Samstag den 13 Juli 1907 MU Mm L AW^MWW |!s E' I te Jun Ken unter der Ische. Roman von M. Proßnitz (M. Nörenberg). Unbefugter Nachdruck wird gerichtlich verfolgt. (Fortsetzung.) Ta bog er ihr Antlitz zurück und preßte einen heißen Küß auf ihren Mund. „Mein süßes, holdes Weib." Errötend wollte sie sich aus seinen Armen winden, doch er zog sie nur fester an fich . . . „Allzulange wird Uchdorf die Freude, dich zu sehen, überhaupt nicht haben," meinte der Kammerherr nach einiger Zeit, scheinbar gleichmütig, „denn gegen Ende, der Woche habe ich beschlossen, dich, mein Herz, nach Beltlingen zu führen." Tagmar blickte ihn erfreut an. „Wirklich, Magnus? Tas ist gut. Ich hatte auch schon ordentliche «Ähnsucht nach geregelter Tätigkeit." Er sah sie belustigt an. „Tas klingt grade, als ob du Bäume ausveißen willst." Ihr Gesicht war plötzlich ganz blaß. „Ein Leben ohne Arbeit ist nach meiner Ansicht ein nutzloses. Jeder ernstdenkende Mensch strebt doch danach, den Platz auszufüllen, auf dem er steht. Macht gibt Rechte, aber auch — Pflichten. Das tvvllen wir doch nicht vergessen. Und — ein großer Besitz ist doch auch Macht." Ihre schönen Augen leuchteten begeistert und als Beltlingen erstaunt schwieg, fuhr sie leise, wie zu sich selbst sprechend, fort: „Arbeiten muß doch nach göttlichem Gesetz ein jeder, ob er hoch oder tief steht. Arbeiten schon deshalb, weil es die einzige Art ist, das unbewußte Sehnen zu stillen, was in jedem nachdenkenden Menschen lebt. Das Sehnen nach dem Besser- :— Reiferwerden." Er strich ihr lächelnd über das erhitzte Gesicht. „Kleine Idealistin!" — — Tas war alles! 8. Kapitel. Fast drei Wochen waren seit dem Tag verstrichen,^ivo Tagmar an der Seite des Gatten feierlichen Einzug in dem Schloß seiner Väter gehalten hatte. Breit und schmucklos, ein richtiger Steinkasten, und so fest gefügt, daß Wind und Wetter ihm in all den Jahrhunderten nichts anhaben konnten, lag das Schloß des Kammerherrn, das Nach seinen Besitzerir den Namen führte, da. Tie Beltlingen, einem uralten, schwedischen Baronetgeschlecht entsprossen, waren zur Zeit des dreißigjährigen Krieges nach dem schwedischen Vorpommern eingewandert. Von Karl XII. für ewige Zeiten erb- und eigentümlich mit dem Besitz des Schlosses nebst Pertinenzen belehnt, wovon der eigenhändig von des Schwedenkönigs Majestät unterzeichnete Rezeß noch heute Künde gab, hatte der ansehnliche Besitz während all der Jahve vom Vater auf den Sohn geerbt. Daß der Kammerherr der letzte seines Stammes war, hatte ihn bisher nie wieder beunruhigt, seit er an der Seite seines jungen, lebensfrischen Weibes! durch das Schloß seiner Väter schritt. Zum erstenmal flog ihm jetzt dieser Gedanke sorgend durch den Sinn, als er das Buch schloß, in dessen vergilbten Blättern getreulich alle Nachkommen des Christtan Magnus Beltlingen! eingetragen waren, dem Stammherrn des Schlosses, weiland Hofkammerstat Seiner schwedischen Majestät Karl XII. ruhm-i reichen Angedenkens! Als Beltlingen mit leisem Seufzen den schweren Folianten auf die Platte seines breiten Diplomaten legte, sah Dagmar fragend auf. Sie faß vor dem hohen, altertümlichen Kamin, in dem ein Helles Feuer flackerte. Knisternd spriihten ab und! an die Funken von den dicken Buchenklvben, die allmählich eins behagliche Wärme in dem großen Eckzimmer zu verbreiten begannen. Noch immer blickte Beltlingen schweigend vor sich hin. Da! sprang Tagmar empor. Mit wenigen Schritten war sie neben ihm. „Was ist dir, Magnus? Tu siehst so traurig aus!" Er hob langsam den Kopf. Und während er ihre schlanke Gestalt sacht zu sich hinzog, flüsterte er ihr leise seine Sorgen ins Ohr. Tiefe Glut stieg ihr bei seinen Worten in die Wangen, über die Antwort, die er wünschte, ward ihm nicht. . . Ta waren sie beide sttll. Jeder hing seinen Gedanken nach. TagNrar brach endlich das Schweigen. „Magnus, hast du eigentlich in der Bibliothek etwas übers Anna Christine gefunden?" „Ja," nickte der Kammerherr. „Willst du mitkommen, oder soll ich das alte Pergament holen und es dir hier vorlesen ?" „Lieber hier, cs ist hier so gemütlich!" Ta ging Beltlingen. Langsam nahm Tagmar ihren Platz am Kamin wieder eilt. Sinnend sah sie in die rote Glut, während sie sich behaglich in dem bequenien Ledersessel ausstreckte, die schmalen Füße auf benti Gitter des Kamins kreuzend. Pfeilschnell zog die Zeit seit ihrer Ankunft in Beltliugen an ihrem geistigen Auge vorüber. Wie kam es nur, daß sie trotz aller Aufmerksamkeiten ihres Gatten mehr und mehr das Gefühl einer gewissen Leere, ein Unbefriedigtsein empfand? Eigentlich hatte ihr jeder Tag neue Freuden, neue llc&ett raschungen gebracht. Nie hätte sie geglaubt, daß das Landleben so schön sei. Und wie rücksichtsvoll ging Magnus auf ihre Wünsche ein! Hatte er nicht noch vorige Woche einen Elektrotechniken bestellt, nur weil sie harmlos von der Annehmlichkeit der elektrischen Beleuchtung gesprochen hatte? Und nun wurde draußen bei der Wiese, ani Ende des Parkes, mit allen Kräften an der Anlage gearbeitet, die das Schloß mit der taghellen Beleuchtung versehen sollte, die Tagmar so bequem fand. Sie lächelte. Ein echtes Fvauenlächeln, in dem Bewußtsein der Macht über, ihren Gatten. Aber dann wurde sie wieder ernst. Gewiß, Magnus tat lvas sie wünschte, aber doch nur bis zu einer gewissen Grenze. Sie vergegenwärtigte sich von neuem, wie er ihr rundweg die Bitte abschlug, im Torf eine Diakonissin ait< zustellen. Ein Plan, den der Geistliche des Ortes ihr mit Gpi 406 — schick zu unterbreiten wußte und für beit et ihr JUteresse zu erregen verstanden hatte. Tas hielt freilich bei ihrem entschiedenen religiösen Empfinden nicht allzu schwer. Ter Pastor Müller war überhaupt eiu Prediger nach ihrem Sinn, einer der es ernst meinte mit dem, was er den Bauern und Tagelöhnern — nicht nur des Sonntags von der Künzel — sagte. " Veltlingen schien leider ihre Vorliebe sür den Geistliches Nicht zu teilen. Sie sann hin und her. Warum wohl nicht? Ta kam Magnus zurück. Vorsichtig trug er das vergilbte Pergament in der Hand, das auf der Oberseite das kunstvoll gemalte Wappen der Veltlingen zeigte. Er setzte sich Tagmar gegenüber, in den andern Lehnsessel, der auch vor dcni Kamin stand, „Soll ich dir vorlesen?" „Ja," nickte die Angeredete, „aber warte einen Augenblick." Leichtfüßig sprang sie auf, um die Kerzen der beiden großen Armleuchter anzuzünden, die auf dem Kaminsims standen. „Nun kannst du besser sehen," meinte sie mit allerliebster Hausfraulich- keit. Mit leidenschaftlichen Blicken war Veltlingen ihren raschen, geschickten Bewegungen gefolgt. .Als sie sich jetzt hinsetzen wollte, sah er sie zärtlich an. „Wie wohl solche Fürsorge tut." Leicht die Hand.auf seine Schulter legend, meinte sie einfach: „Ich tat cs gern." Da sprang Veltlingen empor und ehe Dagmar cs sich versah, hatte er sie im Arm und überflutete ihr schönes Gesicht mit feine» heißen Küssen. „Ich liebe dich ja so grenzenlos, du meine Dagmar, du mein süßes Glück," stieß er abgerissen hcrvov. Sie duldete All seine Liebkosungen, aber ein Zug von Pein glitt über ihr Gesicht. Ohne daß sie sich dessen bewußt ward, flog es ihr durch den Sinn, „soviel Feuer hatte ich nicht mehr ttwartet". Sie hätte ihn ja gern, redlich gern, aber diese wilde, ungezügelte Leidenschaft, die so gär nicht mit seinem sonst so ruhigen, gemessenen Leben im Einklang stand, erschreckte sie stets von neuem. Unwillkürlich bog sie jetzt ihr Antlitz zur Seite. Tas ernüchterte ihn sofort etwas. Beruhigend strich er ihr über die Wangen, aber in feinem Blick lag noch das gleiche, heiße Begehren, als er leidenschaftlich fragte: „Sag, Tsagmar, hast du mich lieb? Bist du mir wirklich gut?" Sie sah ihn groß und ernst an. „So gut wie keinen andern." Ein tiefer Atemzug hob seine Brust. Ihre Augen sprachen die Wahrheit, er sah es wohl. „Ich glaube, es ist besser," begann er nach kurzer Pause in gänzlich verändertem Ton, „wenn ich dir die Sache gleich auf Hochdeutsch Vorträge." Er ergriff dsas Pergament. „Dieses Illtdcntsch ist doch ziemlich schwer verständlich." Tagmiar war einverstanden, aber heimlich schüttelte sie beit STO^f. Wie schnell Magnus sich wieder in der Gewalt hatte! Da schlug seine Stimme an ihr Ohr. „Leise nnd gedämpft, als ob er bei Hofe ist," dachte sie mit Verstohlenem Lächelt: . . . . „Anna Christina, Tochter des Magnus Ch-ristianus Belt- lingen, weiland Hofkämmerrat von Karl XII. schwedischer Majestät, ist geboret: am 4. Jatutar 1660, gestorben an: 1. Dezember 1699 itttb am dritten Tag nach ihrem Abscheiden seierlichst in dem .Erbbegräbnis beigesetzt worden. Ein Engel der Armen und Kranken, soll sie still und klaglos an gebrochenem Herzen gestorben sein, weil der Herr Vater ihre flehendlichen Bittet: nicht erhörte, sie dem Jakob Hoher zum ehelichen Gemahl zu geben. Selbiger Jakob Hoyer war wohlbestallter Magister zu Greifswald und ein gar. kluger und gelehrter Herr. Als er tief betrübt durch die abschlägige Autwort des Christiai: Magnus, durch dei: Veltlinger Wald heimwärts schritt, nur in Begleitung seines grauen Wolfshundes, ist alsbald eine Räuberschar auf ihn ßctommei: und hat ihn und seinen Hund elendiglich erschlagen. Wer das gewesen, ist nientäls herausgebracht tvorden. ed Depositors an dem nut einer Hörnermaske bekleideten Neulinge bestand, bei denen aber die Erlegung eines bestimmten Betrags, wie es scheint, die Haupt- fache bildete. , , , „ . Gleichzeitig mit der Tepositionsurkunde wurde dem Neuling von dem Rektor da? von diescni bescheinigte Studiosi Giessen- sis Officium ad quotidiana m ins p ecti onem et Meditation em behändigt, das die Vorschriften enthielt, welche der Student zu befolgen habe. Es sind nicht weniger als v i e r - zig Ge- und Verbote, von denen ich der Kuriosität halber einige in Uebersetzung hier wiedergebe. Er (der Gießer Studio) soll Frömmigkeit üben und den Namen Gottes nicht mißbrauchen; er soll ehrbar und anständig gekleidet gehen und sich des Lasters» der Trunksucht enthalten und auch Andere nicht zu demselben verleiten, er soll Zusammenkünfte, die des Trinkens halber eingerichtet sind und Kommerse genannt werden, meiden, er soll die Nachtwächter nicht prügeln, er soll den Pennalismus und den Nationalismus wie die Pest hassen, keine Schulden machen,, die Honorare der Professoren bezahlen, nicht mit Schläger oder Stock bewaffnet (gladio aut baeulo. adcinitus) zum Rektor gehen (lut er es bod),- verliert er Beibes). Verletzung- der heiligen Keuschheit wird schwer bestraft rc. Als Strafen werden schon damals angedroht: Karzer,^con- filium abeundi, Relegatioii. Wer relegiert wird, muß die Stadl vor Sonnenuntergang verlassen. Als 34 Jahre später mein Vater immatrikuliert wurde, war die Teposition abgeschafft. Anstatt des Officium mußte er durch Handschlag an Eidessta'tt bekräftigen, daß er dem Rektor, dem Senkt und dem Universitätsgericht Gehorsam und die schuldige Ehrerbietung erweisen, die Akadem. Gesetze befolgen, sich eines anständigen und würdigen Benehmens befleißigen, sich bei Beleidigungen nicht selbst helfen, sondern Rektor und Universitätsgericht um Hülfe angehen und endlich den Nationalismus und alle verbotenen Verbindungen meiden werde. ; , Von dem Gehorsam gegen die Staatsgesetze ist keine Rede, die Universität wlar eben wie ein eigener Staat, ein Staat, der alles, was die Studenten anging, seiner Cognition unterwarf. . Erst in Folge der Gesetzgebung des. Jahres 1849 erhieltest die Jmmatrikulationsurkundeu eine neue Fassung, die lÄiglich den Gehorsam gegen die Gesetze heischt. So wird es bis aus den Heutigen Tag gehalten. Dennoch blieben die Grenzen zwischen der staatlichen und UiniversitätsgerichtSbiarkeit in manchen Punkten verwischt,, bis gelegentlich der Reichsgesetzgebung vom Jahre 1879 das Univer- fitätsgericht ausgehoben wurde. In 1853 wurden wir nur auf den neuen Matrikel durch Handschlag verpflichtet, wir erhielten aber zugleich die im.Jahre .1834 -ausgearbeiteten Universitätsstatuten, die teilweise noch schlimmer waren, wie die früheren Gebote, und ans 'welche das Universitätsgericht J>en Gehorsam gegen die Gesetze einbezog. Ich war nun -Student und es galt zunächst die Kvllegieii^zu belegen. Tie meisten Professoren wohnten damals vor dem Selterser Tor, an oder auf dem Seltersberg, sodaß die Professoreu- schaft, die damals mehr wie heute einen exklusiven Meis bildete, häufig einfach als „der Seltersberg" bezeichnet wurde. Die einfache Erklärung für die Tatsache liegt darin, daß damals die neueren Häuser außerhalb des durch die Schoor abgegvenztest Weichbildes der Stadt am Seltersberg erbaut waren und teilweise im Eigentum von Professoren standen. Gießen hatte anfangs der fünfziger Jahre kaum' 9000 Einwohner einschließlich der Studenten. Es gab noch keine Anlagen. Rings um die Stadt zog der Schoorgraben, der nur an den vier Toren und am Asterweg überschritten werden konnte, das Uebcr- bleibsel des alten Festungsgrabens. Stuf der Höhe über bcml Graben, auf dem früheren Festungsglacis, zog die Schoor oder Schur, eine Lindenallee, und eine Fahrstraßc. Auf der audercn Seite nach dem Felde zu tagen Gärten. Die Festung war anfangs des vorigen Fahrhimderts geschleift worden. Die letzten Ueberreste der Wälle zeigen heute noch der Lony'sche Bierkeller und ein Hügel iM Garten des Lauerschen Hauses in der Reichensaud-Bahnhvfstraße. Jedes der vier Tore, sowie das Ein- und Ausgerinn aas' der Lahn war durch "eine Schanze flankiert. Alle Schanzen waren 1853 noch sichtbar. Das Haus Westanlage 10 steht auf der Mauer der SelttrK- torschanze, früher, als cs noch einstöckig war, eine beliebte Stu- Lentenkneipe. Vor dem- Neuenwegertor befand sich außer der Loge und der Realschule nur Der Busch'sche ('öteinS) Garten und an der Teilung der Licher- und Grünbergerstraße das Schießhaus und der Nassauer Hof. Sonst waren nur am Walltor und Selterstor Häuser über das Weichbild der Stadt hinaus gebaut. Vor dem Selterstor wohnten, wie gesagt, die Professoren. Es gab damals außer den heute bestehenden Fakultäten dein Namen nach noch die ka t ho li s ch-t he o lo g isch-e F a ku l t ä t, deren Mitglieder Tr. Leopold Schmidt, Dr. Löhning, Dr. Lutterbeck, Aw. Scharpf und Pfarrer Tr. Fluck waren. Alle mit Ausnahme von Schmidt tvohnten auf dem Scltersberg'. Tr. Schmidt war in 1846 vom Domkapitel zn Mainz zum Bischof erwählt, sand aber nicht die Bestätigung des Papstes. Statt seiner wurde v. Kettel-er zum Bischof ernannt. Dieser grub der katholischen Fakultät das Grab. In meinem ersten Semester war in dem -Verzeichnisse der Vorlesungen zu lesen, „daß unter den bekannten gegenwärtigen Verhältnissen Vorlesungen seitens der kath.-theolog. Fakultät nicht angezeigt würden". Tie bekannten Verhältnisse Waren die, daß unter dem Schutz der Reattion und der damaligen: unter katholischem Einfluß stehenden Regierung Bischof v. Ketteler erklärte, daß nur ans dem katholischen Seminar gebildete Kandidaten zu Geistlichen ernannt werden würden. „ Damals hörte tatsächlich die katholisch-theologische Fakultät auf, ebenso in meinem dritten Semester der oben hervorgehobene Zusatz. Professor Schmidt tmd Lutterbeck lasen hinfort ppfto- sophische Kollegien, von denen ich bei Ersterem in meinem ersten Semester Einleitung in die Geschichte der Philosophie hörte. Von der evangelisch-theologischen Fakultät wohnten Er ebner in dem jetzt Austerlitz'schen Teil des Doppelhauses neben dem hessischen Höf, Professor Knobel im Krauskopsschcn früher sogen. Aktienhaus, Professor Hesse im früher Seipschen Haus (jetzt Restauration), Professor Gustav Baur im K'aunschcn letzt Frendsdorsschen Hause. _ r Von der juristischen Fakultät wohnten ^Hering int Rosenthalschen Hause gegenüber dem» alten Laboratorium, Birnbaum im eignen Hause gegenüber dem jetzigen Hauptstcuer- amt, Deurer im Balzerschen Hanse, jetzt Betriebsiuspektion der Oberhessischen Eis-enpahnen. Professor Was sc r s chl e be u erwarb das Haus des Professor Bischof gegenüber der sogen, neuen Anatomie bei des Letzteren Wegzug nach München, Professor Neuner in dem jetzt Hettlerschen Hause, dem sogen. Tintenfaß, dem Geburtshause des berühmten Entdeckers der Anilinsarben, Professor Tr. Wilhelm von Hofmann. Bon der medizinischen Fakultät wohnten Professor Prof. Vogel im Keßlerschen, jetzt Wenzelschm Hause auf beut' Scltersberg, Professor Wern Herr (sogen. Kalif) inr Äraus- kopfschcn Hanse, Bischof im eignen Hanse, Prof. Winter im B'alzerschen Hanse. Professor von R t t g en der Nettere wohnte in der Entbindungsanstalt, Professor Milbranduw eignen Hanfe vor dem Walltor, Prof. P h ö b u s in der alten Post, Bon der vhilo so phis ch e n Fakultät tvohnten Professors Leukärt in dem Nentamtmann Kvchschen Hause .an, dem Seltersberg (später v. Rabenau), Professor Zammtuet tut Keßlerschen, jetzt Wenzelschen Hsanfe, Professor -Osann im eigenen Hause tEcke Wilhelmstraße und -rranklurterstraße), Professor v Ritgen, Sohn, im eignen Hause an der katholischen Kirche, Prof. Tr. Schäfer (Geschichte) in der Dienstwohnung des Bibliothekars, letzt Ohren-, und NascnNmik,. Professor Schilling, Philosoph, War dessen Nachfolger, Professor Moritz (Karriere, Aesthetik, im Liebigschen, jetzt Hoizapfeftchen Hause, Professor von Klip stein int eigenen Hause, Profess. Stahl, Nationalökonom, daselbst, Profess. B u f f tnt eignen Hause, Profess. Heyer der Aelterc, Forstmann, wohnte im jetzt Schwanschen Hause am Seltersweg-, ihm gegenüber der jüngere Heyer, Professor Hofmann (das Blumenhofmanuchen) im Wiesellschen, jetzt Rollschen Hause. r Im heutigen Rebstock hatten sukzessive Pros. H u n d e s- Hagen, Forstmann, Prof. Hillebrand und Pros. Buss GClL°9ru6cr den vorgenannten Geoäudeil gab es zn meiner Zeit vor dem Selterstor nur sehr wenige: der hessische Hof, das Rechtsanwalt Grünewaldsch-e Anwesen und das Gebhardsche, spater von K'rcnipschc Haus, und man wird nun wohl verstehen, weshalb das Wort „der Seltersberg" für die Pwsessorcnschaft als! solche gebraucht wurde. , ... m ' .. ... . . Tie trockenen Angaben über di: damaligen Professoren werden Vielen recht überflüssig erscheinen. . Da aber mancheNamen darunter sind, deren Inhaber vielleicht den nämlichen Anspruch ans eine Marmortafel haben, wie etwa Carl H-illebrand, (ber zufällig in meinem elterlichen Hanse geboren M' "vd ^u. kein eif hnrühPY h^CTit’ i)5)n ifyncn eine folcyc gPti.nAi, io. dünkt mir VMleZt die Nachwelt, daß ich ihr das Anffiuden der bÄrefsenben Wohnhäuser erleichtert habe. , Scrner aber bitte ich den geneigten Leser zn berücksichtiget^ daß ich die meisten der genannten Herren Professoren persönlich gekannt habe 'und daß ihr Gedächtnis- tausend Erinnerungen in mir erweckt Ich könnte von jeoem derselben etwas erzählen, teils Heiteres, teils- Ernstes, wenn cs der Raum gestattete. Teils! waren sie meine Lehrer, teils Nachbarn, und die Aeltcrcn meinerl Schulkameraden uub einiger meiner Bundesbrüder. Mit den. Töchtern ftabe ich getanzt, oder sie als Freundinnen und Be- Saunte! Meiner Schwestern in unserem Hause gesehen. Ties Wöge zur Erklärung und Entschuldigung dienen. Kostspielige Eleganz. Was muß eine elegante Frau der englischen Gesellschaft für Kleidung ausgeben, um für die Ansprüche einer Saison würdig gerüstet zu sein? Ein Sachverständiger hat ich der Mühe unterzogen, einen wohlabgemessenen Toi- ettenetat für sie aufzustellen, hat alle Extravaganzen 'orgsam ausgeschaltet und sich nur auf das Notwendige, -essen eine elegante Frau bedarf, beschränkt; aber das Ergebnis seiner Berechnung wird einen soliden, sparsainen Bürger doch das Gruseln lehren. Die elegante Frau bedarf tz-unächst zum Morgenspazierritt einer Ausrüstung, die alles tu allem mindestens 625 Mark kostet; denn allein ein gutes Reitkleid ist von keinem anständigen Schneider unter 360 bis 380 Mark zu haben, elegante Reitstiefel müssen mit 100 bis 110 Mark veranschlagt werden, Handschuhe fordern 12.50 Mark, Wäsche 63 Mark, Strümpfe 15.50 Mark usw. Rechnet man dazu das Spitzennegligee und die Toilettenmütze, die vor dem Ausritt angelegt werden und die mit zusammen 225 Mark nicht zu hoch veranschlagt sind, so hat die schöne Gattin, tvenn sie um zehn heimkehrt, bereits 850 Mark für die Umhüllung ihrer zarten Glieder gebraucht. Um zehn aber kommen die Schönheitsspezialisten, die Mani- curekünstler, der Gesichtsmasseur, der Friseur; sie liquidieren insgesamt durchschnittlich 28.50 Mark pro Tag; frische Wäsche ivird nun angelegt, ein neues Korsett, die Leinenstraßentoilette, Straßenstiefeletten und die entzückenden Seidenstrümpfchen — wenn Madame einen Spaziergang Unternimmt, trägt sie wiederum tut Durchschnitt 448 Mark mit sich! Die Zahlen wachsen mit dem Fortschreiten des Zeigers. Die Lunchtoilette erfordert schon rundere Summen. Die feinste Battistwäsche ivird aus den Schränken hervorgeholt, das Lunchgown (französisches Modell) erfordert allein 800 Mark. Sonnenschirm, Handschuhe und tausend Kleinigkeiten kommen hinzu ttnd erfordern mindestens 1365 Mark. Eine moderne Frau aber unterniinmt auch Autofahrten; wieder ein Kostüm, einen Automantel, Mütze, Handschuhe — wieder 577.50 Mark nach milder Schätzung. Nachmittags aber beginnt der Ernst des Lebens. Da kommt die five o'clock-Toilette. Ein elegantes BesuchsÄeid muß anstandshalber mit 1260 Mark geschätzt werden, der Federhut kostet auch feine 240 Mark, Wäsche, Schuhe ttnd wieder die reizettden Seidenstrüinpfchen, Handschuhe, Spitzentaschentuch — im Nu sind 2086 Mark fort. Der Abend endlich bringt den Höhepunkt. Die Balltoilette ist ein kleines Vermögen für sich. Man kann schließlich auch schon für 2000 Mark eine leidliche Ballrobe erlangen, wenngleich die reichen Modedamen 5, 6 oder 9000 dura)aus nicht als Extravaganz betrachten. Aber selbst wenn die Bescheiden- hett herrscht, wenn man für die Ballrobe 2000 Mark aus- fbtzte, so sind noch genug Nebendinge, die die Summe htnaufschraubeit. Da ist die allerfeinste Battistwäsche, die mcndestens 200 Mark repräsentiert, das Fallkorsett, der entzückende Unterrock, der auch seine 180 Mark kostet, der Federfächer, ein Objekt von mindestens 200 Mark, die Blumen, meist Orchideen, die Ballschuhe, die Strümpfe, das echte Spitzentüchlein, kttrz mit weniger als 3000 Mark kommt eine atlständige Frau von einem kleinen Ballvergnügen nicht weg, von den Juwelen gar nicht ztt reden. So beträgt denn der Kleiderbedarf eines einzigen Tages 8000 Mark. Natürlich werden die Kleider öfter getragen, aber eine gewisse Abwechselung gehört doch zu den Notwendigkeiten eines standesgemäßen Auftretens. Nach dem Urteil der Modekünstler, die die oben genannten Beträge durchweg als bescheiden und angemessen bezeichnen, bedarf eine elegante Frau mindestens einer Frühinorgensausstat- tung, die 450 Mark kostet; Straßenausrüstung (10 Uhr) sechs, Lunchgarderobe vier, Autoausrüsttutg zwei, five o'clock vier, und unter acht Ballroben kommt man nicht durch. Das Ganze repräsentiert die hübsche Summe von 42 400 Mark für Kleidung in einer Saison. Der elegante Mann kommt da doch wesentlich billiger zu seinem „Aussehen". Dte Wäsche eines uv to date-Kavaliers, Handschuhe und dergleichen kosten mindestens ihre 2600—2700 Mark. Dazu kommen die Anzüge, mindestens 15, zwölf Paar Extra- u. 6 Gesellschaftsanzüge, 2 Smokings, 1 Dutzend lüetfje Westen, 1 Dutzend Phantasiewesten, die vier Ueber- zieher, sie alle verschlingen doch ihre 6300 Mark. Auch Hüte und Stiefel kosten ihr Geld, mit weniger als 18 Hüten kann man sich nur schwer behelfen und mit weniger als 20 Paar Stiefeln und Schuhen ist an ein gutes Auskommen schon gar tticht zu denken. Unter 1300 bis 1400 Mark wird man da nicht wegkommen. Immerhin kann utan als Mann mit einem Saisonetat von 14 000 Mark für Garderobe sich leidlich durchhelfen. So kommt der bescheidene Mann mit einem Drittel von dem aus, dessen eine Dame für eilt anständiges Auftreten bedarf. VeNMZschtsr. * Wie erhält si ch d ie Fräu jun g? Es gibt eine schöne Zeit, wo diese Frjage ganz überflüssig erscheint. So lange mau wirklich jung, glanz jung ist, denkt man gewöhnlich wenig darüber Nach, wie man es bleibt. Wenn aber nach vielen Jahren unseres vastlosen, modernen Lebens die ersten Spuren der Zeit ihre Veränderungen leise, ganz leise, dann immer dringlicher in düs ehedem so jugendfrische Antlitz graben, wenn die Stunden vor dem Spiegel immer länger werden, und die Frage der Toiletten wähl immer schwieriger, dann möchte wohl jede, über die böse Zeit seufzend, die alles heilt, aber auch alles zerstört, viel darum geben, um einen Trunk aus dem Jungbrunnen zu tun. Freilich, ein Allheilmittel, um den Näturvorgang des Aeltcr-- werdcns aufzuheben, gibt es nicht, wohl aber kann zumeist jede Frau selbst sehr viel dazu tun, nm bis in späte Jahre anmutig, frisch und elastisch zu bleiben. Bor allem gilt cs mit seinen Bemühungen nicht zu spät zu beginnen, nach dem 30. Jahre rächt sich jeder Fehler an der Pflege und Erhaltung des Körpers in glanz anderer Weise, als in der ersten Jugend, wo man sich große Strapazen ohne allzu sichtbare Folgen zu- muten kann. Die erste und Hauptregel heißt: jede Uebermüdung vermeiden! Dies soll keineswegs bedeuten, daß die Frauen der Arbeit aus dem Wege gehen oder körperlich faul werden sollen. Mer es müssen, wo irgend angängig, kurze Ruhepausen, die am besten liegend auf der Chaiselongue zugebracht werden, eingeschoben werden. Sie machen sich durch erhöhte Frische und Leistungsfähigkeit reichlich bezahlt. Wenigstens einmal am Tage soll eine ausgiebige Rast 'gemacht werden. Schon 20 Minuten oder eine halbe Stunde ruhigen Liegens, wobei man möglichst auch die Gedanken zur Ruhe bringen soll, sind von unschätz-, blarem Wert. Bei großer Beschäftigung ist es besonders empfehlens-- wert, die Art und Weise der Arbeit öfters zu verändern, verschiedene Tätigkeiten sich ablösen zu lassen, damit immer andere Muskelgruppen und andere Gehirnzeutreu in Anspruch genommen werden. Dlarum ist cs ganz auffallend günstig, wenn geistige Arbeit und häusliche Verrichtungen, sitzende Beschäftigung und Bewegung in bunter.Abwechslung einander folgen. Bei Uebermüdung gibt es verschiedene Mittel, die wenigstens vorübergehend helfen und gleich auch ein frischeres Aussehen mit sich bringen, den Zug der Abspannung zu verbannen, der so oft allen Reiz aus einem Gesicht wegwischt. Trefflich wirkt ein kurzes, warmes Bad, 3—4 Minuten, mit nachfolgender allgemeiner Körper- und Gesichtsmassage. Es ist gut, dem Bad etwas Salz oder Borax zuzusetzen. Tas Gesicht werde vorsichtig mit guter Gesichtscreme massiert, dann soll ein Glas heiße Milch getrunken und etwas geruht werden. Bor dem Ausgehen wird dann das Gesicht mit Wasser, dem ein Löffel Kölnisch Wasser beigegebcn wurde, gewaschen. Nach dieser Behandlung wird die Haut meist wieder jung und rosig aussehen, ein frischer Ausdruck zurückbleiben. Ein großer Teil der Ermüdung ist auf unzweckmäßige Kleidung zu schieben. Schwere, dicke Unterklei- dung ist 'streng zu vermeiden, auch Mäntel und Jacken seien warm, aber von geringem Gewicht. Tie Fußbelleidung muß beauem sein und insbesondere int Sammer sollten Strümpfe und Schuhe einmal, während des Tages gewechselt werden, um dem Fuß Kühlung und Ausruhen zu bringen. Fußbäder und Waschungen in Wasser, dem Essig oder Salz zugesetzt wird, sind gut gegen das Anschwellen der Füße. Tie richtigste Kosmetik ist eben stets die, welche nicht darauf hinausläuft, Schönheitsfehler zu verdecken, sondern vorbeugend dem Körper Gesundheit und damit zugleich Jugend und Schönheit zu erhalten. Bersteck-Riitfel. Man suche ein Sprichwort, dessen einzelnen Silben in solgenden Wörtern versteckt sind, wie die Silbe „an" in „Wanderer". Verzweislung — Scharmützel — Schmorbraten — Steigerwald — Bienenkorb — Gemahlin Ballenstedt — Weichselgebiet — Altenburg — Kleinasien. Auflösung in nächster Nummer. Auflösung des Sport-Silbenrätsel in voriger Nummer: Bennen — Tlnlerrichtsloka! — Niplomv — LihrenmitglieÄ Begatt« — Nachzügler; Redaktion: Ernst Heß. — Rotationsdruck und Verlag der Vrühl'schen Universitäts-Buch» und Steindruckeret, R. Lange, Gießen.