1907 Bif ISI Tmrrrffliitl (r-*^>7d □Änfflk Dem Irrlicht nach. Roman von Alexander Römer. Nachdruck Verbotent (Fortsetzung.) Sittnt schwieg sie. Auch Sylvia wußte nichts zu. sagen. Diese Reminiszenzen an den unbekannten Vater waren ihr eigentlich unbequem, sie hatte schon bei Tisch gefühlt, daß man allerlei von ihr erwarte bei dieser Gelegenheit, was sie gar nicht leisten könne. „Willst du mir eine Liebe erweisen, Sylvia?" sagte Frau Friederike nach einer Pause. „Dir sind noch Briefe und Papiere aus des Vaters Nachlaß cingehändigt. Wenn du sie gelesen hast, willst du auch mir dann einen Einblick gestatten?" Sie wandte sich ab, man hörte das zurückgehaltene Schluchzen in ihrer Stimme, „Hast du — meinen Vater so sehr geliebt?" fragte Sylvia staunend, und jetzt zuerst empfand auch sie eine Art von Be- wegung. „Sehr!" tönte cs leise zurück. „Jetzt noch, wo du alt geworden bist, und er dich verlassen hat, und du ihn nie wiedergesehen?" „Kind, Kind, du stehst ja auch vor deiner Hochzeit und weißt, waS Liebe ist! Gott gebe dir ein ungetrübtes Glück. Dein Er- wLhlter ist ruhigeren Bluts und wird nie in solche Gefahren kommen können wie Zernial, aber wenn er dir entrissen würde, könntest du ihn je vergessen? Liebe stirbt nicht und wird nicht alt." Sylvia erbebte. Die gut?, liebe Mama ahnte nichts von ihrem, inneren Leben. Kannte sie solche Liebe? Vielleicht — wenn Roderich an Villattes Platze stände. Sollte diese Liebe in ihr auch nie sterben und nie alc werden? „Arme Mama, das muß ja ein ewiger Schmerz gewesen sein." „Nein, Kind, es war eine Stelle in meinem Herzen, die immer warm blieb, und das Leben bringt so viel Kälte." „Ich will dir gleich die Papiere bringen, Mcnna„ ich lese sie doch so bald noch nicht, ich habe keine Zeit." „Zeit? Auch dafür nicht, Sylvia? Aber wie du willst, dann bringe sie mir." Sylvia ging, das Paket zu holen. Es lag noch da, wo sie es achtlos hingewvrfen. Ihre Augen fielen flüchtig auf die ver- gilbten Blätter, da tstaren eine Reihe von Auszeichnungen von einer kräftigen Mäuncrhand geschrieben. Obenauf wurden die Blätter weißer und die Schrift unsicherer, auf den letzten mochten schon die Schatten des Todes die Hand des Schreibers gelähmt haben. Sin kleines Paket Briefe in einer großen, weitläufigen Frauxnschrift >var beigefügt, mit einem grauen Band uinschlungen. „Celeste Zernial", las Sylvia unter einem derselben. Sie faßte alles zusammen und trug es zur Mama. Six selbst empfand kein Verlangen, sich da hinein zu vertiefen. In ihrer Seele war keine Ruhe und Sammlung, nur Hast und wirre, sehnende, sich überstürzende Gedanken. Frau Kvmmcrzienrätin blieb heute den ganzen Tag auf ihrem Zimmer. «J3ie hatte sich früh die Lampe anzünden lassen und vergaß alles, auch ihren äußeren Menschen, über der Lektüre der vergilbten Blätter. Die Jungfer hatte ein paarmal den Kvpf zur Tür hereingestreckt und gefragt, ob die gnädige Frau auch etwas befehle. Sie begriff ihre Herrin heute gar nicht. Sollst bedurfte sie an solcheli Migränetagen fortwährend ihrer Hülfe, und ost wurde mm späten Mend noch uluständliche Toilettq gemacht. Heute saß sie int Schlafrock mit dein losen, unfrisierten Haar und winkte ihr stets abwehrend mit der Hand. Sie wollte nicht gestört sein. Nach dem Abendessen kam der Kommerzienrat, um nach seiner Gattin zu sehen. Auch er verharrte erstaunt ein paar Augenblicke aut Türpfosten. Der Anblick, der sich ihut bot, war sehr ungewöhnlich. Anstatt der in Kissen^ vergrabenen Gestalt, welche in klageudeir Tönen seine Fragen beantwortete, saß da seine Gattin, mit brennenden Wangen über einen Haufen ausgebreiteter Papiere gebeugt. Die weiße, abgemagcrte Hand lag auf den Blättern, das Haupt war vorntiber gesunken und ward durch die Linke gestützt. Das dünne graue Haar tag lose in weichen Locken um aie bleiche, blau geäderte Stirn uild die Augen glänzten in fremdem, fieberhaftem Licht. So hatte er seine Friederike lange nicht gesehen, sie erinnerte ihn an die Tage, da er sie kennen gelernt. Das Bild war ihm seit vielen Jahren völlig versunken; künstlicher, meist geschmackloser Ausputz, große innere und äußere Veränderungen hatteit aus deut schönen Mädchen voll, damals eine launische, grämliche, früh verblühte Frau gemacht. Sie hatte seinen Eintritt nicht bemerkt und wußte es nicht, daß xr sic beobachtete. Er erkannte die Papiere, in denen sie las. Langsam schritt er jetzt rräher, und sie schrak empor. „Walldorf!" stammelte sie, und es war die Bewegung der Furcht, mit der sie versuchte, einen Zipfel ihres Schals über den Tisch zu breiten. „Laß doch, Friederike," sagte er in seiner kurzen, trockenen Weise, „bildest bn dir etwa ein, daß du mich alle diese Jahre getäuscht hast? Du hingst immer noch an dem Zernial, und wenn du jetzt, da er tot ist, feinem Andenken eine Stunde widmest, so bin ich nicht der Mann, das zu tadeln. Hat Sylvia dir die Briefe gegeben?" „Ja — ich bat sie darttni." Es entstand eine Pause. Der Kommerzienrat hatte feinen gewichtigen Körper in den Lehnstuhl fallen lassen, der darob in feinen Fugen krachte. Frau Friederike kramte mit zitternden Händen die verstreutes Schriftstücke zusammen. „Walldorf!" „Nun — Friederike — bin ich dir unbequem in diesem Augenblick?" Der alte Herr beschaute seine Fingernägel, blies einige Stäubchen vom Nockärmel und blickte dabei verstohlen auf seine Frau. „Nein — o nein, ich finde eS sehr freundlich von dir, daß du gekommen bist. Du — du glaubst nicht, wie mir zu Mut war, er — Zernial — er ist sehr elend gewesen." „Hur — Habs' eigentlich nicht anders erwartet. Deiite Schwester — na — es mag besser sein, wenn ich heut abend über das Frattenzimmer nicht mehr zu dir rede, ich tvvllte nur, Sylvia wäre erst verheiratet und der gute Villa tie di« Schwiegermutter für alle Zeiten vom Halse los." — 250 Ihre Stimmung war Er hatte eine hübsche, freundliche Wohnung gefunden, frei gelegen, mit Balkon und Garten, er brauchte ja nicht Ängstlich zu sparen. Nach einer Verabredung mit Erna sandte er ihr den genauen Plan der Räume ein, und sie ordnete im Geist die ausi- gewählten Möbel darin und wies jedem seinen Platz an. Sie hEe Mei Abende bis spät in die Nacht darüber gesessen und alles ziemllh genau notiert. v . Villatte empfing eben ihr sorgfältig ausgcarbcitetes Programm! und schritt, dasselbe in der Hand, durch die leeren Gemächer. Wie hübsch und wohnlich sollte das werden — dort Sylvias Flügel, ihr Nähtisch und ihre Malecke — sein Arbeitszimmer lag jenseits des Salons, er sollte nicht gestört werden, wenn sie übte oder musizierte, sie wollten jeder seine volle Freiheit: haben. Wer Ivie ost würde er doch am Eingang lauschen, wenn sie sang, sie anschauen, ohne daß sie es gewahr wurde, und dann; Beifall klatschen, wenn sie geendet, und ihr einen Kuß rauben. Ihre Stimme war wirklich lieblich und ihr Vortrag seelenvvu^ Sie saug meist schwermütige Lieder, . das kleine, von frischer Lebenslust übersprudelnde Geschöpf. Sie stand ihm noch immer so vor, wie sie war vor ihrer Verlobung; m der letzten Seit hatte ein fremder Beobachter ihr wohl schwerlich noch diese Pra- ^Walldorf, wie wunderlich ist des Leben, man ist wirklich Nicht allemal Herr seiner selbst. Ob das Kind, ob Sylvia „Ich las eben auch Cölestinens Briefe, Walldorf, sie sind schrecklich, ich habe mich wahrhaft entsetzt über ihre Herzlosigkeit, und ich — ich war dir auch keine gute Frau." Sie streckte plötzlich, mit einer hilflosen, Verzeihung erbittenden Miene ihre Hand nach dem Gatten aus. Dieser erfaßte sic, drückte sie flüchtig und ließ sie dann „Tu nahmst mich aus Trotz, Friederike, und weil ich Geld hatte und dir ein sorgenfreies Los bieten konnte. Und ich war ein eitler Narr dazumal und meinte, solch ein hübsches Gesicht sei alles und mir könne keiner widerstehen. Da machten wir beide einen verkehrten Streich. Es ist, heillos, sage uo dir, wie viel Ehen so geschlossen werden." , „ „Walldorf — du warst immer sehr gut zu nur — . Na — na — Alte, du bist augenblicklich gerade weich- Uiütig ich hätte wohl zu Zeiten ein bißchen mehr G^uld Mit dir haben sollen, hab' nur eben kein geduldig Tem- alücklich wird!" , ,, I „Hab nur keine hellseherischen Momente, r>rau. Nach mensch- j sicher Berechnung zieht sie das große. Los. Villatte ist der prächtigste Mensch unter der Sonne." „Das ist er, aber sie—" . „So — so — hegst bin sogar Zweifel an deinem bcrhatstheltm Liebling? Das will freilich viel sagen." „Nicht Zweifel — nein, nein, gewiß nicht, ihr Herz jlt | Und du hast sie erzogen, ewig danke ich es dir — I So — ich habe sie erzogen!" Der Kommerzienrat verfiel "aus der ungewohnt milden Gemütsverfassung wieder in | leinen Polterton, „da soll mir wohl alles a ufgebürdet^ werden, wenn etwas verkehrt geht? Ich danke. Ich habe Erna er- | zogen, weil die sich immer zu mir gehalten hat, der Roderich dagegen - iü dem ist schon ein gut Teil von deinem, dem Sternschen Wit — das weltschmerzliche, unersättliche Element, i ‘ „War ich unersättlich, Walldorf?" Frau Friederike richtete sich auf und sah zuerst dem Gatten ins Antlitz. Wie hinfällig, wie welk und gebrochen sah sie aus. Er hatte nicht geglaubt, daß ihm je noch sein Herz so warm aufwallen könnte ihr entgegen. „Du warst immer rechtschaffen, Friederike," sagte er. „Ich habe Mich oft recht heiß nach Liebe gesehnt," flüsterte sie, ich wußte, daß ich die deine verloren hatte." | „Friederike, jetzt sagst du mir das — und wir sind so I jiltc Scute!" Es geschah etwas recht Sonderbares, etwas, worüber der j Kommerzienrat, wäre es ihm von anderen erzählt wordeii, laut und herzlich gelacht hätte — er hielt seine alte, verblühte Frau, | hie heute nicht einmal Toilette gemacht hatte, in seinen Armen | und küßte ihre welken Lippen wie in der Jugend- und Brautzeit. | Erna hatte leise die Tür geöffnet, nm nach der Mutter Be- I finden zu fragen, und erblickte diese Szene. Sie stand einen I Moment wie versteinert, dann schloß sie so geräuschlos als möglich I die Tür und entfernte, sich auf den Zehenspitzen. Ein fremdartiges Freudegefühl erwärmte ihr Herz — die Eltern, die lieben Eltern — sie hatten ihre gegenseitigen Schwächen getragen. Die Mutter \ hatte den Vater nicht aus Liebe geheiratet, und wenn es nicht i immer gewesen war, wie Erna sich ein eheliches Glück dachte, sie । kamen doch miteinander aus. So mochten auch Villatte „ und Sylvia miteinander auskommen —. sie seufzte — ihm, ihm gönnte sie mehr.. 10. Kapitel. Es war März geworden. Am fünfundzwanzigsteu sollte die Hochzeit gefeiert werden, am ersten April trat Villatte in sein neues Amt. Er war azif einige Tage nach Leipzig hmübev- gesahren, um dort eine passende Wohnung zu mieten und alles zum Empfang seiner jungen Frau vorzubereiten. Trotz der mancherlei Eindrücke, die ihm zu Zeiten Zweifel Und bange Besorgnisse weckten, war er doch froh in seinem Herzen. Sylvia war fügsam und sanften Gemüts; sie war nicht wieder huf ihre Abneigung, nach Leipzig zu gehen, zurückgekommeu, Puch die.Schwiegermutter schien sich in das Unvermeidliche zu fügen. Vielleicht gefiel es ihr gar nicht einmal, aus Dresden Und der Nachbarschaft der reichen Schwester fortzugehen, deren geselliges Haus ihr viel Unterhaltung bot. Wenn er mit seinem Weibchen allein hausen durste, würden sie fich schon, miteinander rinleben,. dikate gegeben. , , . n., Er stand mit leuchtenden Augeii nnd seinem warmen Lachem um den Mund da und malte sich das Zukunftsbild lebendig! aus. Die Erbschaft machte Sylvia froh, er begriff es allmählich, daß gerade, weil des Kommerzienrats Hinweis auf ihre Un- bemitteltheit sie so tief verletzt hatte, ihr letzt em «gener BeftÄ so wertvoll erschien. Das Vermögen war bei einem Bremer Handelsbause erhoben. Der Kommerzienrat hatte alles geordnet und besorgt. Sylvia hatte eine kindische Freude geäußert bem« Anblick der Wertpapiere und war reizend gewesen in Mi ftoh- Heben Laune. Es war ailch wohl emc uberlpannte ^bee, wenn er traurig oder verstimmt darüber sein wollte, Geld war immerhin ein brauchbares Ding in der Welt. . Am Abend dieses Tages, als er, ermüdet von vielen suchen und Besorgungen, in sein Quartier heimkehrte, fand er einen Brief von Sylvia aus seinem Zimmer. Hast g ar k . er darnach und ließ seine Augen auf der zierlichen Aufschrift ruhen, dann küßte er das Kuvert — er war eben em arg Verb liebter. Er hatte keinen Brief mehr von ihr erwartet, toat er morgen nach Dresden zurückkehrte, nun sandte sie ihm doch noch einen Gruß. Er zündete erst seine Lampe an, legte lWei- rock und Hut ab und machte es sisch beguem. So etivas Gutes wollte in Muße genossen fein. Er schnitt das Kuvert aus -i es war ein langes Schreiben. War etwas passiert, wovon sw ihm noch Mitteilung machen mußte? Sem Herz begann uwruhiger zu klopfen. „Lieber Armand! Ich bin so sehr unglücklich, Dar wehe tun zu müssen — Du weißt nicht, wie ich gekampst und gelitten und hundertmal den Anlauf nahm, aber nie den Mut fand, oft gegeit Dich zu sein. Es war eine Uebereilung, als ich Dir mem Jawort gab." ,, , , Villattes Hand entsank der Brief. Er war kreidebleich geworden und sank in den Sessel zurück. Die MMabentanztest vor seinen Augen. Uebereilung - was " was waren eiskalt, ihm war, als sei alles Blut ihm Erstarrt, ms er den Brief wieder auftialM. Der Schleier lag noch vor em Augen, er sah nicht klar. Er las m Sprüngen, m abgerissenen; I Sätzen, was dazwischen stand, entging ihm. In mir ist das Streben der Künstlerin erwacht — das war "es, was ich bisher nicht verstanden - ich würbe Dich nicht glückl-fch, smachen, wenn ich mit halbem Herzm, Mit dieser^ver zehrenden, ungestillten Sehnsucht mich neben Dir fesselte. Mama begleitet mich; wenn Du nach Dresden heimkehrst, habe ich das I Haus meiner Pflegeeltern verlassen und betrete den neuen Pfad, I Besser jetzt scheiden, wo wir beide noch den Irrtum vergessest und auslöschen können, als ein Band unauflöslich knüpfen, uaS | nicht auf den vollen Einklang der Herzen sich gründet. W hier int Hause weiß niemand von meiner Flucht — ick) war den I Kämpfen und Einwänden, welche unvermeidlich gewesen waren,. | sprang auf und faßte an seine War das toller Spuk? Es war ja nicht Möglich! Er lief w « ,. ein Verzweifelter im kleinen Zimmer auf und gb, dann 1V er sich, den Kopf in die Hand gestützt, und em schweres Denk- kam über ihn. Er hatte fich getäuscht wn Anfang an - amu | kleine, geringsügige Dinge traten in sein Gedächtnis ttebernÄ | Tag, da er um sie geworben hatte und sie krank i. id > i gelegen, ihr verändertes Wesen seitdem, rinzelne c e ße - Ernas - hatte die nichts gewußt oder geahnt?War es b> w, I haß die treue Erna ihn hätte Mt Müden Mrgen IN den sw- perameut." , _ , Frau Friederike schüttelte dm . Kopf. allerdiiigs sehr reumütig und zerknirscht, sie hatte nicht immer — 251 fitmtb rennsr setzen? Blind, bunt», ein unglaublicher Tvr war er gewesen. „Sylvia, Sylvia!" Er rief ihren Namen saut in seiner furchtbaren Qual. Die entsetzliche Mutter war ihre Versucherin und Versührerin geworden, auch dieser Brief — er las ihn zum drittenmal — es waren nicht ihre Ausdrücke, nicht ihre Schreib!- weise. Die Mutter hatte ihn verfaßt, sie, Sylvias Dämon. - (Fortsetzung folgt.) Wakpurgrs auf dsm Lande. Skizze aus bcm Vogelsberg von A. K. Nun ist der Frühling auch in des Vogelsbergs bewaldete Höhen und lieblichen Täler eiugezogen. Wenn auch die linden Lüfte, von denen der Dichter singt und sagt, noch immer nicht recht erwacht sind und die Knospen hervorbrechen lassen, vielmehr der rauhe „tzessenwind" (d. i. der Wind aus Kurhessen) weht, so sind doch die Landleute rüstig bei der Ausstellung des Feldes. Der lange schneereiche Winter hat ihre Geduld auf eine harte Probe gestellt und mit verdoppeltem Eifer. suchen sie nachzuholen, was in den milderen Strichen der Heimat schon seit .Wochen hat getan werden können. Freilich, des einen Freud' ist des andern Leid. Denn mit der beginnenden Feldarbeit hat auch. die fröhliche Zeit der allabendlichen Spiunstube sür die Jugend ihr Ende erreicht. Müde und matt von den noch ungewohnten Strapazen der Feldarbeit suchen auch die Burschen und Mädchen gleich nach der Abendsuppe ihr Lager auf. Nur des Sonntags sinden sie sich noch zu fröhlicher Geselligkeit zusammen, aber auch da meist nicht mehr in der Spiunstube, sondern schon wie den ganzen Sommer hindurch auf der Straße in und vor den Dörfern, bis in die späte Abendstunde. Doch bald wird die harte Arbeit für die ledige Jugend iviedcr von einem Freudeutag unterbrochen. Es naht der erste Mai und mit ihm die Walpurgisnacht, die „Walpern", wie sie im Volksmunde heißt — ein hohes Fest vornehmlich )ür die männliche Jugend. Am letzten Abend des April ver- ammcln sich die Burschen meist in dein Wirtshause, in dem ie auch sonst verkehren, in manchen Orten auch int Freien tut Walde oder auch auf ein eint Berg, um die große, feierliche „Mädchenversteigernng" (H. Sohney nennt sie in einem seiner Werke, Rosmarüt und. Häckerling, „Jungfernauktion") vorzunehmen. Schon tagelang vorher stecken die Burschen und Mädchen die Köpfe zusammen und huscheln, jene um im Geheimen ihre Vorbereitungen für diese hochwichtige Staatsaktion zu treffen, diese in banger Erwartung der kommenden Dinge, in Hoffen und Sehnen, in Furcht und Zweifel sich unterhaltend. Ob wohl der Peter die Liese, der Valentin oder der Hcmnphilipp die Annemarie, der Heinrich das Bärbchen steigern, wer wohl den höchsten Preis erzielen und so als Siegerin aus dem Wettstreite hervorgehen werde, das find' die Fragen, die die Gemüter der Mädchen in diesen Tagen bewegen. Mancherlei Rechte tonten und sind mit dem Steigern eines Mädchens verbunden; doch sind diese Rechte von Gegend zu Gegend, oft von Ort zu Ort verschieden. Im -allgemeinen gilt heutzutage, daß der Bursche sich seine Tanzmähd für die Kirmes steigert und dann ein Recht ans ganz bestimmte Tänze hat. Wer den höchsten Preis erzielt, eröffnet auf der Kirmes den Reigen bei der „Polonaise", die ihren Weg von den. Tanzsalons der Stadt auch schon auf die entlegensten Tanzböden des Vogelsbergs gesunden hat, wenn auch hier aller Reiz dabei verloren geht. In steifen Windungen wanken die Paare steif und schweigend dahin, erst wenn die Weisen des Walzers ertönen, kommt Leben in ihre Reihen. Am Walpurgisabend selbst eilen die Burschen, wenn die Sonne hutergegaugen, zur Schenke. Dort sitzen sie in Niedriger Stube „gekeilt in drangvoll fürchterlicher Enge", aber munter und fidel, mit ihren kurzen Pfeifen oder „modernen" Zigarren einen Dunst entwickelnd, daß man die Luft schneiden, oder, wie der Vogelsberger drastisch und treffend sagt, „beißen" kann. Zunächst !vird .ein Bürgermeister und Polizeidiener gewählt, welchen die Leitung der Versteigerung obliegt, meist die erklärten Führer und Helden der männlichen Jugend, die aber vor allem, wenn sie ihrem Amte ganz gerecht werden sollen, eine gehörige Portion Mutterwitz besitzen müssen. Die Ver- steigernng geschieht auf Grund einer schon vorher aufgestellten Liste, der Zuschlag erfolgt auf Meistgebot. Und nun Beginnt Unter fröhlichem Scherzen und Necken die Versteigerung aller ledigen Mädchen des Dorfes, selbstverständlich auch der ältesten „alten Jungfern, mit Ausnahme der Gefallenen. Jedes Mädchen erhält ein Beiwort, das ost alles andere eher als schmückend" ist, und je mehr der Auktionator über Witz verfügt, desto toller geht es her. Nur gut, daß die Mädchen all' die lieblichen Bezeichnungen nicht hören können. In den meisten Orten wird in Mark geboten, aber nur in Pfennigen bezahlt, sodaß also einer, der ein Gebot von 100 Mk. hat, 1 Mk. bezahlen muß. Die Preise waren früher sehr niedrig, 50 bis 60 Pfg. war schon ein hoher Preis, jetzt kontmen manche Mäd- chen aus 500 bis 600 Mk. --- ö bis 6 Mk. wirklichen Wert; wie bei allen Artikeln, sind auch hier die Preise sehr gestiegen — vb wohl in, Anbetracht der Verteuerung aller Lebensmittel?.-, Man muß auch darin ein Zeichen der Zeit erblicken. Der Steig- preis wird sofort entrichtet und auch vertrunken. Man kann sich denken, daß es nicht still dabei hergeht, daß die Köpfe im Elfer sich erhitzen, wenn die Mädchen an die Reihe kommen, die das „Geriß" haben, die Dorfschönen, nm die der Kampf heiß entbrennt; man braucht auch nicht besonders zu versichern, daß auch gar mancher ordentlich „getrieben^ wird, damit ihn seine Herzenserkorene, die er natürlich um jeden Preis steigert, recht teuer zu stehen kommt. Aber nicht alle Mädchen werden losgeschlagen, sintemal in fast jedem Dorfe das weibliche Geschlecht an Zahl überwiegt, es auch überall so wenig „angriffliche" Mädchen gibt, daß auf sie kein Gebot erfolgt. Diese Unglücklichen werden daun zufammengetan in den. „Pferch", manchmal auch „Saupferch" genannt, und werden mm zusammen äusgeboten und für wenige Pfennige versteigert — selbstverständlich an einen einzelnen, eine Sitte, die jedes Sinnes, entbehrt. Mancherlei schöne und unschöne Gebräuche knüpften und knüpfen sich ;« n diese Versteigerung. In früherer Zeit zogen die Burschen gegen Mitternacht nach beendeter Versteigerung auf einen unmittelbar am Dorf gelegenen Hügel, von wo aus der Auktionator die Pärchen einzeln mit witzigen Begleitverson ausrief. Die Formel dieser Proklamation war verschieden, etwa, folgende: Hier steh ich auf der Hieh' (= Höh') Und rufe aus die Lieh' (— Lehen). Ich trete auf die Hieh' hinaus Und rufe N. N. und N. N. heraus. Die Mädchen standen dann wohl in der Nähe, in den Gärten! und hinter den Hecken verborgen und „hielten" (b. i. lauschten, horchten) auf dieses poetische Aufgebot, um bann beglückt oder traurig ihre Kemenate amzusuchen. Diese Sitte ist verschwun- ben. Heutzutage ist die Bekanntgabe des „Versteigerungsprotokolls" einfacher, aber auch prosaischer. Die Liste wird am Backhaus öffentlich angeschlagen — zur Ansicht für jedermann. Am nächsten Tage ist natürlich das Ergebnis int ganzen Dorfe bekannt und bildet einige Tage das Dorfgesprach. Seltener ist auch, man kann sagen Gottlob, folgende Unsitte geworden, wenn! sie auch noch hin und wieder geübt wird. Die Burschen ziehen» mit Peitschen ausgerüstet, vor die Häuser und unter die Fenster der Mädchen, welche in obengenannten „Pferch" gekommen waren, uub erheben ein anhaltendes, ohrenbetäubendes Peitschenknallen, daß die ganze Nachbarschaft aus dem Schlafe aufgeschreckt wird. Die Mädchen werden „in den Pferch getrieben". In maiichen Orten hat sich das Peitschenknallen noch außerhalb des Ortes, wo es die Nachtruhe nicht stören kann, erhalten. Am ersten Sonntag im wunderschönen Monat Mai wird in verschiedenen Gegenden noch der ,,Maitanz", gewöhnlich int Freien, gehalten; die durch die Versteigerung vom Burschen erworbenen Rechte gelten bann hauptsächlich für diesen Tanz. So ist auch heute noch Walpurgis auf dem Lande mit finnigen, poesievolleii Gebräuchen verbunden, ein Zeichen, daß unter unserem Landvolke die Poesie noch nicht ausgestorben ist. Es ist jedenfalls eine bessere und sinnigere Feier des 1. Mat, als die mancher Arbeiter durch ihren „Blauen", AelLests Nachrichten übev dis Grmrdmrg des Gymnasiums zu Metzen. In der von Wehrich Wettermann 1608 verfaßten „Chronica und Beschreibung des Landes Hessen" findet sich nachstehendö Auszeichnung über die Gründung des Gymnasiums zu Gießen: ' „Im Jahre 1605 hat Landgraf Moritz in seinen zugefalleueir CManden des Oberfürstentums in drei Religionspunkten eine Besserung zu richten und mit den Kirchen im Niederfürstentum, Graf- und Herrschaften zu conformiren und zu vereinigen vorgenommen, als ,,, . 1. daß die gefährlichen uub imerbaulichen Disputatwnes de persona Christi eingezogen; . 2. daß die 10 Gebote Gottes wie sie der Herr selbstew geredet! mit seinem eigenen Finger auf die steinernen Tafeln und von Mose in der Bibel geschrieben vollkömmlich gelernet, auch me noch vom Papsttum verbliebenen Bilder abgetan, und daß zum 3. in der Administration und Gebrauch deS heiligen Abendmahls das gesegnete Brot nc»ch der Einsetzung des Herrn gc- braucht und gebrochen werden soll. . . Demnach aber die damaligen Mgrburgischen Lheologi vr Johannes Winkelmanii, D. Balthasar Menzerus und D. Leuchter solche Berbesserungöpuukte anzuuehmen sich beschweret und darüber ihres Dienstes erlassen und beurlaubt; auch andere Prediger als I). Gregorins Schönfeld, Superintendent zu Mssel, On. Valentuius Schonerus zu Ziegenhain neben anderen Pfarrherrn den Gottesdienst eine zeitlang bis auf fernere Anordnung zu verwalten gen Marburg gesetzt, hat die gemeine Bürgerschaft und unwissender Pöbel daselbsten am 6. August doch wider eines ehrbaren Rates willen einen unerhörten Auslauf erregt, die Prediger unter der Predigt in der Kirchen übersallen, übel geschlagen teils zur Kirchen hinausgejagt, teils gestürzet und sich auch noch darüber der Kirchen, des Rathauses und der Stadt bemächtigen wollen. Hierum hat solchem auftührerischem Wesen zu steuern der Fürst rhien Anteil ded „Ausschuß" ihnen Wem Hals gelegt und den! 252 haben sich gen Gießen davon gelmflen. Die bmrtauvren^y^^^^.^ ^^lich GyM- gewendet, daselbs f y)tet mi£> d. Winkelnmnn und D. Men- ST AIWW verordnet." U. B. K. Der Schsrnsterrr. Bon Joseph August Lux. Er ist die Anmut und Freude der alten Häuser. Man hat ihm bisher viel zu wenig Beachtung geschenkt. Oft fragt man sich warum dieses oder jenes alte Haus so „sprechend r>t, und so lustig anzuseheu; man rät auf diese oder jene L.eflc, meistens auch ganz zutreffend, ohne zu ahnen, das; der Schornstein ,ur die Gesamterscheinnug so wesentlich ist. Mau ivird dessen p.op- lich gewahr, wenn irgendwo in der Staot durch eure Demolierung ein alter Häuserblock bloßgelegt wird, oder wenn man, wie es der Verfasser dieses kleinen Aufsatzes getan, zum Dachfenster emes hohen Hauses der inneren Stadt hinaussteigt und auf das Wcrrsal der kunterbunt zusammenschießenden Dächer und Raucyfauge niedersieht. Was für eine heiteres Schauspiel! Welche Mannigfaltigkeit in der Gruppierung, in den Fornien und Großen, welche groteske komische Gesellschaft! In Gruppen und einzeln stehend, in die Luft ragend oder an höheren Hausmauern angelehnt sind alle Arten zu sehen, hohe und niedrige, gedrungene und schlank^ verzierte und unverzierte, alle mit seyr wunderlichen Bedeckungen versehen, teils mit der bekannten Ziegelbedachung, teils mit Rohren und originellen Helmen. Sic scheinen zum Teil regelmäßig au- geordnet, zum Teil sehr willkürlich; abgesondert stehen ennge pessimistische Finsterlinge, die unwirsch ihrem Amte obliegen, während andere sich in der Gesellschaft Wohler suhlen und aneinander rücken, was dann eine sehr heitere Versaminlniig ergibt, weil jedes dieser originelleir Gebilde einen anderen Spaß erzählt und b< in gar ergötzlicher Form, die zugleich etwas Menschliches und Ruhrendes hat. Sicherlich war dem Erbauer zunächst nicht oder überhaupt nicht itm den Spaß zu tun, sondern darum, das Wesen der Sache mit einiger Persönlicher Selbständigkeit auszusprechen. Denn das .muß man im Anblick dieser Gebilde den alten Baumeistern schon lassen, daß sie es trefflich verstanden, das Wesen der Sache zu betonen, und zwar mit so viel individueller Freiheit, daß die streuge Sachlichkeit bald etwas wie Poesie annimmt. Die Knnstregung kann man an diesen Schornsteine,l sehr deutlich verspüren. Sie ist durch das Sachliche der Erscheinung bedingt. Denn der Schornstein, der den Rauch der Herdflamme den freizichenden Winden überbringt, ist gleichsam ein Genuß an die Freiheit. Er überragt das Haus wie cme Wimpel und ist in der Form oft so bewegt wie diese. _ Darum ist er zugleich auch Schmuck des Hauses, ja oft der einzige, den sich der Erbauer erlauben darf, der, wenn er den Bau zur Höhe gebracht hat, seiner gesteigerten Lebensfreude einen weithin sichtbaren Ausdruck geben will. Darum wirkt der alte Schornstein immer mit der Kraft eines Wahrzeichens. Er trägt eine stark persönliche Note. Einem weiteren Sinne iiach ist er Symbol, denn er verbindet daS festgefügte Haus mit dem luftigen Element, mit Wolken und Himmel. Mit seinen oft weiten Ansladungeu nach oben schiebt er sich über Nachbardächer als Riesenhaupt, als Aus- schaueuder. So vermenschlicht ist er. Oder aber er drückt durch absonderliche Bildung seine nahe Beziehung zum formenrerchen Wolkenheim aus. Weißgetüncht und hochaufstrebend, oft monumental gebildet, scheint er sich den lichten Wolken zu vermählen, leuchtet er auf dem tiefblauen Grunde des reinen FirnianlentS. Was er für die Gesamterscheinung des Hauses ausmacht?. Wer an alten Häusern in der Stadt oder im Dorfe, nehmen wir an, gegen den Abendhimmel die kühne Silhouette von Dach und Schornstein gesehen, dem brauche ich es nicht zu sage». Der wird das Bild nicht leicht vergessen. Und die anderen mögen sich's einmal anseheu. Und diese reizenden Dächer und Dachfenster! Das Dach ist eine Hausüzierde. Wie eine behäbige Haube ist es aufgestülpt, und zugleich von der kleidsamsten Art. Wie freundliche Menschenaugen blinzeln die Dachluken herab. An den, neueren Häusern, die allzu aufdringlich die Schablone verraten, ist derlei Schönheit nicht zu finden. Tort hat auch der Schornstein seine Rolle ausgespielt. Nüchtern und nichtssagend, , mit trostloser Regelmäßigkeit verteilt, erscheint er als ein notwendiges Uebel, mit dem der neuere Baumeister künstlerisch nichts anzufangen weiß. Am liebsten würde er ihn ganz verleugnen. Des alten Schornsteins jüngerer .Bruder ist somit ein Niedergangstypus. Ein Proletarier. Er drückt seine Lebensfreude aus, er ist kein Schmuck, kein Wahrzeichen, kein Symbol, oder nur ein sehr trauriges. Er ist ein langweiliger, temperamentloser Geselle. Ein Kind der Zeit. Sprüche für die Kinderstube. Von Judith Groß. heutige Richtung der Zeit verlangt, daß Eltern und Erzieher auch darauf Bedacht nehmen, den Schönheitsbcgriff durch die Umgebung in die gewollten und erlvünschten Bahnen zu lenken. Die Kinder sollen zur künstlerischen Auffassmrg des Lebens erzogen werden; der Kunstsinn soll von kleiuauf in ihnen entwickelt und gebildet werden. Das Kind soll schon in seinem eigensten Bereich der Kinderstube vom Schönen angezogen werden, ob es sich ihnr nun in der Fornr von gut ausgeführten, reine» edle Gefühle erweckenden Bildern im Buche und an der Wand» von Wandsprüchen zeigt, oder in Gestalt seines auserwählte« Spielzeuges, das von dem künstlerischen Geschmacke überhaupt zeugt (und bei größter Einfachheit ist daS durchaus nicht ausgeschlossen), darstellt. Häufig wird jetzt die Kinderstube mit hübschen Darstellungen aus den; Kinderleben geschmückt, wie sie der Fassungsgabe angemessen sind, und sie üben ohne Frage einen großen Reiz auf das Kindergemüt aus; wie auch ihr pädagogischer Einfluß nicht unbedeutend ist. In dieser Weise nun haben auch die Wandsprüche ihre gute Wirkung auf Herz und Sinn, wenn sie eben ohne Aufdringlichkeit ihre Mahnung erteilen, indem sie stumme und doch auch wieder beredte Zeugen des täglichen Lebens sind. Ein Spruch aus weichem Ahornholz gebrannt, der zur Seite eine in den natürlichen Farben ausgemalte Blumenranke und einen in Triefürand gearbeiteten, breiten Raub zeigt, ist eine sehr schöne Zierde des Zimmers. Es mögen hier noch gleich einige passende Sprüche folgen, damit der lieben Leserin dadurch vielleicht gedient wird, wenn sie dem Fingerzeige folgen möchte. Wo du auch seist, betrag dich immer so. Daß jeder deines Bleibens werde froh, Uno daß ein Seyen hinteÄbleibt, Wenn dich die Pflicht von dannen treibt. Gehorsam, Treu' und Pünktlichkeit Bei allen Erdeichingen; Dein Herz dem Heilairde geweiht, Kind, so wird's wohlgelingen k Wer nicht seinen Rücken Als Kind lernte bücken, Den werden die Tücken Des Lebens erdrücken. Wie durch Oel bcsüustigt tvird Die erregte Flut, Also dämpft ein mildes Wort Ost des Zornes Glut. Und das, was ihr gefällt. , Die Welt sieht auf den äußern Schein Gott stehet aus das Herz allein, Wie's drinnen ist bestellt. Meligiou. In ungeheuer großen Bahnen kreisen Die Körper durch den leere» Raun; der Welt, — Und ihr zerbrecht den Kopf euch, o ihr Weisent Wer ist's, der diese Welt zusammenhält? Ist es ein Wesen, ist's ein Gott, ein Geist, Der den Gestirnen ihre Bahnen weist? —- O, sucht nicht zahlenmäßig zu erklügeln Das Größte und Bcrborgendste zugleich! In der: Natur ahnt nur auf Geistesflügeln Der edle Mensch des Höchsten Himmelreich. Louis Beil. ScherzrMfel, Nachdruck verboten. Ich kenne ein Haustier mit glattem Fell, DaS ist wohl gar Manchem tin Wege. Wenn's schlummert, da ist'8 ein gar lieber Gefell, Da scheint es so sankt und so träge. Ein gräulicher Rachen ist seine Wehr, Und kürchterlich sind seine Zähne. Trotzdem wird's geneckt, nun ergrinrmet es sehr> Nun zeigt sich das Lamm als Hyäne, Ich glaube, vom Zahnweh gepeinigt wird Das arme Geschöpf, denn urplötzlich, Wenn Jemand ihm unsanft die Hauer berührt, .Da heult es oft ganz entsetzlich. y. Auflösung in nächster Nummer. Nachdruck verbotet Sprüche für die Kinderstube müssen recht sorgfältig ausgesucht werden, wenn sie ihren Zweck nicht verfehlen sollen. Die Auflösung der Altägyptischen Hieroglyphen in voriger Nummer» Wer sich grämt, der wird bald grau. Redaktion» Ernst Heß. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gieße«,