«ZN Bai M NMW -M Ker^chsttleöen, die lügen. Roman vcn £>, E h v Hardt, Verfasserin von „Mittellose Mädchen" Nachdruck verboten. (Fortsetzung.) An demselben Abend bekam Hanna Gerhardt noch einen Brief von ihreni Onkel. Sic lachte Tränen über den Brief. Es war auch komisch. Er schrieb wie ein schwärmerischer Primaner — die verrücktesten Pläne kramte er aus. Ter Schlußresrain aber kantete bei allen: Hanna sollte ihnt helfen. Ter Landrat ivar zuerst gegen jede Einmischung in diese heikle Geschichte, aber Hanna wußte ihn umzustimmen. Sic sprach nur noch in den mitleidigsten Tonen von den Beiden. „Der Giw.e Onkel Ernst! So lange hat er nur für seine Verwandter! gelebt und soll nun sein eigenes Glück nicht haben dürfen." Und von Marga, mit der sie in eifrigem Brieswechsel stand, meldete sie: „Sie fühlt sich so elend, so verlassen — sie verkommt ganz in diesem Loßwitz — sie wird häßlich werben und eine alte Jungfer werden, Denke dir, wenn un8 das passiert rväre, wenn ivir un9 nicht hätten haben können." Dieser lehte Himveis entwaffnete den Landrat. Ter Gedanke, wie unglücklich er geworden wäre, wenn er Hanna nicht errungen hätte, erregte nun doch sein ehrliches Mitleid mit den beiden Liebenden. So gab er nach und lies; seiner Frau völlig freie Hand. Tie zog zuerst Joachim in8 Vertrauen. Der junge Offizier war starr vor Schreck. Er sah sich der heißgeliebten Fran wieder um ein Stück näher gebracht, wenn diese Heirat sich verwirklichte. TaS entsetzte ihn. Er wollte nicht. Seit dem Pferdeverkauf standen sie sich innerlich schon viel zu nahe. Er empfand das als Pein. Er fühlte sich gedemütigt vor der Frau, die er anbetete, vor dem arglosen Landrat, der in bet’ sonnigen Stimmung glücklicher Menschen seine Abneigung gegen den Freiherrn vergaß und liebenswürdig mit ihm redete. So tat er etwas Ungeheuerliches, er widersetzte sich aufs Entschiedenste der von Hanna so protegierten Heirat. „Ich bin ganz unb gar dagegen, gnädige Frau, zum ersten Male auf Seiten meiner Ettern. Ihr Herr Onkel ist ein alter Mann — * .Aber Marga liebt ihn." „Sie wird nicht sterben daran. Sie ivird sich trösten und einen anderen heiraten." „Ja, richtig, ich vergaß ganz, daß Sie nicht an Liebe glauben." Hanna war empört über seinen Widerstand. Er wollte nur nicht gemeinsam mit ihr handeln — sie merkte es recht gut. Sie war wütend auf ihn. Wenn er anwesend war, sah sie über ihn hinweg, kaum, daß sie ihm gegenüber die formellste Höflichkeit wahrte. Er lächelte spöttisch dazu, wie über ein ungezogenes, schmollendes Kind. DaS brachte sie noch mehr auf. Ein wilder Trotz, bet’ Eigensinn der verwöhnten Frau erwachte verstärkt in ihr. Sie wollte ihn haben. Nichts anderes hatte jetzt Reiz für ihr übersättigtes Gemüt. Immer sah sie das zärtliche Leuchten seiner Augen, mit dem er sich an jenem Ballabend bei Roessels Isas Antlitz entgegen geneigt hatte. Sie suchte es seitdem vergeblich in dem harten Stahlglanz seines hochmütigen Blickes. Ihre Blacht sollte es wieder entzünden, aber viel intensiver, glühender — gleich lodernden Flammenbränden mußte es ihr entgegenschlagen — und dann würde sie kühl unb spöttisch lächeln. Wie sic sich darauf freute! Es dauerte ihr jetzt viel zu lange. Sie verzehrte sich in zitternder Ungeduld. Sie wurde nervös, reizbar — fiebrig. Zu nichts hatte sie mehr Lust. Der Landrat beunruhigte sich ernstlich darüber. Er riet endlich zum Arzt, aber Hanna sträubte sich eigensinnig. „Mir fehlt nichts, ich bin kerngesund." Und zum Beweis dafür nahm sie den verblüfften Mcmn, wirbelte ihn im Zimmer umher, bis er atemlos in einen Sessel fiel, setzte sich auf seine Knie unb ließ sich von ihm liebkosen und küssen. „Tn mußt viel zärtlicher zu mir sein, das fehlt mir." Er schüttelte den Kopf. „Mir schemts, ich habe dich zu sehr verwöhnt, Kobold, dich sticht der Hafer, wie man zu sagen pflegt!" meinte er mit komischer Tragik. Sie zauste ihm den dunklen, weichen Bart. „Na warte, du Tyrann." Unb dann küßte sie ihn. Sie spielte Komödie. Sie wollte jetzt anfangcn, sehr zärtlich zu ihm zu fein, um ihn ganz sicher zir machen. Bis dahin hatte sie seine Liebe nur geduldet, ohne daß sie in ihrer Brust ein Echo gefunden hätte. Oskar Gerhardt.war nicht der Mann, der Hanna» raffiniertem Begehren hätte Genüge tun können. Seine innigen, aber stets in fast ehrerbietigen Grenzen gehaltenen Liebkosungen widerten sie an wie lauwarme» Zuckerwasser. Ihr verlangte nach glühendem, leidenschaftlichem, berauschendem Trank. M Kindemugen. Fieber hatte ihn gepackt. Bei der Jrülffahrsbesichtigung waren seine Rekruten die besten gewesen. Er galt allgemein für einen tüchtigen Offizier. .Mag er als Mensch sein, wie er will, im Dienst ist nichts an ihm zu tadeln I" sagten feine Vorgesetzten. Dabei war keiner mit so viel Widerstreben Soldat, wie er: sein Leben log auch darin. Er lächelte bitter über die Anerkennung, die ihm wurde. Aber nun drängte doch sein Ehrgeiz noch einmal ans Tageslicht, flackerte hell aus. Er hungerte, er versagte sich jeden Genuß, um sich die nötigen Bücher zg.verschaffen, die Stunden bezahlen zu können. -Bis in die schwülen, duftenden Sommernächte hinein saß er am Schreibtisch und arbeitete, bis er umsiel vor Müdigkeit und oft erst halb entkleidet auf sein Bett sank und einschlief. So entfloh er den Gedanken, die ihn beständig verfolgten. Aber es gab noch Stunden genug in seinem Leben, die ihn macht- und wehrlos seiner Leidenschaft unterliegen sahen. Es war dann nicht eine Ader in ihm, die nicht brannte vor Sehnsucht nach dem Weib eines anderen. Gleich einem Vampyr hatte diese wahnsinnige Liebe sich an ihn heran geschlichen und trank sei!, Herzblut. Hannas zorniges Schmollen traf ihn tiefer, als sie wußte. Er dürstete nach einem Lächeln ihrer roten Lippen, einem Aufleuchten der märchenhaft großen und wies nach der Tür. .Schert euch alle Beide zum Teufel!" brüllte er, sich mit den Händen in den grauen Haarschopf fahrend, „ich habe genug von der Sache, ich will nichts mehr hören, verstanden- Solche Liebesgeschichten sind Weibersache, macht's alleine So endete Märgas Versuch, sich ein Glück zu erkämpfen. Sie war mit gelähmten Schwingen in den Staub gesunken. Ganz matt, völlig mutlos blieb sie da liegen. Alles um sie war finster, nirgends ein Hoffuungsstern. (Forisebung folgt.) Der Hclederganst des Mannes. (Ein Warnruf.) „Er war ein Mann, nehmt alles nur in allem." Ein Mann! Welch stolzes Wort! Gibt es ein anderes noch, mit dem sich so knapp iittb klar eine Reihe kraftvoller und sympathischer Vorstellungen verbindet? Ein Mann, stark, ruhig, besonnen, zielbewußt, ein Hort der Seinen, ein Schrecken der Gegner —. ein Mann, ernst in der Auffassung des Lebens und doch leichten Fußes bei Spiel und Tanz — ein Mann, hart wie Grämt und doch weichen Herzens, wenn die Liebe daran rührt. , rY¥1 „ _ Gibt es überhaupt solche Männer? Gibt es« noch Männer, die hocherhobenen Hauptes im Bewußtsein ihrer Krait und doch in der Bescheidenheit, die dieses Beimißtsein so ost begleitet, unter uns wandln? $anT! noch finden wir Männer unter uns., Leider aber müssen wir bei näherer, Prüfung der kulturelles Entwicklung uns sagen, das; das Prinzip der Mannhaftigkeit ”” Des^Mmm^Ev^liche Kraft, die Entsattnng sestEWut^, seiner u nbeugsamen Energie und seiner Kältblütigkeit gegenüb. mit demselben grausam unbefangenen Lächeln in seine ver« zweifelten flehenden starrten. XIII. In Loßwitz hatte es unterdes, ohne daß er etwas davon erfuhr, einen Riefenkrach gegeben. Hanna hatte die Freundin zur Entscheidung gedrängt uiid Marga war eines Tages mutig vor die Eltern getreten und hatte von ihnen ihr Recht begehrt, das Recht der erwachsenen Tochter, sieh ihr Lebensglück nach eigenem Wunsche zu wählen. Die sonst so kalte, gemessene Freifrau hatte geradezu geschäumt vor Wut; wären ihre Blicke Dolchspitzen gewesen, Marga wäre in den ersten Sekunden schon tot hingesunken. So stand sie wie eine Statue, regungslos, schneebleich >m Gesicht und ließ den Redestroin der empörten Mutter über sich ergehen. Die Freifrau sparte nicht mit verletzenden Ausdrücken. Danach war Marga das undankbarste, schlechteste, hinterlistigste Geschöpf auf der Welt. „Geh doch meinetwegen zu deiner sauberen, rothaarigen Freundin, die dich wahrscheinlich gegen die Eltern aiifgehetzt hat, aber über die Schwelle von Loßwitz setzt du dann fernen Fuß mehr, das sage ich dir, so lange ich hier noch ein Wort mitznreden habe." Der Freiherr versuchte einzulenken, aber sie ließ ihn nicht zu Worte kommen. i „Gib dem ungeratenen Dinge auch noch Rechts Georg Werner," höhnte sie, „das wäre ja noch schöner. Sag' ihr nur gleich alles, die großen Vorteile dieser Heirat, daß Ire keine Mitgift braucht — so ein Glück. Schließlich vertröstest du sie noch, daß sie bald Witwe wird und dann herrlich und in Freuden leben kann. Sie denkt vielleicht selbst schon I so weit." I Ein Wehlaut brach von MargaS Lippe». „Mutter!" schrie sie dann auf, „Muttert" als riefe sie eine fremde Person, „kannst d>i so hart gegen dem Kind sein?" , . . „Sobald es den Gehorsam verweigert, ist es mein sttno nicht mehr." In dem Gesicht der Freifrau zeigte sich fein weicher I Zug, aber der Freiherr war empor gefahren. Vielleicht war sein Herz doch noch nicht ganz verhärtet und er verbarg seine Rührung unter auskochendem Grimm. Jedenfalls war er auf seine Fra>i in dem Moment ganz ebenso ivütend, als diese es auf Marga war. Er reckte seine hohe, kraftvolle Gestalt ! * » t ) l e rt b K r e 's e It h ie ? ie it! w :n ?n w, ich er iS. etil eil es, »er '"71 grobe Land- FridrM Mass.*') Aus !m- „Zeitschrist befr Ml». ,.^tsW».SMchvME.. Botte, dem sie schien. Ein Mann, eilt ganzer Mann kann Armeen attswiegen, aber Armeen, die nicht von Männern geführt werden, entbehren der siegreichen Kraft. So muß es denn unser Trachten und Streben im sozialen wie ipt patriotischen Interesse fein- dem weiteren Niedergang des männlichen Prinzips Einhalt zu tim. R. von der Haardt. Der große Woog, der kleine Woog, es lebe unser Großherzog! Unstreitig hat unser Kaiser durch Anwendung des in Darm- stadt höchst volkstümlichen scherzhaften Sprichwortes vom großen und kleinen Woog bei der Geburt des langersehnten Erügroß- herzogs von Hessen einen glücklichen Griff getan: alle Darmstädter haben verständnisinnig gelacht. Da nun einmal dieser Woog, dieser aus den Wassern des Bachs Darnt aufgestaute Weiher so berühint geworden und in letzter Zeit zur Aufklärung über das Kaiserwort so vielerlei Kluges und Unkluges behauptet worden ist, mag auch einmal einen Darmstädter, der schon lange vom Ufer des Darms an das der Dreisam seinen Wohnsitz verlegt hat und ein klein wenig mit Sprachgeschichte umgeht, das Wort vergönnt sein. Uebrigens berühmt ist der Woog schon langst, nicht nur daß ihn Goethe erwähnt, wie wir kürzlich ehrfurchtschauerttd vernommen haben, er hat auch seinen Dichter gefunden, der sein großartiges Poem mit den klangvollen Versen begann: In des Woogs bisweilen klaren Fluten Spiegeln sich- die Schwimm- und Badebuden. — Jawohl, das können wir „Dammstädter Bnwe" — unter uns gesagt, man nennt uns sonst „Heiner", weil der Name Heinrich st-Üher in Darmstadt so häufig war — nachsichlen, denn wir alle haben in dieseii Fluten unsere ersten Schwimmkunste versuchst Nu» da aber ein Pfälzer hat etwas behauptet, was doch berichtigt werden muß. Er tat freilich den großen, unbestreitbar richtigen Ausspruch: „Der große Woog und der kleine Woog waren wohl Wööge"; aber er meint, diese- beiden Teiche hätten dazn gedient, Holz ans dem Laude hinter Darmstadt in die Ebene zu flogen. Er hat das in seinem schönen Speyerbachtal gesehen, das von Johanniskreuz int Pfälzerwald bis nach Neustadt heru^ierzteht, und weiß, da man dort die Stauhweüer nochß Woge nennt.; In der Tat ist Woog in der Pfalz-heute noch ein BegriNswort und bedeutet künstlicher See, Stauweiher. So sagte schon W. ». Riehl, Der Pfälzer S. 49: „Die pfälzische und überhaubt mittel- rheinische Lokalbezeichnung für Weiher ist ,Woog'," und ich habe ttt Paul und Braunes Beiträgm XV, 190 ff. mtsführltcher über das Wort gehandelt. Ueber den Ursprung der Wooge, bei Darmstadt ist jener Pfälzer aber schlecht unterrichtet. Flößerei ist bet Darmstadt niemals getrieben worden. Dazu gehört etn. tüchtiges Gefälle, und daran sehlt's unmittelbar bet Tiarmstadt völlig, wie auch der gewundene Bachlauf bezeugt, von dem piffenbar der wasserarme Darm seinen Namen hat. Woog ist das ntittelhochdeutsch wac, unser Woge, und hängt ntit bewegen zusammen. Das Wort bedeutet ursprünglich „bewegtes Wasser', Flut, Strömung, Meer, dann Wasser überhaupt. Es kommt vor im Odenwälder Ortsnamen Schönmattenwaag, das leider aus dem schölten alten schumechtin wage, am schlaumigen Woog, .amtlich verbessert ist. Im Rheinfränlischen hat sich das Wort in späterer Zeit auf die Bedeutmig „künstlicher See, Stauweiher" zuruck- gezogen. Auch in der Pfalz sind die vielen Wooge keineswegs alle zum Zwecke der Flößerei angelegt, soitdern vielfach allem zur Fischzucht Ljdcr zur Bewässerung des wasserarmen. Landes im dürren Sandsteiugebiet. Bei Darnistadt gab's also zwei Wooge. Der kleine lag unmittelbar an dem Mauerring der alten Stadt, nahe denr »ulten Friedhof, an der jetzigen MnUstraße. Ich btn als Schulbube ost vorbeigegangen, habe über feilte Umfassungsmauer geguckt und die schlechten Düste genossen, die dies stehende unsaubere Gewässer aussandte. Jetzt besteht er nicht mehr. Wetter draußen gegen den Oberwald zu lag der viel-iimfangreichcre große Woog. Er ist im letzten Viertel des 16. Jahrhunderts voll Landgraf Georg I. von Hessen als Fischweiher und Wässenmgsteich angelegt worden. Ein großer Damm schloß ihn gegen die Stadt zu ab. Gesveist wurde er - durch das Bächlein Darm, das von thnr aus in den kleinen Woog, daun, in den jetzt trockenen Graben des Darmstädter Schlosses, einer alten Tiefburg, und endlich am umwallten Gehaboruhof vorbeilief, nm in den Sanden bex Rheinebene saug- und klanglos unterzugehen. Darmstaoi, das alte Darmundestät, der Hauptort -der oberen Grasschaft Katzenelnbogen, das 1330 unter dem Grafen Wilheur von Katzenelnbogen zur Stadt erhoben ward und beim Tode Philipps des Großmütigen 1567 dem Stammvater der jetzt Großherzoglichen Linie von Dessen, seinem jüngsten Sohne Georg, zufiel, hat seinen Namen nicht von diesem geringen Bächlein Darm, sondern ist genannt nach dem ersten Besiedler der Stätte Darmunt, dessen Name wieder zusammengesetzt ist aus dem Stamme tar, zu mhd. tar, torste, tiirren = wagen und munt ---- Schutz. Bemerkenswert ist, daß der von uns treuen Hessen so freudig begrüßte kleine Erügroßherzog, den der Kaiser mit jenem Spruche vom Woog hochleben ließ, wieder den Rufnamen seines Ahnherrn Georg tragen soll, gerad- des Ur^bers des großen Woogs. F r e i b u r g im Breisgau. den Gefahren weisen aus die Zeit zurück, da er den. Raturgewalten schutzlos gegenüberstand, da er täglich schwer, ja mit Einsatz jetnes Lebens nut des Lebens Fristitng zu ringen hatte, da sem einziger Schutz seine Kraft, seine Widerstandsfähigkeit und seine Unerschrockenheit waren. Datnals wurde rücksichtslos vernichtet, wer sich nicht stärker erwies als sein Gegner, damals blieb nur am Leben, wer die Kraft besaß, sich die Mittel zur Existenz unt Ulmer Hand zu nelMen, wo er sie fand. Wo noch i.ede gesellschaftliche Organisation fehlte, dort galk der Mann nur, was er wert war, und mit noch'schärferem Akzent durste man von dem durch die herrenlosen Wälder streifenden Mannle . sagen, wie cs im Reiterlied heißt: „Da tritt kein anderer.für ihn ein, auf sich selber steht er da ganz allein." Es war ein hartes Dasein, das die damals dünn gesäte Menschheit lebte, .umd es ist begreiflich daß sie mit ihrer ei> starkendeii Intelligenz sich gegenseitig Schutz zu gewahren und so die Last des Daseinskampfes besser zu tragen suchte. Die hierdurch allmählich zunehmende Ruhe und Muße des einzelnen begünstigte die geistige Entwicklung der Menschheit. So sehr es ihrer aber auch bedarf, um neben der körperlichen auch die geistige Kraft zu eutsalteu und dadurch des Mannes volle Entwicklung zu ermöglichen, so sind doch in der weiteren Ausbildung des. Gegenscitigkeitsprinzips und des hierbei zum Ausdruck gelangenden Altruismus die. leisen Ansaugsgründe zum Rückgang mancher männlichen Eigenschaften zu erkennen. Jede weitere Konstituierung der Gesellschaft, jede zunehmende Sicherstellung tio», Gut und Blut, jede Vermehrung friedlicher, landbauender und industrieller Beschäftigung mußte des Mannes kühne Kraft znrückstauen, weil er ihrer iimner seltener bedurfte. . Zu den lähmenden Hemmnugen der Kültureutfaltuug trat der besänftigende und die natürliche Auswahl beschränkende Em- sluß der Religion. Mit dein für verdienstvoll geMümchtl Streben nach Schutz und Stütze der Schwachen und Elenden verminderte sich die reinigende Wirkung der Selektion. Auch die Schwachen wurden am Leben erhalten, und sie durften ihre fchwäcy- lichen Eigenschaften auf ihre Nachkommen vererbe», so waw Unter dem Einfluß sozialer und religiöser Organisationen die Menschheit im Laufe langer Jahrtausende in Verhältnisse verseht, in denen die kraftvollen und kampfbereiten Eigenschaften des Mannes zugunsten anderer. Begriffe im Werte sanken. t Gleichzeitig verschwand durch das infolge der fortschreitenden Kultur begünstigte Emporkommen der Fran der scharfe, ehemals zwischen Mann und Weib bestehende Kontrast. Die Tätigkeiten des Mannes -und der Frau griffen, lvenn auch in langsamer Stufenfolge, mehr und mehr ineinander über, und heute konkurriert die Frau auf vielen Arbeitsgebieten mit dem Mann. Ihre Tätigkeit ist vielfach männlicher, und die seine vielfach zahmer, man könnte auch sagen: weiblichen, geworden. Wenn ehemalsl ,ckwn aus Gründen des äußeren Zwanges der Mann des Weibes Er- mährer war, so ist es doch heute nicht allzuselten, daß auch die Frau den! Mann ernährt, weniger allerdings durch ihre Hände Arbeit als durch ererbtes Vermögen. Das alles 'kann nicht anders als ans eine« Rückgang des männlichen Prinzips hinwirken. Mag auch die neuzeitliche, mehr auf das geistige Gebiet überleitende Tätigkeit deS Mannes vielfach die Erhaltung der geMaen Energie begünstigen, die Grtxrltchen wie die Charaktereigenschaften erfahren aber unter Zuständen, wie sie sich jetzt herausgeondet haoen, eine genügendeKräftigung nicht. Das Gesamtbild des Mannes hat gelitten, es fetzt all- zuvieleN eilte Reihe der Eigenschaften, die wir mit dem Begriff der vollen Männlichkeit verbinden. Die natürliche und gesunde Unterscheidung zwischen Mann: und Frau verflacht sich mehr 1111 Dürfen wir eine solche Entwicklung für erwünscht halten, oder müssen wir «inen Umschwung unserer Anschauungen.zugunsten einer Erstarkung des männlichen Prinzips ersehne»? Ich glaube: das letzt«! Wir können ans diese Weise nur mach jeder Richtung hin gewinnen. Wie W Prinzip der Gleichmacherei sich auf sozialem Gebiet als ein großer, untzirchsühr-barer Irrtum erweist, so müssen wir uns auch mit aller Kraft der soztalmt Glecch- stellnng des Mannes und der Frau widersetzen. Wir wollen keine «inartigen Zwitterwesm, sondern wollen die Geschlechter m ihren Eigenschaften soweit voneinander getrennt hatten,.wte das f>rr eine gesunde, eigenartige Entfaltung nötig ist. Rur so werden Mann und Fran volles Gefallen aneinander finden, denn ein weibisch gewordener Mann liebt die Fra» schließlich so wenig, wie der Vollmann das Mannweib lieben kann. Kvminen aber solche Verbindungen doch zustande, so sind sie »nglücklich oder doch mindestens weit voir dem Glück entfernt, das eine Verbindung vollwertiger Menschen zu gewähren vermag. .Was soll schließlich au§ dem menschlichen Geschlecht werde», wenn nicht mehr das Starke und das Zarte sich vereinen, lvenn nicht eine scharfe Differenzierung der Geschlechter erhalten bleibt! Je mehr, die Aehnlichkett dep Eltern zunimmt, desto ungünstiger sür die Rachchmmeuschast; das läßt sich an den Folgen von Inzucht erkennen. Ist es nicht em Fingerzeig der Natur, daß es bett männlichsten Mmm, Mit elementarer Macht zunt weiblichsten Wetbe Huiztcht- Dartn dürfen wir eine natürliche Pflicht erkennen, auf, die Wiedererstarkung des Mannes hinzuarbeiten. Wir »vollen wieder em Ideal erblicken in des Mannes stolzer, selbstbewußter Kraft. Wohl dem Volke, das. noch Münne^ tzat^.aber wehe, demt vermischte». * Woher füllt öie K ülte? Die Kältewelle des Januar, die für Mitteleuropa mit so erstaunlicher Plötzlichkeit und seltenem Tcmperaturstrom eingesetzt hat, wird die Meteorologen noch viel beschäftigen. Vorläufig lassen sich über die Ursachen nur allgemeine Angaben machen. Besonders lehrreich ist in dieser .Hinsicht die Wetterkarte vom 19 Mannar mit einem ausgedehnten Hochdruckgebiet, das sich von Südfrankreich in nördlicher Richtung bis nach dem nördlichen Finnland erstreckt. Nach den Erfahrungen, die bisher über die Entstehung und den Verlauf von Kältewellen gemacht worden sind, wird angenommen, das; bei ihreni Zustandekommen der Umstand initwirkt, daß in der Nähe eines Hochdruckgebiets und zwar südlich davon, ein Bereich niederen Luftdrucks gelegen sein muß. Ein derartiges Verhältnis prägt sich freilich auf der Wetterkarte vom 19. Januar scheinbar nicht aus. Allerdings lag an diesem Tiage über Ungarn ein relatives Minimum des Luftdrucks, das aber doch noch über den mittleren Barometerstand von 760 Mm. hinausreichte. Dennoch scheint sich zwischen diesem Minimum und dem barometrischen Maximum von mehr als 775 Mm. wegen der großen Ausdehnung des letzteren eine ungewöhnlich starke Wechselwirkung entwickelt zu haben, denn an der Grenze zwischen beiden wiesen die Orte Wien, Breslau, Lemberg, 'Neufahrwasser, Memel häufige bis stürmische Winde auf, die selbstverständlich von dem Gebiet des Hochdrucks nach dem des Niederdrucks hin, also ungefähr gegen Südost gerichtet waren. Gleichzeitig strömte zum Ersatz Luft ans Nordosten gegen Mitteleuropa hin. Diese Rordostwinde mußten zu einer weiteren Steigerung des Hochdrucks und der Kälte über Mitteleuropa führen, da sie von den stark abgekühlten Landmassen Rußlands und Nordasiens kamen. In der'durch diese tatsächliche» Angaben angedeuteten Richtung wird vermutlich die Erklärung liegen, die von unseren meteorologischen Instituten erst nach genauerer Verarbeitung des Materials zu geben sein wird. Solche Kältewellen gehören übrigens in Mitteleuropa vergleichsweise zu den Seltenheiten. Auch hjie Bezeichnung „Kältewelle" ist nicht in unserem Erdteil entständen, sondern von Amerika her übernommen worden. In Nordamerika sind diese Witter»ugsvorgauge. iveit häufiger und besitzen dort auch eine ganz außerordentliche wirtschaftliche Bedeutung, wie man sich nach de» setzt bei uns gemachten Erfahrungen wohl vorstellen kann. Erst vor kurzer Zeit ist von einem Beamten des Wetterbureaus der Bereinigten Staaten ein« züsammenfassende Arbeit über Kältewellen veröffentlicht worden, worin ein chronologischer Bericht über historische Kälteperioden seit 1717, namentlich aber aus den letzten beide» Jahrzehnten gegeben und durch hunderte von Wetterkarten erläutert ivorden ist. Zunächst wird in dieser wichtige» Arbeit auf den schon früher aufgestellten Satz erwiesen, daß die Ausdehnung und die Intensität der Kältewellen von der Größe der Landmassen und ihrem Abstand vom Aeguator Abhängig ist. Ans dieser Regel würde sich die größere Häufigkeit der Kältewellen in Nordamerika freilich nur zum Teil erklären lassen. Die Landmassc ist freilich drüben weit gewaltiger, als in dein kleinen und von mehreren Binnenmeeren zerrissenen Europa, dafür liegt aber der größere Teil der Bereinigten Staaten dem Aeguator näher als unser Gebiet. Sehr wesentlich ist ferner die Feststellung, daß in einem Gebiet hohen Barometerstandes die Luft stagniert, so daß die von der Erdoberfläche ausstrählende Kälte auf eine immer stärkere Abkühlung der unteren Schichten bei; Atmosphäre hi »wirkt. Außerdem wird, wie schon in der europäischen Wetterlage vom 19. Januar angedeutet wurde, das Vorhandensein eines südlich vom Hochdruckgebiet gelegenen Bereichs niederen Barometerstandes für eine notwendige Bedingung der Entstehung einer Kältewelle gehalten, weil dadurch starke Winde von nördlicher Komponente veranlaßt werden. Leider muß noch bemerkt werden, daß die Wettervoraussage bei dem diesnwnatlichen Naturereignis ziemlich versagt hat, denn noch für den 20. Januar ist in der Prognose nichts von der Voraussicht eines derartigen Wetterumschlages zu finden, während doch im östlichen Teil Deutschlands an diesem Tage bereits ein außerordentlich starker Frost einsetzte. * Der Reichtum der Vereinigten Staaten. Der erste Statistiker des Zensus-Bureau? zu Washington, Powers, hat in einem Rückblick auf das verflossene Jahr einen Vergleich gezogen zwischen dem Reichtum der Vereinigten Staaten und dem der europäischen Länder mid kommt dabei zu dem überraschenden Ergebnis, daß der Reichtum der Vereinigten Staate» täglich uni rund 40 Millionen Mark wächst, der des nächstreichen Landes, Englands, aber nur nm 34 Millionen wöchentlich. Da man in den Vereinigten Staaten keine Einkommensteuer kennt und die Steuerveranlagung überhaupt sehr lax gehandhabt wird, in den meisten europäischen Ländern dagegen die Steuerbehörden geivisseuhaft vorgehen, so ist drüben nur eine Schätzung möglich, lvährcnd hier die konkreten Zahlen vvrliegen. Powers schätzt den Reichtum der Bereinigten Staaten int Jahre 1900 auf 354000000 000 Mk., int Jahre 1904 aber auf 428 000 000 000 M. Die letzten Schätzungen des Vermögens der europäische» Länder stammen von dem bekannten Statistiker Mul- hall aus dem Jahre 1896. In diesem Jahre kam der Reichtum Englands und Rußlands genau dem der Vereinigten Staaten do» 1900 gleich, und da der Reichtum der letzteren, wie wohl zugegeben werden muß, rascher gewachsen ist als der Rußlands und Englands, dürsten die Vereinigten Staaten heute mehr Geld besitzen als diese beiden Länder zusammen. Ebenso stand das Vermögen Deutschlands und Frankreichs im Jahre 1896 dem der Vereinigten Staaten 1900 fast genau gleich, und dieses Verhältnis dürfte sich im Jahre 1906 gleichgeblieben sein. * Die Helle. Die ans Ziegelsteinen und Lehm geformten Oese» der arltcn Bauernhäuser standen gewöhnlich auf einer Seite von der Wand soweit entfernt, daß ein breiter Zwischenraum, die Helle (Hölle), gebildet wurde. Dort herrschte natürlich int Winter eine mollige Temperatur, in der sich namentlich der Großvater oder die Großmutter behaglich fühlten. Entweder stand der Großvaterstuhl in der Helle, oder die Ofenbank reichte in diesen Raum hinein. Sic hieß alsdann die Hellbank. War sie so breit, daß sie den ganzen Raum iausfüllte, so diente die Hellbank auch wohl als nächtliche Lagerstätte. „Was gut gegen die Kälte ist, ist", nach altem Sprichwort, „auch gut gegen die Hitze." Darum war fyte Helle int Sommer eine Art Erfrischungsraum. „Urahne gebückt sitzt hinter« Ofen im Pfühl", heißt es in dem bekannten Gedicht von Schwab („DaS Gewitter"). Bor allem aber saßen dort die Alten ungestört und waren niemand int Wege. In neuerer Zeit verschwinden die Oefen mit der Helle immer mehr und mehr, aber sie kommen noch vor, selbst in Nordlirol (z. B. „auf der Scharnitz" bei Mittenwald) gibt es Oefen mit einer Helle und mit der Hellbank. * B o in Bind e st r i et). Es ist eine iveit verbreitete Klage, daß man int Deutschen mit dem Bindestrich nicht mehr umzugehen wisse, daß man ihn nicht allein ans Inschriften und Schildern und in Anzeigen, sondern allenthalben falsch «»gewendet sehe, daß er da stehe, wo er fehlen müsse, und fehle, wo ev nicht zu eirtbehren fei. So sieht man vielfach angeschriebeu „Rind und Schweinemetzger", aber „Butter-Käse-Eier", „Lindeu Platz", aber „Villa-Maria" usw. Ferner aber benutzt man nun auch den Bindestrich geradezu als Mädchen, für alles, und verwendet ihn in letzter Zeit namentlich dazu, Präpositionen zu ersetzen: so steht er in Mühlheim-Ruhr, Reustadt-Hardt sün „an der", in Forst-Lausitz für „in der", in Homburg-Höhe für „vor der", in Frankfurt-Main für „am" usw. usw. Besonders beliebt ist er aber für „in" oder „aus": da heißt es Professor Hähnel- Kiel, Schmidt-Bingen, Müller-Meiningen; nur an die Herren Goethe-Weimar, Jmmermann-Düsseldorf, Mozart-Wien u. ä. hat man sich noch nicht heranaewagt. Dafür gibt es aber nun, namentlich in Namensverzeichntsse», so schöne Verbindungen wie: H. Müller, Schreinermeister-Köln; E. Schmidt jr.-München: Dr. SJ. Schneider, Chemiker-Posemuckel: Sic. H. Meyer, Pfarrer-Metz; Fran Generaldirektor Th. Weuigmann-Hofheim: Frau K. Reich- mann-das. (was „daselbst" heißen soll!): ferner aber schreibt man auch vom Festabend des Bahern-Bereins-Köln, vom Stiftungsfest der Concordia-Gießen oder vom Gesangwettstreit des Männergesangvereins Orpheus-Krähwinkel. Das Allerneueste aber ist eS, nun auch die.. Straßennamen wie die Ortsnamen so an Personennamen anzuhängen, demnach schreibt man jetzt: im Gasthaus zum Adler-Markt, in der Wirtschaft von W. Miillev- Grünbergerstraße. Wenn nun auch int parlamentarischen Leben solchen Fügungen wie Müller-Meiningen eine gewisse Berechtigung nicht abgesprochen werden daift, so muß doch die Ausdehnung dieses Gebrauches wirf immer weitere Kreise als ein M i stör auch bezeichnet werden. Ein Komma genügt meist vollkommen, wenn man „in, aus, au der" usw. nicht setzen will oder kann, noch deutlicher aber ist die Klammer; also: Müller, Köln oder Müller (Köln), aber nicht Müller-Köln; Mühlheim, Ruhr oder Mühlheim (Ruhr), aber nicht MiMheiimRichr. Gitterrätfel. Nachdruck verboten. ~ t In die Felder nebensie- — ———--------। Heu der Figur sind die Buch- I[j staben a a a, b b b b b b, ä <1, eeceeceeeeeee, — — — g g g g, i i, 1 1, n u, o o, r ______2_____' r r r, s, ft, ii ü derart eilt- j | znlragen, -daß die senkrechten und wagerechienRetheu gleich- — — — lautend Folgendes ergeben: _________________ I. Wenig schmeichelhafte Be- | I zeichnuug. ! 2. Ort in Oesterreich. — — 1— 3. Schmackhaftes Gemüse. Auflösung in nächster Nummer. Anslöstmg des Bilder-RätselS in voriger Nummer: Ausgeschoben ist fast immer aufgehoben. Redaktion: Ernst — Rotationsdruck und Vertag der Brühl'jchev UmvrrsilätZ-Buch- «nb Slrtndruckeret. K. Lange. Gießen-