M 1LV7 — Wr. 168 WiLiwoH d-.n 13. Wov.'rnöer W «3Ej wlML I«1 SfS Auf der igenm Spur. Kriminalroman von Otto Hoecker- (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) „Ihre weiteren Schlußfolgerungen kann ich mir denken!" fiel Hansemann trocken ein. „„Als Walden einsah, was er angerichtet, verlor er den Kops und setzte den Toten aus. . . recht wacker ausgeklügelt. Ich kann nur nicht glauben, daß ein solch scharfsinniger Kopf Flasche und Tuch in der Droschke zurückgelassen haben soll, das tut kein Mann vom Schlage Waldens, noch dazu mit seinen kriminalistischen Erfahrungen. . . und dann überhaupt die Droschke! Wollen Sie etwa behaupten, Walden habe auch mit dem Kutscher in verbrecherischem Einverständnis gestanden — und ein -solches muß vorliegen, sonst würde der Kutscher doch Lärm geschlagen haben." Kommissar Thommen nickte nachdenklich. „Das sind freilich noch dunkle, der Aufklärung bedürftige Punkte, lieber die vom Kutscher gespielte Rolle bin ich mir auch nicht klar." „Bleibt noch ein fernerer wesentlicher Punkt, der all Ihre Schlüsse über den Hausen zu werfen droht," siel Hansemann sarkastisch ein. „Vergessen Sie gefälligst nicht auf die drei Bilder nebst Maßkarten aus dem Verbrecheralbum. Die weisen doch die Identität des Toten mit dem gesuchten internationalen Verbrecher haarscharf nach, wenn immerhin auch die Möglichkeit besteht, daß Schuhmacher mit diesem schweren Jungen identisch ist." „Darüber habe ich! meine eigene Meinung, Herr Rat," brummte Thommen nicht" minder sarkastisch. „Einmal sind die Bilder plötzlich abgängig geworden, was mir, um es gelinde auszudrücken, sehr merkwürdig vorkommt. Zum anderen habe ich auch eine andere merkwürdige Erfahrung gestern gemacht, als ich die Bildkartcn in die Hand nahm." „Und ldiie wäre?" forschte der Rat mit einem Seitenblrck auf den neben ihm Sitzenden. „Meine Handflächen sind schweißig. Ta gewahrte ich, dag die aus den Maßkarten mit roter Tinte eingetragenen Angaben abfärbten, wie «s eben nur frische Tinte tut. . . überhaupt erschienen mir die Schriftzüge überraschend gut erhalten . . . und als ich mir die Freiheit nahm, verstohlen nach dem Truckvermerk zu schauen, den alle amtlichen Formulare unten in der Ecke aufweisen, mußte ich zu meiner Ueberraschung feststellen, daß die Newyorker Maßkarte, die schon vor acht Jahren ungefähr ausgefertigt wurde, auf einem erst vor drei Jahren eingeführten Formular ausgefertigt war." „Unerhört!" stieß der Rat, der kaum seine Bestürzung meistern konnte, hervor. „Aber warum brachten Sie das nicht sofort zur Sprache?" „Tas wäre unklug gewesen. Einmal hätte ich nun einen Schuldigen vorzeitig gewarnt, zum anderen lag die Möglichkeit vor,d aß in der Kartenabteilung die ursprüngliche Tabelle beschädigt und darum frisch umgeschrieben war." „Na also, so wird es sich wohl auch verhalten!" entgegnete Hansemann mit einem Atemzug der Erleichterung. „Mein Argwohn war indessen einmal rege geworden und ich nahm mir die Freiheit, mir im Bureau des Herrn Walden umzuschauen. Da entdeckte ich im Ofen frischverbrannte Papierreste . . . und außerdem sand ich das hier," setzte er mit triumphierenden Lächeln fort, indem er ein Löschblatt aus der Tasche zog und es seinem Vorgesetzten reichte. „Was soll's damit?" Thommen kam dem verständnislos das Löschblatt Anschauenden zu Hilfe. Ich denke, in der Witte'scheu Wohnung iuirb wohl ein Spiegel sein. Vielleicht schauen Sie sich durch einen solchen die roten Abdrücke- auf dem Blatt hier genauer, an." „Soll das heißen, daß Sie Walden beschuldigen, die Maßkarten gefälscht und wohl gar andere Bilder untergeschoben zu haben?" Thommen begnügte sich mit einem diplomatischen Achselzucken. „Herr Rat, im Anklagen bin ich sehr vorsichtig. Sie ziehen nachher ihre weiteren Schlüsse nur besten selbst. Jedenfalls wissen Sie nun, weshalb ich mich telegraphisch an die Pariser Polizei um Nachlieferung des bewußten Bildes gewendet habe. Tun die Herren an der Seine ihre Schuldigkeit, so werden wir mit der morgigen Frühpost das Konterfei erhalten — und ich will meinen eigenen Kopf zum Frühstück aufcssem bekommen wir nicht eine ganz andere Meinung von dem Aussehen dieses interessanten Herrn Baker — oder wie der würdige Mann sonst heißt." „Das wäre. . . das wäre" — war alles, was oer ms zur Fassungslosigkeit Bestürzte eben ausrufen konnte. In mächtiger Bewegung faßte er den Arm des neben ihm Sitzenden, „Thommen, wenn wir nur ein Spielzeug in. der Hand eines nichtsnutzigen Schurken gewesen sein sollten!" flüsterte er zähneknirschend. „Ah — Luft — Luft!" stöhnte er und riß das Wagenfenster auf. „Ter Gedanke, von einem solchen Milchbart angeführt worden zu sein, ist unerträglich. - - und doch . . nun will's auch mir wahrscheinlich vorkommen!" Sie hatten das Gebäude, in welchem Witte wohnte, erreicht und gleichzeitig mit ihrem eigenen Gefährt hielt auch der Wagen mit den Detektivs. Es war ein sogenanntes Atelierhaus und für Künstler, die nicht die Miete für kostspieligere Ateliers erschwingen konnten, bestimmt. , ,. Ter Pförtner erhob keine Schwierigkeiten, die Beamten nach der Wohnung des Malers zu geleiten. Ta er im Besitze eines Hauptschlüsscls war, brauchte der mitgenommene Schlosser vorläufig noch nicht in Tätigkeit zu treten. Tie Wohnung erhielt außer dem nach Norden geregelten Miniaturatelier nur ein ziemlich geräumiges Schlafzimmer. rs Kaus ^oppert in Gießerr. Bon Dr. Julius V a tt ml *) Bisher hat die moderne Landhansbauiveise außerhalb der Städte, in denen sie von ansässigen Künstlern gepflegt wird, nur recht geringe Verbreitung gefunden. Ist' schon an jenen Orten selbst der Widerstand der breiteren Schichten der Bevölkerung gegen das Neue nicht gering, wie viel stärker macht er sich 'an kleineren Plätzen geltend, deren Einwohner weit schwerer Gelegenheit haben, mit dem Streben unserer Künstler bekannt zu werden; die Provinz, die Kleinstadt mit ihrer Engherzigkeit und ihrem lediglich aus Beschränktheit beruhenden'Dunkel . sind die ärgsten Feinde alles guten Neuen. So sucht man denn auf dem Lande noch beinah« vergebens nach Spuren der modernen Kunst. Ihre plumpe Nachahmung freilich, die „Sezessionskunst", Fabrikware minderwertigster Art, schlechter und wertloser noch als jegliche Stilnachahmung des 19. Jahrhunderts, hat Eingang in die hintersten Winkel des deutschen Reiches gefunden und es damit der wirklich gediegenen Arbeit umso schwieriger gemacht, in einem derart oberflächlich gepflügten und mit Unkraut besäten, unter den Furchen aber steinharten Boden Wurzel zu fassen. Wo dennoch der wirklichen Kunst zum Siege verholsen ward, bedurfte es des Einsatzes einer ganzen Persönlichkeit. Doch solche. Fälle sind bisher nicht häufig. Es tft bezeichnend und erfreulich zugleich, daß kleine Universitäts- städte.mit dem guten Beispiel vorangehen. Pauloks Haus Lange m Tübingen war eine der ersten Schöpfungen der modernen Wvhnnngskunst. Run ist Gießen mit dem Hause Poppert gefolgt. *) Aus dem reich illustrierten Novemberheft feer von Hos- rat Koch herausgegebenen Zeitschrift „I n n e n de koratio n", das n. a. auch einen sehr lesenswerten Aufsatz von Dr. Gustav! Zieler aus Frankfurt über „Moderne Bühnendekoration" enthält. 671 Das Landhaus des Professors Dr. Popipert ist eine Schöpfung des Gießener Architekten Gustav H a ma n n, der mit diesem Bau gezeigt hat, wie man zugleich hodenwüchsig und nwderir bauen kaum Wir gehören nicht zu den unbedingten Verfechtern der Heimatkunst. Wichtiger, als das; ein Bauwerk seiner Umgebung sich aupasse, ist, das; es gut und brauchbar sei. Erfüllt cs indes diese Forderungen, liegt weiter kein' Grund vor, der Lokaltradition mit Absicht aus dem Wege zu gehen. Nun hat die Lahnstadt freilich kein Herkommen solcher Art, jedoch das vberhesfischc Land besitzt etwas dergleichen. Nämlich die Wandverkleidung mit Schindeln. Sie hat der Architekt übernommen, und sie lässt den ganzen Bau bodenständig und mit seiner Umgebung organisch verwachsen erscheinen. Allerdings ist sie das einzige traditiotrelle Element an* dem Hause; denn im Grundrisse, wie im Aufbau hat sich der Architekt int ^Anschlüsse an die Wünsche des Bauherrn volle Freiheit gewahrt. Tas nahezu rechteckige Gebäude repräsentiert sich mit seinen' vier mächtigen Giebeln, feinem Türm lern in der Südostecke, seinen Altanen und Galerien und vor allem dem schweren, weit vor- spingeudem, zumal auf der Wetterseite tief herabreichenden Dache recht stattlich. Sind die Formen im ganzen für nufere modernen, auf äusserste Einfachheit gerichteten Ansprüche fast zu reich, so gilt dies noch mehr von den Farben. Der weiße Haustein des Erdgeschosses ergibt im Verein mit dem Gelb der Schindeln und Rot der Ziegeln und der Bemalung des Daches ein sehr lebhaftes Kolorit, das erst die Alterspatina und das Bunt drrBlnmen, die jedes Fenster schmücken sollen, ein wenig beruhigen und ans- gleichen iverden. Man betritt das Haus von der Südseite her . durch einen! Laubengang über eine kleine Freitreppe, gelangt znnächst in einen geräumigen lichten' Vorraum mit Ruhebänkchen, dessen Innenausstattung noch teilweise von dem Baumeister entivorfen ist, und sodann in' die Diele. Sie, sowie die Ausstattung der 'hauptsächlichsten Jnnenräume im Erdgeschoß und des Schlafzimmers im Obergeschoß sind eine Schöpfung der Darmstädter Hof-Möbelfabrik I. Gluckert. Bon der Diele führt links eine bequeme rechteckig gebrochene Treppe in die oberen Räume des Hauses. Unter ihr gelangt man auf der einen Seite in die Küche, auf der andern in einen Raum zum Ablegen der Garderobe. Geradeaus führt von der Diele eine Türe in das mächtige Speisezimmer, rechts eine andere in daS Empfangszimmer. An die beiden zuletzt genannten Räume stoßen weiter Zimmer der Dame und des Herrn, die durch 'einen* heimlichen, kleinen Wintergarten verbunden, der nach außen hin der Ostfront ihr charakteristisches Gepräge verleiht. Das Obergeschoss hat einen schmaleren Flur und infolgedessen mehrere Räume. Stuf der einen Seite des Flurs hefiuden sich hier die Schlaf- und AnNeidegemächer, auf der anderen weitere Wohn- und Arbeitszimmer. Auch der geräumige Dachstock enthält außer dem Wäscheboden einige gemütliche Gemache, die meist als Fremdenzimmer benutzt werden. Am vorzüglichsten sind naturgemäß die Repräsentations- ranme des Erdgeschosses. Da ist zunächst die Diele selbst zu nennen, ein länglicher, mit trefflichen Perserteppichen belegter Raum, dessen Wände unten mit intarsiertem Rüsternholz getafelt und oben mattgrün gestrichen sind; nur die schlichten Türumrahmungen wurden ganz weiß gelassen. In den anderen Räumen sind Teppiche, Vorhänge und Tapeten stets aus den gleichen Ton gestimmt. Das Empfangszimmer ist in Seegrün und Mahagoni-Farbe, das Zimmer der Dame in Gratr und Gelb, das Herrnzimmcr in Bräunlichgrau, Schwarzbraun und Weiß, das Speisezimmer in Weiß, Silber und Purpur gehalten. Bietet einerseits jedes Gemach ein fein abgetöntes Farbenganzes für sich, so ist anderseits auch die Zusammenstimmung der Farben der verschiedenen Räume, wie mau sie bei geöffneten Türen wahrnimmt, sehr harmonisch und wohltuend. lieber die Formen' der Dekorationen und Wöbet geben die Bilder besser Aufschluß, als es Worte vermögen. Hingewiesen sei nur ans die vorzügliche Wirkung des Ausblickes ans beut lebhaften, grünen Empfangszimmer in das ruhige Speisezimmer mit seinen purpurnen Teppichen und Vorhängen und den breiten weiß gestrichenen Möbeln, ferner auf das' Zimmer der Dame, einen Eckraum, den während der größeren Hälfte des Tages die Sonne durchflutet; ein wundervolles Goldgelb erfüllt bei geschlossenen Vorhängen! das Gemach, dessen Möbel gediegen und dennoch, dem Charakter des Raumes entsprechend, elegant sind. Weniger Licht empfängt das .folgende, mit schweren, dunkel gebeizten Eichenmöbeln versehene Gemach des Herrn, das anch als Rauchzimmer benutzt wird. Hell 'ist hier nur die Schreibtischtecke. Sie stößt unmittelbar an den freuMichen, kleinen, morgens von der Sonne belcuteten Wintergarten, der einen schönen Ueberblick über den Hauptgarten bietet. Ihn hat Architekt Hamann in der reizvollsten Weise ausgestattet. Vor dem Wintergarten dehnt sich ein tief gelegenes Blnmenparterre, das später in einen Weiher mit Springbrunnen umgewandelt wird. Hinter ihm ist der Blumengarten in streng geometrischer Weise gegliedert. Hier steht ,ein gemauertes' Gartenhäuslcin, dessen Dach von den Blättern schattensPendLnder Schlingpflanzen gebildet werden soll, zu denen eine Brunnenfigur im Innern einen Wasserstrahl emporschleudert. Ter Garten umgibt das ganze Haus, das sich auf der Rückseite in einem breiten Altane gegen ihn öffnet. Der hintere Teil dieser Veranda ist abschließbar und mit einem schönen Marmorkamin versehen. Zwei mächtige Flügeltüren verbinden ihn mit dem Speisesaal, dem größten und präsentativften Raume der Wohnung. Die Ruhe, die schon in seiner streng symmetrischen Gliederung hervortritt, spricht sich mid) in den Formen der Möbel aus, vor allem aber verleiht ihm die Farbenzusammenstellung des Weiß mit dem Purpur einen hellen, festlichen Charakter. Vier Friese ans purpurner Seide laufen oben au den Wänden um. (Sie wurden kürzlich durch Darstellungen der Tageszeiten aus der Hand Hans Christiansens ersetzt.) _________________ KleiMZkeiLött von grossen Kriegsschiffen. (Nachdruck verboten.) „Wie groß ist ein modernes Linienschiff?" heißt eine alltägliche Frage. Die Antwort lautet : „13 200 Tonnen." Richtiger würde es sein, zu sagen: „Tas Schiff bat ein Deplacement von 13 200 Tonnen." Tic Größe eines Handelsschiffes wird nach deni Rauingehalt in Rcgistertons angegeben, die Größe der Kriegsschiffe aber nach dem Gewicht des von ihnen verdrängten Wassers, das ihrem eigenen Gewicht entspricht. Der neue Riesendampfer der Hanchurg-Amerika-Linie. „Kaiserin Auguste Victoria" hat eine Bruttotonnage von 25 500 Tons und bei voller Beladung ein Deplacement von 45 000 Tonnen. Tons ist ein Raummaß, Tonne ein Gewichtsmaß. Ein Linienschiff von 13 200 Tonnen (ä 1000 Kilogramm) verdrängt, wenn es schwimmt, 13 200 Tonnen Wasser, d. s. 13,2 Mill. Liter. Ein Torpedoboot von 450 Tonnen Deplacement wiegt 450 000 Kilogramm. Nehmen wir ein Schiff der „Kaiser"-Klasse von 11000 To. und sehen zu, in welcher Weise dieses Gewicht sich zusammensetzt. , Der eigentliche Körper des ganz aus Stahl bestehenden Schiffes wiegt 3500 T. Tie Panzerung des Rumpfes in der Wasserlinie, der Tecks, der Kasematten und drehbaren Geschütz- türme erfordert 3800 T. Panzer verschiedener Stärke, Maschinen und Kessel wiegen 1400 T., die artilleristische Armierung 825 T. und die Torpedoarmicruug 116 T. Dazu kommen noch der normale Kohlenvorrat mit 650 T. und die Ausrüstung mit 630 .T., macht zusammen 10 921 T. Je nachdem die Ausrüstung umfangreich oder nicht, ist auch das Deplacement größer oder kleiner. Die Panzerplatten für den Gürtel ober die Kasematten sind 4,8—6 Meter lang. Während die „Brandenbnrg"-Schiffe noch 40 Zentimeter dicke Platten besitzen, gestattet die vervollkommnete Fabrikation bei der „Teutschland"-Klasse die Anwendung nur 25 Zentimeter starker Platten, deren Widerstandskraft gleichwohl größer ist. Jede einzelne Platte wiegt 17000 bis 25 000 Kilogramm. Da jedes Kilogramm Panzer 2,30 Mark kostet, macht das bei 3000 T. Panzerung die respektable Summe von fast 7 Mill. Mark. Tie Linienschiffe der ,,Wittels'bach"-Klasfe von 13 200 Tonnen haben 12 Kessel und jeder derselben besitzt zur Erzeugung des nötigen Dampfes 4 Feuerungen. Jeder der 6 Zylinderkessel, bei denen das Wasser die Feueranlagen umspielt, hat ein Gewicht von 40 T. Tie neuerdings vielbenutzten Schulz'schen Wasserrohrkessel, bei denen das Wasser in engen Röhren zur raschen Dampfentwickelung gebracht wird, bestehen ans 1678 Röhren in 27 verschiedenen Längen. Aneinandergelegt haben die Rohre jedes einzelnen Kessels eine Länge von 4,3 Kilometer. Zur Speisung der Dampfkessel, zum Trinken und Waschen wird nur Süßwasser benutzt, das mit Hülfe eines eigenen Destillierapparates erzeugt wird. Dieser Apparat liefert täglich 100 T. Wasser. Die Zahl der Hilfsmaschinen eines moderne!! Linienschiffes beläuft sich auf 100. — Ein sehr großes Arbeitsgebiet ist der elektrischen Betriebs- krast cinräumt. 4 Dampfdynamomaschinen mit einer Arbeitsleistung von je 60 OOO Bolt liefern die Bctriebskraft für 18 Ventilatoren, 4 Werkzeugmaschinen, 4 Kohlenwinden, 18 Munitionsaufzüge für schwere und 11 für leichte Artillerie, 6 Turmschwenk- werke, 5 Scheinwerfer und die gesamte Beleuchtung. DaS* Kabelnetz ist nicht weniger als 40 Kilometer lang. Drei Bronzeschranben von je 4,5 Meter Durchmesser treiben das Schiff. Tie drei Schrauben wiegen 24000 Kilogramm und repräsentieren einen Wert.von 72 000 Mark. Das Balanceruber hat eine Größe non 21 Quadratmeter. Die stählernen Gefechtsmasten sind 41 Meter hoch und haben einen Durchmesser von 2 Meter. Von Ankern und Ke tten, ,ihrer sofdrtigen Gebrauchsfähigkeit und unbedingten Zuverlässigkeit hängt die Sicherheit des Schiffes in vielen Fällen ab. Jedes Linienschiff hat 4 Anker, von denen jeder 6000 Kilogramm wiegt. Zur Bedienung der Anker sind Ketten von zusammen 700 Meter Länge im Gewicht von 55 000 Kilogramm erforderlich. Jedes einzelne der geschmiedeten und geschweißten Glieder ist 6 Zentimeter stark. Die Mtker- nuSrüstung kostet 25 000 Mark, die Kettenausrüstung ebensoviel. Ein Schiss, das sich mit einer Geschwindigkeit von stündlich 18 Seemeilen bewegt, fährt 0,3 Seemeilen gleich 656 Meter in der Minute. „Braunschweig" verbrauchte aus einer «Windigen forcierten Fahrt bei einer Maschinenleistnng von,17000 Pferdestärken und 18 Seemeilen Fahrt 16 T. Kohlen in der Stunde, d. s. en. 0,9 Kilogramm per indizierte Pferdestärke. Bei 24stündiger Fahrt mit 10000 Pferdestärken würde der Kohlen-- verbrauch ca. 190 Tonnen betragen. Der Maximalkohlenvörrat eines Linienschiffes beläuft sich auf 1800 T. Die artilleristische Bewaffnung der neuesten Linienschiffe besteht aus 48 Geschützen von 28 Zentimeter bis 8 Millimeter Kaliber. Die 28 Zentimeter Schnellfeuerkanonen verfeuern Geschosse von 270 Kilogramm, die 8,8 Zentimeter Geschütze solche von 10,7 Kilogramm. Die Kosten der Linienschiffe. sind in den letzten Jahren ganz erheblich gestiegen. Jedes Schiff der vor 15 Jahren erbauten „Brandenburg"-Klasse kostete einschließlich Artillerie und Torpedo 16 Mill. Mk. Tie Schiffe der „Deut,chland"-Klasse «beanspruchen 24 Mill. Mk.; die neuen 18 000 T. Schiffe werden 36 5 Mill. Mk. kosten. Davon entfällt der dritte Teil mit 13,5 Mül. Mk. auf die Artillerie. Jedes einzelne Linienschiff repräsentiert eine enorme Summe bcwunderswerter technischer Leistungen, ist ein mcchaustchev Kunst- werk allergrößter Art. In ihm ist eine Militärische Kraft konzentriert, die nicht ihres Gleichen hat. Unter energischer Leitung wird eine Flotte vollwertiger Linienschiffe, un Feuergefecht Tod und Verderben bringend, zur stärksten Waffe des Seekrieges, zur stolzen Herrscherin auf dem Meere. Vermischtes. * Unerfreuliche M an ö v e r e r in n erun g e n nahmen die württembergischen Soldaten mit nach Hause. In Oberschwaben, wo die Manöver des 13. Armeekorps in diesem Jahre stattfanden, erschien zum Empfang der Soldaten in den dortigen Zentrumsblättern folgendes Inserat: „Hüte dich! S ch u tz e n g e l b r i e f an Mäd- ch e n zur. Beherzigung für die Zeit der Einquartierung von einem Seelsorger. Manöver! Soldaten ins Quartier! Welch entgegengesetzte Gefühle rufen diese Worte in dem Herzen wach. So sehr sich die inuntere Schar der Knaben auf die Soldaten freut, ebenso begreiflich ist es, wenn die Seelsorger die ehrbaren Mädchen und deren Eltern dem Tage der Einquartierung mit bangem Herzen entgegensehen; ist es doch leider nur zu wahr, daß es unter den Soldaten schlechte Subjekte gibt, verkommene Gesellen, die schon mit der teuflischen Absicht die Garnison verlassen, während der Manöver möglichst viele Mädchen zu verführen. Und in der Tat wurde durch die Ein- martierung in sittlicher Beziehung schon e n t s e tz l i ch v i e l "Unheil angerichtet, das aber dann wie die Flurschäden nach dem Abzug der Soldaten nicht wieder bereinigt werden kann. Wachet deshalb und betet, ihr Mädchen und ihr jungen Frauen, denen jungfräuliche Reinheit und weibliche Züchtigkeit als kostbarstes Kleinod gilt! Hüte dich! so ruft dir, edelgesinnte Leserin, ein treubesorgter Freund aus dem Priesterstande zu, dem die bange Sorge vor den Einquartierungen, mit denen heuer auch seine Pfarrei bedacht werden soll, die Feder in die Hand gedrückt hat, um unsere Mädchenwelt auf die ihr in diesen Tagen drohende Gefahr aufmerksam zu machen und ihr zugleich zu zeigen, wie sie trotz derselben ihre schönste Tugend bewahren kann. Jedes deutsche Mädchen, dessen Sittlichkeit gelegentlich der gegenwärtigen Manöver in Gefahr kommen könnte, sollte den „Schutzengelbrief Hüte dich" zu lesen bekommen," Das Inserat des Pfarrers hat seine Wirkung getan. Die Unteroffiziere eines Regiments schreiben darüber mit Entrüstung an die „Neckar-Ztg.": „Als wir in R. einrückten, da stand der katholische Pfarrer vor der Tür und betete — nicht für das Heer, für die Verteidiger des Vaterlandes, sondern wohl im Sinne des Inserats. Und später wurde uns gesagt, daß sämtliche junge Mädchen „auf Anrate ndesHerrn Pfarre rs"überFeldgeschickt worden waren. Aber das ist ja nicht zum ersten Male vorgekommen. Dagegen sollte sich ein Geistlicher jedenfalls nicht so weit vergessen, sich in solchen Ausdrücken den Soldaten gegenüber auszulassen, denn daß die Quartierleute auf jenen Brief hin ihre angemeldeten Soldaten mit Mißtrauen und Unbehagen empfangen, haben wir empfinden müssen. Nebenbei ist dieser Brief eine Beleidigung der ganzen Armee, denn schlechte Subjekte und verkommene Gesellen werden in der Armee nicht geduldet. Dagegen wird sich jeder, der des Königs Rock trug oder trägt, verwahren, vom Offizier herab bis zum Gemeinen." Für unsere Kleinen. Der W und er g ar t en, Kalender für die deutsche Jugend 1908, begründet und herausgegeben von Wilhelm Kotzde mit Unterstützung der freien Lehrervereinigung für Kunstpflege mit 6farbigen und 49 schwarz-weißen Zeichnungen auf 110 Seiten Großoktav. Preis 2 Mark. Verlag von Jos. Scholz in Mainz. Wilhelm Kotzde unternahm es, einen Kalender zu begründen, der für die Bedürfnisse der Jugend berechnet ist und fte durch seine ernsten und heiteren Vortrüge zu belehren, begeistern und unterhalten will. Fern von nnkünstlerischer Tendenz wüt der Kalender die aus deutsch-volkstümlichen Empfinden geborene Kunst pflegen und alles Bizarre und Ungesunde ausschließen. Ein Stab hervorragender Mitarbeiter steht zur Versugung. Gerhard Krügel wird der Jugend alte, halbvergessene Sagen erzählen, Hermann Berdrow gibt Schilderungen von Land und Leuten, Karl Bienenstein, Viktor Blüthgen, Gustav Falke, Karl Ferdinands, Max Geißler, Eberhard König steuerten Geimno- ten, Märchen und Lieder bei. Dazu bringt der Kalender weniger bekannte Dichtungen früherer Zeit. Rätsel und Reime geben Gelegenheit zu Scherz und Lust. Eine Reihe tüchtiger^llu- stratoreil widmete ihre Kraft dem Kalender, so Otto Gebhardt, Hans voii Volkmann, Max Wulff. Adolf Bauer bietet Muttern und Kindern gefällige Liedchen. Literarisches. — Einführung in die AesthetiEber Geg enw art. Bon Professor Dr. F. M e u m a n n. 8 °. (Wissenschaft und Bildung, Bd. 30.) 154 Seiten. Geh. Mk. 1.—, m Originalleineii- band Mk. 1.25. Verlag von Quelle u. Meyer m Leipzig. — Auf den reichen Inhalt hier einzugehen, verbietet uns der Raum. Wir registrieren knrz den Inhalt der acht Abschnitte. Nach einer orientierenden Einleitung über die historischen Grundlagen der gegenwärtigen Aesthetik wird die Begründung „der empirischen Aesthetik durch Gustav Theodor Fechner, sowie dessen unmittelbare Nachwirkung in der gegenwärtigen Aesthetik behandelt. Dm Hauptrichtungen und die Grundprobleme der gegenwärtigen Aesthetik werden sodann entwickelt und die Einheit des ästhetischen Forschungsgebietes, die Psychologie des ästhetischen Gefallens und des künstlerischen Schaffens untersucht., „Daraus ergeben sich dann die allgemeinen Betrachtungen über die ästhetische Betrachtung der Kunst und unsere ästhetische Kultur überhaupt. Freunden der Kunst und Kultur sei dies schone Buch empfohlen. — Schmiedel, Q, Professor m Eisenach, Richard Wagners religiöse Weltanschauung. (Religionsge- schichtliche Volksbücher.) Tübingen, Verlag von I. C. B. Mohr (Paul Siebeck). — Schmiedel will tn seinem Volksbuch m komprimierter Form ein Bild von der in den Rahmen emer,Le->ns- skizze eingezeichneten Entwicklung der religiösen Weltanschauung Wagners geben. Der Leser gewinnt einen Einblick m die Gegensätze in Wagners Philosophie und Charakter und die dramatqche Bewegtheit seines Lebens. Diesem Inhalt lvill auch der -sh. gerecht werden, der das Buch in erster Linie znm Borlescn geeignet macht. So ist die kleine Schrift für alle Gebildeten bestimmt. Rätsel. Meist rühmlich ist des Ersten Leben, Wenn ihm der Freiheit Fahne winkt; Es prahlt und ivill zur Höhe schweben, Bis kläglich es zu Boden sinkt Doch wenn in stark begrenztem Raume Der Meister ihm die Wege weift, Erwacht es wie aus einem Traume ' Und wird ein riesenmächt'ger Geist. Tas Zweite tut seit alten Zeiten Den Volkern guten Botendienst, Es meldet alle Neuigkeiten lind spendet Vorteil und Gewinnst. Das dritle ist als Hauptvergnügen Zumeist beliebt bei jung und alt, Und man genießt in vollen Zügen Des Landes ivechselnde Gestalt. Das .Ganze aber, das ich meine, Ist mir ein wahrer Hochgenuß. Wie ist das Leben schöil ain Rheine, Eilt hin zu uuserm deutschen Fluß! A. A ui ni a n n. Auflösung in nächster Nummer. Auflösung des Bilderrätsels in voriger Nummer: Keine Rose ohne Dornen. Redaktion: P. Wittko. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen.