\18 wm! !.X''"- •'■" L"f ^M'^^'^Wtz^WlsMKrW^W iäi MW Der Jall' Harneii. Novelle von Reinhold Ortmann. Nachdruck verboten. (Fortsetzung.) „Und tooritnt nicht, mein Fräulein? — Es wäre für Sie eine prächtige Gelegenheit, Ihre« Befähigungsnachweis auf journalistischem Gebiete zu erbringen, so wie wir hier in Amerika die Journalistik nun einmal verstehen. Selbstverständlich erwarte ich von Ihnen nichts Unmögliches. Daß Sie nicht innerhalb der nächsten vierundzwanzig Stunden hier erscheinen werden, um mir den Namen des Täters zu offenbaren, weiß ich sehr wohl, und so hoch versteigen sich meine Erwartungen nicht. Aber Sie könnten doch vielleicht das Eine oder das Andere in Erfahrung bringen, was geeignet wäre, wenigstens einen kleinen Lichtschimmer in die Finsternis des mysteriösen Falles zu werfen. Eine junge Dame von eleganter Erscheinung und gewandten Umgangsformen findet an gar manchen Stellen viel leichter Zutritt und Gehör, cils ein Mann, dem man vielleicht obendrein sehr bald den Berufsreporter anmerkt. Wenn Ihnen auch zunächst weiter nichts gelange, als von Miß Garnett vorgelassen zu werden und ihre eigene Ansicht über den gegen sie verübten Anschlag zu hören, so wäre damit immerhin Stoff genug für einen interessanten Artikel gewonnen, und Sie dürfen sicher sein, daß Ihnen meine Zeitung die Arbeit sehr gut honorieren würde. ■— Hätten Sie nicht Lust, den Versuch zu wagend Noch beim Beginn seiner Rede war Margaret Barrymore fest entschlossen gewesen, die sonderbare Zumutung abzulehnen, aber je weiter er gesprochen, desto nachdenklicher und unsicherer war sie geworden. Ihre Lage war ja in Wirklichkeit noch viel trauriger als sie es dem fremden Manne hatte offenbaren mögen. Trotz aller Sparsamkeit hatte sie während der letzten Monate die winzige Summe, die ihr nach ihres Vaters Tode verblieben war, bis auf einen geringfügigen Rest verbraucht, und wenn sich ihr nicht sehr bald eine Erwerbsquelle erschloß, konnte sie mit ziemlicher Sicherheit den Tag vorausbestimmen, an dem sie völlig mittellos sein würde. Nahe Verwandte, deren Pflicht es gewesen wäre, sich ihrer anzunehmen, hatte sie nicht, und niemals würde ihr Stolz ihr gestattet haben, sich an Bekannte aus glücklicheren Tagen ulm Beistand zu wenden. Die Erwartungen, die sie an die Aufnahme der kleinen novellistischen Arbeiten geknüpft hatte, waren gewissermaßen ihre letzte Hoffnung gewesen, und sie hatte all ihre Kraft zusammennehmen müssen, um dem Redakteur nicht zu zeigen, wie vernichtend sein abfälliges Urteil und seine Warnung vor weiteren zwecklosen Versuchen auf sie gewirkt hatten. Nun bot sich ihr hiev umerwartet die Aussicht auf einen Verdienst, und Mr. Comstocks wohlwollende Art, die unverkennbare Aufrichtigkeit seiner Anteilnahme waren ihr eine gewisse Gewähr, daß es nichts Unchrcnhaftes war, was ihr da migesonnen wurde. Sie hatte sich bereits mit dem Gedanken vertraut gemacht, irgend eine dienende Stellung von der bescheidensten Art anzu- nehmen, um nur vor dem Verhungern geschützt zu sein. Konnte sie es da nicht iinmerhin zuvor auf dem ihr von Mr. Comstock gezeigten Wege versuchen? Das Vertrauen, das sie in ihre Begabung für den neuen Beruf setzte, war freilich nicht allzu groß, aber wenn man nicht mehr von ihr verlangte als das Einziehen von Erkundigungen, so reichten ihre Talente doch vielleicht aus, den gestellten Anforderungen zu genügen. „Ja, ich will es versuchen", sagte sie mit tapferem Entschluß, „Aber Sie müssen mit Ihrem Rate behilflich fein, Mr. Comstock, denn ich habe zunächst noch keine Ahnung, wie ich mein« Aufgabe an greifen soll." „Mit solchem Rat wird Mr. Carter Ihnen besser dien« können als ich Ich bitte Sie, sich unbedenklich seiner Erfahrung und Klugheit anzuvertrauen. Es soll mich freuen, recht bald von einem guten Erfolg Ihrer Bemühungen zu hören." Der glattrasierte Herr, zu dem Margaret jetzt etwas schüchter« die Augen erhob, scheu durchaus nicht ungehalten, daß ihm da eine so hübsche und liebenswürdige Schülerin zugewies« wurde. Mit artigen Worten stellte er sich dem jungen Mädchen zur Verfügung und lud sie ein, ihm in eines der Sprechzimmer der Redaktion zu folgen, damit er sie über alle von ihm ermittelten Einzelheiten des Falles Garnett unterrichten und ihr einige nützlich Winke geben könne. 2. Kapitel. Ein mit erlesenem Geschmack aber keineswegs pomphaft auS- gestattetes Empfangszimmer war es, in das man Miß Margaret Barrymore geführt hatte. Es Ivar ihr nich ganz leich geworden, ihre neue Tätigkeit mit einer Lüge zifheginnen, aber Mr. Carter hatte ihr versichrt, daß sie nicht anders als mit Hülfe einer Kriegslist Zutritt zu Miß Garnett erlangen würde. Während er in den letzten Tagen um das stille, jedem Unberufenen streng verschlossene Haus in der vierzehnten Straße herumgestrichen war, um jeden Bewohner desselben, den der Zufall ihm in den Weg führte, gründlich auszufragen, hatte er unter Anderem auch in Erfahrung gebracht, daß Mr. Morton Rayward, der Neffe des alten Fräuleins, für seine Tante nach einer Gesellschafterin such, die ihr während der voraussichtlich recht langen Dauer ihrer Rekonvaleszenz durch Borlesen, Musizieren und heiteres Geplauder die Zeit verkürzen solle. Unter dem Vorwande, sich um diese Stellung zu bewerben, sollte Miß Barrymore nach dem Rate des Reporters in das Haus zu gelangen suchen, dessen Türen sich ihr niemals geöffnet haben würden, wenn sie sich als die Abgesandte einer Zeitung zu erkennen gegeben hätte. Denn Miß Garnett wünschte durchaus nicht, daß ihr trauriges Geschick für die Neugier des sensationslüsternen Publikums ausgebeutet werde, und wenn sie die Mach dazu besessen hätte, würde sie wahrscheinlich am liebsten jede Erwähnung des Vorkommnisses in den Zeitungen verhindert haben. Was der weibliche Reporter in Erfahrung zu bringen wünschte, konnte also nur durch diplomatische Künste herausgebracht werden, und ohne einigen Aufwand an Lüge und Verstellung durfte sich Margaret keine Hoffnung darauf machen, ihr Ziel zu erreichen. Der Zufall war ihr insofern zu Hülfe gekommen, als sie sich im Besitz einer vorzüglichen Empfehlung befand, die sie dem alten Fräulein vorlegen konnte, um ihrem Scheingesuch mech 134 — Glaubwürdigkeit zu heben un8 von vornherein jeder etwaigen Regung des Mißtrauens zu begegnen. Sie war ihr von Mr. Vaughan, einem sehr angesehenen Geistlichen, ausgestellt worden, den langjährige freundschaftliche Beziehungen mit ihrem Vater verknüpft hatten, und der auf Margarets Bitte mit Freuden bereit gewesen war, ihrem Charakter und ihren Fähigkeiten auf Grund der bis in ihre Kinderjahre zurückreichenden Bekanntschaft das allerbeste Zeugnis zu erteilen. Dieses Zeugnis hatte sie neben einem kurzen Bewerbungsschreiben dem Pförtner eingehändigt, von dem sie am Eingang des Hauses empfangen und nach ihrem Begehren gefragt worden war. Wohl zehn Minuten lang hatte sie unten auf Bescheid warten müssen, dann war der ernst blickende wortkarge Mann zurück- gekehrt, um sie in den Enipfangssalon zu führen und sie mit der Erklärung, daß Mr. Rayward bald erscheinen würde, darin allein zu lassen. Klopfenden Herzens harrte Margaret der kommenden Ereignisse. Seitdem sie nun wirklich dar ersten Schritt auf der neuen Laufbahn getan hatte, glaubte sie noch deutlicher als zuvor zu empfinden, wie wenig sie für dieselbe geeignet sei. Ihr Gewissen machte ihr Vorwürfe wegen des Mißbrauchs, den sie mit der Empfehlung hies würdigen Geistlichen getrieben, und sie fühlte eine tiefe Beschämung bei dem Gedanken, wie wenig sie durch ihr heutiges Verhalten der Versicherung Mr. Vaughans entsprach, das er für di« mnvestechlichL Wahrheitsliebe der Empfohlenen einstehen könne. Man ließ sie recht lange warten, und nm sich aus andere Gedanken zu bringen, musterte Margaret mit großer Aufmerksamkeit ihre Umgebung. Sie erinnerte sich nicht, jemals ein hübscheres, behaglicheres und traulicheres Heim gesehen zu haben, als es das des ptillionenreicheu Fräulein Garnett war. Und für einen Augenblick kam ihr der Gedanke, wie schön es sein müsse, immer in solcher Umgebung zu leben. Daß dies Haus, in dem jeder Winkel Glück und Friede zu atmen schien, eine Stätte sein sollte, auf der der abscheulichste und verruchteste aller verbrecherischen Pläne gereift und ansgeführt worden war, wollte ihr fast undenkbar erscheine, aber gleichzeitig ging eine Regung tiefsten Mitleids d>urch ihr Herz, als sie daran dachte, welche Empfindungen dste Seele der edlen Frau bewegen mußten, die sich hier beständig von einer fürchterlichen, nnsiMbaren und unfaßbaren Gefahr umlauert sah. Eine Viertelstunde etwa mochte vergangen sein, als eine der in den Empfangssalon führenden Türm geöffnet wurde, und als raschen Schrittes ein groß gewachsener, schlanker junger Mann über die Schwelle trat. „Ich bitte urn Verzeihung, mein Fräulein, daß Sie so lange--", begann er, um sich dann plötzlich zu unterbrechen und, nachdem er Margaret noch ein paar Sekunden lang angesehen, mit dem Ausdruck der größten und unverkennbar sreu- digsten Ueberraschung hinMzufügen: „Aber täusche ich mich wirklich nicht? — Sie sind es, Miß Margaret, mein liebenswürdiger Kamerad aus den unvergeßlichen Sommertagen von Springfields Das junge Mädchen hatte ihn schon ist demselben Augenblick erkannt, da er im Rahmen der Tür vor ihr aufgetaucht war, mch ein heißes Rot war bis in die Stirn hinauf über ihr Gesicht geflogen. War sie doch auf nichts in der Welt so wenig vorbereitet gewesen als darauf, daß Miß Gcnmetts Neffe derselbe Mr. Morton sein könnte, in dessen fröhlicher Gesellschaft sie die sonnigste und glücklichste Zeitspanne ihres jungen Daseins verlebt hatte. Es waren kamn achtzehn Monate seitdem vergangen, ihr aber war es, als würde sie schon durch eine ganze Ewigkeit von diesen köstlichen und, ach, so rasch verrauschten Sommerwochlen int romantischen Kanada getrennt. Sie war damals mit einer befreundeten Familie zur Erholung nach Springfield, einem lieblich zwischen Sem und Wäldern gelegenen kleinen Orte gegangen, und bei einer weit ausgedehnten einsamen Ruderpartie war sie eines Tages dem jungm Manne begegnet, den sie jetzt unter so veränderten Verhältnissen wieder- sach. " Ein kleiner Ritterdienst, den er ihr mit der freimütigen Galanterie des wohlerzogene!! amerikanischen Gentleman erwiesen, hatte chre Bekanntschaft eingeleitet, und aus der erstell Begegnung hatte sich einer jener harmlosen „Flirts" entspannen, die drübm jenseits des großm Wassers zwischen jungen Leuten verschiedenm Geschlechts nachsichtig geduldet werden, weil sie in ihren Konsequenzen nur seltm damach angetan sind, ihre Herzensruhe ernstlich zu gefährden. Es war nie von Liebe zwischen ihnen gesprochen worden, und nie hatte Mr. Morton die Rücksichten außer AD gelassm, die ihm durch die Schutzlosigkeit und das Vertrauen des jungen Mädchens auserlegt wurden. Bei ihrem ersten Zusammmtrefsm hatten sie art die Förmlichkeit einer Vorstellung überhaupt uW gedacht, und als sie sich — vielleicht nicht ganz ohne beiderseitiges Zutun — an einem der nächsten Tage aus dem nämlichen weltabgeschiedenen kleinen See wiedergeseheu, hattm sie einander nur ihre Vornamen genannt. Es war eine übermütige Laune Margarets gewesen, daß sie sich ihrem Stand unb ihrem Familiennamen nach nnbekannt bleiben wollten. Sie hatte das viel hübscher und romantischer gefmtben, viel mehr im Charakter des Sommermärchens, als das sie ben ganzen kleinen Roman betrachtete. Und (hier junge Mann war lustig auf ihren Wunsch eingegangen, weil er nicht im mindesten- zweifelte, daß er eines Tages ja doch erfahren würde, wer sie sei. So tonren sie ein paar Wochen hindurch fast täglich beisammen gewesen, hatten gerudert, gefischt und die einsamen kanadischen Wälder durchstreift, ohne daß irgend jemand sich um sie gekümmert hätte. Und von allem erdenklichen hatten sie dabei geplaudert, nur nicht von der Zuneigung, die in ihren jungen Herzen ausgekeimt und erblüht war, ehe sie sich dessen versehen. Wenn es ja einmal so ausgesehen hatte, als ob Morton nahe daran fei, das eut- fcheidungsschwere Wort auszusprechen oder am Ende gar seinen hübschen weiblichen Kameraden kurzerhand in die Arme zu schließen, so hatte Margarets Geschicklichkeit die Gefahr immer noch zur rechten Zeit glücklich beschworen, und in ihren Erinnerungen an die Tage von Springfield war nichts, dessen sie sich heute auch nur leise hätte zu schämen brauchen. Dafür freilich, wie es gekommen wäre, wenn der schöne Sommertraum noch ein wenig länger gewährt hätte, würde sie Wohl kaum zu bürgen vermocht haben. Denn am Ende war sie doch auch ein junges gesundes Menschenkind mit warnt pulsierendem Blute gewesen. Aber die kleine Idylle hatte ein jähes Ende gefunden, als Margaret eines Tages telegraphisch zu ihrem ernstlich erkrankten Vater zurückberufen worden war, so schnell hatte sie abreisen müssen, daß ihr keine Zeit geblieben war, sich von ihrem Kameraden zu verabschieden. Er hatte sie wohl eine Woche lang vergeblich an dem Platze erwartet, wo sie einander zu treffen pflegten, und da er ihren Familiennamen noch immer nicht erfahren hatte, ja, nicht einmal darüber unterrichtet war, daß sie in Springfield gewohnt hatte, so waren seine Nachforschungen nach ihrem Verblech vergeblich geblieben, und er war schließlich betrübten Herzens abgereist, ohne jede Hoffnung, sie noch einmal wiederzusehen. Daß sie eittander aber in bett achtzehn Monaten seit ihrer letzten Begegnung noch nicht vergessen hatten, dafür legte ihr Benehmen bei diesem u nerwarteten Zusammentreffen in Miß Garnetts Empfangssalon das unzweideutigste Zeugnis ab. Morton Raywards unverhohlene Freude und Margaret Barrymores liebliches Erröten führten eine sehr verständliche Sprache, und für ein paar Minuten vergaßen sie beibe, was für ein Anlaß es war, der sie hier zusammengeführt hatte. „Weshalb in aller WW sind Sie damals ohne Gruß und Lebewohl aus meinem Gesichtskreis entschwunden, Miß Margaret?" fragte der junge Mann. „Sie ahnen Wohl kaum, wie traurig ich darüber gewesen bin unb wie lange ich nach Ihn eit gesucht habe." (Fortsetzung folgt) JilsrredmHeit. *) Vor ein Paar Jähren ist es mir begegnet, daß mir zwei Leute, die ich auf der Straße traf, hintereinander die ganz gleiche Antwort gaben, als ich sie fragte, wie es ihnen gehe. Sie sagten mir beide: Ich bin zufrieden. Es ist schon verwunderlich, wenn man heutzutage von zwet Leuten innerhalb einer Viertelstunde hört, daß sie zufrieden seien; heutzutage, wo die meisten Menschen unzuftieden sind. Wer noch wunderlicher ist es, daß von zwei Leuten, die dasselbe sagen, doch jeder etwas ganz anderes meinen kann. Der erste, der mir damals sagte, er fei zufrieden, war ein junger kräftiger Mann von blühendem Aeußeren. Er hatte zwei Jahre lang studiert oder vielmehr so getan, als ob er studierte; dann war ihm, ein Vierteljahr vor jener letzten Begegttung, ganz unerwartet eine Erbschaft von achtzigtausetch Mark zu^efallcu. Hierauf hatte er das Studium, dem er schon früher nicht von Herzen zugetan war, an den Nagel gehängt und war Bummler geworden. Da er vordem in recht beschränkten Verhältnissen gelebt hatte, war's ihm nun recht Sehnlich zu Mut und ich begriff, daß er sagte, er sei zufrieden. w . Ich begriff es; aber es gefiel mir nicht. Mir gefiel der ganze Mensch nicht Er sagte das so ungemein selbstgefällig, als wenn er ausdrücken wollte: „Ich bin zufrieden, nachdem der Zufall mich *) Wir entnehmen obigen hübschen Artikel als Probe aus dem empfehlenswerten Buch „Lebenskunst" von Prof. Dr. Mar Haus hoser (Verlag von Otto Maier i« Ravensburg). 135 zum Nentier gemacht Hat; mich, der ich das Won längst verdient Latte! Ein Esel, wer in solchem Fall noch weiter arbeitet!" Ich verabschiedete mich von dem Manne und habe ihn seitdem nicht wiedergesehen. Aber ich hörte, daß er mit seinen achtzigtausend Mark fertig geworden und dann nach einigen Schwindeleien genötigt gewesen sei, Europa zu verlassen. Nun ist er wohl nicht .mehr so zufrieden, wie damals. Der andere, der mir an jenem Tage die ganz gleiche Antwort gab, war ein Droschkenkutscher, mit welchem ich nach dem Bahnhofe fuhr. Ich kannte den Mann — nicht etwa wegen häufigen Droschkenfahrens, sondern weil er mein Nachbar war. Als ich ihn fragte, wie es ihm ginge, sagte er: „O, ich bin zufrieden, so lang mein Buzi gesund ist!" Buzi war sein Roß, welches, so lange es noch bei der Feldartillerie gestanden, Bucephalus geheißen hatte, aber von den Soldaten immer nur Buzi genannt worden war. Ich hatte stets meine Freude an dem Manne, weil ich schon öfter über den Zaun meines Gartens hinweg gesehen hatte, wie gutherzig und liebevoll er sein Pferd behandelte. Jedesmal grüßt mich der Mann; und jedesmal, wenn ich ihm begegne, freue ich mich über den immer noch frischen Trab des Buzi, der keine Peitsche braucht. So können Leute in ziemlich verschiedenen Situationen gleich zufrieden sein. Man kann zufrieden sein in einer recht bescheidenen Lebenslage; ebenso wie man in einer glänzenden Lage unzufrieden sein kann. Das kommt auf die Art des Menschen und seine Gewöhnung, mu Die Zufriedenheit kann auch sehr verschiedenen Wert haben je nach ihrer Wirkung auf das Tun und Treiben des Menschen. Zufriedenheit kann ihren Grund in Stumpfsinn, aber auch in Seelengröße haben. Es kommt eben darauf an, warum und womit man zu- Wer mit einem Zustande zufrieden ist, den er verbessern könnte, aber nicht zu verbessern unternimmt, weil er träge und gedankenlos ist: dessen Zufriedenheit ist Stumpfsinn oder Gleichgültigkeit. Er verdient nichts Besseres. Wer aber mit einein Zustande zufrieden ist, der, nach der Anschauung vernünftig denkender Menschen, zurzeit nicht abzuändern und zu verbessern ist: der hat die richtige Zufriedenheit. So kann Zufriedenheit ein Ergebnis schlechter, aber auch guter Eigenschaften des Menschen sein. Wenn man gesund ist, wenn man seine Arbeitskraft besitzt und einigerinaßen lohnende Verwendung für dieselbe, wenn man keine Verluste teurer Angehöriger, kein unverdient erlittenes Unrecht zu beklagen hat: dann hat man alle Ursache, mit den äußeren Lebenszuständen zufrieden zu sein. Unzufrieden kann auch der Edelste '(in solcher Lage) sein — aber nur mit sich selbst, mit seine:: Leistungen. Es ist bezeichnend für unsere Zeit, daß sehr viel Unzufriedenheit absichtlich in breiten Schichten des Volkes genährt wird: von Zeitschriften, von Büchern, von Rednern in Versammlungen und Vereinen. Diese Pflege der Unzufriedenheit ist ein Werkzeug der Parteipolitik; und wenn sie dazu führt, daß. ungenügende Zustände wirklich verbessert werden, kann sie auch nicht gescholten werden. Wenn Aber von gewissenlosen Volksverhetzern eine Unzufriedenheit mit Zuständen, welche gar icicht oder nur sehr langsam zu verbessern sind, künstlich geschürt wird: so ist das ein Verbrechen an denjenigen, die inan unzufrieden macht, denen man die Freude am Leben nimmt, ohne ihnen in absehbarer Zeit Besseres bieteic zu können. Diese Saat der Unzuftiedeicheit stndet in der Gegenwart einen ihr zuträglichen Boden. Denn es ist manches aus dem Wesen der breitesten Volksschichten verschwunden, was ftüher die Menschen auch mit einer bescheidenen Lebenslage recht zufrieden sein ließ. Die Menschen sitzen jetzt tu den Städten eng aneinander. Sie haben, soweit sie in gewerblichen Berufen beschäftigt sind, nicht mehr jene natürliche Ungezwungenheit, die sic bei einfacheren Volks- zuständen hatten. Arbeit und Erwerb einerseits, das Genußleben andrerseits sind hastiger und ärmer an innerer Befriedigung geworden. Das Leben ist weniger einfach, weniger natürlich. Der Mensch der Gegenwart ist aufgeklärter, wissender, als der Mensch der Bergangerrheit war. Und so viel Gutes aus der zunehmenden Volksaufklärung erwachsen ist, so sehr man auch wünschen muß, daß sie immer zunehme: gewisse kleine Schatten- seiten hat sie doch. Sie hat jene fromme Ergebung vermindert; jene Ergebung in die Fügungen einer Vorsehung, welche einst Menschen in den armseligsten Lebenslagen viel häufiger zufrieden sein ließ, als man es jetzt findet. Die harmlose Fröhlichkeit, die den Mmschen früher begleitete, ist seltener geworden, weil unser Arbeitsleben zu hastig geworden ist. Kurz — der Boden, auf dem Zicfriedenheit wachsen soll, ist nicht mehr derselbe, wie ehedem. Man hat sich angewöhnt, mehr zu klagen, weil man den Mund weiter aufncacheii darf. Und man denkt dabei nicht darüber nach, ob wirftich mehr Grund zur Klage vor- hairdeu ist. ______________ Km Kose vorr Lissuko-r. Von allen Ländern Europas liegt wohl Portugal am weitesten ab von den großen Heerstraßen des Touristenverkehrs. Das gilt namentlich inbezug auf uns Deutsche, die mir doch zu den wanderlustigsten aller Völker gehören. Die Zahl der Deutschen, die Spanien auffuchen, steigt von Jahr zu Jahr; man muß nun einmal die Kathedrale von Toledo, den Escurial und die Alhambra gesehen haben. Aber nach dem Nachbarreiche Portugal setzen nur die wenigsten die Fahrt fort. Höchstens, daß sie auf dem Seeweg nach dem Mittelmeere und nach dem Orient, mehr gezwungenerweise als freiwillig, in Lissabon eine kurze Station machen. Dann sind wir fteilich Überrascht und entzückt von der Schönheit eines Landes, das ihnen bis dahin nicht viel mehr als ein etwas vager geographischer und politischer Begriff war. Wie es dem Lande Portugal, wie es seiner Hauptstadt ergeht, so ergeht es auch seinem Hofe. Es ist ja unter den Monarchen Europas der Brauch geworden, viel umherzureisen und sich untereinander in regelmäßigen Zeitabständen zu besuchen. Selten führt jedoch einen von ihnen der Weg nach dein Königsschlosse von Lissabon. Wie es in diesem Königsschlosse aussieht, wie das Leben am portugiesischen Hofe sich am Alltage und bei Festen und Feiern gestaltet, das schildert uns ein französischer, mit bett, Verhältnissen wohlvertrauter Schriftsteller, der Graf be Colle- ville, in einem hübschen Buche, das den Titel „Carlos I. intime" trägt. Im Mittelpunkte der Schilderuttg des Werkes, steht,, wie sein Name andeutet, König Carlos I, und, neben ihm, seine Gemahlin, die Königin Amülie, eine Französin von Geburt, die älteste Schwester des Herzogs von Orleans, des bourbouischen Thronprätendenten. Und es ist gerade im jetzigen Augenblicke, da die Prinzessin Klententine von Koburg die Augen für,immer geschlossen hat, interessant, von dem Grafen de Colleville zu hören, daß es diese kluge Fürstin war, die den Grundstein zu der Ehe des Königs Dom Earlos und der Königin AmÄie legte. Das konnte die Prinzessin Klementine um so leichter, als sie selbst eine geborene Prinzessin von Orleans, die letzte Tochter des Königs Ludwig Philipp der Franzosen war, während sie durch ihre Heirat zum Hause Koburg zählte, das auf dem Throne von Portugal sitzt, seitdem der Prinz Ferdinand von Koburg, des Königs Carlos Großvater, der Königin Maria II. da Gloria als König-Gemahl angetraut wurde und auf diese Art die alte Dynastie Braganza im Stamme der Wettiner aufging. Die Ehe ist sehr glücklich geworden — trotz einiger kleiner Seitensprünge des Königs, so fügt Graf de Colleville mit dem nachsichtigen Lächeln des galanten Franzosen hinzu. Und wer je König Carlos von Angesicht zu Angesicht sah, oder wer ihn auch bloß seinen Bildern nach kennt, auf den macht er den überzeugenden Eindruck, daß die Gemütlichkeit der stärkste Zug seines Wesens ist. Trotzdem Carlos 1. erst 43 Jahre alt ist, hält er unter allen Herrschern unserer Tage einen Rekord: den der Körperfülle. Er ist von erstaunlicher Beleibtheit, in dieser Beziehung also genau das Gegenteil seines spanischen Nachbarn, Don Alfonsos XIIi. Die staatsmännischen Fähigkeiten des Königs Carlos sollen hier nicht untersucht werden; es genüge, zu sagen, daß man ihm die Anerkennung nicht vorenthalten kann, stets der Verfassung die Treue gehalten zu haben, die er ihr einst gelobte. An den europäischen Höfen ist es freilich kein Geheimnis, daß die Königin ihren Gatten nicht nur an äußerlicher Größe um eines halben Hauptes Sänge überragt. Sie ist eine Frau von klarem Geiste mtb ausgeprägter Willenskraft. Hat sie sich immer — wir wollen es dem Grafen de Colleville glauben — von jeder Einmischung in politische Dinge ferngehalteu, so leistet sie, mnso- mehr auf dem Gebiete öfsenllichen Wohltuns. Sie hat nicht nur Krankenhäuser und Lungenheilstätten ins Leben gerufen und überwacht deren Tätigkeit gewissenhaft, sie hat sich sogar selbst in der praktischen Medizin unterrichten lassen und versteht von der Heilkunde gewiß ebensoviel wie mancher portugiesische Dr. med. von Beruf. Auf Schritt und Tritt begegnet man in und um Lissabon den Zeugen der vergangenen Größe des Reiches, dessen Macht sich einstmals bis weit über die Meere erstreckte. So steht auch der pomphafte Apparat des königlichen Hofes in einem gewißen Mißverhältnisse zu seiner Bedeutung — und auch zu der ewigen! Finanznot des Landes, die den König Carlos gezwungen hat, auf einen Teil seiner Civilliste zu verzichten. Da gibt es einen Oberhofmeister und einen Obermundschenk, einen Oberhaus- hofmeister, Oberwaffenmeister, Oberjägermeister, Oberbannerträge«, Oberzeremonienmeister, Obergestütiileister, Oberstallmeister und Oberreisemarschall, einen Kapitän der königlichen Garde, einen Großkaplan, Oberschatzmeister, je einen Wasfenkönig von Portugal, Algarvieir u nd von Indien, und Dutzende von sogenannten Ehren-Großofsizieren der Krone und von Kammerherren, zu denen noch eine kleine Armee von Adjutanteii und Ordonnanz-Ofsderen hinzukommt. Alle tragen stolze adlige Namen, und nirgends ist wohl die Titelsucht so stark toie an den Ufern,des Tew. Allerdings darf man die Stammbäume dieser Herzöge, Marquis und Grafen nicht Allzu genau untersuchen; man würde sonst finden, daß die Mehrheit von ihnen auf eine sehr kurze Geschichte zurnck- blickt uiid ihre nahm Borfahren häufig noch biedere Bürgersleute waren. Da in den Kassen ständige Ebbe herrscht, so werden eben Verdienste um den Staat und das regierende Haus seit langem vorzugsweise mit äußeren Ehren belohnt, mit Orden und Adels krönen, die den Ehrenden nicht viel kosten und dem Geehrten trotzdem Freude machen. Lissabon hat drei königliche Paläste. Der, den der König j Carlos bewohnt, der Palast des RecessktadeS, Ikg* au Ende des | westlichen Viertels der Stad- und war srüyer die. Re'i'e.-z d«s. — 136 — trovöiu schon erwähnten Großvaters dec Königs, des Scheinkönigs Ferdinand, der sich «ach dem Tode von Maria da Gloria morganatisch mit einer Wiener Bühnenkünstlerin, deni zur „Gräfin von Edla" erhobenen Fräulein Elise Friederike Heusler, wieder- vermählt hatte. Der Palast war ursprünglich eilt Kloster und wurde erst um 1750 vom König Johann V. zu weltlichen Zwecken umgebaut. Er gleicht von außen mehr dem Landhaus eines reichen Privatmannes und fein Hauptreiz besteht in der Schönheit des Parkes, der ihn umgibt und in dem hundertjährige Bäume ihre Wipfel breiten und mächtige Wasserfontänen in den schwülen Monaten Kühlung spenden. Im Sommer entflieht allerdings auch der Hof, wie die übrige Gesellschaft, der versengenden Glut von Lissabon. Es steht ihm dann die Wahl frei zwischen dem herrlichen Schlosse von Cintra, das man das achte Wunder der Welt genannt hat, und den Schlössern von Qneluz, Cascaös und la Pena. Cascaöz, an der Mündung des Tejo gelegen, ist das portugiesische Modebad. In jedem Jahre siedelt der Hof 'auf einige Zeit dorthin über und die ganze elegante Welt folgt seinem Beispiele. Die Königin gibt dann regelmäßig einige Bälle und mau tanzt auf der großen Terrasse des an sich wenig beachtens- tverten Schlosses, einer ehemaligen Kaserne, im Freien, unter Guirlanden von Blumen und hunderten von Lämpchen, — ein Bild von feenhafter Wirkung. Dom Carlos 1. und die Königin Amülie haben manche Liebhaberei gemeinsam. Er reitet, trotz seines Umfangs, noch immer gern und gut, und sie gilt als die beste Reiterin unter den Damen königlichen Standes in Europa; einen Viererzug versteht sie mit Sicherheit rund Gewandtheit zu lenken. Und dann sind beide den schönen Künsten zugetan, der Musik, aber noch mehr der Malerei. . Jeder von ihnen hat sein Atelier und läßt kaum einen Tag vorübergehen, ohne fleißig mit Pinsel und Palette zu hantieren. Beider Getnälde sind schon des öfteren, auch in Paris, ausgestellt worden; ob sie sich wirklich, wie Graf de Colleville versichert, hoch über den landläufigen Dilettantismus erheben, das wollen wir indessen dahingestellt sein lassen. Zwei Söhne sind dem Königspaare geboren worden, der bald zwanzigjährige Kronprinz Luiz Filippe, Herzog von Braganza, und der siebzehnjährige Infante Dont Manuel, Herzog von Beja. Der Kronprinz hat, wie es die Verfassung vorschreibt, bereits seinen Vater während dessen Reisen nach Frankreich und England als Regent vertreten. Man rühmt ihm einen ernsten, verständigen Charakter nach. Es heißt, daß seine Eltern ihm bald eine Lebensgefährtin zugesellt sehen möchten, und schon hat man die Namen von dieser und jener heiratreifen Prinzessin mit dem seinigeu in Verbindung gebracht. Es wird sich sonach gewiß bald auch für ihn, wie einst für seinen Vater, eine fürstliche Ehestifterin finden. Denn das Ehestiften war ja von jeher manchen Fürstinnen der Lieblingsspvrt. Dr. A. v. W. NermiscHtss. * Der Herr Verteidiger. In der „Zukunft" veröffentlicht Otto Reinhold folgendes Zukunftsgespräch: Vorsitzender: Angeklagter, Sie sollen zahlreiche Betrügereien verübt, Wechsel gefälscht und Meineide geleistet haben. Angeklagter (höhnisch auflacheud): Nach der Meinung des Untersuchungsrichters, ja! Vorsitzender: Sie haben ihm aber doch die meisten dieser Strastaten unumwunden zugcstaudeu. Angeklagter: Weil er mir die Geständnisse erpreßt hat! (Bewegung unter den Geschworenen.) Verteidiger: Mein Herr Mandant behält sich, wenn er freigesprochen ist, Strafanzeige wegen Erpressung vor. Staastanwalt: Wenn, tvenn... Verteidiger: Ja, „wenn"! Man wird Sie dazu nicht um Ihre Erlaubnis fragen, Herr Staatsanwalt! Angeklagter (zu den Geschworenen): Wissen Sie, meine Herren, wie Geständnisse erpreßt werden? Man hat mich meiner Freiheit beraubt (Unruhe), man hat jedes Wort, das ich aussagte, protokolliert (Murren), ja, man -tat meine Briefschaften durchstöbert und alles, was ich im Gefängnis schrieb oder an Briefschaften empfing, von Anfang bis Ende durchgelesen! (Wachsende Unruhe), Verteidiger (feierlich): Das Briefgeheimnis ist allen Völkern heilig, meine Herren Geschworenen! Vorsitzender: Das alles entspricht lediglich den gesetzlichen Vorschriften, Angeklagter. Verteidiger (düster): Auch die Folter war einst Gesetz. (Ein Geschworener bricht in Tränen aus.) Angeklagter: Man hat sich nicht gescheut, Dinge, die man durch solche Manöver erfahren hatte, gegen mich zu verwerten! K-Rufe im Zuschauerraum.) Man hat mich und andere, selbst , die mir nicht wohlwollten, indiskret nach meinem Vorleben gefragt und meinen Ruf dadurch auf immer zu Grunde gerichtet! ' e e nun schleppt man mich hierher und will mir gar eine entehrende Strafe auferlegen! Verteidiger: Ich frage Sie, meine Herren: Sind wir denn in Rußland? (Anhaltendes Zischen.) Vorsitzender: Mer NngeAagter, das glanze erbrücknde weismaterial gegen Sie ... , Angeklagter: Ist eine Erfindung des Untersuchungsrichters. Dieser Mensch. . . Vorsitzender: Sie dürfen den Herrn Untersuchungsrichter hier nicht als „Menschen" bezeichnen. Angeklagter: Nein, den Namen verdient er allerdings nicht. (Zustimmende Heiterkeit.) Verteidiger: Ich behalte mir meine Privatabrechnung mit denk Herrn Untersuchungsrichter vor. Ich werde. . . Vorsitzender: Ja, mir scheint aber, daß es sich hier nicht um den Untersuchungsrichter, sondern um die Täterschaft deS Angeklagten handelt. Angeklagter: Erlauben Sie: das läßt sich garnicht trennen, denn meine Straftaten existieren nur in den Protokollen deA Untersuchungsrichters. (Rufe: Sehr wahr! Stimmt! Aha!) Verteidiger: Mein Herr Klient hat ganz recht; und ich überlasse es Ihrem Urteil, meine Herren Geschworenen, wer hier von Rechtes wegen auf der Anklagebank sitzen müßte. (Allgemeine Zustimmung.) Vorsitzender (auffahrend): Herr Rechtsanivalt, diese Bemerk kung. . . Ein Geschworener: Ich bitte um Rechtsbelehrung. Herr Präsident, ob wir ntiit der Verneinung der Schuldftagen zugleich die Absetzung des Untersuchungsrichters beschließen Wunen? Vorsitzender (in Verzweiflung): Meinetwegen! * Ueber die Kunst der Gastfreundschaft plauderß in „Hebet Land und Meer" (Stuttgart, Deutsche Ber- lagsanstalt) der bekannte, englische Schriftsteller Sidney Whitman und stellt dabei interessante Vergleiche zwischen den einzelnen; Nationen an. In Frankreich, sagt er, soll es mit der Gastfteund- schast nicht weit her sein. Wenigstens kann ein Fremder dort jahrelang in guten Kreisen verkehren, ohne daß ihm entsprechende Ge-. legenheit geboten wird, etwas Wesentliches von Gastfreundschaft, geschweige von ihrer feineren Art kennen zu lernen. Schon daß der Franzose seinen Wein mit Wasser gemischt trinkt, erniedrigt für uns — die wir doch eine idealere Auffassung tum dem Weine als von einem bloßen Genuß- und Begeisterungsmittel haben — das Niveau der Gastfreundschaft und stört unser ästhetisches Behagen. Wesentlich anders liegen die Dinge bei den Russen und bei deut Deutschen. Wenn die Deutschen sich die Gastfreundschaft kaum ohne Wein denken Wnnen, so die Russen nicht ohne Schnaps, aber alt muß er sein. Dem Fürsten Bismarck — niemand, der je feine Gastfreundschaft genossen hat, wird seiner ohne Ehrerbietung und Dankbarkeit als eines Meisters der hier erörterten sinnst gedenken — wäre der Gedanke an ein Mahl mit verdünntem Wein geradezu! empörend gewesen. Die Gastfreundschaft des Zaren im Petersburger Winterpalais ist das Glänzendste, was es ans der ganzen Erde gibt, der Champagner fließt dabei in Strömen. Man denke sich zweitausend kaiserliche Gäste, die bei einem solchen Hossest int Monat Januar unter anderem sämtlich mit frischem Spargel bewirtet werden. Auch bei dem reichen russifcheil Adel wird die Gastfteundschaft als Standestugeud geübt. Allerdings soll auch, ein russischer Magen nötig fein, um das, was sie Ueberschwengliches bietet, zu vertragen. England ist das Land Par excellenee, in dem die Gastfreundschaft von altersher, durch gesellschaftliche Sitten und Wohlstand begünstigt, als Kunst am ausgiebigsten und längsten gepflegt worden ist. Auch existiert heute gewiß Mn zweites Volk, bei dem jede Einzelheit der Gastfreundschaft so genau nach Herkommen und Vorschrift durchgeführt wird. Die englische Gastfreundschaft bildet ein wichtiges Glied in der Kette jener gesell- fchaftlicheu Einflüsse, die dem England unserer Tage die soziale Hegemonie der Welt eingebracht hat. Kreirzrötsel, (Nachdruck verboten.) In die Felder nebenstehender Figur sind die Buchstaben b b c c e o e ceeeeeeeffggh hhhhhiiiilllln nnnnnssssss derart einzutragen, daß die wagerechten und senkrechte« Reihen gleichlautend Folgendes bedeuten: 1. Einen Philosophen. L, Findet man häufig a« Frauenkleidern u Hüten. 8. Ort in der Provinz Sachsen. Auflösung in nächster Nummer. Auflösung des Logogriphs in voriger Nummer r Flocken, Glocken, locken, Lockern Redakuon: Ernst Hetz, — Rotationsdruck und Verlag der B r ü b Pichen UntverüiätS-Buck» und Sieindruckerei, 8t, Lange, Gieße«.