Kreliag dsn 5° Juli 190*? Iw WMW--W M I MLZ MMWW s ii Jun Ken unter der Kfche. Roman von M. Proßnitz (M. Nörenberg). Unbefugter Nachdruck wird gerichtlich verfolgt. (Fortsetzung.) Brausend strömte Tjagniar das Blut zum Herzen. Tief erblaßt tdat sie zurück, während Uchdorf sich mit unbewegtem Antlitz zu S-rebüte tvandte, deren spähenden Blicken die Szene ,ncht entgangen wjar. Mit anscheinender Harmlosigkeit suchte sie ihn sogleich in ein längeres Gespräch zu verwickeln, wo- .muf er mit einer ihm sonst fremden Lebhaftigkeit einging. , Dagmar mußte derweilen das Bedauern des^Major von Fink Aber sich ergehen lassen, der ihr Fehlen beim ^Schlittschuhlaufen Noch immer nicht verwinden zu können schien. Sie wehrte dies noch so güt es ging ab, als der Diener mit ihren Schlittschuhen heran trat. Scherzend überreichte der Herzog sie ihr. Dagmar blickte i£yn zaghaft an. „Allein mag ich aber wirklich nicht laufen, Hvhert! «te wandte sich mit kurzen: Entschluß an Frau von BorgwaM. „Kathi, tue mir den Gefallen und schnalle schnell deine Schlittschuhe wieder an. Hoheit wünscht, daß ich ihm ein paar Figuren vov- laufe. 3« zweien geht das viel besser." Doch Frau von Bochwardt sah sie lachend an. „Nicht um die Welt. Erstens bin ich wirklich müde und dann —" sie blinzelte neckisch zu Beltlingen hin — „blamier! ich jnnch auch nicht freiwillig. Und mrders ivürde das neben dir doch nicht werden! Wenn du ab .r durchaus einen Partner haben willst, warte ein Augenblickchen. Du sollst sogar einen prers^ gekrönten bekommen!" . Ehe Dagmlar noch antworten konnte, hatte srch die kleine, lebhafte Frau sckwu au Uchdorf gewandt. Dagnsar durchzuckte es. Sekundenlang zog sie die feinen Augenbrauen zrisammen, wie in tiefer Seelenpein, dann sah ihr Antlitz wieder so ruhig aiis wie sonst!. Mit fast ichermenschlrcher Anstrengung zwang sie ein leichtes Lächeln auf ihre Lippen. Außer Fredine hatte niemand wir beit Umstehenden das wechselnde Mienenspiel Dagmars bemerkt. Sie war, auch die Einzigste, die verwundert über Uchdorss Antwort nachsann. „Ich kenne ja zur Genüge Ihr tadelloses Laufen, Baroneß." Woher hatte er diese Wissenschaft? Dagmar war tu diesem Winter doch noch gar nicht auf der Eisbahn gewesen? „Das ist recht, Uchdorf," wandte sich der Herzog lebhaft arl den "Rittmeister. Ich bin wirklich neugierig, wer von Ihnen besser laust." ... ■ , , Dagmar hielt inne. Sie war tut Begriff die zur Eisbahn führenden Stufen hinabzugehen. .Hoheit wollen gnädigst gestatten, daß wtr erst einmal ttt einfachem Bogen um die Bahn laufen. Ich bin doch noch etwas unsicher." Der Herzog winkte lachend Gewährung. _ -.Zweimal, Baroneß, wenn Sie wollem" Langsam stieg Dagmar die wenigen Stufen W Uchdorf folgte ihr schweigend. Mit ruhiger Selbstverständlichkeit nahm er ihr dann die Schlittschuhe aus der Hand,.um sie ihr anzuschnalleN. Da warf Dagmar mit einer unnachahmlich stolzen Gebärde das Haupt zurück. Mochte er ihr noch einmal, ein einziges armseliges Mal den Ritterdienst leisten, wie er es früher so oft getan! Mit geschicktem Griff hatte llchdorf inzwischen die blitzenden Dinger befestigt. „Sind es noch die alten?" Sie neigte das Antlitz. „Id." Die Fahrt begann. In großen, gleichmäßigen Logen sausten sie über das Eis. Mit diabolischem Lücheltt hatte Fredine hinter Dagmar Herst gesehen. „Warte mein .Herzchen, jetzt werde ich dir etwas einst brocken," stand deutlich in ihren funkelnden Augen. Unatiffälltg näherte sie sich dem Kammestherrn, der mit dem Stolz und Selbstst bewußtsein des Besitzers seiner Braut nachblickte. . Wie leicht ttttb geschickt sie über das spiegelglatte Ets glitt 5 Es war eine Freude, ihren graziösen, eleganten Bewegungen zu-- zusehen Ein herrliches Geschöpf! Seine eingefallene Brust hob sich unter tiefen Atemzügen. Noch acht Tage! Tann war Dagmar fein — ganz sein. Seine müden, wasserhellen Augen begannen! sich plötzlich zu beleben. Eine feine Röte stiege ihm an den Schläfen empor. Ja, iwch acht Tage, daun ivar dieses königliche junge Weib sein eigen. O, wenn Dagmar ahnte, was es ihn kostete, die Maske einer geschickt abgewogenen, kühlen Höflichkeit aufrecht zu erhalten, wo sich doch jede Uber seines leidenschaftlichen Empfindens nach ihr sehnte, mit einer Glut, beten er sich selber nicht mehr fähig gehalten halte. 9iod) acht Tage... Beltlingen war so emsig dabei, Luftschlösser zu bauen, daß er erschrocken zusammenfuhr, als plötzlich Fredines neckende Stimme neben ihm ertönte. j „Sv gänzlich in das Ansehen der schönen Schlittschuhläuferin versunken, Herr von Beltlingen, daß Ihnen kein einziger Gedanke, geschweige denn Blick für uns änderen Sterblichen bleibt?" „Eine unverzeihliche und unbegreifliche Unhöflichkeit," versuchte bet' Kammerherr sich aus der Affäre zu ziehen, ivährenb sein Blick sehnsüchtig zu Dagmar hinglitt, bie eben mit ihrem Partner hinter einet kleinen Landzunge verschwand. , „Wie brillant die beiden Künstler zusaminen »assen, fuhr die Gräfin mit anscheinender Bewunderung fort, „als wenn sw schon hundertmal miteinander gelaufen waren!' Woher kennt eigentlich Uchdorf Ihr Fräulein Braut?" setzte sie aufs Grädelvohl hinzu, während ihre Augen lauernd an Beltlingens Genast hmgcn. ■ Er bemerkte es nicht. Wie lauge das währte, bis man bie beiden wieder sehen konnte! So groß war der Bogen doch Mr nicht, ben der Teich dort machte! Ungeduldig spähte der Kammer- Herr nach Dagmar aus. - f Um einen ganzen Ton spöttischer klang da bie gleiche Frage an fein Ohr. Er sah die Sprecherin befremdet an. - Woher Uchdorf meine Braut kennt? Vom Hosball, Gmfin! Und " fuhr er mit- leisem SMt fort, „welchen Eindruck er ihr machte, hatten Dagmar und ich ja schon bald darauf Gelegenheit, allen Bekannten anzuzeigen." , , _ , Fredine lächelte — so harmlos und ungtzduldig tote ent Kind. 386 — Wie beschämt neigte sie ein wenig den zierlichen Kbps, sodaß die dicken Straußenfedern fast ihr rosiges Ohr verhüllten. „Mein Himmel, liebster Baron, ich bescheide mich ja. Aber," ein leichter, beinah erstaunter Seufzer, „wie man sich doch irren kann. So diachte ich, beispielsweise, anfänglich, es sei heute der erste diesjährige Schlittschuhlanfversuch Ihrer Fräulein Braut. Km hörte ich aber vorhin, daß der Rittmeister von Uchdorf von der rühmlichst bekannten Gewandtheit der Baroneß sprach. Sie lief also doch schon öfter in diesem Winter?" Raffinierter und geschickter hätte Fredine den Pfeil der Eifersucht gar nicht abschießen können, wußte sie doch ebensogut wie Beltlingen, daß Dagmar am heutigen Tage zum erstenmal die blanken Stahlläufc — in diesem Winter — angelegt hatte. Mit wahrem Hochgenuß sah die Gräfin, wie gut fie ins Schwarze getroffen hatte. Tenn ivenn Beltlingen sich auch alle erdenkliche Mühe gab, von dem Sturm nichts merken zu lassen, den ihre Bemerkungen in ihm erregten, so war das bei einer so scharfen Beobachterin, wie Fredine sie in diesem Augenblick abgab, ein vergebliches Bemühen, obgleich es seinen krampfhaften Anstrengungen gelang, ihr mit leidlicher Haltung ein kurzes: „Uchdorf hatte vermutlich schon in Kameradenkreisen von Tagmars Kunst gehört" entgegen zu setzen. Im Herzen triumphierend, anscheinend jedoch höchst 'unbefangen, trat die Gräfin unauffällig zurück, grade in dem Augenblick, als Tlagmar und Uchdorf, mitten im schnellsten Lauf, wie angewachsen vor der Tribüne stehen blieben. Schon von Weitem z rief der Herzog gespannt: „Nun, Baroneß, wie geht es? Werden Sie uns jetzt ein kleines Extravergnügen bereiten?" „Wenn Hoheit meine, für dieses Jahr ungeübten Leistungen gnädigst nachsichtig beurteilen wollen!" Wie von einem Peitschenhieb getroffen war Beltlingen bei Dagmars Worten zusammeugezuckt. Da bestätigte sie ihm- ja ahnungslos das, was die Lindström ihm vorhin weit mehr durch ihr Lächeln als durch die Worte anzudeuten wagte. Wie Schuppen fiel es ihm von den Augen. Natürlich, so war es! Uchdorfs wegen wollte Dagmar nicht am Preislaufen teilnehmen. Darum weigerte sie sich. Glied um Glied fügte die geschäftige Eifersucht an die Sette von Beweisen, welche er jetzt für seinen Verdacht zu haben meinte. Mit zornigen Blicken sah er auf das Paar, dessen geschicktes Laufen allerdings einen herrlichen Anblick bot Tas wiar ein Schweben und Gleiten, ein Suchen und Haschen, wie es gewandter und graziöser nicht gedacht werden konnte. Und dabei wurden alle die zahllosen Drehungen und Schleifen so .exakt und mit solcher spielenden Leichtigkeit ausgeführt, daß mehr als einmal ein lautes Bravo des Herzogs erschallte. Zu jeder anderen Zeit würde Beltlingen sich höchst wohlgefällig an den bewundernden Bemerkungen über Dagmar gesonnt haben, augenscheinlich saß jedoch der Stachel der Eifersucht viel zu tief in seinem mißtrauischen Gemüt. Langsam, sehr langsam fühlte er, endlich seine Selbstbeherrschung wiederkehren, -aber die eifersüchtigen Bernnitung-en zogen doch noch ab und an durch seine Seele. Ausblickend gewahrte er plötzlich Foedines spöttische Augen, die sie lauernd -auf ihn gerichtet hatte. Ta glaubte er auf einmal alles zu verstehen. Wh, wie konnte er nur so töricht sein, etwas auf die Reden der Lindström zu geben. Die Freude hätte ev ihr nicht machen sollen! Ein Glück, daß Dagmar nichts von dieser eifersüchtigen Regung ahnte. Aber die war jetzt vorbei, endgültig vorbei. — Siegesgewiß hob er den Kvps, aber eine feine Falte war doch noch auf seiner Stirn. „Wie versteckte Eifersucht," dachte Fredine triumphierend, wäh- rend sie sich mit verdoppelter Herzlichkeit an Jolanthe wandte. In dem gleichen Augenblick brach ein wphrer Beifallssturm über die beiden Schlittschuhläufer herein. Am begeistertsten zeigte sich der Herzog, der kein Ende finden koimte, Dagmar immer von neuem seiner staunenden Bewunderung zu versichern, sehr zum Mißfallen des Grafen Rehnen, der höchst. unzeremoniell eüoas von „unvorsichtigem Enthusiasmus" in seinen herabhängenden Schnurrbart brummte. Aergerlich stampfte er neben seiner Gattin die Tribünentreppe herunter, gls sich die hohen Hevrschtaften endlich nach Hause begeben hatten. Etwa eine Stunde, später kehrte Beltlingen mit seiner Braut von der Spazierfahrt zurück, welche sie auf Tagmars Bitten noch Unternommen hatten. Es dämmerte bereits stark, als der Baron «cdlich den Befehl zur Heimfahrt gegeben Hatte, auf welchen Franz schon längst schnsüchttg lauerte. Es war doch eigentlich «in ganz verkehrter Einfall von der Gnädigen, bloß weil die Schlittenbahn so schön war, noch stunden-- Wtg durch den dichtverschneiten „schweigenden" Wald zu fahren. Er begriff einfach gar nicht, was sie an der „glitzernden Schneepracht" fand. Ihm itfar es höchst langweilig, steif wie ein Ladestock neben Heinrich auf den: Bock sitzen zu müssen. Und von dem. was sich die Herrschaften erzählten, verstand er auf einmal auch nichts mehr. Tiefes vermaledeite Englisch! Wenn's noch italienisch gewesen wäre. Das hatte er damals bei Prinzen Contarini weggekriegt, ebenso wiv das Französische, aber englisch? Da half kein -Ohrenspitzen. Das sah er aber doch mit einem halben Blick, daß sein Herr den pelzgefütterten Handschuh von der schlanken, Weißen Hand der Baroneß streifte, um sie dann lange und inbrünstig an die Lippen zu ziehen. Freilich konnte Franz nicht wissen, daß dies nur der Ausdruck des Dankes für Dagmars Bemerkung war, wie peinlich ihr das Schlittschuhlaufen vorhin gewesen sei und wieviel schöner sie diese gemütliche Waldfahrt zn zweien fände. „Hab' Tank, Dagmar, für dieses gute Wort," hatte der Baron leidenschaftlich entgegnet, während seine Lippen sich immer wieder auf ihre edelgeformten Hände preßten. „Nur noch acht Tage — Gottlob, daß es nicht länger ist . . ." Einen Augenblick hatte Tiagmar unwillkürlich das Gefühl, sie möchte sich in die äußerste Ecke des Schlittens verkriechen. Sie fürchtete sich plötzlich vor der Glut, die sie aus Beltlingens Worten anwehte, aber dann hatte sie sich gefaßt. Sauft erwiderte sie den Truck seiner Hand, duldete sie, daß er näher zu ihr- hinrückte, indem er seinen Arm stützend in ihren Rücken legte. Ein eigentümliches Gefühl überkam sie dabei, wie ein leiser, magnetischer Sttvm glitt es durch ihren Körper. Sonderbar gehoben fühlte sie sich plötzlich von der Leidenschaft, die Magnus für sie zu empfinden schien, und mit dem Bewußtsein, dieser! seiner Leidenschaft, kam ihr gleichzeitig — jäh und überraschend —•: das Gefühl der Macht, die sie über diesen Mann ausüben konnte/ wenn — sie wollt«. Urplötzlich war das Weib in ihr erwacht! — Es lockte und drängte sie förmlich, zu erprobe::, ob das, was! da ebenso blitzschnell vor ihr austauchte, nur in ihrer Phantasie bestand oder nicht. Und aus diesen: Gedanken heraus sagte sie plötzlich mit einer ihr sonst fremde:: Kvketterie: „Bitte, Magnus, der Wind ist so scharf. Wir wollen deck Schirm ausspannen," und als der Karnmerherr sofort dienstbeflissen den Schirin öffnete, hielt sie ihn sehr geschickt so, daß weder der-Kutscher noch Diener! bemerken tonnten, wie sie sich schenr- bar vor den: Wind duckend, ihr lächelndes Antlitz zu ihrem Verlobten hinbog: „Ah, hier ist gut sein." Statt aller Antwort zog Beltlingen sie ganz nahe' zn sich heran. Heiß und dürstend preßten sich seine welken Lippen auf ihren Mund in stummer und doch so beredter Sprache. Wie betäubt schloß Tagmjar sekundenlang die Augen, erschauernd seine Küsse duldend. Ter Kammerherr war in glänzender Laune. Zwar mißfiel ihm ein wenig, daß seine B-rsiut ihn bat, sie für den Rest des Tages zu entschuldigen, sie müsse sich durchaus für morgen ruhe,:, das schelmische Lächeln und der! willig dargebotene Mund versöhnten ihn jedoch rasch wieder. Höchst befriedigt lehnte er sich in den Schlitten zurück, der ihn pfeilgeschwind nach Hause brachte. Nachdenklich stieg währenddessen die Baroneß zu ihrer Wohnung empor, wo Anna ihr geschäftig die Sachen abnahm. Sie berichtete, daß Fpau von Borgwardt dagewesen sei und ein Paket zurückgelassen hcrbe. Auch hätte sie einige Worte auf einen Zettel geschrieben. Es läge alles iauf dem Schreibtisch. Dagmar nickte gleichmütig. Das würde sie nachher ansehen. Jetzt war sie zu müde dazu. Schweigend ließ sie sich in den weißen, flauschigen Morgenrock hüllen. Wie -behaglich das war! Sie kuschelte sich unwillkürlich tiefer in den bequemen Amerikaner, der gleich den: Teetischchen vor den: Kamin stand, in welchem ein! Helles Hvlzfeuer knisterte und flammte. Träumerisch sah Dagmar in dis rote Glut, während die Jungfer, geräuschlos eine Platte mit Sandwiches, Biskuit, Butter und Gelee, nebst einem Kvrb mit kandierten Früchte:: auf das ziemliche Tischchen stellte, von dem der frisch bereitete Tee gav verführerisch hevüberduftete. „Soll ich eingießen?" Tie Baroneß nickte. >,Und bann können Sie gehen." Leise entfernte sich das Mädchen. Noch immer saß Djagmar und schabte, ohne sich zu rühren, in die wte Glut. Ein leichtes Lächeln spielte um ihre Lippen. Sie dachte !an die Schlittenfahrt . . . Und wieder spürte sie dieses sonderbare Triumphgefühl, Has sie Vvvhin wie einen leisen, prickeln- den Reiz empfunden hatte. Sie richtete sich plötzlich ungestüm m:f. Ein ganz neuer, eigewarttger Ausdruck lag auf ihren sonst sh Allen, ruhigen Zügen. (Fortsetzung folgt.) — 387 •** BoMkrmdttches aus dem Kreise Gießen. Die „Hessischen Blätter f ü r Volkskunde" (BandVI- Heit 1) bringen solgende kleine Mitteilungen aus der Feder des A b g. Köhler-Langsdorf, die in oberhessischen Kreise«: Vieler Interesse erwecken dürsten. Volkskundliche Nachlese aus Langsdorf und nm Langsdorf herum. Es ist meine Meinung, daß die Volkskunde mehr wie jede andere Wissenschaft der Mil hülfe auch der Ungebildeten und der sog. Halbgebildeten insbesondere nicht entbehren könne, Diese untersten und mittleren Schichten der Bevölkerung sind es, die treuer als die oberen und obersten altes Volksgut in Sprache, Sitten und Gebräuchen bewahrt haben. Mag es auch nur verstümmelt unter ihnen weiterleben und dauern, dem wissenschaftlich ausgerüsteten Forscher, dem aber dabei ein feines Gefühl für die Regungen der Volksseele innewohnen nmß, ist es zumeist möglich, es lebensvoll zurückzugestalten.-- Nachfolgende kleine Beiträge, die ich bei Gelegenheit ergänzen möchte, habe ich so fast ohne Suchen gefunden. Sie erscheinen hier unbeschwert von wissenschaftlicher Kommentierung, und sollen in diesen Blättern nur einfach verzeichnet stehen zur freie«: Verfügung aller, die irgei:d Interesse an ihnen nehme«:, hier aufbewahrt, gleichsam wie i«: einem Archiv, für die wissenschaftliche Volkskunde. Ich möchte wünschen, daß viele mit volkskundlichen Beiträgen aus der Heimat nur folger: möchten: 1. Abzählreim. So spricht die Großmutter zu Bettenha u s e«:, wenn sie an de«: Fingerchen des kleine«: Kiirdleins abzählt, aushörend mit den: 5. (kleinen) Fingerlein: „Pinkenählche Schlug sein Zeltche Heben: Rhein, Wu die vier Canallje sei::. Vier Canallje backe Brudt, Schmeiß' die ahle Bauer«: dicht. «Von hier ab ganz Alte Frau giirg in' Garten, hochdeutsch) Wollte Ivelsche Hinkel lacken: Gibbig, gabbig, gu«:, Wir woll'n dem kleine«: Kindelei«: Sein Fingerlein abtun. 2. Die Schlottenhäger (siehe „Hess. Blätter für Volkskunde", Band I, S. 137 ff.). Der zu Nön uenroth an: 26. März 1819 geborene, zu Langsdorf wohichafte Gastwnt Marti«: Trapp machte über das einstige „Schlottenhaagen" zu Noimenroth folgende Angaben: a) Die Schlottenhäger wurden ernennt alljährig auf ersten Ostertag, und zwar immer auf der Frohniviefe «:ahe beim Dorfe. b) An diesem Tag wurde«: sämtliche Schüler zu Nonnenroth am oberen Ende dieser Wiese i«: langer Reihe aufgestellt, die Gesichter nach den: untere«: Ende der Wiese gerichtet. , Es wäre«: „die drei erste Lent", «vie Trapp sagt, Kirchenvorstände und Gemeinderäte, die solche Aufstellung zi« bewirken hatte«:. e) Dann stellten die „alte«: Männer" unten in der Wiese sich auf, und einer vo«: ihne«: gab der barfüßigen Schar mit seinen: Zylinderhute eine«: Win? zu wildem Wettlauf die Wiese herab. Dem: diese ehrbaren Männer «nutzten im Sonntagsstaat erscheinen, das «vürdige Haupt mit «nächtigein Zylinder geschmückt. ä) Auf den gegebene«: Wink setzte die gesamte Schuljugend sich i«: rasende«: Sauf, und je nach ihren: Eintreffe«: am Ziel erhielte«: die Bube«: folgende Aemter und Titel: 1. Ober-Scholtheß (Ober-Schultheiß), 2. Unter-Scholtheß, 3. Schlottenhääger, 4. Rächer, 5. Pack-an, 6. Kncheufreffer, 7. Schollenhipper, 8. u. f. sind «ücht mehr bekannt. Der letzte hieß „Veast" (das bedeutet „Stinker", daher das Wort „Stink-Veast", d. i. stinkige Lunte). e) Der Wettlauf hieß das „Veast-Lausen". f) Am „letzte«: Ostertag" wurde ei«: von: Bürgermeister näher bezeichnetes Weidestück (es war immer dies eine) von den obigen Würdenträger«: mit Hegwische«: rings umsteckt, und mitte«: in der Wiese drin wurde aus hoher Stange der dickste dieser Wische „ausgehitzt". Dieses Weidestück durste vor Pfingsten nicht beweidet werde«:. g) An bei: drei Pfingsttage«: wurde „geschlottet". Die „Schlotte" hatte diefe Gestalt: .................(--===. Sie war aus einen: Stück Buchenholz gefertigt. Nur die Bube«: aus der Schülerzahl durste«: „geschlottet" werden, aber auch solche, die «na«: zu überwältige«: sich getraute. h) Wen«: einer gefchlottet werden sollte, so faßte auf bei: Ruf des Schlottenhäägers der „Pack-ai:" den arme«: Sünder und ries dem „Rüther" die Frage zu: »Schlottmooß, Monnmooß, Gerschtestrerch: Wäi vill soll ich em geawive?" Darauf bestimmte der „Räther" dieAnzahl der zu verabreichende«: Streiche. i) Der Ober-Scholtheß war der Oberanführer, er ordnete alles an: ob Emer „geschlottet" werde::, ob Einer „Schollenhippen" sollte u. dgl. ««:. k) Mädchen, die mit kuchengeiülltei: Taschen auf die Wiese kamen, wurde«: auf Befehl des Ober-Scholtheß von: „Pack-an" gefaßt und ihrer Vorräte beraubt. 1) All diesem Beginnen aber ging ein Zug der Schlottenhääger durch Dorf und Wiese«: voraus. Der „Veast" ging hinterher. Meist «var es der Herne, arme Dorsbub. Er ging hinterher und mußte zusehen, daß keiner zurückbleibe. Beim letztemnal, im Jahre 1829, da war dies der kleine und arme Marti«: Trapp, des Ortsdieners Sohn, den: «vir diese letzte Kunde verdanken. Der Herne Schelm, auf dem Kopse trug er einen mächtigen Zylinderhut, ein lang nachschleifender blauer Frack mit gelben Meffingknöpfe«: und ein mächtiggroßer, mit silberne«: Knopf gezierter Schultheißenstock vervollständigten de«: trefflichen Anzug, lieber Schultern, Rücken und Brust trug er seines Amtes eigentliches Auszeichen: ein Lederband mit Meffingneffel«: und mit roten und allerlei farbigen Bändern geziert. m) Bevor aber der Zug an: 1. Pfingsttag begann, zogen sie zu«n Bürgermeister. Dieser stellte eine Anweisung auf die Ge- meindekaffe ans, und die ganze Gesellschaft nah««: 45 Kreuzer als Belohnung für die vorhin erwähnte Weidenhegung in Empfang. Um das Jahr 1830 wurde das Schlottenhaagen zu Nonneu- roth durch bei: Lehrer Nürnberger abgestellt. 3. Der blaue«: Farbe «vurbe früher in B e t t e n h a u s e «r und i«: Langsdorf wunderbare Heilkraft zugeschrieben: a) Wenn jemand krank wurde, so durste er nicht anders als unter einer Bettdecke vo«: blau-gedruckter Leinwand liegen: anderes Zeug (Kattune und andersfarbiges) „zieht Miß" (Schlagflüffe, Krämpfe re.) nach sich. b) Wenn jemand sich gestoßen oder sonstwie Beulen davon- getrage«: hatte, so müßte die verletzte Stelle mit einer blauen Schürze gedrückt (massiert) werden. c) Gegen Halsweh wurde «vähre«:d der Nacht der Hals mit einen: blaue«: Strumpf, und zivar mit den: Strumpfe vom linken Bein umwunden.*) *) Derselbe Glaube wird uns für die Gegend vo«: Echzell in der Wetterau bezeugt: Auf entzündete Stellen und Geschwülste wird eine neue, blaugefärbte, leinene Schürze gebunden. Auch die Kamillensäckchen macht n:a>: dort aus blauen: Seinen. Weitere Belege für die Vorstellung der Heilkraft der blauen Farbe gibt Rochholz, Deutscher Glaube und Brauch II, 275; vgl. auch K. Bartsch, Sagen, Märchen und Gebräuche aus Mecklenburg II, 435, Nr. 2016. Nach Wuttke, Der deutsche Volksaberglaube 3 § 537 schützt man in Mecklenburg die Kinder von Bräune durch einen um bei: Hals gebundenen blauen Wollfaden, nach § 581 bindet man in Thüringen das Türschloß der Wochenstube mit einen: blauen Schürze nband zu. sD. R.s Landwirtschaft am Meeresftrand. Zu den bekanntesten Pflanzen unseres Seestrandes gehört der Strandhafer, der eine ganz außerordentlich große Bedeutung für die Festlegung der Dünen gewonnen hat. Wenn es mit der Zeit sicher gelingen wird, sämtliche Dünen unserer Nehrungen uttd Küsten, nachdem sie im Verlauf der Jahrhunderte manches Unheil ungerichtet und manches Haus und sogar ganze Dörfer verschlungen haben, zum endgültigen Stillstand zu bringen, so wird das nicht zum wenigsten den ausgezeichneten Eigenschaften des Strandhafers zu verdanken sein. Im übrigen hat der Strandhafer mit Bezug auf feine Verwertung mit den: eigentlichen Hafer recht wenig zu tun. Er gehört auch nicht zu dessen Gattung Arena, sondern zu einer besonderen Gattung Ely- mus mit dem Artnameu arenaris, der seinen Wohnort auf Sandboden anzeigt. Nur in außerordentlich armen Gegenden, z. B. in Island, hat man versucht, mit dem Strandhafer auch eine Art von Landwirtschaft zu treiben und seine Samenkörner als Ersatz für Getreide zu gebrauchen. Mehr einwandfrei ist schon die Verwertung junger Halme des Strandhafers als Futter für Rinder und Schafe. Nun hat aber der Strandhafer noch einen Genossen in einer Strauderbse, aus der sich vielleicht etwas mehr machen ließe und die überhaupt ein interessantes Gewächs zu sein scheint. Der Landwirtschaftsoberlehrer G. Becker entdeckte auf der Nehrung von Hela vor einiger Zeit eine Pflanze aus der Familie der Leguminosen, die er bisher noch niemals gesehen und auch auf vielen Wanderungen am Strand der Ostsee und auf den Dünen der Kurischen Nehrung noch nirgends getroffen hatte. Er fand sie in botanischen Werken allerdings mit ihrem Standort bei Hela verzeichnet, aber — 388 mit dem Namen Strandwicke belegt. Mch weiteren Angaben früherer Forscher kommt sie sehr zerstreut auch im Dünensand von Mecklenburg, Pommern und Westpreutzen vor und wird nach Osten hin immer seltener. Sie vermag den Winter zu überdauern und blüht in den ersten Wochen des SommerN Becker hat nun weitere Nachforschungen über, die Stranderbse angestellt und teilt ihre Ergebnisse mit. Danach wurde die Pftanze zuerst 1862 auf der Halbinsel Hela angetroffen, und die dortigen Eingeborenen machten, was bei ihren durstigen Lebensümständen erklärlich ist, alsbald Versuche mit dem Anbau der Erbse, die aber mißlangen. Es stellte sich nun heraus, daß die Sarnen von Rebhühnern und Tauben, die Pflanzen selbst, so lange sie in frischem Grün prangten, von Ziegen sehr gern gefressen wurden. Die Frucht der Stranderbse hat einen Durchmesser von noch nicht einem halben Zentimeter und ähnelt der Linse. Die Schale dieser Samen ist jedoch so hart, daß alle Versuche, sie zum Keimen zu bringen, vergeblich geblieben sind. Selbst wenn sie wochenlang in Wasser gelegen hatten, zeigten sie nicht die geringste Quellung und sahen vielmehr aus wie leblose Schrotkörner. Becker kam nun auf den sinnreichen Einfall, daß vielleicht der scharfe bewegliche Sand in der Natur dem Keimen der Stranderbse Vorschub leisten möchte, indem er die harte Schale anritzt. Daraufhin machte er künstliche Ritze auf den Samenschalen und hatte nun die Genugtuung, daß diese Erbsen schon am nächsten Tage merklich gequollen waren und nach weiteren fünf Tagen schon Wurzelspitzen zeigten. Es wird nun weiter versucht werden, ob sich mit einiger Geduld die Stranderbse, die übrigens den wissenschaftlichen Namen Pisum maritimum führt, zu einer Nutzpflanze wird erziehen lassen. Leider werden die Aussichten darauf neben beit anderen Schwierigkeiten noch dadurch beeinträchtigt, daß die Stranderbse trotz ihrem nicht gerade häufigen Vorkommen verschiedene Feinde im Tierreich besitzt, nämlich einen Käfer und eine Art von Blattläusen. Sollte der Anbau dennoch in rrnchtbringendem Maße gelingen, so würde er jedenfalls einer der merkwürdigsten landwirtschaftlichen Betriebe in Deutschland sein. Vermachtes, * Ein prob ates Mittel. Wie ein Mann sich selbst von der Trunksucht heilte, erzählt Ernest Blum in seinem letzten „Journal d'un BauveviMste", in dem ihn die Krisis der Weinbauern trt Südfrankreich zu Betrachtungen über das Trinken im allgemeinen angeregt hat. Ein Stammgast der Bars, ein vornehmer Herr, empfand eine lebhafte Beschämung darüber, daß er fast jeden Abend schwer betrunken seinem Heim zuwankte und fragte einen Arzt um Rat, wie er von diesem schrecklichen Laster befreit werden könnte. Der Ar^r riet ihm zunächst, er möchte nicht mehr zu seiner Bar gehen, danM er oer Versuchung, die dort in den verschiedensten Gestalten lauerte, nicht anheimfallen könnte. Der vornehme Herr unterwarf sich dieser Vorschrift und ging nicht mehr in seine Bar — aber er ging in eine andere! Dann aber machte er doch einen energischen Versuch; er verzichtete auf die gefährlichen Getränke, die ihm in der Bar kredenzt wurden, und trank nur noch Wein; da aber hatte er bald ein Gefühl, als ivürde er unmodern und fetzte feinett Ruf als eleganter Herr aufs Spiel. Eines Abends, an dem er nicht getrunken hatte, begab es sich nun, daß die Vorsehung einen Klubfreund über seinen Weg führte, der so furchtbar betrunken war, daß zwei Polizisten ihn nur mit aller Mühe aufrecht erhalten konnten und ihn einfach zur Polizeiwache führten. Dieses Schauspiel erweckte seinen Ekel, und er verstand mit einem Mal den guten Einfluß, den man einst in Sparta auf junge Trunkenbolde dadurch ausgeübt hatte, daß man ihnen berauschte Heloten zeigte. Das brachte ihn aus einen Einfall, den man durchaus als genial bezeichnen kann. Er ging zu einem Fabrikanten von Kinematographbildern und ließ von ihm die Szene aufnehmen, die er soeben gesehen hatte und in der er nun die Hauptperson darstellte: man sah ihn, wie er in einem schrecklichen Zustand in zerrissenem und beschmutztem Anzuge dahinschwankte oder vielmehr von zwei Polizisten geschleppt und weitergestoßen wurde! Und wenn er nun zu Hause sitzt und ihn die Lust überkommt, irgend wohin zu gehen und etwas zu trinken, wenn er fühlt, daß der alte Trunkenbold in ihm sich wieder regt, dann sagt er einfach zu seinem Diener: „Lassen Sie den Kinematographen gehen!" Und das Resultat ist großartig: er geht nicht mehr aus, um seinen wahren oder eingebildeten Durst zu löschen, sondern er setzt sich stoisch hin und trinkt eine Tasse Kamillentee * Ein herzloser Spötter befaßt sich üt einem Pariser Blatte mit dem Toilettenlnxns d er Damen. Danach werden die in Amerika begrilndeten Hochsch'.llen der Mode auch in Europa festen Fuß fassen, und ein ganzes Heer von Toilettenkünstlerinnen werden in diesen Instituten ausgebildet werden. Man hat sich diese Modeschulen ähnlich vorzustellen wie die Konservatorien der Schauspielkunst oder Musik mit alljährlichen Wettbewerben und Preisverteilunaen. Die Rue de la Paix, auf der heute die großen Pariser Modesalons liegen, wird die vielen Schneidergeschäfte nicht mehr fassen können, und endlos wird sich über die Seine herüber, über die Tuilerien hin ein ganzes Stadtviertel des Luxus und der Eleganz erstrecken. Die Preise werden märchenhaft fein; ein einfaches Kostiim 1000 Fr., ein billiger Hnt 500 Fr. Die Beschäftigung aller eleganten Damen wird nur noch in An- und Ausziehen bestehen. Heute kleidet man sich ja schon vormittags zweimal um und nachmittags dreimal. Da iist es! denn nur noch ein Schritt, daß man nicht den ganzen Abend int Theater in einer Toilette sitzen will, sondern sich in mehreren. Kostümen zeigen muß. Nach jedem Akte ziehen sich die Damen nm; die Länge der Pausen und die höchste Vervollkommnung der Technik des Anziehens gestatten das. Selbstverständlich ist es auch, daß man, wenn man an einem Abend mehrere Gesellschaften besucht, bei jedem Fest in einer anderen Toilette erscheint. Zu jeder Toilette gehört natürlich eine vollständige Garnitur von Unterröcken, Strümpfen, Schirmen, Hüten usw. Man hat zu jedem Kleid sogar zwei bis drei Hüte, die man am besten bei de'r Spazierfahrt öfters wechselt. Zn diesem Behnfe hat die Modedame von morgen eine Auswahl von Hüten unter dem Sitz ihres Wagens, so daß sie nach der jeweiligen Stimmung und Laune bei jedem Besuch, den sie macht, in einem andern Hute erscheinen kann. Das Innere des Wagens ist mit allem Komfort eines Bondoirs ausgestattet,' mit Spiegeln, Necessaires, Puder, Schminke usw., eilt Einfall, in dem die Pariserin der Zukunft allerdings nur ihre Ahnen der Rokokozeit nachahmt. Kurzum, nach der felsenfesten Ueber- zeuguug unseres ahnungsreichen Franzosen, werden die Extravaganzen der Mode noch viel toller nnd übertriebener werden, und bald wird die Zeit kommen, da die „Herren der Schöpfung" sehnsüchtig an die gute alte Zeit zurückdenken werden, da eine Dame sich mit zehn Hüten nnd drei Toiletten an einem Tage begnügte. * Bauernregeln für den Monat Juli: Hundstage hell und klar, zeigen an ein gutes Jahr; werden Regen sie bereiten, kommen nicht die besten Zeiten. Reißt die Spinne ihr Retz entzwei, kommt ein Regen bald herbei. Im Juli muß vor Hitze braten, was im September soll geraten. Peter und Paul recht klar, gibt ein gutes Jahr. Wird der Juli trocken sein, kannst du hoffen auf guten Wein. Wer nicht geht mit dem Rechen, wenn die Fliegen und Bremsen stechen, muß im Winter gehn mit dem Strohseil und fragen:,, Hat jemand Heu feil?" Wie das Wetter am Siebenbrüdertag (10,), so soll es sieben Wochen bleiben. Wenn am Annatag (26.) die Ameisen aufwersen, so soll ein strenger Winter folgen. Wechselt im Juli stets Regen und Sonnenschein, so wird im nächsten Jahr die Ernte reichlich sein. Literarisches. — Zell, Dr. Th., Straußcnpolitik. (Neue Tier-t fabeln.) Verlag des „Kosmos!", Gesellschaft der Naturfreunde, (Geschäftsstelle: Frankh'sche Verlagshandlung) Stuttgart. Preis. 1 Mk. — Als vor drei Jahren Dr. Zell sein Buch herausgab „Ist das Tier unvernünftig?", erregten die darin ausgesprochenen neuen und eigenartigen Ansichten Aufsehen und erfuhren aus Gelehrtenkreiseil teilweise sehr heftige Angriffe. Dr. Zell hat seither weiter sich bestrebt, die manchem unbegreiflich erscheinenden Handlungen der Tiere aus natürlichen Ursachen abzuleiten. Rücksichtslos wird dabei mit alteingewnrzelten Vorurteilen aufgeräumt und der herrschenden Meinung entgegengetreten, die entweder in den Tieren nur vernunftlose Reflexmaschinen erblicken will, ober an ihre seelischen Funktionen den menschlichen Maßstab anlegt. Ob Dr. Zell über die „angebliche Nervosität mancher Tiere" plaudert oder die Fragen untersucht: „Schämen sich die Tiere?" „Sind Tiere der Verstellung fähig?" „Gibt es Tiere, die sich spiegeln?" rc.: stets weiß er den Leser zu fesseln und anzuregen. Logogriph. Mit i hält's schwer, es zu erweichen, Mit r kann es kein Mensch erreichen. Auflösung in nächster Nummer. Auflösung des Scherzrätsels in voriger Nummer r Brüderschaft. Redaktion: Ernst Heß. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schsn UniversttätS-Buch- und Strindrucksret. R, Langs, Gießen,