Montag den 8. Juli 1807 N ZA «SA sBI »v\ u. ct WW Jun Ken rrnter der Asche. \ Roman von M. Proßnitz (M. Nörenberg). Unbefugter Nachdruck wird gerichtlich verfolgt. (Fortsetzung.) „Bitte, Magnus, laß das. Tu kannst doch wohl nicht im Ernst erwarten, daß ich mir in dein einen Augenblick die schmachvollsten Verdächtigungen von dir hinnehme und mich int nächsten Moment geduldig von dir Assen und umarmen lasse! Ich glaube nicht, daß ein Bräutigam seiner Braut schlimmere Tinge sagen kann, alS du es eben tatest. Und daß du es tun konntest . . i beweist mir nur zu deutlich, daß du mich nicht so achtest, wie es nach meiner Ansicht unumgänglich nötig ist bei einer harmonischen Ehe . . . Und darum bitte ich dich, gib mich frei! . . . Laß uns in Frieden scheiden . . . Habe Dank für alles Gute, daß du mir während unserer Veriobungszeit erwiesen hast und — bewahre mir ein gutes Andenken, denn wenn du erst ruhiger ge- worden bist, hoffe ich, wirst du auch einsehen, wie bitter unrecht du mir mit deinem Verdacht tatest !" Langsam hatte die Baroneß bei den letzten Worten mit zitternder Hand den schmalen Goldreif vvm Finger gezogen. Er klirrte leise, als sie ihn »auf die blankgebohnte Schrcibtiich^- platte legte. Schweigend neigte Dagmar noch einmal das blasse Antlitz, dann wandte sie sich aus dem Zimmer. — Mit weit geöffneten Augen hatte Veltlingen ihrem Beginnen zugesehen. Wachte oder träumte er? War das wirklich Dagmar, seine Tagmar, die sich da soeben für alle Zeiten von ihm wandte, die da langsam, ohne auch nur noch einen Blick auf ihn zu tverfen, zur Tür schritt. Und weiin diese Tür ins Schloß siel, dann sollte der schöne Gedanke, Tagmar bald ganz sein eigen zu nennen, nur ein Traum gewesen sein? Geradezu lächerlich kam ihm sein Verdacht vor, seit er nt ihren klaren Augen eine so Helle Empörung darüber gelesen hatte. Und lieben diesem deurlichcit Gefühl der Verlegenheit über feilt Vorgehen, beschlich ihn plötzlich ein anderes Empfinden. Tas wuchs und breitete sich mit rasender Geschwindigkeit die Angst. . . Heiße, herzbeklemmende Angst war es, die ihm auf einmal den Atem versetzte, seinen Puls unruhig und schwer klopfen ließ. Wenn er Tagmär nun wirtlich verloren hatte, unwiederbringlich verloren hatte, was dann? Seine KOle war ihm wie zugeschnürt. Er wollte sprechen pich konnte es nicht. Zweimal öffnete er vergeblich die Lippen ~ kein Ton drang daraus hervor!... Tie Baroneß wär grade int Begriff, die nach ihrem Schlaf- ziminer führende Tür zu öffnen, als Veltlingen endlich seine Stimme gehorchte. „Dagmar!" Nur dieses ein« kurz« Wort. Aber es war ein Klang darin, der die Gernfene veranlaßte, zögernd ihren Schritt zu hemmen. >,Tagmar!" tönte es von neuem durch die unheimliche Stille, Stilb wieder lag der eigene Klang in dem Wort. Schweigend wandte die Gerufene sich zurück. Erstaunt und fragend sahen ihre großen, jetzt von verhaltenen Tränen schimmerns den Augen ihn au. „Was willst du noch?" stand klar und deutlich darin. . Mit zwei Schritten war Beltliiigen neben ihr. Sem Atem ging hart und schwer, als er, sichtlich unter dem Zwang einer tiefen Bewegung, leidenschaftlich sagte: „Bleib', Tagmar, ich bitte dich darum." Schweigend willfahrtet« sie, unwillkürlich von dem Ton seiner Worte ergriffen. Mit einer müden, hoffnungslosen Bewegung ließ sie sich auf das Sofa -nieder. Die Augen ,est zu Loden gerichtet, die schmalen Hände ineinander gefaltet, so saß sie da. Wenige Schritte von ihr, am Schreibtisch, stand Veltlingen. Nervös faßten seine Hände bald diesen, bald jenen Gegenstand, ohne daß er sich dessen bewußt ward. War seine Seele doch völlig bei dem, wovon er jetzt zu Dagmar sprach, bei der Sorge, sie, seine trotz aller Eifersucht heißgeliebte Braut, zu verlieren. Wohl hatte anfänglich bei seinen Worten ein bitteres Lächeln Tagmars Züge überflogen, di« dunkle Röte der Scham ihre eben noch so blassen Wangeii wieder purpurn gefärbt, aber sie hob doch lauschend den Kopf bei den warmen, echten Herzens^ tönen, die er anzuschlagen wußte, als er von den bitteren Erfahrungen sprach, die ihm das Leben stets grade da gebracht, wo. er es am wenigsten erwartet habe. Als Tagmiar verletzt emporsah, blickt« er sie freimütig an. „Denke nicht, id!aß ich dich auch nur sekundenlang mit tief unter dir Stehenden zu vergleichen wagte. Ich wollte das nur als eine gewisse Entschuldigung für das Mißtrauen anführen, das sich mir seitdem unauslöschlich eingeprägt hat. Und dann kommt in diesem Fall noch eins hinzu, was mich schon vorher schwere Bedenken geltet hatte. Tu bist jung und lebensfrisch und ich — bin alt. Ich hatte dir nur mein heißes Herz — meinen Reichtum zu bieten. . . Tas; du damals nicht gleich willig meinen Bewerbungen Gehör gabst, ich dankte es dir mncr- lich. Schien es mir doch ein Beweis zu sein, daß du mich um meiner selbstwillen nahmst." Ter Kammerherr schwieg. Erschöpft tupfte er sich mit dem Batisttuch die hohe Stirn, auf welcher feine, kleine -Schweißperlen standen. ,, , ... e Dagmar sah ernst zu ihm hin. Und als sie den Ausdruck schmerzlicher Erregung in seinem Gesicht gewahrte, durapuhr sie der Gedanke: „Sieh, so leidet er um deinetwillen, Em^tiefes Mitleid quoll in ihr empor, während vor ihrem unbestechlichen Gewissen urplötzlich riesengroß die Frage auftauchte: „Hast du denn auch eilt Recht, ihm, nur weil er dich beleidigte, dein Wort zurückzugeben? Bist du nicht zu schnell mit einer Tat gewesen, bereit Folgen ihn vielleicht feilt Leben lang unglücklich machen? Und kannst und willst du die Verantwortung dafür tragen? Blitzschnell durchzuckten solche Gedanken sie. Tann hob sitz mit einer entschlossenen Bewegung das Haupt. Und weshalb glaubtest du auf einmal annehmen zu müssen, daß sich meine Gefühle für dich geändert hätten? Nur weil ich auf Bitten des Herzogs mit Uchdorf lief? Denkst du, ich wäre mit dem Rittmeister gelaufen, wenn ich das — nicht — gekonnt hätte? Magnus, glaubtest du wirklich, ich würde dich so betrügen? Sq 394 — wenig Achtung trautest du mir vor dem Namen zu, den ich Immen kurzem auch tragen wollte?" „Tagmar!" schrie Veltlingen da auf, „willst du das denn jetzt wirklich nicht mehr? Soll ich einsam und allein den Rest meines Ledens verbringen, immer mit dem peinigenden Bor- wurs: „das hast du selber verschuldet durch deine unsinnige und — Wie ich jetzt gern eingestehe — unbegründete Eifersucht." Willst du mich wirklich gehen lassen, allein und hoffnungslos gehen lassen in die öde, traurige Zukunft?" Flehend streckte der Kammerherr die Hände aus. >,Tagmar, ich liebe dich!" Es war ein ehrlicher, warmer Klang, der in den Worten lag, ünd fast noch mehr als die Worte wirkten die bittenden Äugen, die gar eindringlich zu sprechen wußten. Und wieder durchrann Dagmar das seltsame Gefühl, welches sie gestern bei Veltlingen si Zärtlichkeiten empfunden hatte. Ein weiches, verzeihendes Lächeln lag um ihren Mund, als sie dem Kammerherrn zagend die Hand hinhiclt, die er mit heißem Truck ergriff. „So willst du es doch noch mit mir wagen, Tjagmar, trotz 'alledem?" Sie nickte wortlos. Ta schlang er bewegt den Arm mit sie, Hand in Hand traten sie zu dem Schreibtisch, auf.welchem der Ring noch immer lag. Ein vorwitziger Sonnenstrahl huschte grade durch die Tüllgardine, hell auflenchtete der goldene Reif. „Tas Symbol der Liebe und Treue. Nimm cs jetzt zum zweitenmal aus meiner Hand, Geliebte, und glaube mir, daß ich dir voll und ganz vertraue." Still lehnte Tagmar ihren Köpf an seine Brust. Sie konnte rs nicht hindern, daß ihr große, klare Tränen über die LLangen rannen. Erschrocken und selber tief erschüttert, sah Veltlingen ihre Bewegung. Sie saßen dann noch lange in ernstem Gespräch zusammen. Jmmermchr fühlte Tagmsar das Vertrauen zurückkehren, welches sie Veltlingen bisher so bedingungslos entgegengebracht hatte, in dessen ruhigem, achtunggebietendem Auftreten sic eine so feste Gewähr für eine harmonische Ehe zu erblicken glaubte. Wieviele von all den guten Eigenschaften sie ihrem Verlobten andichtete, ahnte die Baroneß nicht, die jetzt halb unbewußt den Zauber auf sich wirken ließ, den Vcltlingens sichtliche Freude über sie ausübte. Jia, allmählich kam sie zu der Ueberzcugung, daß diese ernste Aussprache ihren gegenseitigen Gefühlen feiltet wegs zum Schaden gereicht habe. Im Gegenteil! Es herrschte jetzt eine wohltuende Klarheit zwischen ihnen. Mit heimlicher Genugtuung bemerkte Tagmar immer ivieder, wie sehr ein leichter Händedruck, ein scheuer Küß von ihr Veltlingen beglückte. Und in düste heimlichen Freude wuchs und erstarkte etwas in ihr, was sie bisher noch nie in dem Maße ^empfunden hatte. Es lockte und drängte sie förmlich, diese Herrschaft, der sie sich jetzt über ihren Verlobten bewußt ward, durch harmlose, kleine Zärtlichkeiten zu vergrößern und zu festigen. Und daß ihr dies belang, merkte sie mehr und mehr mit heimlichem Frohgcfühl. Veltlingen war so vertieft in das kosende Plaudern, daß er Erschrocken zusammcnfuhr, als die Uhr plötzlich mit leisen, feinen Schlägen zu klingen anhub. Dagmar lachte hell auf über sein perblüsstes Gesicht. „Ja, lieber Miagnus, zum Besuche Machen ist es für heute wohl zu spät. Aber weißt du, ich habe einen herrlichen Plan. Wir wollen gemeinsam -bei Ponz zu Miittag speisen. Und da wir das als ehrsame Brautleute nicht gut allein können, so schlage ich vor, wir holen uns Borgwardts dazu. So ein kleines Diner .a quatrc denke ich mir reizend! Bist du einverstanden?" Ter Kammerherr beugte sich zärtlich näher. , „Gewiß, mein Herz. Wenn gleich ich mich schon mehr aus pas Tiner,,ä quntre yeux" freue!" Scheu blickte Tagmar vor sich nieder. >Mjagnus," begann sie nach -einer Weile in ernstem Ton, „ist .üun auch wirklich alles Mißtrauen geschwunden?" Unbehaglich sah Veltlingen sie an. Es währte einige Sekunden, bis er mit gezwungenem Scherz antwortete:: »Gewiß, mein Herz, wenn du etwa eine Probe machen willst? Bitte, ich habe nichts dagegen." Rasch tisat Tagmar an den Schreibtisch. .. s"Nun gut, Magnus, was sagst du hierzu?" Mit kurzem' Eriss E ste den silbernen Briefbeschwerer, den Ehrenpreis des gestrigen Wettlaufens, ans der P-apierhülle. BerständniÄos blickte der Kammerherr Tagmar an. Ta drehte die Baroneß den Block um, sodaß die Unterseite zu sehen wgr. Mit großen, deutlichen Puchstaben stand ein Name darauf, der Name, den Veltlingen vor Men anderen in der Welt haßte,. , Toch jetzt kam dem Baron die Gewohnheit des jahrelangen' Hoflebens zu gute. Mit tadelloser Selbstbeherrschung zivang er ein erstauntes Lächeln ans seine Lippen. „Nun," wiederholte Tagmar ein ivcnig ungeduldig, „was sagst du dazu?" „Daß ich neugierig auf die Lösung des Rätsels bin," antwortete Veltlingen mit anscheinender Ruhe. Hätte' Tagmar geahnt, welche namenlose Anstrengung ihn diese Heiterkeit kostete, sie hätte vielleicht doch gezögert, die Arme so herzlich um seinen Hals zu schlingen. „Hab' Tstnk, Magnus, für dieses gute Wort! Uud nun sieh hier die harmlose Lösung. Kathi hat gestern, während wir spazieren fuhren, ihren Block abgegeben, sie wollte, wie sie auf diesem Zettel schreibt, eiligst einen Besuch machen. Ich möchte den „Silberschatz" solange in Verwahrung nehmen. Entweder haben nun die Partner absichtlich oder versehentlich ihre Preise getauscht, so wenigstens erkläre ich mir die Sache." — Wenig später lehnte Veltlingen stolz und zufrieden neben! Dagmar in dem Schlitten. Wohlgefällig glitt sein Auge iibev die elegante Gestalt seiner Braut. Wie prächtig ihr das neue Tuchklcid stand, auf dessen zartem Silbcrgrau das Veilchen,-, stränßchcn sich so gut ausnahm. „Neber die große Promenade fahren," befahl der Kümmer- Herr, als der Kutscher den nächsten Weg nach der Wohnung! des Adjutanten eiuschkagen wollte. „Ich hoffe, du gönnst mir die harmlose Freude, dich den Leuten zu zeigen, wenn du zum erstenmal in deinem neuen Schlitten fährst," wandte er sich eM klärend an Dagmar. „In meinem?" wiederholte sie staunend, um dann in plötzlichem Verstehen beinah beschämt hinzuzusetzen: „Magnus, du verwöhnst mich rasend. Hab' tausend Tank dafür." Wenn Veltlingen sich in verzeihlicher Eitelkeit mit seiner schönen Braut bewundern lassen wollte, so hatte er grade die rechte Zeit und den richtigen Ort gewählt. Tie große Promenade wimmelte von Menschen und das Brautpaar hatte genug zu tun, um alle Grüße zu erwidern. „Sieh doch, Magnus," rief Tägntar plötzlich halblaut, „dort geht ja Küthi mit ihrem Mann." Sie winkte lebhaft zu Borgwardts hin, die, als sie sahen, daß der Schlitten hielt, zu ihnen hin kamen. „Tas ist ein günstiges Zusammentreffen," meinte Veltlingest heiter. „Wenn wir nun keinen Korb auf unsere Bitte bekommen, ist -alles in schönster Ordnung." Nein, einen Kdrb erhielten sie nicht. Ihre Einladung wurde! im Gegenteil von der guecksilberigen Kathi mit Heller Freud« begrüßt. Freilich meinte das gewissenhafte Frauchen, als pflicht- getreue Mutter und Hausfrau daheim erst noch Bescheid sagen zu müssen. Ihr Gatte lachte. „Ich wette, Kathi will sich nur noch schöner machen," sagt« er mit neckischem Seitenblick auf die leise Errötende. „T-as wäre doch schlechterdings unmöglich," entgegnete Velt-. lingen mit all der Verbindlichkeit, die ihm, wenn er wollte, in reichem Maße zu Gebote stiand. Er war augenscheinlich,in glänzender Laune. Auf seinen Vorschlag fuhren die beiden Damen dann! schnell zu Borgwardts, während er mit dem Hauptmann zu Ponz vorausging. Behaglich lehnte Fstau Köthi sich in die weichen Atlaspolst-crt zurück. „Eigentlich bist du doch ein Glückspilz, Tagmar," meinte! sie bewundernd, während das elegante Gesährt durch die Straßen, glitt. „Ja," antwortete die .Ängeredcte einsilbig, aber es klang eher wie eine Frage. Mit dem „Schönermachen" hatte Borgwardt übrigens recht gehabt. In aller Eile zog die niedliche kleine Frau eine taubengraue Seidenblns-e an, die sie allerdings zums Entzücken kleidete. Tagmar koste unterdessen mit Harro und Klein-Elslein. Lachend sah Kathi ans das liebliche Bild. „T-agmür, du paßt wirklich prächtig zur „Kiudermutter", wie Harro das immer nennt." Sie blinzelte neckend zu der Baroneß hin. Doch die ging «merkwürdig wenig auf den Scherz ein. Klang ihr plötzlich Veltlingens Wort in den Ohren: „Tn bist jung und lebcnsfrisch und ich bin alt?" Tas Diner verlief glänzend. Nicht zum wenigsten Hatte Belb- lingens hervorragende Unterhaltungsgabe dazu beigetragen. Vorzügliche Speisen, treffliche Weine und die weichen, einschmeichelnden Klänge einer Zigeunerkapelle taten gleichfalls das Ihre zur Erhöhung des Genusses, ganz abgesehen von den beiden reizvollen Fmuengestalten, die dem ganzen erst „die höhere Wdihe" gaben, wie Veltlingen in seiner humorvollen Begrüßungsrede sagte. (KMetzunA folgt.) — 395....... erhalten. Kurz, die Natur ist unerschöpflich in den Mitteln, um! ihre Zwecke zu erreichen. Denn daß cs sich hier um eine Lebensnotwendigkeit und nicht um zufällige Ucbereinstimmuug handelt,- geht schon daraus hervor, das; sich die gleichen Anpassungen bei Wesen von allerverschiedcuster Herkunft finden. Dieselben Kunstgriffe wie bei den Planktoualgen sind aufgebotcn bei Infusorien, bci Krebschen, bei Rädertiercn und Milben, die frcischwcbend leben. Oeltropscn, Vergrößerung der Oberfläche, .Haare, Borsten, Stacheln, sie alle find bei ihnen zum Zweck des Dableibcns verwendet. Diese Planktonvegetation ist am üppigsten dicht unter der Oberfläche, wo sie sich manchmal in solchen Massen zusaiumendrängt, daß man es auch mit unbewaffnetem Auge bemerkt. Hier und da, namentlich im Sommer, steigt ans einmal ein grüner Schaum an die Oberfläche der Seen, das Wasser wird streckenweise rahmartig dick, der See „blüht". So tritt int Plöncr See (Holstein) gewöhnlich etwa im Juni plötzlich eine Alge (Gloeotrichia cchinu- lata) in ungezählten Millionen an die Oberfläche; die „Wasserblüte" nimmt bis August immer mehr zu, verschwindet daun aber ebenso plötzlich, wie sie gekommen. Manchmal aber geht dieses geheimnisvolle Auftaucheu und Wiederverschwindcn so schnell, daß innerhalb eines Tages die Blüte auch wieder vorbei ist. Die gleiche Erscheinung kommt auch im Miere vor. In der Ostsee färbt Nodularia spumigena das Wasser ost weithin grünlich-grau, das Rote Meer verdankt der Trichodesmiunr-Alge sogar bett Namen, int tropischen Atlantischen Ozcan, in den Polarmeeren färben manchmal die Diatomeen und Ceratien das Wasser bräunlich; die letzteren sind dann, namentlich in der Ostsee und im Kattegat, im Herbst auch an dem Meerleuchten beteiligt, da sic aus einer noch unbekannten Ursache phosphoreszieren. In größere Tiefen gehen nur noch die Diatomeen und nut ganz ausnahmsweise die auch zu dem Plankton gehörige marine Kugelalge, die man bis zu 2400 Meter Tiefe gesunden hat. Aber für gewöhnlich ist 100 bis 200 Meter unter bem Wasserspiegel sowohl im Meere als in 'bien Binnenseen das Leben erloschen. Wo das belebende Licht erstickt ist, scheint auch das Leben zu endigen. Aber welche Ucbcrraschung! Das Leben triumphiert auch über die Finsternis und den ungeheuren, sich nach Hunderten von Atmosphären berechnenden Druck, der in solchen eisigkalten Tiefen herrscht. Als die Forschungsapparatc hinabbringen konnten auf den Meeresgrund und in die von Sagen umrankten Fabel- tiefen der Alpenseen, lernte man erst den vollkommensten >,>rneg des Lebens" verstehen. Dort unten, wo es fürchterlich sein soll —> ist es ganz gemütlich, wenigstens für eine große Anzahl von Lebewesen, die in jenen Abgründen ein von keiner Sonne beschienenes Dasein führen. Darunter sind auch Pflanzen. Das klingt fabelhaft, ist aber wahr. Der Tiesseegrund (namentlich weiß man es von dem in dieser Hinsicht am besten untersuchten Bodensee durch die Untersnchmtgen von Kirchner und Forel) ist mit einer schleimigen Decke, einem „organischen bedeckt, bei- sich aus tausend und abertausend winzigen Kieselalgen und Schwingsädcn lOszillaricu) zusammensetzt, zwischen denen ebenso massenhaft Spaltpilze, namentlich Schwefelbakterien, wuchern. Diese unscheinbaren Schweselbakterien sind int Verein mit anderen sehr wichtige Verbindungsglieder in dem Kreislauf der Stoffe, toie können nämlich den bei allen Fäulnisprozefsen enk- stehenden Schweselwnsserstosf unschädlich machen, indem sie ihn zu Schwefel und Wasser oxubiercn. Der Schwefel bleibt dann tit ihrem Körper in Form winziger Kügelchen aufgespeichert. In seichten Meeresbuchten, besonders in brackigen Lagunen, wo viele Tange und Pflanzen modern, sieht man diese Schwefclpflanzchen oft in unzählbarer Menge als weißliche oder rosarote Flocken; ebenso massenhaft sind sic aber auch in den Abgründen der Gewässer zu finden, die ja stets mangelhaft ventiliert tmb. daher infolge der vielen Tier- und Pflanzenleicheii, die jahraus-iahrein zu Boden finken, reich an Schwefelwasserstoff sem nnissen. Ist also das Dasein dieser Pflanzen an so unwirtlichen Orten' wohl erklärbar, so ist cs nm so unverständlicher, wie sich dort auch Kieselalgen so massenhaft erhalten können. Als Pflanzen, die von Assimilaten leben, find sie doch allen sonstigen Anschauungen gemäß auf das Licht angewiesen. Und das legt uvS die Annahme nahe, daß ein für ihre Lebensbedürfnisse genügender Rest von Licht auch in die Totenstille der Seegründe dringt, wenn auch unsere Lichtmeßapparate schon in verhältnismäßig geringer Tiefe versagen. Könnten die tieflebenden Dtatomccu ihre Farbstofsscheil chen nicht verwenden, so wären diese schon laugst verkunnnert und verschwunden unter dem Zwang des für alle Lebettdigen gul- tigen Gesetzes, daß ntchtgcbrauchte Organe zugrunde gehen Das. kann man sehr lehrreich an den Lebensgenossen dieser Pflanzen, den zahlreichen Wasserasseln, Strudelwürmertt und' Krebschen kennen, die dort unten zumeist blind sind Das spricht doch deutlich genug dafür, daß die letzten Lichtstrahlen der Tmste, die den Diatomeen genügen mögen, schott nicht mehr "«srmchen, um Gegenstäiide unterscheiden zu lassen, daß dort also iui Augen keine Verwendung mehr ist. Man kann zedoch die Bewetsfuhrung auch entgegengesetzt antreten. In dm großen Meeresticfen lcuchtt ein beträchtlicher Teil der tierischen Pewohiicr ist den verschiß Kus den Tiefen der Kswässer. *) Bon R. H. Francs. Wenn man in einem Kahn über einen See fährt, so scheint das oft bis in große Tiefen durchsichtige Wasser vollkommen unbelebt zu sein. Aber versuchen wir nur einmal cm feinmaschiges Taschentuch zu einem kleinen Retz znsamtnengebunden ein Weilchen durch dieses klare Wasser zu ziehen. Alsbald blerbt nach Abtropfen des Wassers ein ferner, fchlemngcr .Bodensatz darin, und wenn man mit vollkommeneren Netzen arbeitet, kann man dem durchsichtigsten Scewasser binnen kurzem, em ganz gehöriges Quantum solchen Schleims entnehmen. Diese rätselhafte Masse ist lauter lebendige Substanz und entpuppt sich unter einem Vergrößerungsglas als eine Unmenge zartester, glas- heller Tierchen und Pflanzen von ganz .außcrorbentlicher rf)önl)cit. „ ,, . « Man bezeichnet die Summe der lebendigen We,cn, ine ut ben Gewässern uinherschwimmen, mit dem Sammelnamen Plankton. Dieses Plankton findet sich auch im Meere und ist dort noch sormcn- schöner und reichhaltiger. Ucbcrall, im See und in der See, ist das Plankton der Erhalter des ganzen übrigen Lebens: das ideale Fischfutter, das unerschöpfliche Reservoir an Nahrung. Die Fifch- züchter wissen das seit einiger Zeit; die unermüdlichen Bestrebungen eines deutschen Gelehrten, des Dr. Zacharias, bnbett ihnen die Augen dafür geöffnet, daß sich die Kleinwelt ihrer Deiche -unmittelbar in Geld umsetzt, wenn man sic hegt und aufiommeit läßt In dem holsteinischen Städtchen Plön wurde daher mit staatlicher Unterstützung ein ansehnliches wissenschaftliches Institut gegründet, das sich nur ben Planktonstiidicn widmet und in vielen schönen Arbeiten unsere Kenntnisse dieser für den stclchtwiffcnben unsichtbaren Welt gewaltig förderte. Das Plankton enthält zahllose Pflanzen: vor allem Kieselalgen, dann Geißclalgen, Braun- und Grünalgen. Eme so vielgestaltige Menge, daß man trotz jahrelangen Bemühens doch bet weitem nicht alle kentit. Aber alle, die man keuncii lernte, haben etwas Geiuciusames. Sie sind an die ganz eigenartige Lebensweise, die sic führen, angepaßt. Das will etwas heißen, tagaus- tngein immer zu schwimmen, sich allen Zufälligkeiten der Wellen anszusetzeit, wie cs diese armen Gcschöpfchen tun MiMcn, da sic nicht dem Druck dcr Wasscrticse gcivachseii sind, und wenigstens ein Teil der Pflanzen sich nur int Sonnenlicht am Leben erhalten kann. Besonders bewundernswert ist übrigens diese Kraflaustren- gung bei den zahlreichen Tieren (kleinen Krebschen, Räbertieren, Milben und Infusorien), die mit den Planktonpslänzchen zusammen zeitlebens schwimmen. Aber auch die letzteren könnten nicht auf die Dauer an der Oberfläche bleiben, wenn sie sich nicht vollkommen an ihre Lebensweise hiiigcgeben hätten. Alles ist bei ihnen Anpassung. Der Körperbau verzichtet auf alle Solidität, er kennt nur noch ein Baugesetz: dünn, graziös fein, bei geringstem Gewicht die größte Oberfläche erreichen! Darum streckt er sich in die Länge, cr wird zunt allcrbümistcii «stabchcii oder Scheibchen, oder er sendet eine Unzahl feiner Haare, Borsten, Stacheln, Hörner aus, verzerrt sich zu einem grotesken, ganz uu- wahrscheinlichett Wesen. Das sehen wir an dem Pediastrum, an ben drolligen, kleinen Pelzmonaden, noch schöner anchm bizarren Ceratien dcr deutschen Meere, die mit der Kieselalge die kenn- zeichncndsten und häufigsten Schwebeweseti bet Nord- und Ostsee sind. Oder cs bilden sich Fallschirme, Schwimmhäute und die aller-sonderbarsten Trichter, wodurch wahre Fabelwesen zustanbe kommen, so bie Ornithocercen dcr südlicheren Meere, (besonders des Mittelmeeres), oder die Dinohrhen, die zu den wichtigsten Planktonpslanzen vieler deutscher Biimenseeit gehören Em wichtiges Hilfsmittel zur Erreichung größtmöglicher Schwebcfahig- keit ist das Prinzip des Gesellschnftslebeus. Es ist unglaublich, welche Ideen sich da in der Natur verwirklichen. Da stecken bic gehörnten Ceratien des Atlantischen Ozeans eines ihrer Horner dem Bordermanit in den Rücken und bilden so eine Kette, oder bie Kieselalgeit steckcii ihre Köpfchen zusammeti und werden zu einem reizenden Stern; die Dinobryen leisten sich auf noch unbegreifliche Weise bas Kunststück, sich stets auf den Bechcrrand ihrer Eltern in einer so geschickten Anordnung zu setzeit, daß dadurch ungemein zierliche Bäumchen entstehen, die majestätisch oahut- schweben, da ihre Insassen mit ihren feilten Geißeln taktmäßtg schlagen, wie eine wohleingeübte Schar Ruderer. Die Fragilarien hängen an den Seiteit zusammeit und bilden lange, gerollte Platten wie. gewälztes Blech,' eine sehr häufige Kieselalge der norddeutschen Seen sendet ihre Schleimfäden von Zelle zu Zelle und verspinnt sich so in großer Anzahl zu einem Trupp, dcr prächtig schwimmt, während bie einzelne unbedingt zu Boden sinken müßte. Andere reihen sich zu Fäden aneinander, wieder andere bilden Gasblasen, Fettropfen in ihrem Körper, die sie an der Oberfläche Eine reiche Quelle geistigen Genusses bietet allen Lesern ohne Unterschied daS in so mancher Hinsicht ganz neue Bahnen cinschlagcnde und selbständige Forschungen in sich schließende, großangelegte Seitenstück zu Brehms Tierleben, welches seit einiger Zeit unter dem Titel „Das Leben der Pflanze" von R. H. Francs int Verlag des „Kosmos, Gesellschaft der Naturfreunde", Stuttgart, in Lieferungen ä 1 Mk. erscheint. Unser heutiger Artikel ist diesem hochinteressanten Werke entnommen, dessen 1. Band nunmehr komplett vorliegt. " 896 - Martin Greif. Redaktion: Ernst Heß. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universttäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen« Größer kein Herzeleid, Als in der Rosenzeit Einsam verkümmern. Lieber von Menschen weit Jin Alter verivimmern, Als in der Rosenzeit Einsam verkümmern. Logogriph. Glücklich erscheinst du dir selbst, sobald du mit a mich gesunden, Schwachen gebühr' ich mit u, scharfäugig bin ich mit ü. Auflösung in nächster Nummer. Auflösung der Königsprmnenade in voriger Nummer: deusten Farben', oftmals sogar mit hellem Licht — deshalb haben sie auch manchnral sogar recht komplizierte Sehwerkzeuge. Nach alledem kann es uns daher gar nicht wundernehmeu, wenn infolge der eigenartigen Verhältnisse, die das Wasser bietet, die Wasserpflanzen von den gewohnten Vegetationsbildern so vielfach abweichende Lebensformen annehmen. Bedenken !vir doch nur, welch eigenartige Anforderungen der stete Aufenthalt im Wasser stellt, im Gegensatz zur normalen, zwischen Luft und Erde geteilten Lebensweise der Pflanzen. , Wie schwierig ist z. B. für Wasserpflanzen bte Atmung! Das Wasser nimmt tojuS der Atmosphäre nur 2—3 Prozent Sauerstoff auf, während unsere Atemluft davon normalerweise 21 Prozent enthält. Und dieses für das Leben ungünstige Verhältnis wird Noch verschlimmert durch den hohen Gehalt des Wassers an Kohlen- Sure. Diese großen Nachteile werden nur durch recht bescheidene orteile ausgeglichen. Die Festigungseinrichtungen, die den Landpflanzen ziemlich viel „Arbeit" geben, also der Ausbau von Holz- stämmen und die Verstärkung aller tragenden und stützenden Elemente, sind im Wasser überflüssig, da durch sein größeres spezifisches Gewicht die Lasten um so vieles erleichtert werden. Auch die verhältnismäßig geringen Tcmperatnrschwankungen sind ein Vorteil. Im Wasser namentlich am Grunde, können viele Pflanzen überwintern, die am Laude zugrunde geheit müßten. Die reiche Algenvegetation unserer Gewässer macht davon den ausgedehntesten Gebrauch. Im Herbst zieht sich der Inhalt lebcnsfrischer Zellen in gewisse Kügelchen (meist Dauersporen genannt) zurück, die sich mit derber Hülle umkleide», zu Boden sinken und so das Leben vom Herbst zum Frühjahr wohl eingekapselt konservieren. VsriMchLer. * Er klärun g. In den „GieRmer Fanlilienblättern" Nr. 71 vom 15. Mp- erschien ein Artikel „Magen einesdeutschelr Bauerir aus Rußland", denr durch tut technisches Versehen als Verfassernameu Jlosef Ang. Lux beigefügt ist! Wir teilen; hierdurch mit, daß der in Dresden lebende Schriftsteller Josef Äug. .Lux (Herausgeber der „Hoheit Warte") den betr. Artikel nicht geschrieben hat. Redaktion der Gieß. Fam.-Bl. * Die Wirkung von Tabaksrauch auf Krank- heitskeime. Dem Tabakrauch ist hinsichtlich seiner Wirkung auf die menschliche Gesundheit so viel Ueoles nachgesagt worden, daß es als eine Forderung der Gerechtigkeit erscheint, auch einmal nach seinen guten Eigenschafteir zu fragen. Seine Giftstoffe wirken nicht nur ans den Zustand des Menschen im allgemeinen oder einzelner Organe des Körpers, sondern auch auf die zunt Teil höchst nichtsnutzigen Kleinwesen, die wir in lins beherbergen. Da viele Bakterien zunächst durch die Atmuugs- wege ausgenommen werden, so liegt es nahe, auzuitehmen, daß der Tabakranch mit ihnen in Berührung kvmint und sie möglicherweise vernichtet. Um einer Beurteilung dieser Frage näher zu kommen, hat Dr. Arnold Versuche nngestellt, deren Ergebnisse er jetzt im „Lancet" veröffentlicht. Er hat einzelne Röhren mit verschiedenen Bakterien beschickt und dann unter besonderen Vorsichtsmaßregeln der Wirkung voll Tabakrauch ausgesetzt. Die Bazilleir der Diphtheritis zeigten sich dadurch merklich beeinflußt, indem sie zuweilen ihr Wachstum überhaupt einstellen oder nur in geringem Grade fortzufetzen vermochten. (Uebrigens wirkte der Rauch von trockenem Heu in diesem Fall ebenso wie Tabakrauch.) Etwas geringer wurden Typhusbazillen in ihrer Lebenskraft beeinträchtigt, aber auch sie wurden durch den Rauch in ihrem Wachstum in erheblichem Grade behindert. Bei der ungeheuren Verbreitung und (Schädlichkeit der Eiter-Bazillen verdient es besonders hervorgehoben zu werden, daß gerade diese Keime durch den Tabakrauch schwer geschädigt werden, so daß sie unter seinem Einfluß fast gar kein Wachstum zeigen. Im ganzen schließt Dr. Arnold aus seinen Beobachtungeic, daß Tabakrauch im Munde sehr wahrscheinlich das Wachstum einer ganzen Reihe krankheit- erregender Keime verhindere, freilich nicht iit höherem Grade als andere Sorten von Rauch. * Das Tal des Todes (Death Valley), eine furchtbare Einöde an der Grenze von Kalifornien und Nevada, schildert ein illustrierter Artikel iml 17. Heft der Zeitschrift „lieber Land und Meer" (Stuttgart, Deutsche Verlags-Anstalt). Das Tal des Todes ist eine 160 Kilometer lange und 20 bis 40 Kilometer breite Mulde zwischen zwei hohen Gebirge!:. Tagsüber brennt die Sonne von dem wolkenlosen Himntel in diese Fels- und Sandhöhlung hinab; des Nachts weht ein scharfer, kalter Wind v!on dech 5000 Meter hohen Schneegipfeln der Sierra herab. Auf den tiefsten Stellen der Mulde dehnen sich Meilenlange weiße Felder ivie Schneewehen aus. Sie bestehen aus Salz, dem Ueberbleibsel des Ozeans, der einst den ganzen Südwesten Amerikas bedeckte. In der Mulde selbst fällt fast nie dm Tropfen Regen, so daß Pflanzen- und Tierleben unmöglich ist. Das Tal des Todes ist ein ungeheures chemisches Laboratorium, dessen Materialien überall zutage treten. In grünen und blauen Strelfeil schimmern die Adern des Gesteins, in denr das Kupfer sich verbirgt; rote, zinnoberhaltige Felsen erheben sich turmhoch; gelb leuchtend glänzen fchweselbedeckte Abhänge; grau breiten sich die Gramtmassen aus, und tiefschwarz heben sich die Lavafelder von den' Weißen Salztvehen ab. Doch überall iw diesest Farbenpracht lauert der Tod. Die wenigen Quellen, die aus den erloschenen Miniaturkratern hervorsprudeln, enthalten Vitriol und Ärsenik oder das Wasser wird von seinem Salz- oder Petroleumgehalt ungenießbar genracht. Die größte dieser Quellen, die aus einer! ehemaligen Kraterösfnuug auf der Ostseite des Tales entspringt/ bildet einen Heute» Bach, dessen Bett aus dem Asphaltniederschlag des Wassers gebildet ist. Seiner Temperatur wegen erhielt das Wässerchen beit Namen Glühofenbach. Neben der Quelle errichtete eine Vermessungsexpedition der Bundesregierung den folgenden Wegweiser: „Tal des Todes, 365 Fuß unter dem Meeresspiegel. Das Betreten des Rasens ist streng verboten! Blumenpslücken wird gesetzlich verfolgt! 105 Meilen von Randsburg, 85 Meilen von Daggett, 60 Meilen von Holz, , ! 20 Meilen von Wasser, ' ' '40 Fuß von der Hölle, Gott segne unser Sprint. „ Bailey Vermessungsexpedition, Weihnachten 1000. Literarisches. — Salome in Paris. Der Kunstwart schreibt: Täglich Depeschen, die gutwillig von der deutschen Tagespresse abgedruckt werden: „Generalprobe, Riesenerfolg, Präsident der Republik, zwei Botschafter, so und so viele Minister usw. Em Triumph deutscher Kunst!" Und ein verzückter Artikel: „Salome als Rekordbrecher" — nämlich int Kassiaertrag. Deutscher Kunst- Nicht vielmehr deutscher Mode, deutscher Reklame r> Nicht vielmehr notwendiges Ergebnis des höchsten Kursstandes aller effektvollen und zumal der etwas sexuell getönten „Sensationen ?. Darauf sollen wir also heutzutage stolz sein. Dte Sensattous- erfolge von Richard Strauß sollen uns Wertmesser für die Herrlichkeit der deutschen Kunst der Gegenwartsein! Wist gut, daß die Zeit eine zuverlässigere Richterin ist als bte Ober-Betrteos- direktoren bet beutsche» Musikkritik und ber mit ilmen verbundenen Presse. Sie wird richten. Jnzwischmt kann ste kehren. Als Vergangenheit, als Geschichte ist sie ja sogar die beste Uihrertn. Blicken wir in die Vergangenheit. Vor 45 Jahren gab's bett Tannhäuser in Paris. Ein Fiasko. Aber bie damals Triumph« erlebten, brüten und in Deutschland, Meherbeer usw., Ivo sind sie jetzt? Weiter: Vor 30 Jahren fanden die eriten Baireutter Aufsührungeii statt. Vor einer wie kleinen Schar! Die damals dagegen schrien und spotteten, die damals Mächtigen der Presse, wo sind sie, wo ist ihr Einfluß, wo ist 'ihre Wirkung jetzt? Dve deutsche Kunst hat gesiegt. Langsam, wie alles Große, und durch sich selbst, wie alles Edle. Das Pariser Fiasko des Tannhanser,. das war jener Ehrentag deutscher Kunst'. Die Pariser Salome mit bet vorbereitenden Gräfin, bett anwesenden Ministern, den registrierten Gelbeinnahmen, kurz: „Salome als Rewrdbrecher" td>' furchte: ber Kulturhistoriker wird sie einst nicht gar so weit vom 400.' Jubiläum ber Lustigen Witwe in Wien und ähnlichen Wichtigkeiten biicheu, die auch für unsere Kunstkultur bezeichnend sind. Buchen wir sie einstweilen wenigstens dort weg, wohin sie vorlaute Telegraphisten und Feuilletonisten lanciert haben, blichen wir sie weg von den Seiten, die Mit der Ueberschrist: „armtnphe deutscher Knust" ohnehin nur die Geschichte versehen darf. Georg Göhler. — Zum Thema „Lesen". Ein Spaßvogel, Hennanst Losch, hat kürzlich in den „Südd, Monatsh." heransgerechnet, daß unser literarhistorisches Zeitalter uns vom 13. bis zum 40. Lebensjahre 9195 Lese-Arbeitstage zumute, den Tag 8» sechs Lesestunden gerechnet. Nach Löschs Rechnung hat aber der Zeit- geuosse — notabene der, der sonst nicht mehr viel auf der Well zu tun hat — nur 9000 solcher Arbeitstage. Sodaß er also mit 40 Jahren vor einem Defizit von 195 Tagen säße und eigentlich seinen „Bildungsbankrott" erklären müßte. Um so mehr, als die Bildungsarbeit für die großen Musiker und Maler noch gar nicht mit veranschlagt ist! Losch tröstet sich dann: das ganze Zeitalter steht vor demselben Defizit und tut t(ur so, als ob es gebildet wäre. Der Kunstwart bemerkt dazu: Uns scheint dieser Scherz mehr als ein Scherz, uns scheint diese kleine AuHvech- nnng und ihr Ergebnis sehr ernsthaft interessant.