Montag den 12. August Wr. 118 1807 W li SW MW ! f! Jun Ken unter der Asche, Roman von M. Proßnitz (M. Nörenberg). Unbefugter Nachdruck wird gerichtlich verfolgt. Schluß. Herbst wars! Zum zweitenmal Herbst seit dem Tode des Hofmarschalls. . _ v™ Es war vieles anders geworden in Veltlingen, seit die Baronin in den Besitz der großen Herrschaft gekommen war. Tenn als Dagmar endlich völlig genesen war, begann sie sich mit wahrem Feuereifer an all die Verbesserungen zu machen, welche sie in den Langen, einsamen Stunden auf ihrem Kranien- lager ersonnen hatte. Freilich, Wochen und Monate toareit vergangen, ehe sie zum erstenmal aufstehen durfte. Und dann fühlte sie sich ängstlich noch so matt und elend, so verzagt und lebensunlustig, daß ea lediglich dem nimmermüden Zuspruch des Pastors .Nnller zu danken war, daß der Lebenswille langsam, v Wie langsam in tbr crft-nr tte. , Oder trug der Brief von Uchdors auch ein wenig dazu bei? Der Brief, den sie ebenso wie die Kudern Beileidsschreiben erst lange nach dem Eintreffen ausgehändigt erhielt, weil der Arzt es vorher nicht gestattete. Trug der Brief auch dazu bet ? . . . Sie dankte es Uchdors von Herzensgrund- daß er ihr nur fein Beileid zu dem Tode des Kindes aussprach, diesem herben Verlust, an dem er mit treuem Frenndesherzen aufrichtigen Anteil Mit der Bitte, sich allezeit vertrauensvoll an seinen Freundesrat zn wenden, wann immer er ihr in ihrem großen Pflichtew- kreis damit dienen könne, schloß das herzliche Schreiben. Wehmütig lächelnd hatte Dagmar den Brief sortgelegt. Wie wohl diese stille Verehrung tat, die ihr so deutlich zwischen den Zeilen entgegen leuchtete. Eine Verehrung, die hostentlich irei war und frei blieb von persönlichen Wünschen seinerseits. Ein trüber Zug huschte über ihr Gesicht. Nie hätte sie geglaubt, daß ein Menschenherz so bar aller Siebe — tu dem Sinne — sein könne, so gänzlich teer wie jetzt das ihre, -ja, dessen einst so heißes Feuer war ausgebrannt zu Asche geworden ... Sie las von neuem Uchdorfs Worte. Ah, sie wollte tapfer und treu ihre Pflicht tun, arbeiten zum Wohl derer, die ihr unterstellt waren, für deren Ergehen sie sich jetzt mehr denn te verantwortlich fühlte. In dem Sinne schrieb sie auch an Uchdors, gleichzeitig mit herzlichem Dank sein Anerbieten treuer Freundschaft annehmend. Sie sollte bald genug in die Sage kommen, diese nötig zu haben. Ihr alter, seit Jahren in Veltlingen bediensteter Verwalter starb schnell und unerwartet an den Folgen einer Lungen- entzündnng. Uchdorfs Vermittlung hatte sie den jungen, wie es schien sehr tüchtigen Nachfolger zu danken. Seit jener Zeit begann zwischen Mergenthal und Veltlmgen ein regelmäßiger Briefwechsel. Anfänglich nur streng geschäftlich, berührten die Schreibenden später ab und an auch persönliche An- gelegenheiten. Mehr iind nie'fyr wurden ihre Mitteilungen ein Austausch von ' seelischen Erlebnissen, nicht nur von streng geschäftlichen Angelegenheiten, bei deren wichtigsten Entscheidungen Dagmar sich' unbedingt Uchdorfs klugen Ratschlägen unterordnete. . . So waren nach dem bangen und trüben Winter -rrnyling und Sommer ins Naud gezogen. Sie hatten Dagmar viel frohe Stunden gebracht, wenn auch oft genug die Erinnerung an da^ schwere Unrecht, welches Veltlingen ihr zugefügt hatte, vor ihr aufgestiegen war. Aber je weiter die Zeit ins Sand ging, w mehr itterfte die Wahrheit ifi- ctpiQ. Ein mildes Verzeihen begcint; allmählich- in ihr Sbcxj Ennzu- ziehen und damit leise, ganz leise ein Vergessen . . . em Vergeben dessen, was Veltlingen ihr getan, über das ihr feder verflossene Tag eilten neuen, sanften Schleier zu breiten schien. Sie merkte gar nicht, wie ihr Herz gesundete, spurte auch nicht das Seife, Zarte, was da so heimlich in ihr wuchs und er- starkte. Sie freute sich nur harmlos ihres Lebensmutes „Ten Habe ich Dank Gottes und Ihrer treuen Freundeshilfe wiedergewounen," schrieb sie, unter Anderem im, Herbst an Uch- dorf, und ahnte doch nicht, welche tiefe Sehnsucht durch ihre Zeilen klang. , „ „ , ,. ., , Umgehend hatte sie die Antwort in Händen, die ihr Uchdorfs Freude über ihren Lebensmut laussprach. Es lag mn eigener Ton in dem glanzen Brief. Mehr denn ionfi erzählte Uchdors darin von sich nnd seinem Mergenthal. Als ob ich nicht schon längst gern davon gehört hatte. Schön muß es da sein," zog es ihr durch den Sinn, während sie mit srohen Augen weiter las. Und dann erbleichte sie plötzlich bis in die Lippen. Also deshalb schrieb er ihr so genau von Mergenthal! , Es sehnt sich mach einer Herrin. Finden etc das begreiflich, teuerste Freundin? Ich warte mit Sehnsucht auf Ihre Antwort. Begreiflich?" wiederholte Tjagmar leife. Em weher Zug glitt' über ihr Gesicht. Begreiflich? Nur zu sehr. Für ilm lWr Tmurig ' senkte sie den Kopf. Sie verstand auf einmal gar nicht ihren einfältigen Glauben, es Würde für alle Zeiten zwischen ihnen so bfeiben wie bisher. Immer, immer... Sie seufzte. Nicht einmal den Namen seiner Auserwrenen teilte er ihr in seiner Herzensfreude mit! Wenn sie nur erst den Brief beantwortet hatte. Ochwer^ bitter schwer würde ihr d'as werden. Aber was half das? Antworten mußte sie ihm doch daraus — und je ^Her dns geschah, je besser war es. Aber es währte doch lange,. bis sie dieser Brief fertig hatte. Diesen Brief, in dem sie Uchdors so steif und hölzern alles gute zu feinem Vorhaben wünschte, in jedem Wort dem aufmerksamen Leser die Pein der «chreiberm t) erriet Als sie sich, nachdem das Schreiben kuverttert und ge- fieaelt war, erhob, tag ein eigenartig stiller, gefaßter Ausdruck auf ihren Zügen. Ja, auch das mußte durchgekämpft wer- i*01' Mi/^ diesem festen Entschluß ging sie ihren täglichen Beschäftigungen nach. Aber ihre Gedanken kamen trotzdem nicht — 470 — von Uchdorf los. Morgen in bet Frühe hätte er ihre Antwort. Ob er herjauslas, wie sehr sie ihm alles' Gute für die Zukunft Wünschte? . . . Es war am andern Tag. Getreu ihrem Vorhaben ging Dagmar ihren gewohnten Beschäftigungen nach. Was hals auch plles Griibeln und Sinnen? Aber es wurde ihr heute unsagbar schwer, den Berichten des Verwalters zu folgen. Sie war froh, als der Mann endlich mit seinem Vortrjag zu Ende war. Eilig klingelte sie dem Diener. „Franz, ich gehe jetzt nach der Heide. Das Mittagessen fall erst um vier serviert werden." Langsam ging Dagmar über den Hof. Ihre großen, stillen Augen blickten aufmerksam umher. Ehrfürchtig rissen die Leute bei ihrem Nahen die Mützen von den Köpfen. Tlagmar dankte ihnen freundlich, aber sie blieb heute nicht, wie sonst wohl, bei dem einen oder dem andern stehen und sprach mit ihm. Raschen Schrittes eilte sie vorwärts. Bald nahm der nahe Kiefernwald sie auf, dessen harzigen Duft sie mit solchem Behagen einsog. Tie Sonne schien hell uttb warm. Dagmar begann das Allmählich auch zu spüren. Sie mäßigte deshalb ein wenig ihre schnellen Schritte. Wie still und friedlich es hier war. Kein anderer Laut als das leise Girren der Holztauben, das taktmähige Aufklopfen des Spechtes störte die tiefe Waldestuhe. Nach einiger Zeit wandte Dagmar sich nach rechts. Ein Tohnenstieg kürzte den Weg bedeutend ab. Rasch durchquerte sie den schmalen Waldstrich, der die sogenannte „kahle Heide" von dem Akoor trennte. Tie hahle Heide! Den Namen mochte sie im Winter verdienen, wenn sie, Gräser und Sträucher von hohem Schnee bedeckt, eine einzige unwirtliche Flache bildete, die weder Eichen noch Kiefern belebten. Jetzt, im Herbst, phangte diese „kahle" Heide im schönsten Blütenschmuck, blühten Erika und Ginster um die Wette. Das war ein Leuchten und Glühen von überwältigender Pracht. Wie geblendet schloß Tlagmar einen Augenblick die Lider. Wie schön das war, wie wunderschön! Langsam schritt sie durch das Blütenmeer bis zu einem kleinen Hügel. Tort setzte sie sich nieder. Tie Lust wiar so still und klar, so unbewegt, wie sie nur der Nordische Herbst Ian besonders schönen Tagen hat. Herber Erdduft, untermischt mit dem leisen Modergeruch verwelkten Laubes drang zu Dagmar hin, welche entzückt auf, die rotglühende Heide blickte, die sich förmlich im Sonnenschein badete. Rotgelb und golden leuchtete d|as Laub vereinzelter Buchen vom Wlaldrünb herüber, dessen dunkle Tannen so ernst und würdevoll darein sahen, als begriffen sie gar nicht die leichtsinnige Putzsucht der Heide, die sich so schön gemjacht hatte, als gäbe es kein Welken und Vergehen, keinen Sturm und Regen, nicht Schnee, noch Eis. Als bliebe ewig lachender Sonnenschein, der ihr reiches Kleid noch Mehr vergoldete. Sinnend wandte Dagmar den Kopf, während ihre Augen wieder über die Heide glitte». War es am Ende doch nicht Leichtsinn, der die Njatur zu so verschwenderischem Blühen, j?tzt so kurz vor dem langen Todesschlaf trieb? Wollte sie vielleicht damit den überklugen Menschen einen Beweis von der großen Wahrheit geben: „Reif sein ist alles! Ter Herbst aber ist die Zeit der Reife — d r Erfüllung ?" . .... „Reif sein ist ,alles," murmelte Dagmar und wieder streifte ihr Blick die Pracht umher. Reifer: und dann in dem sieghaften Schmuck der Reife furchtlos dem Winter entgegen gehen. Tas war es, was die Mtur so eindringlich zu predigen wußte. Wie aber, wenrr es einem Menschen an dem, was ihr» ebenso wie jeder Pflanze zum Reifwerden nötig ist, Wenns ihm an Sonne fehlt, was' dann? „Tenrwch versuchen, reif zu werden, ist Menschenpflicht," | schoß es Tjagmar durch beit Sinn, und sie dachte daran, daß ihr die stille. Warme Sonne herzlicher Liebe ganz sicher fehlen würde. Ihre Augen blickten sehnend ins Weite . . . Sie sah nichts mehr von der Pracht um sich herum, hörte nicht die eiligen Schritte des hohen, schlanken Mannes, in dessen sonnigen Augen ein Warmes Leuchten lag. Ihre Gedanken weilten bei dem, der jetzt wohl seine Brant im Arm hielt, ihr tmlsend süße, zärtliche Tinge sagend. — —. — rr, „Tsagmär," klang es da plötzlich zu ihr hin, und dann noch einmal in Hellem Jubel: „Tagmar, da bin ich!" Und ehe sie rwch wußte, wie ihr geschah, kniete Uchdorf schon neben ihr in dem blühenden Heidekraut. Schweigend schlang er dien Arm um sie. So fest, so fest, als wolle er sie nie und nimmer lassen. Ein weiches, zärtliches Lächeln ging über ihr Gesicht. Ta küßte er sie... Selig erschauernd ließ Dagmar es geschehen.--- — „Mein Lieb, mein süßes Lieb," klang es leidenschaftlich an ihr Ohr, „wie lange, wie grausam lange hast du mich warten lassen! Und wie sehnsüchtig habe ich nach einem einzigen, kleinen Zeichen ausgesehen, das mir sagen sollte, „jetzt darfst du kommen, jetzt sind die Schatten der Vergangenheit verschwunden-- jetzt komm und hole mich"." „Mich?" In fassungslosem Staunen sah er sie an. „Ja, wen denn sonst?" Ta bog sie langsam, mit glücklichem Lächeln ihr purpur- überflammtes Antlitz nah, ganz nah zu ihm hin: „Ein Weib, welches wahrhaft liebt, das zweifelt bis — zur — seligen ■— Gewißheit!" — — — — — Ende. HLrnvelstiät und Stadt Kießen. In der Versammlung des Bürgervereins im „Hotel Einhorn" am 29. Juli 1907 führte Professor Sommer über „Universität und Stadt Gießen" folgendes aus: „Die Bedeutung der Universität für die Stadt Gießen ist eine sehr wesentliche und mannichfache, so daß das Thema außerordentlich viel umfaßt. Auf die wirtschaftliche Bedeutung, die in der Lebensführung einer so großen Zahl von Dozenten, Assistenten und Studenten, sowie der an der Universität und ihren Instituten angestellten Beamten liegt, kann ich nur kurz Hinweisen. Neben diesen materiellen Vorteilen kommt die Durchdringung des ganzen städtischen Lebens mit Bildungselementen sehr in Betracht. Wir haben in Gießen eine ganze Zahl von wissenschaftlichen Einrichtungen, an denen sich die Dozenten der Universität stets lebhaft betätigt haben, so den Geschichtsverein, den Verein für Volkskunde, den Lesehallen-Verein, die Geographische Gesellschaft u. a. Sodann ist die Universität an der ausgezeichneten Entwickelung des Musiklebens in Gießen stark beteiligt gewesen. Auch diese mehr ideale Seite der Beziehungen kann ich hier nur andeuten. Ferner kann das Thema von einem Standpunkt betrachtet werden, der erst in neuerer Zeit berücksichtigt wird, nämlich im Hinblick auf die Verschiebungen in der Zusammensetzung der Bevölkerung. Eine große Zahl von Mitgliedern der gebildeten Bevölkerungsschicht in Hessen sind Nachkommen von Männern, die zuerst als Professoren der Gießener Universität nach Hessen gelangt sind, wovon man sich bei Vergleichung der Namen mit den Personen der Universitätsgeschichte und weiteren Feststellungen über die Familienzusammengehörigkeit überzeugen kann. Was für Hessen im allgemeinen gilt, stimmt auch für die Stadt Gießen in: besonderen. Eine Statistik darüber, wieviele Nachkommen von früheren Gießener Professoren hier wohnen, wäre sehr interessant. Es handelt sich dabei nm ein Seßhaftwerden von Familien, die im Laufe von Generationen ganz mit der neuen Heimat verwachsen. Umgekehrt trägt das gut entwickelte Hochschulwesen in Hessen dazu bei, daß eine große Zahl von Hessen auf Grund ihrer akademischen Studien dann außerhalb Hessens angemessene Tätigkeit finden und dadurch den hessischen Stamm in andere Teile von Deutschland und in das Ausland verpflanzen. In den Rahmen dieser Betrachtung gehört auch die Tatsache, daß notorisch relativ viele Studenten hier ihre späteren Frauen finden. Diese anthropologische Betrachtung der Zusammensetzung und Verschiebung der Bevölkerung ist ebenso wichtig wie die wirtschaftliche und ideelle Seite der Sache, muß jedoch ebenso wie diese hier übergangen toerben. Ich beschränke mich daher auf die Frage, in welcher Weise die Universität auf die Entwicklung der Stadt in b a u l i ch e r Beziehung eingewirkt hat, wobei die wichtigsten Momente der Universitätsgeschichte zum Vorschein kommen. Schon der Beginn dieser ist sehr charakteristisch für die engen Beziehungen von Universität und Stadt. Als Vorbereitung der Universität, deren Privileg von Seiten des Kaisers noch ausftand, wurde 1605 das Gymnasium illustre d. h. inhaltlich schon eine Hochschule von Ludwig V. gegründet und von der Stadt bei Mangel eines besonderen Gebäudes in das Rathaus ausgenommen, das uns glücklicherweise erhalten ist und nach der vollzogenen Restauration auch jetzt noch der Stadt zur Zierde gereicht. Die Voraussicht der Männer, welche dieses Opfer damals brachten, ist sehr anerkennenswert, wenn man sich überlegt, welche Schwierigkeiten die Verwendung der für die städtische Verwaltung wesentlichen Räume zu diesem ganz anderen Zweck mit sich gebracht haben muß. Ein zweites Provisorium wurde wegen der rasch wachsenden Studentenzahl von Seiten des Landgrafen in einem staatlichen Gebäude, dem alten Schloß am Kanzleiberg geschaffen, welches damals die Festnngskommandantur, die Kanzlei und wahrscheinlich auch das Archiv beherbergte. 471 — Der Wormser Dom das größte romanische Baudenkmal Deutschlands, ist wieder einmal in den Mittelpunkt lebhafter Erörterung gerückt- Es besteht bekanntlich die Absicht, an der Südseite des Tomes, anschließend an die vorhandene gotische Nikolauskapelle, Anbauten vornehmen zu lassen, die als künstlerisches Zubehör des Tomes gedacht sind. Man will ein Pfarrhaus an der Stelle erbauen, wo sich früher das alte Kapitelhaus mit Tonispeicher und Kreuzgang befand, und will unter Verwendung des gotischen Stiles eine „Nachahmung des 'früheren Zustandes" Herbeiführen. Tas neue Pfarrhaus soll die Gestalt des alten KüpitelhaufeF erhalten. Gegen dieses Vorhaben sind mancherlei 'künstlerische Bedenken laut geworden. Sie finden sich auch in den Gutachten wieder, die die Zeitschrift „Die Rheinlande" von sechs Fachleuten eingefordert hat. Schäfer hat zwei Fragen formuliert, die absichtlich allgemeiner gehalten waren, um eine grundsätzliche Beantwortung der strittigen Probleme zu ermöglichen; sie lauten: 1. Darf überhaupt an ein Baudenkmal von der Bedeutung des Wormser Tomes 'angebaut werden, wenn eine Notwendigkeit nicht vorliegt? 2. Wenn die Notwendigkeit eines solchen Anbaues vorliegt: darf dieser als Rekonstruktion eines' verschwundenen Baues und dann in historischen Stilformen gehalten werden — oder hat er neuzeitliche Stilforinen anzuuehmen? Professor Clemen in Bonn, Provinzial-Konservator der Rheinprovinz, antwortet aus die erste Frage: „Lieber nicht." Und auf die zweite: „Auf keinen Fall möchte ich empfehlen, einen Ilnbau, der einem modernen, nicht abzuweifenden praktischen Bedürfnis dient, äußerlich in streng historische Formen einzukleiden und den Stolz darein zu setzen, daß die Mitwelt ihn etwa für eine mittelalterliche Anlage ansieht. Bei einem Anbau, der eben immer neben und im Vergleich mit dem ,älteren Bauwerk gesehen werden will, wird ivvhl in erster Linie zu fordern sein, daß er sich ruhig und neutral verhält, sich nicht zu mausig macht — dafür ist auch eine neutrale Ärchitektursprache am besten: also wenn der ältere Bau mittelalterliche Formen nufc weist, lieber Formen, die sicher nicht mittelalterlich sind." Auch Prof. Tehio in Straßburg verneint die erste Frage: „Ein historisches Denkmal ist Produkt eines abgelaufenen historischen Prozesses. Jede Veränderung rind jeder Zusatz ist im-Lünne des Denkmals kein Plus, sorrderrr em Minus. Man fei doch froh, daß sich der romanische Dom zu Worms so einheitlich und vollständig wie feiten erhalten hat! Die Zerstörung der gotischen Anbauten an der Südseite wird man bedarrern. Mer zur Bau- idee des Domes selbst" haben sie nicht gehört. Sie dienten praktischen Bedürfnissen, die heute nicht mehr vorhanden sind". Und zur zweiten Frage äußert er: „Läge, was aber hoffentlich gar nicht der Fall ist, eine unüberwindliche Itotwendigkeit vor, das geplante neue Pfarrhaus nur an diesem einen und keinem andern Platz zu errichten, so dürfte es nur in modernen Formen gehalten sein. Daß ein Pfarrer mit den LeLensaewohnHeiten Jedoch geschah schon 1607 alsbald nach Erlangung des kaiserl. Privilegs der Universität die Grundsteinlegung des Collegium Ludovieianum, welches nach dem Urteile eines Zeitgenossen mit königlicher Pracht erbaut und 1611 bezogen wurde. In der Festschrift Ludoviciana finden sich zwei im wesentlichen ganz übereinstimmende Abbildungen davon, die eine nach einem Stammbuchblatt vom Jahre 1747, die andere nach einem alten Stich, der sich auf die Restauration der Universität im Jahre 1650 bezieht. (Vergl. Ludov. I Seite 13 und 11 Seite 19.) Das GÄäude, dessen Architektur an das 1585 errichtete Zeughaus (jetzt Kaserne) erinnert, zeigt drei Stockwerke, rechts und links hohe Giebel im Renaissancestil mit vertikaler Fassade und drei Fensterreihen übereinander, dahinter ein steiles Dach mit drei Reihen von Dachfenstern. In der Mitte befindet sich ein kleiner Aufsatz für eine Glocke. Das mächtige, bis zum dritten Stock reichende Portal mit vier Säulen oder Pilastern, im Barockstil gehalten, steht nicht in der Mitte, sondern so, daß rechts zwei Drittel, links ein Drittel des Gebäudes mit zusammen 9 Fenstern (6 rechts, 3 links) in jedem Stockwerk liegen. Hinter dem Gebäude, das Dach überragend, steht ein zmnengekrönter, als Observatorium dienender Turm, von vorn gesehen, gerade hinter dem hohen Portal, dessen gewaltiger Eindruck dadurch verstärkt' wird. Das Ganze ist von einer außerordentlich kräftigen Wirkung. Daß bei dem Abreißen des Gebäudes 1838 dieses herrliche Wahrzeichen des alten Collegium Ludovieianum nicht nur zerstört, sondern auch fast völlig verschleudert worden ist, muß als ein krasser Ausdruck jener für Geschichte verständnislosen Zeit aufgefaßt werden. Wäre das Portal in seinen wesentlichen Teilen erhalten, so könnte jetzt bei der 300jährigen Feier ein Festzug sich durch dasselbe nach seiner eventl. Wiederherstellung bewegen, wie er bei der 100jährigeil durch ein eigens errichtetes Triumphtor gezogen ist. Einen guten Einblick in die Bauart von Gießen im 17. Jahrhundert gibt das Bild von Merian von 1650. (Vergl. Ludovi- eiana II Seite 20.) Es erscheinen darauf hinter dem Festungswall, während der Beschauer ungefähr in der Gegend des Busch'schen Gartens nahe dem Nahrungsberg, von der Stadt durch Wiesen getrennt, steht, von rechts nach links gesehen : 1. das mächtige Zeughaus (1585 erbaut); 2. das Collegium Ludovieianum (jetzt nach dem Umbau von 1838 nnd Verlegnng der Bibliothek Botanisches Institut); 3. das alte Schloß mit dem Heibenturm, jetzt restauriert und zum Teil freigelegt; 4. die Pankratius- oder Stadtkirche mit dem charakteristischen Turm; 5. das Rathaus, ferner 6. die Tore, rechts das niedrige Walltor, links von der Kirche das höhere Neustädter-, Neuenweger- und Selterstor. Im Hintergründe von rechts nach links mit Burgen gekrönt 1. der Gleiberg, 2. der Vetzberg, 3. Hohensolms, 4. die Kinds- burg, worin wir wohl den Namen Kinzenbach erkennen dürfen. Bringt man dieses Städtebild auf bestimmte Begriffe, so zeigt sich 1. die staatliche Gewalt in Form der Festung, des Zeughauses und des alten Schlosses, zu denen, auf dem Bilde nicht sichtbar, noch das sogenannte neue Schloß am Brandplatz gehört, welches ebenso wie die Festungswerke schon von Philipp dem Großmütigen errichtet war; 2. die städtische Gemeinschaft in Form des Rathauses; 3. das religiöse, und kirchliche Leben, ausgedrückt durch die Stadtkirche; 4. die Wissenschaft in Gestalt des Collegium Ludovieianum. Die Stätte des geistigen Strebens liegt unmittelbar neben den Bauten der staatlichen Gewalt. Allerdings war die Universität aus dem Bestreben entstanden, dem reinen Luthertum int Gegensatz zu dem von Hessen-Kassel aufgedrängten Calwinismus zu dienen, sie tritt jedoch baulich von vornherein als eine von der staatlichen Gewalt geschützte Stätte der Wissenschaft in Erscheinung. Das Collegium enthielt die Fakultäts-Hörsäle, sowie die Bibliothek, bereit Grundstock bemerkenswerter Weise schon damals beschaft wurde, ferner im Obergeschoß Wohnungen der fürstlichen Stipendiaten. Die Geschichte des hessischen Stipendiatenwesens ist erst allmählich besonders durch die in der jetzigen Festschrift enthaltenen Studien des Pfarrers Dr. Diehl ans Licht gezogen worden. Es erscheint möglich, daß man bei der weiteren Entwickelung der Sache wieder auf die Auffassungen und Pläne zurückkommen wird, die schon int Beginn der mit einem kräftigen Aufschwung begonnenen UniversitätsAündung vorhanden gewesen sind. Von Bedeutung ist im 17. Jahrhundert noch die Begründung des Botanischen Gartens, bet eine Pflanzschule naturwissenschaftlicher Beobachtung geworden ist und gleichzeitig zur Verschönerung bet Stabt wesentlich beigetragen hat. Im übrigen^ brachte der 30jährige Krieg wie überall in Deutschlanb Stillstand und teilweise Vernichtung auch für Gießen, wozu im Jahre 1625 die völlige Verlegung der Universität nach Marburg infolge der politischen Verhältnisse kam. Auch nach der 1650 erfolgten Restauration der Universität kann man von einer Weiterentwicklung kaum reden, wenn man nicht die Hinzunahme des sog. neuen Schlosses am Brand zur Erlangung von Räumen für das Rektorat, den Senat und die Kanzlei als einen Fortschritt bezeichnen will. Im Obergeschoß waren zeitweilig Wohn- räume für Professoren und der berühmte Karzer der Studenten, an den sich für manche noch Lebende freundliche Erinnerungen knüpfen. Wir erkennen somit bis hierher deutlich zwei Perioden, eine des Aufschwungs am Anfang des 17. Jahrhunderts, eine zweite der Ruhe bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts, eine schwere und lange Folge der durch den 30jährigen Krieg bewirkten Vernichtung der deutschen Kultur. Tie dritte Periode, in der wesentliche Veränderungen, wenn auch zum Teil noch in bescheidener Form geschehen, reicht vom Anfang des vorigen Jahrhunderts bis in die 40er Jahre, die vierte mit einer geradezu erstaunlichen Bautätigkeit von der Mitte der 70er Jahre bis zur Gegenwart. Zwischen der dritten und vierten liegen die großen politischen Umwandlungen in Deutschland, aus denen Hessen mit einer gesteigerten Gestaltungskraft hervorgegangen ist. Das wichtigste Ereignis der dritten Periode ist die Gewinnung der im Jahre 1821 freigewordenen Kaserne an der Liebigstraße für die Zwecke der Universität nach der damaligen Verlegung des Militärs. 1825 wurde die Bibliothek aus dem noch bestehenden Collegium Ludovieianum in die Kaserne verlegt und kehrte erst 1880 nach dem längst vollzogenen Umbau dieses Gebäudes und nach Errichtung der neuen Aula an der Ludwig- straße an ihren alten Sitz zurück, von wo sie 1904 in das neue ausgezeichnete Bibliotheksgebäude am Ende der Bismarckstraße übersiedelte. t Im westlichen Wachhäuschen der alten, Kaserne wurde 1825 ein neues Laboratorium für Liebig eingerichtet, der damals im Beginn seiner bahnbrechenden Entdeckungen stand, — nachdem sich das chemische Studium seit 1785 mit einem Gartenhäuschen im Botanischen Garten hatte behelfen müssen. In dem bescheidenen Laboratorium an der alten Kaserne, welches später durch zwei Anbauten 1835 und 1839 erweitert wurde, hat sich, die bahnbrechende Arbeit Liebigs bis zum Jahre 1852, d. h. bis zu seiner Uebersiedelung nach München abgespielt. Die Erhaltung dieser Stätte bei dem bevorstehenden Abbruch oder, der sonstigen Verwendung des Kasernenbaues erscheint mir nicht nur als ein Akt der Pietät sondern von Seiten der Stadt und des Staates als absolute Notwendigkeit, wenn unser Tun nicht später dem Fluch der Lächerlichkeit z. B. bei Gelegenheit der 400jührtgen Feier der Universität verfallen soll. Einen Plan dazu habe ich im Zusammenhang mit bett Vorschlägen zur Verlegung der oberhessischen Linien vor mehreren Jahren entwickelt. (Schluß folgt.) 472 des zwanzigsten Jahrhunderts sich schwerlich in einem gotischen Kapitelhaus wird wohnlich einrichten können, ist für mich noch nicht die Hauptsache; ich denke in erster Linie an die Wirkung des neuen Gebäudes im VerhültniF zum Tom. Der Beschauer Hat den Eindruck der beiden Gebäude gleichzeitig in sich anfzn- nehmen. Tas. eine ist ein Annex des andern. Der Dom scheint alt und ist alt, das Pfarrhaus will ebenfalls alt erscheinen, ist aber nicht alt. Dadurch entsteht eine psychisch unerträgliche Dissonanz. Aus diesen Gründen ist für das hypothetische neue Pfarrhaus modernes Gepräge zu verlangen. Man soll keinen Augenblick im Zweifel sein: dies ist alt und dies ist 'modern, hier hat eine neue Zeit das Wort, hier beginnt eine neue Rechnung." Geh. Hofrat Tr. Gurlitt in Dresden schreibt in demselben Sinne: „Sollte ein Anbau an den Dom beschlossen werden, so würde ich hier, wie allerorten, meinen, daß die künstlerische Wahrheitsliebe den Architekten veranlassen müßte, diesen Bau. als das zu kennzeichnen, was' er eben ist, als reinen Anbau des 20. Jahrhunderts. Am betrübendsten würde das Ergebnis sein, wenn auf Grund alter Zeichnungen und Pläne ein Bau so aufgeführt würde, wie er angeblich schon an dieser Stelle! sich vorgefunden hat; wenn also dem Beschauer die Tatsache, daß der Anbau beseitigt war, durch künstlerische List verheirn- licht würde, er also verführt werden soll, das Neue für ein Altes hinzunehmen." Ebenso Hofrat Tr. v. Oechelhaeuser in Karlsruhe: „Sollte ein Anbau in der geplanten Weife also als unmittelbarer künstlerischer Zubehör zum alten Bauwerk beschlossen werden, so müßte meines Erachtens auf die Verwendung historischer Stilformen, insbesondere des Romanischen oder Gotischen im vorliegenden Falle unbedingt verzichtet werden. Eine Gegenüberstellung des historisch Echten mit dem modern Nachempfundenen würde gerade hier höchst bedenkliche Folgen haben. Tie künstlerische Aufgabe kann hier nur in der Richtung gelöst werden, das; sich der Aufbau auf den ersten Blick als eine freie Neuschöpfung unserer Zeit darstellt." Dieselbe Auffassung vertritt auch Geh. Hofrat'Prof. Tr. Henry Thode in Heidelberg. Prof. Adolf Hildebrand in München urteilt: „Ich bin ganz der Ansicht, daß es sehr verfehlt wäre, die Umgebung des Wormser Tomes sogenannt stilgerecht zu bebauen, im Glauben, dadurch einen einheitlichen, altertümlichen Charakter zu erreichen. Anderseits ist die Umgebung, an der Südseite des Domes so charakterlos und provisorisch, daß sie notwendig eine Gestaltung fordert. Aus welche Weife diese am besten zustande kommt, ist mir seht nicht klar, es ist aber sehr möglich, daß niedrige Anbauten notwendig fein iverden und daß die ursprüngliche Bebauung wertvolle Fingerzeige dabei geben kann. Man hat ja lange Zeit die Einheit der künstlerischen Wirkung in der Stileinheit gesucht. Man sieht aber jetzt ein, daß der frühere Zustand solcher Baukomplexe, wo die verschiedenen Zeiten in ihrer Sprache cill- tnählich immer dazugebaut hatten, unbekümmert um die Stileinheit viel künstlerischer gewirkt hätten. Tie echte künstlerische Phantasie lebt eben gar nicht von vornherein in einer Zwangs>- jacke von Stilformen, seien sie, welche sie wollen, alte oder neue. Faßt man den künstlerischen Zweck in diesem Falle ins Auge, d. h. also die künstlerische Formierung des Platzes südlich vom Tom mit allen Rücksichten auf beffcn Erscheinung, so fallen ganz andere Tinge ins Gewicht, als die Stilfrage. Es hairdelt sich um eine Gestaltung der Umgebung, um den Tom zri heben und ihm auf dem Platz einen klaren Standpunkt zu geben.. Hier handelt es sich nm die Tispvnierung, um Höhen- und Größenverhältnisse, kurzum um die elementare, wirksame Anordnung von Verhältnissen, welche dem Tom zugute kommen und den richtigen Uebergang und Gegensatz zu ihm bildert. Eine Gestaltung der Umgebung aus solchem Gesichtspunkt ist vom Stil ganz unabhängig, und von ihr allein hängt die gute ober schlechte Wirkung nachher ab, die künstlerische Einheit." Eriuuermrgeu arr Mcharv Wagner. Die letzten Hefte der Süddeutschen Monatshefte iMünchen) bringen interessante Memoiren des Musikers Robert v. Hornstein. Dieser erzählt von seinen Erlebnissen mit Wagner und Schopenhauer. Hornstein traf Wagner im Jahre 1855 in der Schweiz, wo der Meister in der Verbannung lebte. In Sion im Wallis sollte er eine Beethoven-Symphonie bei Gelegenheit eines eidgenössischen Musikfestes dirigieren. Hornstein berichtet: Den anderen Morgen frühstückten wir zusammen. Ritter und ich gingen dann in die Hauptprobe für das erste Konzert. Wagner blieb zurück. Bei der Rückkehr fanden wir ihn nicht mehr im Hotel. Nichts Gutes ahnend, schlug Ritter vor, ihn im. Posthofe zu suchen. Wir kletterten beide zu zwei Seiten an der angespannten Kutsche hinauf. Da saß er verdrießlich in eine Ecke gekauert. „Seid ihr Polizeispitzeln, daß ihr nach mir fahndet?" fuhr er uns barsch an. Wir wollten ihn von seinem Entschluß, abzureisen, abhalten. Wir machten ihm begreiflich, wie sehr ihm von den Schweizern verübelt werden würde, wenn er die Flinte ins Korn würfe. Er wurde sehr heftig und reiste ab. Ritter rief ihm noch zu: „Wo sehen wir uns wieder?" „In Collonges." An das Festkomitee hatte er einen lakonischen Brief geschrieben, er sei getauscht worden über die Mittel, die ihm zur Verfügung gestellt würden. Unter diesen Umständen habe er keine Lust, mitzuwirken. Begreiflicherweise große Aufregung über Wagners Durchbrennern Alles erdenkliche Schlechte wurde ihm nachgesagt. Undankbarkeit gegen die schweizerische Gastfreundschaft wurde ihm vorgeworfen, Rücksichtslosigkeit gegen die Mitwirkenden, Mißachtung der ganzen Nation. Wer damals prophezeit hätte, kein Hund würde mehr von Wagner einen Bissen Brot annehmen, würde Glauben gefunden haben. Aber es sollte anders kommen. Bei diesem merkwürdigen Manne glitt alles ab. Was einen anderen ruiniert hätte, baute ihm eine Stufe mehr zum Tempel des Weltruhms. Wer zunächst von dem Gebaren des Wagner in Sitten profitierte, war Methsessel. Er übernahm die Direktion beider Festkonzerte und war das Obiekt der stürmischsten Ovationen. Man fand heraus, Wagner würde nimmermehr imstande gewesen sein, die Beethoven-Symphonie so zu dirigieren. Ritter ist seinem Gaste mit der nächsten Post nachgereist. Ich war allein und sehr traurig. Zunächst lvar ich ebenfalls etwas scheel angesehen. Allmählich wurde ich aber mit den Solisten bekannt. Methsessel und einige Matadoren des Schweizer Musiklebens lernte ich kennen. Bei einem allgemeinen Ausflug wurde ich zum Spielen aufgefordert und erntete großen Beifall. Ich machte die Festessen und zum Schluß den Festball mit. Ich suchte Wagner zu verteidigen, wie und wo ich konnte, hatte aber wenig Glück damit. Am Morgen nach dem Balle schien die aufgehende Sonne in beit Bailsaal. Durch große Glasscheiben sah man bas Rhonetal im Morgenrot erglänzen. Einige Stunben später saß ich auf bem Imperial des Postwagens und fuhr Chillon zu, um Freund Ritter in Collonges anfzusiichen. Wagner war schon da. Er fuhr von Sitten direkt nach Genf, suchte dort den General Klapka auf und kneipte einen dlbend mit ihm. Er war in der besten Laune und machte sich anscheinend gar nichts aus den Ausfällen der Schweizer Presse. Sie war barbarisch mit ihm umgegangen. Manchmal übermannte ihn die Sehnsucht nach der schönen und geistreichen Fran Wesen- donck, für die er eine leidenschaftliche Neigung gefaßt hatte. Die feinfühlige Frau nahm die Huldigungen des Künstlers an, ohne sich im geringsten zu kompromittieren. Einmal überraschten irir ihn im Garten sitzend, mit Trauen in den Augen. Solche Anfälle von Schwäche abgerechnet, war er heiter, liebenswürdig, geistreich. Ich habe ihn später kaum je wieder in so vorteilhafter Weise gesehen. Vsvmischies. * Auf die Gefah r b e r^F liegen muß toieber aufmerksam gemacht werben. Allerbings haben wetterknnbige, ober besser gesagt, insektenkunbige Leute prophezeit, baß wir in biefent Jahre infolge der anormalen Witterung wenig unter bett Fliegen und anbereit Insekten werden zn leiben haben. Jnbessen Vorsicht ist beizeiten geboten, unb die Parole: „Tod den Fliegen V kann namentlich Familien mit kleinen Kindern, und Säuglingen nicht genug gepredigt werden. Die besten Mittel int Kamvfe gegen dieses Ungeziefer sind Aufstellen von Fliegengläsern, Einsetzen von Gazefenstern und häufiges, feuchtes Aufwischen der Stuben. Vor allem! icrber ist auf die allergrößte Sauberkeit zu achten. Abfall in der Küche, muß fchleunigst entfernt werden, und schmutziges Geschirr darf nicht lange umherstehen. Kreuzrätsel. In die Felber neben« stehender Figur sind die Buchstaben a a a a a b b ceee hhhhhhiii iikknnnnnnoo p prrrrssssttn u derart einzutragen, bah die wagerechten und senk- rechtenR eihengleichlautend Folgendes ergeben 1 1. Männlichen Vornamen. 2. Ein Edelwild. 3. AltgriechischesHeiligtum. Auslösung in nächster Nummer. Auflösung des Magischen Dreiecks in voriger Nunnnerr ESSEN SAAR SAN E R N RedaktionrP. Wittko.— Rotationsdruck und Berlag^der BrÄhl'schen Universitäts-Buc^ rmd Steindruckerei, R. Lange, Gießen.