e S t l > t t t t i. Mittwoch dm 3. April 1807 n -T I 3 L> 8 8 WM D Ä 1 Aem Irrlicht nach. Roman von Alexander Römer. Nachdruck verboten. (Fortsetzung.) In Roderichs Augen war das eigentlich ein ganz unerhörtes Verbrechen von Sylvias Seite. „Ach ja, Roderich!" entgegnete sie auch ganz bestürzt und sich plötzlich ihrer Missetat bewußt werdend. Sie ging wirklich so in Roderichs Interesse auf, daß sie seinen Anspruch gerechtfertigt fand; diese sonderbare Begebenheit platzte aber so dazwischen, daß ich sie dir hoch erst berichten mußte. Ich habe übrigens keinen Augenblick an dem Erfolg deines Dramas gezweifelt, sie waren natürlich alle begeistert. Bitte, bitte, erzähle." Roderich ließ sich erbitten und erzählte, und diese Erzählung klang sehr glanzvoll, ohne jegliche Schattenstriche. „Du bist ein kleines gutes Ding", schloß er gönnerhaft und streichelte das weiße Händchen, das rieben ihnr auf der Tischiplatte lag, „ein Urteil hast du freilich nicht, aber du vermagst mit- und nachzuempsiuden. Dieser Paul Hendrichs ist übrigens ein unleidlicher Patron, du erinnerst dich seiner natürlich kaum noch, ich werde ihn aber einmal einladen müssen, man weiß nicht, wie man diese Sorte von Menschen mitunter braucht." Sylvia nickte, sie war zerstreut und achtete auf den schon vorher genannten, eben wiederhorten Namen gar nicht,' Roderich war sehr befriedigt von ihrem Gebaren. „Hielt denn der langweilige Philister, der Doktor Villatte, hier gestern abend aus bei all den ergötzlichen Familienszenen?" fragte er weiter. „Was sollte er machen? Er war doch einmal da. Ueb- rigens wurde der Abend nachher, als Mama sich mit der Tante zurückgezogen hatte, noch ganz gemütlich und so langweilig. Wie du ihn findest, ist der Doktor eigentlich nicht. Du magst ihn nur nicht leiden." Roderich warf einen scharfen Blick auf seine Nachbarin. „So", bemerkte er in sarkastischem Ton, „du findest ihn also amüsant, weil er dir schmeiiyelt und in aller Form die Cour macht. Heirate ihn doch und bereite dich vor auf das Los, seine Bücher abzustäuben und gelegentlich einen Brocken von seiner Weisheit aufzusangeu, den du dann Wiederkäuen kannst. Gelehrte Gespräche mit ihm zn führen, wie Erna, das ist nicht dein Fall, Kleine, also würdest du wohl nur als Echo figurieren. Bist eigentlich zu hübsch und frisch dazu." „Roderich, wie abscheulich bist du heute morgen!" Sylvias Augen waren von verräterischen Tränen verschleiert, und der gestrenge Pascha schaute etwas besänftigt auf sie. „Nun, sei ruhig, Schäfchen, ich denke, du nimmst ihn noch nicht, und ich — na, ich will's dir nur sagen, ich würde dich grausam vermissen." Sylvia schüttelte energisch ihre Tränen zurück. „Glaub nur nicht, daß ich so dumm birr", sagte sie trotzig, »dein Haß gegen Doktor Villatte ist die helle Eifersucht, und weil ich ein paar Jahre jünger bin als du, meinst du, du Müßtest mich noch erziehen. Ha, ich kenne dich gründlich!" Roderich lachte und schlang jetzt den Arm um sie. Er wollte ihr einen Kuß rauben, wie er es früher wohl getan, aber sie wich zurück und entwand sich ihm. Eine jähe Purpurwelle färbte ihr Antlitz und Nacken, und er sah sie stutzend an. Auch ihn, dem es an Kühnheit nie gebrach, überkam eine Art von Verlegenheit, er hielt der sich Sträubenden Hand noch fest und führte allerlei Reden, die Scherz sein sollten, aber gezwungen klangen. Da erscholl plötzlich dicht neben ihnen ein lautes Lachen. Sie wandten sich erschreckt um und erblickten die Tante Cöle- stine. Sie hielt ihnen ihre beiden Hmrde entgegen und warf sich, noch immer lachend, in den Sessel. „Guten Morgen, ihr lieben Kinder! Verzeiht, aber die Situation, in der ich euch zuerst finden mußte, war zu komisch. Apoll und Daphne — entzückend! Ihr saht alle beide reizend aus. Mein Neffe Roderich, natürlich — o, ich erkenne die Züge des Knaben wieder. Welch ein schöner Mann bist du geworden, mein Roderich! Diese Apollostirn, dieses reiche Haar, diese gebogene Nase! Der Genius leuchtet mir entgegen aus deine« Zügen, und das da ist dein Pslegeschwesterchen, Sylvia. Komme her, Sylvia, küsse mich, Kind. Mein ganzes Herz flog dir scho« gestern beim ersten Sehen entgegen." Die Dame trug heute morgen einen langen Schlafrock von türkischem Gewebe, mit einer roten Schnur um den Leib gehalten, das Gesicht wies Spuren von Puder rmd Schminke, und ein starker Moschusduft ging von ihrer Person aus. Sie redete rasch und lebhaft, in einem weichen, zärtlichen. Ton, und ihr Zuhörer heute morgen war an so starte Dosen von Schmeicheleien gewöhnt, daß die ihren ihn nicht mehr schreckten. Auch Sylvia fühlte sich, trotz vieles Absonderlichen, gefangen von 'd-en süßen, girrenden Tönen, die an ihr Ohr schlugen. Bisher hatte nur die Koinmerzienrätin sie mit solchen Zärtlichkeiten verwöhnt, bei den übrigen Familiengliedern vermißte sie dergleichen Gefühlsüberschwenglichkeiten, und ihre Seele verlangte im Grunde darnach. So ließ sie sich denn auch von der Fremden küssen und mit Liebkosungen überhäufen. - Roderich sah halb belustigt, halb gefesselt, ein wenig von oben herab, wie es seine Art war, auf die Sprecherin, die sich gebcrdete, als sei sie hier lange zu Hause. Es war ein krauses Durcheinander, was von ihren Lippen sprudelte. Klagen einer heimatlosen Wanderin, Reiseerlebnisse, farbenreiche, teils glanzvolle Bilder, die sie geschickt und fesselnd darstellte. Ihre Zuhörer lauschten gespannt. Sie war vollständig anders als alle Menschen ihres Umgangskreises, man konnte sie sich kaum dazwischen denken, aber sie wirkte unbestritten. Roderich, der sonst ungern andere lange reden ließ und die Kunst des Zuhörens gar nicht besaß, verhielt sich ungebührlich lange schweigend und horchte diesem wunderlichen Wortschwall. Was für ein Leben mußte die geführt habe». In atemlosen Sprüngen ging es von den Bergketten Kaliforniens an die Westküste Mexikos, wo die reizende Villa am stillen Meer, umblüht von tropischen Gewächsen, unter denen Schlangen und Skorpionen lauerten, vor den Blicken erstand, und wo der Indianerhäuptling Lopada zu ihren Füßen hockte, mit d« gebändigten Klapperschlangen um Hals und Brust gewunden. 194 beiden patzt ja und küßte sie Die verschie- schwer mag das beinern Naturell eingehen! Ihr wie Feuer und Wasser." Sie hatte Sylvia in ihre Arme genommen wiederholt. „Reizendes Kind, mein kleines Vögelchen!" aber in ihrem verdrietzlichen Ton. „Erna ist so furchtbar pedantisch", setzte sie, zur Tante gewendet, hinzu. „Das merke ich", rief dieie, „mein sützes Herzchen; wie Daun war man in Paris auf den Boulevards und bei den Buttes Chaumont, wo sie den großen Gambetta begrüßt, der ihr, der einzigen Deutschen, welche Schick und Temperament habe, die Hand geküßt. , „Ach, und da war ment göttlicher Zerntal noch an meinet Seite!" unterbrach sie sich mitten im Erzählungsstrom; „der göttliche, der sich nie auf der Erde zurechtfinden konnte. War es ihm anzurechnen? Ich habe ihn nie verurteilen können.", „Zernial ist dein Gatte, liebe Tante?" gelang es Roderich ! jetzt, einzuschalten. „Ist er nicht mehr am Leben?" „Wollte Gott, ich könnte es dir sagen, mein Roderich, aber seit Jahren fehlt mir jede Kunde von ihm. Ihn trug sein Feuergeist weit fort, immer zu hoch — immer zu hoch — wie ich schon sagte, die Erde war nicht sein Terrain." „Das ist freilich fatal", meinte Roderich trocken, „denn außer derselben ist gerade kein Raum für uns Menschen vorhanden." Die Tante belustigte ihn ungemein. „Ach, daran ist er ja auch zugrunde gegangen, mein Junge", fuhr diese unbeirrt fort, „und ich mit ihm, ich Unglückselige." I Sylvia blickte in höchster Verwunderung in das belebte, in seinem wechselnden Mienenspiel nicht reizlose Gesicht der Sprecherin, welche zwischen dem Reden sich ungestört ihr Weißbrot mit dicker Butter bestrich, den Eiern und dem Schinken herzhaft zusprach und unter der Not des Lebens noch nicht ganz geknickt schien. „Und ihr — ihr lebt hier wie die Philister, natülich", sagte sie jetzt, „furchtbar materiell, furchtbar solide, und die Sterne am Himmel laßt ihr stehen. Den anderen macht das auch keinen Kummer, dem Herrn Schwager, meiner guten Schwester Friederike und ihrer Tochter Erna nicht, so viel sah ich schon gestern abend; aber ihr beiden, ihr seid von anderem Schrot und Korn. Dein Geist, Roderich, nimmt einen andern Flug — o, du ahnst nicht, wie ich mich auf Physiognomien verstehe! Ich lese den Menschen die heimlichsten Gedanken aus der Seele. In dir lebt und strebt Großes, und Sylvia ist dir ebenbürtige Gefährtin — zarte Psyche, die erst an deinem Licht erwacht." Roderich lachte, auch Sylvia; aber sie fanden beide die Tante gar nicht so übel, und Roderich meinte, sie verrate in der Tat einen scharfen Blick und viel Menschenkenntnis. Sie hatte alle Familienglieder richtig charakterisiert. Erna unterbrach die lebhafte Unterhaltung durch ihren Eintritt. Sie hielt den Schlüsselkorb in den Händen, sie kam aus den unteren Wirtschaftsräumen herauf und begrüßte die Tante, welche sie heute morgen noch nicht gesehen, in ihrer ruhigen, freundlichen Weise. Ihre Gegenwart gab der Sitzung sofort einen anderen Charakter. Ihre klugen Augen überflogen die Gruppe; die vertrauliche Harmonie, welche bereits herrschte, schien sie nicht gerade zu erretten. „Papa lägt dir sagen, liebe Tante", redete sie jetzt diese an, „daß er dich in seinem Zimmer erwarte, sobald du gefrühstückt habest. Er wünschte allerlei mit dir zu beraten." „Euer Papa ist merkwürdig unverändert", erwiderte die Tante, „er sah wirklich schon genau so aus wie jetzt vor zwanzig Jahren, als ich ihn zuletzt sah. Es gibt Leute, die nie altern, weil sie nie jung gewesen sind. Du, liebe Erna, gleichst deinem Vater ungeheuer." Erna sah mit einem eigentümlichen, offenen und geraden Mick und einem humoristischen Lächeln um den Mund in das Antlitz der Tante, was diese beinahe verlegen machte. „Du kennst uns alle noch nicht, Tante", meinte sie, „wir Müssen wohl erst längere Zeit nebeneinander leben, ehe wir gegenseitig ein Urteil fällen können. Sylvia, du hast heute um elf Uhr deine Malstunde, es ist die höchste Zeit, daß du dich bereit machst, um in die Stadt zu fahren." Sylvia erhob sich zögernd. Diese Malstunden waren noch vor wenig Wochen der brennendste Wunsch ihrer Seele, sie hatte sie sich vom Vater erkämpft, erschmeichelt, jetzt war die neue Passion, wie schon manche andere vor ihr, bereits stark im Erlöschen, und im Augenblick paßte ihr die Stunde gar nicht, sie hätte viel lieber mit der neuen Tante weiter geplaudert. So meinte sie denn auch gedehnt, es fei kein Unglück, wenn sie sie auch einmal versäume. Erna rückte ihr den Morgeiikragen, der etwas schief saß, zurecht und zupfte sie dabei leise. „Mach rasch", raunte sie ihr zu, „du weißt, was Papa zu einer Versäumnis sagen würde! Du hast ihm noch vorgestern hoch und heilig beteuert, daß es dir rechter Ernst damit sei." Ernas Weise war gutmütig mahnend, beinahe mütterlich. „Es ist mir ja auch Ernst damit", versicherte Sylvia, densten Schmeichelnamen kamen von ihren Lippen. Erna stand steif, mit sonderbarer Miene daneben, Roderich sah spöttisch auf die kleine Szene. „Komm, Sylvia", sagte er dann im Ton des Gebieters, „ich fahre auch in diie Stadt, da will ich dich mitnehmen. Reiße dich für ein paar Stunden los von deiner neuesten Eroberung. Du bleibst hoffentlich noch länger bei uns, Tante?" „O gewiß, ich bleibe bei euch! Ich fühle mich bereits so heimisch, daß mir alle Wanderlust vergeht." Ernas Züge spiegelten etwas zu deutlich ihre bedenklichen Gefühle wieder und auch auf Roderichs Zügen lag gerade kein Freudenschein bei dieser Aussicht. Als er und Sylvia gegangen war, herrschte eine Weile Totenstille in dem Frühstückszimmer. Die Tante lehnte im Sessel, stocherte in ihren Zähnen und gähnte, Erna ftihlte etwas Prickelndes in sich heraufsteigen, so ruhig sie auch meist erschien; ihr Temperainent machte ihr auch zu schaffen. „Paßt es dir jetzt vielleicht, zu Papa zu gehen?" fragte sie endlich. „Er fährt später in die Stadt." „Ich muß doch erst Toilette machen, Kind, und im übrigen begreife ich gar nicht, was dein Vater mir so eilig zu sagen hat. Ich bin sehr angegriffen von der Reise, ich redete mit deiner Mutter bis tief in die Nacht hinein. Der Herr Kommerzienrat mag ruhig an feine Geschäfte gehen, ich stehe später ihm jeden Augenblick zu Diensten. Ah, reizend! Welch ein süßes Geschöpf ist sie!" Sie war beim Ton eines rasselnden Wagens lebhaft aufgesprungen und nickte jetzt vom Fenster aus Sylvia zu. In Hellem Jackett und weistem Federbarett saß diese an Roderichs Seite aus einem kleinen, eleganten Cab, den Groom hinter sich. Sie hielt die Zügel, das schlanke, feingliederige, glänzend schwarze Tier mit dem silberbeschlagenen Zaumzeug scharrte unruhig mit den Hufen. , . Sylvia sah jetzt sehr vergnügt ans, plauderte mit ihrem Begleiter, nickte den am Fenster Stehenden zu — Erna war auch neben die Tante getreten — und gab dem Pferde Schmeickielnamen. Es war ein frisches, hübsches Bild. Auch Roderich wandte sich und grüßte zurück; Erna fand, daß er sehr gut aussehe, sie, die eine so kritische Schwester war. Tante Cölestine rief einmal über das andere: „Wie reizend sieht das Paar aus, entzückend, famos!" Sie machte aber iwch keine Miene, au ihre Toilette zu gehen, was Erna freilich, menn sie sie näher musterte, dringend nötig erschien. Das Haar mit seinen vielen falschen Unter» und Auslagen war in genialer Unordnung aufgesteckt und unter einem winzigen, mit hochroten Bändern garnierten Spitzendeckel verborgen, am Saum des türkischen Schlepprocks hingen bedenk- | liehe Fransen. Die Figur erschien in diesem ungefesselten Zustand ungleich älter als gestern abend — Erna, der peinlich ordentlichen Erna, war solch ein Anblick ein Greuel. Frau Cölestine Zernial trällerte eine Tanzmelodie, ging mit schwebenden Schritten durch die folgenden Gemächer und erblickte im letzten derselben den Flügel. Sie öffnete ihn hastig und ließ ihre Finger über die Tasten gleiten. „Wer ist hier im Hause musikalisch?" fragte sie. „Roderich", erwiderte Erna zögernd. „Er ist sehr begabt, zersplittert sich nur nach meiner Meinung. Er komponiert, schriftstellert —" _, ., „Ha, dachte ich es nicht", unterbrach sie die Tante, „ich las es auf seinem Antlitz, sobald ich ihn erblickte! Und das nennst du zersplittern. Kleine — freilich, seine Kunst wird sich nicht in Zahlen fassen und in bare Münze umsetzen lassen. Hier — geschriebene Noten — eine Partitur — et, ei!" Sie hatte sich auf den runden Klaviersessel gesetzt und begann zu spieleit. Mit großem Vollklang rauschten die Akkords die Triller und Kadenzen, für ein ungeübtes Ohr klang es ganz brillant, aber Erna, welche selbst nie die Tasten berührte, I hatte unglücklicherweise ein sehr feines Gefühl für Klarheit und Präzision im Spiel, und davon war hier keine Spur. Es waren Partien aus Roderichs Oper, mit brillanter Geläufigkeit und jedenfalls viel angeborenem Talent vom Blatt sefp""' aber das Matte, Dilettantenhafte, hie und da Forcierte hatte Erna nie so aus des Bruders Machwerk entgegengeklungen als [ hei dieser inkorrekten Wiedergabe. — 196 — ihre deren Gemütsart fest ans Herz sie denken konnte, für Sylvia tragen, ihre Herzeusergießungen geglichen. Das kleine, lustige, mitgesorgt, Sylvias Launen er- angehört, ihre Unordnungen aus- hübsche, schmeichelnde Wesen ge- Reize? Machte solch ein hübsches Lärvchen, ein kokettes Augen- spiel und süßes Kindergeplapper ihnen die Sinne wirr und die Augen verblendet? Ihre Brust hob sich ungestüm, ein Sturm wogte Va ihr herauf, wie niemand ihn in der ruhigen Erna vermutet. Sie sprang auf und trat vor den Spiegel, sie löste ihr reiches blondes Haar, um es für die Mittagstoilette zu ordnen. hörte zu ihrem Leben. Erna setzte sich, die Hände im Schon gefaltet, an das Fenster, das nach dem Garten hinaus lag. Die Aussicht auf die Elbe und ihre Ufer war von hier aus sehr schön, drinnen um- gab sie die zierlichste Behaglichkeit. Es war sonst nicht ihre Art, in den Morgenstunden zu feiern, heute aber fühlte sie sich anS dem Geleise und es wirbelte in ihrem Kopf. Die Gedanken kamen und gingen und fluteten wild durcheinander, sie atmete kurz und schnell. Diese Tante, die da gestern ins Haus geschneit war, brachte Unheil, wie eine Ahnung stieg es ihr herauf, sie hatte sich heute morgen eines leisen Grausens nicht erwehren können, so lange sie in ihrer Nähe war. Und Sylvia io ar so recht darnach angetan, sich von solch einer Persönlichkeit beeinflussen zu lassen. Daneben — der gestrige Abend hatte ihr noch mehr Eindrücke gebracht. Doktor Villattes Benehmen gegen Sylvia war ihr ausgefallen — auch das ihre zu ihm — sie hatten dagesessen Hand in Hand. Bisher hatte sie gemeint, er tändle mit ihr, wie alle es taten, wie man mit einem Kinde tändelt, denn Sylvia war ja noch ein rechtes Kind. In ihrer flatterhaften. Seele haftete kein ernster Gedanke. Und Villatte war eine tief angelegte Natur. Sie hatte ja Gelegenheit gehabt, in sein reiches Geistes- und Gemütslcben zu schauen, er war stets offen und Mitteilsam zu ihr gewesen und hatte ihr von all seinen Interessen geredet. Sie teilte sie, sie verstand ihn in jedem Zug seines Wesens. Hängt sich das Männerherz immer nur an die äußeren Wangen gliihten und ihre Augen hatten einen fremden Glanz. (Fortsetzung folgt.) ihr Zimmer. , Die Mama lag noch im Bett mit heftiger Mrgrane, Erna war schon ein paar Mal bei ihr gewesen, aber stumm abgewiesen worden. Mit schwerem Herzen stieg auch sie jetzt die Treppe in den oberen Stock hinauf, wo chr freundliches Gemach neben dem Sylvias lag. Die Pflegeschwester, nm zwei Fahre jünger als sie selbst, Ivar ihr trotz ihrer Fehler und gänzlrch am- gewachfeu. Sie hatte, so lange Bei dem rauschenden Getose mit vollem Gebrauch des Pedals hatten beide das Oeffnen und Schließen der Tür überhört und erschraken, als der Hausherr plötzlich neben ihnen stand. Der Kommerzienrat hielt sich mtt beiden Händen die Ohren iZu-d^ ^^mels willen, du rasest ja auf dem unglücklichen Instrument, als sei der Teufel losgelassen, Stine", tagte er. ,,^ch habe schon Angst genug, daß mir der schöne Flügel einmal unter Roderichs Fäusten zu Grunde geyt, aber du ichemst ihm, was Tastenhämmern betrifft, noch über zu sein." . Es war eine boshafte Angewohnheit von ihm, aus früheren Zeiten stanunend, daß er den Taufnamen seiner Schwägerin, den diese in ihrer Jugend in Celeste umzuwandeln liebte, konsequent in das bäuerliche, vulgäre „Stine" umgestaltete. Er hatte von jeher behauptet, diese Abkürzung passe am besten. Frau Zernial stieß einen Schrei aus, als sie den Schwager erblickte, und hielt sich die Schläfen, als sei sie einer Ohnmacht ""^'Lieber Walldorf — verzeih — aber wirklich — auf Nerven nahmst du nie Rücksicht. Wie kommt es nur, daß bu arme Friederike das erträgt, die ihren waren von feher schwach. „galten aber immer noch aus, Stine, und ich denke, mente Rieke befindet sich im allgemeinen ganz wohl. Um nun zu hören, wie es mit deinem eigenen allgemeinen Wohlbefinden steht, mochte ich dich ersuchen, ein Weilchen mit mir in mein Arbeitszimmer zu kommen." , , . Frau Celeste erhob sich graziös, ein wenig schwankend. „Wenn du mein Morgenkostüm entschuldigen willst , sagte sie. . ■ . Der Schwager musterte mit einem rnfchen, scharfen Blick dieses Morgenkostüm und machte eine sehr widrige Miene dazu, die Erna kannte. Sie schüttelte für sich den Kopf, als sie den beiden nachblickte, und ein schwerer Seufzer ftieg_ ihr herauf. Die brachte noch mehr Wirrivarr und Zwiespatt ins Haus. Die Unterredung zwischen Schwager und Schwägerin ward wohl etwas stürmischer Natur, sie dauerte wenigstens recht lange, und Erna hörte ein paarmal, wenn sie bei ihren häuslichen Ob- liegenheiteii zufällig an des Vaters Tür vorüberkam, feine laute, zornige Stimme und weibliches Klagen und Schluchzen, -xjyt Herz zitterte dabei, und sie trug Sorge, die Dienerschaft während dieser Stunde aus der Hörweite der hcikeln Debatte zu entfernen. Endlich erschien Frau Zernial mit hochgerötetem Antlitz, rauschte, ohne Erna zu bemerken, welche am Ende des Ganges am Wäscheschrank hantierte, an ihr vorüber und hinauf in Zus der Jugendzeit^ Erinnerungen eines alten Gießeners. Nachdruck verboten. III. Das tolle Jahr. Wenn ich auch noch nicht 13 Jahre alt war, so hatte ich doch schon eine Ahnung, daß in Deutschland nicht alles war, wie es sein sollte. Ich hatte ausgeschuappt, daß mein Vater als Student der Burschenschaft angehört hatte, und daß er wegen Freisinnigkeit nach Oben nicht gut stand. Auch von Verfolgungen Freisinniger, vom Tode Weidigs im Gefängnis hatte ich gehört. Tie religiösen Kämpfe, in die mein Vater verwickelt war, hatte ich, soweit es den letzteren Betraf, gewissermaßen miterlebt. Tenn die Schriften, die mein Vater in diesen Kämpfen vom Stapel lieh, waren teilweise in unserer Wohnstube versaßt worden, wahrend wir dabei saßen. Vater kam im Winter abends mit einem Pack Akten, einem Bündel Gänsefedern und dem Tintensasfe in die Wohnstube, setzte sich zu uns an den runden Tisch, wo wir unsere Aufgaben machten, schnitt mit dem Federmesier (daher der Name) alle Federn und dann gings los. Die Feder flog nur so über das Papier. Da fiel immer einmal ein Wörtchen für die Mutter ab, das wir auffingen. Unter den Jungen wurde auch manches gesprochen. Schlagwörter wie Freiheit und Unterdrückung usw. konnte man auf der Straße hören. Kurz, als Vater im Februar 1848 erzählte, in Paris hätten die Franzosen eine Revolution gemacht, ihren König fortgejagt und die Republik ausaerufen, so war dies für mich äußerst interessant. Ich nahm auch bald wahr, daß ob dieser Kunde eine Aufregung durch die Stadt ging, deren Bedeutung rasch zutage trat Auf der Gasse konnte man hören, man müsse es bei uns gerade so machen wie in Paris, man müsse die Fürsteni kor tja gen und eine Republik machen. Gegen solche Reden eiferte mein Vater. Die Umstürzler bildeten bann sofort einen „demokratischen Verein". Dieser umfaßte nicht nur die roten Republikaner, sondern auch sehr ernst zu nehmende Männer, wre Professor Di'. Soldan vom Gymnasium, Professor Dr. Moritz Karriere, Karl Vo g t, den jugendlichen Professor der Zoologie, Hofgerichtsadvokat Frank, Bürgermcister Ferber und andere. Demgegenüber trat dann der konstitutionelle Verein ins Leben, dem vornehmkich Professor Dr. Crebner, der bekannte freisinnige Theologe, mein Vater, &ofgerid)täabBofat Rosenberg, Reallehrer Dickora, Prosessor Dr. Amandus« Dorotheus Köllner u. a. angehörten. Die Bewegung verbreitete sich mit großer Schnelligkeit über ganz Deutschland. Unser G r o ß h e r z o g L u d w i g il. d a n k t e faktisch ab, indem er seinen Sohu, den Erbgroßherzog Ludwig, zum Mitregeuten ernaunte. , Dieser erließ bereits am 6. März 1848, mit Heinrich Gagern als Minister, eine Bekanntmachung, in welcher er seinem getreuen Volke alle möglichen Freiheiten gewährte. Selbstverständ.ich ging mir der Zusammenhang über die Begriffe; aber ich stellte mich gleich den Erwachsenen vor die großen Plakate, „die an allen Straßenecken angeschlagen waren, und las andächtig: ,,^ie Presse ist frei, die Zensur ist auf gehoben'. Bezüglich dieses Passus, sowie der allgemeinen Volksbewaffnung und des Rechts zur Mhaltung von Volksversammlungen dämmerte mir die Bedeutung dieser Dinge. Auch daß eine Nationalversammlung gewählt werden, daß das Volk also Vertreter wählen solle, leuchtete mir ein, zumal mein Bitter selbst sich um ein Mandat für den Kreis Gießen-Biedenchpf bewarb. Er ließ tn tausenden von Exemplaren einen Aufruf drucken, welcher mtt „Mi tbürger Oberhessens!" überschrieben war. Em großer Pack dieser Aufrufe blieb übrig, und diese haben in ben nächsten Jahren noch vielfach Verwendungen gefunden, die mit dem eigentlichen Zweck derselben nichts zu tun hatten. Die Demokraten hatten den Professor Dr. Carl Bo a t auf- gestellt. Nun gab es Volksversammlungen über Volksversammlungen. Wie die Wien waren auch die Jungen in zwei Lager oeteiit Fch gehörte natürlich wie mein Vater, zu den Dunkel männern, wie^ die Aii^lttder des koustitittivnellen Vereins von den Gegnern genannt wurden. Dennoch hörte ich mit Vergnügen die revolutionären -Reden, die auf dem Brand von den Treppen der neuen Aula, wie s°S K-nnufa (jetzt ist es die alte) gehalten wurden. Da war namentlich ein Student namens Seiftner, nicht .sehr groß, aber mit einem sympathischen, blonden Lockenkopf, nut blondem Schnurrbart und langem Kinnbart. Er redete rate ein Alter. Seine Stimme klang über den ganzen Brand, und Mlc horten! 196 chm andächtig zu. Am Schluffe gabs em allgemeines^ Bravo, in welches ich, obwohl Dunkelmann, kräftig einstimmte. Daun war der Student Fendt, welcher ebenfalls auf dem Brand aufrührerische Reden ans „Volk" hielt und andere, die ich nicht mehr nennen kann. Man nmß übrigens nicht denken, daß die „Dunkelmänner" gegen den Fortschritt gewesen seien. Auch nach ihnen sollte die Stimme des Volkes durch das Parlament den Ausschlag geben. Ich begleitete meinen Vater in verschiedene Volksversammlungen. Deren Verlauf war, je nach der Farbe und der Majorität der Teilnehmer, für uns sehr verschiedenartig. So ioar eine Volksversammlung nach Garbenteich ausgeschrieben. Das war damals das größte Lumpennest in der ganzen Umgebung von Gießen. , Die Einberufung war vom demokratischen Berent ausgegangen ir«o die „Dunkelmänner" konnten sich wohl denken, daß sie dort große Erfolge nicht erzielen würden. Dennoch gingen mein Vater und einige pinbcre von dem konstitutionellen Verein hin. Ich durfte meinen B-ater begleiten. Nachdem ein Gießener Demokrat eine blutdürstige Rede gehalten, meldete sich Professor Dr. Köllner zum Wort. (5r bestieg die niedrige Rednerbühne und begann zu reden. Er sprach ein wenig durch die Nase und das mochte den Leuten ebensowenig gefallen, wie seine Worte. Dann plötzlich hieß es „herabber, herabber mit em." Der Zuruf wurde von verschiedenen Seiten wiederholt, und als Köllner blieb und weiter zu reden suchte, gingen mit dem Ruf „fyeratoer" zugleich wie auf Kommando die Stöcke in die Höhe. Dabei ergab es sich, wie klein die Zahlder Dunkelmänner Ivar. Bei aller Tapferkeit blieb da nichts übrig, als den Rückzug anzutreten. Der ging dann auch ohne weiteren Zwischenfall vor sich. Mr mußten froh sein, ohne Prügel davon zu kommen. Einige Tage darauf wurde voll dem konstitutionellen Verein eine Volksversammlung nach Groß-Linden einbe- rnfen. — Gruß-Linden war (und ist) ein wohlhabender Ort von damals etwa 900 Seelen. Es hieß von ihm, wenn die Bauern auf dem Felde sind, so ist kein Bürger in der Stadt. Aber die Leute waren, wie.alle ordentliche Bauern, gegen alle Demokratie. Die Versammlung wurde aus der Wiese an dem Bickenbach rechts der Chaussee, ganz nahe bei Groß-Linden, abgehalten. Es waren außer Mitgliedern des konstitutionellen Vereins viele Bauern aus der Umgegend eAchienen, aber auch eine Anzahl Demokraten. Es war eine hohe Reduerbühne errichtet. Nach der Eröffnung der Versammlung und einer Rede meines Vaters, bestieg, Dr. Moritz Carriöre, Professor der schönen Künste und Schwiegersohn des großen Liebig, die Rednerbühne. Er begann mit zarter. Stimme und wohlgesetzten Worten. Wer, was er sprach, war offenbar int demokratischen Sinn gehalten unb so von den Teil- nehmern der Versammlung verstanden. Denn ein Bauer rief hinauf: „Wer ist denn der L ä u s b u b dadrobe?" Auf diese Frage antwortete der Redner verbindlich: „Moritz Carriöre aus Griedel bei Butzbach." „Herabber mit em, herabber", klang es von allen Seiten, und als der Redner nicht weichen wollte, gingen die Stöcke in die Höhe, wie einige Tage vorher. in Garbenteich. Diesmal aber waren es die Stöcke der monarchisch gesinnten Bauern, und sie waren in solcher Ueberzahl, daß die Demokraten ihren Carriöre in die Mitte nahmen und abzogen. Es war eine ziemliche'Anzahl. Das war die Revanche für Garbenteich. Als wir von der Volksversammlung nach Hause kamen, erfuhren wir von wohlwollender Seite, es werde seitens der Demokraten geplant, aus Rache für die Niederlage in der Groß- Lindener Versammlung, den an der Spitze stehenden Dunkelmännern am Abend eine Katzenmusik zu bringen und ihnen die Fenster einzuwerfen, es sei besonders auf Professor Credner und meinem Vater abgesehen. Auf diese Warnung hüt schlossen ivir abends die Lüden in der zweiten Etage, die wir lieivohnten. Das Man- sardertzimmer nach der Straße zu hatte keine Schutzläden — und warteten der Dinge die da Kimmen solltest. — Nachdem es dunkel geworden, erschien auf der Straße vor unserem Hause (jetzt R e b st o ck) ein Volks Haufe, und wie auf Kommando erhob sich plötzlich ein furchtbarer Lärm: ein Gejohle, Geschrei, Pfeisen, Klappern mit Hölzern in Gießkannen, Zusammeuschlagen von Kroppendeckeln, Pereat, Nieder mit bett Dunkelmännern! Dabei flogen fortwährend dicke Steine gegen die Fensterläden und in der Mansarde klirrten die Scheiben. Es war ein Getöse, als sei die ganze Hölle losgelassen. Den Frauen und utts Kindern wurde hange ums Herz. Plötzlich trat Stille ein. Es gab ein Gemurmel und bann entfernten sich die Tumultuanten. Es stellte sich heraus, daß die Aenderung zum Guten nicht etwa durch Einschreiten der Polizei, sondern dadurch herbeigeführt ivvrden war, daß unsere Magd von einem der oberen Fenster aus einen Topf voll Flüssigkeit auf'die Häupter der Räch st stehenden ausgeschüttet hatte. Ob die Beschaffenheit der Flüssigkeit, oder das Unvorhergesehene der Erwiderung der Artigketten die Veranlassung des Abzuges war, hat nicht festgestellt werden können. Als wir andern Tags den Schaden besahen, waren sechs Fensterscheiben in der Mansarde eingeworfen, verschiedene Läden nnd vielfach der Verputz Sag Wand beschädigt. Die Stadt hat später den Schaden bezahlen müssen. Wir hörten aitderen Tags, daß Professor Credner und Maxor Peppler, der Stadtchnunandant, resp. der Befehlshaber der Gießener Br- satzung (36 Mann), ebenfalls mit einer Katzenmusik bedacht worden seien. Heutzutage würde toeniger genügen, um eine strenge Straf-, Verfolgung herbeizttführen. Wir haben nichts davon gehört, daß etwas in dieser Richtung geschehen sei. Mein Vater hätte es sicher erfahren. Es ist aber alles ruhig geblieben. Am Tage der Wahl herrschte große Aufregung in der Stadt.. Hier hatten die Demokraten bei weitem die Oberhand. Dis Entscheidung lag in den ländlichen Bezirken des Hinterlands! und der Städte Gladeitbach und Biedenkopf. »Das letztere war ganz demokratisch. Gladeitbach aber, wo früher mein Vater am Gericht tätig gewesen, war streitig. Deshalb war mein Vater dorthin gefahren. Es Hali ihm aber nichts. Die Wahl entschied sich bekanntlich zu Gunsten von Karl Vogt, toentt auch mit geringer Majorität. Es war auch gut, sonst hätte es in Gießen Mord und Totschlag gegeben. Trotz des Entgegenkommens des E r b g r o ß h e r z o g s als Mitregenten band) das Edikt vorn 6. März und obwohl man ihn in allen Tonarten pries, ja spater nach der Thronbesteigung in ihm von mancher Seite den zukünftigett Kaiser er», blickte, war und blieb die Mehrzahl der Bürger demokratisch/ wenn auch nicht repttblikanisch. Es war ein Mann in Gießen mit Namen August Becker, genannt der rote Becker, weil er brandrotes Haar hatte, und roter Republikaner war. Dieser gründete „den jüngst en Tag", das Organ der Republikatter. Das Blatt hatte ein kleines Format! mnd wurde auf schlechtem Papier gedruckt, der beste Beweis, daß es keinen großen Leserkreis hatte. Es predigte dte Revolution und den Umsturz der Throne. Davon wollten die Gießener Bürger nichts wissen, fte rechnetni es dem Erbgroßherzog hoch an, daß er in Gewährung der Frei-, betten vor Allen voranging. Der Name Heinrich Gagern (das von hat er damals verschluckt), unter dcssett Aeqide diese freiheitliche Kundgebung vor sich ging, war in aller Munde. Von Hessen aus verbreitete sich sein Ruf in «ganz Deutschland, er wurde Vorsitzender der konstituierenden Nationalversammlung. Auch wir Jungen kannten nichts Höheres als Heinrich Gagern. Er war für uns der Inbegriff alles Hohen nnd Edeln, ohne daß wir uns Rechenschaft geben konnten, aus welchem Grunde. Aber den roten Demokraten war er bald nicht mehr recht und die Nationalver-- sammlung auch nicht. Etwa nm die itämliche Seit, wo diese zusammentrat, meß es, der Hecker habe in Baden die Republik ausgerufen. Sofort bentächtigte sich die 'Straße (und wir Jungen mit ihr) dieser Persönlichkeit. „Hecker hoch!" scholl es in den Straßen. Aber es war mit seiner Herrlichkeit bald vorbei; und ebenso rasch, wie man Sympathiebeweisungen hörte, gab es Spottlieder auf ihn. Wir Jungen moguierten uns namentlich über Herwegh, der sich auf der Flucht unter den Rock seiner Frau verkrochen! haben sollte. * (Fortsetzung folgt.) Abendandacht. Ich steh' am Fenster, schaue in die Ferne, Das Auge blickt empor zum Himmelszelt, Wie bist du so erhaben, große Welt Im Glanz des Vollmonds und der vielen Sternes Ein lindes Säuseln durch entlaubte Bäume Zieht mir in mein beschaulich lauschend Ohr. Erhebend schweben meinem Geiste vor So süße, inn'ge, lailgvergess'ne Träume. Und wieder aufwärts von der kalten Erde Hinauf zum sternbesäten Himmel fliegt der Blick: Ich danke dir für alles, für mein Glück, Dir, der dn- welterschaffend sprachst: „Es werde!" Louis Beil. Charade. (Nachdruck verboten.) Einen Giganten des Meeres, ein anhalttsch' Städtchen zur Hälfte, Hast du geschickt sie vereint, klingt dir ein lieblicher Tanz. Auflösung in nächster Nummer.' Auflösung des Magischen Dreiecks in voriger Nummert C LABA LYRA ARM R A A Redaktion: Ernst Hetz. — Rotationsdruck und Verlag der B r ü b l' scheu. Unwersnäts-Buch- und Steindruckerei, 8t, Lange. kSteße»