1P07 UM I W A I - f.llä rBj Ke ir-. //- d' Hgg I < 0 o III S'Äl^j (lUfJÜI MU ei» Menschenleöen, die lügen. Roman von H. E h r h a r d t, Dcrlasscrin von „Mittellose Mädchen" Nachdruck verboten. (Fortsetzung.) Graf Scherrentin war die "Schweigsamkeit seines Zuhörers nun doch ausgefallen. Er hielt in seinen Jubelhymnen inne mtb meinte gutmütig: „Warum verlegen Sie sich nicht auch lieber aufs Solide, Tressenberg? Das Rumgeliebe überall muß Ihnen doch auch gramen, glücklich macht es Sie jedenfalls nicht." In Joachims lichtbrauncn Augen zuckte ein halb spöttisches, halb triumphierendes Flämmchen auf. „Wer sagt Ihnen, Graf, daß ich unglücklich bin? Jeder Mensch hat so seine eigene Ansicht vom Glück. Nehmen Sie an, ich finde meins bei dem Rumgeliebe, wie Sie sich so treffend ausdrücken." Jetzt klang unverkennbar Hohn durch seine Stimme. „Nun, werden Sie nicht gleich eklig, Baron!" sagte Graf Scherrentin, es bemerkend, „ich wollte Ihnen nicht zu nahe treten, dachte, weil Sie Ihre Liebesgeschichten immer jo offen betreiben, dürste man auch dran rühren. Ich verdenke Sie Ihnen ja nicht, Gott, viele von uns machen's ja nicht anders, und die heißblütige Frau Kreß ist ja verführerisch genug--—" Der Freiherr machte eine ungestüme Bewegung, als wolle er protestieren, aber ebenso rasch sank er in seine frühere Stellung zurück. Was hätte ihm ein Leugnen genutzt? Selbst der gutmütige Graf Scherrentin hätte es wohl nur anerkennenswert gefunden,' daß er diese zweifelhafte Dame nicht bloßstellen mochte. So schwieg er und der kleine Graf nahm das als Bestätigung an. Er fühlte sich unbehaglich. Der philisterhafte Geist seiner biederen Vorfahren meldete sich in dem angehenden soliden Ehe- niann und zog eine Schranke zwischen ihm und dem leichtsinnigen Kameraden. Nebenbei siel ihm ein, daß Eva den Freihcrrn nie hatte leiden mögen da tat er gut, sich beizeiten von ihm zurückzuziehen. Sein Benehmen wurde kühl und besangen und der feinfühlige Tressenberg merkte es sofort. Aber er hatte nur ein mitleidiges Lächeln für die Fahnenflucht des Menschen, der ihm als einziger > >itcr den Kameraden näher getreten war. Eine schmerzliche Wollust durchflutete ihn, eine süße Befriedigung, daß er Hanna zu Füßen sinkend, ihr würde sagen können: „Ich habe niemanden auf der Welt, der mich liebt und den ich liebe, als dich." II. Doch seine glühende Sehnsucht wurde noch tagelang auf eine harte Probe gestellt. So lange Marga sich im Hause aufhielt, gewährte Hanna dem jungen Offizier nicht die geringste Gunstbezeigung, geschweige denn die Gelegenheit, sie ungestört zu sprechen. Er wurde krank vor Ungeduld. Gegen seine Schwester, in der er die Ursache sah, daß die Geliebte sich ihm fernhielt, ließ er seinen inneren Aerger aus. Er war oft so unfreundlich gegen sie, daß Walter von Vofeck mühsam an sich hielt, ihm nicht seine verächtliche Empörung ins Gesicht zu schleudern. Auf Marga jedoch machte die lieblose Behandlung des Bruders ersichtlich wenig Eindruck. Ihre Stimmung besserte sich zusehends. Sie fing an, wieder aufzuleben. Sie war jung. Die kickste, heitere Umgebung, die viele Geselligkeit verfehlte nicht ihre Wirkung. Die Wunden, welche ja nicht eigentlich ihrem Herzen geschlagen worden waren, schlossen sich bald. .In ihre Züge kam neue Frische. Und immer rosiger färbten sich ihre Wangen, immer heiterer blickten die niatten Augen, je . öfter Hauptmann von Poseck ihre Nähe suchte. Noch war sic sich ihrer Gefühle für ihn nicht deutlich bewußt. Für's erste empfand fie nur eine warme zärtliche Dankbarkeit für die feinfühlende teilnehmende Sorge, mit der rt'fie umgab — sie vergaß ihre zertrümmerten Zukunfts- Hoffnungen und allmählich fügte sich in ihr Stein an Stein zu einem lockenden sicheren Glücksgebäude. Sie fing aic, Hanna um die Liebe Walters zu beneiden, sie wünschte wenigstens immer seine Freundschaft genießen zu können, sie sah den starken Halt in ihm, den jede Frau in dem Manne sucht, den sie liebt und sie dachte es sich schön und wonnig, sich ein einziges Mal in seine Arme zu schmiegen und ihm alles zu erzählen, was sie in den letzten Monaten gedacht, gehasst und gelitten hatte. Hanna verstand ihre diesbezüglichen Andeutungen nicht. Sie sprach nie von ihrem Onkel. Sie meinte es wohl gut, sie wollte nicht an die, ioie sic meinte, noch frische Wunde rühren und vielleicht auch Margas Eltern nicht mehr entgegenarbeitcn. Mit letzterem begründete sie auch vor ihrem Manne die stete Aufsicht, welche sie diesmal der Freundin angedeihen ließ. Der Landrat hätte die Verbindung des von ihm so geliebten Freundes mit dem anmutigen bescheidenen Mädchen sehr gern etwas gefördert, sah er doch das wachsende Interesse Beider, aber nun war Hanna es, die sagte: „Hand weg. Es war genug an dem einen Reinfall." Der Landrat wagte zwar verschiedene Argumente anzuführen, die im Gegensatz zu Kronau sehr zugunsten des neuen Bewerbers sprachen, aber Hanna blieb fest. Sie gönnte dem Paar nicht eine Minute Alleinsein. Sie wollte diese Heirat nicht. So sehr die Leidenschaft für Tressenberg auch ihr Herz ausfüllte, so gab sie doch den jungen Haupnuann ebenfalls nicht auf. Er sollte ihr treu bleiben. Die Beiden merkten nicht die Absichtlichkeit ihres Benehmens: sie dachten viel zu gut von der schönen vergötterten Frau, tisn nicht anzunehmen, daß sie in jedem Fall ihre Wünsche nur fördern, nie vereiteln würde. Und Beide meinten sie, die Blüte ihrer Neigung sei noch zu frisch, zu zart, um sie jetzt schon ans volle Licht zu zerren. Aber als sie zur Abreise gerüstet auf dem Bahnsteig stand und Walter von Poseck ihr mit seinem treuherzigen warmen Lächeln einen Strauß langstieliger roter Rosen in die Hand drückte, da klang doch eine jubelnde Stimme in ihr: „Er ist mir gut und ich ihm auch." Es leuchtete ihr verräterisch aus den feuchtschimmernden Blauaugen und umzuckte den blaßroten kleinen Mund. Scheu und doch glücklich sah sie den zierlichen Offizier an. 86 — Ihn überkam etwas Beklemmendes, das Gefühl, ein großes Glück unwiderruflich verloren zu haben, ein ungeheurer Schmerz, das; er sie heut' von sich ließ, ohne vorher das Recht erworben zu haben, sie in absehbarer Zeit aus dem einsamen traben Leben, irr das sie zurückkehrte, an sein Herz, zu retten. Er wollte sprechen, jetzt aus der Stelle noch sagen: „Ich hab dich lieb, werde mein Weib", aber da trat Hanna Gerhardt lebhaft heran, der Landrat kam liebenswürdig wie stets mit Billett und Gepäckschein — dann schlenderte der Freiherr nachlässig herbei, brachte der Schwester eine Bonbonniere und widmete sich ihr auffallend herzlich. Es tat ihm jetzt leid, ost so schroff zu ihr gewesen zu sein. . „Verlier nur deine roten Backen nicht wieder in Loßwitz! meinte er mit durchbrechender Wärme. So sah Poseck jede Verständigung mit dem geliebten Mädchen zur Unmöglichkeit werden. Er mußte sich begnügen, ihr ausdrucksvoll, sehr innig zum Abschied die 6anb zu küssen und sie verstand die stumme Sprache. Ein zitterndes beseligendes Gefühl durchströmte sie. . Am Coupsfenster stehend blickte sie nach ihm hin, durch Tränen lächelnd. Nur der Landrat las das verräterische Geständnis in dem Blick und schmunzelte freudig. Hanna, die mit Tressenberg etwas zurückstand, hatte diesem im selben Moment ebenfalls verständnisinnig zugelächelt, und Beide hatten vergessen, warum sie hier standen. Der junge Offizier flüsterte ein paar bittende Worte und ihr reizendes Köpfchen nickte Gewähr. Dann erst wandten sie ihre Aufmerksamkeit wieder der Abreisenden zu. Soeben setzte der Zug sich in Bewegung. Marga winkte mit dem Taschentuch. Ihre nassen Augen .nahmen wie durch einen Schleier nur ein einziges Bild in sich auf, den schlanken zierlichen Offizier in der dunklen Artillericunisorm, einen flatternden weißblonden Schnurrbart in einem gebräunten Gesicht, ein paar treue zärtliche Augen — und der junge Hauptmann stand und starrte der davongleitenden Wagenreihe nach, bis der blonde Mädchenkopf mit dem kleinen dunklen Pelzmützchen, das grüßende weiße Tuch seinen Blicken entschwand. III. Als Walter von Poseck, das Herz voll freudiger Zuversicht, mit Gerhardts rtnd dem Freiherrn den Bahnhof verließ, war er fest entschlossen, sobald als möglich seiner Mutter sein H^S auszuschütten und dann, von ihrem Segen begleitet, sofort um das geliebte Mädchen zu werben. Seiner Absicht stellten sich doch Abhaltungen dringlichster Art entgegen und es verstrichen mehrere Tage, ehe er sich endlich aus dem wohlbekannten Wege fand. Die Schleier des Novemberneüels und der Dämmerung umfingen ihn dicht. Ein scharfer Nordostwind riß unbarmherzig die letzten Blätter von den sich stöhnend neigenden Bäumen. Jur Herzen des Mannes aber sproßte ein Liebesfrühling, den er nie mehr für sich erhofft. Ein großes Glücksgefühl weitete seine Brust. Wie würde die alte Frau sich freuen über die Tochter, die er nun doch noch in ihre mütterlichen Arme führen wollte. Frau von Poseck saß schon bei der Lampe an dem runden Sofatisch. Beim Eintritt des Sohnes erhellte ihr gütiges Gesicht sich zu strahlender Freude, aber dem scharfen Auge Walters entging cs nicht, daß sie leidend aussah. Eine unklare bange Sorge bemächtigte sich seiner. Zärtlich forschte er nach ihrem Ergehen. Sie wollte zuerst nicht recht mit der Sprache heraus, aber da er sehr erlist die volle Wahrheit zu wissen begehrte, gestand sie endlich, daß ihr altes Magenleiden, das ihr vor Jahren schon einmal arg zu schaffen gemacht, sich neuerdings wieder einge- sunden habe. „Aber", beruhigte sie ihn lächelnd, „Lina wird mich mit ihren Kräutlein schon wieder auskurieren. Auch habe ich ncir heute von ihr Salzsäure besorgen lassen, die hat mir vor Jahren gute Dienste geleistet und wird's sicher jetzt auch tun." Aber der Sohn ließ sich nicht beschwichtigen. „Gleich morgen schicke ich dir den Sanitätsrat, Mutter, du darfst die Sache keinesfalls verschleppen, gerade so eine Magen- geschichie bringt einen Menschen höllisch herunter." „Wegen ein bißchen Magenschmerzens Junge, ich bitt' dich, er lacht mich ja aus." „Er wird nicht lachen, Mutter!" Sie waren noch in zärtlichem Streiten, als draußen hell und scharf die Entreeglocke anschlug. „Sicher Besuch!" meinte Walter sichtlich unangenehm berührt, denn ein beklemmendes Gefühl erwachte in ihm, bei der Erwägung, daß er auf diese Weise doch noch verhindert werden könnte, sich der Mutter zu ofsenbaren. Aber sein aufsteigender Groll verschwand, wie der Schnee vor der Sonne schmilzt. Es war Hanna Gerhardt, welche nach kurzem Anklopfen in der Tür erfchien, strahlend schön mit einem heiteren: „Ich darf doch? Oder störe ich Mutter Und Sohn?" auf den Lippen. Walter ging ihr rasch entgegen und küßte ihre Hand. „Sie stören nie, Frau Hanna." Es kam ihm von Herzen. Jede Andere hätte er verwünscht in dem Augenblick, aber die Frau seiner ersten Liebe nahnl eine Ausnahmestellung bei ihm ein. Frau von Poseck hatte sich ebenfalls erhoben, um dm willkommenen Gast zu begrüßen, aber die Landrätin eilte aus sie zu und drückte sie ans ihren Sosavlatz zurück. „Das wäre gar schön. Immer still sitzen bleiben, liebste Frau von Poseck, ich bin doch kein fremder Besuch, den man förmlich empfängt." Die junge Frau hatte schnell einen Lehnstuhl dicht neben den Platz der Greisin geschoben und saß nun neben ihr wie ein liebendes besorgtes Töchterchen. Ihre junge Stimme schmolz in Weichheit, da sie die Erkrankung der alten Frau bedauerte. Die streichelte dankbar ihre seinen Finger. Daun bat sie scherzhaft darum, doch nicht länger als Gesprächsstoff dienen zu müssen und ihre blassen Wangen röteten sich freudig, während sic nun dem Geplauder der jungen Leute zuhörte. Hanna sprühte heute vor glücklichem Uebermut. Ein schwüler, sinnverwirrender Hauch lag über ihrer Erscheinung. Ihr rotes Haar stahl sich etwas zerzaust unter dem schwarzen slittcrüber- säeten Hut hervor und umgab in feiner- reizvollen Unordnung doppelt verführerisch ihr weißes Gesicht, dessen Wangen in einer seltenen Glut brannten. Sie sah aus, als habe sie sich soeben an schwerem Wein berauscht. In den zarten Dust von white rose, der ihre Gestalt stets umschwebte, mischte sich für die feine Nase des Hauptmanns plötzlich ein leichter Zigarettengeruch. Da er selbst nie Zigaretten rauchte, mußte er von der jungen Frau ausgehen. „Seit wann rauchen Sie, Frau Hanna?" fragte er ganz unvermittelt in der neckenden Vertraulichkeit, welche nur er sich ihr gegenüber gestatten durfte. Ihre Augenlider zuckten ein wenig, als wollte sie dieselben senken, doch statt dessen hob sie den offenen Blick und sagte mit der verschämten, ängstlichen Osfenheit eines ertappten Kindes: „Riecht man's? O weh, verraten Sie mich nicht, bester Herr von Poseck, ich käme nicht gern in den Ruf einer Emanzipierten. Ich til's nur manchmal heimlich." Des Mannes Blick war fast zärtlich. „Eine unschuldige Heimlichkeit, und Sie haben ganz recht, nicht öffentlich zu rauchen. Es würbe so schlecht zn Ihrem — Bilde passen." Er verschluckte die schmeichelhaften Worte,welche er hatte einfügen wollen, aber Hanna ersetzte sich dieselben im Geiste ganz richtig, -hr eitles Herz triumphierte. Sie sah ^-^rgas Stern sinken. Ihr Scharfblick hatte ihr sofort verraten oas den Hauptmann heute zu seiner Mutter geführt hatte und auch, daß es zu einem Geständnis seinerseits noch nicht gekommen war. Das wollte sie auch heute noch verhindern. Sie filie'- lange und als sie endlich ging, hätte der galante Ofsizier au. ohne ihre Aufsorderung cs für selbstverständlich erachtet, sie . ach Hause zu begleiten. So konnte es geschehen, daß er sich an dem Abend abermals zur Ruhe legte, ohne daß seine Werbung um Marga auf dem Wege nach Loßwitz war. — Der nächstfolgende Tag brachte ihm die Hiobspost, daß seine Mutter früh beim Aufstehen einen Ohnmachtsanfall gehabt hatte und der herbeigerufene Arzt strenge Bettruhe und sorgfältigste Pflege verordnet habe. Er ließ sich vom Dienst dispensieren und eilte zu ihr. Sie lag schwach und teilnahmlos in ihren Kissen, fieberte etwas und hatte arge Schmerzen. Ter alte Arzt, den Walter gerade bei ihr antraf, hielt in seinem Urteil sehr zurück. Der junge Offizier fühlte, daß er ein schlimmeres Leiden befürchtete, als nur einen fieberhaften Magenkatarrh. Er war außer sich vor Schmerz und Angst. Sein ganzes Sorgen galt jetzt nur der armen Leidenden. Jede Minute seiner dienstfreien Zeit widmete er ihr. Wohl dachte et oft und sehnsüchtig an das einsame Mädchen, dem er so viel freudiges Hoffen mit auf den Heimweg gegeben und das er nun ohne Nachricht ließ, aber die Verehrung stir die, deren ganzes Leben eine Kette von Liebesbeweisen für ihn gewesen, verdrängte alle mit dem Schicksal hadernden Gedanken. Marga konnte ja semer Liebe sicher sein und war die ihre eckst, so würde sie cm.ich diese Prüfungszeit des Hangens und Bangens siegreich überdauern. Hanna Gerhardt, der er sich in einer mutlosen Stunde an- verrraitt hatte, bot ihm zwar an, Marga in seinem Namen die 87 nötigen Aufklärungen über sein Schweigen zu gebe», aber das lehme er ab. So gut sie es meinen mochte, es sollte kein Drittes zwischen ihn und das geliebte Mädchen treten. Was hätte er gesagt, hätte er erfahren, daß die uneigennützige, wohlmeinende Freundin an Marga schrieb, von Frau von Posecks Krankheit flüchtig Erwähnung tat und hinzufügte, daß der Hanpt- mann nach wie vor täglicher Gast im Landratshause sei? Er würde beit Brief eher für eine Fälschung gehalten, als an Hannas edlem Charakter gezweifelt haben. War es doch geradezu rührend, Ivie sie für das Leben seiner Mutter zitterte, bei der sich doch ein schweres, in Kürze eine Operation bedingendes Magenleiden entwickelt hatte. Fast täglich schlüpfte die reizende Frau gegen Abend in das dämmerige Krankenzimmer und saß still, wie eingeschüchtert von der Majestät des drohenden Todes, an dem Bett der Leidenden. In Wahrheit dachte sie sehr wenig an die arme Kranke, sondern nur an Joachim, aus dessen Armen sie meist kam. In der Stille und Dunkelheit neben der ruhig liegenden Greisin durchkostete sie noch ein zweites Mal alle Wonnen des Zusammenseins mit dem Geliebten. Zuweilen holte der Landrat sie abends ab. Oft aber schickte er ihr, wenn er viel zu arbeiten hatte, nur den Wagen. Tann gestattete Hanna nie, daß der Hauptmann sie bis herunter geleitete, er sollte sich die Stunden, welche er bei feiner Mutter -zubringen durfte, nicht ihretwegen verkürzen. Kam sie dann allein diel Treppe hinunter, so wartete schon Joachim in dem matt erhellten Flur und sie tauschten noch einen glühenden Abschiedskuß. Das bildete einen Pikanten Gegensatz zu der Komödie- der barmherzigen Schwester, welche sie oben ausführte. Dies Doppelspiel war die prickelnde Erregung, welche ihre Nerven brauchten. Aber auch ohne das hätten die heimlichen Besuche bei dem Geliebten einen stets neuen, bestrickenden Reiz für sie gehabt. Von dem Augenblick, da sie die nur angelehnte Tür öffnete, war es ihr, als beträte sie eine fremde, geheimnisvolle Welt. lind doch war es stets dasselbe. Das behaglich erwärmte, elegante Zimmer, an dessen rosiges Halbdunkel das Auge sich erst langsam gewöhnen mußte, in der Luft ein Gemisch von seinem Zigarettengeruch und dem Duft eines Veilchenparfüms, eine schwüle Atmosphäre, die durchtränkt zu sein schien von Leidenschaft, Poesie und Schwermut, eine Atmosphäre, die den Atem beklemmte und das' Blut schneller durch die Adern trieb. Und immer ein lichtes Zögern ihrerseits an der Tür, bis seine schlanke Gestalt nut elaitischen Schritten, deren Schall der weiche Teppich völlig dämpie, auf sie zukam und sie mit stürmischer Leidenschaft in seine Arme schloß. Kaum, daß er ihr Zeit ließ, Hut und Jacke abzulegen. In einen der Lehnstühle zog er sie auf seine Knie. Die flauen, weichen Männerlippen, deren Kuß sie mit halb offenem Munde m sich einsog' wie ein süßes Gift, sagten ihr tausend Lleoesworte, während der vorsichtig herabgetönte Laut seiner Stimme an und für sich schon wie eine Liebkosung klang. (Fortsetzung folgt.' Ire Intessigenj der WkuM"N. Unter diesem Titel veröffentlicht Maurice Maeterlinck einen längeren, glänzend geschriebenen Essay in der Januarnummer der bei S. Fischer (Berlin) erscheinenden „Neuen Rundschau". Maeterlinck berichtet darin über eine reiche Fülle fesselnder Einzel- beobachtungen, und kommt vor allem eingehend auf eine der interessantesten botanischen Gattungen, die Orchideen, zu sprechen. Aus dem Schlußwort des Essays, das das philosophische Resultat der Abhandlung übersichtlich herauszuarbeiten sucht, zitieren wir die folgenden Abschnitte: Alas aber beobachten wir nun, indem wir die Natur in Käulchen, die allgemeine Intelligenz oder den universellen Geist (der Name tut nichts zur Sache) in der Orchideen- n und um nur das Eine zu streifen, denn der Gegenstand wurde eine Spezialstudie erfordern, zunächst dieses, "U' ^ceal von Schönheit und Heiterkeit, ihre Bersührungs- knnste, ihre ästhetischen Geschmacksrichtungen den unseren sehr nahe stehen. Oder, um uns korrekter auszudrücken, die unseren sind den ihren angepaßt. Es ist in der Tat sehr unsicher, daß wir eine uns allem gehörende Schönheit erfunden hätten. Alle untere architektonischen und musikalischen Motive, alle unsere Farben- und Llchtharmonien usw. sind unmittelbar der Natur entlehnt. Ich will nicht erst von Meer, Gebirge, Himmel, ptacht und Dämmerung reden, um unseren Gegenstand nicht zu verlassen: aber was könnte man z. B. über die Schönheit der Bäume sagen? Ich spreche nicht nur vom Baume im " Walde, der eine der Möchte der Erde ist, ja vielleiM die Hauptquelle' unserer Instinkte, unseres Weltgesühls, sondern von dem Baume an sich, deut einzelnen Baume, dessen, grünes Alter von tausend Jahreszeiten bedeckt ist. Unter den Eindrücken, die tntfet ganzes Dasein ohne unser Wissen mit einer durchsichtigen Glocke umgeben, ja vielleicht feinen unterirdischen Reichtum an Glück und Ruhe ausmachen, hat jeder von uns die Erinnerung an ein paar schöne Bäume. Wenn man die Mitte des Lebens hinter sich fühlt, und das Ende der Periode des Staunens erreicht, wenn man ungefähr alle Eindrücke, empfangen hat, die Kunst, Genius und Luxus der Zeiten und Menschen einem geben können, wenn man vieles empfunden und miteinander verglichen hat, so kommt man zu sehr einfachen Erinnerungen zurück. Sie lassen zwei oder drei unschuldige Bilder am geläuterten Horizonte entstehen, so unveränderlich und frisch, daß man sie in den letzten Schlaf mit hinübernehmen möchte, wenn anders es wahr ist, daß ein Bild die Schwelle überschreite» kann, die beide Welten trennt. Ich für meinen Teil glaube nicht an ein Paradies, an ein Leben nach dem Tode, so prächtig es auch werden mag, wo nickst eine herrliche Eiche aus Sainte-Beaume*), eine Zypresse oder Pinie aus Florenz oder der schlichten Einsiedelei in der Nähe meines Hauses stünde, die dem Wanderer ein Vorbild aller großen Taten des notweiidigen Widerstandes, des friedlichen Mutes, des Aufschwunges, des Ernstes und des schweigendeii Sieges der Beharrlichkeit geben. Doch ich komme zu weit ab. Ich wollte nur anläßlich der Blumen bemerken, daß die Natur, wenn sie sich schmücken und gefallen will, wenn sie erfreuen und beglücken will, ungefähr das Gleiche tut, was wir taten, wenn wir über ihre Schätze verfügten. Ich weiß wohl, ich spreche hier etwas wie jener Bischof, der die Güte der Vorsehung bewunderte., weil sie die großen Flüsse immer an . großen Städten vorbeisiießen ließe, aber es ist schwer, diese Dinge mit anderen als menschlichen Augen zu betrachten. Unter diesem Gesichtspunkte aber müssen wir zugeben, daß toir nur wenige Zeichen für den Ausdruck des Glückes hätten, wenn wir die Blumen nicht kennten. Um die Macht ihrer Heiterkeit und Schönheit recht zu beurteilen, muß man in einem Lande wohnen, wo sie ungeteilt herrschen, wie in meinem Provence! ischen Weltwinkel zwischen Siague und Lonp, wo ich diese Zeilen schreibe. Hier ist Flora in der Tat die einzige Beherrscherin von Tal und Hügel. Die Bauern haben die Ge- wohnheit verloren, Getreide zu bauen, als ob sie nur noch den Bedürfnissen' einer veredelten Menschheit zu genügen hätten, die sich von Ambrosia und süßen Düften nährt. Die Felder bilden nur noch einen unaufhörlich sich erneuernden Strauß, und der Reigen ihrer Düfte scheint sich durch das ganze azurene Jahr zu schlingen. Anenwuen, Levkojen, Mimosen, Veilchen, Nelken, Nar- zissen, Hyazinthen, Reseda und Jasmin erfüllen die Tage und Nächte, die Winter-, Sommer-, Lenz- und Herbsttage mit ihrem Dufte. Mer die Stunde der größten Pracht ist die Rosenblüte cm Mai. Din» ergießt sich von den BerglelMen bis zu den Hohlwegen der Ebenen, zwischen den Terrassen der Bignen und Oel- betge ein wahrer Strom von Rosen, aus dem die Häuser und Bäume hervortauchen, ein Strom in den Farben, die wir der Jugend, der Gesundheit und Freude geben. Dieser warme und doch so frische Dust, der die Luft zu weiten, der den Himmel zu öffnen scheint, strömt, so meinen wir, aus den Quellen der Glückseligkeit selbst. Die Straßen und Fußpfade sind in das Mark der Blume, in den Stofs des Paradieses selbst geschnitten. Zum erstenmal im Leben scheint man einen befriedigenden Anblick des Glückes zu haben. Stets von unserem menschlichen Gesichtspunkte ausgehend, und um in der so nötigen Illusion zu verharren, möge zu der ersten Bemerkung noch eine zweite treten, die etwas höher, etwas weniger gewagt und vielleicht folgenschwer ist: daß der Genius der Erde, der wahrscheinlich der des Weltalls ist, im Lebenskämpfe genau ebenso verfährt, wie ein Mensch handeln, würde. Er benutzt die gleichen Methoden, die gleiche Logik. Er kommt mit den gleichen Mitteln zum Ziel, die auch wir anwenden würde». Er tastet, zaudert, kommt auf Altes zurück, fügt hinzu, merzt aus, erkennt und berichtigt feine Irrtümer, lote wir es an seiner Statt tun würden. Er nimmt alle Kraft zusammen, erfindet mühsam und Schritt für Schritt, ganz wie die Arbeiter und Ingenieure unserer Werkstätten. Er kampck gleich uns gegen die schwere, riesige und dunkle Masse seines Wesens. Er weiß ebensowenig wie wir, wohin er geht: er sucht sich und entdeckt sich nach und nach. Er hat ein ost verworrenes Ideal, in dem man gleichwohl eine Anzahl großer Linien entdeckt, die sich zu einem glühenderen, komplizierteren, nervöseren, geistigeren Leben erheben. In materieller Hinsicht verfügt er über unerhörte Hülssquellen; er kennt das Geheimnis der wunderbaren, uns unbekannten Kräfte; aber in geistiger Hinsicht scheint er genau unsere Sphäre innezuhalten; wir können bis jetzt nicht seststellen, daß er seine Grenzen überschreitet, und wenn er jenseits davon nichts schöpst — heißt das nicht soviel, als daß es jenseits dieser Sphäre nichts gibt? Heißt das nicht, daß die Methoden des Menschengeistes die einzig möglichen sind, daß der Mensch sich nicht getäuscht hat, daß er weder eine Ausnahme noch ein Ungeheuer ist, sondern das Wesen, durch das die großen Willensstrebungen und Wünsche der Welt am intensivsten hindurchgehen und sich am intensivsten kundgeben? *) Grotte und uralter Wald in der Gegend von Marseille, wo nach der Legende die. U. Magdalene ihre Tage beschloß. D Ueberj. — 88 Wir werden in die Welt ausgesetzt, wie verkappte Falken, und was wir außer uns sehen, ist höchst ungewiß. Die Merk- zeichen unseres Bewußtseins tauchen langsam und spärlich auf. Vielleicht reicht Platas berühmtes Gleichnis von der Höhle, an deren Wanden sich unerklärliche Schatten zeigen, nicht mehr hin, aber wenn man ein neues, genaueres Bild an seine Stelle setzen wollte, so wäre dieses nicht tröstlicher. Man denke sich diese Höhle vergrößert und nie dränge ein Lichtstrahl hinein. Mit Ausnahme von Licht und Feuer hätte man sie sorgsMig nnt allem versehen, was unsere Zivilisation bietet, und die Menschen wären von klein auf darin gefangen. Sie würden sich nicht nach dem Lichte sehnen, das sie nie gesehen haben; sie wären nicht blind und ihre Augen nicht tot, aber da sie nichts. zu sehen hätten, würden sie wahrscheinlich zum sensibelsten Tastorgan werden. _ „ Um uns in ihren Gebärden wiederzuerkennen, stellen wrr uns diese Unglücklichen inmitten von allen den unbekannten Gegenständen vor, die sie umgeben. Wie viele wunderliche Irrtümer, unglaubliche Mißgriffe und unerwartete Erklärungen gave es da! Aber wie rührend und oft genial wäre es anzusehen, wie sie aus den Dingen, die nicht für die Nacht geschaffen sind, ihren Vorteil zögen! . . . Wie oft würden sie das Rechte getroffen haben, und wie groß wäre ihr Staunen, wenn sie plötzlich bei hellem Tageslicht erkennen, welcher Art die Apparate und Werkzeuge sind und wozu sie wirklich dienen, die sie in der Ungewißheit ihrer Finsternis so gut wie möglich benützt hatten 1 Und doch scheint ihre Lage, mit der unseren verglichen, leicht und einfach. Das Mysterium, in dem sie herumtasten, ist begrenzt. Ihnen fehlt nur ein Sinn, während es unmöglich ist, zu sagen. Wie viele uns fehlen. Ihre Irrtümer haben nur eine Ursache, und die unseren zahllose. Und da wir in solch einer Höhle leben, ist es da Nicht von Belang, wenn man feststellen kann, daß die Macht, die uns hineingesetzt hat, oft und in wichtigen Punkten ebenso verfährt, wie wir selbst? Es ist ein Lichtblick in unsere Höhle, der uns zeigt, daß wir uns nicht ü6er den Gebrauch aller in ihr befindlichen Gegenstände getäuscht haben. Diese Feststellung scheint mir zu den beruhigendsten zu gehören, die man machen kann. Wir haben lange Zeit soviel törichten Stolz darein gesetzt, uns für wunderbare, einzige und seltsam zufällige Wesen zu halten, die wahrscheinlich aus einer anderen Welt gefallen srnd, ohne sichere Bande, die uns mit dem übrigen Leben verknüpften, und jedenfalls mit' einer ungewohnten, unvergleichlichen und ungeheuerlichen Fähigkeit begabt. Es ist bei weitem vorzuziehen, daß wir keineswegs so wunderbar sind, denn wir haben gelernt, daß die Wunder in der normalen Naturentwicklung rasch verschwinden. Es ist viel trö,t- licher, festzustellen, daß wir den gleichen Weg gehen, wie d-e Weltseele, ja, daß wir die gleichen Gedanken, Hoffnungen, Prüfungen und fast den gleichen Charakter hätten, wenn wir nicht unseren besonderen Traum von Gerechtigkeit und Mitleid besäßen. Nichts ist beruhigender, als die Gewißheit, daß wir zur Verbesserung unseres Loses, zur Nutzbarmachung unserer Kräfte, wie der Gesetze und Gelegenheiten der Materie genau die gleichen Mittel anwenden wie sie, um ihre ununterworsenen, unbewußten, ungeordneten Teile zu besiegen, zu erleuchten und zu ordnen, daß es keine anderen gibt, daß wir in der Wahrheit find und auf unserem rechten Platze, daß wir zu Haufe sind in dieser Welt, die aus unbekannten Stoffen geknetet ist, deren Denken für uns jedoch nicht undurchdringlich und gegen uns nicht feindlich ist, sondern dem unseren analog und entsprechend. Wenn die Natur allwissend wäre, wenn sie sich nie irrte, wenn sie überall und in allen ihren Unternehmungen von An-^ fang an vollkommen, unsehlbar und sicher wäre, wenn sie in allen Dingen eine unermeßlich höhere Vernunft entfaltete, als die unsere ist, so müßten wir sie fürchten und den Mut verlieren. Wir müßten uns für das Opfer und die Beute einer fremden Macht halten, die wir nie hoffen dürften, zu erkennen und zu ermessen. Es ist bei weitem vorzuziehen, wenn man sich überzeugen kann, daß diese Kraft — wenigstens in intellektueller Hinsicht — der unseren eng verwandt ist. Unser Geist schöpft aus den gleichen Quellen wie der ihre. Wir gehören derselben Welt an und sind fast gleich und gleich. Wir verkehren nicht mehr mit nnerreichbaren Göttern, sondern mit einem zwar verhüllten, aber brüderlichen Willen, den es zu belauschen und zu leiten gilt. Pracht, an der Schönheit der weiten, tut Sonnenglauze funkelnden Schneeflächen, Täler und Berge, und seinen Körper zu verjüngen in der erfrischenden, klaren Winterluft. Nun erst der Wintersport ! In feiner Ausübung ist wohl die wirksamste Waffe im Kampfe gegen die moderne Krankheit, die Nervosität, zu erblicken und nichts ist besser geeignet, Körper und Geist mit neuer Lebenskraft zu erfüllen! Die Erkenntnis von seiner großen kulturellen, und wirtschaftlichen Bedeutung hat zwar in den letzten Jahren recht weit um sich gegriffen, aber lange noch nicht so, wie es der Wintersport verdient. Da halten wir es nun für unsere Pflicht, aus eine Zeitschrift hinzuweisen, die seit Jahren in Wort und Bild 'ür die Schönheit des Winters und die Bedeutung des Wintersports wirksam eingetreten ist. Wir meinen die Deutsche Alpenzeit u n g. Diese hervorragende Zeitschrift bringt in der Winterzeit in fedein Hefte interessante, belehrende Aufsätze über alle Arten des Wintersports, vor allem über den Skilauf, den Eislauf, das Schlitteln etc., dann Beschreibungen interessanter Wintertouren, sonniger Schncesahrten über Berg und Tal und vieles mehr, «illes das in einem geradezu glänzenden, illustrativen Gewände. Jedem Naturfreunde, jedem Wintcrfportler und allen denen, die es werden möchten, empfehlen wir, sich dieses ausgezeichnete Blatt zu eigen zu machen. Gegen Einsendung von 50 Psg. als Porto-Ersatz stellt der Verlag (München, Fmkenstr. 2) jedem Interessenten einen Probeband mit ea. 120 Textbildern und 1.2 Kunstblättern zur Verfügung. Mode, Mode von Heute. Halbmonatsschrift für die Interessen der Frauenwelt. Verlag: „Mode von heute", G. m. b. H., Frankfurt a. M. Nummer 2 dieses Mode- und Familienblattcs tragt im praktischen wie im belletristischen Teile stimmungsvoll der „Saison" Rechnung. Ball- und Gesellschaftstoilette sind m erster Linie berücksichtigt, und man hat auch nicht vergessen, den rnngen Damen, die zum erstenmal die Freuden der winterlichen w» selligkeit durchkosten sollen, Rat in der Kvstüntfrage zu erteilen. Auch dem Prinzen Karneval wird nach Gebühr gehuldigt, und zwar in einer Weise, die sowohl Gnade vor den Augen des närrischen Herrschers als denen seiner Getreuen in den Krrrfen unserer Damenwelt finden wird. Was das Heft an „Maskenkostümen" und „Karnevalmoden" — darunter auch solche für Kinder — darbietet, erhebt sich bezüglich Neuheit, Originalität und künstlerischem Wert, außerdem auch bezüglich der bildlichen Darstelliing, weit über die herkömmliche Schablone. Größere reichillustrierte Artikel sind der Baby-Ausstattung, den Handarbeiten, der Anfertigung und Ausschmückung von Paramenten und der Herstellung von Tarfo-Arbeiten gewidmet. Der belletristische Teil bringt neben der Romansortsetzung eine Skizze von Alberta von Puttkamer, „Eine Begegnuiig mit Berthold Auerbach", die in wenigen flotten Strichen ein Charakterbild des liebenswürdigen Erzählers zeichnet. Paul Lindenberg gibt in der Rubrik „Ereignisse und Erlebnisse aus der Frauenwelt" zu einem Porträt Alberta von Puttkamers eine Würdigung der Dichterin und interessante auwbiographische Notizen, lieber die „Schönheit der Mode" plaudert Balduin Groller. Em etwas peinliches Thema behandelt „ernsthast" unter dem Titeli „Die richtige Ballmutter" Hans Arnold. Daß die mit so .köstlichem Humor begabte Schriststellerin — Hans Arnold ist eine Frau von Bülow — auch bei dieser „ernsthaften Betrachtung" den Schalk nicht verleugiiet, gibt ihrer Ehrenrettung der »Ball- mutter", die wir alle recht ernst itehmen sollten, erst die prickelnde Würze. In „Prinz Karnevals Zaubcrreich" führt anmutig plaudernd A. Trinius, indem er die Fabrikation von Karnevalsartikeln in dem gothaischen Dorf Manebach schildert. Dort werden als Spezialität alle die bunten Dinge hergestellt, die Prinz Karneval für seine ausgelassenen Völkerfcharen bedarf, dort hängen die grotesken Gesichtsmasken zu Tausenden zum Trocknen auf den Gartenzäunem Aus dem reichen Inhalt des Heftes seien noch die Plaudereien „Aus dem Kunstgebiet", „Aus der Gesellschaft", die Ratschläge für Haus, Küche und Garten, die der Unterhaltung und Pflege unserer Kinder gewidmeten Aussätze besonders erwähnt. Lsgogriph. Nachdruck verboten. Wie man aus Mücken Elefanten zimmert, Tarum hab' ich mich zivar noch nie bekümmert. Doch wird ein ähnlich Wunder hier erreicht: Tu nimmst ein (lern’ Gewicht, nniagbar leicht, Alan findet's auf des Apothekers Waage, Und fügst ein kleines „e” dem Worte an, Nun wtrd's zum R o 6 aus einer dentfchen Sage, Das im Theater man bewundern kann. n. Auslösung in nächster Nummer. Auflösung des Bilder-Nätsels in voriger Nummer: Brauselimonade. Vermiete», * Winter — Winterpracht — Wintersport. Es ist leider wahr, der unbeschreibliche Zauber des Winters, der Natur im Wiuterklcibe, die gewaltigen hygienischen Heilerfolge des Winterklimas finden — insbesondere beim Stadtpublrkum — immer noch nicht das Verständnis, das ihnen im Interesse unserer überarbeiteten Menschheit und unserer Gesamtkfcktur zu wünschen ist. Nein, lieber hockt der Städter in freien Stunden Hinterm warmen Ofen ober in rauchgeschwängerten Lokalen, anstatt hinauszuwandern und sich zu erquicken an der Poesie der WinterRedakuonr Ern st Heb. — Rolarwnsdruck und Verlag der Brübl'scben UniDeriiiAts-Siucb- und Siemdruckeret. R. Lange, Gießen-