Samstag den 13 April 1907 m j 0 @ Dem Irrlicht Nach. Roman von Alexander Röme r. Nachdruck verbotet. (Fortsetzung.) Sylvia ftfliib verwirrt, fast betäubt. Warnt dies Reden eurer halb Verständigen — inran konnte mitunter Ziveifel hegen an der Klarheit im Oberstübchen bei der Tante — oder was bedeuteten sie? Ihre junge, leicht erregbare Phantasie machte aber unwillkürlich einige rasche Sprünge, und ihr Herz schlug ungewöhnlich. Da öffnete sich die Zimmertüre, das Hausmädchen steckte den Kopf hereiir und meldete: „Herr Kommerzienrat läßt Fräulein Sylvia bitten, zu ihm hinunter 51t kommen. Der Herr ist in seinem Arbeitszimmer." „Papa? WaS mag er von mir wollen?" sagte Sylvia, sich mübfanl sammelnd und halb erschreckt. ES wandelte sie ein Gefühl an aus ihrer Kinderzeit, wenn sic tvegen begangener Unarten zum Pater zitiert worden, und in heilloser Augst dem Gebote gehorcht hatte. Es war dann meistens nicht so schlimm mit der Strafe geworden, aber des Vaters Art setzte rwgemessenen Respekt. „Ja, was mag er von dir wollen?" wiederholte Frau Zer- nial mit finsterem Stirnrunzelu. Auch sie vermutete nichts gutes. „Dir rioch einmal sagen, daß du ein armes Mädchen bist? Laß dich aber nicht einschüchtern." Sylvia warf die Malschürze ab und zupfte ihr Kleid vordem Spiegel zurecht. Die Gedanken flogen wirr und kraus durch ihren Kopf. Sie hörte nicht mehr, was die Tante sagte, sic kombinierte allerlei. Seit wann hatte sie angefangen zu kombinieren? 5. Kapitel, Der Kommerzienrat schritt in seinem Zimmer auf und ab, und trug eine zufriedene Miene. Es war nach seiner Meinung ein rechtes Glück, daß dieser prächtige Mensch, der Doktor Billatte, seine Augen gerade auf den kleinen Kobold, die Sylvia, geworfen. Der junge Mann hatte ihm eben wieder den vortrefflichsten Eindruck gemacht, ehrenhaft, warmherzig, gescheit. Der gehörte nicht zu dieser weichlichen, blasierten Sorte, die in erster Reihe für sich selbst höchsten Lebensgenuß anstreben, der war einfach in seinen Ansprüchen und stützte sich einzig und sicher ans die eigene Kraft. Er hatte schon etwas geleistet, im Alter von fünfzehn Jahren -angefangen zu erwerben und Eltern und Gc- schivister zn stützen. Jetzt hatte er vielversprechende Aussichten. Wenit das kleine, flatterhafte Ding, die Sylvia, ihir nur glücklich machte — aber, das war jedenfalls seine eigene Sache, er erwartete ja das höchste von ihr. Was erwartet ein Verliebter nicht von seiner Erkorenen, Er hatte ihn eben aufklären müssen über Sylvias Herkunft, hm — er hatte ja keinen Anstoß daran genommen, obgleich sein Gesicht sich veränderte, als er ihm die Mutter genannt. Ja, ja, die war keine angenehme Zugabe. Der Kommerzienrat rieb sich die Hände. Ihm kam diese Wendung der Dinge gerade augenblicklich sehr gelegen. Ihm waren allerlei Sorgen aufgestiegen in der jüngsteit Zeit: Roderich, den sein Egoismus eigentlich vor solchen, Torheiten schützeil sollte, war ihm mitunter bedenklich vorgekommen, und worauf die Stine, die schlaue Schwägerin, ihre Spekulation richtete, war ihm teilten Moment dunkel. Das hätte noch gefehlt, daß ihm zum Lohn für seine großartige Gutmütigkeit der einzige Sohn da ins Garn gelaufen wäre. Jetzt ging Roderich auf Reisen, und die kleine Sirene wurde versorgt. Sie konnte von Glück sagen. In der Stunde, Wb auch ihr neue, sie vielleicht nicht sehr erfreuende Enthüllungen gemacht werden mußten, erwuchs ihr ein kräftiger Beschützer an ihrer Seite. Seine, des Pflegevaters, Aufgabe war zu Ende. , Dazu nur wollte er noch Mitwirken, daß das einst Gelobte innegehalteu tvnrde, und Billatte mußte in dem Punkt fest sein. Eltern, welche schuftig genug waren, solch einen hilflosen Wurm fremdem Erbarmen zu überlassen und in die weite Welt zu gehen, hatten sich ihrer Rechte dem eigenen Kinde gegenüber begeben. Und er hatte damals sich nur dazu verstanden, die fremde Brut ins eigene Nest zu nehmen, seiner Frau und ihren flehenden Bitten nachgebend, unter der Bedingung, daß nie wieder Ansprüche an das Kind erhoben würden, nie wieder von einer Verbindung mit den gewissenlosen Eltern die Rede sei. Nun, sie hatten all hie Jahre hindurch die Bedingung ohne Schwierigkeit erfüllt, und sich keinen Deut um den Wurm gekümmert. Hier in seinem Hause war es liebevoll und sorgfältig erzogen worden, er hatte mit starker Hand den Zügel festgehalten, wenn seine Frau in ihrer sentimentalen Schwäche den kleinen, Querkopf, in dem mancher Tropfen gefährlichen Blutes steckte, verwöhnte. Mochte Billatte nun auch das, gleiche tun, und seine Oberherrschaft wahren. „Sieh, da bist du ja!" rief er in seinem jovialsten Ton der jetzt ejntretenden Sylvia entgegen. „Nun — wissen wir etwa schon, worum es sich handelt?" Sylvias befangenes, beklommenes Gesicht veranlaßte ihn zu bet Bemerkung. „Ich? Was soll ich wisse», Papa?" „Hm — die Mädchen verstellen sich immer so bei dergleichen Gelegenheiten, wie ich mir habe sagen lassen", meinte der alte Herr neckend. „Worauf zielt das Wünschen der Mädchen, wenn sic eben ihre Kinderschuhe ausgezogen haben? Auf das Heiraten? He?" Sylvia wurde dunkelrot. Ihre Vermutungen, Ahnungen gingen wirr durcheinander, bis in die unwahrscheinlichsten Möglichkeiten hinauf. Billatte — das iuat. ihr erster Gedanke — aber nein, sie war vielmehr der Meinung, daß er sich mit Erna zusammenfand, sie hatte jedenfalls eine Neigung für ihn — aber Roderich! Würde Roderich mit dem Vater gesprochen haben, ehe er sie gefragt? Sic wirbelte ihr Taschentuch zwischen den Händen und sah so erregt aus, daß es den alten Herrn fast jammerte. „Nun komm her, setze dich hier an meine Seite, Ritter Blaubart will dich noch nicht holen. Aber ein gewisser jemand, dem wir es auf das gefährlichste angetan haben, war eben hier —" „Eben, Papa?" Sylvia fuhr in die Höhe und sah plötzlich leichenblaß aus. — 214 — „Ja, eben — warmn erschrickst bit beim so?" Der Kom- meizieurat erhob sich ebenfalls und machte ein strenges Gesicht. „Doktor Billatte?" hauchte Sylvia tonloZ, und cs gehörte nicht viel Scharssinn dazu, um zn gefahren, das; sie dem Bewerber nicht cntgegenjnbeltc. „Was soll daS heißen, Sylvia? Du hast ja längst gewußt, daß er hauptsächlich um deinetwillen ins Haus kam. Ich habe es ost genug beobachtet, tvie du ihm entgegensprangst und dich mitunter geberdetest, als seiest du schon mit ihm einig." Der Kommerzienrat sprach ärgerlich und unwirsch. Ihm stieg der Zorn heraus. Den Fall, das; das törichte Ding sicy noch sperren und abiehnen könne, hatte er gar nicht ins Ange gesaßt. ,, „Komm zur Vernunft, und be'.mnc dich, sagte er dann freundlicher, „Doktor Billatte ist ein ganz vortrefflicher Mensch, siir dich eine brillante Partie —" „Für mich?" Sylvia wiederholte es unwillkürlich ohne weiteres Nachdenken. Ihr flog loieder Erna durch den Kvpf, und ob der Vater sür Erna die Partie vielleicht nicht brillant genannt haben würde — die Reden der Tante Cölestine trugen Hre Früchte, früher hätte sie solche Folgerungen nicht gemacht. „Ja, flir dich," entgegnete der Papa gereizt. „Ich weiß nicht, !vas dir in den Kvpf gesetzt worden ist von der Mama und neuerdings gar von dieser Taute Stine, aber das weißt du doch, das; du nicht unser Kind bist, wenn mir dich auch treu als eigenes Kind gehalten, erzogen und geliebt haben, und daß du nicht teil haben kannst am Erbe meiner eigenen Kinder, lieber deine Eltern werde ich dir noch einige Ausklärungen geben müssen, später — lassen wir das heute noch — aber soviel kann ich dir sagen, du bist dereinst ganz allein auf deine eigene Kraft angewiesen, denn von Roderich und Erna abhängig zu fein, kann dir nicht passen; das ist für keinen Menschen ein Angenehmes Gefühl. Roderich wird ohnehin reichlich das Seine gebrauchen, sich auch verheiraten, Erna desgleichen, für dich als armes Mädchen findet sich so leicht heutzutage keine bessere Partie. Das ist der nüchterne Sachverhalt, Kleine." „Papa! Ich bitte dich, halt ein!" In Sylvias Stimme klang etwas Fremdes, eine grenzenlose Bitterkeit und tief verätzter Stolz. Den Kommerzienrat beschlich ein dunkles Gefühl, | als sei er reichlich rücksichtslos Vorlegungen. Diese Frauenzimmer waren eine so empfindliche, schwer zu behandelnde Menschensorte, und er saß zwischen ihnen eingezwängt, wie es ihn dänchte. Hol's der Henker, es verlangte ihn nach einem freien Atemzug. Er hatte sich dummerweise ein paarmal schon das Seil über die Hörner ziehen lassen. Damals als die hübsche Friederike Stern es ihm antat, obgleich er wußte, daß ihr früherer Verlobter sie verlassen hatte und mit ihrer Schwester durchgegangen war. Vernünftigerweise war da nicht zn erwarten, daß sie dem Treulosen noch nachseufzen werde. Aber wer kennt die Weiber aus. Später war es ihm ost so vor- gekommen, als fei er nur der Lückenbüßer gewesen, an dem ihr Herz nie hing. Das bewies auch noch die Tatsache, daß sie dieses fremde Kind viel heißer liebte als ihre eigenen. Die wären nun, gottlob, die Erna ganz besonders — sein richtig Fleisch und Blut, auch Roderich kam schon zur Vernunft, er stand nur in den Brausejahren. „Las; uns vernünftig reden," begann er, sich gewaltsam zur Ruhe zwingend, „du kennst mich und weißt einmal, daß ich nicht zn den Zarten und Sentimentalen gehöre. Mit Süßigkeiten bist du auch genug gefüttert worden. Das liebe Brot aber, das «daneben nicht zu entbehren ist, habe ich dir ftnmer geliefert, und versorge dich auch ferner damit, so lange ich lebe. Aber ich gönne dir von Herzen ein bißchen mehr als das. Was hast du denn gegen Doktor Billatte einznwenden? Er ist bis über die Ohren in dich verliebt." „Ich — ich — ich kann ihn nicht heiraten, Papa." „Und warum nicht?" „Weil — weil ich nie daran gedacht habe, daß er mich liebte, weil — ich eher glaubte, daß —" „Was?" Des Vaters barsche Art war nicht dazu angetan, zarte Geheimnisse herauszufordern, und doch witterte er solche, und hätte sie um jeden Preis gern gewußt. — Sylvia schwieg jetzt ganz verstockt. „Bon solchem Unsinn, daß du- die Partie ausschlagen könntest, will ich noch nichts wissen," sagte der Kommerzienrat, „ich habe dich vielleicht erschreckt, die Sache ungeschickt an- gesange», geh auf dein Zimmer, besprich dich mit Erna —" „Mit Erna?" Sylvias große Augen drückten ein seltsames Erstaunen aus. „Jo, mit Erna. Die ist verständig und hat der» Kbps nicht voll von Hirngespinsten. Die wird dir auch sagen, das; d» dein Glück mit Füßen von dir flößest, wenn du zu diesen! Antrag nein sagst." Sylvia beugte den Kops, drückte ihr Taschentuch an bie Augen und ging zur Tür. Hätte Doktor Billatte mehr Menschenkenntnis gehabt und seinen Vermittler in dieser delikaten Sache richtiger beurteilt, er hätte wohl nimmer jenen bedenklichen Weg eingeschlagen, um zu seinem Glücke zu gelangen. Der Kommerzienrat blieb selbst in unbehaglichster Stimmung zurück. Und was er seinem Liebling Erna damit antat, wenn er Sylvia mit ihrer Angelegenheit an sie verwies, davon hatte er noch keine Ahnung. Sylvia stürmte die Treppe hinaus. Unterwegs schon brachen ihre Tränen, welche der Stolz znrückgedrängt hatte, nngesesselt los, sie hörte und sah nichts, was nm sie her vorging, und prallte gegen jemand an, der ihr gerade entgcgeukam. Sie fnhr zusammen, blickte ans und in Roderichs fragendes Gesicht. , „Ra — was ist denn nun los? Was hat man dir getan?" Es war znviel für die arme Sylvia, ihr leidenschaftliches Gemüt brach fich Bahn. „Roderich!" flüsterte sie, „Roderich! Kann ich allem mit dir sprechen?" Roderich sah sich spähend um. Es war niemand von der Dienerfchast auf dem Flur. „Ist Erna oben?" fragte er halblant. Sylvia nickte. Sie wußte, daß Erna sich UM diese Zeit zn Mittag ankleidete. „Und bei Mama ist Besuch," raunte Roderich, „da mußt du schon in mein Zimmer kommen, ich verriegle die Tür, so .sind wir vor Ueberraschung sicher." Sylvias Fuß stockte einen Moment, ehe sie die Schwelle überschritt. Vor wenig Wochen i,ock; hätte sie fich gar nichts dabei gedacht, mit Roderich in sein Zimmer zu gehen, heute — mit deiu, was in ihrer Seele wogte, fühlte sie, das; es nicht passend sei. Aber es erschien ihr als ihre einzige Rettung, wenn sie sich in Roderichs schützende Arme werfen konnte. Es packte sie eine grenzenlose Sehnsucht, an seiner Brust Trost zu suchen, Trost und Glück. . Er sah zärtlich auf sie herab. Sie war reizend in ihrer leidenschaftlichen Hingabe, in ihrem hilflosen Anklammern. Der Moment überwältigte auch ihn. Er wußte vielleicht nicht ganz genau, was er tat, als er ihr Antlitz mit heißen Küssen bedeckte und sie mit inbrünstiger Glut in seine Arme preßte. Sie besann sich zuerst und waud sich errötend ans seiner Umschlingung los. , „ „Roderich I" stammelte sie, „ich bin fassungslos, ratlos, schutzlos — der Vater — o, er war entsetzlich — er sagte mir, daß ich Doktor Billatte heiraten solle." „Doktor Billatte!" in Roderichs Ansruf lag aufbrausende Heftigkeit; „der Duckmäuser, er hat es also gewagt, um dich zu werben. Und beim Vater — dir selbst ist cr mit seinem Antrag nicht gekommen?" „Ich sah ihn noch gar nicht — Papa ließ mich rnfen — „Hah! Also auch feige ist der hochtrabende Herr, na — du hast natürlich fofort Papa deine Meinung gesagt." Roderich hatte Sylvia ans die Ottomane gezogen, und saß rieben ihr, ihre Hände noch in den f einigen haltend. „Ja — aber Papa war seyr böse, und — et sagte mir, ach, mit so harten Worten, das; ich hier die Fremde und in der Welt allein auf mich angewiesen sei. Ach! Roderich, es war fürchterlich. Aber du bist da — zu dir gehöre ich — du wirst es dem Vater sagen, daß wir Sie schmiegte ihren heißen Kopf noch eimnal an feine Brust, und er strich sanft, aber kühler und bedächtiger als vorhin über ihre Locken. „Beruhige dich erst, Herzchen, mein Gort, davon kann ja gar keine Rede sein, wer wollte dich wohl wider deine Neigung zu einer Heirat zwingen. Natürlich wird Papa das ein- sehen und — darauf kannst du dich verlassen — ich lege dem Herrn Doktor das Handwerk — er soll dick) hier im Hause nicht wieder belästigen, auch wenn ich fort bin." „Roderich! O, du gehst nicht fort, versprich es mir in dieser Stunde, daß du nicht fort gehst, ohne mich mitzunehmen. „Aber, Schatz! Sylvia, Kind, dich mitnehmeu, wie wäre das möglich." In Roderichs Gehirn wirbelten auch bunte GeDieses süße Geschöpf, welches er in seinen Armen hielt, ein heißer Strom ging von ihr aus uud entzündete auch fein Herz. Vielleicht hatte er sie schon lange geliebt, ohne cs zn — 215 — Wissen. Sie war ja Nicht seine Schwester. Der Gedanke, sie mit sich sortzunehme», sie ganz zu eigen zu haben, berauschte ihn. Aber in seinen nächsten Ziikunstspläneu war kein Raum für ein Weib, die hemmte ihn in seinem freien Flug. Ja, wenn er ein anderer wäre, als der er war, und hier in des Vaters Comptoir seinen Platz nach dessen Wünschen eiNnahm, unter den Zahlen vegetierte, dann wäre solch ein süßes Weib an seiner Seite Erquickung in der Oede des Daseins. Da wäre er bereit, um ihrettoillen auch Hemmnisse zu überwinden rind Kämpfe zu bestehen, wenn sie nicht zu umgehen waren. Aber ihn lockte anderes. In Paris, wo er seiner Kunst zu leben gedachte, wo er sich hohe Ziele vorgesteckt, bedeutende Berbiit- bindungeu und Ruhm zu gewinne» hoffte, da konnte er keine Schlinge um seinen Fuß gebrauchen. Und da saß sie vor ihm, und starrte ihnr so angstvoll, so flehend in das Gesicht. „Warum sollte cs nicht möglich sein, wenn du mich liebst," sagte sie leise; „Papa Lut dir schließlich allemal beineit Willen, ach, Roderich! Jetzt weiß ich, was Liebe ist. Deine Küsse haben es mich gelehrt, Liebe ist etwas Gewaltiges, Großes, Göttliches — tag cs mir Roderich — du fühlst cs auch." (Fortsetzung folgt.) Milder aus dem rumänischen Waneruü'öen. Mag cs den energischen militärischen Maßnahmen der rumänischen Regierung auch gelingen, der augenblicklichen aufständischen Bewegung bald Herr zu iverden, so werden doch mit deren Beseitigung nicht auch die ihr zu Grunde liegenden tieferen llr- sachen aus der Welt geschafft werden. Schon die Tatsache, daß ein unterdrücktes Volk in solchen Massen und mit solcher, fast möchte man sagen, elementarer Gewalt sich gegen das Judentum wendet, müßte den Staatsmännern und der Presse hüben wie drüben der Donau zu denken geben und sie veranlassen, einmal dem wahren Grund für die Bauernreyolte uachzüspüren. Statt dessen gefällt man sich in Verdrehungen und Beschönigungen und sucht die Schuld für die unsagbar traurigen Zustände lediglich den Großgrundbesitzern und Bojaren aufznwälzen. Wie liegen nun aber die tatsächlichen Verhältnisse? Zunächst sind die Bojaren oder Fürsten überhaupt kein Adel in unserem Sinne, da 3iuntäniyt den erblichen Adel nicht kennt. Die zahlreichen rumänischen Fürsten, die als solche vielfach int Auslande leben und sich nicht immer einwandsfrei dort führen, stammen überhaupt nicht aus Rumänien, sondern sind meist griechischer Herkunft. Mer ihr Fürsteutitel stammt auch nicht aus Griechenland, da das Volk der Hellenen einen Adel ebenfalls nicht kennt. In ihrem Besitz befinden sich vielfach die rumänischen großen Güter, Mer sie bebauen sie nicht selbst, sondern ziehen es vor, ei» liederliches Leben in Bukarest oder im Auslande zu führen und ihre Geschäfte durch die Juden besorgen zu kassen. Und diese Juden — meist aus Galizien oder Ungarn eingewanderte Jtrden von ganz besonders feiner Qualität — besorgen die Geschäfte der Bojaren nur allzu gut, natürlich in ihrem Sinne. Sie treten als Großpächter auf, kümmern sich aber nicht um die Bewirtschaftung, sondern parzelliereit das Land, geben es weiter in Pacht, und diese Pächter schließen nun wiederum mit Unterpächtern neue Verträge. Bon. solchen erst erhält das Land der rumänische Bauer zur Bewirtschaftung. Ans diese Weise sind nicht weniger als 915 Güter in den Händen fremder Pächter mit einem Pachtareal von 855 687 Hektar. Die Bauern sind lediglich Sklave'» dieses landwirtschaftlichen Pachtsystems, sie müssen, wäh- rend der Großpächter nur 15 bis 20 Franken für eine Falce (1.43 Hektar) bezahlt, 60, 70, ja 80 Mark an Pachtzinsen entrichten. Das Teuflische aber in diesem System besteht ferner darin, daß der Bauer mit seilten Knochen die Pachtsumme an den Juden zu zahlen hat. Wie da Arbeitsleistung bewertet wird, mag man ersehen, daß der Bauer für je 1 Falce Pachtgeld 1 Falce Saat ein- zuernten, eine halbe Falce Matsland ztt pflügen oder zu hacken, und außerdem noch 20 Tagewerke strenge Arbeit ztt verrichten hat. Man beachte ferner, daß für den Judett die gesetzliche Festlegung einer Falce auf 80 Prajines, bei der Verpachtung für bett Bauern nur zu 40 bis 50 Prajines gerechnet wird, während für die Arbeitsleistung der Baucrtt 100 bis 120 Prajines in Anrechnung gebracht sind. Genau derselbe Betrag findet bezüglich der Viehweiden statt, die der Bauer, wenn er sie nur einigermaßen ausnutzen will, infolge der wucherischen Auslegung der Pachtbestimmungen anstatt einmal dreimal zu bezahlen hat. Daß unter solcheit Verhältnissen die armen und ungebildeten Bauern in einer surcht- baren Notlage lebe», ist klar. Sie, die im Schtveiße ihres An- gesichts bett Boden bebauen und das Vieh auf bett Weiden hüten, haben weder ordentliches Brot, um ihren Hunger zu stillen, noch Milch zur Ernährung ihrer Kinder. Es ist geradezu unglaublich, daß i» diesem so überaus sruchtbarett Lattde tausende vott Bauern überhaupt feilt Brot zu Gesicht bekommen, sondern nur scheußliches, verdrecktes, stickiges Mehl. Dieses erzeugt jenes seltsame menschliche Leiden, die Pellagra, die besonders die rumänischen Landletite befällt, sich in Jucken der Haut, in Rot- Werben derselben äußert, den Darmkanal, das Nervensystem ergreift, jede Tätigkeit verhindert und in vielen Fällen zur Tob- S und zum Irrsinn führt. Der Krankheit wird weiter chub geleistet durch die überaus schlechten Wohnungen, in denen die Bauern leben. Von allen Häusern in den rumänische» Dörfertt sind nach amtlicher Statistik 74 665 aus Stein oder Ziegel, rund 300 000 aus Holz, rund 590 000 aus Lehm. Etwa 56 000 Familien leben als Troglodyten in elenden Höhlen. Wenden wir tuts ituit den landwirtschaftlichen Verhältnissen int einzelnen ztt unter Zugrundelegung des Werkes von Bergner „Rumänien". — Dieser vorzügliche Kenner des Landes, besonders der Landbevölkerung, der ebenfalls energisch den Standpunkt vertritt, daß in der Hauptsache die Juden für die trau- rige.it Verhältnisse verantwortlich seien, führt als andere Gründe »och den mangelhaften Betrieb der Bodenkultur au. Die Düngung ist fast noch int ganzen Lande unbekannt, Dünger und Stroh werden einfach verbrannt. Ist die Ernte vorüber, so bient der Bodett als Weide, von einer Stallfütterung ivill man im Lande nichts wissen; an den wenigste» Orte» trifft man Ställe, in der Regel bleibt daS arme Bich den ganzen langen, eisigen, strengen Winter über im Freien. Seine Nahrung besteht währenddem aus im Sommer zusammengerafftem oder zusammenge- kaustem Kukuruzstroh; ist dieses aufgezehrt, bann,mag es nur getrost den Schnee wegscharren unb sich kümmerliche Nahrung suchen, loozu hat es denn Füße! Bleibt ja. einmal Stroh und Heu übrig, so wirb cs bei eintretendem Frühjahre — vielleicht gar wegen Platzmangel; so iverden vielleicht die Rumäne» sage» — einfach verbrannt. Die Wirkung eines derartigen Verfahrens ist leicht cinzuschen: jährlich verhungern und erfrieren nicht nur junge Schafe, sondern auch alte, sowie Hornviehstücke, alle Rasselt aber fiitb degeneriert, und das rumänische Vieh läuft mithin Gefahr, gänzlich wertlos zu, iverden. Mit der Grausamkeit paart sich die Gewissenlosigkeit. ,@in Grundbentzer cm der unteren Donau ließ beispielsweise trotz der bevorstehenden FrÜhjahrsüberschwemmungen der Stromniederungen sein Vteh nicht von dort wegtreiben; das Resultat bestand darin, daß 500 Stück Hornvieh in den Fluten umkamen. Eine beachtenswerte Milch- und Käsewirischast kennt man in Rumänien nicht, man kennt auch itt dem Lande, wo Spargel und Spinat wild wachsen unb das Klima allen anderen litt- ternehmungen günstig ist, keinen Gemüsebau; kämen nicht die Bulgaren, die ausgezeichnete Gemüsebauern sind, so würde man int ganzen Lande keinen Salat und keine Möhre fütbett. Die Obstbaumzucht, die eine Zeitlang aufzublühen schien, ist beinahe vollkommen nntergegangeu, ebenso die Leinkultur. Traurig steht es au ch um die Bienenzucht. Rumänien, dessen moldauische Pferde einst für die preußische und österreichische Kavallerie gesucht waren und schon in dem Kriege Friedrichs des Großen und Napoleon I eine hervorragende Rolle spielten, züchtet heute kleine, unermüdliche und behutsame Pferde, die aber nach unserem Gewährsmanne zunt Ziehen großer Lasten unbrauchbar geworden sind. Schöne Herden Vieh findet man besonders in den Bezirken Doruhoiu, Bewsani und Falciu, kurz itt den Pruthnicderungen, wo das üppigste, saftigste Gras den Rindern bis an den Bauch reicht. Das Schwein ist eine Art kleines Wildschwein, sein Fleisch kann ausgezeichnet genannt werden, ebenso das des Hammels. Besonders liefert die Tsigay-Rassö so vorzüglichett Braten, daß die Sultane nur von ihr leben wollten;’ vorn Federvieh fallen besonders die stattlicheit unb zcchlreicheu Truthühner auf. , Suchen wir nunmehr das rumänische Landvolk auch nach der mehr heiteren Seite kennen zu lerne». Die Musikinstrumente des rumänischen Landvolkes kamt man nach A. % Odo- bescu itt drei Klassen gruppiere», in Saiten-, Blas- und Schlaginstrumente. Erstere sind durch die Geige (Viola, Laut» oder Dibla) und die Cobza oder dreisaitige Mandoline repräsentiert. Unter den VlasinstrUmenten finden wir die Dudclsackpfeife —> daS Lieblingsinstrument der itt Rumänien ansässigen Bulgaren — daun den Buciüm, eilt großes Horn ans Kirschbaumholz, die Flurier, eilte Art Flöte oder Flageolett, den Caval, eine Oboe mit gedämpftem, futitnieubent Ton, und die Tilinga oder Pseife; diese Jnstrnmcnte benützen vornehmlich die Gcbirgshirten, die ihre lange» Mußestunden mit Musik erheitern. Endlich ist hier noch die Pansflöte, rumänisch Naiu ober Museal, zu erwähnen. Das Schlaginstrument, das mau in bett Orchester» der jüdischen Bevölkerung und bei den nomadisierendem mit Tanzbären umherwandernden Zigeunern des Landes findet, ist die Daira oder baskische Trommel. , _ Das gewöhnliche rumänische Festorchester in der Stadt tute auf dem Lande ist von Zigeunern zusantmengewtzt. Bet,diesen lebt das Gewerbe der Lautari oder Musiker von Generatioit zu Generation fort. Eine rumänische Lautaribaude besteht mindestens ans drei Mitgliedern; der Führer spielt die Geige und gibt die Melodie, der Cobzaspielcr begleitet ihn, gibt den Takt auf den Saiten seines Instrumentes an unb singt dabei, wen» mit der Melodie ein Gesang verbunden ist, der dritte spielt die Pansflöte, mittelst welcher er der Arie mehr oder weniger quiekende Koloraturen hiuznsügt. Jede Schenke in Rumänien hat ihre Lautaribande, die mit ihren Gesängen und Waisen die sonn- tinb festtägige Muße abkürzt. Die Dorfbewohner versammeln sich dann dort, nm die tanzende Jugend zu sehen und den mehr ober minder leidenschaftlichen oder 218 munteren Arien der Zigeunerküustlee zu lauschen. Die Tänze des rumänischen Volkes sind sehr zahlreich und die Melodie zu deren Begleitung noch mehr, denn die Lautari komponieren deren stets neue für die bekannten Rhythmen. Der Haupttanz ist die Hora, der Chorus der alten Römer. Die Arme gegenseitig über die Schulter geschluilgen bilden Tänzer und Tänzerinnen einen großen Kreis, und nach einer eigentümlichen eintönigen, dabei aber leidenschaftlich wilden Melodie bewegt sich der Kreis rhythmisch bald na chrechts, bald nach links, während der Vortänzer, — wenn man diesen Ausdruck gebrauchen darf — in gewissen Pausen die Strophen eines Liebesliedes deklamiert, dessen Refrain unter kräftigem Fuß- stampfeir von allen uachgesprocheu wird. Nebst dem Hora- tianze gibt es eine große Menge lebhafterer Tänze, deren Leder seinen besonderen Namen, eigene Musik und seinen mehr oder minder lebhaften choreographischen Charakter besitzt; fast alle diese Tänze werden im Kreise oder Halbkreise getanzt. Die Tanzenden halten sich an den Händen oder am Gürtel. _ Cs gibt Tänze, wie die Chindia oder die Zoralia, wo die kleinen zierlichen Schritte der Tänzerinnen sich mit unbeschreiblicher Grazie aneinanderreihen; wie „ca la usa cotului" (An der Türe des Zeltes), „d'a brau" (Mit dem Gürtel), „biru greu" (die Frohne ist hart)' usw. begleiten die Tänzer die Bewegungen mit mannhaft energischen Gestikulationen, oder man stampft den Boden im Takte, nm so den symbolischen Sinn des Tanzes besser zum Ausdruck zu. bringen, der den malerischen Namen „cum se bäte Dunarea" (Wie sich die Donau wiegt) führt. Unter beit. Volkstänzen, die sich wegen ihrer Originalität und Anmut am meisten auszeichnen, muß noch die Mocancuta, der Gebirgstanz genannt werden, der zu Zweien — Mann und §ran an den Händen sich haltend — getanzt wird, und dessen chritte und Stellungen sich der italienischen Tarantella nähern. Endlich ist noch der interessante Caluseri-Tanz hervorzuheben. Jedes Frühjahr, meist im April, organisieren sich in mehreren. Dörfern Banden von 7, 9 oder 11 jungen Männern, die sich, in ihre schönsten Anzüge gekleidet und mit toten Bändern und Tüchern geschmückt, auf 40 Tage in entfernte Orte begeben und dort einen Tanz eigentümlichen Charakters anfführen. Einer der Tänzer trägt eine Fahne voran und führt die Bande, ein anderer gelobt, während der ganzen Exkursions- dauer kein einziges Wort zn sprechen, es ist der Stumme (Mutu) der Truppe. Der Tanz der Caluseri trägt einen bemerkenswert männlichen und heidenmäßigen Charakter: die Tänzer führen mit ihren Stöckeil Scheinkämpfe auf, machen die abenteuerlichsten Bewegungen und Sprünge und stoßen verabredete Rufe aus. Während ehemals in bett rumänischen Städten jede gewerbliche Körperschaft, die Bojaren, die Beamten, die Kaufleute, die Handwerker ihre herkömmliche Tracht hatten, trifft man heute nur noch bei den Bauern eine eigentliche Nationaltracht. Die Männer tragen hier und da Stiefel (Cisma), am häufigsten aber die originellen Bundschuhe oder Opineen, aus ungegerbtem Sohlenleder bestehend und mittels einet Bandage den Fuß umfangend. Datau schließen sich weite Unterbeinkleider, gehaltett durch einen einfachen Bund, einen rotwollenen Schal (Brau) oder auch einen Lebergurt. Das Hemd. (Camasa) hängt kittelartig über die Beinkleider herab, ist in bet Regel schön schwarz oder rot gestickt und bildet den Stolz des Mannes; eine kurze, ärmellose Jacke mit bunten Tnchstreifen (Jlicu), ein langer Rock (Haina oder Suba) und im Winter ein kurzer Lammpktz (Cojoku), bereit Wolle bei Regen nach Außen gekehrt wird, vollenden den Kleiderreichtum. Bei den Frauen sind gleichfalls die Opincen gebräuchlich, die Stickereien des Hemdes dürfen von der ärmellosen Sommerjacke nicht verdeckt werden, nm die Hüften liegt die Zevelca, darunter die Schürze (Catrinta oder pestelca); bei beit Mädchen umschließt wohl auch ein zehn Ellen langes Band die Hüften. Die wahre nationale Kopfbedeckung der Bäuerin besteht aus einem weißen baumwollenen, drei Ellen langen und beiläufig eine Elle breiten Tuche, das sie an den Werktagen trägt, und aus einem für die Festtage bestimmten, etwas größeren Schleier aus roter, gelber oder weißer Seide, die sie aus den Cocons der Seidenwürmer erhält, selbst spinnt und selbst webt. Dieser Schleier (Carpa, Marama ober Propoda genannt) ist oft so fein, so prachtvoll mit Blumen und Verzierungen von weißer, etwas gröberer Baumwolle durchwebt, daß er allgemein und in allen Ausstellungen bewundert Wirb. Die Bäuerin wickelt diesen Schleier leicht um den Kopf und um das Kinn und schlägt die beiden Enden über die Schultern. Bei Städterinnen in Nationaltracht wallt der Schleier theatralisch den Rücken herab...... Walther Spanholz. Vermisstes. ** E i n e. S ch w e b e b a h n a u f d e n M o n t B l a n e plant nach dem Prometheus (Verlag von Rudolf Mückenberger in Berlin M 10) der schweizerische Ingenieur Feldmann, der auch die Schwebebahn auf das Wetterhorn, die in kurzer Zeit vollendet sein wirst, euiworfen hat. Der Entwurf sieht ein« Schwebebahn vor, da deren Anlagekosten erheblich billiger werden als die einer gewöhnlichen Bergbahn, bereit unvermeidliche Tunnels die Anlage sehr verteuern. Dazu kommt noch, daß die Tunnels, z. B. bei der Jungsraubahn, die Aussicht —, und auf diese kommt es bei einer Bergbahn doch sehr an —i fortwährend behindern und stören, während bei einer Schwebebahn die Aussicht auf der ganzen Strecke imbehindert ist. Nach dem Feldmanuschen Projekt soll der erste Teil der Linie von Chamonix (1220 Meier) bis zur Haltestelle Glacier des bosfons (2460 Meter) als Seilbahn in bet gebräuchlichen Weise ausgeführt werben. Die Iva gerechte Länge dieser Strecke beträgt bei dem Höhenunterschied von 1414 Meter 8615 Meter, die Steigungen wechseln von 10,6 Prozent bis zu 65 Prozent. Vom Glacier des bossons soll dann bis zur Aignille du midi die Schwebebahn geführt werden. Im Gegensatz zu der bekannten Schwebebahn Barmen-Elberfeld sollen aber die Wagen nicht auf einer festen Eisenkonstruktion, sondern auf starken Drahtseilen laufen und durch Zugseile bewegt werben. Die Tragseile sollen 44 Millimeter Durchmesser erhalten und eine Bruchfestigkeit von 300 Tonnen besitzen, während die ständige Gewichtsbelastung durch den 20 Personen fassenden Wagen nur 30 Tonnen betragen soll. Da zwei Tragseile vorgesehen sind, würde also beim Bruch eines Seiles das andere den Wagen noch mit fünffacher Sicherheit tragen. Der Antrieb der Zugseile wird durch die in einer Kraftstation aufzustellenden Elektromotoren bewirkt. Die Baukosten dieser Bahn berechnet Feldmann auf etwa vier Millionen Franks, die Bauzeit wird auf vier Jahre veranschlagt. — Wogelsch u tz. Den Nutzen von Hecken und Gebüschen als Schutz gegen austrocknende Winde und verheerende Stürme, als Wohn- und Niststellen unserer nützlichen Vögel darf niemand zu niedrig auschlagen, der sein Buschwerk einer „Verkoppelung" zum Opfer bringen Will. Wo freilich die Verkoppelung große wirtschaftliche Vorteile verheißt, da wird der Natur- und Vogelfreund vergeblich seine Stimme erheben. In solchen Fällen sollte aber wenigstens ein Ersatz für die den Vögeln verloren gegangenen Wohnstätten geschaffen werden! Jede Gemeinde, jedes große Gut hat Stellen, die infolge minderwertigen oder ft einigen Bodens brach liegen und billig zu erwerben sind. Ein ober zwei Morgen solchen Landes werden mit einzelnen Eichen und Föhren und reichlichem Unterholze, wie Schlehe, Weißdorn, Hainbuche, Vogelbeere usw. aufgeforstet und mit einer zehn Fuß Breiten, undurchdringlichen Hecke wilder Rosen eingefriedigt. Welches Paradies für unsere Säuger! Die überall verbreiteten Tier- und Vogelschutzvereine, die Heimat- und Dürervereine sollten sich die Errichtung solcher Bogelafyle mit zum Ziele nehmen und !die Grundstücke den Gemeinden als unveräußerliches Eigentum schenken. Dann könnten wir hoffen, die Reste unserer einst so reichen Vogelwelt unseren Enkeln zu überliefern, während sonst die „rationelle" Forstwirtschaft und Bodenkultur nicht viel übrig lassen wirb. Alliigyptische Hieroglyphe«. Machdruck verboten. (Jedes Bild bezeichnet den Anfangsbuchstaben feines Namens, z. B. Sonne — f, Glas — g, etc. Die Vokale sind zu ergänzen.) Auflösung in nächster Nummer. Auflösung des Rösselsprungs aus voriger Nummerr Glück ist wie ein Sonnenblick, Niemand kann's erjagen, Niemand von sich sagen, Daß er henk' und eine Frist Ohne Wunsch und glücklich ist. Glück ist wie ein Sonnenblich Erst, wenn es vergangen, Erst in Leid und Bangen Denkt ein Herz und fühlt es klar, Daß es einmal glücklich war. Greif. Redaktion: Ernst Heß. — Rotationsdruck und Verlag bet Brühl'sehen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, 8t» Lange, Gieße«,