpfen konnte. Vorigen Sonnabend machte ich mich auf nach Weimar, da der Geheimerath Voigt daselbst wieder eingetroffen. Unterwegs passirte ich denn zum ersten male die Schnecke, aus der man sich hier zwar wegen der täglichen Gewohnheit nichts macht, die aber doch beym ersten Anblick ziemlich schreckhaft ist. Der Weg geht, um aus dem Jenaischen Thal« herauszusühren, die steile Felsenwand in ganz kurzen Schneckeitwindungen hinaus. Sottn- abend .abend ging ich zu Weimar ins Schauspiel und sah die Zaiiberflöte. Sonntag Morgen ließ ich mich beym Geheimenrath melden, und ward zu elf Uhr bestellt. Er war sehr freundlich und gesprächig, ist 'aber nahe an achtzig. Dann ging ich zu noch zwey Exeellenzen, dem Geheimerath Gersdorf, einem jungen lebhaften Manne, und dem Geheimenrath Fritzsche, die alle sehr artig und ungezwungen waren. Nachmittags besah ich das Schloß und den Park, welcher letzterer sehr groß und schön ist. Montag Bormittag ging ich zu Sr. Excelleuz Geheimenrath Göthe, welcher in einem! sehr excellenten Hause wohnt, voll lauter GiPsKpfe, und Bronzekerls und Bilder und Kupferstiche. Er selbst ist sehr groß und grade, und ansehnlich; es fand sich nach einiger Zeit auch 'ein reisender Engländer ein, und wir schwazten denn eine geraume Zeit miteinander. Göthe sagte mir, was ich von seltenen Büchern notwendig brauche, solle ich ihm nur sagen, so wolle ers für die Großherzogliche Bibliothek zu Weimar stimmen lassen. Darauf ging ich auf die Bibliothek, welche unsre Jdnaische weit übertrifft, von der wir hier jedoch alles was wir verlangen postfrey geschickt bekommen. Bey derselben ist Bibliothekar der Rinaldo Rinaldini- dichter Bulpius, der alle Tage besoffen ist. Nachmittags ging ich zum Legationsrath Eonta, akademischen Kommifsarius, welcher sich nach Vater sehr angelegentlich erkundigte, und darauf zunt Legationsräth Bertuch. Der hat ein erschrecklich großes Haus voll Bnchdruckereyen und Kupferstechereyen. Abends fuhr ich nach Jena zurück, nun ging es die Schnecke hinunter, und ich wollte aussteigen, wie es wsging; mein .Kutscher aber be- theuerte, das seh seiner Ehre zuwider, upt> ich blieb also sitzen, da es dann auch ganz zierlich hinunter rollte. An dich aber dachte ich ost dabeh, was du wohl zu so einem Wege sagest würdest. Ter Grvßherzog ist iwch in Italien, daher ich ihm die Auf-, Wartung noch nicht machen können. Bei mir im Hause wohnt der Hostath Fries, berühmter Philosoph, der auch vielen Beyfall hier hat. Er ist ein kleines schmächtiges Männchen, mit sehr ernstem, trocknen Wesen und Augenniederschlag, wie sie es hier nennen, weil er unter den Herrenhuthern erzogen worden, und geht stets in einem deutschen Rock. Seine Frau, aus Eisleben, ist gewaltig munter, und scherzt und lacht immer fort. Sonst sind behde, nach dem Zeugniß aller, sehr brave Leute. Hinten im Hause wohnt noch ein Philosoph Bachnfann, detr ist noch jung, niuficirt viel, und scheint mir etwas phlegmatisch. Luden, ein Niedersachse aus Bremen, hat in Sprache und Wefen viel Aehnlichkeit mit Moritz Arndt, ist sehr lebendig und voll Witz; er hat '»'kleine Kinder, immer eins ein paar Zoll länger als das andre. Unser jetziger Prorector Stack hat sogar 7 Töchter nach der Reihe, außer einigen Söhnen. Otten ist ein kleiner kecker Kerl, der keineswegs zänkisch ist, aber sehr bestimmt und freymüthig redet, dabey erstaunlich studiert, und alles was er hat auf sein Stttdiunt verwendet. Eichstädt hat sich, wie ich ihn besuchte, natürlich nichts gegen inich von den früheren Geschichten merken lassen; übrigens ttuag ihn hier kein einziger leiden, er geht mit niemand um, tnjag auch nicht arbeiten, sondern sucht blos Dukaten aufzuhäufen, denn er ist em filziger Geizhals. Erich Schwgrz hat mir diese Tage geschrieben um mir eine Reise nach Wurzburg und Bamberg vorzuschlageu; ich weiß aber nicht ob ich Zeit dazu haben werde. Unser Leetionskatalog ist schon gedruckt, und ich habe dem Buchhändler einen für Vatern gegeben. Tie Frauensleute putzen sich, wie mich dünkt, hier nicht so viel wie bey uns. In Weimar aber ist alles stattlicher als hier, und man erkennt die Jenenser in Weitstar bald, an ihrem unq genterterem Wesen. Grüße alle Geschwister und Verwandte und Freunde vielmals, und bessere dich nur bald. Ich bin dein treuer Sohu H. G. L. Kosegsarten. Elektrischs Störmrgerr der Straßenbahnen, Wer die Straßen Potsdams entlang wandert, wird durch die dortige Straßenbahn, die noch immer mit Pferden betrieben wird, an fast vorsintflutliche Zustande erinnert werden. Ms Fremder wird er sicherlich den Eindruck davontragen, daß die Potsdamer Stadtväter zu den Menschen gehören, die nie etwas von dem Fortschreitett der Zeit lernen wollen. Doch das märe eine ganz unrichtige Beleidigung der ehrsamen Potsdamer Stadthäupter. Denn von neuen Errungenschaften nichts lernest wollen, ist doch ein Fehler, nicht wahr? Der Eingeweihte weiß, daß diese heute lächerlich berührende Erscheinung nicht ein Fehler des dortigen Magistrats samt Stadtverordnetenversammlung ist, sondern durch die berühmten wissenschaftlichen Institute des Potsdam nahen Telegraphenberges bedingt wird. Tiefe in Deutschland einzig in ihrer Art dastehenden Institute können dermaßen große Störungen, wie sie von den fahrenden Wagen einer elektrischen Straßenbahn erzeugt werden würden, nicht Vertragen, wenn sie nicht in ihrer Haupttätigkeit, dem Arbeiten mit den empfindlichsten Meßinstrmnenten, die es gibt, — brach gelegt werden sollen. Bekanntlich wird durch den elektrischen Strom int Straßenbahnwagen selbst ein Elektromagnet so stark erregt, daß sein Einfluß 'sich mit den heutigen Meßapparaten und Meßmethoden noch in einer Entfernung von vielen Kilometern nachweisen läßt. Da die Bahn sich nun bewegt und also beständig Schwankungen des von dem Wagen erzeugten magnetischen Feldes bewirkt werden, ist es unmöglich, Messungen des magnetischen Erdfeldes anzustellen. , Man muß also alle ntagnetischen Apparate ans' dem Bereich dieser Störungen herausschaffen. — Das Potsdamer inagnetische Observatorium hat schon jetzt automatische registrierende Kvn- trollapparate bei BeesGw aufgestellt. Jedoch auch die elertrt- schen Apparate — wenigstens alle . feineren — beruhen auf magnetischen Wirkungen, und da sie in jedem Laboratortunr unentbehrlich sind, so muß man — und hat dies auch nicht vhnä Erfolg getan — nach Möglichkeit suchen, die magnetischen Störungen ganz auszuschalten, ohne daß einerseits die Bedürfnisse einer Großstadt dadurch beschränkt werden und anderseits, ohne daß die Institute in die Einöde verlegt werden müssen. Mit anderen Worten, die Slipparate müssen verbessert werden. L>o ist fast jeder Fortschritt durch eine vorherige Zwangslage bedingt. Derartige Instrumente sind für seiner« Messlingen zuerst vvn Deprez-d'Arfoiival konstruiert worden und werden zu den gewöhnlichen Messungen fast ausschließlich verwandt. Für ganz feilte Messungen hat neuerdings Professor Rubens ein derartig! störungsfreies Instrument, das sogenannte Panzergalvanoineter, M'4 konstruiert, daß die Störungen nur noch den 900. Teil der an sich schon sehr kleinen im Deprez-d'Arsonväl- Instrument betragen. Das Prinzip des Panzergalvanometers besteht darin, daß der messende Magnet mit einer mehrfach geschichteten Stahlkugel umgeben wird, und daß dann noch das ganze Instrument Mit mehreren Stahlmäntelu umschlossen wird. Während im physikalischen Institut der Universität Berlin,, also mitten in der Stadt, die magnetischen Störungen bis zu 10 000 Skalenteilen betragen, kann man jetzt mit dem Rub-ens- schen Instrumenten wieder jene Genauigkeit erzielen, ohrle die nun einmal die heutige Wissenschaft nicht arbeiten kann Felix Jentzsch, vexmischtss. * Ein Krieg gegen den Kuß. Aus Newyork wird berichtet: Küssen oder nicht küssen, das war die Frage, mit der sich am Freitag die „American Medical Association" in Atlantic City 'über eine Stunde lang beschäftigte. Ein älterer Arzt, Tr. Davis, ittar es, der den Zorn der amerikanischen Jugend nicht scheute und eine wackere Attacke gegen den Kuß ritt. Das Küssen, verlangte er, müsse auf gesetzlichem Wege eingeschränkt werden. „Tie Gewohnheit zu küssen ist schon schrecklich genug, wenn Verliebte ihr obliegen; aber in den letzten Jahren hat sich die Sitte unter den Frauen immer mehr verbreitet, insonderheit unter den „Eollege-girls". Sie küssen einander am Morgen, wenn sie aufstehen, sie küssen einander in kurzen Pausen den ganzen Tag hindurch, sie küssen einander am Abend. Sie küssen einander ohne Sinn oder Grund, bei dem geringfügigsten Anlaß. Die Vorliebe der amerikanischen Studentin für das Küssen übertrifft die aller Verliebten. Die schwersten Fnflueuza- epidemien haben die Studentinnen durch viele unserer größten Institute und Universitäten geküßt. Es ist die höchste Zeit, daß die Aerzteschaft sich der Sache annimmt, und das gebildete schöne Geschlecht davon Mbringt, durch Ueberttagung von Tuberkeln und Krankheitskeimen ihr Leben fortzuküssen." Tr. Davis denkt dabei nicht einmjal an Gewaltsaskese: aber nach und nach könne das Uebel doch eingeschränkt werden. Um der lieben Sitte willen möchten die zärtlichen Mädchen einander auf die Stirn oder die Wange küssen, wias eine hygienische Art des Kusses sei; aber niemlals sollten sie sich Mund an Mund ihre Freundschaft bestätigen, weil dann die zartesten Organe einer, Ansteckung ausgesetzt seien. Von Kindheit an möge man die Kinder vom Küssen abschrecken und eine Menge von Krankheitsübertragungen und Ansteckungen würden schwinden. . Die Aerzte waren nicht ganz einig, wie sie sich zu der Sache stellen sollten,' Tr. Charles Jrion meinte, daß „andere Reformen dringender seien", und möchte es den Küfsem selbst überlassen zu tun, was sie nicht lassen können und insbesondere die jüngeren Herren verfochten ähnliche Anschauungen. Es genüge, daß die Aerzte- schast die Aufmerksamkeit des Publikums auf die Gefahren gelenkt habe. Und so werden die schönen Amerikanerinnen und hoffentlich auch die Amerikaner weiter küssen, wenigstens einstweilen. * Vom modernen Unterrock. Im Unterwck werd gegenwärtig der größte Reichtum und die höchste Eleganz der Modedame entfaltet. Nie ist soviel Wert auf entzückende Dessous gelegt worden, nie boten sich deur Blick soviel Herrlichkeiten der Unterkleidung, als in diesem Frühling. Miau trägt Joupons, die aus einem Oberteil von Seide und breiten Volant leicht niederrauschenden Musselins bestehen. Ist ganze Untergewänder mit zugehöriger Taille werden gearbeitet. Denn der Unterrock ist Nicht mehr ein verborgener Bestandteil der Kleidung, der höchstens im kecken Hervorlugen unter dem Oberrvck seine Schönheit erweisen kann, sondern er ist 'ein Kunstwerk für sich, das alle die Wunder und Kostbarkeiten der Garnierung und des Schmuckes am Oberkleid wieder aufnimmt und eine reiche eigene Schönheit entfaltet. Bon höchstem Wert ist es, daß der Unterrock gut sitzt, §ch in vollendeter Weise der Gestalt anschmiegt., Daher erfordert nprobe und Anfertigung des Jupons ebensoviel Sorgfalt und Finesse als die Kreierung der Toilette selbst. Sitzen die Dessous nicht, dann kann auch kein Kleid passen. Darum darf der Unterrock nicht zu lang sein, muß aus mehreren Teilen bestehen und bei aller Weichheit und Schmiegsamkeit doch sehr fest sitzen. Seine Bvllwmlnenheit, seinen besten Schmuck aber erhält er nach wie vor in den Volants und Garnierungen, die in Girlanden und Buketts, in Medaillons und Inkrustationen, in mancherlei eingestreuten Blumen und Schmetterlingsmustern bereits sehr hoch oben anfangen und in einer Flut von Spitzen und Krausen, von Besätzen aller Art auslausen. Das sanfte Geriesel der Chantilly-Spitzen hebt sich ab von einem feinen Sammetband. Wie duftige Schleier kräuseln sich plissierter Taffet und Seidenmusselin um die Füße der Trägerin, deren Bild wie das Bild der griechischen Venus aus lockigem Schaum der MeereÄvellen aufzusteigen scheint. In der Farbigkeit des Jupons ist dieses Jahr eine weiße Mäßigung eingetreten. Man bevorzugt ein reines Weiß und begnügt sich duttch den Glanz der Garnierung, durch anfge-- Nähtc Bänder und Stteifen, durch seine Muster aller Art zu wirken. Schmale Streifen im Tessin des Stoffes gelten ebenfalls als sehr modern. Ein Misses Blau, ein Mattes Rosa halten sich daneben, aber von der Unsitte der Märkten Spitzen ist man wieder ab gekommen. In fleckenlosem Weiß fluten Valenciennes- spitzen in verschwenderischer Fülle hin und einen sich mit zarten Stickereien, mit durchbrochenen Arbeiten und dem krausen Abe schluß spitz geschnittener Zacken zu dem Wunder von Grazie und Eleganz, das der moderne Unterrock darstellt. * Der gesundheitliche Wert des Spinats. Wohh auf keiner Tafel fehlt gegenwärtig der Spinat. Er ist ein wohl- bekömmliches Gemüse und so leicht verdaulich, daß er auch für schwache Verdauungsorgane in Bettacht kommt. Tie in ihm ent-, haltenen riechenden und schmeckenden Stosse stempeln ihn aller-, dings mehr zu einem Genuß- als zu einem Nahrungsmittel; fein Nährwert beruht lediglich auf feinem1 geringen Gehalt an Eiweißstoffen und seinem etwas größeren ftn Kohlehydraten (Stärke, Zucker usw.). Die Zubereitung des Spinats besteht allgemein in Aufkochen mit Wasser. Um den Verlust an Nährstoffen durch das Kochwasser zu verhüten, empfiehlt es sich nach dem „Gesundheitslehrer", den Spinat im Dampfsttom zu bereiten. In der Krankenkost spielt feingewiegter Spinat eine hervorragenden Rolle. Auch Spinatsuppen können Verwendung finden. Wichtig ist 'der Spinat seines hohen Eisengehlaltes wegen in der Behandlung der Bleichsucht. Selbst kleine Kinder vertragen das im Spinat enthaltene Eisen sehr gut. Um' eine nennenswerte Eisenwirkung zu erzielen, müßte man so viel Spinat genießen, daß der Magen sich dagegen sträuben würde. * E h e s ch e i d u n g i m Hause G o u l d. Newyork hat eine neue Sensationsaffäre. Der Millionär Howard Gould will, um eine seiner Geliebten, eine Schauspielerin, heiraten zu können, sich von seiner Gattin scheiden lassen. Während sonst ainerikanische Familienangelegenheiten dieser Art im stillen abgemacht werden, will Frau Gould ihre schmutzige Wüsche vor aller Welt waschen, damit Amerika wisse, was für ein Mustermensch ihr Ehemann ist. Howard Gould — so erzählt sie — sei ein Mann, mtt dem eine anständige Frau nicht zusammenleben könne. Er verkehre öffentlich mit seinen Maitressen und behandele seine rechtmäßige Gattin in geradezu unmenschlicher Weise; er sei so weit gegangen, daß er zahlreichen Kaufleuten verbot, seiner Frau Kredit zu geben, da er für die Schulden .dieser Dame" nicht aufkomme. Dabei besitze dieser Mann ein Vermögen von mehr als 200 Millionen Mark! Gould soll den Versuch gemacht haben, seine Gattin zur Annahme eines bestimmten finanziellen Arrangements zu zwingen; sie erklärte diesen Vergleich jedoch für unannnehmbar und stellte Gegenforderungen, sie verlangt bis zur Durchführung des Prozesses eine Summe von 400 000 Mark als Alimentierungsbeitrag und dann eine jährliche Pension von 720000 Mark. Da mehrere Polizisten beschuldigt werden, sich Herrn Gould zur Verfügung gestellt zu haben, um ihm Material gegen seine Frau zu verschaffen, hat der Bürgermeister von Newyork eine strenge Untersuchung angeordnet. Howard Gould gibt über den Prozeß keinerlei Auskunft, seine Freunde aber erklären, daß er die Beschuldigungen seiner Frau nicht zu fürchten habe und mit noch weit sensationelleren Gegenbeschuldigungen aufwarten könne. * Fünf goldene Hochzeiten zu gleicher Zelt. Em seltenes Fest wurde kürzlich in dem Vogefendörfchen Lüsse unter Teilnahme der ganzen Bewvhnerschttst begangen. Der Priester des Ortes, der den 50. Gedenktag ferner Priesterweihe feierte, konnte bei dieser Gelegenheit fünf ehrwürdige Paare um sich vereinen, die alle gleichzeitig ihr goldenes Ehelubilaum erreicht hatten. Bexir-Charade. Ein Bißchen Theater, ein Bißchen Klavier, Das ist mein Entzücken, ich schwärme dafür. Wie bin ich so glücklich, ich hab' meine Braut! Wie heißt sie? — Das hab ich dir eben vertraut. Auflösung in nächster Nummer. Auflösung des Leiterrätsels in voriger Nummerr 0 K -HEINE N I EISEN K L AIGLE M B PAUKE F N Redaktion: Ernst Heß. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen UniversitätS-Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gieße«.