Mittwoch den 10. Juli Hlr. 100 Hf aCTäjiti llUiunl Jun Ken unter der Hsche. Roman von M. Proßnitz (M. Nörenberg). Unbefugter Nachdruck wird gerichtlich verfolgt, l^ortsetzung.l Tie Unterhaltung war denn auch lebhaft und angeregt. Wenngleich über Tagmars Wesen bei aller Heiterkeit ein leiser Hauch von Zurückhaltung zu liegen schien, der Beltlingen doppelt entzückte. Ohne daß er selber es merkte, wurden seine Huldigungen einen Schein wärmer, leuchtete bann und wann ein Strahl heißer Zärtlichkeit in seinen Augen auf, vor dem Dagmar jedesmal verstohlen die Lider senkte. Es war schon ziemlich spät, als man sich trennte. Doch während Veltlingens pfeilschnell in ihrem Schlitten davonfuhven, strebten Borgwardts höchst ehrbar, nach dem Prinzip der Sparsamkeit, per pedes apostulorum, den heimischen Penaten zu. Uebermütig hängte sich die junge Frau an den Arm ihres Gatten. Sie plauderte lachend von dem schönen Tiner. Wie gut ihr alles gefallen habe, die köstlichen Speisen und Getränke, Veltlingens liebenswürdige Höflichkeit und Tagmars lustiges Lachen. „Na," machte der Gatte zweifelnd. Ganz entsetzt sah ihn sein kleines Frauchen an. „Fandest du denn nicht, daß Dagmar lustig war?" „So lustig, wie man bei dem peinlich korrekten Beltlingen sein kann, war sie jedenfalls," meinte er beruhigend. Kathi war plötzlich ganz still geworden. Nachdenklich ging sie neben ihrem Mann her. Auf einmal blieb sie mitten auf der jetzt ganz verlassenen Promenade stehen. „Weißt du, Armin, ehrlich gestanden ist mir dieser Belt- lingen unheimlich. Ich traue seiner Ruhe nicht mehr, seit ich heute ein paarmal die Blicke aufgefangen habe, mit denen er Dagmar ansah. Glaube mir, es glüht ein verborgenes Feuer unter dieser kalten Hülle. Brrrr," sie schüttelte sich. „Ich Möchte nicht der Gegenstand seiner Leidenschaft sein." „Seiner ist ja auch grade nicht nötig," neckte ihr Mann. Schmollend wandte sie das hübsche Köpfchen. „Warte, du Böser!" 7. Kapitel. Es war einige Tage später. Heller Sonnenschein fiel durch die bunten, bleigefaßten Glasscheiben der uralten Schlvßkapelle, welche die kleine, aber auserlesene Schar der Hochzeitsgesellschaft füllte, die die hohe Gastgeberin, die Herzogin-Mutter, zu befehlen geruht hatte. Lustig huschten die goldigen Strahlen über die reichgestickten, vrdengeschmückten Fracks und Uniformen der Herren, die tief entblößten, edelsteinfunkelnden Nacken der Tdmen, bis sie endlich an dem herrlichen Haar der Braut haften blieben, deren schöne, ernste Augen dem Hofprediger die Worte förmlich von den Lippen nahmen. Mit beinah blendendem Glanz flutete das Sonnenlicht über das Brautpaar hin. Ein schönes Bild! Das schien auch die zahlreiche Dienerschaft zu finde», die sich in verzeihlicher Neugier oben auf den Emporen eingefunden hatte, flüsternd und wispernd ihre Meinung austauschend. • „Wie eine Fürstin sieht sie aus!" meinte Anna in begreife lichem Stolz auf die schlanke, vornehme Gestalt ihrer Herrin! schauend. „Ja, schön ist sie, aber so bleich! Und dabei sieht es doch aus, als ob sie auf lauter Gold träte, das bedeutet Reichtum," flüsterte die Jungfer der Gräfin Lindström bewundernd, indem sie ivie gebannt auf das Leuchten und Flimmern zu Dagmars Füßen blickte, wo die Somrenstrahlen, die sich durch die gelben Glasscheibeir ihren Weg gesucht hatten, einen schier blendenden, Glanz verbreiteten. „Aber der Baron," fuhr das Mädchen scheu fort, „sehen Sie mal, Anna, was hat denn der an der linken Schläfe? Um Gott! Das sieht ja aus wie Blut!" „Unsinn, das ist bloß von der roten Glasscheibe das Licht. Sehn Sie, jetzt rutscht der Schein tiefer," machte Anna ärgerlich. Aber sie konnte es doch nicht hindern, daß ihr ein unbehagliches Gefühl den Rücken herunterkroch. „Und jetzt sitzt es doch wieder oben!" behauptete die Pythia' hartnäckig. „Wenn das nicht ’ne Vorbedeutung ist. . ." „Ja," klang es laut von Veltlingens Lippen. Erschrocken sahen die beiden Schwätzerinnen auf der Empore' sich an. „Ja," ertönte es zum zweitenmal, leise und fest, das war die Stimme der Brant. „--bis daß der Tod euch scheide!" Tie Worte des Geistlichen verhallten. Brausend setzte die! Orgel ein. Nach kurzem Gebet erhoben sich die Neuvermählten. In feierlichem Zug verließ die Hochzeitsgesellschaft die Kapelle. Droben aber, im Rittersaal, schimmerten die Kerzen in vollster Pracht, funkelten die herrlichen silbernen und goldenen Prunk- schüsseln, auf der von feinstem Linnen bedeckten Hochzeitstafel. „Vom besten das beste," hatte die Herzogin befohlen. Galt es doch Dagmar, ihren Liebling, zu ehren. Mit unverhohlener Freude überflog Veltlingens Auge die Pracht, als er sich an der Seite seiner jungen Gemahlin nieder- ließ. Stolz schwellte seine Brust, als er die ritterlichen Huldigungen gewahrte, welche der Herzog der schönen Braut darbrachte. Stolz auf die Auszeichnung und stolz auf den Besitz des schönen Weibes! Und doch wünschte er sehulichst, daß dieses Hochzeitsmahl erst vorüber wäre. Verstohlen tastete er nach Tagmars Hand, die sie ihm still und wie sie glaubte, unbemerkt überließ. Doch der Herzog hatte es wohl gesehen. Mit leichtem Lächeln hob est fei« Glas. ,n Tankend nahm Dagmar ihren Kelch empor, doch ihre zart- gebogenen Wimpern schatteten dabei die Wangen, in denen langsam ein feines Rot emporstieg. Betroffen sah der Herzog sie an. Wie schön sie war in ihrer beherrschten Ruhe, die dennoch dem feinen Beobachter die verborgene Glut verriet, die unter dieser kühlen Zurückhaltung schlum-i merte. Unwillkürlich glitt sein Blick zu Beltlingen hin. Ob der verstehen würde, sie zu wecken? Stattlich und zufrieden saß ep da. „Ein wohlkonservierter Mpnn," wie der Herzog ihn int 398 — Killen nannte, ohne Ahnung', wieviel Anteil der geschickte Franz -n den vortrefflichen Aussehen seines Herrn hatte. Sinnend blickte der Fürst auf die feingeschliffene Kristallschale, in welcher das edle Getränk der Champagne perlte. „Frappierter Sekt," schoß es ihm durch den Sin». Nach- dcnklich sah er von neuem auf das junge, bräutliche Weib an seiner Seite. Tie Bezeichnung paßte wirklich gar zu gut. Uebte doch ihre ruhig kühle Art, sich zu geben, einen eignen, prickelnden Reiz aus, den der Kammerherr, dieser gewiegte Frauenkenner, augenscheinlich voll zu würdigen verstand, dem: «seine matten Augen leuchteten jetzt in heimlichem Feuer. Aber ob die Ehe nicht trotzdem stets in den Grenzen einer gewissen, höflich kühlen Gemessenheit bleiben würde?--— „Gott sei Dank, daß der Trubel vorüber ist," machte Beltlingen wmige Stunden später, als sich der Süd-Expreß pustend und schnaubend in Bewegung setzte. Lächelnd sah Dagmar ihren Gatten an, der sich höchst zufrieden in dem Abteil umsah, wo Anna und Franz geschickt das Handgepäck verstaut hatten. „Wann sind wir eigentlich in München, Magnus?" „Gegen neun Uhr, mein Herz. Ich habe uns in den „Bier Jahreszeiten" Wohnung bestellt. Hoffentlich ist dir das recht?" Mit zärtlicher Frage ruhten seine Augen auf dem Antlitz seines jungen Weibes. Ruhig erwiderte Tagmer seinen Blick. „Gewiß, Magnus." Sie richtete sich plötzlich zu ihrer ganzen .schlanken Höhe empor und legte leicht die Hand auf die Schulter des vor ihr Stehenden. „Ach, wenn du wüßtest, wie gut das tut, sich so sicher beschützt und beschirmt zu wissen!" Er zog sic zärtlich an sich. „Weißt du auch, Tftgmar, daß mich diese Aeußerung sehr beglückt, beglückt durch das Vertrauen, was sich darin ausspricht?" Sie schüttelte sinnend den Kopf. „Tas begreife ich nicht, Magnus. Wie kann man nur auf etwas so Selbstverständliches so viel Wert legen! Glaubst du denn, ich hatte eingewilligt, deine Gattin zu werden, wenn ich dir nicht alle die guten, vornehmen Eigenschaften zutraute, die mein Mann unbedingt haben muß?" Es klang viel Stolz und viel eigne Wertschätzung aus diesen Worten, aber auch die Bereitwilligkeit eines kraftvollen Herzens, sich der Führung, einer stärkeren Hand anzuvertrauen. Vclt-- lingen empfand das wohl. Lächelnd ließ er sich auf die weichen Polster nieder, dann zog er seine Gattin neben sich. „lind wenn ich nun gar nicht müde würde, wieder und immer wieder von deinen holden Lippen zu hören, daß dn mir voll und ganz vertraust, daß du mich liebst?" Mit leidenschaftlicher Glut ruhten seine Augen auf ihrem lieblichen Antlitz, in welchem bei seinen Worten langsam eine zarte Röte emporstieg. „Hätte ich denn sonst eingewilligt, die deine zu werden?" wiederholte sie leise. Ter Baron antwortete nicht. Da lehnte Dagmar still ihr Haupt an Beltliugens Schulter. Ein leiser Schauer durchbebtc sie, als sie seine heftigen Atemzüge gewahrte, die nur zu deutlich seine mühsam -beherrschte Erregung verrieten. So breitete sich ein eignes, beklemmendes Schweigen über sie beide. Mit unheimlicher Eile sauste und Polterte der Schnellzug durch die dunkle, sternenhelle Winternacht. Ticke Schneewolken klebten draußen a» den großen Glasscheiben der Fenster, die allmählich von der Wärme, die in dem Wagenteil herrschte, völlig beschlugen, dem Auge jeden Ausblick nehmend. Dicht und undurchdringlich wie der Schleier der Zukunft. Und hier drinnen noch immer diese tiefe, atemraubende Stilld. . . Tagmar sand endlich das rechte Wort. Verstohlen nach Velt- lingens Hand tastend, meinte sie leise, mit einem kleinen Seufzer: „Ich wünschte, wir wären erst in München. Dn glaubst gar nicht, Ivie abgespannt ich augenblicklich bin, Magnus. Ich wollte, ich könnte jetzt ein wenig ruhen." Wie ein Ruck ging 'es durch die Gestalt des Kammerherrn- Dagmar fühlte es wohl, doch seine Stimme klang ruhig und -beherrscht, als er besorgt erwiderte: „Tu hast recht, mein Lieb, ruhe dich nach den vielerlei An- strengungen und Aufregungen des Tages." Eigenhändig zog er die Sitzbank heraus, damit Tagmar es bequem hatte. Mit dankbarem Lächeln legte sie sich auf das breite Polster. Ihre seidenen Unterkleider raschelten und knisterten, als sie sich Niederlegte. Verstohlen zog sie die schmalen Füße unter die Gewänder. Beltlingen sah es wohl. Ein wahnsinniges Verklangen überkam ihn plötzlich, dieses holde Geschöpf in seine Arme zu nehmen und es zu küssen, heiß und toll--und doch beherrschte er sich meisterlich. Nur als er die kostbare Blaufuchs-: decke über Tagmar ausbreitete, strich er mit verhaltener Zärtlichkeit über ihre schlanken Hände. „Nun ruhe dich, mein Glück." Sie sah dankbar zu ihm auf. „Wecke mich auch beizeiten." Er nickte ihr beruhigend zu. „Bis München dauert es noch ein Weilchen," aber seine Augen redeten dabei die Sprache heißer, ungeduldiger Leidenschaft. Ein mädchenhaftes Erröten glitt über Dagmars Gesicht. Sie schloß die Augen, als wolle sie sogleich einschlafen. Schweigend zog Beltlingen den blauen Schleier vor die Gasflamme, sodaß ein trauliches Halbdunkel den Raum erfüllte. Dann setzte er sich Dagmar gegenüber in die Ecke, aber ess war ihm unmöglich, jetzt zu schlafen. Allmählich gewöhnten sich seine Augen an die bläuliche Dämmerung. Deutlich unterschied er die feinen Züge seiner jungen Gatti». Wie lieblich sic war, wie sie da losgelöst von aller Wirklichkeit, die Glieder in der süßen Schlaffheit des Schlafes besangen, vor ihm ruhte. Ob sie träumte? Ein weiches, beinah frauenhaftes Lächeln ging plötzlich über ihr Gesicht. Entzückt sah Beltlingen sie an. Doch während seine Augen noch an dem lieblichen Bild der holden Schläferin hafteten, eilten seine sehnenden Wünsche der Wirklichkeit voraus . . . Zwei Wochen waren bereits seit dem Hochzeitstag vergangen und noch immer weilten die Neuvermählten in der schönen bayrischen Hauptstadt. Es war ein herrlicher, klarer Wintermorgen. Hell und glänzend lag der Sonnenschein auf der breiten Maximilianstraße, deren buntes Leben und Treiben immer von neuem entzückte, fand hier doch, an so sonnigen Tagen wie dem heutigen, zur Mittagszeit förmlich ein Kvrso statt von allen denen, die sehen oder gesehen werden wollten. Lächelnd blickte die Baronin auf ihre Uhr. Eine Stunde halte fie noch Zeit bis zu der mittäglichen Spazierfahrt in diesem amüsanten Gewimmel von Wagen, Reitern und Fußgängern, in welchem Beltlingen mit seiner „schönen" Gattin nicht fehlen wollte. „Schöne Gattin," wiederholte Tagmar sich seine Worte, und dabei schweiften ihre Gedanken mit Blitzesschnelle durch die vergangenen Tsage. Ein stolzes, glückliches Lächeln flog über ihre ebenmäßigen Züge. Ah, es war ein herrliches Gefühl, geliebt zu werden! Was Beltlingen ihr nur an den Angen absay, suchte er iHv zu gewähren. Mit wahrhaft fürstlichem Reichtum umgeben, von liebenden Händen geleitet — wieder lächelte Dagmar. Ja, sie hatte ein großes, großes Glück durch diese Heirat gemacht. Wenn der Altersunterschied auch ein beträchtlicher war — das schadete nicht. Sie liebte Beltlingen trotzdem. Nicht mit so heißer Leidenschaft, mit solcher — errötend gestand sic es sich ein — sinnlichen Glut, wie er sie, aber doch warm und herzlich, mit einer Liebe, die hauptsächlich in der Achtung vor feinen guten uud großen Eigenschaften, seiner vornehmen Gesinnung entstammte. Zufrieden hob Dagmar das Haupt. Daun ging sie mit raschen Schritten an den zierlichen Diplomaten, der unter einer Palmciigruppe schräg vor dem Mittelfenster stand. Eilig flog bald darauf ihre Feder über das nagelneue Beliu- papier. „Ich weiß, ja, Liebste, daß Tn unendlich neugierig bist, etwas von mir zu hören. Nun, als erstes kann ich Dich meines! ausgezeichneten Wohlbefindens versichern, und wie einer glücklichen' Gattin auf der Hochzeitsreise zu Mute ist, dessen wirst Tu Dich ja wohl noch entsinnen. Mir scheint das Ganze zuweilen iwch wie ein Traum. Doch weiß Magnus mich oft in recht deutlicher Weise von der Wirklichkeit zu überzeugen. Gestern überraschte er mich mit einer wundervollen Brillantrivisre, die ich wenige Stunden vorher' so unvorsichtig war zu bewundern. Augenblicklich ist er auch fort. Wohin, weiß ich nicht. Nach seinem geheimnisvollen Lächeln zu schließen, hat est schon wieder irgend etwas Hübsches ersonnen. Ich harte nicht geglaubt, daß es so reizend ist, verheiratet zu sein und — daß Magnus ein derartiges Talent hat, seins Frau zu verwöhnen. Mein Zimmer duftet von Veilchen. Ich habe Nun einmal für Veilchen rmd Rosen eine wahre Leidenschaft. Seit Magnus das weiß, vergeht kein Tag ohne „Blumenopfer". In den nächsten Tagen geheir wir nach Lugano, wo wir wohl wieder Hütten bauen werden. Ich freue mich recht auf die Zeit dort. Lerne ich doch auch gleichzeitig ein schönes Fleckchen! Erde kennen. Wer so wenig gereist ist wie ich, genießt dann doppelt dieses sorglose Tahinleben. 399 Grüße Harro und klein Elschen tausendmal. Wenn Dein Mann Seine Hoheit zur Jagd bei uns begleitet, so mußt Du aber unbedingt and) mitkommen, am liebsten wäre es mir. Tu bräd)tcst die Kinder auch mit. Platz ist genug in dem alten, grauen Steinkasten, wie Magnus unser Schloß stets nennt. Ich bin eigentlich sehr neugierig aus dieses alte Gemäuer, das schon zurzeit des letzten Pommernherzogs erbaut gewesen sein soll. Spukgeschichten existieren bei auch massenhaft, wie Anna mir gestern abend mit heimlichem Gruseln anvertraute. Sie behauptet, Frjanz hätte ihr das erzählt. Nun, meine Seelenruhe wird das weiter nicht stören. Du weißt ja, ich liebe solche 'alte, geheimnisvolle Schlösser mit düsteren Ahnenbildern, kleinen Wendeltreppen und verborgenen Tapetentüren besonders. Wird das ein« Freude sein, wenn id) dich dort erst begrüßen kann. Anna kommt eben, es sei die höchste Zett zum Ankleiden, deiin um halb eins will Magnus mit mir spazieren fahren. In aller Eile also nochmals Dir, Deinem Gatten und den Kindern herzlichste Grüße von Deiner Dagmar." (Fortsetzung folgt.) Mn Museum für Nrheimatkunst. Als im April dieses Jahres im preußischen Landtag die Museumsfrage erörtert wurde, begründete der Re- qierungsvertreter Geh. Rat Schmidt die Notwendigkeit eines besonderen ostasiatischen Museums mit den Worten: „Die künstlerische Seite der asiatischen Kultur muß vertieft werden". Er lehnte es ab, ans die Vorschläge seines Vorredners, des Abgeordneten Dr. Friedberg, im einzelnen irgendwie einzugehen. Unter dieseit Vorschlägen staiid ent erster Stelle der, ein Museum sür die älteste deutsche und damit die allgermanische Kni,st zit gründen. Als die geeignetste Form eines solchen Museums nannte Dr. Fried-, berg die eines sogen. Freilicht- oder Freiluftmuseums. Da der Dürer-Bund in einer seiner Flugschriften (Der nordische Hain von Willy Pastor) mit aller Entschiedenheit für die nämliche Forderung eingetreten jst, hält er es für seine Pflicht, unter den gegenwärtigen ^Umständen seine Forderung noch einmal zu begründen. „Die'künstlerische Seite der asiatischen Kultur muß vertieft werden". Wir wollen eine ausführliche Kritik dieses Satzes vermeiden, der die Behauptung in sich schließt, man halte die von allen Kennern so laut gepriesenen künstlerischen Erzeugnisse Chinas und Japans hierzulande lediglich für die gleichgültigen Aeußerungen einer uns fremden Kultur, und dieser Auffassung müsse nun gründlich entgegengearbeitet werden. Wir beschränken uns, auf die Tatsache hinzuweisen, daß man bis zu dieser Stunde in Deutschland gegen die .Hinterlassenschaften nuferer eigenen ältesten Kultur mehr als gleichgültig gewesen ist, und daß wir kein Museum besitzen, in dem auf den rein künstlerischen Wert dieses reiche,! Erbes hingewiesen wurde. Wir machen ferner darauf aufmerksam, daß unsere besten Kunsthandwerker und Architekten der Gegenwart starke Au- regungen aus unserer uralten, bodenständigen Kunstkultur empfangen haben, daß es aber an einer rechten Gelegenheit. diese Kunstkultur in ihrem ganzen Nmfaiig kennen' zu lernen, noch heutigen Tages fehlt. Sind folche Voraussetzungen richtig (und wir werden sie gleich prüfen), bann ist es wohl auch nicht unbillig, wenn wir aufs neue verlangen, in einem Museum für die älteste deutsche und damit die allgermanische Kunst, einem „Museum für Urheimatkunst", wie man es knrz neunen kann, eine Organisation zu schaffen, die uns die Fühlung mit unserer eigenen Vergangenheit wiedergewinnen hilft. Der erwähnten Forderung des preußischen Regierungsvertreters stellen wir die Forderung gegenüber: Zunächst haben wir in Deutschand die Pflicht, die künstlerische Seite der ältesten deutschen und germanischen Kunst zu vertiefen. Kunsthistoriker haben den Nachivejs führen können, daß der früheste sogenannte romanische Stilnordisch-germanischer Herkunft 'ist, daß die besten Anregungen der früh- romanischen Zeit nicht aus dem Süden kamen, sondern daß im Gegenteil südliche Anregungen stilwidrige, entstellende Motive hineinbrachten, die überall, ivo man ihnen willig nachgab, zu einer Entartung statt zu einer Entwick- lung führten. Unsere Architekten sind heute eifrig bemüht, den eigentlich nordischen Charakter dieses uralt nationalen Stils wiederzugewinnen. Und wie segensreich solche Bestrebungen sind, beweist die Schlichtheit und Krast zahlloser neuer Steinbauten, deren herrliche Profilierung ~ um nur auf eines hinzuiveiseu — uns entzückt. Was aber geschieht in unseren Mnseen, die alten Vorbilder so zu zeigen, wie sich's gehörte- In den „byzantinischen" Abteilungen der Kunstmuseen werden einige alte Bauglieder (Kapitelle namentlich) in einer Umgebung und in einer Aufstellungsart gezeigt, die den längst erledigten Irrtum einer südlichen .Herkunft noch einmal künstlich belebt. Tas meiste „Vorchristliche" aber wird, soweit es der Sammlung überhaupt gewürdigt wurde, gar nicht einmal aufgestellt, sondern führt in Magazinen ein dumpfes Ktzrkerdasein. Im Skandinavischen sind bis zur Gegenwart gewisse Ueberlieferungen geblieben, die Erinnerungen wachhielten an die uralt germanische .Holzbaukunst und ihre unerschöpflich reiche und unsagbar schöne Ornamentik. Die Wissenschaft hat die Entwicklung dieser Ornamentik rückwärts verfolgt und konnte ihr bis in die entlegene Epoche der „jüngeren Steinzeit" nachgehen. Ein einfacher Gang durch unsere Villenvorstädte belehrt uns, wie entwickelungsfähig dieses Erbe ist, und in Skandinavien sind sie dabei, dem Kuustgewerbe eine neue Blüte zu sichern durch die einfache Wiederaufnahme der alten Ueberlieferuirgen. Und wir? In den „prähistorischen Abteilungen" der Völkermuseen pferchen wir das Erbe der Ahnen, flüchtig geordnet und in der denkbar nüchternsten Art vorgeführt, zwischen die „Kulturäußerungen" der Naturvölker! Die Eskimos und Papuas, Schingu-Jndianer und Australneger diinken uns die geeignete Umgebung, in der man den, Völk die Leistungen der Ahnei! vorzuführen habe! Ein dritter Fall: ht dem, was wir Bauernkunst nennen, hat sich, ungeachtet aller verwirrenden Kultur- änßerungen zwei Jahrtausende lang germanisches Forni- gefühl in leidlicher Klarheit bchaupten können. Auch dafür haben die Küiistler der jüngsten Zeit Siiin bekommen, und mit vollem Recht wurde behauptet, die Dresdner Kunst- qewerbeausstelluug des Jahres 190b hätte nicht so starke Wirkungen augüben können, wenn ihre beste,! Künstler nicht soviel Verständnis bewiesen hätten für die Einfachheit und Schlichtheit der in Deutschland gewordenen Volksund Bauernkiiiist. Muß ausdrücklich darauf hingewiesen werden, daß auch die — jetzt gottlob mindestens gesammelte!, — Dokumente dieser Knust nach ihrer ganzen Vorführung als „bloße Kulturäußerungen" hingenommen werden müssen? Daß auch das ein Beweis ist, wie sehr die künstlerische Vertiefung unserer nationalen Nrkultur uns not tut? . Das erwähnte Heft des Dürer-Bundes gibt eine ausführliche Darstellung, wie eine solche Vertiefung in einer geeigneten Museumsanlage erreicht iverben konnte. Als ergänzenden Vorschlag hätten wir den Ausführungen nur noch hiiizuzufügen, daß es wünschenswert wäre, den dort geschilderten vier kleinen Parkbauten iivch einen fünften hinzuzufügen, der der „Bauernkunst" und ihren bezeichnendsten Werken Vorbehalten bliebe. Im übrigen verweisen wir auf unsere Flugschrift, die in aller Klarheit angibt, wie das große nationale Werk geleistet werden kann. Die Zugspitze iu Gefahr? Kaum eine Großstsadt bietet ixm Bewohner so günstige Gelegens- tzeit, in kürzester Zeit ans der dumpfen Enge der Stadt' in dm stille Gebirgseinsamkeit zu gelangen, wie Munchm. Emen .Hauptanziehungspunkt bildet der höchste Gipfel Deutschlands, die prächtige Zugspitze, bereu AnstiegsliMen (Rcuttal, Höllental, Eib- fee) die gewaltigsten Felsszenericn entrollen uno Jedem Mtur- sreunde in reichlichstem Maße das spenden, ivonach er verlangt: Erhabenheit und Größe fernab von allen störenden Zeichen menschlicher „KUliur". Leider droht nenerdmgs diesem stolzen Gipfel eine von jenen traurigen, dsas Wesen des .llatuigeuunes durchaus verkennenden Schädigungen, wie sie inodernes BauauleN- tum im Bündnis mit allzu eifrigem Unternehmungsgeist zeitigen. man plant, von Garmisch über den dem Eibsee zugewandteN Absturz eine elektrische Bahn über. bie Spitze zu führen • einer Versammlung, welche hiewfür.«tinnnung machen sollte, wurde dieses Vorhaben nicht nur! als em wirtschaftlich für die nähere llmaebuna uiid Bauern höchst bedeutsames llnternehmen bezeichnet, sondern man sah in dieser Entstellung des höchsten Berges unseres Vaterlandes sogar e ine patriotische Tat. Wenn man auch beabsichtigt, die Bahn voriviegcnd in Tunnels aufstergen zu lassen, so ist doch klar, däß fiel überall dort, ivo sie zutage tritt, daS Bild des Berges gröblich beeinträchtigen wird. Ter ernste Aatur- sreund wirb es unterlassen, sich durch dunkle Tunnels auf die Spitze ziehen zu lassen; beim er wird wissen, daß säst bei allen Bergen nicht die Rundschau vom Gipfel, sondern das stets wech. 400 Redaktion. Ernst Heß. — Rotationsdruck und Verlag der Brüh l'schen UniversttätZ-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen. güß gegen die Laterne des Leuchtturins von Tillanruk in Nord- Ninerika schlug, !die 48 Meter über dem Wasserspiegel liegt An den Stiften Großbritanniens und Frankreichs ist beobachtet worden, wie die Brandungswellen Steinblöcke von über 100000 Kilogramm Gewicht von der Stelle schoben. Einen Block von 7000 Kilogramm schleppten sie 22 Meter weit. Der Nordseesturnr vom Dezember 1872 verschob den Wellenbrecher von Wick in Schottland, der 800 000 Kilogramm wiegt, nm mehr als 10 Meter. Lireeirrseyes. — Die Eisenbahn-Lektüre, so schreibt der Kunst!» I ivart, möchte ich ausrotten können. Mair versteht leichte Lese- I stosse darunter, „leicht" soivohl nach der sittlichen Seite hin, also I das eben noch voir der Polizei Zugelassene, leicht namentlich aber | auch wach Gehalt und Wert: flott geschriebenes Zeug, das uns vor | der Langeweile schützt und unseren innersten Menschen ganz uu- I behelligt läßt. Man hjat den Deutschen lange nachgesagt, daß sie I keine Bücher kaufen: als Eisenbahn-Reisende sind sie arge Ber- I schwender im Bücherkaufen. Tas wäre nicht so schlimm, wenn sie nicht gerade Eisenbahn-Lektüre kauften. Ich lese bei jeder Eisen- I bahn fahrt, und mir scheint es Nach meiner Erfahrung, daß mau I gerade schwierigere und gehaltvollere Werke unterivegs lesen kann und soll. Zuweilen stören uns die Mitreisenden durch ihr Gespräch, aber viel oster herrscht vollkommene Ruhe: oft sind wir allein im Abteil. Besser noch als zu Hause sind ioir hier mit uns selbst allein, denn wenn daheim die Familie oder die Bekannten nicht auf uns drücken, so tun es die Pflichten, die Mahnungen zur Arbeit. Geben ivir uns daheim die Abendstunden frei, so heißt das: die »rüden Stunden, und ich gestehe, daß mir dann die Ortszeitnng oft lieber ist als Goethes Pjandora. Aber auf der I Bahn fahren wir auch vormittags und nachmittags, mit frischen Gehimen und auf das schönste abgeschlossen von der Welt und den Pflichten: bessere Stunden zum Denken und Dichten und zum Versenken in große Dich ter werke gibt es gar nicht. Ich habe bei langen oder kurzen Fahrten die Gedichte von Goethe, Schiller, Keller, Grillparzer, Fontane, Tennyson uitb anderen bei mir gehabt, oft auch den Faust, zuweilen Hefte von Plato oder Cicero, und ich versichere: wer nicht icherhaupt zum Umgang mit hohen Geistern zu erbärmlich ist, wird am besten mit ihnen verkehren können bei diesem ruhigen Dahingleiten über der Arbeitserde unter uns. Aber alles hat seinen Grund: auch der herrschende Begriff der Eisenbahn-Lektüre Hat Vater und Mutter. Tie Mutter ist eine sehr verbreitete menschliche Eigenschaft, die ich höflich Bc- guemlichkeit nennen ivill: der Vater ist kluger Geschäftsgeist. Unsere Bahnhofsbuchhandlungen sind unter allen Buchhandlungen, die wir haben, die schlechtesten; sie sind das, obwohl sie Anhängsel einer Stcmtseinrichtnng sind. Jeder andere Buchhändler hält alle guten Bücher, ivenn sie „gehen", entweder iveil er von seine«» Berufe und sich hoch zu denken das Bedürfnis hat, oder iveil der Künde sonst zum Konkurrenten geht. Ter Bahnhofsbuchhändler hat leider ein Monopol, und der wahre Besitzer oder Unternehmer dieser Buchhandlungen tritt nie seinen Kunde,« gegenüber, sondern ist "eilt weit ab wohnender Geschäftsmann. Ihm fällt es nicht eilt, billige Hefte von Reclam, Hendel oder Cotta zu führen: er Bigt bei den Büchern in erster Linie: wieviel verdiene ich bei? Die billigen Ausgjaben bringen ihm nur Pfennige. Und die Verleger teurer guter Bücher gewähren nur mäßigen Rabatt, also bleiben ihre Bücher beiseite, ivenn sie nicht gerade „Schlager der Saison" sind. Die höchsten Gewinne versprechen die Adacher der leichten nnd leeren Sachen, an denen Titel und Umschlagzeichnung das beste sind. Wer große Worte liebt, könnte auch hier von Volksvergiftung und Volksverdummung sprechen. Ich will nur sagen: eine vortreffliche Gelegenheit, gute Bücher ins Volk zu bringen, wird hier Jahr für Jahr, Tag für Tag versäumt. W. Bode. — Georg Ebers gesammelte Werke. 33. und 34. Band. Geheftet je Mk. 2.50. (Stuttgart, Deutsche Verlags- Anstalt.) — Diese beiden Bände enthalten den Roman „Arachne". TieS farbenprächtige, von einer spannenden Handlung beivegbe Gemälde aus der Ptolemäerzeit Aegyptens, ein 'Künstlerwman aus der hellenistischen Welt, trägt im ganzen wie in allen Einzelheiten das Gepräge Ebersschen GcisteA. ScherMtsel. Das würzige Erste der Feinschmecker liebt, Wenn man es zum Fleisch und zur Sauce ihm gibt. Das Zweite, vom Faulen gar fleißig getreten, Ist teuer, zumal in den größeren Städten. Auch kann man vom Ersten int Bund mit der Zweite« Zum Wohle der Menschheit ein Ganzes bereiten; Das schmiegt sich recht innig und warm an die Brust. Du mußt's mal versuchen l Es ist eine Lust I W. Auflösung in nächster Nummer. Auflösung des Logogriphs in voriger Nuimnerr Schatz, Schutz, Schütz. selnde Bild "beim Aus- und Abstieg das Reizvolle ist. Ueberdies wird er speziell von der Rundschau, tvelche die Zugspitze bietet, etwas enttäuscht sein. Er wird finden, daß sich ihm das konventionelle Panoramabild entrollt, der Horizont von einer Kette weit entfernter Spitzen eingesäumt, soweit er nicht den meist durch Dunst getrübten Blick in die Ebene austveist, die nähere Umgebung aber durchaus nicht so imponierend ist, wie er cs wohl erwartet hätte, dja die meisten Nachbarspitzen wesentlich niedriger als die Zugspitze sind, deshalb ihre Abstürze und Formationen, durch den Blick ans der Vogelschau nivelliert erscheinen. Selbst diejenigen, welche noch niemals den Zauber des Hochgebirges kennen gelernt haben, werden ihn sicherlich viel mächtiger am Schachen, am Zoeppritzhaus ober an der Höllentalhütte fühlen. Wer wird nun die Bahn benützen? Nicht der Naturfreund und nicht der Hochtourist, sondern eine nach Sensation lüsterne, lärmende, alle Poesie des Gebirges totschwätzende Menge, deren Ehrgeiz sein wird, das Frühstück in München, das Mittagmahl auf der Zugspitze und häs Abendbrot wieder in München cinzu- Nehmen. Das internationale Publikum aber kann in der Schweiz viel aufregendere und gewaltigere Szenerien, als sie die Ruud- schau vou der Zugspitze bietet, mit leichter Mühe erreichen. Vom Staudpuntte landschaftlicher Schönheit und von dem der Renta- brlität dürfte sich eher eine Bahn auf eine der Vorhöhen empfehlen, tote Schachen (einen glänzend gelegenen Aussichtspunkt) oder Zoeppritzhaus: eine solche käme in gleicher Weise dem Durch- schntttsgeher wie dem Hochtouristen zu statten und würde dabei kerne Verunglimpfung eines unserer schönsten Gipfel verschulden. Das Zugspitzbahnprojekt aber bedeutet nur negative Ergeb- nrfle: nach der ästhetischen Seite eine Geschmacklosigkeit erften Ranges, nach der wirtschaftlichen einen Rechenfehler: denn der eigentliche Touristenverkehr wird sich vom Zugspitzgebiet abwen- den. Tie von den alpinen Vereinen erbauten Hütten (Knorv- hutte, Angerhütte, Wiener Neustädterhütte, das kürzlich errichtete Zoeppritzhaus) werden unter dem Ausbleiben der Touristen schwer zu lndcn habeit. Denn für die Gattung von Menschen, die sich der Zugspchbahn bedienen werden, besitzt ein mühsamer Marsch nach i mer der Hütten nichts Verlockendes. Wohl aber werden müßige Bummler, die von dem wohl zu gewärtigenden Hotel Zugspitze mis sich tu. die Felten versteigen, den Führern und den alpinen Rettungsstellen das Leben sauer machen. — Möge Bayern und Deutschland der beabsichtigten Entstellung seines höchsten Berges Nicht ruhig zusehen: mögen sich die nächstbeteiligten Gemeinden Nicht durch den Gemeüiderat von Zermatt und den Bezirksrat von Visp beschämen lassen, welche sich einstimmig gegen den Bau einer Bahn tauf das Matterhorn aussprachen, Hand in Hand gehend mit dem schweizerischen Alpenklub, welcher in einer Ein- gabe lau den Bundesrat Protestgegen das Unternehmen erhob. Es steht zu hoffen, daß bet Zusammenwirken aller beteiligten Faktoren, I wie der alpinen Vereine, des Vereins Heimatschutz, sowie der Bevölkerung dem vvvgebeugt wird, daß eines unserer hervov- ragendsteu Schaustücke dem Unternehmergeist einiger Weniger zum I Opfer falle. Das wäre eine patriotische Tat. I Vermischte». . , * Die Dimensionen und die Kraft der Meeres- ■ + 5« Bölsche in einer Prächtig illustrierten uaturwissenschaftttchen Plaudere«, „Brandung", die das 15 Heft der illustrierten Zeitschrift „lieber Land und Meer" (Stuttgart, Deutsche Verlags-Anstalt) bringt, ditrch Beispiele anschaulich. Die Heimatder Woge, die erst sterbend zur Brandung wird, ist das vuene Meer Fe Wetter es sich ausdehnt, je freier der Wind A. überfliegt, desto gewaltiger werden dort seine Welleiizüge. Der Wind treibt fte vor sich her wie Flocken, luirbett Flpcke | 8*t Flocke, bis eine ganze Halde, endlich ein Berg daraus wird Wann erscheint die Riesenwoge, von der uns Seefahrer auf der was, erreichen Südhalbkugel der Erde berichten. Das öster- r^nnsche Entdeckerscytff „Novara" maß ihre Höhe zu 8«/2 bis lOi/a Meter «m Maximum. Wo die Fläche klein ist, wie aus unsrer Nordsee, da sind schon 4 Meter fast zu viel. Und diese fme Riesenwelle rollt über den riesigsten Raum. Dckr Kapitän | mo« ma» tnt Südailantischen Ozean bei 7 Metern Höhe die fabelhafte Lange von 580 Metern. Es sind das die Riesen, I bte .zugleich mtt der Wucht einer abrollenden Kugel ihr Meer I «benagen: 77 Seemeilen, fast das vierfache einer Postdampfer- I letftmtg, legen sre m enter einzigen Stunde zurück. In den be- I sonderen Fällen, wo nicht der Wind, sondern der Stoß eines Erd- | bebens ine .Welle treibt, erzeugen sie no cki