Mittwoch den Z>- Juni W L s i I s W^W yyjl ■t NW'W Dem Irrlicht nach. Roman von Alexander Römer. Nachdruck verboten. (Fortsetzung.) TaL goldene Abendlicht umstrahlt auch Sylvias Scheitel, der schwarze, um ihr Haupt geschlungene Schleier macht ihr Gesicht noch magerer und schmaler; Roderichs' Augen sehen sie Verzerrt. ,,, . , „ . Sylvia! Sylvia! JNr schwarzen Nonnenschleter, eine Bet- schlvester, und hinter ihr der Wüstling, der auf seine Beute lauert! Hier, in dem schönen Italien Patzt das vortrefflich zusammen. „ , Wieder will sich das Hohnlachen der Verzweiflung auf seine Lippen drängen, die Kirchenmauern halten es zurück. Sylvia! Sylvia! Tie süße, lebensprühende Sylvia, die sich einst in leidenschaftlicher Hingabe in seine Arme warf, die ist ja auch längst hot — voll ihm, von ihm gemordet. Jählings, als kündete die Posaune des jüngsten Gerichts ihm sein Urteil, überkommt ihn das Bewußtsein seiner Schuld, dessen, was er an ihr gesündigt in seiner Selbstherrlichkeit nnd seinem ■ Egoismus. Diese da ist ja nur ihr Schattenbild — gräßlich, gräßlich! Und wie sie, so ist auch er nur noch eine, Ruine, ein jammervoller Rest des ehemaligen Roderich, der die Welt mit seinem Ruhm erfüllen wollte. So werft man doch zu den Toten, lver des Lebens schon verlustig ist. Er schaut noch einmal hinaus in die unvergleichliche Farbenpracht, der Himmel ist wie ein Glutmeer, aus dem die riesige Peterskuppel empov- taucht, links von ihr die Engelsburg. Für wen alle diese Schönheit, diese Wunder der Schöpfung? Für das armselige Menschengeschlecht? Seine Lippen murmeln noch: Sylvia. Könnte er sie finden, an sich reißen, was soll auch sie noch in der Welt — nur weiter verderbeil. Stand« sie hier an seiner Seite, sie schauten zusanimeit noch einmal htneiii in diese Pracht — zum letztenmal aber sie sind geschieden, getrennt für Zeit und Ewigkeit, denit er hat sie gemordet. ' . ~ . Langsam geht er nach Hause. Seine Wirtin, Donna Teresa, bewillkommnet ihn auf dem Flur. Ah! Der Signor ist auch Müde, er sieht schlecht aus, sehr schlecht. Er ift ein nobler Mieter, ein guter Zahler, aber sonst wenig sympatico, tut orso Sie hat so freundlich geknixt, er hat es gar nicht beachtet. Da steigt er hinauf mit dem schweren, schweren Tritt, es hallt "ordentlich auf den Steinquadern. „Zum letztenmal, zum letztenmal," singt es noch immer in Roderichs Ohr, 19. Kapitel. Es ist kalt geivvrden, der Februar entwickelt noch rauhe Winde. In dem Kami» des kleinen Salons in der Bia Gre- goriana flackert ein Feuer, die Holzscheite knacken und knistern. Sylvia sitzt, die F-üße auf den Kvminsims gestutzt, und sitcht ün dem mäßigen Wärmestrahl, der sich entwickelt, ihre erstarrten Glieder aufzutauen. Tie Mutter ist in die Fastcift predigt gegangen, sie ist jetzt imMer in den Kirchen. Sylvia hat erklärt, zu erkältet zu sein, um hin ausgehen . zu können. Ihr ist beängstigend traurig zu Mut, das Netz schlingt sich immer fester tun sie. Wohin? Wohin? DtL verzweifeltsten Plätte haben sich schon in ihrem Gehirn gekreuzt. Was für eilt Ausweg bleibt ihr? Der Tod. Mit Schaudern hat sie sich dsas schon verschiedeneMal wiederholt — sterben — ihrem' jungen, wertlosen Leben ein Ende machet Ist es noch Lebenstrieb, twch Lebenslust, was sie davor so. Meit macht? Ist es größere Sünde als den Conte zu heft raten? Den Manu, den sie haßt, verabscheut? Wenn sie dem vor Gottes Angesicht Treue gelobt, ist daS nicht größere Sünde? Und auf der Erde, wo ist da sonst noch eine Stätte für sie? So grübelt sie düster und trostlos und zittert dabei wie Espenlaub. Es ist ihr unmöglich, sich heutj morgen zu erwärmen. ' - Ta stürmt Filvmena ins Zimmer mit den lebhaftesten Gefierdeu, und einem spudelndeu Wortschwall auf den Lippen^ „Ah! Signorina! Una tragädia!" Sylvia versteht anfangs nichts von dem sich überstürzenden Gerede, was — was ist eigentlich geschehen? Es liegt einep im Sterben, ein Fremder, ein Deutscher? Wo? Wer? „Si Signorina! Aber still! Um Gottes willen — es ist bei der Zia Teresa, der Schwester meiner Mutter, da unten in der Babuina, und die Zia meint, daß er sich selbst ein Leid an--, getan hat, der schöne, reiche Herr — aber es darfs niemand wissen — seit zwei Tagen liegt er schon schwer stöhnend und leidend — geschossen hat er sich, aber nicht richtig ge- ivoffettH , Sylvia ist aufgesprungen, ihre Augen starren lveit geöffnet das Mädchen an, sie packt ihren Arnr, daß die Kleine aufschrett, „Filomena! wer? wer? Bon wem sprichst du?" „Dio mio! Signorina, es ist doch nicht gar ein Freund, oder Verwandter von Ihnen, aber — er war niemals hier. Sie zn besuchen, — es war ein großer, schöner Deutscher,, er fuhr immer mit der stolzen, russischen Eccellenza, die. tm Palazzo Ruspoli wohnt." , Sylvia stößt einen Schrei aus, emeu so markerschütternden, verzweifelnden Schrei, daß der kleinen Filonwna redselige Zunge Sylvia ist rückwärts getaumelt und liegt eine Sekuiwe totenbleich in ihrem Stuhl. Filomena will hinauseüen, ihre Mutter rufen, da kommt Sylvia zur Besinnung. , Schweig," sagt sie hart und streng, wie lonft tue ihr Ton ist, und der kleine Krauskopf steht ganz verwirrt vor ihr, „Du sagst selbst, niemand darfs wissen," fahrt sie fort, „so. ag auch meüier Mutter nichts wenn sie zuruckkehrt. Ich — ich will hiugehen und Nachsehen, es ist — ern Bekanntes, ein Landsmann von mir." Wie unnatürlich ruhig sie das sagt, tu cmcni fieuettt, fremden Ton; der kleinen Filomena lvird ängstlich zu Mut. „Gehen Sie nicht hin, Signorina, gehen Sie nicht Hits, er ist gewiß schon tot." 322 Aber Sylvia hört sie nicht mehr. Sie hat schon Hut und Umhang genommen und ist die Treppe hinuntergegangen. „Poveriua!" murmelt die gutmütige Kleine, „er ist gewiß ihr Liebster gewesen." Sylvia fliegt jetzt die kleine Straße hinunter, sie kennt ja das Hans, in dem er wohnt. Die Tür steht offen, schwatzende, neugierige Gruppen füllen den Flnr. Sie achtet ans niemand, und niemand achtet auf sie. (Sins1, zwei Treppen, da steht sein Name an der Tür, auch die Tür ist nur angelehut, und drinnen keine Menschcnseele. Aber daneben — das Gemach ist halb dunkel, sie hört ein Stöhnen, einen schweren Atem, — es flimmert vor ihren Augen — bewegen sich da nicht Gestalten — geräuschlos, gespenstisch. Sie weiß nicht mehr, was sie tut, sie stürzt vorwärts, in das unheimliche, dämmerige Gemach hinein, jetzt sieht sie eine Gestalt auf einem Lager hingestreckt, sie faßt die Bettkante, die Decke, die Linnen, sie beugt sich vor — „Roderich! Roderich!" Es ist nur noch ein wimmernder Wehlaut, der sich aus ihrer Kehle drängt, sie erfaßt eine fieberheiße Hand, nnb ihr Haupt sinkt auf das Kissen des Todwunden. Der öffnet die schon geschlossenen Augen, und tastet irre mit der Hand nach dem Lockenhaupt an seiner Seite. Dann richtet er sich auf mit einer neubelebten Krast. „Sylvia!" Das Wort kommt lant und vernehmlich aus der röchelnden Brust. „Sylvia! Du — du bist da." Er sinkt zurück, kraftlos, unfähig zunr Leben. Sie flüstert an seinem Ohr, sie hat die Arme um seinen Hals geschlungen, sie küßt seine Stirn, seinen Mund, der erkältende Hauch des Todes legt sich schon darüber, sie weiß es nicht, sie fühlt es nicht, sie denkt nichts, als daß sie bei ihm ist, den sie nie aufgehört hat zu lieben. Und wie Musik der himmlischen Sphären klingt ihm ihre Stimme — abgebrochene Worte fallen noch von seinen Lippen. „Begnadigung — zu spät zum Glück, zunr Leben — die Unselige Tat — Sylvia — könnte ich — jetzt —, o! Ich Ivars es nicht wert — zu leben —" Sie richtet sich auf, ihre Augen sehen seine Züge Heller, sie hat sich an das Dunkel gewöhnt, zwei Gestalten, die am Lager standen, sind leise hinausgegangen, ihr kommt das Be- wußtseiil der Wirklichkeit zurück. Er stirbt — sie hat ihn ge- funben, nur um ihn sterben zu sehen. Und vor ihr steht das Bild, das sie so lange festgehalten und so oft geträumt — sie auf dem Gipfel des Ruhmes, er zu ihren Füßen. Jetzt liegt er da zu ihren Füßen, stammelt mit sterbender Zunge Liebe — wie sind sie beide so arm, so arm geworden, bis sie sich fanden. „Roderich! Ich sterbe mit dir — laß uns zusammen hinübergehen — v! welch eine Wonne zu sterben!" Seine erkaltende Hand tastet nach ihrem Scheitel. „Nicht sterben — leben —" haucht er, „sterben ist furchtbar, wenn eigene Hand — den Faden abschnitt — da — meine letzten Worte — an dich — meine letzten Gedanken — für dich." Sie biegt den Kopf bergend in seinen Kissen nnd schluchzt. Zeit und Wirklichkeit sind für sie versunken. Da berührt jemand ihre Schulter. Sie taumelt empor, sie wendet ihr verheertes Gesicht dem Störer zu, Paul Hendrichs steht hinter ihr. „Kommen Sie," sagt er, „es ist vorüber." Und als sie sich jäh ausrichtet, sieht sie den zweiten! fremden Mann am «nbern Ende des Lagers stehen und sich über den still und starr Daliegenden beugen. — der Arzt — der den Stillstand des Herzschlags konstatiert. Paul faßt sie in seine Arme und trägt sie Won dem Toten fort, ihre Füße tragen sie auch nicht — „sterben — o, sterben—" Murmelt sie halb irr. „Armes Kind!" sagt Paul leise — „also ihn haben Sie geliebt. Wie erfuhren Sie es?" Er hat sie auf das Sofa im ersten Zimmer gebracht, sie Hält die Hände int Schoß gefaltet und starrt vor sich hin, „Ich weiß es nicht," sagt sie, „er ist tot." Paul sieht in tiefem Mitleid auf sie herab, ihn hat lange nicht etwas so ergriffen, als diese Szene am Totenbett. Welch ein Rätsel — die beiden Menschen, denen zu ihrer Bereinigung glles bequem lag — weit, weit von einander gingen sie in die Irre, um sich so — zu spät — zu finden. Sie sitzt so regungslos, er wagt sie nicht zu stören, er flüstert noch mit dem Arzt, der fortgehen will, und die Zeit verstreicht. Vater und Schwester des Toten werden jeden Augenblick erwartet. Sie finden ihn nun nicht mehr am Leben. Wenn sie aber Sylvia hier finden — gerade in dieser Stunde - wird" es nicht für beide Teile zu viel? Mul ist zum erstenmal in seinem Leben verlegen, ratlos, verwirrt. Roderichs Wirtin hat, als die Tat geschehen und ihr Mieter schwer verwundet in seinem Zimmer gesunden ivarb, zu ihm gesandt, lueit sie ihn öfter mit Roderich gesehen. Er hat seitdem furchtbare Tage mit dem Unglücklichen verlebt. Die unsichere Hand, tvelche gefehlt und nicht sicher getroffen, hatte ihm Zeit gelassen, nachzudenken über sein Leben, über seine Tat, qualvolles Leiden des Körpers gesellte sich zu den Stacheln der Reue. Hier half auch keine Philosophie über das Elend des verpfuschten Menschentums hinweg. Paul hat sofort Villatte benachrichtigt, der die Telegramms nach Dresden abskndte; Erna und der Vater können heute Morgen mit dem Expreßzug eintreffen, Villatte ist zur Bahn gegangen. „Kommen Sie," sagt Paul jetzt noch einmal, „fassen Sie sich, Sylvia, es war schön, daß Sie ihn noch lebend sahen> Sie wurden ihm zum barmherzigen Engel. Jetzt will ich Sie zu Ihrer Mutter führen." „Zu meiner Mutter?" Sylvia fährt wild auf, das Leben, ihr Leben wacht ihr tvieder auf. „O, nicht zur Mutter," ruft sie, „lassen Sie mich sterben, o, lassen Sie mich sterben!" Paul, der große Meuschenkenner, versteht sie und ih« Empfinden, ihre Augen funkeln so unheimlich in irrem Licht, durch seinen Köpf ziehen allerlei Gedanken. Wie ist sie aus den Schlingen, die sie umsponnen haben, zu lösen? Diese Mutter mit ihren Rechten ist das Schliuuuste. Tie bei ihm ganz ungewöhnliche Anteilnahme an diesem fremden Leben hat ihn beinahe vergessen lassen, was bevorsteht/ Ta hört er leise Stimmen vor der Tür, sie wird geöffnet,: ein alter Herr mit weißem Haar und eine schlanke Mädchens gestalt treten über die Schwelle. Er eilt ihnen entgegen, er müß sie vorbereiten, sie hoffen! ja den Sohn und Bruder noch lebend anzutreffen. Villatte steht hinter ihnen mit blafseui, verstörtem Gesicht. Ihm ist die schreckliche Aufgabe geworden, das Traurigste schon zu be-. richten. „Fassen Sie sich, gehen Sie noch nicht hinein, vor einer! Viertelstunde —“ sagt Paul stockend, — ihn jammert der alte, gebrochene Mann. „Er ist tot," ergänzt der Klommerzieurat, „mein Roderich, mein Einziger, tot — ich wußte es." Er bricht zusammen! unter der Wucht der Gewißheit; Villatte und Erna stützen ihn,: Paul schiebt einen Sessel herbei. Sylvia hat sich aufgerichtet, als die drei eingetreten sind/ Sie faßt an ihren Kopf, ist dies alles Traum — wüster, chaotischer Traum — sie starrt hinüber zu der Gruppe, die ihrer nicht achtet, sie hebt langsane die Füße wie im Schlaf und tut ein paar Schritte vorwärts. „Erna!" (Fortsetzung folgt.) Km Anchliugsfcst in Schwkhmgett war — so schreibt uns ein Festteilnehmer — das Stichwort für die diesjährige Generalversammlung des Verbandes der Kunstfreunde in den Ländern am Rhein, die am 26. Mai in Mannheim abgehalten wurde, in der Stadt, die nach wechselvollen Geschicken, nach fast völliger Zerstörung zu üppiger Blüte sich entfaltet hat. Das Gebiet, auf dem sich die eigentliche Stadt ansbreitelp bildet einen spitzen Winkel zwischen Rhein und Neckar. Diesem! günstigen Umstande und der vorteilhaften zeiriralen Sage in Wests deutschland hat die Stadt den mächtigen Aufschwung, die Ent-, stehung gewaltiger Fabriken, großer Hafenanlagen und des Freis Hafens zu verdanke». Mau sieyt der Stadt ihre Wohlhabenheit an, man empfindet cs aber auch sehr angenehni, daß die Bewohner! dieses bedeutenden Jndustrieplatzes nicht im Materialismus aufs gehen, sondern in richtiger Weise große Summen für die Vers schönerung der Stadt und s r geistige Interessen opfern. Mannheim wurde 1720 kurpfälzische Residenz und blieb es 58 Jahre. Die prachtliebenden Kurfürsten lebten in prunkvoller Ueppigkeit, zogen Künstler und Gelehrte von anderen Höfen an1 sich. Noch manches schöne Denkmal aus jener Zeit, namentlich das Schloß selbst, ziert die Stadt. Aber die Neuzeit hat iHv das Gepräge aufgedrückt. Wie die Mannheimer im Schulwesen!' Reformen praktisch durchführen, so haben sie zur Errichtung öffeuts kicher Bauten, zu denen ihnen die Mittel teils von freigebigen! Bürgern zur Verfügung gestellt sind, erste Künstler herangezogem Nördlich vom Schlosse breitet sich die regelmäßig gebautes Stadt aus, halbkreisförmig von breiten Ringstraßen umgeben,! westlich durch Rhein und Hafenanlagen begrenzt. IM Ostest schließt sich das vornehme Villenviertel an, zu dem der am Kaiferring gelegene schöne Friedrichsplatz und dessen Berlänges rung, die Augusta-Anlage, sozusagen den Eingang bilden. ,DeL Friedrichsplatz weckt unser ganzes Interesse wegen seiner schönest 323 — Lage. Auf ihm erhebt sich der mächtige Wasserturnt, von Hessen Terrassen man auf die gärtnerischen Anlagen und Wasserkünste des Platzes blickt, sowie auf dre einrahmenden Fronten schöner Bauten aus rotem Sandstein. Tas Ganze ist einheitlich nach Entwürfen von Professor Bruno Schmitz aus Charlottmburg geschaffen. Das' Ange ruht mit Wohlgefallen auf den schönen Formen des Rosengartens, eines von diesem Künstler in durchaus eigenartigem, an Barock anklingenden Stil errichteten Gebäudes, das zwei für Muzcrte, Theater und Versammlungen bestimmte Säle birgt, und dessen Inneres' ebenso harmonisch wie das Aeustere durchgeführt ist. 1 Tie abgerundete Schmalseite des Platzes begrenzen zwer pn- vate Prunkhäuser in derselben Stilart. An der Südseite soll aus Privatmitteln ein Museum errichtet werden, dahinter, mit der Front nach der Moltkestras-e, liegt die von Professor V i l l i n g aus Karlsruhe erbaute Kunsthalle, deren Kosten ebenfalls fast ganz durch Schenkungen bestritten sind. Ter würdige Bau aus rotem Sandstein enthält ivcnig Zierat, er ivirkt durch Linienführung und die Verhältnisse, namentlich das' vorspringende Portal und der Kuppelbau erzielen eine schöne Wirkung. Einen geeigneteren Platz hätten die Mannheimer für die gelegentlich der Feier des 300jährigen Bestehens der totabt stattfindenden Ausstellungen nicht wählen können. Der Friedrichsplatz bildet den jwunkvollen, lockenden Vorraum für die in der Augusta- Anlage und dem angrenzenden Bauterrain untergebrachte „große Gartenbau-Ausstellung" und die Kunsthalle beherbergt diesen Sommer, bevor sie ihrer endgültigen Bestimmung übergeben wird, die internationale Kunst-Ausstellung. Mannheim war also, wie für viele Versammlungen, auch für die 'Zusammenkunft der Kunstfreunde in den Ländent am Rhein der passende Ort. Schon am Samstjag abend waren viele eingetroffen und lustwandelten in den Ausstellungs-Anlagen zwischen den musizierenden Kapellen. Der nächste Vormittag war für die Besichtigung der Kunst-Ausstellung bestimmt, und daran schloß sich mittags die Generalversammlung im Rosengarten. Halb drei Uhr sollte ein Sonderzug die Festteilnehmer nach Schwetzingen führen zum Spargelessen, zu einer Thcateräufftihrnng im Freien und sonstigen schönen Natur- und Kunstgenüssen, lieber die in jeder Beziehung fesselnde Kunst-Ausstellung versäumte ich Versammlung und Extrazug und kam mit meiner kleinen Gesellschaft in Schwetzingen an, als die Hauptschlacht beinahe geschlagen war. Für 450 vorgemerkte Personen hatte der Wirt gerichtet und etwa 600 waren eingetroffen. Wir wurden für unser Warten aber so reichlich entschädigt, daß >vir die gebotenen Mengen trotz unseres beträchtlichen Hungers nicht bewältigen konnten. Bei einer beschaulichen Promenade durch den Park hatte ich 'nachher Gelegenheit, unter den vielen Verbandsmitgliedern auch einige markante Persönlichkeiten wie Thonm, Steinhausen, Teymel, den früheren Vorsitzenden von zur Nedden, sowie einige interessante Frauenerscheinungen zu beobachten. Nach und nach zogen sich dann alle Teilnehmer in die Nähe des Naturtheaters. Es ist gewiß lohnend, den Park, der voller interessanter Einzelheiten und lauschiger Platze ist, gründlich zu besichtigen; ich sah nur den direkt hinter dem Schlosse gelegenen Teil. Hohe Bäume bilden hinter dem Mittelbau desselben ein großes Rechteck, sie stnd streng geschnitten, sodaß sie eine senkrecht aufsteigende, lebendige grüne Mauer von beträchtlicher Höhe bilden. Das Rechteck ist nicht geschlossen, dem' Mittelbau gegenüber setzt es sich in einer Allee fort, durch die man auf wogende Getreidefelder blickt. Ans dem Platze sind int hohen Grase versteckt überall kleine Springbrunnen. Selbst in den Steigen sprudelt das Wasser «aus künstlich angelegten Quellen hervor, durcheilt schlangenförmig gewundene Rinnen und vereinigt sich in Becken. Durch Hcckengänge gelangt man zum Naturtheater. Einen eigenartigen, überraschenden Eindruck mjacht es 'auf den Beschauer, wenn Man aus den engen Hecken in diese Lichtung tritt. Tie seitlichm Bäume wölben sich zu einem hohen Dach über den Zuschauerraum, der allmählich zur Bühne abfällt, von dieser führen seitlich Wege hinter die natürlichen Kulissen und rückwärts einen Hügel hinan zum Apollotempel. Es war von der Schriftleitung der Wunsch geäußert worden, die Damen möchten dem Park durch geeignete Wahl der Toiletten ihre Huldigung darbringen. Die Darsteller ließen uns genügend Zeit zur Prüfung, ob die Damen diese Bitte erfüllt hatten und ich muß gestehen, daß viele der Aufforderung mit großem Verständnis nachgekommen waren, ich sah manche reizvolle Erscheinung. Wegen der schönen Kleider mögen die Trägerinnen aber bange Augenblicke durchlebt haben. Schwere Wolken ballten sich zusammen, es fielen einzelne Tropfen und fernher rollte der Donner. Plötzlich fuhr ein Wirbelwind durch die Bäume und herab wirbelten erst vereinzelt, dann dichter und dichter geflügelte Ulmenfrüchte. Dieser eigentümlich flimmernde Früchteregen wirkte höchst originell gleichsam als neckisches Vorspiel zu dem zu erwartenden Stück, „Die Läune des Verliebten" von Goethe sollte gegeben werden. Tie NnrUhe steigerte sich aber doch, es herrschte schwüle Stimmung unten wie oben. Nach mehrfachem Klatschen $amen die Spielenden endlich auf die Bühne gelaufen. Die Darsteller warm vier Mitglieder der Dumvnt-TrUppe aus Düssel- dörf, die Fräulein Ritter und Späher und die Herren Stöckel und Lassen. Ihr Spiel war pechr. ungezwungen und natürlich, Wer die Kvstüme waren zu bunt, Wl ein Naturtheater nicht einfach 'genug und die Stimmen verhallten im Freien. Es ist eben doch ein gewaltiger Unterschied zwischen einer Darstellung int geschlossenen Raume und in der großen Natur. Aber das! Gesamtbild hatte doch viel Reiz und Mächte einen nachhaltigen Eindruck. Und die Darsteller sind zu loben, daß sie trotz des zeitweise eintretendelt Regens das Spiel unverdrossen zum glücklichen Ende führten. Tie Bänke leerten sich schnell, ba, dem Wetter immer noch nicht zu trauen war, und die Gäste zogen sich eilenden Schrittes in das Schloß zurück. IM Saale gjab es itocfi eine kleine Vorstellung. Bier kleine! Schülerinnen von Miß Duncan führten nach den Flöten- und Gitarretöneir ihres männlichen Beschützers Reigentänze auf. Turch die kurzen Röcke, nackten Arme und Beine kamen die gefälligen Bewegungen der geschmeidigen junge» Körper sehr zur Geltung. Tic Tänze müssen namentlich für Maler mtregenb gewesen fein. Inzwischen dunkelte es bereits und als der Sonderzug dis Ausflügler nach Mannheim zurückbrachte, erstrahlte dieses in hellep Festbeleuchtung. Am Eingänge zur Ausstellung, am Wasserturm^ in den Wandelhallen ivlaren alle Kvnturen durch Glühkörper hervorgehoben und gaben bereits eine Vorstellung von dem Lichtmeer, in dem die Stadt au den Abenden der kurz bevorstehendes Jubiläumsfeier erstrahlen wird. Eine ungezwungene gesellige Ver- eütigung htelt die Festteilnehmer no.;dj bis spät im Ausstellungs-t park zusammen. Am Montag abend wollte Dehmel eine Neuschöpfung vortragen. Leider mußte ich auf diesen Genuß verzichten, da ich bereits vorher die festliche Stadt verließ. Tie Ausstellungen habe ich mir aber noch eingehend angesehen und werde in einem weiteren Artikel auf diese zu sprechen kommen. Drahtlose Telegraphie. Die deutschen Systeme Brann und Slaby-Arco Nachdruck verboten. An der Ausgestaltung der drahtlosen Telegraphie habed! außer Marconi vor allem deutsche Gelehrte einen bedeuten-, den Anteil gehabt. Einer der erfolgreichsten ist hierbei Professor Bram: in Straßburg gewesen, dessen Anordnung es ermöglicht, sehr viel größere Energiemettgen in den Sendedraht und damit in den freien Raum zu schicken. Er schaltet parallel zu drein Righischen Oscillator einen sogenannten Flaschenkreis, d. h. eine Reihe Leydenerflaschen mit sehr erheblicher Kapazität. Die Leydenerslaschen wirken derart, daß eine größere Elektrizitätsmenge in ihnen ange- häuft und in Bewegung erhalten werden kann, als in dem Sendedraht allein. Die Antenne ist dabei direkt mit dem einen Ende des Flaschenkreises verbunden nnb schöpft aus diesem sehr erhebliche Elektrizitätsmengen, die von dem Jnonktor in kleinen Beträgen, a'b'er dafür in viel schnelleren Rhythmen nachgeliefert 'werden. Die oben geschilderte Verbindung zwischen Flaschen- kreis und Antenne nennt man die direkte Koppelung. Man kann auch den Flaschenkreis auf den Sendedraht durch Induktion wirken lassen. Dann nennt man die Koppelung indirekt oder induktiv. Diese Anordnung wird bei den von Professor Bram: konstruierten Apparaten fast immer angewandt. Ist der sekundäre Kreis der Induktionsspule (Tesla-Transformator) von dem primären soweit entfernt,, daß die von ihm erzeugten Schwingungen auf den primären Kveis nicht mehr zurückwirken können, so spricht man von „loser Koppelung". Im entgegengesetzten Falle, der von der „Telefunkengesellschaft System Slaby-Arco" sehr häufig angewandt wird, gebraucht man den Terminus tech- nicus: „Enge Koppelung". Dttrch den Transformator, der der Isolierung halber ganz in Oel gesetzt wird, erreicht man eine ganz außerordentlich hohe Spannung der Mellen auf der Antenne. Man kann diese Mrktmg des Flaschenkreises, die Kapazität des ganzen Systems zu steigern, noch dadurch erheblich vermehren, daß mau die Oberfläche der Antenne vergrößert, zum Beispiel, indem man statt eines einzigen Drahtes, ein ganzes Bündel nimmt. Die größten Schwierigkeiten bfi der Telegraphie ohne! Draht lagen immer darin, daß die von einer Station gegebenen Zeichen sich nach allen Seiten in den freien Raum ausbreiten und daher guch überall von unberufener Seite ausgenommen werden konnten. Diesen Uebelständen hat zuerst Professor Braun abzuhelfen versucht, indent er das' Prinzip der Resonanz auch in die drahtlose Telegraphie einführte. Gerade wie in der Musik eine Saite nur auf einen ganz bestimmten Ton anspricht, ,d. h., weitn irgend eine Luft- schwinguug sie trifft, von dieser unbeeinflußt bleibt, außer 824 ■*- Redaktion: P. Wittko. — Rottionsdruck uni) Verlag der Brüb l'jchen Universitäts-Buch- unb Steindruckerei, R. Lange, Gießen' Magisches Dreieck. --------------In die Felder nebenstehender Figur sind I die Bnchstaacn aaaaeegrrssttzg —---— derart cinzutragen, daß die einander entsprechenden ivagrechten und senkrechten Reihen gleichlautend Folgendes bedeuten: ___ 1. Eine Blume. 2, Stadt in Böhmen. —— 3. Einen Zeitabschnitt. 4. Ist in Aranjuez zu finden. 5. Einen Buchstaben. Auslösung in nächster Nummer. Auslösung der Königspronienadc in voriger Nummert Der Nachtigall reizende Lieder Ertönen und locken schon wieder Die fröhlichen Stunden in's Jahr; Nun jubelt die steigende Lerche Nun klappern die reisenden Störche, Nun schwatzet der gaukelnde Star. Kenn sie die gerade für diese Saite bestimmte Wellenlänge Kat — ebenso rst es auch im Gebiet der elektrischen Gchwin- Mngen. Man konnte daher daran denken, jede einzelne Station mit einem Erreger von ganz bestimmter Schwin- Mngsdauer zu verbinden, von dessen Schwingungen nur solche Stationen etwas merken konnten, die Resonatoren von ganz genau gleicher Periode besitzen. Durch Anwendung der Resonanzerscheinungen ist es möglich, sehr starke Mr- jungen zu erhalten und bei genauer Abstimmung der Stationen aufeinander, die allerdings sehr umständlich und kostspielig ist, eine Aufnahme von unberechtigter Seite fast völlig auszuschließen. Man hat jetzt Apparate konstruiert, die diese Abstimmung nicht nur verhältnismäßig leicht vornehmen lassen, sondern auch ein und denselben Oscillator in kurzer Zeit von einer Schwingungsdauer auf die andere zu bringen gestatten. Gerade in Betreff der praktischen Erfolge der Tele- araphie ohne Draht hat der Telesunken-Kongreß Oktober 1906 glänzende Aufschlüsse gegeben. Hier sei noch erwähnt, daß es gelungen ist, nicht nur in horizontaler Richtung, sondern auch in vertikaler, zum Beispiel vom Tal nach der Bergspitze hinauf vom Balkon nach der Erde hinab, zu telegraphieren. Daß jedoch die drahtlose Telegraphie jemals in die Lage kommen könnte, die „gewöhnliche Telegraphie" aus dem Lande abzulösen, ist vollkommen ausgeschlossen, dagegen dürfte sie auf dem Meere die alleinige Herrschaft, die sie schon jetzt fast ganz besitzt, endgültig an sich reißen. Um ein itn letzter Zeit vielgebrauchtes Wort auch hier anzuwenden: „Ihre Zukunft liegt auf dem Wasser." Felix I e u tz s ch, Berlin. Dom Superintendenten Mlmer« Ein Lehrer aus dem Kreise Gießen sandte uns folgende Palmer'sche Schnurren: Palmer begegnete einem Landpfarrer, der nach langer Jung- gesellenschast endlich in den Haien der Ehe eingelauien ist. Nachdem ihm der Pfarrer feine Frau, die nicht gerade durch Schönheit auffiel, vorgestellt hatte, klopfte ihm Palmer auf die Schuller mit der Bemerkung: „Freindche, die stiehlt dir kahner." Palmer begegnet nach seiner Verheiratmig mit seiner Haushälterin, die ihm nach Goelhe'schem Vorbilde bereits vor der Ehe ein Kind geschenkt halte, einem Bekannten. Dieser gratuliert ihm Und fragt nach seinem Befinden. Palmer antwortet: „Freindche, es hat schoit mancher im Heirate a Haar gefunne, ich awer a ganz Perrückl" Ein Landpiarrer besucht Palmer und klagt ihm, daß seine Frau ihm das Leben sauer mache. Er schließt sein Klagelied mit den Worten: „Wenn ich so ivas geahnt hätte, dann wäre ich nicht in den heiligen Stand der Ehe getreten." Palmer entgegnet: „Ja, Herr College, ich kannS mit Ihne fühle, Sie warn ach besser in was anneres getrerc." Nach den Weihnachtsseiertagen bekoinmt Palmer Besuch. Es ist ein Amtsbruder vom Lande. Palmer klagt über die viele Arbeit, die er während der Feiertage gehabt hat, da er zweimal habe predigen müssen. Ter Amtsbruder hört zu und crividert: „Mir ist auch nichts geschenkt worden; ich habe sogar sechsmal gepredigt." „Ist auch viel", gab Palmer zur Antwort. In H. war Schulprüsnng. Palmer examiniert, und da die Antworten so spärlich lallen, will sich der Lehrer damit herans- helfcn, daß er den Kindern die Antworten leise vorspricbt. Palmer- Hat es aber gemerkt und ruft dem Lehrer zu: „Herr Schullehrer, gehn Sie einmal nach Ihrer Fran, ich glaub, sie hat das Sauerkraut anbrenne lasse." Eine alte Gießener Dame erzählte uns folgendes Anekdötchen: Palmer soll den Geistern des Weines und Branntweins sebr zugetan gewesen sein und es soll sich nicht selten zugetragen haben, daß er mit einem hochroten Kops und seiner Sinne nicht mächtig die Kanzel betreten habe. So soll eines Sonntags seine ganze Predigt in den denkwürdigen Worten bestanden haben: „Matsch Katz Amen! Die Predigt ist aus!" Von anderer Seite aber tvird uns erzählt, daß diese wunderliche Predigt nicht der Superintendent Palmer, sondern dessen Sohn, der Pfarrer in Watzenborn war, gehalten haben soll. Dieselbe Dame wußte uns noch folgendes zu erzählen: Palmer bereitete öfters Studenten der Theologie zmn Examen vor. Eminal soll er an solche die Frage gerichtet haben: „Was Kachen die Engel im Himmel?" Und als uieinniib diese sonder- dqk Frage zn beantworten gewußt habe, da soll er selber gesagt haben: „Sie singen Halleluja". Herr Dr. G. erzählt uns folgendes? Superintendent Palmer war ein klibenkleineS Männchen und machte oft In seinen Predigten tiefe Verbeugungen, sodaß er gänzlich hinter der Kanzel verschwand, bis allmählich die Arme und zuletzt der Kops wieder über der Brüstung austauchten. Eilt Mann kommt fit seiner Not zu Palmer, klagt ihn» diese und bittet um Unterstützting, ansonst er gezwungen sei, sich den Hals abzuschneiden. „Tun Sie das, tun Sie das, das ivird ganz sicher Effekt machen unb das Mitleid für Ihre Familie bei bett Leuten wachrnsen." __________ Literarisches. — Lateinisch-deutsche sSchulwörterbuch mit be* sonderet Berücksichtigung der Etymologie, verfaßt bon Professor Dr. Hermann Menge. Langeuscheidtsche Verlagsbuchhandlung (Prof. G. Langenscheidt), Berlin-Schöneberg. XVI, 812 S. GstpLexi- kon-Format. In eleg. Halbftlauz geb. 8 Mk. — Das vorliegende Buch bildet das Seiteilstück Kn denk Griechisch-deutschen Schul- wörterbuche von demselben Verfasser, das vor vier Fahren veröffentlicht wurde und eine günstige Beurteilung erfuhr. Die Etymologie ist nt einem Umfange und niit einer Gründlichkeit behandelt worden, wie man es bisher noch in keinem lateinische!: Wörterbuche gewohnt gewesen ist. Den Autor hat bei der Abfassung des Buches in erster Linie der Wunsch geleitet, der Etymologie