1807 A H I MR Der J-all KarneLt. Novelle von Reinhold Ortmann. Nachdruck verboten. (Fortsetzung.) Viertes Kapitel. „Nein — nein — nein! — Und das ist ja auch Heller Wahnwitz! — Morton Rayward ist der beste aller Menschen und er liebt seine Tante wie eine Mutter. — Sie dürfen diesen Artikel nicht erscheinen lassen, Mr. Comstock, denn Sie würden damit eine fürchterliche Schuld auf Ihr Gewissen laden." „Der Druck des Blattes, das den Aufsatz enthält, wird in einer Stunde beginnen, Miß Barrymore! — Wenn Sie also in der Lage fein sollten, mir irgendwelche Mitteilungen zu machen, die Mr. Carters Informationen und Vermutungen Lügen strafen, so müßte cs auf der Stelle geschehen." Es war nur noch ein kurzer Kampf, den Margaret mit sich selbst zu bestehen hatte. Vor dem Entsetzen über das schreckliche Verhängnis, das sie da über das Haupt des geliebten Mannes Heraufziehen sah, mußten all ihre zaghaften Bedenklichkeiten verstummen. „Gut denn, ich will Ihnen alles sagen, Mr. Comstock!" „Nur einen Augenblick noch, mein Fräulein", unterbrach der Redakteur, indem er nach dem Fernsprecher auf seinem Schreibtische griff. „Es wird besser sein, wenn Mr. Carter unserer Unterredung beiwohnt. — Er befindet sich, wie ich hoffe, noch im Hause." Der Reporter war in der Tat noch da und trat wenige Minuten später ein. Auch er war nicht wenig überrascht, seine ungelehrige Schülerin bei dem Hauptredakteur zu finden. Aber als Mr. Comstock ihn mit wenig Worten von Miß Barrymores entschiedenem Widerspruch gegen feinen Artikel unterrichtet hatte, ging ein mitleidiges Lächeln über sein Gesicht. „Ich kann mir wohl denken, daß Mr. Morton Rayward sich nicht schlecht darauf versteht, seine Umgebung über seinen wahren Charakter zu täuschen", meinte er, „er gehört eben zu den Leuten, denen man nur durch die Wucht überwältigender Tatsachen beikommen kann." „Miß Barrymore glaubt aber, einen anderen Schuldigen ausfindig gemacht zu haben. Und wenn ich sie recht verstand, hat sie ums in jenem Fläschchen da sogar einen greifbaren Beweis mitgebracht. 3ft_ es nicht so, mein Fräulein?" „Ja! — Das heißt, ob es ein Beweis ist, wird sich erst Herausstellen müssen." Mr. Carters Gesicht wurde ernster. „Und wer ist cs, den Sie für den Schuldigen halten, Miß Barrymore?" Ein letztes kurzes Zaudern noch, dann sagte Margaret nach einem tiefen Atemzuge: „Miß Garnetts Hausarzt, Doktor Laurence Chiltonl" Die beiden Journalisten sahen sich in höchster Ueberraschung an, Mr. Comstock schien eine Antwort auf der Zunge zu haben, die die ungeheuerliche Vermutung als eine Lächerlichkeit zurückweisen sollte, Mr. Henry Carter aber kam ihm znvor. Seine lauge Rcporterpraxis hatte ihn gelehrt, nichts in der Welt für unmöglich zu halten >/ud irgend einen Anhalt mußte dies junge Mädchen doch immerhin für feine Behauptung haben. „Ich gestehe, daß Ihre Vermutung nicht sehr viel Wahrscheinlichkeit für sich hat, mein Fräulein", sagte er freundlich. „Ein Arzt, der feiner Patientin nach dem Leben trachtet, um sie nachher mit allen Mitteln seiner Kunst wiederherzustellen, wäre eine etwas ungewöhnliche Erscheinung. Aber immerhin — wenn Sie triftige Gründe haben---" „Ich weiß nicht, ob eS triftige Gründe sind. Vielleicht werden sie Ihnen nicht so erscheinen. Aber wenn Sic fein Gesicht gesehen hätten, als tp mir das Medizinfläschchen ans der Hand riß, um cs auf den Boden zu werfen — bei Gott, es war das Gesicht eines Menschen, dem das böse Gewissen aus den Augen stiert." „Möchten Sie uns das nicht etwas ausführlicher erzählen? Ein Medizinfläschchen sagen Sie — Und wie kam der Doktor dazu, es Ihnen zu entreißen?" „Ich ivar im Begriff, ein paar von den Tropfen zu nehmen, die er Miß Garuett als Schlafmittel verschrieben hatte. Und er kam zufällig dazu, als ich sie abzählte. — Wie ein Tiger stürzte er auf mich zu, um es zu verhindern. „Was wollen Sie tun?" rief er, „Sie sind ja des Todes!" — Und doch hatte er noch wenige Minuten zuvor erklärt, es sei ein ganz harmloses Mittel." „Eine etwas dunkle Geschichte", meinte Mr. Comstock. Mr. Carter aber fuhr ernst und bedächtig in seinem Verhör fort: „Und idanu riß er Ihnen, wie Sie sagen, das Fläschchen aus der Hand, um cs auf den Boden zu werfen? — Glauben Sie beim, daß er dies letztere absichtlich getan hat?" „Ganz gewiß! — Mit so großer Gewalt schleuderte er die Flasche auf die Dielen, daß sie notwendig zerbrechen mußte." „Wenn ich Sie recht verstehe, sind Sie der Ansicht, daß er das getan habe, um eine nachträgliche Untersuchung des Inhalts unmöglich zu machen?" „Ja, davon bin ich überzeugt, obwohl mir der Gedanke erst später gekommen ist, als ich mir sein sonderbares Benehmen zu erklären suchte — —" „War denn das Medikament nicht nach einem Rezept in der Apotheke angefertigt worden?" „Allerdings! — Und Miß Garnett hatte während der letzten acht Tage schon den größten Teil der Arznei genommen, ohne Schaden davon zu haben. — Aber es fiel mir nachträglich ein, daß sich Dr. Chilton heute abend eine Weile mit dem Fläschchen zu schaffen gemacht hatte. Bei einiger Geschicklichkeit hätte er Gelegenheit genug gehabt, der Flüssigkeit dabei irgend einen giftigen Stoss zuzufetzen." „Eine ziemlich vage Vermutung. — Aber was Sie uns da mitgebracht haben, was ist denn das?" „Ich sagte Ihnen doch, daß ich schon einige Tropfen der Arznei für mich in ein Glas Wasser abgezählt hatte. An diese Mischung hatte er wohl nicht gedacht, als er sich bemühte, das Medikament aus der Welt zu schaffen. — Nachdem mit einmal der schreckliche Verdacht gekommen mar, habe ich den Inhalt deS — 164 — Glarus in eine Flasche gefüllt und ich möchte, daß er von einem Sachverständigen untersucht werde." „War jemand zugegen, als Sie das taten? — Konnten Sre einen Zeugen dafür beibriugen, daß es srch der dem Jnyalt der Flasche wirklich um ein Gemisch aus dec' von Dr. Chillon ver- . ordneten Arznei handelt?" Margaret sah ihn verwundert an. ,Nein, das könnte ich nicht, beim es war niemand zugegen, als Miß Garnett, und sie könnte mir nichts bezeugen, denn ich hatte natürlich-abgewartet, bis sie eingeschlafen war. -- Aber Sie zweifeln doch nicht an der Wahrheit meiner Worte?' Ich für meine Person nicht im allermindesten. Aber wenn es Ihnen darum zu tun war, einen Belastungsbeweis zu schassen, hätten Sie schon etwas umsichtiger zu Werke gehen müssen. — Doch das können wir einstweilen aus sich beruhen lassen. Vorerst kommt es daraus an, festzustellen, ob die Tropfen wirklich giftig waren. Mit dem Nachweise ihrer Harmlosigkeit würden ja ohnemes alle Ihre Vermutungen in sich zusammen fallen. — Ich werde sorge tragen, daß die Analyse noch in dieser Nacht vorgenommen lverde. — Haben Sie nun die Güte, mein Fräulein, mir noch eine einzige Frage zu beantworten: Wenn ein Mann von der gesellschaftlichen Stellung und den beneidenswerten äußeren Verhältnissen des Dr. Chillon seine Ehre, seine Freiheit und sein ßcben uni Icfytücicftc ullci* AU bt— gehen, sv muß er dazu doch irgend eine Veranlassung habe». Und ich kann wohl annehmen, daß Sie auch darüber bereits nachgedacht haben. Welcher Art sind Ihre Vermutungen in dieser Hinsicht?• „Ich weiß Ihnen darauf nichts zu antworten, Mr. Carter! Denn das, was mir einen Augenblick lang in den Sinn kam, kann doch wohl nicht die wirkliche Ursache gewesen sein." „Sie sollten cs mir immerhin mitteilen, Miß Barrymore! Was ich bis jetzt von Ihnen gehört habe, scheint mir ohne solche Begründung noch kein genügender Anlaß, um den Artikel zurückzn- Lellen, dessen Veröffentlichung Sie zu verhindern wünschen." Er hatte mit sicherer Menschenkenntnis das beste Mittel gewählt, um Margaret zum Sprecheir zu bringen. Die bloße Erwähnung jener schrecklichen Anklage gegen Morton Rayward war hinreichend, all ihre mädchenhafte Bedenklichkeit zu verscheuchen „Dr. Chillon hatte mir heute einen Heiratsantrag gemacht", sagte sie leise, „und ich hatte ihm erwidert, daß ich Miß Garnett niemals verlassen würde. — Da dachte ich " Sie stockte nun doch, aber Mr. Carter hatte ihren Geoanken- gang auch ohne weitere Erklärungen verstanden. Er stützte den Kopf in die Hand und blickte wie in angestrengtem Nachdenken vor sich hin. Mr. Comslock, dem die Kombinationen des jungen Mädchens noch immer sehr romanhaft vorkommen wollten, machte eine etwas ungeduldige Bewegung. „ , „ „Was ist Ihre Ansicht über den Fall, Mr. Carter? — Ich für meine Person bin der Ansicht, daß es kaum erneu Zweck haben dürfte, die Analyse abzuwarlen und darüber einen ganzen Tag zu verlieren." , , Er rechnete mit voller Sicherheit auf die Zustimmung des Reporters, der aber bereitete ihm eine große Enttäuschung, indem er langsam und bedächtig sagte: , „Ich ziehe meinen Artikel gegen Morton Rayward einst- weilen zurück. Mr. Comstock! — Soweit ich den Doktor Chillon kenne ich ihn nie für etwas anderes gehalten als für einen 'rüa,cü)to gen Streber und einen brutalen Egoisten. Außerdem ist er ohne Zweifel ein Mann von sehr leidenschaftlichem Temperament. Solchen Leuten ist mancherlei zuzutrauen. „Unb am Ende wäre es nicht einmal gar so schwer, den Schlüssel zu seiner Handlungsweise zu finden — immer vorausgefetzt natürlich, daß sich wirklich eine das Leben gefährdende Beimischung in dieser .Ärzuel 11cidjivelfen fiefäe. Durans Eontntt e§ jefet meines &ici$itcn£ Vor allem an. Und ich muß mir jede weitere Meinungsäußerung Vorbehalten, bis wir die Analyse eines zuverlässigen Chemikers in den Händen haben. — Können Sie sich mir morgen früh sechs Uhr wieder zu einer Unterredung zur Verfügung stellen, Miß 83(rrri)nwre Margaret war zu allem bereit, wenn nur das Verhängnis, seine bürgerliche Ehre durch eine öffentliche Verdächtigung vernichtet zu sehen, von Morton abgewendel wurde. Mr. Carter Nahm ihr das Versprechen ab, sich zu der angegebenen Zeit wieder aus der Redaktion des „Morning Telegraph" einzufinden, und erbat sich dann ritterlich die Erlaubnis, sie bis zu Miß Gaimetts Hause heimzugeleiten. Daß ihre Unterhaltung auf drefein Wege Nur eine Fortsetzung des vorhin begonnenen Verhörs war, kam Margaret in ihrer Erregung kaum zum Bewußtsein. Aber Mr. Carters heitere Miene bei der Verabschiedung bewies, daß er zn- ffneden war mit dem, was er erfahren. (Schluß folgt.) Hessische Bereinigung für Volkskunde. -l. Gießen, 12. März. Ihren dritten Mitgliederabend hielt die Gießener Ortsgruppe der Vereinigung am Mittwoch abend im Saale des Cafe Ebel unter dem Vorsitz des Pfarrers S ch u l t e-Großen-Lmden ab. Die Versammlung war sehr gut besucht, sprach doch zum letzten Male der um die Volkskunde hochverdiente Professor Dr. Wünsch, der nächste Woche Gießen verläßt, um einem Rus au die Universität Königsberg Folge zu leisten. Das Thema seines Vortrags .lautete: „Die Hexen des Theokrit . Wie die Dichtkunst unserer Tage bestrebt ist, uns vertraut r» machen nut dem Leben des Volkes, dem Denken und Dichten des Burgers und Bauern, mau braucht bloß an die Romane von Gustav Frenßen und Alfred Bock zu denken, .so wendete sich auch der m der nachklassischen Periode der griechischen Literatur hervorragende Kunstdichter der Darstellung des kleinbürgerlichen, des Bauern- und Hirten-Lebens zu. Die bukolische Dichtung Theokrits führt uns ins dritte vorchristliche Jahrhundert, in die «eit nach Alexanders des Großen Tod, als der Hellenismus die Welt eroberte und die Beziehungen der Völker durch den ausgedehnten Handel immer inniger geworden waren. Nicht mehr die säten der .Heroen, Blut und Kampf, Thronraub und Konigsnwrd will unser Dichter schildern, sondern er entwirft uns liebliche Bilder aus dem Leben, namentlich der Hirten. Eine solche Dichtung ist sein zweites Idyll, „die Hexen", die berühmte, farbenprächtige Darstellung einer Liebeszauberszene, zu der ihn ein Mlmns des sopyron irnd die Komödiendichtung Menauders offenbar angeregt haben, ^re Handlung spielt auf der Insel Kos, wo Theokrit entern Dicyter kreis angehörte. Die Heldin des Stückes, Simatha, ist ab Mädchen aus dem Volke sehr abergläubig und versteht manches von der Hexenkunst, sie ist ferner sehr verliebt, neugierig und eifersüchtig. Ihre Zauberkunst stellt sie rn den Dienst ihrer Liebe. Dephis, ihre Geliebter, ein echter Gr .eche, dem die körperliche^ Uebungen des Gymnasiums und die Wettkämpfe der Palästra über alles gehen, ist ihr untren geworden, und nun wendet sie Zauber an, um den Treulosen zurückzugewinnen Sie beginnt Mit einem Gebet, in dem sie die Höllengöttin Hekate, aiirnll. Dies eigentliche Zauberhandlung, bei der ihr ihre Dienerin Thestylis "ssestierte, wurde im Hose an einem kleinen Altar ausgeführt, neben dem ein Zauberkessel stand. Auf dem Altar brannte em Feuer, m dem u a auch ein Stück von, Mantel des Ungetreuen verbrannt wurde. Dabei wurde ein Rad gedreht, an das em ^etidehals festaebnnden war. Die Griechen glaubten nämlich, daß dieser Vogel die Liebe Hervorrufen könne, und so begleitet die Zauberin die einzelnen Handlungen mit ben immer wieder als Schaltoers wieberkehrenden Worten „Wenbehals, bring mir ben Nlann ins Haus i" Die einzelnen Teile des Zaubers entsprechen durchaus den Vorschriften, die in ben griechischen Zauberpapyri.für solch« Zwecke gegeben werden: Der Dichter hat offenbar ein solch | Zauberbuch bei der Abfassung benutzt. Am Schlüsse des Zaubers erzählt Simätha der Mondgöttin Selene ihre Liebesgeschichte, um ihr zu beweisen, daß ihr Unrecht geschehen ist. Der eingehenden Analyse des Idylls ließ ber Vortragenbe eine geschmackvolle feinsinnige Uebersetzung folgen, die, sehr eindrucksvoll rezitierr, dem Zuhörer ein gutes Bild von der Schönheit , und Eigenart dieser reizvollen Dichtung zu geben vermochte.— Die iiitereßanten Ausführungen des Redners fanden lebhaften Beifall., Nach einem Dankcswort des Vorsitzenden wurde ente anregende Diskussion begonnen. Pfarrer Schulte betont, daß die Brauche der Alten manche Parallelen im deutschen Volksglauben hatten Nicht nm. im Jnntal, sondern auch in Oberhessen fand man noch den Brauch des Raddrehens beim Liebeszauber: Em Mädchen ging zur Äesan- fran (Wahrsagerin) und fragte um Rat gegen , die Treulongkeit ihres Geliebten, sie mußte abends bei Mond schein mehrere Slun den ein Wagenrad rückwärts drehen. Wich Z"ube,rtranke werden noch in Oberhessen gebraucht. Dr. Ebel fpricht über lyim pathetische Mittel, die heute noch m Japan und China gegen Feinde und Treulose angewandt werden, sowie über mittelalter- Uche Hexenprozesfe. Professor Dr. W ü n s ch bemerkt, daß auch schon im Altertum die Hexen bestraft wurden. An der Ans- prache beteiligten sich mich noch Prof Dr Körte, Prof. Di. Röschen und Alfred , Bock. Um 10 Uhr wurde oer drille Mitgliederabend geschlossen. Die Roßköpfe auf den deutsche» Bauernhäuser«. Die Tradition der Bauern ish abgesehn von Urkunden, fast der einzige Weg, der uns einen Blick m die Verhältnisse oer Vorzeit gestattet. Von Geschlecht zu Geschlecht haben dw Laiw- leute diesen Schatz bis zur Gegenwart glemMm heransg-r-icht. Tas Bauernleben ist so einfach, es bewegt sich m so^ruhlgcny stetig wiederkehrendem Gleis, daß tm Gedächtnis des , . mannes immer noch Raum für Erinnerungen, die sich nicht auf ; den Beruf beziehen, übrig blieb; ja gerade der Mangel an größeren weitreichenden Tätigkeit und ine Mw«ferche, ' tieften Anregungen mußte ihm, lene Erinnerung n wert machen, die vielfach die einzige poetische und romsantifche M«i^ ' seines arbeitsvollen Daseins bildeten. Nicht nur durch mündliche lleberkieserung reigt der Land- mann feine Treue für die Vorfälle der Vergangenheit, s — 156 — et bewahrt auch noch in Hiaus iinb Feld tatsächliche Spuren, die uns in die altgermanische Weltanschauung imb Religion zurück- führen. Wer schon niedersächsische Bauernhäuser gesehen hat, der erinnert sich vielleicht der Pferdeköpfe, die aus den beiden Giebeln kreuzweise hervorragen. Tie Bretter, fcie die Spitze Les Dachsirsts bilden, sind nach oben etwas verlängert und zu Roßköpfeu ausgeschnitzt. Es ist: bekannt genug, daß sich die Roßköpfe auf d'n Bauernhäusern von Westfalen, Hannover, Lüneburg und Holstein finden, ebenso in Mecklenburg und Pommern, also besonders in jenen Gebieten, 4t» der niedersächsische Stamm vermutlich ursprünglich saß. In Mitteldeutschland begegnet mpn den, Roßhäuptern im nördlichen Nassau aus dem Westerwald und in der Gegend von Herborn und Dillenburg. In der Gegend von Freiberg in Sachsen sind noch Storchköpfe aus den alten Häusern angebracht. Ties seltene Vorkommnis ist tun so auffallender, als gerade in Thüringen und der Gegend des Erzgebirges die uralten Hausmarken sich noch wohl erhalten haben. Es sind dies gewisse, aus einfachen Streifen zusiammenFrsetzte Streifen, womit ein Bauer sein Eigentum kenntlich macht. Im bayrischen Gebirge sand man noch diese Marken, die wahrscheinlich mit den alten Runen zusammenhängen. Während aus dem nördlichen und östlichen Deutschböhmen keine Köpfet auf Len Dachfirsten beilannt find, fand sie im Sndwesten im Böhmerwald in einzelnen verwitterten Exemplaren, so z. B. in Wallern. Die Schmutzerei war so verfallen, daß sie nur schwer zu erkennen ist, man vertuntet jedoch mehr den Kvpf eines Raben oder eines Schwans. Dagegen finden sich weiter südlich in der Gegend von Prachatitz deutlich Roß- köpfe auf den Einzelhöfen, die von einem, slawisch redenden Volke bewohnt sind. Die Bauernhäuser in der Gegend von Jawslaw an der Wolga sollen alle Roßköpfe auf den Giebeln haben, und eine Zeichnung scheint darauf hinzudeuten, daß die beiten Köpfe nach innen gekehrt sind. In Süddeutschland und besonders in den Mpenläudern begegnen wir diesen Giebelzeichen, die sich nicht nur auf Roßköpfe beziehen, sondern es finden sich auch Köpfe von Gemsen, Steinböcken, Schlangen itttb Drachen. Im Kanton Bern sind Roß- Wpfe nicht selten, in Tirol sind sie noch recht häufig, so z. B. an der Brennerstraße in Gosensaß, welches Steub mit den Goten in Verbindung brachte. Die Erinnerung an den Steinbock scheint sich im Gedächtnis der Tiroler erhalten zu haben. Der letzte Steinbock ivurde im Jahre 1706 in den öden Trümmer- tälern des Hinteren Zillertals geschossen, aber von den Giebeln der Alpenbewvhner blickt sein Bild noch wohlerhalten herab. Das Seltsante und Humoristische dieses sorgsam geschnitzten Giebelbildes besteht darin, daß das christliche Kreuz an die Stille der unschuldigen Hausmarke getreten ist, es wurde also nur das bürgerlich-politische -Abzeichen verdrängt, während die Tierköpfe geblieben sind. Sehr auffallend sind auch die verschlungenen und geringelten Drachenbilder, die sich auf den prächtigen Bauernhöfen zwischen Trostberg und Altötting in Mtbayern vvrfinden. Tas verbreitest« Giebelzeichen bleiben jedoch immer die Pferdeköpse; man bemerkt sie durchschnittlich auf den ältesten Häusern. In der Einfassungsmauer eines ossetischen Gehöfts wurden spitze Pfähle als Palisaden angebracht, auf die man Pferdeköpfe hing, auch die Litauer befolgten diesen Brauch. In ähnlicher Weise berichtet man von den Völkern der unteren Donau: „Wie der Tahar pflanzte der vor seiner Wohnung Pferdeköpse und Büffelköpfe auf Stangen auf, was ihm wie dem Tataren 'als ein Zeichen der Macht galt." Was die Kaukasier und Litauer mit ihren Pferdeschädeln ausdrücken wollten, darüber fehlt u ns die nähere Erklärung; was dagegen von den Tataren gesagt wird, führt mehr aus das politische als religiöse Gebiet hinüber. Jin Itorden war es Sitte, den Pserdekopf als sogenannte Neidstaitge aufzurichten, um die Landlvetter abzuschrecken. Die Pferdeköpfe dienten dazu, den bösen Geist zu wehren, und zu diesem Zwecke waren an allen Giebeln der norddeutschen Bauernhäuser Pferdeköpse ausgeschnitzt. Unsere Vorfahren scheinen der Meinung des altindischen Gesetzbuches von Manu gewesen zil sein, das das Pferd „den König der Opfer" nennt. Dem Deutschen tvar das Roß das bei weitem höchst geachtete Tier, wie schon die eigenen Worte für männliche, weibliche, junge, schwarze, weiße Pferde an- zeigen. Wie bei Homer und den tiberisch-westgvtischen Helden hattet! Streitrosse ihren eignen Namen. Rosse galten für reine Tiere, sie weideten mit golddurchflvchtenen Mähnen in den heiligen Hainen, die Götter bedienten sich ihrer und sprachen durch sie mit den Sterblichen. Vielleicht wurden in uralter Nomaden- zeit die Schädel der geopferten Tiere auf die oberen Giebelzinken den beiden Stützen gesteckt, auf denen der Länge nach die hohe Dachstange des Zeltes auslag. Vielleicht aber kann in den beiden Pferdeköpfen eine besondere Hinweisung auf die Sonne gefunden werden, die eigentlich das natürliche sichtbare Zeichen des unsichtbaren Gottes eines jeden Urvolks bildete. Der Beg^f der Schnelligkeit, vielleicht auch des Wechsels des Auf- und Niedergangs, des Lebens und des Todes ist mit denr Pferde verbunden, weshalb auch int frühen Mittelalter Mönche einen Pserdeschädel innerhalb der Klostermauern aufgehängt hatten. In allen deutschen Gegenden will Kohl das Hufeisen unter der Schwelle des Bauernhauses gefitnden haben; kaum weniger häufig dürste der Pferdekopf auf den Giebeln vorgekommen sein, so daß das alte Haus von der Schwelle bis zum First über die innigen Beziehungen nnserer Vorfahren zu dem edeln Rosse Auskunft gibt. Da, wo, wie z. B. im Schwarzwald, die katholische Kirche die Pserdeschädel von den Dachfirsten herabgeholt hat, werden sie noch sehr oft auf den Speichern im geheimen als Schtttz gegen allerhand Böses aufbewahrt. Ar F. verMZsetzrss. ** Skalpierungen in der zivilifierten Welt. Jeder Junge, der seinen Lederstrumpf gelesen hat, weiß, was der Ausdruck „skalpieren" bedeutet. Die Apachen, Sioux und Counan- chen hielten es für einen Ruhm, wenn sie mit ihren Messern die behaarte Kvpfhaut ihrer Gegner abtrennen konnten..— Auch in den zivilisierten Ländern gibt es noch Skalpierungen, die sich aber von den erwähnten dcckmrch unterscheidet, daß sie nicht durch Menschenhand, sondern durch Maschinengewalt herbeigeführt werden. — Tie Entstehung dieser schrecklichen Verletzung muß man sich nach Tr. Lotheissen (Wiener Mediz. Wochenschrift) in folgender Weise denken. Tie Haare — es handelt sich meistenteils um Frauenhaare — werden von einem mehr oder weniger rotierenden Maschinenteil erfaßt und aufgetoickelt, wobei ein ziemlich bedeutender Zug entsteht, da die Ha-are, wenn sie einzeln gefaßt würden, sicherlich rissen, in ihrer Gesamtheit gepackt — aber nicht nachgeben. Die Haut wird nun gleichsam von ihrer Unterlage abgehoben, d. h. die unter ihr liegende sehnenartige Fortsetzung der verschiedenen Kopfmuskeln bleibt an der Haut hängen, während unter dieser die Bindegewebsbündel zerreißen. Zum lieber «uß werden die Unglücklichen oft auch noch Vvm Boden aufgehoben, sodaß das Körpergewicht einen Gegenzug ausübt. — Welche Gestalt der Skalp entnimmt, hängt wesentlich mit von der Zugrichtung ab, die beim Wreißen ausgeübt ivurde. — Sonderbarerweise ist der Schmerz in den nteisten Fällen nur sehr gering, ivesbalb auch meistenteils keine Bewußtlosigkeit ein tritt. — Was die Heilung in früheren Zeiten anbetraf, so war. solche sehr ungünstig. Die Skalpierten starben häufig, aber nicht an der gewaltigen Verwundung, sondern an den Folgeerscheinungen, weil eine Jitfektion irgendwelcher Art in der vvrantiseptischen. Zeit schwer zu verhindern war. Wer auch zu einer wirklichen Heilung ist es in feinem Falle gekommen. Erst seitdem man bei der Skalpierung Hauttransplantationen, d. h. Ueberpflanturig von Hautstücken, nach Thiersch ausführte, wurden alle Verletzten geheilt. ** Weibliche Parlamente. Die Frauen im Parlament! sind gar nicht etwas ganz Neues. Schon bei den alten Germanen saßen die Frauen im Rat und der römisch« Kaiser Heligabalus hatte sogar einen eigenen weiblichen Senat gebildet. Er bestand! aus seiner Mutter Soömis, die die Stellung eines Präsidenten! inne hatte, und einer Anzahl von vornehmen römischen Frauen. Allerdings waren ihre Befugnisse auf die Entscheidung aller derjenigen Fragen beschränkt, die sich auf die weibliche Kleidung, Besuche, Etikette, Unterhaltungen usw. bezogen; und es ist daher! anzunehmen, daß die modernen Frauenstimmrechtlerinnen den Vorschlag eines solchen Parbamentes mit Entrüstung von sich weisen würden, lvähreud die Männer sich mit ihm gar wohl einverstanden erklären könnten. In England haben die Frauen schon in früheren Zeiten im Parlamente gesessen. In kein „Witenagrmot" der Angelsachsen waren Frauen ganz regelmäßige Mitglieder. Zum Beispiel saßen im dem großen Rate König Wightreds im Jahre 694 hervorragende Frauen und Mebtissinnen, und die Beschlüsse dieser Versammlung find unter anderem von fünf weiblichen Vertretern! unterzeichnet. Daß sie sich da in der Debatte den Mund sollten haben verbieten lassen, ist nicht sehr wahrscheinlich. Wer noch ick den Tagen Heinrichs des Dritten und Eduards des Ersten haben! Äebtissiunen ihre Sitze im englischen Parlamente eingenommen, und erst unter Eduard dem Dritten scheint sich! die entscheidende! Wandlung vollzogen zu haben, indem die zum Sitze im Oberhause berechtigten Gräfinnen damals aufgefordert ' wurden, Vertreter männlichen Geschlechtes zu entsenden. Interessant ist, wie der bekannte englische Schriftsteller Zangwill die gegemvärtige Schwierigkeit lösen will. Er verlangt nämlich neben dem Hause der Lords noch ein Haus der Ladies —: also einen dritten ParlamentsWrper; und im Falle von Meinungsverschiedenheiten soll die Ueb-rein- ftimtuimg zweier dieser Parlamente genügen, um die Sache zur Entscheidung zu bringen. Der Vorschlag hat! aber in den Rechen der Frauen selbst bisher wenig Anklang gefnnden. I ** Die Seife in alten und neuen Zeiten. Nicht jeder vermag einzusehen, daß die Seife unbedingt zur Reiniichkeit des Körpers nötig ist. Es gißt nämlich! auch Leute, die die Behauptung nufftellcn, sich sie zur Zerstörung ihrer Haut beitrüge. Wie wir wissen, ist sie eilte verhältnismäßig junge Erfindung, aber trotz alledem hsit man keine Veranlassung zu dem Glauben, daß die Völker des Mtertums und des Mittelalters nicht auch sorgsam auf die Reinlichkeit ihrer Person bedacht gewesen sind. Die Egypter, Griechen und ganz besonders die Römer gaben sich große Mühe, ihren Körper reinzuhalten. Tas Bad war, eine i wichtige Einrichtung in jenen Zeiten, als zwar die Seife noch nicht 158 bekannt toar, nwU iabev Oele imb wohlriechend«! Znsaimnen-- setzungen dazu dienten, um den Körper zu salben. Wenn sie in der Bibel erwähnt wird, so hatte man wahrscheinlich Tonerde oder Holzasche oder Alkalien im Auge, und diese wurden, wenn mltnt allgemein sprechen will, nicht für den Körper angewendet, sondern zum Reinigen von Wein- oder Oelfäsfern oder Marmorstatuen. Indessen wurde der Saft von gewissen Pflanzen, lvelcher Schaum bildete, gwn Waschen benutzt, was bis auf den heutigen Tag bekannt ist. Während Seife bei Homer noch nicht erwähnt wird, der indessen schon Bezug aus kosmetische Sachen für Bader nimmt, beschreibt Plinius ganz ausführlich eine Sustianz zum „Schöu-- machen" des Haares, die aus gutem Talg und der Asche der Buche zusammengesetzt ist. Die moberne Chemie lehrt uns, das; die Seife eine Zusammensetzung von Fett oder Fettsäuren mit einem Alkali ist, und es ist davauS klar, daß zu Plinius Zeiten Seife im Gebrauch war, welche sich nicht wesenklich von der Zusammen- setzung unserer modernen Produkte unterschieden hat. — Als eine Industrie indessen war die Seifenbereitung im großen Maßstabr bis zu den Zeiten des 17. Jahrhunderts nicht bekannt. Seitdem wuchs aber ihre Produktion ungeheuer, wobei man sie jedoch mehr zum Reinigen int Tierreiche oder für gewisse industrielle! Zivecke, nicht Kber für Menschen benutzte. Es ist indes wahrscheinlich, daß die Seife vor hundert Jahren auch nicht zur Reinigung von Personen geeignet war, da man ihr damals zu mächtig ätzende und zerstörende Eigenschaften zufchreiben muß, welche der Haut nachteilig waren. — Rcucvdings wird sie von soudeu Fabrikanten in reinem Zustande hergastcllt, ist aber auch so teuer, daß der dadurch errungene Borteil für die Hygiene wieder hinfällig wird, weil die einfachen Leute sie nickt bezahlen können und daher $it geringeren Sorten greisen. Nach dem „Lanoet" sollt: die Seifenfabriiätion unter staatliche Attfsicht gestellt werde». * Spatzennester auf Bäumen. Ein interessantes Beispiel dafür, wie das Bedürfnis wach günstigeren Existenzbedingungen wenigstens einzelne (wahrscheinlich die intelligenteren) Individuen einer Gattung zum Ucbergaug zu neuen Lebensgewohn- heiten veranlaßt, bietet der Proletarier unter den Vögeln, der Spatz. Obgleich es in der fraglichen Gegend an Nistgelegem- heiten in Mauerlöchern, Schöpfen und Scheunen oder an Ausenthalten zwischen dem Ziegel- und Balkenwerk schiefgewordener Haus- und Rentisendächer nicht fehlte, habe ich, so schreibt uns ein Leser, im Lauf der letzten drei Jahre im badischen Schwarzwald und in der Schweiz 16 Fülle beobachtet, in denen der Sperling sich w'i irgend einen dichtbelaubten Birn-, Nuß- oder Lindenbaum der Hofreite, die zu seinem üblichen Wohngebiet gehörte, eine tüchtige Astgabel aussuchte und als Unterlage für seinen Nestbau und dort oben nun seine Sommerwohnung aufschlug. Ties Verhalten steht mit der gewöhnlichen Lebensart des Sperlings so sehr in Widerspruch, daß ich in der ganzen biologischen Literatur nur einen einzigen Autor finden konnte, der schon ähnliches beobachtet hat. Merkwürdig ist, wie die Anpassung an die neuen Wohnverhältnisse sich sofort auch die sonst übliche Nestform verändert. Der Spatz baut ja bekanntlich gern groß; wie das Nest aussieht, ist ihm freilich höchst einerlei; von architektonischer Schönheit hat er im Gegensatz zu anderen Vertretern der Spatzenfamilie nicht den geringsten Begriff, und was er baut, baut er unter normalen Umständen so liederlich, wie es nur irgend geht. Unschön sind zwar die Baumnester auch, aber auffallen muß, daß sie beinahe mit Sorgfalt gemacht sind. Merkt der Spatz, daß er in: Freien sein Nest auf Widerstandsfähigkeit einrichten muß, damit nicht jeder Wind es herunterbläst, jeder Regenguß es forttvaschen kann von seiner Astunterlage? Es sieht so aus, und wenn ich bedenke, daß so ein Spatzenbaunmest fast die Größe eines Wildtauben- oder Häherhorstes hatte, so scheint es mir fast, als ob sein Verfertiger dadurch, daß er den Bau recht massiv machte, ersetzen wollte, was ihm an innerer Solidität fehlte und bei der architektonischen Ungeschicklichkeit des Sperlings begreiflicherweise auch fehlen mußte. Was den Gratis- mieter unserer Häuser bewogen hat, sich in die luftigen Höhen der Nuß- und Birnbäume zurückzuziehen, weiß ich nicht anzugeben, vermute aber, daß es die Furcht vor dem Flobert war, das auf den betreffenden Höfen Übepall recht fleißig gehandhabt wurde. * Das Gemüt einer Katze, Män sagt immer, daß Katzen undankbar feien und kein Herz hätten. Als Gegenstück berichtet ein. französisches Blatt folgendes: Pousy, die Lieblingskatze von Louis Bläue, dem bekannten sozialistischen Arbeiterführer, welche jeden Abend ihren Herrn an der Treppe erwartete, wenn er von der Kammersitzung zurückkehrte, starb ans Gram über seinen Tod. Sie nahm weder Speise noch Trank M sich, bts der Hunger sie tötete. und WrssssrfehczfL. ®,V* Ü 6- Hofbiblivihek ju Darmstadt, Der fmckw,Aufschwnng und Fortschritt auf so vielen Gebieten unseres öfftntlrchen Lebens beschränkt sich nicht nur auf die geräuschvollen Stätten des Verkehrs, auf Handel und Gewerbe, sondern er zwingt auch die stiller wissenschaftlicher oder besinnlicher Ar- beit dienenden Hallen der öffentlichen Sammlungen in seine« Bannkreis hinein. Das zeigt sich nicht nur darin, daß das Landesniuseum int neuen Heim weitere Schichten der Bevölkerung als je zuvor Anlockt, anregt und belehrt, fast norij schlagender wird dieser Aufschwung dargetan durch die Zahlen, die uns bedeutsame Einblicke in die Entwickelung der ebenbürtigen Schwesteranstalt des Museums, der Hofbibliothek tun lassem Wir beobachten auf allen Geschäftsgebieten und Zweigen ihrer Tätigkeit einen Ausschwung, der sich mit dem Steigen der Einwohnerzahl Darmstadts, der größeren Frequenz der Technisches Hochschule, nicht minder aber auch danrit erklärt, daß die im Geist unserer Zeit liegende Verbreiterung des Bildungstriebes und das Verlanget: itach gesunder geistiger Nahrmtg 'zu häufigerer Benutzung der reicher: Schätze dieser Bibliothek anreizt, eine für die Anstalt wie für die Benutzer gleich hochersreuliche Erscheinung! Der Lesesaal hat bei aller räumlichen lln zu länglich leit im Jahre 1906 doch 11150 Personen die Möglichkeit raschen Nachgchlagens oder gründlicher Forschungen an Ort und Stelle gewährt, eine Zahl, die, gemessen an der des Vorjahres, eine stete Zunahme und gegenüber der von: Jahre 1889 (mit 3350) eine Verdreisachrmg bedeutet, während die Zahl der Benutzer in Darmstadt außerhalb der Räume der Bibliothek um zwei Drittel gestiegen i)t: 1889: 3089, 1908: 4999. Zu begrüßen ist ferner die Tatsache, daß zeitgemäße und weitgehende Erleichterungen im Versaudverkehr nach Orten des Großherzoglums die Bestände der Bibliothek nicht nur theoretisch, sondern praktisch dem ganzen Land erschlossen haben; die Zahl der hessischen Benutzer außerhalb Darmstadts steigt von Jahr zu Jahr und hat sich seit 1889 verdreifacht. Auch die immer mehr in Aufnahme kommende Bereitwilligkeit der Bibliotheks- verwaltnngei: zu gegenseitiger Aushülfe, wo die eigenen Kräfte versagen, ist hier richtig erkannt und praktisch geübt worden und mit welchem Erfolg zeigt die Taisache, daß sich der Bücherbezug aus auswärtigen Bibliotheken in Zahl der Benutzer und' der besorgten Werke seit 1889 verzehnfacht hat und auch in: Jahre 1906 allein einen raschen Aufschwung zeigt, da die Zahl der bezogenen Bände von 480 auf 907 und die der Besteller von 221 auf 331 gestiegen ist. Wenn man endlich sieht, iuie die Gesamtbenutzung der Hofbibliothek, abgesehen von der beträchtlichen Steuerung von 1905 auf 1906 sich überhaupt in bett Jahren seik 1889 verdreifacht hat, so darf man wohl sagen: hier reden Bände Zahlen, aber Zahlet: reden auch Bände! — Eine Ausstellung „D as Kind" findet vom April bis Jun: 1907 in der Rotunde zti Wien statt. An der Spitze de« Aerztekomitees steht Hofrat Professor Dr. Theodor Escherich. An der Spitze des. Damenkomitees stehen die Fürstinnen Hanna und Annelie Lechtenstein. Die Ausstellung verspricht ein vollständiges B:ld der bisher auf beml Gebiete des Kindesschutzes und der Jugendfürsorge geleisteten Arbeit zu geben, lieber das Arrangement dieser Ausstellung teilt uns die Direktion mit, daß die Zirka 10 000 Meter Belegraum fassenden Transepte und Galerien ausschließlich für wissenschaftliche Zivecke, ferner für öffentliche Institute, Spitäler, Erziehungsanstalten sowie für die chnritativen Kinder-Wohltätmkeitsvereine verwendet werden. Um jedoch dem Publikum die Bedeutung des Kindes für das Gewerbe und die Industrie vor Augen führen zu können, wurde der gleichfalls zirka 10000 Meter fassende Zentralraum für die einschlägigen gewerblichen und Industriellen Gruppen sowie für die große Nahrungsmittelabteilung in Aussicht genommen und gelangen hiev alle für das Kind in Betracht Wurmenden Erzeugnisse, hauptsächlich Bekleidung, Wäsche rc., Instrumente, Spielwaren, Artikel für Jugendspvrte und Nahrungsmittel usw. zur Exposition. In der Mitte des Zentralraumes wird eine zirka 400 Meter fassendes Podium errichtet, auf welchem in den Nachmittagsstunden Jugendspiele ausgeführt werden. Tie Ausstellung wird folgende Gruppen umfassen: 1. Säuglingsschutz; 2. Bekleidung; 3. Ernährung^ 4. Kinderzimmer; 5. Gesundheitspflege; 6. Schule und Anstalt; 7. Statistik; 8. Knaben- und Mädchenfortbildung; 9. Schutz des Kindes; 10. Die .Kunst in: Leben des Kindes; 11. Sport und Spiel; 12. Literatur; 13. Industrie und Kind; 14. Nahrungsmittel. Ergiirtzimgsrätsel. E . n . § . ch . ck. .. ch n . ch . . ü . . l. e! S . h . , e . e., w ,. . r'. . r. i. e, S.h, . e . e ., .o e . b.ei.e, U .. .. r s.. h ., .. ß e. n . ch . f. l..! Goethe Auflösung in nächster Nummer. Auflösung der Köntgspromenade in voriger Nununer: Der Mensch, der zur schwankenden Zeit auch scl wankend gesinnt ish Der vermehrt das Nebel, und breitet es weiter und weiter. Aber wer sest auf dem Sinne beharret, der bildet dre Welt sich. Goethe. Redaktion: Ernst Hetz. — Rotationsdruck und Vertag der Brühl'schen Unwerfttäts-Buck- und Slemdruckerei. 8t Lange. ®t«&»