Kümstag den 25. August 1906 w rlrf».; Der SLeru. Roman von Ulrich Frank. Nachdruck verboten. (Fortsetzung.) Arn 8. März. „Man hat die alte Gräfin Gicrsdorf zri Grabe getragen. Mir schien immer das Sterben so schwer, der Abschied von denen, die man lieb hat. Und nun sah ich, wie einfach und natürlich sich das vollzog. In stillem Prunk rmd mit so viel wundervoller Resignation. Arme Gräfin! Sie war freundlich mit sedermann und für nrich hatte sie immer solch eine geheime Zärtlichkeit. Sie war mir fremd geworden, nachdem ich die Heimat verlaffcn hatte — wie alle! Daß ich gerade hier bin, um mit den anderen an ihrer Gruft zu stehen. Ich ließ cs mir nicht nehmen! So ängstlich Mütterchen auch dreinschäute. Der Tod hat mich nun mit dem Leben wieder in Berührung gebracht. Man muß in solchen Dingen nur seinem eigencWGefuhl folgen. Ich fühle mich gesund und fähig, zu ertragen, was das Leben mit sich bringt. Stärker und fester als vordem, weil ich mit klarem Blicke erkenne, was um mich ist und in mir. Weil ich jenem Zustande entronnen bin, der wie in dumpfer Betäubung mich zum willenlosen Werkzeug eines anderen machte. Ich könnte aufjauchzen im Bewußtsein eigener Straft! Und darum dürft ihr mir nicht zürnen, wenn ich trotze! Ich habe Eure guten Ratschläge befolgt, so lange ich mich schwach fühlte und unfähig, selbständig zu handeln. Es tat mir wohl, so in Eurer Obhut zu sein I Aber nun — ich habe die Probe sehr gut bestanden! Alle waren sie da! Und ich war unter ihnen und teilte ihre Trauer, wie ich früher an ihren Freuden tcilnahm. Wie lange scheint dies zurückzuliegen! Und doch sind nur wenige Jahre seitdem vergangen. Aber die Jahre, die bestimmend sind für unsere Entwicklung, unser ganzes künftiges Leben! Unter den Augen der gütigen Frau, was war das für ein Gefühl der Zusammengehörigkeit: Ein Kreis, in dem auch die Altersunterschiede sich kaum geltend machten, die Standesunterschiede gar nicht — ich und Hans Hübner gehörten dazu. Jetzt hat jeder seine Welt für sich! Sein eigenes Leben! Und das Alter steht abseits und hat nicht mehr die Kraft, zu vereinen, auszugleichen, zu vermitteln! Deshalb wird der Abschied nicht so schwer, als man fürchtet! Man versteht das neue Geschlecht nicht mehr und trennt sich darum leichter! Die alte Gräfin ist.ruhig gestorben. Ruhiger, als sie in den letzten Jahren geleit hat. Hans' Baker, unser alter Kreisphysikus, sagte mir: Fast heiter ist sie geschieden! Sie hat viel Erdenleid getragen und sehnte sich nach der himmlischen Ruhe! Ruhe! Tas ist das sehnsuchtsvolle Wünschen aller! Tie Jungen brauchen sie, um neue Kräfte zu sammeln zum Weiterwandern! Wie ich in diesen Wintertagen! Und die Alten, weil sie müde am Endziel ihrer Pilgerfahrt angekommen sind. Der Kreisphysikus gab mir recht, daß ich bei der Begräbnisfeier zugegen sein wollte. „Man muß sich nicht lieb haben bis zum Egoismus/ sagte er, „mein neumodischer Sohn und Doktor ist zu ängstlich." Tabci lächle er vor innerem Stolze über das ganze gute, alte Gesicht. Ich werde es vor ihm verantworten, daß du dabei warst. Tn sichst frisch und gut aus, und ich denke immer, wir werden dich aus der Bernstadter Verbannung bald wieder entlassen können. Ter alte Kreisphysikus Hübner wird das feinem jungen Kollegen nach Berlin melden, der ihm die Ehre erwiesen hat, ihm die Behandlung seiner Patientin, der berühmten Tclla Brandt, anzuvertrauen." Wenn der liebe Doktor wüßte, daß ich längst entwischt bin. Und gar, daß ich aufschreibe, was er gesagt hat, damit sein Berliner Kollege dies und noch manches andere erfahre, was mir in diesen stillen Wochen durch den Sinn gegangen ... trotzdem er es verboten hatte." Della hatte sich ein ivirklichcs Behagen im Elternhanse geschaffen. Vater rmd Mutter ließen sie gewähren, seit sie fanden, daß ihre Art, sich zu beschäftigen, sie heiterer und ruhiger mache als die Grübeleien, denen sie sich in der ersten Zeit ihres Aufenthaltes hingab. Auch hatte der alte Hausarzt und Hausfreund Dr. Hübner hinter ihrem Rücken die Eltern beruhigt. „Laßt sie nur machen, was ihr selbst Vergnügen macht. Das ist das beste Heilmittel. Was Schlimmes tut Dellchen nicht! Und sich so vom Herzen reden, was drauf drückt, tut immer gut. Ob's nun mündlich oder schriftlich geschieht! Es ist ein Zeitvertreib. Gute Augen hat sie, und was man sich so allein vorerzählt, das macht nie so viel heißes Blut, wie wenn man's andern vorklagt. Ra, und manches zu sagen und zu klagen wird der arme Wurm wohl haben. Hat zu viel erlebt in jungen Jahren . . . wird nicht so mir nichts dir nichts znsammengellappt sein in Berlin. Ich denke mir, 494 so Künstler sein ist sehr anstrengend. Und nun gar für ein Weib!" „Glauben Sie wirklich, lieber Freund?" fragte die Frau Kantorin ganz bestürzt. „Na, natürlich glaub ich! Aber sie hat auch 'ne gesunde Natur und es wird ihr nichts schaden. Kenne Dellchen von Kindesbeinen an. Die erholt sich wieder complätement iure damals nach dem Scharlach und den Masern! Und wenn sie spintisiert unb über allerhand nachdenkt, so i|t das 'ne Art Krisis und muß durchgcmacht werden. Und man darf den Schweiß nicht stören, sondern immer schön ruhig durchschwitzen lassen." „Aber Kreisphysikns, sie schwitzt ja gar nicht..." warf der Kantor höchst erstaunt ein. „Das verstehst du nicht, lieber Freund," antwortete der Doktor, „sieh 'mal, was sie zu Papier bringt, das ist so ein gewisser Angstschweiß vom Gemüt! Naus muß er, damit alles hübsch heil und klar werde inwendig. Laßt sie schreiben und lesen, das ist 'ne geistige Gymnastik, mit dem Spazierengehen ist noch nicht viel los, und da die ganze Geschichte doch nicht in den Knochen steckte, sondern in den Nerven.." „Aber Doktor Hans meinte doch . . ." „Na, liebe Fran Kantorin, was nun den Jungen anbetrifft, so fand ich ihn damals, als er im November Dellchen herbrachte, gleich viel zu ängstlich. Ich wollte nur nichts sagen, und kapnt genug sah sie ja ans. Aber ich wußte gleich, es geht vorüber. Gott — und was Hans mir da deduzierte von Ueberwindnng eines suggestiven Einslusses .." „Was ist das für eine Krankheit?" fragte der Kantor sehr erschreckt. „Gar nichts ists! Neumodisches Zeug. Hört man bei uns auf dem Lande gar nicht. Ich wollt ihm nur nicht widersprechen. Er kam aus der großen Welt, sie kam auch von dort — Arzt und Kranke, na, da mußt ich die Sache ja gelten lassen. Aber ich hab ihm immer berichtet, daß man gar nichts merkt von seinen Befürchtungen und daß ihr die Beschäftigung, nach der sie verlangte, gut bekäme." „Also iveiß er, daß sie schreibt?" „Natürlich weiß er. Ich muß immer Krankenrapport abstalten. Jede Woche. Nur sie sott davon nichts merken. Auch daß sie zmn Begräbnis war, habe ich ihm geschrieben, und daß ihr das Vergnügen ganz gut bekommen ist." Er zwinkerte lustig mit den Augen. Nun hatte eS sein alter Freund weg! Ein Vergnügen hatte er das Begräbnis genannt! Der Kantor war gerade dabei, ihm einen Verweis über seinen Zynismus zu erteilen, als es an die Tür klopfte und ein Diener aus dem Schlosse anfragte, ob Fräulein Adele den Besuch des Herrn Grafen annehmcn könne. „Ich drücke mich polnisch", lachte der Kreisphysikns. „Soll sie denn?" fragte die Mutter zweifelnd. „Fragen Sie sie selbst, Frau Kantorin, und wenn sie will, man zu!" ♦ Adele hatte dem Grafen Guido sagen lassen, daß sie sich freuen würde, seinen Besuch zu empfangen. Sie wußte, daß dies einmal kommen mußte, eine Aussprache zwischen ihnen nicht zu vermeiden war und daß sie diese Rücksicht ihm jedenfalls schulde. Eine leise Unruhe bemächtigte sich ihrer aber doch, als die Zeit herankam, wo sie ihn erwartete. Sie ging im Zimmer auf und nieder und warf ab und zu einen Blick auf die Straße. Diese war in abendliches Dunkel gehüllt und lag in völligster Einsamkeit da. Die Mutter hatte die Lampe auf den Tisch gestellt, die weiße Decke aus Filetguipure geradegezogen und schickte noch einen Blick hausfraulicher Sorgfalt durch den Raum. Alles war blitzblank und sauber. In pedantischer Ordnung standen die Möbel umher. Etwas steif zwar, wie in altväterlicher Grandezza, aber es machte den Eindruck einer rechten Gemütlichkeit und Traulichkeit. Tas hatte Dellas aufgewühlter Seele die Ruhe wieder- «eaeben, und das emvfand Graf Guido jetzt, als er ins Zimmer trat und seine Augen den ihm wohlbekannten Raum durchstreiften. Er hatte den Wagen, der ihn hinabgeführt hatte, an den kleinen Gasthof anfahren lassen und war von dort aus zu Fuß hergekommcn. Als er cintrat, war ihm Della lebhaft entgegengetreten und hatte ihm die Hand gereicht. Eine leichte Röte war in ihr bleiches Antlitz gestiegen. Ihr Anblick schien ihn einen Augenblick zu verwirren, und wie selbstvergessen heftete er sein Auge auf ihre schlanke, hohe Gestalt, die in bem weißen Flanettkleid, das lose den Körper umschloß, vornehm und graziös vor ihm stand. Mit einer hastigen Kopfbewegung suchte er seine Versunkenheit abzustreifen und sagte, indem er ihre Hand küßte: „Ich danke Ihnen, daß Sie mich empfangen haben, Della! Und daß ich Sie wiedersehe, gesund und kräftig. Vor einigen Tagen am Sarge meiner Mutter, in den Trauergewändern und der trüben Stimmung ließ sieh das nicht Erkennen, aber ich habe Ihnen auch zu danken, daß Sie .kamen . . ." Er suchte offenbar nach Worten, die seinen Besuch bei ihr motivieren sollten. (Fortsetzung folgt.) Wie des Kaisers KnKet mit Europas Kerrschem verwandt ist. Eine genealogische Plauderei Nur wenige Tage noch, nnd der kleine Hohenzollcritprinz, der ausersehen scheint, einst des deutschen Reiches fünfter Kaiser zu sein, wird aus der Taufe g ehoben werden. Und wie es der Brauch ist, ivird er zu Paten viele der in Europa regierenden Monarchen erhalten, Kaiser und Könige, Grobherzöge und Fürsten. Ucberstieg doch die Zahl der Paten seines Vaters, des Kronprinzen, die Zahl von dreißig. Aber mehl nur in ihrer Eigenschaft als Souveräne, auch als Verwandte haben diese Monarchen die Einladung, bei dem jüngsten Sprossen des deutschen Kaiserstammes Gevatter zu stehen, angenommen. Denn als der kleine Prinz am 4. Juli zur Welt kam, da trat er int gleichen Augenblicke ein in die große, geschlossene Fürstensamilie, der alle Regenten unseres Weltteiles angehören, — mit Ausnahme weniger Fürsten des Balkans. Es ist gctvist interessant, einmal zu untersuchen, loic diese verwandtschaftlichen Verhältnisse im Einzelnen begründet sind. Leben wir doch in einer Epoche, da die Gelehrten und die Künstler, wenn sie die Psyche eines Menschen ersorschen wollen, seiner Abstammung eine Bedeutung zumessen, die früheren Zeiten, bei allem Mhnenknltus, unbekannt war. Zwar, — zum Objekte psychologischer Studien ist das Prinzlein wohl noch reichlich jung, aber mancher lohnende Rückblick in vergangene Tage der Geschichte eröffnet sich und Zusammenhänge treten zutage, die d^.n Gedächtnisse entschwnnden waren. Borausgeschickt sei, daß wir die Bezeichuung des Grades der Verwandtschaft so gewählt haben, wie sie int gewöhnlichen Sprachgebrauche üblich ist, indem unter Vettern zweiten Grades die Kinder von richtigen Vettern (des ersten Grades) gemeint sind, und demzufolge die Angabe: Urgroßnefse im 7. Grade bedeutet, daß einer der Urgroßeltern des kleinen Prinzeit Vetter (oder Kttsittc) int 4. Grade des Monarchen war, um bett c5 sich handelt. Die Benennung des gemeinschaftlichen Stammvaters ivird im übrigen das Verständnis stets sofort erleichtern. So vielfach verschlungen haben sich int Laufe der Jahrhunderte die Bande des Blutes zwischen den Fürstenhäusern, daß es im klebrigen fast immer möglich sein wird, mehrerlei Art vott Vertvandtschast zwischen ihren einzelnen Gliedern fest- zustellett, und es ergeben sich da höchst überraschende Resttltate. Keinem der lebenden Herrscher steht der kleine Hohenzoller so. nahe, wie dem deutschen Kaiser, feinem Großvater. Ihr nächster geineinschastlicher Ahnherr ist der Kaiser Friedrich. Doch auch von nnberett Seiten her rollt mancher Tropfen gleichen Blutes in ihren Adern. Kaiser Wilhelm II. und fein Enkel sind z. B. beide Nachkommen des Kaisers Paul vott Rußland, der Kaiser durch die Kaiserin Augusta, die Enkelin Pattls, — der kleine Prinz durch seine Großmutter, die Großherzogin Anastasia von Mecklenburg, die Urenkelin Pauls. Hier ergäbe sich also, daß der Prinz im 5. Grade der Neffe seines kaiserlichen Großvaters ist. Sehr entfach stellt sich die verwandtschaftliche Beziehuttg des Prinzen zu dem Könige von England dar, bem Bruder seiner Urgroßmutter, der Kaiserin Friedrich, also seinem Urgroß- onkel. Genteinschaftliche Skammeltertt: die Königin Viktoria und der Prinzgemahl Albert von Kobttrg. Zar Nikolaus II. ist der Onkel 3. Grades des Prinzen, da sein Vater, Mexander III. und die Großherzogin Anastasia Vetter unb Kusine waren. Hier ist der gemeinsame Ursprung schon bei Nikolaus I. zu suchen. Etwas komplizierter wird es, wenn wir uns nun den Älntsfäden zürnenden, die die Verwandtschaft des Prinzen mit dem Kaiser 495 Franz Josef von Oesterreich vermitteln. Da ist es notwendig, hinaufzusteigen bis zu jenem Herzoge Ludwig Rudolf zu Braunschweig-Wolfenbüttel, dessen eine Tochter, Elisabeth, die Gemahlin des Kaisers Karl VI. und die Mutter der Kaiserin Maria Theresia wurde, — die andere aber, Antoinette Amalie, an ihren Vetter Ferdinand Albrecht von Braunschweig verheiratet, die Mutter der Gemahlin des Prinzen August Wilhelm von Preußen war, jenes Bruders Friedrichs des Großen, von dem das gesamte preußische Herrscherhaus abstammt. Als Resultat ergibt sich hier, daß Kaiser Franz Josef im 8. Grade der Urgroßonkel des jüngsten Hohenzollern ist. Sein Urgroßonkel im 5. Grade ist König Leopold II. der Belgier, der älteste aller männlichen Koburger. Er hat mit dem kleinen Prinzen als Ahnvater den Herzog Franz Josias von Sachsen-Saalfeld-Koburg (1750—1803) gemeinsam, zu dessen Deszendenten auch König Carlos von Portugal, als Großonkel im 5. Grade des Prinzen, zählt. Und König Friedrich August von Sachsen, als Sohn einer portugiesischen Infantin, Tante des Königs Carlos, ist demnach in demselben Grade ebenfalls des Prinzen Großonkel. Auf König Friedrich V. von Dänemark (1723—1766) müssen wir zurückgehen, ehe wir die gemeinsame Herkunft des Prinzen und des jetzt regierenden Königs Friedrich VIII. von Dänemark ausfindig machen können. Von dem älteren Sohne Friedrichs V., dem Könige Christian VII., stammt eine Tochter Luise, die sich mit dem Herzoge Friedrich Christian II. von Holstein- Augustenburg vermählte und die Urgroßmutter der Kaiserin Auguste Viktoria wurde. Erbprinz Friedrich von Dänemark dagegen, der jüngere Sohu des Königs Friedrich V., hatte eine Tochter Charlotte, die die Gemahlin des Landgrafen Wilhelm von Hessen-Kassel und die Mutter der verstorbenen Königin Luise von Dänemark war, — deren Sohn der jetzige König Friedrich ist. Sodaß der kleine Prinz der Urgroßneffe im 6. Grade des Königs von Dänemark, — und selbstverständlich auch von dessen Bruder, dem Könige Georg von Griechenland ist. Hieraus folgt ohne weiteres, daß König Haakon von Norwegen des Prinzen Großonkel 6. Grades ist. Hohenzollernblut fließt in den Adern sowohl der Königin Wilhelmine der Niederlande, wie des Königs Wilhelm II. von Württemberg, des Königs Otto von B a y e r n nnd des Königs Alphons XIII. von Spanien. Die junge Königin Wilhelmine ist Großtante 5. Grades des Prinzen, denn sie stammt, wie er, nur um 2 Grade näher, von Friedrich Wilhelm II. von Preußen ab, dessen Tochter Wilhelmine die Gemahlin des ersten Königs der Niederlande Wilhelms L, ihres Urgroßvaters, war. König Wilhelm von Württemberg aber ist der Urenkel des Königs Friedrich I. von Württemberg, dessen Mutter eine Prinzessin von Schwedt und eine Enkelin Friedrichs Wilhelm I. von Preußen war. Von dem preußischen Soldatenkönige stammt nun auch Alphons XIII. von Spanien ab, und zwar auf dem ^gleichen Wege. Die Großmutter der Königin-Mutter Christine von Spanien war eine württembergische Prinzessin, Richte des Königs Friedrich I. und die Enkelin der eben erwähnten Markgräfin von Schwedt. Die Ergebnisse sind: König Wilhelm von Württemberg ist der Großonkel, König Alphons von Spanien der Onkel des Prinzen im 7. Grade. Einfacher liegen die Dinge bei der Verwandtschaft mit dem Könige Otto von Bayern, der als Sohn der preußischen Prinzessin Marie ein Urenkel des Königs Friedrich Wilhelm II. von Preußen und demzufolge des Prinzen Urgroß- onkel im 5. Grade ist. Seltsam mag es erscheinen, daß die Verwandtschaft des Kronprinzeusohnes zu den Königen von Schweden, R u m ä n i e n und Italien sich u. a. dadurch beweisen läßt, daß er, Ivie diese drei Monarchen, einen Landgrafen von Hessen-Darmstadt, Ernst Ludwig I. (1667—1739), unter seinen Vorfahren hat. Um den Leser nicht zu ermüden, sei nur gesagt, daß die Königin Luise von Preußen, des Prinzen Ur-Ur-Ur-Großmutter, eine Prinzessin von Darmstadt zur Mutter Hatte; daß König Oskar II. von Schweden ein Enkel des Vizekönigs Eugen von Beauharnais und der Prinzessin Auguste von Bayern ist, bereit Mutter, die erste Gemahlin des Königs Max Josef I., auch eine Hessen-Darmstadt war; und daß König Karl von Rumänien als Sohn der Prinzessin Josefine von Baden der Urenkel des Erbprinzen Karl Ludwig von Baden ist, dessen Gemahlin ebenfalls eine Darmstadt war. Von diesem Erbprinzen Karl Ludwig, nämlich -von seiner Tochter Karoline, der zweiten Gemahlin des Königs Max Josef von Bayern, stammte aber auch die verwitwete Herzogin von Genua, die Mutter der Königin Margherita und Großmutter des Königs Viktor Emmanuel III. von Italien, als eine geborene Prinzessin von Sachsen, Tochter des Königs Johann I. von Sachsen und der Prinzessin Amalie, der Tochter des Königs Max Josef. Somit ist der junge Hohenzollernprinz ein Urgroßneffe im 6. Grade des Königs Oskar von Schweden, ein Großneffe im 7. Grade des Königs von Rumänien und ein Vetter int 7. Grade des Königs von Italien. Der Großherzog von Mecklenburg-Schwerin ist des Prinzen Oheim — der Bruder seiner Mutter Cecilie; Großherzog Friedrich von Baden fein Urgroßenkel, als Bruder seiner Urgroßmutter, der verstorbenen Großfürstin Michael von Rußland. Da der Groß her zog von Hessen der Vetter des Kaisers Wilhelm ist — beide sind Enkel der Königin Viktoria von England —, so hat der Prinz in ihm seinen Großonkel des 2. Grades zu erblicken. Bei dem Großherzoge Friedrich August von Oldenburg ist in Betracht zu ziehen, daß dessen Urgroßmutter eine Schwester des Königs Friedrich I. von Württemberg war. Hier müssen wir also zum dritten Male bis zu König Friedrich Wilhelm I. von Preußen, als dem gemeinsamen Ahnherrn, hinaufgehen, und finden dann, daß der Prinz ein Großneffe des oldenburgischen Großherzogs int 7. Grade genannt werden kann. Großherzog Wilhelm Ernst von Sachsen führt seine Herkunft wie der kleine Hohenzollernprinz, auf den Großherzog Karl Friedrich zurück, beit Vater der Kaiserin Augusta; er ist, als Urenkel Karl Friedrichs, im 4. Grade der Großonkel des Prinzen, der Karl Friedrichs Ur-Ur-Ur-Enkel ist. Großherzog Friedrich Wilhelm von M e ck l e n b u r g - S t r e l i b ist der Enkel eines Bruders der Königin Luise von Preußen, des Großherzogs Georg. Hier liegt also der gemeinschaftliche Ursprung bei beider Vater, dem Großherzoge Karl I., sodaß der Äroßherzog der Urgroß- onfel 5. Grades des Prinzen ist. Herzog Friedrich von Anhalt ist der Großonkel 5. Grades des Prinzen, seine Großmutter, die Gemahlin des Herzogs Leopold, war Friederike von Preußen, eine Enkelin des Königs Friedrich Wilhelm II., der also hier abermals bett Stammvater abgibt. Und nicht anders steht es um die Verwandtschaft des Kaiserenkels zu den übrigen deutschen Bundessürsten, — man wird ihr überall aus die Spur gelangen, wenn man nur die Geduld hat, im Buche der Vergangenheit weit genug zurückzublättern. Dr. A. v. W. Viel begehrte Leute. Es wird häufig darüber geklagt, daß unsere sozialen Verhältnisse schlecht seien und daß namentlich für den weiblichen Teil unserer Bevölkerung besser gesorgt werden müsse. Nun kam mir eine Wochenschrift in die Hände, und da ich ganze Seiten derselben mit Fettdruck „Dienstmädchen" versehen sah, kam ich ans den Gedanken, einmal festzustellen, wieviel Mädchen in der einen Zeitungsnummer gesucht würden. Und ich fing an zu zählen und als ich fertig war, hatte ich 244 (zweihundert vier und vierzig) Mädchengesuche in der Zeitung. In verlockendster Weise, zweifellos ein Zeichen der Not, werden die Gesuche nach Dienstmädchen znm Ausdruck gebracht: „Es find nur zwei Leute in der Familie", die ein Mädchen sucht; „liebevolle Behandlung" versichert eine andere Gesuchstellerin dem Dienstmädchen; „es ist nur ein Kind in der Familie", so empfiehlt man sich, oder „es sind zwar mehrere Kinder da, aber sie sind guter zöge n". Fast jede Annonce hatte irgend eine Empfehlung der Herrschaft, der Stellen- vergeberiu, während sonst im Leben der Stellesnchende sich alle möglichen Empfehlungen und Protektion verschaffen muß, um eine Stellung zu erhalten. Zu den 244 Einzelgesuchen nach Dienstmädchen kamen nun in der Zeituugs- nummer noch eine Anzahl Sammelannoncen von Stellenvermittelungsbureaus usw., die gleich eine große Zahl Von Dienstmädchen suchten. Als ich mit dem Zählen der Mädchen- gesuche fertig war, da wollte ich auch einmal die Mnoncen zählen, durch welche Dienstmädchen Stellen suchen, und siehe da, ich brachte nur drei Stück zusammen. Nach dem Vorerwähnten kann ntan begreifen, daß tatsächlich eine große Tienstmädchennot besteht und auch die besten Löhne und die liebevollste Behandlung helfen nicht aus der Not. Vor nicht allzu langer Zeit fand in Berlin eine Heim- a r b e i t e r a u s st e l l u n g statt und dabei wurde festgestellt, daß die Heimarbeit der weiblichen Arbeitskräfte mit wahren H un g er l ö h n e n bezahlt würde. Selbst die deutsche Kaiserin, die diese Ausstellung besuchte, gab ihrer Entrüstung Ausdruck über diese soziale Not und Armut. Diese Not und Armut hängt aber innig zusammen mit der Dienstbotenfrage, und es würde nicht über Hungerlöhne für die Heimarbeit geklagt werden können, wenn man etwas weniger hochmütig wäre. Wer will denn heute noch Dienstmädchen werden, trotz des hohen Lohnes und der liebevollen Behandlung? Doch nur Leute vom platten Lande, die in der „Kultur" zurückgeblieben sind! Töchter geringer Familien in der Stadt oder die Töchter von Fabrikarbeitern wollen doch nicht dienen. Tas wäre ja entwürdigend! Diese Mädchen müssen, wenn sie ein bischen gescheit sind, mindestens Verkäuferin, Bureaugehilfin usw. werden, oder doch Nähen und Bügeln lernen, damit sie keine gewöhnliche Arbeit zu verrichten brauchen. Dadurch entstehen dann nachher die Huugerlöhne in den einzelnen Berufen, nach denen alles hindrängt und wo sich dann eine Ueberfüllung zeigt. Auch manche Stelle für männliche Arbeitskraft wird dadurch weggenommen und der Lohn herabgedrückt. Würden so manche Eltern, die jetzt aus Hochmut ihre Tochter tn eine solche „bessere", das 496 heißt bequemere Existenz bringen wollen, indem sie die- selbe Näherin, Verkäuferin oder Schreiberin werden lassen, sie in eine Stelle als Dienstmädchen bringen, wahrlich, sie würden dem Kinde eine Wohltat erweisen und sich selbst. Ein angehendes Dienstmädchen von vierzehn Jahren erhält heute schon einen schönen Lohn, von dem es seine Eltern unterstützen oder, wenn das nicht nötig ist, sich etwas sparen kann. Mit jedem Jahre steigt sein Lohn und in einigen Jahren, wenn das Näh Mädch en usw. erst ausgelernt und noch nichts verdient hat, kann beim Dienstmädchen schon eine schöne Ersparnis vorhanden sein und es kann schon einen Lohn beanspruchen, wie seine Altersgenossinnen in den „vornehmeren" Berufen ihn nicht bekommen. Steht sich denn heute ein tiichtiges DienstmädchenbeiLO bis 2 5 Mk. M o n a t s l o h n nebst Verköstigung nicht besser als eine Verkäuferin, Bureaugehilfin oder Schneiderin, die Tag und Nacht auf Stücklohn arbeitet? Man sehe sich auch einmal ein solches Mädchen aus einem „besseren" Berufe an, das so bei kärglichem Lohn, wie es die Konkurrenz mit sich bringt, bis in die späte Nacht sitzt und näht oder bügelt — wie ein Nachtschatten sieht es aus, und vergleiche damit so ein üppiges Dienstmädchen, das bei der heute notwendigen liebevollen und familiären Behandlung aussieht wie das volle Leben. Aber unsere Tochter must doch etwas lernen, hört man die Leute, auch )ie in geringsten Verhältnissen lebenden Arbeiterfamilien ägen. Und sie geben die Tochter jahrelang in ein Ge- chäft oder zu einer Näherin und bringen diese Jahre noch ür ihre Verhältnisse erhebliche Opfer für ihre Tochter, aus Hochmut, weil sie etwas „lernen" muß. Als ob die Haushaltung nicht erlernt werden müßte! Lernt das Tienstf- mädchen nichts? Welcher Ehemann ist nachher am besten daran, derjenige, der ein Dienstmädchen heiratet, oder derjenige, der ein Mädchen heiratet, das „etwas geleint" hat, das aber, wenn es sich verheiratet — und heiraten wollen und sollen die Mädchen doch alle — nirgends Bescheid weist, dem Mann nichts Genießbares kochen kann und ihn damit ins Wirtshaus treibt. Wie ganz anders steht ein Dienstmädchen da, wenn es in den Ehestand tritt; es kann sich bei den hohen Löhnen, wie sie eben gezahlt werden, ein schönes Kapitälchen erspart haben und es kann dem Mann eine schöne und befriedigende Häuslichkeit verschaffen. Also ihr Eltern, etwas weniger Hochmut und mehr Vernunft bei der Berufsfrage für eure Kinder und soziales Elend wird es verschwindend wenig geben. Vermischtes. * Die „schöne Resi". Aus Wien wird geschrieben: Bor dem Bezirksgerichte Neubau stand die 52jährige Theresia Lichtscheidl als 'Angeklagte, eine Geflügelhändlerin, die in den westlichen Bezirken Wiens unter dem Spitznamen „Tie schöne Rest" eine gewisse Popularität besitzt. Frau Leichtscheidl erschien in einer ihrem Beinamen entsprechenden Toilette; sie trug eine kokette, halsfreie Bluse und einen mächtigen, rosengeschmückten Hut. Die Anklage war wegen tätlicher Wachebeleidigung erhoben, weil Frau Lichtscheidl einem Kondukteur, der sie auf die Zonengrenze aufmerksam machte lund zum Verlassen des Wagens nötigen wollte, den Fleischzöger um den Kopf geschlagen hattet Sie verteidigte sich mit großer Zungenfertigkeit; der Kondukteur habe, sie mehrfach beschimpft, darunter auch „Reblaus", und ihr den Zöger auf die Erde geworfen, sodaß eine Leber herausfiel. In ihrer Mfregung habe sie sich dann zu der Wachebeleidigung hinreißen lassen. Der Konduktenr We- hofer erklärte diese Darstellung als wahrheitswidrig. Er habe die Geflügelhändlerin, die gewohnheitsmäßig die Zonengrenze überfahre, beim Mariahilfgürtel daran erinnert, daß ihre Fahrkarte abgelaufen sei. Sie habe ihm mit einer Aufforderung geantwortet, der auch Personen ohne Amtscharakter nicht nachzukommen pflegen. — Frau Lichtscheidl (dazwischenrufend): „So ordinär bin ich nicht, Herr kaiserlicher Rat." — Bei der Haltestelle Stumpergasse, erzählte der Kondukteur weiter, habe er die Frau aus dem Wagen schaffen wollen und habe deshalb den Fleischzöger von der Plattform genommen und auf die Erde gestellt. Darauf habe ihm die Frau den Zöger auf den Kopf geschlagen. — Angell.: Alles nicht wahr. Sö ham mi alles mögliche g'haßen. I hab' Ihnen drauf g'sagt, i bin a ehrlich's Weib. Herr kaiserlicher Rat, i muß mi do net schimpfen lassen. I hin die schöne Resi und bleib die schöne Resi und laß mir nix g'fallen. — Richter: Ja, warum sind Sie nicht ausgestiegen, wie Ihre Karte abgelaufen war? 'Astgell.: Herr kaiserlicher Rat — i hab ihm eh g'sagt, er soll mir a neuche Karten geben, er weiß do gänz guat, daß t auf'm Mariahilfergürtel ka Gansl krieg, daß t auf'M Naschmarkt fahren muß, — Richter: Haben Sie Geld, itnt eine Geldstrafe zu bezahlen? — Angell.: Erstens hab i nix und' zweitens kann i a Straf net annehmen. Ter Herr Dr.^ Seidler sollt mi verteidigen, er hat aber a große Berq Handlung, da hat er mir aufgetragen, ich soll a schönen Gruß vom Doktor Seidler ausrichten und der Herr Rat soll's ttur gut machen. (Heiterkeit.) — Richter: Alles ganz schön. Aber wenn Sie keine Geldstrafe zahlen könnten, müßten Sie eingesperrt werden. — 'Angell.: Ja freili. Da müßt er (der Kondukteur) mir fünf Gulden geben am Tag und an Gulden für die Leebr. — Richter: Sie tun, als ob der Kondukteur der Angeklagte wäre. — Angell.: Ja, der Herr Dr. Seidler hat mir gesagt, i brauch ka Straf' net anzunehmen, i bin a sehr a anständiges Weib. Muß i mi „Reblaus" schimpfen lassen? — Richter: Wer das ist ja nicht glaublich, daß der Kondukteur Sie Reblaus schimpfte. — Angell.: Alle Kondukteure heißen mi „Reblaus", weil i a geschiedene Frau bin und niemanden hab. I hält" schon Hausherrn haben können, aber i will net, weil i a anständige Frau bin. I arbeit' mit Fürsten und Grafen, mit lauter bessere Leut'. (Heiterkeit.) Ter Richter, Landgerichtsrat Höhner, verurteilte die Angeklagte zu drei Kronen Geldstrafe. — Astgell.: Na, wenn's net mehr is, das zahl' i schon. — Vor dem Verlassen des Saales wendet sie sich noch zu dem heiter gestimmten Publikum und ruft: Tas ist der Anfang, jetzt kommt erst die Gegenklage, die Leber wird er mir noch bezahlen müssen! * Tabak und Automobil. Man hat in Amerika eine beträchtliche Vermehrung des Konsums von Kautabak koüflatieri, und zwar hat sie ein großer Newyorker Tabakhändler auf eine Zunahme um die Hälfte geschätzt. Er ist der Meinung, daß dieser Umstand mit der steten Zunahme des Automobilsahrens zusammenhängt, da die Leute, die sich dieses Fortbewebungsmittels bedienen, auf ihren langen Fahrten keine Zrgarren oder Zigaretten rauchen können, denn der Staub läßt keinen ruhigen Genuß des Aromas und des Rauchens zu. Um aber das geliebte Nikotin nicht völlig entbehren zu müssen, haben sich die Automobilisten und Chauffeure das Tabakkauen angewöhnt. * Ihr Tr o st. Herr: „Nun, Frau Registrator, Ihr Herr Gemahl ist ja, ivie ich hörte, seit einiger Zeit krank!" — Frau Registrator: „Allerdings, aber jetzt hat er doch wenigstens mehr Zeit dazu, seit er pensioniert ist!" * Ein Philosoph. Strolch (der ins Gefängnis geführt wird): „Da hat 'mal so'n Jelehrter behauptet, bet wir Menschen ursprünglich aus eene Zelle herstammen — nu wunderts mir ooch nich, bet wa schließlich immer wieder rinn müssen." Diamanträtsel. verboten. In die Felder nebenstehender Figur sind die Buchstaben a a a aaccc ghhhlmmppr rrsstuu derart einzutragen, daß die wagrechten Reihen Folgendes bedeuten: 1. Einen Buchstaben. 2. Geographische Bezeichnung. 3. Ein Hausgerät. 4, Dramatischen Dichter. 6. Ein Gewicht. 6. Ungarischen Ort. 7. Einen Buchstaben. Die senkrechte und wagerechte Mittelreihe ergeben das Gleiche. Auslösung in nächster Nummer.) Auflösung des Silbenrätsels in voriger Nummer: Leelanck — OSman — Riemi — Natal — Moctb — Ara ent — Oristchurcll; Zorn macht blind. Nachdruck G G Redaktion: P. Wittko. — Rotationsdruck und Verlag der Brüh l'scheu Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen.