Samsiag den 3. August M. 114 1907 8B@ iSI I? 9! MW. M Jun Ken unter der Asche. Roman von M. Proßnitz (M. Nörenberg). Unbefugter Nachdruck wird gerichtlich verfolgt, livortsetzung.i grade den Geistlichen zu ihr zu senden. z Still lag sie in den Kissen und lauschte der weichen, mewdi- schcn Stimme, die so eindringlich und überzeugt von den wunderbaren Wegen des Höchsten zu reden wußte, den Wegen, die alle- mial zum Licht führen, sei die Nacht auch noch so dunkel. Hatte Dagmar anfangs in unbewußtem Behagen der klangvollen Stimme gelauscht, so begann sie allmählich auch den Worten zu folgen, die der Geistliche mit Takt und Geschick der Sachlage anzupassen wußte. Mit augenscheinlichem Bedauern sah sie ihn nach kurzer Zeit gehen, doch fügte sie sich geduldig der Bitte Annas, die einen längeren Besuch auf Anordnung des Arztes nicht duldete. Auf Dagmars Wunsch kam Müller seitdem jeden Tag, anfänglich nur auf kurze Zeit, nach und nach blieb er jedoch länger, da Dagmars Befinden sich in erfreulichster Werse besiertc. In dem gleichen Maß, in dem der Lebenswille in ihr erstarkte, schwand auch die Apathie, die dein Professor zu so ernstlichen Bedenken Anlaß gab. Ja, Dagmar wollte leben! Sie wollte sich nicht mehr knebeln lassen von den bitteren, schweren Gedanken, wollte geduldig den Weg gehen, den eine höhere Hand sie führte — und leven um des Kindes willen. Dieser Beweggrund war es auch, der sie zu einem freundlicheren Verhalten gegen Veltlingen veranlaßte. Der ging nur zu gern auf ihr Entgegenkommen ein. , Es war mehrere Wochen später. Dagmar faß ihrem Wohnzimmer und stickte an einem der winzig kleinen Sächelchen, die jetzt ausschließlich ihre Handarbeit bildeten. Stille und ernste Gedanken zogen ihr durch den öiint, aber ihr Gesicht, daß bleich und schmal war, zeigte doch nicht mehr den müden, traurigen Ausdruck, den es noch vor gar nicht langer Zeit getragen hatte. Zwar konnten einem aufmerksamen Beobachter unmöglich der feine Leidenszug entgehen, der um ihren schmalen Mund lag, aber ihre Augen blickten wieder hell und klar, wie die Augen eines Menschen, der da weiß, was das ernste Wort bedeutet — leben heißt kämpfen — und der bereit ist, danach zu handeln. Ja, sie kämpfte, kämpfte tapfer und unverdrossen um das, was noch aus dem jämmerlichen Schiffbruch ihrer Ehe zu retten Veltlingen zeigte sich freundlicher und entgegenkommender, als sie erwartet hatte, aber sie konnte es sich nicht verhehlen, daß ihn dazu augenscheinlich sein Schnldbcwnßtsein trieb, und sie schämte sich in seiner Seele. Zwiespältige Empfindungen waren es, welche den Kammcr- Die Baronin war nicht wenig erstaunt, als ihr am Nachmittag der Besuch des Pastors gemeldet wurde. Daß der sogar auf Veranlassung ihres Gatten kam, verwunderte sie noch mehr, aber sie war viel zu matt und gleichgültig, um ernstlich über den Grund nachzudenken, der Veltlingen veranlaßt haben konnte, Herrn gegen Dagmar bewegten. Teils war es eine gewisse Dankbarkeit, die er gegen sie, als die Mutter des sehnlich -erhofftew Erben hegte, teils ein heimlicher, sich selbst uneingestandener Groll gegen sie, die unschuldige Veranlassung seiner sinnlosen Eifersucht, die ihn in die denkbar beschämendste Lage gebracht hatte. Einen Beweis für eine gewisse Berechtigung seines Empfindens glaubte er in dem erstaunlichen Entgegenkommen Dagmars zu sehen, dessen tiefster und edelster Beweggrund seiner unvornehmen Seele unverständlich war. Eine gewisse Langeweile, die er, der durch und durch Hofmann, an dem Landleben gar keine Freude findend, immer mehr spürte, trug auch nicht dazu bei, seine ohnehin unbehagliche Sttm- Tilling zu vcTbcffent. Äuch begann iljnt bieses beständige rjii^. sammennehmen vor Dagmar immer nnbegucmcr zu werden. Längst hatte Veltlingen vor sich, und wie er glaubte, auch vor Dagmar, das Benehmen der Lindström entschuldigt, deren helfende Hand er zur Verwirklichung seines Planes noch immer nicht entbehren zu können glaubte. Dieses Planes, der ihn: jetzt weniger denn je aus dem Sinn wollte. „ Mit Genugtuung empsing er eines Tages den Brief der Gräfin, die ihm als „treue Bundesgenossin" mittcilte, daß seine Anwesenheit bei Hose von dem rücksichtsvollen Herzog nur nicht direkt befohlen, aber sehr gewünscht werde. , . Hastig trat er zu Dagmar in das Zimmer, ehr seine Absicht unterbreitend, die auszuführen er fest entschlossen war. Ein wenig ungemütlich wurde ihm aber doch unter ihren durchdringenden Blicken. Ungeduldig reichte er ihr endlich den Brief. Dagmar las ihn. Er tvar augenscheinlich auch für sie geschrieben. Schweigend gab sie ihn zurück. Ihr Blick glitt sinnend in das Grün der Bäume. Ungeduldig rückte Veltlingen auf fernem Stuhl was sagst du zu diesem Vorschlag, Dagmar?" „Ist es noch immer dein Wille, dauernd am Hof zu blewcit,- Magnus?" fragte sie sanft. . r., „Natürlich," entgegnete er aufgeregt. „Und da meine Chancen jetzt augenscheinlich im Steigen sind, so wird es wohl das Beste sein, ich melde mich wieder für einige Zeit zum Dienst Mm: selber erledigt solche Sachen doch noch besser als der geschickteste Anwalt." Dagmar sah ihn ernst an. r ~ „Wenn du nur nicht die Selbstlosigkeit solches Zemides- Werkes überschätzt." , . . , .,, f' „Herrgott, Dagmar," er lachte nervös, „sei doch Nicht so kleinlich. Tie Gräfin will mir einfach behilklich sein, daß ich den Posten bekomme. Deine Eifersucht ist einfach lächerlich. Wodurch glaubst du denn eigentlich, daß ich mich ihr gegenüber er* fc'in@in bitteres ging über daS Gesicht der Baronin. Er ’nl) Doch°höchftens durch gelegentliche kleine Geschenke," schloß ck gereizt; „oder hast du auch dagegen etwas einzuwenden? „So lange sie in den Grenzen bleiben, nein." Veltlingen zuckte die Achseln. Mochte sic denken, was ihr beliebte. Er konnte sie nicht daran hindern. Er war fest ent- 454 — schlossen, alle Hebel tn Bewegung zu setzen, damit er der Nachfolger Klichms ward, und im übrigen konnte Dagmar unbesorgt sein. Er würde die Dehors zu wahren wissen. Ein harter Zug ging über sein Gesicht. Und als er sich jetzt erhob, da geschah cs mit dem unerschütterlichen Vorsatz, sein Ziel mit allen Mitteln zu verfolgen. Der Ehrgeiz hatte ihn mehr denn je gepackt. „Ich werde mich also noch heute zum Dienst melden," meinte er leichthin. „Ich hoffe, dic-ß es dir recht ist," setzte er nach einer kleinen Pause, in welcher er vergeblich auf Antwort gewartet hatte, hinzu, in dem uneingestandenen Bestreben, Dagmar nicht zu erzürnen. Sie sah ihn an. Eine stille Bitte lag in ihren Augen. „Du wirst meinetwegen nicht deine Karriere aufgeben wollen?" klang es zaghaft zu ihm hin. Veltlingen tat, als ob er das für Scherz hielte. „Nein, mein Herz. Du weißt ja, wieviel mir an der einflußreichen Stellung liegt." Sehr zufrieden begab er sich ii; sein Zimmer. Noch an demselben Tage ging ein Schreiben an den Herzog ab. Ein zweiter Brief teilte der Gräfin Lindström mit, daß ihr Wink dem sie allezeit hochverehrenden Kammerherrn wie immer, so auch dieses- Mal, Befehl sei. Die Antwort des Herzogs ließ nicht lange auf sich warten. Acht Tag,? später reiste der Baron ab, nachdein er Dagmar zuvor, als Entschädigung für ihr „Zuhausebleiben", wie er scherzend sagte, die fthnlichst gewünschte Gemeindediakonissin bewilligt hatte. Der Abschied der beiden Gatten war kühl, aber nicht unfreundlich gewesen. Zu ihrem Befinden sah Dagmar Belt- lingen mit einer gewissen Bangigkeit scheiden. Sie konnte sich diese Unruhe gar nicht erklären, aber wie sie auch hin und her sann^ das unbehagliche Empfinden blieb. Sie war daher doppelt froh, daß der Pastor diesesmal früher als sonst kam. Die Nachricht von dem Geschenk ihres Gatten gab ihnen einen willkommenen Unterhaltungsstoff, auch hatte Dagmar wegen der Diakonissin in der nächsten Zeit soviel zu bedenken imb zu überlegen, daß ihr zum Grübeln und Sinnen keine Zeit blieb. So, mit dieser angenehmen Zerstreuung, verflossen ihr die Tage schneller und weniger trübe, als sie gefürchtet hatte. Pünktlich erhielt sie zweimal wöchentlich Nachricht von Veltlingen, der ihr unter anderem auch mittcilte, daß Uchdorf endgültig aus dem Dienst geschieden sei, um seine Güter zu bewirtschaften. Daß Magnus auf dem besten Weg zu sein schien, den ersehnten Posten zu erhalten, freute sie seinetwegen doch. Was seine endgültige Ernennung noch immer verzögerte, gab er freilich nicht an. Dagmar war augenblicklich auch viel zu viel von den kleinen Sorgen ihrer Leute in Anspruch genommen, um darüber nachzusinnen. — Veltlingen genoß unterdessen mit vollen Zügen die Freuden des Hvflebeus, das seine Gattin, tote er mit Vorliebe erzählte, aus so hocherfreulicher Ursache jetzt entbehren mußte. „Erst recht kein Grund für ihn, der Lindström so wütend die Cour zu schneiden," hatte Sprenger schon bald nach der Rückkehr des Kammerhesrrn bissig bemerkt. Damals hatten die andern darüber gelacht, aber bald .hörte das Lachen darüber auf. Tenn laut und leise entrüstete sich ein jeder über die unverhüllten Huldigungen, die der Kammerherr der Gräfin Lindström dar-? brachte. Er war am Nachmittag eines ziemlich heißen Augusttages, als Fredins vor ihrem großen Ankleidespiegel stehend, mit zuftie- denen Blicken ihre zierliche Gestalt überflog, die in dem leichten, geblümten Seidenkleid wirklich wie ein echtes Rokokofigürchen aussatz. Sie lächelte siegesbewußt, während sie die blitzenden Ringe auf ihre Finger schob. Ungeduldig sah sie dabei zur Uhr. Wie der Zeiger s chlich! „Ob dem guten Radach die Zeit ebenso langsam vergehen mag?" dachte sie spöttisch. Um vier trank er bei ihr eine Tasse Kaffee. „Leider habe sie heute nicht länger Zeit für einen guten Freund," stand in ben gewohnten krausen Lettern auf dem stark parfümierten Billett, welches sie am Morgen dem Herrn „Hofphotographeu" durch ihren Lakaien sandte, der auch an Veltlingen ein Briefchen abgeoen mußte, in dem dieser für fünf Uhr zu dem gewohnten. Teestündchen eingeladen wurde. So zierlich wie sonst waren die Buchstaben freilich nicht gemalt, denn es ging in fliegender Eile. Aber die Gräfin tröstete sich leicht darüber. Kommen würde Veltlingen trotzdem. Und er kam, kam früher als Fredine ihn erwartet hatte. Er kam schon um vier. Anfangs war die Hofdame ein wenig verlegen. Was sollte werden, wenn Radach hier mit dem Kammerherrn zusammentraf? Sie kannte zur Genüge die Empfindlichkeit des ersteren, der außerordentlich zur Eifersucht neigte und daher anderweitigen Herrenbesuch sicher mit scheelen Blicken betrachten würde. Und sie durfte es doch nicht mit ihm verderben! Diesem einzigen, reichen Freier, den sie augenblicklich besaß. Fredine war eine viel zu kälte und berechnende Natur, um sich nicht klar zu machen, daß sie die Gunst dieses einzigen, ernsthaften Anbeters unter keinen Umständen verscherzen durfte. Tenn was dann aus ihr werden sollte, wenn sie nicht endlich einmal alle ihre Rechnungen bezahlte, Rechnungen, die nachgrade kein kleines Vermögen ausmachten, das wußte sie selber nicht. (Fortsetzung folgt.) Kus der Studentenzeit. Er nnerungen eines alten Gießeners. (Fortsetzung.) VI. Die letzten Seme st e r. Bereits im Sommersemester 1854 hatte ich bei Wassersch-- leben Kollegien gehört. Dieser verdankte seine Berufung nach Gießen, die 1852 erfolgte, seiner Schrift über die Pseudo-Schibo- rischeil Deren taten. Er las über Deutsches Privatrecht und Kirchenrecht. Obwohl er frei vortrug, bekamen wir von ihm ein sehr gutes Heft, sodaß wir aus diesem unsere ganze Examenweis- 6eit schöpfen konnten. T,a er aber bei seinen Vorlesungen stets die neueste Literatur berücksichtigte, mußte man sich vor dem Examen ibtod) über etwaige spätere Abänderungen informieren. Wasserschleben war ein großer, stattlicher Mann und fein Vortrag tadellos. Beides konnte man von Deurer, der die Pandekten in Wwechslung mit I Hering und ferner Zivilprozeß las, gerade nicht ffagen. Es war aber ein tüchtiger und wohlwollender Lehrer. Tas letztere galt übrigens von allen unfereit Lehrern, nicht zuletzt von Kanzler Birnbaum, welcher Kriminalrecht und Kriminalprozeß las. Er war zu meiner Zeit bereits ein älterer Herr und strotzte von Gelehrsanikeit. Er diktierte einen bestimmten Abschnitt und brachte dann zu demselben in freiem Vortrag eine Fülle von Material' über die Streiftagen und die verschiedenen Ansichten der Rechtslehrer, wog deren Ansichten gegeneinander ab, pflegte aber seine eigne Ansicht nur andeutungsweise auszu- sprechen: „Vergleiche aber Birnbaum" da und da, ober: „Blume im Grunde". Er dürfte aber recht fehr gar ziemlich recht haben, wenn er fragt. In der schriftlichen Prüfung gab er dementsprechend immer drei Fragen: die einfache, dem Heft entsprechende, die über die Streitfragen und die dritte über die Literatur. Wer alle drei beantwortete, bekam einen Einer. Bon meinen Lehrern muß ich noch Levita, Privatdozent/ erwähnen, bei dem ich Kriminalrecht hörte. Er war ein zierlicher Mainzer, int Aeußeren und in der Rede einfach und klar als Lehrer. Es tojar m. E. ein Verlusts .daß er Deutschland verließ,, seine Fähigkeiten in den Dienst des Pariser Barreau's stellte. Für unsere Germania war das Sommersemester 1855 ein bewegtes: Die beiderseitigen Bestrebungen zwischen den Korps und uns eilt besseres Verhältnis zu schaffen, zunächst wenigstens einmal zur Anerkennung der Existenzberechtigung der GerMNnia und zu der sehr wünschenswerten Einschränkung der Rempeleien, die auch zu einigen Mensuren führten, der Abschluß des erstrebten Kartells mit der Sen enfer Germania gelegentlich des Stiftungsfestes in Jenia, die Anbahnung eines solchen mit der Breslauer Arminia. Alles dies nahm die Tätigkeit unserer Burschenschaft in nicht geringem Maße in Anspruch. Unsere Abgesandten B. und P. kamen von Jena zurück, stolz auf ihrett Erfolg nicht minder aber auch auf die hohen Würden undO r d e n, deren sie sich seitens des H er z o g sT h u s XXVIII. von Lichtenhain wegen ausgezeichneter Trinke f e st i g k e i t zu erfreuen hatten. Ter Schluß des Semesters brachte zu unterem vierten Stiftungsfeste bett Abschluß des Kartells mit der Breslau er Arminia. An bellt Kvmmerse, diesmal in Gießen, nahmen mehrere Jenenser Germanen und sieben Arminen, darunter der später als Straßburger Professor des Staatsrechts berühmt ge- gewordene L ab and, Teil, und aus Heidelberg kam Freund Hase mit allen Schwanen. Es war einer der glänzendsten Kvmmerse, die unsere Germania verlebt hat. Am Tage darauf fand ein Ausflug nach Wetzlar statt. Von einem herrlichen Sommertag begünstigt, fuhren wir nach dem Katerfrühstück auf zwei großen vierspännigen Leiterwagen dorthin. Im Schützengarten unter freiem Himmel hielten wir angestaunt von der Wetzlarer Jugend eine solenne Kneipe ab, an welcher and) eine Anzahl Wetzlarer Freunde, insbesondere die Einjährigeir des dort garnifonierenden Jägerbataillons teilnahmen. Es war fchon spät, als wir den Heimweg antraten. Tie ganze Wetzlarer Jugend und viele Alte umstanden uns, als wir auf dem Tomplatz die Wagen bestiegen. Ein befreundeter Apotheker brannte, während wir die Anhöhe! hinter Wetzlar hinauffuhven, ein Feuerwerk ab, tote es toedep Wetzlar noch Gießen in jener Zeit gesehen hat. 455 — TÄ Postillon, welcher, auf dem Handpferd reitend, den vorderen Wagen lenkte, muß wohl nicht ganz nüchtern gewesen sein, denn als uns oben auf der Straße nicht weit Don Dudenhofen eüte Chaise begegnete, wich der Wagen nicht weit genug aus, er faßte die Chaise und setzte sie auf den nächsten Chausseestem- hanfeu. Tie Wagen hielten. Es war dunkel. Einige von uns stiegen ab, um zu sehen, ob das Fuhrwerk nicht zu Schaden gekommen. Mein Semestergenosse, genannt Anians, aber trat an die Chaise, hielt seine Hand in dieselbe und sagte mit dröhnender Stimme: Dias Geld her oder das Leben! Eine weinerliche Friauenstimme ertönte aus dem Innern: 'S i n 5 wir dann in den Abruzzen? Ein schallendes Gelächter belehrte sie, daß es sich um einen allerdings nicht sehr zarten Stn- dentenulk handelte. Wir waren aber recht froh, als wer wahrnahmen, daß unser Wagen keinen großen Schaden angerichtet hatten. Wir halfen die Chaise wieder auf 'die Chaussee bringen und trennten uns von den Insassen als gute Freunde. Daß das fünfte Semester meinen Studien nicht sehr günstig war, wird mir wohl jeder glauben. Ich hatte wohl die Kollegien besucht, aber die Schätze der Weisheit waren noch nicht mein. Das fröhliche Leben der Studentenzeit mußte nun ernster Vorbereitung zum Examen weichen. Es wurde mir diese nicht ganz leicht gemacht, denn die Kneipe war neuerdings in den unserem Hause gegenübergelegenen Möhlschen Garten verlegt worden, und ich konnte von meinem Fenster aus den Verkehr meiner Ver- bindungsgenossen nach uns von der Kneipe sehr wohl beobachten. Ich hatte von den jüngeren Leuten einige sehr lieb gewonnen, und gar manchmal konnte ich den Lockrufen meiner Freunde nicht widerstehen, auch außerhalb der mir gestatteten Teilnahme an der Samstagskneipe, einige frohe Stunden mit ihnen zu verleben. Auch war ich zu sehr mit der burschenschaftlichen Sache verwachsen, als daß ich mich den auf diese bezüglichen Angelegenheiten hätte entziehen können. So habe ich natürlich den zu Beginn des Wintersemesters stattfindenden großen Kommers eifrig mitgemacht, ■ zumal meine Heidelberger Freunde, die durch Hase auch mit den dort studierenden Kartellgenossen in Verbindung traten, mit diesen zum Kdmmerse eintrafen. Sodann nahm ich lebhaften Teil an der Bewegung, infolge deren auch andere als Kvrpsleute, nämlich Germanen, Wingolfiten und Nichtcouleurstudenten zu „Entrepreneuren", wie damals die BalMmmissäre genannt wurden, von dem Vorstand auf den Klubbällen bestimmt wurden. Infolge der hierdurch aufs neue entstandenen Rempeleien war ich genötigt, einen früheren Heidelberger Renanen auf Pistolen zu fordern. Ich war nur ein mittelmäßiger Fechter, weil mein Handgelenk etwas schwach war, aber auf Pistolen war ich dank der Verwandtschaft mit Büchsenmacher D. gut eingeübt. Dennoch war mir es nicht nur meiner Eltern wegen lieb, daß die Mensur nicht zum Austtag kam. Trotz des strengsten Stillschweigens unsererseits kam nämlich die Sache zur Kenntnis des Universitätsrichters. Infolge davon mußten wir bei Meidung der Relegation das Ehrenwort geben, von dem Duell abznsrehen. Ebenso konnte ich, obwohl schon im siebenten Semester, m einem Semestergenossen E. die Bitte nicht abschlagen, ihm bei einer Pistolenmensur mit einem auswärtigen Kvrpsmann als Kartell- träger und Sekundant zur Seite zu stehen. Die Forderung ging puf 15 Schritte Distanz mit gezogenen Pistolen, bei einmaligem Kügelwechsel. Glücklicherweise verlief das Duell unblutig. Auch einer Säbelmensur zwischen einem mir nahestehendem Bundesbruder und einem bekannten Fechter der Teutonen, W., wäre ich uM alles nicht ferngeblieben, infolge deren! dem Letzteren die Njase derLünge nach gespalten wurde. Eines Erholnngsausflugs zu Ostern 1856 erwähne ich, der begleitenden, teils tragikomischen, teils drolligen UmWnde halber, sowie zum Beweis dafür, daß der Ernst des drohenden Examens mir den Humor noch nicht verdorben hatte. Ich sprach oben von meinem Freunde, den wirf Strudel Nannten, und de« in seiner Stellung als Hosverwalter auf dem' Gute des Herrn von Nordeck zu Rabenau eine wahre VölSw-- wanderung unserer Leute dorthin veranlaßt hatte. Er gewährte den Besuchern die weitestgehende Gastfreundschaft und sorgte, daß sie weder Durst litten, noch auch sonstiger guter Unterhaltung im L o n d o r f e r Kasino, dessen sttllschiveigends anerkannter Leiter er war, entbehrten. Er hatte mich zum Ostern? asinop b a l l eingeladen, und da ich lange genug gearbeitet zu haben glaubte, und mein Vater eine abweichende Meinung wegen seiner Abwesenheit nicht geltend zu machen in der Lage war, so leistete ich mit einem jüngeren Bekannten der Einladung gerne Folge. 'Ich wohnte bei unserem Gastgeber. Am Bftttgen nach meiner Hinkunft traf ich ihn in der Lektüre eines eben angelangten Briefes begriffen. .Er schien Mir etwps deprimiert, und da ich dies Ian ihm gar nicht gewöhnt war, so fragte ich ihn, was los fei. Er reichte mir schweigend den Brief, der liebevolle Vorwürfe eine« Dame in gebildeter Sprache und Schrift wegen des langen Schweigens ihres geliebten Carl und die Mitteilung enthielt, daß sie an diesem Tage bet 'Lollar vorüberreisä und sie ihn sicher «an der Bahn zu treffen hoffe. Nun wußte in Londorf jedermiann, daß er der französischen Erzieherin der Kinder des Gutsherrn, Frl. Clentence, den Hof mjctoje und abends sollte .« init ihr den MM eröffnen. Das war cs aber nicht allein. Er zeigte mir noch verschiedene andere Liebesbriefe verschiedener Mädchen und von verschiedenen Orten, voll der zärtlichsten Ergüsse, sodaß ich ganz starr war. „Aber Mensch, wie kannst du das übers Herz bringen?", rief ich. Ein melancholisches Lächeln war die Antwort. Abends auf dem Balle, der nebenbei bemerkt in einer niedrigen Wirtsstube, bei Talglichtbeleuchtung, sAtthabte, aber die ganze Honoratiorenschaft von Londorf 'und der Umgegend zum fröhlichsten Tun vereinte, hatte er nur Augen für seine Clemence. Anderit morgens kam ich dazu, wie er einem hübschen Mädchen eine Liebeserklärung machte und bald darauf erhielt ich die Nachricht, daß er sich mit der Rentmeisterstochter verlobt habe. Die soll dann ihre Ge- schlechtsgenvssinnen km ihm gerächt haben. Beide sind längst gestorben. Ich und mein Bekannter ließen uns noch einen Tag halten, kamen dann abends zu spät zur Bahn nach Lollar und mußten nun auch die übrigen zwei Stunden Weg zu Fuß zurücklegen. Es ging auf der Höhe eilt schneidender Nord-Wind, der uns durchblies, lalls hätten wir keine Kleider an. Bis aufs Mark durchfroren kamen wir endlich spät in der Nacht nach Gießen.. Tas Haus meines Bekannten war verschlossen. Ich lud ihn ein, mit mir zu gehen. Allein auch in unserm Hause blieb die Tür geschlossen trotz allen Lärms, den wir machten. Nun wohnte bei uns int Erdgeschoß eine Frau Kirchenrat D. mit ihrer würdigen Tochter. Sie waren verreist und alle Läden geschlossen. Wir untersuchten eingehend die Läden und fanden endlich einen, der etwas lose war, umd, o Freude, zufällig waren auch die oberen schmalen Fensterriegel nicht verriegelt. Ich war damals noch schmächtig und gewandt und brachte es fertig, oben durch das Fensterkreuz zu turnen, öffnete dann den unteren Flügel und ließ meinen Kämeraden hinein. ~ _ Nun waren wir glücklich unter Dach, aber was weiter? Zum Glück waren die Zimmer nur nach dem Gang verschloßen dagegen unter sich offen. Es war vollständig finster und keiner hatte Feuerzeug. Ich kannte aber die Einrichtung und tappte mich, meinen Kämeraden tut Schlepptau, durch die Stube, bis tot« in das Schlafzimmer kamen. Wir fanden nicht nur die Betten, sondern auch die darin befindlichen Kleidungsstücke, welche die Damen nächtlicher Weile zum Schutze gegen die Kälte zu tragen und welche in Gießener Mundart „Nachtjoppel" genannt zu werden pflegen. Sie waren uns ein wenig weit, erfüllten aber in Verbindung mit den molligen Setten, vollständig ihren Zweck, unseren Körpern wieder die nötige Wärme zu verschaffen. Wir schliefen mit dem besten Gewissen ein und ich meines Teils habe nie besser geschlafen als in deut Bett der verehrten Frau Kircheiwat. Heutzutage wüiÄe der Staatsanwalt «ach de« Formet: „Eln- dringeit in eine fremde Wohnung wider den,zu vermutenden Willen in Vereinigung mehrerer!" eine Gefängmchtrafe von mtnoeftenSi acht Tagen haben beantragen müssen. Zu meinem Gluck gab es damals weder Reichsstrafgesetzbuch noch Reichsgerichtsentscyei- dungen. Als wir morgens ziemlich spät aufwachten, iahen wir in dem durch die Fensterläden fallenden Zwielicht, da« wir beide rosageblninte Jacken an hatten. Meinen Kämeraden schemt es auch an dem Kopse gefroren zu haben, denn er hatte außerdem die weiße Nachthaube dsr Tante Torchen auf dem Kopfe, die ihn mit seinem glatten Gesicht und lockigem Haar tote em ganz nettes Mädchen erscheinen ließen. „ Es galt nun, den verschlossenen Gemächern zu entwrnmen. Tas war nicht schwer. Wir legten uns in unterem neuen Kostüm in das Fenster, durch welches wir hereingekommen touren. Sie nächste Person, die ins Haus kam, rapportierte das Ge,Haute de« Dame, die in Abwesenheit meiner Eltern dem Hausyalte Vorstand und die auch die Schlüssel zur Wohnung in Verwahrung hatte. Diese soll beinahe in Ohnmacht gefallen fern, konnte sich aber schließlich dem Humor der Situation nicht entziehen und hat auch bei Rückkehr der Eltern diese mit dem Abenteuer des angeblich den Exameusstudien obliegenden Sohnes nicht beunruhigt. (Schluß folgt.) Geschlschtsvsrm'Leil in der Sprache. Frl. Käthe Schirmacher macht den Sexualismus in der Sprache zum Gegenstand eines Aufsatzes, der im „Mutterschutz (oran- fnrt a. M., I. D. Sauerländer) erschienen ist und trotz seiner einseitigen Färbung immerhin einen neuen Gedanken entwickelt und darum Beachtung verdient. „ Die Verfasserin weist darauf hin, daß unsere Sprache ganz durchtränkt sei von Geschlechtsvorurteil. Sie sei vorwiegend eine Männerschöpfung, verbildet durch eenen „MaskuliNismus , der, ivie auf andern Gebieten, so auch hier, dem Manne die herrschende, die edle, schöne, die erste Rolle zuerteile. Man fei an die Üblichen Sprichwörter, Bilder, Urteile usw. derart gewöhnt, daßman kritiklos hiunehme, ja daß selbst Frauen sich diesem ihr Geschlecyt herabsetzenden Sprachgebrauch fügen So seien die Sprichwörter aller Völker in ihrer überwiegenden Mehrzahl frauenfeindlich oder frauenbeleidigend. ,. ™ ... Ein höheres Lob als die Worte: „Es lvar ein Mann! aebe es heute in der Sprache nicht und „Seid Männer!" heiße Mut und Festigkeit zeigen, fest und stark sein. Soll das Femininum lobeuden Sinn enthalten, so müsse ein Beiwort hinzugesetzt werden, z B. edles Weib, schönes Weib usw.; ohne einen solchen Zusatz 456 — werde der Ausdruck unfreundlich, wenn nicht beleidigend, wie: „Der physiologische Schwachsinn des Weibes"; „Da werden Weiber zu Hyänen"; „Diese Weiber" nsw. Denn mit der bisherigen Männersprache, die Kraft und Energie mit Männlichkeit identifiziere, sei das Weib allein der Vertreter der Schwäche, Unselbständigkeit und Unaufrichtigkeit. Das schlimmste Schimpfwort, das der Mann für sich erfunden habe, sei: Weib! womöglich: Waschweib! oder noch besser: Altes Weib! Die „Schürze" sei ihm das Sinnbild des Verächtlichen, er spreche von „Unterrockspolitik", „Weiberröcke" seien das Zeichen der Unselbständigkeit und im Französischen sei der Ausdruck „C'est une fille" (in dem Sinne von Dirne) die Bezeichnung für einen absolut charakterlosen Mann. Selbst die weiblichen Tiere hätten ihren Teil zum männlichen Schimpfwörterschatz beisteuern muffen: „Baches" sei eine Beleidigung, die der Pariser Strolch dem Polizeisoldaten zurufe, und obgleich der Eber ihr sicher darin nidft nachstehe, sei die Unreinlichkeit nicht in ihm, sondern in der Sau verkörpert worden. Könne der Mann den Mann nicht ärger beschimpfen als durch das Wort „Weib", so glaube er das Weib am höchsten zu ehren dadurch, daß er es Mann nenne. Was könne aber logischerweife eine „Weiblichkeit" bedeuten, deren Krönung in der „Männlichkeit" liege. Einige Proben davon: „Die Pianistin spielte mit männlicher Kraft". Ernest Renan nenne die hochbegabte Cle- menee Rotzer „fast einen Mann von Genie". George Sand schrieb den Schlußsatz: „Sie hatte einen mächtigen, männlichen Kopf". Das Seltsamste an diesem Mißbrauche der Worte sei, daß Frauen ihn mitmachen. Selbst sie ließen sich von dem „Männlichen" bezaubern, und die Worte „viril", „male", „masculin" als höchstes Lob fänden sich gerade bei weiblichen Schriftstellern häufig. Tiefes Sinnen habe der Verfasserin der Satz verursacht: „Er trug sein Leiden als Mann". Ihrer Erfahrung nach werden die schlimmsten Schmerzen von Frauen ertragen, wortlos, klaglos, in der furchtbaren Abhängigkeit und körperlich-geistigen Sklaverei unglücklicher Ehen. Kein Mensch aber denke daran zu sagen: „Sie trug ihr Leiden als Frau", und sagte mau'S, es würde wiederum nur einen Tadel bedeuten, etwas Kleinliches und Schwächliches. Eine derartige Klassifizierung aufrechtzuerhalten, sei stets ein Mangel an Logik und oft eine Roheit. Hier müßte man umdcnken nnd darum ruft Frl. Dr. Schirmacher: „Weg aus dem Sprachgebrauch mit Geschlechtsvorurteil und Geschlechtsdünkel." VermLschtss. * Präsident Roosevelt und die Reiherfedern. An das Staatsoberhaupt von Nordamerika hatte sich der Bund der amerikanischen Vogelschutzgesellschaften (Audubon Societies) mit der Bitte gewandt, Frau Roosevelt als die höchststehende Frau des Landes möge ebenso wie es in Großbritannien die Königin Alexandra durch einen Brief getan hat, ein öffentliches Zeichen »ihrer Mißbilligung über das Tragen von Reiherfedern auf Darneuhüten geben, weil damit der Mode des Aigrettenschrnuckes mehr entgegengewirkt werden könne, als durch mouatelange Tätigkeit der Vereine. Hierauf hat Präsident Roosevelt am 18. Juli 1906 folgendes geantwortet: „Gestatten Sie, Ihnen sowohl von Mrs. Roosevelt als auch von mir selbst zu sagen, wie herzlich wir beide mit dem Werk der Äudubon-Gefellschaften sympathisieren, nicht nur im allgemeinen, sondern auch im besonderen mit ihren Anstrengungen, dem Verkauf und Gebrauch der sogen. ,,Aigrettes" (der Federn der weißen Reiher) Einhalt zu tun. Wenn möglich, empfindet Mrs- Roosevelt in dieser Sache sogar noch stärker als ich. Ihr aufrichtig ergebener Theodore Roosevelt." Eine solche Kundgebung von höchster Stelle ivürde in den Staaten des europäischen Festlandes nicht minder nützlich sein. Verschwindet die Mode des Reiherfederhutschrnucks j nicht, so wird das Geschlecht der Reiher bald ausgerottet sein. * Buche v on Wildenberg. Diese von der Bahn k Probstzella-Lichtenfels unweit Kronach aus sichtbare Buche l ist mit einem Umfange von etwa 8 Meter einer der stärksten ! und ältesten Bäume dieser Art und durch Sagen nnd Ge- ; bräuche zu einem Wahrzeichen der ganzen Gegend ge- : worden. Durch Abstürzen eines Astes wurde offenbar, daß der Baum sich anscheinend bereits im Stadium der Alters- ■ schwäche befand, und daß sein Eingehen in absehbarer ! Zeit zu befürchten stand, wenn nicht geeignete Maßregeln zur Erhaltung geschehen würden. Da die Gemeinde nicht imstande war, diese Mittel herzugeben, so hat die Königliche Regierung von Oberfranken, gestützt auf das Gutachten des Landesausschusses für Naturpflege und angesehener Fachleute, die Mittel zur Erhaltung angewiesen. Es zeigte sich dabei, daß die Buche im allgemeinen noch gesund war, und daß durch geeignete Maßregeln, die bereits eingeleitet sind, sich die Erhaltung noch für eine Reihe von Jahren gewährleisten läßt. Diesem dankenswerten Vorgehen ist es zuzuschreiben, daß der auf ein Alter von 800 Jahren geschätzte Baum als Naturdenkmal erhalten bleiben wird. Vorgesehen sind: 1. Das Auskratzen und Ausstreichen der Löcher mit Schiffteer, das Schließen derselben und Ausmauerung unter Verwendung von Ziegelbrocken und Zement. 2. Tas Anstreichen der durch den Absturz einzelner Aeste entstandenen bezw. dilrch das Abschneiden schadhafter Aeste entstehenden Wundflächen unter Verwendung von Holzteer und Abschließen der horizontalen Wundflächen durch Schutzbleche. 3. Das Anbringen von Schlau- dern mit Ringen zur Fassung der beiden Gabelstämme. * Große Köpfe und geistige Begabung. Wenn ein Kind mit einem großen Kopf geboren wird, so pflegt man im Volke äit sagen, daß etwas drin steckt, ivomit man meint, daß das Kind begabt ist. Mroße Männer wie Menzel und Wind- Horst haben sich z. B. durch besondere Schädel ausgezeichnet, wobei sich die überraschende Tatsache herausstellte, daß sie nach dem Befunde der Hirnsektion in der Kindheit Anlage zum Wasserkopf gehabt haben mußten. Tr. Röse hat in seinen Beiträgen zur „Europäischen Rassenkunde" (Archiv für Rassen- und Ge- sellschaftsbiologie, Berlin) festgestellt, daß sich große Köpfe tatsächlich im allgemeinen auch durch höhere Leistungsfähigkeit auszeichnen. Dagegen bedarf es noch viel ausgedehnterer Untersuchungen im ganzen deutschen Reiche, ehe die 'Frage über die Beziehung zwischen Kvpfform und geistiger Leistungsfähigkeit als gelöst gelten kann. Die lange Kopfform an und für sich stellt durchaus keine höhere Entwicklungsstufe dar. Im Gegenteile, gerade die tiefstehenden Menschenrassen, wie Neger, Trawidas u. a. sind ausgesprochen langköpfig. Allerdings handelt es sich bei diesen Rassen fast stets um Hinterhaupts-Langköpfigkeit und um kleinere Köpfe. Dagegen zeichnet sich die langköpfige, blonde Nord- landsrasse zugleich durch bedeutendere Kvpfgröße aus. Tas Auftreten der Borderhaupts-Langköpfigkeit deutet außerdem darauf hin, daß bei der nordischen Rasse im Durchschnitte auch eine feinere Gliederung und Faltung der Großhirnrinde vorhanden ist. * Kindliche Anschauungen. Mein kleines ckjähriges Töchterchen stand bei dem letzt ar Gewitter am Fenster und sah stumm dem herniederrauschenden Regen zu. Endlich lösen sich in der Kleinen Vorstellung Gedanken los, indem sie meinte: „Gelt, Papa, Wenns regnet, daun pumpt der liebe Gott das Wasser!" — „Mer, woher kommt denn das Donnern?", meinte ihre etwa 4 Jahre ältere Schwester, worauf die kleine Forscherin erwiderte: „Ach, da wird !vohl die Pumpe nicht ge- schmie rt fein!" — Ein Stöhnen vom Bettchen der kleinen Elli ruft die Mutter in das Schlafzimmer. „Mama, mein Daumen tut mir weh." Sorgfältig sieht die besorgte Mama beide Daumen nach, um die Ursache des Schmerzes festzustellen, findet aber nichts. Heftig schnellt die Kleine ein Beinchen auf die Decke und ruft weinerlich: „Ich meine ja den Daumen am Fuß." Häusliche Wittkc. Um recht dünne Brotscheiben zu schneiden/ tauche man das Messer öfters iir heißes Wasser, die Arbeit wird dadurch sehr erleichtert. Um das Anbrennen der Milch zu verhüten, koche man in dem Milchgefäß zuerst ein paar Löffel voll Wasser, gerade genug um den Boden zu bedecken. Wird die Milch dann in den Tops gebracht, so wird sie niemals anbrennen, auch nicht aus starkem Feuer. Bilderrätsel. Nachdruck verboten. Auflösung in nächster Nummer. Auflösung des Versteckrätsels in voriger Nummer: Keine Antwort ist auch eine Antwort. Redaktion: Ernst Heß. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen»