37 KM Samstag den 9 Mu z i*i Der Jall Garneit. Novelle von R-inhold Optmann. Nachdruck verboten. (Fortsetzung.) Allgemach aber glaubte sie zu bemerken, das; überhaupt eine große Veränderung in Morton Rahwards Benehmen vorgegangen :var. Damals Ivar er ein junger Mann Volt unverwüstlicher «-rische und übersprudelnder Fröhlichkeit gewesen, jetzt aber lag es aus ihm wie tute Last eines verschwiegenen Kummers, der seiner Heiterkeit etwas Erkünsteltes und Gezwungenes gab. Denn in Gegenwart seiner Tante war er auch jetzt noch munter und gesprächig, wie wenn er den dringenden Wunsch hätte, die alte Dame nichts von seiner gedrückten Stimmung merken zu lassen. Sie wurde auch unverkennbar durch sein Benehmen getäuscht und es waren vielleicht einzig die scharfen Augen der Liebe, die jene Verstellung durchschauten. Sobald sie die Ueberzeugung gewonnen hatte, daß irgend ein geheimer Grain an ihm nagte, war aus Margarets Seele jeder Groll gegen Morton geschwunden. Sie hätte gewiß eilten guten Teil ihres jungen Lebens darum gegeben, wenn sie ihn hätte trösten oder ihm hätte helfen können, sein unausgesprochenes Leid zu tragen. Aber wie hätte sie es wagen dürfen, eine Frage an ihn zu richten oder ihm am Ende gar ihren Beistand anzubieten --sie, die arme Gesellschafterin, dem reichen jungen Manne, dem alle Pforten des Glücks so sveit offen standen! Ihre Absicht, weiteren Begegnungen mit Doktor Chilton cms- znweichen, hatte Margaret nur insoweit durchführen können, daß es ihr bisher glücklich gelungen war, jedes Alleinsein mit dein jungen Arzt zu vermeiden. In Miß Garnetts Gesellschaft aber sah sie ihn täglich zu wiederholten Malen, und sie konnte auch nicht verhindern, !d!aß das alte Fräulein ihm gegenüber immer wieder in Ausdrucken höchster Anerkennung von ihren liebenswürdigen Eigenschaften sprach. Dann fühlte sie selbst bei abgewandtem Gesicht ganz deutlich, daß Doktor Chiltons allzu beredte dunkle Augen mit demselben begehrlichen Feuer auf sie gerichtet waren, das ihr bei der ersten Begegnung so peinlich gewesen war, und sie wünschte sich in solchen Momenten weit fort aus seiner Nähe. Ließ er es doch auch an noch deutlicheren Zeichen seines lebhaften Interesses für sie nicht fehlen! So oft nur immer sich ihm ein Vorwand dazu bot, suchte er an ihre Seite zu gelangen. Er war niemals liebenswürdiger, geistreicher und ritterlicher, als wenn er das Wort an die junge Gesellschafterin richtete, und wiederholt schon hatte er den Versuch gemacht, heimlich ihre Hand zu ergreifen oder sich so nahe zu ihr zu neigen, daß sie erbebend den warmen Hauch seines Atems an ihrer Stirn gefühlt hatte. Miß Garnetts Arglosigkeit . und ihre kurzsichtigen Augen nahmen von alledem nichts wahr und Margaret würde niemals den Mut gehabt haben, sich bei ihr über die Zudringlichkeiten Chiltons zu beklagen. Sie wußte, daß die alte Dame von ejner geradezu rührenden Dankbarkeit für ihren Lebensretter erfüllt war, daß sie ihn nicht nur für einen sehr tüchtigen Arzt, sondern auch für einen vortrefflichen Menschen hielt und daß sie eine Verdächtigung des Doktors fast wie eine persönliche Kränkung empfunden haben würde. Sie wagte es aus diesen Gründen auch nicht, ihm geradezu unfreundlich zn begegnen, aber sie sehnte mit Ungeduld den Tag herbei, wo mit Miß Garnetts vollständiger Genesung seine ärztlichen Besuche aufhören ober doch.wenigstens seltener werden würden. Noch vor dem Eintritt dieses Zeitpunktes aber sollte eine unglückliche Stunde das Ereignis bringen, vor dem sie sich hall» instinktiv gefürchtet hatte. Sie hatte in Miß Garnetts Auftrage einige kleine Besorgungen gemacht und kehrte zur Mittagsstunde nach Hause zurück, willens, sich sogleich zu dem alten Fräulein zu begeben. Im Vorzimmer aber kam ihr Dr. Chilton entgegen- und sie war seiner zn spät ansichtig geworden, um ihm noch answeichen zu können. Schon das Glitzern seiner Augen und der unverkennbare Ausdruck der Freude aus seinem Gesicht weissagten ihr nichts Gutes. Mit einer raschen und ziemlich kurzen Erwiderung seines artigen Grußes wollte sie an ihm vorüber, aber er vertrat ihr geradezu den Weg. „Nein, heute sollen Sie mir nicht auf solche Art entschlüpfen, Miß Barrymore", sagte er. „Was habe ich denn getan, daß Sie sich vor mir fürchten?" „Ich fürchte mich durchaus nicht, Herr Doktor, aber ich werde von Miß Garnett erwartet.". „Wenn es nur das ist, was Sie hindert, mir ein paar Minuten zn opfern, so kann ich Ihnen mitteilen, daß ich Miß Garnett soeben in sanftem Schlummer gefunden habe. Es wird nicht Ihre Absicht sein, sie zu .wecken." Margaret wußte nicht, was sie ihm erwidern sollte. Sie tvar zaudernd stehen geblieben, er aber machte einen raschen Schritt auf sie zu und hatte sich, ehe sie es hindern konnte, ihrer Hand bemächtigt. „Ich kann diesen Zustand nicht länger ertragen, Miß Margaret", flüsterte er mit einer heißen Leidenschaftlichkeit, die sie tödlich erschreckte. „Sehen Sie denn nicht, wie ich leide? Ich liebe Sie — liebe Sie bis zum Wahnsinn, und ich werde irgend etwas Verzweifeltes anstellen, wenn Sie mich nicht erhören." „Herr Doktor — um Gotteswillen — —" „Warum sehen Sie mich so verängstigt an? — Bin ich Ihnen denn so schrecklich? —• Würde es Ihnen wirklich so ganz unmöglich sein, mich ein klein wenig zu liebend Sie konnte sich's selbst nicht erklären, wie es zuging, aber in diesem Augenblick war in ihrem Herzen in der Tat keine andere Regung als die einer grenzenlosen Furcht vor dem schönen großen Manne mit den funkelnden schwarzen Augen, deren Blicke wie Feuerbrände in ihre Seele zu dringen schienen. „Sie martern mich", brachte sie mit Anstrengung heran-. „Was soll ich Ihnen erwidern, ohne Sie zu kränken?" „Sie sollen mir erwidern, daß Sie mein Weib werden wollen, Margaret — das Weib eines Mannes, der Sie auf seinen Hände« — 146 -—• dnrch's Sehen tragen wird und der Ihnen alles zu bieten vermag, was Sie sich nur immer wünschen können. Ich bin schon heute kein armer Mann und ich werde eines Tages reich sein, sehr reich, denn man trägt mir ja ohne mein Zutun das Gold ins Haus. Und ich werde für nichts anderes leben als für Ihr Glück — nur sagen Sie nicht nein — nur nehmen Sie mir nicht jede Hoffnung! Ich schlvöre Ihnen, daß ich nicht imstande sein würde, es zu ertragen." Margaret hatte ihren atmen verwirrten Kopf zermartert, inn eine Antwort zu sinden, die sie von den: stürmischen Bewerber befreite nnd die er doch nicht als eine Beleidigung empfand. Und nun glaubte sie, sie gesunden zu haben. „Ich kann Ihren Antrag nicht annehmen, Herr Doktor — verzeihen Sie mir, aber ich kann nicht. Ich habe inir gelobt. Miß Garnett niemals zu verlassen." Er lachte kurz und schneidend auf. „Ist das ein Grund, um auf das Glück der Liebe zu verzichten? — Haben Sie nicht gelesen, daß das Weib Vater und Mutter verlassen soll, um dem Manne seines Herzens zu folgen. „Es kümmert mich nicht, was andere tun würden. — Mein Entschluß ist jedenfalls unwiderruflich Ich lverde nicht früher aus diesem Hanse gehen, als bis man mich fortschickt, und nichts wird mich in diesem Vorsatz beirren." Sein Atem ging rasch und ein paar Sekunden lang starrte er sie an, als ob seine Augen bis auf den Grund ihrer Seele dringen sotten. „Ist das wahrhaftig Ihr Ernst, Miß Barrhmore? — Und ist es Ihr letztes Wort?" „Ja, es ist mein letztes Wort, Herr Doktor —■ und nicht wahr? — Sie werden nun nie mehr von diesen Dingen zu mir reden?" „Das kann ich Ihnen nicht versprechen. Denn ick- gehöre nicht zu den Leuten, die so leicht ans etwas verzichten, daran ihre ganze Seele hängt. — Ich —" Er unterbrach feine Rede, denn er gewahrte, daß Morton Rayward auf der Schwelle'stand, sichtlich überrascht und betroffen von der eigentümlichen Situation, in der er den Arzt und die Gesellschafterin seiner Tante erblickte. „Ich bitte um Verzeihung, wenn ich gestört habe", sagte er mit eigentümlich gepreßt klingender Stimme. „Ich will den Herrschaften nicht durch meine Gegenwart lästig fallen." Er schien willens, sich wieder zurückzuziehen, aber Margaret war es, die ihrc daran hinderte. „Nein, nein, Mr. Rayward, Sie stören uns durchaus nicht. Ich war ohnedies eben im Begriff, auf mein Zimmer zu gehen,, da ich von Herrn Doktor Chilton hörte, daß Miß Garnett schlummert." „Als ich meine Tante soeben verließ, war sic vollkommen wach", sagte Morton, und es war ein keineswegs freundlicher Blick, mit dem er hab ei den Doktor streifte. Der aber verzog die Lippen zu einem spöttischen Lächeln und bückte sich nach! seinem aus der Hand gelegten Hute. „Dann ist sie eben durch Sie am Einschlafen verhindert Worden", warf er gleichmütig hin. „Also ich bitte Sie, Miß Barrhmore, meine Worte einer freundlichen Erwägung zu würdigen. Vielleicht habe ich ein anderes Mal das Glück, Sie in gnädigerer Laune zu treffen." Er verneigte sich leicht gegen Morton und verließ das -Zimmer. Ein paar Sekunden lang sprach keines der darin Zurückgebliebenen ein Wort. Dann endlich sagte Morton leise: „Bin ich Ihnen wirklich nicht ungelegen gekommen. Miß Margaret? — Es schien mir doch, als wären es sehr wichtige und bedeutsame Dinge, die Sie mit Doktor Chilton zu besprechen hatten." „Ich dankte dem Himmel von ganzem Herzen für Ihr Erscheinen, Mr.. Rayward! Denn niemals hatte ich mich in einer schreMcheren Verlegenheit befunden." „Chilton hatte Ihnen doch keinen Anlaß gegeben, sich über ihn zu beklagen. Ich möchte ihm wahrhaftig nicht raten, sich irgend etwas gegen Sie heraus zu nehmen." „Nein — nein, das war es nicht", wehrte sie hastig ab. >,Aber ich möchte Sie bitten, mir eine nähere Erklärung zu erlassen. Es ist ja genug, daß Doktor Chilton sicherlich niemals aus die Dinge znriickkommen wird, von denen er eben Mit mir gesprochen." Morton kam ein wenig näher auf sie zu, zögernd und besangen wie jemand, der einem unwiderstehlichen inneren Antriebe gehorcht **ri> doch mit sich selber nicht im Renten ist über das, was er tun soll. „Und wenn ich es nun erriete, welcher Art diese Dinge gewesen sind? Würderr Sie mir auch dann noch die Antwort verweigern? Er hat Ihnen von seiner Liebe gesprochen — nicht wahr? Und er hat Sie gebeten, seine Frau zu werden?" Margaret kämpte mit den heiß emporsteigenden Tränen. „Wollen nun auch Sie anfangen, mich zu auälen?" fragte fie mit schmerzlichem Vorwurf. „Ist es noch nickst genug an der Pein der Viertelstunde, die ich eben durchleben mußte?" „Nein, bei Gott, ich will Sie nicht quälen", versicherte er, während sich ein Schatten tiefer Traurigkeit über sein Gesicht legte. „Und ich erinnere mich glücklicherweise noch zur rechte» Zeit, daß ich nicht befugt bin, mich in Ihre Angelegenheiten zu mischen. Ein Mensch, der für seine eigene Person das Recht verwirkt hat, um eines Mädchens Liebe zu werben, darf anderen nicht ins Gehege kommen. Das hatte ich für einen Augenblick vergessen. Verzeihen Sie mir. Miß Barrymore!" Er verneigte sich förnclich und ging rasch hinaus. In tiefster Bestürzung blickte ihn: Margaret nach. Sie hatte den Sinn feiner Worte nicht verstanden. Soviel nur hatte sie gehört, daß ein namenloser Schmerz aus ihnen klang, und mit diesem Augenblick war es ihr zur unumstößlichen Gewißheit geworden, daß Morton Rayward sehr unglücklich sei. (Forriekung folgt.) Waul Kei Hardt. Nachdruck verboten. Zu seinem 300jährigen Geburtstage (12. März). Von Adolf Bergheimer. Das evangelische Deutschland begeht in den nächsten Tagen den 300jährigen Geburtstag des größten Dichters geistlicher Lieder. Neberall rüsten sich schon monatelang namentlich die Vereine des evangelischen Bundes sowie die Kirchengescmgvereine einer des berühmten Sängers würdigen Feier. Zum Verständnis seiner poetischen Schöpfungen sei eine kurze Lebensbetrachtung vorausgeschickt. v, , _ , Seine Lebensgeschichte bleibt, namentlccy tm Anfänge, in Dunkel gehüllt. Da die Schweden 1637 seinen Geburtsort in Asche legten, wobei die Kirchenbücher verbrannten, und da seine Eltern frühe verstorben, sind die Schulzeugnisse von der Fürstenschule zu Grimma die ältesten Berichte über ihn. Nach diesen wurde er am 12. März 1607 in Gräfenhainichen in Sachfen als Sohn des dortigen Bürgermeisters geboren. Die Fürstenschule besuchte er von 1622—27, in welchem Jahre er sich in Wittenberg als Student der Theologie immatrikulieren ließ; als solcher ist er noch 1642 dort zu finden. Ein Student im 35. Lebensjahr! Das erklärt sich aus den Zeitverhältnissen. Die Kirchenpatrone ließen nicht selten zu dieser Zeit die Pfarrvakanzen unbesetzt und den Dienst des Predigtamts durch Studenten versehen, um in der teuren Zett des 30jährigen smegeS die Kosten zu sparen. Es ist wahrscheinlich, daß Gerhardt ebenfalls Predigerdienste versah. Mit Unterbrechungen studierte er in Wittenberg weiter; wo er sich ganz bet dort herrschenden orthodoxen lutherischen Nick^ung anschloß, diese zeigte eine den Reformierten feindselige Haltung und verdammte geradezu deren Lehre; lutherische und reformierte Kanzelredner eiferten gegeneinander. Um jene Zeit kam Gerhardt als Hauslehrer in me Familie des Kammergerichtsadvokaten Barthold nach Berlin, in dieser Stellung verblieb er von 1643—51. Durch Probepredigten war er als guter Kanzelredner bekannt geworden. Das Berliner geistliche Ministerium hhlug den Kandidaten der Theologie — »b Gerhardt ein Schlußspanien bestanden hat, erscheint sraglich — dem Magistrate zu Mittenwalde, 4Meilen von Berlin, zum Probst für eine erledigte StAle vor. Gerhardt siedelte dorthin über, unt bald darauf sich seine frühere Schülerin als Gattin zu holen. Seine meisten Gedichte verdanken wir seinem dortigen Aufenthalte, der bis 1657 währte, denn ttt diesem Jahre folgte seine. Berufung als Diakon an die Nikolcn- kirche in B e r l i n. Er führte fein Amt zum Segen seiner Gemeinde, und unter wachsender Beliebtheit. An dem Ausbruch des Streites zwischen Lutheranern und den Reformierte war Gerhardt unbeteiligt; er hat über, als der Streit entbrannt war, offen und entschieoen zugunsten der Lutheraner Stellmig genommen, sodaß er auch von seinen Folgen hart betroffen wurde. Der große Kurftirn, der selbst der reformierten Lehre ergeben war, wünscht eine Bereinigung beider Konfessionen herbeizuführen. Durch . ein Edikt suchte er dem herrschenden Zustande ein Ende, zu bereiten. Ger- Nardt glaubte es mit seinem Gewissen nicht vereinbaren zu können, dem Edikte seine Unterschrift zu geben; er fürchtete damit den ersten Schritt zu tun, sich der vom Hof begünstigten reformierten Lehre anzupaffen, deshalb legte er in einem Schreiben an den Kurfürsten die Gründe seiner Weigerung dar. Der Fürst fragte nicht nach den Gewissensbedenken des Petenten, er verfügte die anderweitige Besetzung der Stelle an der Nikolaikirche. Die Gemeinde, die an dsn frommen Seelenhirten nnd berühmten Dichter mit ganzer Seele hing, zahlte ihm sein Gehalt weitert, bis er wieder eine andere Stelle gefunden hatte. Obwohl er also mit feiner Familie keinen Mangel litt, kamen nm mefk Zeit, 1667—69, andere schwere Schickungen über ihn. .Von feinen 5 Kindern starben kurz hintereinander 4, mir das vierte snnr.. Paul Friedlich- blieb am Leben; auch riß ihm der Tod seine erst 46 Jahre alte Gattin von seiner Seite. Seine'stete Beschützerin, die Kursürstin Luise Henriette, Dichterin des Liedes „Jesus meine Zuversicht" starb ebenfalls plötzlich. Da suhlte sich der Dichter vereinsamt, er sehnte sich von Berlm hinweg nach neuer Tätigkeit. Willkonnueu war ihm daher ein Ruf des Herzogs von Merseburg als Diakon nach Lübben a. d. Spree. Hier hat er noch 7 Jahre das Wort Gottes verkündet und seine Mußestunden der Ausbildung seines einzigen ihm noch gebliebenen Sohnes gewidmet. Am 7. Juni 1676 wurde er in der Kirche zu Lübben beigesetzt. Zur 300jährigen Wiederkehr seines Geburtstages errichtet ihm die Stadt ein herrliches Denkmal. Das herrlichste und unvergänglichste Denkmal sind aber seine Lieder. Als geistlicher Dichter steht er ans einer Höhe, die nicht mehr erreicht worden ist. Die Wahrheit seiner Empsin- dung, das Volksmäßige, die schöne Sprache haben seinen Liedern alle Herzen geöffnet. Bon etwa 120 poetischen Schöpfungen haben 30 im hessischen Gesangbuchs Platz gefunden. Nur ein kleiner Teil von ihnen hat seine Veranlassung in speziellen Lebenserfahrungen, z. B. das Trostlied: „Warum sollt' ich mich denn grämen? Vab ich doch Christum noch, Wer >vill den mir nehmen?" sowie die Lieder, die aus der Not des 30jährigen Krieges veranlaßt sind, vor allem das bekannte „Befiehl du deine Wege", das gereifteste, was dem Dichtermund entgnoll. Den Friedens-: schluß 1648 begrüßt er mit den Worten: „Wohl auf und nimm nur wieder dein Saitenspiet hervor, O Deutschland und sing Lieder in hohem! dollem Chor!" Die meisten Lieder stehen mit seinem äußeren Leben in keinem Zusammenhang. Es drängt ihn, Fälle des allgenreinen Lebens in einem fronrmen Liede zu verklären, und das Vergängliche mit dem Ewigen in eine tröstliche Verbindung zu setzen. Meist geschieht dies auch im Anschluß an eine Bibelstelle, an Psalmen usw., z. B. nach dem Psalm 37 dichtete er: „Gib dich zufrieden und sei stille". Hohes leistete der Dichter in seinen Krenzes- liedern. Wer denkt da nicht cm das tiefempfundene: „O Haupt boll Blut und Wunden", dessen 2 letzte Strophen: „Wenn ich einmal soll scheiden, so scheide nicht von mir" usw. schon manchem Sterbenden — man schaue auf unfern alten Kaiser Wilhelm i. — den letzten Trost Boten. Welche Zartheit zeigt der Sänger im bethlchemitischen Wiegenlied«: „Nehmt weg das Stroh, nehmt iveg das Heu, Ich will mir Blumerr holen, Daß meines Heilands Lager Auf Kränzen und Violen", welche Freiheit der Lebensbeobachtung, welch warmer Natursinn, wenn er dem ersten Sonnenstrahl entgegenjauchzt: „Wach auf mein Herz und singe dem SWpfer aller Dinge", oder wenn er am Abend die Harfe rührt: „Nun ruhen alle Wälder, Vieh, Menschen, Stadt und Felder". Der beste Beweis seiner Dichter- Weihe ist, daß er in seinen Liedern die trennende Konfession ganz vergißt, er ist nicht mehr Lutheraner, sondern Unionist, viele seiner Lieder "haben daher auch Aufnahme im Gesangbuch der Reformierten gefunden. Wie oft sind seine Lieder bei den mannigfachsten Ereignissen! zum Segen geworden; hierzu sei ein Beispiel aus Oberhessen mitgeteilt: Am 17. Sept. 1790 plünderten 500 französische Soldaten Lißberg a. !d. Nidder und steckten den Ort in Brand, wobei Se auch den greisen Pfarrer ermordeten. Ein Soldat dieser orde kam dabei in ein entlegenes Häuschen am Bergabhang, eine Witwe lag betend vor ihrem kranken Kinde auf "den Knieen. Als der Krieger mit Kolbenstößen die Tür einschlug und mit gefälltem Bajonett in die Stube-drang, breitete die Mutter ihrs Arme Mer das Kind und betete laut das Gerhardt'sche Lied: „Breit' ans di« Flügel beide O Jesu meine Freude, Will Satan mich verschlingen, So laß die Englein singen Dies Kind soll unverletzet sein." Bestürzt stand der Soldat an der Schwelle still, ließ die Waffe sinken, ging gleich wieder zur Stube hinaus und hielt Wachse vor dem Haus, um seine Insassen gegen die Raubgier seiner Kameraden zu schützen. Möge der Leser der kirchlichen Erbauungslieder das Gott- vertraueu, das den Dichter beseelte, ebenfalls finden! Wie Cesare Lombroso Spiritist wurde. In dem März-Heft der von Rudolf Presber geleiteten illustrierte Monatsschrift „Arena" findet sich ein Beitrag Lombrosos: „Wie ich Spiritist wurde", den Karlernst Knatz aus dem Manuskript übersetzt hat, und dem wir folgende Abschnitte entnehmen: „Ich war bis zum Jahre 1890 der wütendste, hartnäckigste Gegner des Spiritismus. Allen, die mich aufforderten, die Phänomene dieser Richtung einmal zu untersuchen, antwortete ich: Von einem Geist, der Tische und Sessel belebt, auch nur zu sprechen, ist einfach lächerlich, eine Offenbarung von Kräften ohne Materie ist ebenso undenkbar wie Funktionen ohne Organe, Da, eS war im Jahre 1891, geschah es, daß ich mich in meiner ärztlichen Praxis vergeblich mit einer der seltsamsten Erscheinungen herumschlug, die mir je vorgekommen ist. Ich hatte die Tochter eines hohen Beamten in meiner Heimatstadt zu pflegen; das Mädchen verfiel in der Zeit der Pubertät plötzlich in starke Hysterie unter Begleiterscheinungen, die sich weder physiologisch noch pathologisch erklären ließen. Ihre Augen verloren zeitweilig völlig die Fähigkeit zu sehen, dafür aber sah die Kranke mit dem Ohr. Sie vermochte bei mit Tüchern verbundenen Augen einige Zeilen einer Druckseite zu lesen, die man ihr vor das Ohr hielt. Brachte m!an ein Brenuglas zwischen ihr Ohr und das Sonnenlicht, so war es, als ob man ihre Augen blende; sie schrie daun laut, man wolle sie blind machen. Sie prophezeite besonders mit mathematischer Genauigkeit das, .was ihr selbst zustoßen sollte. Einmal hatte sie gesagt, sie werde in einem Monat nnB drei Tagen das unwiderstehliche Verlangen empfinden, zu beißen. Ich überwachte sie, suchte sie zu zerstreuen; ich hielt alle Uhren Im Hause an, nm sie über die Zeit hinivegzutäuschen — und trotzdem, genau an dem Tage, zur bezeichneten Stunde packte sie der Trieb zu beißen, und sie wurde erst ruhiger, als sie mehrere Kilogramm Papier mit den Zähnen zerfetzt hatte. Obgleich diefe Tatsachen nicht neu waren, so waren sie doch höchst sonderbar. Ich gestehe, daß sie mir wenigstens mit Hülfe aller bis jetzt aufgestellten Theorien der Physiologie und der Pathologie unerklärlich dünkten. Nur eins glaubte ich klar zu sehen: daß die Hysterie in diesem vorher ganz normalen Weibe neue, seltsame Kräfte v'uslöste, die auf dem Vorhandensein unbekannter Teilsinne beruhten. So kam ich zu der Vermutung, daß mich vielleicht der Spiritismus der Wahrheit näher bringen könne. Ein Jahr später, 1892, kam ich in Netapel, wohin mich eine berufliche Inspektionsreise flihrte, in Berührung mit mehreren Bewunderern der Eusapia Palladino, die mich baten, einmal ein Experiment mit diesem berühmten Medium zu wagen. Bei Hellem Tageslicht, in meinem eigenen Hotelzimmer habe ich bann, allein mit der Eusapia, den Tisch sich heben und eine Heine Trompete vom Tisch auf das Bett und toieber zurückfliegen sehen. Ich war vollkommen erschüttert und erklärte mich bereit, neue, mehr ins einzelne gehende Experimente in demselben Hotel zusammen, mit dreien meiner Kollegen zu machen. In dieser neuen Sitzung sah ich wieder die Gegenstände ihren Ort verändern, hörte Schläge ohne Ursache usw. Was mich aber am meisten frappierte, !var folgendes: .Der Vorhang des Neben- gelasses hob sich plötzlich von selbst empor und auf mich zu, er umhüllte mich mit ungeahnter Festigkeil, mehrere Sekunden lang gelang es mir nicht, mich von ihm zu befteien. Es war, ass ob der Vorhang ein metallenes Brett sei. Einen ebenso stprken Eindruck machte es auf mich, diaß ein Teller mit trockenem Mehl umgekehrt vorgefunden wurde, ohne daß das Mehl heraus- fiel. Es schien, nJS habe es die Eigenschaften der Gelatine angenommen. Das dauerte über eine Viertelstunde. In einer anderen Sitzung in Mailand sah ich aus den Aermeln meinet Rockes langsam einen Zweig mit sehr frischen Rosen, als ob man sie eben erst geschnitten habe, hervorbrechen. Ich könnte darauf verzichten, die Möglichkeit einer Täuschung oder eines Be- ttuges zu erörtern; denn wir hielten die Füße und Hände des Mediums stets fest, banden sogar einige Male ihre Füße. Trotzdem wird der Leser mich pathetisch unterbrechen und fragen: „Habt ihr euch nicht etwa von ganz gewöhnlichen Gaunern beschwindeln lassen?" Wer das bleibt Tatsache, daß bei der Eusapia absolut sichere Vorsichtsmaßregeln gegen jeden Betrug getroffen wurden, indem man ihr die Füße und Hände band, oder sic mit einem elektrischen Draht umwand, der bei der leisesten Bewegung eine Klingel zum Leuten brachte. Das Medium Politi wurde in der Gesellschaft für Psychologie in Mailand ichckt in einen Sack gesteckt und Fräulein »'Esperance ward wie ein Fisch in ein Netz eingeschlossen und trotzdem traten diese Phänomene auf. Aks ich nuu noch nach alledem Sitzung«! beiwohnte, in deueir Eusapia Palladino im Trans zutreffende und geistvolle Antworten in Sprachen gab, die sie nicht kannte, wie z. B. das Englische, ols ich schließlich die Experimente Crovkes mit Home und Katie King und anderer (ein deutsches Medium verfertigte in der Dunkelheit höchstseltsame Gemälde) sah, bla ergab ich mich der Ueberzeuguug, daß die spiritistischen Phänomene zum großen Teil zwar wirklich auf den Einfluß des Mediums, zu einem gewissen aber auch auf die Existenz überirdischer Wesen zurückgeführt werden müssen, die im Besitze von Kräften sind, für die etwa die Eigenschaften des Radiums eine Analogie bieten. Tie Lösung dieses Problems wird eines der gewaltigsten Ereignisse unseres neuen Jahrhunderts sein. Der Zar als Dichter und Musiker. Aus Petersburg wird geschrieben: Nikolaus II. ist eine so zurückhaltende 9öatur, daß man von ihm mit dem Sprichiwvrt sagen kann: er stellt sein Licht unter den Scheffel. So hat er z. B. eine hübsche poetische Gabe. Seine Gedichte haben in der Musik der Verse stets einen zarten, melancholischen Tonfall und sind von einem überwältigenden Gr-. 148 — fühl von Fatalismus erfüllt. Ms typisches Beispiel hierfür darf eines seiner letzten Gedichte bezeichnet werden, dessen Inhalt man etiva folgendermaßen verdeutschen könnte: „Mein Glück warv bei Nacht geboren und in Dunkelheit gesäugt: meines Freuveu sind, durch mein Geschick ins Herz getroffen, flüchtig zerstoben. Blind strebt meine Seele nach Erlösung, durchkältet wie bei einem Schneetreiben, vv» Zweifeln, die des Glaubens spotten, daß hienieden Frieden zu finden sei." Aehnlichc, saft verzweiflnngsvolle Stimmungen hat der Zar -n einigen Versen ausgedrückt, die er vor drei Jahren unter dem Pseudonym „Olaf" veröffentlicht hat. Sein Schwager, der Groß- Herzog von Hessen, hat diese Verse in Musik gesetzt, und Worte rind Weise bildert zusammen einen seltsam schwermütigen Gesang. In arideren Versen herrscht die religiöse Note vor. Sie singen den Ruhm der orthodoxen Kirche und ihrer Heiligen und Preisen die Tugend christlichen Opfermutes und den Verzicht auf die Güter und das Glück dieser Erde. Nikolaus II. hat sogar manche seiner Verse selbst in Töne gesetzt, da er auchüber musikalisches Talent verfügt. As ihm vor einiger Zeit aus seinenr. Galaste eilte, von ihm sehr geliebte Stradivarigeige gestohlen wurde, war er ganz außer sich und setzte Himmel und Hölle in Bewegung, um das ihm so teure Instrument wiederzuerlaugen. Einen guten Teil seiner erzwungenen Muße hat er in den letzten Jahren dazu beuutzt, sich int Spiel der Balalaika, der alten russischen Gitarre, zu vervollkommnen. Seine Stimme ist ein nicht starker, aber angenehmer und klarer Tenor. In einer kleinen Hofgesellschaft trug er vor einiger Zeit Masfenets „Mignvnne, voici l'aril" mit recht sorgfältiger Technik vor — unnötig zu berichten, daß er damit stürmischen Beifall erntete. Ueberhaupt macht mlan sich doch von der Persönlichkeit des Zaren eine recht irrige Vorstellung. Man halt ihn meist für einen körperlich gebrochenen Menschen; aber alle seine Aerzte sagen übereinstimmend, daß er von jedem organischen Fehler frei und viel 'kräftiger sei, als man ihm äusieht. Dafür spricht auckp daß er auf vielen Gebieten ein recht tüchtiger Sportsmann ist. Er ist ein guter Reiter und Schwimmer und weiß das Ruder geschickt zu führen. Im Tennisspiel hat er einen hohen Grad von Fertigkeit erreicht, währenv er im Kricknet wenig Erfolg erzielt hat. Was seine Kenntnisse anbetrifft, so beherrscht er Deutsch, Englisch und Französisch ungewöhnlich gut, und in der Geographie ist er ebenso belesen. Wenn Nikolaus II. nun auch sein Land und Volk aus der Wirrnis, zur Klarheit, aus dem dlssatentum zur Freiheit führen könnte..." r Wohlfahrtspflege auf dem Lande. In Saarburg hielt jüngst der Kreisdirektor Frhr. v. Kap- Herr einen beachtenswerten Vortrag über „Wohlfahrtspflege auf dem Lande". Der Redner ging vorerst auf den Begriff der Wohlfahrtspflege ein. Wohlfahrtspflege ist nicht Wohltätigkeit. Sie will vorbeugend wirken, während letztere eingetretene Schäden lindern oder heilen will. Die Woblfahrtspflege will auch eine Vermittlerin tzwis chen S t ad t un d L an d sein, sie zielt auf die Förderung des Wohlbehagens auf dem Lande hin und wird dadurch zur Heimatspflege. Die Wohlfahrtseinrichtungen sind wirtschaftlicher, geistiger und sittlicher Natur. Zu den ersteren gehört das Genossenschaftswesen, welches in den Kredit- und Einkaufsgenossenschaften festen Fuß fast. Much Betriebs- und Produktivgenossenschaften, vor allem Molkereigenossenschaften wirken äußerst segensreich und ebenso haben M a s ch i n e u g e n o s s c n s ch a f t e n, welche an ihre Mitglieder leihweise gegen eine ganz geringe Benutzungsgebühr solche Maschinen abgeben, deren Anschaf- fungspreis für kleine Landwirte pt ho ch i st, sich ausgebreitet. Ferner gehören hierher die verschiedensten Bersicher- ungsgenossenschaften. Andere Wohlfahrtseinrichtungen wirtschastl. Art greifen schon stärker auf das ethische Gebiet hinüber, so die Bekämpfung des Wuchers. Sehr einschneidend wirken die Spar- und Darlehnskassen. Durch ihre Tätigkeit wird dem Geld- und G rundstückwuch er Vvrgebeugt. „Der Verein gegen wucherische Ausbeutung des Volkes im Großherzogtnm Baden" edfÜllt die Aufgabe durch Ermittelung wucherischer Uebervorteilungen und Anzeige der vom Strafrecht bedrohten Fälle, durch Aufklärung der Bevölkerung durch Vorträge und Einführung einer geordneten Buchführung. Das Gebiet der Hygiene stellt der Wohlfahrtspflege ganz besondere Aufgaben, insbesondere ist es die Bekämpfung der Trunksucht, auf welche das Augenmerk gerichtet werden muß. Polizeiliche Maßnahmen wie die Säuferliste versagen in der Praxis fast ganz. Dem häuslichen Leben, der Familie muß geholfen werden durch die Ausbildung der jungen Fabrikmädchen im Haus- haltnugswesen. Tritt ohne häusliche Kenntnisse aus dem Gebiet der Wche, der Wäsche usw. eine Fabrikarbeiterin in die Ehe, so. wird der Mann in der Regel ins Wirtshaus getrieben. Die Einrichtung von Wanderhaushaltungsschulen hat außerordentlich günstig gewirkt. Die Krankenpflege sollte gefordert werden durch Anlage von 1 bis 2 Krankenzimmern in jedem, anch dem kleinsten Ort, damit Patienten aus der eigenen engen, häufig mangelhaft gelüfteten und unruhigen Behausung dort ein Unterkommen finden. Auch ein Krankenschrank, der die nötigen Krankenpflegegerätschasden Redaknon: enthält. Und eilte Krankenpflegerin sollte in jedem Dorfe sein. Der Reinlichkeit hat die Wohlfahrtspflege sich zuzuwenden und die Badestuben sollten in jedent Torfe wieder eingeführt werden. Tie Bauart der Dörfer, vielfach bedingt durch welliges Gelände und rauhe Winde, gestattet nicht die Tungstätten abseit der Dorfstraße 'zu legen. Es muß auch für die Verschönerung der Dörfer gesorgt werden durch Anpflanzen von Linden und anderen schönen Bäumen, Blumenanlagen usw., hierdurch ivird ganz besonders der Sinn für die Heimat geweckt und erhalten. Die Bolksbibliv- theken und Gemeindeabende sollten in den Dörfern den geistigen Mittelpunkt bilden. Was die Bildungsstätten aller Art dem Städter, das ist der Gemeindeabeud dem Landvolk. Als Veranstalter solcher Abende, f,welche die Schätze der Kultur und die nwderneit Bildungsstoffe im Torf bieten" wie Sohnrey sagt, gelten Lehrer, Pfarrer, größere Besitzer, Aerzte. Auf einen Vortrag ernsten Inhalts sollen dann Deklamationen, Gesäuge, Theateranssührungeu solgeu if nd alle Kreise müssen mitwivken. Ku lt ur g es ch ich tc des d e u tschen B a ue r nh a uses. Von Ehr. Ranck. Mit zahlreichen Abbildnngen int Toxt. („Aus Natur und Geisteswelt." Samiulung wisseuschaftlich-gemeinver- ständlicher Darstellungen aus allen Gebieten des Wissens.. 121. Bündchen.) Verlag von B. G. Tenbner in Leipzig.— Es ist eine erfreuliche Erscheinung unserer Zeit, daß der Deutsche nach den trüben Zeiten eines verschwontmeuen, fremde Vorbilder uach- ahmendcit Stiles sich endlich wieder ans seine Eigenart besinnt nnd im Anschluß an die lange Zeit unterbrochene Ueberlteferiuig wieder mehr und mehr zur heimischen Kunst und Bauweise zurückkehrt, Heimatschutz und Volkskunst pflegt, sich dem guten Alteni nicht nur in der Stadt, sondern auch im Dors« wieder zuwendet. So dürfte das vorliegende Bändchen, das tu anschaulicher Weise die Entwicklung des deutschen Bauernhauses in seiner reichen Formfülle schildert, jetzt von den vielen willkommen geheißen werden, die diesen Fragen ernsthaftes Interesse entgegenbriiigeit. Nach einem Ueberblick über den Urtypus des Hauses führt der Verfasser den Leser in das Heaus des germanischen Landwirts,- wie es die Römer sahen, zeigt dann die unter dem! Einfluß römischer Baukuitst vor sich gehende Entwicklung während der Völkerwanderung, wobei als Bild einer germanischen Hofstatt der Königshof des Attila eingehender beschrieben wird. Sodann wird das in den Zeiten nach der Völkerwanderung eintreteiche Bestreben nach Neu- erttitgeit im Bau und Ausstattung geschildert und dabei die für das Bauwesen dieser Zeit wichtigste Urkunde, der Plan des Klosters St. Gallen, als ideales Bild einer großen germanischen Wirtschaftsanlage genauer behandelt. Zur Vergleichung dient das Hans des germanischen Bauern in den skandinavischen Ländern, wo das nationale Haus ein so einheitliches urwüchsiges Gepräge zeigt, daß man hieraus das altgermanische Haus mit Sicherheit feststelleü kann. Dann werden wir in das Mittelalter geführt. Wir lernen verstehen, welchen Umständen die überraschende Fülle der demselben Keime entsprossenen nnd doch so weit von einander abweichenden Formen der verschiedenen deutschen Bauernhäuser ihre Entstehung verdankt. So werden dann die den einzelnen Stämmen eigentümlichen Gehöftformen behandelt: Das Alpenhaus, die Einbaiiten der Alemannen und Bayern, der fränkische Hof, das niederdeutsche uud friesische Haus. Zum Schluß wird noch das deutsche Dorf betrachtet und dabei die Vielgestaltigkeit seiner Anlage und fein Verhältnis zur umgebenden Landschaft geschildert. Siebzig Abbildungen dienen zur Veranschaulichung und ermöglichen so ein vollkommenes Verstehen des behandelten Stoffes. Möge es dem Bändchen gelingen, den Zweck zu erfüllen, den es verfolgt: in weitesten Kreisen Ächtung vor den Werken einer Baukunst zu erwecken, in der eilte neue volkstümliche Kunst Wurzel zu schlagen beginnt. Homonym, Hörst du mich? — Mit hellem Ton Künd' ich, daß die Nacht entfloh'n, Mutig zieh' ich auch zum Kampf; Ohne" mich kein Pulverdampf. Ganzen Stadien bin ich feind, Wenn mein Wamms dir rot erscheint. Für die GaS- und Wasferleituiig Bin ich gleichfalls von Bedeutung. W. (Auflösung in nächster Nummer. Auflösung des Magischen Quadrats in voriger Nummer: Crnft Heß. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'Ichen Universitäts-Buch- und Stetndruckeret. R, Lange- Virtzr»