Montag den 1. Zuli MW MsiiWT i| |i hEK MEÄF ®s Aunken unter der KsHe. Ronmn von M. Projznitz (M. Nörcnberg). Unbefugter Nachdruck wird gerichtlich verfolgt. (Fortsetzung.) Tie Baroneß tvurbe förmlich' nervös bei dem klingenden Lachen, das der graziösen Fredine fortwährend von den brennend roten Lippen perlte. Sollte er wirklich in die plumpe Falle gehen? Wie sehr mußte sich dann sein Geschmack gegen früher geändert haben. Freilich — es war eine lange Zeit seitdem verflossen und das Menschenherz ist wandelbar! — Sie preßte sekundenlang die feinen Lippen zusammen. Es Wäre schade um ihn! . . . Da rief der Herzog sie an. „Baroneß, wie finden Sie eigentlich die neuste Aufnahme von meiner Mutter? Radach hat sie heute morgen geschickt." Er deutete auf eine große Photographie, die int Mnsiksaal auf einer reichgeschnitzten Staffelei stand. Tagmar erhob sich voll Interesse und folgte dem voranschreitenden Herzog zu dem Bild. Spöttisch sah die Gräfin Lindström ihnen nach. Ta suhlte sie Uchdorss Augen auf sich ruhen. Mit ihrem unschuldigsten Gesicht wandte sie sich zu ihm. „Welche schöne Mgur die Baroneß doch hat!" Lauernd fuhr ihr Blick zu ihm hin. „Ja," (antwortete der Rittmeister einsilbig, ihm gab das Lächelit der Gräfin zu denken. „Ich finde das Antlitz Ihrer Hoheit vorzüglich ähnlich, aber die Haltung des Oberkörpers erscheint mir unvorteilhaft!" meinte Tagmar nach kurzer Ueberfegung zu ihrem Begleiter. Ter Herzog lachte und wandte sich lebhaft um. „Uchdors, hören Sie mal, Baroneß Rolfsen ist auch Ihrer Meinung." Und als der Rittmeister eilig herbeikam, fuhr er scherzhaft fort: „Dieser große Amateur hat mir nämlich gestern einen eingehenden Vortrag über die Kunst des Abkonterfeiens gehalten." < Tagmar lächelte, ihr gewohntes, höflich freundliches Lächeln. „Sie haben viel photographiert, Herr von Uchdors?" „Allerdings, Baroneß. Besonders während meines Aufenthaltes im Auslande. Es find diese Bilder 5och eine greifbare Erinnerung an viele schöne Tinge, die mjan sonst vielleicht längst vergessen hätte. Außerdem lernt man, grade durch das gebotene, vorsichtige Uebertegen beim Abtypen Menschen und Tinge schärfer und wohl auch richtiger beobachten." Langsam hob Tagmar die Augen von dem Bilde. Sie sah Uchdors an. Seltsam ernst und bedeutungsvoll erklangen ihm Plötzlich ihre Worte. „Trauen Sie sich wirklich so viel Menschenkenntnis zu, Herr von Uchdors?" Unwillkürlich schweiften ihre Angeil zu Fredine hin, die mit schlecht verhehlter Ungeduld den Bemerkungen der Herzogin Stand hielt, zu welcher jetzt auch noch Seine Hoheit trat. Mechanisch waren Uchdorfs Blicke Dagmars Augen gefolgt. „Sie unterschätzen die Gräfin — als Feindin," warnte er huf einmal mit eigentümlicher Dringlichkeit. „Sie überschätzen die Dame," klang es herb zurück. Und plötzlich verstand er — verstand er den tiefen Sinn der Frage, die ihre Augen ihnr dabei unbewußt gestellt hatten . . „■ Seine schlanke, sehnige Gestalt richtete sich straff empor, als er leise, doch deutlich vernehmbar entgegnete: „Ich weiß wirklich nicht, Baroneß, aus welchem Grunde Sie mir urplötzlich allen Ermstes einen so" — er zögerte leicht —•: „so wenig vornehmen Geschmack zutrauen." Sekundenlang war Dagmars dlntlitz in lichte Röte getaucht. Blitzschnell flammte ein Heller Freudenschein über ihre eben noch so ernsten Züge, aber ebenso rasch wie er gekommen war, verschwand der glückliche Ausdruck auch wieder, um der gewohnten Verschlossenheit und anscheinenden Ruhe Platz zu machen. „Man sieht nicht gern jemand ins Unglück gehen," flüsterte sie zaghaft, wie um Entschuldigung bittend. Doch Uchdors hatte genug gesehen. Jetzt ließ er sich nicht mehr täuschen! Langsam fuhr er sicht mit der Hand über die Stirn. So hatte ihn die leise Stimme feines Herzens also doch nicht getrogen! O, über das jubelnde Glücksgefühl, das ihn jetzt durchflutete. Am liebsten hätte er Tagmar in seine Arme genommen und ihr holdes Antlitz mit heißen Küssen bedeckt! Gewaltsam riß er sich endlich zusammen. Um Gotteswillen nur kein Aufsehen erregen. Das was sie beide einander zu sagen hatten, ging keinen andern etwas an. Er stockte einen Augenblick. Auch Wettlingen nicht? Tann hob er siegessicher das Haupt. Hier galt das Recht des Stärkeren! — Tagmar schwieg. In leiser Unruhe spielten ihre schlanken Hände mit dem kleinen, kunstvoll verzierten Schildpcittsacher, dessen goldene Initialen sie mit einer Genauigkeit betrachtete, als sähe sie die heute zum erstenmal. Ta erhob Uchdors von neuem feine Stimme. Gedämpft, doch eigentümlich eindringlich tönten seine Worte zu ihr hin. „Grade Sie, Baroneß, sollten mich doch genugsam kennen, um' zu wissen, daß ich nur echte Perlen begehre." Es war das erstemal feit ihrer Verlobung, daß Uchdors so deutlich aus die Vergangenheit anspielte. Tagmar erschrak. „Nur echte Perlen," wiederholte der Rittmeister nachdrücklich, „Heute so wie damals." Er sah sie bedeutungsvoll an. Eine bange Pause entstand ... Schwindelnd schloß Dagmar einen Augenblick die Lider'. 0, wie die Gedanken aus sie einstürmten! Tie süßen, verführerischen Gedanken, die ihr schmeichelnd zuraunten: „Ergreife das Glück! Pack' es mit starker Hand, um es festzuhalten fürs ganze lange Leben." Tenn mit schreckenerregender Deutlichkeit sah sie in diesem Augenblick auf d!as äußerste gesteigerter Seelentätigkeit ein, daß jenes Gefühl, welches sie für Veltlingen hegte, sich nie und nimmer mit dem leidenschaftlichen Empfinden messen! konnte, das urplötzlich mit rasender Gewalt für Uchdors in ihr enrporloderte. Wild und unbändig lehnte sich diese Leidenschaft Sauf gegen die Stimme des Gewissens, die ernst und nachdrücklich dagegen sprach: 378 — „Und Veltlingen, was wird aus dem, wenn du dein Wort brichst? Und nun erst du selber? Kannst du leben mit dem Makel auf deiner sonst so reinen Stirn, die du bisher so hoch und stolz gehalten?" Taginar atmete hastig und schwer. Wie mit Zaubergewalt stand Plötzlich der Tiag vor ihren geistigen Blicken, an denc sie sich mit Veltlingen verlobte. Wie stolz sie ihm damals als Antwort auf seine freimütig eingestandene Eifersucht gesagt hatte: „Ich bin eine echte Rolfsen, und deren Wappensprnch lautet „in Treuen fest", dessen sei und bleibe eingedenk, mein Freund!" Und jetzt? War sie nicht eben nahe daran gewesen, ihr gegebenes Wort zu brechen? Weil sie urplötzlich wieder cr- fastt war von den Flammen einer jäh hervorbrechenden Leidenschaft, einer Leidenschaft, die sie längst bis zum letzten Funken erloschen gilaubte! Mer nein! Dem Gefühl sollte, dem durfte sie nicht nachgeben. Sie hielt ihr Wort. „In Treuen fest." Mit einer unnachahmlich hoheitsvollen Bewegung hob Dagmar das Haupt. Ihre großen Augen schimmerten schwarz vor Erregung als sie, scheinbar sehr interessiert das Bild betrachtend, halblaut mit fester Stimme sagte: „Es geht wohl jedem älteren Menschen so, daß er sich das eine oder andere Ideal seiner Jugend zu bewahren trachtet, Herr von Uchdorf. Mir ist aus der Vergangenheit besonders deutlich die Wichtigkeit in Erinnerung, mit welcher mein Vater alle Zeit auf die Befolgung unseres Wappenspruches hielt. Davon hoffe auch ich nie und nimnier abzuweichen." Er sah sie ungewiß an. Narrten ihn seine überreizten Sinne, oder war das wirklich ein und dieselbe Dagmar, jene, die vorhin mit solchem glückseligen Gesicht vor ihni stand, schweigend seinen inhaltschweren Worten lauschend, und dieses ernste, junge Weib, das da voll unnahbarer Hoheit mit einem traurigen Lächeln in den Augen, bereit war, treu und fest ihr gegebenes Wort zu halten? Er blickte- von neuem zu ihr hin. Ihre Augen begegneten sich, und als er den Ausdruck unbeugsamer Entschlossenheit gewahr ward, der ihm dort entgegenleuchtet«, da wußte er, daß jedes fernere Wort in dieser Angelegenheit unnütz sein würde. Langsam beugte er seine hohe Gestalt zu ihr nieder. „Tue ich eine Fehlbitte, Baroneß, wenn ich es wage. Ihnen jetzt noch meine Dienste anzubieten, falls Sie jemals in die Lage kommen sollten, die Hülfe eines aufrichtigen Freundes in Anspruch zu nehmen? Oder darf ich auch das nicht mehr?" Ernst und eindringlich tönten die Worte zu ihr hin. Sie schwieg. In hastigen Atemzügen hob und senkte sich ihre Brust. Unbewußt klammerten sich ihre bebenden Hände um den Schildpattfächer, als könnte dieses leblose Ding ihr Kraft und Hilfe geben in diesem schweren Seelenkampf. Ta schlug wiederum Uchdorfs Stimme an ihr Ohr, ehrerbietig und bittend. . „Verzeihen Sie mir, Baroneß!" Ernst rind dringlich ruhten seine Augen auf ihr, die ebenso errrst seinen Blick zurückgab. Sie neigte leicht das blasse Antlitz. „Ter Besitz eines echten Freundes ist eine köstliche Gabe. Ich danke Ihnen, Herr von Uchdorf, wenngleich ich hoffe," sie wandte sich mit einer schnellen Bewegung nach dem andern Zinnner zurück, „an Mjagnus Sei . . ." Ein lautes Poltern und Kvachen ließ sie erschreckt innehalten. Klirrend war das Bild der Herzogin zu Boden gefallen. Ein leises Zittern überrann Dagmar. Verstört sah sie zu Uchdorf hin, doch ehe der noch ein beruhigendes Wort sagen könnte, kam schon der Herzog herein, der sich verwundert nach der Ursache dieses verfrühten Polterabends erkundigte. „Ah, Ihre Schleppe sah an dem Schnitzwerk der Staffelei fest! Da sehen Sie, Baroneß, nicht einmal das leblose Holz kann Ihrer Anziehungskraft widerstehen!" scherzte der hohe Herr. Tie Angeredete lächelte mühsam, mit blassen Lippen. Besorgt trat Veltlingen näher. „Ist dir schlecht, Dagmar?" „Ich habe mich _ so erschrocken, Mjagnus." „Tas tut mir leid, mein Herz. Hoffentlich können wir Md fort, damit du zur Ruhe kommst." „Ihre Hoheit geht schon." Ta tpat Uchdorf wieder heran. „Darf ich mich ganz gehorsamst empfehlen, Baroneß." Sie reichte ihm schweigend die Hand, die er ehrfürchtig rußte. Als er sich aufrichtete, tpaf sein freimütiger Blick den ihren. Ta nickte sie ihm zu: „Gute Nacht, Herr von Uchdorf." 5. Kapitel. Weihnpchtsfefl war vorüber. Es! hatte Dagmav über- VMhe Gaben von Magnus gebracht. Gaben, die sie dankbaren, frohen Herzens entgegengenommen hatte. Es war überhaupt in dem Verhältnis der Verlobten, seit jenem Teeabend, eine eigentümliche Wandlung vorgegangen, welche Veltlingen mit tiefem Behagen empfand, wenn er sich auch die Veranlassung zu dem veränderten Benehmen seiner Braut nicht denken konnte, die jetzt gegen ihn und seine kleinen Schwächen von einer sanften Duldung, einer gewissen nachsichtigen Freundlich-! feit war, die in starkem Gegensatz zu ihrem sonst so kühlenzurückhaltenden Wesen stand. Zu Tagmars heimlicher Erleichterung hatten die Qnadrillen-- proben kurz vor Weihnachten, wegen Ansteckungsgefahr aushören müssen, denn unter den Pferden der Ulanen war die Brnstscnche ausgebrochen. Tie Baroneß iviar es sehr zufrieden, daß die Reiterei ein Ende hatte. So geschah es schon ganz von selbst, daß sie Uchdorf wenig sah, und kamen sie dennoch auf gesellschaftlichen Veranstaltungen zusammen, so mieden sie einander, ivic in schweigender! Verabredung, möglichst unauffällig. Anfangs hatte Tagmar sich mit einer leisen Unruhe erwehren können, wmn Uchdorf in ihrer Nähe war, doch bald hatte die stets gleichmäßige Ruhe des Rittmeisters, die zarte Art, in welche« er ihr seine aufrichtige Verehrung darzubringen wußte, ihre Erregung zu beschwichtigen verstanden. „Ein treuer Freund," sie meinte oft noch den Tonfall seiner Stimme zu hören, in bem er diese Worte sprach. Nun gut! So hatte sie damals beschlossen, als sie sich unter bitteren Selbstvor-, würfen schlaflos auf ihrem Lager umherwarf, sie wollte sich auf diesen Freund verlassen, wenn sie jemals einen Freundesrat, eine I-renndeshilfe brauchte, wenngleich sie schwerlich an Magnus Seite je dessen bedurfte! Boll Tankbarkeit sah Uchdorf, der sich mit seinem Empfinden in die Kämpfe dieses edlen Frauenherzens versetzte, daß Dagmar ihm nicht mehr zürnte, sondern in schweigender Gewährung seine Freundschaft hinnahm, die er ihr einstweilen durch die denkbar größte Zurückhaltung zu beweisen wußte. Tenn nicht umsonst hatte er etliche Späherblicke der Gräfin Lindström ansge-, fangen, die ihm zu denken gaben. Wenn der Rittmeister jedoch glaubte, durch eben diese völlige Zurückhaltung Frcdine zu täuschen, so irrte er sich gewaltig. Grade in seinem auffälligen Fernhalte:: von Tagmar sah die Gräfin den Anhalt für einen Verdacht, den sie anfänglich nur instinktiv empfunden hatte, für den Beweise zu haben sie urplötzlich das Erstrebenswerteste deuchte. Welch ein Hochgenuß würde das sein, wenn die Verhaßte dann nach ihrer Pfeife tanzen mußte! Wahrlich, sie konnte bei diesem Hazard nur gemimten; — wenn sie nur einigermaßen die Karten zu mischen verstand. Da banque! Dm Zagendm flieht das Glück! (Fortsetzung folgt.) Die Freude» des Sommeraufenthaltes. Aus Paris wird geschrieben: Ein paar Tage noch — und all das elegante Leben, das jetzt noch die Boulevards durchflutet, wird verschwunden sein. Die feinen Leute ziehen sich aufs Land zurück, in Bäder und Villen, Paris liegt still und ernst da, ein ungewohnter Anblick. Man hat es diesmal recht lange in den Stadtmauern nusgehalten. Vor drei oder vier Jahren noch hätte es fast als ein Verbrechen gegen den Geist des guten Tons gegolten, wenn man nach dem Grand Prix ttoch in Paris geblieben lvüre. Jetzt ist es schick, die ersten Tage des Juli abzuwarten, ehe man abbeist. Sind doch sogar die Herren vom Polo-Klub noch da, und jede Tat in den esoto- rischen Kreisen dieses „timt plus ultra" von Eleganz hat die Autorität eines unwiderruflichen Dogmas. Die Damen haben ihre Toiletten für den Sommeraufenthalt längst vollendet, die zarten, durchbrochenen Roben aus Linon und Cristalline, aus all den weißen, warm leuchtenden), geschmeidigen Stoffen, die etwas reizend Negligsartiges haben; alles ist aufs Bequeme, Gelöste, Biegsam-Bewegliche berechnet, denn mit der Enge des gesellschaftlichen Lebens, der steifen Konvention will man auch die starre Kleiderpracht von sich tun. Eine wirklich elegante Dame ist ja nach dem strengen Gesetz unserer Mode immer schlank. Korsett und eifriges Schnüren können nicht mehr helfen, nur Entfettungskuren, Sport, Massage und alles, was die sinnvolle Körperpflege erfindet. Wer da noch auf künstliche Mittel, auf Korsett, Zusammenpressen usw. vertraut, die Unglückliche kann höchstens die Männer täuschen, bei ihren Freundinnen begegnet sie nur einem verächtlichen Lächeln, In halber Mreisestimmung leise hinträumend blickt dick Pariserin über oie duftigen Schätze hin, die schon der baldigen Haft der Koffer harren. Wie schade, die kurze» — 379 — Aermel, die ihren schönen Arni enthüllten, gehen dem Ende entgegen. Reiche Spitzenmanschetten fließen wieder aus die Hand nieder. Sie gleiten in feinem Gewoge durch die Finger der Dame und verschwinden in dem Aufrauschen von Seide und Bändern, in den vollen Falten der breiten Musselinschärpen. Auch die langen Handschuhe bleiben zu Hause. Passö, vorbei. Nuu mögen sie in den toten Kästen modern, nachdem sie so manchen warmen Druck empfangen, so manchmal hastig und erregt aufgcstreift worden find. Mit besonderer Liebe ruht der Blick auf den Hüten, diesen schönen Harmonien vvn Federn und Blumen. Wie entzückend ist dieser große glockenförmige Hut im Stile Ludwigs XVI. Weißer Tüll mit breiten Volants von Va- lenciennesspitzen, in die kleine Girlanden von Pompadour- Rosen gebettet sind. Wie schäferlich das tiefe Dach, das die Augen schirmt, fast wie bei einem Bauernhänschen, die Bindebänder, die Schleifen und Schleier! Auch der Son- nenschirnl ist ganz 18. Jahrhunderts mit einem kleinen exotischen Einschlag von Japan. 18. Jahrhundert! Schäfereien ! Rousseau! Bor dem Blick steigt die idyllische Ländlichkeit von Klein-Trianon auf und jene rührende Zeit der Marie Antoinette, da die Prinzessinnen mit rosen- umwundenen Schäferstäben an bunten Bändern die wolligen Schäfchen über den Rasen führten und die Königin selbst auf niedlichem Schemel ihre Kühe molk. In der Französin liegt von jeher eine leise Sentimentalität und ein wenig Einfachheit tut wohl, wen« das Bridge die Nerven erschüttert und das Automobil eine unruhige Hast in ihr Leben gebracht hat. Was für eine köstliche Beschäftigung wird es fein, sich selbst die Parfüms zu bereiten. O, sie hat einem alten Rokokobuche,, einem kleinen Kalendarium weiblicher Schönheitspflege, mit entzückenden Köpfen, ein herrliches Rezept sich gemerkt, ein ganz eigenartiges, originelles. Das wird sie probieren und noch viele andere. Schon wühlen die Hände in dem Blumenmeer, pressen die Blüten in Gläser, schütten Puder dazu und Essenzen, wachen eifersüchtig über die geschlossenen Behälter, in denen der süße Duft sich destilliert. So berauschende und so zarte Gerüche will sie zusammenbrauen, daß ihre Freundinnen im Herbst schon von weitem ganz neidisch werden sollen. Eine andere Kunst, in der man sich üben wird, weil sie Mode ist, besteht im artistischen Arrangement von Blumen. Bon den Japanern haben wir den feinen Geschmack gelernt, wie man zarte Stengel in schmalen Gläsern aufstellt, um die ganze ziervolle Schönheit einer Blume erkennen zu lassen. Aber auch die ländlicheu Blumen bieten reichen Schmuck in vollen Schalen. Die Dame des Hauses darf es sich nicht nehmen lassen, in diesem Blumendekor täglich ihren Geschmack zu entfalten und jedem Zimmer ihre persönliche Note zu verleihen. Sie wirkt auf beut Eßtisch mit der zarten Sparsamkeit weniger Basen, im Boudoir mit exotischen Arrangements und int Schlafzimmer mit bunter Fülle. Wie unendlich viele Nuancen kann sie zeigen bei der Zusammenstellung und Auswahl, bei der Verteilung Und Anordnung! Nie aber darf sie dem Mädchen diese wichtige Beschäftigung überlassen! So wird ihr Leben hinfließen unter Blumen und Düften, in Spaziergängen und Träutne- reiett. Ländliche Feste, wie fie Watteau und Fragonard gemalt, gaukeln in ihreit Phantasien. Der liebliche, neckische Geist des Rokoko, der ihr aus ihrer Toilette so verführerisch entgegensteigt, er lebt und waltet auch noch in ihren Freuden und ihren Mutschen. Das Lehen des Baumes.*) ■ Von R. H. Francs. Die Lebensform des Baumes bedeutet die größtmögliche Entfaltung der Pflanzenlebenskraft. Der Baum ist der höchste Baustil, zu dem es das Gewächs bringen kann, er ist auch das dauerhafteste Gebäude, das weit alle anderen Produkte lebendigen Schaffens überragt. Zugleich das gewaltigste. Die Eukalyptusbäume Australiens reichert bis zu 152 Meter, die Mammutbäume Nordamerikas bis zu 142 Meter. Diese Gewächse sind gotischen Domen *) Wie ein Abschnitt aus Stifters herrlicher Novelle lieft sich die reizvolle Schilderung, welche.Francö in seinem von poe- tischem Schwung getragenen „Leben der Pflanze" von unserem deutschen Wald entwirft. Das großangelegte, prächtig illustrierte Werk, aus dem wir heute eilte kleine Probe entnehmen, sei hiermit jedem, der die Natur liebt, angelegentlich empfohlen; es erscheint in Lieferungen ä Mk. 1.— im bewährten Verlag des „Kosmos, Gesellschaft der Naturfreunde", Stuttgart. ebenbürtig. Neben ihnen erscheinen allerdings unsere Tannen' und Fichten, die nur selten bis zu 75 bezw. 60 Meter Höhe erreichen, bescheiden, aber dafür bringt das europäische Klima Baumriesen hervor, die wie die berühmte Edelkastanie am Aetna 20 Meter Stamwdurchmesser, oder wie die griechischen und türkisches Platanen bis zu 15 Meter Durchmesser erreichen. Kein lebendes Geschöpf kann sich dem an die Seite stellen) keines umspannt auch mit seinem Leben die Jahrtausende sh wie die Eiben oder Kastanien und Eichen. Schon das genügt, um sie mit dem romantischen Zauber altehrwürdiger Geschichte in unvergleichlichster Weise zu umkleiden/ denn nichts führt uns die Majestät der Naturgesetze mehr zum Bewußtsein, als so ein unbegreiflich in die Jahrhunderte hinein grünender Baum, neben dem Menschen aufblühten und verwelkten/ so oft wie ein Menschenleben die Rosenblüte erlebt, an bent Städte und Staaten versanken, unter dem eine Kultur und Religion aufging und wieder abdorrte und eine neue gegründet wurde, die dem kurzlebigen Menschenauge auch schon wieder alters- mttde und sichelreif erscheint, ein Baum, der es erlebte, !vie Römer, pfeilbewehrte Mongolen, sellumgürtete Recken und eisengepanzerte Ritter, Patrizier, Landsknechte, Herenprozessioucn und Eisenbahnen an ihm vorbeizogen, unter dem Millionen Seufzer von Leiden, die glaubten, unstillbar zu sein, Küsse und Liebesschwüre, die alle Ewigkeiten vom Himmel holen wollten, Träume und ehrgeizige Gedanken, die nach Unsterblichkeit lechzten, wesenlos dahinstarben und in nichts verwehten, während ihr Zeuge inmitten dieses Maskenzuges in wahrer Unsterblichkeit gleichsam spottet über den Größenwahn dieser so rasch verbrennenden Ein- tagssliegen, indem er gelassen bei jeder Sonnenwende einen neuetr lebendigen Ring zu den alten und toten fügt. Gegenüber^ dieser in sich ruhenden Größe ist die Weltgeschichte wie ein Wortgefecht. ... Das Künstlerische in uns aber schwelgt darin, daß jeder alte Baum die Geschickte dieser toben Ewigkeit auch erzählt, ihre Spuren an seiner Gewandung trägt. Wissenschaftlich erfassen' sreilich die wenigsten diese Physiognomik des Baumes, umso deutlicher aber in dem Empfinden, daß ein alter, von Sturm zersetzter/ von Regen gebleichter, von Blitzschlag zersplitterter Baum besonders schön und eines Maiers würdig sein. Der Baum bietet etwas, was die meisten Tiere nicht haben/ etwas, das ihn mit dem Menschen verknüpft: er hat Individualität. Die Steinadler oder Frösck-e sehen sich alle gleich, bei den Schmetterlingen vermag auch das schärfste Auge nicht, Unterschiede zwischen den Individuen gleicher Art zu entdecken, bei Hund und Pferd errät nur der liebevolle Blick der Besitzers die leisen Nuancen, die das Wiedererkennen erlauben, wenn sonst die Rasse und Abstammung gleich ist — die Bäume aber sind alle verschieden. Je älter sie werden, desto mehr prägt sich in ihrem Antlitze ihre Geschichte, so wie in dem unseren. Das macht sie liebwert und interessant. Danim gibt es Liebliugsbäume und ein starkes persönliches Verhältnis LU ihnen. Aber das Mysterium der Sache ist bald entschleiert. Die Pslauze ist dezentralisiert; sie, das vorsichtigste aller Wesen, hat alle Organe in großer Zahl angelegt und kann daher leichten Herzens Einbußen erleiden/ ohne dahinzusiechen. Daher ertrügt der Baum, daß ihn der Blitz spaltet, daß der Herbststurm ihn der schönsten Aeste beraubt, das; ihn unnatürlicher Gartengeschmack nach Belieben zurechtstutzen darf. Aber diese Charakterköpfe finden sich nur dort, wo der BanM in freiem Lichte die ganze Nachbarvegetation beherrschen konnte. Unter Druck und in dumpfiger Enge wird auch. aus ihm etN charakterschwaches Herdengeschöpf, desseir Züge Nicht von Adel und Eigenart, sondern von Lebensmühe und Not und ansgestcmde- nen Kämpfen erzählen. Gerade diese sind wie alle HerdenweseN nützlich. Sie sind wahre „Hanspslanzen", das Entzückeni des Försters. Und diese Knustnatur umgibt uns heute m Deutschland allenthalben. Wo schießt noch der Wald aus „Gottes Gnaden auf? Fast überall werden soglich die Baumschnzzöglinge in Reihen gepflanzt, absichtlich so dicht, daß sie in beklemmender Enge sich am Lebensraum hindern. Das macht die Bämne langschäftig, sagt schmunzelnd dazu der Holzhäudler. Mau benützt da eine merkwürdige Erscheinung des Pflauzenlebens, die ich Lebensangst nennen würde, wäre das nicht an eine bewußte Seele geknüpft. Dicht stehende Bäume veranstalten nämlich ein Wettrennen. Sie wachsen rascher als „Solitäre". Warum? Wer vermag eine andere Antworck zu geben als die: weil jeder Baum aus Lebenserhiltungstti^ trachten muß, den anderen zu überwachsen. Mit gelassener Grausamkeit hat es die Natur so eingerichtet, daß die Zuruckbleibeiiden verhungern. Sie sterben am Lichthunger. Und die übrigbleibenden werden — wozu es beschönigen? — Soummibtiel. Sterben durch den immer dichteren Zusammenschluß auch schon bei dem Einzelbaume die inneren Aeste tm Laufe der Zeit ab, so ist die Verkümmerung vieler Aeste km geschloßenen Verbände die Regel. Bei allen Forstbäumen ist die Krone relativ klein, der Stamm walzenrund, schlank, namentlich tm unteren Drittel fast stets astlos. Die Kunstsprache der Waldleute nennt da» vollholzig und armkronig. Und tote sonderbar: die Natur ist so vollkommen, daß sie aus der Not einer neuen Schönheit das Leben zu geben versteht. Der Hochwald, denn so heißt ;a dieser Wett- rennpkatz, verwandelt sich dadurch in enteil gigantischem Dom, den herrlichsten, hser je ersonnen wurde, gettagen von tausend >- 880 — schlanken, lichten Säulen, die das Tragen der Decke in einer jeder Baumeisterkunst spottenden Weise lösen. Der Buchenhoch- toald soll ja auch das Vorbild des gotischen Domes gewesen sein, was ich schon deshalb glaube, weil ich gefunden habe, daß man die von so vielen Geheimnissen umrankte Symbolik der gotischen Ornamente in wunderbar einfacher Weise verstehen lernt, wenn man die alte deutsche Religion einfach in Stein übersetzt. Der Deutsche kann Gottesdienst eben nur im Walde feiern. * Die Laufbahn glücklicher Kleinstädter erzählt Julius Rodenberg: „Da war ein hessischer Kaufmann aus Rodenberg nach Südafrika ausgewanbert und dort unermeßlich reich, einer von den Diamantenkönigen der ersten Dynastie — der von Barnato und Beit — geworden. Noch erstaunlicher war die Laufbahn eines anderen jungen Mannes, dem es, als er in mein Elternhaus kam, ktimmerlich genug ging. Er war auch ein Hesse, hatte in einem Göttingen Bankgeschäft gelernt und lebte hierauf stellen- rind mittellos eine Zeitlang hei seinem Bruder, der Gemeindelehrer in unserem Städtchen war. Manchen Mittag Hat er sich's' am Tische meines Elternhauses wohl sein lassen und Branchen Abend den vierten Mann beim Whist gestellt. Sn größeren Dingen schien er nicht berufen. Und doch war es der nämliche junge Mann, der mich, da wir beide etliche vierzig Jahre älter geworden waren, in einem der fürstlichen Paläste des Westens von London empfangen und bewirtet hat. Seine kleinen, schwarzen Augen, der bräunliche Teint seines Gesichtes, der Anflug hessischen Dialektes, wenn er von der Vergangenheit sprach, erinnerten mich an den, den ich einst so manchmal bei uns ein- und ausgehen sah. Aber wie hatten die Verhältnisse sich seitdem gewandelt! Diener in Livree mit einem Wappen auf den Knöpfen servierten an der Tafel, durch die Laichkronen des Parks schimmerte das rötliche Gemäuer des Schlosses von Kensington, und mein Wirt war der große Baron Reuter, der Begründer des weltbekannten Telegrapheu- bureaus, das noch heute nach ihm heißt." * Der zerstreute Professor ist von jeher die Freude der Schüler — und der Witzblätter gewesen. Ein Musterbild dieser Gattung war Galletti, von 1783 bis 1828 am Gymnasium in Gotha tätig. Einige seiner Schüler machten sich jahrelang das lose Vergnügen, die barocken Widersinnigkeiten, die ihren: Lehrer in seiner außerordentlichen Zerstreutheit über die Zunge liefen, zn sammeln. Diese Noten sind dann später unter dem Tttel „Gallettiana" tn Buchform vereinigt worden. Hier ist eine Auswahl dieser ergötzlichen Verdrehungen und Gedankenlosigkeiten: Gotha liegt an drei Flüssen: an der Seine, der Nesse und an der Erfurter Chaussee. — Die Engländer würden bei weitem nicht so viel Leder machen, wenn sie bloß ihre eigenen gelle gerbten. — In Rußland hat man Fenster von getränktem el. — Die Feuerländer sind von der Kälte ganz rot gebrannt. — Die Alentischen Inseln wohnen in Erdhütten. Ihre Fenster sind oben, eigentlich haben sie gar keine Fenster. — Die Gans ist das dümmste Tier, denn sie frißt nur so lange, als sie etwas findet. — Dieser Vogel heißt Entenstößer, aber nur in der Not, wenn er nichts anderes zu fressen hat. — Als der Prophet Zacharias gestorben war, nahm er eine andere Lebensart an. — Die Perser bekamen bei Marathon einen solchen Schreck, daß fiel ausriesen: „Herr Jesus, da kommen die Athener!" und stürzten ins Meer. — Die Cimbern und Teutonen stammen eigentlich tioneinanber ab. — Marat wurde zwar ermordet, aber er starb vorher an einer Krankheit, die ihm sogar das Leben kostete. — Der Lehrer hat immer recht, auch wem: er unrecht hat. — Der dumme Junge, der Sußdorf, soll einge- schrieben werden. Schüler: Herr Professor, er heißt nicht Sußdorf, sondern Thomas. Lehrer: Nun, da soll er auch nicht eingeschrieben werdm. — Es muß gleich 4 Uhr schlagen, denn es hat vor einer guten halben Stunde % geschlagen. — Wer über diesen Gegenstand etwas Schriftliches Nachlesen will, der findet es in einem Buche, dessen Titel ich vergessen habe; es ist aber das 42. Kapitel. — Cäsar ivnrde ans eine für seine Gesundheit höchst nachteilige Weise ums Leben gebracht. . * Die Handschri ft der Frauen. Ein französischer Schriftsteller hat längst darauf aufmerksam gemacht, daß in dieser Zeit, in der sich die Stellung der Frauen so schnell verändert, auch ihre Handschrift dem Wandet zu unterliegen schenkt. Die FrauenhaiMchrift hat nämlich ihre Geschichte, und keine so uninteressante. Vor einem halben Jahrhnndert und länger noch pflegte die gebildete Frau, sich einer überaus zierlichen und bis zur Peinlichkeit genauen Handschrift zu bedienen. Eine Frau, die für fein gelten wollte, mußte wie gestochen schreiben. Es hat wohl fast jeder Leser dieser Zeilen noch Briefe von älteren Damen gesehen, deren Handschrift diesen Stil ausweist. Später änderte sich der Stil der weiblichen Handschrift — wie tvir glauben: unter englischem Einflüsse. Die sehr selbständigen und m allem an große Maßstäbe gewöhnten Frauen Englands hatten sich eme sehr große und weitläufige Handschrift ausgebildet. Diese .Handschrift wurde dann auch auf dem Festlande Mode: sre smhl nrcht Übel aus, wie man zugeben muß, allein es macht denk Empfänger emes Briefes im Ganzen doch wenig Vergnügett, eine Briefseite zu lesen', deren Inhalt durch einen einzigen Satz gebildet wird. Gegenwärtig nun beobachtet man, daß die Frauen- Handschrift sich vielfach vermännlicht. Die Unterschiede in der Handschrift der Geschlechter scheinen sich verwischen zu wolle«!. Die gleichmäßige Unterrichtsmethode in den Kn üben- und Mädchenschulen, das Eirrrücken der Frauen in die sonst bett Männern überlassenen Berufszweige, endlich vielleicht auch wohl der Wunsch der Frauen, in allen Bildungsfragen den Mänttern zu ähneln: das alles mag wohl mitgewirkt haben. Kurz': die Handschrift der modernen Frau ist nüchterner, praktischer — und charakterloser, als es die ihrer Großmutter mar. Wir zählen nicht zu denen, die hieckn einen Vorzug sehen; aber da die Mode der Franenhandschrift Mn schon so oft gewechselt hat, so wird wohl auch der Stil von heute uicht der letzte sein. * Merkwürdige Frauenberufe. Man berichtet aus. Ncwyork: Ueberraschende Angaben über die Berufe, in denen die Frauen in den Vereinigten (Staaten bereits tätig sind, enthält ein eben ausgegebener Bericht des offiziellen statistischen Bureaus. Man erkennt daraus, daß in Amerika der Eroberungszug der Frau weitaus die größten Fortschritte gemacht hat. Es sind nur noch neun Berufe, die int Jahre 1900, auf das sich der Bericht bezieht, die Fraueit noch nicht ausübten. Dagegen wäret« bereits 43 Mitglieder des schwächeren Geschlechts als Droschkenkutscher tätig, sodaß die Ainerikaner etwas erstaunt luarett, als ihnen der erste weibliche Droschkenkutscher in Paris unlängst als besondere Neuigkeit vorgestellt wurde. Fünf Frauen sanden ihren Lebensunterhalt als Lotsen, 10 als Bahnportiers, 45 als Ingenieure, 32 als Brenrser, 26 als Weichensteller und Signalgeber, 7 als Eisenbahnwächter, 185 als Schmiede, 8 als Kesselschmiede, 6 als Schiffszintmerleute, 508 als Maschinisten, 11 als Brunnen- macher und 2 als Dachdecker! Im ganzen tierbtenett .sich fünf Millionen Frauen in den Bereinigten Staaten «breit Lebensunterhalt selbst. Literarische-. — Dev Sag-enkreis der Nibelungen von Professor Tr. G. Holz in Leipzig. 8°, IV u. 128 Seiten. (Wissenschaft und Bildung Bd. 6.) Originalleinenband Mk. 1.25, Verlag von Quelle u. Meyer in Leipzig. 1907. — Ter Verfasser behandelt die Erzählilngen von Siegfrieds Heldentun« und Tod, sowie dem Unteegange des Burgundervvlkes durch die Humten. Zunächst erörtert er Form, Inhalt und Kritik der deutschen und nordischen Usberlieferung, führt durch bereit Gegenüberstellung insbesondere der Edda und deF Epos von „der Nibelungen not" die Sage auf die älteste Gestalt zurück und zeigt ihre geschichtlich-mytischeu Grundlagen auf. Tie folgenden Abschnitte sind der weiteren Entwickelung des Sagenkreises gewidmet, sowie den an die verschiedenen Formen der Ueberlieferung anknüpfenden Streitfragen und ihrer Lösung. Eine freilich ziemlich flüchtige und oberflächliche, aber begeisterungsstarke Würdigung d.r modernen Bearbeitungen des alten Stoffes durch Hebbel, Jordan und Wagner ergänzen das gewonnene Bild. — Balkongärten und Vorgärten. Von Johannes Böttner, Chefredakteur des praktischen Ratgebers im Obst- und Gartenbau. 2. Auslage. Mit 125 Abbildungen. Verlag von Trvwitzsch u. Sohn in Frankfurt a. Ober. Preis Mk. 1.80. — Ter Neuling in der Blumenzucht muß tnanche bittere Erfahrung machen. Ter Mangel an Kenntnissen in der sachgemäßen Äluntett- pflege rächt sich an den Pflanzen, die trotz der liebevollsten Fürsorge nicht recht gedeihen wollen. Man glaubt anfangs gar nicht, wieviel Fehler sich bei der Behandlung von Blumen machen lassen. Schon die richtige Wahl derselben, die Ausnutzuna des Platzes, die Anfertignng der Balkonkästen, die Anlage bet Beete im Vorgarten, das Gießen will wohl verstanden fein, wenn der Balkon oder Vorgarten wirklich schön fein soll. Johannes Büttner kennt diese Nöte genau und weiß in höchst anschaulicher Weise seinen Rat zu spendet«. Zahlreiche instruktive Abbildungen zeigen geschmackvoll angelegte Vorgärten, schön geschmückte Balkons und einzelne besonders dankbare und geeignete Blumen. Nicht nur für große Geldbeutel, sondern auch für kleine Börsen ist vorgesorgt, und das Buch darnin jedem Balkon- und Borgartenbesitzer warnt zu empfehlen. Magisches Quadrat. In die Felder nebenstehenden Quadrates sind die Buchstaben A A AABBIIIKLLO RSS derart einzntragen, daß die wagrechteit und senkrechten Reihen gleichlautend Folgendes bedeuten: 1. Einen Snmpsvogel. 2, Amerikanisches Wurfgeschoß, 3. Ungarischen Franennamen. 4. Nebenfluß der Mosel. Auflösung in nächster Nummer. Auflösung des Arithmogriph in voriger Nummer r Tuba, taub, Tua. Redaktion: Ernst Heß. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen.