Bem Mittwoch den 13 Aeörnar ♦ tf» i li! I 1 Wersche«leben, die lügen. Monmn von D. E b r Hardt, Verfasserin von „Mittellose Mädchen" Nachdruck verboten. (Sortierung.) V. I« dem geinütlichen Wohnzimmer Fran von Posecks saßen Hanna nnd der Hauptmann sich gegenüber. Auf dem runden Sofatisch brannte des frühen Abends wegen schon die altmodische Stehlampe, aber ihr Schein warf nur schwache Helle in die Ecke, tvo neben dem großen grünen Kachelofen Hanna in einem der tiefen Sessel lehnte, den der Hauptmann für sie dorthin gerückt hatte. Sie liebte in letzter Zeit diese ungewisse Beleuchtung, wenn sie mit Walter von Poseck plauderte. Ihr fehlte der Mut, in seine offenen ehrlichen Augen zu blicken, wenn er immer wieder ihr zartes Mitempfinden an dem Leiden seiner' Mutter, ihre kindliche Liebe für die alte Fran mit warmen Dankesworten pries. Im Grunde war es ihr ganz gleichgültig, wie es der Mutter ihres Freundes ging. Sie hatte ja nur um ihr Leben gezittert, weil durch ihren Tod ihre häufigen Besuche bei dem Geliebten zur Unmöglichkeit geworden wären. Sie hörte auch heut' nur mit halbem Ohre auf Posecks Worte, die erfüllt waren von demütiger Dankbarkeit gegen Gott, der endlich die Krankheit der geliebten Mutter zur Besserung gewendet hatte und voll freudiger Zuversicht inbezug auf Marga, von der ihn nun nichts mehr trennen sollte. Er merkte in seiner glücklichen Erregung nicht, wie wenig Anteil die junge Frau an dem nahm, was ihn bewegte, er sah auch nicht den Zug grenzenloser Enttäuschung, der ihr Gesicht verdüsterte, als der Landrat gegen sieben Uhr erschien, um sie abzuholen. Aber den ungewöhnlichen Ernst im Antlitz des Freundes sah er sofort. Auch fiel ihm auf, daß er sich nur flüchtig nach dem Befinden der Kranken erkundigte. Er trat zu Hanna, die noch immer zusammengekauert in der halbdunklen Ofenecke saß, küßte sie auf die Stirn und ehe Poseck noch eine Frage tun konnte, begann er ohne Umschweife: „Ihr seht mich furchtbar erregt, Kinder! Es ist aber auch eine gräßlich unangenehme Geschichte und mir ahnt irgend etwas Schreckliches, das sich daraus entwickeln wird — ich weiß nicht, soll man alles glauben —" „Was ist beim um Gottes willen passiert, alter Junge?" fragte Walter halb gutmütig beschwichtigend, halb besorgt und drückte den Aufgeregten in einen Sessel. Der Landrat zwang sich zur Ruhe. „Vor zwei Stunden ungefähr erschien der Oberst bei mir. Er hatte verschiedene Fragen und Anliegen an mich, die mich stutzig machten. Als er aber mein Erstaunen sah, meinte er, da bereits die ganze Stadt alarmiert sei, könne er mir ruhig die Wahrheit all dessen, was die Gemüter bewege, mitteilen. An die Militärbehörde sowohl, als auch au das Polizeiamt und mehrere Privatpersonen hier seien ans einem kleinen, russischen Nest Briefe eingegangen, in denen Frau Kreß — du kennst die Person vielleicht durch deine Kameraden, Walter — ihren Mann offen der Spionage bezichtigt. .Er habe unter dem Vorwande, russische Stunden zu erteilen, sich die Bekanntschaft mit jungen Offizieren verschafft und deren Vertrauensseligkett ober Leichtsinn benutzt, um allerlei geheime für Rußland wichtige Dinge von ihnen zu erfahren. In Berlin war ihm bet Boden unter den Füßen schnell zu heiß geworden und er habe es hier in einer der wenigen befestigten Garnisonen weiter versucht und wie das Weib schrieb, nicht ohne Erfolg. Sie hat auch Beweise beigebracht, glaub' ich — und da in der letzten Zeit nur ein einziger Offizier bei ihrem Manne aus- und einging —" Er schwieg. Die beiden Männer sahen sich starr an. War es die instinktive Abneigung der Betrogenen? Oder durchzuckte sie die Erinnerung an des Rittmeisters von Eppen frivol amüsante Schilderung, wie er Frau Kreß bei dem Freiherrn von Tressenberg getroffen habe und dieser ihm gesagt, er hätte nur geschäftliches mit ihr verhandelt? Walter war's, der zuerst Tressenbergs Namen nannte. Der Landrat nickte beistimmend. Ans der Ecke, in der die junge Frau saß, klang ein halblauter Entrüstungsruf. „Unmöglich!" Wäre die dämmerige Beleuchtung ihres Platzes ihr nicht so günstig gewesen, in dem Moment hätte ihr Gesicht sie verraten. Wilde Empörung rang darauf mit einem weichen, angstvollen Schmerzgefühl. Was stand dem Geliebten wieder bevor? Welche Reihe von Demütigungen, dunklen Stunden, peinlichen Verhören — Und er war schuldlos. Dafür hätte sie ihre Hand ins Feuer gelegt. Zum ersten Male drängte sich in die Gleichgültigkeit gegen ihren Mann unbändiger Haß, als er jetzt mit väterlich nachsichtiger Ueberlegeiiheit sagte: „Unmöglich? Ich glaube gern, Kind, daß dir das so erscheint, du bist ja viel zu unverdorben, um die Untiefen eines Menscheuherzens, welcher Art sie auch seien, zu begreifen. Du kennst die Welt noch nicht, Lieb." « „Und hoffentlich lernen Sie nie das Verständnis für ihre Schlechtigkeit, Frau Hanna!" unterbrach ihn Walter ernst, „behalten Sie getrost die gute Meinung von den Menschen, das Gegenteil bringt nur Mißtrauen und Weltverachtung. Lassen wir die unangenehme Geschichte lieber ruhen vor deiner Gattin, Oskar!" wandte er sich an den Freund und beide begrüßten es als willkommene Unterbrechung, als die treue Lina eintrat und meldete, daß Frau von Poseck ans ihrem Schlaf erwacht sei und lebhaft nach Frau Gerhardt verlange. Auch Hanna huschte förmlich erlöst aus dem Zimmer. Die etwas stickige, von süßlichem Jodoformgeruch gesättigte Krankenstubenluft fiel ihr vollends auf die Nerven. Sie konnte sich nicht mehr beherrschen. Sie neigte sich über die Kranke, die ihr zulächelte und langsam und schwer rollten ein paar heiße Tränen über ihre blassen Wangen und sielen auf die weißen Kissen. Frau von Poseck schloß in einer beseligenden Mattigkeit die Augen. „Nicht meinen,, Hanna", lispelte sie schwach, „die Gefahr ist ja vorüber. Tut's Ihnen denn wirklich so leid um mich 84 alte Frau? Wie mich das beglückt! Ich denke immer, mein Töchterchen lebt mir, vielleicht wäre es ebenso schön, so rein und warmherzig geworden." Die junge Frau sank vor dem Bett auf die Knie. Nichts von Rührung liess ihr Herz erbeben bei den Worten der Greisin, anch keine Reue über den Verrat, den sie an ihr übte, nein, nur das erlösende Bewußtsein war in ihr, daß sie sich unbesorgt aus- weincn konnte ijt ihrer Angst um den Geliebten, über dessen ahnungslosem Haupt sich die Wolken eines vernichtenden Unwetters bereits zusammenzogen. Hauptmann von Poseck blieb nach dem Fortgang des Ehepaares in einer Erregung zurück, die er kaum zu bemeistern vermochte. Schon der Gedanke allein, daß der Name des Mädchens, das er sich zur Gattin gewählt, im Verlauf einer nicht mehr aufzuhaltenden Untersuchung durch den Schmutz und die Gemeinheit aller möglichen Erörterungen gezerrt werden könnte, erhitzte sein Blut. Er sah unzählige Konflikte vor sich aufsteigen, in die jene schreckliche Anschuldigung gegen seinen zukünftigen Schwager ihn verwickeln würde. Eine namenlose Bitterkeit gegen Joachim bemächtigte sich seiner. Er hätte ihm seinen Zorn, seine Verachtung ins Gesicht schleudern mögen mit harten Worten, sein warmfühlendes Herz vergab jede weiche Regung, wenn er nur Joachims Benehmen gegen die Schwester überdachte. In solcher Stimmung verließ er, sobald die .Kranke eingeschlafen war, das Haus und schritt den Weg entlang, den er in letzter Zeit so oft, die Brust von banger Sorge bedrückt, gegangen war. Immer aber hatte in all dieser Zeit fern ein lockender Hoffnungsstrahl geleuchtet, nun schien auch dessen Glanz verbleichen zu wollen. Es war ein stürmischer, kalter Abend. Wirr zusammengeballte Wolkenfetzen jagten in phantastisch wechselnden Gebilden am Himmel, hin und wieder ein Stück des tiefdunklen Firmaments freilasfend, an dem vereinzelte Sterne schläfrig blinzelten und vor dem hellen Schein des Mondes neidisch erblaßten. Dieser schob seine große, gelbe Kugel siegreich durch das drängende Gewölk, warf ruhiges, bleiches Licht durch die entblätterten Bäume der Promenade und malte auf den Weg des Offiziers ein Schattenuetz krauser, kahler Zweige. Unter einer Laterne am Ausgang der Anlagen zog der Hauptmann seine Uhr und nach einem Blick darauf lenkte er seine Schritte nach dem bekannten Cafe, in dem er sicher war, Gesellschaft zu treffen nnd näheres über die sensationelle Geschichte zu hören. Im Extrazimmer saßen mehrere Offiziere, darunter die Rittmeister von Klast und von Eppen, die Leutnants Schmieder, von Föhrenthal und Graf Scherrentin, in eifrigster Unterhaltung. Sie hatten mehr oder minder rote Köpfe. Mit einem „Wissen Sie schon?" wurde der Hauptmann begrüßt. Er bejahte ernst. Der Eintritt des Kellners verhinderte vorerst jede weitere Bemerkung, erst als der neue Ankömmling sein Glas Pilsener vor sich hatte, schnarrte Rittmeister von Eppen: »Ja, ja, Poseck, der alte Kreß sitzt bereits hinter Schloß und Riegel. Ich gönn's dem verdammten Hunde, aber gemein ist's doch von der Frau, den eigenen Mann so schmählich zu verraten." „Dabei ist sie sicher die Hauptschuldige", meinte der Rittmeister von Klast lebhaft, „ich könnte meinen Kopf verwetten, daß so ein junger Leichtfuß eher bei einem Schäferstündchen mit der pikanten Frau, als bei prosaischen Sprachlektionen sich irgend etwas hat entlocken lassen." „Mein' ich auch!" Baron Föhrenthal streckte die langen Beine von sich und gähnte leicht und gelangweilt hinter der vorgehaltenen Hand. Walter von Poseck aber wurde immer erregter. Sein Bier hatte er auf einen Zug hinuntergestürzt und sich darauf ein Glas Grog bringen lassen. Ihm war sehr unbehaglich. Eine unerklärliche, nervöse Angst ließ ihn srösteln. „Was ist denn eigentlich Wahres an dem Beweisstück und der Mutmaßung über seinen Verfasser, Herr Rittmeister?" wandte er sich an Eppen. Seine Stimme klang heiser und gepreßt. Der Rittmeister strich sich unbehaglich über den kahlen Kops. „Da ist durchaus noch nichts zu sagen. Sie wissen, so etwas wird streng geheim gehalten." Nun mischte der „schöne Schmieder" sich gelassen ins Gespräch: „Gott, Herr Rittmeister, was ist das noch geheim zu halten? Das saubere Frauenzimmer hat ja dafür gesorgt, daß heut wieder einmal der Name Baron Tressenbergs in aller Munde ist." Eine schwüle Stille folgte seinen Worten. Die Offiziere waren sich alte der Gefahr bewußt, die darin lag, wenn sie den Verdacht gegen den Kameraden erst offen zugaben. Der Rittmeister von Eppen war der einzige, der für seinen jüngsten Osfizier eine Lanze brach. „Ich glaube nicht an seine Schuld. Entweder ist er einem unglückseligen Zufall oder weiblicher Rache zum Opfer gefallen, das letztere scheint mir näher zu liegen. Ich weiß, daß ich ihn vor dem gefährlichen Weibe warnte, als ich sie damals bei ihm traf. Es mag wohl schon zu spät gewesen fein." „Ausfallend ist es aber doch," warf Rittmeister von Klast ein, „daß Tressenberg, der zuerst ein so lauer Soldat gewesen ist, sich plötzlich mit wahrem Feuereifer auf den Dienst und militärische Studien warf — — sagten Sie nicht auch, Schmieder, daß er sich von Ihnen kriegswissenschaftliche Bücher geborgt habe?" Der Gefragte nickte bestätigend. „Es waren Aufsätze darunter, die ich auf der Kriegsakademie verfertigt hatte." Der Rittmeister ließ einen Pfiff hören und wandte sich dann an Hauptmann von Poseck, der in sich versunken vor seinem Glase saß, mit der Frage: „Nun, wie stellen Sie sich eigentlich zu der Sach«, Poseck? Meinen Sie, daß er schuldig sein könnte?" Der Hauptmann fuhr empor. Der schnell genossene Grog stieg ihm siedend heiß in die Schläfen. Seine durch die aufreibende Krankenpflege, die fiebernde Ungewißheit und zehrende Sehnsucht nach der Geliebten straff angespannten Nerven zerrissen. Schmerz und Zorn lähmien die Klarheit seiner Sinne. Er wußte wohl kaum, wie groß die Tragweite der Worte war, die jetzt laut und deutlich von seinen Lippen kamen: „Ich habe dem hochmütigen verschlossenen Tressenberg von Anfang an nicht viel Gutes zugetrant und würde mich gar nicht wundern, wenn er sich als Landesverräter entpuppte." Schmieder, der mit dem Gesicht direkt dem Eingang gegenüber saß, hatte bei seinen letzten Worten eine ungestüme Bewegung gemacht, als wolle er ihn am Weitcrsprechen hindern, doch Poseck hatte es in seiner Erregung nicht bemerkt. Erst als er die Augen des Kameraden in unverhohlenem Schreck eine bestimmte Richtung nehmen sah, wandte er sich um. (Fortsetzung folgt.) gilt Winter spazrergang. Von Olga A l t m a n n, Biesental. Wer kommt mit? Ich möchte einen Spaziergang in den Wald machen, der in seinem Winterkleid wunderschön aussieht, fast noch prächtiger als zu anderen Jahreszeiten. Ihr alle wollt mitgehen? Ei, mir soll's recht sein! Es ist ja herr.iches Frostwetter, und die Bewegung in der frischen, kalten Lust wird euch gut tun, besser als das Hocken am warmen Ösen. Darum macht euch schnell fertig, hoch eure Mäntel und Jacken, Hüte und Mützen und sorgt vor allem sür festes Schuhwerk, damit der Schnee nicht durchdringt. Nun liegt die Stadt hinter uns. Weite schneebedeckte Felder dehnen sich zu beiden Seiten des Weges aus und glitzern und flimmern im Sonnenlicht. Unter der blendend weißen Hülle ruht die Saat wie unter einer weichen, warmen Decke wohl- geborgen: hier und da schaut mal ein grüner Streifen hervor, wo der Wind den Schnee verweht, oder wo die Sonne ihn weg- geschmolzen hat. Und kann man sich etwas schöneres. denken «ls den funkelnden Reifbehang! Die Birken am Wege mit ihren niederhangenden Zweigen, sehen sie nicht herrlicher aus als die blühenden Oüstbänme in ihrer Maienpracht?! Sie schimmern in märchenhafter Schönheit, mit Millionen von Silbersternen geschmückt, und wenn ein leiser Windhauch sich erhebt, falten unzählbare funkelnde und blitzende Eiskristaile wie Blütenblötter zur Erde. Aber selbst jedes verdorrte Kräutlein, jeder trockene Halm nm Wege, jedes Spinnengewebe ist mit feinen Eisnadeln behängt, die, vcn der Sonne bestrahlt, wie kostbares Geschmeide, wie herrliche Edelsteine in allen Farben aufleuchten. Unwillkürlich kommt mir das Berschen in den Sinn.: Das nenn' ich Diamanten, Saphir, Smaragd, Rubin — So viel an hohen Festen Trägt kaum die Kaiserin. Wir sprachen eben von Fürstlichkeiten — ei seht, da meint Seine kleine Majestät der Zaunkönig, er gehöre auch dazu. Hier aus dem Gebüsch eines Vorgartens erklingt sein lustiges Sieb» chen, und da sitzt auch das winzige, immer srohe Vöglein und wippt mit seinem in die Höhe gerichteten Schwänzchen, wie es seine muntere Art ist. Der königliche Sänger, dem auf jebem Zweige fein Thron erbaut ist, kennt keine Herrscherforgen; erklingt nicht sein kleines Lied, das immer in einem schallenden Triller endigt, so bell und fröhlich, als wolle er uns zurufen: 95 — Ei» König bin ich vom Zaune, Weiß nichts von Leid und Weh, Hab' immer gute Laune, Frag' nichts nach Frost und Schnee. Sott ich euch erzählen, wie der kleine Bursche zu Ehre» und Würden gekommen ist? Als einst vor langen, langen Jahren die Vögel einen König wählen wollten, verlangten sie von ihrem künstigen Herrscher, daß er am höchsten zur Sonne emporsteigen könne, daß er sich als König im Reich der Lüfte bewähre. Da entstand ein allgemeines Wettfliegen: jeder Vogel versuchte seine Kräfte, allen voran aber sch-chang sich der Adler empor, höher und immer höher, bis er sich endlich nahe den Wolken rs> majestätischer Ruhe schwebend wiegte. Schon glaubte er sicher, den Preis davongetragen zu haben, da sah. er über sich ein winziges Vöglein, das ihm lustig imb neckisch zurief: Ich bin König, ich bin König. Der kleine Schelm war vor dem Aufstieg unbemerkt auf den Rücken des Adlers geschlüpft, hatte sich von ihm emportragen lassen, um ihn dann in höchster Höhe zu überlisten. Zwar wurde der Aar doch von allen Vögeln als ihr Herr und König anerkannt, ,aber auch des kleine Vöglein erhielt als Lohn für seine drollige Schlauheit den Königstitel — Zaunkönig heißt er bis auf den heutigen Tag. Wir sind beim Plaudern, tüchtig vorwärts gekommen und finden überall etwas Hübsches zu sehen und zu beobachten. Was ist das für eine muntere, vielköpfige Schar, die auf dem Straßendamm ihr Wesen treibt? Zivifchen den dreisten Gassenjungen, den Spatzen, tummeln sich auch Zugehörige zur besseren Gesellschaft im Bogelreich, Goldammern und Grünlinge und die zierlich einherschreitenden Haubenlerchen mit ihrer hochstehenden Tolle. Jetzt beginnen die Tage der Not und Sorge, und da haben sich denn all die armen Hungerleider zusammengefunden, um gemeinsam die schweren Zeiten zu überstehen. Wir wollen ihnen mal ein kleines Festmahl bereiten, die Zutaten habe ich mitgebracht, eine Düte mit allerlei Sämereien, Körnern und kleinen Abfällen. Ei, wie es ihnen schmeckt, wie sie picken und sich drängen, und wie immer neue Scharen herbeifliegen! Ist es nicht ein anmutendes Bild, und klingt nicht ihr leises Gezirp, als wollten sie nns Dank sagen! Nicht wahr, Kinder, ihr deckt auch in harter Winterszeit den lieben Vöglein ihr Tischchen? Es läßt sich ja so leicht auf dem Fensterbrett, auf dem Balkon, vor dem Hause oder im Garten eine Futterstelle einrichten, und wenn ihr allerlei Ge- säme, kleine Brocken und Abfälle hinslreut, wird es an Gästen nie fehlen, weder in der Stadt noch' aus dem Land. Die kleinen Sänger brauchen unsere Fürsorge und vergelten sie reichlich. Wie wundervoll erklingen ihre Lieder in schönen Frühlingstagen, welchen unberechenbaren Nutzen stiften sie durch massenhafte Vertilgung schädlicher Insekten! Wenn die flinken Vöglein nicht zur Nahrung für sich und ihre allzeit hungrige Brut Tausende und aber Tausende von Raupen und Maden und Würmern wegfingen, ihre Eier und Larven aus den verborgensten Schlupfwinkeln heraushvlten, dann wäre es um Feld, Garten und Wald übel bestellt, dann toürden der Landmann, der Gärtner und Förster sich nicht des Ungeziefers erwehren können, und auch für euch keine Kirschen und Pflaumen, keine Birnen und Aepfel reifen. Darum gedenkt jetzt in den Tagen der Not auch der darbenden Sänger! Unser Spaziergang zeigt uns stets wechselnde Bilüer, die unsere Aufmerksamkeit fesseln. Eben ertönt von dem Wipfel eines Baumes ein rauhes „schack, fäiac!" — wir kennen den Ruf und die langschwänzigen Vögel, die geschwätzigen, diebischen Elstern. Sie haben wohl unsere Schritte vernommen, denn sie erheben sich in schwerfälligem Fluge, um schon auf dem nächsten Baume zu rasten. So schon die Elstern in ihrem schwaräzweiß gezeichneten Federkleid ausschauen mit den stahlblau, grütt und violett schimmernden Flügeln, so garstige, blutdürstige Räuber sind sie, vor denen kein Vogelnest sicher bleibt. Auf den Feldern uns zur Seite, wo die Saat grün durchblickt, schreiten ent ft und bedächtig, nach Nahrung spähend, einige Krähen einher. Plötzlich fliegen sie mit heiserem Geschrei empor, um sich mit anderen krächzenden Genossen zu vereinen. Auch die Nebelkrähen stehen in dem Ruf von Spitzbuben und Räubern; sie überfallen ntanches Nest, stellen Wohl >a!uch jungen Hasen und Rebhühnern nach, und die Küchlein sind vor ihnen nicht sicher. Ihre gelegentlichen Freveltaten werden aber durch die Vertilgung unzähliger Feldmäuse gut gemacht. Ein anderes Verdienst von ihnen ist, daß sie die Raubvögel fern halten: sie verkünden ihre Annäherung mit lautem Geschrei und verfolgen den Feind mit vereinten Kräften, so daß er meist unverrichteter Sache das Weite suchen muß. Nun haben wir den Wald erreicht. Wie herrlich liegt er vor uns in zauberhafter, schimmernder Pracht, in schweigender, majestätischer Schönheit, scheinbar öde und tot, und doch von Leben erfüllt, ernst und dunkel, und doch in Hoffnungsgrün gekleidet. Unsere guten Nadelbäume halten auch im Winter treu und beständig Farbe, und ihr grünes Gewand wirkt im Gegensatz zu dem schneeigen Weiß besonders frisch und freudig. Noch glitzert an den langen Kiefernadeln der zierliche Neifbehang, und auf den unteren Zweigen ruht eine blendend weiße Schneedecke. Hier und da blinken auch lange Eiszapfen; — die Sonnenstrahlen haben die Schneeflocken geschmolzen, aber ehe die Tropfen zur Erde niederrannen, sind sie in der kalten Luft wieder erstarrt. Zwischen den hochragenden, kerzengeraden Kiefern stehen junge, schöngewachsene Bäumchen und stachelige WachHolderbüsche, aber wie drollig und wunderlich sie aussehen! Der Schnee hat ihnen gar sonderbare Kapuzen und Mäntel übergezoaeu, als w-ollte er sie für ein Maskenfest ausputzeu. Jetzt bricht die Sonne durch den Wolkeuschleier, mit deut sie sich kurze Zeit verhüllt hatte, und läßt die Baumstämme rot erglühen; allerorten blitzen Schnee- sternchen und Eisflittern auf und suukem in leuchtenden Farben, gleich dem Behang am Weihnachtsbaum. Und fast will es uns scheinen als schimmerten dort rotbäckige Aepfel auf den dunkelgrünen, schneeweiß überhängten Zweigen. Wir treten näher hinzu, um uns das Wunder zu beschaueti. Utti> was zeigt sich unfern erstaunten Blicken? Nicht saftige Früchte hängen zwischen den Nadeln, die Bäume tragen einen lebendigen, beweglichen Schmuck, muntere Vögel mit prächtig rotem Gefieder, die in steter Geschäftigkeit im Gezweig klettern und schweben, spielen und Nahrung suchen. Kreuzschnäbel sind es, eine in unfern Gegenden verhältnismäßig seltene Erscheinung. Sie kommen nicht Jahr für Jahr, sondern ganz unregelmäßig, und immer nur daun, wenn die Kiefernbäume reich mit Zapfen behängt sind. Der Same der Kienäpfel ist ihre liebste Speise, und sie verstehen es meisterhaft, mit ihrem starken, hakenförmig gekrümmten Schnabel die Schuppen abzusprengen uud den Samen zu gewinnen. Aber die hübschen Vögel — die Männchen mit ihrem roten Prachtkleid, die Weibchen in bescheidenem, graugrünen Röckchen •— sorgen nicht nur für ihre Sättigung, sic bauen auch Nester, legen Eier, brüten Junge aus, füttern diese mit rührender Liebe und Treue, uud alles das in harter Winterzeit, bei Schneegestöber und oft bitterer Kälte. Je iveiter wir wandern, um so mehr werden wir gewahr, daß auch der winterliche Wald nicht leer und erstorben ist, daß er ein reiches Leben in sich birgt. Das huscht in den Zweigen, das klettert au den Stämmen, das sucht die Wege ab, das späht überall nach! Nahrung und wispert und pfeift und singt in leisen, feinen Tönen. Wenn viele unserer lieben Sänger, löte es wohl auch reiche Leute machen, im Winter nach dem sonnigen Süden verreisen, so bleibt doch eine große Zahl trotz Wind und Wetter, Eis und Schnee allezeit der deutschen Heimat treu; ja es fehlt selbst nicht an solchen Vögeln, die im Winter zu uns kommen. Sie wohnen sonst im hohen Norden und finden es bei uns mild und behaglich, im Vergleich mit der Kälte, die in ihrer Heimat herrscht. Zu solchen Wintergästen gehören die fchönen Seidenschwänze. Klingt da nicht wieder ein „zerr zerr" und dir lustige Weise des Zaunkönigs an unser Ohr? Und schaut, da hüpfen und flattern die andern Zwerge aus dem Vogelreiche durch' das Gezweig, die reizenden Goldhähnchen mit ihrem orangeroten Kopfputz. Das Auge vermag ihnen kaum zu folgen; wie kleine Mäuslein, so flink und behende huschen sie durch das Dickicht. Hier aber zeigt sich ein großer Vogel im schwarzen Gewand mit gelbem Schnabel. Ihr kennt ihn wohl, den herrlichen Sänger, die Amsel, deren weithin schallender Schlag oft schon im Februar ertönt! Eine Wolke von Reifschnee sprüht hernieder, wir schauen aufwärts: da tummelt sich eilte große Schar von munteren, lebhaften Vögeln, Meisen aller Art, die oft in den wunderlichsten Stellungen, zuweilen den Kopf nach unten gerichtet, eifrig alle Ritzen nach Jnsekteneiern und kleinen Kerbtieren durchsuchen. Sehen wir genauer hin, so finden wir wohl bald als größte von ihnen die Kohlmeise heraus und als zierlichste d'.e flinken Tannenmefen; die Blaumeise erkennen wir an ihrer weißgesäumten blauen Kopfplatte, -und die Haubenmeise an ihrem spitzen Häubchen. Es ist ein wahres Vergnügen, dem Treiben der immer beweglichen, kecken, fröhlichen Tierchen zuzuschauen, welche in Wald und Garten strenge Polizei ausüben und mit allen Baikmverwüstern aus dem Jnsekten- reich kurzen Prozeß machen. Sie gehören daher zu nnseru nützlichsten Vögeln, die Schutz und Pflege verdienen, und statt dessen werden noch immer unzählige Scharen in Meisenschlägen und Meisenhnttm weggefangen, um al» Leckerbissen verspeist zu werden! In der Gemeinschaft der Meisen befinden sich hier auch viele andere Vögel: Kleiber, Baumläufer, Spechte; denn bei Frost und Kälte gesellen sich häufig sehr verschiedene Arten zu. einander, die in guten Tagen nichts von einander wissen mögen. Ich höre einen Jubelrus. Er gilt wohl betn munteren Eichhörnchen, das dort sein possierliches Wesen treibt. Der rotbraune Geselle mit dem dickbauschigcu Schwanz hat eine gar seine Nase, ein merkwürdiges Vorgefühl für jeden Umschlag int Weiter. Als er das Schneegestöber witterte, hat er schnell sein Nest ausgesucht, das Ausgangsloch Sorgfältig verstopft und sich dann zu behaglicher Ruhe zusammengerollt. Jetzt hat das schöne Wetter ihn wieder aus seinem Schlupfloch hervorgelockt zu neuer Lebensfreude und fröhlichem Spiel. Seht nur de« Kenten Türner, wie gewandt er flett.rt und springt, wie er blitzschnell von Zweig zu Zweig, von Ast zn Ast schwingt, wie er in weitem Sprung von einem Baum zum andern die Lust durchfliegt! Ruhe scheint er nicht zu kennen; da ist er wieder aus dem Erdboden angelangt, da hüpft er munter einher, da rutscht er behend an einem Baumstamm empor, indem er mit seinen langen, scharfen Krallen in die Rinde einhakt, da springt er wieder ntuf einen Ast, um an einem Kiesernzapfen zu knabbern. Gar hübsch und drollig nimmt sich jetzt unser Eichhörnchen aus, wie es auf feinen Hinterfüßen fitzt, während es mit den Vorderpfoten zierlich den Zapfen hält, mit kräftigen Zähnen ein Blättchen nach dem andern abbeißt und dann den Kern zum Munde führt. Wie lebhaft blitzen die großen Acuglein, ivie an- 96 pesMisr^te». spricht von der Gegenwart als einer längst verflossene» schildert uns die traurige Lage, in welcher unsere ' • ’ ; Fortsetzung derartiger Wirtschaftspakte? mutig ist jede Bewegung, wie scharf, lauschen die spitzen Ohren auf jedes verdächtige Geräusch,! Schade, rammer>chade, 6g6 t>er anerficbfte Bursche ein garstiger Räuber ist und mancherlei schaden anstiftet. Er nährt sich nicht nur von Eicheln und Russen, Kiefern-- und Fichten, amem von Knospen, Beeren und. Pilzen, sondern stellt auch den Vogeleiern und kleinen Vögeln eifrig nach Da setzt ein Hase mit angelegten Ohren pfeilschnell über den Weg. Der arme Meister Lampe ist in, bestanchger Flucht: er hat der Feinde gar zu viel, die nach feinem schmackhaften Fleische Verlangen tragen: ,, Menschen, Hunde, Wolfe, Luchse, Katzen, Marder, Wiesel, Füchse, Adler, Uhu, Raben, Krähen, Jeder Habicht, den wir sehen, Elstern auch nicht zu vergessen, Alles, alles will ihn, sresjen! Wie kann da der arme Schelm semes Lebens stth weÄen, muß er nicht scheu und furchtsam sein und überall Gefahr Wikern l Da die Natur ihm jede Verteidigungswaffe versagt hat, sucht er sich stets seinen Verfolgern durch die Flucht zu entziehen: er ergreift das Hasenpanier, undoft gelingt ihm seine Rettung durchVorslmt und Schlauheit und die Schnelligkeit, seiner Fuße. Rur wenn die Hasen sich ganz sicher glauben, ergötzen sie sich, wohl auch bei fröhlichem Spiel. Dann vollführen sie lustige Sprünge und Kreisläufe, machen Männchen und wälzen sich als Zeichen ihre» Behagens. , Das Häschen, das eben in großen Sätzen an uns vorbelttes, tollt wohl llmschau halten,, ob irgendwo noch em keckeres Gerächt Grünkohl zu finden sei, an dem es sich gütlich tun kann, sonst sucht es eine schneefreie Stelle in der Wintersaat oder in einem Kleefeld, knabbert wohl auch an der Rinde junger Baume, sehr ^Das^mne^ch Glück! Steht da nicht ein Rudel allerliebster Rehe, die jetzt ihre sonstige Furcht und Scheu abgelegt haben, denn sie lassen sich im Aesen nicht stören? Ruhig nagen sie an den zarten Spitzen des Heidekrauts, das ihilen toutfommene Nahrung bietet,' oder an den Knospen von Bäumen und Straucheni, Allezeit wachsam und vorsichtig, spitzen sie bei jedem Geräusch die Obren; uns aber scheinen sie nichts böses zuzutrauen Wir wollen nicht näher treten, um sie nicht zu vericheuchen, »nd sie lieber nur ans einiger Entfernung beobachten. Die schlanken, zierlichen Tier^. f -fielt jetzt anders aus als int Sommer, wo sie ein dunkelrvstfarbenes seid tragen: im Winter zeigen sie eine braungraue, wollig« Behaarung und einen weißen Spiegel, der weithin sichtbar < unter dem Schwanzhöcker. Es haben sich hier wohl einige Faniilien züfammengesunden; denn wir zählen zwölf Häupter. Der Rehbock ist' jetzt ohne seine Zierde, er hat des Geweih tm November ab- geworfen und wird erst im Frühling mtt einem neuen aber wir erkennen ihn an feinem kräftigen Wuchs, die Weibchen sind schlanker und stets ohne Kopfputz, und bei den hub chen unge» Tierchen, den Rehkälbern, sehen imr die.^Grundfarbe mit helleren, weihen Flecken gezeichnet. Jetzt findet das. Wild noch mancherlei Nahrung nur wenn alles weit, und breit tief verschneit ist, beginnt auch für die Rehe eine Zeit der Not und des Mangels. Doch dann tragen wohl Förster und ^ager dafür, Sorge, daß ihnen eine schneefreie Bahn gemmffen wird, namentlich wo viel Heidekraut wächst. Zur wetteren Pflege bangen sie noch auf di ser Bahn an manche Bäume ein Bündel Klee oder Lnpinenhen, und die Tiere nehmen diese Liebesgaben dankvar an Wie gern möchte ich euch noch an den See fuhren, wo wir wohl Enten, Schwäne und Möven antreffeu und die mutuereit Zeisige im Erlengebusch beobachten lö inten, wo auf d r w eg l- glatten Fläche sich gewiß auch Schlittschuhläufer tummem, — aber es würde zu spät werden; wir müssen an den Rückweg denken. 9 Rach 600 Jahren. Eine Erzähtung aus ferner Zeit von Heinrich Holtz. 338 Seilen. Leipzig, Verlag von Walther Fiedler. — Der Verfasser, der wohl in verschiedenen Mitteilen gelebt hat, spricht von der Gegenwart als einer langst verflossenen Zeit. Er schildert uns die traurige Lage, in welcher nnsere Nachkommen bei einer Fortsetzung derartiger Wirtschaftspolitik geraten müssen. Er entrollt vor den Augen des Lesers em Gema dr neuer Kultur, er zeigt uns eine neue Menschheit mit ander, n Anschauungen, aiideren Sitten, auf hoher Geistesstufe stehend, einer Menschheit, die sich durch ihre LÄenswerse und Lebensdauer zu anderen Rasse entwickelt bat. — Es sind dies die Bewohner der neuen Welt, 1000 Jahre nach Entdeckung Amerikas. Im Gegensatz zu Iden landläufigen Anschauungen gibt der Berfa!,er nicht den Völkern germanischer Herkunft die Palme der Zukunft, vielmehr den mit tatkräftigen fremden Elementen durch,etzlen Völkern Südamerikas, die sich Ideale zu bewahren wußtet, wahrend die übrigen Völker int Materialismus verkümmern. Das ist der ungefähre Inhalt des Buckes. Literarisches. — Vtof Dr. Lapponi, der Leibarzt des Papstes Plus X, und Leo XIII., dessen plötzliches Ableben kürzlich gemeldet wurde, ist Verfasser eines Buches, von dem kumkch eine von M. Luttenbacher in Straßburg t. E. besorgte deutsche Ausgabe erschien: „HhpnotismusundS P i r 111 s mus .Medizinisch-kritische Studie (Verlaa von B. EKscher Nachfolger m Leipzig) Der weltbekannte Leibarzt zweier Papste, der Ver- traute des Vatikans, der angesehene Anthropologe, Nimmt zu einer der verwickelsten und das Gemüt ber ^enstA?tt. auf* regendsteu Fragen Stellung und bemüht sich.^fie wissenschaftlich zu untersuchen. Eine Stimme aus dem Vatikan über die zwei Gebiete, die bisher auf der strenggläubigen Sette tote «n „Ruhr mich nickt an" galten, könnte man die vorliegende Studie betiteln Es wird allen denen, die sich für Hypnotismus und Spiritismus interessieren, eine atvcegen.de Lektüre bieten. — Flaubert, Gustav, Drei Erzählungen. (Ein schlichtes Herz — Herodias — Die Sage von St. ^ultan.) Deutsche Uebertragung von Ernst Hardt. — In eiiler ttrndichtung von Ernst Hardt und in schöner Ausstattung hat der Insel-Verlag die „Trois eontes" von Flaubert herausgegeben und in zweiter Auflage erscheinen lassen. Die drei Novellen verdienen es, auch bet uns zu Lande bekannt zu werden. „(Sm schlichtes .Herz. .ist eine in ihrer Einfachheit ergreifende Erzählung, „St Inkan eine anmutig und geistvoll vorgetragene Legende; „Herodias aber eine realistische Behandlung des Salome-Swffeo in novellistischer Form. Die „Herodias" hat Oskar Wilde die Anregung zu seiner^,Salome" gegeben und vielfach auf dieses Drama em- Ä Frauendorfer auf die Säuberung der amtlichen Sprache bedacht und verdrängt unnützes Fremdes Schritt für Schritt. So verschwindet neuerdings von den großen Kohlenwagen die Aufschrift „Regiekohlentransport" und wird durch. „Dienstkohlenversand ersetzt — Bei der Gelegenheit muß auch erwähnt werden, daß dem Lenker der kaiserlichen Kraftwagen die Dienstbezeichnung „Ober» Wagenführer" verliehen worden ist. Man sieht darin wohl mit Recht die Abneigung unseres Kaisers gegen das abscheuliche Wort Chauffeur", die ihm einen begeisterten Dank des Dichters Dagobert von Gerhardt-Amyntor eingetragen bat (Aus der Zeitschrift des Allgemeinen Deutschen Sprachvereins.) Sprache und Muttersprache. (1814.) „Mich eine Sprach' ist schön? Welch eine Sprach' 'ist reich?. Verschieden au Getön, im Smit sind alle gleich Nicht dies' und jene Sprach' entzückt, erfreuet mich; Was mich erfreut, entzückt, das ist die Sprach' an sich: Daß eine Sprach» es gibt, die, was du suhlst und denkest. Dir deutlich macht, je mehr du dich in sie versenkest; Daß eine Sprach' es ist, kraft deren du verkündest Der Wett geheimen Sinn, soweit du sie ergründest, Drum ist die schönste Sprach' und . beste, die du nennst. Die Muttersprache, well du sie am.besten keimst. Friedrich Rückert. Scherzrütsel. (Nachdruck verboten.) Feist noch war ich, als ich lag und schlief; Als ich aickgescheucht in's Weite lief: Meines Leibes volle Formen schwanden: Bi>i nun dünn, doch überall vorhanden, Bin am Ausgangspunkt und auch am Ziel, Klingt das nicht wie spulhast Zauberspiel ? — «• Auflösung in nächster Nummer. Auflösung des Versteckrätsels in voriger Nununerr Es lacht Mancher, der lieber meinen möchte, * Wie lange würde ein Fingernagel, menst man ihn niemals abschnitte? Eine englisch«.Zeitschrift bat es unter» nommen, diese wichtige Frage zu beau Worten. Das Wachstum des Nagels betragt m der Woche etwa Vss Zoll, also am Jahre etwa IVs Zoll. Ein gewöhnlicher mngernagel würde etwa 41V Monate brauchen, um nachzuwachsen; bei einem siebzigjährigen Mann kann man also annehmen, daß er seine Nagel 186 mal völlig erneuert hat. Wenn man die Lange jeden Nagels mit einem halben Zoll ansetzt, so würden aus lebent Finger 7 Fuß 9 Zoll Nagel gewachsen sein,.und wenn man sie me beschnitten hätte, so würde der Siebzigjährige Nicht weniger als 771/2 Fuß lange Nägel mit. sich tragen. — ATcS? ist natürlich Unsinn. Der Fingernagel wachst deshalb so schnell, weil er beschnitten wird; fiele dieser Reiz fort, so würde stck sein Wachstum sehr verlangsamen. * Allerhand kleine F 0 r t s ch r t t t e. Durch Beifügung des Staatssekretärs v. Tirpitz sind folgende Fremdwörter des Sanitätswesens durchs deutsche Bezeichnungeri ersetzt worden. Krankenstation durch Krankenabteilung, Stakonsanfseher durch Abteilungsausfeher, Ordinierender Sanitätsoffizier diirck Oberarzt, Assistierender Sanitätsoffizier durch Hilfsarzt, Wachthabender Sanitätsoffizier durch Wachthabender Arzt. —. Auch bet den bayerischen Staatsbahnen ist man unter der Leitung des Herrn ______ _________ _ Redaktion: Ernst Hetz. - Rotationsdruck undHkwVdHHi'bl'icke« Unwersttüts-Bu-d- und ©ietubrurtertt. R ®te6eU