1907 - pem Irrlicht nach. Roman von Alexander Römer. . Nachdruck verboten. (Fortsetzung.) Er fuhr empor. Konnte er nicht noch abreisen in dieser Nacht? Es ging noch ein Eilzug um ein Uhr. Vielleicht waren sie noch da, vielleicht konnte er sie noch retten, seine Liebe muhte doch eine Macht sein, die an ihrem Herzen rüttelte. Er sah sich wirr im Zimmer um nach den Gegenständen, die eingepackt werden mühten, sank aber wieder zurück. Es war eine lieber.-» eilung gewesen, als sie ihm ihr Jawort gab, sie liebte ihn nicht, sie hatte ihn nie geliebt. Durste er sie zurückhalten, wenn sie ihr Glück anderswo zu finden glaubte? Künstlerin wollte sie Weichen — Sängerin — Kvmmödiantin, wie die Mutter — eine bedeutende Künstlerin wurde Sylvia nie. Als ob eine fremde Hand ihm den Schleier von den Augen höbe, so erkannte er plötzlich mit seinem gesunden Verstände Sylvias wirkliche Fähigkeiten und Eigenschaften. Sie war ein schwaches, haltloses Wesen, ein Spielball von Wind und Wellen. Sie sagte sich von ihm los und überließ sich der unheilvollsten Führung, sie ging zu Grunde. Er dachte nur immer an sie. Noch war kein Gedanke an sich selbst, an seine eigene, trostlose, öde, vergiftete Zukunft in ihm ausgestiegen. Die Stunden verrannen, er achtete ihrer nicht; bet Morgen, ein frostiger, bleicher Märzmorgen mit leichten Schneeschauern brach an, ihn begann zu frösteln. Er warf sich noch eine Stunde auf sein Lager und schlief ermattet ein. Finstere Träume plagten ihn, er stand wieder auf der Augustusl- brücke in Dresden in dem heulenden Sturmwind und hielt — er ein zitternder Knabe — seines Vaters Mantelzipfel, um ihn vom Sprung in die Tiefe zu retten. Zu derselben Stunde, während er in diesen schweren Träumen lag, stand Sylvia,- zur Reise gerüstet, bebend auf der Schwelle ihres Mädchenstübchens. Ihr Körper zitterte vor Frost, draußen wirbelten die Schneeflocken am Fenster vorüber, es sah unwirtlich wüst aus in ihrem hübschen Gemach. In Todesangst hatte sie sich angekleidet. Wenn Erna durch das Geräusch erweckt und bei ihr eingetreten wäre, was dann? Wie eine Verbrecherin flüchtete sie aus dem Hause, wo sie so viel Ljebe erfahren hatte. Heute morgen, in dieser Stunde erst packte sie dieses Gefühl; Die letzten Wochen hatten so viel Aufregungen gebracht, so viel Anforderungen an sie gestellt, daß sie zu keinem klaren Gedanken gekommen war. Ihre Kniee wankten, sie zögerte noch immer auf der Schwelle, es war ihr, als müsse sie hineinstürzen zu Erna, ihr alles beichten, wie in früheren, lang versunkenen Tagen, aber — die P end ule hob an zum Schlag mit dem altbekannten Ton, die Mutter wartete — sie mußten mit dem frühen Zuge fort — einer unbekannten Zukunft entgegen. Sie riß sich los und wankte die Treppe hinab — es war still im Hause, das Gesinde lag noch im Schlaf, der Diener hatte eben die Haustür aufgeschlossen und schlurfte den langen Gang entlang. Sie schlüpfte vorsichtig, von niemand gesehen, hinaus. Hu! wie eisig und rauh wehte es ihr entgegen, wie unfreundlich war dieser Märzmorgen; der aufgeweichte, halb geschmolzene Schnee machte das Gehen schwierig, sie mußte bis zur Wohnung der Mutter hinauf, dort hielt der Wagen. „Warum, warum?" rief es auf einmal in ihr. Mer jetzt war kein Rückwärts mehr möglich, ihr Brief war in Villattes Händen und vor ihr lag ja — eine Zukunft voll Glanz und Triumphe. Auf ihren Mienen spiegelte sich aber jetzt keine HosfnnngÄ- freudigkeit, nur Verstimmung und Pein. Die Mutter empfing sie mit heftigen Aus'rufen, sie und der Wagen warteten, es war die allerhöchste Zeit, ©te hatte eine furchtbare Angst änsgestanden in dieser letzten Viertelstunde. Koffer, Taschen, Schachteln, eine endlose Fülle von .Handgepäck wurde aufgeladen und erdrückte beinahe die beiden erregten Flüchtlinge. Eine Flucht — sie die Erbin, die Braut, der ein liebender Bräutigam, eine glänzende Aussteuer, ein wohl zugerüstetes Heim wartete, sie floh hinaus in ungewisse, unbehagliche Berhälttnsse, einer unbekannten Freiheit zu. „O, laß mich, Mama, einen Blick noch — da ist Mama Walldorfs Schlafziminer, die Vorhänge dicht geschlossen — leb wohl, leb wohl! O, mein Gott, was wird sie sagen!" Sylvia verhüllte ihr Gesicht und schluchzte. „Na, höre, Sylvia, solch Getue laß beiseite, du hast es geivvllt, das weißt du, und ich opfere mich. Ich bin halb tot, versichere ich dich, von den Anstrengungen der letzten Tage, ich kann absolut nichts mehr ertragen, ich bedarf der äußersten Schonung." Sylvia erstickte ihr Schluchzen, ihr war zum Sterben zu Mut — sie hatte es gewollt! 11. Kapitel. Ter Mürzmvnat war auch in Paris rauh >md kalt. Ein eisiger Wind wehte die-breiten Champs Elysöes entlang, die vornehmen Pariserinnen saßen, dicht in ihre Pelze gehüllt, in ihren eleganten Equipagen, und die kleinen zierlichen Grisetten, die zu Fuß über das Straßenpflaster hüpften, hatten blau gefrorene Nasen. Roderich Walldorf tvvhnte in der Rue Byron, nahe beim Arc de l'Etoile. Er hatte es verstanden, viel Geld auszugeben in diesem Winter und sein Leben genossen aus seine Weise. Was er erwartet, hatte er nicht gefunden, nämlich selbst als großes Genie zu leuchten unter den Genies. Der Dresdener Bankierssohn mit dem ungeheuren Selbstbewußtsein verschwand unter der Menge -der teilweise wirflich bedeutenden Geister. Auch die Geldmittel, über die er verfügte, imponierten dort nicht, er vermochte es kaum den anderen gleichzutun, wenn er auch sein Budget weit überschritt. Tie Schmeichler und Schmarotzer, welche sich an seine Fersen hefteten, waren elende Kreaturen, und von seinen Illusionen waren schon viele zerstört. Immerhin aber hatte er Fühlung mit bedeutenden Menschen, Goldmark, Saint-Saöns, Turgenjew waren Namen, mit denen sich prahlen ließ. Der russische Dichter mit seiner liebenswürdigen Art sah viele Freinde in seinem Salon und schenkte jedem einzelnen eine freundliche Beachtung. Paul Hendrichs war dort täglicher Gast — 254 das Gericht. (Forts. Mat): Glück =d und doch — brauche ich als' ob sie unschlüssig' fei, ist aus ihren natürlichen Angeln in gekünstelte Sphären erhoben ward. Er fühlte zuweilen dunkel seine Ohnmacht, und das Ver- sinken seiner eitlen Selbstbespiegelnngen brachte ihm dann schneidenden Schmerz. Vera blieb unbewegt, es schien, als ob sie völlig über allem menschlichen Empfinden stehe und das kleine Wellengekräusel von Liebe und Haß, Neid, Eifersucht und Ehrsucht weit unter ihren Füßen läge. Sie haschte nicht nach dem Erfolg, und er ward ihr so glänzend zuteil. Wo sie auftrat, war sie das leuchtende Gestirn. So ward Roderich zum kleinen Trabanten um die Zentralsonne, er, der sich lgeträumt, selbst Sonne zu sein. Mitunter in stillen für Sie zu lassen." „Ihr Leben? Pah, ich verlange Ihr Leben mcht, See werden noch viel von ihm erwarten, in unseren Tagen fordert man teure mörderischen Kämpfe mehr vom Ritter einer Dame — aber .SiÄ können mir einen Dienst leisten —> wenn Sie wollen." Sie sprach in ihrem tiefsten Mton, langsant, zaudernd, als ich sie jedes' Wort abwäge. Er sprang vvn seinem! Sih empor. ...... GeM)t. _ „ i Er beugte sich Wer ihre Hand und bedeckte sie mit Küssen., „Verfügen Sie über mich, Vera, lassen Sie mich es einnml beweisen, daß ich Ihr Freund bist. Ich bin imstande, mein Leben Mondscheinnächten, wenn er voll Gelagen oder irgend einen» Fest wiederkehrte und zu Fuß die breite Avenue der elysäischen Felder hinabschritt, tauchte ihn, noch Sylvias Bild auf, schattenhaft wie eine süße Erinnerung ans der Kinderzeit, wo die Welt so. eng war und die Seele so weit. ... . Es waren mehrere Tage vergangen, seit er Vera nicht gesehen. Sie hatte sich ihn» entzogen, ihn absichtlich ferngchalten, er argwöhnte es lind befand sich in einen, Turstult widerstreitenden Gefühle Sie sollte nicht mit ihm spielen, sie sollte nicht glauben, das; er ihr gefügiger Sklave sei. Er lvvllte sich auftaffen, sich nicht ganz gefangen geben, ihr Trotz bieten und den Meister zeigen. Heute abend erzwang er sich den Eintritt und sah dann klar.. Sie wohnte in der Nähe des Luxeinbourg, im Quartier Sevsre. Iwan, ihr russischer Diener, saß im Porzinuner. Ja, sie !vav zu Hause, sie hatte schon nach dem Monsieur Roderich gefragt. So war kein Erzwingen mehr nötig. Er trat »kngemeldetz ein mit dem Vorsatz, kühl und schroff zu sein. Da lag sie in ihrem Sessel am Kamin, eine mattwsa Ampel erhellte das Gemach und warf ihren Schein über die ruhende Gestalt. Sie sah leidend aus, der rosa Schimmer hauchte em trügerisches Leben über die inarnwrblcichen Züge. Mas war ihr geschehen? Er eilte auf sie zu, sein Zorn schnwlz dah,n. "Kommen Sie, „teilt Freund, aber seien Sie hübsch ruhig, mein Kopf ist in böser Verfassung heute abend." „Vera, was ist Ihnen, hatten Sie Kummer? Ich war gestern dreimal an Ihrer Tür, vergebens." ' Ihre Mene war zerstreut, sie sah weit über ihn hmweg in die ICCTC ßllft I „Gestern?" wiederholte sie. „Ich hatte sehr viel zu tun." „Und warum denn meine Dienste zurückweisen?" fragte eft Ein tiefes, kurzes Lachen ertönte aus ihren» Munde. _ „Ihre Dienste? Monsieur Roderich, es handelte sich gestern nicht um die Fabrikation von Dramen und Opern oder sonstige schöngeistige Dinge; in der heißen Luft, die mich umwehte, wären Ihre Nügcl versengt." „Wofür halten Sie mich, Vera Peftuschka," sagte er bitteü und machte eine Bewegung, uni sich zu erheben. Sie legte ihre Hand auf seinen Arm. „Schweigen Sie — Sie wissen nicht, um was es sich handelt — genug davon — ich bin von Ihrer Treue, Ihren» guten Willen überzeugt. Ihr Deutschen seid alle treu." Roderich zuckte die Achseln. Er sand, daß das Lob unter« dieser SammArubrik recht mäßig für ihn ausfalle. „War denn Paul Hendrichs gehärteter im Feuer, um die heiße Strömung der letzten Tage hier zu ertragen?" fragte eh |spött»sck„ul Ha, Sie sind eifersüchtig, Monsieur eine Unart, die ich nie in meiner Nähe dulde —, so viel en Parenthese — im übrigen ist Hendrichs aus ganz anderen« Stofs geformt als Sie Schwärmer, Heißsporn. In seinen Adern fließt orientalisches Blut, er ist Fatalist. Um Hendrichs sorge ich nicht. Sie — doch lassen wir das —" „Vera, würden Sie denn um mich sorgen?" Er sah ihr entflammt in die Augen, dieses Weib, hochgeboren, stolz, schön -j ihm schwindelte — glänzende Visionen standen vor fernen» Buck, | Sie sah seine Erregung und lächelte, ihr seltsames, sphmx- nie eigen war. .. denen, die mich lieben, kein einen Freund." Sie sah ihm forschend, artiges Lächeln. . ,, „Sagte ich es nicht, Sie smd Schwärmer, Heißsporn —>*- „Ich bin Ihr Freund, Vera, Ihr unbedingt ergebener Freund,"- Roderichs Herz schlug wild, er wagte nicht mehr zu sagen. „Drängen Sie sich nicht allzu eifrig dazu, mein Freund zu sein," entgegnete sie in einem schwermütigen Ton, der ihr sonst ,Man sagte mir in meiner Heimat, ich brächte und führte Roderich ein. Aber auch hier gelang es ihm nicht, sein Licht hervorleuchten zu lassen. Trotz der Mwtinien^n Freund- lichkeit des Wirts lag Rodertchs Drama: „Die Nihilisten , noch immer ungelesen in des Dichters Pult und die Strömungen in dem bunt gewürfelten Kreise berührten seine hochfliegenden Pläne kaum. Auch an eine Förderung seiner Oper war mcht zu denken, Goldmark nnd Saint-Saöns hatten genug mit sich selbst ,u tun, Zeit für andere hatte überhaupt niemand. Dennoch blieb er alle die Monate hindurch gefesselt. Die einmal kurze Zeit hindurch aufgetanchte Sehnsucht nach der Heimat war bald wieder verblaßt. Wäre Sylvia frei geblieben — vielleicht — aber auch ihr Bild ward hier in den Schatten gedrängt durch Roderich hatte eine junge Russin kennen gelernt in Tur gen- I ftws Salon, eine viel umworbene, blendende Schönheit von freiem, I emanzipiertem Wesen. Vera Petruschka war ein königliches Weib. Sie stand allein, ihre Eltern waren tot, ihr Geist war dazu angetan, diese unbeschränkte Freiheit zu lieben und zu ertragen. Sie lebte mit einer armen alten Verwandten, welche taub und schwerfällig war und ihr nur als Anstandsdame diente, auf die sie weiter niemals Rücksicht nahm!. Sie faßte das Leben von neuen Gesichtspunkten auf, gab eine Fülle großer. Gedanken aus sie schrecküe vvr nichts zurück, zog überall die äußersten Konsequenzen. Roderich hatte eine solche Frau noch nie gesehen. Sie war nicht wählerisch in ihrem Umgang, sie verkehrte piek mit ihren Landsleuten; Roderich wäret» oft schon ganz schäbige Individuen begegnet in ihrem Vorzimmer. Mit Paul Hendrichs arbeitete sie gemeinschaftlich an einem philosophischen Werk. Sie I Lite auch einen Roman veröffentlicht, der Aufsehen erregte in {fjxer Heimat, weil er viele von den dortigen Zuständen scharf I beleuchtete; eine deutsche Redaktion mochte Bedenken getragen I haben, ihn drucken zu lassen. Er sollte von philosophischen Ideen | durchtränkt fein. . , ... r I Roderich sah sie zuerst in Turgenjews Salon, wie sie neben Paul Hendrichs stand; wie oft beneidete er hier den früher über die Achsel angesehenen Schulgefährten. Sie trug ein schwarzes Sammetkleid mit langer Schleppe, und ein kostbareiS Brillantkollier um den vollen weißen Hals'. JkM Büste war herrlich. Sie trug das dunkle, volle Haar in weichen Wellen am Hinter- köpf aufgesteckt, von einem Brilkantstern gehalten. Ihre Augen blickten stolz, nnd das scharf geschnittene, klassisch reine Profil hob sich im Kerzenlicht hell ab von der dunklen Lorbeerwand, an der sie lehnte. Ihr Teint war weiß .wie Alabaster, und der Wechsel in ihren Zügen machte das Antlitz unsäglich reizvoll. Sie redete in einer tiefen Altstimme, welche seltenen Vollklang hatte und meist alle anderen Laute um sich verstummen machte. Roderich war sich ganz linkisch norgefomitten, als Paul Heii- drichs ihn vorstellte. Er fühlte, wie ihr stolzes Ange über ihn hin slcmimte und war wütend auf sich selbst, daß ihm nichts be- sonders Geistreiches entfiel , „Ein Deutscher?" hatte sie gesagt. „Ah, ich liebe die Deutschen, sie sind die geborenen Grübler und Philosophen." Dann war sein Blick dem ihren begegnet, und es war tote Feuer durch seine Adern geströmt. Seitdem hatte er unaufhörlich Anstrengungen gemacht, ihr näher zu treten, und es war ihm bis zu einem gewissen Grade gelungen. Er hatte unangemeldeten Zutritt, spielte auf ihrem Flügel und wiegte mit seiner Musik, die sie Schäferträume nannte — und er hatte ein Liszt oder Wagner zu werden vermeint —■ sie in Selbstvergessen, wenn ihr Geist ermattet war von den Aufgaben, die sie ihm zumutete. Bera Petruschka war ein wechselvolles', schier unergründliches Wesen, bereit Sprüngen er nicht allemal zu folgen vermochte. Wenn er sich einbildete, in ihre Seele geschaut zu haben, war sie ihm lange entschlüpft und äffte ihn mit verblüffenden Paradoxen. Er hatte Zeiten, wo sie ihn zu« Verzweiflung trieb und er selbst sich als ein Spielball ihrer Launen fühlte, dann vermochte ober wollte er wieder diese Stunden nicht entbehren, allein mit ihr, wo sie ihn zu dem höchsten Streben, zu den ehrgeizigsten Träumen aufstachelte. Er brachte aber nichts zustande in diesem Leben voll Taumel und Aufregung, in dem! seine Natur mehr denn je 256 — Weöer das Kryalten von Altertümern Von Heinrich Wölfflin -Berlin.*) Wie kommt es eigentlich? Nie ist eifriger alte Kunst gesammelt worden als in den lebten Jahrzehnten, große Museen sind entstanden, es ist Anstandssache geworden, von Kunstgeschichte etwas zu wissen oder wenigstens die „Stile" unterscheiden zu können, und nie hat doch der allgemeine Geschmack tiefer gestanden als eben in den letzten dreißig oder sünfzig Jahren. Einzelne Menschen von voorzüglicher künstlerischer Kultur gab es, natürlich immer, selbstverständlich, aber von der Durchschnittsempfindnng für ästhetische Dinge wird jetzt geurteilt, sie sei so barbarisch gewesen wie seit tausend Jahren nicht mehr, und das ist keine allzu starke llebertreibung. Woher käme sonst die nackte Häßlichkeit und Oede der damals gc- wachsenen Städte und Stadtquartiere? Woher die trostlose Unwohnlichkeit des bürgerlichen Hanfes, an die sich die Menschen gewöhnt haben wie an etwas Selbstverständliches? Wie rväre es sonst möglich, daß aus dem eigentlichen Fest- und Freudenraum des Hauses die Banalität des „Salons" geworden ist, ein Ort des Schreckens: so gänzlich seelenlos, erkältend bis ins Innerste pflegen diese Räume zu wirken. Das Wissen von Kunflsachcn hat sehr an Verbreitung gewonnen und man gibt große Summen aus, Kunstaltertümer zu erhalten und in Museen zu zeigen, aber in gleichem Maße scheint stch die Kunst aus dem Leben zurückgezogen zu haben. Es wäre falsch, hier einzig das Verhältnis von Ursache und Wirkung anzunehmen, aber ein Zusammenhang zwischen dem Allgemeinwerden der historischen Kunstbetrachtung und dem Niedergang der künstlerischen Kultur besteht allerdings. In ungesunder Weise ist die Aufmerksamkeit von der künstlerischen Qualität auf den besonderen „Stil" abgezogen worden. Man pflegt sich nur noch dafür zu interessieren, ob das Stuck gotisch oder barock sei, Louis XIV. oder Louis XV., und die Frage nach dem Gut niid Nichtgut ganz nebensächlich zu behandeln. Bei einem Sammler ist ein derartig einseitiger Gesichtspunkt nicht weiter gefährlich, denn er schadet wenigstens nur ihnr selber, auf dre Produktion aber hat diese künstlerische Halbbildung verwüstend gewirkt. Die Gestaltungskraft wurde von Anfang an in ihrer natürlichen Entwicklung unterbunden, die Muster aus allen Jahrhunderten bedrängten den Sinn, bestimmte historische „Motive" ersetzten die künstlerische Form. Renaissanccgiebel Uber den Fenstern und ein italienisches Kranzgesims machten em Haus ^chön", gleichgültig wie es im übrigen gestaltet wird, und nut Schnecken und gewundenen Füßen wurden „antike" Möbel hergestellt, dre neben echten wie verwilderte Bastarde aussahen, vor denen sich aber in der bürgerlichen Wohnung die schlecht empfundenen und gut durchgeführten Stücke „vom Groß?- .pater her" zurückziehen mußten. lind das alles hat geschehen können, trotzdem wir unsere Museen und Borbildersammlungen haben, wo lauter erlesene Sachen beisammenstehen. Es scheint doch, daß das Gute nicht so o£ne weiteres für sich selbst spricht. Oder liegt der Fehler im System dieser öffentlichen Schaustellungen? Tatsache ist, daß sie sich als Bildungsanstalten schlecht bewährt haben. Das Motivwissen und die antiquarische Kennerschaft find groß geworden dabei, die künstlerische Bildung nicht. Und das wird so bleiben, solange die Museen nur Magazine sind, wo die Gegenstände, ihrer natürlichen Umgebung beraubt, notwendig falsch wirken. Steht da irgendwo in einem Bauernhaus ein alter Schrank, kurz und breitschulterig; er sieht so behaglich aus, so wobl ist mm m seinem Winkel, man meint, er müßte schnurren wie eine Katze hinter dem Ofen. Der Schrank wird für ein Museum «worben. Ist es wirklich noch derselbe? In hellem hohem Raum mit Glanzparkett, zusammengeordnet mit anderen schränken, hat er seine Wirkung vollständig verloren. Was in der niedrigen, dämmrigen Stube lebendig und gemütlich war, sieht jetzt tot und grob ans. In der (Situation lag die Stimmung, Nicht im Kasten an sich. Sobald die Situation zerstört ist, hört me Wirkung auf. , _ Das ist keine neue Weisheit. Einzelne große Museen haben das Prinzip auch praktisch anerkannt und den Ausstellungsgegenständen die Atmosphäre künstlich wieder geschaffen, aus der sie kommen und in der sie allein atmen könneii, und doch wird immer wieder dagegen gesündigt, und in der guten Absicht, zu -.'retten", unendlich viel natürliche Schönheit zerstört. Denn wer ist imstande, den versprengten Stücken von sich aus ihr Milieu zu ergänzen? , . . Mr das Laienpublikum bedeutet eine falsche Ausstellung telto»e ^lehung äur Augenrobeit. die Folge für das Kunst- Handwerk aber ist eben lene smnlose Verschleppung von Motiven, die nur an einem bestimmten Ort und in einem bestimmten Zusammenhang gut sind, daö dilettantische Hasten an Details und Einzelwitzen und die Entwöhnung von den räumlichen Ges amt Wirkung en. Die kunstgewerblichen „Vorbilder- ms. (Redakteur Franz Otto Schmid, Verlag Dr. Gustav Grunan in Bern.) Der Islam in Afrika. In einem Vortrag über „Deutschlands' Anteil an der G» ziehnng Afrikas" kommt Missionsdirektor Hennig von der Brüdergemeinde auch ans den Islam zu reden. Er sagt etwa folgendes: Nicht nur das Christentum treibt Mission, auch der Islam keimt eine solche. Der Islam?! Mer ist er nicht im Wsterben? Hat er nicht seine Rolle so gründlich ausgespielt, daß die alten mohamniedanischen Staatengebilde fast überall zu- famnreu gebrochen sind? Während die nwhammedanische Welt zerbröckelt, glimmt in ihr die unheimliche Glut eines stert- erwachteii religiösen Fanatismus, und gerade erst jüngst für den Halbmond gewonnene Gebiete scheinen, wie die Geschichte wiederholt gezeigt hat, das am leichtesten entzündbare Material zu einem Brande abzugeben, der schon wiederholt in der Geschichte der Welt seine verheerenden Wirkungen über die weitesten Gebiete erstreckt hat. Solch junger islamitischer Boden aber ist Afrika, ja gerade auch Teile des Kontinents, die als unsere Kolonieen uns am meisten interessieren. Bor zwei Menschenaltern noch wußten die Negerstaaten der Guineaküste kaum etwas vom Islam, heute habeil die mohammedanischen Hansa, die auf dein Weg des Handels ,Friedlichen" Vorarbeiter des Halbmondes, bereits in Togo die Küste erreicht, und im Hinterland von Kamerun hat die deutsche Kolonialregierung von 1898 —1902 bereits schwere Kämpfe mit mächtigen unb kriegerischen Fulbe-Sultanaken gehabt, staatlichen Neubildungen, bei deren Entstehen die Astst- breitung des Islam mit Feuer und Schwert eine Rolle gespielt hat. In Ostafrika war bis auf den schmalen Küstenstreifen, mit dem die Araber seit alters Handelsverbindungen unterhielten, Jahrhunderte lang kaum etwas tibn mohammedanischem Einfluß zu merken. Da begann von Sansibar aus die langsame, aber immer weiter ins Innere vordringende Invasion des Arabertums, 1820 wurde Tabora gegründet, in den vierziger Jahren waren die Handelsstraßen bis an die großen Seen gelangt. Nicht, daß man das Land für den Islam gewinnen wollte, nein, gerade daß die Eingeborenen Wäschensi, Heiden waren, gab ja das Recht zu den blutigen Sklaveu-Kriegen, die der Fluch Afrikas waren, bis die Ueberwindung des Sklavenhandels das Arabertums überwand und eine deutsche Kolonie schuf. Seitdem tritt der Araber in der Kolonie zurück, Mer fein Erbe —, wenigstens M der Achtung des Afrikaners — haben angetreten die Suaheli, fammlungen" sind wesentlich schuld an dem Ruin jener ftilt gestaltenden Raumkunst, die in früheren Generationen auch em ganz bescheidenes Zimmerensemble so reizvoll und wohnlich machte. Aber wir konservieren ja auch ganze architektonische Orga- Ulsmen, Kirchen und Profanbanten in ihrer vollen Existenz! Gewiß, aber die Forderung bleibt dieselbe: das größte Gebäude 'st kein Ganzes ohne feine räumliche llmgebung. Das Erhalten emer Architektur, die tu einem künstlerischen Zeitalter aus einer bestimmten Situation heraus und kür eine bestimmte Ansicht gebaut worden ist, hat seinen ästhetischen Wert nur bann, wenn eben auch diese räumlichen Bedingungen dieselben bleiben. Wird ein Erkerhauscheii, das in einem Winkel stand, in die ?t"cht einer neuen großen Straße hineingezogen, so kann «ich seine Wirkung so verkehren, daß aus dem Sinn Unsinn wird. Das weiß ledcrmann. Aber auch ein Tor, das freigelegt wird, hat damit das Wesentliche seines Charakters verloren. Es wird immer noch eindrucksvoller sein als eine bloße Tafel: „Hier stand—-", aber künstlerisch ist es eine Halbheit. Man soll sich das eingestehen, auch wenn man zugeben muß, daß die Verhältnisse für ein künstlerisch lebendiges Konser- vicren hier wesentlich schwieriger liegen als bei bloßen Möbeln. Der Sinn für die größeren Zusammenhänge hat auch hier erst wieder geweckt werden müssen. Auch hier hat der künstlerische Dilettantismus die längste Zeit sein Genügen am Einzelnen gefunden, als ob das was Rechtes wäre, da ein Türmchen zu erhalten, und dort eine kleine Fassade ohne ihre Situation. In vielen Fällen sind aber die Schwierigkeiten für Wahrung des originalen, Raumeindrucks nicht unüberwindlich. Man kann zu feiten eines alten Tores neue Fahrbahnen schaffen und diese Fahrbahiien so überbauen, daß trotzdem wieder ein geschlossenes Bild entsteht, und wenn der Geist der Stadtverwaltung nicht gar zu amerikanisch ist, so könnte manches Plätzchen und mancher Einsprung au der Straße gerettet werden, an dem eine alte Architekturwirkung hängt, ohne daß der Verkehr Schaden litte. Man denkt aber überhaupt vielzuviel bloß an Fassaden und Tore, lüenit man von der Erhaltung alter Städtebilder St. Es gibt Raumschönheiten ohne besondere architektonische ilduug, die ebenso geschont fern wollen. Darin liegt ja eben der Zauber altertümlich gebliebeiier Orte: die große Menge von charaktervollen «Situationen, die Mannigfaltigkeit der Motive in Wegsührung und Platzbildung, die gegenüber der Nichtssagenden Monotonie moderner Stadtanlagen der Seele so viel Nahrung geben. lieber solche Dinge handelt klug und anschaulich das neuefte Buch von Schultze-Naumburg Städtebau, das allen Freunden des Heimalfchutzes aufs eiiidringlichste empfohlen fei. 256 Redaktion: Ernst Heß. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'jchen Universitäts-Buch- und Steindrnckerei, R. Lange, Gießen. kenes Mischvvlk, das an der Küste entstanden, Religion, Kleidung und Sitten der Orientalen angenommen hat. so. gering ihre Bildung so äußerlich ihre Religion fern mag, so sehr sie allen alten afrikanischen Aberglauben dabei beibehalten haben mögen, fa vielleicht gerade darum sind sie dem Afrikaner ein verwandtes, verständliches und Tank der rücksichtsivsen Blutarbert ihrer arabischen Vorgänger doppelt gefürchtetes Volsi Ihre Sprache ist die Handelssprache geworden. Ern großer, Teil des Handels liegt iil ihren Händen, namentlich des Kleinhandels, .der sie überall binführt, und sie treiben diesen Handel nut dersKmn skruvellosen Rücksichtslosigkeit gegen das Land und den Ein- gebvrcnen, den sie in der Schule „der Araber gelernt .haben so sind sie eine schwere Gefahr für eine gesunde wirtschaftliche Entwickelung der Kolonie. Zugleich sind sie, wo sie auch erscheinen, die Vorläufer des Islam und bereiten ihm den J&.g, m?an fnnn freilich das Land weit durchziehen, ohne etwas von diesen Folgen ihrer Anwesenheit zu merken, ^ch Mssrerte eimm Kamp mit mehreren Hunderten von Eingeborenen. Em Weg- oder Brückenbau hatte sie zusammengefuhrt. Der emw- väische Leiter desselben erzählte voir seinem ..eben nut den Eingeborenen. Vor einem Jahre noch hätten sie, wenn er einmal ein ^Wildschwein erlegte, jubelnd die Beute heimgehvlt und sich wohlschmecken lassrm. Heute rühre niemand das „unreine Falsch an^ Ms er gekommen, wären die Leute aufs armseligste g^ kleidet gewesen, nur ein Grasbüschel hätte sie gedeckt. Heut trngeil sie Kleider, heut „lernten sie, sie wollten nicht langer Waschensi sein, — seitdem Handwerker von der Küste un Kamp eingezogen wären. Ja beim Fasten seien Plötzlich, zwei u-vemde ausgetaucht und hätten „gepredigt". Dies em kleines Bild der Missionsarbeit des Islam. Er hat eine Waffe, vor der sich der Afrikaner beugt, die souveräne Verachtung der Herden! Wenn die Mission säumt, diese Gebiete für das Ghrrsteisium zu gewinnen, so gewinnt sie langsam aber sicher der Islam. * Die Gefährlichkeit der Primel. ES sind eine ganze Reihe von Fällen bekannt geworden, in ocnen sich dre Primel, wie wir sie sehr häufig als Zimmerzierde finden, als eine sehr gefährliche Freundin gezeigt hat, rind zwar handelt es sich bisher fast 'stets um Hautkrankheiten oder um Augen-- entzündungen, die auf den Einfluß der scharfen Härchen ent et I bestimmten Primelart (Primula vbconica) zurückzuführen sind. Daß dadurch aber auch noch ernsthaftere Leiden entstehen können, geht aus einer Mitteilung im „Lance" hervor. Eine Frau tnt Alter von 29 Jahren litt gerade an der Influenza, als sie on einer Primel roch und gleichzeitig ihre Nase rieb. Die letztere schwoll ziemlich schnell an, bekam eine tiefblaue Färbung und eine ganze Reihe von Eiterstellen wie bei Karfunkeln. Damit war es aber noch nicht abgetan, sondern es bildete sich eine, richtige Blutvergiftung heraus, wobei Schwellung beider Äkugenlider und dann zerstörende Vorgänge in den tieferen Gewebsschichten des vorderen und des behaarten Teiles des Kopses folgten. Nach einer Woche starb die Patientin mit den Anzeichen der Lungenentzündung und eine Sektion ergab die Richtigkeit der Diagnose; zugleich fand sich aber auch eine Vereiterung der Lungen. Ter betreffende englische Arzt hatte schon vorher zwei andere ähnliche Fälle beobachtet, in denen das eine Mal ebenfalls der Tod eintrat, das andere Mal jedoch Genesung erfolgte, aber erst nach langem Siechtum. * Stammbaumgeschichte der Blutbuche. Wer seinen Wald und seine Bäume liebt, hört auch wohl gern mal etwas aus ihrer engeren Familiengeschichte. Ta ist zum Beispiel unsere Buche; Rotbuche, Waldbuche wird sie auch genannt. Schon bei Nennung ihres Namens geht dem deutschen Menschen das Herz auf; ihm steigen alsbald die Stunden empor, da er andachtsvoll durch ihre hohen, schweigenden Hallen schritt oder bei Sonnenbrand im Schatten ihrer breiten, weitausgreifenden Laubfchirme rastete. Er nimmt aber auch gern Kenntnis von Tingen, die die „Stammesgeschichte" des Baumes angehen. Seine berühmteste Abart oder Spielart ist die Blutbuche mit den tiefdunkeln purpurnen Blättern. Bis vor kurzem mußte angenommen werden, daß all die schönen blutlaubigen Stämme und Stämmchen, denen wir in Anlagen, Parken, Gärten, begegnen, von der bekannten großen Vlutbuche der Hainleite im Revier Oberspier bei Sondershausen stammten. Dieser sorgsam gehegte Baum (vergl. H. v. Salisch, Forstästhetik), der im Jahre 1772 erstmalig erwähnt wird, der demnach rund 200 Jahre alt ist, hat in Brusthöhe 1 Meter Durchmesser, ist 27 Meter hoch und beschirmt einen Umkreis von 22 Meter Durchmesser. Seine Mast (so nennen Forst- und Weidmänner die Eicheln, Bucheckern und Kastanien) ergibt bei der Aussaat 50 bis 60 Proz. Blutbuchen, das übrige schlägt in die grünlaubige Stammart zurück. Wie ist der Baum an seinen Standort gekommen? Aller Wahrscheinlichkeit nach spontan, das heißt also von selbst, ohne menschliches Zutun, aus einem Samenkern, dem, obgleich er von einer grünen Buche stammte, die Tendenz innewohnte, eine purpurblättrige Pflanze hervorzubringen; er schlug eben aus der Art, sie das ja auch in Menschenfamilien vorkommt. Noch wenig bekannt ist nun die Feststellung von Professor Jäggr in Zürich, daß schon fast hundert Jahre srüher (1680) drei beieinander stehende Blutbuchen in Buch am Jrchel, Kanton Zürich, beschrieben worden sind und zwar ausdrücklich als eine sonst nirgends vorkommende Erscheinung. Als solche werden dieselben Bäume auch in einer späteren Schilderung, in Schenchzers Naturgeschichte des Schweizerlandes (Zürich 1706) hingestellt: „Dreh Buchen, welche von der gemeinen in ganz Etiropa bekannten Art darinn abweichen, da sie ihr buntes Kleid beizeiten, zu anfang des Sommers nnlcgen und sonderlich um das H. Pfingst-Fäst eilte wunderlich schöne Rothe dem Gesicht vorstellen, sodaß die rund in die zwey Stund umher wohnende Bliuren dannzumal häuffig sich herbey sammeln um von diesen blutroten Bäumen Blätter und Aestlein abzubrechen und auf den Hüten nach Hanß zu Hauß tragen." Einer der drei Bäume (von 2.91 Meter Umfang, aber nur 5Vs Meter Höhe) ist noch am Leben. Des weiteren ist bei Rovereto in Tirol eine Stelle bekannt, wo die Blutbnche spontan aufgetreten ist. Auch in der Gemeindesörsterei Manderscheid (Regierungsbezirk Trier) ist eine ebenfalls auf 200 Jahre geschätzte Blutbuche vorhanden, die nach dem Zeugnis des dortigen Oberförsters, zweifellos nicht von Menschenhand gepflanzt worden ist. Die jüngste, erst fünf bis sechs Jahre alte, neuerdings erwähnte Blutbuche findet sich in der Oberfiftsterei Rötgen (Reinland) und entstammt der natürlichen Aussaat einer grünlaubigen Mutter (S. Verhandlungen, des Naturhistorischen Vereins der Nheinlande 1905, I. Bonn). Von der Familiengeschichte unseres Baumes ist nach dem allen also nun so viel b.tannt, datz die allberühmte Blutbuche von Sondershausen weder der älteste noch der einzige ansehnliche, Stamm seiner Art in den Ländern deutscher Zunge ist (Pftopslinge natürlich ausgenommen) und daß auch heutzutage noch hier oder da einmal ein Samenkern [eine grüne Tradition in den Wind schlägt und einen jungen Baum zur Welt bringt, der sich in Purpur kleidet. Darauf zu warten, würde aber eine ebenso starke wie unnötige Geduldsprobe fein, indem uns die vorhandenen alten Blutbuchen jungen Nachwuchs in Menge liefern. — lieber ihren ästhetischen Wert äußert Salisch, daß z. B. I die Blutbuchen des Ettersburger Reviers bei Weimar in der Maienzeit einen herrlichen Gegensatz zu dem jungen Grün ihrer Umgebung bilden; er mahnt aber gleichzeitig zur Vorsicht, tnbem die allzu zahlreiche Verwendung dieser auffälligen Holzart das Waldbild unruhig machen würde. Sehr richtig. Aber em Quartier alten geschlossenen Blutbucheiibestaudes, an gewählter Stelle des Forstes postiert, möchte, zumal in Stunden, wo fein purpurfarbiges Laubwerk von der hochstehenden Sonne durchglüht tmrd, ein Schaustück höheren Ranges sein. T. Heldentat des Leutnants Helwig am 15. Oktober 1806. Schon am Tage nach der unglücklichen Schlacht bei Jena ergab sich ohne Schwertstreich Erfurt mit 80 000 Verwundeten und 6000 Unverletzten nebst 120 Kanonen. Es war em Teil der Trümmer des preußischen Heeres unter Möllendorf und dem Prinzen von Oranien. Von diesen Gefangenen wurden 9000, die transportabel waren, nach Eisenach unter ganz schwacher Bedeckung abgeführt. Voran ging eine Kompagnie französische Linieninfanterie, 140 Voltigeure zogen zu beiden Seiten der Gefangenen, den Schluß des Zuges bildete wieder eine Kompagnie Infanterie. , _ , . , Durch die Gefechte bei Saalfeld abgeschnitten, stand m der Gegend von Eisenach das preußische Hufarenregiment von Plötz; dabei war der kühne Unterleutnant Helwig. Er erfuhr, daß die Bedeckung der Gefangenen nicht groß sei, und da er über den Gang der Dinge empört war, lag ihm nichts daran, um» j zukommen, wenn er sich nur an den Franzosen rächen konnte. Er machte darum seinen Vorgesetzten den Vorschlag, die Gefangenen zu befreien, .die durch Eisenach kommen sollten. Mml fand das Unternehmen zwar abenteuerlich, aber man gab ihm doch 50 Husaren und fünf Unteroffiziere von der zweiten Schwadron. Major Graf von Götzen übernahm die Verantwortlichkeit bei dem König. Mit diesen 55 Mann legte sich Helwig ins Gehölz an der Straße. Der Zug kam heran. Er ließ die Vorhut und die Voltigeure vorbei; als aber die Nachhut herankam, fiel er blitzschnell aus dem Gehölz auf die ahnungslosen Franzosen. Diese wagten keinen Widerstand, sondern streckten die Gewehre. Die übrigen Franzosen stoben nach allen Richtungen auseinander. Alle Gefangenen waren nun frei. Für feine Heldentat erhielt Helwig ans den Händen der Königin Luise den Verdienstorden, und der König ernannte ihn zum Rittmeister. Logogriph. Mit m des Landes Stolz und Ehr, Mit h entwertet, hohl und leer. W. Auflösung in nächster Nummere Auflösung des Scherzrätsels in voriger Nummer r Das Clavier.