ffiSHSr 1906 — Nr. 191 n wöSsSWinii« MWOH^WMlq i BKTäyÜ Jas Wärenrvcrkchen. Humoreske von Käte Lubowski. Nachdruck verboten. Feodorowua Turkenitsch war das schönste Mädchen, das der junge Baron Kirstetten während seiner 29 Lebensjahre zu Gesicht bekommen hatte. In ihr vereinigte sich der Typus des russischen Vaters mit dem der nrdeutschen Mutter zu einer verblüssenden Wirkung. Und mit diesem Engel an Schönheit und Jugend mutzte Baron Benno von Kirstetten eine unabsehbare Reihe von Tagen auf dem Schloß seiner Bäter zusammen verleben. Feodorownas verstorbene Mutter war nämlich eine Cousine der alten Baronin Kirstetten gewesen. Sie hatte niemals versäumt, die verwandtschaftlichen Bande durch Briefe und Geschenke zu stärken. Die Revanche der .Kirstetten bestand regelmäßig in einer Einladung nach Schloß Ebertsahl, die man aus dem heiligen russischen Reich mit einer Vertröstung auf die Zukunft annahni. Seit der letzten russischen Aufmerksamkeit und dem deutschen Dank war ein volles Jahr verflossen. Feodorownas Mutter war in diesem Zeitraum heimgegangen und die Ruhe des russischen Reiches zerbrochen. Feodorownas in Petersburg lebender Vater erinnerte sich in den Wochen der politischen Wirrnisse, die eine Gefahr für jeden Einzelnen brachten, der früheren Einladungen und schickte sein einziges Kind nach Schloß Ebertsahl zu den Kirstettens. — — Feodorowua Turkenitsch regte sich gar nicht über diesen Wechsel auf. Aber Baron Benno wurde seit dem Tage ihrer Ankunft mit dem Transpirieren nicht fertig. Er litt unter der beständigen Angst, daß er Feodorowna enttäuschen könnte. Mehr als einmal im Leben hatte er Wohlgefallen erweckt und empfunden, ohne darüber eine anhaltende Freude zu haben. Er vergaß und wurde vergessen, bis die Halbrussin in sein Leben trat. Trat ist eigentlich schon äit, Wiel gesagt. Man hörte niemals, daß sie ging. Sie bewegte sich stets in laugen wallenden Schleppkleidern vorwärts, die mit leisem Rauschen über das Parkett glitten. Sie wirkte wie die Mensch gewordene Harmonie. Sie spielte weder Tennis noch..mochte sie reiten, sie tanzte nicht und schürzte im ärgsteir Regenwetter niemals die schleppenden Säume ihrer Toilette. Trotzdem. . . oder vielleicht gerade wegen ihres äußerlichen Gleichmaßes liebte sie Baron Bemw glühend. Jeden Abend legte er sich mit dem festen Vorsatz zu Bett, ihr morgen seine Liebe zu gestehen, und wenn dies---„morgen" kam und er ihre wundervollen melancholischen Augen auf sich gerichtet fühlte, schrumpfte sein Mut in nichts zusammen und der Angstschweiß brach ihin aus allen Poren. Er handhabte alsdann sein seidenes Taschentuch heftig und nannte sich innerlich „einen Feigling!" Aber er änderte sich nicht. Ihre Schönheit blendete ihn so, daß er allemal in ihrer Gegenwart Atembeklemmungen bekam. Und waren diese glücklich überwunden, war sie gewöhnlich in den entferntesten Teil des Parkes geglitten. Ja, wenn er auch nur den kleinsten Mangel an ihrer Schönheit entdeckt hätte, an dem sich ihre Zugehörigkeit zum Irdischen seststellen ließ. Dann wäre er vielleicht mutig gewesen. In seinen jammervollen Seelenzustand hinein kam die Kunde, daß aus dem Hansemnanschen Zirkus, der im Dorf seine Kunst und dressierten Tiere zur Schau stellte, das Bärenweibchen entwichen sei. Das gab seinen Gedanken wenigstens für eine kurze Zeit eilte andere Richtung. Die Bärin sollte beinahe noch ungezähmt sein und die Leute im Schloß zittevtMj daß sie sich irgendwo im Park versteckt halten konnte. Aus Baron Bennos Befehl wurde bei deut Sinken der Dämmerung der Förster und sein Gehülfe als Wachtposten im Schloßgarten aufgestellt. In dieser Nacht schliefen sie alle herzlich wenig. Am wenigsten aber Feodorowna Turkenitsch. Sie sitzt auf dem Rand ihres Himmelbettes und schluchzt fassungslos. Wenn ein junges Mädchen aus gutem und reichem Hause ohne sichtbare Veranlassung weint, dann muß sie entweder sehr unglücklich oder sehr glücklich sein. Das letztere war Feodorowna wahrhaftig nicht. Sie staud schließlich auf und ging ans Fenster. Der Mond ging klar und voll zwischen den Wolken und im Park schlugen die Nachtigallen. Ihr sehnsüchtiges Lied klang deutlich, durch das geöffnete Fenster. Da dachte sie gerade wie ein deutsches Mädchen an den Mann, den sie lieb hatte und der sie doch nicht zum Weibe begehrte. Nach den ersten Wochen ihres Hierseins hatte sie gemeint, daß er sich und sein Gefühl erst prüfen wolle . .. aber so lange braucht doch wohl der größte deutsche Pedant nicht dazu..... Sie glaubte jetzt endlich den Grund seines Schweigens gefunden zu haben. Die alte Baronin . . . hatte ihn, sicherlich ungewollt, verraten. „Die erste Bedingung, die mein Sohn an seine zukünftige Gattin stellt, ist, daß sie eine vollendete Schönheit sein muß." Und dabei hatte sie Feodorowna Turkenitsch mit einem langen Blick angesehen. Sie hatte ihn denn auch verstanden und übersetzt. — „Also gib dich keinerlei Hoffnungen! hin, mein Kind. Ich kenne dein Geheimnis", las sie heraus. Und darum weinte Feodorowna in dieser Stunde. Weinte über den Fluch ihres Lebens, ihr KvPf schmerzte und ihre Augen brannten. Sie beschloß, heimlich nach Petersburg zurückzukehren .... aufzupassen, wenn die erste Bombe nach ihrer Ankunft losginge und sich zerschmettern zu lassen, damit sie endlich von ihren Schmerzen befreit wäre. Der Vollmond lächelt h.llcr und die Nachtigallen locken süßer. Sie lehnt sich weit hinaus, und breitet die Arme dem Dust entgegen, der ganz zart in dieser Spätsrühlingsnacht über der Erde hing. Als sie zwei Gestalten, in denen sic den Förster und seinen Gehülfen erkannte, in das Erdgeschoß des Schlosses verschwinden sah, steckte sie ihren Revolver gegen die Bärin zu sich, und lief mit nackten Füßen hinunter, um das zu tun/ was sie im deutschen Land aus purer Feigheit unterlassen hatte . ... im Tau zu laufen und dadurch das köstliche Gefühl des kühlen, lockeren Erdreichs unmittelbar zu spüren. Eine halbe Stunde später schlüpft sie ins Schloß zurück. Die Augen sind kühl und das Herz ist ruhig geworden. Sie legt sich in ihr Himmelbett und "versucht zu schlafen. Ob der Versuch zur Tat geworden wäre, kann sie nicht fest» stellen, denn sie schrickt nach kürzester Zeit durch das Geräusch erregter Stimmen und heftiger Schritte aus. Bald daran! klopft es an ihre Tür. „Ich glaube. Frechen, du kleidest dich an", rief die Stimme der alten Baronin angstvoll. — „Denk' dir, sie haben im Park die Spuren des Bäremveibchens gefunden und . . . was das Schrecklichste ist . . . sie haben sestgestellt, daß sie sich hier nn Schloß verlaufen." Feodorowna ist im Umsehen aus dem Bett. — „Ich komme sogleich, Tante", sagte sie mit ihrer verschleierten, ticfett Stimme, die wie Musik klingt. „Aber sage mir nur, wie kann sie denn ttt das Schloß eingedrungen sein, ohne daß die Wächter es merkten?" — Sie sind in das Souterrain gegangen, um das Nachtmahl zu nehmen. Törichterweise beide zu gleicher Zeit. Sie haben sowohl die Hauspsortc wie das Tor zum cuttern Geschoß offen stehcu lassen . , V — 762 ' — Feodorowna nestelt mit zitternden Fingern ihren schleppenden Morgenrock zn. Sie sieht sehr blaß aus und ihre Hände gehorchen nur widerwillig. Eine schreckliche Ahnung steigt in ihr auf. Wenn das Bä'ren- weibeben gar nicht dagewesen wäre . . . wenn . . . Sie kann das Furchtbare nicht ausdenken. Das Gleichmaß der wundervollsten Harmonie ivird zerstört. Sie stürzt die Treppe herunter und packt in der Halle Baron Bennos Arm, der, wie zur Schlacht gerüstet, vor ihr steht. „Woher kommt die Spur des . . des Bäremveibchens?" fragt sie atemlos. Sein Arm zittert unter ihrer Berührung und seine äußerliche Tapferkeit wirkt weniger erschreckend. „Bon dein Rasenrnndel herunter . . . kretiz und quer nach bem zweiten, au! den die Venns steht, hinüber und hier in ungezählten Tappe» aus rmd nieder." „Und >vo sind die Leiite ... die . . . das . . . Tier . . . sangen sollen?" „Ueberall verteilt, Cousine Fee I" „Und glauben Sie, daß es ivirklich eine Bäreiispur ist ?" Er lächelte ein lueiiig. Zum erstenmal fühlte er sich ihr überlegen. „ZmeuelloZ. Obgleich sie ja bekaiurtlich der eines Menschen fast gleichkoiiiint 1 Nur durch die kolossale Größe unterscheidet sie sich von dieser für das Auge des Kenners." Da wankt Feodoroivna malt zuin nächsten Sessel und sagt ganz leise: „Vetter Benno, ich möchte Ihnen ein Geständnis macheii. Sind wir hier ganz ungestört?" Aus sein erstauntes Nicken gibt sie sich einen Ruck und flüstert tonlos: „Ich ivar in dieser Nacht . . . im Park . . . ich ging die bezeichneten Wege. Tie Spuren sind . . . von mir." Ta.versteht er endlich ihre schleppenden Kleider und die Gemessenheit ihrer Bewegungen. Wie ein Glückstaumel überkommt es ihn. Er hat den ersehnten Fehler in ihrer Vollendung entdeckt . . . und damit einen starken, unbezwinglichen Mut gesunden. Er wirft sein Gewehr von der Schulter und reißt sie in seine Arme. „Frechen" , , . sagt er. . . „Gottlob, daß du mir das gestanden hast. Sonst hätte ich wohl im ganzen Leben nicht die Keckheit besessen, dir meine Liebe zu gestehen." „Tu liebst . . . mich . . . trotzdem?" fragt sie zweifelnd und doch voller Angst, daß er sein Geständnis widerrnsen könnte. Er antwortet ihr, indem er sie küßt. Dann hebt er sie auf seine Arme und trägt sie zu seiner Mutter hinein. . . . Monate sind darüber vergangen. Das wirkliche Bären- weibchcit tanzt längst wieder im Hansemannschen Zirkus nach dem einen Ton der Blechpfeike, als Baron Benno in der traulichen Dämmerstunde seinem jungen wunderschönen Weib den größten Schmeichelnamen gibt, den er für sie hat: „Mein angebetetes, heißgeliebtes Barenweibchen I" Und sie lächelt dazu und schmiegt sich in unendlichem Glücks- gefühl an sein Herz. Telegraphieren dis Marsbewohner an die Krde? Diese Frage ist kürzlich ernstlich in Betracht gezogen worden. In, Anschluß an eine sensationelle Nachricht, nach der Marconi aus einer Station für drahtlose Telegraphie aus der britischen Insel Cape-Clear täglich zwischen Mitternacht und 1 Uhr immer das gleiche geheimnisvolle Signal erhält, das man bis heute noch nicht entziffern konnte. Man erzählt nun, Marconi habe verlauten lassen, daß das Signal, da es mit keiner Sprache der Erde in Verbindung zu bringen sei, vielleicht von den Bewohnern des Mars herrühren könnte. Diese Idee ist, wie der Pariser Astronom Camille Flamma- rion in einem Aussatz in der Monatsschrift der Socivts Astrono- miaue de France nachweist, bei der jetzigen Beschaffenheit unserer technischen Behelfe unwahrscheinlich. Der bekannte Gelehrte führt, nach der Uebersetzung der Neuen Freien Presse, u. a. folgendes aus: Jedenfalls wäre es gut, zu wissen, was eigentlich beobachtet worden ist. Vielleicht handelt es sich um eine Störung durch den Erdmagnetismus oder die atmosphärische Elektrizität. Da sich Herr Marconi jeder persönlichen Mitteilung über diesen Gegenstand enthält, ist es wahrscheinlich, daß er der Sache keine große Bedeutung beilegt. Andererseits wäre es sehr wichtig, zu wissen, was Wahres an dem Entstehen dieser Geschichte ist, zu welchem Zeitpunkt die geheimnisvollen Zeichen begonnen, wie lange sie gedauert haben und ob die Störung wirklich immer zur bestimmten Stunde erfolgt ist. Es ist aber höchst unwahrscheinlich, daß die Marsbewohner das Jahr 1906 gewählt haben sollten, um mit uns in Verbindung zu treten, indem gerade in dieser Zeit Erde und Mars am weitesten von einander entfernt sind und an entgegengesetzten Seiten der Sonne sich befinden. Wenn unsere Nachbarn nm Himmel versuchen sollten, sich mit uns in Verbindung zu setzen, so wären für solche telegraphischen Versuche jene Zeiten die günstigsten, wo wir einander am nächsten kommen, wie z. B. im Mai 1905 oder im Juli 1907. Aber für die genannten Versuche taugt gerade das Jahr 1906 gar nicht. Und daun, wie sollte man diese Marsbotschaften jede Nacht zwischen 12 und 1 Uhr erhalten haben, da doch der Planet nicht über dem Horizont der erwähnten Station stand, sondern im Gegenteil an der dem Zenit entgegengesetzten Seite des Himmels. Alles drängt uns also dazu, zu glauben, daß die Bewohner des Mars in dieser Affäre keine Rolle spielen. Wenn, wie verschiedene Journale behaupten, das erhaltene Signal aus drei Punkten besteht, dem das S von Marconi entspricht, so müssen wir auch der Mörse-Apparate gedenken, die bei hoher Spannung der atmosphärischen Elektrizität gleichfalls mehrere Punkte geben/ und daher annehmen, daß atmosphärische Elektrizität die wirk- liche Veranlassung der Sache fei. Allerdings bleibt die regelmäßige Wiederkehr des Zeichens ein noch zu lösendes Problem. Solange wir also nicht eingehender unterrichtet find, müssen wir uns vorsichtig und zurückhaltend in dieser Sache verhalten, aber nichtsdestoweniger bleibt das Ganze doch von höchsten! Interesse. Außerdem datiert es ja auch nicht von heute. Als die Idee einer Verbindung mit einer anderen Welt zum erstenmal auftauchte, hatte man zuerst eine Kommunikation mit den! Monde ins Auge gefaßt. Es ist schon lange her (im Jahre 1862), da schrieb ich in meinem Werke „La Pluralitä des Mondes habitss", daß Arago üt einem Kurse über Astronomie in Paris erzählte, ein deutscher Geometer habe schon vor 20 Jahren vor- gcschlagen, man sollte auf einem weiten Terrain eine bestimmte Anzahl Spiegel aufstellen, welche. das Licht der Sonne reflektieren und die in der Form einer geometrischen Figur arrangiert sind, so z. B. den Pythagoräischen Lehrsatz demonstrieren. Vorausgesetzt nun, daß die Mondbewohner intelligent seien, so meint er, daß sie ohne große Mühe erkennen müßten, daß diese regelmäßigen geometrischen Figuren nicht eine Wirkung des Zufalles sein können, sondern daß sie von den Bewohnern der Erde mit Absicht gebildet fein müssen. Der Gedanke lag wohl sehr nahe,- daß bann die Mondbewohner gleiches versuchen würden, und so wäre eine erste optische Verbindung mittels einer geometrisches Sprache zwischen zwei Weltteilen hergestellt. Diese Idee, welche ich vor mehr als 40 Jahren in Umlauf gesetzt habe, wurde seither manchesmal wieder aufgegriffen und besonders gern mit dem Planeten Mars in Verbindung gebracht, den uns die großartigen Errungenschaften des Fernrohres so. wunderbar nahegerückt haben. Das geistige Leben scheint wirklich.auf dieser Nachbarwelt einen Höhepunkt erreicht zu haben, und es ist gar nichts Lächerliches, zu glauben, daß man dort seit Jahrtausenden versucht, an uns Signale zu schicken, die wir noch nicht fähig sind zu verstehen. Die Wissenschaft ist in der Tat noch sehr jung auf unserer Erde. Es ist kaum mehr als 200 Jahre, daß wir anfingen, den Mars mit optischen Instrumenten zu beobachten und dessen Geographie und Meteorologie zu studieren, und selbst in unserer heutigen Epoche liegt nur eine kleine Zahl von Männern mit Ausdauer diesen Studien ob. Die Marsbewohner, in ihrer Ausbildung viel Weiter vorgeschritten, können schon lange verschiedene Verbindungsmittel ersonnen haben, denen wir vollständig, fremd gegenüberstehen, und. sie können daraus geschlossen haben, daß der geistige Gesichtskreis der Erdbewohner nicht sehr weit sei. Es ist allerdings wahr, daß wir auf dem Planeten Mars manchmal leuchtende Punkte bemerkt haben, welche Bei einer lebhaften Einbildungskraft den Eindruck von Signalen -Hervorrufen konnten; eine aufmerksame Beobachtung hat aber gezeigt, daß es sich um natürliche Phänomene, um beleuchtete Bergspitzen und Wolken handelte. Unsere Fortschritte in Bezug auf die Marsgeographie sind aber in den letzten 26 Jahren so rapid gewesen, daß wir noch alles hoffen können. Zer Nachlaß Ibsens. , Im Nachstehenden bringen wir einige Proben aus den Notiz- heften, die man in Ibsens Nachlaß fand. Eine große Reihe von Sprüchen und Entwürfen enthält das reiche und wertvolle De- zemberheft der Neuen Rundschau, Verlag von S. Fischer en Berlin; herausgegeben von Prof. Dr. Bie. Wir finden da u. ia auch eine Anzahl von Briesen, unter denen die an Prof. Jul. _ Hofsory (den Helfer Ibsens in Deutschland) die literalur- gescmchtüch bedeutendsten sind. Eine Reihe vo» Forschern und Freunden Ibsens hat sich vereinigt, um im Anschluß daran ihre (itinnerungen und Studien über den Dichter in demselben Heft zu veröffentlichen. Wir lassen zunächst die 3 Schlußstropheu eines Gedichtes folgen, betitelt: An die Mitschuldigen. Dem Volksstrom folgen soll des Dichters Bahn. Sein Banner, an der Spitze soll er's schwingen: doch will und muß gradaus dem Ziel er nahn, das Rätsel seiner Zeit zur Lösung bringen. Der Seinen Sehnsucht löst er im Gesang; er beichtet ihre Sünden: ihrem Grame verleiht er Seufzer, ihrem dumpfen Drang ein Wortkleid. Drum wird ihm der Dichtername. Seht, drum hat länger nicht mein Sinn verharrt bei des Vergangnen seelentoter Sage, und fort vom Lügentraum der Znknnftstage schreit' ich zur Nebelwelt der Gegenwart. In Tannwaldeinsamkeiten will ich wandern, auf klammem Mantel Regenwetterlast; Herbstabenddmikel spende Kummerrast und ein Versteck der Schande mir und andern. Mein Lied ist wie ein Gipfel, sich erhebend sanft Über dem Gehöft, voll Heidekraut; doch Hinterm Gipfel sieht, wer weiter schaut, beschneite Zinnen, ihn im Manz umgebend. Wenn ich im Lied auf hohen Ton verzichte, heimliche Saiten färben seinen Mang; drum ein Gedicht verbirgt sich im Gedichte, und saßt ihr dies, daun faßt ihr meinen Sang. „ , „ Deutsch von Ludwig Fulda. HennkJbsen hat diese Verse 1864 als Einleitung einer epischen Dichtung geschrieben, die Torso geblieben ist. Erinnerungen. Julins Elias, der alte Freund und Uebersetzer Ibsens, erzählt von seiner letzten „Christianiafahrt". Er sah Ibsens Gattin wieder: „S u s a n n a I b s e n hat auch darin mit ihrem toten Freunde ein geheimes Leben weitergelebt, daß sie seine nachgelassenen Papiere und ungezählten Briefschaften mit eigener Hand sichtete und ordnete. Die literarischen Einzelheiten aber, die sie fand, sind direkt oder mittelbar nur Teile seines weitschichtigen Arbeitsmaterials. Was man „Dichtungen" nennen könnte, etwas, das künstlerisch eine besondere Existenz führen würde, das hat er — sieht man von kleineren lyrischen Sachen ab — nicht hinterlassen. Und wo dergleichen sich etwa an anderen Orten finden sollte, so kann es ria) ganz gewiß nur um die preisgegebeue Form defsen handeln, was später , ein Drama wurde. „Der Ibsen", sagte sie mir, „war sehr ökonomisch in seinem Schaffen: er brauchte alles, was er machte, für seine Stücke." Mer die Briefe, diese Berge ' von Briefen. Von Frauenbriefen zumal. Alle diese Frauen wollten etwas von ihm — für ihre Seelenleiden, für ihre Unver- staiidenheit,, verlangten Auflösung für die Rätsel ihrer Naturen: denn fast jede hielt sich für ein Problem, mit dem sich zu be- schästigen Ibsen wohl Zeit und Interesse haben würde. Den Vater Roras glaubte jede für sich in Anspruch nehmen zu können. Die Weiber sanken ihm, ehe er sich dessen versah, sozusagen an die Mannes- und Dichterbrust — dort betrachtete er sie mit lockendem Grauen, um dann mit einem „Noli me tangere" den Rückzug anzutreten. Frau Susanna gerät bei diesem Kapitel in die Stimmung ironischer Heiterkeit: „Ibsen", ihabe ich einmal zu ihm gesagt, „Ibsen, halte Dir die vielen überspannten Frauenzimmer vom Leibe." „O nein", antwortete er mir dann. „Laß nur. Ich ivill sie mir näher auseheu." Dieses Sichnäheransehen dauerte bald längere, bald kürzere Zeit, und immer: ist ein Kunstwerk daraus geworden." Die grauen Tage. „Der traurigen Stunden mußte ich gedenken, da ich hier dem mit unheilbarer Krankheit geschlagenen Greise zum letzten Male gegeutibersaß. Er konnte von der Vergangenheit nicht loskommen und hatte feuchte Augen, wollte immerfort sprechen und mußte doch nach Worten suchen, die sich nur mühselig einstellten, bald norwegische, bald deutsche — und er hatte doch früher ein so schönes klares Deutsch gesprochen. Ein merkwürdiger Moment, einer von der sehnsüchtigen Tragik des „Ge- spenster"--Schlusses: „Wie gefällt Ihnen die Stadt jetzt?" fragte er mich einen früheren Gedankengang durchbrechend. „Ich finde sie sehr entwickelt, eigentlich recht stattlich." „Ja, aber keine Sonne, keine: Sonne, keine Sonne", hauchte langsam der Greis, indem er einen flackernden Blick durchs Fenster sandte, — auf die Straße, wo doch die schönste und hellste Augustsonne schien--. Ich mußte ihn in sein Arbeitszimmer führen. Dort an dem unscheinbaren Schreibtisch hatte er auch seinen Kunst- und Lebensepilog gedichtet. Das kleine hölzerne Tinten- | faß,, dessen er sich bei allen seinen Stücken seit „Kaiser und j Galiläer" bediente (die kostbarsten Tintenfässer, die man ihm j verehrt hatte, standen nubenützt), wär ein Geschenk seiner Schwä- ! geriu Marie und stand auch damals vor ihm, als er den Schluß- I Punkt setzte hinter sein Lebenswerk, Er schrieb „Wenn wir ! Toten erwachen" mit solcher Anstrengung und leidenschaft-! Ucher Erregung, so krampfhaft und so fieberhaft, daß es seine Umgebung fast beängstigte. Nur fertig werden, fertig werden! Ms höre er düstere Schwingen über sich. Als stünde der uu- ’ I heimliche Gast, der feinen Alfred Allmers omf Bergespföden gespenstiscy^ begleitet, schon mit erhobener Hand hinter ihm. "jbfen wuyte, als er das Drama dichtete, ganz genau, daß dies das letzte sei,, daß, er fortan nichts mehr werde schreiben können -— davon sind die Seinen fest überzeugt gewesen, lind bald danach schlug ihn ja auch die Hand des Unheimlichen. Und au diesem Tisch versuchte der gebrochene Mann, vor den alles, was er gekonnt, getan und getrieben, in Nichts versunken war, wieder etwas zu erlernen, nachdem er in ein Scheinleben zurückgekehrt war. Da findet ibn fein Sohn, wie er' auf >einem Stück Papier Schriftzeichen malt. „Sieh her", sagt der Alte, Wehmut in der Stimme, „was ich da tue. Ich sitze und lerne Buchstaben machen — Buchstaben — und war doch einmal ein Schriftsteller!..." Sein Grab. , „Wir gehen zum '„Erlöserfriedhof". Wir wollen zu Henrik Ibsens Grab. Unterwegs kaufen wir einen Kranz von weißen Rosen. Ein wunderschöner, Somitagnachmittag. Es ist halbkühl, halbwarm in der Lust. Die Sonne feiibet gedämpften Goldglanz. Eine schwere Glocke klingt. Das junge Grab des Alten ist nicht leicht zu finden, gerade weil es nicht als Grab unter Gräbern: liegt. Wir gingen beinahe achtlos an einem herrlich grünen, großen Anger vorbei, aus dessen Mitte ein schlichtes Blume,l- Ibeet, ein Beet von roten und blauen Blumen, leuchtete. Dahin mußten wir zurück: der Anger mit dem Blumenbeet nämlich, das ist Henrik Ibsens Grab. Unter den Blumen schläft er, — er, für den es keinen Gerichtstag mehr gibt; denn er hat ihn selbst über sich gehalten. Im Hintergrund des Angers hohe, doch ungleich hohe Birken, wohl mehr als ein Dutzend; wie ein aufgeschlage- ner Fächer steigt und fällt diese Birkensilhouette. ■ Auf dem Anger wird fortan kein anderer Grabhügel sich erheben:, das ist eine nationale Ehrung, aber es ist ■ zugleich ein Symbol. In seiner Frühzeit war es Ibsen ein quälender Gedanke, seelifch „allein daznstehen", vom Schicksal aber empfing er die schmerzlich-hohe Gabe der Absonderung, und seiner Weisheit Schluß ward: „Der ist der stärkste Mann der Welt, der allein steht." Und fortan blieb Ibsen ein einsamer Mann und wird es auch im Tode sein. Doch von diesem grünen Anger wird es ausgehen wie der Pulsschlag eines Herzens, das dem großen Nationalkörper vergangener Menschen hier eingesetzt ist. In des Beetes Mitte wird sich eines Tages ein Grabmal erheben: ein Obelisk aus silbergrau schimmerndem .Labradorstein, und auf der vor- I deren Flüste wird nichts anderes zu lesen sein als: „Henrik Ibsen". Kein Geburtsdatum, kein Sterbetag. Aber ein Zeichen auf der Sockelflüche: eine Hand, die einen H a in m e r schwingt. Nun , werden alle wissen, daß hier ihr alter Bergmann ruht, der in irdisches Dunkel drang, um ihnen das Licht zu bringen, zu den Rätselfragen des Daseins drang, um Antwort zu holen, und der wirklich den Hammer, Schlag auf «chlag, führte bis in seine grauen AlteiMage. . ." Der Entdecker Br ahm. In der „S ch a ub ü hn e" (Verlag von Oesterheld u. Co., Vev liu) finden wir folgendes Gespräch aus einer Theaterkanzlei: Der Direktor (im Lehnstuhl, die Füße in eine Decke ein gewickelt, also mit warmen Beinen, sonst aber kühl bis ans Hep. hinan). Der Dramaturg (vielsagend): Auf Bliimenbooten wird nun nicht mehr gefahren. Der Direktor (schiebt die Zungenspitze in die linke Backentasche): M. . . Sagten Se was? Der Dramaturg streicht den letzten Kassenrapport). D e r D i r e k t o r (schiebt die Zungenspitze in die rechte Backentasche): Versprechen Sie sich von der Nuance ’n Erfolg? Lassen Se se weg. . . M. . . Im übrigen. Ich tu Euch ja auch den Gefallen. War ja jetzt so ’n ... . so ’n romantisches Stück dran. Der neue Fulda ist auch so ’n phantastisches Märchen. Bin neugierig, ob wir uns da wieder blamieren.... Leute int Kostüm. . . einfach irrsinnig. Sicher blamieren wir uns'. Der Dramaturg: Man kann nie wissen . . . Der Direktor (schiebt die Zungenspitze in die linke Backentasche): L. . . . Was gehen mich die Novitäten des Herrn Baruowskh an? . . . Doktor Ehrlich, ich finde, wir sind heut« furchtbar geschwätzig. Reden beinahe soviel, wie mein Bruder in Hamburg. . . oder wie. . . Figuren von Schiller. (Znm eintretenben Bureaudiener fragend): M . . . .? (liest die Visitenkarte, die ihm der Diener reicht) Lassen Se ’n rein . . . (Diener, Dramaturg gehen; der Schauspieler kommt.) DerDirektor (schiebt die Zungenspitze in die rechte Backentasche. Zum Schauspieler): N. . . .? Der Schauspieler (erster jugendlicher Held. Typus. Sich in die Brust werfend): Hochverehrter Herr Direktor! Schon seit Jahren blicke ich mit höchster Bewunderung auf Ihr Theater, welches unter Ihrer Leitung zur Wiege, um nicht zu sagen, zur Hochburg der naturalistischen Tarstellnugsart geworden ist. Diese aber ist meine Force. Es ist allerdings alles meine Force. Ich habe den Willy Janikow im Stadttheater zu Stettin mit sensationellem Erfolge gespielt. Ich habe (unter dem kalten Blick des Direktors befangen werdend) im Danziger Stadttheater. . . den Grafen von Charolais.... unter unerhörtem Beifall kreiert — 764 : . . . Ich habe (da ihn bei: Direktor unverwandt änsieht, ganz verlottert) . . . ich habe . . . ich wollte . . . Der Direktor (schiebt die Zungenspitze in die linke Backentasche) : S ... . Sprechen Se vor.... D e r S ch a u s p i c l e r (wieder Herr seiner selbst): Was wünschen Herr Direktor? Naturalismus, Idealismus, Synibolismus? Der Direktor (grinsend): Klassiker! . . . Sprechen Se 'n Klassiker. Der Schauspieler (mit Anlauf): Bitte sehr . . - Mortimer . . . „Ich zählte zwanzig Jahre, Königin" ... (er deklamiert mit Pathos und starkem Organaufwand. Als er fertig ist, sieht er mit erwartungsvollem Blick zum Direkwr hinüber). DerDirektor (schiebt die Zungenspitze in die rechte Backentasche): M. . . . Sprechen Se noch was. Der Schauspieler: Ganz nach Wunsch. . . (räuspert sich, brüllt) „All Ihr guten Geister, mein Roderich". Er rezitiert Carlos und Posa zugleich^und trocknet sich zuweilen mit dem Schnupftuch die triefende Stirn. Dann holt er tief Atem und wirft sich wieder in Pose.) Der Direktor (wie oben, nach links): Sind Se schon wieder fertig? Der Schauspieler: Jawohl, Herr Direktor. . . Der Direktor (wie oben, nach rechts): M . . . Sprechen Se noch was. Der Schauspieler (schwer atmend) • Wenn Sie wünschen. „Oh, eine edle Himmelsgabe ist . . . ." (Als er geendet hat, sinkt er mit durchweichtem Kragen und zitternden Gliedern in den Stuhl.). Der Direktor (wie oben, nach links): N... Sehr schon. . . Können Se. . . Demetrius? , D e r Schauspieler (röchelnd): I. . . ja . . . ja. (Er zwingt sich mit Gewalt empor.) „Durchlauchtigste Versammlung . . ." (Als er vollendet hat, bricht er ohnmächtig zusammen.) Der Direktor (bleibt sitzen und bewegt die Daumen umeinander): M. . . Der Schauspieler (hat sich nach fünf Minuten erholt, richtet sich auf, schnappt Luft, sieht fragend den Direkwr an.) D e r D i r e k t o r stwie oben, nach links): N . . . Ja . . . ich sagte ja schon . . . Sehr gut. . . Großes Organ . . . Schwung- volteS Pathos . . . Schöne Figur . . . Edle Haltung . . . Starkes Temperament.......Kann Se nich jebrauchen. L>6KM?schtSA. — Eine Goldstadt in der Wüste. Eine fesselnde, von zahlreichen Jllustratiouen begleitete Schilderung der Goldstadt Manhattan im nordamerikanischen Staat Nevada finden wir in denr o. Heft der illustrierten Zeitschrift „Ueber Land und Meer" (Stuttgart, Deutsche Verlags-Anstalt). Manhattan liegt in einem kleinen Tal, das sich in nichts von den unzähligen Bodensenkungen unterscheidet, die wie Runzeln in allen Richtungen kreuz und quer über das Antlitz der Wüste laufen. Durch dieses Tal Eeiit Pfad von San Antone, einer kleinen, drei Häuser um- iben Niederlassung nach Belmont, tvo seit 1860 Silberminen irrt Betrieb sind. Hunderte von Wanderern sind im Laufe der Jahrzehnte durch dieses kleine Tal gepilgert, ohne es der Mühe wert zu halten, das Gestein neben dem Pfad zu prüfen, bis der Viehzüchter I. C. Humphrey im Frühling 1905 des Weges kant, um einige entlaufene Kühe zu suchen. Ehe er spät nachmittags! sein Pferd wieder sattelte, brach er halb aus Scherz ein Stück einer vorspringenden Felsleiste ab. Nicht daß. er einen reichen Fund erwartete; seine Aufmerksamkeit war seinem Vieh gewidmet, doch war ihm unbewußt ein Anfall des Fiebers, das 40 Meilen weiter südlich in Tonopah wütete, ins Blut geraten. Das Fieber- brach m ihm in Hellen Flammen aus, als er das Stück Fels umwandte und die frische Seite betrachtete. Freies, reines Gold zog sich in kleinen Teilchen durch die Bruchseite und glänzte in den Strahlen der sinkenden Sonne! Doch Humphrey verlor den Kopf nicht. Kaltblütig steckte er den Stein in die Tasche, schwang sich aufs, Pferd mid suchte seine Kühe. Zwei Wochen später kam er in aller Stille mit den nötigen Werkzeugen und zwei seiner vier Söhne zurück, mit denen zusammen er eine Reihe „Claims^ auslegte, die er zu bearbeiten beabsichtigte. Einige wenige Freunde, die den Braten gerochen hatten, folgten ihm bald, doch zogen sie nach einer Woche wieder ab, da das Erz ihnen nicht reich genug zu sein schien. Als aber im Juli Humphrey dte Annie-Laurie-Mine entdeckte, deren von der Oberfläche genommenes Erz einen Ertrag von 300 Dollar die Tonne abwarf, kehrten sie allmählich zurück und machten sich mit erneutem Mute an die Arbeit. Von September bis Dezember letzten Jahres wurden viele ebenso reiche Funde gemacht, die die andern Goldsucher anspvrnten, wie Terrier hinter Ratten im l>eltzen Saud und Fels zu wühlen. Um Weihnachten erlahmte die Wüste m ihrem Widerstande. Quarz, inürbes, bröckliges Quarz wurde gefunden, durch welches das Gold in dünnen, fein gesponnenen Faden lief. Ein einziger solcher Erzklumpen int Gewichte von em m Piunde (uferte Gold im Werte von 208 Dollar, und widere Proben ergaben Werte bis zu einer Million die Tonne. Redaktion: Ernst Heß. — Rotationsdruck und Verlag der Brü Diese Funde konnten nicht länger geheim gehalten werden, und wie ein Wildbach ergoß sich die Flut der Goldhungrigen in das Tal. Nach dem 15. Januar dieses Jahres verdoppelte und verdreifachte sich die Bevölkerung der neuen Minenstadt von Tag zu Tag. In den „älteren" Minenstädten — in Tonopah, Bnllfrog und Goldfield — kämpften Männer wie wilde Tiere um Sitze in bett Postkutschen, die eilten Fahrpreis von 30 Dollar für die Entfernung von durchschitittlich 100 Kilometern nach Manhattan verlangten. In drei Tagen war eine Automobil mie eingerichtet, die den Eigentümern in wenigen Wochen Tausende einbrachte, da sie die Entfernung in der halben Zeit zurücklegte und doppelten Fahrpreis berechnete. * Das Ausatmen des Tabakqualms durch die Nase ist eine Angewohnheit, die zwar, wie einige Raucher behaupten, erst den vollen Genuß des Tabakduftes vermittelt, unter Umständen aber recht unangenehme Folgen haben kann. Abgesehen davon, daß die Anfnahmesläche für Nikotin durch! den Umweg durch die Nase vergrößert wird und somit eine erhöhte Möglichkeit für seine ungünstige Eiilwirkmig auf das Nervensystem und das Herz vorliegt, kann diese Gewohnheit zur Verbreitung ansteckender Krankheiten beitragen. Mau weiß schon lange, daß die Luft durch die Nase gleichsam filtriert wird, sodaß eine Menge von Kleinlebewesen und sonstigen Bestandteilen des Staubes nicht in die Luftwege gelangen. Dieser Vorgang der Filtration wird einerseits durch die feuchte Auskleidung der Nasenhöhle ermöglicht. Ans den zwischen den Augen und der Nase bestehenden Verbindungswegen werden auch alle Ablagerungen der Bindehaut mit der Tränenflüssigkeit in die Nase geleitet, sodaß man ohne weiteres behaupten kann ' aß die Nase unter Umständen eine große Menge von Krankheitskeimen beherbergt. Wird nun der Ranch durch die Nase ausgestoßen, so bestreicht er eben diese Ablagerungsplätze und teilt die Staubteilchen usw. der Außenluft mit. Sind Jnsektionskeime vorhanden, so werden auch sie nach außen befördert. Einen schlagenden Beweis dafür liefert ein im „Sancet" erwähnter Fall von Heilfieberübertragiing, die sich im Staate Ohio ereignet hat. Eine Person, die zeitweise au Heufieber litt, übertrug diese Krankheit auf alle Leute, bereit Haus sie betrat Schon allein ihre Gegenwart genügte, um Erkrankungen hervorzurufen, und es stellte sich schließlich heraus, daß die Uebertragung höchst wahrscheinlich' durch den Tabaksrauch stattfand, den sie durch die Nase aus- zustoßen pflegte. Musikzeitschristeu. Die in Stuttgart zweimal monatlich erscheinende „Neue Musik-Zeitung" (Bezugspreis 1,50 Mk. pro Quartal) hat in Nr. 4 des laufendeir Jahrgangs begonnen, ihren Lesern eine Gratisbeilage zu geben, die ihresgleichen sucht. Zweimal im Quartal wird ein Bogen von 16 Seiten Stärke beigegeben, der jedesmal ein Kapitel eines wertvollen Werkes, einer Geschichte der Musik von R. Batka enthält. Der Verfasser ist in der Mufikliteratur, auch atS musikalischer Redakteur des „Kunstwärt", rühmlichst bekannt. Er behandelt in dem vorliegenden ersten Kapitel die „Urmusik". Auch sonst sind die neueften Nummern 4 und 5 der Zeitschrift reich an interessanten Ausführungen, über Hermann Götz, Musikalische Zeitfragen, Das Schwert im Rheingold u. v. ai, abgesehen von all den kleineren Berichten. Hans v. Wolzogen, Weigl, Koch usw. kommen in diesen Nummern zu Worte. Daß daneben die Musikbeilage wieder reiche Schätze bietet, bedarf wohl kaum der Erwähnung. — Nicht ganz so wissenschaftlich, mehr unterhaltender Natur, sind die „Signale für die musikalische Welt", von denen gewöhnlich wöchentlich eine Doppelnummer in Leipzig erscheint. (Preis 2 Mk. pro Quartal.) Neben musikalischen Be-, sprechungeu bieten sie amüsante Anekdoten, nette Berichte aus dem Leben der Komponisten und vor allem ausgezeichnete Rezensionen aus allen ersten Kvnzertsälen. Auch finden Novitäten gebührende Würdigung. Vielleicht interessiert es, daß auch die Gießener Konzerte darin erwähnt werden. Die Zeitschrift dürste musikalischen Vereinen, Dirigenten und allen denen, die über das Konzertwesen im Lausenden bleiben wollen, sehr empfohlen werden. A. R. Versteck-Rätsel. Nachdruck verboten. Miau suche ein Dichterwort, dessen einzelne Silben und Buch- staben in folgenden Wörtern versteckt sind, wie die Silbe „an" in „Wanderer". Taugenichts, Entwürdigung, Indigestion, Kanzelist, Bedienung, Ananas, Sentimental, Wonne, Liebedienerei, Tunichtgut, Weihrauch, Weltall, Herodes, Honnef, Rene, Müdigkeit, Besetzung, Falter, Kanne, Geweih, Rebe, Belehrung, Treten/ N. W. Bhd. Auflösung in nächster Nummer. bl’fdjen Universttäts-Buch- und Sleindruckeret, R- Lange, Dleßkw