1907 Arerjag den 7. Juni »KT Aem Irrlicht nach. Roman von Alexander Römer. Nachdruck verboten. (Fortsetzung.) f£er leise, zitternde Ruf macht Erna aufschauen, sie wendet ihr träueriüberströmtes Gesicht in die Richtung, und hätte beinahe laut aufgeschrieen. Sylvia ist auf halbem Wege in die Kniee gesunken, sie kann nicht weiter; Erna eilt auf sie zu, und hebt sie empor. „Sylvia — v, mein Gott! Sylvia!" Sie hält die Schwester umschlungen und heiß« Tränen fallen ans deren kaltes Gesicht. Wie ist das blühende Kind verändert! In diesen: schrecklichen Moment, wo das schwerste Leid über sie hereinbricht, saht noch der Jammer uin die Verlorene ihre Seele. „Sylvia! Wie kommst du hierher, — warst du bei ihm?" Sylvia streicht mit der Hand durch ihr wirres Haar — sie sängt an, sich zu besinnen. I > „Er ist tot," sagt sie, wie vvr sich hin. Villatte und Paul sind um den alten Herrn bemüht, sie führen ihn an die Leiche des Sohnes, und Paul stellt sich so, daß Sylvia dem unglücklichen, für alle anderen Dinge jetzt stumpfen Vater nicht auffällt. Villatte ist zusammengefahren bei ihrem Anblick, er zittert noch, unb seine Augen irren nach der Richtung, wo die beide» sich umschlungen halten. Also Roderich hat sie geliebt, arme Sylvia! Der Kommerzienrat steht stumnr, tränenlos, wie gelähmt an Leib und Seele beim Anblick seines Lieblings. Das ist das Ende! Alle die schwellenden Hoffnungen, die er immer noch auf ihn gebaut, da liegen sie zertrümmert. Sein Sohn, sein schöner, begabter Sohn, woran ist er zugrunde gegangen? Er, dem das Leben eine Fülle reichster Güter bot. Woran? Ihm fehlte ein gesunder Lebenszweck. Es ist dem Vater nicht gelungen, ihm den zu geben. Worin hat er es versehen? Wo liegt seine Schuld? Schwere, trostlose, niederschmetternde Gedanken ziehen durch deu müden Geist des Greises. Er hat gearbeitet, treu und angestrengt sein Leben lang, um immer mehr Geld und Gut zusammen zu häufen für seinen Erben. Und an diesem Ueberfluß von Geld urid Gut ist der Erbe zugrunde gegangen. Er brauchte nun nichts mehr zu tun, er hatte keinen Sporn. Da warf er sich auf lauter eitle, törichte Dinge, die ihm nicht hielten, was er von ihnen erwartete. Ein Ziel inuß der Mensch haben, einen Lebenszweck. Hätte er geheiratet, so hätte er zu schaffen gehabt für Weib und Kind, und in den Kindern seine Hoffnungen — Roderich! Roderich! mein schöner, herrlicher Roderich ! Paul hat leise die Vorhänge aufgezogen, das freundliche Tageslicht fällt auf das Antlitz des Toten. Sind in der letzten Stunde seines Lebens Schlacken abgefallen von seiner Seele, diese Züge tragen einen andern Ausdruck, als je der Lebende sie hatte. Eine versöhnende, verklärende Ruhe liegt darüber gebreitet, man sieht, welch ein schöner Mann er war. Er sieht aus, als schliefe er und könne plötzlich, ein anderer, als der er war, erwachen. Der alte Vater steht lange tief über ihn gebeugt, dann fängt ein leises Schluchzen an, den wuchtigen Körper zu erschütteret, die ganze Gestalt des greisen Mannes zittert. Erna ist herangetreten, und schlingt sanft den Arni um den Vater. Sie sind allein bei dem Toten. Paul hilft im andern Zimmer Sylvia ihren Hut und Schal anlegen, und redet beruhigend auf sie ein. Er hat kurze Rücksprache mit Erna genommen, sie haben sich mit zwei Worten verständigt. Er darf Sylvia einstweilen in Ernas Zimnter im Hotel führen. Villatte steht neben ihnen. Er hat Sylvia herzlich mitfühlend die Hand gedrückt, wie ein Bruder. Es gibt kaum einen Menschen, dessen Mienen wie die Armand Villattes, Wärme und Innigkeit auszudrücken vermögen. Paul wundert sich aber doch im Stillen über die Kühle des ehemaligen Liebhabers diesem trostlosen Schicksal gegenüber. Er selbst empfindet aufs tiefste mit ihr. Vater und Schwester werden sich eher trösten als sie, dieses schwache, hilflose Wesen, das den Toten still und heimlich geliebt hat von frühester Jugend an, und nun ihren Schmerz in ein trostlose Leben voll Untiefen und Gefahren tragen soll. Das ist erbarmenswert. Ihre Schultern sind zu schwach für solche Lasten. Selbst er, der sonst stets Rat weiß für alles, vermag hier noch keinen Ausweg zu finden, um sie zu retten vor sicherem Untergang. „Kommen Sie," sagt er jetzt sanft, „ich führe Sie in Ihrer Schwester Zimmer, bei ihr sollen Sie sich erst erholen. Aber hier müssen wir fort." Sylvia ist so erschöpft, daß sie sich ihm willenlos überläßt, sie ist nicht imstande zu denken, oder zu überlegen. Das Hotel, wo Villatte Zimmer für Vater und Tochter bestellt hat, ist ganz in der Nähe, sie schreiten nur über die Straße und ein Streckchen über den Platz. Ernas Gemach ist groß und luftig, mit elegantem Komfort eingerichtet. Frische Rosen in Basen verbreiten köstlichen Duft, ein Feuer prasselt im Kamin, eine behagliche Wärme durch strömt den Raum; Paul löst Sylvia Hut und Schal und bettet sie auf die Otto- m.aue. Er tut das rasch, umsichtig, geschickt, mit einer ernsten Ruhe, die nichts Aufregendes hat. Und sie ist so totmüde. Allmählich erwärmen sich ihre erstarrten Glieder, ans dem Tisch steht Wein und etwas Backwerk. Er gießt ein Glas ein und reicht es ihr. „Trinken Sie, es ist notwendig, Sie haben Ihre Kräfte nötig." I , Ihr wird Wohler, solche Behaglichkeit hat sie lange nicht mehr gekannt. Er setzt sich neben sie. Sie saßt nach feiner Hand und hält sie fest, wie ein furchtsames Kind, das etwas Lebendiges fassen muß, um sich nicht zu grauen. Sie schluchzt jetzt leise, und dazwischen spricht sie zu ihm. „Sie sind so gut — warum nur sind Sie es zu mir? Erna — wie lieb und gut war Erna!" Dann fährt sie schreckhaft empor und denkt nn die Muttert 826 Er drückt sie sanft auf ihr Lager zurück und redet ihr beruhigend zu. Die Mutter soll benachrichtigt werden, sie wird «in Einsehen haben, — ihre beiden Naturen passen nicht zusammen. „Dieses Reiseleben ist nichts für Ihre zarte Konstitution, Fraulein Sylvia, und jetzt, da Walldorfs da sind — und der gemeinsame Schmerz Sie wieder verbindet — die Mama Walldorf wird sich auch nach ihrem Pflegekiude sehnen, der einzige Sohn ist ihr genommen —" „Mama Walldorf!" schluchzt Sylvia auf. „O, bn gute, liebe Mama Walldorf! Aber nein — sagen Sie mir das nicht — für mich gibt cs kein Leben mehr, für mich gibt cs keinen Ausweg als Tod." Paul schweigt. Er, der nüchtern Reflektierende, erwägt auch jetzt aus seiner besonderen Lebeusanschauuug heraus, ob nicht Wahrheit liegt in dem Gefühl, welches dieses arme Wesen da ersaßt. Ihr wäre vielleicht am wohlsten, sie schliefe den ewigen Schlaf. Aber der Tod kommt nicht zu denen, die ihn wünschen, er läßt sich nicht rufen und nicht abweisen. Und was es bedeutet, ihn vermessen sich zu gebeu, das hat er in diesen Tagen erfahren. Es ist Feigheit, Frevel, Verbrechen. Mag niau denken über die dunklen Welträtsel, wie man will, wehe dem, der vorzeitig mit kecker Hand den Vorhang hebt, der uns das Unfaßbare verbirgt. Und etwas Fremdes, nie Gekanntes regt sich bei diesem Denken in Paulas Seele, eine ungewohnte Wärme kreist durch sein Blut, ein großes, gewaltige Mitleid erfaßt ihn. Sie ist noch so jung, ihre Seele ist noch nicht verdorben — ihre Heimat ist das Walldorfsche Haus, wo sie ausgewachsen ' ist — wenn sie dahin zurückkehren kann, ist sie gerettet. „Fassen Sie Mut," sagte er plötzlich, „ich bin stark und in mancher Trübsal erfahren, ich helfe Ihnen zum Lebeu." Sie sieht ihn verstört an, als spräche er eine fremde Sprache. Dann sinkt sie zurück und schließt die Augen, wie ein müdes Kind, dem die Mutter ein Wiegenlied gesungen. Villatte ist bei Vater und Tochter geblieben. Als der Kommerzienrat sich ein wenig ermannt hat, besprechen sie die nötigen Anordnungen. VUlatte ist ihnen Trost, Stab und Halt, was hätten sie wohl beginnen sollen hier im fremden Lande ohne ihn. Als sie durch freigebige Geldspenden die Wirtin gewonnen und das Erforderliche eingeleitet, führt Villatte den Kvmmerzienrat hinüber ins Hotel, der alte Herr stützt sich schwer auf seinen Arm. Erna sagt dem Vater unterwegs, daß Sylvia in ihrem Zimmer ist. „Du hast sie nicht bemerkt, Papa, und das war gut," erklärt Erna; „sie hat unfern Roderich noch lebend gesunden und seine letzten Grüße empfangen, ©ie hat ihn sehr geliebt. Hier diesen Brief fand ich auf dem Tische neben Roderichs Lager, er ist an Sylvia —" Sie schweigt, der Vater starrt so zusammengesunken vor sich hin, sie weiß nicht einmal, ob er sie hört. Wer er hört sie wohl. Seine Gedanken irren noch immer umher um das Leben des Sohnes, das nun entflohen. Sylvia hat ihn geliebt, Nnd —- eine Ahnung hat es ihm ost gesagt — Roderich liebte auch sie. Er strebte baistals Sylvia zu verheiraten, — gegen ihre Meinung und trieb den Sohn selbst aus dem Hause. Er Meinte sehr weise und vernünftig zu handeln — o, wir weisen, vernünftigen Menschen! Hätte Roderich Weib und Kind gehabt, er lebte noch. Sie sind ins Hotel getreten und Erna bittet den Vater, sich niederzulegen und ein wenig zu ruhtzu, ob sie, ob Villatte bei ihm bleiben solle. Er schüttelt den Köpf. , »Laßt mich allein — und du — geh zu Sylvia — sie soll Mrt uns nach Hause gehen — wenn sie will." Erna ist starr vor Verwunderung. So hat der Vater sie doch gehört vorhin; dies ist aber mehr, als sie erwartet hat. Ehe sie in ihr Zimmer geht, steht sie noch einen Augenblick mit Villatte auf dem Flur, ihre Hand in der seinen. „Villatte! Ich danke Ihnen — und wegen Sylvia, des Vaters Ausspruch eben wälzt mit einen Stein vom Herzen." Er nickt. »Ja, gottlob! So wird sie gerettet. Wie nur wird die Mutter sich dazu stellen — nun — Paul Hendrichs muß mit rhr unterhandeln, der ist der geeignete Mann dazu." . »Meinen Sie — ach! Das wäre ein Trost." Sie drücken die Hände. In Ernas Seele ist in dieser Stunde kein Gedanke, daß Villatte noch für sich Sylvias Rückkehr wünsche. Ihr tir, gls gehöre er jetzt fest zu ihr ist ihrem großen Leid. v ■ (Fortsetzung folgt.) - » .....«- Jugend. Novelle. „Elisabeth", tönte es sreudig und erregt einer jnugen schlanken Fraucugestalt entgegen. Leichten Schrittes eilte sie den Kiespfad entlang, der grünumraukten Laube zu, aus der die Stimme kam. Auf den sonst bleichen Wangen schimmerte eine sanfte Röte/ als sich Elisabeth bei ihrem Namen rufen hörte, und mit ausgestreckten Händen eilte sie auf ihren Freund Friedrich Arndt zu. „Wie haben Sie mich nur schon von fern erkannt?" fragte sie, indem sie neben dem Rollstuhl Platz nahm. „Ich fühlte deine Nähe und heute mußtest du ja kommen/ nachdem du mich fast 8 Tage vergeblich warten ließest", erwiderte der bleiche Mann, indem seine toten Augen auf Elisabeth ruhten. „Ich ... es war mir nicht eher uröglich — mein Mann und die Kinder brauchten mich", kam es stockend von ihren Lippen. Doch plötzlich brach sie ab und drückte einen warmen Kuß auf seine Hand. Es war ein seltsames Paar, das nun im Schein der Abendsonne beieinander saß. Sie ein jugcndschönes vollerblühtes Weib, mit edlen Gesichtszügcn, aus denen die dunklen Augen mit leiser Schwermut blickten. Die Stirn umrahmte gewelltes goldblondes Haar, das das schmale Gesichtchen wie ein Glorieuschleier umgab. Ihr zur Seite saß ein Mann, der trotz seines Leidens nicht älter als Mitte der 40 schien. Ein jahrelanges Siechtum, das seinen Körper bis zur Hälfte gelähmt hatte und ihm nur noch den Gebrauch feilt et Arme und Hände gestattete, fesselte ihn gänzlich an den Rollstuhl und hatte ihn seit kurzem auch des, Augenlichts beraubt. Das Gesicht trug noch Spuren großer Schönheit und die energischen Züge gaben Zeugnis davon, daß in diesem siechen Körper ein unbesiegbarer Geist und eine eiserene Willenskraft wohnten. Wenn man in die dunklen Augen sah, schien es fast unmöglich, daß darin alles Leben erloschen sein sollte. Denn sie konnten in wunderbarem Glanz erstrahlen, wenn sie sich wie eben jetzt auf Elisabeth richteten. Eine junge, schöne Seele, der die Vergänglichkeit nichts anhaben konnte, blickte unter den, Lidern hervor, lieber der ganzen Erscheinung lag etwas Durchgeistigtes, die auch ohne Mitleid Beachtung fand. Elisabeth lebte mit ihrem Manne, mit dem sie die glücklichste Ehe verband, und ihren beiden Kindern im Älter von 2 und 3 Jahren erst seit kurzer Zeit in der Stadt, in der Friedrich Arndt/ nachdem sein zunehmendes Leiden ihn zur Aufgabe seiner Praxis gezwungen hatte, schon viele Jahre weilte. Ein Lufall hatte sie beide bald zusammengeführt und die warme Sympathie in eine innige Freundschaft verwandelt. Elisabeth, die ihren Gatten über alles liebte und keinen Gedanken vor ihm verbarg, ließ ihn an allem, was sie bei dieser Freundschaft Ernstes und Frohes bewegte, teilnehmen, bis sie zu bemerken glaubte, daß Erich darüber leicht verstimmt wurde. Da schwieg sie, um ihm nicht wehe zu tun und um den Schatten der etwa aussteigenden Eifersucht, der für beide kränkend gewesen wäre, int Entstehen zu vernichten. Sie machte zwar kein Geheimnis aus ihren Besuchen, sprach aber nicht mehr über ihre Erlebnisse während diesen. Obgleich Elisabeth im Besitz ihres Gatten und ihrer Kinder vollkommen glücklich war und den Reichtum ihrer Liebe ganz auf sie ausschüttete, war ihre Seele doch so groß, daß sie nicht auch darüber hinaus zu geben vermocht Hütte und sic schalt sich ost eine Egoistin, daß sie so viel Liebe für sich behielt. Da begegnete sie Friedrich Arndt und vom ersten Moment an fühlte sie: „Dieser Mensch braucht mich, ihm will ich von meinem Ucberfluß geben." Mit Elisabeth trat eine Wandlung in Friedrichs leidvollcs trostloses Leben ein; das, was nur einmal vor langer Zeit in ihm gelebt hatte, wachte wieder auf, sein Frühling kehrte noch einmal zurück. . . Elisabeth war so erfüllt von ihrer Mission, diesen Unglücklichen noch einmal glücklich lächeln zu machen, daß sie es anfangs gar nicht beinckrkte, welche Stürmtz sie in dem Innern ihres Freundes heraufbeschwor. Wenn sie so den ganzen Inhalt ihrer schönen Seele über ihren Freund ergoß u-nd ein warmer Strahl aus den toten Augen sie traf und das Gesicht ein mildes Lächeln verklärte, dann fühlte sie sich so überreich, als w'b sie es wäre, die beschenkt wurde. Die Besuche bei Friedrich Arndt wurden ihr immer mehr Bedürfnis und es fehlte ihr etwas, wenn einige Tage vergingen, ohne daß sie ihn sah. Es war, als ob ihre Seele sich immer mehr weitete, sie umfaßte die Ihren mit noch größerer Innigkeit, sie fühlte ihre Liebe zu Erich, die sie bisher gar nicht mehr steigern zu könnest meinte, wachsen, sie wurde ihren Kindern eine verständnisvollere Mutter und alles, was sie begann, verwandelte sich in Segen. Sie war unerschöpflich im Erfinden kleiner Freuden für Friedrich uni) nie kam sie mit leeren Händen. Im Juni, als die Rosen in voller Pracht standen, machte es ihr besondere Freude, einen ganzen Regen von Rosen über ihn zu ergießen, bis er ihr lachend die Hände festhielt und sie „mein Rosenwunder" nannte. Oft, wemt sie ihm vorlas, nahm er ihr das Buch aus der Hand und bat: „Erzählen Sie mir etwas, — 327 — ganz gleich was, nur etwas, was Sie selbst unb' nicht audete denkeü. Nur ihrer Stimme möchte ich lauschen." Und Elisabeth erzählte; das alte und das neue Glück verlieh ihrem Munde eine feurige Beredsamkeit, ihr ganzes strahlendes Glück enthüllte sie da vor dem Einsamen und ließ ihn einen schrankenlosen Blick in die Tiefen ihrer Seele tun. Wie dunkel und dornenvoll sein Leben gewesen, wurde Friedrich Arndt erst so recht klar, seit Elisabeth ihm nahe getreten war. Sie brachte ihm den Sonnenschein, dm selbst seine sehenden Augen nie so strahlend in sich Äusgenommen hattm. So weit er zurückdenken komite, hatte er im Schatten gelebt. Der frühe Tod seiner Eltern, eine entbehrungsreiche Jugeno, ein ausgesprochenes Talent zur Musik, zu dessen Ausbildung.man ihm jedoch die Mittel verweigerte, die Ausübung eines aufgezwungenen verhaßten Berufs, das alles zog gespensterhaft an seinem inneren Auge vorüber, wenn Elisabeth von ihm gegangen war, eine Flut von Sonnengold zurücklassend. Wie ost war er in Versuchung gewesen, das medizinische Studium an den Nagel zu hängen, wenn es ihm nicht di/ einzige Möglichkeit geboten hätte, selbständig zu werden. Völlig mittellos wie er war, war er gezwungen, die Unterstützung seines einzigen Verwandten, eines grillenhaften Sonderlings, anzunehmen, der das Studium der Medizin zur Bedingiing für sein Entgegenkommen gemacht hatte. Nur einmal war es für kurze Zeit hell in seinem Lebm geworden, als er ein Mädchen gefunden hatte, dessen reine Liebe ihn für« alle Bitterkeit, die er bisher gekostet hatte, reich ent» schädigte; aber auch dies gönnte ihm ein neidisches Schicksal nicht. Sie starb, ihn einsamer und hoffnungsloser beim je zurücklassmd. Es wurde still in seinem Herzen, das nach Liebe dürstete, seine Jugend verkümmerte, er wurde alt, ohne jemals jung gewesen zn sein. Nach einigen Jahren heiratete er die Tochter seiner Wirtin, bei der er lange gewohnt hatte, ans Dankbarkeit, weil sie ihn während seiner schweren Krankheit treu gepflegt hatte, und aus Mitleid für fie, da fie nach dem Tode der Mutter ganz allein stand. Die Hoffnung, fein Leben durch diese Verbindung freundlicher und inhaltreicher zu gestalten, erwies sich nicht nur als trügerisch, sondern machte ihn noch ärmer als zuvor. Nur zu bald machte er die bittere Erfahrung, daß lediglich die Aussicht auf eine anständige Versorgung Hedwig zu diesem Schritt veranlaßt hatte. Sie hatten nichts gemeinsam und Friedrichs ernstes Streben, ihr primitives Wissen und ihren einfachen Sinn zu vertiefen, begegnete bei Hedwig auf heftigen Widerstand. Der Mann mit den schwermütigen Augen, die nach Verlorenem zu suchen fchienen und dem sprühenden Geiste, der nach Betätigung verlangte war ihr unbequem und ihre nur auf niedrige Lust gerichteten Neigungen, die in Friedrichs vornehmem, reinen Wesen keinen Widerhall fanden und die sie vorher sorglich vor ihm verborgen gehalten hatte, zerstörten alle edleren Beziehungen zwischen ihnen schon im Keime. Da alle Versuche, sie ans eilte höhere Bildungsstufe zn erheben und die Idee ihrer Frauenwürde in ihr zu erwecken, nutzlos waren, ließ er fie gewähren. Aber zu aller Bitterkeit, die sich in seinem Herzen amfgehäuft hatte, kam noch der Ekel, der das Maß seiner Leiden voll machte. Jeder Tag bedeutete für ihn einen Kampf, auch in seinem Berus. Sein scharfes Auge und feine sichere Hand machten ihn zwar zu einem gesuchten Arzte, ober fein verschlossenes, ernstes Wesen hielt seine Kranken stets in respektvoller Entfernung. So lebte er, der Einsamsten einer, in seinem Wirkungskreise, während' es in seinem Innern pobte und wütete vor heißem Sehnen nach Lebenslust und Lebensfreude. Das, was da in ihm lebte und atmete, hätte eine Welt zu beglücken vermocht, fein reicher Geist drängte nach Ausleben. Und das alles sollte verkümmern, ohne au das Licht gekommen zu sein, ohne auch nur einen Menschen, einen einzigen erschüttert zu haben? Nein, er wollte es nicht, so grausam konnte die Natur nicht fein, das; sie so reiche Gaben, so leidenschaftliches Verlangen in ein Herz gelegt hatte, um unverbraucht dorthin zu dämmern, sich an sich selbst aufzureiben ? Nein und abermals nein, einmal mußte auch in seinem Leben die Stunde kommen, die ihn von sich selbst erlöste, er wollte warten, geduldig warten, was auch noch kommen möge und für diese kommende Stunde wollte er leben und seine Seele hüten wie einen kostbaren Schatz und wenn auch nicht einer Welt, wie er einst geträumt, so doch einem einzigen Menschen allen diesen köstlichen Reichtum zu Füßen legen. „Da nimm, dies alles hütete ich für dich." Wie sich dies gestalten, sollte, davon konnte er sich keine Vorstellung machen; daß die Stunde aber einmal kommen mußte, glaubte ex. mit fanatischer Gewißheit. So wartete er auf die Jugend. Ohne diesen Glauben hätte er das Leben nicht ertragen können, das sich ihm Mif Schritt und Tritt in der Gestalt seines Weibes in tiefer Erniedrigung zeigte; bann übermannte ihn oft die Verzweiflung und eine wahnsinnige Wut überkam ihn, das Weib, das ihm das Leben zum Ekel machte, umzubringen. Daun flüchtete er vor sich selbst zu seiner Kunst, die einzige Gefährtin, die ihn nie verlassen hatte nmd in Tönen raste sich seine Seele aus, in ihnen konnte er sein gequältes Herz befreien, die ganze Wucht seines Schmerzes ausströmen lassen. In solchen Stunden kam alles das, was in ihm unfreiwillig schlummerte, aus der Tiefe hervor, in rauschenden Akkorden sprengte er die Fesseln, da schrie ein gemartertes Herz in elementarer Wucht, die Wogen seiner ungebändigten Kraft schlugen über ihn zusammen, bis sich der Paroxysmus seiner Leidenschaft in wohltuenden Tränen auflöste, dann tarnen ihm die Melodien wieder und die ganze Innigkeit einer erlösten befreiten Seele hallte in ihnen aus. Solche Stunden gaben Friedrich Arndt dem Leben zurück und der Kraft zum Ertragen. (Fortsetzung folgt.) Tierbilder. Es ist ein guter und nicht genug zu lobender Gedanke des Martin Oldenbourgschen Verlages in Berlin, eine Reihe von Farbendrucktafeln fernes Prachtwerkes „Das Tierleben der Erde" unter dem Titel „Farbige Tierbilder" von Wilhelm Kuhnert neu erscheinen zu lassen. Wenn schon die zahlreichen Textillustrationen dieses Werkes von Kuhnerts Hand kleine Meisterwerke sind, tote viel mehr müssen es die mehr als hundert Farbendrucktafeln sein, die die fast Photograph.sch Naturtreue mit der großen Farbenschönheit vereinen. Die annähernd absolute Üebereinstimmung von Tier und Bild verdankt Kühnes seinen zahlreichen Studien, die er an Tieren nicht nur in der Gefangenschaft der Zoologischen Gärten, sondern auch an fr et sich in ihrem Elemente be- toegenden Tieren gemacht hat. Sein offener Blick ließ sich nicht an den Formen seiner Objekte genügen, er tat auch reichliche Einblicke in die Tierseele. So ist es ihm möglich geworden, das beobachtete Tier stets in charakteristischen Momenten im Bilde festzuhalten. Wenn auch das dargestellte Tier immer die Hauptsache des Bildes bleibt, ist es dennoch nicht aus dem Rahmen seiner für sich bezeichnenden Um- gebüng herausgerissen und auf irgend einen gleichgültigen Hintergrund gesetzt; Kuhnert versteht es ausgezeichnet, die harmonische Einheit zwischen Tier und Umgebung, wie sie in der Natur besteht, zu kennzeichnen. Bilder, bei denen ihm die Verbindung zivischen Landschaft und Tier am besten gelungen ist, sind Stimmungsbilder von seltener Feinheit. Dazu komntt, daß er die Farbe niemals um der Farbe toillen setzt, sondern er trägt sie gewi,ssenhaft, nur so, wie er sie sieht auf. So vermeidet er die schreiend bunten und aus der anderen Seite die eintönigen Farben, wie, sie niemals in der Natur vorkommen. Seine Bilder find wahrhafte Farbensymphonien, die unmittelbar der Natur ab- gelauscht sind und die ganze Schönheit der Natur dem staunenden Beschauer enthüllen. Ob er den Eisbären in den weiten Eiswüsten, den Löwen in der großen einförmigen Skkppe malt oder den Doppelhornvogel inmitten der tropischen Farbenpracht toiebergibt, immer wird die wahre Farbengebung mit der Harmonie zwischen Tier und Unt- gebüug'und der Naturtreue des Bildes sich Vereinen. Die Wiedergabe der Originalgemälde erfolgt nach dem in letzter Zeit hervorragend verbesserten Dreifarbensystem in mustergültiger Weise, und die Nachbildungen sind so getreu, daß sie bett ganzen malerischen Reiz der Originale, ja selbst ben virtuosen Pinselstrich des Künstlers bis in die feinsten Einzelheiten wiedergeben. Jedes der Bilder wird von einem Textblatte begleitet, auf dein der Charlottenburger Rektor Oswald Grahmann klar, kitapp und sachlich ein Lebensbild jedes Tieres gibt. Der Kunstschriftsteller Franz Hermann Meißner hat dem Werke eine Einleitung vorangeschickt, in der er auf die künstlerische Bedeutung der „Tierbilder" hinweist. Die „Farbigen Bilder" erscheinen zunächst in zehn Heften, die je fünf, auf graues Papier montierte Bilder enthalten. Zu Weihnachten 1907 soll die ganze Serie vollständig vorliegen. Der Preis des Heftes beträgt bei Abnahme der ganzen Serie 2 Mark, ein einzelnes Heft kostet 2.50 Mark. Einzelne Blätter, die sich alle, zweckentsprechend eingerahmt, als Wandschmuck für Schule und Haus eignen, werden für 60 Pfennig abgegeben. Der im Verhältnis zn diesen Kunstwerken niedrige Preis wird dem Unternehmen die Weite Verbreitung verschaffen, die es als wissenschaftliches Bil- dungs- und künstlerisches Anschauungsmaterial verdient. Die Frage des Mondschnees. Der Streit um die Atmosphäre des Mondes, der in negativem Sinne entschieden zu sein schien, ist in neuester Zeit wieder entfacht worden. Der Vorkämpfer der Ansicht, daß der Mond eine Atmosphäre besitzt, ist der häufig genannte Leiter der Sternwarte jder Harvard-Universität, Professor Pickering, und seine Ueberzengung hat durch eine neue Beobachtung eines seiner Mitarbeiter weitere Unterstützung erhalten. Die Ueberlegung, die der Lehre von einer Monbatmosphäre in der Hauptsache zugrunde 328 liegt, zielt darauf hin, daß Lei dem außerordentlich starken Wechsel zwischen größter Erhitzung durch die Sonnenstrahlen unb stärkster Abkühlung, wie sämtliche Teile des Mondes sie in einer Abwechslung von Tag und Nacht in je zweiwöchentlicher Dauer erfahren, diese gewisse Erscheinungen des Gefrierens und Tauens durchmachen müssen, vorausgesetzt, daß überhaupt Stoffe da sind, die berartigcn Veränderungen ber Form zu unterliegen geeignet sind. Wenn nun eine Atmosphäre um bett Mond vorhanden wäre, so könnte matt sich denken, baß bie sie znsammensetzenben Gase bei ber Abkühluttg int Monbschatten bis zur Bildung eines Schnees gelangen könnten. Allgemein bekannt ist seit längerer Zeit ber verhältnismäßig leichte Uebergang von gasiger Kohlensäure ttt bie flüssige und feste Form, welch letztere eine gewisse Aehnlichkeit mit Körnern ober Graupeln vott Wasserschnee besitzt. Auch anbere Gase, die etwa in ber Atmosphäre bes Mondes vertreten sein könnten, würben bem Gefrierprozeß unterworfen sein, falls bie Abkühlung sehr hohe Kältegrade erreichte. Ist doch bas Helium bas einzige Gas, besten Verfestigung bisher noch immer nicht gelungen ist, während sogar der Wasserstoff sich Jjat überwunden geben müssen. Auf dem Mars sind derartige Vorgänge in der Tat sichtbar zu verfolgen, indem um die Zeit des Marswinters die Ausdehnung der weißen Flecken am Pol der betreffenbett Halbkugel zunimmt, zur Sommerszeit dagegen wieder zusamtnenschmilzt. Vielleicht habett bie vermeintlichen Marsbewohner in ihreit Fernrohren an bem Nachbarplaneten Erbe auch ihrerseits längst ein Gleiches wahrgenommen. Ob nun auf bem Mars ober gar auf bem Monbe Wasserbampf unb bemzufolge eigentlicher Schnee unb richtiges Eis aus gefrorenem Wasser vorhanbert ist, bleibt mindestens sehr unwahrscheinlich, doch tonnte unter Umständen die Kohlensäure oder ein anderes Gas in der Wirkung eitte ähnliche Rolle spielen. Jedenfalls will der Astronom Frost von der Harvard-Sternwarte bei Gelegenheit einer vollständigen Mondfinsternis eine Erscheinuttg beobachtet haben, bie für das Bestehen einer Monbatmosphäre sprechen würbe. Um den berühmten Mondkrater, ber bett Namen von Sinne trägt, unb schon verschiebentlich wegen merkwürbiger Veränderungen, die man früher auf dem starren Monde nicht für möglich gehalten hat, verdächtigt worben ist, ist int Fernrohr eine sogenannte Aureole zu erblicken, eilt Heller Strahlenkranz, besten Wesen verschieben gebeutet worden ist. Nun hat Frost festgestellt, baß ber Durchmesser bieses Strahlenkranzes bei Heller Belichtung etwas über 21/», während ber vollstänbigen Verfinsterung aber fast fünf Bogensekunben betrug, nm Kann bei ber Wieberaufhellung bes Mondes sich wieder entsprechettd zu verkleinern. . Diese Erscheinung wird durch bie Annahme erklärt, baß sich bei ber plötzlichen Abkühlung auf ber Monboberfläche infolge ber Verschattung gewaltige Schnecmassett ttieberschlagen. Ob andere Astronomen eine solche Erklärung für möglich halten werden, wird abzuwarten sein. Es erscheint zum ntiubestett nicht leicht glaublich, daß der Niederschlag so ungeheurer Schneemassen, wie sie durch bie erwähnten Veobachtungsergebtiisse vorausgesetzt werben müßten, in ber kurzen Seit einer Mondfinsternis sollte erfolgen können. VsrmZZchtKS. * Fürstliche Bri e fs ch rei b e r. Die bevorstehende Veröffentlichung der Briefe der Königin Viktoria von England bringt vott'neuem in die Erinnerung, wie selten doch die Korrespondenz fürstlicher Personen, selbst solcher, die schon lange verschieden sind, der Oeffentlichkeit zugänglich gemacht wird. Dies ist nicht nur deshalb bedauerlich, weil in den fürstlichen Privatbriefen oft eine Menge intimer Mitteilungen verborgen sind, die für die Geschichte der Politik und der Höfe von Wert sein könnten, sondern auch aus dem Grunde, weil es unter den fürstlichen Personett so tnanche gibt, die ungewöhnlich gute Briefschreiber sind. Fürsten müssen in der Aeußerungihres inneren Lebens'sonst so vorsichtig sein, daß sie gern die Gelegenheit des Privatbriefes' benutzen, um sich frei auszusprechen. Ein bekanntes Beispiel bon neueren Fürstenbriefen bilden die gemütvollen Briefe, die die Prinzeß Alice, die Großherzogin vott Hessen, an ihre Mutter, die Königin Viktoria, gerichtet und die die Prinzeß Christian heraus gegeben hat — Briefe, in denen sich eine feine Frauenseele und ein hoch- sinniger Geist überaus anziehend anssprechen. Vergeblich wird man leider wohl noch lange auf eine Auswahl der bewundernswerten Briefe warten müssen, die die verstorbene Kaiserin Friedrich an ihre Mutter und an verschiedene ihrer Freunde unb Freundinnen, besonders in England, geachtet hat. Manche dieser Briefe tragen geradezu Tage- vuchcharakter. Die Kaiserin Friedrich verlangte bon jedem wrer Kmder tägliche Nachricht, und bon Zeit zu Zeit wurden ^sbse Briefe in Bände gebunden und in einer Privat- s1 , aufbewahrt, zu der natürlich nur die Kaiserin selbst Zutritt gewähren konnte. Eine hübsche fürstliche Briefsammlung sind die Briefe der Herzogin bon Deck, die uns' ein interessantes Frauenbild aufbewahren; leider fehlen in der Veröffentlichung dieses Briefwechsels die Briese der jetzigen Prinzessin bon Wales, die schon in ihrer Jugend eine unabhängige Beobachtungsgabe bon Dingen und Menschen entwickelte. Im allgemeinen zeigen die Briefe fürstlicher Persönlichkeiten eine Offenherzigkeit und Freimütigkeit, die a.uf den ersten Blick ein wenig überrascht. So ist zum Beispiel Kaiser Wilhelm II. ein sehr temperamentboller Briefschreiber, der übrigens ebenso wie das englische Königspaar Deutsch, Englisch unb Französisch mit beinahe gleicher Gewandtheit schreibt. Eine elegante Briefschreiberin ist die Königin Alexandra bon England; besonders sind ihre Bei- leidsschreiben durch ihren zarten Takt rühmlich bekannt. Uebrigens hat lamch sie seit ihrer Verheiratung nur wenige Tage vergehen lassen, an denen sie nicht an ihre Verwandten in der dänischen Heimat geschrieben hätte. — „Die Lamp e." Hermann Stegemann veröffentlicht im Maiheft der „Südbeutschen Monatshefte" (München, unter Mitwirkung von I. Hofmiller, Fr. Namnann, H. Pfitzner, H. Thoma, K. Voll, herausgegeben von P. N. Coßinann) folgendes feinsinnige Gedicht: Der Tag verglonuu, und Abend will es sein, Die Feder ruht, der Sand der Stunde rinnt. Da — leise Schritte: golden blinkt ein Schein, Wo grau die Dämmrung ihre Fäden spinnt. Nun ist es hell; von einer weißen Hand Getragen schwebt die Lampe zu mir her. Und mir zur Linken, wo sie immer stand, Steht sie und leuchtet, wie von ungefähr. Nicht Worte spricht, nicht laute Regung wagt, Nicht ihren Schatten ivirst auf das Papier Die Trägerin der Flamme; und sie zagt Auch nicht — und ist schon nicht mehr hier. Doch heimlich, rote ein Wind die Rosen küßt. Ging eines lieben Mundes fairster Hanch Durch meine Haare, gleich als wenn sie roüßt, Daß ich zr> meinem Werk der Siebe brauch. Und Stille rings ... die Lampe brennt, es singt Die Feder leis in der beschwingten Hand: Und ivenn mir, ivas ich schreibe, je gelingt, Sie hats gesegnet, die mir jetzt entschwand. — Die in unserer Nr. 81 vom 5. d, Mts. mitgeteilten angeblichen Palmer-Schnurren sind, wie uns von einem Geistlichen mitgeteilt wird, zum größeren Teile sälschlich auf Palmer zurückgeführt worden. Die drei erstell tmb ivohl auch die letzte der uns von einenn Lehrer aus dem Kreise Gießen gesandten Andekdoten stammen von Kirchenrat Engel. Unrichtig ist auch der Ausdruck: „Matsch"! Es muß „Marsch" heißen. In einer andereir Schnurre nltlß es nicht „klibenklein", sondern „klimperklein" heißen. Weitere Palmer- unb Engel-Erinnerungen sind uns will- kommen. __________ Delphischer Drakelsprmch. Nachdruck Verboten. Apollodorus, dem Schuhmacher, waren zwei Knäblein geboren, Und um der Söhne Geschick fragt er den delphischen Gott. Gutes und Schlimmes verkündend, erklingt ihm der Seherin Stimme: „Glück ist des Eineir Geschenk, Schande des Andern Los. Merke: dein eigenes Weib, dich selber zerschlag in zwei, Hälften; Hast du sie richtig gefügt, kennst du des Einen Berus. Ihn, den die gütige Artemis gnädig beschirmt und behütet, Siehst du als Handwerker em ft, rechtlich erwirbt er sein Brot. AberwaS nun von dir selber und was von dem Weib für den Andern Uebrig geblieben-oh, Freund! Ninuner begehr es ztl schaun t Schande bereitet der Sohn dem redlichen Apollodorus, ~ Frage nicht, wie unb wodurch — einst wird ihm schimpflicher Tod. Wenige Zeichetr nur seh' ich uom Weib und dir selber verbleiben; Wähle und setze sie recht! — Henker erwarten dein Kind I" i. Auflösung in nächster Nummer? Auflösung des Magischen Dreiecks in voriger Nummer: ASTER SAAZ T AG E Z R Nedakltoli: P. Witiko. — Rottionsdruck und Verlag der Bruhl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen.