1807 Ar- 130 V W MW a k--] I ! l-l 1.1 ti W Ihr Wunschzettel. Bon B. Her w i. Nachdruck verboten. „Hier, Anita, hier hast du noch die letzten Dijonrosen ans dem Garten, du liebst sie ja so sehr. . . . stecke sie dir an die Jacke... so . . und die Weintrauben, die lege ich in dein Reisetäschchen, im Koffer wirst du auch noch allerlei vorfinden; nun ist's aber Zeit, mache dich fertig, Kind, ich bringe dich zur Bahn, der Wagen wird gleich vorfahren . . . Hast du schon allen Adieu gesagt . . . Papa auch?" „Ich habe ein paarmal an Papas Tür geklopft, er studiert aber wohl gerade eine Rolle, da hat er mich nicht gehört, grüße ihn sehr, liebe Mama, ich danke ihm auch noch für die Schokolade. . . und Fritzchen schläft, ich habe ihn aber vorher schon abgeküßt, ach, ich habe ihn so lieb, Mama, so lieb . . ." „Tu gutes Kind!" Frau Elma Dornberg drückte das schlanke Mädchen immer wieder und wieder ans Herz. „Und grüße mir Fräulein Hartmann, dein Pensionsmütterchen, und sage ihr, daß ich sehr zufrieden mit dir bin. Du hast schöne Fortschritte gemacht, na — nnd Weihnachten kommst du natürlich wieder, schreibe nur zur Zeit deinen Wunschzettel, hörst du!" „Meinen Wunschzettel." Tas Mädchen sah die Mutter, die noch so schöne, junge Mutter, ganz seltsam an. Dann faßte es sich ein Herz: „Ich weiß heute schon alles, was ich mir wünsche, Mama!" „Aha, sieh nur das Anitachen! Gewiß solch weiße Pelzjacke, wie Lucie Fuchs sie hat, oder am Ende eine Uhr, eine kleine, goldene Uhr . . . ja?" Anita schüttelte das dunkle Köpfchen, aus dem die brauner:, schwärmerischen Augen unter der schmalen Stirn hervorleuchteten. „Nein, es ist ganz was anderes, aber ich . . . ich kann es dir nicht sagen ... Du selbst, Mutter, mußt es erraten, mußt es fühlen ... Du allein kannst es nur, und du allein kannst mir nur meinen Wunsch erfüllen. . ." „So ist es diesmal etwas sehr Großes?" „Nein, Mutter —" Tie Augen wurden feucht und sahen — wie in die Ferne — dabei so hoffnungslos. „Nein, Mutter, es ist eigentlich gar nichts Großes, eigentlich etwas ganz Gewöhnliches, nur ich, ich habe es nicht, und ich sehne mich so danach — " „Schreibe es mir also jedenfalls, mein Kind — schreibe." Tie Frau hörte den Schritt des Gatten, sie flog ihm entgegen, um ihm — bevor er sie ausgesprochen, etwaige Wünsche zu erfüllen. „Hat dich das Kind gestört, Maximilian, es wollte dir Lebewohl sagen . . . hat man dir den Kaffee gebracht? . .. Für das Theater ist bereits alles besorgt . . ." „Du bist so erregt, Elma," tönte die sonore Stimme „hochrot bist du im Gesicht, es kleidet dich nicht. . . bleib' dir hier, laß das Mädchen mit Anita zur Bahn fahren . . . ich habe dich ohnehin zu sprechen... Ta. . lies. . ein Gastspielantrag an die Burg ... so . . . sage deiner Mutter Lebewohl, auf Wiedersehn, ma petite!" Tie große, weiße Hand winkte einen letzten Abschiedsgruß ... Anita nestelte an ihren Rosen. „Laß dich nicht stören, Warna," sagte sie. . . „Bleib nur hier ... ich weiß ja alles, bin ja schon so oft gefahren, nur noch einen Kuß, einen einzigen." Sie hing am Halse der Mutter. Ter Portier meldete den Wagen und nahm das Gepäck aus dem Korridor. . . Dörnberg hatte die Köchin schon instruiert, sie stand zur Begleitung da . . . Frau Elma seufzte, sprach aber kein Wort mehr. . . sie brachte ihr Töchterchen bis zur Tür — die Treppen hinab — das Coups rollte davon — bis zur Ecke schaute das kleine, pikante Mädchenköpfchen noch aus dem Fenster heraus. „Du bist zerstreut, Frauchen," tadelte ein Weilchen später der berühmte Schauspieler, der in seinem prachtvollen Ar- beitszimmer am Schreibtisch saß und der Gattin den ehrenvollen Wiener Brief vorgelesen hatte. Sein Ideal war erfüllt, an die Burg war er berufen. . . Ruhm und Gold ioinkte ihm von erster Stelle ... er war erregt, exaltiert — und vor ihm saß sein Weib, an tausend andere Tinge denkend — oder — was für ihn noch schlimmer war — an das eine denkend, was ihre Seele mehr ausfüllte, als er ahnte — Selbstvorwürfe peinigten die Frau — Bei dem unruhigen, wandervollen Leben, das sie in den ersten Jahren mit Dörnberg geführt, war es notwendig gewesen, das wilde, verivöhnte, kleine Geschöpf in sichere Hut zu geben, — später wurde es auf Wunsch des Stiefvaters, der in egoistischer Art seine Frau für sich allein, ohne viele Nebeninteressen haben wollte, in der guten Pension gelassen. Den vergangenen Winter hatte das Ehepaar im Orient verbracht, da mußte Anita sogar Weihnachten fern bleiben, die einzige unter allen Pensionärinnen. Damals hatte sie an die Mutter geschrieben: „Ich will cs ja gern ertragen, wenn ich nur die Aussicht hätte, bald ganz heim zu kommen. Oktober bin ich mit dem Pensum fertig, was soll ich dann noch bei Fräulein Hartmann?" Und „abwarten" ivar die Antwort der Mutter gewesen. „Abwarten!" Sie hatte jede Energie verloren, einen festen Entschluß zu fassen, sie sah nur nrit den Augen ihres Mannes, sei» Wille leitete sie. r—i _ So ging auch diesmal die Zeit dahim Ter späte, sonnige Herbst ivar vorüber. Die letzten Ranken des dunkelroten Weines waren vom' SIS — ersten Novembersturm zu Grunde gepeitscht. . . neblige Tage, düstere Nächte folgten, Schnee und Eis, die Boten des Winters. Der Geburtstag Frau Elmas kam heran. Anita schickte ihr Bild . . . Wie verändert das Kind aussah, nicht mehr wie ein Backfischchen, so ernst, so fragend die großen Augen — das volle Haar zum Knoten gewunden, das Gesichtchen im feinsten Oval — ein eigentümlicher Reiz über der jungfräulichen Erscheinung. . . Frau Elma konnte sich nicht satt daran sehen. Und daß sie dieses junge, aufblühende Geschöpf nicht bei sich haben, nicht ihren Geist, ihr Gemüt in der so wichtigen Ueber- gangszeit selbst bilden konnte — ein Gefühl von Groll über die zugestandene Abhängigkeit von ihrem Mann bemächtigte sich ihrer... sie wollte noch heut mit ihm sprechen . . . ganz gewiß . . . und wieder kam es nicht dazu. . . sein Beruf, seine Interessen, seine Verpflichtungen waren so viel fordernd, immer wieder verschob sie es. Der letzte Monat im Jahre ist herangekommen. Das Weihnachtsfest naht. Frau Elma hat bereits die hohe Tanne auf den Balkon setzen lassen. Sie scheut Schnee und Kälte nicht, sie geht selbst hinaus, um zu sehen, daß keiner der schlanken Zweige sich verbogen hat. Sie atmet den Duft ein . . . lange, lange. Im Nebenhaus ist eine Schule. Gesang tönt dumpf herüber. „Stille Nacht, heilige Nacht. . ." die Kinder üben zum Feste. Frau Elma lauscht. So lange hat sie es nicht gehört. . . In den Fahren ihrer ersten Ehe... da hatte es ihr Mann am heiligen Abend gespielt, gesungen. Sie sieht sich in der fernen Stadt, Anita auf dem Schoß . . . sie fühlt die Tränen, die ihr entquellen und auf das braune Lockenköpfchen fallen . . . wohin ist die Zeit, was ist davon geblieben? Ein einsames Grab, das sie schon lanae nicht mehr ausgesucht hat — und das Kind — . . . aber das Kind weilt nur als Gast in ihrem Hause... es ist nicht an der Stelle, an die es gehört. So lange keine Nachricht von dem Mädchen ... es legt sich zentnerschwer auf ihre Brust . . . sie will schreiben, fragen, sofort. eilt an den Schreibtisch. liegt ein Brief, Anitas große, gerade Schriftzüge (Schluß folgt.) Mott Kitßen nach Marokko. Aus dem Reisetagebuche eines Gießeners- Nachdruck verboten. (Fortsetzung.) Tanger, 6. März 1907. Am vergangenen Sonntage führte eine Tagestour mich und fünf andere Herren nach Sinath, der jetzt in Trümmern liegenden ehemaligen Festung Raisulis. Wir gelangten nach etwa vierstündigem Ritt an Ort und Stelle, wo wir uns im Schatten ernes Baumes zürn Mittagsmahl niederließen. Unsere Pferde hatten wir in der Nähe unter dem Schutzs zweier kleinen Araberbengel zurückgelassen. Wie groß war aber unser Schrecken, als sich nach kaum 5 Minuten drei mit Gewehren ausgerüstete Araber uns näherten und sich, ohne ein Wort zu sagen, uns gegenüber Plazierter!. Ihrer Versicherung, uns beschützen zu wollen, schenkten wir keinen Glauben. Gleich nach Beendigung unseres Mahles machten wir uns angstbeklommen auf. Unsere Pferde führten wir zunächst am Zügel, bis wir im Tal waren. Unsere drei „Schutzengel", denen wir außer je einer Pefete noch Orangen und Zigaretten spendiert hatten, waren bei unserem Ausbruch auch verduftet, wiederum so lautlos wie sie gekommen waren. Wrr fühlten uns aber erst wieder wohl, als wir außer Schußweite waren und einen donnernden Abschiedsgruß von ihnen oder ihren Stammesgenofsen nicht mehr zu be- Mrchten brauchten. Eine besondere Sehnsucht nach den Trümmern von Sinath verspürten wir nicht mehr; wir hatten.uns diese nur flüchtig angesehen. Unser Lagerplatz war der denkbar ungünstigste gewesen: rings von Felsen umgeben, und im Hintergrund, wo dann unsere drei Ta find's. „Freunde" austauchten, von den Ruinen der Burg einge- schlossen. „ Es war aber der einzige schattige Platz, der sich in der Nähe befand. Hätte man uns angegriffen/ so wären wir unter allen Umstanden verloren gewesen; unmöolich hätten wir entrinnen können, unsere Pferde hätten uns nichts genützt und eine Verteidigung wäre zwecklos gewesen. Wohl hatten tote Revolver, zwei Herren von uns sogar Brownings bei sich, von denen die Araber einen riesigen Respekt haben sollen. Glücklich, mit heiler Haut davongekommen zu sein, stiegen wir, sobald wir am Fuße des Berges angekommen waren, auf unsere Pferde und machten uns mit möglichster Geschwindigkeit aus dem Staube. Entgegen dem Plan, bei der Heimkehr -einen kleinen Umweg zu machen, schlugen wir die gleiche Route wie am Vormittag ein. Im andern Falle wären wir durch ein Stück des Gebietes der Beni-Aros gekommen. Bei diesem Stamme aber soll sich Raisuli zurzeit aufhalten, und einer seiner Verwandten hat in Tanger dieser Tage erzählt, Raisuli ginge nur darauf hinaus, einen Angehörigen irgend einer europäischen Großmacht in seine Hände zu bekommen, um dadurch einen Druck auf das Maghzen (Regierung) auszuüben. Kurz nach 6 Uhr waren wir wieder in Tanger. Als ich das für diesen Tag um 10 Peseten gemietete Pferd wieder in seinen Stall brachte, begegnete mir ein Bekannter, der mir die Mitteilung machte, daß mein Bruder angekommen sei und mich in der „Deutschen Bierhalle" erwarte. Im Sturmschritt eile ich hin und finde ihn auch. Seine Reise ist ganz gut verlaufen, doch traut er dem Wetter nicht recht und will daher, wie er mir gleich eröffnet, den Aufenthalt hier so kurz wie möglich! bemessen (Fortsetzung folgt.) Der Auszug ans Marokko. Aus Tanger wird berichtet: Unter den Leuten, die mit Marokko in Geschäftsverkehr stehen und die das Land gut kennen, herrscht fast allgemein die Ansicht, daß die Situation immer schwereren Verwicklungen entgegengeh't und daß bald neue schwere Ereignisse hereinbrechen werden. Die Dampfer Joaquin del Pielago, Gibel Tarik und Gibel Musa, die die Verbindung zwischen Spanien und Tanger aufrecht erhalten, sind von europäischen, und besonders jüdischen Flüchtlingen überfüllt. Die Fahrzeuge, die bei Tanger, Mogador und den benachbarten Städten anlegen, nehmen von allen Plätzen dichte Scharen von Auswande-, rern mit sich und nur wenige Leute, die nicht fortkönnen, bleiben Wohl oder übel auf ihren Posten. Ueberall herrscht Panik; die Kaufleute haben schwere Verluste erlitten und zum größten Teil ihre Geschäfte schleunigst aufgelöst. In großen Scharen kommen flüchtige Juden, selbst Kranke, in Spanien an, und bemühen sich, im Süden,' in Cadiz, Gibraltar, Algeciras, Sevilla, San Rosa, Linea und den umliegenden Orten Unterkunft zu finden. Der Gouverneur von Gibraltar, General Sir F. Forestier-Walker, hat sich bereits am Dienstag gezwungen gesehen, den Auswanderern den Eintritt in Gibraltar zu verbieten, um die Ein- schleppung von Krankheiten zu verhindern. Nun eilt das unglückliche, hungernde Volk nach Algeciras. Unter den Flüchtlingen gewahrt man seltsamerweise auch eine Reihe reicher Marokkaner. Flüchtlinge von Magaz-an und Rabat sprechen übereinstimmend von einem drohenden Angriff und bestätigen, daß im Augenblick ihrer Flucht die verfüg-, baren Schutzkräfte völlig ungenügend waren, um die Häfen zu schützen. Ein alter Kaufmann berichtete, die schlimmste Zeit werde im September einsetzen, mit den großen Stür-, men, wenn die Schiffe nicht mehr gefahrlos in den Häfen ankern können. Dann werden die Araber ihren Angriff auf a lle Hafenstädte beginnen. Daß gerade die besten Kenner des Landes, die Inden, Hjr Eigentum verkaufen und Marokko verlassen, ist ein besonders bemerkenswertes Symptom und zeigt, daß man die Ruhestörungen nicht als Sache weniger Wochen betrachtet. Genaue Zahlen über die begonnene Auswanderung sind einstweilen nicht zu erlangen, aber 5000 wäre eine sehr niedrige Schätzung. Unter dem Ansturm der Flüchtlinge find in Südspanien die Nahrnngsmittelpreise außerordentlich gestiegen und in Cadiz zahlt man für Biehl, Oel, Salz, Fleisch, Kartoffeln und Konserven jetzt Preise, wie sonst nur zu Hungerszeiten. Wenn die Franzosen an der Küste nicht sofort für die! Errichtung eines Nahrungsmitteldienstes Sorge tragen, so wird für die Küstenstädte die Situation verzweifelt. Denn 519 die Eingeborenen, die sonst mit ihren Waren zum' Markt nach der Stadt eilten, bleiben jetzt aus, der Karawanen- verkehr stockt und das Land wird von Räuberhorden brcrch- gelegt. _______ Der Syrup von Kalabrien. Bereits in unserem Hauptblatte machten wir vor wenigen Tagen die Mitteilung von einem ganz ungeheuerlichen Schwindel, den sich ein Herr in Siegmar i. S. erdacht hat, atm seine Taschen mit den Talern zu füllen, die seit Jahren der Gesundheit beraubte harmlose Leute in der endlichen Hoffnung auf Heilung gern opfern. Bei uns in Gießen aber ist dieser harte Mann auf einen härteren Klotz geitoßen. Er sandte cm einen im Teufelslustgärtchen wohnenden Herrn folgenden Schreibebrief, den dieser uns überlassen hat, damit an dessen unfreiwilliger Komik sich unsere Leser ergötzen mögen: Siegmar 1907. Motto; Gesundheit ist Leben- Ein hohes Alter zu erreichen ist und muß das Ziel eines jeden Menschen sein, der sich im Kamps um das Dasein redlich Mühe gegeben hat, dem Leben die besten Seiten abzugewinnen und so viel vor sich zu bringen, daß er in Ruhe seinen Lebensabend beschließen kann- Leider ist dies aber nicht immer möglich, da sich entweder durch anhaltend schwere Arbeit, den Witterungsnnbilden ausgesetzt, durch lange Dienstjahre in aufreibender Tätigkeit usw- Gebrechen des Körpers einstellen, die das Wohlbefinden erheblich herabmindern. Vor nun drei Jahren kam ich durch Zufall in den Besitz eines Rezeptes, das am alte Zeiten erinnert, aus denen es» auch herstammt, wo es kräuterkundige Menschen gab, die sich die Heilkraft _ der Kräuter zunutze machten- Es waren dies meistens Menschen, die, auf sich selbst angewiesen, die Pflanzenwelt von Kindheit an kannten und deren Heilkraft in Krankheitsfällen erprobt hatten. Heut gibt es nur noch wenige Menschen, ivelche die sogenannten Hausmittel kennen, denn meistens sind die wertvollen Rezepte von den alten Leuten mit ins Grab genommen tvvrden, andere sind verloren gegangen- In der jetzigen schnellebigen Zeit hat man auch kein Verständnis dafür, und keine Zeit, sich mit solchen Dingen abzugebeu, huldigt man doch vielfach dem Grundsatz, „gut leben, wenit auch etwas weniger lange" So kommt es, daß man nur rastlos den: Glück und dem Verdienen nachjagt, ohne seinem Körper die nötige Pflege angedeihen zu lassen, um dann zu spät einzuscheu, daß man ein Leiden, welches sich schon längst einstellte, nicht beachtet hat- Meistens ist es dann zu spät, das Leiden läßt sich nicht mehr bekämpfen undj der Körper siecht dahin- Tas mir überlassene Schriftstück lautet wörtlich: Syrup Won Calabrien- Dieses Rezept ist mir von einet vornehmen Dame aus Graz rn Lte her mack im Jahre 1811' mitgeteilt worden, mit dem Beifügen, sie habe dieses Geheimnis von einem ihrer ältesten Sftt» verwandten, gewesener, sehr berühmter Militär, erhalten, welcher rhr dasselbe gleichsam als einen kostbaren Schatz, zum Vermächtnis gab- Es folgen hier die eigenen Worte des Besitzers von diesem! Geheimnis: Zur Zeit als ich auf Empfehlung Ihres Herrn Onkels hin vom Kaiser Karl V- als Befehlshaber der schönen Seearmee, welche er nach der Barbarei entsandte, ernannt worden war, logierte ich auf dem Durchmärsche in Calabrien zufällig bei erneut armen Bauer, der mir sehr alt zu sein schien. Er war eZ auch in der Tat, denn wie ich mich nicht bloß durch die Ausfage der Aeltesten des Ortes, sondern, durch Ine Einsicht seines Tauf- zeugnisses, das ich aus' Neugier mit zeigen ließ, überzeugen konnte, zählte der Mann einhundertunddreißig Jahr» Er be- sand sich noch so wohl und war noch so muptet, als wäre er bloß 30 Jahre alt- Ties gab Mir Veranlassung, ihn über seine Lebensweise zu Befragen- Er wat so gefällig, mich aus Er- kenntlichkeit, wie er sagte, für die Ehre, mich beherbergen zu dürfen, mit derselben bekannt zu machen- Er sagte Mir, daß et sich in dem Zustande, in welchem' ich rhn sehe, durch das Mittel Des nachstehend angegebenen SyrusA erhalten habe, obschon er nach feinet Weise ein ivüftes und land- lcches Leben geführt habe- Et gestand mir, in seiner Jugend ein lustiger Kamerad gewesen zu sein; bis auf das Alter von 55 Jahren sich immer gleicfawahl befunden zu haben, wie vier andere Personen, welche er mir zeigt«, und die ungefähr ebenso alt waren wie er, deren Leben auchetwas locker gewesen und die sich Idurch den Gebrauch dieses Si-rups schon seit 50 Jahren immer vollkommen gesund befanden. Die Erfahrungen, welche ich seitdem, sowohl an mir selbst nn .tnelen anderen Personen über diesen Syrup machte, haben mach . über . alle Zweifel erfaßen und überzeugt, daß dieies^ Heilmittel ein ganz vortreffliches, ja ein unfeblbares ist. L-urch seine Wirst amkeit wurden geheilt: Der Graf Decem- berg, der 15 Jahre lang krank lag, S. E. der Kürftirst 'von Bayern, den die Äerzte Deutschlands aufgegeben Hattens det Markgraf votl Brandenburg, die Frau Herzogin ton Innsbruck, an Entkräftung von einer Niederkunft leidend, und noch viele andere, deren Zahl, wenn ich sie angeben könnte, unglaublich schien- Ich rate Ihnen demüach, mein Freund, der Sie schon so lange krank darniederliegen, die Aerzte zu verlassen und einzig diesen Syrup zu brauchen- Um nicht das Vergnügen zu haben, mich von Jedermann ausgesucht zu sehen, habe ich bis jetzt dieses Geheimnis für imch behalten, allein in dem Alter ton 99 Jahren, das ich nun erreicht habe, ist es Zeit, alle Eitelkeit bei Seite zu legen und ein Heilmittel aufzudecken, das wegen seines großen Nutzens für das Menschengeschlecht Gott allein geoffenbaret haben kanp. Zubereitung des Sirups: Man bedient sich desselben auf nachstehende Weise- Umleitung für den Gebrauch: Man nimmt des Morgens nüchtern einen Eßlöffel, uitge- fähr ein Lot und genießt nachher 2—3 Stunden nichts, umf demselben Zeit zu lassen zu verdauen und sich mit dem Blute SU vermengen, das er verdünnt und reinigt und mit welchem er sich in alle Teile des Körpers ergießt- Man muß alle Tage davon nefaiten und zwar während 6 Monat bis 1 Jahr und selbst noch länger, je nach den Umständen und im Verhältnis der mehr oder minder stark über Hand genommenen VerWr-- trtngen,. denn es wäre ungeduldig, wenn man in kurzer Zeit Krankheiten heilen wollte, die oft Jahre bedurften, um sich zv entwickeln. Es ist auch gut, wenn man nach der Genesung noch fortfährt, denselben von Zeit zu Zeit zu brauchen, um die Ge^ sundheit zu befestigen- Wirkung dieses Syrups: Der Gebrauch dieses Syrups ist niemals von nachteiligen, Folgen, indem derselbe aus allgemein als gesund aneÄannten Stossen bereitet tvirb- Er stärkt den Magen, reinigt das Gehirn, zerteilt die Verstopsungeu in der Leber und Milz- Er ist mit der Lungej gut befreundet, da er das verdorbene daran wieder Herstellt, selbst wenn nur ein Stückchen davon übrig bleiben sollte- Er heilt die Engbrüstigkeit, wirkt auf die Nerven, indem er ihnen die Freiheit wiedergibt- Er löst die Knoten auf, den Schleims und die Trüset!, welche der Rheumatismus zurückgelassen habest mag- Er wirkt sehr stark auf die Nieren, führt den Gries ab und unterhält den Bauch frei- Er mäßigt die innerlichen Hitzen, heilt den Schwindel und das einseitige Kopfiveh, sotvie! überhaupt alle innerlichen Krankheiten- Er duldet feilte Ber-t dorbenheit noch schlechte Säfte in dem Körper, indem er dieselben gelinde abführt- Seine Wirkung macht sich in allen Teilen des Körpers fühlbar, wo sich Verstopfungen zeigen: sie fängt beim Magen an, wo er einiges Reißen verursacht, hernach wirkt er in den Gedärmen und dann in den Nerven, die er während weniger Tage anspannt- Er erzeugt ein.Reißen und Sticheln in den Ellenbogen, bald in den Handgelenken und so stufenweise,- wo er Ätofs 'zur Abführung findet. Man erstattet diesen Bericht durch die gemachten Erfahrungen, damit die Personen, welche von diesem Heilmittel Gebrauch machen, sich nicht verwundern, wenn sie anfangen, diese verschiedenen Arten von Symptomen zu verspüren- Dieser Syrup erfordert im klebrigen keine besondere Diät, auch stört er die gewöhnliche Lebenstätigkeit nicht, er schärft den Appetit und macht schlafen- Mit einem Wort, man darf versichert sein, daß bei dem Gebrauch des Syrups die Gesundheit erhalten wird, solange es Gott gefällt, uns auf dieser Erde zu belassen- Mein Schwiegervater, 75 Jahre alt, schrieb mir am 11. Dezember 1905 wörtlich: „Betreff des Erfolges bei meiner Person kann ich Dir nur mitteilen, daß ich jetzt leichteren und regelrechteren Stuhlgang habe; auch haben sich die Niercnschmerzen gemildert, also ein Erfolg." * Ursprünglich war es mein Wille, nur persönlichen Gebrauch von dem Rezept zu machen, habe mich aber entschlossen, das- sxlbe an einen getvissen Kreis ton Personen abzugeben gegen die geringe Entschädigung von 3 Mk- Ich will keine Reklams damit machen und tvähle deshalb das schriftliche Angebot, wie ich auch das Rezept nur im verschlossenen Kütort versenden Iverde- Wenn Sie im Vollbesitz Ihrer Gesundheit sind, was ich Ihnen von Herzen wünsche, haben Sie gewiß die Liebenswürdigkeit, diese Zeilen an eine Ihnen bekannte oder verwandte Pep-, sünlichkeit weiterzugebeit. Der Syrup von Calabrien, der der Fran Herzogin von Innsbruck, einer Dame, die es nun und nimmermehr gegeben hat, so gute Dienste geleistet haben soll und der das Gehirn reinigt, dieser edle Freund der Lunge, deI Leibes 520 und anderer schätzenswerter Besitztümer des Menschen, der selbst Leuten wohl tut, die „ein wüstes und ländliches Leben" führen, wird gewiß bei uns zu Lande auf seine Wunder- wirkung von nieinandcm erprobt werden. Dem Herrn in Siegmar aber sei im eigenen Interesse empfohlen, sich ein anderes Gewerbe zu erwählen, als das der Bauernfängerei. Vsr»miseH-es. * Vorlesungen in der Fabrik. Die Arbeiter der Tabakmanufakturen auf der Insel Kuba kennen schon seit langer Zeit die Einrichtung der „Vorlesungen während der Arbeit". Während sie Bei der Arbeit sind, wird ihnen von einer eigens dafür angestellten Person mit lauter Stimme etwas vorgelesen. Diese Einrichtung stammt aus dem Jahre 1878 und ist auf den kubanischen Dichter Saturnino Martinez, der damals als Arbeiter in einer Zigarrenfabrik beschäftigt war, zurückzuführen. Der Vorleser sitzt in der Mitte des Arbeitssaales auf einer Art Katheder und die Vorlesung, die gewöhnlich nachmittags stattfindet, dauert zwei bis drei Stunden. Aus alter Gewohnheit wird die Hälfte der Zeit der Vorlesung von Zeitungen gewidmet, während in der übrigen Zeit Romane vorgelesen werden. Tie Arbeiter jeder Fabrik — so berichtet das „Century Magazine" — wählen sich einen Vorsitzenden, einen Sekretär und einen Schatzmeister. Jeder Arbeiter zahlt jede Woche an den Schatzmeister als Beitrag 50 Pfg.; es kommen auf diese Weise in der Woche 200 bis 300 Mk. zusammen- mit diesem Gelde werden die Zeitungen und die Bücher gekauft; der Rest dient zur Besoldung des Vorlesers, der wöchentlich weniger als 125 und manchmal sogar 250 Mk. erhält. Jeden Tag treten der Vorsitzende und der Sekretär zusammen, um die zur Vorlesung geeigneten Zeitungsartikel auszuwählen. Was die Romane betrifft, fo werden sie von den Arbeitern selbst durch Wstimmung ausgesucht. Oft werden auch Gedichte vorgelesen, und der gelesenste Dichter ist — Byron. Von Romanen werden neben spanischen die englischen, vor allem Dickens, bevorzugt. Es muß hervorgehoben werden, daß die Tabükärbeiter weitaus die besten aller kubanischen Arbeiter sind. C. K. Moderne „alte Spitzen". Die Spitzenmode ist heute mehr im Aufschwung denn je. Die schönste Garnierung, der fernste Schmuck sind diese zarten, kostbaren Gewebe, die man rn den vergangenen Zeiten Venedigs und Brüssels so uncr- rercgbar herrlich zu schaffen wußte. Unser Zeitalter der Imitation Hat sich nun begnügen müssen, diese seltenen echten alten Kanten nachzubttden, und hat es hierin wieder zu einer hohen Vollendung gebracht. In Paris existiert eine große italienische Firma, dre in verschiedenen Ateliers venetianische Spitzen nach historischen Vorlagen Herstellen läßt. Ihr Direktor hat sich einem Korrespondenten gegenüber in interessanter Weise über diese mo- derne Spitzenfabrikation geäußert. Irische und belgische Kanten werden darnach nur seltener in Kopie verlangt, hauptsächlich allein , die „Königin aller Gewebe", die venetianische Spitze. Auf einem Gemälde des venetianischen Malers Vittore Carpaccio, das um 1500 entstanden sein muß, läßt sich die erste, iioch eiiifacye und steife Spitzenkante an dem Aermel einer Dame nach- wersen Von da an ist der nnaufhaltsamc, durch Verbote und Modenwcchsel nur selten unterbrochene Siegeslauf dieses Gewebes zu verfolgen. Die alten Muster und Ornamente sind die schönsten und kostbarsten; sie dienen am häufigsten zum Vorbilde. Auch ganze große Tapisserien mit eingewebten Allegorien, und, Bildern aller Art werden in der moderneii Fabrik mit viel Mühe und Sorgfalt nachgebildet. So ist jetzt eine Jmi- tatron der berühmten Bayeux-Spitze der Königiii Mathilde in Arbeit. 25 Meter dieses wundersamen Künstwerkes sind bereits m treuer Kopie vollendet. Ein jeder Meter erfordert 180 Tage Arbeit. Auch für moderne Kissen und Decken werden alte Muster aus den Museen benutzt. Es gibt keine herrlichere Dekoration für Möbel aller Art als eine Nachbildung jener Wunderwerke venet. Klöppelkunst, die in reichem Bilder- und Waffenschmuck oder in sparsam ernsten Ornamenten dm Geschmack und die Schönheit einer großen Epoche vorführen. * Stolz war er wahrscheinlich nicht, aber sicherlich großmütig, der Löwe, der dieser Tage aus einer Menagerie in Albert, im französischen Departement La Somme, entwich. Als er den Eingeborenen, die wie närrisch davonliefen, genügend Furcht eingejagt hatte, faßte der freundliche Löwe vor der Tür einer Kneipe Posto. Mite ohne Zweifel Durst; er hatte sogar sicher Durst, denn als er seinen Bändiger und die achtunggebietenden Gendarmen antrotten sah^ eilte er mit gewaltigen Reue Bücher. Eingegangen vom 24. bis 30. August 1907. AArechung erfolgt nach Auswahl. Eine Verpflichtung zur Besprechung und zur Aufbewahrung unverlangt eingesandter Bucher wird nicht übernommen.) . a Zr. F. H on c amp, Arterienverkalkung des Herzens und des Gehirns. Ursachen, Verhütung und Behandlung/ IV. Ausl PrcEöO Pfg" 5)r" meb‘ ^lser. Leipzig, Edmund Demme. Do"!!eb Denker, Kirche und Sozialdemokratie. Mainz, Druck der Volkszeitung. a' r Hauser, Das Rhein-Mainische Berbandstheater, wme Vorgeschichte und er|te Tätigkeit im Frühjahr 1907, sowie SSorfdjlage für seine Wetterführung. Leipzig, Quelle und Meyer. Preis 1 Mk. ’ , sc G -W»t kow s k i, Was sollen wir lesen und wie sollen wir leien?. Em Vortrag., 26.—30. Tausend. Leipzig, Max Hesse. Preis 20 Pfg. (bei Bezug von mindestens 100 Exemplaren für Vereine usw. 10 Pfg.). Monatshefte für graphisches Knnstgewerbe. ßerausgegeben von Albert Knab. 5. Jahrg. Heft 10. Preis 2 50 Mk., Biertelrahrs-Abonnement 6 Mk. Berlin W 35 Karl Flemming, A. G. „ Erkelenz und Kopp, Die Arbeiterfrage. Heft 1 der Volksschrlften des Nationalvereins für das liberale Deutschland. München, Nationalverein. Preis 10 Pfg. „ „Arber Land und Meer. Oktav-Ausgabe. 24. Jahrg Hust A Stuttgart, Deutsche Verlags-Anstalt. Preis 1 Mk. (Jahrgang 13 Mk.) Max Pfenning, Operationslose Entfernung der Gallensteine nebst Anleitung: Behandlung der Nieren- und Blasensteine. Stuttgart, Verlag „Reform" (P. Müller). Preis' 3 Mk Münchener Kalender für 1908. München, Verlagsanstalt vorm. G. I. Mauz. Preis 1 Mk. Kleiner Münchener Kalender für 1908. München, Verlagsanstalt vorm. G. I. Mauz. Preis 50 Pfg. Ferdinand Jakob Schmidt, Zur Wiedergeburt des Idealismus. Philosophische Studien. Leipzig, Dürrsche Buchhandlung. Preis 6 Mk. Voigt. Religionsunterricht oder Moralunterricht? Leipzig, Dürrsche Buchhandlung. Preis 1.20 Mk. A. Cartellieri, Tägliche Morgenandachten für höhere Schulen, Seminare und ähnliche Anstalten. Leipzig, Dürrsche Buchhandlung. Preis 3 Mk. Neue Reiseliteratur. G. Fischer, Deutsches Eisenbahn-Auskunstsbuch. 3. Aufl, Verlag von G. A. Glöckner in Leipzig. Paul Ernst, Der Harz. Band 4 von Städte und Landschaften, heransg. von Leo Greiner. Stuttgart, Karl Krabbe Verlag, Preis 2 Mk. Rhön und angrenzende Gebiete. Bad Kissingcn. Bad Brückenau. Band 6 von Agricolas Wanderbüchern. Leipzig und Chemnitz, Verlag von Wilhelm Gronau. Preis 1.25 Mk. Griebens Reiseführer. Band 28: Die Mosel von Coblenz bis Trier. 8. Ausl. Preis 1.50 Mk. Band 93: Leipzig und Umgebung. 4. Ausl. Preis 1 Mk. Berlin IV., Albert Goldschmidt. Lorenz Reiseführer. Die Schweiz in 15 Tagen mit Generalabonnement: genußreich und billig zu bereisen. Preis 1.50 Mk. Der H a r z in 12 Tagen. Preis 1 Mk. Der Rhein in 15 Tagen. Preis 1.50 Mk. Tirol in 20 Tagen. Preis 2 Mk. Verlag von Fr. Paul Lorenz in Freiburg i. Breisgau. . Der Bändiger lief hinten nach und noch etwas weiter hinten die Gendarmen, denen die Jagd besonderen Spaß zu machen schien. Endlich hatten dre Verfolger „rhre Beute" erreicht. Ter Löwe hatte sich vorftchttg rn eine stille Ecke zwischen dem Wassertümpel • bnX