190*7 ZSlL P“ Menschenleben, die lügen. Roman von H. Ehrhardt, Verkafserin von „Mittellose Mädchen" Nachdruck verboten. (Schluß statt Fortsetzung-^ Ernst Kronau hatte Margas gebrochene Gestalt an der Kirch- hosstür in einen Wagen gehoben und sich an ihrer Seite niedergelassen. „Nach dem Ständehause!" hatte er dem Kutscher besohlen. Als der Wagen sich in Bewegung setzte, erwachte Marga aus ihrer halben Bewußtlosigkeit. Und wie ihr Bruder Joachim schrie auch sie jetzt auf: „Hanna, du mein einziges, mein letztes Glück." Der erlösende Strom der Tränen brach endlich aus ihren Augen. Sie weinte fassungslos. Der Rittmeister, dem ebenfalls die hellen Tropfen an den rötlichen Wimpern hingen, nahm sie in seine Arme und sie lehnte wie ein wegemüdes verirrtes Kind den Kopf an seine Brüst und überließ sich der nie gekannten schmerzlichen Erleichterung, die ein Herz empfindet, wenn es sich an einem anderen Herzen auswcincn kann. Erschrocken fuhr sie dann auf. Der Wagen hielt mit einem Ruck vor dem Portal des Ständehauses. Sie stiegen aus. In einem der kleinen behaglich eleganten Salons, in die der Duft von Lorbeer, Weihrauch und brennenden Kerzen, der untrennbar ist von dem Hause, aus dem man kurz vorher ein Totes getragen, nicht gedrungen war, führte der Rittmeister das zitternde Mädchen zu einem Sessel und drückte sie sanft darauf nieder. Die Zofe, welche ihr Hut und Mantel abgenommen, ivar diskret verschwunden. Einsamkeit und Stille umgab sie. Das leise fassungslose Weinen Margas war der einzig hörbare Laut. Und wie Ernst Kronau sie so sitzen sah, die einst so blühende, kräftige Gestalt, um die das schwarze Kleid jetzt förmlich schlotterte, die blutlose Haut des Halses und der kleinen vom wirren Blondhaar halb verdeckten Ohren, die einst in so rosiger Frische geleuchtet, da kam ihm ein heißes Erbarmen mit dieser lungen, gebrochenen Mädchenblüte, der die letzte Liebe seines Herzens gegolten. . „Weinen Sie nicht so, Fräulein Marga!" bat er, „es ist ja wahr. Sie und wir alle haben viel an der geliebten Toten verloren, aber unsere Tränen können sie nicht mehr zurückrufeu. ■cO) bin überzeugt, sie selbst würde es nicht mehr wollen. Denken Sie auch ein wenig an das Glück der Toten. Sie war nicht geschaffen für Leid, Trauer und Enttäuschung, die bei längerer Lebensdauer keinem Menschen erspart bleiben. Sie ist gestorben, tvie sie gelebt, als ein echter Götterliebling, mitten auf der Höhe, mitten im Glück, in Schönheit und Jugend--wollen Sie ihr das nicht gönnen, Baronesse, Sie, die Sic Hanna so sehr geliebt?" „Ich gönne es ihr!" schluchzte Marga, „ich weiß, sie wollte immer jung sterben, aber ich bin egoistisch, ich denke an mich — sie war mein letzter Halt, die einzige Zuflucht, die ich noch besaß--". „Sie haben doch noch Ihre Eltern, Baronesse!" Marga ließ die Hände mir dem Taschentuch vom Gesicht sinken/ ihre Tränen waren plötzlich versiegt, sie sah furchtbar bitter aus. „Meine Eltern sind mir ganz fremd, Herr Rittmeister —< sie haben nie mein Vertrauen gewollt — ich gehe so neben ihnen her, weil ich eben in Loßwitz sein muß, aber ich weiß, sie würden mich nicht vermissen. Heiratet mein Bruder Dietrich erst, dann bin ich ganz überflüssig. Er zieht nach Loßwitz. Seine Frau wird mich nie lieb gewinnen, so wie sie mir schon jetzt unsympathisch ist und wenn meine Eltern mal sterben bin ich nur noch eine Geduldete km Hause meiner Väter". Ihre Stimme fing an zu beben. „Ich habe so eine Angst, eine schreckliche Angst, vor dem Leben, vor der ganzen dunklen Zukunft. Immer muß ich denken: Welches Unglück wird jetzt wieder über dich herein- brechen?" Ein rührender, hilfloser Jammer vibrierte durch ihre Worte. Sie war gar nickst hübsch in dem Augenblick mit dem blassen/ vom Weinen entstellten Gesicht, den dickgeschwolleueu Lidern, aber der Mann vor ihr sah das gar nicht. Eine Art verzweifelnder Kühnheit ließ alte, längst begrabene Wünsche in ihm wieder auferstehen und legte ihm Worte auf die Lippen, die er nie mehr zu sprechen gedacht hatte. „Marga!" sagte er, beide Hände des überraschten Mädchens ergreifend, „es ist vielleicht eine schlechte Stunde, so direkt von einem frischen Grabe kommend — aber ich muß sie benützen. Ich habe so eine dumpfe Ahnung, daß, wenn wir uns diesmal ohne Aussprache trennen, sich nie mehr eine Gelegenheit dazu bietet. Marga, Sie wissen, !vie lieb ich Sie habe. Sie haben mir damals mit ihrem lieben Briefe bewiesen, daß auch Sie mir nicht abgeneigt sind. Geben Sie mir jetzt das Recht, Sie zu schützen, Sie vor einer so traurigen Zukunft zu bewahren?" Er fühlte, wie ein Zittern ihren ganzen Körper überflog. „Ich bin nicht mehr dieselbe, die jenen Brief schrieb", stammelte sie erregt, „ich danke Ihnen — oh, Sie tun mir wohl — aber ich darf Sie nicht mehr anhören". „Weil Sie unterdes einen anderen geliebt haben, Marga?" meinte er in mitfühlendem Verstehen. „Sie brauchen nicht zu erröten, ich weiß alles und ich ehre Ihren Schmerz. Poseck ivar ein lieber goldener Mensch, mit dem ich Sie neidlos und freudig glücklich gesehen hätte. Es tvürde ihm das Herz zerreißen, Marga, wenn er Sie jetzt so sähe, wenn er hörte, wie Sie sich jedes Anrecht auf eine glückliche Zukunft von selbst absprechen." In Margas armem Kopfe brauste und summte es vor dcu auf sie einstürmenden Gedanken. Allmählich rang sich eine wohlbekannte geliebte Stimme durch das Chaos mit den Worten; aus Walters Briefe: „Wenn je ein ehrenwerter Mann Dich retten will aus der Misere Deines Elternhauses, so folge ihm und werde glücklich." Aber sie liebte Ernst Kronau nicht. In ihr war alles tot und kalt. „Ich kann nicht heucheln, Herr Rittmeister!" Ihre flehenden bangen Augen suchten Verzeihung heischend sein Gesicht, „ich darf Ihre Frau nicht werden, weil ich noch immer dcu Schmerz um den Toteir fühle. Ich würde Ihnen schlecht danken für Ihre Liebe, Ihre Güte — —" Sie stockte, weil ihr die kaum versiegten Tränen wicderkehrten. Dem Rittmeister aber war's, als müsse er das Mädchen mit Gewalt einer trostlosen Zukunft abringen. Er meinte keine ruhige Stunde mehr zu haben, wenn er sie auf Nimmerwiedersehen von sich lieh. Sein rasches Atmen verriet die tiefe Erregung, welche ihn jugendlich lebhaft erscheinen lieh, obgleich er nun gerade sagte: „Ich bin kein junger Mann mehr, Marga, und meine Ansprüche sind nicht die eines solch jugendlichen Heißsporns, der gleich leidenschaftliche Liebe von Ihnen fordern würde. Ich will Sie nicht ängstigen, nicht erschrecken mit meiner Liebe, Marga, Sic sollen mir nur erlauben, für Sie zu sorgen. Ihnen jedes Leid, jeden Kummer aus dem Wege zu räumen. Ihnen ratend und helfend als väterlicher Freund zur Seite zu stehen, >vas eben nur geht, wenn Sie vor der Welt meine Frau heißen. Sie sollen in einer friedlichen, behaglichen Häuslichkeit an Körper und Geist gesunden, ich !vill mit Ihnen reisen, wenn Sie es wollen, ich will Sie auf meinen Händen dnrch's Leben tragen und zufrieden sein, wenn ich Sie nur wieder lächeln sehe. Meine Schwester wird Sie wie eine treue, zärtliche Mutter an ihr Herz nehmen und mit mir wetteifern, Ihr Leben noch einmal sonnig und glücklich zu machen. Nun, antworten Sie mir Marga, darf ich noch einmal und diesmal vor Ihre Eltern treten, darf ich Ihres Jawortes sicher sein?" Marga hatte, die Augen gesenkt, ihm zugehört und seine warmen Worte blieben nicht ohne Wirkung auf ihr verängstigtes hilfloses Gemüt. Sie war so müde und sehnte sich nach Ruhe, Frieden, Behagen, nach all dem, was Ernst Kronau ihr verhieß. Ach, nur einmal sich ausruhen dürfen von den Schmerzen und Kämpfen des letzten Jahres in einem friedlichen Hafen, der ihr Lebensschisslein schützend bergen würde vor den Gefahren, die ihm int Sturm der Welt noch drohten. Sie fand vielleicht doch noch einen Wirkungskreis, der ihre Lage befriedigend ausfüllen würde, vielleicht allmählich auch ein stilles selbstloses Glück in dem Bewußtsein, dem Manne, der sie so treu liebte, durch ihre Nähe das Leben zu verschönern. Ihr Widerstand gab langsam nach. Es lag halb und halb schon eine unbewußte Zustimncung in ihren traurig gestammelten Worten: „Aber meine Eltern werden niemals ihre Einwilligung geben. Alles wird sich wiederholen — der aufreibende Kampf, die häßlichen Szenen — Sie werden nur Unangenehmes durch mich erleben — lassen Sie mich r— mir ist wohl nicht zu helfen". „Doch, Marga!" sagte er warm, mit unendlichem Glücksgefühl bemerkend, daß des Mädchens Antlitz sich in Rosenglut getaucht hatte, da das in ihren Worten enthaltene Zugeständnis ihr fühlbar ward, „ich glaube nicht, daß ihre Eltern den Wut haben werden, noch einmal eigenmächtig in ihr Schicksal einzugreifen. Lassen Sie das int übrigen meine Sorge sein. Alles wird gut werden". Bort unten hörte man jetzt das Rollen der Wagen, die vom Kirchhof zurückkehrteu. Marga hob lauschend den Kopf. Aus der Ferne klang Säbelrasseln und gedämpfte Stimmen. Eine Flutwelle der Erinnerungen stürzte verheerend über ihr kaum beruhigtes Herz. Würde sich jetzt nicht die Tür öffnen und Walter Poseck eintreten, frisch und flott mit seinem guten warmen Lächeln, den zärtlichen Blick seiner ehrlichen Braunaugen? Sie schrie fast auf vor Schmerz. „Ich kann nicht, ich kann nicht. Noch ist es kein Jahr her, seit Walter starb — er würde es auch nicht gut heißen." Sie wollte davon eilen. Ernst Kronau hielt die Erregte liebevoll zurück. „Wollen wir morgen gemeinsam an Posecks Grab treten, Marga?" fragte er weich, „vielleicht legt der Tote ein gutes Wort für mich ein." Er hatte den rechten Ton getroffen, ihr Frauenherz zu rühren. Sie konnte nicht anders, als die Größe seines neid- losen, edlen Handelns anerkennen. Er verlangte sehr wenig für sich, er dachte nur daran, sie glücklich zu machen. „Noch im Jenseits will ich ihn segnen dafür!" sprach es laut in ihr. Sie streckte ihm die Hand hin, ihre Lippen zuckten in verhaltener Rührung. „Gehen wir!" sagte sie einsach. Ihre feuchten blauen Augen sahen ihn kindlich dankbar an, das stumme, flehende Abwehren war daraus gewichen. Da neigte er sich aufatmend über die kleine zarte blasse Mädchenhand und küßte sie mit scheuer, ehrerbietiger Zärtlichkeit. XI. Es war eine im Gegensatz zu der sonstigen lärmenden Heiterkeit fast schweigsame Tafelrunde, welche sich an diesem Abetch int Kasino der Husaren vereinigte. Ueber all den Offizieren, welche in dem gastlichen Hause des Landrats aits- und eingegangen waren, lag gleichsam lähmend noch die Starrheit des Entsetzens, mit welchem die Nachricht von dem tödlichen Sturz der lebensvolleit schönen jungen Frau sie erfüllt hatte. Von deut ernsten, ruhigeti Obersten an bis zürn jüngsten bescheidenett Fähnrich herab hatten sämtliche unverheiratete Offiziere Hanna mehr oder minder feurig und offenkundig verehrt und es war vielleicht mancher darunter, dem die wunderbaren goldgrünen Franen- augen eine unheilbare Wunde geschlagen hatten, über deren Schmerzen nur ihr süßes kindliches Lächeln manchmal hinweggetäuscht hatte. Nun Ivar es ihnen allen, als sei etwas Lichtes, Freudiges aus ihrem Leben gegangen. Sie saßen da wie vor den Kopf geschlagen. Die Unterhaltung schleppte sich, das traurige Thema vermeidend, mühsam hin. Plötzlich schlug der Oberik an sein Glas und erhob sich. In die Stille, welche sich beinah unheimlich über den großen Speisesaal legte, klang seine Stimme klar und markig wie stets. „Meine Herren Offiziere! Der Trinkspruch, den ich hier an dieser Stelle ausbringen will, mag Ihnen vielleicht seltsam erscheinen und doch glaube ich, ist es Ihnen allen ein Herzensbedürfnis an dem Tage, da wir die von uns so hochverehrte Gattin unseres lieben Landrats Gerhardt zur letzten Ruhestätte begleitet haben, der Toten ein paar warme Dankesworte nach-- zusenden in die stille Gruft. Der Geistliche hat schöne christliche Trostesworte gefunden und der Güte der Verewigten ein Lob gespendet, aber was sie uns gewesen ist, konnte er nicht beurteilen und deshalb nicht ermessen. Daher gedenke ich dankbaren gerührten Herzens der stets liebenswürdigen, gefälligen, heiteren Frau, deren ungewöhnliche Schönheit und holde Weiblichkeit für uns alle eine stete Quelle edelster Freuden gewesen ist, weil kein Mann, und sei er der gewissenloseste, sich dem erhebenden Einfluß dieser echten wahrhaft kindlich lauteren Frauenseele verschließen konnte. Und so bitte ich Sie, meine Herren Offiziere, unserer allgeliebten, unvergeßlichen Fran Hanna ein stilles Glas des Gedenkens zu weihen." Die Offiziere hatten sich sämtlich erhoben. Nun leerten sie schweigend ihre Gläser. Es lag etwas ergreifend Feierliches in der stummen Gebärde. Ein paar Sekunden lagerte noch das Schweigen über den ernsten Gesichtern, dann begann eine flüsternde Unterhaltung. Herr von Eppen, der eigentlich genug Beweise von Hannas nichts weniger als kindlich reinem Empfinden erhalten hatte, war von den Worten des Obersten und dem jähen Ende der vergötterten Frau überhaupt so stark erschüttert, daß er im Moment fest überzeugt war, Hamtas Koketterien seien nur kindischer Uebermut gewesen. „Der Pfarrer hätte wirklich etwas wärmer sprechen können !" meinte er, zu Föhrenthal gewandt, „Reden halten gehört doch zu seinem Beruf. Wenn ich denke, ein solch reicher Stoff, wie dies bezaubernde Geschöpf ihm gab, da hätte ich ja darüber predigen können." „Gott, der Manu hat sie ja gar nicht gekannt — er ist kaum ein halbes Jahr hier und streng sind nun mal die Priester. Sie ist ohne die Sakramente gestorben — hab' ich mir erzählen lassen — na und wenn man gerecht sein will — gutheißen kann ein Diener Gottes das nicht." Der Rittmeister zuckte halb Unwillig die Achseln. „Sie war ja aber gleich ohne Besinnung. Mag's auch so sein — der Mann wußte doch, wie die ganze Stadt sie hochhielt, wie freigebig sie war und so weiter. Wissen Sie, Föhrenthal, mir wird rein hundeelend zumute, wenn ich mir denke, sie liegt nun da so unten in dieser scheußlichen feuchten Gruft, der Verwesung preisgegeben, dieses bildschöne, sprühende, unvergleichliche Geschöpf — wie das möglich war, das Unglück — auch gleich so zu stürzen, daß alles zu Ende ist". Er steckte fröstelnd die Hand zwischen seinen Attila. Föhrenthals Blick suchte Tressenbergs leeren Platz. „Dem mag 'auch nicht sehr wohl zumute sein!" meinte er bezeichnend. „Auch ein tragischer Zufall, daß Frau Hanna sich gerade in der Gesellschaft des Menschen zu Tode stürzen mußte, den sie nie hatte leiden mögen." Graf Below, dessen schönes Zigeunergesicht deutlich ausdrückte, daß er aus allen Himmeln gestürzt worden war, hatte die Worte des Kameraven gehört und warf nun leidenschaftlich ein: „Mußte mich an dem Tage auch der Teufel reiten, daß ich in letzter Stunde, nachdem ich schon abgesagt hatte, doch noch nach W röschen fuhr. Hätte der Landrat nur eine Stunde eher zu mir geschickt, dann war ich ihr Begleiter und sie lebte vielleicht heut noch." „Hüten Sie sich, Graf!" warnte der Rittmeister ungewöhnlich ernst. „Baron Tressenberg versteht keinen Spaß und Ihre Worte klingen wie eine versteckte Anschuldigung." „Durchaus nicht, Herr Rittmeister, ich dachte nur an Zu- — 127 — Fälligkeiten, die im Leben so ost ausschlaggebend sind. Wir wären vielleicht einen anderen Weg geritten, auf denr Frau Gerhardts Pferd nicht gescheut hätte —" Tas sind Tempi, passati 1" war? Föhrenthal ein, „wozu darüber reden? Tot ist tot, hin ist hin. Tressenberg sah beim Begräbnis übrigens jammervoll aus und seine Schwester nicht minder „Die tröstet sich noch mit dem alten Kronau, paßt mal aus!" meinte von Eppen nachdenklich. „Nu, warum nicht? Der Rittmeister ist gar nicht so übel. Schließlich fühlt die schöne Isa nun auch noch für Tressenberg ein menschliches Rühren und sucht ihn zu trösten." „Ist daS die hübsche, schlanke Brünette mit dem weißen Gesicht und den auffallend roten Lippen?" fragte Graf Bellow interessiert. Der Rittmeister nickte. „Noch nicht kennen gelernt, Graf? Schneidiges Geschöpf, Rasse drin, sage ich Ihnen, das wär' auch so was für Sie. Aber sie ist spröde, trotzdem sie ganz nett kokettiert, hat eben dem ,roten Franz', Sie kennen ihn ja, den Rittergutsbesitzer Warnow, einen Korb gegeben. Der arme Kerl ist ganz futsch." „Hatte sie was mit Trefsenberg, Herr Rittmeister?' Der lächelte zum ersten Male an dem Abend. „Ja, sie hatte was mit ihm, Graf, und wie gesagt, man kann nicht wissen, ob nicht doch noch ein Paar aus den beiden wird, jetzt, Ivo Tresfenbergs Hochmut und Gleichgültigkeit einen argen Knicks bekommen haben mögen." So endet schließlich all das Tragische wie in einem Roman, mit mehreren Hochzeiten. Jedenfalls wird Tressenberg aber gut tun, sich eem seine Versetzung in ein anderes Regiment zu bemühen, wenn ein höherer Befehl dem nicht zuvorkommt", sagte Föhrenihal gleichgültig Der Rittmeister begnügte sich damit, leicht den Kopf zu neigen, zum Zeichen, daß er ebenso denke. Dann stand er auf, denn der Oberst hatte ihm durch einen Blick zu verstehen gegeben, daß er ihn zu sprechen wüuschie und schickte sich an, den Kommandeur bei seinem Fortgehen zu begleiten. Er ahnte, daß auch in diesem Falle Joachim von Tressenberg Gegenstand einer vorläufig noch privaten Erörterung sein würde. Der saß zur selben Stunde in seinem einsamen Zimmer und schrieb sein Abschiedsgesuch. Wie Kaömsttskuriere reisen. Bei dem Untergang des Dampfers „Berlin" hat, so ist gemeldet worden, auch ein englischer königlicher Kabinettskurier, Captain Herbert, den Tod gefunden. Sein Gepäck ist an Land geschwemmt worden, aber die Depeschen, deren Träger er war, werden wohl auf immer verloren sein, falls es nicht gelingt, seinen Leichnam zu bergen, da es Pflicht des Kabinettskuriers ist, sich von der Depefchentasche nie zu trennen, oder sie doch wenigstens keinen Augenblick aus den Äugen zu lassen. In einem unterhaltenden Buche, das „On the Queen's Errands" („Unterwegs im Dienste der Königin") heißt, hat ein anderer britischer Kurier, der Captaiir Wynter, vor kurzem ausführlich geschildert, wie der Kurierdienst des britischen Auswärtigen Amts geregelt ist. Er dürfte bei den meisten übrigen europäischer Staaten, mit geringen Abweichungen, auf die gleiche Weise organisiert sein. Wahrend in Deutschland die Offiziere des preußischen Reitenden Feldjäger-Korps als! Kuriere dienen, wählt man in England verabschiedete Offiziere der Armee. Sie müssen ein ziemlich scharfes Examen in modernen Sprachen ablegen und nachweisen, daß sie gute Reiter sind, da 'es, namentlich zu Kriegszeiten, wohl Vorkommen Rum- daß sie ihre Aufträge zu Pferd« iaus- richten muffen. Das Gehalt eine.»' .Kuriers beträgt nach deutschem Gelde 8000 Mk. jährlich, und während er unterwegs ist, erhält er . außerdem täglich 20 Mk. Spesen. Sein Leben ist insofern ein recht unruhiges, als er intmer auf dem Sprunge sein muß, äbzureisen, und er nur selten genau weiß, wie lange seine Reisen dauern. Meist bekommt er den Befehl, London mit dem Wend- zuge zu verlassen, nur einige Stunden vorher. Wie Captain Wynter mitteilt, wurde der Kurierdienst früher meist über Dover- Calais geleitet, und es ist eine Neuerung, dftß die Kurie«, die nach einer der Hauptstädte Mitteleuropas oder Osteuropas geschickt werden, jetzt stets die Linie Harwich—Hock van Holland zu wählen haben. Sie werden natürlich auf der Eisenbahn wie dem Schiffe im In- und Auslände sehr rücksichtsvoll behandelt und erhalten ein eigenes Coups und eine Kabine erster Klasse. Ihr Privatgepäck unterliegt der Durchsicht an den Zollstationen wie jedes andere, dagegen werden nach völkerrechtlichem Brauch! die Gepäckstücke nicht geöffnet, die der Kurier in seiner dienstlichen Eigenschaft bei sich führt. Da muß man nun unterscheiden zwischen den Stücken, die keine besonderen Geheimnisse enthalten; häufig sind sie sehr mnfangreich, so, wenn cs sich um Geschenke eines Souveräns an den andern hanoclt. Es ist dem Kurier erlaubt, sie als gewöhnliches Paffagiergut einschrciben zu lassen. Dann aber ist Äa die schon erwähnte Geheimtasche, die er br- ständig bei sich führen muß; ihr Inhalt besteht aus Depesche» des Auswärtigen Amtes an die Botschafter und Gesandten, oder auch aus eigenhändigen Briefen des Königshauses an fürstliche Verwandte auf dem Kontinent. Befindet sich der König auf Reisen im Auslande, so werden ihm wichtige Aktenstücke zur Untev- schrift ebenfalls durch Kuriere überbracht. Gleich wach seiner Ankunft begibt sich der Kurier zu dem Botschafter oder Gesandten und er ist froh, wenn er sich feiner kostbaren Bürde entledigt hat. Dann hrnn er sich als ein freier Manu in der {rembei« Stadt umsehen. Es wird viel Mert darauf gelegt, daß er korrekt auftritt, und Captain Winter erzählt, er und seine Kollegen hätten in ben meisten Hauptstädten Europas je einen tadellosen, immer frisch gebügelten Zylinderhut bereitstehen gehabt. Zum Schluß eine kleine AUektode aus dem deutschen Kurierdienste, die sich vor einigen Jahren zutrug und viel belacht wurde. Damals wirkte der jetzige Botschafter in London Graf Wolff- Metternich als Geschäftsträger. Eines Tages war ein Feldjägerleutnant aus Berlin eingetrofsen, hatte seine Depeschen abgegeben und war nach dem Bescheide, daß er nicht vor 48 Stunde» zurückzureisen brauche, in das nahe Seebad Brighton gefahren. Da ereignete sich irgend etwas von Wichtigkeit und der GeschäftS- träger ließ dem Leutnant, für dessen Namen er sich nicht weiter interessiert hatte, telegraphisch die Weisung zugehen, sofort znrück- zukommen. Der Offizier antwortete: „Komme pünktlich. Ohne- sorge." Ws er sich nun einst eilte, um die Rückdepeschen zu erbitten, machte ihn der Geschäftsträger höflich aber eindringlich darauf aufmerksam, der Zusatz: „ohne Sorge" sei überflüssig gewesen, denn es sei selbstverständlich, daß der Kabinettskurier den Weisungen der Botschaft sofort Folge leiste. Das Mißverständnis klärte sich damit auf, daß der Feldjäger sich dem Geschäftsträger als „Lend, nant von Ohnesorge" vorstellte. Der Zauberer von Santa Wosa- Bon Dr. E. T e i ch m a n n.*) Der Name des amerikanischen Pflanzenzüchters Luther Burbank, der durch seine erstaunlichen Leistungen Fachleute wie Gelehrte in Staunen setzt, ist auch bei uns nicht mehr unbekannt. In Amerika erregen seine bedeutenden Errungenschaften, vor allem auf dem Gebiete der Obstkultur, die von seiner bei dem kalifornischen istädtchmi Santa Rosa gelegenen Besitzung berichtet wurden, schon seit Jahren das lebhafteste Interesse. Nun veröffentlicht feilt Geringerer als Hugo de Vries im Biologische» Zentralblatt einen Aufsatz über die „Neuzüchtungen Luther Burbanks", der wiedergibt, was de Vries bei einem zweimalige» Besuch in Santa Rosa gesehen hat. Luther Burbank (geb. am 7. März 1849 als.Sohn eines Farmers) ist kein Züchter im gewöhnlichen Sinne des Wortes. Bei feinen Versuchen läßt er sich weniger von Handelsinteressen als von gewissen Idealen leiten: er will Obst- und Blumensorten gewinnen, die mit einem trockenen Boden zuftieden sind, um so weite, bisher unbebaute Strecken des. (wlbdürren Westens der Pflanzenkultur zugänglich zu machen. Bei ben Blumen insbesondere hat er es auf harte, billige und doch schöne Varietäten abgesehen, denn er wünscht, daß der Garten auch des kleinen Mannes das ganze Jahr über in Blüten prange. Natürlich darf in Amerika die praktische Bedeutung eines Nnteruehmens nicht zu gering sein: das Agricultural Department zu Washington hat also berechnet, daß eine von Burbank gezüchtete Kartoffel den Wert der Ernte dieser Knollenfrucht um jährlich 17 Mill, Dollar vermehrt hat. Wie macht es nun dieser Züchter, um seinen Idealen näher- zükommen? Einige Beispiele werden es zeigen. Von der japanischen Quitte (Erhobotrya japouica) hatte er eine große Zahl von Exemplaren aus Samen gezüchtet. Jedoch nur zwei Bäume ließ er aim Leben, beide waren reich beladen. Aber während die Früchte des einen die gewöhnliche Gestalt hatten und nur so groß wie Kirschen etwa waren, trug der andere Früchte tote kleine Birnen mit reichlichiem Fruchtfleisch. Dieser Baum war für den Verkauf fertig. Wer ihn kauft, wird ihn in viele Äwpf- Itnge zerschneiden und so in kurzer Zeit eine Menge Bäumchen in den Handel bringen. , Burbank selbst befaßt sich nicht, mehr mit der Vermehrung seiner Neuzüchtungen, er überläßt sie anderen. Aehnltch ging es Bei der Züchtung stachelloser Brombeeren zu, die er durch Kreuzung der Keinen kalifornisch-n Brombeere mit der sibirische» Himbeere gewann. In hölzernen Kästen standen zahlreiche Exemplare dieser Pflanze; sie zeigten inbezttg auf Slachellosigkrit die größte Verschiedenheit. Aber alle stacheligen Ketmlmge wurde» ausgemerzt und nur die unbewehrteil behalten Aus ihnen werden wieder die besten ausgesucht und als stachellose Brombeeren in ben Handel gebracht. Das Prinzip, nach dem der Züchter in solchen Fällen vovgeht, ist das der Selektion; er weiß, daß die Pflanzen, mit benen er es zu tun hat, stark variieren; aus den verschiedenen, sich dabei ergebenden Formen *) Aus dem „Kosmos", dem Handweiser für Naturfreuiide, herausgegeben und verlegt vom Kosmos, Gesellschaft der Natur- freunde. Franckh'sche Verlagsanstalt, Stuttgart. 128 sucht er sich aus, was itfin für feilte Zwecke geeignet erscheint, alles übrige verfällt der Vernichtung. Ein anderer modns prvcedendi ist folgender: Der Züchter entdeckt etwa in einer wildwachsenden Pflanze eine besondere Eigenschaft, die er auf die von ihm gepflegte Rasse zu übertragen wünscht: er kreuzt also die betreffenden Varietäten. So erhielt Burbank eine Reihe von Formen ivether Brombeeren („white biackberries"). Die weiße Farbe stammte von einer Varietät der kalifornischen Brombeere, die da und dort im Freien wachst. Höchst Merkwürdige Produkte dieser Kreuzungskunst. sind der stach ellose Kaktus und die steinlose Pflaume. Sellen finden sich Opuntien, die keine Stacheln besitzen; sie werden mit den gewöhnlichen großscheibigen Sorten gekreuzt und der^Selektion unterworfen. Burbank verfolgte mit der Züchtung dieses stachellvsen Kaktus einen bestimmten Plan: die Opuntien wären ein vorzügliches Viehfutter, wenn sie keine Stacheln trügen, und iHv: Kultur würde in den Wüsten Südkaliforniens auch ohne Bewässerungsanlagen möglich sein. Gelingt es also, stachellose Käk- teen im großen zu züchten, so würde ein bisher unbrauchbares! Land nutzbringend angebant werden können. Die Pflaume ohne Kern bezw. Stein geht auch aus eine Kreuzung zurück. Burbank hörte, daß einst in Frankreich eine „prune saus nopau" gezüchtet, aber dann wegen der Kleinheit ihrer Früchte vernachlässigt worden sei. Er verschaffte sich einige dieser Bäumchen und kreuzt: sie mit solchen, hie große Früchte tragen. So erzielte er eine Sorte, bei der der Same nackt int Fruchtfleisch liegt, höchstens findet man hier nnd dort noch einige winzige Ueberrestje des Steinkernes! Vor, sodaß man diese Frucht ohne Gefahr für die Zähne durchbeißen, kann. Diese Pflaume ist noch nicht int Handel, weil sie inbezug auf ihre Größe den Anforderungen Burbanks noch nicht entspricht. 1 Am imposantesten stellte sich eine andere Gruppe Von Versuchen dar. Das Prinzip, nach dem dabei verfahren wird, besteht in folgendem: die Variabilität wird durch vielfache Kreuzungen soweit wie irgend möglich gesteigert, teilt» aus den Tausenden verschiedener Individuen werden immer nur die besten ausgewählt. So hat Burbank 300 000 Pftaumen-Hhbriden her- gestellt, die in Gruppen auf größeren Bäunten ausgepfropft sind: jeder einzelne Baum trug 40 bis 50 verschiedene Arten von Früchten. Seine Brombeeren sind aus 60 000, seine Rosen aus 15000, sein Lilium tigrinum aus 100 000 Hybriden ausgewählt. Nachdem er aus den 60 000 Brombeeren die besten ausgesucht hatte, wurden alle übrigen in voller Frucht ausi- gervdet, auf einen Haufen gebracht und Verbrannt: der Hausen war über 20 Meter lang und 10 Meter hoch. Es würde zu weit führen, hier noch! mehr auf Einzelheiten! emzugehen. Aber die große wissenschaftliche und praktische. Be--, deutung der Versuche des kalifornischen Züchters wird auch aus diesen Mitteilungen klar geworden sein. Die Carnegie-Institution in Washington hat denn auch Burbank einen jährlichen Zuschuß von 10 000 Dollars unter der Bedingung bewilligt, daß die Methoden seines Vorgehens auch- anderen zugänglich gemlacht werden. Vielleicht richten auch die Kreise Deutschlands, die es angeht, ihren Blick mit gesteigerter Aufmerksamkeit auf die Art, wie Luther Burbank seine Neuzüchtungen zustande bringt. *• D ie Kopfgröße des Mannes und der Frau. Der Kopf des Mannes und des Weibes ist schon häufig verglichen worden. Nicht nur das rein wissenschaftliche Interesse drängt zu einer vergleichenden Betrachtung der Größen und Gewichtsverhältnisse des männlichen und weiblichen Gehirns und Schädels. In den letzten Jahren hat diese Frage auch praktische Bedeutung erlangt. Die wirtschaftliche Emanzipation der Fran hat die Erörterung ihrer Leistungsfähigkeit und der physiologischen Grenzen ihres Könnens in Gang gebracht, nnd da die naturwissenschaftlichen Untersuchungsmethoden besonderes Vertrauen genießen, lag es nahe, das Problem mit Vorliebe von der anatomischen oder anthropometrischen Seite zu beleuchten. Neuerdings hat Dr. Rose au nicht weniger als 70 000 Personen Kops- und Gesichtsmessungen vorgenommen. Darunter befanden sich 45 000 Schüler m;nd Schülerinnen deutscher, schwedischer, dänischer, holländischer, belgischer, böhmischer und schweizerischer Schulen. Nach einer Mitteilung der Blätter für Bolksgesmidheits- pflege ergab die Untersuchung, daß die Küaben überall größere Köpse hatten als die Mädchen. Diese Ueberlegenheit der Knaben ist nicht etwa durch ihre bessere allgemeine Entwicklung und eine beträchtliche Körpergröße zu erklären, Röse konnte vielmehr die schon von anderen Forschern festgestellte Tatsache bestätigen, daß die Mädchen etwa vom neunten Lebensjahre an bis ans Ende der Schulzeit die Knaben an Gewicht und Körpergröße überflügeln. Trotzdem sind ihre Köpfe stets kleiner als bei den schlechter entwickelten Knaben. Kopf, Gehirn und Gesicht bleiben beim Weibe auf einer Entwicklungsstufe stehen, die dem kindlichen Typus angenähert ist. Da die Mädchen früher reifen als die Knaben, bringen sie oft bessere Leistungen zustande, wenn aber der Mann seine Vollreife erlangt hat, so übertrifft er das Weib an geistiger und körperlicher Kraft. Dies soll natürlich, wie Röse ausdrücklich betont, nur für den großen Durchschnitt gelten und dadurch zu erklären sein, daß die Frau im Dienste der Fortpflanzung größere Aufgaben zu erfüllen hat als der Mann. Die Natur konnte sich nicht auch noch den Luxus erlauben, dem Weibe gleiche Körper- und Geisteskräfte zu verleihen wie dem Manne. Ae ^ibnung. *) Von Fritz Reuter. „Ja", feggt de Knopwirt Friedrich Deichert/) De mit en schönes Inventar Bi uns in Bramborg mäunig Fohr Für nnse Stadt un Gegend krängert,^ „Mein lieber Freund, Du kannst mir glaube Und wirst die Freundschaft mir erlauben. In seligen Zufriedenheiten Mik die Gedanken zu verwirren. In eig'nen Umständ'n und in Zeiten — Das wirst Du v!uch wall wissen — kann sich Der Mensch in seiner Ordnung irren. Denn jeder Mensch, der hat es an sich. Doch ich, für mich für meine Selbstperson Komm nie nich aus der Ordnung 'raus. Mag los hier sein in meinem Haus Konzert und Ball und Abcndkollatschon; ü la bonheur! — Mir sehr erfreut! Muß Alleus sein in Richtigkeit, Das Essen in Hinlünglichkeit, Bedienung, Hausknecht, All'ns komplett. Doch ich für mich hab meine Zeit Punkt Schlag halb elf, dann geht's zu Bett lind denk Dir mal, wie sonderbar Und richtig dies schon manches Jahr, Mit meiner Selbstbetrachtuug stimmt. Daß Kvllhoff zu der Zeit sich immer Den Hut und Stock vom Nagel nimmt Un mit „Gu'n Nacht" verläßt das Zimmer. Das ist mir nun schon zur Natur Und nie vom Irrtum eine Spur." — Na schön! De Knopwirt set't sik dal Und rallögt^) irst noch en pormal 11 n slöptt) denn sacht un selig in. — Nu müßt ’t taufällig äwerst sm, Dat Kvllhoff tidrigO) kamen deiht, Un dat hei ttdig toerre6) geilst, Dat is so gegen halwer acht; Hei nimmt den Haut un feggt „Gu'n Nacht! Dünn richt't de Knopwirt sik en End: „Das is doch gut, 1 Wenn man den richtigen Zeitpunkt kennt." Un huhjahnt tut7) Un reckt sik ut: Um halwig elbn») kam ik doch werte. Na, nu gaud Nacht ok, mine Herre!" *) Diese bisher ungedruckten Verse aus dem Nachlaß Fritz Reuters entnehmen wir dem reichhaltigen, vortrefflich ausgestat- teten Fritz Reuter-Kalender auf das Jahr 1907, den der bekannte Reuter-Forscher Karl Theodor Gaedertz im Dieterrchschen Berlage (Theodor Weicher, Leipzig) herausgegeben hat. i) der wiederholt, n. a. in „Läuschen un Rimels" (Hei möt 'e 'ran), erwähnte Fritz Reichert, Besitzer des alten, rm Juni 1905 abgebrannten Hotels zur goldenen Kugel („Knop") zu Neubrandenburg. Am besten ist Gastwirt Reichert geschildert in der kulturgeschichtlich interessanten Beschreibung des Festessens zum Bürgermeisterjnbiläum des Rat Brückner, abgedruckt rn Reuters sämtlichen Werken, herausgegeben von Gaedertz, Bd. XU, S. 215 f. 2) die Wirtschaft (den Krug) führt. 3) verdreht die Augen. *) schläft. 6) zeitiger. 6) zeitig wieder. 7) gähnt taut. 8) halb elf. 1 Dechiffrir-Aufgabe, (Nachdruck verboten.) Ft hjfcn ovs fjo hmvfdl: Ejf Qgmjdiu, Ovs fjofo usptu: Ejf bscfju, Ovs fjofo hfovta: Ebt tdipfbf. Carmen Sylva. Auflösung in nächster Numiuer. Auflösung des Homonyms in voriger Nummer: Ocker. Redaktion: Ernst Heß. — Rotationsdruck und Vertag der Brühl'jchen Universitäts-Buch» und Stemdruckeret, R. Lange, Vtehrn-