1907 WM HHW i K MW I I i ?Ä« Der Jall Harnelt. Novelle vvlt Neinhold Ort mann. Nachdruck verboten. (Fortsetzung.) Sie nannte ifjin der Wahrheit gemäß den Grund ihrer plötzlichen Abreise von Springfield und sie fügte mit naiver Aufrichtigkeit hinzu, daß auch sie herzlich bedauert habe, ihm Nicht noch einmal für all seine Freundlichkeit und seine gute Kameradschaft danken zu können. Danit aber, als sie das Aufleuchten in seilten Augen gr- wahrte, siel ihr's plötzlich ein, daß cs heute nicht mehr war wie damals iit den kanadischen Wäldern und „daß jener reizende kleine Sommerroman keine Fortsetzung erfahren dürfe. Und in derselben Sekunde fiel ihr die Lüge, mit der sie sich in dies Haus eingeführt hatte, zentnerschwer auf die Seele. Eine Befangenheit, deren sie vergebens Herrin zu werden suchte, war über sie gekommen, und wenn ihr nur in ihrer Verwirrung irgend ein plausibler Vorwand eingefallen wäre, würde sie gewiß ejlig die Flucht ergriffen haben. Aber es kam ihr leider nicht der kleinste brauchbare Gedanke. Und als sich auch Morton Rayward angesichts ihrer unverkennbaren Verlegenheit aus seineil fröhlichen Erinnerungen in die weniger fröhliche Gegeilwart zurückfand, und mit kaum unterdrücktem Befremden fragte: „Ist es beim wirklich wahr, daß Sic die Stellung einer Gesellschafterin bei meiner Tante annehmen möchten?" da wußte sie sich nicht. aitders zu helfen als damit, daß sie bei ihrer Lüge verharrte und durch ein stummes Kopfnicken bejahte. Ihm aber bereitete diese Bestätigung ersichtlich das lebhafteste Vergnügen. „Sic würden einen solchen Entschluß gewiß nicht zu bereuen haben", sagte er, „denn es gibt auf der ganzen weiten Welt teilten prächtigeren Menschen als meine arme Tante Elizabeth, 'h fühlt sich augenblicklich leider noch sehr angegriffen und schwach, und Dr. Chilton hat ihr eigentlich verboten, jemanden zu empfangen. Aber Ihr Brief und namentlich die warme Empfehlung des Rev. Vaughan haben einen so günstigen Eindruck auf sie gemacht, daß sie den Wunsch hat. Sic sogleich zu sprechen. Ich hege nicht den allergeringsten Zweifel, daß Sie gegenseitig das gleiche Gefallen aneinander finden werden." Margaret hätte vor Berschämung in die Erde finken mögen. Aber um nichts in der Welt hätte sic cs über, sich gewonnen, zu gestehen, daß sie nur als Reporter, als eine Art von weiblichem Spion, hierher gekommen sei. Alles was sie über die Lippen brachte, war die zaghafte Bemerkung, ob es bei dein leidenden Zustande der Miß Gaructt nicht doch vielleicht besser sei, wenn sic ein anderes Mal wieder.käme. Aber Morton Rahward, der darin nur einen Ausdruck übergroßer Bescheidenheit sah, wollte davon nichts hören. „Eine Unterhaltung mit Ihne» wird meiner Taute gewiß nichts schaden. — Entschuldigen Sie mich mit freundlichst auf ein paar Minuten, sv-amit ich ihr erzähle, daß Sie mir keine Fremde mehr sind. Das wird die Verhandlungen sicherlich sehr wesentlich vereinfachen und abkürzen." Was sollte die bedauerndwerte Miß Barrymore jetzt noch tun? — Sie ließ das blonde Köpfchen noch tiefer sinken und hinderte dien jungen Mann, der so voll Eifer war, ihr zu nützen, nicht länger, seine Absicht auszuführen. Diesmal brauchte sic nicht lange aus seine Rückkehr zu warten. Schon nach kaum fünf Minuten war er wieder da, um ihr strahlenden Antlitzes mitzu- teilcn, daß seine Tante sehr erfreut sein würde, sic zu sehen. Gedrückt und beklommen wie eine Sünderin überschritt Margaret die Schwelle der Tür, die er vor ihr geöffnet hatte, und sah sich in einem von mattem Dämmerlicht erfüllten Gemache Miß Elizabeth Garnett gegenüber. Das ältliche Fräulein saß, von Kissen gestützt, in einem bcauenien Lehnstuhl, und trotz der unsicheren Beleuchtung, an die sich ihre Augen erst allmählich gewöhnen mußten, sah Margaret wie blaß und durchsichtig ,ihr feines schmales Antlitz, wie abgemagert, ihre schlanken, aristokratischen Hände waren. Aber selbst wenn sie von dem Leben dieser Frau und von ihrem hochherzigen Wirken nicht das mindeste gewußt hätte, würde sie sich schon nach bei» ersten Blick auf ihre Erscheinung innig zu ihr hingezogen gefühlt haben. Die lauterste Güte stand ihr so deutlich auf dem Gesicht geschrieben, und das kleine Lächeln, mit dem sic das junge Mädchen begrüßte, war von einer so herzgewinnenden Liebenswürdigkeit, daß sich Margaret mit ihrer Kriegslist ,»nd ihren heimlichen Kundschafterabsichten geradezu verab- fcheuenswürdig vorkam. „Seien Sic mir willkommen, mein liebes Kind," sagte Miß Garnett mit einer schwachen, milden Stimme, „und nehmen Sie freundlichst hier an meiner Seite Platz. Es wird mir noch ein bißchen schwer, laut zu sprechen, aber ich hoffe, daß wir nns dennoch verständigen werden.. — Es erscheint Ihnen also wirklich nicht als ein zu großes Opfer, einer alten, kranken Person einen Teil Ihrer frischen Jugend zu opfern?" Einem unwiderstehlichen Antrieb folgend und unfähig, eilt Wort herauszubringen, beugte sich Margaret auf die weiße, durchscheinende Hand der Kranken herab, um sie ehrerbietig zu küssen. Miß Garnett aber wehrte mit sanftem Vorwurf ihrer Absicht. „Nicht doch, meine liebe Miß Barrymore! — Das sollen Sie nicht tun. Ich habe noch gar keine Gelegenheit gehabt/ mir irgend welche Verdienste um Sie zu erwerben. Ich möchte vor allen Dingen etwas Näheres über Sie hören — über Ihr bisheriges Leben und über Ihre Verhältnisse, damit wir uns recht gut kennen, ehe wir in vertrautere Beziehungen zueinander treten." Morton Rayward nahm diese Worte seiner Taute für eine« Wink sich zurück zu ziehen, und er verließ wortlos das Zimmer, nicht ohne daß er zuvor noch einen sehr beredten, halb bittenden und halb ermutigenden Blick nns seinen anmutigen jungen .Kameraden aus den kanadischen Wäldern geworfen hatte. In dem Augenblick aber, da sie sich mit Miß Gaructt allein sah, war Margarets Entschluß , gefaßt. Vor jedem, anderen Menschen hätte sic ihre. Lüge vielleicht aufrecht erhalten können, aber diesem alten Mädchen gegenüber, dessen ganzes Wesen die reinste,. 188 -r Vertrauensvollste Menschenliebe zu atmen schien, fühlte sie sich dazu nicht im stände. Stockend und zaghaft erst, bann aber mit freimütiger Offenheit erzählte sie ihr alles, von ihrem Besuch in der Redaktion des „Morning Telegraph", an bis zu dein Augenblick ihres Eintritts in dies' Zimmer. Sie war darauf gefaßt, das gütige Wohlwollen auf Miß Garnetts Gesicht in einen Ausdruck der Entrüstung verwaiidelt zu sehen, aber die niildc Freundlichkeit wich nicht aus den« Zügen der Kranken. „Ich daiike Jhnerr für Ihre Aufrichtigkeit, mein liebes Kind," sagte sie, als Margarat geendet, „denn e3 wäre mir vielleicht in der Tat sehr schmerzlich gewesen, wem« ich erst aus einen« indiskreten Zeitungsartikel hätte erfahren müssen, daß ich mich in Ihnen getäuscht hatte. Aber da Sie mit nun so vertrauensvoll Ihre kleine Sünde gebeichtet habe««, «nächten Sie mit da nicht auch schon ctlunS mehr von Ihren« Leben erzählen? Darauf, daß ich feinen schlechten Gebrauch davon machen iverde, können Sie sich verlassen." Und freudigen Herzens, mit einem Gefühl unsäglicher Erleichterung und innigster Dankbarkeit, leistete Margaret dieser Aufforderung Folge. Gab es doch auch in ihrer Vergangenheit und in ihre«« Verhältnissen nichts, das sie hätte verbergen oder verschleiern müssen. Ihrer Armut und ihrer Verlassenheit hatte sie sich noch nie geschämt und den klaren guten Augen dieses alten Fräuleins gegenüber kam ihr nicht einen Augenblick die Empfindung, daß Miß Garnett sie im Verdacht haben könnte, lediglich auf ihr Mitleid zu spekulieren. Ms sie nichts mehr zu berichten hatte, reichte die Kranke ihr noch einmal die Hand. „Ich freue mich von ganzem Herzen des Zufalls, der Sie in mein Hans geführt hat, Miß Barrhmore! Wenn es auf mich und auf meine Wünsche ankommt, soll es Ihnen von heute an eine neue Heimat werden. — Als Sie kamen, war Ihne«« die Bewerbung um die Stellung einer Gesellschafterin nur ein Borwand. — Wenn ich Sie nun aber herzlich bäte, diese Stellung wirklich anzunehmen, würden Sie mit dann eine abschlägige Antwort geben?" An Margarets Wimpern glänzten zivei große Träne». „Oh, Miß Garnett, wie soll ich Ihnen »ach Gebühr für soviel Güte danken!" „Da ist von einer besonderen Güte gar keine Rede, mein Kind! Ich bin vielleicht sogar nie in meinem Leben selbsüchtiger gewesen, als da ich Ihnen diesen Vorschlag mache. Werm ich nicht lebhaftes Gefallen an Ihnen fände und mit nicht viel erfreuliche Stunden von Ihrer Gesellschaft verspräche, würde ich gewiß nicht den Wunsch hegen. Sie immer um mich zu sehen. Und Sie sollen auch heute noch gar keine bindende Berpflichtrmg eingehen. Wem« Sie finden, daß die übernommene Aufgabe Ihren Erwartungen nicht entspricht, soll es Ihnen jederzeit freistehen, sich einen anderen Wirkungskreis zu suchen." Margaret antwortete ihr nicht durch! irgendwelche überschwenglichen Versicherungen, in der Stille ihres'Herzens aber legte sie sich -das feierliche Gelöbnis ab, fortan auf nichts anderes bedacht zu sein als darauf, sich der Güte »nd des Vertrauens dieser edlen Fran würdig zu erweisen. Sie hatten eben besprochen, daß Margaret noch heute aus ihrem bescheidenen Pensionat in das Garnettschr Haus übersiedeln solle,, als eine Dienerin eintrat und den Besuch des Herrn Dr. .Chilton meldete. Das junge Mädchen wollte sich zurüöziehen, Äber Miß Garnett winkte ihr zu bleiben. Und der erste Blick des eintretenden Arztes fiel uns ihre schlanke, dunkle Gestalt. Er jvar sichtlich überrascht von der Erscheimmg des ihm unbekannten jungen Mädchens, das vielleicht noch nie hübscher ausgesehen hatte als mit dem feinen Rot einer freudigen Erregung auf beit zarten Wangen und dem beglückten Leuchten in den braunen Augen. Halb unwillkürlich machte er ihr eine tiefe, ritterliche Verbeugung. ■ Utib während sie in leichter Verwirrung beit Kopf zum Gegengrnße Neigte, gewahrte Margaret, daß dieser Arzt, dessen Jugend sie in .Erstaunen setzte, ein ungewöhnlich schöner und stattlicher Mann war, ein kraftvoll und ebenmäßig gewachsener Recke mit einem bestechenden dunkelbärtige!« Charakterkopf und lebhaften schwarzen Augen voir jenem heißen Glanz, der weiblichen Herzen so leicht gefährlich wird. Sie zog sich bescheiden in den Hintergrund des Zimmers zu- Tüd; Miß Garnett aber beeilte sich, die Vorstellung zu bewirken. „Erlauben Sie mir. Miß Barrymore, Sie mir Doktor Laurenec Chillon bekannt zu machen, dem ausgezeichneten Arzt, dem ich nun schon zum drittenmal pne Erhaltung meines armen Lebens zu danken habe. ■— Ich hoffe, daß Sie gute Freunde feilt werden, dem« der Doktor gehört zir meinem Hanse, wie Sie hoffentlich jortan dazu gehören werden." .Chilton hatte sich abermals gegen das junge Mädchen verneigt, und diesmal fühlte sich Margaret fast peinlich! berührt vor« der Glut seines ans ihrem Antlitz ruhenden Blickes. Er war offenbar «roch nich-t ganz darüber imKlaren, für was er sie anzusehen habe, aber er stellte keine indiskrete Frage, sondern wandte vorerst seine ganze Aufmerksamkeit der Patientin ^u, nach deren Besindei« er sich in zarter und beinahe liebevoller Weise erkundigte. Mit gutem Humor, dem Humor eines von eigenem Leid nur wenig angefochtenen goldenen Herzens, gab ihm Miß Garnett Antwort auf seine Fragen. Er schien mit ihrem Zustande nicht unzusrieden, aber es war doch wie ein Schatten von Sorge auf feinem ausdrucksvollen Gesicht. „So hätten wir den böfeu Feind also glücklich noch einmal aus dem Felde geschlagen", sagte er. „Aber ich denke, daß ivir nun doch sehr ernstlich darauf bedacht fein müssen, ihm keine Gelegenheit z» einer neuen Attacke zu geben. — Ich würde es für das beste halten, meine verehrte Miß Garnett, wenn Sie diesen« abscheulichen Newyork für eine Weile beit Rücken kehrten und eine ausgiebige Erholungsreise nach Kalifornien oder nach Europa unternähmen." „Haben Sie es fo eilig, mich los zu werden, lieber Doktor?" fragte die alte Dame lächelnd. „Ganz und gar nicht", verficherte er. „Ich gebe mich vielmehr der Hoffnung hin, daß Sie mich mimehme» werden." „Wie eine richtige Fürstin, die mit ihren« Leibarzt reist", scherzte sie. „Und Ihre Newyorker Praxis, Doktor Chilton?" .Er machte eine geringschätzige Bewegung mit den Schultern. (Sortierung folgt.) Die ältere Bronzezeit, der Knlimsiegeszug der Hirmenschheit.* „Die Bronze hielt ihren Einzug in Alte uropa nicht mit Trompeten- und Paukenschall wie eine moderne Erfindung, die mit den Wirkungen des Dampfes oder der Elektrizität arbeitet; nicht durch eine Triumphpforte kam sie herein, sondern nach und nach; als aber einmal ihr Bortrab eingerückt wat, konnte ihren Siegeszug nichts mehr hemmen." H ö r n e s. Das biogenetische Grundgesetz, welches Häckel ausgestellt Hat, daß die Ontogenese, das einzelne, individuetl-e Werden,, nun eine Wiederholung der Phylogenese, der Stammesentwicklung, ist, gilt nicht nur in physiologischer, sondern auch in kultureller! und geistiger Hinsicht, i Die Stufen des Kindesaltcrs spiegeln! uns die Kulturentwick'lung der Menschheit wieder. Der Embryo kouuut als Honto akalus, als sprachloser. Urmensch zur Welt und beginnt seine erste Lebensbetätigung, nachdem er stehen und aufrecht gehen gelernt hat, als Mensch der Sleiuzeit. Das erfte Spielmatertal des Kindes ist Erde, Sand und Stein. Es backt und baut damit unermüdlich, und betätigt so seinen ntsprünglicheit Form- und Gestaltungstrieb. Der Stein wird ihm zum Hammer und Wurfgeschoß, der Stock zu Lanze und Pfeil. Das sich selbst überlassene gesunde Kind, dessen Formtrieb man nicht durch künstliche Spielsachen lahmgelegt har, bringt sich alles Material, das ihm zu Händen kommt, in eben der primitiven Weise zurecht/ !vie sein urzeitlicher Vorfahr getan. Es geht dann aus dem Stemzeitalter in die Metallzeit über, indem es seinen ersten „kleinen Säbel" erhält und mit Hammer und Meißel nmzugeheit lernt. Wenn der Knabe zum erstenmal seine kleine Masse schwingt, erivachen Triebe und Instinkte in ihm, die zuvor «wch geschlummert, erwacht der Tateildraug und die Abenteuerlust. Er rottet sich mit Genossen zusammen und streift übet das Feld, in die Weite, aus den« väterlichen Hans und Garten heraus- Die Brust dehnt sich, und das gesamte Lebensgefuhl ivirb gesteigert. Er beginnt sich zu fühle» und seinen Krusten zu vertrauen. So geht er in die Ritterzeit unb die der Flegeljahre über, die er erst wieder zu überwinden pflegt, wenn er zu vollbewußter Männlichkeit hetanzureifcn beginnt. Beim ersten Erscheinen des Metalls erging es dem Urmenschen, wie heute noch dem Kinde und dem naiven Menschen es ergeht. Man beobachte nur, wie dessen Ang en leuchten, und welche Freude beide verraten beim Anblick einer blanken Münze oder eines, blitzenden und schneideitdeit Gegenstandes, dann wird man die Lockung tvitb Verführung begreifen, die das Metall auf die naive Steinzeitmenschheit ausgeübt, und welche • ungeheure Leidenschaftlichkeit ;u u b* Gier es in ihr entfacht haben muß. Diese Wirkung spiegelt sich besonders in den Ursagen der germanischen * Diese Ausführungen entnehmen wir mit Erlaubnis der Verlagshandlung Strecker & Schröder in Stuttgart dem bei ihr erschienenen Buche „Der Mensch der ttrjeit" von Heinrich Dries- mans. Mit seinen Textabbildungen, farbigen Tafeln und seinem bei dem reichen Inhalt niedrigen Preis ist dieses Werk ein Unikum. Allseitig findet Driesman's wertvolles Buch, das durch ein ausführliches Namen- und Sachregister ein selbstäudigesNachr schlagewerk bildet und ein Volksbuch im wahre» ©inne des Wortes darstellt, Interesse, Beifall und Absatz, D. Red. 139 Stämme Mieder, tmb der Kamps mn beit Nibelungenhort, nm ben Götter wie Menschen miteinander ringen, ist tttpisch für die Seelenverfassung des Urgermanentums und enthält die ganze Tragik des germanischen Völkerschick- sals, d«s sich an der Goldgier und Abenteuerlust der Stämme «fiifite, die um den klingenden Lohn der südlichen alten Kultur- völker ihre heimatlichen Sitze verließen, und in deren Dienst- därkeit und an ihren Giften elend zugrunde gingen. Wie tu der hellenischen u-nd indischen Mythe das gestohlene Feuer — die den Göttern wbgelanschte Kirnst des Feueranzündens — so gereicht in der germanischen Mythe das gestohlene Gold dem Menschen zum Verderbet,, und er muß dafür büßen und geht zugrunde als ein anderer „Prometheus" und „Pramantha", der vor- der Gottheit aus Kreuz geheftet wird. Hast du an Stein und Felsen dann genüg. Gleich werden dich Metalle reizen, ' Nach denen Kunst, Gewalt und Trug , Mit unverwandter Mühe geizen. So Goethe. Kunst, Gewalt und Trug: das fitti» die drei Gewaltigen, welche mit dem Metall unter das Menschengeschlecht einzogen tmb sein weiteres Schicksal bestimmten. Dies-s geriet damit in den Bann einer überwältigenden Macht, aus den es noch bis ans den heutigen Tag nicht wieder frei geworden' ist; denn auch die heutige Menschheit steht mich in der Metallz-rit, und zwar am Ende der Eisenzeit, und sie,steht damit noch in den „Flegeljahren", die einsetzten, als der steinzeitliche Urmensch die Kunde und Kenntnis des Metalls erlangte, als aus dem Stein- Uopfer ein Schmied und Schivertschwinger wurde. „Als der Mensch zuerst die Holzkeule statt der Roßen. Faust zum Schlage schwang" — sagt Hörncs — „hat er gleichsam neuen Stoss ui die alte Form gegossen. Dasselbe geschah, als er, am Ende Les Stockes statt des geschnitzten Knorrens den zugeschlagenen und polierten Steinhammer wirken ließ, tmb wieder nichts anderes vollzog sich, mls der Steinhammer oder «steinkeil durch die me- tallcne Axt ersetzt wurde." Air aber meinen, daß sich doch nochectwas anderes dabei vollzogen hat, und der „neue Wein für den alten Schlaucht auch noch einen anderen Vorzug hatte, als nur den, wie derselbe Hürnes sagt, das; er „seine Rückwirkung auch aus die Form Wie", indem er gestattete, dieselbe klarer, bestimmter, zweckmäßiger heranszuarbeiteu. „Der Stein ist noch ein plumper Geselle" — sagt dieser Forscher in der Folge sehr treffend — „man hat ihm hin und wieder absonderliche Formen abgerungen, gleichsam den bäurischen Knecht in Lakaienlivree gehüllt. Erst das Metall ist der glänzende, gewandte Diener der Menschheit, der geschmeidige Stofs, welcher, die alte Form bald so graziös znsammeuzieht, bald so geschmeidig ausdehnt, daß die Typen der Vergangenheit als Arväterhausrat allmählich in die Rmnpelkanwier wandern müssen." Das Metall ■— sagen wir dagegen — war laber zugleich der Mephisto, der den urmeitto» sichen Faust über die Erde hintrieb, der ihn von Begierde zu Genuß taumeln und ihm im Genuß vor Begierde verschmachten ließ: es war der Dämon, der altes Höchste, tote das Tiefste und Verworfenste in der Menschenbrust zur Auslösung brachte; ,und wenn Rousseau recht haben sollte, daß es einst einen paradiesischen Urzustand gegeben, von dem auch alle menschlichen Nrsagen zu berichten wissen, so kann es nur das Steinzeitalter gewesen feilt, und die Vertreibung ans dem Paradiese, vor dem der Erzengel mit flammenden „Schwert" steht, war der Uebergang in die ruchlose, gott- tmb menschenschänderische Metall zeit, die das rigeut- liche Kulturleben mit allen seinen Früchten wie mit seinem ganzen Menschenelend gezeitigt hat. Die verschiedenen Menschenrassen und Völker haben den Ueber- gang vom Steinzeitalter zur Metallzeit nicht gleichmäßig ge- nracht, und viele andere haben ihn überhaupt nicht gefunden. Die gesamten Südseeinsulaner stehen noch heute in der Steinzeit, da ihre vulkanischen und Kornlleninseln ihnen keine Metalle darbieten. Andererseits sind die Indianer Amerikas und die Neger Afrikas auf selbständigem Wege zur Metallbenutzung gelangt, ebenso die asiatisch-europäische Völkergruppe. Dagegen fanden die Indianer nacht die Kunst, das Metall in Feuer zu bearbeiten; sie wußten es nur roh zu hämmern, verstanden aber doch bereits, Schmuckstücke und Ringe, aus diese Weise herzustellen. Es handelt sich dabei nur um das Kupfer, das außerdem zu Aexten, Meißeln, Grabsticheln, Dolch-, Pfeil- und Lanzenspitzen verarbeitet wurde. Anders wiederum die Negerstämme Afrikas, die unmittelbar vom Stein zum Eisen übergingen, da sie das Kupfer kaum kannten. Nur die Bergdamaras verstehen daraus ohne Feuer, allein mittelst Steinen, Ketten, Ringe und Armbänder zu fertigen. Viele der übrigen Rcgerstämme gelaugten selbständig zu der Kunst, das Eisen zu schmieden, und haben damit die Bronzezeit übersprungen. Aber Nieser Uebergang war nur unvollständig und hat nicht die Folgen gezeitigt, die den europäischen und asiatischen Völkern in einem höheren Kulturleben daraus erwuchsen. So verfertigen die Kvngoneger treffliche, mit Kupfereinlagen kunstvoll verzierte eiserne Schlachtbeile, die von den Arabern sehr gesucht und in den Handel gebracht werden. Schon bei diesen Stämmen — z. B. den Lomaini, ist der Dorfschmied eine geheimnisvolle, mystisch verehrte PerfSnliäMt und zeigt etwas vom Charakter der göttlichen ü>nd h. wischen Schmiedemeister in den arabischen Mythen, wie besonders Wieland in der germanischen. Der „schmied «mde daher überall M Mrft-rM Md .WneWiM aWcsehM; man suchte ihn zu feste in, weil man ihn brauchte, aber mar» fürchtete ihn als einen Priester und Zauberer, der mit übernatürlichen Mächten in Verbindung stmid, mit Geistern, die in der räucher- süllten Schmiede hausten. In ganz Nordafrika leben die Schmiede in Kasten, die allerdings mißachtet und von der übrigen Bevölkerung getrennt sind, was daran; schließen läßt, daß sie aus einer Urbevölkerung stammen, die später von anderen Stämmen überzogen und verdrängt worden; und daß die Eindringlinge die Schmiedekünst noch nicht gekannt haben, — denn sonst würden sie gerade diese Klasse nicht übriggelassen haben. Aehnliche Verhältnisse bcstanken in Palästina zur Zeit des Einzugs der Israeliten anS der Arabischen Wüste. Diese hatten, keine Schmiede und mußten ihre Werkzeuge danach bei den schmiede- knndigen Kanaanitern bearbeiten lassen. So waren noch zur Zeit Sanis dieser König nnd sein Sohn Jsbeseth in einer schlacht die einzigen Männer, welche Schwerter besaßen. Wie die alten Israeliten aber mit ihren Steinwaffeu doch die metailbewaMeten Kanaaniter besiegten, so sollen auch die Vorfahren der Chinesen nach deren Neberlieferung mit Steinwaffen das heutige Reich der Mitte den metallkundigen Alttibetanern abgerungen haben. Zwei Jahrtausende vor dieser Zeitrechnung wurden so die Chinesen schon mit dem Metall bekannt und lernten Gold, Silber, Kupfers zu Schmucksachen verarbeiten. Unter der Dynastie Tscheu (1123 bis 247 v. Chr.) wurde die Bronzemischnng erfunden, aus der dann alles, Waffen, Wertzeuge uns Schmuck hergestellt, wurden, so daß dieser Zeitraum das rechte Bronzealter der Chinesen darstelu. Erst im 3. Jahrh. v. Chr. kam das Eisen auf, und um Christ» Geburt hatte es oie Bronz-e verdrängt. Ueverall behauptete sich so die Bronze zäh gegenüber dein nützlicheren und zweckmäßigeren Eisen,«a ls der gefälligere, lockendere und leichter zu bearbeitend«! Stoff. Die lange Vorherrschaft der Bronze ist besonders charatz. teristisch für die europäisch-asiatische Bölkrgruppe und erstreckt sich von China bis zum Atlantischen Ozean, einschließlich Aegypten. Libyen nnd Mauretanien. Man sucht den Ausgangsvunit für das Metallzeitalter dieser ganzen Bölkcrgrupp- in dem erzreichen Ge-, biet zwischen Ural nnd Altai und glaubt in dem turamschen Bergstamm der Akkader, der lange vor der Blüte der chaldcnscheN Kultur Ms Hochasien zu der dunkelfarbigen Urbevölkerung des Euphratlandes herabgestiegen sein soll, den Stamm gefunden zu haben, der zuerst die Kunde der Metallbereitung ertvaro und ui diese Nrkukturlandschaft der westsasiatisch-europärscheit Völker- grupoe gebracht hat. Die Aegyptcr arbeiteten in ihren Kupfer-! ütiu'eu auf dem Sinai noch mit Steintoerkzeiigen. In der Gdgenü zwischen Armenien und Kaukasus saßen in alter.Zell schmrede- tündige Stämme, wie Tibarencr (Tubal), deren Meister Tubalkam m der Bibel als der Begründer der Metallkunst erscheint. Zinn- gruben finden imr ans deut Pardpamisirs Irans; Avelsmaekt. Wlige Titel und Namen scheinen sich, so schreibt män unk aus Berlin, allmählich geradezu zu einer Ware herauszubilden, um die aus dem Markte gefeilscht und gehandelt wird. Und zwar auf dem Heiratsmarkte. Die herabgekommenen Kavaliere, die mit Hülse des letzten, was ihiien blieb, ihrer Adelskrone, ihrs gescheiterte Existenz wieder auszurichten versuchen, schämen sich garnicht mehr, sie öffentlich als Kansobjelt anzubieten. Die so- geiiannte „Siamcnsheirat", von der wir in diesen letzten Jahren in der Berliner Gesellschaft eine Reihe geradezu skandalöser Fälle erlebtm, hat sich gewissermaßen zu einem festen Institute ausgebildet. Davon kann imion sich täglich aus dem Anzeigenteil großer Blätter überzeugen. Es heißt da z. B. : Baron und adliger Herr wünschen Abschluß von Ramens- heirat. Strengste Diskretion. Wer auf dem nicht mehr ungewöhnlichen Wege der gewerbs'-. mäßigen Vermittlung zu einer Frau und- zu Geld zu gelangen sucht/ ist in Deutschland immer noch, begehrter, wenn er das Wörtchens „von" ouf seine Visitenkarte setzten kann, als der schlicht bürgerlich Geborene, verfehlt daher auch nie, in seinen Offerten zu betonen, dich er „adlig", „von altem Adel", „von ältesteiü Adel" ist. Zwei Proben mtS einem Berliner Blatte: Adliger Subalternbeamter, Witwer, lach., 42 F„ 1 Kind (13 Jahre), wünscht sich mit älterem Fräulein od. Witwe, ohne Anhang, Alter bis 40 Jahre,, Vermögen mindestens 20000 Mk., zu verheiraten. Diskretion Ehreiisache. , . Für meinen Freund, 27 Jahre alt Kavallerie, ofsizier der Reserve, von ältestem Adel, _ hochvor- nehmer edler 'Charakter, tadellose Er,chemung, nicht unbemittelt, suche eine liebevolle Ehe- genosfin Vermögen 300 000—600000 Mk. erwünscht, soll zum Teil zum Ankauf einer Herrschaft verivandt werden. Die Adelslucht gewisser deutscher Kreise wird sogar auch tm Auslände zum Zwecke der Heiratsspekulation ansgeniitzt. Darauf läßt wenigstens folgende Anzeige schließeii: Römischer Adliger Dr. jur., dreißigjährig, hoher römischer Magistrats- , beaMer, WMehiiister Gefellfchaft .verkehreuhd ■< großes Gehalt, wünscht sich mit! reicher Dame zu titt» : heiraten. Vermittler, Anonyme verbeten. lieber bat Geschmack läßt sich nicht streiten, und gewiß ist auch schott durch das Heiratsbureau manche Ehe zustandegekoin- nten, die nicht unglücklicher verliefen als andere Ehen, zu betten der Grundstein int Konzert- oder Ballsaal oder auf der Strandpro- ntenade gelegt wurde. Bedenklicher sieht es dagegen aus, wenn immer wieder titelsnchtigen AdelSnarren die Möglichkeit vorge- spicgelt wird, ihnen durch Adoption zit dem, Ziel ihrer heißesten Wünsche zu verhelfen. Da konnte man z. B. lesen: Adels-Adoption. Adliger Herr, Offizier a. D., uralter Adel, ist bereit, reichen Herrn oder Dame, die ihren Namen ändern möchten, zu adoptieren. Hier hört das reelle Geschäft eigentlich aus. Dettn der adlige. Herr, der seinen Namen auf solche Weise verändern möchte, müßte doch sehr naiv sein, um nicht zu wissen, das; der Adel durch Adoption garnicht mitübertragett wird. Das bürgerliche Gesetzbuch bestimmt im § 1758 lediglich, daß das angenommene Kind den. Familiennamen des Annehmers erhält. Seilt Adels- Prädikat erhalt es aber nicht. Adoptiert ein Herr von Müller einen Herrn Karl Schulze, so darf sich Herr Schulze fortab Karl Müller, aber nicht Karl von Müller neunen, der Landesherr müßte ihm demt den Adel noch ausdrücklich verleihen, — und es braucht iticht erst gesagt zu werden, daß dies niemals geschieht, wenn die Adoption nichts anderes als eilt nicht eben sonderlich sauberer Geldhandel auf dem Adelsmarkte war. VermrschSeI. * E i n neues Aspir in pr äpara t. Den Aerzten steht eine große Anzahl von Salizylpräparaten zur Verfügung, sodaß man stets mit einer gewissen Skepsis rechnen muß, »venu ein neues derartiges Präparat zur Einführung augebvteu wird. Die Absicht, die bei der Herstellung von bewährten Präparaten, die in irgend einer Beziehung modifiziert sind, verfolgt wird, ist die, gewisse unangenehme Nebenwirkungen abzuschaffeu, mit welchen iittm fast bei jedem Präparate zu rechnen hat. So bietet z. B. das Aspirin, eüt Essigsäureester der Salizylsäure, der gewöhnlichen Salizylsäure gegenüber den Vorteil, die Schleimhaut des Magens fast gar nicht zu reizen und infolgedessen den Appetit nicht zu beeinträchtigen. Da aber auch das Aspirin von. solchen Kranken, die an einer allzu starken Säurebildung im Magen leiden, nicht vertragen wird, so muß es durchaus berechtigt erscheinen, das jüngste Salizylpräparat, bet dem die Essigsäure durch Methyleuzitronen- säure ersetzt ist, und das den Namen Novsaspirin erhalten hat, an einer größeren Anzahl von Kranken auf seinen Wert hin zu prüfen, wie dies Dr. Guido Liebmann im städtischen Kranketthause in Triest getan hat. In der Wiener klinischen Wochenschrift teilt er mit, daß er über 50 Fälle von rheumatischen Erkrankungen mit dem. Novaspirin behandelt und sehr gute Erfolge erzielt habe. Magenbeschwerden wurden durch dies neue Präparat nie hervorgerufen und erwies es sich als vollwertiger Ersatz für Aspirin bei Kranken, die dies Mittel nicht vertragen konnten. Bei neuralgischen Erkrankungen schien die Behandlung mit Nov- aspiritt den üblichen Medikamenten gegenüber keinen besonderen Vorteil zu bieten, dagegen leistete seine Anwendung bei Influenza vorzügliche Dienste. Liebmann beobachtete bei dieser meist unterschätzten Infektionskrankheit in kürzester Zeit, oft schon nach 24 Stunden, eine heilende Wirkung. Da das Novaspirin durchaus' ungefährlich ist, kann es gleich von Anfang an in größeren Tosen verabfolgt werden. * Die:heira tslustigste Stadt ist nach einer Zusammenstellung der Charlottenburger Statistik im Reiche Altona. Dort kamen auf 1600 Einwohner im Jahre 1904 22,75 Heiratende. Es folgen Mannheim mit 22,16, Frankfurt a. M. mit 22,06. Nur diese drei Städte haben eine höhere Heiratsziffer als Berlin mit 21,71. Alle übrigen Großstädte bleiben in dieser Beziehung hinter der Reichshauptstadt zurück. Die niedrigste Heiratsziffcr hatte Posen mit 14,83. Die meisten Geburten wies in de.mselben Jahr Gelsenkirchen mit 54 auf 1000 Einwohner auf. Die Zahl ist am geringsten in Schöneberg mit 24,49, dem sich Berlin mit 25,95 unmittelbar anschließt. Die meisten unehelichen Kinder hat Nürnberg mit 6,75 auf 1000 Einwohner, die wenigsten Barmen mit 1,17. Die gesundeste Stadt war Schöneberg mit 1,41 . Sterbefällen auf 1000 Einwohner und aufs Jahr, die ungesundeste Breslau mit 24,49. * N a chtigallenf ü ratle. Das Fastnachtsheft des „Kunst- wart", dem wir die volle Verantwortung für diese Mitteilung überlassen müssen, schreibt foigenoe erfreuliche Kunde: Es ist mit Befriedigung vermerkt worden, daß durch de» Verschönerungsverein Drahtheim in den städtischen Anlagen eine Anzahl künstlicher Nachtigallen in den Baumwipfeln angebracht »vorden ist, welche sich dank dem vorzüglichen und einfachen Patentmechanismus von Stuß u. Co. von den Parkwächtern bequem handhaben lassen. Bei der allgemeinen Verminderung der Singvögel, und da Nachtigallen, die poetischsten unserer gefiederten Sänger, in Drahtheiin ausgestorben sind, erschien diese Maßnahme sehr dankenswert. Immerhin nimmt es Wunder, »varnm der Verein die künstliche» Nachtigallen nur im" Frühling schlagen läßt, statt der Bevölkerung auch in der kalten Jahreszeit diesen Genuß zu gestatten, Stuß u. Co. haben auf unsere Anfrage erwidert, daß ihre Apparate «auch bei Frost taoellos funktionieren, ein technisches Hindernis also nicht besteht, die Freude an der Nachtigall in Weitere Schichten zu tragen und den Vorteil zu benutzen, den die künstliche Nachtigall vor der natürlichen voraus hat. Wie wir hören, hält die obengenannte Firma auch andere Nachtigallenmarken auf Lager, wie Salon-Nachtigallen, Aeols-Nachtigaccen für Privatgärten, Phi- loiuelinen, d. h. zart intonierte Nachtigallen für Nerveii-Sana- torieu usw. _____________ LLLerLrrrsehes. - - Kulturg eschicht e. Werden und Vergehen im Völlbr- leben. Von A. v. S ch w e i g e r-Lerch en f el d. Mit 614 Abbildungen im Text und 41 Tafeln. In 40 Lieferungen; zum Preise von ä 50 Pfg. (A. Hartlebens Verlag in Wien.) Mit den zuletzt zur Ausgabe gelangten fünf Liesermigen (36—40) ist das Werk zum Abschluß gelangt. Zwec Bände mit zusammen 1263 Textseiten und 614 Abbildungen (darunter 41. separate Tafeln) liegen vor. Die letzten fünf Lieferungen behandeln in ansprechender Weise und gestützt auf die neuesten Quellen die alten Kulturvölker Amerikas, woran ein Abschnitt von besonders aktuellem Interesse anschließt: Die pazifische Welt — Tibet, China, Japan, Hinterindien und die malayischc Inselwelt. In einem Schlußkapitel klingt das Werk mehr resümierend als ausblickend aus. Die Kulturgeschichte der sogenannten „neueren Zeit" ist also in dem Werke nicht vertreten. Da es auf völkerkundlichen Elementen ausgebaut ist (schon der Nebenritel: Werden, und Vergehen im Völkerleben deutet dies an), hat der Verfasser mit Recht von der Behandlung jener Jahrhunderte abgesehen, wo die Grundlagen für die Universalkultur geschaffen waren, es sich also nur mehr um Ausgestaltung derselben, nicht aber um einen prinzipiellen Wandel innerhalb ganzer Kulturepochen handelt. Der ostasiatische Abschnitt ist mit besonderem Geschick abgefaßt und der dargelegte Parallelismus zwischen Europa und Japan im Mittelalter geradezu verblüffend. Das Scklußkapitel enthält viele geistreich: Pointen. Die Illustrierung ist reichhaltig und tadellos. Die meisten Abbildungen sind bisher unbekannt gewesen. Es ist zu wünschen, daß das gediegene Werk die ihm znkommende Anerkennung finden möge. Musik fürs Haus. — Musik f ü r A l l e. Die im Verlage von Ullstein u. Co., Berlin, erschienene Ballnummer bietet eine reiche Fülle musikalisch wertvoller Tanzweisen. Eingeleitet wird das Heft durch den Tata-Toto-Walzer von Bands, der mit seinen bald sinnlich schmachtenden, bald flotten und kecken Melodien alle Schönheiten eines echten Walzers in sich vereinigt. Die sich anschließende Kremsersche Polka Drolerie repräsentiert in ihrer frischen Natürlichkeit aufs vorteilhafteste die „Wiener Note". Einen Pas de Quadre, wie er besonders in England beliebt ist, aber auch in Deutschland als Rheinländer gern getanzt wird, bietet der bekannte Tanzkomponist W. Aletter mit seinen Bclles of London. Zu dem neuerdings so sehr in Aufnahme gekommenen Menuettwalzer hat Theo Raden eine Musik geschrieben, die all die vornehme Anmut und Grazie der Rokokozeit trefflich wieder- gibt. Die folgende Mazurka „Schön Japan" von Ganne, dem Schöpfer der beliebten „La Zarine", zeigt die vielgerühmten Vorzüge dieses originellsten aller lebenden französischen Tanzkomponisten. Eine Quadrille darf in einem Tanzheft nicht fehlen, daß aber eine reizende und wenig bekannte Oper Bizets den Stoss dazu gegeben hat, dürfte die Leser besonders erfreuen. Mit dem flotten Marsch von Bogumil Zepler Bivc la Bohöme findet das reichhaltige Heft seinen Abschluß. Tanfchrätsel. Tie Anfangsbuchstaben untenstehender Wörter sind mit anderen Buchstaben derart zu vertauschen, daß mau ebensoviete neue Wörter erhält, deren Anfangsbuchstaben den Titel eines Schiller'jchen Dramas ergeben: Bach, Enkel, Base, Feder, Obst, Bad, Jahn, Hase, Wand. Auflösung in nächster Nummer. Auflösung des Kreuzrütsels in voriger Nummer: 8 8 8 c c e h h h Schelling Schleifen 8 c hl i e b en i f b nee g n n Redaktion: Ernst Hetz. — Rotationsdruck und Verlag der V r ü h l'scheu llnwerstläts-Bueh» und 6lembnicteret, R> Lange, Ttetze»