V- Samstag den 9. Hlovsmöer 1907 - Wr. 166 >K NM - •■./ -'. W M Auf der eigenen Spur. Kriminalroman von Otto H o e ck e r- (Nachdruck verboten.) iFortietmiig. > „Auf das Gesicht meiner Tochter bin ich neugierig, teile ich ihr die neueste Entwickelung mit. Doch das nur nebenbei. Ich weis; durch meine Tochter, die es wieder von dem von ihr vergötterten Malermeister erfahren hat, das; zwischen Leonore Scl- kenbach und Witte zärtliche Beziehungen herrschen. Aus dem kurzen Rededuell zwischen Vater und Tochter scheint hervorzugehen, das; diese einen abenteuerlichen Plan ausgeheckt hat, ihren Vater zur Einwilligung zu zwingen. Sclkenbach mag sich zuhause gehen gelassen haben; er hat Fran und Tochter gegenüber vielleicht auch auf den starken Wachtfaktor gepocht, der sich in Gestalt seiner sogenannten Gcschüftspapierc in seinem Privat-- kassenschrank bcsanv . . . nun hat er seine Tochter ja selbst verschroben und überspannt genannt. Wer weist, ob sic da nicht auf den abenteuerlichen Plan verfallen ist, einen Einbruch zu fingieren, nm dann den Geliebten als rettenden Helden auftretcn lassen zu Tonnen, mit der erfreulichen Perspektive auf Verlobung." „Eine etwas geivagte Vermutung, Kollege", gab Rat Kneift zu bedenken. „Ich komme nur noch darauf, iveil Witte sich heute in meinem Bureau einfand und unsere, bekannte Droschkenleiche mit voller Bestimmtheit als seinen früheren Zimmerwirt Gustav .Schuhmacher rekognosziert hat." „Ich denke, Walden hat auf Grund einiger Photographien aus dem Verbrecheralbum den Toten als gefährlichen internationalen Verbrecher entlarvt." „Hat er auch. Dem Pariser Bilde liegen die genauen Körper- maste nach dem Bertillonschen System bei — sie stimmen haarscharf." „Das genügt zur Feststellung. Diese Maße sind untrüglich. Es gibt keine zwei Menschen auf Erden, welche ausnahmslos ein und dieselben Maste aufzuweisen haben." „Weiß", meinte Hausemann griesgrämig. „Run steht die Wittesche Aussage aber nicht allein, da ist ein Schuhmann Ro- kohl, der in dem Toten gleichfalls und mit voller Bestimmtheit den Schauspieler Gustav Schuhmacher agnosziert. Eine große, merkwürdige Stirnnarbe spielt hierbei eine große Rolle". „Einerlei,. das Bertillonsche System gibt den Ausschlag." „Ganz recht, wenn nur Walden nicht mit diesem Schuhmacher gleichfalls eng befreundet wäre ... ist die Aehnlichkeit zwischen ihm und dem Toten eine solch frappante, Ivie kommt es, daß er sie übersehen konnte." „Sie hegen doch nicht etwa Mißtrauen gegen Walden?" unterbrach ihn Kneift lachend. „Für den guten Jungen bürge ich, der ist über jeden Verdacht erhaben." „Wem sagen Sie das! Ich könnte einen Sohn nicht lieber haben. Doch, ich habe meine Beamtenpflicht zu erfüllen." „Ich will Ihnen was sagen", meinte Kneift schließlich.. „Die Sache mit Walden ift natürlich Quatsch, wenn schon iÄ zugebe, das; sein Verhalten der Aufklärung bedarf. Wir von« Bau sollten uns indessen, gar einem jungen und verdienten Kollegen gegenüber, davor hüten, vagen, unbewiesenen Indizien größeres 'Geivicht einzuräumen. Dagegen will mir die Sache mit Ihrem Maler einleuchten. Schuhmacher oder Baker so viel scheint festzustehen. Er und Witte waren zumindest gut _ mitein mtber bekannt. Witte kannte ihn wohl auch als verzweifelten Charakter, wußte wohl auch, das; sein bisheriger Zimmerwirt Feinmechaniker oder Kunstschlosser eigentlich von Beruf war . . . Ra, sollte es da nicht wirklich zu einem Verständnis zwischen dem schönen Fräulein Leonore und ihm gekommen sein? Es wird ihm nicht übertrieben schwer geworden fein, den Kumpan heimlich in das festliche Haus einzuschmuggeln. Die Tochter des Hauses mag für die richtigen Schlüssel gesorgt haben — und das übrige wissen wir." „Hm ja, unsere Vermutungen decken sich. Man führt sich aber doch nicht bei einem Schwiegervater in spe ein, indem man ihm die. Familienjuwelen stiehlt. . . selbst die Geschichte mit den „Gcschäftspapieven", die nur entwendet werden sollten, um für die Hand der Tochter wieder zurückgegeben zu werden, kommt mir äußerst gewagt vor, mag man dem romanhaft überspannten Phantasieflug einer höheren Tochter auch noch so viel zu gute halten. Jedenfalls sind dann die Papiere an die falsche Adresse gekommen . . . doch da sind wir!" unterbrach er sich. Die Droschke hielt vor der Selkenbachsche Villa und die beiden Beamten stiegen aus. Der Untersuchungsrichter ivar noch nicht eingetroffen. Auch Kommissar Thomnicn war nicht zugegen, sondern er hatte aus eigener Machtvollkommenheit eine Anzahl Schuhleute in Zivil von; nächsten Revier durch den Fernsprecher herbeigeordert, hatte sie zur Aufsicht im Hause verteilt, und war dann selbst sort- gegangen, für seinen Vorgesetzten einige flüchtig hingeworfene Zeilen des Inhalts hinterlassend, daß er in Verfolgung einer neuen, wichtigen Spur Begriffen sei und baldmöglichst zurück- kehren werde. Die Geheimrätin halte unmittelbar nach der Absuhrnng Selkenbachs ihre Anfälle bekommen; sie hütete nun das Bett. Auch die Tochter des Hauses hatte sich unsichtbar gemacht; wie die Dienerschaft berichtete, war fie_ in sehr verstörtem Zustande von einem Ausgang, den sie ungesäumt nach der Fortfahrt der Beamten angetreten, vor etwa Stundenfrist wieder zuruckgekelM und hatte sich in ihrem Zimmer eingeriegelt. Die Dienerschaft huschte wie ein verscheuchtes Huhnervvlk tut Hause herum; die Mädchen weinten unb dachten bereits ans Packen, ' die männlichen Diener dagegen standen zumeist naserümpfend und hatten von ihrer devoten Haltung viel emgebnßt. Hansemaun beschied beit Hausmeister und zeigte ihm die Balder des Toten. „Kennen Sic dieseii Mann?" ... Von Kennen kann da nicht groß die Rede sein, indem ev nur ein Aushilfskellner war," platzte der Hausmeister ärgerlich heraus. .., , Hansemann hatte die Empfindung, als ob er sich wenigstens moralisch, ohrfeigen sollte; wie konnte ihm das passieren, nicht gleich darauf zu kommen! Natürlich mußte man den Verbrecher 662 in der Reihe des Personals und nicht der geladenen Festlichkeit suchen! „Der Mann fjdf als Kellner ans?" erkundigte sich Hanse- mann weiter. „Schon zum dritten Mal. Ich war die ersten b eiben Mal ganz zufrieden mit ihm, vorvorgestern Rächt freilich, da hat er sich ausgeführt — na, das Ivar eine Affeuschanbe! Ich hätte ihn morden Wunen und mich dazu . . . damals dachte ich freilich noch, in einem höchst vornehmen Hause zu amtieren, heute nähme ich die Sache kaltblütiger." Er lachte höhnisch auf. „Haben Sie bald ausgelacht, ja? Na, daun nennen Sie mir den Namen dieses Mannes." . Obwohl Hansemann nichts anderes zu hören erwartet, gab es ihm doch eine Art körperlichen Schlages, als von den Lippen des Hausmeisters der Name Gustav Schuhmacher kann Er muhte unwillkürlich ivieder an Walden denken, an dessen mastlose Energie, an seine Augst, die Ergebnisse monatelangen Mühens klüglich im Sande verrinnen zu sehen. . . . und au den zweifelsohne durch Gustav Schuhmacher verübten Einbruch, der die so sorgsam gehüteten „Gefchäftspapiere" des Geheimrats der Behörde just Km richtigen Moment in die Hände spielte. Ihm wurde dabei so eigen bang und weh ums Herz, als wüßte er, da st einer sterben müßte, den er lieb gehabt. „Sie sagten eben, dieser Gustav Schuhmacher habe schon dreimal ausgeholfen. Geschah dies hintereinander?" „Selbstredend! Hier im Hause ist die Woche mindestens ein- mal 'was los. Vorige Woche war Herrendiner und die Woche zuvor war große Aufsichtsratssitzung mit nachfolgendem Souper. Da Mußte ich immer einige Lohnkellner heranziehen, da hier int Hause wie beim Hofe serviert wird. . . jeder Gast hat seinen eigenen Kellner. Natürlich kann ich nur sehr gute zuverlässige und bestempsvhlene Leute brauchen. Es sind immer dieselben bis auf diesen Schuhmacher. Der wurde mir aber durch dieselbe Agentur geschickt, welche, mir schon seit Jahren die Lohnkellner liefert." „Und Sie waren soweit zufrieden mit ihm, wenigstens die ersten beiden Male?" „Sozusagen ja, indem keine Klage erhoben wurde — das Heißt", schränkte der Hausmeister das Lob ein, „ich erinnere mich jetzt doch, er trieb sich im Hause herum, ganz unbefugt, obwohl das streng verboten war... ich erwischte ihn das zweite Mal ganz eben, gleich neben dem Arbeitszimmer des gnädigen Herrn. . . da redete er sich heraus, er habe nur Wandgemälde betrachten, wollen... ich telephonierte auch der Agentur, wir das nächste Mal einen anderen zu schicken/' „Trotzdem trat Schuhmacher auch vorgestern Wend wieder an?" „Es war mir leid genug. Doch ich mußte ihn nehmen, denn ich war ohnehin mit Leuten kurz. Er ließ sich zunächst wie gewöhnlich an, da war keine Klage..." „Servieren denn die Diener hier im Hause in Glacehandschn- tzen?" erkundigte sich der Rat, dem es eben einfiel, daß die Hände des Toten in solchen gesteckt hatte»!. „Aber selbstverständlich. Wie bei Hofe, nur Noch 'ne Rümmer feiner, indem, sie dort nur baumwollene beim Servieren tragen." „Vergessen Sie Ihre Rede nicht. Anfänglich waren Sie allo auch das letzte Mal mit ihm zufrieden?" „Aber sehr anfänglich. So uw 11' herum, als Eis serviert werden sollte, war er futsch. . . total futsch, sage ich Ihnen!" versetzte der Hausmeister nahezu elegisch. „Mein ganzes Arrangement war gleichfalls futsch, indem wir ihn nämlich nicht finden Ponnten. Es war brcuueud.s Eis und wurde auf silbernen Platten ausgetragen. Ich hatte jede Hand notwendig, indem daß die Platten sofort serviert werden mußten, denn natürlich war es nur bengalisches Feuer von der feinsten tmd geruchlosen Sorte. So mußte ich selbst mit zugreifen, was ich in diesem Hause noch nicht getost hatte, indem ich immer bestrebt tvar, die Würde des Hauses hwchzuhalten." „Das darf Sie aber'nicht abhalten, mir mitznteileir, wo und wann Sie Ihren Aushilfskellner wieder gefunden haben." „Das war ganz plötzlich... so nm Uhreirer zwei, da Ivar er plötzlich wieder da, wie das Mädchen aus der Fremde. . . und bettunken Ivar er auch." „Ra, das war die bewußte Jungfrau weniger", stellte der Rat fest. „Also betrunken war er?" „Es war entsetzlich, indem gerade Kaffee gereicht ^werden sollte ... in kleinen Mokkatassen', immer ein Dutzend pro Tablette tmd die Sahne in schweren Silberkannen. Da stand er vor mir. Voll wie ein Stier und dabei schrie er auch noch, daß ich seinen Mem deutlich empfand." „Da sagte ich mir: Arrak," fuhr der Hausmeister fort, „indem daß ich Bescheid wußte. Dieser unverschämte Mensch trompetet aber wie eine Jerichorose und klopft mir auf die Schriller . . . ganz kordial. . . klopft mir auf die Schulter, als ob sich das ganz von selbst verstände, was mich ergrimmte, indem daß ich für die von Gott eingesetzte Obrigkeit bin, was sich auch auf den Verkehr zwischen dem leitenden Geist eines vornehmen Hauses und untergeordnetem Dienstvolk bezieht. Er brüllt mir in die Ohren, daß man es im Saial oben hören mußte . . . nun brauchte er keinen Arrak mehr zu trinken, sondern nur noch Pommerry white Label, eine lächerliche dreiste Anmaßung, indem es eine solche Marke garnicht gibt. Wie ich ihn strafend anschaue, schlägt der betrunkene Mensch erst wieder auf meine Schulter, dann auf seine Tasche und schreit: das hat sich gelohnt. . . und nun brauche ich im ganzen Leben nicht mehr zn schaffen, sondern kann in Sekt baden, wenn ich will" . . . mehr konnte er nicht sagen, denn natürlich hatten wir ihn sofort gepackt, vier meiner Leute nämlich, während ich aus eigener Entfernung dirigierte.... „Sie haben ihn also, wie er ging und stand, hinausgeworfen?" „Mit seinem Hute, indem nämlich sein Neberrola im Keller unten hing, wo er noch hängt . . . damit glaubte ick den ärgerlichen Zwischenfall abgetan." „ES kam anders?", erkundigte sich der Rat. „Seltsamerweise. Vielleicht fünf Minuten später kommt ein Gast — keiner von den erstklassigen, sondern nur so'n Mitläufer .....er soll Maler sein, kann aber jedenfalls nichts Bedeutendes leisten, indem Trinkgeld nicht für ihn existiert. . ." „Sie sprechen von Andreas Mitte?" „Ja, er ist ein Russe. Der rennt mich fast über den Haufen. Dabei nennt er ihn beim Namen, denken Sie sich, Herr Rat . . . so 'ne Sorte Eingeladene verkehren! hier. Das hätte ich mir sagen nrüssen, daß es kein feines Hans sein kann. Wie ich dem jungen Mann auseinanderfetzte, daß der Mechch betrunken und an die frische Lust befördert sei, da. . . schreit er auch schon „Schasskopf", wobei ich die unangenehme Empfindung nicht los werden konnte, als sei dies ungehörige Wort auf mich gemünzt, indem er nämlich mich dabei zur Seite stieß. Kaum daß er noch Hut und Uebcrrock entgegennahnk, den letzteren zog er erst zwischen Tür und Angel an, indem er nämlich in auffallender Eile ans dem Hanse sich entfernte." (Fortsetzung folgt.! Iie Kapersöurg. (Original-Artikel der „Gieß. Fann-Bl."). Von Oberlehrer Helmke (Friedberg). (Schluß.) Die Kapersburg zerfällt nach ihrer Gesamtanlage in drei Teile: 1) das Kastell, 2) das Lagerdorf und 3) das Kastellbad. Das L a g e r d o r f ist bis jetzt fast noch gar nicht durchforscht und wird auch voraussichtlich bis zur Beendigung der nötigen Arbeiten am Kastell ruhig unter Wald und Erde liegen bleiben; es kann also füglich hier ausgeschaltet werden. Dagegen ist d a s Ka st e l l b a d heute soweit sreigelegt, daß es eine gute Uebersicht gewährt. Es liegt westlich, d. h. unterhalb des Kastells in nmnittelbarer Nähe des Pfählgrabens und hat seine Hanptausdehnung von Osten nach Westen, dein Bodengefäll entsprechend; in dieser Richtung liegen vier Räume, denen sich seitlich noch drei weitere anschließend allerdings ist einer der letzteren erst durch Errichtung einer Querwand auf der Nordseite einem der Mittelzimmer abgewonnen worden. Von diesen sieben Räumen sind vier heizbar gewesen, und zwar wurde die Erwärmung der Luft dadurch erreicht, daß Fußboden und Wände hohl beziehungsweise von Tonrohren durchzogen waren, durch die heiße Lust strömte und den Manern von ihrer Hitze abgäb. Die Heizung geschah durch drei, ursprünglich durch vier seitlich angebaute Anlagen, die sog. Präsuruien. Die Hypokaustenpfeiler, teils aus Basalt, teils aus Tonplatten, aufgebant, sind noch teilweise erhalten ; aus ihnen ruhte der aus Beton (Mörtel und geschlagene Ziegelbrocken) hergestellte Fußboden. Ter Haupteingang liegt etwa in der Mitte der Ostseite und ist noch heute an seiner Sandsteinschwelle mit dem Loch für den Türriegel erkenntlich. Durch ihn kam mau in das Apody- lerimn, den Auskleideraum, der nicht heizbar war. Ein Seitenraum, nördlich daneben, ist ebenfalls nicht heizbar; er liegt tiefer wie das Apodhterium und ist an seinen Wänden durch eine dicke Betonschicht sowie durch dagegen- gemauerte Ziegelplatten wasserdicht gemacht; er stellt also den Kaltwasserbaderaum, das Frigidarium dar. Da das auf abfallendem Gelände liegende Bad schon in römischer Zeit unter stark zufließendem Grundwasser zu leiden hatte, so haben die Römer etwa von der Mitte des Gebäudes ans einen unter dem Westpräsnrninm ziehenden, bis zum Pfahlgraben reichenden und aus Steinen gestellten Abzugskanal angelegt, doch muß er seinen Zweck nur mangelhaft erfüllt haben, da er von ihnen teilweise verlegt und mit stärkerem Gefall versehen worden ist. Im Laufe der Zeit ist er aber vollständig verschlammt und bildete im Verein mit den von früheren Untersuchungen lieget! gebliebenen bis 5 Meter hohen Schutthaufen eine große Gefahr für das Bad, da sie den Wasserabfluß hinderten und die Mauern unterwuschen. Hier setzte nun die Erhaltungsarbeit in neuester Zeit ein: Der Schutt ist bis auf geringe Reste entfernt, der Kanal gesäubert und gegen Eindringen von Erde usw. gesichert worden. Nach der Trockenlegung des Bades wurden die cingestürzten Mauern wieder aufgerichtet und, soweit es noch nicht geschehen war, freigelegt, über dem oben erwähnten Frigi- darinm wurde ein mit Ginster gedecktes hölzernes Schutzdach errichtet, um von dem Mauerbewurf alle schädlichen Witterungseinflüsse möglichst fernzuhalten. Besonders betont muß aber werden — und das gilt für das ganze Kastell —, daß jede Art von Neubau vermieden worden ist und auch in Zukunft vermieden werden soll: Tas Aste soll in seinem ruinenhaften Zustand offeugelegt, erhalten und befestigt werden unter Benutzung des ursprünglichen Materials und unter Beibehaltung des Vorhandenen. Zum Schutze gegen die Zerstörungswut und die Raubgier einzelner roher Gesellen — leider muß cs gesagt werden - ist das Bad mit einem Drahtzaun umgeben werden. Tas Kastell selbst bedeckt in seinem heutigen llmfaug einen Raum von etwa 15000 bis 16 000 Quadratmetern und ist rings von einer Mauer und einem davorliegenden Schutzgraben umgeben, es Hal ungefähr quadratische Form, die Ecken der Mauern sind abgerundet, letztere selbst sind etwa in der Mitte durch die Tore unterbrochen. Doch ziehen sie nicht in einer geraden Linie, sondern gehen int stumpfen Winkel auf die ctivas vorgeschobenen Tore zu; sic sind jetzt bis auf ein Viertel des ganze« Umfangs freigelegt und noch bis auf l Meter Höhe und darüber gut erhalten. Als Baumaterial ist Taunusquarzit verwendet, während in der Nähe der Tore einzelne gewaltige Sandsteinquadern in die Maner eingelassen waren; in der Mitte jeder Quader befindet sich ein schmaler Schlitz, das sog. Wolfsloch, in den die Zange eingriff, an der der Stein heranfgezogen ivurde. Jedes Tor besitzt außer dem südlichen zloei Tortürme von rechteckiger Form, zwischen denen sich die Einfahrt, durchschnittlich 3>/2 Meter breit, befindet. Nur daS Südtor hat statt der beiden Türme zwei Flankenmanern. Tie Kästell- manern haben noch 1 Meter hoch über -dem Boden eine Stärke von fast 2 Meter., die Außenseite der Mauer steigt senkrecht auf, während die Innenseite anläuft, und zwar auf 1 Meter 0,10 Meter. Auf der Ost- und Südseite ist die Mauer jetzt ganz, ans der Nord- und Westseite zur Hälfte freigelegt und bis zur Wiederbefestigung mit den abgestürzten Steinen geschützt und gegen Witterungseinflüsse gesichert. Außerdem ist der nördliche Türm des Osttores auf 3 Meter Höhe, der südliche auf 1 Meter Höhe wieder auf- gerichtet worden, wobei der Grundsatz befolgt wurde, daß man, ohne eine Fälschung zu begehen, alle vor der Mauer und den Toren liegenden Steine wieder aufsetzen dürfe, da sie nur von ihnen abgestürzt sein können. Ob und wie der noch nicht freigelegte Kastellgraben an den Toren überbrückt war, wird die weitere Untersuchung lehren müssen. Von innen ist gegen die Mauer ein Wallgang aus Erde aufgeschüttet, der an der nordwestlichen Abrundung durch einen Eckturm unterbrochen wird. Das Innere des Kastells ist zum Schutz vor Verfall und weiterer Zerstörung vorläufig unter seinem Waldbestand gelassen worden; die Grabungen der Reichs-Limes- kommission haben ergebet!, daß in der südlichen Hälfte des Kastells das Hauptgebäude, die principia, gewöhnlich praetorium genannt, liegt. Bon anderen Gebäuden sind noch die neben dem jetzigen Mittelweg gelegenen, sowie das an der Nordmauer errichtete zu erwähnen; an der Westinauer liegen in der Nähe des Tores zwei Brunnen, von denen der eine bis 8,50 Meter Tiefe aufgemacht worden ist. Alles das ist aber nur der äußere, heute noch sichtbare Bestand aus der Zeit des letzten Kastellbaues; denn auch auf der Kapersburg sind, lvie bei allen anderes Kastellen, ältere Fe st n u g s a n l a g e n gefunden worden, die — kleiner als das letzte Kastell — in dieses sozusagen ein- geschachtelt sind und bei ihrer Offenlegung außerordentlich interessante Aufschlüsse namentlich an der Westseite erwarten lassen. Wir wissen, daß unter Kaiser Domitian am Ende des ersten nachchristlichen Jahrhunderts die ersten Anlagen dieser Art in unserer Gegend hergestellt und unter Hadrian erweitert und verstärkt worden sind und daß das letzte Steinkastell der Wende vom zweiten zum dritten Jahrhundert entstammt. Hand in Hand mit jedem Neubau ging eine Vergrößerung des Kastells, die nur durch eine entsprechende Vergrößerung der Truppenzahl bedingt gewesen sein kann. Während das domi- tianiscye Lager rund 7000 Quadratmeter bedeckt, umschließt das hadrianische 11000 Quadratmeter und das letzte rund 15 000 Quadratmeter. Bon wesentlichem Unterschied ist bei jedem die Umwallung: das domitianische ist ein Erd - lager, es hat als Umfassung einen tiefen Spitzgraben mit dahinterliegendem Erdwall. Nachdem diese Anlage zur Zeit Hadrians verschleift worden war, wurde ein Stein- kastell mit einer ganz eigenartigen Mauerkonstruktiou, entsprechend der der keltischen oppida, und davorliegendem Graben errichtet (siehe: der Obergermanisch-raetische Limes des Römerreichs, Lief. 27 die Kapersburg). Und schließlich wurde auch dieses teils geschleift, teils mit Brandschutt und Erde bedeckt und durch das dritte Kastell beziehungsweise zweite Stein kastel l ersetzt. Das Interessante bei diesen Umbauten ist nun, daß die Mauern der Stcin- kastelle teilweise in den verschütteten Graben des vorhergehenden Kastells eingebaut worden sind, so daß sich, besonders auf der West- und Nordseite, nicht nur die drei Gräben überschneiden, sondern ineinander überlaufen und außerdem noch die Kastellmauer und -Mauern enthalten. Hierüber haben die Reichsgrabungen schon interessante Ausschlüsse gegeben, die sich bei der vollständigen Freilegung sicher noch erweitern iverden. Die bei den Reichsgrabungen gemachten Funde werden vorläufig noch, da die Untersuchung der Kapersburg von Homburg aus geführt wurde, auf der Saalburg auf- bewahrl. Es kann hier nicht der Ort sein, auf die Münzen, Stempel usw. genauer eiuzugchen, sondern es mag genügen darauf hinzuweisen, daß hauptsächlich eine Abteilung der legio XXII Primi gen ia. via fidelis (abgekürzt PR PF oder P P F) auf der Kapersburg die Besatzung bildete. Hervorragend unter den bisherigen Funden sind eine goldene Halskette, eine goldene Nadel nnd zlvei Ringe. Auch die bisher gefundenen Bronze-Gegenstände, meist Schmuck- und Wafsenteile, sowie die Eisenstncke beanspruchen lebhaftes Interesse. Am wichtigsten sind natnr- lich die Inschriften nnd Stein den km äler: dahin gehört l. ' ein Epona - Relief, dessen Inschrift auf das Jahr 202 ii. Ehr. hinweist; 2. ein dem Genius der Veredarii gewidmeter Stein von der Wende des 2. zum 3. nachchristlichen Jahrhunderts. Die Vcredarier find eine Truppe (numerus) leichter Reiterei. 3. Eine Bauinschrift vom horrcum,' das ' von der 22. Legion errichtet worden ist. 4. Ein Altar der Fortuna aus der Mitte des dritte.« Jahrhunderts. 5. Eine Jnschriftplatte auf den Kaiser Alexander Severus (222—235). Die im Vorstehenden gebotene kurze llebersicht der Verhältnisse auf der 'Kapersburg zeigt deutlich, daß das — 664 — Unternehmen der hessischen Regierung in jeder Hinsicht bedeutungsvoll ist und allseitig Dank und Anerkennung verdient; wenn schon die meist nur durch kleine Versuchs- gräben und Querschnitte gewonnenen Erfolge der Reichs- Limeskvmmission so gewesen sind, daß sie über die ganze Anlage Klarheit geschaffen nnd eine Fülle bedeutsamer Funde geliefert haben, so darf man sich mit Recht der Hoffnung hingeben, daß die systematische Freilegung und Untersuchung des ganzen Kastells Früheres bestätigen und gering mag auch der Vorteil eingeschätzt werden, der ergänzen und Neues ans Licht bringen wird. Nicht zu gering mag auch der Vorteil eingeschätzt werden, der den Badegästen von Nauheim durch diesen neuen Ausflugspunkt in den Taunus geboten wird. VeNMZ?