KSK TEjifl Tm IgUJUil ■il'-' MWW mfiS WWW Dem Irrlicht nach. Roman von Alexander Römer. Nachdruck verboten!. (Fortsetzung.) 13. Kapitel. Tret Jahre sind verflossen. Der Novemberhimmel wölbt sich in wolkenloser Bläue über der ewigen Stadt. Ueber die Mauern der Billa Medici ranken sich noch die blühenden Rosen, die Lorbeeren und Myrten glänzen im goldenen Sonnenlicht, die kräftigen Steineichen stehen ehrwürdig in ihren: immergrünen Laub. Der Fremdeustrom flutet auf und ab auf den Straßen, dem Pincio und in den Galerien und Kirchen, in diesem Jahr ist der Verkehr reger denn je. Eine lange Wagcnreihe fährt auS der Porta S. Sebastiana die Via Appia entlang nach den Calixtkatakombcu. Es' ist heut der 22. November, der St. Cäcilientag, und an der ehemaligen Grabstätte der Heiligen wird eine Messe zelebriert, das zieht viel neugierige Zuschauer in die unterirdischen Räume. Langsam bewegt sich die Menge durch den schmalen Gräbergang nach den Papstgrüften und von dort in einen oben offenen Raum, wo eine Kapelle, die nebst den umliegenden Gangen heut erleuchtet ist, sich dem Auge bietet. M ist ein phantastisches, unheimliches Bild; dieser 'bunte Menschcuschwarm verschiedenster Gattung, aus dem ein leises Summen und Surren emporsteigt, dicht gedrängt, in das schwarze Dunkel der engen Gänge sich verlierend, von dem ungewissen, flackernden Kerzenlicht übergossen. Ueber die alten byzantischen Malereien huschen die Schatten und Lichter hin, das Gemurmel des Priesters und der plärrende Gesang der Chorknaben hallt dumpf hier in der unterirdischen Welt. _ , 1 Die Feier ist beendet, der Knäuel löst sich auf. Ein Teil geht mit den Führen: weiter hinein in die Katakomben, der andere Teil strebt dem Ausgang zu ins Freie, hinauf ans Tageslicht. Ein Herr und eine Dame habe:: in der vordersten Reihe am Kapellenrande gestanden und bleiben jetzt als die letzten zurück. Die hochgewachsene Dame ist manchem Auge aufgefallen. In den: wunderlichen, gespenstischen Licht hat sie ausgesehen wie ein verkörpertes, lebendig gewordenes Bild der heidnischen olympischen Göttin, der Juno Ludovisi. Man ist ja daran gewöhnt hier in Rom, daß die alten und die neuen Gottheiten sich friedlich miteinander mischen. Ter Herr neben ihr hat gelangweilt der Zeremonie zugeschaut und seine Augen ziellos umherschweifen lassen. Jetzt, als die Gruppen paarweise an ihm, dem Zurückweichenden, vorübergleiten, späht er forschend nach einer Gestalt, die ers dahinten im schattenhaften Gedämmer entdeckt. Seine Züge sind scharf und hager und zwischen seinen Brauen hat sich eine tiefe Falte gebildet, die nicht zu seine,: Jahren. gehört., Kenn er ist noch ein junger Mann. Plötzlich schlägt ihm die Glut in das Angesicht, er tritt noch weiter zurück, aber er braucht sich nicht zu fürchten, hier beachtet das niemand. Zwei Damen gehen hart an ihm und seiner Begleiterin vorüber, eine alte u::i> eine junge. Die Alte trägt einen bunt gewirkten türkischen Schal und einen Hut mit wallenden roten Federn. Ihr Gesicht ist gelb uns runzelig, aber wie sie sich wendet, erkennt man selbst hier in dem düstere:: Halblicht dig Schminke :tm die Augen und aus den Mangen, und ein starker! Mvschusgeruch verbreitet sich in . der dumpfigen Lust. Die junge Dame neben ihr schreitet wie in tiefen Gedanken dahin, sie hat ein feingeschnitteues, liebliches Gesicht, aber die Wangen sind schmal und bleich und um den Mund liegt ein herber Zug. Sie und die Alte sind von mehreren Herren begleitete welche, lebhaft gestikulierend, reden; es sind Italiener, und wenn sich einer von ihnen tiefer zu der jungen Dame neigt und an sie direkt das Wort richtet, schaut sie auf, als sei sie sich ihrer Umgebung gar nicht bewußt und habe an ganz fernab liegende Dinge gedacht. Sie zwingt sich dann zu einein artigen Lächeln und zu einer Antwort, und bei dem Klang ihrer Stimme zuckt der beobachteiche Fremde zusammen. Jetzt ist sie gerade neben ihm und der Juno, und sie blickt zu ihm auf, plötzlich, wie durch ein inneres, instinktives Gefühl getrieben. Ihre Gesichtszüge verändern sich, purpurn flammt dunfle Glut darüber hin, sie öffnet die Lippen, als wolle sch einen Schrei ausstoßen. Aber sie preßt rasch ihr Batisttuch an den Mund und drängt den Schrei zurück. Nur ihre Augen haben einen Moment wie entsetzt den Herrn angestarrt, und sie ist die e inzige, welche die Glut auf seinen Zügen entdeckt hat. Sie grüßen einander nicht — und jetzt ist sie vdrüber> der Strom der anderen fremden Menschen flntet über die Stelle^ wo sie stand. „Sind Sie da festgewurzelt, Roderigo?" sagt lachend die Stimme seiner Begleiterin, und Roderich Walldorf fährt empor wie aus schweren: Traum und bietet seiner Dame den Arm, „Man fühlt sich wie verhext hier in diesen alten Grüften," sagt er, „ich weiß eigentlich nicht, Vera, was für ein Vergnügen Sie an diesen lächerlichen Zeremonien finden. Dir Katakomben kennen Sie ja wohl wie Ihre Tasche./' „Ihnen fehlen hier, wie so vielen Romfahrern, die rechten Sinne, Roderigo, es gibt hier nur wenig Sehe:ü>s u:id Hörende," Roderich brummt eine ärgerliche Erwiderung in den Bart- während sie langsam den letzten Nachzüglern folgen. Bern hat eine unleidliche Art, solche Seitenhiebe austzuteilen. Wie lange war er eigentlich schon ihr geduldiger Begleiter auf' der Fahrt u:ld Suche nach Kunstschätzen und Kunstgenüssen aller Art? Wenn das allein den echten Künstler kennzeichnen sollte, dieses ruhelose Stöbern unter und über der Erde, so. war er anderer Meinung darüber. Aber alle Welt nannte Bera eine geniale Natur, und niemand unterfing sich, ihr Urteil anzufechten. Sie waren endlich ins Freie und an ihren Wagen gelangt. Hier oben in den: blendenden Sonnenlicht, das über die Campagna flutete, sah man deutlicher, wie diese Jahve Roderichs verändert und älter gemacht hatten. Sie schienen ihm wenig Rosen gebrächt zu haben. Bera Petruschka dagegen hatten sie nichts getan. Ihre Schönheit war von einer dauer-! — 274 Geiste des edelsten und höchsten Menschentums," ,Jm gehört, die Welt erfüllte ihr Ruhm nicht. Die hatten einander nicht einmal gegrüßt. < „Nun — was grübeln Sie, mein Freund," sagte Vera an seiner Seite, „wieder diese Byrvnmiene, aber 'Sie sind ein uw echter. Sie haben seine Launen und seinen Weltschmerz, aber! nicht seine göttlichen Verse." Roderich sah sie finster von der Seite an, sie hatte ihre schlimme Stunde heute, und zu diesen kleinen Ausfällen zuckte er nur die Achseln. Sie hatte von Paul Hendrichs gesprochen und seinem epochemachenden Buch: „Das Gewissen", das dieser jüngst der Oesfrute lichkeit übergab. Er hatte ihre ersten Worte wirklich nicht gehört. „Hendrichs W vin scharfer Denker," sagte sie, „und kühn, kühn bis zur Verwegenheit. Er zieht ohne irgendwelche Rücksicht auf die herrschende Richtung seine geistvollen, überraschenden fähig. Roderich wußte es, wie es mitunter in ihr siedete und wogte unter der sicher beherrschten Oberfläche, ihre Augen konnten ein verzehrendes Feuer ausstrahlen, konnten verdammen und begnadigen; o, seine Stunde kam noch, mußte noch kommen, 'M Trennung dachten sie beide nicht. In finsterem Brüten saß er heute neben ihr. Es war Sylvia gewesen, die er da eben in den Katakomben erkannt; wie hatte ihr Anblick ihn ergriffen, UM die Heimat, seine Jugend heraufgezaubert. Die war vergessen, versunken, er yünkte sich mitunter ein Mer Munn, weit von der Stätte seiner Kindheit .verschlagen, umherirrend wie Odysseus, wie er in den Banden einer Kalypso. Seit langer Zeit hatte kein Ton aus per Heimat ihn mehr erreicht. Der Vater grollte, litt vielleicht Unter der wachsenden Entfremdung des Sohnes, Erna suchte treu das Band festzuhalten, sie schrieb häufiger und teilte dann Wes Nennenswerte Mit, er aber hatte jetzt lange keine Kund« Von sich gegeben, sie wußten zu Hause noch nicht einmal, daß «r wieder in Rom war. Rur der Bankier, der ihm die Gelder auszahlte, mahnte ihn noch an das Haus, aus dem er stammte. Weit verschlagen —. den Seinen verloren. Wie ihm das heut ßum Bewußtsein tarn ! Sylvia l st« war also mit der Mutter hier in RvM. Sie war recht verändert, aber noch süß und lieblich. Ob sie eine bedeutende Sängerin geworden war? Er hatte nie von ihr Lasten Art, sie lag jn dem stolzen Leuchten ihres Auges und dem Stempel eines überlegenen Geistes, der auf ihrer marmor- gleichen Stirn thronte. Anmutig, zu vertraulicher Hingabe ermutigend, war ihre Erscheinung nicht, aber sie forderte auch keine Hinqabe, nur Unterwerfung. . Seit drei Jahren nun, seit er sich damals, dntt Willen des Vaters widerstrebend, von der Heimat entfernt, hatte Roderich sich an ihre Fersen geheftet. Sie nannte es so, wenn er in unmutigen Stunden sich zornigen Aufwallungen überließ und ihr heftige Anklage,t entgegenschleuderte. Es waren stets demütigende Erinnerungen für ihn, wenn er solcher Stunden gedachte, ^hre stolze Ruhe, ihre Kälte, die unanfechtbaren Tatsachen, die sn ins Feld führte, erzielten stets seine Niederlage. Sie hatte ihm nie befriedigende Erklärungen über ihr Tun in Paris, über die Natur ihrer Verbindungen und die Berechtigung oder Unberechtigung jener Anklage gegen sie gegeben Sw hatte ihm nur, als er sie unaufgefordert wieder aufsnchte,. eine vertrauliche Stellung neben sich eingeräumt, ihn öffentlich zu ihren M- timen gezahlt. Und das berauschte Roderich damals, gab ihm alles das, wonach er verlangte. Paul Hendrichs fand er in der Tat in fast unverändertem Verhältnis zu ihr. Er war auch in Rom ihr Mitarbeiter, ihr Kamerad, denn Veras Geist arbeitete unausgesetzt. Sie schrieb viel in russischer Sprache für „ihr unglückliches Vaterland", und da Paul des Russischen Mächtig war, konnte er ihr Berater und Kritiker fern. So verband die beiden ein geistiges, anscheinend völlig leidenschafts- lvseS Band. Paul bewahrte seine klassische Ruhe, und wenn der Müßige, vergeblich nach der alten Begeisterung, nach neuem Stoff und ruhiger Arbeitsmuße ringende Roderich die riesige Arbeitskraft gewahrte, die in diesen beiden steckte, packte es ihn Vst mit ohnmächtiger Wut. Aber weder Vera noch Paul küminerten sich je um sein innerliches Toben. Paul wich jeder Herausforderung mit leichten Sarkasmen aus, und Vera behandelte ihn wie einen launigen Knaben. Im übrigen öffneten sich ihm in Veras Gefolge alle Türen; was es an hervorragenden Menschen, Künstlern, Gelehrten, ja Würdenträgern gab in ihrer Nähe, das scharte sich um sie, und er —i war ihr Schatten!. Dann. kam die Zeit, wo Vera, von einer unerklärlichen Unruhe gepackt, Reisepläne entwarf, und Hendrichs nicht daran dachte, sie zu begleiten. Ev trieb in Rom eifrige Studien, vergrub sich ost wochenlang in kleinen italienischen Nestern, und Vera, welche einen Reisebegleiter wünschte, forderte selbst fstoderich Mf, ihr einer zu sein, Roderich war damals überzeugt, daß ein inneres Zerwürfnis zwischen ihr und Hendrichs vvrliege, daß Paul sich vielleicht die Flügel verbrannt, sich einen Korb geholt, und ein gwßer Triumph schwellte ihm das Herz. Er stellte sich mst tausend Freuden zu ihrer Verfügung. So hatte er Griechenland und Kleinasien mit ihr durchstreift, in Konstantinopel hatten sie längeren Aufenthalt genommen, waren dann nach Kairo und Alexandrien gegangen und erst vor einem Monat nach Nom zurückgekehrt. In den Siu gen der Weit galt er als ihr Freund, Liebhaber, künftiger Gatte, was kümmerte sich Vera Petruschka um ihren sogenannten Ruf im Sinne alltäglicher Klatschbasen. Jn Wirklichkeit war er tfyc kaum um einen Schritt näher als in den Pariser Tagen. Sie hatte eine eigene Art, ihn in Schranken zu halten. War sie Überhaupt für die Ehe geschaffen? Ihr Sinn war gar nicht für das Herkömmliche veranlagt, aber — einer Leidenschaft war sie sagte Vera. „ Roderich biß sich auf die Lippen und ärgerte sich. Es war nur eine Quälerei von Veras Seite, ein Ausfluß ihrer üblen! Laune, daß sie Paul auf den Schild hob. Sollte sie seine Bewegung bei Sylvias Anblick geivahrt und mst ihrem wunderbaren Instinkt erraten haben, wie nahe diese ihm gestanden? Er warf einen verstohlenen Blick auf ihr Gesicht. Das Hütchen mit der schwarzen Sammetbvrte und dem feinen Rosengeflecht saß >eut- zückend auf ihrem Scheitel, ihre Mienen waren ruhig und ceift-i durchleuchtet, wie immer — sie war eine unergründliche Sphinx. Aber das gerade reizte und fesselte so. Davon hatte er sich übrigens überzeugen können in diesen drei Jahren, wo er fast immer au ihrer Seite gewesen war, daß sie keine gefährlichen! Konspirationen betrieb, keine Mordanschläge plante und sich nicht an nihilistischen Umtrieben beteiligte. Sie pflegte eine ausgebreitete Korrespondenz, hatte weitverzweigte Verbindungen und" ein großes, warmes Herz für ihr Vaterland. Wer wo. sie auftrat, war sie hochgeachtet, fand überall diensteifrige! Gönner und Freunde, den höchsten Gesellschaftsflassen angehörig, welche ihr und ihm, der in ihrem Gefolge war, die Wega ebneten. Auch ihre Mittel wareii glänzend und uneingeschränkt. Wer sich zu ihr gesellte, stieg nicht herab, (Fortsetzung folgt.) Aer Kunenitt oder die denkwürdigste Kerfe meines Lebens. Eine Erinnerung an das Jahr 1806. (Schluß.) Was war da zu tun? Ich eile vor die Tür Da liegt mein Sattel, und der Postillon ist auf und davon Welch ein Schreck! Ich stehe und bedenke meine Lage; aber da ist kern ander Mittel/ fortzukommen, als Kurier zu Fuß zu spielen. Doch m, dem Augenblick kommt ein Soldat und bietet dem Postmeister ein Pferd zum Verkauf an. Ich Minne mich nicht lange und taufe das Pferd für 10 Taler. Froh darüber, nun meinen Weg fortsetzen zu können, setze ich mich auf und reite rn der Absicht fort/ nach Eisenach retour zu gehen. Aber meine Freude dauerte Nicht lange, denn das Pferd wollte schon in der Stadt vor Mattigkeit zusammenfinken, und das Gedränge war so groß, daß man kaum von der Stelle konnte. Ich rede, darum emen Mann an, dest ich sür einen Taglöhner halte, mit mir nach Menach zu gehen. Er ist es zufrieden und führt mich durch eine Straße, in dn das Gedränge nicht so arg ist. Ab komme glücklich vor die Stadt, wo es von Soldaten wimmelt, die teils ausruhen, teils auf den Möhrenäckern ihren Hunger stillen. Ich muß nun *u Fuß wandern. lasse das Pferd führen und treibe es mit der Kiinerpeitsche vor mir her. In dem nächsten Dorfe lasse ich es füttern und gebe mir Mühe, ein anderes Pferd einstweilen zu erhalten. Kein Mensch versteht sich aber dazu, auch der Schulze weigert sich. Mir fällt jetzt ein Licht ein. Ich zeige ihm meine Depeschen und sage ihm, daß ich in kurfürstlicher Angelegenheit reise und daher schlechterdings befördert werden müsse. Kaum vernimmt er dies, so geht er fort und bringt mir ein Pferd, das ich aber nur bis zum nächsten Dorf behalten darf. , Nun geht's weiter, uno da ich bemerke, daß mein erkauftes. Pferd wieder munter wird, so siede ich mich auf dieses und schicke bas andere wieder zurück. Gegen Abend begegnet nur ein Trupp Husaren. "Woher, mein Freunds ruft mir eist Ossizier zu. „Von Langensalza" gab ich zur Antwort. „Re tet nur zu, meine Kinder? bestehlt er feinen Husaren, um> nust mußte ich ihm erzählen, was ich.gesehen. In dem Augenblick kommt eine Chaise, worin 2 Offiziere sthemEiiier davon war derjenige, dem ich meine Kurierpferde in Berka überließ. Ich Schlüsse." „Paul ist geborener Jude, konfessionslos, frei im äußersten Sinne des Worts," bemerkte Roderich; „ich las sein Buch noch nicht, doch weiß ich genau, in welchem Geiste es geschrieben ist." — 275 — muß beiden meine Erzählung wiederholen, und sie bitten mich inständig, doch in Eisenach zu dem Herrn General von Plötz zu gehen und ihm das, was ich gesehen und gehört habe, zu erzählen. Ich verspreche es und ziehe meines Weges. Darauf begegnet mir ein Mann. „Woher Landsmann?" frage ich. „Von Eisenach," gab er litt Antwort. „Was gibts da Neues?" „O, da liegt alles voller Preußen." Da es schon anfängt, dunkel zu werden, so spreche ich zur Vorsicht mit meinem Führer recht laut, damit die Vorposten uns nicht *eittoa für Spione halten, und gelange glücklich in Groß-Lugwitz an. Am Eingang des Ortes werden wir von der Wache sakugerufen. Man läßt mich ein, und da ich verlange, vor den kommandierenden Offizier gebracht zu werden, so führt mich der wachhabende Unteroffizier zu dem Adjutanten, einen Herrn von Manteufel, hier im Wirtshaus logiert. Er empfängt mich äußerst höflich. Ich erzähle ihm, was mir begegnet tft und erwähne des Auftrags, den mir die beiden Offiziere gegeben haben und bitte daher, mir doch zur geschwinden Beförderung behilflich zu sein. „O, sie müssen erst mit zu dem Herrn Oberst gehen u nd auch dem erzählen, was sie gesehen haben, dann sollen sie nicht länger aufgehalten werden," erwiderte er mir, „ich gebe Ihnen eine Ordonanz mit, welche zu Ihrem Fortkommen sehr dienlich sein wird." Mit Vergnügen nahm ich dies an, nnd er führte mich zum Obersten, der in demselben Hause logierte, aber schon zu Bette lag. Auch dieser ist sehr artig gegen mich; ich erzähle ihm, und wir geben wieder in die Stube des Adjutanten. Er offeriert mir hier ein Glas Rum und etwas zu essen und bittet mich, vorlieb zu nehmen, da man im Felde nichts Besseres habe. Unterdessen kommen mehrere Offiziere. Unter anderen treffe ich einen preußischen Artillerie- leutnänt von Bok, der vergangenen Winter beim Durchmarsch der Preußen in Schlitz lag und den dasigen Bürgermeister übel behandelt hatte. Er erwähnte dies, doch war er, wie alle übrigen, sehr artig gegen mich. Unterdessen bringen 2 Unteroffiziere, wovon der eine eine goldene, der andere eine silberne Medaille hatte, einen Arrestanten. Der Auditeur wird gerufen und man nimmt denselben zu Protokoll. Anfänglich gab er an, sein Regiment sei bei Weimar gesprengt Nwrden und er habe sich durch die Flucht gerettet. Als man weiter in ihn drang — und das geschah auf eine barbarische Art — so gestand er, daß er desertiert sei. Der Adjutant ging mit dem Protokoll weg, wahrscheinlich zum Obersten. Nach seiner Zurückkunst wurde der Arrestant abgeführt; er aber sprach mit beit anderen Offizieren heimlich. Darauf kommt der oben erwähnte Leutnant von Bok zu mir, bittet um nochmalige Vorzeigung meines Passes ünd entschuldigt sich, daß in der gegenwärtigen Lage die größte Vorsicht angewandt werden muffe. Unbesorgt gebe ich meine Papiere hin. Man durchsucht sie und siudet allerlei an meinem Paß auszusetzen, worauf der Auditeur mich zu Protokoll nimmt. Ich bitte abermals, mich doch abreisen zu lassen. Der Adjutant verspricht auch dieses und setzt hinzu, daß ich mit einer Fuhre, die soeben nach Eisenach abgehen werde, abreisen könne. Ich erwiderte, daß ich ein Pferd habe, das ich verkaufen wolle, da ich jetzt keins brauchen könne. Die Offiziere gingen in den Stall, besehen das Pferd und bezahlten die verlangte Summe an mich aus, die üs mich gekostet hatte. Nicht lange darauf kommt ein Soldat und benachrichtigt den Adjutanten, daß die Fuhre bereit sei. Die Offiziere begleiten mich daher bis vor den Hof, helfen mir auf den Wagen und nehmen sehr höflich Abschied. Da saß nun der ■ Kurier auf einem elenden Karren neben dem oben erwähnten Deserteur, von 2 Soldaten, die ebenfalls auf dem Karren saßen, bewacht. Soweit waren mir alle bisher begegneten Ereignisse ziemlich gleichgültig, und nur der Gedanke, den Zweck meiner Reise nicht erreicht zu haben, machte mich miß- mutig. Aber nunmehr erst fing mein Elend an. Wir waren kaum zum Dorf Hinaus, so rief der hinten aufsitzende Soldat dem vorderen zu: „Kamerad, den Hahn gespannt!" Indem fällt mir mein Sattel ein; ich frage darnach und erhalte von den Soldaten zur Antwort: „Glaubst du dann, daß unsere Offiziere Spitzbuben sind? Da liegt der Sattel!" Ich wende mich um, zu sehen, ob es auch der meinige ist. Der Kerl aber gibt mir einen Stoß und setzt mir das Bajonnet auf die Brust, mich ruhig zu verhalten, sonst sollte mich der Teufel holen. Das war eine unerwartete Sprache, die mit dem höflichen Benehmen der Offiziere gewaltig, kontrastierte. Die Furcht, dem Kerl möchte in der Dunkelheit der Nacht das Gewehr losgehen, veranlaßte mich, .still zu schweigen, und so kamen wir in dem Dorfe Stockhausen an. Vor dem Wachthause wird still gehalten; der Unteroffizier kommt heraus und empfängt uns. „Nun, Kameraden, was habt ihr dekin für 2 Kerls da?" war seine erste Frage. Einer von den Soldaten, die uns bewachen, gibt ihm die Antwort: „Der Eine ist ein Deserteur, der Andere ein Spion, der für einen Kurier sich ausgibt." „Ach," erwiderte der erstere, „das ist gut, daß tvir einmal einen Kurier haben, das sind die rechten Spitzbuben, die uns immer ins Unglück hineinführen." Wir mußten absteigen und in die Stube gehen. Der Deserteur warf sich sogleich auf die Streu, ich aber setzte mich bei den Tisch, und zwei Soldaten mit blanken Säbeln hielten bei mir Wache. Kurz darauf wurde einer gewahr, daß ich meinen Hirschfänger noch Umhängen hatte. Er riß ihn mir sogleich von der Seite, mit der Bemerkung, daß ein Arrestant keine Waffe brauche, ^ch mußte «lles geschehen lassen und hoffte, daß sich in Eisenach mein Schicksal schon ändern werde. Einige Zeit darauf kommt der Unteroffizier hereingesprungen und ruft: „Wo sind die Kerls?" „Da sind die Herren!' gab ich ihm zur Antwort. „Ja, schöne Herren, die man an den ersten besten Baum aufhängen müßte," gab er zurück. „Jetzt marsch hinaus!" Da hielt ein Karren mit 2 Kühen bespannt. Ich war so steif, daß ich kaum darauf klettern konnte. Die beiden Soldaten, die mich in der Stube bewacht hatten, nahmen ebenfalls Platz, und so ging es im Trabe fort, auf die Kühe wurde unbarmherzig losgepeitscht. Als totr in die Nähe von Eisenach kamen, begegneten uns so viele Bagage- und Munitionswagen, Kanonen und Reiter, daß ich jeden Augenblick glaubte, unser Karren würde in den Chausseegraben geworfen. Wir kamen aber glücklich durch die Vorsicht unseres Fuhrmanns in Eisenach an. Auf dem Markt hielt ein Regiment. Wir fuhren durch die Reihen nach der Hauptwache zu. Als ich dies bemerkte, sagte ich: „Zur Wache will ich nicht, ich will zum General!" „Halts Maul, hierzu ist keine Zeit!" erhielt ich zur Antwort, und fort ging es zur Wache. Hier fand ich noch 6 andere Arrestanten, die bereits schon im Aufbruch waren. Schon unterwegs in den Straßen hörte ich davon reden, daß die Franzosen in der Nähe wären und 8000 Mann bereits in Gotha eingerückt seien. Daher auch die Verwirrung und Eile des W- marsches. Aus der Wachtstube wurden wir auf die Straße getrieben. Das Kommando erscholl: „Die Arrestanten hinter die Leibkompagnie!" Ich verlange vor den General geführt zu werden, an den ich mehrere Aufträge habe. Der Unteroffizier aber stieß mich, schimpfte und tobte, daß mir der Geduldsfaden brach. Ich war im Begriff, ihm mit der Kurierpeitsche ins Gesicht zu schlagen, aber ein guter Genius hielt mich davon ab. Ein Offizier rief ihm zu, mich doch menschlicher zu behandeln, man wisse ja noch gar nicht, wer ich wäre und was ich verbrochen habe. Er wurde darauf stiller, und wir schlossen uns den abmarschierenden Truppen an. Nun gings im Eilmarsch den nämlichen Weg wieder zurück, den ich gekommen war in Gesellschaft von Deserteurs und anderen Verbrechern, wie ein Missetäter behandelt, bei der Entkräftung und Ermüdung kaum mehr im stände, zu Fuß fortzukommen. Wenn ich mir bei dem uns führenden Unteroffizier menschlichere Behandlung sichern wollte, so mußte ich ein Opfer bringen. Ich reichte demselben also eine Handvoll 24er, die er ohne Widerstand einsteckte. Und siehe da, die 24er hatten ihre Wirkung nicht verfehlt. Er redete nun in einem ganz anderen Ton und ver- Wntir sicher zu helfen, nur mußte ich noch Geduld haben, :r General schon weit vorwärts sei und jetzt keine Zeit vorhanden, denn man glaubte, die Franzosen auf den Fersen zu hoben. Der Marsch wurde immer geschwinder, daß ich fast nicht mitkonnte. Die Kolbeiistöße der hinter uns marschierenden Truppen brachten mich aber vorwärts. Endlich kommt ein Offizier vorbei der der Adjutant des Generals war,. Er redet mich au, ob ich beim wirklich der Herr sei, ber ihm in Berka die Pferde überlassen habe? Ich bat ihn dringend, mir doch zn helfen, und er versprach es mir bei | einer Ehre. Wir mochten iitbeffen 3 Stunden marschiert fein, als plötzlich Halt gemacht wurde. Die Infanterie formierte sich und die Kanonen werdest in einem Augenblick quer über die Straße gestellt, während die Kanoniere mit brennender Lunte in Bereitschaft standen. Der Tag des 16. Oktober bricht an. Zuweilen kommen Husaren bis vor die Mündungen der Kanonen gejagt, schwenken aber ab und treten wieder zurück. Uns gegenüber stehen ebenfalls Kanonen in Schlachtordnung. Welch eine Entdeckung! Wir stehen mitten im Treffen. An eine Kanone gelehnt, sehe ich dem Treiben zu und erwarte den Tod. Da auf einmal, als es heller wird, erkennt man, daß die jenseits aufmarschierten Truppen ebenfalls Preußen sind. Alles wird wieder ruhiger, und der Marsch beginnt wieder. Dicht bei dem Dorfe Großbehrung wird abermals Halt gemacht, und die Truppen formieren sich. Der General hält auf einem freien Platze, und aus ein gegebenes Kommando sprengen die Offiziere zu ihm heran und empfangen Ordre. Als sie wieder davonreiten, redet ihn der Adjutant ait und gibt mir zugleich einen Wink. Sogleich suche ich meine Papiere, eile hinzu und überreiche sie dem General. Nachdem er dieselben durchsucht hat, wendet er sich zu mir und sagt, daß es ihm sehr leid tue. weil ich unverschuldet in die mißliche Sage gekommen sei, doch müsse ich mit ber jetzigen Zeit rechnen. Weiter versicherte er mir, dafür zu sorgen, daß ich zu meinem Herrn Grafen von Görtz komme. Der Adjutant machte nun dem Unteroffizier die Mitteilung, daß ich frei sei. Ich wende mich nun um und sehe nicht weit von mir em Husarenregiment halten. Ich gehe daraus los und erkundige mich, ob die Eskadron von Protzmann, die im vorigen Winter in Schlitz lag, dabei fei. Ich bekomme zur Antwort: „Dort hält sie." Kaum war ich einige Schritte gegangen, so stößt mir der Rittmeister selbst auf. Indem er mir um den Hals fällt, ruft er mir zu: „Um Gotteswillen, Herr Oberförster, wie kommen Sie denn aus Schlitz hierher?" „Als ein Spitzbube," gab ich ihm zur Antwort und erzähle ihm meine Fata. Noch war ich im Erzählen, als es hieß: „Husarenoffiziere heraus!" Im Augenblick sitzen alle aus, und fort gings, um Ordre zu empfangen. Unterdessen suchte ich noch einige Bekannte in der Eskadron auf. und als ich mit b'em Wachtmeister Radetzky sprach, ruft ein nicht weit bavonstehender Husar mir zu: „Ich weiß, warum der Herr — 276 Bilderrätsel. verboten.) (Nachdruck Flucht *A. 4«e Redaktion: Ernst Heß. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'Ichen UniversitStZ-Buch- und Steindruckeret. R. Lange, Gießen. Liternvissches. Das Maiheft der Neuen Rundschau (S. Fischer, Verlag, Berlin) beginnt mit einem Essay von Prof. Werner S o m b art, in dem die Probleme des modernen Minstgewerbes vom soziologischen Standpunkt aus behandelt werden. Frau Wassermann spricht über die moderne Erziehung, Ed u ard B ernste in über d^n Stand der Sozialdemokratie. Eme Reihe von Künstlerbriefen (Schwind, Richter, Stauffer-Bern, Thoma, Leibl, Passini u. A.) werden veröffentlicht, dre em Bild der künstlerischen Wandlungen im 19. Jahrhundert geben. Von Andre Gide erscheint, auch in Frankreich noch unveröffentlicht, das neueste WerkHeimkehr des verlorenen Sohnes, eme dialogisch- Darstellung des modernen Menschen in die Umgebung seines Vaterhauses. Helene Bühlau beendet ihren Roman „Das Haus zu Flamm'", Hennig Berger hat eine phantistische Novelle „Der Traum von der Hölle". Uexküll, Wirth, Singer, Glaser, Heckbert, Jentsch, Bie, Walser bringen kleine Essays über allerlei Dmge aus politischem, künstlerischem, literarischem Gebiet. — Hoch der B a u e r n st a n d. Dein Bauernstand widmete Pfarrer Frenkel zum 4. Stiftungsfest des landwirtschaftlichen Ver- eiirS Neilnhosen rind Unigegend ein Tasellied, das nach de^Melodie „Stimmt an mit Hellem liohen Klang" zu singen ist. Da? lies dürfte vielleicht miet) anderen landwirtschaftlichen Vereinen als Tasellied willkommen sein: Wir Baiierir sind der erste Stand, Kannst's in der Bibel lesen. Denn Adam schon — 's ist weltbekannt — Ist Banersmnnn gewesen. Als er verscherzt das Paradies In seines Antlitss Schweiße, Der Herrgott ihn bebauen hieß Das Land mit großem Fleiße. Sein Weib, die Eva, hat ivohl schon So Rind wie Schivein gefüttert, Und hat ivohl auch für Mann und Sohn Gemolken und gebüttert. Auch der Erzväter heil'ge Zahl, Sie ivaren Bauersleute, Sie ackerte» in Berg und Tal Und triebe» Vieh zur Weide. Und David selber, eh' sie ihn Zum König auserlasen, Hat aui dein Feld bei Schaf und Küh'n Erst die Schalmei geblasen. Und so ist mancher große Held, Der rühmend ward besungen Da draußen in der weiten Welt, Dem Bauernstand entsprungen. Und heute noch ist unser Stand, Drin Kraft und Sait sich regen, Juilgbrunnen für das Vaterland, ! Dein Vaterland ziim Segen. Drum nehmt die Gläser in die Hand, Gefüllt mit Saft der Lieben, Es lebe hoch der Bauernstand! Der Bauernstand soll leben I Auflösung ht nächster Stummer. Auflösung der Königspromenade in voriger Nu,nmerr Wahre Liebe weiß immer das rechte Wort, Wahre Güte ist immer aur rechten Ort, Wahre Freude kommt immer zur rechten Zeit, Wahre Größe hat immer Gelegenheit. Frieda Schanz. * D e r T r i ck d e r s ch ö n e n D i e b i n. Die großen Städte Nordamerikas werden jetzt von einer reizenden jungen Dame unsicher gemacht, die sich eines neuen und ganz rafftnierten Mittels bedient, um Herren Schmuckgegenstände zu eittroenbeit., »Bertha Famting", „Bertha die Ohnmacht" — so nennt man sie mPolizei- kreisen — heißt eigentlich Bertha Levecke und tit em kaum achtzehnjähriges Mädchen ans guter Familie. Schon in den Kinderjahren bereitete sie ihren wohlhabenden Eltern durch ihre Stehlsucht große Verlegenheiten. Schließlich entfloh sie mit einem verlotterten Individuum ünd treibt sich seit dieser Zeck in den verschiedensten Städten herum. Sehr elegant gekleidet, ihre herrlichen, rotblonden Haare sorgfältig frisiert, späht sie auf belebteir Straßen, in Restaurants, in den Tramways und Eisenbahnkoupss nach geeigneten Opfern aus. Naht ein älterer Herr — sie verschmäht auch die jungen nicht —, der eine kostbare Busennadel trägt — so fingiert die schöne Berta einen Ohnmachtsanfall. Unmittelbar vor ihrem Opfer angelangt, greift sie sich plötzlich mit ihrer feinbehandschuhten Hand nach der Stirn, schwankt und begräbt ihren Kopf mit der berauschend duftenden Haarmasse an der Brust des überraschten Herrn. Während dieser, ohne sich besonders zu beeilen, die schöne Unbekannte wieder zur Besinnung bringt, schält sie mit ihren ungewöhnlich kräftigen Perlenzähnen den Edelstein aus seiner Fassung heraus und versteckt ihn in der Mundhöhle. Bietet der galante Herr Der Dame angesichts ihres Schwächezustandes seine Begleitung an, fo wird diese züchtig abgelehnt. Bertha, die Ohnmächtige, wurde schon mehrmals verhaftet; doch wußte sie mit ihrem liebreizenden Wesen stets einen der Gefängniswärter so zu bestricken, daß er il hierher kommt. Die Darmstädter Kammissäires sind die Ursache. Wäre ich doch eine Viertelstunde früher nach Schlitz gekommen, dann hätten solche schön mitgehen sollen. Nun horte ich, daß dieser Husar einer von benjemgen war, die kurz nach der Abreise der Kommissairs nach Schlitz kamen. Tie Protzmannische Eskadron muß nun vorrücken. Ich mache mich nun geschwind ans den Linien heraus und eile den beim Dorfe versammelten Leuten zu. Hier sah ich, wie nach und nach alle Truppen in Schlachtordnung aufmarschierten. Die Bagagen wurden fetttoattS zurück- aeschickt. Nun ging ich, da es fortdauernd hieß, die Franzofen sind nicht mehr ferne, mit mir selbst zu Rate, welchen Weg ich einschlagen sollte. Ich faßte bald den Entschluß, mich Wen das an der Werra hinziehende Gebirge zu wenden, und durch die Waldungen nach der Gegend hinzugehen, wo ich bekannt war. Ich schleppte mich also fort uni? kaufte mir unterwegs aus einem Hofe ein Stück Brot, damit ich für ein Uebernadjten tnt Walde mit Lebensmitteln versorgt war. So kam ich denn nach vieler Aiistreiigung vor dem Walde auf der Anhöhe an, wo ich mich hinwarf und lange Zeck dem Marsch der,beiden Korps in der Ebene zusah. Wahrlich em herrliches Schauspiel! Die Menge der blitzenden Gewehre sahen einem sich bewegenden See ähnlich. Ich habe jedoch von einem Treffen an diesem Tage weder ettvas gesehen, no'ch gehört. Nachdem ich eine zecklang hier gelegen hatte, sah ich zwei Deserteure auf mich znkominen, und da ich diesen nicht traute, so schlich ich mich nach einem Tannen- Wäldchen hin. Much hier war ich nicht lange, als ich sechs Jager, von denen nur der eine ein Gewehr hatte, abermals den Berg heranftommen sah. Ich machte mich daher tiefer ,rn den Wald hinein und kam so wieder aufs freie Feld ^etzt fühlte ich einen brennenden Durst, daher ich einen in der Nähe hütenden Schäfer bat, mir doch eine Quelle zu zeigen. Er wies mich nach einem an der Ecke des Waldes liegenden Pachthof. Hier löschte ich Meinen Durst und bat den Pachter, da ich schlechterdings su Fuß nicht sortkommen könne, mir doch ein Pferd zu geben. Er ließ mir einen alten Hengst in einen Karren I Paun en, woraus Stroh lag. Seinem Sohne, der mich fuhr, gebot ich, immer Achtung zu geben, ob sich nicht Soldaten zeigen >;ch aber legte mich auf den Karren, und obgleich ich wacker gerüttelt wurde so ruhte ich doch so gut Ivie in einer Chaise. Wir erreichten Eisenach glücklich um 1 Uhr. Ich erkundigte mich na'ch 'm einem hier zurückgelassenen Sattel und erfuhr, daß ihn ein Bürgersoldat mitgenommen habe, da er glaubte, ich loare längst aufgehängt und daher keinen Sattel mehr brauche ^d) nahm trat» ft. und kam am 17. Oktober, abends um 10 Uhr, wieder bei den Meinigen an. M. B . . .r. DermifcWs» ermöglichte. * Eine Bauernhochzeit alten Stils wurde dieser Tage im Diriglschm Gasthause in Vilsbiburg (Bayern) gefeiert. Es saßen nicht weniger als 100 Gäste beim Mahl. Pro Kops wurden 20 Mk. bezahlt. In Altbayern müssen nämlich die Hochzeitsgäste bie Mahlzeit bezahlen und außerdem noch ein Hochzeitsgeschenk bar auf den offenen Teller legen. Das Gleiche ist bei der Primizfeier eines jungen Geistlichen der Fall, welche wie eine große Hochzeit gefeiert wird. Der junge Mann erhält sogar seine Braut, ein junges Mädchen, und Kranzeljungfern kn die Seite. 9 »ej