Samsrag Bett 8. Irrm lZUK^ « 1807 — Mr. 83 XÜ2QQQ HXlS {?-<*> 7--MUM- Jem Irrlicht nach. Roman von Alexander Römer. Nachdruck verboten. (Fortsetzung.) 20. Kapitel. Als Frau Zernial aus der Fastenpredigt zurückkehrte, war sie sehr verwundert, Sylvia nicht zu Hause zu treffen. Sie hatte ja ihrer Erkältung wegen nicht ausgehen wollen. Sic riß die Türe auf und ihre schrille Stimme tönte durch das Haus. „Filomena! Filvmena!" Filomena hockte bei einer Nachbarin, der sie mit großer Zungenfertigkeit die jüngsten Neuigkeiten erzählte. Bon der fremden Signorina, welche so verzweifelt gewesen, als sie ihr von dem Kranken im Hause der Zia erzählt — „es muß ihr Liebster sein," erklärte Filvmena, „und die Zia sagte, er stirbt gewiß. 9iuit ist sie an sein Totenbett gestürzt — divina misericordia! Ich hätte es auch getan." Aber jetzt hörte sie den Ruf. „Si Signora!" erscholl cs von ihren Lippen und sie sprang die Stiegen hinauf. Wo die Signora sei — ja — die Kleine wühlte in ihrenr Kraushaar, sie wußte nicht, wie viel sie verraten dürfe. Einstweilen kramte sie auch hier ihre große Nachricht von dem Kranken in der Babu nm aus, und Frau Zernial begriff, aber erst nach einigen Kreuz- und Querfragen, daß von Roderich Walldorf die Rede sei. Sie brach ebenfalls in ein Lamento aus, das wär ja schrecklich, entsetzlich — Roderich! Ihr geliebter Neffe — sie wolle doch nicht gar andeuten, daß er sich selbst ein Leid angetan? O, nein, nein, sie wolle das nimmer gesagt haben — Filvmena schwatzte bunt durcheinander. Sie war in ihrem Element, sie tröstete, sie fragte uno ihre runden Augen verrieten die größte Reugier. Ta ward sie plötzlich von einer kräftigen Hand erfaßt und rücksichtslos beiseite geschoben. „Verschwinde für ein Weilchen, Kleine, und sorge, daß nieniand uns stört," sagte eine männliche Stimme, „ich habe mit der Signora zu reden." Es war Paul Hendrichs, der geräuschlos eingetreten und von den beiden nicht bemerkt worden war. Frau Zernial sprang entsetzt auf, was wollte der Jude — Sylvia hatte in letzter Zeit so viel mit ihnr verkehrt — es blitzt ihr der Gedanke auf, daß er Kunde von ihr bringen wolle. „Wo ist Sylvia, mein Kind?" rief sie aufgeregt. Paul schloß die Tür hinter der zögernd und sehr ungern. scheidenden Filomena, und bat in ausgesucht höflicher Form um die Erlaubnis, sich setzen zu dürfen, da er länger mit der gnädigen Frau zu reden habe. Frau Zernial war sehr ungeduldig und sehr kurz, der Gesichtsausdruck des Besuchers war ihr fatal. Ob er etwas von Sylvia wisse, und von dieser schweren Erkrankung ihres Neffen) Roderich Walldorf, von der sie soeben erst erfahren habe. " Paul bejahte und erzählte dann in knappester Form) wie er Fräulein Sylvia bei dem Sterbenden getroffen, und daß der Tod schon eing'etreten sei. Frau Zernial schlug die Hände über dem Kvpf zusammem „Also so hat er geendet, dieser große Held," sagte sie verächtlich. „Wer Sylvia — was hatte sie da zu suchen bei deut Menschen, der hier nicht einmal die verwandtschaftlichen Rücksichten gegen sie beobachtete." Frau Zernial dachte nur an ihre eigene Person, der traurige Fall als solcher schien sie gar nicht zu berühren. „Diese Unbesonnene!" fusw sie fort, „diese Extravaganz kann ihr im gegenwärtigen Moment ihre ganze Zukunft verderben." „Ihre Zukunft?" Paul wiederholte das Wort in unnachahmlichem Tonfall. Frau Zernial warf ihren Kopf in der: Nacken. „Ja, ihre Zukunft," sagte sie, „sie ist ja so gut wie verlobt mit dem Grafen Boccaleonc, mit diesem Italiener aus alter Familie, der ihr alle seine Güter zu Füßen legt. Es handelt sich nur noch um d«r Akt ihres Uebertritts zur katholischen Kirche, der vor der Vermählung stattfinden muß. Aber diese Bedingung wird dem lieben Kinde nicht schwer zu erfüllen. Sie und ich, wir sind durch den erhebenden Kultus hier im Lande, durch schwere Lebenserfahrungen ohnehin der allein seligmachenden Kirche nahe nnd immer näher gerückt. Ach! Es hat ja Zetten gegeben, wo Sylvia Sehnsucht nach klösterlicher Abgeschiedenheit kund gab, welche freilich müden Seelen ein köstliches Ruheasyl bietet." ’i „Freilich," ertönte- cs zu Fran Colcstinens Berwunderungl von Pauls Lippen ihr zurück, „freilich, ich begreife das vollkommen. Es gibt Leben, wo der naturgemäße Abschluß in eine klösterliche Abwendung von allen irdischen Angelegenheiten weist. Gewisse ekstatische Seelen bedürfen dazu eines äußern Zwanges und Zeremoniells, den man nur noch im Katholizismus findet." Die Dame starrte ihm sprachlos in das Gesicht. Wär das Spott? Was wollte der Mensch damit sagen? Er hatte eine durchaus ernsthafte Miene. „Ter Kommerzienrat Walldorf und seine Tochter sind angekommen auf die Nachricht von der schweren Erkrankung des Sohnes," fuhr Paul ruhig fort. „Fräulein Sylvia ist bei ihnen im Hotel, und ich wurde von Ihrer Fräulein Tochter beauftragt. Ihnen zu sagen, daß sie sich sehr krank fühle und nicht hierher zu Ihnen zurückzukehren wünsche." „Nicht — nicht zu mir zurückzukehrcn — wünsche — Herr! Herr! Wie heißen Sie eigentlich — sind Sie toll?" Frau Zeruial stand vor ihm, als hätte sie große Lust, ihnk mit ihren gestikulierenden Händen in die Haare zu fahren. Aber Paul blieb sehr imbeivegt und unerschüttert. .Er war solchen Szenen gewachsen. „Ja, es ist schlimm, gnädige Frau," sagte er gelassen, „ich gebe cs zu, aber im Leben haben oft die schlinrmcn Dinge auch ihre guten Seiten. Lassen Sie uns einmal eingehender — wenn 330 — sich die gnädige Mau zü etwas mehr Ruhe und Klarheit zwingen können — die beiden Perspektiven, welche sich öffnen, beleuchten." Frau Zernial warf sich in ihren Sessel, schob aber mit einer heftigen Bewegung denselben ein gutes Stück von dem seinen hinweg, und rückte an ihrer Perücke, aber in verkehrter Richtung, so daß sie jetzt schief saß. Ihr Äußerer Mensch ward jhr in dieser Stunde gleichgiltig. „Also — auf der einen Seite ein gräflicher, katholischer Schwiegersohn, und die Vorteile, welche Ihnen aus einer Verbindung Ihrer Tochter mit ihm erwachsen würden." Mauls Stimme klang so nervenauftegend ruhig. „Diese Vorteile — ich bin in der Lage, gnädige „ Fran, Ihnen Beweise beibringen zu können, daß sie auf verhängnist- vollen Illusionen beruhen. Der Graf Boccaleonc ist ein finanziell fast ruinierter Mensch, dessen Sitten und Charakter keinerlei Gewähr für irgend ein Glück leisten. Seine Geliebte, die ballerina des Teatro Appollo, kostet ihn augenblicklich noch artige Sümmchen, und — Fräulein Sylvia verabscheut ihn, — ich habe den Ausspruch aus ihrem eigenen Munde." Frau Zernial schüttelte so erregt ihr Haupt, daß das fatale Chignon sich unrettbar löste, stark ergraute Härchen kamen zum Vorschein. Sie achtete auch dps nicht. „Sie lügen, .Herr! Sie lügen! Wie können Sie sich erdreisten —" „Gemach, Signora, gemach. Wir halten ja einstweilen nur eine vertrauliche Zwiesprache," — der sarkastische Humor, der aus Pauls Worten klang und auf seinen Mienen sich spiegelte, wäre für einen unbefangenen Beobachter amüsant gewesen — „also sehen wir - einmal von diesem gräflichen Schwiegersohn, den Ihre Tochter haßt, ab. Für Fräulein Sylvia bietet sich die Möglichkeit einer Rückkehr in die früheren Verhältnisse. Ihre Gesundheit ist sehr angegrifsen, sie beweint einen Toten, den sie geliebt hat, und ihre Llnhänglichkeit an die Stätte, wo sie ausgewachsen, an die Menschen, welche Elternstelle an ihr vertraten, ist nie erloschen. Sie trug mir auf, Ihnen das zu sagen. In Dresden kann sie vielleicht gesunden, hier ivar sie im Begriff, den Tod zu wählen anstatt des Lebens, welches Sie als eine glänzende Zukunft für sie sahen." Frau Zernial erbleichte. Djas war ja unerhört, was sie da erfuhr. Sylvia wollte zu den Walldorfs zurück — Sylvia Hatte sich den Tod geben wollen — sie wußte, daß der Mann vor ihr nicht log, sie wußte, wie Sylvias Stimmung gewesen war, und einen Moment lang fühlte sie sich vernichtet. Me Wasser brausten über ihr zusammen. Dann blitzte ein neuer Gedanke durch ihr Gehirn. „Professor Villatte ist in Rom," rief sie, „will der sie zu sich zurück locken?" „O, nein!" Pauls Ton war beleidigend kühl. „Professor Villatte hat sich lange über die ungetreue Braut getröstet. Wenn wir Männer solche Erfahrungen machen, wissen Sie, solch ein böswilliges Verlassen erleben, da sind wir meistens gründlich kuriert. Fräulein Sylvia sehnt sich auch einstweilen nicht in Hymens Fesseln, sie sehnt sich nach der Pflegemütter, Frau Walldorf, welche ja als echte, liebevolle Mutter an ihr handelte, und alle guten Keime in ihr pflegte und groß zog." Frau Cölestinens Augen wurden stechend. „Wer hat Sie eigentlich berufen, mir alle diese Dinge zu sagen?" fragte sie spitz. „Ihre Fräulein Tochter, auch Herr Kommerzienrat Walldorf. Die Herrschaften sind ja natürlich von dem Trauerfall und allem, was in seinem Gefolge ist, so ergriffen und in An- spvuch genommen, daß keinerlei Anforderungen weiter an fie gestellt werden können, und darum' wurde ich abgesaudt, um Sie von allem in Mnntnis zu setzen." „Ich danke Ihnen — ich dank Ihnen, Mein Herr." .Frau Zernial pustete. „Zu Meinen nächsten Verwandten steht mir zu allererst der Zutritt offen, ich werde meinen Schwager und Meine Nichte' auffuchen, und mit ihnen und Sylvia das Nähere besprechen." Sie erhob sich, das abgefallene Chigiwn mit dem Fuße fortstoßend, und stand in der Haltung einer Medea, wie sie dem Jason gegenüber tritt, vor ihm, und loinkte ihm mit königlicher Handbewegung das Entlassungszeichen zu. Aber der schreckliche Mensch ivar wie ein Steinbilde Er faß dg noch immer guf seinem Stuhl mit den klugen, unbe-- quenum Augen, welche bis auf den Grund ihrer Seele zu blicken schienen. . (Fortsetzung folgt.) Jugend. Novelle. (Fortsetzung.) Es war kein Wunder, daß sein ohnehin nicht starker Körper diesen jahrelangen seelischen Erschütterungen nicht gewachsen war. Das alte Leiden, das ihn schon einmal lange Zeit auf das Krankenlager geworfen hatte, stellte sich wieder ein und trat so heftig auf, daß all seine Energie es nicht mehr zu bannen vermochte. Er mußte seine Praxis aufgeben und verbrachte seine Tage nur noch im Rollstuhl. Ging auch sein Körper dem Verfall entgegen, sein Geist ließ sich nicht in Fesseln schlagen, selbst den Verlust seiner Sehkraft ertrug er heldenmütig. Je mehr sein Körper abstarb, mit desto feineren Sinnen lauschte er auf die Stimmen in seinem Innern. Mehr als alle körperlichen Qualen quälte ihn die immer mehr zunehmende Abhängigkeit von jener Frau, die neben ihm lebte. Ihre Nähe, die er nicht abschütteln konnte, widerte ihn an und daß er sie brauchte, machte ihn vor sich selbst erröten. Da trat Elisabeth in sein Leben, seine Jugend kam zu ihm. Das war ein seelisches Geben und Nehmen, von dem niemand wußte, wer der reiche Beschenkte war. Mit verschwenderischer Fülle fchüttete Friedrich seine Schütze über das junge Weib aus, geheimnisvolle Fäden spannen sich hinüber und herüber, Frühling und Herbst reichten sich die Hände, eine verträumte Jugend drängte an's Licht und grüßte eine glückatmende Genossin. Elisabeth ging so völlig auf in ihrem doppelten Glück, daß sie gar nicht die leise Schwermut gewahr wurde, welche sich über Friedrichs Antlitz verbreitete, wenn sie ihm von ihrem Heim sprach. Sie ahnte nicht, daß der Mann da neben ihr litt; daß mit dem, was ihm bisher nur Erfüllung seiner Lebenssehnsucht gewesen war, noch etwas anderes aus seinem Innern emporgestiegen war, das, was nur während der kurzen Dauer seiner Jugendliebe aufgeflammt und dann, wie er glaubte, in ewige Nacht versunken war: der heiße Wunsch, auch körpe.lich zu besitzen. Er liebte Elisabeth mit der verzehrenden Glut einer nie genossenen Sinncsfreude, wie Feuer raste ihm das Blut durch die Adern, das selbst sein siecher Körper nicht zu dämmen vermochte, mit übermenschlicher Anstrengung verbarg er vor Elisabeth feine Gefühle, um ihre grenzenloses Vertrauen nicht zu erschüttern. Doch vergeblich; die anfängliche Schwermut, aus einem schweigenden Entsagenwollen geboren, steigerte sich zur Raserei, die Leidenschaft riß ihn eines Tages fort und brach sich in einem glühenden Geständnis Bahn. Entsetzt, wie aus märchenhaftem Traum ausschreckend, hörte sie die Worte leidenschaftlichen Begehrens. Wie gelähmt sanken ihr die Hände in den Schoß, dann entrang sich ein, einziger Schrei, ihren blntleerm Lippen: „Friedrich" .— und wie gehetzt eilte sie aus dem Zimmer. „Jugend", flüsterte er tonlos. „ An diesem Abend kehrte Elisabeth spät zu , Erich zurück, der sie mit besorgter Miene empfing und auf sein ängstliches Fragen nur verworrene Auskunft erhielt. Der Uebergang von Glück zu Schuld war so jäh, daß auch das stundenlange Umherirren in den Straßen den Aufruhr in ihrem Innern nicht zu beschwichtigen vermocht hatte. Schuldig, schuldig, tönte es unaufhörlich in ihrem Innern. Dem Menschen, dem sie den Himmel auf Erden bringen wollte, hatte sie auf das elendeste betrogen. Mußte er nicht in der Innigkeit ihres Wesens eine Erwiderung seiner Gefühle voraussetzen? Mußte er nicht annehmen, daß das Glück seiner Freundschaft schwerer wog als ihr Eheglück? Daß sie ahnungslos an einem Abgrund gewandelt war, konnte sie dies entschuldigen? So irrte sie ziellos in der Dunkelheit, wie von Furien gepeitscht. „Erich, hilf mir", rief sie weinend. Doch nein, auch den Weg zu ihm hatte sie sich versperrt. Sie konnte ihm nicht ihre Schuld gestehen, seine Verachtung hätte sie nicht ertragen. Zwar würde er irre an ihr werden; denn als eine andre würde sie fern Haus betreten, aber verachten würde er sie nicht. „Erich, ich bin unglücklich, habe Nachsicht mit mir", würde sie ihn bitten, „aber frage mich nicht und — zweifle nicht an meiner grenzenlosen Liebe." Das wollle sie ihm sagen und er mußte sie ja verstehen und ihr glauben. Mit noch größerer Hingabe wollte sie den Ihren leben und Friedrich Arndt zu vergessen suchen. Pfui, unterbrach sie sich plötzlich laut in ihrem Gedanken- Sang, bin ich so schlecht geworden, daß ich ben, an dem ich so hwer gesündigt habe, hilflos in der Nacht zurückstoßen will, aus der ich ihn zu erlösen glaubte? Ist es nicht meine erste Pflicht, zu versuchen, wieder gut zu machen? Gibt es denn kein Zurück? War es nicht möglich, daß sie beide gereinigt und geläutert aus dieser Krisis hervorgehen konnten und sich das Band zwischen ihnen noch fester und reiner knüpfte? Wenn dies eintrat, dann war sie entsühnt, dann konnte sie wieder rein vor Erich hintreten. So kehrte sie endlich erschöpft heim und begab sich sofort zur Ruhe. „Liebling, bist du krank?", fragte Erich am nächsten ^age, nachdem er sie eine Weile schweigend beobachtet hatte, von ihrer Totenblässe und ihre müden, schleppenden Bewegungen auf das Höchste beunruhigt. Liebevoll legte er den Arm um sie und sah ihr forschend in die tränenfeuchten Augen. Da schlang sie mito die Arme um seinen Nacken und ihr Haupt fest an seine Brust pressend, brach sie in fassungsloses Schluchzen aus und stammelte 331 — flehend r „Frage mich nicht, sieh in mir eine Kranke, Unglückliche, die nur das eine weiß, daß sie dich liebt. Erich, zweifle nicht an mir, ich liebe dich, daran laß dir genügen, aber laß mir Zeit, dann wird alles gut." Um sie nicht noch mehr aufzuregen, sprach Erich ihr begütigend zu und trug sie sanft auf das Sofa, wo sie sich wie ein müdes Kind betten ließ und bald in tiefen Schlaf versank. Unbeweglich saß Erich neben der Schlummernden, in die geliebten Züge starrend, denen das Leid einen tiefen Schmerzenszug eingegraben hatte. Wie es da vor ihm lag, das leidvolle Weib, von dem sonst nur Sonnenschein ausstrahlte, wurde er von solcher Rührung ergriffen, daß er, den Kopf in die Hände stützend, ein Schluchzen nicht unterdrücken konnte. Sie, dem sie jede geringste Regung ihres Herzens vertraut hatte, hatte ein Geheimnis vor ihm, so schwer, daß es die Blüte ihres Lebens knickte. Und er mußte stumm zusehen, wie sie litt, er durfte ihr nicht helfen und nur durch Schweigen konnte er ihren Schmerz lindern. Tausend Gedanken kreuzten in seinem Hirn, was die Ursache ihres Krimmers sein konnte; wohl brachte er ihn mit Friedrich Arndt zusammen, aber es waren nur Vermutungen, die auf schwankem Grunde lagen. Er hatte diese Freundschaft nicht gern gesehen, ohne zu wissen warum. Nicht aus Eifersucht, aber es schmerzte ihn, ohne daß es ihm recht bewußt wurde, daß außer ihm noch ein anderer Mensch einen Blick in die Tiefe dieser Frauenseele tat. Ihr Jnstinft hatte ihn wortlos verstanden und seine Empfindung schweigend geachtet. So ließ er sie in dem, was sie als Pflicht erkannt hatte, gewähren. Daß sie auf rechtem Wege war, dafür bürgte ihm ihre Reinheit und. das bewies ihm ihre strahlende Fröhlichkeit, die sie nie so verklärt hatte, wie in dieser Zeit. Woher nun dieser plötzliche Umschwung? Je länger er darüber nachdachte, desto sicherer wurde es ihm, daß ihr Kummer seine Ursache in Friedrich Arndt hatte. Aber warum war sie nicht offen gegen ihn? Hatte sie etwas zu verbergen? Nein, dies Antlitz konnte nicht lügen, diese Stirn konnte keinen unedlen Gedanken bergen. „Zweifle nicht an mir, ich liebe dich", tönte cs in ihm. Nein, er wollte nicht zweifeln, und das Weh in seiner Brust zurückdämmcnd, hauchte er einen leisen Kuß auf ihre Stirn. Die Tage darauf ging Elisabeth wie im Fieber umher, alles in ihr drängte zu Friedrich Arndt, aber sie hatte nicht den Mut, ihm unter die Augen zu treten. So schwer es Erich wurde, nicht mit Fragen in sie zu dringen, bezwang er sich doch und wenn sie seine schonende Zartheit mit einem dankbaren Blick lohnte, wurde es ihm leichter, fein Versprechen zu halten. Nachdem so 8 Tage tiesster Mutlosigkeit und Verzweiflung verstrichen waren, entschloß sich Elisabeth endlich, Friedrich Arndt auszusuchen. Je näher sie seinem Hause kam, desto langsamer wurde ihr Schritt, ihr Herz klopfte zum Zerspringen und eine Schwäche drohte sie zu überfallen. „Es muß sein," sprach sie sich selbst Mut ein. Auf ihr Klingeln öffnete ihr Frau Arndt, begrüßte sie wie stets mit kriechender Freundlichkeit, .die Elisabeth anwiderte, und nachdem sie sie nach der Ursache ihres langen Ausbleibens und ihres schlechten Aussehens gefragt hatte, führte sie sie zu ihrem Mann hinein, froh, ungestört ihren Obliegenheiten nach- gehen zu können. Sie störte die Beiden niemals, mit hämischer Freude duldete sie dies ihrer Ansicht nach unerlaubte Verhältnis, das die stolze Tugend ihres Mannes zu Fall brachte. Nachdem sich die Tür hinter Elisabeth geschlossen hatte, blieb sie regungslos stehen, sie wagte nicht die ausgestreckten Hände zu ergreifen; erst als leise ihr Name an ihr Ohr schlug, stürzte sie vor ihn: nieder und bedeckte seine Hand mit heißen Tränen und Küssen. Liehkosend strichen diese über den blonden Scheitel und müde flüsterte er: „Armes Kind, vergib, daß ich dich so erschreckt habe. Ich danke dir, daß du noch einmal gekommen bist, um Abschied von mir zu nehmen." „Nein, nicht Abschied nehmen, sühnen will ich," schrie sie verzweifelt. „Was sprichst du von Sühnen, du Reine? Der gefehlt hat, bin ich, und wenn du mir verzeihen kannst, werde ich leichter in die ewige Nacht versinkm. Siehst du, nun war mein Traum doch noch in Erfüllung gegangen; du hast mich die Wonnen des Lebens ahnen lassen; daß ich selbst.mit rauher Hand mein einziges großes Glück zerstören mußte, sollst du, armes Kind, nicht entgelten. Mein leidenschaftliches Herz hatte mir den Blick getrübt und mehr in deine Worte und dein Wesen hineingelegt, als ich zu glauheu berechtigt war. Vergib dem, der sein ganzes Leben in: Dunklen gewandert ist und auch einmal so vermessen war, die Hand nach der Sonne auszustrecken." So sprach ein Mann, den die letzten Tage zum Greise gemacht hatten. Wie Peitschenhiebe trafen Elisabeth diese Worte wehmütiger Resignation. Ihre vibrierenden Nerven hörten nur, was tiefer lag als jene Worte, eine inbrünstige Hoffnung, bie sie vernichtet, eine berechtigte Forderung an das Schicksal, die sie erweckt und dann zurückgewiesen hatte. So wie sie da am Boden kauerte, lag sie auf den Trümmern eines Menschenlebens, dem sie den Gottesgedanken ertötet hatte. (Schluß folgt.) Das Flecht des Ehemannes. Von AmtLgerichtsrat L. Fischer. Von einem Prozesse, der in Paris viel von sich rede,« gemacht hatte, berichtete neulich hier Anne JuleS Case: Eine Frau hatte sich, ohne ihren Mann zu fragen, innerlich operieren; lassen. Als sie nicht geheilt wurde, klagte der Mann gegen den Arzt (wohl auf Schadenersatz?) mit der Begründung, daß er als Oberhaupt der Familie das Recht habe, über seine Frau; zu verfügen, also em operativer Eingriff ohne seine Einwilligung widerrechtlich sei. Die Klage ist abgewiesen mit der Begrün- dung, „daß in der Gesetzgebung die jetzt so häufig vorkommen-, den gynäkologischen Operationen nicht vorgesehen sind". Der Fall und die eigenartige Begründung erregten mein Interesse, so daß ich mir die Frage vorlegte, wie er roohl nach unserem deutschen Rechte zu entscheiden sei. Daß ein Arzt eine Operation nicht ohne Einwilligung des Beteiligten oder seines gesetzlichen Vertreters, dem die Sorge für seine Person obliegt, vornehmen darf, ist bom höchsten deutschen Gerichte, dem Reichsgerichte, entschieden. Wer sich für den Fall interessiert, der lese die Entscheidung dÄ Reichsgerichts in Strafsachen, Band 25, S. 375 ff. Vieles Aufsehen hat auch ein Fall. 'erregt, der in der Deutschen Juristenzeitung 1899 S. 199 unter 5 mitgeteilt ist. Dieser Fall ist jedoch anders geartet. Hier handelt es sich nicht darum, ob der Vertreter der zu operierenden Person befragt werden soll; denn der Mann ist 'das nicht in den« Sinne, wie der Vater im Verhältnis zum Kinde oder der Vor-, mund im Verhältnis zum Mündel. Eine eheliche Vertretungsmacht in den persönlichen Angelegenheiten der Frau gibt es nicht. Der Mann hat nur gegenüber der Frau gewisse persönliche Rechte. Gehen diese aber so weit, daß der Mann, wie in dem von Anne Jules Case berichteten Falle der Kläger! meinte, über die Frau verfügen darf? Die Untersuchung führte mich zum Bürgerlichen Gesetzbuch und von diesem zu seiner Entstehungstzeschichte. Das, was' ich dabei mir wieder ins Gedächtnis rufen durfte, war von so großem Interesse, daß ich es hier mitteilen möchte. Handelte es sich doch da um eine „Frauenfrage", ein Thema, über das in unserer Zeit alle Blätter, in denen Frauen zu Worte kominen, sich viel vernehmen lassen. Bekanntlich klagen unsere Frauen, daß die Frau bei der! Schöpfung des Bürgerlichen Gesetzbuches schlecht sortgekoinmen; sei. Hier können wir einmal die Probe machen. § 1304 B. G. B. bestimnrt: „Dem Manu steht die Entscheidung! in allen das gemeinschaftliche Leben betreffenden Angelegen^ heften zu, er bestimmt insbesondere Wohnort und Wohnung. Tie Frau ist nicht verpflichtet, der Entscheidung des Mannes Folge zu leisten, wenn sich die Entscheidung als Mißbrauch seines Rechts darstellt." Im Reichstag gab 'es bei den Verhandlungen über dasl Bürgerliche Gesetzbuch eine lebhafte Erörterung wegen dieser Bestimmung. „Was ist Mißbrauch?" fragten die Verteidiger der Fraumrcchte. Der ehrwürdige Plank, einer der Schöpfer unseres! Gesetzbuches, der als Regierungsvertreter zur Stelle war, and-, wvrtete: Um Mißbrauch handelt eS .sich, sobald eine Entscheidung des Mannes mit der rechten ehelichen Gesinnung im Widerspruch steht. Damit wird der Berechtigung der Frauen tn weitesten« Maße Rechnung getragen. Sie sind hiernach nicht verpflichtet/ einer Entscheidung des Mannes zu folgen, von der man sagen muß: bei der rechten Liebe würde sie der Mann nicht treffen., Heinrich Dernburg, der Rechtslehrer, bemerkt hierzu: „Eine vornehme Auslegung! Sie gibt die Leuchte, welche die zahlreichen Bestimmungen deS Bürgerlichen Gesetzbuches über das Cherecht erhellt. In ihrem Licht entsprechen diese einem gesunden Ehcleben. In diesem Sinne werden sie nicht tyrannische,, pedantische Ehemänner, widerspenstige Frauen, eine hadernde Ge-, sellschast schaffen." Wie steht es nun mit unserer Frage, wenn wir unser GeS. setz anwendcu und dabei als Leuchte uns gegenwärtig, halten, daß der Mann überall rechte eheliche Gesinnung, rechte Liebe bei feinen Entschließungen betätigen soll. Hat die Frau über ihren Körper allein zu verfügen oder hat der Mann ein ausschließliches Verfügungsrecht oder wenigstens ein Mitbestimmun gsrecht?. So allgemein läßt sich die Frage nicht beantworten. ES muß'in jedem Einzelfalle zuerst'geprüft werden: liegt eine dass gemeinschaftliche Leben betreffende Angelegenheit vor? Eine solche Angelegenheit ist $. B, wie schon daS Gesetz her- vvrhebt, die Wahl des Wohnorts und der Wohnung. Will die Frau in der Kolonie Grünewald wohnen, zieht es dagegen der! Mann vor, in der Geschäftsgegend uni Innern der Stadt auch seine Wohnung zu haben, so gibt der Mann den Ausschlag. Natürlich darf ein Millionär nicht die Marotte haben, eine! Kellerwohnung zu beziehen. Das wäre ein Mißbrauch sieines Bestimmungsrechts. Dagegen könnte sich die Frau mit Erfolg auslehnen, 1 — 832 — Gemeinschaftliche Angelegenheit ist Natürlich Mich t>te Ktnder- -niehung, der Familienverkehr, die Lebenshaltung der M- mtlte, also die Ausgaben ftir Unterhalt, Kleidung (Putz!), Wer- (TttiiQiittcicTi btc ^Tdit bic focj. d)tu) 1 £to*cirt iyrt, d 68 innerhalb ihres häuslichen Wirkungskreises die Geschäfte Mannes für ihn zu besorgen und ihn zu vertreten hat, wird feine Entscheidung, immer vorausgesetzt, daß sie nicht mißbräuchlich geschieht, schließlich maßgebend bleiben. Wie aber, trenn die Frau krank wird? Darf sie sich den Arzt wählen? Darf sie über die zur Heilung zu unternehmenden Schritte allein entscheiden? Ein Fall dieser Art hat einmal das Reichsgericht beschäftigt. Eine Frau war „hochgradig nervös"'. Der Mann, den sie verlassen hatte, um zu ihren Eltern zurückzukehren, verlangte, daß sie sich, dein Rate des Nervenarztes entsprechend, auf ein Hahr zu ihrer Heilung (ottf seine Kosten natürlich) tn eme geschlossene Anstalt begebe. Die Frau verweigerte dies. Das Reichsgericht aber gab deut' Manne recht. . Nun konimen wir unserer Frage schon näher. Aber bei Operationen, hat da der Mauri auch mitzureden? Wenn die Frarr Zahnschmerzerr hat, so wird sie wohl auch ohne den Mann sich den Zahn ziehen lassen dürfen. Das ist lediglich ihre Sache. Ailch andere unwesentliche Eingriffe wird sich'wohl auch ohne und selbst gegen den Wunsch des Mannes vornehmen lassen dürfen, z. B. die Beseitigung einer entstellenden Warze. Handelt es sich aber um einen Eingriff in lebeus- wichtigc oder um Befeitigrmg für die Zwecke der Ehe .bedeut- saurer Organe, so habe ich kein Bedenken, anzmrehrnen, daß hier eine das gemeinschaftliche Leben betreffende Angelegeiiheit vorliegt, in der schließlich dem Manne die Entscheidrmg zu- steht. Die Gesundheit der Frau ist eine der Voraussetzungen eines gesunden Ehelebeiis. Selbstverständlich aber darf die Entscheidung des Mannes Nicht unvernünftig -sein. Ist z. B. nach dem Ausspruch des Arztes die Frau nur durch eine Operation noch zu retten und der Mann verweigert seine Zustimmung, so kann die Frau selbst gegen seinen Willen ihre Einwilligung dazu geben. Liegt umgekehrt keine Lebensgefahr vor, so wird der Vornahme enter lebensgefährlichen Operation die Frau sich wohl widersetzen dürfen. Hier steht wohl ihr eigenes Recht auf Leben noch höher, als das Recht des Mannes in den gemeinsamen Angelegenheiten. Bei Uneinigkeit der Eheleute wird der Richter, nicht der Arzt, daS letzte Wort zu sprechen haben. Liebe Leserin! Wenn du mir bisher gefolgt bist, wirst du ftelleicht mit mir nicht ganz zufrieden sein. Du hattest vielleicht eine entschiedenere Parteinahme für das schwache Geschlecht erhofft. Ich niöchte dich deshalb zum Schluß noch etwas beruhigen. Die Bestimmung das § 1354 ist ja ganz gut und schon. Im Leben aber findet sie glücklicherweise nur selten Anwendung. Tenn in jeder guten Ehe — und diese bilden doch die bei weitem überwiegende Mehrzahl — gibt schließlich doch die Frau den Ausschlag, nicht bloß, weil sie der klügere Teil ist, sondern weil ihr auch sonst mancherlei Mittel zu Gebote stehen, um den Mann zu überwinden: Schönheit, Liebenswürdigkeit und Herzensgute. Schon bet den alten Germanen hat, nach Tacitus, der Mann der Frau eine unbegrenzte Verehrung gezollt. Und so ist es bei uns geblieben. Auch vom Manne kann inan sagen: „Er regiert, aber er herrscht nicht." — Das Jbsenbuch. Herausgegeben und eingeleitet von Hans Landsberg. Mit acht Mbildungen. (S. Fischer, Berlag, Berlin.) Inhalt: Einleitung — Aus den Gedichten — Aus dem Leben — Weisheit des Lebens — Staat und Kultur — Kunst, Literatur, Theater — Mus den Dramen. Geh. Mk. 2.00. — Es kam für das vorliegende Buch darauf an, das persönliche und künstlerische Porträt Ibsens aus seinen eigenen Schriften und mit seinen eigenen Worten zu zeichnen. Der Text ist der von Georg Brandes', Julius Elias und Paul Schleuther herausge- gebenen deutschen Gesamtausgabe der Werke Henrik Ibsens entnommen. Der Herausgeber hat versucht, aus den Gedichten das herauszunehmen, was als ein persönliches Bekenntnis gelten darf, die kurzen autobiographischen Skizzen, die wir in den Briefen finden, anzugliedern und aus den Reden und Aufsätzen ein. Gemälde der philosophischen, religiösen, kttlturellen, ästhe- tischett Lknschauungen Ibsens zu geben. Der zweite Teil enthält charakteristische Proben aus den Dramen, tovbei auch die weniger bekannten herangezogen sind. So ist das Buch, das mit einem Faksimile und sieben Porträts aus allen Lebensepochen des Dichters geschmückt ist, sehr geeignet, den Leser in die Gedankenwelt Ibsens einzuführen. —,Dr. M. Wilhelm Meyer. DieägyptischeFin- sternis. Meine Reise nach Obevägypten zur Beobachtung der totalen Sonnenfinsternis am 30. August 1905. Abbild., in Farben: ruckumschlag geheftet Mk. 2.—. In einen feinen Geschenkband gebunden Mk. 3.—. Ein ganz eigenartiges Merkchen des bekannten UatuÄvissenschaftlichetk Schriftstellers liegt hier vor. Ausgerüstet mit einem eigens dazu konstruierten kleinen photographischen Fernrohr unternahm der Verfasser die Reise in fettes Gebiet, über das der Mondschatten am 30. August in Oberäghpten hittstreichen mußte, um das eindrucksvollste aller himmlischen Schauspiele dort zu beobachten. Er schildert nun seine Erlebnisse und Eindrücke auf dieser Reise, die uns von ben Gletscherfeldern der Jungfrau bis zum heißesten und trockenstett Fleck der ganzen Erde führte unter manchen ungewöhnlichen Strapazen. Der Verfasser lernte dabei Aegypten im Hochsommer, also außerhalb der Reifezeit, kennen, wobei er die ganze wunderbare Eigenart des Pharaonenlandes besonders eindrucksvoll erfassen konnte. Auf diese Weise entstand eine an wechselnden Szenen reiche, hochinteressante Reiseschilderung. Das moderne, wie das antike Aegypteit ziehen in farbenprächtigen Bildern an uns vorüber; die wissenschaftliche Aufgabe der Reise gibt Gelegertheit zu manchen im Plauderten gehaltenett und trotzdem lehrreichen Darstellungen, und schließlich erhebt sich die Schilderung zu wahrhaft dramatischer Wirkimg, als der Moment der totalen Verfinsterung der Sonne naht. Mit einem Ueber- blick über die Resultate einiger anderer Expeditionen zur Beobachtung dieser Finsternis und einer kurzen Schilderung der Rückreise schließt das int Berlag der Gesellschaft der Naturfreunde, Kvsnws in Stuttgart, erschienene, rette tllustrterte Merkchen ab. , — Die Bestie i in M e n s ch e n nennt der Turmer (Verlag von Greiner tt. Pfeiffer, Stuttgart) die skrupellose «ucht nach Erfolg, der es ganz gleichgültig ist, wie er erreicht wird. Große Erfolge im Leben zu haben, ist gewtß etwas Schones und an sich absolut nichts Verwerfliches, aoer es tst keineswegs die Hauptsache; die Hauptsache ist vielmehr, iuie man die Erfolge erringt. Man muß „über Leichen gehen" können, um danach nicht zu fraget!. Ich käitn. sehr leicht Erfolge erringen, wenn ich intelligent genug bin, mtine Mitmenschen zu betrugen; aber bann bin ich ein trauriges und sittlich verkommenes Subjekt, das in die Strafanstalt gehört. Daß es viele Menschen gibt, die sich vor dem „Halsabschneiden" nicht scheuen, daß zahlreiche Ersvlghascher gewissenlos bis zum äußersten smd, ist leider Tatsache, berechtigt jedoch niemand dazu, eoen.o zu sein. Die Hauptsache ist, dich ich jedeit meinet Mitmenschen als gleichberechtigtes Mesen achte und mich hüte, ihm unrecht zu tun. Gegenseitige "Achtung ist der Grundpfeiler jeder menschlichen Gemeinschaft, ob groß oder klein. Kampf dieser Bestw! Dftmtz werden wir der wahren Kultur und der wahren Sittlichkeit mehr dienen als durch tausend „Sittlichkeitskongresse". Sprachecke des Allgemeinen TenMen Sprachvereins. Kaputt, eilt gewöhnliches und garstiges Wort, das wir wohl dem Französischen verdattken. Hier heißt faire capot tut Ptkettsptel „einen ganz hereinlegen, einen großen Vorteil über ihn erringen ; kaputt bedeutet also eigetttlich „int Spiel hereingefallen . französische Ausdruck — im Deutschen sagen mir dafür »matsch machen" votn ital. mlarcio mürbe — ist üach Kluge tm Dreißigjährigen Kriege mit einer Anzahl anderer ursprünglicher Spiel- äusdrücke nach Deutschland gekommen, und er wurde bei uns auch schon früh in der heutigen übertragenen Bedeutung angewandt, so schott im Jahre 1643 in einer Zeitung, capot bedeutet bekanntlich Mantel oder K!appe, und man sagt, beim Ptkettsptel solle die völlige Niederlage gleichsam wie em Mäntel sem, der über ben Besiegten geworfen werde. — Eine andere Deutung har Hermann Schrader in seinem Bilderschmuck der deutschen spräche versucht. Er führt das Wort auf eaput mvrtuum (totes Haupt, Toteukops) zurück, worunter der Ehemtker die^wertlosen Rückstände oder Abfälle versteht; der gekürzte Ausdruck caput tonnte leicht auf jedes Tote, Unbrauchbare, Vernichtete, Zerbrochene übertragen werden. Daher komme auch dw ftanzostsche Wendung. Tie Betonung kaputt spricht aber gegen diese Ableitung von cäput. Ariihmogriph. 1 2 3 4 ein Monatsname. 2 7 4 schweizerischer Kanton. 8 4 fremdländisches Gewicht. 4 5 4 5 ägyptische Gottheit. 2 7 ein Tier. 5 4 2 6 ägyptische Handelsstadt. 5 4 7 ein Titel. 6 4 6 2 5 römischer Kaiser. 2 3 8 Stadt in Württemberg. 7 2 8 ein Getränk. 8 2 7 Fluß in Steiermark. , 12342556278 lyrischer Dichter« Auflösung in nächster Nummer. Auflösung des delphischen OrakelsprttchZ in voriger Nummer: Der erste Sohu mürbe „Weber" (nämlich 7, Weib — We, 7s selber — ber); den andern erwarten „Setl und „Beil (aus den übrigen Buchstaben „t, b, s, e, l" entnommen). Redaktion: P. Wittko. - Rotationsdruck und Verlag der Bruhl'scheu Universitäts-Buch- und Steiudruckerei, R. Lange, Gießem