Nr. 5I MiLlwoH den 10. April 1807 0 niir'ivvv' •— ji'xT^Ä^ K - a |||||| Dem Irrlicht nach. Roman von Alexander Römer. Nachdruck verboten. (Fortsetzung.) Roderich stand mit sich selbst im Zwiespalt, ob dieser Ausspruch if}it freuen könne; Sylvias «ngenttgenden Vortrag erkannte er gern an — nun, jedenfalls war Hendrichs zu einem gewissen Interesse und nicht ungünstigen Urteil verpflichtet euch des weitern mußte man harren. Der alte Kommerzienrat redete jetzt eindringlich mit Hendrichs. Ihn schienen dessen Auslassungen befriedigt zu haben. Er lasse seinem Roderich jetzt freies Spiel für seine Liebhabereien, äußerte er, er sei so begabt in jeglicher Richtung, daß man sich überall des Besten von ihm versehen könne. Es klang der volle väterliche Stolz auf seinen Einzigen aus der Rede des alten Herrn, wenn er auch diesen Stolz häufig unter Spöttereien über die genialen Allotrias des Sohnes verbarg. Hendrichs fixierte jetzt mit dem Kneifer dieses wunderliche Frauenzimmer in der schäbigcir Sammetjacke, welches Sylvia vorhin mit Jenny Lind verglichen. Das war ja eine ganz ergötzliche Spezies. Er fragte leise Doktor Billatte des nähern nach ihr und erhielt von diesem die nötige Auskunft, soweit sie ihm bekannt war. Doktor Billatte hatte das ausfallende Spiel zwischen Roderich und Sylvia ebenfalls beobachtet, Erna sah cs ihm au, wie es ihn beunruhigte. Er hatte sich nicht einmal in da-s fröhliche Treiben, das Witzeln und Lachen, das da betrieben wurde, gemischt, obgleich er sonst gern lebhaft und heiter mittat, iuo cs der Anlaß bot. Sylvia, welche ein paarmal in ihrer ausgelassenen Laune das Wort au ihn gerichtet hatte und das gewohnte Eingehen vermißte, schmollte, mit ihm. So saß er denn jetzt wieder neben Erna, sie hatte nur flüchtig ausgeblickt, als er sich ihr genähert, und sie verharrten eine ganze Weile stumm nebeneinander. Sic hatten cs einmal gerühmt als eine köstliche Besonderheit ihres Beisammenseins, daß sic sich unterhielten, ohne ein Wort zu sagen. Erna gedachte daran heute abend, und tvie dem nicht mehr so sei. Der friedevolle Zauber jener Tage war gewichen, ihr Herz wogte wild, seine stumme Gegenwart war ihr peinlich. Er aber sah auf ihre schlanken weißen Finger, welche ein feines Spitzengewebe förderten, und fühlte, wie die unruhigen Wellen in seinem Innern sich sänftigten in ihrer Nähe. Bon diesem Mädchen ging ein Hauch dcS Friedens aus. Wie störte ihn heut die laute, bewegte Szene da drüben. Diese abenteuerliche, gestikulierende Dame, die da so nachlässig im Sessel lehnte, mit dem vielen Falschen und Unsaubern an ihrem äußern Menschen, Huberte ihn an, sie sah aus Ivie eine Karikatur, und verzerrt, aus dem Natürlichen ins Künstliche verschoben war alles, was sie redete. Wahr war au dieser Frau nichts, als vielleicht ihr verstecktes, übertünchtes Elend, das ihr zwischen den Lappen und Falten überall hervorguckte, das aus dem grellen Lachen und den forcierten, Scherzen herausklang und auf den ruhigen Beobachter peinlich und abstoßend wirkte. Und nebelt dieser Frau lehnte Sylvia in vertraulichster Nähe, ihre reine Stint ward von dem Atem der Unsanbern gestreift, die welken, ringge- schmückten Finger derselben streichelten Sylvias Lockenhaar. Wie ihm das weh tat! „Wissen Sie etwas Näheres über Fräulein Sylvias Eltern?" fragte er Erna ganz unvermittelt. Diese schrak zusammen. Also darauf zielte sein Gedanken? gang — nein, ihre Seelen dachten nicht mehr dasselbe. „Sylvias Eltern?" wieder,)oltc sie, „die sind lange tot. Sylvias Mutter hat meiner Mama nahe gestanden — und darum — die Eltern sprechen nicht 'darüber, cs muß sich Schmerzliches daran knüpfen, daher fragte auch ich nie nach Näherem." Erna sprach langsam, zaudernd, sichtlich widerstrebend. „Wie kommen Sie heute darauf?" fetzte sie hinzu. „Ich weiß es nicht — ich fand plötzlich eine Achulichkeit, aber cs ist Unsinn — eiiD wunderliche Täuschung — gleich einer Vision." Er sprach hastig, stotternd, sic blickten aber einander an, und jetzt gingen ihre Seelenstimmungen wieder zusammen. Es war spät, der Kommerzienrat zog sich zurück; er tat sich in dieser Hinsicht keinen Zwang an, die Gesellschaft in seinem Hause blieb häufig noch zusammen, ivenn er auch schon gegangen war. Heute abend hatte er viel gelacht. „Sic ist ein tolles Frauenzimmer", sagte er zu seiner Tochter Erna, welche ihm sein Licht einhäudigte, und wies über die Schulter nach der Schwägerin, „aber die Kunst zu nuter- halten versteht sic. Damit zwingt sie einen zu einer Duldung,- die man selber unbegreiflich findet." Erna lächelte in ihrer eigenen Art. Sie für ihre Person fühlte sich durch die Unterhaltungsgabc nicht entschädigt und fand des Vaters Duldung oft unbegreiflich. Drinnen erfolgte jetzt aber auch allgemeiner Aufbruch. Frau Friederikens Mienen verrieten Müdigkeit; Paul Hendrichs erhob sich zuerst, Roderichs Freunde folgten. Wolfgang Kirsch schüttelte der Kommerzicnrätin unter wiederholten Danksagungen so kräftig die Hände, daß ihre Finger schmerzten, Hermann Wclius versicherte, daß cs einmal wieder himmlisch gewesen sei, und Paul Hendrichs nahm sehr warmen Abschied von Roderich. „Auf Wiedersehen in Paris!" sagte er. llnd: „St, st! die Damen wissen noch nichts von meinen Absichten", raunte Roderich dagegen, „aber so Gott will, bald, auf Wiedersehen in Paris!" Frau Cölestine sollte von den beiden Herren Kirsch und Welins nach Hause geleitet werden und lachte noch mit ihnen draußen auf dem Flur. Doktor Billatte blieb als der letzte zurück. Hoffte er noch einen Blick von Sylvia zu erhaschen oder wollte er von Erna allein Abschied nehmen? Es schien, als sei das letztere der Fall, denn Sylvia eilte an Roderichs Seite mit hinaus auf den Korridor, um der Tante bei ihrer? Umhüllungen zu helfen. Billatte hatte Ernas Hand ergriffen. „Sie besitzen einen Talisman, der Sie befähigt, de» Menschen ins Herz zu sehen", sagte er; „wenn ich bei Ihne» — 203 — hftt, habe ich stets das Gefühl, als verständen Sie alles, was ich auch nicht ausspreche." lieber Ernas Antlitz flog es wie Glückesschein. „Sie ver'stehe ich, das glaube ich selbst", entgegnete sie, „Str sind klar nnd wahr, aber es gibt manche Menschen, die mich verwirren." Cie traten in die Tür, welche in den Korridor führte; dieser war leer. Frau Zernial und ihre Kavaliere waren gegangen, da tauchten Sylvia und Roderich auf aus einer dunklen Ecke, wo sie, wie es den Anschein hatte, noch miteinander geflüstert. Roderichs Gesicht war gerötet und fremdartig belebt — Erna meinte nie solchen Ausdruck beim Bruder gesehen zu haben — nnd Sylvia eilte, sichtlich verlegen, pnf sie zu. Auch sie war mit Purpyr übergossen. „Wir haben so sehr gelacht", erklärte sie, „Tante Eölestuie war so unendlich komisch." Erna blickte verstohlen an? ihren Begleiter. Sein Antlitz war plötzlich leichenblass nnd sehr ernst. Sylvia bemerkte es ebenfalls und erschrak davor. Sie erwiderte des Doktors formellen Gutenachtgruß scheu nnd verwirrt. Aber sie sprach nicht darüber mit der Schwester, als sie oben miteinander zur Ruhe gingen, iinb Erna fand e§ nach einiger lleberlegung auch nicht klug, etwas von dem Beobachteten zu erwähnen. Früher hatte unbedingte Ofsenheit zwischen ihnen geherrscht. Erna lag noch lange wach in ihrem Bette. Wenn Billatte wirklich eine Neigung für Sylvia gefaßt hatte, mußte er jetzt geheilt werden — und flüchtiger Natur konnte diese Neigung bei dem gediegenen Manne doch nur sein — dieser Schmetterling paßte nie zu ihm. Aber Roderich — kleine Sylvia, war sie gut daran, wenn sie dem vertraute? 4. Kapitel. Billatte schritt, den Mantelkragen in die Höhe geschlagen, Mein in die stürmische Herbstnacht hinaus. Er wohnte in der Altstadt und "hatte einen weiten Weg. Es regnete nicht mehr, aber her Wind pfiff heulend nm die Ecken, und die schwarzen Wolken jagtcn über die silberne Mondscheibe, die ihrer vollen Rundung nahe war. Es war spät geworden, die Pferdebahnen fuhren nicht mehr, auf den Straßen der Neustadt ivar es still. Nur einzelne Nachtschwärmer, deren hallende Tritte schon von weitem hörbar wurden, zeigten sich von Zeit zu Zeit. Aus einzelnen Lokalen tönte noch Musik und lautes Stimmengewirr. Der rohe Lärm der späten Zecher widerte den jungen Gelehrten an und unterbrach seine sorgenden Gedanken. Ein Haufe wilder Gesellen tobte um das Denkmal Augusts des Starken, die Reckengestalt auf dem bäumenden Roß sah drohend herab im gespenstischen Mondlicht auf die wüsten Ruhestörer, und Billatte wich ihnen in 'großem Bogen aus. Auf der Augustusbrücke faßte der Sturmwind seinen flatternden Mantel, er brauchte seine Kraft, nm der Gewalt zu widerstehen. Er trat in eine der Nischen über den Pfeilern, Um Atem zu schöpfen, und faßte an seinen wirbelnden Kopf. Was war ihm denir geschehen? Er hatte sich selbst bisher für einen ruhigen, besonnenen Menschen gehalten. Sein Leben war nicht leicht gewesen und hatte ihn früh ernst gemacht. So wie er heute abend gegen den Sturm ankämpfte, so hatte kr geistig gegen manchen Sturm ankämpfeu müssen. Wie schwarz war das Wasser da unten, es brandete gegen die hoch aufgemauerten Ufer. Das flackernde Licht der Gas- laternen huschte hin und her, kaum ein Stern funkelte am Himmel. Er zog den Mantel fester nur sich und erschauerte. Eine ähnliche Sturnrnacht vor langen Jahren tauchte vor ihm auf, als er, ein Knabe, ausgegangen war, den Baier zu suchen. Daheim saß die blasse Mutter in Todesangst und harrte des Gatten. Er zählte damals erst zwölf Jahre, aber er hatte es schon begriffen, daß schwere Not die Eltern drückte. Vier kleine Geschwister außer ihm forderten Brot, Kleidung und Erziehung. Die Mutter arbeitete Tag und Nacht, ihre Kräfte schwanden mehr und mehr, und alle Jahre ward des Balers Erwerb geringer. Er ivar ein Franzose und gab Nnter- richt in seiner Muttersprache, aber der Schüler wurden immer Weniger, Monsieur Billatte eine veraltete Erscheinung. Da ivar er in letzter Zeit sehr melancholisch geworden, häufig des Abends husgegangen und spät, gst sehr spät heimgekehrt. Air jenem Abend, dessen er sich jetzt erinnerte, hatte auch ihn, ben Knaben, die Sorge nicht schlafen lassen, er sah von feinem Bette aus das Licht in der einzigen Wohnstube, nnd der Mutter angstvolles Gesicht, wie sie bei jedem Geräusch Wsammensuhr und auf des Heimkehrenden Schritt horchte. Da War er aufgesprungen von seinem Lager und hatte, selbst von einer unerklärlichen Angst gepackt, erklärt, er wolle den Vater suchen. Sie Ivohnten damals in der Klostergasse und er lief zunächst hierher aus die Brücke. In einem Bierhause da nuten au der Elbe pflegte der Vater mitunter eiuznkehreN, vielleicht faß er dort noch. Aber — richtig, an jener Stelle da drüben war es — Doktor Billatte schauderte, er hatte lange nicht mehr an die Stunde gedacht — da fand er den Vater, düster hinabstarreud in das schwarze Wasser, und es war eine Nacht, Wie diese. Der kleine, welke, gebrochene Mann schreckte zusammen, als die warme Kinderhand ihn berührte, er sah ganz entsetzt in seines eigenen Knaben Antlitz, und erst da, als dieser rief: „Vater, was wolltest dir tun! Vater, komm da fort, es ist so kalt, und Mutter wartet zu Hanse schon lange" — erst dann kam er zur Besinnung und umfaßte schluchzend seinen Sohn. In jener Stunde erwachte ein Strom barmherziger Liebe in Armand Villattes Kinderherzen, und Gedanken, die ihn früh reif machten. Er brachte den Vater nach Hanse, er meinte noch die todkalten Hände nnd Glieder zu fühlen, die er mit seinem warmen Hauch zu beleben versuchte, noch die murmelnde Stimme zu hören: „Mon petet! Mon Petit! vH! mon Dien, c’cft fa misörieorde." In jenem Moment höchsten Seelenefsekts redete der Vater wieder seine Muttersprache. Jetzt waren die Eltern beide tot, aber sie hatten noch ein Ausdämmern besserer Zeiten erlebt. Am Tage nach jener schrecklichen Nacht war eine unerwartete Hilfe gekommen in Gestalt einer Geldsumme als Erlös einer französisch-deutschen Grammatik, welche der Vater geschrieben, die lange nicht anerkannt worden. Nun wurde sie plötzlich in den Schulen eingeführt. Es wurde besser, lichter, von Tag zu Tag. (Fortsetzung folgt.) Aus der Jugendzeit- Enmierungcn eines alten Gießeners. Nachdruck verboten. (Fortsetzung.) V. Die Kämpfe in Deutschland weckten natürlich die Streitlust der Gießener Schuljugend. Auf den Gänsäckern, d. h. den Wiesen zwischen dem Walltor refp. dem sich daranschiießenden Teile der Ost-Anlage und deut Philosophenwald, wurde manch schwerer Kampf ausgesochten. Rach der Aberntung war dort der Tuminelplatz der Schul- jilgend, das herrlichste Terrain für die Spiele, aber auch für die sieh entwickelnde Kämpfe zwischen den Gymnasiasten einerseits nnd den Stadt- nnd Realschülern andererseits. Die Wiesen waren durch breitere und schmalere Wassergräben durchzogen., Die Wurfhölzer boten eine gefährliche Waffe. Das waren gespitzte Hölzer, mit denen in der Weise nach dem Ziele geworfen wurde, daß sie in dem fruchtbaren Boden der Wiese stecken blieben. Es gehörte eine eigentümliche Fertigkeit zur zweckgemäßeu Berwendung. Seit vielen Jahren habe ich diese Art des Spiels nicht mehr gesehen. Im Herbst 1849 nnd Frühjahr 1850 gab es dort regelrechte Kämpfe, bei denen die Wurfhölzer eine Rolle spielten und es manchmal nicht ohne blutige Köpfe abging. Ich war früh entwickelt nnd infolge Blason damals einer der Stärksten unter den Unter- fekundanern, ein Umstand, der mir öfters die Führerrolle eintrug. Auch der Braud bot manchmal ein geeignetes Schlachtfeld. Man erschien dort zielbewusst. Dem Kampfe gingen, ganz tvie bet den Homerischen Helden, große Worte und Ausforderuiigen voraus. So wurde eines Tages zwischen uns und den Realschülern, die wir uns! Muf dem Brand bei der großen Aula kampfbereit in ziemlich gleicher Zahl gegenüberstanden, verabredet, daß der Sieg durch einen Zweikampf der Führer entschieden werden solle. Aus unserer Seite war ich der Erwählte, auf Seiten der Gegner der Sohn eines Bäckers, ich meine Kämmerer. Unsere Massen Waren die bloßen Fäuste, die Stöckse mußten abgelegt werdein So stießen und schlugen wir lustig aufeinander los. Dann packten wir uns und nach längerem Ringen brachte ich schließlich, unter dein Triumphgeheul der Klasse meinen Gegner zu Boden, so daß er sich nicht mehr rühren konnte. Es wurde loyaler Weise Wit dem anderen Teile anerkannt, daß wir Sieger seien, nnd ich zvg mit meinen Selterswegern heim. „ ' Es sollte aber so glatt nicht abgehen. Als wir an der Kaplans- gasse vvrübergingen, erhielt ich plötzlich von hinten einen schweren Schlag über den Kops, so daß ich bewußtlos zusammen stürzte. Es war schon dämmerig nnd der Täter entkam unerkannt. Meme Kameraden brachten mich, nachdem ich das Bewußtsein einigermaßen wiedererlangt hatte, nach Hause, und da ich i'wich dort, über meinen Zustand nicht genügend answeisen könnte, wurde mir öt? Teilnahme an den „Spielen" untersagt. Kindisch war ich noch zur Genüge, was ichoit ole eben u? — 207 — zählte Karzergeschichte öeimcS'. Dies hinderte «her 'nicht, baß ich mich im Sommer 1869 sterblich verliebte. Das Mädchen war 11 Jabre alt, hellblond mit blauen Angen, von ganz besonderem Reiz. Die Liebe war waschecht, aber leider »inseitig, wie ich zu spät, nadjbcm ich wie Jakob um Rahel 7 Jahre um sie gedient, erkennen musste. Doch hat sie mich vor Manchem bewahrt, worüber ich vielleicht hätte Rene em- psiiidcn müssen. — Vorerst war ich Untersekundaner. Der Klassenführer der beiden Sekunda's, die nur durch dis Schulbänke getrennt waren, Herr Professor Dr. Soldan, war von uns Men hochverehrt. Er Ivar ein sehr tüchtiger Lehrer. Er hatte Latein und Geschichte. Wir lasen bei ihm Sallust und Virgil. Sein Hauptfach war Geschichte, in welcher er auch schriftstellerisch itätig gewesen ist. Seine „Hexenprozesse" haben viele Beachtung gefunden und die zweite Auflage erlebt. Allein wir find niemals bis zu den Hexenprozessen gekommen. Der dreißig- stihrige Krieg war die letzte Episode der deutschen Geschichte, vis zu welcher wir cS brachten, wahrend die griechische und römische Geschichte zweimal durchgepeitscht worden ist. Auch in der Mathematik erreichten wir das Pensnul absolut Nicht. Unser Lehrer war Herr Dr. K., feines Zeichens Theologe, bei welchem wir in Sekunda' außer Religion noch Mathematik, Naturkunde und Deutsch hatten. In der Religious- und Konfirmandenstunde konnte er uns nicht erwärmen und von den anderen Dingen verstand er zu wenig, um uns in denselben vorwärts zu bringen. Mechanische Rechnung mit Dezimalen, die damals nlS besondere Abteilung des Rechnens galt und der äußerliche Gebrauch der Logarithmen war das schließlich Erreichte. Das war aber auch die Grenze seines Wissens. In Prima konnte er uns weder den Begriff der Buchstabenrechnung, noch den der einfachsten Gleichung beibrmgen, uns mithin auch in der Geometrie, die mir sonst sehr sympathisch tu ar, nicht über die ersten Grundbegriffe hinaushelfen. Er konnte keine Disziplin halten und kam vst aus dem Schimpfen nicht heraus. Wir waren in Oberprima glücklich bis zu den Gleichungen gelangt. Da er aber selbst nichts davon verstand, konnten wir auch nichts davon verstehen. Seine Methode bestand darin, daß er eine Gleichung von einem Zettel, fern er auf dem Rande des Katheders liegen hatte, auf die Tafel Mit Kreide übertrug. Ich konnte nicht umhin, da ich auf der vbersteir Bank gerade unter dem' Katheder faß, einmal beit Zettel vom Katheder herunterfallen zu lassen, so daß er zwischen Schulbank und Katheder zu liegen kam. Der Mann war vollständig hilflos. Aber statt daß er einfach gesagt hätte: „Meine Aufzeichnungen müssen heruntergefallen sein, bitte heben Sie sie einmal tont", sing er an zu räsonieren, über alle möglichen Dinge und räsonierte, bis die Stunde aus iuar. Es war nicht Bosheit von mir, sondern nur die Neugierde, zu sehen, inwieweit $r ohne das Blättchen fertig werden konnte. Diese Geschichte, die doch nicht verschwiegen bleiben konnte, brach dem Faß den Boden miS. Kurz nachdem sie passiert nxir, «erschien eines Tages mitten in der Stunde Professor Dr. Kulp, Direktor der Gewerbeschule in Darmstadt, ein bekannter Mathematiker. Der arme Doktor war ganz vertattert. Prof. Külp sah und hörte einige Minuten dem Unterricht zu. Darin begann -er selbst 'zu prüfen und fand natürlich sehr bald heraus, daß Seiner von uns etwas von der Sache verstand. Selbst unser Primus, llmpfenba ch (ein Sohn des Universitäts-Mathematik- Profcssors Umpfenbach und ein Bruder des hier im Ruhestande 'lebenden Kameralisten Geh. Regierungsrats Prof. Umpfenbach), der verhältnismäßig noch am meisten wußte, versagte. Professor Külp war als Mathematiker bedeutend, bei feinen Schülern vielleicht Mehr noch durch seine ungemeine Körperkraft. Er beschäftigte sich bei der Prüfung zunächst mit Umpfenbach, der ein ausgewachsener, stattlicher Bursche und größer war, wie Professor Külp selbst. Im Eifer, um diesem etwas klar zu machen, ergriff er mit der linken Hand den jungen Mann mit rechten Oberarm, hob ihn so in die Höhe und stellte ihn ganz sacht wieder Hin. Dieses Kmststück flößte mir mehr Respekt vor dem Manne ein, als sein ganzes Wissen. Die Folge dieser außerordentlichen Prüfung unseres Unterrichts war, daß nach ganz kurzer -Zeit die Mathematikstunde einem jungen Schulamtsakzessisten, Herrn Dr. D., übertragen wurde. Da sollten wir nun in dreiviertel Jahren nachholen, was an uns in mehreren Jahren versäumt worden war. Das ging bei aller Tüchtigkeit des jungen Mannes Natürlich nicht. Er verlangte zu viel und witrbe ungeduldig, wenn man ihm nicht folgen konnte. Das sagte ich ihm eines Tages geradezu heraus. Darob wurde er grob. Ich antwortete dementsprechend. Er zog zu -einer Ohrfeige aus. Ich faßte ihn fest ins Ange und stellte mich in Positur, fest entschlossen, die beabsichtigte Tätlichkeit sofort zu erwidern. Allein es kam nicht so weit. Dr. D. hat wahrscheinlich eingesehen, daß auf diese Weise keine Ehre zu holen fei und ixtfe ich eigentlich nicht unrecht hatte, denn er trat nicht Nur den Rückzug an, sondern hat mich von da an immer sehr anständig behandelt, und in Anbetracht meines guten Willens bei der Maturitätsprüfung in bet Mathematik „genügend" gegeben. । Gn t unterrichtet waren wir ini Griechischen, wir lasen in Sekunda die Odyssee, Dr. Rumpf, der in der Quinta mein Klasscnsührer gewesen war, hatte den griechischen Unterricht. Leider sand er seine Ausgabe vielmehr darin, uns nach Mehlhom und Krüger die Finessen der Griechischen Grammatik beizubringen und sie uns in der Lektüre nachzuweisen, als uns in die Schönheit der Dichtung und Sprache einzuführen. Dr. Rumpf war fein' mißtrauisch. Seine größte Besorgnis war, daß ein Schüler einmal bei der Ueberhörung aus Krüger ins Buch schauen und dadurch seine Note verbessern könnte, etwa von 2 b bis 3 auf 2 b bis 2 oder gar nuf 2 a bis 2. Sein übergroßes Mißtrauen führte ihn eines Tages zu einer nicht ganz unverdienten Niederlage. Auf der obersten Bank in Untersekunda saß als Sechster ganz in der Ecke ein Mitschüler, Ehr. Eckstein. Dr. Rumpf glaubte bemerkt zu haben, daß -dieser nach Beendigung der Zwischenstunde noch weitere Studien im Krüger machte. Er sandte über den in seiner Hand befindlichen Krüger verschiedentlich unheimliche Blicke nach dem Platze des ahnungslosen Jungen. Plötzlich schoß er mit erstaunlicher Geschwindigkeit hinter unserer Bank her und griff in das vor Eckstein befindliche Gefach. Ebenso rasch zog er aber die Hand zurück und rief, mit dieser schlenkernd: „Pfui, ein so alter Junge, noch Butterbrot zu essen". Aller Respekt, beit Dr. Rumpf an uns gewöhnt war, konnte die stürmische Heiterkeit der ganzen Klasse nicht verhindern. Zur Charakteristik dieses sonst wegen seiner Pflichttreue und Kenntnisse sehr angesehenen und wegen seiner Gerechtigkeit und seines Wohlwollens auch beliebten Lehrers, muß ich leider noch eine Ungezogenheit meiner Wenigkeit vermelden, die schon beinahe an Frechheit grenzte. Wenn Dr. Rumpf die erste Stunde hatte, mußte der Oberste dos Gebet verlesen. Meist war ich an der Reihe. Ich glaubte bemerkt zu haben, daß Herr Dr. Rumpf während des Gebets nicht auf dieses achtete, sondern bereits an seinen Mehlhvrn und Krüger dachte. Er stand während des Gebets mit gesenktem Haupte d-a, die Hände über die Brust gefaltet, aber das geliebte Buch schon Mischen den Daumen haltend und auf dieses waren seine Blicke gerichtet. Er überließ dem betreffenden Schüler die Auswahl des Gebets aus einem nicht unansehnlichen schwarzen Bande mit gelbem Rand. Wir nahmen natürlich immer eines der längeren Gebete. Eines Tages kam mir der Gedanke: Du mußt doch einmal sehen, ob er ans das Gebet acht gibt. Ich verband zwei der längsten Gebete, die nebeneinander standen, zu einem, im ganzen beinahe tirei Druckseiten. Ich ließ beim Uebergang auf das zweite Gebet nur den Eingang weg. Geduldig und ahnnungslos nahm Dr.Rumpf, immer gesenkten Hauptes, den langen Sermon entgegen, atmete aber sichtlich erleichtert auf, als er zu Ende war. Ich fürchte, daß von uns Beiden die übelste Rolle ich gespielt habe. Ich durfte aber aus dem Geschehenen bett Schluß ziehen: Wenn der Lehrer nicht auf das Gebet achtet, kann man es auch den Schülern nicht! Übelnehmen, wenn sie während desselben tot andere Dinge denken. Dann ist aber bie&' Schnl- gebet eine leere Form, die man so rasch als möglich ab- schaffen sollte. ?hi fettem durfte der Lehrer dem Jungen nicht die Auswahl des Gebets überlassen, wenn er nicht gewissermaßen eine derartige Frivolität herausfvrdern wollte. Zn meiner Entschuldigung will ich noch beifügen, daß auch andere Lehrer das Morgengebet als eine gleichgültige Formsache nnsahen, und daß die felbstv-erfaßten Gebete von Dr. K. schanderhaft waren. Nur Dr. H. betete aus tremf Stegreif. Da er aber ein orthodoxer Heißsporn und uns wegen seines Hohns und Spotts und seiner Voreingenommenheit gegen anders Denkende gründlich unangenehm war, glaubten wir nicht an seine wahre Frömmigkeit, und so verfehlten seine Stegreifgebete ebenfalls den Eindruck, den sie sonst vielleicht hätten machen können. So sah cs mit den Klassen-^ gebeten übel giiis. Ich wurde zn Pfingsten 1850 konfirmiert. Mein Bartwuchs machte sich bereits so lebhaft geltend, daß ich mich aus (vielleicht falscher) Scham rasierte. Mädchen und Jungen wurden damals noch zusammen ldnsirmiert. Die Kränze zur Ausschmückung ter Kirche hatten, wir auch zusammen angefertigt. Der Koufirmaudenunter-- richt war dagegen getrennt. Die *75 Jungen -empfingen den Unterricht in dem alten. Schnlhaus am Neustädter Tor. Kirchenrat Engel und Pfarrer- Bon Hardt wechselten ab. Kirchenrat Engel kam erst um einviertel. Bis zu seinem Erscheinest lärmten die Jungen sehr un- kdnfirmandenuiästig. Kirchenrat Engel hörte während der Dreiviertelstunden Gesangbnchsverse und den Katechismus ab. Er hatte öfter Zahnweh. Dann hielt er den Backen und jammerte: „An, -au mei Backe, was hab ich für' Zahnschmerze, int geht cmal beim." Auch rauchte manchmal der Ofen. Dann hieß es: „Aw er was is das! denn für eit Rauch, da kann in er 5 ;a n et aushalte, geht em al hin!" Herr Pfarrer ^Bon Hardt gao sich schon Mehr Mühe, aber was konnte er bei den 75 Jungen aus allen Ständen machen. Auch er beschränkte sich tut Wesentlichen mit bett Katechismus, Erklärung von biblischen Sprüchen. Em persönlicher Kontakt zwischen ihm und den Konfirmanden war ganz ausgeschlossen. Kurz, der Konfirmandenunterrtcht war ganz nn- fruchtbnr. Ebenso war es aber mit dem speziell für die Gymnasiasten von Dr. K. erteilten, wenn auch aus anderen Gründen. Das ist ja alles nun ganz anders geworden. Ich für meine Person erhielt den eigentlichen Konfirmanbeitnnterricht int elterlichen Hause. Ich fürchte aber, daß die größere Zahl der heutigen! Herren Geistlichen ihn nicht als das Rechte anerkennen würden. Bon der Predigt des Herrn Superintendenten Simon und von dem Empfang des Abendmahls erhielt ich den tiefsten Eindruck. Daß ach trotz Klmsirmation noch ei» kindischer Mensch war. 208 te.jtte ein Vorfall, der leicht schlimmtere Folge» fite mich hätte habeit können. . . . ... rr, , „ Ach ffoiit, wte manchmal, eines Tages zn spat, Es war Religwnsstunde. Ich blieb vor der Tür stehen, da Dr. K. gerade das von ihm verfaßte Gebet vorlas. (Ls dauerte sehr lange und es Ivurde mir langweilig. Ich glaubte nut die Zett nicht besser vertreiben zu können, alS da» ich mir nut enugen Spatzen An schaffen machte, die auf dem Gange herumftogeu, w'der das Gaugfenstcr stießen und dann betäubt nrederfielen Ich «kannte nicht umhin, »Wei dieser Tierchen zu sangen und als ich nach Beendigung des Gebets eintrat, hatte ich mente Mappe unter dem Arm und in jeder Hand einen Spatz. Jc» flüsterte meinem Machbar zu, er möge mir im Gefach ein Häuschen von Büchern bauen. Aber als ich die Spatzen hiuelufetzen wollte, brr, ging der eine los. Ein Geheul erhob sich: „Herr Dottor, em Spatz, leitt Spatz!" Und während u-oct, Dr. K. sprachlos mnher- starrte, brr, ging auch der zweite los. Das Geheut verstärkte sich und einige »reiner Mitschüler schickten sich an, die Jagd auf die Spatzen zu beginnen. Dr. K. fasste sich und sagte mit unheilverkündender Ruhe und tiefster Grabesstimme: „Wer hat das getan? Ich war ob der Flucht der Vögel sehr erschrocken, aber td) stellte mich sogleich und sagte: „Ich war cs!" Ich wollte betrugen, „aber ich konnte nichts dazu!" Mein Dr. K. donnerte dazwischen: „Hinaus mit dir, Bube, hinaus!" Ich nahm Meine Bücher u-nd ging bedrückt hinaus. Draußen hörte ich, wie Dr. K. tveiter donnerte: „Dieser Bube, der nicht einmal die Heiligkeit der Religionsstunde respektiert, must aus der Anstalt. Ich werde nickt eher ruhen, bis er relegiert ist." Mir wurde es sehr unbehaglich zu Mute und ich klopfte daher an die Tür der Prima, in welcher Direktor Geist — bei dem ich einen Vtein tm Brett hatte Stunde hielt. Er kam heraus, ich erzählte ihm tu fliegender Eile wahrheitsgetreu den Vorfall. Direktor Geist hörte noch selbst den Herrir Dr. K. donnern. Er beruhigte mich, es werde wohl nicht so schlimm« werden, er wolle selbst mit Dr. K. spreche», ich solle nur in der nächsten K.-Stunde wieder bleiben. Diese war um elf Uhr, als ich aber Miene machte zu bleiben, donnerte er wieder: „Hinaus, Bube!" Ich schlich also wieder fort und dachte nut Grausen daran, tvas mein gestrenger Vater mit mir ansaugen würde, wenn er die Geschichte erführe. Das war an einem Freitag. Am folgenden Tag benutzte ich die K.'sche Stmtde, um auf der Bude eines Kameraden einen Brief an Dr. K. zu verfassen, in welchem ich ihm den ganzen Vorfall darstellte, feierlich erklärte, daß ich absolut nicht die Absicht gehabt hätte, die Religionsstnnde zu stören, daß ich die Spatzen nur aus jugendlicher Unbesonnenheit mit in die Stunde gebracht und ihn wegen deren herzlich nm Ver- zeihmig bitte. „ r, ~ Am Montag, als ich Miene machte, die Stunde zu verlassen, sagte Dr. K. zu mir mit gütiger Miene und Stimme: „Du kannst loieder da bleiben." Dann entfaltete er einen großen Bogen Papier und rechtfertigte »teilte Tat in so huldvollen Worten, das; ich mir ganz groß vorkam. Es hieß: „In Erwägung, daß 1. sich herausgestellt hat, daß usw. . . . soll alles vergeben und vergessen sein." Ich Ivar über die Herzensgute des Mannes gerührt und sprach ihm meinen Dank aus. Am Nachmittag des selbigen Tages aber donnerte Dr. K-, als zwei Schüler durch Schwatzen gestört hätten: „Heute morgen habt ihr gesehen, wie man es mit ei»ent b raven Schüler macht, aber ihr" usw. usw. Seit jener Zeit durfte ich bei Dr. K. machen, was ich wollte, so war es gut. Nut einmal sagte et wehmütig in der Prima: „Kraft, Sie sind ein Nagel an meinem Sarg." Ob er Wohl geahnt hat, daß ich es wat, der sein Gleichungs- blättchen zur Erde geworfen und dadurch wirklich, wenn auch seht ohne Absicht, zu seiner Entlassung aus dem Mathematik- unterricht beigeträgen halte? Er starb früh. Es war ein guter Mann, aber es wäre für viele besser gewesen, wenn er anstatt Ghmnasiallehrer Pfarrer geworden wäre. Nur zur Beleuchtung des damaligen Lehrstandes im Gymiiasinm führe ich ans meiner Sekundauer-Zeit noch einen Vorfall an, der auch nicht gerade ruhmvoll für mich war. In der Prima lehrte ein Professor Dr. Otto Latein. Er hieß die Qu int sch, weil er so klein und dürr mar. wie ein ausgehungerter Quartaner und eine schrille hohe Stimme hatte. Et war int klebrigen ein sehr gelehrter Herr, konnte aber absolut keine Disziplin halten. Eines Tages nahmen mich ein paar Bekannte mit in seine Stunde. Mitten in deren Berlauf tiefen sie: „Hier ist einer, der gehört gar nicht in die Klasse." Zugleich, erhob ich mich. Natürlich entstand ein allgemeines Geheul. Dt. Otto schrie in den höchsten Fisteltönen: „Sie Hundeiungen, ich halte keine Stunde mehr, ich gehe zum Direktor." Damit warf er seinen dicken Cicero in die Stube und stützte vom Katheder nach der Tüt. Die Ptiutanet umringten ihn und führten ihn wieder auf den Katheder. Währenddessen entwischte ich. Dr. Otto wurde bald darauf pensioniert, sodaß ich ihn in der Prima nicht mehr gls Lehrer hatte. (Schluß folgt.) Literarisches, — Deutsche Alpenzeitung. Ein Programm ist der Inhalt des soeben erschienenen 1. Aprilheftes dieser Halbmouctts- schrist, mit welchem sie verheißimgsvoll ihren siebenten I ahr- gang beginnt. International ist ihr Interessengebiet, vom hohen Nord zum fernen Süd erstreckt es sich und umfaßt alle Zonen und Faktoren des Weltreisevetkehrs. Wenn sie auch die Großzahl ihrer belletristischen und künstlerischen Beiträge aus jenen Gebieten unseres Erdballs holt, wo seine Reize sich am glücklichsten zu vollendetet Schönheit vereinen, in den Gebirge», fo. vernachlässigt sie deswegen das Flachland und das Meer nicht. So führt uns im vorliegenden Heft Dr. I. Simon in seinen Etinnetungen aus dem Gebiet des S a l e i n a z g l e t s ch e r s hinauf ins Hochgebirge, dann begleiten wir M. Zeno Diemet, den bekannten Marinemaler, «auf seiner Js l andf a hr t. Mit H Reishauer tounixvn wir uns über absonderliche Baum- gestalten An der Baumgrenze im Hochgebirge und wenden uns dann nach Südamerika, um R. Reichreiters Gefährten zu sein auf seinen Bergfahrten in der Crotbittere von Ecuador. Zwischen hinein bietet uns Dr. H. Pudor eine Sammlung Oster spie le. und Ost er lieber, erzählt Dt. A, Dessauer Wie Thaddaeus Breitlmann Skt- tau feit lernt und H. Holzschuhcr Vom deutschen Frühling«. Die Beilage „Verkehr und Sport" beschäftigt sich mehr theoretisch mit allen einschlägigen Fragen, sie enthält diesmal Aufsätze über Wintersport in der Schweiz 1906/07; Die Reform der Wettlauforduung des Deutschen Ski-Verbandes: Graubunden und das Aittomobil und lieber Wegmarkieruiig. Verkehr und Sport ist eine wahre Fimdgrube für Alpinisten, Touristen, Sports- leute, Verkehrsbeamte, Vereine usw. Bei dieser Gelegenheit raten wir allen Interessenten den Bezug eines Probebarideo an, den der Vertag der Deutschen Alpenzeit ung (München, Finkenstr. 2) gegen Einsendung von 1.— Mk., 1.20 Kr., 1.50 Fr. abgibt. Man bekommt darin ein anschauliches Bild von der regen Tätigkeit, der Reichhaltigkeit und der Bedeutung dieser Zeitschrift. — F r auc6,R. H., Streif» ü g e i m W a s s e r t r v p i e n. Mit viele» Abbildungen und einer farbigen Tafel »ach Original- zeichuuugen des Verfassers. Vertag des „Kosmos", Gewlstchaft der Naturfreunde, (Geschäftsstelle: Franckh'fche Verlagshaudnutgi Stuttgart. — Der Verfasser, der durch sein groß angelegtes. „Leben der Pflanze" in die vorderste Reihe der »aturwiisen- schaftlichen Schriftstetler getreten ist, zeigt auch in der neuestei- Schrift seine Vorzüge: völlige Beherrschung des Stoftes, glanzender Stil und hinreißende Darsteltungsweise. Die vor Aller Augen liegende und dennoch so nnbekaniite Wundcrwelt tut Wasscrtropfen, die uns freilich erst das Mikroskop enthüllt, zieht in farbenreichen Bildern an dem staunenden Leser vorüber und macht ihn mit ungeahnten Schönheiten und wunderbaren Lebensvcrhältnissen der Kleinwelt bekannt, deren Kennt'.ns ihm ein unerschöpflicher Quell des Genusses und des Naturver- stäudnisses zu werden vermag. , . _ — Der Kunstwart. Äuiid>chau über Dichtung, Theater, Musik, bildende und angewandte Künste. Herausgeber Ferdinand Avenarius, Verlag von Georg D. W. Callweh in München. (Vierteljährlich 3.50 Mk., das eiuzetne. Heft 70 Pfg.) Eue O st c r h e s t nennt der Kunstwart sein neuestes Heft. Es ist zwei Großen der deutschen Vergangenheit gewidmet. Paul Gerhardt und M a 11 h i a s G r ü n e w a l d. lieber Gerhardt spricht Heinrich Steinhausen. In Matthias Grünewald lehrt uns paul Schubring »ebenDürer und Holbein den dritten großen deutschen Meister der Renaissance schätze», der Kraft »ach, wie Avenarius sagt, vielleicht den Größten von allen, und einen so Großen, daß eS schier unbegreiflich märe, weshalb sein Name noch nichc in aller Munde lebt, wenn nicht ein ganz besonderer ltmstaiiü das erklärte: die einzigen Werke, die Grünewald mit seiner ganzen Wucht und monumentalen Größe zeigen, finden sich angelegen vom Reisezug im stillen Kol mar. So sehen ihn nur incnlge, die wenigen' freilich, die ihn anfsuchen komiten, nnirben feine begeisterten Propheten. Der dritte große Aussatz dieses Oster- heftes ist den Beziehiingen zwischen Musik und Religion gewidmet, die Langen bespricht, unr mit Neuerungsvorschlägen zu schließen. Die Losen Blätter geben Proben aus der christlichen Dichtung, von alten Volksliedern bis zu Gedichten, die mitten in der Gegenwart gereist sind. Ungefähr zwanzig Beiträge breitet daun die Rundschau vor uns aus. Drei Bildertafeln sind Grünewald, zwei andere dem tteit aufgetretenen religiösen Maler Schäfer gewidmet. Die Noteubeilagen bringen Gerhardische Lieder mit Melodien. Rätsel. Kurz ist mein Wörtchen, doch freundlich zu schaueu auf uiaigri'meir t^CluCVH - Setz' in die Mitte ein „l", bin ich ein schmackhaft Gericht, Auflösung in nächster Nummer. Auflösung des Versteckrätsels in voriger Nummer: Besser nrni und gesund, als reich und krank. Redaktion: Ernst Heß. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schrn UmverstkätS-Vuch» und Steindruckereh R, Lange, ®tefiew»