Areitag den 12. Juli m Ann Ken unter der Asche. Roman von M Proßnitz (M. Nörenberg). Unbefugter Nachdruck wird gerichtlich verfolgt. (Fortsetzung.) ■ Sehr vergnügt kam Beltlingen just in dem Augenblick zurück, als Dagmar für die Wagenfahrt gerüstet aus dem Ankleidezimmer trat. Mit Kennerblick musterte er ihre vornehme Erscheinung. „Alle Wetter," entfuhr es endlich seinen Lippen, ivährend seine Augen noch immer mit Heller Bewunderung an Dagmar hingen, „ich glaube, meine Frau wird mit jedem Tag schöner." Dagmar lachte, ein weiches, frauenhaftes Lachen, Unwill- kiirlich straffte sich bei diesem Lobspruch ihre schlanke, biegsame Gestalt, bereit herrliche Form das Schneiderkleid in so diskreter Weise zur Geltung brachte. Mit ihren leichten, au- mntigen Schritten trat sie zn Beltlingen hin und legte ihm schmeichelnd die Hand ans die Schulter. Ihn durchschauerte es bei der Berührung durch die heißgeliebte Frau. Leidenschaftlich zog er ihre schmale Rechte an seine Lippen. >,Weißt du, toen. ich heute getroffen habe?" begann er nach einer Pause. „Meinen alten- Kriegsschulkaineraden Hermann Seebach," und als DaMar ihn noch immer verständnislos ansah, fuhr er, sichtlich erheitert durch diese Begegnung mit dem Jugendfreund, lebhaft fort: „Er ist nämlich der einzige von all den Leuten, mit dem ich noch heute in Briefwechsel stehe. Er war stets ein famoser Kerl. Schade, daß er so bald den Dienst quittierte, nm die väterliche Scholle zu übernehmen. Ra, er! war nicht weniger erstaunt, als ich bei dieser unverhofften Begegnung! Ich habe ihm übrigens versprochen, daß wir heute mit ihm im „Bayrischen Hof" dinieren wollen. NatürliH nur, wenn es dir recht ist, mein Herz." , . Dagmar nickte. „Aber nun komme," fuhr Beltlingen mit zärtlichem Blick fort, „der Wagen wartet schon. Ich habe vorhin bei Stuffler eine Anzahl Photographien ausgesucht, die du vor einigen Tagen als besonders hübsch bezeichnetest. Ich denke, wir fahren da nachher heran und du siehst sie dir noch einmal au." „Magnus, Miagnns, du verwöhnst mich zu sehr! Wie soll ich dir nur danken?" Er fah sie heiter an. ' > 's' t - „Erstens durch deine Liebe, und dann — durch dein Aussehen. Es ist nun mal meine Schwäche, mit dir ein wenig zu prunken." Damit reichte er ihr den Arm und führte sie zu dem harrenden Wagen. Mit verzeihlichem Stolz bemerkte der Kammerherr die rieten Neugierigen und bewundernden Blicke, die Dagmar auf sich zog. Kein einziger Ausruf der Bewunderung entging seinem scharfen Ohr, während er ihr Näheres von Seebach erzählte. Ein zufriedenes Lächeln umspielte seine Lippen, indem er sich heimlich das Aufsehen ausmalte, welches die schöne Norddeutsche heute machen wurde, wenn sie au (enteilt Arm den Wintergarten des „Bayrischen Hofes" betrat. Sie war stber auch wirklich Volt einer wahrhaft blendenden Schönheit, feine schlanke, blonde Dagmar, die er wenige Stundest später mit schlecht verhehltem Triumph seinem Freunde zuführte. Ein weiches, mattblaues Seidenkleid, dessen schmale Falten von köstlichen Spitzeneinsähen durchbrochen wurden, umfloß Ujrc hohe Gestalt. Ein schmaler Gürtel, herrliche, echt venetianische Gold- schmiedearbeit, hielt die lei.chtgebauschte, viereckig ausgeschnittene Bluse in der Taille zusammen. Zart und sein modelliert hobest sich die schöngeformten Arme der Baronin ans dem hauchfeinen Spitzengekräusel ab, das den überaus vorteilhaften Abschluß bet Aerntel bildete. Das herrliche, goldblonde Haar hatte Anna geschickt in einest großen Knoten gewunden, dessen übergroße Fülle fast zu schwer für den schlanken Hals seiner Trägerin zu sein schien. Einen seltsamen und eigenartigen Gegensatz bildeten die feint gezeichneten, tiefschwarzen Augenbrauen und die langen, leicht gebogenen Wimpern, die voll aufgeschlageri, ein paar berückend schöner Augen entschleiertem Die leise Röte der Verlegenheit auf den Wangen, ein freundliches Lächeln nm den kleinen Mund, trat Dagmar an Veltlingens Arm jit den Wintergarten, wo Seebach mit seiner Tochter Bathildis bereits ihrer harrte. Er war ein stattlicher, lange nicht so „geschickt" konservierter! Herr, dem mau gern zehn Jahre mehr zurechnete, als dem gleichalterigen Beltlingen. Mit einer etwas altmodischen Verbindlichkeit begrüßte er das „junge Paar", wobei er ein dröhnendes! Lachen hören ließ, das unschwer int Verein mit dem roten; sonnenverbrannten Gesicht, dem energischen Ansatz zum Emboit« point und einem gewissen Unbekümmertsein um die übrigen, bett Agrarier verriet, den Landjnnker, bet lange nicht von seiner Scholle gekommen, wo er mit unumschränkter Gewalt über Hammel und Rindvieh herrschte. Trotzdem ihr solche Art ungewohnt war, fühlte. Dagmar sich in einer gewissen Weise davon ungezogen. Tas war doch endlich einmal etwas anderes, als diese ewige Hofetikette! Tenn mit scharfem Blick erkannte die Baronin schon nach kurzem Beisammensein, haß diese attscheinende Gleichgültigkeit gegen das Urteil des lieben Nächsten int Grunde nichts anderes war, als ein besonders stark ausgeprägtes Selbstbewnßtseiu. Nicht etwa! in dem pwtzenhaften Sinn untergeordneter Emporkömmlinge, sondern aus dem Vollgefühl anererbten, kraftvoll verwalteten, redlich erhaltenen Besitzes heraus. Und das gefiel ihr. Sie meinte plötzlich an dem Barost noch den herben, kräftigen Geruch bet salzigen Brise zu spüren, beit der scharfe Nordwind von bet Ostsee her aus sein Gut trieb, von dem er mit soviel Behaglichkeit zn erzählen wußte. Auch an Bathildis fand sie bald lebhaftes Wohlgefallen. Wenn sie nur gewußt hätte, an Iven ihre wunderschönest Augen sie so sehr erinnerten? Dagmar samt hin und her. Und mit einmal wußte sie es. DaS waren genau dieselben Äugest wie Uchdorf sie hätte. Sonderbar, dachte sie, wie solche Aehn- lichkeit kontinen »tag . . . Das Diner verlief lebhaft unb angeregt, denn Veltliitgest schien an der Ungeniertheit des Barons weniger Anstoß zu nehmen, wie Dagmar cs anfänglich von ihrem alle Zeit korrektest — 402 — Gatten gefttrchtet hatte. War daran die ehrliche Bttounderung schuld, welche Seebach der Gattin seines Freundes zollte, oder imponierte dem Kammerherrn unwillkürlich das starke Selbstbe- wußtsein, dieses deutlich gezeigte Unabhängigkeitsgefühl, zu welchem er sich trotz seiner glänzenden Vermögenslage nicht aufschwingen konnte? Man war schon beim Nachtisch angelangt, als ein Dieneri auf Seebach zutrat: „Tie Poft, Herr Baron. Es ist ein eingeschriebener Brief dabei." Er reichte ihnr das Quittungsformular. Secüach verbeugte sich entschuldigend gegen Dagmar und unterzeichnete. Neugierig sah Bathildis zu ihrem Vater hin. Aber der schüttelte lachend den Kbps. „Tast der Eingeschriebene von Weber ist, meinem Verwalter." wandte er sich an das Ehepaar, „weißt du ja, und die andern Sachen haben Zeit." Doch als Dagmar ihn bat, die Briefe ruhig zu lesen, sie wären ja zu. einem „zwanglosen" Beisammensein hergekonimen, willigte er scherzend ein, wenigstens die Unterschriften nachzusehen. Aber schon gleich bei dem ersten Schreiben stutzte er. „Von Achatz?" sprach er, verwundert seine Tochter ansehend. So entging ihnen der Ausdruck der Unruhe, der blitzschnell iliber Dagmars Stirn huschte. Gleich darauf hatte sie sich gefaßt. Es war ja einfach lächerlich, daß sie sofort glaubte, es handle sich um Nchdorf, so wie sie den Namen Achatz hortet Und dabei wußte sie ganz genau, daß ihr lediglich Beltlingens wegen ein baldiges Zusammentreffen mit dem Rittmeister un- angenehm gewesen wäre. Seit sie Magnus' leidenschaftliche! Eifersucht kennen gelernt hatte, fürchtete sie sich davor. Energisch hob sie jetzt das Haupt. Wie kam sie nur darauf, Seebachs mit Uchdorf in Verbindung zu bringen? Das waren za lauter Hirngespinste! Und doch hatte sie sich in ihrer instinktiven Annahme picht getäuscht, denn schon schlug Seebachs Stimme an ihr Ohr, „Denke nur, Bathildis, Achatz ist schwer krauk an Lungenentzündung gewesen, sodaß er nun aus mehrere Wocheir nach dem Süden muß. Wie er schreibt nach Meran oder San Remo," er wandte sich an Beltlingen, „Uchdorf ist nämlich ein Vetter von meiner seligen Z-rau. Uebrigens mußt du ihn doch auch kenne», -er steht ja in $. bei den Leibulanen?" Mit bewundernswerter Kraft hatte Beltlingen seine Stinime in der Gewalt. „Wir kennen ihn leider nur flüchtig. Tenn er kam erst kurz vor unserer Verlobung nach T." Dagmar atmete erleichtert auf. SecbachS hatten nichts gewerkt, aber sie selber wußte nur zu gut, welche Anstrengung Magnus diese scheinbare Ruhe kostete. Verstohlen schob sie unter dem Tisch ihre Rechte in seine kalte Hand. Ta nickte er ihr zu. Aber sie fühlte doch, daß nicht jalles so war wie es sein sollte. Und plötzlich wünschte sie mit ihm allein zu sein. Tja wollte sie es ihm sagen, das, was seine Eifersucht löschen würde. Und aus diesem Entschluß heraus schützte Dagmar, nachdem man den Kaffee eingenommen hatte, Kopfschmerzen vor, und bat Magnus, sie nach Hause zu bringen. Sie wolle sich lieber vor dem Theater noch etwas ruhen, denn es war ausgemacht, baß Seebachs und Beltlingens zusammen in das Nationaltheater gehen wollten. Ter schleunigst bestellte Wagen brachte das Ehepaar denn huch Halb nach dem Hotel. Trotz seine« leisen Sorge um Dagmar saß Beltlingen wortkarg neben ihr in dem Coups. Seine Züge waren undurchdringlich, nur die bleiche Gesichtsfarbe verriet der aufmerksamen Beobachterin den Sturm, der noch immer in ihm tobte. Still ging TagMiar in das Schlafzimmer und ließ sich auskleiden. In ihrem weißen, flauschigen Mostgenrock streckte sie sich daun auf das breite, bequeme Ruhebett, dessen hellrosa Farbe einen prächtigen Hintergrund für ihr schönes, blondes Haupt bildete/ i ; „Ich lasse meinen Mann bitten, herzukommen." ; „Sehr wohl, Frau Baronin." Anna verschwand. Gleich darauf trat Beltlingen in das Schlafzimmer. Er sah Noch immer sehr blaß und erregt saus. Dagmar streckte ihm beide Hände entgegen, wobei die weiten, griechischen Aermel zurücksielen. Magnus überflog mit einen: heißen Mick das schöne Weib, dessen Arme sich ihm entgegen breiteten. Ein eignes Leuchte« srat in seine Augen. Dagmar rückte ein wenig zur Seite. „Komm, fetze dich neben mich, Magnus. Ich möchte dir etwas lagen.'' Langsam ließ er sich an ihrer Seite nieder. Sie blinzelte mit den Augen. „Tie Ktvne blendet entsetzlich." Mit kurzem Griff drehte der Kammerherr die vier unverhängten Lichter aus, sodaß nur die nnttlere, rosa verschleierte Lampe brannte. Sie warf einen eigentümlich warmen, nervenerregenden Schein in das Zimmer. Dagmar empfand es mit beinah körperlichem Unbehagen. Aber sie schwieg davon und wartete, bis Beltlingen seinen Platz wieder eingenommen hatte. Dann ergriff sie mit ihrer Rechten seine Hand, während sie ihre Linke in unbewußter Koketterie unter den Kopf schob. „Magnus," begann sie zagend, während ihre feinen Finger leise über seine Hände strichen, „ich möchte heute nicht in das Theater gehen. Ist es dir aber auch recht, wenn wir hier bleiben?" Er beeilte sich, sie seiner Zustimmung zu versichern. Und dann schwiegen sie. Scheu sah einer an dem andern vorüber. Es war eine lastende, unheimliche Stille. Wußten sie doch beide ganz genau, daß sie unausgesetzt an das eine dachten. An das, was ihm das Blut siedend heiß durch die Lldern jagte, was ihr Herz in bangen Schlägen pochen ließ. Mit feste»! Entschluß sah Dagmar endlich zu ihrem Gatten empor. „Magnus," begann sie unvermittelt, „ist denn dein — Vertrauen zu mir wirklich so gering, daß dich schon der Name Uchdorfs in Harnisch bringt? Warum traust du mir noch immer nicht? Ich habe doch ein Recht dcrrauf als deine Gattin." Leise und traurig kamen diese Worte von ihren Lippe». Beltlingen sah sie ernsthaft an. „Wenn du wüßtest, wie das tut, wenn einem plötzlich, so völlig gegen den eignen Willen, der Gedanke aufsteigt, „den andern — den hat sie lieber"," entgegnete er gepreßt. Ungestüm richtete Dagmar sich empor. Ihre Brust hob und senkte sich, i» schnellen Atemzügen, eine flammende Röte lag auf ihren Wangen, als sie langsam und schwer entgegnete: „Magnus, hast du dir das auch überlegt, was du mir damit sagst? Weißt du, was das für mich heißt, dein — den andern hat sie lieber? — Sieh, als du mir das damals, ich meine vor unserer Vermählung, sagtest, da verstand ich dich, begriff die quälende Sorge des Liebenden, ein teures Gut zu verlieren. Daß du mir das jetzt noch, nach all dem —" sie stockte schäm voll — dann schlug sie die Hände vor das glühende Gesicht — „daß du jetzt noch annehmen konntest, den: andern gehörte auch nur ein einziger mehr als harmlos freundlicher Gedanke — weißt du, wozu du mich dadurch erniedrigst?" Sie ivarf sich plötzlich hinten über und schlug die Hände vor das Gesicht. Ihre ganze Gestalt bebte in unterdrücktem Weinen. Ratlos sah der Baron auf die leidenschaftlich Erregte, die ihm nie schöner und begehrenswerter als jetzt erschienen war. Langsam beugte er sich über sie. „Mein süßes Lieb," flüsterte er heiß, „so weine doch nicht," er streichelte ihr Hqar und Wangen, „glaube mir, wenn ich dich kränkte, so geschah das unabsichtlich und aus allzugroßer Liebe zu dir." Mit leidenschaftlichem Flehen ruhten seine Augen auf seinem jungen Weib. Abgerissen flüsterte er tausend süße Liebesworte in ihr Ohr. Dagmar Hörte wohl den echten Herzenston darin. Zögernd ließ sie die Hände von dem verweinten Antlitz sinken. Ihre Augen sahen ihm groß und fragend ins Gesicht, das sich nah, 5anz nah über sie beugte. „Und du wirst jetzt nie mehr denken, daß ich dich hintergehen könnte?" Er nickte wortlos. „Wirst du dir wirklich für alle Zeiten merken, daß ich nur dir allein gehöre und gehören will?" Er nickte wieder. „Ist das ein Wort?" „Ja," klang es ernst und fest von Beltlingens Mund. Mit einem plötzlichen Ruck setzte Dagmar sich aufrecht hin. Leise legte sie die Arme um seinen Hals. „Ich will dir noch eins sagen, Magnus," Hub sie gedänipft an, .'darauf 'magst du ganz besonders ersehen, wie grundlos deine Eifersucht war. Ich hätte Uchdorfs Gattin werden können!" Der Baron zuckte zusammen. „Wann?" frag er heiser. „Tu lerntest ihn erst auf dem Hvfball kennen," umging Dagmar die direkte Antwort. „Richtig! Ich war ja damals grade zur Kür in Wildungen," erinnerte sich der Kammerherr. „Bist du nun zufrieden?" frag' die Baronin diplomatisch und dann legte sie den Köpf an seine Brust, während sie leise sagte: „Siehst du, Magnus, den ganzen Kümmer hättest du. dir und mir ersparen können, wärest du dessen eingedenk gewesen/ was eine Tfagmar Rolfsen gibt — gibt sie auch ganz!" (Fortsetzung folgt.) 403 — Bestraft wegen Keirat. » Von ® c o. B. Wiärre n. Gerade jetzt, da es gewissermaßen Mode geworden ist, daß reiche und vornehme Damen Ehen mit Zigeunern oder Kutschern und Chauffeuren schließen, möge daran erinnert werden, daß es Zeiten gab, in denen solche Extravaganzen nicht geduldet wurden, selbst wenn es sich nicht etwa nm sürstliche Persönlichkeiten handelte. Nachdem, der Anfang des 16. Jahrhunderts eine allgemeine Verwilderung der Sitten und des Familienlebens gebracht hatte, ging man am Ende jenes Jahrhunderts auch in bürgerlichen und lleinadligen Meisen gewaltsam gegen die Leute vor, die sich gegen das alte Herkommen und die Ehrbarkeit vergingen. Ein klassisches Beispiel dieser Art stautmt aus dem Jahre 1572. Damals ehelichten zwei alte adelige Damen im Erzherzogtum Oesterreich, und zwar „des „Fünfkirchers Wittib und des Lud- maustorfers Wittib", ihre Knechte, frische, fröhliche und kräftige Burschen. Die Ehen wurden durchaus vorschriftsmäßig durch die Kirche vollzogen. Die Standesgenossen dieser alten adeligen Damen aber waren nicht mit deren Vorgehen einverstanden. Sie beschwerten sich bei der Regierung, daß die Weiber „gegen die hergebrachte Dignität der Stände" verstoßen hätten, und verlangten, daß diese EMn für ungültig erklärt würden. Die Regierung war auch rasch mit dem Befehl bei der Hand, daß die beiden Ehemänner in den bischöflichen Arrest bei Maria Stiegen gebaucht, die beiden Frauen aber ihrer Familie „zur Custodie" übergeben werden sollten. Das war jedoch nur eine vorläufige Entscheidung. Jetzt begannen in dem damaligen Schneckentempo erst die Verhandlungen vor den Gerichten. Vier Jahre lang faßen die armen Ehemänner in harter Haft. Da erging im Jahre 1576 das Urteil: Die Ehen, welche die alten adeligen Damen mit ihren jungen Knechten geschlossen hätten, seien „ärgerliche, verdrießliche, unverschämte, gegen gute Sitten verstoßende Ehen". Da indes die Ehen durchaus vorschriftsmäßig geschlossen wären und den Segen der Kirche erhalten hätten, könnten sie nicht aufgelöst werden. Diese Gerichtsentscheidung wurde von der Regierung bestätigt. Aber ohne Strafe ging es doch 'nicht ab: die beiden Ehepaare wurden ans Oesterreich verbannt. Die Fürsten und die Ritterschaft fühlten sich durch diese Gerichts- und Regierungs-Entscheidung noch nicht befriedigt.. Sie hatten sich von der theologischen Fakultät in Rostock ein Gutachten besorgt, demzufolge diese Wen doch nicht gültig sein sollten, weil sie unter falschen Voraussetzungen geschlossen seien und weil man auch den Priester, der diese Ehen einsegnete, betrogen habe. Dieses Gutachten wirkte derartig auf die Regierung, daß die beiden Ehemänner abermals verhaftet und auf die alte Feste Greifenstein an der Donau gebracht wurden. Hier saßen die armen Teufel wiederum vier Jahre, bis ein neuer bischöflicher Offizial Direktor der Feste Greifenstein wurde, die gleichzeitig eine Art Zuchthaus für widerspenstige Geistliche war. Dieser Mann war vernünftig. Er untersuchte sofort den Fall der Gefangenen und erklärte, was die Rostocker Fakultät, di« sowieso im Verdacht der Ketzerei stünde, gesagt habe, sei ihm furchtbar gleichgültig. Die Ehen seien kirchlich geschlossen und demnach gültig; sie könnten unter keinen Umständen mcsgrlöst werden. Die zwei Ehemänner hätten für die Unverschämtheit, „bie Herren und Ritterschaft zu perturbieren", eine genügende Strafe dadurch erhalten, daß man sie acht Jahre gefangen gehalten habe. Diese Erklärung be# Offizials würbe von der Regierung bestätigt, und die Ehemänner könnten mit ihren Weibern, die natürlich in den acht Jahren auch nicht jünger geworden waren, endlich ungehindert von, dannen ziehen. Aber noch einmal setzten es die Stände, nut die „Dignität" zu wahren, durch, daß den Weibern, die ihre Standeswürde so sehr vergessen hatten, die freie Verfügung über ihre Güter entzogen würde. Sie behielten vielmehr nur die Nutznießung bei ihren Lebzeiten, und nach 'ihrem Tode konnten sie ihre Güter den! Knechten, die sie geheiratet hatten, nicht vermachen. Friedrich der Große erzählt unst in seiner Geschichte des siebenjährigen Krieges eine merkwürdige Episode, bei der er auch eine Rolle gespielt hat, und cs ist wohl anzunehmen, daß der König weniger ans politischen Gründen handelte, als um der sürstlichen Familie gefällig zn sein und einen lästigen Ehemann zu bestrafen. Der König schreibt folgendes: „Während dieses Feldzuges in Thüringen wurde die Entdeckung gemacht, daß ein Franzose namens Fraigne, der sich am Hofe von Zeckst aufhielt, hin und wieder Quincaillerie- Händler und andere verkleidete Menschen irr die preußische Armee schickte, um den.französischen Generalen zu rapportieren, was sie dort erfahren könnten. Man schickte deshalb ein Detachement nach Zerbst ab, das den Abenteurer packte und nach Magdeburg auf die Festung brachte. Bald stellte sich heraus, daß infolge einer jener kvniischen Herzenslaunen die Fürstin- Witwe Von Zerbst sich im geheimen mit jenem Menschen ehelich verbunden hatte. Sie machte deshalb großen Lärm Und zog sich aus Verdruß nach Paris zurück. Dieser Vorfall hätte sefw leicht durch den Eindruck, den er auf die Großfürstin von Rußland, Tochter der Fürstin von Zerbst, zu machen imstande war, von schlimmen Folgen sein können, aber wahrscheinlich erfuhr sie'.nichts davon oder mißbilligte das Verhältnis ihrer Mutter mit dem Abenteurer, denn cs entstand nichts Unangenehmes für Herr König daraus." Höchstwahrscheinlich 'war das Vorgehen also den betreffenden Personen, mit Ausnahme des unglücklichen Ehepaares, ganz angenehm. Was gns dem armen Teufel von Fürstin-Gemahl wurde, ift nicht bekannt. Es bestanden in früheren Zeiten aber nicht nur diese Stan-! betragen, die zu Bestrafungen von Leuten führten, bic hei-, mieten, sondern auch andere Hindernisse, unter denen die kanonischen, also die von der Kirche eingesetzten, nicht die geringsten waren. Man denke nur an die geistliche Verwandtschaft, die nach Anordnung der Kirche zwischen all den Leuten bestand, die Paten und Patenkinder waren. Nicht nur Taufpaten, sondern auch Firmpaten und bereit Patenkinder durften niemals daran denken, sich zu, heiraten. Hinsichtlich der Berwaudtschaft ging man im kanonischen Rechte so iueit, daß man Ehen erst vom vierzehnten Grade an für erlaubt hielt. Ein Ueberbleibsel aus dem kanonischen Rechte besteht ja heute noch in England, wo es dem Manne streng verboten ist, die Schwester seiner vev-i storbenen Fran, also seine Schwägerin, zu heiraten. Bestraft wurden Ehen nicht nur zwischen Katholiken und Ketzern oder Ungläubigen, sondern auch zwischen Christen und Juden, und das alte Heiratsverbot zwischen Negern und Weißen besteht heute noch mit aller Strenge in Ancerika, dem angeblichen Lande der, Freiheit. Wenigstens ist in denr größten Teile der nordamerikanischen Bundesstaaten (in 26) die Ehe zwischen Weißen und Negern strafbar. Aber noch weiter ist man in Amerika gegangen. Man will dort (eüt ähnlicher Versuch ist bereits in Frankreich im Jahre 1900 gemacht worden) alle die Leute bestrafen, welche Ehen eingehen, die aus medizinischen und gesundheitlichen Gründen nicht zu billigen sind. Degenerierte, Geisteskranke, Schwindsüchtige, selbst Menschen, die nur im Verdacht dieser Krankheiten stehen, sollen unter keinen Umständen heiraten dürfen. Seit dem Jahre 1901 hat mvn in verschiedenen amerikanischen Staaten versucht, diescii Ansichten gesetzmäßige Geltung zu verschaffen. Menn das bisher noch nicht gelungen ist, so ist doch die Sache nur aufgeschoben und nicht aufgehoben, und bald wird in Amerika die Eheschließung auf gewaltige Schwierigkeiten stoßen, wenn dort zum Heiraten vor allem ein ärztliches Attest notwendig ist, und die Entscheidung wird sich um! so schwierigen gestalten, wenn in manchen Fällen ärztliche Gutachten sich diametral gegenüberstehen. Es werden sich dann Ehehindernisse und interessante, ja romantische Verhältnisse ergeben, wie sie selbst die Feudalzeit mit ihren Ehehindernissen und Eheverboten nicht gekannt hat. Im Staate Colorado hat dieser Versuch schon die Form eines Gesetzesvorfchlags angenommen, wonach die. Ehe zwischen Leuten, die nicht absolut gesund sind, mindestens mit vier und höchstens mit sieben Jahren Gefängnis bestraft: werden soll. t' Aus Stam'mesrücksichten findet man private Eheverbote heute noch unter einzelnen JndianerstämMen Amerikas. - Man muß nicht glauben, daß die gesamten Indianer, die heute als sried-i. liche Bürger in Amerika leben, degeneriertes Volk sind. Durch. Landvcrkänfe an die Weißen sind einzelne dieser Stämme zn großem Reichtum gelangt und leben in sehr guten Verhältnissen. In Kansas beschloß ein solcher Jndianerstamm, bestehend aus' 700 'erwachsenen Personen, Männern und Weibern, daß fortan! Ehen zwischen Indianern und Indianerinnen auf das strengste verboten sein sollten. Durch die fortwährenden Heiraten unter-, einander war eine derartig nahe Verwandtschaft , eingetreten> daß für das Fortbestehen des Stammes das Schlimmste zu be-. fürchten stand, wenn man nicht Einhalt tat. Starben doch von ICO Säuglingen gleich nach der Geburt ungefähr 80. Mit Einziehung des Anteils am Stammesvermügen sollten Diejenigen Indianer und Judiaiierinnen bestraft werden, welche 'Stammes- genossen fortab heirateten. Wenige Wochen nach jenem Beschluß wurden bereits 300 Ehen zwischen Indianern und weißen Fraueir und umgekehrt zwischen Indianerinnen und weißen Männern geschlossen. Es ist 'merkwürdig, daß sich überhaupt alle die Eheverbote und Vorschriften, die man in früheren Jahrhunderten bei uns in Europa und speziell in Deutschland zu verzeichnen hatten jetzt in Amerika, wiederfinden. Infolge der höchst konfusen Gesetzgebung, die keine einheitlichen Grundsätze aufstellt (so darf zum Beispiel in dem einen Staate der Onkel die Nichte h-eicateit, während dies in einem anderen Staate streng bestraft wird), ist man jetzt in Amerika auf die im 17. und 18. Jahrhundert in Deutschland so sehr verbreiteten „Gewissens-Ehen" gekommen, die sogar eine gewisse Rechtsgültigkeit auch vor der Kirche hatten und in der Weise geschlossen wurden, daß die angeblichen Eheleute sich gegenseitig das Gelübde der Treue ablegten, ohne Zuziehung der Kirche (jetzt natürlich des Standesbeamten). Diese Matrimvnia eonseientiae oder Mariages de conseience waren ja auch in Preußen üblich, wo Offiziere und Beamte sehr selten den Heiratskonsens erhielten und schwere Strafen zn gewärtigen hatten, wenn sie doch 'heirateten. Kaiser Joses II. versuchte iml Jahre 1783 durch eine Verordnung in Oesterreich diese Gewissensehen, die man jetzt in Amerika in so großer Menge findet, abzuschaffen, indem' er die schönen Worte sagte: „Nur Wnenstolz und gesellschaftliche Vorurteile haben die 404 MarkagiS b'e conscience erfinden.Echen. Wer errötek, eine Handlung öffentlich zu tun, soll sie auch im geheimen untev- laffen. Wer aber, überzeugt von seinem zeitlichen Glück und Vergnügen, sie zu unternehmen sich entschließt, soll auch standhaft genug sein, den Vorurteilen Trotz zu bieten." Professor Revels Wasserkur. „Sie können, ganz unbesorgt fein, Frau Landrichter, der Herr Professor Befommt von mir kein Wasser zu trinken . . ." „Auch nicht, wenn er lamentiert oder droht: hörst du, Kathrine?" „Ich bleibe schon fest, Frau Landrichter. Wenn er Wässer trinkt, muß er sterben, hat der Doktor gesagt. Und ich bedanke mich 'dafür, dass es später hieße: Der Herr Professor Nebel ist gestorben, iveil ihm seine alte Kathrine Wasser zu trinken gegeben hat." „Gut. Dir fügt sich der Vater noch am ersten. Ich gehe . deshalb auch nicht mehr zu ihm hinein. Wenn es allenfalls schlimmer werden sollte, rufst'du mich oder meinen Mann." Damit verabschiedete sich Frau Landrichter Ploch von der Ulten Kathrine, die das, Hauswesen ihres verwitweten Vaters, des Professors Nebel, besorgte. Die beiden Haushaltungen befanden sich in dem Plochschen Hause am Asterweg, zu dem ein geräumiger Hof rind ein großer Garten gehörte. Ein kleineres Nebengebäude enthielt das Landgericht. Kathrine trat in das Krankenzimmer. Der fiebernde Patient warf 'sich unruhig auf seinem Lager hin und her. „Wasser, Kathrine!" bat er, „gib mir doch Wasser." „Ich darf nicht, Herr Professor," versetzte die getreue Dienerin und führte dem Kranken eindringlich zu Gemüt, wie schädlich, ja todbringend das Wassertrinken, bei „Nervenkrankheit" fei. Seufzend fügte sich der Patient: war er ja selbst'Mediziner. Doch kant eüt Kompromiß zustande, ivonach während der Nacht eine große Waschschüssel mit Wasser vor dem Bette stehen sollte, um öfteres Kühlen der Stirn zu ermöglichen. Nachdem Kathrine daun noch einmal ein gehöriges Quantum Arzeuci verabfolgt und eine frische Unschlittkerze angezündet hatte (man schrieb 1839), entfernte sie sich. , Am nächsten Morgen iäber in aller Frühe kam sie schreckens-i bleich und mit schlotterndem Gebein in die Plochsche Wohnung! gestürzt. Es sei etwas Schreckliches geschehen. Ter Herr Pro- tessor müsse während der Nacht die ganze Waschschüssel 'leergetrunken haben. Kein Tropfen sei mehr darin. Ach Gott! und sie sei an dem ganzen Unglück schuld! Aengstlich eilte die ganze Familie in das Krankenzimmer. Gott sei Dank, der Vater lebte noch: Und Merkwürdig! sein Auge blickte Heller, seine Stimme klang weniger heiser als gestern, ^a, er hatte das Wasser aus der Schüssel getrunken. Aber er fühlte sich gar nicht zum Sterben. Viel eher erleichtert. Ruhe wollte er haben und fchlasen wollte er. Auf den Fußspitzen schlichen alle hinaus. Bald meldete Ka- thrme, daß er wirklich eingeschlafen fei. Er liege überhaupt ganz ruhig da. Als der Arzt kam, schüttelte er bedenklich den Kops Aber die Besserung hielt an, und tatsächlich ist Nebel stach kurzer Zeit wieder vollständig gesund geworden. R. VesmischSss. * Wo dse Schönheit der Kinder her kommt. P. Lombroso plaudert in einem interessanten Artikel über die Vergänglichkeit der Schönheit und berücksichtigt dabei speziell die Vergänglichkeit der Schönheit der Kinder. Wir entnehmen dem Artikel nachfolgende interessante Details: Wenn man eine Kindergruppe ansieht, schreibt Lombroso, sollte man glauben, die Menschheit sei in einer stets wachsenden Entwicklung der Schönheit begriffen, denn fast überall treten uns bei Kindern schöne und reine Formen entgegen. Aber wenn man die Erwachsenen betrachtet, dann ist trotz der schönen Hoffnungen die Zahl der Apollos und Venus eine äußerst, geringe. Ter Grund liegt darin, daß eine große Anzahl der Organe mit dem Wachsen des Krudes eilte Veränderung durchmacht. Bei beit meisten Kindern fallen uns die großen Augen auf, die so erstaunt in die Welt blicken. Wie selten ist aber der Fall, daß ein Erwachsener diese großen Augen hat. Das kommt daher, daß das Auge eines der Organe ist, das zuerst seine volle Entwicklung erreicht. Mit stoben Jahren haben die Augen ihre volle Größe erlangt, wäh- rend das Gesicht noch lange weiter wächst. Es ist daher klar, daß Kinder, die von Natur aus Anlagen zu einem großen oder gar zu einem fetten Gesicht haben, in erwachsenem Zustand stitr ganz kleine Aeugleiu haben werden. Ein anderes Organ, dessen Entwicklung oft unangenehme Ueberraschuugen zeitigt, ist die Nase. Im Gegensatz zu den Augen hat die Nase die Tendenz, die Vorherrschaft im Gesicht zu erlangen. In Anbetracht dieser ^ahacae bildet die entwickelte Nase bei einem Kinde eine schwere Gefahr, da sich dieselbe im Laufe der Entwicklungsjahre zu entern1 wenig ästhetischen Niechorgan iausbildet. Die schöne griechische Nase kann nur das Produkt eines kleiiien und schmalen Näschen des Kindes sein. Auch der Mund artet gewöhnlich nach der häßlichen Seite aus, und zwar meistens unter dem Einfluß der Bitterkeiten und Leidenschaften des Lebens. Das Kind har im allgemeinen in den ersten Jahren seines Lebens nur Glück und Vergnügen und wenig schmerz. Bei dem Erwachsenen aber prägt der Kampf ums Dasein, das Jagen und Kämpfen um den Besitz, Enttäuschungen, Entbehrungen usw. unlöschliche spuren speziell um den Mund 'und ändern so die natürliche Schönheit, indem, sie dem Gesicht einen andern Ausdruck geben. * lieber bie Grenzen der Tonhöhe der menschlichen (Stimme sind vor einiger Zeit iiiteressanle Untersuchungen nngeslellt worden, bie ein anschauliches Bild von der Bildungsfühigkeit der menschlichen Stimme geben. Der ticsste Ton, der von der inensch- lichen Stimme, bisher bekannt geworben ist, ist- das fünigestrichene F mit 43 Schwingungen, der einem deutschen Baß, Fischer im 18. Jahrhundert zugeschrieben wird. In der heutigen Oper findet inan selten einen Baß, der liefet singt als das dreigestrichene 0, das 64 Toppelschwingungen hat. Le Comte Stevens, dem wir einige der Untersuchungen verdanken, meint, das; diese Tiefe nur unter abnormen Bedingungen übertroffen wirb; e§ gelang ihm selbst, als seine Stimmbänder durch einen JnsluenzaanWll geschwollen wnreit, noch das zwei Töne tiefere A mit 53 Schwingungen in schwachem und sehr unmusikalischem Klang zu erreichen. Ein gewöhnlicher Sopran reicht bis C mit 1024 Schwingungen, und die mittleren Grenzen der menschlichen Stimme dürften 100 für den Baß und 1CQ0 für den Sopran sein. Adelina Patti erreichte noch C mit 1536 Schwingungen bei gutem Klange. Mozart bezeugte 1770, das; Luerezia Äjügari in Parma noch aus dem drei- gestrichenen D trillern konnte und in Passagen sogar das sechs- gestrichene 0 mit 2048 Schwingungen erreichte. Ein amerikanischer Sopran, Ellen Paw, soll sogar noch darüber hinaus bis zum K mit 2560 Schwingungen gesungen haben. Für ungewöhnliche Stimmen kann man'daher den Umfang von 50 im Bas; und 2500 im Sopran annehmen. Ganz außerorbentliche Höhen beobachtete Stevens im Schrei spielender Kinder, der nach wieder- holten Feslslellnngen zwischen 2500 und 3000 Doppelschwingungen variieren konnte. Der äußerste Spielraumder menschlichen Stimme würde somit 6 Oktaven betragen. Einzelne Stimmen haben im Durchschnitt 2, seltener 3 Oktaven, selten darüber. Die Stimme der erwähnten Italienerin Ajugari besaß allerdings den fabelhaften Umfang von 4‘/2 Oktaven, da sie in der Tiefe bis zum zweigestrichenen G Mit nur 192 Schwingungen reichte. * Gellert über bie Ehe. In einem Briefe an seine Schwester, der mir sehr wenig bekannt sein dürfte, äußert sich der bekannte Fabeldichter über die Ehe, ein Thema, das auch heute bet Verheirateten und Ledigen als aktuell und ständig interessant gilt. Gellert meint zwar: Ehestand — Wehestand, fügt dann aber philosophisch hinzu: „Durch Eintracht und durch Zärtlichkeit Verringert sich das schwere Leid!" In derselben liebenswürdigen, philosophisch-ironischen Weise fährt er dann fort: „Einst wurde ich von meiner Braut gefragt, tuet in der Ehe zu den meisten Verdrießlichkeiten Anlaß gäbe, ob der Mann oder die Fran. Ich legte meinen Finger an die Nase und sann lange nach. Endlich brach ich in diesen Denkspruch aus: Oft liegt die Ursach' an dem Mann, Oft ist die Fran auch schuld daran!" Die Frage, wodurch die meiste Uneinigkeit in die Ehe käme, beantwortete Gellert ebenfalls poetisch: Der meiste Krieg, der meiste Streit Entsteht durch eine Kleinigkeit, ■ Tie wird durch Unbescheidenheit Ein Krieg von großer Wichtigkeit. Sport-Silbenrätsel. cal, di, eh, gat, glied, ler, lo, nie, mit, nach, nen, plo, re, ren, ren, nichts, ta, ter, un, züg. Aus vorstehenden Silben und Buchstaben sollen sechs Wörter gebildet und derart untereinander gesetzt werden, daß die Anfangsbuchstaben, von oben nach unten, und die Endbuchstaben von unten nach oben gelesen, zwei gesundheitsförderndeLeibesübungen bezeichnen. Es bedeuten ober die einzelnen Wörter Folgendes: 1. Bezeichnung für Kampfspiele aller Sport?. 2. Einen Ort, den die Anfänger fleißig besuchen sollen. 3. Ten Stolz der Sieger. 4. Rang hervorragender Sportlente in den meisten Vereinen. 5. Efn Kampfspiel zu Ehren Poseidons. 6. Leutchen, die bei allen sportlichen Festveranstaltungen zu finden sind. Auflösung in nächster Nummer. Auflösung des Scherzrätsels in voriger Nummer: Senspflaster. Redaktion: Ernst Heß. — Rotationsdruck und Verlag der B r ü h l'icben Universitäts-Buch- und Steindruckerci, R. Lange, Gießen.