MttwoH den 2. Januar 1907 VOfJi Hhofo^r. a ^s. l> s i r W Ter emzrge utattt tzendliche Erscheinung Gesicht, ließ seine bla treppe. 'Ter einzige männliche Insasse des Gefährts, eine )U- vendliche Erscheinung mit sympathischem, blondbärtigem Gesicht, ließ seine blauen Augen heimlich forschend über die von Spitzenstores verhangenen Fenster des ersten Stockwerks schweifen, um dann ein klein wenig enttäuscht ferne Aufmerksamkeit der sich geräuschlos öffnenden Haustur zuzuwenden. Ein älterer Diener in dunkelgrüner silberverzierter Livree kam mit der ruhigen Würde, welche den Dienern viel besuchter Häuser eigen ist, die steinerne, zu beiden Seiten reich mit Blattpflanzen besetzte Treppe hinab und schickte sich an, dem Besucher beim Airssteigen behülf- Wenschenteöen, die lugen. Roman von H. E h r h a r d t, Verlästern: von „Mittellose Mädchen". Nachdruck verboten. In flottem Trabe fuhr der leichte, elegante Jagdwagen durch die bereits in gelbem Herbstschmuck prangende Lindenallee auf das schloßchenartige Gutshaus von Balldorf KU. Die kunstvollen schmiedeeisernen Torflügel des Parkeinganges waren weit geöffnet und der blutjunge, schwarz- livrierte Kutscher lenkte mit anerkennenswerter Geschicklrch- keit die beiden ungarischen Jucker um den tiefgrünen Rasenplatz vor dem Hause und hielt knapp vor der großen Frer- lich zu sein. _ „Herr Rittmeister zu sprechen?" fragte dieser, den Fuß noch auf dem Trittbrett des Wagens. Ter Diener verneigte sich tief. „Ter gnädige Herr erwarten Herrn Regierungsassessor bereits in seinem Zimmer", meldete er. Tas lebhaft gerötete Antlitz des Mannes durchzuckte eme leichte Bewegung. Er sprang schnell zur Erde nieder. „Fahren Sie'hinüber in den Hof, Franz, und bewegen Sie die Pferde!" befahl er hastig, schon im Begriff, tue Treppe hinauf zu steigen. „Also nicht ausspannen?" wagte der etwas schüchtern dreinblickende junge Mensch zu fragen. „Vorläufig noch nicht!" klang es zurück. Und während die heißgesahrenen Rappen flch langsam nach den Hofgebäuden zu in Bewegung setzten, betrat der Regierungsassessor Gerhardt den hallenarligen dämmerigen Flur des Gutshauses, von dem aus eine breite mit rotem Plüsch belegte Treppe in das obere Stockwerk führte. Vor einem der in die eichene Wandtäfelung eingelassenen Spiegel brannten zwei Kerzen. Der gut geschulte Diener widmete sich aufmerksam der Toilette des Ankömmlings, nahm ihm den Mantel ab, bürstete den tadellosen schwarzen Salonanzug, die blinkenden Lackschuhe Und überreichte ihm, ohne eine Miene seines glattrasierten Gesichtes zu verziehen, aus einer ihm vom Kutscher übergebenen flachen Schachtel, den glänzenden Zylinderhut. Tann schritt er, auf leisen Sohlen gleitend, voran und öffnete vor dem Besucher im Hintergründe der Halle, eine der großen braunen Flügeltüren. Der Negierungsassessor sah sich dem Besitzer von Balldorf gegenüber. Durch die unverhüllten Fenster fiel eine grelle Nachmittagssonne in das mit gediegenem Komfort ausgestattete behagliche Herrenzimmer. In diesem schonungslosen Licht bemerkte man deutlich, daß der Rittmeister Kronau kein junger Mann mehr war. Zwar entbehrte seine große schlanke Gestalt noch nicht der soldatischen Straffheit, aber sein kurz geschnittenes dunkles Haupthaar war bereits arg gelichtet und wies da, wo es noch vorhanden war, an Schläfen und Hinterkopf, einen starken Silberschimmer auf. Er war viel und weit gereist und stand im Ruf eines sehr flotten Lebemannes. Sein gerötetes, von vielen kleinen Fältchen durchzogenes Gesicht zeigte denn auch die verheerenden Einflüsse unge- sunden Klimas und aufreibender Genüsse. Es war direkt häßlich, mit slavischen Zügen, unrubig flackernden hellen Augen und vollen sinnlichen Lippen, die ein rotbrauner Schnurrbart nicht verdeckte. Trotzdem machte seine ganze Erscheinung einen durchaus angenehmen Eindruck. Sehr herzlich kam er dem Eintretenden entgegen. „Sie sehen, ich erwarte Sie bereits, mein lieber Assessor!" sagte er familiär, die Rechte ausstreckend. Ter jüngere Mann ergriff diese in sichtlicher Erregung. „Sie machen mich unendlich glücklich, Herr Rittmeister!" erwiderte er etwas heiser, „denn ich entnehme Ihrer Begrüßung, daß Fräulein Hanna Sie bereits vorbereitet hat auf das, was ich von Ihnen zu erbitten wage. Nichts geringeres, als die Hand Ihrer liebreizenden Nichte. Dars ich hoffen, daß Fräulein Hanna sich entschließen kann, meine Frau zu werden?" Ter Rittmeister lächelte, ein feines diskretes Lächeln. „Nicht so ungestüm, mein lieber Freund!" sagte er und wies einladend 'auf einen der bequemen mit gepreßtem Leder bezogenen Eichenstühle, „ich habe zuerst eine sehr prosaische Frage an Sie zu richten, ehe ich Ihnen in: Namen meiner Nichte antworte. Aber dazu setzen wir uns wohl zuerst — bitte." Und als sie sich dann gegenüber saßen, fuhr er, den jungen Mann mit seinen unruhigen Augen scharf musternd, fort: „Kennen Sie die Verhältnisse, rn denen mein leichtsinniger Bruder seiu einziges Kind zuruck- ließ? Wissen Sie, daß meine Nichte nach Beschaffung erner angemessenen Ausstattung, nicht so viel zurückbehält, um von den Zinsen dieser Summe auch nur die geringsten ihrer Toilettenbedürfnisse bestreiten zu können?" Ter Regierungsassessor hob den Blick. Seine blauen Augen leuchteten in freudigem Glanz. „Ich weiß es, Herr Rittmeister!" bekannte er freimütig, „aber diese Tatsache kann mich in keiner Weise beeinflussen. Ich bin in der glücklichen Lage, bei der Wahl meiner Frau auf jede Mitgift verzichten zu können. Jedoch, auch wenn ich weniger besäße — ich liebe Hanna und ich würde all 2 «teilte Kräfte daran setzen, ihr eine sorglose Existenz zu schaffen." Ter Rittmeister streckte.seine Hand über den Tisch herüber dem Jüngeren hin. Einen Moment schien auch er beweat. „Das war ein schönes Wort, Gerhardt I" meinte er ernst. „Ich bin überzeugt davon, daß Sie Hanna glücklich machen werden. Die Kleine verdient's. Sie ist im Grunde recht vereinsamt hier. Meiner Schwester fehlt jedes Verständnis für ihre überschänmende ein wenig leichtlebige Natur. Ich gebe zu, daß sie in eine starke Hand gehört, die zur rechten Zeit die Zügel ein wenig straff zu halten versteht. Sie ist sehr verwöhnt, sehr anspruchsvoll erzogen. Ich war so viel von Hause fort, daß es mir dann bet meiner Anwesenheit nicht gelingen wollte, ihrem Liebreiz gegenüber, den gestrengen Onkel und Vormund zu spielen, — aber sie wird leicht zu leiten fein, sie ist so jung noch, sie wird sich gern Ihrer besseren Einsicht fügen, und so hoffe ich, daß auch Sie in dieser Ehe Ihr Glück finden werden." Der Regierungsassessor stand auf. Er >var blaß geworden. Sein von zahlreichen Schmissen durchzogenes ernstes Gesicht zeigte tiefe innere Bewegung. „Ich danke Ihnen, Herr Rittmeister!" sagte er mit fast feierlichem Stimmklang, „tvas an mir liegt, soll geschehen, daß Sie nie zu bereiten haben, mir die Zukunft Ihrer Nichte anvertraut zu haben." Sie schüttelten sich noch einmal die Hände. Dann ging der Rittmeister, sichtlich erleichtert durch den Abschluß der feierlichen Szene, zum Schreibtisch und drückte auf den Knopf der elektrischen Klingel. „Sie sollen nun aus Hannas eigenem Munde Ihr Glück hören," sagte er erklärend. Und zu dem eintretenden Diener gewandt, befahl er ruhig: „Ich lasse das junge, gnädige Fräulein bitten, sich in den „grünen Salon" zu bemühen. Melden Sie ihr Herrn Regierungsassessor Gerhardt." ♦ Zur selben Stunde saß Hanna Kronau in einem Zimmer des oberen Stockwerks und wartete auf den Ruf nach unten. Ohne jede Ungeduld. Dazu war sie nicht verliebt genug in den Mann, dem sie sich nach reiflicher Ueberlegung zu eigen geben wollte. Oskar Gerhardt bot ihr sonst alles, was ihr eine Ehe mit ihm begehrenswert erscheinen ließ. Seine Stellung — er mußte in kurzer Zeit Regierungsrat werden — sein Reichtum, sein angenehmes Aeußere und sein liebenswürdiges Wesen versprachen seiner Frau eine bevorzugte Rolle in der Gesellschaft. Und Hanna wollte so gern eine Rolle spielen. War ihre Schönheit denn nicht dazu berechtigt? Sie erhob sich träge aus dem bequemen Stuhl, in dem sie träumend gelegen und schritt langsam mit den graziösen Bewegungen ihres geschmeidigen Körpers durch das Gemach, das mit kostbaren Nichtigkeiten, meist Geschenken des freigebigen Onkels, überfüllt war. Vor dem hohen, prächtigen Eckspiegel blieb sie stehen. Gedämpft brach der Sonnenglanz durch den buntgestickten Store, gerade noch leuchtend genug, um ihrem üppigen roten Haar sprühende Funken zu entlocken. Dieses goldrote Haar, verbunden mit der blendenden Weiße ihres Teints, hätte schon genügt, ihre Erscheinung überall auffallen zit lassen. Aber die Natur hatte sich an diesem Menschenkinde das vollendetste geleistet. Aus dem kindlichen, zart geformten Gesichtchen strahlten ein paar wlindervolle Augen, deren grünliches Licht zuweilen von rotbraunen Wimpern verschleiert ward. Die feine gerade Nase zeigte die beweglichen Flügel einer lebhaften Natur. Der Mund war nicht zu klein, ober entzückend geformt und wies hinter tief- roten Lippen eine Reihe spitzer weißer Zähnchen auf. Eine Kindlichkeit und Anmut lag über ihrer schlanken Erscheinung, die ihr einen neuen unwiderstehlichen Reiz verlieh. Sie eroberte sich alle Herzen. Das war so gewesen, so lange sie zurückdenken konnte. Dem sorglos leichtsinnigen Vater, der schönen lebenslustigen Mutter, dem ritterlichen Onkel, ihren Erzieherinnen, den Freundinnen in der vornehmen Schweizer Pension — allen war sie der vergötterte Liebling gewesen. Sie hatten einen Reichtum von Gefühl an sie verschwendet, ohne zu merken, daß sie nichts dafür gab. Hanna I Kronau hatte nie jemand selbstlos geliebt — sie konnte es auch heute nicht. Vielleicht würde sie es nie können. Und deshalb würde sie ruhig und leidenschaftslos ihre Hand in die Oskar Gerhardts legen. Sie blickte sich wohlgefällig im Spiegel an. Eigentlich war sie doch viel zu schade für eine simple Regierungsrats- frau. Aber hoffen und harren auf den Mann, der ihr eine Grafenkrone, die obendrein noch stark vergoldet sein mußte, bieten konnte? Warten, bis sie hinter sich flüstern hörte: „Es ist die höchste Zeit, daß die Hanna Kronau unter die Haube kommt. Sie ist doch schon etwas . passse! Nein, niemals! Sie schüttelte sich förmlich. An der Tür klopfte es jetzt. Auf ihr „Herein I" erschien der alte Diener. Mit gut gespielter Unbefangenheit nahm sie seine Meldung entgegen. Aber sie antwortete nicht gleich. Es war wie ein letztes Schwanken. Der ergraute Diener räusperte sich verlegen. Da hob sie den goldflimmernden Kopf, lächelte freundlich und sagte kurz: „Ich komme sofort." Der Diener zog sich mit einer stummen Verneigung zurück. * Es war Hannas Lieblingszimmer, ein im englischen Stil mit grüngebeizten Möbeln sehr bizarr eingerichteter Salon, in den der Hausherr Oskar Gerhardt geleitet hatte, um ihn dort allein zu lassen. Der Regierungsassessor stand am Fenster und sah in den schönen Herbsttag hinaus. Von draußen klang Hundegekläff. Hannas Foxterriers jagten sich ausgelassen um . den grasbewachsenen von Teppichbeeten unterbrochenen Vorplatz. Silberperlen blitzten aus dem tiefgrünen Rasen. Wie eine feine Staubwolke fegte der Wind aus dem hohen Strahl des Springbrunnens das sonnenüberglünzte Wasser weit über den steinernen Brunnenrand hinaus. Tiefblau leuchtete der Himmel. Gerhardt schlug den Vorhang zurück. Noch nie war ihm ein Tag so sonnig, so glückverheißend erschienen. „ Hannal" Leise sprach er den Namen aus. Und er schloß die Augen, als blende ihn das Sonnenlicht da draußen. Neben ihm klang das leise Rauschen eines Kleides, er wandte sich rasch herum. Dicht vor ihm stand die Erwartete. Einem Glorienscheine gleich, umkrauste die goldrote Haarpracht ihr süßes, erblaßtes Kindergesicht. Sie hielt die breiten Lider gesenkt, daß die dunklen Wimpern wie Spitzenfächer auf den zarten Wangen ruhten. Ihm stockte der Atem. Er brachte kein Wort über die Lippen. Mit Mühe faßte er sich endlich und ihre schmale Hand ergreifend, sagte er halblaut: „Hanna, Sie wissen, warum ich hier vor Ihnen stehe, Sie müssen es wissen, lange schon." Er atmete schwer auf. „Ich liebe Sie, Hanna, und ich frage Sie, ob Sie meine Frau werden wollen?" Die Worte klangen fast nüchtern. Er fühlte es selbst. Aber Hanna verlangte nicht mehr von dem Manne, dem sie selbst kein leidenschaftliches Gefühl entgegenbrachte. Sie hob langsam die rotbraunen Wimpern. In den schönen Mädchenaugen flammte momentan ein Strahl von Zärtlichkeit auf und traf das ernste Antlitz des Mannes. Er beugte sich ihr näher. „Hanna, die Antwort?" „Jal" hauchte sie kaum vernehmbar. Da zog er die schlanke Mädchengestalt an sich und küßte sie auf den Mund. Sie erwiderte den Kuß nicht. Er nahm es für mädchenhaft scheue Zurückhaltung und es verstärkte noch seine Liebe. Er war ein wenig Pedant und hielt jede Leidenschaft bei einer Frau für ein Gefühl, das sie erniedrigte. Jqre Liebe mußte etwas keusches haben — etwas hohes, heiliges, bsls sie weit über jedes zu heiße Begehren erhob. Sie mußte ein köstliches Kleinod fein, einem einzigen geweiht, der es sein ganzes Leben sorgsam zu hüten hatte. Das zu tun, gelobte 1 sich Oskar Gerhardt in dieser Stunde. 3 Seine ernste, feierliche Stimmung wich erst bet Tisch unter Hannas sprudelnder Heiterkeit, die ihm ein Zeichen ihres Glückempfindens schien und ihn unendlich beseligte. Die Zeit verrann ihin wie im Flug, obgleich man länger als lonst bei Tische saß. i (Fortsetzung folgt.) Kinas von der Apfelsine. In vielen Läden der Stadt sind zur Winterzeit die gelben Apfelsinen in großen Mengen zur Schau ausgestellt, hausierende Händler bieten sie am Abend in den Wirtshäusern zum Verkaufe an, und leicht ist man durch das schöne Aussehen der Frucht versucht, sie zum Verspeisen oder zum Verschenken zu kaufen. Und in der Tat schmeckt denn auch das Fleisch der reifen Apfelsine ausgezeichnet, es ist saftig, würzig und erfrischend, wenn auch die Apfelsine den deutschen Apfel in keiner Weise zu ersetzen vermag; denn der säuerliche, angenehme, feine Apfelgeschmack wird von vielen Menschen der süßlichen Apfelsine vorgezogen; auch ist die Frucht nicht so leicht und einfach zu schälen, wie der Apfel, meistens wird auch nur der Saft aus dem Fleisch ausgesaugt, während man das Fleisch des Apfels vollständig genießt, abgesehen davon, daß der Apfel auch zum Kochen, zum Backen und zur Weinbereitung Verwendung findet. Tie Apfelsine ist eine Pomeranzenart, die neben der Zitrone und Limone zu der Familie Citrus gehört, deren ursprüngliche Heimat China und Vorderindien ist, wo die Pflanzen dieser Art wegen ihrer glatten, immergrünen Blätter, ihrer köstlich duftenden Blüten und ihrer langen Lebensdauer zu den schönsten Bäumen gehören. Den alten Griechen und Römern war noch keine der verschiedenen Citrusarten bekannt, erst durch die Araber wurden sie westwärts verbreitet, und durch die heimkehreuden Kreuzfahrer, welche sie hi Syrien und Palästina kennen gelernt hatten, wurden die Zitrouen, Pomeranzen, Orangen und Limonen auch im Abendlande allgemein bekannt. Fetzt sind sie fast über die ganze Erde, tropische und suptropische Zone der Erde, verbreitet, man findet sie nicht nur in China,Indien, Nord- und Südafrika, Südeuropa, der Türkei und den Inseln des Mittelmeeres, sondern auch auf den Azoren, in Westindien und im ganzen heißen Amerika, wo fie sich überall einer sorgfältigen Kultur erfreuen. Wenn die bittere Pomeranze oder die -Orange mehr dem niedizinischen Gebrauche und der Gewinnung des Oeles aus ihrer Schale dient, so ist die Apfelsine oder die süße Pomeranze zum sofortigen Gebrauche zum Verspeisen ohne lange Vorbereitung geeignet und deshalb zu einem bedeutenden Handelsartikel geworden. Die Apfelsine ist eine große Beere mit einer drüsigen, ölhaltigen Schale; die Frucht ist im Innern durch häutige Scheidewände in mehrere Fächer geteilt, in denen sich die dicken Kerne befinden. Die Apfelsinenbäume blühen in den Ländern ani mittelländischen Meere int April und Mai; im Dezember beginnen die Früchte gelb und weich zu werden, dann werden sie halbreif gepflückt und zum Versand gebracht. Den guten Geschmack und das volle Aroma erlangen die Früchte aber erst, wenn sie bis zum Mai am Baume hängen bleiben. Dann kann man auf demselben Baume gleichzeitig Blüten, unentwickelte und reife Früchte sehen. Von der Apfelsine gibt es eine Menge Abarten, die durch die Erfahrung dem Boden und dem Klima der verschiedenen Gegenden angepaßt sind; sie unterscheiden sich durch ihre Größe und ihr Aussehen, sind aber in ihren wesentlichen Eigenschaften nicht verschieden von einander. Am häufigsten kommt die China-Orange als Apfelfine auf unseren nordischen Markt, die Malteser- oder Blut-Orange hat eine rauhere, gelbe Schale und scharlachrot gesprenkeltes Fruchtfleisch. Die St. Michaels-Orange von den Azoren ist kleiner und von blaßgelber Farbe. Die Edelorange hat eine dünne Rinde und ist sehr süß und würzig, sie wird in China besonders geschätzt, häufig werden den Mandarinen damit Geschenke gemacht. Eine andere Art sind die Pampelmusen in Ost- und Westindien, die oft den Umfang eines Kinderkopfes erreichen, während der Adamsapfel oder die verbotene Frucht, welche die Schlange in der Mythe der Eva im Paradiese gereicht hat, eine Mittelgroße Frucht ist mit blaßgelber Haut und weißem' oder rötlichem, säuerlichem Fleisch Me verschiedenen Arten der Pomeranzenbäume werden meist aus Zitronenkernen gezogen, weil diese Bäumchen schneller wachsen und kräftige Unterlagen geben, auf die die gewünschten Sorten von Apfelsinen durch Pfropfen und Okulieren veredelt werden; auch durch Wurzelausläufer nnd Stecklinge kann die Vermehrung geschehen. Die Oranaen- baume erreichen ein hohes Alter. Alexander von Humboldt sah am Amazonenstrom Apfelsinenbäume von 18 Meter Hohe, die er auf mehr als 300 Jahre schätzte; in unseren Orangerien gibt es Bäume, die über 500, bie ältesten sogar über 700 Jahre alt sein sollen. Reizend sind die Schilderungen, die uns mehrere Reisende, wie z, B. Alfred Meißner und Melzan, geben von den Orangenhainen und Agrumiwäldern Italiens und der Inseln des Mittelmeeres. Der Phantasie des Nordländers, der sich nach! dem schönen Süden sehnt, schweben vor allem die Hesperiden- bäume vor mit den goldenen Früchten, die' er unter seinem Nebelhimntel nur in Papier eingewickelt aus der Hand des Schiffers oder des Kaufmanns erhält. Und in der Tat, welcher Gartenbaum könnte der Orange an Schönheit und Adel den Rang streitig machen! Hoch und stattlich, mit glänzendem, dunklem, immergrünen! Laube, mit lilienartia duftenden Weißen Blüten, die das ganze Jahr hindurch hervorbrecheu, erst mit grünlichem, dann allmählich golden schimmernden Früchten, deren Schale, mit flüchtigem Oel gefüllt, aromatisch duftet, deren Geschmack je nach den Varietäten von balsamischer Bitterkeit und der strengsten, aber feinsten Säure bis zum süßesten Nektar aufsteigt, mit festem, dichtem Holze und einer Lebensdauer, die die des Menschen weit übertrifft — in welchem anderen Baume wäre so die Kraft der Sonne, der sanfte Hauch der Lüfte und der lichte Glanz des Htmtnels zusammengefaßt und vegetativ dargestellt als in dem mächtigen Orangenbaum'. Ju der fteien Natur hat der Baum feine steife Kugelgestalt verloren, er streckt seine Neste nach allen Seiten, und in seinen Kronen leuchten die goldenen Aepfel und die silbernen Blüten. Man wandelt unter einem ununterbrochenen, schattenden, schimmernden Laubdache. Eine dicke Schicht Orangenblüten deckt den Boden, kleine Bächlein sind an den mächtigen schwarzen Wurzeln vorübergeleitet, ihr Gemurmel vereinigt sich mit dem Gesang der Vögel, die in den Zweigen wohnen. Man kann in diesen Hainen der Hesperiden frei umhergehen, die Zweige beiseite biegen, die dem Wanderer ihre Blüten ins Gesicht schlagen, und, von einem Dufte ohnegleichen berauscht, sich in den Schatten von Orangen strecken, die so mächtig wie Waldbäume sind. Leider hat in den letzten Jahren die Gummikraukheit unter den Orangen großen Schaden angerichtet. G. AruckfeHker. Ach ja, der Druckfehler — das ist ein böses Kapitell Dieses Ungetüm ist sicher älter als sein Name, denn er trieb schon sein Unwesen, als er noch „Schreibfehler" hiest Und er sollte doch heute lange nicht mehr „Druckfehler" heißen, sondern „Setzfehler". Der falsche Name für die heimtückische Sache kommt wohl daher, daß in der Anfangszeit der Buchdruckerkunst das Druckverfahren noch ein primitives und wenig erprobtes war. Aber die Sache wird immer schlimmer, je weiter die Buchdruckerkunst fortschreitet. In welch idyllischer Vereinzelung vertrauerte ein Schreibfehler sein verpfuschtes Dasein, und wie frech macht sich sein Urenkel in vielen Tausenden von Exemplaren breit! Der Boden wird immer nahrhafter für den einzig und allein in Witzblättern so beliebten „Setzkasteukobold", der jetzt schon mehr „Setzmaschinenkobold" heißen sollte. Und damit man sich nur keine Hoffnungen mache: in der Setzmaschine schlrnri- ment noch etwa tausend Teufelchen mehr! So wie im Märchen die Mutter beim Nachyausekommen statt ihres schönen Kindes in der Wiege ein gräßliches Geschöpf findet, das die Kobolde an Stelle ihres Lieblings dort hineingelegt hatten, so sieht der Autor aus seiner Arbeit, auf die er alle Liebe und Sorgfalt verwendete, im fertig gedruckten Exemplar höhnisch den Druckfehler grinsen. Auch der Setzer und Korrektor sehen's mit Entsetzen. Trotz aller Sorgfalt ist der Kobold hineingeschlüpst; und da steht er jetzt breit und grinst aus Tausenden von Exemplaren den Leser an. Der aber kann es zumeist gar nicht fassen, wie so ein Fehler überhaupt möglich ist. Aber auch Autor, Setzer und Korrektor greifen sich an den Kops. Und fast täglich wiederholt sich diese traurige Geschichte — 4 manchmal in milderen Formen, manchmal aber auch in I haarsträubendem beispielsweise einem Wiener klerikalen Blatte daß es einen Artikel über die Enzyklika des Papstes brachte. Für einen guten. Katholiken heißt aber der Papst- der heilige Vater. Aus einer großen, fetten Schrift wurde der Artikel gesetzt, und am andern Tage lasen die ent- seüten Gläubigen „Die Enzyklika des heiligen Katers". Der Laie kann sich natürlich keine Vorstellung machen, wie so ein Fehler entstehen konnte. Das ist aber sehr einfach erklärt- Im Setzkasten befindet sich das Fach für „K" ober- balb des Faches für „B". Nun war das „K"-Fach voll und einige „K" rollten ins „V"-Fach herunter. Der Titel wurde in letzter Minute, als alles schon drängte, gesetzt und das Malheur war fertig. „„„ ~ Ziemlich bekannt ist die skandalöse Drucksehlerserie in einer Kronprinzennotiz eines deutschen Blattes. Irgend ein Kronprinz war krank und es sollte dem Volke mitgeteilt werden, daß er die Nacht über vortrefflich geruht habe. Da stand am ersten Tage groß und breit: „Kornprinz". Am nächsten Tage stand natürlich eine Berichtigung: „In unseren gestrigen Bericht hat sich em unliebsamer Druckfehler eingeschlichen; es soll natürlich heißen: „Der Knorprinz hat die ganze Nacht vortrefflich geruht." Am nächsten Tage wird die Berichtigung berichtigt: Es soll selbstverständlich heißen: „Der Kronprinz, hat die ganze Nacht vortrefflich geruht." Und in dieser Berichtigung der Berichtigung stand ein neuer Drucksebler, der so schlimm war, daß man ihn gar nicht andeuten kann und daß das Blatt konfisziert wurde. So konsequent heimtückisch ist ja der Kobold nicht immer, aber es ist schlimm genug, wenn er z. B. aus einer Truckfehlerberichtigung eine Dreckfehlerberichtigung macht. Sehr unangenehm dürfte auch jener Direktor einer Aktiengesellschaft berührt gewesen fein, als er las: „Bet der gestern abgehaltenen Generalversammlung beichtete Herr Dir. N. über die Geschäftsgebarung." — Kürzlich las ich in einer Frauenzeitschrift ein Rezept zur Bereitung von neuen Kartoffeln. Darin hieß es u. a.: . Dann schüttle man heftig den Kopf." Mir war natürlich sofort klar, daß der Topf gemeint war. Den Kopf habe ich aber doch geschüttelt. In einem Berliner Blatte war vor kurzem zu lesen, daß die nächsten Entschlüsse des Zaren über die Existenz des „Zentrums" entscheiden müßten. Ehe man aber diese unbefugte Einmischung des Auslandes in unsere internen Angelegenheiten energisch zurückzuweisen begann, fiel einem ein, daß es sich wohl um die Existenz des „Zarentums" handeln dürfte. Wenn der Kobold sich aber besonders auszeichnen will, dann begnügt er sich nicht mit dem Verwechseln einzelner Buchstaben. Dann verhebt er ganze Kolumnen oder Spalten, oder würfelt die Teile zweier oder dreier Notizen bunt durcheinander, und schließt einen Bericht über ein Blutbad mit dem Lob über Regie, Zusammenspiel und Einzelleistungen aus einem Theaterreferat. Ter Leser wie der Autor werden natürlich geneigt sein, ausznrufen: Ja, kann man denn die Druckfehler nicht ausrotten? Nein! Das kann man nicht. Man kann sie höchstens auf bescheidenes Maß reduzieren. Hauptsächlich dadurch daß man die Fehlerquellen verstopft. Welches sind aber die häufigsten Fehlerquellen? Vor allem schlechtes Manuskript: eine unleserliche Handschrift, schleuderhafte Streichungen und Korrekturen, Auslassen von Endsilben und Interpunktionen (ein sehr wichtiges Kapitel I). Oft liegt die Fehlerquelle auch in dem sehr losen Verhältnis des Autors zur Satzlehre, in dem fehlerhaften Gebrauch der Pronomina und in den allermeisten Fällen in einer momentanen Geistesabwesenheit, die auch, z. B. beim Zettüngsbetrieb mit seiner nervenzerreibenden Hast, nur zu erklärlich ist. Für den Setzer bilden dann diese Umstände ebenso viele Fallstricke. Manchem vermag er auszuweichen, in anderen verfängt er sich Dem Korrektor, dessen Amt es ist, nach Fehlern zu fahnden, geht es nicht anders, er sieht den Wald vor lauter Bäumen nicht, und zwischen zwei Fehlern, die er richtigstellt, bleibt der dritte stehen. Die geistige Abspannung mag auch für Setzer und Korrektor als Entschuldigung gelten. Nein, ganz ausrotten wird man den Druckfehler nie können, wovon sich einige hochgelehrte Philologen fiBieW zeugen mußten. Ihnen waren die Druckfehler und anderen! Fehler in den alten Autoren ein Dorn im Auge, und fiel setzten sich hin und verfaßten ein eingehendes Berichtigungswerk, dessen Herstellung und Korrektur an Genauigkeit alles übertreffen sollte. Und stehe: Als der erste Teil des Werkes erschien, prangte als erste Zeile am Titel: Pars primum! Ein Fehler, den der kleinste Gymnasiast nicht machen darf. Das hat uns Schülern der Wathematikpro- fessor erzählt, zum Beweis, daß auch gelehrte Philologen irren können; in der Mathematik hielt er einen Fehler aller-, dings direkt für unanständig. Es kamen aber doch einige vor. Bei uns Schülern natürliche. Literarisches. — Illustrierte Geschichte der Deutschen Literatur von den ältesten Zeiten bis zur Gegenwart. Von Professor Dr. Anselm Salzer. Mit 110 ein- und mehrfarbigen Beilagen, sowie über 300 Abbildungen imj Text. Erscheint in Lieferungen zu je 1 Mk. Es galt, eine „Literaturgeschichte" zu bieten, die auf voller Wissenschaft^ licher Höhe stehend, in illustrativer und künstlerischer Beziehung mit den bestehenden mindestens ebenbürtig in Konkurrenz treten konnte. Die Auswahl der Bilder ist durchs aus originell und schon darum werwoll, weil sie sich nicht auf die in den Literaturgeschichten immer wiederkehrendew Bilder beschränkt, sondern viel Neues an Wiedergaben voU Proben aus Schriftwerken alter und neuer Zeit und au Porträts der Dichter bringt. Dies gilt vor allem von den Tafelbildern, die dem Werke teils vielfarbig, teils zwei- ober einfarbig, und zwar in solcher Menge beigegeben sinch wie sie in keinem Werke dieser Art zu finden sind. Nicht minder erfreuen sich aber auch die vielen Textillustrationeu des ungeteiltesten Beifalls, weil auch sie des Herausgebers klaren Blick fiir das Charakteristische jedes Zeitalters und für das wirklich Belehrende verraten. Wie die Schriftbeilagen zu paläographischen und sprachlichen Studien anregen, so geben die in Farben, Holzschnitten, Kupfer- oder Stahlstichen beigefügten Bilder über den jeweiligen Stand der Malerei und Zeichenkunst Aufschluß. Rühmend ist hervorzuheben, daß da, wo Dinge zu besprechen sind, die ihrer Natur nach bei zart veranlagten Naturen Anstoß erregen könnten, stets der richtige Takt getroffen wurde. Fern von aller Zimperlichkeit hat der Verfasser für das sittlich Anstößige ohne nähere Ausführung das richtige Wort gefunden und in einem allgemeinen wertschätzenden Urteil das Rohe und Gemeine gebrandmarkt, das Echte und Wahre aber mit hohem sittlichen Ernst dargestellt. Mit Freude! wurde es darum selbst von fachmännischer Seite begrüßt, daß hier zum ersten Male den geschichtlichen Vorbedingungen ein größerer Raum gewährt wurde, als es sonst geschieht, und insbesondere den Einfluß der lateiuischeu auf die deutsche Literatur bis hinauf in das 18. Jahrhundert verständnisvolle Würdigung gefunden hat. Beseelt von dem Gedanken, das Jetzt aus dem Einst zu erklären, ist auch den durch ihre Leistungen unfruchtbareU Perioden, die man für gewöhnlich kurz abzutnn Pflegt, eine liebevolle Beachtung gewidmet. Die mittelalterlichen Literaturdenkmäler sind mit einer in Gesamtdarstellungen der Literatur sich sonst nirgends findenden Klarheit und Ausführlichkeit behandelt, oft nach ganz neuen Gesichtspunkten. So wird das 16. und 17. Jahrhundert dem Leser vielfach in einem neuen Lichte erscheinen. Die Darstellung! ist frei von allem Phrasentum, einfach, aber vornehm; oft aber erhebt sich die Sprache zu hohem Schwünge. Ueberall verrät sie Begeisterung für die Sache, bereit Studium sich der Verfasser zur Lebensaufgabe gemacht hat und für die er auch die Leser zu erwärmen weiß. (München. Allgemeine Verlags-Gesellschaft m. b. H.) Logogriph. Mit ein vielgebrauchter Gegenstand; Mit „K" nahms Mancher und verschwand. Auflösung in nächster Nummer. Auflösung des Neujahrs-Arithmogriphs in voriger Nummerr Woüe — Orgel — Hom — Lehr — Eger — Bet) — «er — Erle — Heime — Engel — Körnen. W oMergehen I Redaktion: Ernst Heß. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'fchen Universitäts-Buch- und Eletndruckerei. R. Langem Dieb«.