MS H > 1907 — Mr. 180 ^WsG-üH L-U g i° I SM M k-EM MkÄiZAM Aonnerstüg den 5. Dezemv r^, A «/ C-1l> M Auf der eigenen Spur. Kriminalroman von Otto Hoccke r- (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) „Richard, du kannst es mir glauben, mir war iuie Lots Weib zu Mute, als er noch an jenem Nachmittage vor mich hintrat und mich vorwurfsvoll fragte, ob ich ihn nicht wieder erkenne. Das siel »wir schwer, er mußte mich au die Vergangenheit erinnern. Daun stieg es heiß in mir auf, wie vor Scham. Ich kannte ihn immer noch nicht wieder; ich hätte es auch nur schwer unter anderen Umständen zu tun vermocht, denn sein Bild tvar in meinem Herzen, hatte es in diesem überhaupt einmal ein Scheinleben geführt, längst erloschen. Ich kann dir kaum schildern, wie mich sein Bekenntnis anwiderte, als er mir sagen mußte, wie er damals mich belogen und sich einen Adelstitel augemaßt, der ihm gar nicht gebührte. Hätte ich doch meiner ersten Regung gefolgt und dir sofort gesagt, Um was es sich handelte. Doch dein Sohn benahm sich reuevoll, so demütig — ich weiß selbst nicht, wie eigentlich ich sein Benehmen schildern soll. Er gab sich, als sei die alte Neigung in seinem Herzen wieder erwacht, nein, gar nicht in ihm erstorben und als habe er mir all die Jahre über nachgetrauert." „Ter Lump!" stieß Eilenburg ingrimmig hervor. „Ein Schürzenjäger der schlimmsten Art war er, keine Dienstmagd im Hause war vor seinen täppischen Zudringlichkeiten sicher. Doch das nur nebenbei", unterbrach er sich. „Wie stellte sich der Bursch nun zu dir?" Mit abaewendetem Gesicht fuhr die junge Frau fort. Die Weichlich-unausrichtige Art des Burschen, dessen Beteuerungen, wie sehr er unter dein Gedanken litt, die Angebetete von ehemals nun als die Gattin des tvrannischen Vaters wiederzufinden, hatte ihre Wirkung nicht verfehlt; sie hatte das in jedem echten Frauenherzen stets wache große Mitleid aufgestachelt. Keine Rede war davon gewesen, daß etwa ein wärmeres Gefühl iu Marie entstanden wäre; int Gegenteil, nur dieses sehr am cm- richtigen Platze erwachte Mitleid hatte sie die von ihr gegen den Heimgekehrten instinktiv empfundene Abneigung überbrücken lassen. Tie natürliche Scheu des Weibes hatte sie davon ab- gehaltcn, ihrem Gatten Mitteilung zu machen, zumal sie gefürchtet hatte, daß eine solche dem ohnehin vom Vater nicht gar glimpflich Angelasseuen nur noch mehr zu schaden vermochte. So hatte sic sich darin gefunden, sie hatte versucht, dem ihr völlig gleichgültig Gewordenen eine gute Schwester zu sein. So hatte sie seinen steten Klagen ein nur allzu williges Ohr geliehen und für ihn bei ihrem Gatten durchzusetzen gesucht, was nur in ihrer Macht gestanden hatte. Doch wie hatte Franz ihr gelohnt. Anfangs zwar, so lauge er im Vaterhause noch nicht recht warm geworden war, da hatte er sich fein demütig gegeben und mit tränenden Augen der jungen Stiefmutter für deren unverdiente Güte gedankt. Tas war aber nur so lauge gegangen, bis der Fuhrherr das anscheinend so vertrauliche Verhältnis zwischen seinem Weibe und dem Heimgekehrten mit scheelen Angen zu betrachten begonnen und mitunter Mariens Fürbitte für den Sohn mit ungewohnter Barschheit zurückgewiesen.hatte. Bon da an hatte' Franz plötzlich sein wahres Gesicht gezeigt. Sein kriechend unterwürfiges Benehmen wich plötzlich herrischem Gebaren; er spielte sich nun als'Gewalthaber ans. Zu spät erkannte Marie, in welch fein gelegte Schlinge sie geraten war. Ter Bursche hatte arglistig des Vaters Eifersucht rege gemacht, um die ahnungslose junge Stiefmutter der Möglichkeit zu beraulnu, sich dem Gatten zu offenbaren und ihm zu enthüllen, was in der Vergangenheit geschehen war. Wie sich nun herausstellte, hatte der eitle Bursche sich, um damit renommieren zu können, die vergilbten datuniilosen Liebesbriefe von ehemals, deren überspannter, liebesatmender Inhalt mit dem vollen Mädchennamen der Schreiberin gezeichnet war, wohl aufgehoben. Zu ihrem Entsetzen hatte Marie wahrnehmen müssen, daß diese längst vergessenen Episteln in der Hand des gewissenlosen Burschen zur zweischneidigen Waffe geworden waren. Kaltblütig hatte dieser damit gedroht, seinerseits dem Vater die Vergangenheit zu enthüllen. „Was meinst du wohl, wie er die Augen aufreißen wird, zeige ich ihnt die Briefe und schwöre Stein und Bein, du hättest sie mir geschrieben, als du schon hier im Hause gewesen und er um dich geworben hat. . . Haha, die Augen möchte ich sehen, die der Mte dann machen wird . Er ist schon jetzt zum Totlachen eifersüchtig. . . Sei sicher, er glaubt mir in diesem Fall aufS Wort, da magst dir Himmel und Hölle zum Beistand anrufen. . . llitb willst du, daß ich reinen Münd halte, so schaffe Geld her . . . viel Geld, denn mich hat der Alte verd. . . kurz gehalten und ich will das Leben genießen, so lange ich jung bin, verstanden?" Die Arme über die Brust zusammengelegt, den Köpf nach vorn gesenkt, so daß der rastlos irrende Blick mechanisch den bunten Blumenmustern auf dem Bodenteppich folgte, lauschte Eilenburg der schleppend hervorgebrachten Beichte seines jungen Weibes. Dann sprang er unvermittelt auf, faßte Maries bleiche Wangen mit beiden Händen und zwang sie, seinem gründenden Blicke standzuhalten. Dann atmete er, als sei ihm eine schwere Last von der Schulter genommen, befreit auf. „'s will Tag luerben," sagte er leise. „Nun weiß ich, wie alles zusammenhängt . . . und mehr noch, du brauchst mir kein Wort zu sagen, ich weiß es, daß du die lautere Wahrheit gesprochen hast." Er lächelte bereits wieder, iuenn auch ganz unmerklich. Ermutigend nickte er der an seinen Händen sich FestKammernden zu. „Nur weiter, Liebste. Jetzt kann ich alles hören — mach voran!" \ Sie hatte nicht viel mehr zu sagen. Kein Schluchzen, teilt Bitten hatte ihr geholfen, keine Vorstellung des von ihm begangenen himmelschreienden ilnrechtS hatte etwas genützt. Erbarmungslos hatte der Bursch auf seinem Schein bestanden; entweder hielt die junge Stiefmutter zu ihm — oder er entlarvt sie, wie er sich spöttisch ausdrückte. Da gab sie ihm an Geld, was sie nur immer hatte. Doch jedes Goldstück, das sie ohne Vorwissen ihres Mannes dahingab, brannte ihr wie glühendes Erz auf der Seele. Sie konnte ihres Lebens nicht — 718 — todjt froh werden; kaum mehr wagte sie dem Blicke des'Gatten zn begegnen. Noch schlimmer wurde es, als dann der Bursch wegen der Schlägerei in dein berüchtigten Tanzlokal zu einjähriger Strafhaft Verurteilt wurde. Ins Gefängnis wollte er nicht; daruin zwang er durch erneute Drohungen die Unglückliche wieder, ihren Einfluß beim Vater zn gebrauchen. Als dies sehlschlug, da mutzte sie anderweitig Rat schaffen, denn Franz hatte ihr erklärt, um keinen Preis ins Gefängnis gehen und eher durch einen Mittelsmann die verräterischen Briefe seinem Vater verkaufen lassen zu wollen. Nun kam das allerärgste —• er zwang mich, nicht nur unaufrichtig gegen dich zn sein, ich muhte dich direkt betrügen," offenbarte sie schluchzend. „Er kam auf den' Gedanken, sich ein Taschengeld zu nrachen, indem er eine Nachtdroschke fuhr. Da sollte und mutzte ich helfen. Er händigte mir ein Schlafpulver ein, das sollte ich den Kunden ins Futter mengen ... ich schämte mich so vor dir, Richard . . . Ach, könntest du mir nur glauben .... Aber ich wußte nicht ans noch eilt und die Todesangst lebte in mir, du könntest hinter all das gräßliche kommen und mich von dir jagen. . . Gewiß, ich habe schwer gefehlt, ich hätte es darauf ankommen und mich rückhaltlos dir anvertrauen sollen.... Ach, Richard, wie ungeheuer hart habe ich diesen' Mangel an Vertrauen büßen müssen!" schluchzte sie bitterlich auf. „Du kannst es mir nicht nachfuhlen, was ich gelitten. . und ich weiß nicht, ob cS mehr geschah unter den Drohungen jenes Elenden oder unter deiner vertrauensvollen, ahnungslosen Güte.... Doch nun ist cs heraus!" stieß sie rauh hervor, „ökun richte du. . . . Was ich dir sagte, das ist die lautere Wahrheit, nicht beschöut oder verkleinert. . . und wagt dein Sohn anders zu behaupten, so lügt er." Ihr Mann stand über ihr mit ehernem, undurchdringlichem Gesicht. Er hatte die Verstummende beim Kinn gefaßt und zwang sic zum andern Mal, ihm in die Augen zu sehen. Dann atmete er tief und wie erlöst von schwerem Drucke auf. „Ich muß mich erst sammeln, um die ganze Schlechtigkeit begreifen zu können," begann er unnatürlich ruhig. „Das geht nicht auf dich, Marie — Gott bewahre!" setzte er hurtig beschwichtigend hinzu, als er sie wieder erblassen sah und in seinen Armen erzittern fühlte. „Ich wollte, du hättest mehr Vertrauen zu mir gehabt — so viel Vertrauen, als ich zn dir habe, du hättest dir alsdann viel Leid erspart, Marie." „Ich mache cs ihm wett!" sagte er dann mit gefurchter Stirn. „Ein für allemal rechne ich mit ihm ab. Ihm soll die Lust vergehen, mein Weib zu bedrängen!" Grimmig lachte er dabei._ „Er soll heute noch hinter Schloß und Riegel, sage mir nur seine Adresse. . . Ich denke, du weißt, wo er sich versteckt hält — da will ich ihn ansräuchern, Ivie den Fuchs im Bau!" Doch eine Adresse wußte die junge Frau nicht anzugeben. Zögernd ließ sie sich ihr Kleid von Hermine reichen und entnahm dessen Tasche eine zusammengeknitterte Postkarte. Diese hatte sie Mit der Morgenpost empfangen!. Wie der Fnhrherr die Karte in die Hand nahm und die mit steiler Hand geschriebene inhaltslose Anfrage las, ob der Unterzeichnete wieder das gewohnte Fuhrwerk erhalten könnte, erinnerte er sich plötzlich, derartige Karten mit ähnlichen Anfragen schon häufig in der Hand gehabt zu haben. Er hatte sich indessen nicht darum gekümmert, da seine Frau die Einteilung des Personenfuhrwerks allein besorgte, während er selbst mehr den Lastverkehr geregelt hatte. Wie Marie nun berichtete, hatte Franz immer eine solche Karte geschickt, wenn er in der darnuffolgeudeir Nacht wieder eine seiner heimlichen Droschkensuhren geplant gehabt. Znnr Zeichen, daß sie dem Nachtfutter für die Hunde das Schlafmittel bei- gemengt, hatte Marie alsdann immer ein Licht an ein genau Vorher bestimmtes Fenster scheu müssen. „Das tust du heute wieder und auch den Hunden mischst du das Futter!" entschied der Fuhrherr, während cö unheilverkündend in seinen dunklen Augen aufleuchtete. „Und Sie, Fräulein Hausemann," wendete er sich an die Besucherin, „sagen Sie dem Herrn Vater einen schönen Gruß und auf heute Nacht möchte er mir ein paar handfeste Schutzleute ins Hans schicken, denn so wahr ich ein anständiger Kerl zu sein glaube, kommt der Bursch heute Nacht in den Hof, dann schläft er morgen in Plötzensee und daß er dorthin willig abmarschiert, dafür will ich schon sorgen!" 18. Kapitel. „Ja, das ist der Mann, den ich als Baron Meuken kennen gelernt habe," versetzte Andreas Witte unverzüglich, als man ihn m der Gefangenen-Abteiluug der Charitee an ein Bett führte, in welchem ein vom Tode gezeichneter, nur noch mühsam den letzten Lebenshauch verröchelnder Mann regungslos ansgestrcckk lag. Der Sterbende hatte die Augen geschlossen gehabt; als nun des Malers Stiinme laut wurde, erreichte deren Klang sein Ohr. Er schlug die Augen auf und als sein suchender Blick die gebietende Gestalt des jungen Teutschrussen traf, da ging der fahle Widerschein eines Erkennens durch seine wächsern anmutenden Züge. Rat Hansemann begriff, daß die Augenblicke kostbar waren und genützt werden mußten!, sollte der Sterbende nicht ohne Geständnis von hinnen gehen. So ließ er sich zur Seite des Lagers nieder und suchte die Aufmerksamkeit des Mschcidenden rege zn machen. „Kündt", begann er eindringlich, „Sie wissen, daß Sie vor Gottes.Richterstnhl treten müssen. Sie haben viel zu bereuen und wieder gnt zu machet». Wollen Sie meine Fragen wahrheitsgetreu beantworten?" Wider Erwartet» nickte der Verbrecher unmerklich. Wo ihn die Todesschatten umdüsterten, da schien' er den Cyniker, als den er sich Zeit seines Lebens heransgespielt, vergessen zn haben. „Kennen Sie diesen Herrn?" Der Blick des Scheidenden huschte wieder über den jungen Maler; dann nickte er. „Ja" röchelte er mit schwer verständlicher Stimme, — „Witte". „Sie suchten ihn gestern abend auf. Was wollten Sie von ihm?" „Geld. . . nicht schuldig, nein . . . nur versteckt. ... er wußte nichts davon," berichtete Knudt auf die verschiedenen Zwischeufragen des Rats. „Sie räumen also ein, im Atelier eine große Geldsumme ohne Vovvissen Ihres Bekannten Witte versteckt zu haben?" Und als der Sterbende wieder nur nickte, fuhr Hansemann hastig fort: „Wollen Sie mir sagen, woher dieses Geld stammt? Nicht wahr, es stauimt aus dem Verkauf der aus dem Selkenbachschcn Kassenschranke geraubten Juwelen?" „Kann sein. Ich weiß nicht" — war alles, was Knudt erwiderte. „Geben Sie der Wahrheit die Ehre," mahnte der Rat. „Ihnen kann kein Geständnis mehr schaden, doch Sie können andent nützen, schlimmen Schuldverdacht von deren Häuptern nehmen. Wollen Sie einräumen, Knudt, den Raub bei Selken- bach mit einen» gewisse»» Gustav Schuhmacher verabredet zu haben?" Zu seinem Befremden schüttelte der Gefragte mit den» Kvpfc. „Kenne ich nicht. Habe nur in Zeitung gelesen. Weiß nichts davon." „Das ist nicht möglich. Mann, seien Sie doch ein einziges Mal in Ihren» Leben wahrhaftig!" ereiferte sich Hansemann. „Mollen Sie mir nicht sagen, woher Sie die Juwelen haben?" Er mußte lange auf eine Antwort warten. Dann röchelte Kundt: „Junger Mensch gebracht. Er fuhr Nachtdroschke. So mir erzählt. Fand Juwelen. Ich verkaufte und — versteckte Geld bei Witte — er wußte nicht —“ Doch vergeblich wartete der Rat aus weitere Auskunft. Sie blieb aus. Als er sich näher über den mit halb offenem Munde Liegenden beugte, erkannte cr bald, daß er von ihm keine Auskunft mehr erhalten konnte. Der Unselige war plötzlich seinen hoffuungs'ws schweren Verletzungen erlegen. (Fortsetzung folgt.) St. N-Kolaus. Ter „Nikkelchcstag", wie er bei uns i n Hessen heißt, Nicolo, Niklas, Nikkel oder wie er sonst in den verschiedensten Ländern Heißt, loird morgen vielfach gefeiert. Eine besondere Physiognomie hat indes das St. Nicolaas-Fest, das in Holland am 6. Dezember allüberall begangei» wird. Sinterklaas, te paard gezeten Laat aan alle kindren weten, Dat hy, als verleden jaar, Haitjes heeft en gardjes klaar. St. Nicolaas sitzt also, wie dieser Spruch es besagt, hoch zu Rosse. Und zwar ist bs meist ein Schimmel, der mit denVorder- beinei» auf einem Schornstein, mit den Hinterbeinen auf dein Schornstein des Nachbarhauses stehend, abgebildet wird. Ferner besagt der Vers, daß „Sinterklaas" allen Kindern meldet, er habe, genau wie im vorigen Jahre, Herzen (natürlich Kuchen- Herzen) und Ruten für sie in Bereitschaft. Dieser holländische Nicolaas gleicht unserem deutschen Weihnachtsmann auf ein Haar. Weniger nasiirlich in seinem AeußerN (denn der Nicolaas, dessen Person und die damit verbundenen Legenden ja Allen bekannt sind, erscheint auch heute noch dort zu Lande meist in seinem Bischofskleide) als in seinem Handeln. 719 Er Totitint wir unser MihuachtSmanU zu den Indern, hat für I die outen von ihnen, die ihm ein Gedichtchen hübsch, anfsagen ! können, allerlei Schönes und Süsses, für bte Bosen redoch die | wohlverdiente Rute. Und da nun einmal alles Gute von oben kommt, so blicken auch die holländische!« Kinder erwartungsvoll nach dem Kaminloche, denn St. Nicolaas spedierte seine Süßigkeiten für die artigen Kinder durch den Schornstein. . Ter Schornstein war schon zu den ältesten Zeiten m der kindlichen Einbildungskraft die direkteste Verbindung des Irdischen mit der überirdischen Welt. Durch den Schornstein vernahmen sie allerhand Stimmen und Geräusche, Prophezeiungen und War- nungeii Durch den Schornstein kamen die Poltergeister, um I Plagen ins Haus zu bringen; auch die Klabautmnannchm.u«d Konsorten wählten' diesen Weg, wenn sie nachts den Glucks- nnd Sonntagskindern einen Sack voll Geld vvrs Bett setzten. | Tiefes nicht mehr ungewöhnlichen Weges bedient sich auch I der heilige Nicolaas der Kinder Hollands. Mit bäriger oder I freudig erwartungsvoller Miene, je nach der Belastung ihres I Gewissens, knien sie vor dem Herde, em Bund Heu m der Hand, nach welchem Nicolaas zunächst seinen schwarzen Knecht „Piet" durch den Schornstein schickt, damit sein Gaul zu fressen I f)te Zusammenarbeit von Mitarbeitern und Redaktion und die treffliche Disposition in der Verteilung des Stoffes, die geschickte Auswahl des Jllnstratiousmaterials spricht jede Sette, die man nur auis Geradewohl ausschlügt. Der. „Große Meyer« ist stets aktuell; das zeigen die Artikel„Schulgesundheitspflege", „Sozialdemokratie", „Sozialismus", umiassende, diL in die Gegenwart reichende Tarslellungeu u. v. a. Ter „Große Meyer" ist genugsam bekannt h'ir seine besondere Sorgfalt aus dem Gebiete der Naturwissenschaften und der Technik, und so beschränke« wir uns daraus, als neu zu registrieren die Beilagen und 916- bildungen „Schuhsabrikation", „Speicher", „Stadtbahnen" (Ansichten der Berliner und Pariser Stadtbahnen), „Schwimmvogel", „Seidenspinner", „Skelett", „Sonne", „Spektralanalyse", „Sperlingsvögel", als erneuert und erweitert die Tafeln „Schwämme , „Schweine", „Spitzen", „Steinkohlen", „Stemkohlenformation", „Kultur der Steinzeit", zu denen aus anderen Gebieten noch die Karten von Schottland, der Schweiz und die Beilagen „Schreib- ktmst", „Statistische Darstellungsmethoden" und „Stenographie neu oder in neuem Gewände hinzukommen. Sogar acht der bekanntesten nicht mehr lebenden Lozialtsten haben hier ihr Kontertet erhalten. Ter neueren Weltgeschichte wird das Lextkon fleredtt int Artikel „Schwedisch-norwegische Union", der uns den Bruch Rov- wegens mit Schweden in knappen, aber klaren Zügen vor ringen: führt. Aus einer dauernden Benutzung dieses für jeden nach Bildung Strebenden unentbehrlich gewordenen Ratgebers wird ein Band treuer Freundschait zwischen dem Leser und dem „Großen Meyer" hergestellt, die gegründet ist ouf dem Drange nach gediegenem, erschöpfendem Wissen. — Dem Bestreben, nicht nur zu erfreuen und zu unterhalten, sondern auch praktisch zu nützen, dient das zum Weihnachtsfeste rechtzeitig in der Stuttgarter Verlagsanstalt Union erschienene „Buch vom jungen M ä d ch e n". Tie Verfasserin, E (J e (£roner, befaßt sich so verständnisvoll wie eindringlich mit der Erziehung, Eharakterbildung, mit der Lebensschulimg unserer hingen Mädchen, behandelt eingehend alle in Betracht kommenden Gebiete, Verkehr, Lektüre, Musikunterricht, Handarbeiten, Kleidung, Spiel, und Tanz, Umgangsformen re. Eine besondere Abteilung erörtert in erschöpfenden Kapiteln die alten und neuen Frauenberufe. Dabei ist die Versasserin nirgends pedantisch lehrhaft, sondern immer anregend und interessant. Dem praktischen Buche ist eine geschmackvolle, hübsche Gewandung gegeben. „ — Grimnls Kinder- und Hausmarchen. Vollständige Ausgabe. Bist einer Einleitung von Heinrich Wolgast» Als Beigaben drei Bildnisse unb acht farbige Original-Vollbilder: von Heinrich Vogeler-Worpswede. Leipzig, Max Hesses Verlag. Gebunden (Deckelzeichnnng und Vorsatz gleichsfalls von Bogeler-Worpswede) Mk. 3.—. Die Grundlage aller nationale« Poesie bilden die Volksmärchen. Der ganze Reichtum dichterisches Gedanken, den ein Volk besitzt, ist in ihnen enthalten. Unendlich reich und gemütvoll in der Schilderung ist vor allem das deutiche Märchen. Deshalb gibt es auch kaum ein Poesie- und gehaltvolleres Werk, als die Sammlung der Brüder Grimm, Die Ausgabe sei als Festgeschenk warm empfohlen. Goldene Worte. Die Kultur soll den Menschen in Freiheit setzen und ihm dazu behilflich sein, feinen ganzen Begriff zu erfüllen. * Bei der Natur ging der erste Mensch in die Schule unb ihr hat er alle nützlichen Künste des Lebens abgelernt. , Die Natur zeichnet uns in ihrer physischen Schöpfung den weg vor, den man in der moralischen zu wandeln hat. Unsere Kultur soll uns, auf dem Wege der Vernunft und der Freiheit, zur Natur zurück'ühren. Schiller. ErgiinzungsräLsel. E.he. it.. .i. .ä.t..ch G..ü. H.f.e. ..ch a. .n. g.ü.t ..d v.ll.t; K.n. .s w.d.r S.a.m ..ch .att.r fat.e., E. . ,ß v. r. o. r. n, e. .. 6 v.. sch. ind. nk Auslösung in nächster Nummer. Aiislöfittig des Vexier-Nätsels in voriger Nummerr Or gelb nur ('/, Apfelsine oder Oraiige — Or; die Farbe dicfee Frucht — gelb; das Licht: Gasglühlicht von Sliter) Die Einsendung hübscher Rätsel, von treuen Lesern unserer „Familirubläiter" verfaßt, an die Redaktion der „Familiew blätter" ist sehr erwünscht. Redaktion: P. Wi11ko. — Rotationsdruck unb Verlag der Brübl'scheu Universitäts-Vuch- und Steiadruckerei, R. Lange, Gießen.