Aonnersrag den 7. Wovemker @6 K < DWD UW Allf der igenerr Spur. Kriminalroman von Otto H o e ck e r- (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) 13. Kapitel. Eine Stunde später schloß sich die schwere Eisentür einer „Luxnszelle", im sogenannten kleinen Mannergefängnis hinter dem Verhafteten, nachdem es in dem Bureau des Untersuchungsrichters noch zu einem kurzen, heftigen Auftritt gekommen und der richterliche Beamte all den wütenden Protesten des Geheimrats zum Trotz wider diesen die Untersuchungshaft förmlich angeordnet hatte. Daran hatte auch der nicht minder deftige Protest des schleunigst zum Schutze seines einflussreichen Klienten hcrüei- geeiltcn Justizrates Werkenthin, wohl des scharfsinnigsten und auch glücklichsten Verteidigers der Reichsmetropole, nichts ändern können; er hatte Selienbach nicht einmal sehen dürfen. Mit einem zahlreichen Beamtengefolge begab sich der Untersuchungsrichter persönlich nach der Villa des Verhafteten,^ um sowohl dort, wie auch im Geschäftslokal desselben die Haussuchung zu leiten. Wie Hansemann zu seinem Erstaunen nun erfuhr, waren zur selben Stunde verschiedene Finanzgrössen, die zum engeren Selkenbachscheu Z rrel gehörten, gleichfalls verhaftet worden und die gleichzeitig auch in ihren Wohnräumen und Banklokalen stattfindenden Haussuchungen hatten das Aufgebot eines überaus zahlreichen Beamtenheeres beansprucht. „Sagen Sie 'mal Kollege, wie ist denn die ganze Geschichte so plötzlich zum Klappen gekommen?" wendete er sich an Rat Kneift nm Auskunft, als sie gemeinsam den Kriminalpalast verliehen und int Begriffe standen, gemeinsam nach der Selkenbachscheu Villa zurückzufahrcn. „Ganz Berlin wird ja Kopf stehen i So ’ne Massenverhaftung erster Finanzgröfsen ist ja noch garnicht da- gewefen. Ich hatte ja Verschiedenes munkeln hören, glaube jedoch immer, die Untersuchung würde wie das Homburger Schießen ausgehen. Dieses Jobbervolk ist ja so aalglatt und weiß sich durch die Maschen des Gesetzes immer durchzuwiudeu." „Das wäre vielleicht auch ohne die nicht hoch genug anzn- schlagende Tätigkeit unseres gemeinsamen jungen Freundes Walden geschehen", bemerkte Kneist, als sie nebeneinander int Wagen saßen und dieser in schneller Fahrt durch die Straßen rollte. „Nicht möglich!" erstaunte sich Hansemann. „Mir kommt mein neuer Kommissar auch fast unheimlich vor . . . im Vertrauen gesagt, seine Ernennung wird vom Präsidenten bereits vollzogen sein. Er versprach mir, die Unterschrift heute noch zu vollziehen." Hansemann blies die Backen auf; diese Kunde, iuelcüe ihn noch gestern mit Freude erfüllt haben würde, gab ihm jetzt ordcut- lich einen Stich durch s Herz. „Walden ist ein eigentümlicher Mensch", meinte er ausweichend. „Man kennt sich nicht aus in ihm. Glaubt man ihn zn kennen, so entdeckt man plötzlich neue Charakterseiten." „Wie gesagt, es ist kein Geheimnis mehr uno oa ich Ihre Wertschätzung für Walden kenne, kann ich Ihnen anstandslos Auskunft geben. . . Also wir hatteit da eine Menge Anzeigen von sich geschädigt glaubenden Aktionären der Brandenburger Bürger- baitk . . . eine delikate "Sache für uns, wie Sie zugebett werden. Aufsichtsrat und Direktorium der Bank ausschließlich höchster und hoher Adel, daneben die Spitzen der Finanzwelt . . . und obendrein! auch noch ein allerhöchstes Protektorat. Wie sollte man da anfassen, ohne sich die Finger zu verbrennen. Auf der anderen Seite war die Sache zweifellos oberfaul. Wir.arbeiteten in meiner Abteilung wie (bic Biber, vernahmen tausende von Aktionären —i immer die nämliche Geschichte. Die Leutchen waren dttrch die raffiniert abgefaßten Prospekte mit den hochtönigen Namen darunter geködert worden und hatten ihre Spargroschen hergegeben, um allmählich entdecken zu müssen, daß sie „gemacht" worden! waren." „Na, das mag ja eine Heidenarbeit für Sie getoefen sein." „War's auch", bestätigte Kneift kopfnickend. „Witterung hatten wir allerdings schon bald, es gelang uns auch, das „System" der Clique in aller Heimlichkeit zit ergründen — es war denkbar einfach. Die Hechte im Karpfenteich teilten sämtliche Eingänge, die nach Abzug der Tantiemen an die Aufsichtsräte und die notge- drungenen ivohltätigen Ausgaben noch übrig blieben — und das waren runde, fette Millionen; offiziell beliefert sie freilich elende Sandklitschen,die sie selbst für ein Butterbrot gekauft und an Strohmänner für horrende Summen wieder veräußert hatten, mit Rieseukapitalien; ebenso gründeten sie und erwarben von ihren Helfershelfern halb verkrachte Unternehmungen, die sie heimlich selbst schon um lächerlich geringe Summen angekauft, für die Bürgerbank um Millionen. Auf diese, so gediegen wirkende, ivie einfache Weise spielten sie sich das ganze Aktterrkapital nickst nur der Bürgerbank, sondern auch ähnlicher Gründungen in die eigenen Taschen. . . und zwar auf eine gesetzlich einwandsfreie Weise, denit alles geschah in Form Rechtens und die sauberen Direktoren konnten um so eher dem Gesetz ein Schuipchen schlagen, als sie sich ja in jedem Fall der vorherigen Zustimmung des Aufsichtsrats versichert hatten. . . kurzum, es war eilt Riesenschwindel, der die sauer erworbenen Spargroschen der düpierten Aktionäre gleich dutzeudmillionenweise verschlang und all unserer Anstrengungen spottete — denn wie gesagt, vermuten konnten wir alles, aber auch nicht düs Geringste beweisen, wenigstens nicht in einer Weise, die dem Staatsanwalt eine Handhabe zum Einschreiten bot." . „Und dennoch vermochten Sie den gordischen Knoten endlich zn durchhauen?" . „Cs ist zum größten Teil das Verdienst unseres Walden, ich kann und darf ihm diese Anerkennung nicht versagen.’ „Sie machen mich wirklich gespannt!" rief Hansemann toff* schüttelnd. „Wes hat denn dieser Teufelskerl alles angefangen? Er arbeitete viel, war immer unterwegs und sein Nervensystem litt ersichtlich, das war alles, was ich an ihm gewahr wurde.’ „Die Strafprozesse Liuergke und Krojanker sind Ihnen wohl noch in frischer Erinnerung," fuhr Rat Kneist lächelnd fort. „Allerdings. Die beiden waren Direktoren einer kleinen Kreditbank und r .irden wegen Depotunterschlagung verurteilt. Da» ist kaum zwei Monate her." 658 — „Stimmt auffallend. Sind Ihnen vielleicht auch noch einige Prozeßeinzelheiten geläufig? Die damals Angeklagten erklärten, daß sie das Opfer einer Verschwörung seien, und nur unglücklich gemacht werden sollten, weil sie einer geriebenen Gauncrclicque, an deren Spitze Geheimrat Selkenbach stände, die fernere Lelm- pflicht anfgesagt hätten." „Ah, ich glaube zu verstehen. Liuergke und Krojanker dienten als Strohmänner; entweder lehnten sie sich auf oder wußten zu viel, jedenfalls sollten sie unschädlich gemacht werden." „Was auch glänzend gelang. Sie sanden nur wenig Gelegenheit, ihre Rachedrohungen wider die Clicqne zur Ausführung zu bringen. In der Verhandlung mußte sie der Vorsitzende, weil ihr Vordringen nicht zur Sache gehörte, zum- Schweigen verweisen. Nun, eine ihrer Aussagen gab Stoff zuni weiteren Nachdenken. Sie behauptete nämlich, daß man ihnen mit der Strafanzeige schon feit Geraumen gedroht und ähnliches Material wie das gegen sie verwendete, für eine Menge sonniger Helfershelfer in Bereitschaft habe. Hier war cs, wo Walden einsetzte. Er ging von der Voraussetzung aus, daß ein solches Material sich nur in den Händen des eigentlichen Drähteziehcrs befinden könnte, und als solcher kam nach all unseren Ermittelungen nur Geheimrat Sclken- bach in Betracht. Ander Hand unseres viele Baude füllenden Materials begann nun Walden seine Spürarbeit. Er verfuhr staunenswert geschickt dabei. Um das Resultat kurz zu melden: er erklärte mir, daß nach seinem ganz bestimmten Dafürhalten sich im Verwahr Sclken- bachs eine Anzahl Papiere befinden müßte, ivclche nicht nur den ganzen geheimen Geschäftsbetrieb bloßlcgtcn, sondern genugsam Material enthielten, uni uns zum Einschreiten zu berechtigen. Ja, er eröffnete mir auch mit felsenfester Bestimmtheit, das; Selkenbach dies Geheimmaterial in seiner Billa aufbewahre. Woher er solche Wissenschaft hatte, wollte oder konnte er mir nicht sagen, doch er verbürgte sich für die Richtigkeit seiner Angaben und suchte mich zu bestimmen, einen entscheidenden Coup zu wagen, auf' gründ allgemeiner Verdachtsmomente zur Verhaftung Selkenbachs und zur Vornahme einer Haussuchung bei ihm zu schreiten; eine derartige. Handlung würde das Beweis- material und somit die angestrebte strafrechtliche Verfolgung der von uns längst als Hauptschuldige Betrachteten sichern!" „Ein verd . . . kühner Anschlag!" versetzte Hansemann widerwillig bewundernd. „Sie wagten sich aber nicht daran?" Kneift nickte nachdenklich. „Doch, ich hätte es auf die eigene Kappe genommen . . . dieser Walden besitzt eine erstaunliche Ueberredungsgabe; er hätte mich richtig 'rumbekommen, wenn der Untersuchungsrichter nicht sein entschiedenes Beto eingelegt hätte. Der bekam ordentlich Zufälle bei dem Gedanken, auf bloße Vermutungen hin einen derartigen Schritt gegen Geheimrat Selkenbach, diesen Einflußreichsten unter den Einflußreichen, zu wagen. Na, er hatte ja recht — im Falle eines Mißlingens wäre es mit seiner Karriere entschieden zu Ende gewesen. Es hat ohnehin Mühe genug gekostet, ihn jetzt, wo wir das Beweis.uatcrial mit seiner niederschmetternden Wucht wider die Rädelsführer zur Hand hatten, zu sofortigem, schonungslosem Vorgehen zu bewegen." „Und dieses Beweismaterial wurde Ihnen per Post zugeschickt?" Rat Kneift nickte. „Ja, in einem Aktcnkuvert, das bis zum Bersten mit Papieren angefüllt war, von denen jedes einzelne hinreicht, eines Mannes Existenz und Ehre zu vernichten — die reine Gift-Apotheke der Lukrezia ins Papicrue übertragen." „Den Umschlag möchte ich wirklich sehen. Walden sprach mir schon flüchtig von einem solchen, ich achtete indessen nur wenig darauf." • ,Jhr Wissensdrang soll sofort befriedigt werden" entgegnete Küeist, indem er lächelnd in sei., r mitgeführtcn Aktentasche nachsuchte und gleich darauf dem Kollegen ein ziemlich beschmutzt und abgegriffen erscheinendes Brieskuvcrt größten Formats einhändigte. „Walden hat recht, die Adresse ist linkshändig verfaßt, natürlich nur, um die Anonymität des Absenders zu wahren ■. . . auch der Aufgabestempel stimmt, zwischen 1—4 Uhr früh am 29. Oktober am Potsdamer Bahnhofspostamt . . . und hier ist zum Ucberfluß Ihr genauer Abteilungsvermerk, Kollege", setzte er überrascht hinzu. „Kriminalpolizei. Abt. M." „Das hat mich auch kolossal überrascht; auch der nicht minder betroffene Walden wußte mir keine Deutung zu geben. Wer kann der Absender gewesen sein, daß er so genau mit dem hiesigen Geschäftsgang sich vertraut zeigt. . . offengestanden . . . darüber komme ich jetzt erst zum Nachdenken", fuhr er lebhaft fort. „Bisher drängte der geradezu verblüffende Inhalt der Sendung, *"*’* unsere kühnsten Erwartungen noch bei weitem übertraf, alles eingehende Nachdenken über die Person des Absenders zurück . . . es ist wie im Märchen. Waldens Scharfsinn in Ehren, doch nie und nimmer hätte ich geglaubt, daß seine Vermutungen derart haarscharf zutreffen würden." „Es ist wirklich ein Glücksfall!" pflichtete Hansemann nachdenklich bei. „Ohne diese so ungewöhnliche Zuschickung des im Selkenbachschen Kassenschraule wohlverwahrten Geheimmaterials ständen Sie noch am alten Flecke." „Schlimmer als das! Die Untersuchung wäre im Sand verlausen, denn der Untersuchungsrichter wollte das Ermittlungsverfahren schon einshellen . . . Walden war in den letzten Tagen ganz verzweifelt. Der arme Junge konnte einem auch leid tun! Was hatte er sich gemüt und abgerackert — und nun sollte die Arbeit vieler Wochen ganz für die Katz' gewesen sein — und da, wo ich gleichfalls schon die Flinte ins Kvrn werfen wollte, langt wie ein anderer dens ex machina das Kuvert hier an und im Handumdrehen gewann unser Verfahren ein anderes Ansehen. Die Schuldfrage der heute Verhafteten steht fest, sonst hätte der Untersuchungsrichter ja auch keinen solchen weittragenden Schritt gewagt . . . Na, das ist wieder einmal Futter für unsere Sensationspresse. Es soll mich wundern, wenn nicht schon heute abend Extrablätter erscheinen." Hansemann schleuderte die aufgcrauchte Zigarre durch das Wagenfenster. „Fiel Ihnen nicht die merkwürdige gereizte Auseinandersetzung zwischen Selkenbach und seiner Tochter auf?" erkundigte er sich wie beifällig. „Wie kommen Sie darauf? Ja so, ich erinnere mich, Sie waren sogar in der Lage, den Anbeter dcS Fräuleins zu nennen." „Ich erwähnte den Namen dieses Malers Andreas Witte auch nur, weil ich mich heute vormittag zu seiner Verhaftung veranlaßt gesehen habe." Nun war die Reihe, erstaunt zu sein, au Kneift. „Wir leben in einer ziemlich geschäftigen Periode!" meinte er dann. „Um was handelt cs sich? Merkwürdig, Selkenbach und sein Schwiegersohn in spe gleichzeitig hinter schwedischen Gardinen . ." „Ein eigentümliches Zusammentreffen. Zumal, wenn ich mir den seltsamen Dialog zwischen Baker und Tochter wieder vorhalte. Klang es nicht, als beschuldigte Selkenbach das Mädchen, den Einbruch indirekt veranlaßt zu haben?" „Aehnlich klang es. Ich wußte nicht, was davon halten . . . Die Verhältnisse sind überhaupt so verworrene. Das Mädchen scheint sich in eine Liebschaft mit dem Maler eingelassen zu haben." „So scheint es. Witte ist ein für Weiber gefährlicher Mann. Er hat eine Malschule für junge Mädchen geleitet; dort hat er Fräulein Selkenbach kennen gelernt. Auch meine Tochter gehörte zu den Schülerinnen." „Was der Tausend, dann sind Sie ja gut orientiert, Kollege!" Hansemann saß mit gerunzelter Stirn. „Es wäre mir lieber, ich wäre cs in diesem Fall weniger. Eine ganz verzwickte Situation, in die ich da gebracht worden bin. Gebern saß dieser Farbenklekser noch an meinem Tisch und trank Bier mit mir. . . und heute gebot mir die Amtspflicht, zu seiner Festnahme zu schreiten." „Tolle Geschichte!" knurrte Kneift wieder dazwischen. (Foriiekung solgt.l Ire (ftiipetsbutg/) (Original-Artikel der „Gieß. Fam.-Bl."). Bon Oberlehrer H e l m k e (Friedberg). Während seines letzten Sommeraufenthaltes in Homburg hat der Kaiser auch der Kapersbnrg einen kurzen Besuch abgestattet, und sich von dem Erbauer der Saalburg, Geheimrat Prof. Jacobi, die Anlagen zeigen lassen. Dadurch ist der Name dieses Römerkastells auch der großen Allgemeinheit wieder ins Gedächtnis zurückgerufen worden, wenn auch festgehalten werden muß, daß die Archäologen dem Bauwerk schon längst ihr Interesse zuge- wandt hatten; ist doch die Kapersburg durch ihre Anlage und durch ihre verhältnismäßig gute Erhaltung eine derjenigen römischen Festungen, die der besonderen Beachtnng wert erscheinen. Gerade dem Umstand, daß sie stets von Wald bedeckt war, ist es zu danken, daß sie noch so gut *) Wir empfehlen unseren Lesern die besondere Beachtung und Bewertung dieses von dem Leiter der Ausgrabungen der Kapersburg auf unseren Wunsch bereitwilligst verfaßten Aufsatzes, der als Führer bei einem Besuche der Kapersburg icdem vorzügliche Dienste leisten würde. D. Red. erhalten ist; nur eine Seite, die Nordsette der Kastellmauer, ist im Laufe des vorigen Jahrhunderts allmählich nach den Nachbardörfern (Pfaffenwiesbach und Rosbach) gewandert, weil sie ihnen für ihre Schul-, Kirchen- nnd Privatbauten die Steine fertig bearbeitet und mühelos lieferte. Aber da sowohl die Fundamente der abgebrochenen Mauer als auch der davorliegende Graben noch gut erhalten sind, so fällt doch dieser damals allgemein beliebte Raubbau nicht allzuschwer ins Gewicht. Und umso besser ist das Andere erhalten, über das sich im Laufe von anderthalb Jahrtausenden schützend Laub und Erde legte, bis hie Neuzeit es von seiner Hülle zu befreie» begonnen hat. Noch vor wenigen Jahren im Besitz der Gemeinde Ober-Rosbach, und dadurch der genaueren Untersuchung und Freilegung entzogen, ist die Kapersburg jetzt in die Hände des hessischen Staates gekommen, und wird nun planmäßig durchforscht und erhalten; namentlich aber ist ihrer weiteren Zerstörung und Beraubung durch das Denkmalschutzgesetz Einhalt getan, und wenn die Besucher selbst dazu beitragen, durch eigene Zurückhaltung sowohl wie durch Verhinderung von Gewalttätigkeit anderer der Kapersburg Schutz angedeihen zu lassen, so beweisen sie dadurch aufs Beste, daß sie gesonnen sind, dem Gesetze zu seinem Rechte zu verhelfen. Auch die vorliegenden Zeilen sollen diesem Zwecke dienen, sollen aber üt erster Linie dem Besucher einige Anhaltspunkte über die ganze Anlage zu geben versuchen. Von Jahr zu Jahr ist die Besucherzahl gewachsen, und hat 1907 3000 weit überschritten, das hängt natürlich mit der wachsenden Freude am Wandern zusammen, serner aber auch nut der Erkenntnis, daß die Kapersburg jetzt der Wissenschaft zugänglich gemacht wird, und nicht zum wenigsten mit dem Umstand, daß man sie heute auch wirklich finden kann. Das muß ganz besonders betont werden, hängt doch als bedeutsames Erinnerungsmerkmal früherer Unauffindbarkeit unmittelbar vor dem Kastell ein Schild mit der bezeichnenden Aufschrift: „Hier ist die Kapersburg!" Und die Fragen von Besuchern nach dem „Dorf" oder der „mittelalterlichen Räuberburg" sind auch heute noch nichts Seltenes. Aber jedenfalls ist es mit großem Dank anzuerkennen, daß die beteiligten Behörden, besonders die Oberförsterei Obcr-Rosbach, der Herstellung von guten Zu- gangswegen ihr Interesse zugewendet haben und zuwenden, und ebenso gebührt dem rührigen Taunusklub „Wetterau" in Friedberg-Nauheim das Verdienst, für die Wegebezeich- nnng außerordentlich viel getan zu haben; hoffentlich nimmt er auch für die Folgezeit Veranlassung, sowohl bei der Erneuerung einiger undeutlich gewordener Markie- ruiigslinien wie bei der Schaffung neuer Touristenwege sein Interesse zn betätigen. Heute führen von Bad-Nauheim über den Winter st ein und über das Forsthaus, von Friedberg, von Ober-Rosbach über das Waldschlößchen, von Ziegen berg — Krausberg — Pfaffenwiesbach und von Homburg —Lochmühle, sowie von Köppern aus bequeme Fußwege meist durch schönen Hochwald hinauf. Einen Uebelstand freilich gibt es noch zu überwinden: Von Mitte August an fangen die vorhandenen Quellen an zu versiegen; es soll daher versucht werden, im nächsten Jahre einen der römischen Brunnen wieder so herzurichten, daß er gutes Trinkwasser liefert; hoffentlich ist auch die Zeit nicht mehr fern, wo der auf der Kapersburg staatlich bestellte Aufseher die Erlaubnis erhält, wenigstens alkoholfreie Getränke zn verabreichen. So werden es diese Bemerkungen berechtigt erscheinen lassen, wenn im folgenden versucht iverden soll, die Kapersburg und ihre Anlagen kurz zn schildern und den Er- haltungsplänen der hessischen Regierung etwas nachzugehen. Als Grundlage für genauere Studien sei neben anderen vor allem auf das entsprechende .Heft der Reichs- Lini eskommission verwiesen. Die Kapersburg liegt, von der Wetterau aus gerechnet, am jenseitigen Abhang des init beut Gesamtnamen Winterstein bezeichneten Höhenzuges, genauer am westlichen Fuße des Saukopfs, etwa 420 Meter ü. M. Sie ist vom No: reu her das erste im Gebirge liegende Taunuskastell und hat als Nachbarsestüngen int Norden Langenhain, irrt Südwesten die Saalburg. Ungehindert schweift der Blick von hier über den Taunnsrücken bis zum Feldberg, so daß die Kapersburg, abgesehen von ihrer militärischen Bedeutung überhaupt, vor allem als Signalstation wichtig war; hierzu kommt, daß sie mit der Saalburg und dem Feldbergkastell zusammen die Hochebene von Wehrheim- Elsi n g e n beobachten konnte, außerdem hatte sie als Aufgabe noch die Deckung des an ihr vorbeiführenden „Hühner- Pfades", einer prähistorischen Straße. Nur wenig mehr als rund 50 Meter hinter dem Pfahlgraben liegend, hatte sie durch den am Limes entlang führenden Kolonnenweg Verbindung mit den Nachbaranlagen (Zwischenkastell Lochmühle und Saalburg einerseits, Zwischenkastelle O ck st a d t rtnd Kaisergrube und Langenhain andererseits), sowie durch eine Römerstraße mit deut in der Ebene rückwärts gelegenen Kastell Friedberg-Burg. Ihr Name — er wird mit Köppern, Karben, auch mit caper uitb capricornus in Beziehung gebracht — ist bis heute ebensowenig erklärt, wie der der Saalburg, welch letzterer doch wohl am einfachsten als „Grenzburg" gedeutet wird (sal = Grenze, vergl. Salweide, Salbnch, Salband oder Salwand). Zwar war fie den wenigen Forschern heimatlicher Geschichte im 18. Jahrhundert bekannt, auch haben Männer wie PH. und G. Di essen buch in Friedberg u. a. an der Käpersburg int 19. Jahrhundert gearbeitet, doch gingen sie zum Teil — dem damaligen Stande der Ausgrabungswissenschaft entsprechend — mit zu geringen Mitteln, dafür aber mit zu viel Phaittasie vor und kamen auf Grund falscher Vermutungen zu allerhand ungenauen und falschen Schlüssen, zum Teil auch gruben sie nur ans, um Funde zu machen, Funde, die heute in alle Welt gewandert und für die Wissenschaft verloren sind. Erst die Untersnchungen der Reichs-Limeskommission haben dazu geführt, daß die Kapersburg in ihrem Wert und Wesen wenigstens den Grundzügen nach klargelegt wurde; diesen in den Jahren 1896 und 1897 von dem Geh. Baurat Prof. Jacobi in Homburg ausgeführten Arbeiten folgten int Beginne des 20. Jahrhunderts bald wieder aufgegebene Versuche des Ministerialrats Sold an, wenigstens das Kastellbad in einen menschenwürdigen Znstand überznführen, bis sich im Jahre 1906 die hessische Regierung entschloß, mit ausreichenden Mitteln und auf Grund eines umfassenden Planes die völlige Freilegung des Kastells zu unternehmen. Es wird nach dein Vorhergesagten keines Beweises mehr dafür bedürfen, daß sich die Regierung dadurch ein außerordentliches Verdienst um die Wisseitschaft und den Dank aller Altertumsfreunde erwerben wird. Schluß folgt. Aas Kreisregimmt Aannkadt in der Schlacht lu-i Wonach. (Zinn 5. November.) Friedrichs des Großen Einmarsch in Sachsen im Jahre 1756 veranlaßte den Kaiser, gegen denselben die Anklage wegen Bruchs des Reichsfriedens zn erheben. Ter Reichstag beschloß, die Reichsarmee.gegen den König auf- zubieten. Ter oberrheinische Kiwis, zu dein Hessen-Darmstadt gehörte, mußte 3 Regimenter stellen. Das hessen-darmstädti- sche Regiment war das tüchtigste von allen; es war ungemischt, während die Kompagnien iit den anderen Regimentern aus verschiedenen Kontingenten zusammengesetzt waren. Auch im Frieden wies das Darmstädter Regiment die notwendige Stärke auf, und vor allem war es einexerziert. Das wollte viel heißen, da der Höchstkommandierende der Reichsarmee eine längere Lager- und Uebungszeit für notwendig hielt, „um die Armee nur in die mindeste Form zu bringen und selbe Soldaten gleich zu machen." Das Regiment Darmstadt war von den oberrheinischen Regimentern allein mit kalibermäßigen Gewehren ausgerüstet. 660 Das Kreisregiment Darmstadt brach am 2. Juni 1757 aus der Garnison Gießen nach Frankfurt auf, wo es nach vier Tagen anlangte. Es bestand ans 900 Mann, darunter 150 Rekruten. Tie Reichsarmee war am 2. November auf dem rechten Flügel des französischen Heeres unter Loubose eingetroffen und hatte bei Müchden in der Nähe des Unstrut das Lager bezogen. Am 5. November war vom Janushügel aus bei Roßbach der preußische Reitergeneral Seyhlitz mit seinen 20 Schwadronen Reitern hervorgebrochen und hatte sich zuerst auf die deutsche Reiterei geworfen, die die Tete bildeten. Nachdenl dann das 1. französische Treffen zersprengt war, richtete sich Seydlitz auch gegen die Infanterie des 2. Treffens, in welchem sich auch die Reichsinfante r i e befand. Noch ehe der Kampf in die Nähe kam, ergriffen die fränkischen Bataillone und die kurtrierischen Mannschaften die Flucht, während die Regimenter Darmstadt und Würzburg allein blieben und einen geordneten Rückzug bildeten. Diese ehrenhafte Haltung der hessen-darm- stadtischen Truppen wird in den gesamten Nachrichten von der Schlacht bei Roßbach besonders hervorgehoben, wenn es heißt: „Das Fürstlich hessen-darmstädtische Regiment hielt sich tapfer, es stellte sich zum dritten Mal her. Jedoch weil er von allen anderen im Weichen begriffenen Regimentern verlassen worden war, ließen Se. Durchlaucht der Prinz Georg von Hessen-Darmstadt solche langsam abmarschieren." Prinz Stolberg, ivelcher den anderen beiden Kreisregimentern zugeteilt war, berichtet an den Landgrafen Ludwig VIII.: „Ew. Lieb den Regiment hat sich bei der Bataille in bester Ordnung zurückgezogen nnd ein wenig verloren." In den Berichten über den Landgrafen über das Treffen bei Torgau*) am 8. September 1759, sowie über das Gefecht bei Kunersdorf*) in Sachsen am 29. September 1762 wird die Haltung des Kreisregiments Darmstadt weiter rühmend erwähnt. Nach dem Frieden zu Hubertsburg am 21. Februar 1763 kehrte das Kreisregiment zurück imb rückte mit seiner Artillerie am 24. März in seine frühere Garnisonstadt Gießen ein. — ö — * ) Nicht zu verwechseln mit den Schlachten bei Torgau am 3. November 1760 und bei Kunersdorf am 12. August 1759. ___________ "Die Handelsflotten der Welt. Nach Lloyds Register 1907/1908 beträgt der Gesamltonnengebalt der Handelsflotten der Welt 39 438917, das sind 1 884 9(4) incbr als im Jahre 1906. Tie Zahl der Schiffe, Dampfer und Segelschiffe, über 100 Tonnen, beträgt 30 203, 109 mehr als im Vorjahre. Darunter sind 20 746 Dampfer, 869 mehr als 1906, und 9457 Segelschiffe, 760 weniger. Die Dampfer haben insgesamt einen Tonnengehalt von 33 669 811, die Segelschiffe nur 5 469 106. Vom Tonnengehalt der Tainpfer entfällt über die Hälfte, 17 001 000 Tonen, auf Großbritannien. * Ein neuer K a u t s ch u k b a u in ist soeben in Tonking von zwei Gelehrten Dnbord und Eberhard entdeckt worden. Nach den der Pariser Alademie der Wissenschnst gemachten Mitteilungen- fii dct sich dieser Kautschnkbauni in großer Anzahl in mehreren Provinzen der sranzösisthen Kolonie imb liefert Kautschuk von einer außerordentlich guten Qualität. Tie Entdeckung ist um so wichtiger, als man bisher in Indo- china mir Kautschnklianen gefunden hat, deren Ausbeutung zu großen Cchwierigkcilen begegnete, als daß sie hätte gewinnbringend sein können. * 3mmer korrekt! Ein gewissenhaiter Beamter ha! ein amt'iches Schreiben an einen Sdnmnetler zu richten, der zugleich Reserveoffizier ist. Bei Irr Adresse überlegt sich der korrekte Herr .Wohlgeboren" oder „Hoe>wohlgeboren"? Das Problem scheint unlösbar. Endlich konnnl ihm ein reuender Gedanke, und entschlossen bemerkt er unter Titel riiid Namen: „Wohlgeboren, ^bezw. Hochwohlgeboren." So geschehen im Jahre des Heils 1907! Evzrehmrg. Nachdruck verboten^ In etnem alten Liede heißt es uom Lernen: „Ems isl's, das niemand kann verderben Und nennt er Millionen fern, Das Wissen müßt ihr euch erwerben, Nur daS bringt wahren Reichtlin, ein." Der Winter bringt die beste Zeit und Gelegenheit zum Erwerben von Kenntnissen, und keiner sollte versäumen, ihn zu diesem Zwecke recht ariszunutzen. Ter Kamps ums Dasein ist in der Jetztzeit wahrlich nicht leicht. Es gilt, sich anzusirengen nnd sich redlich ums Fortkommen zu bemühen, ivenn man nicht zurückbleiben ivill. Jede ®nbe, auch die kleinste, beschließt eine Aufgabe in sich, nämlich die, solche derart auszubilden, daß sie nutzbringend verwandt iverden kann. Je tüchtiger aber ein Mensch ist, desto mehr wird er geachtet und geschätzt, und ein gemütvoller, liebevoller Charakter- bezwingt die Herzen mit unwiderstehlicher föeivoli. Bel allen Fortschritten darf aber eine augenfällige Geiahr nicht überseheir werden, nämlich die immer mehr emreißende Oberflächlichkeit. Sie ist die ausgesprochene Feindin der Gründlichkeit imb gebt in einem sehr bestrickenden, schillernden Gewände einher. Sie schlickst nur den Schaum vom Kelch des Wisiens und brüstet sich dann mit dem leicht errungenen Reichtum, der nur leider nicht standhält, sondern nach o't sehr kurzer Zeit in alle Winde geht. Gelernt mit aller Flüchtigkeit, Nur ihr die Stunde, nicht fürs Leben, Vergessen in Geschwindigkeit, So lernen unsre Kinder eben. Sie drehen das alte, Intemiicbe Woil: „Nicht für die Schule, sondern für das Leben muß man (einen", nach ihrem Belieben um. Welche Früchte zeitigt aber ein solches Vorgehen? Kommt bei dein flüchtigen Erlernen des ungenügend Begriffenen beim irgend etwas Ersprießliches heraus? Ach »ein! mit das, was man griindlich ei leint hat, kann von Nntzen für den Betreffenden und andere sein. Halbes Können verdirbt das beste Wollen, schlechte Schulbildung ist ein direktes Hindernis beim Fortkommen. Da der Mensch nun einmal „hinaus muß tns feinblicbe Leben", so muß er ernstlich nncb der richtigen Ausbildung aller seiner Kräfte streben. Ob er mm den Unterhalt nut bei* Händen oder mit des Geistes Weissen er werben muß, einerlei, wenn er nut treu das Seine tut und die kostbare Zeit zum Lernen nie ungenutzt vorübergehen läßt. Wie einladend zu einllem Studium sind die langen Winterabende! Wie gut laßt sich repetieren und aussrischrm, wenn fick etwa ein Heiner Kreis n(ined eutlich zu diesem Zn cc.e vereint. Blag es dann draußen stürmen und schneien, nrag bet Tag noch io früh zur Rüste gehe», den Lernenden vergehen die Stunde» im Fluge, weil ihr Geist freudig angeregt, ihre Phantasie angenehm unterhalten wird. Wer mit Luft und Liebe lernt und fein bestes Können enuetzt, wird mit Freuden die m einer bestimmten Zeit gemachten Fortschritte ivahrnelmien. Doch ist ein zielbewusstes eifriges Streben unerläßlich, und das gründliche Erlernen der zimr Lernen nöligen Kemiinisse muß als Pflicht aufgefaßt und demnach treidid) betrieben werden. A lnr a Grube. Goldene Morte» Tie meisten Ehekriege Stimmen nicht davon, daß man die Wahrheit sagt, sondern daß man sie, unbekümmert um jede Zett, sogleid) sagt. * 3ecn Nicht, was lebendig, kraftvoll sich verkündigt, Ist das gefäl riich Furchtbare. Das ganz Gemeine issts, das ewig toeftricie, Was immer war und immer wiederkehrt Und morgen gilt, weiss heute hat gegolteii. Schiller. * Tie meisten Nachahmer lockt das Unnachahmliche. Winrie v. Ebner-Eichenbach. BUVcrroLsel. Auflösung ui nächster Nummer. Auflösung des Nätiels in voriger Nnnimer. Muskalnus Redaktion: P. Witt ko. — Rotationsdruck und Verlag der Brüht'scheu Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen.