Ar. 184 M üUi; '; , \, 'Vx sHmB WWM üMM Auf der eigenen Spur. Kriminalroman von Otto Ho ecke r- (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) 21. Kapitel. Bei dem leisen, durch das Schließcit der Tür verursachten Geräusch hob Walden matt beit Kopf und blickte auf. Als er die Eintretcnde erkannte, da stieg eine dunkle Nöte in seine verhärmten Züge, ein heftiger Ruck ging durch seine Gestalt und unter einem leisen Stöhnen streckte» sich diese wieder auf dein .Lager, während das Gesicht hurtig sich der Wand wieder zukehrte. Doch da saß Hermine schon neben seinem Lager, faßte seine Hände und hielt sie trotz seines Widerstrebens fest. „Nicht so, mein Freund", sagte sie sanft, sich mutig zur Festigkeit zwingend. „Mögen Sie auch Ursache haben, den Blicken aller Menschen auszuweichen, mir dürfen und sollen Sie getrost in die Augen schauen, denn wir gehören zueinander — oder gehören wir nicht?" fuhr sie überredend fort, als er seine Anstrengungen, die Hände frei zu bekommen, verdoppelte. „Sollte ich mich nur einem Wahn hingegeben haben? War ich Ihnen nicht ungleich mehr als ländere Menschen? . . . und bin ich es nicht auch jetzt noch? Freund Walden, mag eS auch unweiblich klingen . ... in dieser Stunde drängt cS mich, es Ihnen zu sagen, daß Sie mir viel waren und bleiben werden bis zu meinem letzten Atcm- zupe!" . Der Verwundete stöhnte auf. „Ich beschwöre Sie, Hermine, gehen Sic!" .ächzte er. „Ich kann Sie nicht so sprechen hören; gerade von Ihren Lippen tut es unsagbar wehe — ich weis;, Sie müssen mich verachten!" „Wer spricht -davon ! Was wäre Neigung, die nur im Sonnenschein gedeiht!" widersprach das Mädchen, immer noch seine Hände in den ihrigen festhaltend. „Gerade weil ich in Ihrer Seele lese und wohl besser, als die anderen alle, darum kam ich hierher — oder glauben Sie, ich wüßte es nicht, was in Ihnen vorgeht? Sie sind am Ende Ihrer Kraft, Sic wissen keinen Ausweg vor drohender Schande, darum wollen Sie sterben. . . und falscher Stolz verschließt Ihre Lippen. Aber ist es männlich, Freund, sich in ein Schicksal kampflos zu finden — ein Schicksal, das wenig eigene Verschuldung und viel äußerliches Zutun herbei- gcführt hat? Ich denke besser von Ihnen! Gewiß, ich weiß cs so gut wie alle Welt, daß Sic in der Irre gegangen sind. Nicht geziemt es mir, die Ursachen zu erforschen, wenn ich sie auch zn kennen glaube. Doch von dem Mann, der mir nicht gleichgültig geblieben ist, wie ich auch itjnt nicht, darf ich Mannesmut bis zum letzten bitteren Ende erwarten. Lassen Sie mich Ihnen sagen, daß Ihre Annahme, ich verachte Sie wegen des Geschehenen, ein Wahn ist — nur den feigen Schwächling, der davor zurückscheut, die Folgen seiner Handlungsweise zu vertreten, müßte ich verachten. Bon ihm geliebt worden zu sein, wäre bis ans Ende meiner Tage für mich untilgbare Schmach!" 'Sie sprach so ernst und eindringlich, daß Walden nicht anders konnte: er mußte den Kopf nach ihr wenden. Doch als. ihre Blicke sich begegneten, da stöhnte er lvicder dumpf auf. „Das sagen Sie — gerade Sie, Hermine!" brachte er dumpf hervor. „Sagt cs Ihnen nicht das eigene.Herz, daß ich schweige, — weil — weil ich Mich schäme—unendlich vor Ihnen schäme . . und doch, beim Ewigen! Ich bin nicht schlecht, wenigstens nicht in dem Maße, wie die Leute glauben.... Stolz und geehrt wollte ich vor Ihren Augen dastehen-, sei es denn gesagt. Ich wußte, wie viele Neider ich hatte, die mir meine Erfolge mißgönnten. Darum wagte ich alles auf einer Karte, um Erfolg und Anerkennung an mich zn reißen — um vor Sie hintreten zu können, als ein ganzer Mann, Hermine!" fügte er verlöschend hinzu. * Dann, als sie nur mit gutem Blicke zu ihm niederschäute, ohne zu antworten, fuhr er verzweifelt fort: „Kein Mensch kann achten, atuch Sie nicht, was ich gelitten habe! Ohne es zu wollen, sah ich mich plötzlich in ein Meer von Schuld verstrickt . . . und da gab cs keinen Ausweg. Tas überwältigte mich . . . Verstand und Uebcrzeugung ließen mich im Stich . . . Ich handelte wie ein unbedachter Knabe, suchte mich gewaltsam vor den Folgen einer unbedachten Tat zu schützen .... und erreichte doch nur, daß ich mich immer hoffnungsloser verkettete . . Nun liege ich- auf der Strecke, und aus dem geachteten Mann von gestern ist der Schuft geworden, der keinem mehr in die Augen schaue» kann. Ah! Wer mir das zuvor gesagt hätte, daß cd so reißend schnell bergab mit mir gehen würde!" „Das ist alles selbstquälerische Phantasterei!" unterbrach ihn Hermine voll herber Offenheit, die. nur durch ihren sanften Blick gemildert würde. . „Was die Wahrheit auch sei, sie zu offenbaren, sind Sie sich selbst, sind Sie mir schuldig. . . Soll ich Nicht irre an Ihnen werden, so finden Sie den Mut zur .Wahrheit, Freund . . . draußen wartet mein Vater. Daß er immer Ihr Freund war, wissen Sie — darf ich ihn rufen?" Sic wartete die Antwort nicht ab, sondern schritt zur Tür und kehrte gleich darauf mit dem Rat an das Schmerzenslager des in großer Erregung Befindlichen zurück. Sie ließ sich wieder bei ihn; nieder und faßte erneut seine Hände. „Nun erleichtern Sic Ihr Herz, Freund Walden", sagte sic in einem- Tone klarer Bestimmtheit, „es find Ihre besten Freunde, zu denen Sie sprechen." Tie Widerstandskraft des Detektivs war besiegt; die herzlichen, verständigen Worte des geliebten Mädchens hatten seiner Vernunft die einzige Straße gezeigt, die er wandeln mußte. „Ja, ich trage die Schuld an dem Tode d:S unseligen Schuhmacher", begann veil ihn die romantisch veranlagte Geliebte darum b.'if. ’h, eine In begreiflicher nebelhafter Erwartung hatte Walden dann mrL bcr Selkcubachschen Billa auf den Jngcndsreund u.« ? Aug« acwefen, wie der sinnlos Berauschte Ä d^n Perwnat ans dem Hause geworfen worden war. "an"? ^C5 angenommen, da hatten schon h.n erste Worte genügt, um ihn die niederschmetternde Ent- rei ling machen zu Taffen; daß Schuhmacher dem ihm unverhofft «ewordenen Anblick der uiU Kassenfchrank verwahrten Juwelen-- .'ha,r nicht hatte widerstehen können, sondern aiich dies-' an genommen hatte. ‘ Im großen und gaiizen bestätigte er "die scharfsichtigen Vermutungen Thommens. Gustav Schuhmacher war sein Jngend- gespiele; er hatte ihn vor Jahr und Tag in Berlin wieder getroffen und sich ans reiner Menschlichkeit seiner angenommen, weil ihn die junge Frau und deren Kinder, die an der Seite des haltlosen Schwächlings ein gar sorgengetrübtes Dasein sührten, gedauert hätten. Da Frau Schuhmacher die Ansicht zu erkennen gegeben, möblierte Stuben zu vermieten; hatte er ihr selbst ein Zimmer abgemietet. Später hatte der Zufall auch Witte der jungen Frau als Zimälermieter Angeführt; dadurch umreit miteinander bekannt geworden. nicht entfernt war Walden der Gedanke an dir Ucogltchkeit gekommen, der Jugendfreund könne das in ihn gesetzte Vertrauen mißbrauchen und zum gemeinen Einbrecher werven Da,; Schuhmacher sich einen falschen Schnurrbart zu- gelegt hatte, erklärte er mit der Eitelkeit des Mimen, der nicht in menender Stellung erkannt werden mochte. Auch Walden hatte Vch vorllchkshalbcr in der kritischen Nacht einen blonden Vollbart angelegt, wie er es häufig tat, wenn, der Dienst ihn an ^">tten führte, wo die Klugheit ihm gebot, unerkannt zu vlcwcii. , 0 angegangen: er hatte sich nichts Schlimmes dabei gedacht. Doch bei Walden hatte die Anregung verhängnisvoll gewirkt. Gerade damals war er in seinen Nachforschungen zu dem Schluß gekommen, das, in Selkenbachs Besitz jene beweiskräftigen Papiere sich befänden, welche das ganze Schwindelkonsortium ans Messer liefern mußten. Blitzschnell war der Gedanke in ihm aufgetaucht, wie es unter Beihilfe des Jugendfreundes leicht fallen mußte, sich dieser Dokumente zu versichern. Zuerst hatte Walden die Versuchung weit von sich ab gewiesen, doch als er zu der Einsicht gekommen war, daß es aus keine andere Weise möglich schien; dem schlauen Fuchs bcizu- lommen, war er erlegen. Als mächtiger Faktor war seine Liebe siis Spiel gekommen. Man hatte ihm für den Fall seines Erfolges die Beförderung zum Kommissar ver- im Hinblick auf seine Jugend unerhörte Beförderung, die ihm, zugleich die Berechtigung gab, nm die Hand der längst Geliebten zu werben. Diese Erwägung hatte schließlich bei ihud den Ausschlag gegeben. Er hatte sich eiuzureden ver- standen, daß es sich nur um eine Kriegslist handelte. Hatte er Erfolg und vermochte er sich die Papiere zu verschaffen, so wurde kein Staatsanwalt deren rechtlichen Erwerb prüfen- sic waren vorhanden und ihr Inhalt lieferte die Bloßgcstelltcn in du- Hände der strafenden Gerechtigkeit; das war entscheidend. So halte Walden sich mit Gustav Schuhmacher eingelassen; uie,cr hätte lachend erklärt, es sei ihm eine Kleinigkeit, dem öi-CHitb gefällig zu fein. Er müßte sich nur die nötigen Wachs- abdrücke behufs, Anfertigung der notwendigen Schlüssel ver- Ichasien. Um dies zu ermöglichen, war der Detektiv auf bett - Emsall gekommen, den Jugendfreund als Lohnkellner in das Haus des Geheimrats «inznschmuggeln. Das war nicht schwer geweg-n, zumal Walden die Agentur, welche die vornehme Welt bei festlichen Anlässen mit Anshilfspersonal zu versehen pflegte, tonnte und deren Inhaber sich beeilte, dem Detektiv gefällig zu teilt. (Schluß folgt.) Jus derr SommerLagerr dieses Jahres. (Original-Artikel der „Gieß. J a in- Bl.) Nachdruck verboten. Em Zufall führte mich nm den 20. Juli in das Lu m b a- das obere Ohin-, Schwalm - und Fuldatal. wer sommer hatte sich immer noch nicht eingestellt. Kalte, nisije -rage wechselten fortgesetzt mit vereinzelten heißen s-onuentagen. Die Landwirte hatten große Not, das Heu .einigermaßen trocken unter Dach zu bringen. Bon Fliegen ivurde man selten belästigt, die armen Schwalbet, hatten Mühe, Nahrung für ihre Jungen und für sich selbst einzufangen. Sie kamen in ihrer Not nicht selten durch die offenen Fenster in die Zimmer und suchten mit Erfolg die Räume nach Fliegen ab. — Im oberen Schwalmtal wurde es zuweilen so kalt, daß in Niederungen an un- günstigen Stellen das empfindliche Kartoffelkraut erfror, die Felder sahen schtvarz nsie verbrannt aus. Im Kreise Alsfeld sind die bäuerlichen W i r t - s ch a f t e n meist großer als in den benachbarten hessischen Kreisen. Bauerngüter von 20—60—100—120 Morgen find häufig und da, wo der Besitzer mit Frau und erwachsenen Kindern zusammen wirtschaftet, sich also die Leutenot nicht fühlbar macht, bestehen auch recht erträgliche wirt- schaftliche Verhältnisse. Wehe heute dem, der mit fremden Leuten wirtschaften muß! Er hängt in der Sommerzeit von ihren Launen ab und muß sich denen ingrimmig fügen und ihren immer steigenden Lohnforderungen zu folgen suchen. Die Bauernhöfe liegen so friedlich in den Talgründen, die Scheunen sind groß und fassen doch kaum den Ernte- segen, der .Hof ist geräumig wie ein Herrenhof, das Wohnhaus sauber und stattlich. In eine solche Hofreite kann man bequem drei von den Hofreiten hineinstellen, wie sie in unseren Lahndörfern oft eng gedrängt um die Kirche herumstehen wie Schafe um ihren Hirten. — Die Landschaft macht da oben einen vortrefflichen Eindruck: die stattlichen Dörfer in den Wiesengründen, die hügelige Gemarkung mit ihren reichen Feldern, der üppige, dunkle Buchenwald ringsum auf den Höhen, der im Basaltboden wurzelt. Nm den 20. Juli herum war hier oben noch viel Heu zu machen. Das Heu in den Bachtälern war wohl geerntet, aber die F-eld- und die Bergwiefen, die bis an den Wald hinaufreichen und sehr gutes Futter tragen, waren noch zurück. Ich sah auf einer großen Bergwiese 12 Mäher in Tätigkeit. Die Bauern helfen sich gegenseitig, die Grasmähmaschine versagte, da der Hagel vielfach das Gras zu sehr an den Boden gedrückt hatte. Ein junger wohl- stehender Landwirt, der seinen Helfern voranmähte, versicherte mir, daß er gegen Lohn keine Mäher erhalten könne, und wenn er ihnen bei voller Kost einen Tagelohn von 5 Mk. zusichere. Tie entlegensten Landschaften leiden am meisten unter der Landflucht. Die Schwalm ist hier oben noch ein Gebirgskind. In munteren Sprüngen mit klarem Gesicht eilt sie talab. Die Forellen fühlen sich wohl in der kühlen Flut. Ein geschickter Angler, den ich beobachtete, holte in ganz kurzer Zeit drei prächtige Forellen aus dem Wasser. In so gesunder Gebirgslnft in dieser friedlichen Umgebung scheinen die Menschen auch ein höheres Alter zu erreichen. Da wurde in einem Dorfe, das ich passierte, ein Mann begraben, der 86 Jahre alt ivurde und int Jahre 1848 den badischen Aufstand niederkämpfen half. Der Mann konnte in den letzten zwei Jahren nicht mehr ausgehen. Der Kriegerverein sorgte aber dafür, daß dieser Veteran an dem Geburtstage seines Landesherrn und seines Kaisers auf deren Wohl trinken konnte: der Verein sandte dem alten Krieger mit einem Glückwunsch jedesmal eine Flasche Wein. Jetzt erwiesen ihm Verwandte und Freunde und der Kriegerverein die letzte Ehre. — Im Nachbardorfe traf ich einen zweiten Veteranen aus dem badischen Feldzugei Er ist auch 86 Jahre alt, noch ganz rüstig, denn er versieht den Flurschützendienst — die elsässischen Bauern würden sagen, er ist „Bannwart" — für zwei Gemeinden. Der 86jährige Veteran erhält für diesen Dienst von der kleineren Gemeinde ein Jahresgehalt von fünfzehn Mark, von der größeren Gemeinde ein Jahresgehalt von zwanzig Mark, und er ist froh, daß er in diesen Stellungen bleiben darf, die ihm so viel bares Geld ins Haus bringen. Und da spricht man noch von hohen B e a m t e u g e - h ä l t e r u ! .So alte Veteranen sind fetten, MückliKeriveise trifft 785 man auch auf dem Lande noch viele Veteranen aus den großen Jahren 1870/71. Wie ihre Augen leuchten, wenn sie von diesen Zeiten sprechen, und wie sie nicht müde werden, von ihren Erlebnissen vor Metz und von der gefährlichen Klemme an der Loire bei Briare zu erzählen. Aber auch die jungen Soldaten, die noch kein Pulver gerochen haben, jerinnern sich mit Freuden ihrer Dienstzeit in Gießen oder in Darmstadt. Ich werde nach den Offizieren aus ihrer Zeit gefragt, die ich meist gekannt habe. Sie sind in alle Welt zerstreut, mancher ist schon zur großen Armee ab- marschiert. — Der Sohn des 86jähr. Veteranen hat in Gießen gedient, er rühmt sich Flügelmann der 5. Kompagnie gewesen zu sein, er will mich zu seiner Zeit auch gekannt haben. Durchaus soll ich eine Flasche Wein mit ihm trinken. Scherzhafterweise kehre ich den Vorgesetzten heraus und befehle ihm, er habe eine Flasche Wein mit mir zu trinken. Nachdem das geschehen, belädt er sich mit meinem Handgepäck, begleitet mich zur Bahn, löst sich eine Bahnsteigkarte und reicht mir mein Gepäck in den Wagen. Mit feuchten Augen verabschiedet er sich von mir. Gern zeigen mir die Landwirte ihre Rindvieh st ü 1 l e. Ich treffe ganz moderne, sehr gut eingerichtete Stallungen. Als wir zu dreien die Schwelle eines Stalles überschreiten, sagt mein Begleiter etwas zu dein Besitzer, der sich daraus sehr förmlich bedankt. Ich wittere etwas Besonderes, einen Brauch dahinter und erkundige mich später. Mein Begleiter erklärt mir den Vorgang: Es ist Sitte bei uns, wen» wir einen fremden Stall betreten, dem Besitzer zu wünschen „Glück im Stall", für diesen Glückwunsch dankt derselbe. Für den Wandernden spielen die Wirtshäuser in den Dörfern eine Rolle. Jin allgemeinen verläßt sich der Wanderer am besten auf die im Rucksack uritgebrachten, wohlverwahrten Eßwaren. Meist fehlt es in den Wirtshäusern jedoch nicht an guter Butter, Eiern, Handkäse. Das Brot ist leider oft schlecht. An guten Getränken fehlt cs niemals. Man. erhält überall gutes Lauterbacher oder Alsfelder Bier, aber auch gutes Selterswasser, Limonaden und „Quatsch" find zu haben. Dies letztere Getränk kann ich besonders empfehlen, es besteht aus einer Mischung von Erdbeer- oder Himbeersaft mit ganz frischem, kühlen Brunnenwasser. Auf einem Plakat, das in jeder Wirtsstube hängt, nennt sich das Getränk „Squash", da aber Wirt oder Wirtin sich nicht gern mit der englischen Sprache befassen, so nennt man das Getränk allgemein Quatsch. Wirte und Gäste verstehen sich. Es ist erfreulich, Ivie rasch diese alkoholfreien Getränke auf dem Lande Eingang gefunden haben. Die meisten jungen Leute, welche auf ihrer Wanderung Raft und Erquickung im Wirtshanfe suchen und von der Mittagssonne erhitzt eintreten, fordern in der Regel nicht Bier, sondern Quatsch oder ähnliches. Immer wieder muß man sich freuen über die guten E r n t e a u ssich t e n trotz der Ungunst des Sommers. Ich komme zurück bis nach Burg-Ni cd er-Gemün den, zurück bis ins obere Lumdatal. Ueberall prächtige Halm- frucht. Bon Deck en buch aus erreiche ich das Ohmtal, der Wald tut sich plötzlich vor mir auf und ich sehe in eine sonnenbeschienene lachende Landschaft. Zur Rechten das so malerisch gelegene Homberg a. d. Oh>u, in dem weiten Wiesental, das sich zu beiden Seiten des Flusses hinab- zieht bis nach Kirchhain, erkennt inan die uralte turm- reiche Wasserburg Schweinsberg, und noch weiter unten trägt der plötzlich aus der Ebene anfsteigende gewaltige Basaltblock auf seinem breiten Rücken das sagenreiche Städtchen A m ö n e b u r g. Als ich mit einem Landwirt vor einem prächtigen Weizenfeld stehe und er int Laufe des Gesprächs angibt, daß die Ernteaussichten sehr gute seien, fährt er fort: „Ja, da habe ich zu meiner Militärzeit in Darmstadt viel ausstehen müssen. Als ich Rekrut war, da erzählten wir uns abends aus der Stube, wo wir her seien und so. Und als ich dcnnit herauskam, ich wäre hier zu Haus, da lachten mich die Rheinhessen und die Starkenburger aus und sagten: So, aus so einer .armen Gegend bist du, da verhungern ja die Spatzen in der Weizenernte! Ich habe mich ärgern! müssen über das Gerede. Wenn ich was sagen wollte, dann hieß es gleich wieder, ja ihr dahinten mit euren verhungerten Spatzen!" II. Ich habe die Nacht in der Krone in Alsfeld zu- gebracht. Am frühen Morgen weckt mich das Gewieher von Pferden, dem die feinen Stimmen der ganz kleinen Füllen lebhaft antworten. Auf dem Platze vor dem Hause halten stattliche Schwälmer Bauern, die einen Morgentrunk nehmen wollen, mit ihren Pferden. Die Bauern scheinen in ihren zieurlich eng anliegenden laugen Kitteln, in den hohen Weißen leinenen Gamaschen und bei ihrer guten geraden Haltung auffallend groß. Sie ragen auch, neben ihren Pferden stehend, weit über den Widerrist. Die scharf ge« schnitteuen Gesichter der Männer, die gut geformte Aase, die stolze Haltung lassen sie wie ein Herrengeschlecht erscheinen. Die mutigen Pferde tänzeln ungeduldig, scheinbar nur leicht am Zügel gehalten, nm ihre Herren herum, die auf die aufgeregten Tiere kaum achten und ihnen nur gelegentlich einmal beruhigend über den glatten Rücken streichen. Heule ist in Alsfeld Prämienmarkt, die ganze Stadt ist in Aufregung und ans der weiten Umgebung strömen die Menschen zusammen: zu Fuß, zu Roß, ztt Wagen, mit der Eisenbahn. Die Schwälmerinnen in ihren ungezählten Röcken, den buntfarbigen Miedern, Bändern, Hauben, schlohweißen Hemdärmelu ziehen, die schwere Last der Röcke kokett schwenkend, mit dem zierlichen Henkelkörbchen am Arm durch die alten Straßen Alsfelds dem Festplatze zu. Leider kann ich mir die Prämiierung der Pferde, Rinder, Schweine, Ziegen und das Volkstreiben auf dem Festplatze nicht ausehen, ich muß weiter. Am anderen Morgen will ich von Alsfeld nach Grell c u a u fahren. Trotz der vielen Nebenbahnen in Ober- Hessen ist es nicht so schwer, in Landschaften zu gelangen, in -denen man vergeblich auf den Pfiff einer Lokomotive horcht. Da kommt die Postkutsche zu ihrem Recht und wenn der Postillon auch nur noch selten das Posthorn bläst, sondern nur bei Gelegenheit mit der Peitsche knallt i— ein Stück der guten alten Zeit wird doch lebendig, wenn man sich diesem alten Verkehrsmittel einmal wieder au- vertraut. Schluß folgt. vermischte». * Der Verlobungsring — am Oberarm. Von einem neuen und mindestens recht originellen Schmuckstück kommt die Kunde aus Paris. Originell weniger der Form und der Art der Verwendung nach, als vielmehr seiner sozusagen symbolischen Bedeutung. Eine „hübsche, sehr vor- nehiue und sehr reiche Prinzessin, die. sich kürzlich verlobt hat", ist die erste glückliche Empfängerin und Trägerin des neuen Kleinodes. AuS diesen Andeutungen ersieht man ohne Mühe, daß es sich hier um niemand anders als um di« Prinzessin Marie Bonapärte handelt, die millioncnreichs Enkelin des Spielpächters Blanc, die die Braut des Prinzen Georg von Griechenland ist. Und sie erhielt das Schmuckstück — statt eines Verlobungsringes, der ihrem Bräutigam ivohl zu altmodisch schien. Die Gestalt eines Ringes, eines Armringes, hat das Schmuckstück freilich auch, oder richtiger die Gestalt von zwei Ringen. Es besteht nämlich aus zwei runden Armreifen, die aber nicht wie geivöhnliche Armbänder am Unterarm, vielmehr am Oberarm getragen werden und den Zweck haben, die langen, zu ausgeschnittenen Kleidern üblichen und fast bis zu den Schultern hinaufreichenden Handschuhe zusammenzuhalten und vor dem Hinabgleiten zu sichern. Die Armbänder sind in Gold auf antike Weise gearbeitet, doch verschwindet das Gold beinahe vollständig unter den Steinen, Diamanten und Saphiren in abwechselnder Reihenfolge', die cs bedecken. Das Armband läuft in einen großen Brillantknoten aus, der auf der Mitte des Oberarmes getragen wird. Und rings herum hängen von jedem Armreifen birnenförmige Perlen und Diamanten herab, die die 73? Wirkung des Schmuckstückes außerordentlich verstärken. — Hoffentlich founnt ein ganz § modernes" Brautpaar nicht ans die Idee, sich-die Verlobnngsringe durch die Rase zu ziehen. Weihttüchtsgcschcttke. Handarbeiten. . Ein- sehr feine Kinder w ag eu decke läizt nch aus breiten, weihseidenen Borten und Gabetbörtchenzwifchensatzen her--, stelle». Das' Modelt ist 70 Ztm. lang und 50 Ztm. breit. Ä» den beiden Schmalseiten ist die Mute spch zugehend, -vie zierliche Decke wird mit mattblauer Seide überfuttere, nachdem sie eine ganz dünne Watteneiutage erhielt, und wird unr eurem passenden, vierfingerbreiten Atlasbande recht ^sorgfältig emgc--. saht. Sehr gut macht cs sich, wenn die weihieldenrit Borten hie und da einige Stiche aus Goldfaden aufweiwn. Zur .in- fertianng der Gabelbörtchen nimmt ment euren seidenartig glanzenden Faden u. macht sie etwa 4 cm breit. Darm bchälett nran reden der Streifen mit Luftmaschen, indem die Schlingen verdreht zu bveieit thioiitt ivci'bcit nitb fyäfclt dtif ft2 liocty eine Stcifjc ,1 1 ' hoh. Stbch. Diese Streifen iucrbeit auf bie fetbeiteu Mit Vorderstichen genäht. , Ada -Berger. Für fleißige Kikrderhäp.de. — Ein nützliches G e scheu k si nd Eicrd eckch cn zum Wannhaiteil der Eier. Auf einem 28 Ztm. im Quadrat großen weihen Flanellstück wird in die Mitte in Kreuz-Platt- oder stllstrch , Frische Eier", „Guten Appetit" oder em Huhn gestickt. , Em ebenso großes Stück Flanell dient als Futter, welches man Mittels überwendlichen kleinen Stichen, nachdem man beide Teile schmal umgelegt hat, zusammennäht. Ein schmales gehäkeltes Schtzcheu oder eilte der Stickerei gleichfarbige Schnur bildet den Schluß. — Staubtuchbehälter. Hierzu kamt mau verschtc- denes Material verwenden, so z. B. bezieht man auf beiden Seiten ein 30 bis 40 Zentimeter int Quadrat großes Stück recht biegsame Vappe mit einem Nestchen Plüsch, Samt, Setdeu- stoff, Tuch oder bergt, näht alsdann zwei benachbarte Seiten des Vierecks fest übereinander, so das; eine Tüte entsteht, die das Staubtuch aufnehmen soll. Die obere Spitze der Tüte biegt man entweder um und stickt „Staubtuch" darauf oder mau schneidet sie herzförmig aus und bildet dieselbe sodann das hintere Teil des Behälters, während die Nahtstelle vorn ungefähr 5 Ztm. tief ausgerundet wird, damit das Ganze eine gefälligere Form annimmt. Der Behälter wird nun mit einer Band- riische, kleinen Ponpons re. garniert; als Anhänger bient eine hübsche Schleife. Um dies praktische Geschenk zu vervollständigen, strickt man dazu einige Staubtücher, welche bett gewebten durchaus vorzuziehen sind. Ein Anschlag von 100 bis 125 Maschen gibt ein hübsches Tuch. Starke Stahlstricknadeln und ungebleichte Estremadura-Baumwolle sowie rote waschechte Baumwolle zum Unihäkelu der Tücher ist dazu erforderlich. Sehr gut siebt ein versetztes, rechts und links gestricktes Muster aus: E. P. WclhrrachtS-äckersisrr. — Schokoladen-Gebackenes. 60 Gr. Kakgouiasse, Hz Pfund Mandeln, Vs Pfund Zucker, 10 Gramm Nelken, 15 Gramm Zimt, 3—4 Eiweiß. Tiefes wird altes untereinander gemengt, ausgewellt, ausgestochen, mit Eigelb bestrichen und lang- fatit gebacken. i - — Gute Makro'nen. 5 Eiweiß zu Schnee geschlagen, dazu 1 Pfund fein gesiebten Zuckers und Vanille, zusammen 3/i Stunden gerührt,, bann .1 Pfund geschälter und geriebener Mandeln zugefügt. Auf einem mit Oblaten belegten Blech in runder obrer länglicher Form langsam hellgelb gebacken. WeihuachisliLeraiur. — Die von der Unimr, deutschen Berlagsanstalt in Stuttgart, heransgegebene „U n i v e r s a l b i b l i o t h e k f ü r d i e I u g e n d", ’ bereit Ausstattung solid, deren Inhalt vielseitig bei vorzüglicher Auswahl ist, schickt uns drei Probebändchen: „Kinder- und Hans m ä r ch e n der Gebrüder G t i m in", die Erzählungen „Der . Bernsteintaucher und bet Mildfischer" von B. Schultz, und „Bergkristall" und „Katzensilber" von Adalbert -Stifte r. Diese Auswahl reiht sich würdig den bisherigen Veröffentlichungen an. Was die europäische und besonders bie deutsche Literatur • an Erzählungen, Märchen, Sagen, geographischen Bildern usw. . bietet, wird hier in guter Auswahl wiedergegeben. Ein bcson- ' derer Vorzug der Bibliothek ist der niedrige Preis der hübsch "ausgestatteteu und illustrierten Bändchen. — I in Märchenland e. Eine Sammlung von 25 netten Märchen, der Jugend erzählt von Emilie Franck von Michers. Ca. 260 Seiten 80 mit 50 Textbildern und 6 ganzseitigen Vollbildern, davon 3 in Vierfarbendruck von Helene Greinert. — Soviel es auch Märchen gibt, diese 25 Märchen werden der Jugend Freude bereiten. Sie führen in das Reich der Zwerge und Elfen, in Feenpaläste, in Königsschlösser und in die Hütten der Armen, geleiten sie auf die blühende Heide, in bie dunklen Forsten des Schwarzwaldes, in bie sonnigen Täler der grünen Steiermark, alles belebend mit den Gestalten der Märchenwelt und in den Kindern die Liebe zur Natur und ihren Geschöpfen erweckend. Durch Abbildungen werden die Personen der einzelnen Märchen den jungen Lesern greifbar nahe gerückt. Diese neuen Märchen können Eltern empfohlen werden. — Hermann Kienzl, Die Bühne ein Echo der Zeit (1905—1907.) Concordia Deutsche Verlags-Anstalt, Hermann Ehbock in Berlin W. 30. Preis geh. Mk. 6.50. — Hermann Kienzl hat sich bereits vor zwei Jahren durch (eine nm- sangreiche Schrift über „Dramen der Gegenwart" wie neuer-- dings als Mitherausgeber des „Blanbuchs" bekannt gemacht. Sein neues Merk wird voraussichtlich die Geltung Kienzls in noch weitere Kreise tragen. Das Buch ist recht brauchbar iiir Künstler und Regisseure und anregend für Kunstfreunde. Eni gründliches Missen reift sich mit. „Die Bühne cm Echo oer Beit" behandelt u. a.: Persönlichkeit und Verwandlung des Schauspielers, die Schatten der Kritik, das Provinztheater, bie Berliner Bühnen, Shakespeare-Aufführungen, Ibsen-Aufführungen, Haupt- ntannS „Friedensfest", „Und Pippa tanzt" und „Die Jungfern voin Bischofsberg", Sudermanns „Stein unter Steinen" und „Dos Blumenboot", Frank Wedekinds „Frühlings Erwachen", Stücke von Oskar Wilde, Wildenbruchs „Ravensteinerin", Beerbohm Aree, die Düse als Rebekka West und Hedda Gabler. — E i ?t e Fa n st n a t u r. R o in au v o n I o s e f Ko h l c r. Concordia. Deutsche Verlagsanstalt, Hermann Ehbock in Berlin W. 30. — Der bekannte Berliner Professor der Rechte gibt hier ein Stück Lebens- und Herzensgeschichte einer Faustnatur, beit Roman eines dichterischen Philosophen, eines Maimes, der die Liebe und den Minnedieust zur höchsten und größten Philosophie erhebt, dabei voll Lebensmut und mit Mächtigem Streben nach der Welt und nach Durchbrechung aller Schranken erfüllt ist. Tiefe Lebensweisheit und ein reicher Erfahrungsschatz haben diesen Philosoph. Roman schreiben helfen, der uns bie neue Religion, die Erziehungdur ch K n n st u n d Schönheit predigt, den Lebensgenuß nur als berechtigt anerkennt, wenn er mit der Tenkkraft sich paart. „Aus deutschen Dichtern", eine Anthologie, betitelt sich ein schmuck ausgestattetes Bändchen, das soeben im,Verlage von L. Staackmanu, Leipzig, erschieneik ist. Otto Ernst, Peter Rosegger, Map Geißler, Friedrich S p i e l h a g e n , ferner Rudolf Greinz, De Nora, Carl Conte. Seapinelli ?c. sind hier mit selbstäudigeii zum Teil nnveröffentlichten Novellen, Skizzen und Gedichten vertreten. (30 Pfg.) Jin Bnchverlag fürs Deutsche Haus (Wilhelm Magner) m Berlii! S. W., Anhaltstraße 14, sind von den wunderhübsch ausgestatteten geradezu lächerlich billigen (75 Pf. pr. geb. Baud, der ca. '300 S. stark ist) „Bücher n des Deu tsch cn 5) anie§'■ soeben noch erschienen: „Zschvkkes Novellen" und „Max K r e tz eI, D i e S p h i ii x i n T r a n e r". Weitere Bände werden vorbereitet. m •, M e i st er er zä h l u u g en fremder Dichter: Norducye Dichter. Für die Jugend ausgewählt von Johannes Henning>e>n Gebunden Mk. 2.50. (Verlag von Otto Spanier in Leipzig.) — Es ist ein glücklicher Gedanke, die deutsche Jugend mit den modernen Meisterwerken der Erzählungstnnst der fremden Kul- turitatiüiien bekannt zn machen. Jede der in ,bem Bucge vereinigten Erzählungen ist ein kleines Kunstwerk, geeignet, bie Phantasie zu befruchten, Herz und Gemüt zu veredeln, Lebensfreude zn wecken und für Großes und Schönes zu begeistern. Ter Band enthält acht, mit Takt ausgewählte Erzählungen hervorragender norbischcr Dichter. Bei^ aller Abwechslung deS Inhalts zieht sich wie ein roter Faden durch alle Geschichten hindurch das Streben nach sittlicher Bervoll- kommuimg der Persönlichkeit/ . . Logogrrph. Mit „i" wird es aus trübem Saft Ein klar und rein Getränk bereiten, Mit „o" ein RechtSbrauch, grauenhaft, Gottlob, aus längst uergnng’ncn Zeiten. Mit „n" sieht man eS zart und bunt Um buft’ge Blumen tändelnd fliegen. — Wer kommt der Sache auf den Grund'? Nicht schwierig ist's herauszukriegen! Auflösung in nächster Nummer. Auslösmig des Ergänzungsrätsels in voriger Nununcr t Nur vorwärts frisch und frei den Blick, Darfst ihn nicht trübe senken, Dir ward beschieden dein Geschick, Doch selber kannst du's lenken. Hafenelever. Die Einsendung hübscher Rätsel, von treuen Lesern unserer „Familienblätter" verfaßt, an die Redaktion der „Familien- blätter" ist selfr erwünscht. Redaktion: P. Wittko. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen.