ML I ■’> >1*1 fFBII Der Jass KarneLt. Novelle von Reinhold Ortmann. Nachdruck verboten.. 1. Kapitel. * „Miß Margaret Barrymore?" Bejahend neigte die Gefragte den blonden Kopf. Sic war ersichtlich sehr befangen, denn eine feine Röte stieg ihr ins Gesicht, als sie die kalten grauen Augen des Redakteurs forschend auf sich gerichtet sah, und ihr Blick suchte den Boden. Zögernd nur ließ sie sich nieder, als ihr Mr. Frank Comstock mit der jedem Amerikaner gewissermaßen angeborenen Zuvorkommenheit gegen das zarte Geschlecht einen der großen Ledersessel anbot. „Sie hatten die Freundlichkeit, uns vor mehreren Tagen einige kleine schriftstellerische Arbeiten für das Feuilleton des „Morning Telegraph" einzusenden. Ich habe sie mit Interesse gelesen, aber ich bedaure lebhaft. Ihnen trotzdem keinen günstigen Bescheid geben zu können. Die Skizzen zeugen zwar von einer trefflichen Beobachtungsgabe, aber sie sind in der Form leider zu dilettantisch, als daß sie zur Veröffentlichung in einer großen Tageszeitung geeignet waren. — So leid es mir tut, muß ich Ihnen darum die Manuskripte mit bestem Dank zurückgcben." Gr überreichte der hübschen jungen Dame das schmächtige Päckchen zierlich beschriebener Blätter, und es war ihm anzusehen, daß sein Bedauern ein aufrichtiges war. Gewiß würde er sich gefreut haben, wenn er imstande gewesen wäre, ein beglücktes Lächeln auf diesem allerliebsten, feinen Antlitz hervorzuzaubern. Aber er war ein aufrichtiger Mann, der es nicht liebte, aus purer Höflichkeit nach verlogenen Vorwänden zu suchen. Und als Miß Barrymore all ihren Mut zusammcnraffte, um zu fragen, ob sie vielleicht gelegentlich mit einer anderen Arbeit den Versuch wiederholen dürfe, hielt er es für seine Pflicht, offen heraus zu sagen: „Wenn Ihnen daran liegt, eine ehrliche Antwort zu erhalten, so rate ich Ihnen davon ab, zumal wenn Sie die Absicht haben sollten, aus der Schriftstellerei einen Broterwerb zu machen." „Das war allerdings meine Hoffnung. — Ich bin darauf angewiesen, mir meinen Lebensunterhalt selbst zu verdienen, und ich glaubte--" „Sie glaubten, es würde sich am leichtesten mit der Feder machen lassen. Aber Sie waren da in einem großen Irrtum, mein verehrtes Fräulein! — Selbst für viel stärkere Talente, als es das Ihrige zu sein scheint, ist das ein sehr dornenvoller Weg voll der schmerzlichsten Fehlschläge und Enttäuschungen. — In jedem anderen weiblichen Berufe werden Sie wahrscheinlich viel schneller dahingelangen, sich eine behagliche Existenz zu schaffen als in dem Beruf einer Schriftstellerin." Margaret Barrymore blickte in tiefer Niedergeschlagenheit vor sich hin. „Ich habe ja während der letzten sechs Monate schon die verschiedensten Versuche gemacht, aber nichts wollte mir gelingen. Das Angebot von Arbeitskräften ist auf allen Gebieten so groß, und ich habe wohl nicht genug gekernt, um es mit der Mehrzahl der Mitbewerberinnen austtehmen zu können." Mr. Comstocks Offenheit, in der sich ganz unverkennbar eine wirkliche Teilnahme kundgab, hatte ersichtlich ihr Vertrauen gewonnen, da sie ihm so freimütig von ihren getäuschten Hoffnungen sprach Und sie empfand es darum auch nicht als eine verletzende Neugier, da er nach einer kleinen Panse fragte: „Sie sind nicht für den Kampf ums Dasein erzogen worden. Miß Barrymore?" „Leider nein", erwiderte fte ohne Zögern. „Mein Baker war ein sehr wohlhabender Mann, der erst wenige Wochen vor seinem Tode durch unglückliche Zufälle sein ganzes Vermögen verlor. Und er hatte wohl ebensowenig wie ich selbst jemals an die Möglichkeit gedacht, daß ich mir eines Tages mein Brot selbst, würde verdienen müssen." „Hum! — Es ließe sich ja vielleicht ein Gebiet ftnden, auf dem Ihre stilistische Gewandtheit und Ihre gute Beobachtungsgabe sich nutzbringend verwerten ließen. Aber ich kann natürlich nicht beurteilen, ob es das richtige für Sie sein würde. Denn von einer Befriedigung literarischen Ehrgeizes ist bei dieser Art von Tätigkeit keine Rebe. Und sie setzt außerdem mancherlei persönliche Eigenschaften voraus, über die nur wenige junge Damen verfügen: zum Beispiel: Mut, Schlagfertigkeit, natürliches Taktgefühl und immer bereite Geistesgegenwart." Verwundert hatte Miß Margaret die braunen Augen zu dem Sprechenden erhoben, und ein Ausdruck lebhafter Spannung war in ihren Zügen. „Was für eine Tätigkeit wäre das, Mr. Comstock? — Ich ahne wirklich nicht, was Sie meinen." „Haben Sie noch nie von weiblichen Reportern gehört —« von Damen, deren Beruf es ist, interessante Neuigkeiten für die Tageszeitungen auszuforschen?" Das junge Mädchen schüttelte den Kopf, sichtlich enttäuscht über die erhaltene Auskunft. „Nein! — Ich meinte, das sei nur ein Beruf für Männer, und obendrein keiner von den ehrenvollsten Berufen." „Das war ein sehr wenig zutreffendes Urteil, mein Fräulein! Unsere Reporter sind in ihrer überwiegenden Mehrzahl nicht nur sehr tüchtige, sondern auch sehr ehrenwerte Leute, die sich ihrer großen Verantwortlichkeit vollkommen bewußt find und die sich keiner Täuschung darüber hingebeu, daß sie nicht nur inbezug auf Findigkeit und Gewandtheit, sondern auch inbezug auf Wahrhaftigkeit und Zuverlässigkeit hochgestellten Anforderungen genügen müssen, um ihre Stellung zu behaupten. Die Allgemeinheit ist gar manchenr dieser Herren zu großem Danke verpflichtet." „Ich will es wohl glauben", sagte Miß Barrymore etwas beschämt, ,,aöer nach den Begriffen, die ich mir von der Tätigkeit eines Reporters mache, scheint es mir ganz undenkbar, daß eine Frau — ein junges Mädchen imstande sein sollte, sie auszn- üben." „Für das Arbeitsgebiet eines weiblichen Reporters könnest natürlich nur ganz bestimmte Fälle in Betracht kommen. Aber die Zahl dieser Fälle ist gar nicht so klein. Und einige New- Yorker Zeitungen verfügen über einen ganzen Stab von weiblichen Hülfskräften, die sich in den schwierigsten Situationen glänzend bewährt haben. Es gibt eben viele Dinge, denen der Scharfsinn 130 Mw der — entschuldigen Sie den seltsam klingenden Ausdruck — Instinkt einer Frau viel schneller auf den Grund kommt als die Kombinationsgabe des Mannes. Es gibt weibliche Wesen, die in der Beziehung selbst den geriebensten Detektive übertreffen." Das junge Mädchen schüttelte den Kopf, aber sie kam nicht mehr dazu, etwas zu erwidern, denn in diesem Augenblick betrat ein älterer Herr mit hagerem, glatt rasiertem Gesicht das Arbeitszimmer des Redakteurs. „Sie sind beschäftigt, Mr. Comstock?" „Nicht so dringend, lieber Carter, daß ich nicht anhören könnte, was Sie mir neues bringen. — Erlauben Sie mir, Miß Barrymore, Ihnen Mr. Henry Carter, den geschicktesten Reporter des „Morniug Telegraph" vorzustcllen." Der also Gerühmte verbeugte sich artig, aber er machte ein verdrießliches Gesicht. „Habe in diesem Augenblick gar keinen Anlaß, mir sonderlich viel auf meine Geschicklichkeit einzubilden, Mr. Comstock. — Seit zwei Tagen setze ich Himmel und Erde in Bewegung, um das Material zu einem sensationellen Artikel über den Fall Garnett zusammen zu bringen. Aber ich bin heute noch so klug wie in der ersten Stunde. Die alte Miß Garnett läßt sich nicht sprechen. Ihr Neffe hätte mich beinahe hinausgeworfen. —■ Dr. Chilton weiß vorc nichts anderem zu reden als von der Wunderkur, die er an der azlten Dame zustande gebracht, und alle anderen wissen nicht mehr als ich. Wir werden die Sache wohl einstweilen auf sich beruhen lassen müssen, Mr. Comstock!" „Schade — es war ein so vielversprechender Fall. Aber wenn selbst ein Mann von Ihrer Erfahrung nichts herauszubringen vermag — Sie kennen doch die Affäre, Miß Barrymore ?" Margaret, die in einiger Verlegenheit auf einen schicklichen Anlaß wartete, sich zu empfehlen, schüttelte verneinend den Kopf. Dem Redakteur aber schien eine plötzliche Eingebung gekommen zu sein. „Bitte, setzen Sie sich doch noch einen Augenblick, mein Fräulein! — Was ich Ihnen da erzählen will, wird Sie vielleicht interessieren. — Haben Sie auch den Namen der Miß Elizabeth Garnett noch nicht nennen hören?" „Doch! — Ich glaube mich zu erinnern. — Ist es nicht die Dame, die einen großen Teil ihres Vermögens für allerlei Wohlfahrtseinrichtungen hergegeben hat?" „Jawohl, dieselbe. Eine der verehrungswürdigsten Persönlichkeiten aus den Kreisen der oberen Zehntausend von Newyork, eine wahre Trösterin und Wohltäterin der Armen. Mit den fünfzehn oder zwanzig Millionen, die sie von ihren Eltern ererbt hatte, soll sie einst eine vielumworbene Schönheit gewesen sein. Aber sie hat es vorgezogen, unvermählt zu bleiben und ihr ganzes Leben den Werken edelster Menschenliebe zu widmen. Der Gesamtwert der Schenkungen, die sie den verschiedensten Anstalten gemacht hat, beziffert sich auf Millionen, die gewaltigen Summen ungerechnet, die sie im Lauf^ der Jahre an Hülfsbedürftige verteilt hat, ohne daß die Oeffentlichkeit etwas davon erfuhr. Man sollte wahrhaftig meinen, eine Frau von solchem Charakter könne keinen Feind haben. Und doch ist Miß Garnett nun schon zum drittenmal im Verlauf eines einzigen Jahres nur mit genauer Not dem Tode durch die Hand eines schurkischen Mörders entronnen." „Oder einer Mörderin", ergänzte Mr. Carter. Denn mit solchen Waffen pflegt nur die bessere Hälfte der Menschhell zu arbeiten." „Ich habe nichts davon gehört", sagte Miß Barrymore. „Ich komme so selten dazu, die Zeitungen zu lesen." „Das ist sehr unrecht. Aber ich will Sie mit wenig Worten aufklären. Miß Garnett bewohnt ein kleines, aber prächtig eingerichtetes Haus in der vierzehntem Straße. Sie empfängt nur selten Besucher aus ihren Gesellschaftskreisen, denn die Vergnügungen der großen Welt haben für sie längst ihren Reiz verloren. Ihre Dienerschaft ist infolgedessen nicht sehr zahlreich und sie bestand bis vor kurzem nur aus Personen, die sich seit vielen Jahren als treu m-nd zuverlässig bewährt hatten. Vor . einer Reihe von Monaten nun erkrankte Miß Garnett plötzlich unter Erscheinungen, die den Verdacht einer Vergiftung nahe legen mußten. In der Tat wurde durch den in aller Eile herbeigerusenen Arzt eine solche konstatiert, und es gelang nur durch die schleunige Anwendung geeigneter Gegenmittel, die ungefähr sechzigjährige Dame am Leben zu erhalten. Damals wollte niemand daran glauben, daß es sich um einen Mordanschlag auf die allverehrte Wohltäterin der Armen geharr- delt habe, zumal niemand von ihrem Tode irgend welchen Wortell gehabt hätte. Man weiß, daß sie den größten Teil ihres Nachlasses Krankenhäusern und Armenasylen zugedacht und seit langem dementsprechend testamentarisch verfügt hat. Ihr einziger Blutsverwandter ist der Sohn einer längst verstorbenen Schwester, ein junger Mann, der von seinen Eltern her und durch die Teilhaberschaft an einem angesehenen Handelshause über sehr beträchtliches eigenes Vermögen verfügt. Sein Verhältnis zu der Tante ist das aillerbeste, und es wäre Wahnwitz gewesen, bei ihm irgend welches Interesse an dem Ableben der Miß Garnett vorauszusetzen. Die nach der ersten Vergiftung auf sein Betreiben eingeleitete Untersuchung verlief also ohne jedes Ergebnis und Miß Garnett selbst war überzeugt, daß sie nur das Opfer irgend eines unglücklichen Zufalls gewesen sei. Kaum drei Monate später aber wiederholte sich die rätselhafte Erkrankung und wieder hing das Leben der würdigen Dame tagelang nur an einem seidenen Faden. Alle zu Rate gezogenen ärztlichen Autoritäten stimmten darin überein, daß eine Vergiftung vorläge, wenn auch ihre Ansichten über die Natur des Giftes auseiuandergingen. Jetzt hegte man keinen Zweifel mehr, daß eilte Person in Miß Garnetts nächster Umgebung von dem verbrecherischen Wimsche erfüllt sei, die alte Dame aus der Welt zu schaffen, und die Untersuchung wurde diesmal von den geschicktesten Detektives geführt. Es wurde festgestellt, daß Miß Garnett sei drei Tagen vor ihrer Erkrankung nichts Festes oder Flüssiges zu sich genommen hatte, was nicht in ihrer eigenen Küche bereitet worden war und da außer ihr im Hause alles gesund geblieben war, mußte man wohl oder übel annehmen, daß das Gift von ruchloser Hand einer für sie bestimmten Speise oder einem Gettäuk unmittelbar vor dem Genüsse zugesetzt worden sei. Eine Köchin und eine Kammerjungfer wurden vorübergehend in Haft genommen, mußten aber bald wieder freigelassen werden, da sich nickst die geringsten Beweise für ihre Schuld erbringen ließen i«nd da es außerdem an jedem Motiv fehlte, bas sie zur Begehung des Verbrechens hätte bestimmen können. Auf Verlangen ihres Neffen entschloß sich Miß Garnett jedoch, ihre gesamte Dienerschaft zu entlassen und durch andere gut empfohlene Personen zu ersetzen. Man hätte danach in irr Tat glauben sollen, daß sie künftig gegen derartige schändliche Anschläge geschützt sei. Vor fünf oder sechs Tagen aber mußte der Nesse abermals die Anzeige von einem gegen seine Tante unternommenen Vergiftungsversuch erstatten, und dieses neueste Vorkommnis erscheint noch viel unerklärlicher als die voraufgegangenen Attentate. Auch die Erkrankung soll diesmal noch um vieles schwerer gewesen sein als in den früheren Fallen. Die bedeutendsten Newyorker Aerzte, die an das Krankenbett der Millionärin gerufen worden waren, hatten sie bereits aus- gegeben, und der junge Doktor Laurence Chilton, Miß Garnetts Hausarzt, mag sich in der Tat etwas darauf einbilden, daß es ihm gelungen ist, dfurch seine energische, von den anderen Autoritäten keineswegs gebilligte Behandlung das Leben der Patientin dennoch zu erhalten. Die Sache wird natürlich jetzt, wo Miß Garnett außer Gefahr ist, wiederum das Nachspiel einer gerichtlichen Untersuchung haben, und wir wollen hoffen, daß es kriminalistischem Spürsinn endlich gelingt, den Urheber ober die Urheberin dieser heimtückischen Mordversuche zu entdecken. Die Pflicht der Presse aber ist es, die Detektives nicht nur zu unterstützen, sondern ihnen, wenn möglich zuvorzukommen, teils int Interesse der Allgemeinheit, zum guten Teil aber auch im eigenen Interesse. Ein Blatt, das durch die Findigkeit seiner Organe das über dem Fall Garnett schwebende Dunkel aufzuhellen vermöchte, würde damit beim Publikum natürlich einen Riesenerfolg haben und für eine Weile alle seine Konkurrenten überflügeln. Ahnen Sie jetzt vielleicht. Miß Barrymore, warum ich Ihnen den Fall so ausführlich erzählt habe?" Nach dem, was vor Mr. Carters Erscheinen zwischen Ihnen gesprochen worden war, hätte Margaret allerdings von sehr langsamen Begriffen sein müssen, wenn sie es nicht geahnt hätte. „Sie glauben doch nicht, Mr. Comstock, daß ich Ihnen behülslich sein könnte — —" (Fortsetzung folgt.) Dom Darmstädter Kerrevgarten. (Original-Artikel der „Gieß. Fam.-Bl."). Darmstadt, 1. März. Eilt geschäftskundiger Casstier hat (wie wir schon kurz mitteilten) dem Großherzoglichen Kabinett einen Plan unterbreitet zur Errichtung eines Kaffeehauses im Grvßherzoglichen Herrengarten. Das einstöckige Gebäude mit etwa 30 Meder Front soll ca. 50000 Mark kosten. Für die Genehmigung wurde das Haus nach dreißigjähriger Bewirtschaftung in den Besitz des Großherzogs übergehen. Ms Archllett wird Professor Olbrich genannt. Der „Herrengarten" hat eine alte Geschichte. Seine ursprüngliche Mtlage stammt vvm Landgrafen Georg I. (~H 1596), der hinter 131 betn Von ihm erbauten Schlosse noch Norden zu einen „Lustgarten" schassen wollte. Ter Chronist Dilich rühmt von ihm, daß darin etliche Fuder Weins und viel, herrliches Obst, auch viele exotiea wuchsen. Nach einem Reskript aus dem Jahre 1589 liest Georg I. zu den Rebenanpslanzungen und Mandelbäumen noch 400 junge Maulbeerbäume aus Italien kommen. Naturgemäß erfuhr der Garten unter den nachfolgenden Landgrafen mehrfache Veränderungen. Durch Zukauf von Privatgärten wurde er zeitweilig vergrößert, („Birngarten", „Gemüsegarten" usw.), aber später durch Anlage von Straßen, sog. Vorstädte usw. immer wieder verkleinert. Die „große Landgräfin" (Karvline von Balz-ZweibrÜcken), die Gemahlin Ludwigs IX. (1768—1790) veränderte die Gartenanlage vollends, die Fürstin ließ den Garten in einen englischen Park umwandeln. Von dem „Kuchmigarten" ist heute nur noch ein schmales Stück vorhanden, auf dem der jetzige Grobherzog eine herrlich« Orchideenanpflanzung wachsen läßt. Auch das Terrain, auf dem unter Großherzog Ludwig I. das jetzige Hoftheater erbaut wurde, gehörte früher zum Herrengarten, ebenso das Gebiet der Technischen Hochschule. Großhe^vg Ludwig I. ließ den Teich und am äußersten Nordwestende den Berg anlegen, auch den Park dem Publikum zugänglich machen. In seiner.heutigen Gestalt zieht der Park hinter bent Haftheater und Museum an der jetzigen Frankfurterstraße entlang bis zur Schloßgartenstraße in einer ungefähren Länge von 350 Meter und einer größten Breite von 20Ö Meter. Oestlich begrenzen jetzt den „Herrengarten" die Gebäude der Technischen Hochschule und weiter nordwärts der schon erwähnte Kunstgarten Ernst Ludwigs, der ehemalige „Prinz Ge- vrg's Garten", der ein kleines Landhaus birgt, das einigen vom Großherzog protegierten Künstlern als Heim- und Arbeitsstätte dient. Dem „Herrengarten", ber' jetzt längst inmitten der Stadt liegt, ist der englische Park-Stil erfreulicherweise erhalten geblieben. Breite Wege durchziehen in abwechselungsvollen Linien den Park. Hohe Baumgruppen umvahmen die unregelmäßigen Rasenflächen. Ungefähr in der Mitte der westlichen Hälfte des Gartens ist die Teichanlage mit einer baumbestandenen Insel. Im Sommer gleiten hier weiße Schwäne leise durch das sonnendurchflutete Gewässer, auf der blumenduftenden Wiese gackern weiße in nd bunte Enten und über dem Wege drüben auf einem'Sand- stlatze unter den hohen, jahrhuuderte alten Rüstern spielen Kinder ihre u nschuldsvvllen Spiele. . . . Und in dieses Idyll will man jetzt das geräuschvolle, poesielose Getriebe eines modernen Kaffeehauses tragen! Bon der „Eremitage", die sich die „große Landgräfin" vor der Südwestecke des jetzigen Teiches errichtet hatte, ist nichts mehr zu sehen. Hier soll übrigens die Landgräfin Karvline mit Goethe eine Begegnung gehabt haben. Diese Freundin Wielands und Herders liegt mehr am Eingänge zum Park (vom Theater her) begraben. Friedrich der Große sagte von ihr „femina sexa, ingenio vir." Bor dem Berge im Park steht das Denkmal zum Gedächtnis der in den napoleonischen Feldzügen gefallenen Hessen-Darmstädter. Weiter befinden sich im Herrengarten das Goethe-Denkmal und der Gedenkstein des „Prinzeßchen", des so jäh verstorbenen Kindes des jetzigen Großherzogs. , Nun soll — wohl als Denkmal der modernsten Entwicklung ein Kasfehaus den englischen Park regieren! Mau kann da schon die stille und laute Erregung über das Projekt in der Darmstädter Bürgerschaft begreifen, wenn man bedenkt, was der Herrengarten für Groß IN nd Klein der Einwohnerschaft bedeutet. Der greise Landgraf Ludwig VIII. erließ einst eine Verordnung gegen den Genuß von Kaffee. Es wäre ein hübscher Treppemvitz der Geschichte, wenn des Landgrafen Nachkomme, Großherzog Ernst Ludwig jetzt einem Kaffeehause auf seinem Besitztum Platz geben wollte. Natürlich haben sich nn das Projekt noch die verschiedensten Pläne geknüpft. Was an diesen Kombinationen richtig ist, läßt sich nicht feststellen. Sollte aber tatsächlich beim Großherzog die Absicht bestehen, den zum Volkspark gewordenen Herrengarten auszuheben und zu veräußern, bann hätte die Verwaltung de r Stadt Darmstadt die vornehmste Pflicht, hier als erster und stärkster Käufer aufzutreteu, damit den Einwohnern eine Erholungsstätte inmitten der Stadt erhalten bleibt, die ihnen nicht nur historisch lieb und teuer geworben ist, sondern auch von Arm und Reich als landschaftliche Zierde wertgeschätzt wird. Zur Arage der körperlichen Krtüchtigung der deutschen Jugend. Von E. von S ch e n ck e n b o r f f, M. d. A. Wer wollte, dank dem einmütigen Zusammenwirken von Staat, Gemeinde und Lehrerschaft, verkennen, daß in unserem heutigen Schul- und Erziehungswesen ein frisches inneres Leben, und zwar mit dem Ziele erwacht ist, den Gesetzen der natürlichen Entwicklung des Kindes, wie den sich immer mehr steigernden Anforderungen des Lebens Rechnung zu tragen. Dies rege Leben erstreckt sich auch auf das mehr und mehr zur Anerkennung und Würdigung gelangende GebietkräftigerkörperlicherEnt- Wickelung. Was nützten auch dem in das Leben tretenden jungen Menschen alle hohe Bildung, alles Wissen und Können, alle geistige Ausrüstung, wenn ihm nicht auch ein gesunder, widerstandsfähiger, woniöglich geschulter Körper mit ins Leben gegeben würde. Denn nur frisch pulsierendes körperliches Leben gibt in der Welt, in der wir sind und wirken, aller geistigen Betätigung Kraft, Widerstand und Nachdruck. So wird im Januarheft einer einflußreichen Zeitschrift für das höhere Schulwesen unter Hinweis auf die vom Kaiser 1890 einberufene Schnlkon- ferenz, die die dritte Turnstunde geschaffen hatte, geschrieben: „Daß wir eine Turnstunde mehr aus dem Wochenplane haben ist nicht das Ausschlaggebende . . ., viel wichtiger ist es, daß durch den Ausbau des Faches die Körperpflegeim öffentlichen Urteil eine erheblich höhere Wertung erfahren hat." Gewiß! Denn rechnet man hinzu, daß neben der aktiven Körperpflege die mannigfachsten schulhygienischen Einrichtungen und viele Verbefferungen der Lehrer- niethoden zur Erleichterung des Auffasfens und Lernens u. a. hinzugetreten sind, so wird man diese Fortschritte im Hinblick auf die- gedeihliche Entwickelung der deutschen Jugend durchaus dankbar anerkennen müssen. Eine andere Frage bleibt es, ob mit dem vorerwähnten Ausbau des Faches der aktiven Körperpflege selbst das hinreichende Maß des für die körperliche Entwicklung Notwendigen schon erreicht ist. Das muß umsomehr in Frage kommen, als neben den hier in den Vordergrund gestellten höheren Lehranstalten, die numerisch nur das kleinste Gebiet des gesamten Schulwesens ausniachen, die großen Gebiete des Mittel- und Volksschulwesens bestehen, bei denen die alte Stundenzahl zwei Wocyen- stunden noch beibehalten ist, ja bei welchen für die jüngeren Altersklassen und für weite Kreise der Mädchenklassen eine Zeit für Pflege der Leibesübungen in den Lehrplan überhaupt noch n i ch t a u f g e n o m m e n i st. Viele Eltern, Lehrer, Aerzte, zahlreiche Gemeindebehörden und große Schichten der Bevölkerung verneinen jene Frage unbedingt. Schon die unvermeidlichen Schul- schäden des gezwungenen Sitzens bei meist gebückter Haltung, wodurch die inneren Organe zusammengepfercht werden, nicht nur gelegentlich, sondern durch das ganze Schulleben hindurch; die vorwiegend einseitige Kopfanstrengung und die dadurch zuruckgedrängte Betätigung der Willenskraft, sowie das lange Zubringen in geschlossenen, oft schlecht ventilierten Räumen, — das sind in den Jahren der stärksten Entwickelung gesundheitschäbliche Eingriffe von solch erheblichem Umfange, daß die Schule die Aufgabe nicht abweisen kann, durch hinreichende aktive Körperübungen diese gesundheitlichen Schäden zum mindesten wieder auszugleichen. Dazu kommt noch, daß unsere schnelleb ende Zeit mit ihrer kraftausreibenden Tätigkeit und die Erhaltung der vaterländischen Wehrkraft die dringendste Mahnung an die Schule richten, jene Schulschäden nicht allein auszugleichen, sondern darüber hinaus mit ihren Maßnahmen auch dafür zu sorgen, daß dem Leben eine starke u.nd körperlich geschulte Jugend zugeführt werde. Es dürften daher zwei oder drei wöchentliche Turnstunden für diese Zwecke durchaus unzureichend sein. Aus diesen Erwägungen heraus hat der Zentral-Ausschuß für Volks- und Jugendspiele in Deutschland, in Anlehnung an diese weit im Volk verbreiteten Anschauungen, vor einigen Jahren das Ziel ausgestellt, für das einzelne Schulkind aller Altersklassen, ob Knabe, ob Mädchen, in jeder Woche, das ganze Jahr hindurch, schulseitig neben dem Turnunterrichte, und zwar als Erweiterung desselben, e i n e n N a ch m i t t a g f ü r L e i b e s- Übungen in freier Lust einzuführen, und ihn auch ftei- zuhalten von häuslichen Schularbeiten. Für diese Forderung hat sich der Name „Spielnachmittag" eingeführt. (S. das treffliche Werk „Spielnachmittage" von Hofrat Professor Raydt, Teubners Verlag, Leipzig 1905.) Auf den öffentlichen Versammlungen des Zentral-Ausschusses, 1904 in Quedlinburg und 1905 in Frankfurt a. M., ist diese Forderung eingehend erörtert und von den zahlreich erschienenen Kongreßbesuchern so gut wie einmütig angenommen worden. Den deutschen Unterrichtsverwaltungen und Städten ist dann eine bezügliche, motivierte Eingabe mit der Bitte unterbreitet worden, diesen Bestrebungen förderlich zu sein. Jnztvischen ist auf diesem Gebiete ein reges Leben erwacht; eine Reihe deutscher Staatenwnb viele Gemeinden sind dieser Frage praktisch näher getreten. Der preußische Kultusminister Dr. von Stndt erwiderte im Abgeordnetenhause auf meine Anregung, er erkenne es durchaus au, daß auch nach anderer Richtung hin als nach dem Turnen eine Erweiterung der Leibesübungen ein- 'treten müsse, und er gab der Hoffnung Ausdruck, hierfür auch die erforderliche Zeit im Stundenplan freiniachen zu können. Das württembergische Ministerium ist auf der Grundlage eines umfassenden Planes schon in die Arbeit selbst eingetreten; die Kultusministerien in Bayern, Sachsen u. a. Staaten bringen bieten Bestrebungen warmes Interesse entgegen; die deutsche Turnlehrerschaft begrüßte durch ihren ersten Vorsitzenden, Turnmspektor Boettcher, diesen Plan in der deutschen Turnzeitung mit großer Sympathie; ja im Braunschweigs,chen bestehen obligatoritche Spieluachmittage an den 12 höheren Lehranstalten schon feit mehr als 30 Jahren. Bei der Durchführung dieser Ideen zeigen sich, je mehr man ihnen praktisch näher treten will, hier und da noch Mißverständniste. Das ist ebenso erklärlich, wie im Hin- blick darauf, baß damit frisches Leben in die Entwicklung dieser Ideen getragen wird, auch hocherftenlich. Es dürfte daher willkommen fein, wenn ich, als ehemaliger Referent auf dem Frankfurter Kongresse, die für die Durchführung gedachten Grundsätze des Zentral-Ansschnsses in einigen Hauptpunkten darlege. 132 Der Zentral-Ausschuß war sich selbstverständlich der sehr er- Leblichen, ja außerordentlichen Schwierigkeiten voll bewußt, die dem Plane, besonders in Anbetracht der heut noch unzureichend Vorhandeilen Spielplätze und Lehrkräfte, wie auch mbezug auf die Freimachung der Spielnachmrttage vom Schulunterricht, ent- geqenstanden. Er stellte daher an die Spitze seiner Grunchatze den Satz, daß der verbindliche Spielnachmittag nur auf dem Wege einervollkommenfreienEntwicklungzur vollen Be- deutuiig und Geltung kommen könne. Wenn man letzt an einzelnen höheren Lehranstalten, besonders in großen Orten, diesem neu zu schaffenden freien Nachmittage in erster Stme zum innigeren Zusammenleben der Eltern mit ihren Kindern, zur größeren Erholung und zur erweiterten Pflege individueller Ner- mntqen das Wort redet, den Schülern aber schulseitig zugleich Gelegenheit zum freiwilligen Besuch der Jugendspiele und anderer Hebungen in freier Luft geben will, so stehen diese den örtlichen Verhältnissen angepaßten Bestrebungen keineswegs m Widerspruch mit den vom Zentralausschuß ausgestellten Gruno,atzen, da der Forderung, die Schule möchte die größtmöglichen Einrichtungen für die Leibesübungen treffen, Rechnung getragen ist, und der Zentral-Ausschuß, wie bereits angegeben wurde, die freie Form der Durchführung nicht nur billigt, sondern sie zur allseitigen Erreichung seiner Ziele auch bestens begrüßt. Die auch weitverbreitete Ansicht, als sordere der Zentral-Ausschuß den obliAatv- rischen Spielnachmittag üuf einmal für alle Schulen, ist also irrig: er hat in! einer an den preußischen Kultusminister gerichteten Eingabe vom 18. Februar 190a nur die Bttte ausgesprochen, den Gemeinden, die freiwillig den obligatorischen Sptel- nachmittag für einzelne Klassen oder für ganze Schulen emsuhren I wollen, die Genehmigung hierzu zu geben. . Nur als Endziel I strebt der Zentral-Ausschuß die verbindliche Einführung an, doch, was man gewöhnlich übersieht, ohne irgend etne Vermehrung der heutigen Pflichtstundenzahl; denn die pflichtmaßige Einführung ist die logische Forderung der Grnndauffassung, daß der Spielnachmittag eine Erweiterung des Turnunterrichts bildet, dte, wie dieser, nicht nur einzelnen Schülern, sondern der Gesamtheit der Schüler zugute kvmmen soll. Wollte man den Besuch der- Spielnachmittage den Schülern für alle Zeiten freistellen, so würde man die Entwickelung dieser hochwichtigen Frage m die Hand einer unmündigen Instanz legen. Der Zentral-Ausschuß ist seit langen Jahren bemüht, im wesentlichen das in die Tat umzusetzen, was der Chef der preußischen Unterrichtsverwaltung, der Kultusminister von Goßler, in seinem denkwürdigen Erlasse vom 27. Oktober 1882 tn so begeisterter Weise über die Bedeutung und Pflege der Jugend- fpiele und anderer Leibesübungen in freier Luft zum Ausdruck brachte. Der Minister hat ihm das selbst im Jahre 1894 anläßlich des 1 deutschen Kongresses in einem eingehend begründeten Schreiben bestätigt. Dieser Erlaß des Ministers v. Goßler, der von weitsichtigen Gesichtspunkten und von dem tiefernsten Bestreben getragen wird, ebenso Jugend- als Gemeinioohl zu fördern, bildet für alle Zeiten ein hervorragendes Ruhmesblatt tn der Geschichte der preußischen Schulverwaltung. Er feiert in dreiem Jahre sein Wjähriges Jubiläum, das der Zentral-Ausschuß auf seinem am 7. ünd 8. Juli stattsindendeu 8. Kongresse zu Straßburg i E. auch feierlich begehen wird. Möchten sich daher tn die-em Jubiläumsjahre alle Freunde körperlicher Ertüchtigung in Jugend und Volk um diesen einstigen edlen Streiter zu kräftigem einmütigen .Handeln zusammenscharen. Unsere Jugend und unsere Zeit bedürfen wahrlich auch heute iwch dieser vollen Hingabe an dieses erhabene, schöne Ziel. Darum rufe ich allen Freunden der Jugend und des Vaterlandes ein „Vorwärts!" „Vorwärts!" auf diesem Gebiete zu. Gilt es doch, schon von der Schule her kraft- und lebensvolle Persönlichkeiten dem Leben zuzuführen, die körperlich und geistig gerüstet sind, den Kampf des Lebens aufzunehmen, und gleichmäßig ger- mattischer Friedenslultur wie der Verteidigung des Vaterlandes zu dienen. _____________ Warum man FnngßeseKe bleibt. So lautet die Umfrage, die eine Stockholmer Zeitung dieser Tage an ihre Leser gestellt hat und deren Beantwortung, auch außerhalb der lebenslustigen „Königin am Mälar" Neugierige finden wird. Gibt es doch keinen internationaleren Gegenstand als den der Liebe und Ehe! Da ausgesprochene Gegner der Ehe dte Antwortenden sind, so kommen die Frauen nicht allzu gut dabei fort. Der eine schreckt dem bindenden Jawort zurück, weil die meisten Frauen nach semrr Beobachtung die Zeit mit Briefschreiben oder Telephvngesprachen verbringen. Ein anderer wiederum, weil dte Frauen nur Stint für Putz haben, und das ist der häufigst wtederkehrende Rctm Die Frauen von heute sind „zu anspruchsvoll. Eine Hochzett mit einem Haufen Gäste, eine Wohnung mit fünf elegant em- gerichteten Zimmern muß schon der Anfang sein, — das i]t dte Anklage eines der Ehefürchtenden. Gegen diese Vorwurfe wehrt sich nun im Namen ihrer Mitschwestern eine Leserin desselben Blattes ganz energisch. Sie schreibt, daß in den meisten Fallen doch die Frau die Entbehrende in der Ehe sei. Wievielr Frauen leben nur für das Wohl von Mann und Kindern, und wenn diese lebenslustigen anklagenden Hcrrlein ihre Wirtschaftsbücher studieren wollten, würden sie sehen, daß das Meiste vom Htaushaltsgelde für die Bequemlichkeit und für den Magen des Gatten verwendet wird. Und wie viele Mädchen wagen es aus Liebe zu dem Auserwählten, einen Hausstand ohne jede dienstbotliche Hilfe z.it begründen, und unterwerfen sich all den groben Hausarbeiten, die sie vielleicht früher nur vom Hörensagen kannten. Keinem der starken Herren würde es wohl einfallen, ein ähnliches Opfer zu bringen. Die Schreiberin dieser Zeilen hat gewiß Recht und das Ergebnis der Umfrage sollte mancher Mutter, die ihre Tochter nicht fein genug herausstafsicren kann, weil sie gar zu gern Schwiegermutter werden möchte, zu denken geben, Die jungen Mädchen gehen heute im Allgemeinen so elegant gekleidet, daß es sehr begreiflich erscheint, wenn die Freier sich erschreckt fragen, wie sie sich erst als Fvanen werden kleiden wollen! Wer kann solchen Staat bezahlen! Manche Familie gibt es, wo der Magen karrt, weil der Pub der heiratsfähigen Tochter Vaters schmales Einkommen so stark in Anspruch nimmt. Warum? Weil man glaubt „so vornehm wie möglich" ums den Bällen, in bett Konzerten, tun Strande, kurz überall, wo der Heiratsmlarkt seine Zelte ausschlägt, erscheinen zu müssen. Und es ist tragikomisch', daß man gerade durch diese anscheinende Prunksucht, die garntcht persönlichem Lebensbedürfnis sondern ängstlicher Berechnung entspringt, am Ziel vorbeischießt, — daß man sich selbst, unter teuren Opfern, die Nieten in der Ehelotterie in die Hand drückt.... E. v. D. ! , Nemnischtss. * Vermag die Schlange ihre erköre ne Beute zu hypnotisieren? Diese Frage beanttvortet der „Kosmos" in Stuttgart wie folgt: Nach Brehm hat man schon häuiig beobachtet, daß mlanche Tiere, z. B. Mäuse oder Vögel, sich Schlangen — nicht wie die Frösche unter ängstlichem Quaken — ganz ohne Furcht näherten, von denen sie später gesungen und verschlungen wurden; andererseits sah man auch Vögel mit höchster Besorgnis Schlangen umflattern, die ihre Brut oder sie selbst bedrohten, bis sie sich schließlich versahen und ebenfalls ergriffen wurden. Da der sonst Tiere vor ihren Gegnern warneitde Naturtrieb sich in diesen Fällen nicht geltend machte, so nahm man früher eine Zauberkraft der Schlangen an, während man ihnen neuerdings die Fähigkeit zuschreiben will, jene Tiere durch ihren Blick zu hypnotisieren. Nach Brehms zahlreichen Beobachtungen an gefangenen Schlangen liegt vielmehr die Sache so, daß die vermeintlich bezauberten Tiere in der Schlange gar nicht das gesährliche Raubtier erkennen, das sic ist (wovon natürlich bei dem in Todesangst quakenden Frosche keine Rede sein könnte), sondern einfach a us Neugier handeln. Das ängstliche Gebaren verschiedener Vögel am Neste angesichts einer sich nähernden Schlange beruhe dagegen auf den bekannten Verstellungsküns.c , durch welche die Vögel gern die Aufmerksamkeit des Feindes (der hier also als solcher erkannt worden wäre) von ihrer Br: t ab- und sich zulenten. Die Frage scheint uns gegenwärtig no.p nicht spruchreif. Daß von einer „Zauberkrast des Schlange, blicks" keine Rede sein kann, ist selbstverständlich; ob die Schlange aber in der oben angegebenen Weise ihre Beute zu hypnotisieren vermag, müßte erst noch durch weitere, in jeder Beziehung einwandfreie Beobachtungen erwiesen werden. Logogriph. (Nachdruck verboten.) Mit F hast bu uns oft gesehn, Wenn dte Natur tvill scitlaien gehn; Tu findest, trägt sie sotche Zier, Ter Reinheit Ebenbild in ihr. Tu hast uns G an's Haupt gesetzt: Weithin tönt unsre Stimme jetzt. Wir reden laut, doch mancher Thor Leiht unsrem Rus zu spät sein Ohr. Nintm uns das Haupt, dies Wörtlein spricht. Was unser Amt und unsre Pflicht. Toch wird dies Wörtchen groß geschrieben. Wirst Du's an jungen Mädchen lieben. W. Auflösttng in nächster Nummer. Auflösung der Dcchiffrtr-Aufgabe in voriger Nummer: Es giebt nur ein Glück: Die Pflicht, Nttr emen Trost: Tie Arbeit, Nur einen Genuß: Tas Schöne. Carnten Sylva. Redaktion: Ernst Heß. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Unwersttäts-Buch- und Slemdruckerrt, 5t Lange, »tefe«.