1807 MB W 0 im. Menschenteöen, die lügen. Roman von H, Ehrhardt, Verfasserin von „Wlittellose Mädchen" Nachdruck verboten. (Fortsetzung.) In all diesem Taumel glühender Leidenschaft hatte ihr Verhältnis auch Stunden reinen ernsten Glückes. Tas war an Tagen, da Joachim seelisch tief verstimmt war, sei es, daß er Aerger im Dienst gehabt oder sonst ein Vorkommnis in seinem Leben ihn verletzt hatte. Tann lag er ihr zu Füßen, den dunklen, schmalen Kopf in den Falten ihres Kleides und sprach sich alle Bitterkeit von der Seele herunter. Ihr verhehlte er nichts. Sie verstand ihn. Sie fühlte auch, was er selbst nicht wußte, daß seine geistige Begabung mit der kalten Berechnung ihrer Natur vereint, alles hätte erreichen können, daß aber sein sensitives, leidenschaftliches Temperament seinem Vorwärtskommen immer ein Hemmschuh sein würde. Und als er eines Tages davon erzählte, daß er seine russischen Stunden aufgeben wolle, weil er außer ihr kein Interesse mehr habe, sprach sie energisch dagegen. „Du sollst es nicht tun, du sollst weiter streben — es macht dich zufriedener, glücklicher —" Er kniete wieder vor ihr und küßte abwechselnd die beiden schmalen, weißen Hände in ihrem Schoß. „Glücklicher?" wiederholte er, „mir kommt kein anderes Glück mehr als von dir." Ihre Märchenaugen hingen an seinen bewegten Zügen. „Sage das nicht, Süßer, ich glaub's nicht, die Liebe füllt keines Mannes Leben aus, für ihn ist's immer nur eine Episode." Er sprang auf und zog sie stürmisch an sich. Seine Küsse überströmten ihr schönes Gesicht. „Wie kannst du so reden, Geliebte? Du quälst mich damit. Zu denken, daß unser Glück kurz sein sollte — daß ich dich je verlöre — wieder Nacht würde um mich und Kälte —" Sie lehnte sich fest an seine Brust und ihre roten, heißen Lippen lächelten zu ihm auf. „Kein Glück dauert! Weißt du das nicht? Alles vergeht und ersteht von neuem. Uebrtgens", sie verfiel in einen halb neckenden, halb eifersüchtigen Ton, „hast du neulich schon einer anderen toll die Kur gemacht?" Ec lachte beinahe vergnügt. „Der kleinen Magda Willmers, diesem Pensionsmädel? Sag mal, mein Süßling, du bist wohl gar nicht eitel?" „Doch, doch!" versicherte sie ernsthaft, „immer gewesen, und jetzt noch ganz besonders. Ich bin mir nie schön genug, wenn es gilt, meinem Herzallerliebsten zu gefallen." Er küßte sie hinter das kleine Ohr in das Gewirr der rotgoldenen, duftenden Haare Hinern. „Für mich bist dir ja viel, viel zu schön, Liebling!" sagte er fast bitter, „sag, was gefällt dir eigentlich an mir häßlichem Kerl?" Sie trat von ihm weg und musterte ihn aufmerksam. In der Litewka, die er stets trug, wenn sie bei ihm war, weil sich ihr Haar einmal an den Schnüren seines Attilas verfangen hatte/ sah seine Gestalt noch geschmeidiger aus, als sonst. Sein aristokratischer, schmaler Kopf mit den vornehm geschnittenen Gesichtszügen paßte gut zu der schlichten dunkelblauen Tuchiacke. Aus seinen braunen Singen strahlte das zärtliche Licht, um dessent- willen sie ihr eigenes Ich verleugnet hatte. Sie warf sich wieder an seine Brust. „WaS ich an dir liebe, Joachim? Alles! Für mich bist du der schönste, der beste Mensch auf der ganzen Welt, selbst wenn du einem kleinen Mädchen etwas zu sehr den Hof machst." „Weißt du, daß du entzückend bist in deiner Eifersucht!" sagte er ganz bezaubert von ihrer Hingabe, „aber wie kannst du nur im Ernst daran denken, ich könnte dir das dnmme Mädel vor- zichen? Sie schielt ja und hat den Mund voller Plomben. Ich widme mich ihr, weil sie so deutlich zeigt, wie sehr sie sich darüber freut und weil es ausfallen würde, wollte ich plötzlich keiner Dame mehr huldigen. Wir müssen vorsichtig sein, es ist ganz gut, die bösen Zungen auf falsche Fährte zu lenken." „Aber, daß du sie ja nicht so ansiehst, Geliebter — ja so, wie du mich eben ansiehst — das dulde ich, nicht, du sollst keine Frau mehr so ansehen, ich gönne es keiner." Ihre Augen funkelten, ihr Atem flog. „Du gehörst mir, mir allein. Ich bin dein Weib, ich liebe dich, du, du — weißt du überhaupt, wie sehr?" Sie zitterte in seinen Armen. Sie war lote von Sinnen. Was sie in ihren kühl vernünftigen Tagen nie gekatmt — sie bekam Nerven. Nerven, die zuckten bei jeder Berührung, jedem Wort, Nerven, die ihr glühende Angstpfeile in das Herz bohrten und es zugleich in bebender Wonne Pochen ließen. Sie konnten sich gar nicht trennen an diesem Tage — besonders Joachim war ganz unvernünftig. Hanna mußte zuletzt bitten, flehen und drohen, bis er sie endlich fortließ. Seine Leidenschaft kannte keine Grenzen mehr, seit sie ihm die ihre so rückhaltlos geoffenbart hatte. Bis jetzt war sie zeitweilig in einen gewiß spöttischen, leichten Ton verfallen, der ihn verletzt und Zweifel in ihm erweckt hatte, ob ihre Liebe auch an Allgewalt der fernen gleichkant. Die Glut, welche ihr ganzes Wesen heut atmete, hatte alle Bedenken in ihm getilgt. Ihrer Liebe war er nun sicher. Mitten in seinen Glücksrausch schlich sich ein häßliches, mahnendes Gefühl, wie eine ekle Raupe, die über eine in Schönheit prangende Blüte kriecht. Eine Stimme in ihm schrie ganz laut: „Schuft, Ehrloser", Er konnte ihr nicht Schweigen gebieten, sie hatte ja Recht. Lange saß er regungslos in .cm Stuhl, der noch den Duft von Hannas Gestalt ausströmte, und geißelte sein heißes Herz mit selbst« quälerischen Gedanken. Um zuletzt den Kopf in die weichen, duftenden Polster zu drücken und wie eine Bitte nm Verzeihung zu stammeln: „Hanna, Hanna, ich liebe dich, ich bin dein trotz allem, was uns scheidet." IV. Weihnachten, das Fest der Liebe und Freude nahte heran, Die Erde hatte sich in ein fleckenlos weißes Gewand geworfetz 90 3 Sie sah ihm mit eiltet Art staunender Zärtlichkeit in das momentan fast gutmütige, etwas befangene Gesicht. Eine dunkle Ahnung kam ihr, wie viel edle Keime das Schicksal wohl in diesem Mannesherzen erstickt haben mochte, wie schwer die Seinen sich an ihm versündigt hatten. Einer impulsiven Aufwallung folgend beugte sie sich zu dem vor Frost zitternden Knaben nieder und fuhr ihm leicht über die hageren roten Wangen. „Zu essen habt Ihr wohl auch nicht viel, Kind!" sagte sie mitleidig und dann zu dem Diener gewandt: „Geben Sie mir das Paket mit den beiden Würsten, Franz. Die anderen Sachen nehmen Sie in den Schlitten und Bertens soll uns langsam nach- sahren. Ich gehe ein Stückchen mit dem Herrn Baron." Joachim nahm ihr schweigend das Paket aus der Hand. Das Herz war ihm übervoll. So wie sie es meinte, verstand er eS. Was sie dem armen Jungen Gutes tat, galt eigentlich ihm. Sie sclmitten neben einander weiter. Unter ihren Tritten knirschte der Schnee, die Futterseide ihres weiten Rockes rauschte letfe. Vor ihnen her klapperten die Holzpantoffeln ihres Schützlings. Bei jedem Schritt sah man seine rotgefrorenen, nackten Füße, der Wind blies das dünne Röckchen an die dürftige Knabengestalt. „Wie kann man so arm sein?" meinte die schöne Frau fröstelnd. Sie hatte immer reichlich gegeben bei allen Gelegen- heilen, da die Wohltätigkeit es erheischte, wie erschreckend aber die Armut nnssah, die sie gedankenlos lindern half, hatte ne nie gewusst. . ... Wer hätte auch von der gefeierten, verwohnten Wettdame verlangt, daß sie ihre seidenrauschenden, parfümierten Gewänder durch die schmutzigen Störten des Elends schleppen ioltte ? Der junge Offizier belächelte ihren naiven Ausruf. . „So viel Armut lästt auch mich schaudern, aber premd ist sie mir nicht", meinte er ruhig, „ich hatte immer Augen dafür und hätte wohl auch ein Herz bewiesen, wenn mein Geldbeutel mir das Wohltun gestattet hätte. Es mag ein verwandter Zug fein, der mich Armer zu den Aermsten der Armen führt. Im Dunkel der engen, winkligen Gasse, die sie durchschritten, drückte sich Hanna leicht an ihn. „Arm? Und hast doch mich?" flüsterte sie leidenschaftlich. Er konnte nicht antworten, denn der Knabe war vor einem hohen, schmalen Mietshanse stehen geblieben und sagte treu- „Ich dank' auch schön für das Mitkommen, Herr Leutnant — hier wohne ich — im Hinterhause, drei Treppen." Auf Hannas Wunsch notierte sich Tressenberg beim Schein eines trüben, schwelenden Peiroleumlämpchens im Flur die Adresse. Glückselig sprang der Kleine mit seinen Schätzen davon. Oben in dem ärmlichen, kalten Stübchen hielt bald darauf daS verkrüppelte Mariele überirdisch lächelnd ihre Puppe in den Armen und auf der einzigen, elenden Bettstelle lag eme blaue, fiebernde Frau mit gefaltenen Händen und hauchte mühsam: „(Sin Offizier, sagst du, uns eine schöne, vornehme Dame! Gott" segne sie beide, Gatt segne sie." Als Hanna Gerhardt nach Hanse kam, berichtete sie sofort und predigte mit dem feierlichen Schweigen ihrer schlafenden Natur ein: „Friede auf Erden". Durch die froststarre Stille aber hasteten die Menschen in geschäftiger Festeile, mit Paketen beladen, um den Mund meist das geheimnisvolle beglückte Lächeln derjenigen, die Geben seliger macht, denn Nehmen. Der Dust harziger Tannennadeln umwehte, ichge Erinnerung und freudiges Hoffen in die Herzen schmeichelnd, die Dahm- eieliiden. An den großen Schaufenstern der Spielwarenhaiidlungen drängte sich eine bunt gemischte, erregte Kinderschar, hie Augen großiu nd glänzend vor Entzücken, die roten Näschen blatt an Die Säieiben gedrückt, damit ja keine Einzelheit der aufgebaiittu Herrlichkeiten ihnen entgehen sollte. , .Die Puppe dort möcht' ich!" sagte vor dem Schaufenster eines Basars im Zentrum der Stadt ein vielleicht siebenjähriger blonder Junge, dessen Füße ohne Strümpfe nur in Holzpantoffeln steckten, „nicht für mich, nur, weil das Mariele sich akkunn so eine wünscht. Sie macht, sich immer eine ans ’nem Stück Holz,, dem tut sie ’nen alten Lappen um und ’ne Kartoffel ist der Kopv '. erklärte er einem kleinen, besser gekleideten Mädchen neben sich. Er hatte nicht bemerkt, daß bei seinen Worten dicht.hinter ihm ein junger Husarenoffizier stehen geblieben war, der ihm fetzt eine schmale Hand auf die abgetragene Mütze legte und freundlich sagte : „Komm mal mit, Kleiner, du sollst die Puppe für das Mariele haben." rr .. , Das Kind stand wie versteinert, blutübergossen, tue anderen stießen und pufften ihn ermunternd. „Geh ok mit, sei froh, daß du was kriegst." Er wand sich langsam durch die Schar und schlich wre ein geprügelter Hund dem vornehmen Offizier nach in den Laden. Wenn man ihn nur nicht rauswarf. Einer der jungen Leute machte wirklich Anstalten dazu, zog sich aber verlegen dienernd zurück, als der Freiherr von Tressenberg ihm nun wieder hochmütig wie stets bedeutete, datz der Kleine zu ihm gehöre. , o Dann forderte er die bewußte Puppe, em blondlockiges, blauäugiges Ding im rosa Kleidchen. Nachdem er dem gänzlich eingeschüchterten Knaben noch mühsam einen Wunsch abgefragt und ihn in Gestalt eines kleinen Handwerkskastens befriedigt hatte, trat das seltsame Paar wieder ins Freie. In begehrlicher Neugier drängten die Kinder heran. Der junge Offizier mochte wohl für die Schätze des schwächlichen Jungen fürchten, denn er hieß ihn mitzugehen und ihm die Wohnung seiner Eltern zu zeigen. Unterwegs fragte er den Kleinen nach den Verhältnissen der Seinen. Es war das alte Lied, eine kranke Mutter, ein Vater, der trank, und Frau und Kinder mißhandelte, sechs Kinder, von denen das eine, eben das Mariele, ein Krüppel und an den Füßen gelähmt war. Der junge Offizier schauderte vor dem Elend, das die schlichten Worte des Kindes ihm enthüllten. Wie gerne hätte er geholfen, wenn ihm die Mittel dazu gegeben worden wären. Der Kleine neben ihm war förmlich betäubt vor Seligkeit, sein blasses, verhungertes Gesicht leuchtete. Und dies Leuchten lag wie ein Abglanz auf Tressenbergs stolzen Zügen. „Guten Abend, Baron!" tönte plötzlich eine Stimme an seiner Seite, die alles Blut nach seinem Herzen trieb „wen haben Sie : denn da aufgegabelt?" Hanna Gerhardt war es, die dicht vor ihm aus einem grogen Delilateßgeschäst trat und ebenso wie der junge Offizier ihre freudige Üeberraschnng kaum verbergen konnte. Ein paar Vorübergehende blieben stehen und starrten sie an. „Gott ist die schön!" sagte eine flüsternde Mädchen,timrae. Die Landrätin lächelte und trat einen Schritt zur Seite, damit das volle Licht der großen Kugellampe über der Ladentür sie traf. Sie hatte ein schwarzes Tuchkostüm an mit knapp sitzender, kurzer Jacke, der man sofort ansah, daß sie die Hand eines Schneiders gefertigt hatte und einen großen, schwarzen Hut auf, etwas phantastisch mit gleichfarbigen Straußfedern garniert. Ihr schönes Gesicht unter dem gepunkteu Schleier war von der Kälte mit leichter Röte überhaucht. Franz, bei, eine Menne $citete itcigettb, hinier feiltet Herrin ans dem Laden getreten war, stand zögernd etwaiger Befehle gewärtig und jetzt bemerkte Tressenberg auch die landrötlichen Rappen, welche mit dem Schlitten auf der Straße drüben hielten. Er beugte sich über Hannas weißbekleidete Hand. „Ich habe den Jungen da vor einem Laden in der Ernststraße aufgegriffen und ihm eine Kleinigkeit gekauft" erklärte er sehr förmlich. „Es rührte mich, daß er nichts für sich wollte, nur eine Puppe für sein gelähmtes SclIvesterchen. Und weil ich etwaige Angriffe beutegieriger Gesährten für ihn fürchtete, ging ich mit ihm. Ich hatte so wie jo nur einen Bummel vor." ihrem Manne ihr Erlebnis. ~ r Denke dir, dieser hoäMütige, kalte Tressenberg! Hat plötzlich ' humane Anwandlungen, schenkt einem Bettelkinde Spielsachen und scheut sich nicht, mit ihm durch die Straßen zu gehen. Zuletzt hat ers noch fertig gebracht, mich für seinen Schützling zu interessieren, ich will mich der Familie annehmen, mal selbst ^"'^Der Landrat liebkoste ihre süßen Wangen und der freudige Stolz, der beim Anblick seiner Frau stets sein brünettes Gesicht verschönte, verstärkte sich noch. Der Freiherr steigt in meiner Achtung, da er dich auf den Weg" der Wohltätigkeit führte, Lieb!" sagte er ernst, „ich hätte cd schon lange gern gesehen, wärst du in dieser Weise den Armen zu Hülfe gekommen. Doch ich wollte keinen Zwang auSuben uus "dich — bu warst so nervös in letzter Zeit und zu solchen Besuchen gehören starke Nerven. Sie schmeichelte sich an ihn. „Du wirst mich doch begleiten, Männchen?" fragte sie bittend. Er küßte sie auf die Stirn. „So oft ich kann, selbstverständlich, Schatz — sonst geht wohl' auch Walter mal gern mit fair." . ' Ihr schönes Gesicht verzog sich in schmerzliche Linien. „Der arme Poseck! Dem darf man mit solchen Ansprüchen jetzt nicht kommen. Frau von Poseck wird doch gleich nach Weihnachten operiert, es mag doch wohl Magenkrebs sein. „Ja, ja, die Aerrnste!" „ Der Landrat, welcher die schmerzliche Erregung für Hanna fürchtete, nahm das Thema nicht weiter auf. sondern sagte raicy. 91 dann sagst du's im Notfälle Tressenberg. Ich kann wirklich manchmal schwer abkonimen." Er war ein so gewissenhafter Beamter, daß er sich nur selten einen freien Nachmittag gestattete, er wollte doch die Erwartungen, welche man an seine Arbeitskraft und Tüchtigkeit gestellt, nicht enttäuschen. Die junge Frau rümpfte auf seinen Vorschlag das Näschen. „Tressenberg? Ach nein, weißt du, der ist mir zu unsympathisch. Heut war er ja ganz nett, aber morgen bereut er sicher schon die ganze Sache und ist unausstehlich, wenn man ihn daran erinnert. Kannst du wirklich mal nicht abkommen und ich will so einen Gang gehen, so werde ich es Isa sagen lassen. Zu Zweien können wir's ruhig ohne männlichen Schutz versuchen. Und das arme Ding ist jetzt ohnehin etwas vereinsamt, seit Eva von Roessel nur noch für ihren Rudi lebt." „Was du für Mitleid mit allen Menschen hast, kleine Frau!" neckte er. „Die hübsche Isa hat doch junge Mädchen genug, an die sie sich anschließen kann." „Die passen ja alle nicht zu ihr. Zunl Teil sind's ganz junge, unreife Dinger, die besser noch mit Puppen spielten, und die beiden älteren hier in der Stadt sind doch kein Umgang für eine Isa. Diese umbedeutende semmelblonde Willmers und gar erst die dicke Majorstochter, die vor lauter Ziererei und Vor- nehmtnerei nicht dazu kommt, jung zu sein. Die Isa ist ja etwas kokett geworden seit der Enttäuschung mit Tressenberg damals, aber es steht ihr gut und sie ist hübsch genug, sich das erlauben zn können." „Du erlaubst es dir aber auch nicht!" meinte der Landrat verstimmt. Er liebte Hannas Verkehr mit Isa eigentlich sehr wenig, seit das junge Mädchen angefangen hatte, mit den Herren zu kokettieren. Er hatte sehr altmodische, strenge Ansichten über die Art, in der eine vornehme Frau sich bewegen muß, um den reinen, klaren Spiegel ihres guten Rufes durch keinen Hauch zu trüben. Hanna nahm ihren Vorteil wahr. „Tas wäre gar schön, wenn ich kokettierte, ich bin doch verheiratetsagte sie in reizender Wichtigkeit. Er mußte lachen. „Du süße Unschuld! Als ob das ein Hindernis wäre! Aber Gottlob, du ahnst gar nicht, wie verderbt die Welt heutzutage ist." Und er küßte die roten, unschuldig lächelnden Lippen, auf beiten vor kaum einer Stunde der Mund eines anderen Mannes in glühender Leidenschaft geruht hatte. (Fortsetzung folgt.) Karneval einst und jetzt. Eine Fastnachtsplauderei von Eugeuie von Huhn. Ein kurzer Karneval neigt sich seinem Ende zu: schon naht, als offizieller Abschluß dieser fröhlichen Zeit, die Fastnacht, zu der die Lust an „Spiel und Tanz und Mummenschanz" noch einmal heftiger ansschäumt, nm dann während der Fastenzeit, die sreilich im protestantischen Norden Deutschlands nur den Namen führt, ohne zur Enthaltsamkeit zu verpflichten, langsam zu verrieseln, wie übermütige Wellen am Strande. Seit anno 600 nach Christi Geburt Papst Gregor der Große den Beginn des vierzigtägigen Fastens auf den Aschermittwoch festsetzte, hat die Menschheit geglaubt, sich für die lange Buß- zeit im vorhinein schadlos halten zu müssen durch Lustbarkeiten aller Art, die sich sehr oft nicht in den Grenzen guter Sitten hielten. Die Fastnachtsgebräuche der ältesten Zeit, von denen sich viele bis aus den heutigen Tag erhalten haben, hängen einesteils zusammen mit den LuperkalieN und Bacchanalien der Völker im Süden Europas, andcrnteils mit den Julfesten der Nordländer. Selbst die Vermummungen, unter deren Schutz man Bekannten und Freunden allerlei Streiche spielen kann, haben ihren Ursprung in den heidnischen Festen des Altertums. Don den Italienern wurde diese Zeit ausgelassenster Fröhlichc- keit „Karnevale", „Fleisch lebe wohl" genannt; die deutsche Bezeichnung in der heute gebräuchlichen Form stammt aus dem 18. Jahrhundert und hat die Entwicklung von „Fasten-Nacht" (Fasen, faseln = Possentreiben) durch „Fahsnaht", „Faßnacht" zur heutigen „Fastnacht" durchgemacht. Bis zum Ende des 15. Jahrhunderts herrschte bei den Karnevalsfeiern fast aller europäischen Völker eine Brutalität vor, von der wir uns, heute nur schwer einen Begriff machen können; mit dem Beginn der Renaissance gewann jedoch der Einfluß italienischer Sitten das Uebergewicht und es begann die Zeit der öffentlichen Maskeraden. Am glanzvollsten ging die Karnevalsfeier damals in den großen italienischen Städten vor sich. Berühmt war der Karneval in Venedig durch seine prunkvollen Auszüge, an denen sich auch die vornehmsten Bürger, jn sogar, wie bei dem Friedenssest im Jahre 1495, die frommen Brüderschaften beteiligten. Prächtige Wagen mit Gruppen aus Bibel und Geschichte bildeten den Kern des Maskenzuges, und zu Ehren des Bündnisses zwischen den Monarchen Deutschlands überschäumenden Stimmung fortreißen. 1491 die Kardiuäle einander Wagen, mittnroi diesem * Der Humor des Kindes. Ueber das Wesen des Humor und den Humor des Kindes hielt» tote aus fionbonjeridjtet wird, Prof. E. Barnes in der Brit. Gesellsch. zur Erwrstynng der Kindheit einen Vortrag. Er gab dabei aucn einige tttteresiante Bet- iviele dafür, wie der Humor im Kmde sich entwickelt und von Jahr zu Jahr die Ursache wechselt. Er hat nahezu dreitausend Anfragen erlassen, in denen er den Kindern die Frage vorlegte: „Was ist das komischste Ding, das du je gc.ehen oder gehört hast?" Manche merkwürdige Antworten kamen da zum Vorschein. Ein Junge erklärt: „Ich habe , eine Geschichte gelesen, da wurden den Hühnern einmal Sägespäne zu fressen.gegeben. Und als die Eier piusgebrutet waren, da krochen drei Kucken heraus, die hatten hölzerne Beine; und das vierte mar etn Specht." Ein anderer erzählt eine Geschichte von einem Mann, und Spaniens und dem Papst fuhren Kaiser Maximilians 1, Alexander VI. und der König von Spanien in leibhafter Darstellung mit. Achnlich feierte man den Karneval in Florenz; hier gab es Vorführungen von allerlei Allegorien, und von den Gesängen, an denen sich während des Karnevals die Florentiner zur Zeit der Medici ergötzten, sind uns manche erhalten geblieben; einige davon werden sogar Lorenzo II. Magnifico zugeschrieben. Am großartigsten war aber die Feier des Karnevals in Rom. Dort fanden Wettrennen aller Art statt zwilchen Pferden, Eseln und Büffeln, aber auch zwischen Alten, Jungen und Judeii Auf der Piazza Navona gab es Scheingefechte von Reitern und Bürgern zu sehen, und die Maskenfreiheit war fast unbeschränkt. Selbst die Geistlichkeit ließ sich von der überschäumenden Stimmung fortreißen. So sandten tm ^ahre 1491 die Kardiuäle einander Wagen, voll prächtig kostümierter Masken zu, meisteiis Sänger und Buffonen, deren Versvortrage mit der hohen Würde der Zuhörer schlecht tut Einklang standen. Aehiilich wie in Italien gab sich auch im mittelalterlichen Frankreich das Volk einer ungebändigten Lebenslust hin Mit der von den Italienern übernommenen Mode der Maskeraden wurden zwar die Gewohnheiten der Menge kaum weniger roh, aber die Prachtliebe der Großen übertünchte die von ben fieberen Klassen begangenen Ausschweifungen durch einen bis dahm nn- erhörten Luxus. Den Freuaen des Kvrnevals ergaben sich ine Reichen, der Adel, der Hof, ;a die königliche Familie selbst. Bei der Nnbeschränktheit der Maskenfrecheit mussten sich natur- licherweise schlimme Uebelstände entwickeln. Scharen von Masken, einzeln oder in Gruppen, durchzogen wahrend des ganzen Winters bis zur Osterzeit die Straßen, drangen m die Hauser ein und erlaubten sich dort jede Belästigung; ;a, unter dem Schutz der Maske wurden Racheakte und Verbrechen aller Art verübt, bis endlich im 18. Jahrhundert die. Polizei alle Masken mit schweren Strafen bedrohte, die ohne Einladung ein fremdes Haus betreten würden. In den frailzösischen ProvrnzstadtM herrschen besondere Lokalgebräuche vor. So versammelten sich tu Montpellier am Karnevals-DienStag die jungen Burger am Pmtz Notre-Dame. Jeder trug einen Sack mit Apfelsinen um den Hals und einen Korb am Arm, dessen er sich m dem nun folgenden gegenseitigen Bombardement mit den goloenen Fruchten als Schud bediente. Nach Beendigung der Schlacht war kein anderes Blut geflossen, als das der Orangen, die zu Hunderten, geborsten und geplatzt, die Straße bedeckten. Zwei Zeiten der Blute wurden dem Karneval noch {bitter in Frankreich, die erste, als der Regent Philipp von Orleans 1715 die Opermbälle etnfuhrte, unb die zweite unter Ludwig Philipp, wo die. alte franzosnche Heiterkeit sich aus diesen Bällen noch einmal tn ihrem ganzen Reiz und Glanz zeigte. Für Deutschland galt als besonders hervorstechenlxr Zug der Karnevalsfeier in früheren Jahrhunderten die Aumchrung der sogenannten Fastnachtsspiele, bereit .erste Spuren bis an. den Anfang des 15. Jahrhunberts zurückretchen, und bereit Heimat Nürnberg ist: Eine Unzahl solcher Fastnachtsspiele hat der waccere Hans Sachs verfaßt. Von dem Glanz und Prunk, der nber- schäumenden Lust, der ausgelassenen Freuoe, die etnft dte Begleiter des närrischen Prinzen waren, ist heutzutage fast nirgend mehr viel zu finden. In Deichchlcmd ist München wohl die „faschingsfroheste" Stadt, und außer ihr bemühen sich die großen rheinischen Städte, insbesondere das „heilige Köln am Rhein , die alten Traditionen aufrecht zu erhalten Dort finden auch noch prächtige Auszüge statt, rote sie einst Venedig und Florenz gesehen haben. Pomphafte Gruppen auf Riesenwagen verkörpern allerhand Allegorien oder oft sehr witzige und boshaste Anspielungen aus lokale Uebelstände. Eme sroyliche Note tu das Karnevalstreiben Kölns brachten oder bringen noch dm Bonner Studenten, die als rheinische Fuhrleute, oder ähnlich, kostümiert. Die Straßen durchschwärmen und sich das Recht nehmen, icoes hübsche Mädchen zu küssen. Ueberhaupt ünrd der Kameval immerhin in den katholischen Gegenden un,eres Vatermndes mit größerer Lust begangen, als im protestantischen Norden — wo wiederum Tanz und Festlichkeiten auch noch nach dem Ascher- ck stattsiiiden, während sie tm katholischen Süden mit Tage ein Ende erreichen, an dem es in der morgendlichen Messe heißt: Gedenke, o Mensch, daß du vom Staube kommst und zum Staube zurnckkehrst . . . -- 92 als auf dürfnissen des Berufslebens dienen: sie ist Sorgfältig wmmennerr und mit einem Sachregister versehen worden. — Wilde, Oskar, Die Ballade vorn Zuchthaus zu Reading. Nach dem Englischen von Wilhelm Schölermann, Vierte Auslage. In Pappband 2 Mk. Wildes ergreifendste Dichtung ist diese Zuchthausballade, die er zum, Andenken eines Mitgefangenen, der dann hingerichtet wurde, m seinem Kerker zu Reading schrieb. Die Ballade wird in der schlichten, aoer edlen Gewandung, die der Insel-Verlag ihr gegeben hat, auch in der neuen Auflage immer mehr Freunde sich gewinnen. bizfrei — die Newa noch nicht — aber dafür will mich mein Doktor, ich glaube beinahe perennirend — in horizontale Lage haben, ist mir daher das Ausgehen — N-atur und Kunstgenuß pp. von vornherein abgeschnitten — es bleibt mit höchstens bie schwach« Erinnerung an meine allererste Jugend, wo ich auch gefatscht" wurde. Ich komme mir beinahe vor, wie der alte Cheops — Gott hab ihn selig, der in seiner Pyramide eingesargt, —i nur noch durch das Loch, das gerade auf den Polarstern hinzielte — gucken konnte, und erst nach mehreren Jahrtausenden aus der peinlichen Lage befreit wurde. Und was den mangelnden Kunstgenuß anbelangt, kann ich mich leider nicht so leid«: wie der Maler Wendling trösten, der mir einmal in Starnberg, wo ich ihn fragte, ob er denn nicht auch zur Ausstellung nach München hereinkommen werde, antwortete: „Zu was? mir gfallet do mx so gut als „was i selber g’maten hab'_ , „ „ , „ Ich schliesse — rein Ihrem Kopfweh zu lieb — Sw grüssend -- Ihr schon sehr M d. 25. Mörz 84. abgelegener Freund Spitzweg. Redaktion: Ernst Heß. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Unwedtlätß-®uc6- und Siembruderet, R, Lange, «te&efl. Versteck-Rätsel. (Nachdruck verboten.) . Ma» suche ein Sprichwort, dessen einzelne Silben in folgende» Wörtern versteckt sind, wie die Silbe „an" «i „Wanderer . Schlesien — Schlachthaus — Bergmann — Erbschleicher — Räderwerk — Frühlingslied — Leberwurst — Schweizern — Fahnenträger — Möebelwitz — Rattengift, Auflösung in nächster Nummer. Auslösung des Logogriphs in voriger Mummet: Gran, Grane (das Roß Brünhildens), Ker mit einem anderen wetten wollte, daß er keine Gallone i Mer trinken könne. „Warte,ein Weilchen", sagte der andere, . tch will euch dann sagen, ob ich die Wette annehme , und dann i rt'ina er fort' und als er wiederkam, trank er die Gallone Bier i richtig aus „Ich hätte nicht geglaubt daß Sie das können", ] sagte der, der die Wette vorgeschlagen hatte.,, „Ich auch nicht , meinte der andere, „bis ich in Bills Schänke es erst einmal probiert hatte." Ein anderer erzählt, das Komischste, was er je gesehen, das sei ein Neger gewesen, wie er eine rote Wasser- melone verzehrte.. Oder wieder ein anderer erzählte von einem Mann, der sehr rasch lief. Als ihn jemand fragte, warum er liefe, antwortete er, daß er schnell nach Haust wol.e, ehe er müde würde. Die ersten humoristischen Einorucke in der Kindesseele achen übrigens von rein körperlichen Dingen aus. Em einjähriges Kind lacht, wenn wan es rn den Arm nimmt, es schaukelt, wenn man die Nase tn tue Schurze steckt und Buh! Bub! ruft, und über dergleichen Dmge. Nach einem ^ahr beginnen die Kinder auf den Appell an ihre Fasjungsgabe zir rea- gieren Sie lachen, wenn man sich hmter em Handtuch versteckt und ruft. Zwischen 6 und 12 Jahren machen Unförmigkeiten auf das Kind den größten Eindruck, oder em Zusammentreffen unaewöhnlick/er Umstände, wie etwa ein betrunkener Mann, oder ein Zwerg oder Tiere. Mehr als ein Drittel der gefragten Klemm nannte das komischste Ding den Affen. „Das lächerlichste Ding , meint ein Kind, „ist das Kaninchen, weil es au semen Hinterbeinen sitzt." Auch das klanglich« Element, seltsame Wortiom- binationen und dergleichen übeil auf Kinder eine erheiternde Wirkung aus. Ein Kind chgt, das Komischste, das es st gehört, sei Peter Peter punked Peter!" Har ist es nur (tm Englischen) das Klangliche' das in oer kindliÜM Seele widerhallt. Der Humor ist also im wesentlichen, em Aoieiten von der zweckbewußten Tätigkeit zur zweckbefrelten, oder wie Profeswr Barnes es nennt, zur unorganisierten. Er spricht davon, daß Manner, die sich mit >amßerordeutlick>er Energie auf ihr eigenes Handeln konzentrieren, den Einflüssen von Dingen, die außerhalb dieser Sphäre liegen, nicht zugänglich smd. Damit bleibt ihnen auch die befreiende Wirkung des Humors versagt. Und als, ein Beispiel dieses Typs einer Höchstkonzentration der Energie nannte Professor Barnes Lord Kitchener, dem der Smn für Humor völlig ■d)le* Das brave Kind. „DaS Kind", eine neue Monatsschrift für Kinderpflege, Jugenderziehung und Frauenwvhl (Herausgeber Dr. Eugen Neter, Verlag Otto Tobies m Hannover), erzählt folgende nette kleine Geschichte: Zwei kleine Madcaen, Anna ni d R sa, warm unartig. Die Mutter stellt sw darüber zur Rede. Das ältere Töchterchen Anna leugnet alles und fugt at,o zur Unart noch die Lüge, während die kleine Rosa reumütig ihr Unrecht eingesteht. Darauf wird der kleinen Lügnerm eine Strafe in Aussicht gestellt. Nachmittags geht die Mutter aus, und als sie nach einiger Zeit nach, Hause kommt, bringt fie dem braven Röschen zur Belohnung, weil es sofort die Wahryeit gejagt habe, einen „Mohrenkopf" mit. Hierauf verlaßt die Mutter die Kinderstube: während sie eben noch im Nebenzimmer verweilt, hört sie, wie ihr braves, soeben belohntes Röschen zu der Keinen Sünderin Anna sagt: „Da Anna, hast Du ein halbes Mohrenköpfchen, und weißt Du was, morgen lügst Du wieder, und da geht die Mutter wieder fort und bringt mir ein Mohrenköpfchen, und da teile ich es wieder mit Dir." . — Der gute alte Maler. Spltzweg als Brief- schreiber. Heinrich Steinbach veröffentlicht in der bei E. A. Seemann in Leipzig erscheinenden vorzüglichen, allen Kunft^undm dringend zu empfehlenden Publikation Meister der Farbe (Europäische Kunst der Gegenwart) aus dem Nachlaß von Friedrich Pecht eine Anzahl sehr interessanter Spitzweg-Briefe, die von der eigenartigen We.tbetrachtungsweise des berühmten Münchener Malers ein ergötzliches Bild geben. Der, nachstehende Brief, der auch an Fr. Pecht gerichtet ist, zeigt den Spchwegschen Stil sehr ausgeprägt: Lieber Freund! Wenn nicht doch der Ton, der durch Ihr heute Nachmittag erhaltenes Schreiben geht, mich einigermaßen getröstet hätte, wäre ich wirklich geneigt gewesen, mich recht sehr . um. Sie zu kümmern. Ich „mache" eben nicht viel in Rebus, wie rnamng- lich bekannt, und so war es mir feine leichte Aufgabe, schon gleich aus den ersten 2 Zeilen klug zu werden, was ich, aufrichtig gesagt, auch nicht geworden bin. ... — Dann kommt „noch mehr auf dem Herzen" als «.uf dem „Gewissen haben — Herz- Erweiterung, Verknöcherung, Polypen? Man kann an, allerlei benten — und ich bin Schuld — ich hab den Turgensti ins Haus gebracht — „heftiges Kopfweh" — Gehirn-Erweichung? Trepanirsucht? — Summa! ich hoffe, daß derLarm großer war als der Pfannenkuchen, wie beim, Maler Ebert, den Sie auch in letzterer Zeit als „Gehirnerweichten ansahen, bis sich herausstellte, daß er schon seit einiger Zeit fein, Gebiß heraus- genommen, und für seine Umgebung unverständlich und unartikuliert lautete. — Ich hoffe, wie gesagt, daß das großartige sybaritische Lazareth Menu zusammenschrumpft auf einen winzigen Katzenjammer etc. und ein süßer Schlaf ihn wieder wegwischt. — Quant a moi — bin ich zwar seit ein paar Tagen wieder Literarisches. — Meyers Volksbücher, herausgegeben von Dr. Hans Zimmer (Verlag des Bibliographischen Instituts in Leipzig und Wien, Preis jeder Nummer 10 Pfennig), haben ihre neueste Serie in der Hauptsache der deutschen Literatur gewidmet. Bor allem bieten sie eine vollständige Ausgabe der „Gedichte von Eudard Mörike (Nr. 1457 bis 1459). Ferner enthalt die neue Serie Fritz Reuters Verserzählung „Kein Hus un g (Nr. 1460, 1461; mit Worterklärungen), wahrend Otto vost Leixners lustiger Roman „Das Apostelchen" (Nr. 1465, 1466) die Herzen aller Freunde erwärmenden Humors erobern wird. Nicht bloß einen fesselnden, großzügigen Ueberblick über die Gesamtentwicklung der deutschen Literatur, sondern, zugleich eine geistvolle und tiefgründige, von imponierender Weite des Blickes diktierte völkerpsychologische Analvse des „deutschen" Gehaltes m ihr findet der Leser in Jakob Wychgrams Schrist „D te deutsche Dichtung und das deutsche Volkstum (Nr. 1462 bis 1464); sie wird vor allem den Lehrern aller Schulgattungen willkommen sein, aber sollte u. E. dem Geiste jedes auf wahrhafte Bildung Anspruch erhebenden Menschen zu eigen werden. Neben diesen der literarischen Erholung und B:- lehrung gewidmeten Bändchen soll eine vollständige Ausgabe der Zivilprozeßordnung (Nr. 1451—1456) praktiscyen Bedürfnissen des Berufslebens dienen: sie ist sorgfältig kommentiert Trr Alte und die Jnngen, Paul Heyse hat der Münchener „Jugend" als Antwort einen Neujahrs-Glückwunsch kürzlich folgende Verst gesandt. Stets sand ich jenes alte Wort begründet Und war beflissen, daran festzuhalten: Jung bleibt, wer mit der Jugend sich verbündet; Ihr warmer Hauch bewahrt uns vorm Erkalten. Doch freilich, wie erwünscht auch, seltner findet Die' Jugend ist vertraulich zu den Alten, Wie ihr zu mir, dem, da ein Jahr vollendet, Zum neuen ihr ein herzlich Wort gesendet So laßt von Lebensböh'n mich dankbar blicken In kommender Geschlechter frisches Blüh», , An Scherz und Witz und Anmut mich erquicken. Mich freuu an euren Kämpfen, frei und kühn. Dann wird die Alterskluft sich überbrücken Und Lebenswärme nimmer mir verglühn. Der ich in grüner Jugend schon erkoren Das Banner, dem auch- ihr seid zugejchworeu.