WfffiSrn W/ÄNe' • । h jWkTn *4» KW^MM «SÄf I W äAv M K MBM nmi i Dem Irrlicht nach. Roman von Alexander Römer. Nachdruck Verboten., (Fortsetzung.) Wochen waren bdrgaitgeN seit jenem St. Cäcilientag, der Mrekbor deS archäologischen Instituts gab den distinguierten Fremden Roms ein Fest. Bera Petruschka war häufiger und gern gesehener Gast in dem Hause auf dein Monte Casteino. iLie Gemahlin des Direktors, eine geborene russische Fürstin, War ihre Jugendfreundin, rind sie hielten hier engen Verkehr. Heute abend wogte eine bunt gemischte Gesellschaft durch die eleganten Räume der herrlich gelegenen Dienstwohnung. Sremd nebeneinander gruppiert, glitt man, lose Bemerkungen Miteinander tauschend, aneinander vorüber, und die Musik bildete die vornehmlichste Unterhaltung. Und nirgends hörte man so gute Musik wie in diesen Räumen.. Die Dame des Hauses, eine Freundin Liszts, war selbst geniale Künstlerin, und ein Schwarm Musikliebender und Musiker ston Profession scharte sich nm sie. Roderich war sehr stolz und glücklich gewesen, durch Vera hier eingeführt ntib nm ihretwillen zu den Vertrauten brö1 Hauses gezählt zu sein. Er staub jetzt neben der sehr korpulenten Fräst Professorin, welche ein weites, schlichtes, schwarzes Gewand trug) das üppige schwarze Haar in einem schweren Knoten am Nacken aufgerollt. Wie ihre Freunde sie zu sehen gewohnt waren. Ihre Erscheinung stach wunderlich ab von den übrigen geputzten Damen in ihrem Salon. Roderich sollte heute abend eine vierhändige Piöce mit ihr spielen, was er sich zu einer besonderen Ehre anrechnete. Er erntete freilich für seine Person keine Lorbeeren von der Sache, er war der unbeachtete Begleiter der genialen Frau, und sie würdigte ihn auch nur als solchen. Er war überhaupt all- Wählich gewohnt worden, sich nur im Glanz anderer zu sonnen. Immerhin gab es viele, welche ihn um seine vertraute Stellung iin diesen Zirkeln beneideten. „Ihr Baß war nicht kraftvoll genug, Herr Walldorf," sagte die Dame, sich schwerfällig mit ihrer wuchtigen Gestalt erhebend stnd der Rüge ein wohlwollendes Lächeln beigesellend. „In Ihnen steckt noch immer ein Stück Schwärmer, das prägt sich sÄbst in Ihrem Spiel aus." Sie lachte und bot ihnr die Hand, die er ehrerbietig küßte. Ja, ja, sie nahm kein Blatt vor den Mund, seine Oper hatte sie rücksichtslos ein Dilettantenmachwerk genannt, ein Potpourri Wit Liszt-Wagnerscheu Anklängen. Wenn er sich auflehnte gegen solche Blasphemie, was half es ihm — ihr Urteil war der Welt unanfechtbar. O, er hatte manche bittere Pille verschluckt. „Ah, Paul, notre Paul bien aimb!" rief sie jetzt, mit der ihr eigenen Lebhaftigkeit sich von Roderich ab zu dem kleinern Herrn mit den klugen Augen und der Adlernase wendend, der ün Beras Seite zu ihr trat. Vera trug heute karmvisinroten Atlas mit schwarzen Spitzen darüber, und sah blendend aus. Paul Hcndrichs war erst vor einer Stunde augekommest von Siena, wo er unter mittelalterlichen Schätzen gestöbert. (8^ war sofort zu Bern gegangen, hatte in ihrer Wohnung erfahrens das; sie hier sei, und kam jetzt —, ein ungeladener Gast, vst Altezza das verzeihen würden? Paul Hendrichs beherrschte die gesellschaftlichen Formell vor^ züglich, befaß eine geschmeidige Anmut neben seinem schärfest Witz und Geist. Er nannte die bürgerliche Frau Professorin stets, ihrei; Geburtsrechten angemessen, Mezza. Roderich fand sich von einer Schar niederer Trabairtest umringt, welche sich zum Olymp drängten und ihn als beit Torhüter nahmen, den sie sich erst gewinnen mußten. So ward auch er umworben und umschmeichelt, und während gleiche gültige, unbekannte Menschen, leere Strohköpfe um ihn summtest und surrten, hörte er neben sich Veras vollen Alt, Frau Professors kernigen Mittelton und Pauls klare, akzentuierte Rede- iueife. Und wieder durchzuckte ihn ein Gedanke, der ihn schost ost in schweren Stunden gequält: „Paul ist ihnen der Ebest- bürtigc, ich nur bequemer Appendix." Der dicke Panzer, den seine Eitelkeit seit frühester Jugend um ihn gegürtet, hatte eine Bresche erhalten, und ein schneidender, eisiger Luftzug drang zuweilen von außen herein und traf seine verweichlichte Seele mit empfindlicher Schärfe. Paul trat jetzt auch auf ihn zu und schüttelte ihm die Hände. Er sah frisch und soniteugebrännt mts> sie hattest sich seit über zwei Jahren nicht gesehen. „Tu bist hager geworden, Roderich, hast Fleisch eingebüßt auf deiner Orientfahrt," meinte er. „Ihr sensitiven Menschen seid zu unruhig, das stört den Genuß." Roderich lächelte und begrüßte bett Jugeudgeuossen, der ihm hier int Bann der Verhältnisse als Freund aufgezwungen ward, dem er ja auch einen Freundesdienst zu danken hatte, so herzlich, als er es über sich vermochte. Innerlich empörte eti sich wieder über dessen dreiste Unverfrorenheit, ivie er sein Auftreten nannte. Wie überlegen der Mensch herablächelte auf diese eifrigen' Lobhudler, die da au ihn heranstürmten. Er warf Sarkasmen unter sie, welche sie nur halb verstanden, und schüttelte sie dann ab ivie lästige Fliegen, unbekümmert weiter schreitend, auf den kurzen kleinen Mann zu, mit dem auffallend roten Gesicht und dem schneeweißen Bart — das war Ibsen. Der norwegische Dichterheld war für Roderich gänzlich unzugänglich geblieben, so oft er cs auch versucht hatte, ihist ttäherzutreten. 1 „Seine Dreistigkeit hilft ihm doch überall," murmelte Roderich ingrimmig. Das Blut war ihm zu Kopf gestiegen, er bnhnttz sich einen Weg und trat in das kühlere Nebenzimmer. Feinest Rosenduft Webte ihm hier entgegen, er stieg aus den Kristalls schalen auf, ivelche, mit üppigen Blüten gefüllt, auf dem Tische staudett. Die Fensterflügel waren geöffnet, im leichten Lufthauch blähten sich die feinen Spitzenvorhänge, eine matte Ampel erhellte das Gemach. Draußen goß der Mond fein silbernes Licht über das alte Rom, über Trastevere und den Tiberstromi, Welch ein Anblick! Roderich, mit der tiefen Falte auf feiltet — 278 Ja, ich erkannte dich S gewiß. Wir waren beide sehn eilig"— die Luft war eisig, dumpf und schrecklich da unten " Sprachen sie wirklich beide diese alltäglichen Worte? Roderich war es1, als käinen sie weit Her und andere sprächen sie, nicht Cr ^Tanw^Cölestine spieß jetzt einen kleinen, respektvoll in dieses Räumen gedämpften Schrei ans und packte seinen Ann. Das. war Wirklichkeit, recht nackte, reelle Wirklichkeit Roderich! na, da Haben wir ihn endlich. Sylvia hat dich neulich schon erkannt. Ich habe das alberne Kind arg gescholten; solch ei» Unsinn, dich nicht anzureden und festzutznlten! Die Rosen in Sylvias Haar — es waren frische aus den! Gärten, und sie singen an zu welken in der hechelt Luft —< nickten, als seien sie müde, und als Roderich sie letzt scharf ansah — der Schleier war allmählich von seinen Mgen gewichen — da fand er, daß auch sie müde aussah neüde und schon un Berg blühen Tante Cölestine redete wie ein Wasserfall. Kein Wunder,' wenn dem armen Kinde die Ohren darob schmerzten, ihr klemep Mund war so Herb und ftemd geworden. Und fremd klang ihm! „Hast ^du^ bereits öffentlich gesungen? Wie weit bist dst in deiner Karriere?" fragte er sie. In ihren Augen, die sie zu ihm ausschlug, lag kerne c-MU mehr von dem Frohsinn der früheren Tage. . . „Karriere?" wiederholte sie bitter. Sie schwieg einen Mo-! ment. „Meine Brust ist zu schwach," fügte sre dann. ich darf nicht viel singen. Ich hatte brillante Aussichten —1 aber Mama will es nicht, ich soll mich schonen — mußte rin sudg lichen Klima Erholung suchen." Mein, sie durfte sich nicht überanstrengen," rief Tante! Cölestine dazwischen, „ich habe fast Gewalt brauchen muisen^ aber ehe ich mein Kind opfere — du weißt es ja "uch, Roiwf'ch^ was für-Anforderungen auf großen Bühnen an dre Kräfte einer! Primadonna gestellt werden. Später — spater — Roderich sagte sich, obgleich ihr Gesang vorhin * » tiefste ergriffen hatte, daß ihre Mittel nie für eine große kühner ausreichen würden. , . Ein Kopf mit schwarzem, wohl srisrertem Haar^- oder war es eine Perücke?.—beugte sich jetzt über Sylvias «chulter Ein! funkelndes Angenpaar blitzte Roderich an, die ganze, noch eite gante nnd geschmeidige Gestalt eines durchaus nicht mehr lugendg lichen Herrn kam zum Vorschein. „Divina Maöstra!" sagte er, „Sie haben wieder einmnt göttlich gesungen." Er reichte ihr einen Strauß auserlesener Blüten, wie sie dies Land der Sonne zeitigt, «ie wendete sch hastig um und dankte ihnr, er drückte einen glühenden Küß auf ihre Hand. , _ ,, . , „Cccellenza, il Conte Boccaleone," sagte Jwau Zeruial, di-tz Herren einander vvrstellend. , Der gewandte Italiener verneigte sich verbindlich und hattg eine Fülle höflicher Phrasen in Bereitschaft. Roderich überlief ein heimliches Grausen. Raffinierte 2ofg lettenkünste verbargen die Falten nnd Runzeln, welche em wüstes! Leben und früh herannahendes Alter da gez-erchnet hatten.. Der Mann mochte hoch in die vierzig zählen, aber seine Glieds waren bereits dürr. Der Schneider hatte vergeblich versucht, den körperlichen Mängeln nachzuhelsen, die ganze Erscheinung trug! bUt Er^be^ugt? stc^in^vertraulicheiil Geflüster zu Sylvia herab^ sie redete mit ihm in seiner Muttersprache, ungelenk und imh iremdem Akzent, aber dennoch klangen die italienischen Lauts! verzehrend an ihr. Roderich ivandte sich ab, Gesuhle, die langö völlig verstummt waren, wurden wach, um das Herz her kreisch es so heiß und wild. Lebte da noch etwas für die Geliebte seiner! Jugend? Seiner Jugend! War er denn em alter Mann? I Frau Zernial ^raunte ihm hinter dem riesigen Federfach^ den sie eifrig Handhabte, allerlei Erläuterungen zu. eemet Exzellenz der Conte war sehr reich, er besaß em Schloß in den Apenninen und einen Palazzo in Rom. Er war bis über drei Ohren in Sylvia verliebt, verfolgte sie mit seinen Mismerkianm leiten, seit er sie zuerst gesehen. Roderichs Hand zuckte. Er hätte die Alte zu Boden schlagen mögen, diese elendtz Kupplerin. ' „ H Da rauschte ein Gewand an ferner. Seite, Bera stand ^,Jch"inöchte nach Hause, .Roderigo," sagte sch, „wsllen Sie Befehl geben, daß der Wagen Vorfahrt.^ (Fortsetzung folgt.). Die klare, jetzt künstlerisch geschulte Stimme süllte diesen Raum und hatte ungemein sympathischen Klang. Sie hatte mit ergreifender Empfindung gesungen, mit einem leichten Jittern hallten die Töne iiach, man lauschte noch ein Weilchen m atem- 'lofer Stille, dann ein Gescharre, ein Gesumme, man umdrangte sie, zollte laut und stürmisch Beisall. Wie elfenhast und schmächtig war ihre Gestalt! Er stand zu fern, um den Ausdruck ihres Gesichts zu unterscheiden. ^hni trübte auch noch immer ein Nebelschleier die Augen, und ihin war, als ob die Glieder ihm bett Dienst versagten. Jetzt hörte er sie lachen und schrak zusammen. Wie fremd, wie kalt und unnatürlich klang ihm dieses Lachen, es erinnerte an die alte, versunkene Zeit, wie der Ton eines zersprungenen Glases an den ursprünglichen, Hellen Metatlklang. Sie stund umringt von einem Herrenkreise, man Tagte, ihr von allen Seiten Komplimeiite, unb du tauchte auch die Mutter neben ihr aus, die Tante Cölestine! Paul war bis zu ihr durchgedrungen und redete ,letzt Mit ihr. Er kannte sie ja von Dresden her aus der Kinderzett. .Sie errötete plötzlich, Hals und Stirn waren mit Purpur übergossen; hatte Paul seinen Namen genannt, ihre Augen irrten in die Richtung, wo er stand. Sie lächelte, ein so gespenstisches, trauriges Lächeln — und sie grüßten einander. Er schritt langsam, wie ein Nachtwandler, quer durch den Saal auf sie zst, sie hatte ihm jiu, seit er sie in dem! schatteite haften Licht der Katakomben wiedergesehen, immer int Sinne gelegen, Tag und Nacht, ohne daß er es gewollt. Er hatte sie auch gesucht, aber nirgends ihre Spur gesunden. Er ,wand sich durch die Schleppen, er tauschte hie und da ein Kompliment und Scherzwort mit Bekannten und dann stand er vor ihr. Ja — der Glanz seiner ersten Liebe — erloschen — verglommen wie oft war sie emporgeflackert in ihm, wie oft — und jetzt — Sie standen sich gegenüber, sie hielten ihre Hände, fie sahen sich ins Auge. „Sylvia, ich glaube, ich bin dir Vor ein paar Wochen schon in bett Katakomben begegnet. Du erkanntest mich auch, Stirn, welche sich schon! Dauernd dort eingrnb, schaute mit bete schränkten Armen hinab ans das zauberische Bild. Welch Leben, welche Pracht und Herrlichkeit war, hier einst gewesen, wie viel Geschlechter hatten hier in Uepplgkeit und Wollust gelebt, geschwelgt und waren ungezählt versunken. W wnr der Mensch? Heu, gleich der Blume des Felm» ? „-abte nur pW Gattung fort und erlosch das Jndivibuum? Ratselfragen, die nur bet Glaube beantwortete. Unb ivo, war^ sein Glaube, sein Kinderglaube^ Wo war in ihm Elternliebe, Heimatsgefuhl, alle zarten^Pflanzetr des Gemüts? Er war so lebenshungrig, trollen als bie anbcren, unb nun — war er bentt nit. ö I Xt viel ärmer als bie? Wozu lohnte es sich eigeut- L »> &? $«” «" »« W» et«™. !«i» ->»!<-« - «- S="»x h>l> unb fein SS» WS. *6 N» eine Karaffe mit römischem Wein, er goß sich em Glas em L Lw es hinunter. Lethe, Lethe! O, die Alten wußten wohl, was arme Sterbliche bedurften. .. .. Ex ging langsam zurück nach dem Eingang des Saales. Dort wurde noch immer musiziert. Jcht ^ng eme weibliche Stimme ein bekanntes deutsches Sieb. Oie spracy sehr deutlich aus, er verstand jedes Wort. Sein Fuß stockte unb sein Atem, j So schieden sie, unb wie im Münsterchor bcr ()cl(cv (Mcnis> Erst wirb er matt, bann flackert er empor Noch einmal hell, unb bann erlischt er ganz. , > Sv starb bie Lieb' in ihnen. Erst beweint, Dann heiß zurückersehnt, und dann vergessen, Bis sie zuletzt, es sei ein Wahn gemeint, Daß sie sich je dereinst besessen." Ms war das? Ein wirres Chaos flutete durch Roderichs Gehirn, ein Schwindel faßte ihn, er lehnte sich taumelnd an den Türpfosten. Sein Blick fiel zunächst auf Paul HendrichÄ, der in geringer Entfernung von ihm stand, die scharten Augen starr ans die Sängerin gerichtet, mit erneut neuen, seltsamen Aus^ druck in seinem Gesicht. Mechanisch, wie int Traume, lolgtc. Roderich diesen scharfen Augen./ , r,„ Da sah er, wie durch einen Nebel, eine bekannt. Gestalt, unb nun kam cs ihm dämmernd zum Bewußtsein, warum der Ton dieser Stimme ihn so ergriffen hatte. Sylvia war es, trtidje dort stand unb diese Worte gesungen hatte: „Bis sie zuletzt, es sei ein Wahn gemeint, daß sie sich je dereinst — 279 — Aie Geschichte einer deutschen Jamikre. Der Gedanke der Vererbung ist eines der wichtigsten Elemente für die moderne Weltanschauung geworden. Nachdem ihn Darwin in seiner „Abstammung des Menschen" wisscn- schastlich formuliert Latte, haben Haeckel, Weismann u. a. diese in allen Wesen waltende Macht der Natur in ihren Rätseln und Diesen erforscht. Man suchte in das Innere aller Welt- schöpfung zu dringen. Schon 1870 hat der Physiologe Hering das „Gedächtnis als. eine allgemeine Funktion der organisierten Materie" hingestellt; und) den Untersuchmiaen des Biologen Rudolf ©entölt wiederholt der Keim des, Menschen in seiner plastischen Entwicklung die wichtigsten Stadien, die der Stammbaum des ganzen Menschengeschlechts durchgemacht, und im Säugling ruht schon der Urväter Weisheit, als kostbarstes Geschenk der Ahnen, zu tausend Entfaltungsmöglichkeiten ausgespeichert. Wissenschaft und Dichtung haben diese dunkle, aus Urgründen des Vergangenen ins helle Licht des Tages ragende Gewalt einzuordnen gesucht in unser Weltbild. Taine erklärte die Erscheinung des Genies ans den geschichtlichen Bedingungen seiner Geburt und spürte z. B. bei Napoleon, der von seinem Vater nichts als die bei beiden zum Tode führende Magenkrankheit geerbt hatte, den geheimen Zusammenhang mit seinen italienischen Vorfahren heraus, sah in dem großen „Korsen" die ins Riesenhafte gesteigerte Wiedergeburt eines jener Renaissancemenschen und Condottieri, die die Stammväter der Familie Bonaparte gewesen waren. In dem Lebendigwerden und Aufwachen von Instinkten und Leidenschaften, die unheimlich fortwirren in Söhnen und Enkeln, entdeckte Ibsen das moderne Schicksal, sah Zola den engverkettcndm Zusammenhang, der im Chaos der Menschheitswirren mit starrer Notwendigkeit die Geschlechter aneinander bindet. Der antike Gedanke von der Unabwendbarkeit des Fatums und der launenhaften Gunst der Götter, die bald im Ueberfluß reich spenden, bald grausam hart strafen, gewann moderne Form in denn unergründbaren Vermächtnis der Vorfahren, die einmal alle Kräfte und Reichtümer, ihrer Art in einem begnadeten Sohn vereinen, dann wieder im unglückseligen Erben von Leidenschaften und Krankheiten, die alte Wut der Furien und Erynnien neu heraufbeschwören. Genie und Idiot, Verbrecher und Held, sind so gleichermaßen von den Antrieben der ererbten Eigenschaften abhängig. Aber weder dichterische Phantasie noch historische Kombination können in dieses schwierige Gebiet, das so mannigfache Rätsel der Psychologie und Biologie umschließt, je befriedigende Aufhellung bringen. Das muß die exakte naturwissenschaftliche Forschung tun, die sich mit einer feinsten Analyse des Seelenlebens verbindet. Doch da ist noch viel, ja fast alles zu vollbringen. Wohl gibt es allenthalben Ansätze, die von den verschiedensten Seiten dem Problein näherzukommen suchen, aber eilte eigentliche Methodologie, eine sichere Basis der Forschung, eilte Auseinanderlegung der in Betracht kommenden Fragen mußte erst geschaffen werden. Das ist nun in einem reichhaltigen Buche des Gießener Professors Robert Sommer: „Familien so rschnng und Vererbungslehre" (Verlag von I. A. Barth, Leipzig) geschehen. Er baut seine Unter- snchungen folgerichtig auf einer Erforschung der einzelnen Fa- milien als der notwendigen Voraussetzung aller Vererbung auf. Die Staminbaumkunde und Genealogie, die bisher fast nur von Historikern und Heraldikern gepflegt worden waren, müssen psycyo- logisch und biologisch ausgenutzt werden. Die menschliche Fa- miliensorschung soll im Zusammenhang mit der gesamten Lehre von den Lebewesen behandelt werden, um allgemeine Ge,etze der Vererbung sestzustellen. Dabei ist eine viel stärkere Berücksichtigung der weiblichen, für die Vererbung so wichtigen Elemente von Nöten, als sie bisher bei den geschichtlicheii Stamin- bäumen und Ahnentafeln beobachtet wurde, und zur Bewältigung dieser höchst komplizierten Verhältnisse muß eine genealogische Zeichenlehre eingeführt werden, die Art und Nähe der Bliitsver- wandtschast genauer und exakter präzisiert, als es die Wappen vermochten. ES ich die Beobachtung einer tätigen Reihe von Generationen erforderlich, um bestimmte Phänomene der Vererbung zu konstatieren, denn die einzelnen charakteristischen Fa- milienzüge fließen wie ein unterirdischer Strom unbemerkt im Blute vieler Geschlechter dahin, bis sie dann plötzlich wieder emportauchen und sich entscheidend bemerkbar machen. Dem forschend rückschauenden Blick aber lösen sich aus den vielgestaltigen Verästelungen und Verzweigungen einer großen, weit in die Vergangenheit hinabreichenden Familie die typischen Formen eines gemeinsamen Grundcharakters heraus. Ein gleicher Lebensrhytmus klingt in ihnen allen an, bald lauter, bald leiser und um sie alle schließt der Ahnen Art das einende Band. Es gilt nun, die Konstanz dieser Bererbungstendenzen sestzustellen, aus dem individuellen, vom Milieu der Zeit und vielen anoeren Dingen zufällig bedingten Charakter des Einzelnen dieses gtetch- bleibende Erbteil der Familie herauszukrtstallifteren, und zwar nicht so hauptsächlich körperliche Eigenschaften, die sich M gar dentlich foripflanzen, sondern geistige, seelische Eigenschaften, ttt denen die feinjie Blüte der Ahnenkultur sich neu und reich entfaltet. Prof. Sommer ist der Ansicht, daß sich weniger durch äußere Umstände bedingte Eigenschaften vererben, als durch nuf- merksamkeit und Uebnng automatisch gewordene Porstellungs- reihen, also bestimnite Zustände des Gehirns, besonders eine reiche Ausbildung der Sinnessphären, die Kraft des plastischen Sehens, des verfeinerten Hörens. So entwickeln sich Talente, aus denen dann das mit schöpserischer Kraft begabte Genie entstehen kann. Solch ein allmähliches Aufblühen und Stärkerwerden einer Begabung läßt sich in manchen Künstlersamilien beobachten, in denen sich die steigende Kraft wie in einem langsam, anschwellenden Strom vorbereitet, bis dann das Genie im starken Ueberschwang alle Dämme zerbricht und wie ein Katarakt stolz und frei die Fluten des Schaffens niederbrausen läßt. So z. B. bei dem Geschlecht der Bachs, in dem die musikalische Größe Johann Sebastians durch 150 Jahre vorgebildet wurde und durch weitere 50 Jahre nach ihm in seinem Sohne sortwirkte. Aber, nicht solche außergewöhnliche Beispiele, denen man noch gar viele der Kunstgeschichte, die Bellini z. B., die Schlegel, die Feuerbach gesellen könnte, sind für die Wissenschaft von maßgebendem Wert, sondern die Geschichte etwa einer reich entfalteten, sehr weit zurückreichenden Familie, die bedeutende und charakteristische Vertreter zu allen Zeiten nitszuweisen hatte, kein Geschlecht, wie es. sich die Dichter konstruieren, in dem phantastische Zusammen)- hänge bis in ferne Vorzeit patriotische Wesensart verkünden sollen (Freytags „Ahnen") oder eine Aufhäufung von Krankheiten und Degenerationserscheinungen furchtbar wütet (Zolas „Rougo-Maequarts"), sondern eine schlichte deutsche Bürgerfamilie. In dem Hauptteil seines Buches hat der Verfasser mit vieler Sorgfalt und Mühe die Geschichte eines solchen Geschlechts geschrieben, der noch heute besonders in Hessen zahlreich lebenden Sold ans, deren Herkunft und Leben in ihren wichtigsten Vertretern tote eine nachdenkliche Erzählung im Spiegel der Jahrhunderte vorüberzieht. Es war in der Zeit der hetzten Kämpfe um das Heilige Grab in Palästina, da hat, so be-. richtet eine Chronik, „der Graf von Lechmotir einen türkischen Offizier, Sadok Selim Solta gefangen genommen, welchen er) nach kurzer Zeit wegen seiner Tapferkeit und besonderen Größe zu einem seiner Obersten ernennet. Diesen hat er nachgehends 1305 nicht allein christlich taufen und ihm den Namen Johann Soldan geben lassen, sondern ihm auch aus sonderbarer Liebe das türkische Wappen beigelegt." Die Nachkommen dieses Wackern Mannes und guten Lateiners wurden Deutsche und behielten ihre Wappen mit Sonne, Sternen und Halbmond bis auf den heutigen Tag. Fünf von seinen elf Söhnen widmeten sich bereits dem. geistlichen Beruf, und eine ausgesprochen religiöse Veranlagung scheint in dem ganzen Geschlecht gelebt zu haben, denn in der Reformationszeit wandten ste sich mit Eifer dem lutherischen Glauben zu und fochten mit Wort und Tat für das reine Evangelium. Eine ununterbrochene Reihe von Geistlichen führt so zu den noch lebenden Soldans hinauf. Von den 91 Nachkommen des Rektors Johann Moritz Soldan waren 40 lutherische Pastoren und gar manche von ihnen waren prächtige Charakterköpfe, wie sie nur eine harte Zeit und eine stürmische Gemütsart schaffen kann. Denn sie waren alle nicht bloß gute Lateiner wie der Ahne, sondern auch leidenschaftliche Menschen, in denen das südliche Blut sich mit protestantischem Glanbenseifer paarte. Da ist Konrad Soldan, Prediger am Wort zu Reichenbnrg in Franken, ein streitbarer Herr, der gar streng weiterte gegen den Sansteufel und andere Schandtaten der Gemeinde, auch einen tüchtigen Federkrieg mit einem Amtsbruder hatte, der ihn einest „tückischen und türkischen Wols" nannte. Eine lebhafte Phantasie, Kraft der plastischen Vorstellungen und Wortgewalt ist diesem Soldansprößling eigen, den in einer religiös erregten, von dogmatischen Streitereien erfüllten Zeit seine Anlagen und die Familiest-. tradition zum temperamentvollen Redner und Schriftsteller werden ließen. Die gleichen Eigenschaften hatten schon früher einest ganzen Zweig der Familie sich der bildenden Knnst zuwenden lassen. Die Zeit der Renaissance, da die Dürer, Cranach, Grünwald, Holbein lebten, hatte ja auch in Deutschland alle künstlerischen Triebe ausgelöst, Sie ließen nun, nachdem schon seist Vater künstlerisch tätig gewesen war, den Bildhauer Philip» Soldan sich entfalten, einen kraftvollen, ungestümen, geistvollen Künstler, dessen reiche Phantasie sich in der nnerschöpflichen Fülle einer reichen Ornamentik auslebte und gern maurisches Bano-. Werf verwandte, wie wenn Erinnerungen des Urahnen in ihrst unbewußt Gestalt gewonnen hätten. Die Lebhaftigkeit der opty^ scheu Vorstellungen, der ganze schöpferisch lebhafte Rhythmus der. Persönlichkeit, wie sie den Bildhauer wie den Pfarrer auK- zeichnen, leben auch in einem gefeierten Meister des Humanismus/ dem Euricins Cordus, der ebenfalls ein Soldan war. Diese typischen Eigenschaften der Familie, eine große Deutlich- feit und Plastik des Gesichtssinnes, Kraft der schriftstellerischen Darstellung und Lebhaftigkeit des Temperaments, die ui der Renaissance zu künstlerischem Schaffen, in der Reformationszeit zu theologischem Wirken geführt hatten, leben sick^nnn in den verschiedenen Kulturen verschiedenartig ans. Die Soldans sind^Vor- kämpser der individuellen Weltanschauung, die im 17. Jahrhundert heraussteigt, beteiligen sich als gemütvolle Aufklärer ast den pädagogischen Bestrebungen der Zeit und nehmen als künstlerische Naturen die ästhetische Wirksamkeit des Herder und Schiller mit voller Anteilnahme auf. Wohl regt sich in einem von ihnen, der den romantischen Ideen sich zuneigt, noch ist der Jugend, das Künlerblut, ein anderer fällt gar wohl auch wieder dem — 280 Liedaktton: Ernst Heß, — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'Wen Universitäts-Buch- und Steindruckerel. R. Lange, Gichen. srud rviften^chaft. — Dänische Kunst des 19. Jahrhunderts von Emil Hannover. Mit 120 Abbildungen. Verlag von E. A. Seemtznn in Leipzig. Preis in Leinwand kart. Mk. l.'5O. — Obwohl die dänische Kunst 'im 19. Jahrhundert der allgemeinen europäischen Entwickelung parallel verläuft, so finden sich doch bei näherem Ansehen besondere national gefärbte Erscheinungen, hie den eigentümlichen Geist des kleinen Jnscllandes offenbaren. Schon die Namen Carstens und Thorwaldsen bezeichnen die Bedeutung. dieser einen Stimme in dem europäischen Kunstkouzert; aber die Klangfarbe der Bilder von V. Hammershoi, S. Kroyer u. a. Magisches Quadrat. Nachdruck verboten. ___________ In die Felder nebenstehendeic Quadrates sind I । die Buchstaben A A BB E E E E E LLL L L B R —|------ derart einzutragen, daß die wagerechten und senk- rechten Reihen gleichlautend Folgendes bedeuten: —j--l. Fluß in Deutschland. |______ 2. Person aus einem Shakespeare'schen Drama. I 8. Ein Spielzeug. __l.___— 4, Einen Baum. Auslösung in nächster Nummer. Auflösung des Bilder-Rätsels in voriger Nummer» Zigarrenabschneider. längst von den Vorfahren abgeschworenen Katholicismus a»hnw j K Ken Lagen der Romantik, aber als echte Sohne des 19. Jahrhunderts wenden sie sonst alle ihre Veranlagung nunmehr archao- loaisch-historischen Studien zu, kämpfen rn gesanchtlcchcu Dar- i stelluugen mannhaft für ihre protestantischen ideale und ver- i lieren 3and) den derben streitbaren Geist nicht. . Die Plastischen | und bildnerischen Fähigkeiten äußern sich rn zerchnerrschen ux= | lenken und fvenden sich im Jahrhundert der Naturwrssenschasten den | mathematischen und dann auch den Physlkalischen Wrssmschaften | ru Noch immer kreuzen und mrschen srch religiöse und künst- | Eerische Antriebe zu interessanten Persönlichkeiten und durch der | modemen Zeiten neuen Geist leuchtet uralter Vergangenheiten I Vermächtnis. Sie wären so wohl auch einer dichterischen Epopöe | wert, die Soldans, diese Kinder des alten , Türken aus den | Kreuzzügen und zugleich doch immer ihrer eigenen Jeu. j /P# -x/». | Den ersten Schulunterricht bei den Regern von Logo beschreibt K. Fies anschaulich _tn der „Deillschen Koloiiialztg.": Mit der Tafel auf dem Kopfe und dem Gciflel im Wollhaar Marschieren unsere afrikanischen Mifanger zur Schule, wo sie bald an der Sand der Ewefibel mit den Buchstaben des' Alphabets Bekanntschaft Machen. Inden fünfzigeri Jahren wur^ noch ohne Fibel unterrichtet, die Missionare pflegten ihre Schüler tat die Wandtafel zu stellen und ihnen die Buchstabeil der Schreib- und Druckschrift dorzuschreiben bezw. vorzuzeichnen und zu erklären. M war ein großer Fortschritt, als einige Jahre i später die von Missionar Binder ausgearbeitete Ewefibel iii heu Schulen zur Einführung gelangte. Die späteren Au lagen wurden durch die Resultate der fortgesetzten Sprachforschung ergänzt und verbessert. Die letzte neue Ausgabe der Ewefibel, die vor einigen Monaten in einer Auflage von 10 000 Exem- I Mären nach drüben geschickt ivürde, hat Mtssionar, Flothmeier | besorgt. Das Büchlein ist vorzüglich ausgefallen. Die Lesestoffe | sind glücklich gewählt, ebenso die Bilder!. Eine besondere Fremde Werden unsere AW-C-Schützen an den Bildern unseres deutschen Kaiserpäares und des Kronprinzen haben. „Unsere Anfänger I haben es nunmehr leicht, sich die Künst des Lesens anzueignen. Der Anschauungsunterricht, welcher iiN ersten Schuljahr als ib esoltderes Fach au stritt, dient den Uebungen tut Sprechen Es werden Beobachtungen aiigestellt von Gegeiiständen 'n Schul:, Haus und Umgebung, voll Tieren und Wanzen, über Beschasti- mmgeit der Menschen usw. Nun folgt eine Wiedergabe dessen, was beobachtet ivurde, in korrekten Sätzen, die erst von einzelnen und dann im Chor gesprochen werden. .Da wir in Astika noch feilten Schulzwang haben, und viele heidnische Eltern von der Nützlichkeit einer Schulbildung ihrer Kinder noch nicht überzeugt sind, so liegt es auf der Hand, daß wir nicht nur zu Beginn | des Schuljahves neue Schüler ansnehmen können, sondern solche iäufnehMeN müssen, wann und wie sie kommen. Daher metet gerade die Klasse des ersten Schuljahres ein recht buntes Bild. Um diese Spätlinge, die tut Laufe des Jahres eintreten, wirksam zu fördern, ohne daß der Unterricht in der Klasse darunter leidet, werden fleißige Mitschüler als Monitoren„benutzt. .Es sieht drollig ans, wenn draußen aus dem Schulhof unter einer Palme oder einem Mangobaum solch ein achiMriger kleiner Knirps einem 18- oder 16jährigen strammen Jüngling int strengen Schulmeisterton die Kenntnisse der Buchstaben und die Kunst des Buchstabierens' beizubringen sucht. Manch einer springt natürlich ab, da es ihnen zu schwer wird, sich dem Zwang und der Pünkm jichkeit zii fügen. Ändere werden auch vdn den Eltern zurück-, gehalten und Mit Plantagenarbeit beschäftigt: denn der heidnische Neger versteht es vorzüglich, seine Kinder zu seinem! eigenen Vorteil auszunützen. Ws ich einmal einen.Heiden nach dem Grund fragte, weshalb er seinem 'Sohne die Erlaubnis zum Schulbesuch verweigere, gab er mir die Antwort: „Jetzt, da ich inei,nen Sohn groß erzogen habe, so daß er für mich arbeiten kann, jetzt soll ich ihn dir in die Schule geben und ihn auch Noch füttern? Nein, das geht nicht." Wer manch einer, der aus irgend einem Grunde aus der Schule weg- geblieben, ist später, als er sah, wie seine Kameraden es doch zu etivas gebracht hatten, wiedergekommen und hat sich wieder äuf die Schulbank gesetzt, ohne freilich das früher Versäumte sm vollen Umfang nachholen zu föimett. wird man in änderest Ländern Vergeblich suchest. Jedoch Nicht nur in der Malerei, auch in der Skulptur und Baukunst hat die kleine, aber künstlerisch mächtige dänische Nation eigne Arten aufzuweisen. Das treffliche, reich mit guten Abbildungen versehene Werk des Direktors des Kvpenhagener Kunstgewerbe^ Museums, Emil Hannover, gibt darüber eine sehr angenehm lesbare Belehrung. Die Ausstattung des Werkchens ist lobensst wett, und das Buch Verdient Beachtung aller Freunde der modernen Künst. , , _ — Die Orchideenzncht gewinnt nun auch in Deutsch-, land immer mehr Interessenten, nachdem man lange Zeit. in dev, irrigen Auffassung gelebt, daß die Orchideeifliebhäberei ein sehr kostbarer Sport für sehr reiche Leute sei, Es ist aber wirklich nicht nötig, als erste Bedingung zur Unterbringung und Unter-! Haltung der Sammlung an den Ban eines Glashauses zu denken< Es gibt genug Sorten, die ganz gut auch im 3immer gedeihen, die bei liebevoller und sachverständiger Pflege rede ausgewen-i dete Mühe durch bett jährlichen Flor ganz unerwartet großartig', belohnen. Man tut am besten, sich für den Anfang eine kleine Anzahl solcher Arten anznschafseu, die aus höheren Trope»-, regionen stammen und in sofern hohe künstliche Warme nicht er fordern. Speziell bei uns tu Deutschland lassen sich die selteumti und kostbarsten Arten züchten, und es ist bekanut, daß der König von England, der ein großer Orchideeiifreund ist, .fahrlich für viele tausend Mark Volt einer Berliner Firma bezieht, . . trotzdem die Orchideenkultiir in England viel verbreiteter ist als bei uns in Deutschland. Bei den jährlich dort ftattsiudeu-. den Versteigerungen kommen oft Neuheiten mit Preisen heraus, die man kaum glauben möchte, zumal wenu mau Erlegt, daß es' eilte Pflanze ist, für die Summen bis -zu u000 Mart gezahlt mcrbeit. ^„Welt und Haus", das für praktische Neuerungen immer stark interessierte moderne deutsche Familienblatt, seinen Lesern, die Lust und Geduld haben, zunächst einen Versuch, mit der Zucht von Orchideen int Zimmer zu machen. Der blinde König. In der „N. Fr. Pr." veröffentlicht OSkar ©ottgetreu Erimier- uimen an die Königin Marie von Hannover und ihren Gemahl, ! den blinden König Georg V.- Wie ehr dieser an keiner © - i tnaWin hing, geht au? einem von dem König selbst versaßren Ge dicht hervor, in dem er erst sein Schicksal, blind zn sein, bitter beklagt und sich dann tröstet, eine alte, tapfere und treue lebens gesährtin zii haben. Der Schlnß des Gedichts lantet. Vielleicht, vielleicht und immer nur vermuten Und immer nur ein ewiges Vielleicht. Vielleicht erlöschen jetzt der, Sonne Gluten, Indes die Nacht die Erde uberschleicht. Es glänzt vielleicht der Sterne mild Geinnkel, Ein Lampenmeer, vom Schöpfer cuigesacht. Vielleicht, vielleicht ich starre in em Dunkel Und starre ewig, ewig in die Nacht. Und nur ein Bild aus jenen schönen Zeiten Hat sorglich sich der Seele eingepragt. . Es lächelt mild und will nicht von nur welchen, Seitdem der Flor sich um die Augen schlägt. Die andern fliehen fluchtig wie die Wellen, Kein Bitten und kein Flehen halt sie fest, Nur eines bleibt ans meines Kerkers Schwellen. Ein Engel, der mich nicht verzweiseln laßt. Ich hielt eS treu, weil niiv’S nicht zu ersetzen, Ich grub eS tief in meinem Herzen em, Arm ist die Welt mit ihren Schätzen, , Ann, bettelarm! Ich nenn' Marie meml Ein jeder liebt, sein höchstes Gut zu zeigen, Und prahlt mit dem, was ihm der Himmel gibt. Blind bin ich wohl, doch such ich meines Gleichen, So lange mich Marie nur noch liebt.