1906 MM jih "rJ&O ääkIV WWM!» i mkw -, W» wt® l-"7'sk' IIX". M M» Wittellole Mädchen. Roman von H. E h r Hard t. (Nachdruck verboten.) (Fortschuilg.) Sie lacht ihn schelmisch an, daß die spitzen, weissen Zähnchen hinter den roten Lippen blinken. Er kann den entzückten Blick nicht von ihr losreißen. „Auslachen wirst Du mich auch noch, Du kleine Grausame, na warte, bei Gelegenheit räche ich mich schon/ br°I}t„9km, nein, da habe ich Angst — hier," sie öffnete schnell den Kragen, wirft einen prüfenden Blick auf das weit voranschreiicnde Paar und dann stiehlt sich ein rosiges, imbc- kleidetes Händchen hervor und kommt seiner hastig zugrcifcnden Linken entgegen. Auch der junge Offizier hat sich durch flüchtige Umschau davon überzeugt, daß die lange Straße öde und leer im Morgendämmcr liegt und so führt er die zarten, warmen Fingerchen ungestüm an die Lippen, küßt das Stückchen Arm, das unter der schützenden Hülle erreichbar ist und stiidet cs „tollnctt", daß sie miS Sparsamkeitsgründen, denn sonst wären sie noch schinutziger geivordcn, ihre Handschuhe ausgezogen hat. , , „Aber jetzt ganz artig scm!" mahnt sie dann, indem sic eine recht zurückhaltende Miene anfziisetzcn sucht, „wir sind gleich zu Haus. Merkt man mir was an?" Sie wendet ihm ihr frisches, gerötetes Gesichtchen zu, aus dein trotz all ihres Bemühens überall die innere Glückseligkeit hcranSlacht unb er mustert sic mit ernsthafter Genauigkeit, ehe er in den! förinlichen VerkehrSton sagt: „Nun, gewiß, mein gnädiges Fräulein, der kleine Schwips, den Sic haben, läßt sich'nicht verbergen. Aber der ist verzeihlich nach solchen! Feste." Der Schalk blitzt ans fernem hübschen, durchtriebenen Leutnantsgesicht und sie muß einen Moment hinwegschen, ehe es ihr gelingt, ihm ein schmollendes Gesichtchen zu zeigen. 8!ls cchlc Evastochter scheint ihr das letztere unbedingt not- wendig. Wie reizend verzieht sie den rosigen Mund bei ihrem vorwurfsvollen: „Pfui, wie häßlich!" Er versucht ihr in die Augen zu sehen. „So ein kleiner Raiisch ist gar nicht häßlich", neckt er, „besonders, wenn er nicht von geistigen Getränten hcr- rührt." , An dem raschem Aufblitzen ihrer Augen merkt er, daß sie ihn verstanden hat, aber antworten kann sie nicht mejr — kaum daß er ihr unbemerkt noch sagen kann: „Du horlt morgen früh von mir" — denn das Ehepaar ist vor ihrem Hause angelangt und ivährend der Hauptniann den Schlüssel mit einem energischen Ruck ins Schloß schiebt, ist die blaffe Frau stehen geblicben und sieht die beiden jungen Seide herankommen. Das fahle Frühlicht ruht auf ihrem verblühten, graufarbenen Gesicht. Ist cs die ungünstige Be- leuchiung nach der durchwachten Nacht oder der Gegensatz zu Suses blühender Jugendschönheit -- nie ist Frau Meta dem jungen Offizier so abschreckend häßlich erschienen wie in diesem Moment, da auch nicht ein Schimmer von Liebenswürdigkeit die nüchternen Züge verschönt. , Mit welch unfreundlichem Blick sie seine kleine Braut ansicht. Fest und beruhigend drückt er zum Abschied, den Schatten über dem Glückshimmel der geliebten Mädchcnaugen bemerkend, die kleine bebende Hand. Flüchtig streift er den rehledernen Handschuh der blaffen Frau mit den Lippen. Ein gezwungen freundliches „Adieu!" hmiiber und her« über — aber in dem Blick, den die beiden Männer dabei taiischten, liegt ctivas unbeivußt Feindseliges. Dann klirrt Traukcndorfs Säbel im Davongehen über das schlüpfrige Pflaster. 13. Hauptmann von BrockhauS empfing am andern Morgen Trautendorf mit einem Gesicht, in dem ein kalter, spöttischer Zug um die Mundwinkel nichts gutes weissagte. Die Leutnants waren nach der durchtanzten Nacht schlapp und verdrossen und rebellierten innerlich mehr denn je gegen den gestrcngcii Vorgesetzten und ihr unlustiger Ton tvirftc auf die Untergebenen weiter — eS ging alles miserabel, kein Griff klappte. ,. „ . M rL Den Mannschaften zitierten förmlich die Kuu vor Augst, sie kamen immer mehr aus der Fassung- Der Hauptmann versteinerte förmlich vor innerer Wut, die sich in einer, kurzen, vernichtenden Kritik Luft machte. Er wurde nie heftig, aber seine verletzende höhnische Kälte wirkte, um so unangenehmer. Die Leute atmeten aus, als nach dem Fortgang be» Gestrengen ans dem Munde des Feldwebels sich ein tosender Schwall nicht gerade sehr gewählter Schiinpsworte uber ibre schuldbewußt geneigten Häupter ergoß. Tao war Witz erlösender Regen nach der dumpf drückenden Atmosphäre eines in der Lust hängenden Gewitters. Erleichtert trollten, sie im Laufschritt von dannen. . n„ . Fritz Trautendorf schlenderte langsam ferner Wohnung zu. In seinen Glncksransch war das finstere Gesucht seines Hauptmanns, sein mehr als dienstlich, knapper ^on ob leite Verstimmung gefallen. Ja, er war sehr unruhig geworden. Er witterte eine nahe Gefahr, aoer er war such nicht klar, von welcher Seite sie fontmen wurde, nur, daß sie sein Liebesglück bedrohte. Von enter iahen Angst bet fidjtig "ach der Tur schreiten, hinter der sich nach dein Ge-> ' rausch bey Teller- und Geschirrklapperns die Küche befinden mußte, nur dort einen dienstbaren Geist zu erwischen — da! stockte sein Fuß„ 1 1 M , gerade vor der Tür zuiil Wohnzimmer und! von dvlc klangen deutlich Stimmen. Nicht, Ivie er im ersten Moment gehofft, Suses silberhelles Orga,, durch das es ~lme Ur?.r*tec^et. ®ac!)cit tönte, sondern eine erregte, harte H-rauenstlmme, die unverkennbar Fran von Brockhaus! , cp,°" wollte der junge Offizier, den unwürdigen Lauscherhosten aufgebend, weiterschreiten, als plötzlich Suses ^ch".ou an sein Ohr schlug, in eiuem so höhnischen, verächtlichen -von gesprochen, daß es ihm eine zornige Blnt- l" ^e." Kopf trieb und er wie festgewurzelt ans vcv Steile ulicb. "Suse, Suse! Natürlich! Nur aii sie denkst Du, imr* ßn böy, was sie leidet. Ein armes Ding nennst Tu siel sVpU,r^r nach, tröste es doch, das arme Ting, das sich nicht entblodet hat, mir mit ihrem hübschen Larvi- chen und. ihrem süßen Getue meinen Manu zu stehlen. Als! Dank dafür, daß man sie aus ihrer Misere heranszoa, diese hergelaufene Bettelprinzeß, mit der ich, gottlob, nur sehr ^weitläufig verwandt bin." die halblaute Erwiderung des Hauptmanns, die unverständlich büeb, und nun wieder die harte, in ihren« verletzten «tolz erbarmungslose Frauenstimme: „Keiil Herz hab' ich? So, meinst Du? Nun, an meinein Herzen wird ihr sehr wenig liegen, sie hat ja das Deine! Ä™nbu ,.’’2tV4XJlc. erst nicht mehr im Stall zu küssen brauchst, wirst Tu sie jii schnell trösten können. Mir tut diw ^rautendorf leid, der sich anscheinend ernstlich in das kokette Ting vergafft hat. Bon der besten Sorte ist er ra auch nicht, aber sich zuiil Deckmantel für Euer sträfliches Verhältnis hergeben müssen, dazu war er denn doch zu swade — ich wünschte —" Trautendorf hörte nicht mehr weiter. Vor seinen Ohren' begann es zu summen und zu sausen, so kreiste daZ Blut in seinem Kopse. Er fand sich plötzlich draußen au der Treppe. Wie ent Geblendeter hatte er die Hand vor die An geil gelegt und doch war cs in ihm ganz dunkel ge- wordeu. Er dachte noch nichts, sein Gedächtuisfaden schien! wie abgeschnittm. Nahende Schritte brachten ihn zu ich. Ep gab sich einen Ruck. Auf der Treppe vor ihm tauchte d,e Meine Zofe auf, in ihrem einfachen dunklen Straßeiw anzug von keiner Dame zu nnterscheideu. „Ach, Herr Oberleutnant!" sagte sie, ihre Schritte be- Mennlgcnd, „es hat wohl wieder niemand geöffnet? Die Köchin ist taub und der Friedrich gewiß noch nicht von der post zurück darf ich Herrn Oberleutnant melden?" Er ,ah mit eiuem finstereu Blick, den man an ihm nicht gewohnt war, in das kecke Zofeugesicht mit den lauernden, tlerneu Vogelaugen. Die brachten ihn zur Besinnung. , beeilt, vor diesen illdiskreten Augen durfte er nicht hatte"" füc6e,t ein vernichtender Schlag getroffen die Fräulein Meridies, ob sie mich erupsangcn Er wollte sie sehen, er wollte ihr schonungslos seine ganze Verachtung ins Gesicht schleudern. Das Mädchen verzog die schmalen Lippen zu einem bedauernden Lächeln. „Fräulein Meridies ist soeben nach Hause gereist —i ich komme direkt vom Bahnhof." Ihre Stimmung wurde rührselig und sie begann, nach ihrem Taschentuch zu suchen. (Fortsetzung folgt.) Eine PußtenwaudermrgD) Von R. H. Francs. Eine Pubtenwaiiderung! Das bedeutet Bilder, so prachtvoll und ode, datz man ihnen in Deutschland nichts an die Seite stellen kann. Ern Glanz der Einsamkeit überall, bis in die ■ fernste perne kein Ruhepunkt, woran sich das im rötlichen Däm-- „ *) In seiner lichtvollen und so überaus anregenden Dar- Itelluugswerse zeigt uns Hier Francs die ungarische Steppe: wir bieten damit unsern Lesern eine Probe aus seinem prächtigen Werk.„Das Leben der Pflanze", welches das Herz eines jeder: Naturfreundes höher schlagen läßt; es erscheint z. Zt. beim „Kosmos, Gesellschaft der Naturfreunde", Stuttgart, in Liefer- . ungeik ü 1 Wk, fallen, bereute er jetzt, den Heimweg mit Suse in törichter Weise vertändelt zu haben, anstatt gleich erristhaft die Konse- guenzeu ihrer heimlichen Verlobung mit ihr zu besprechen. H-rau von Brockhaus hatte von dem alten Meridies einmal als von einem „Sonderling" gesprochen, ohne sich näher darüber anszulasseu, nun wollte er gern erst von Suse erfahren, wie der Vater sich wohl seiner Werbung gegenüber stellen würde und wie er am besten zu fassen war. Vielleicht hatte der Alte ganz andere Pläne mit der hübschen -rechter gehabt, als sie an einen saft mittellosen Offizier zu verheiraten mit einem endlosen Brautstand als Zugabe. Schließlich bekam er ein kurzes „Nein" zur Antwort, lvenn er die Sache salsch anfing. Er mußte bestimmt erst alles genau mit Suse durchsprechen. Im Moment fiel ihm das Nachdenken über diese Angelegenheit schwer, die schlaflose Nacht begann sich an ihm zu rächen, in seinen Schläfen meldete sich ein bohrender Schmerz, seine Augenlider schienen von Blei zu sein. Er zog die Uhr. Erst 20 Minuten nach 10 Uhr. Da konnte er gut noch eine Stunde schlafen denn vor 12 Uhr durfte er sich nach einem Balle bei den Damen doch nicht melden lassen. Also rasch nach, Haus. Unterwegs trat er noch in einen Blumenladen. Tie niedliche, schwarzäugige Verkäuferin errötete freudig Er! hatte eben überall Glück bei den Frauen. Aber henk fand er kein galantes Scherzwort für die hübsche Blumenfee, er war sehr freundlich, aber sie merkte zum erstenmale die ^chEue, die sie von dem eleganten Offizier trennte. Er bestellte einen flachen Strauß, aus Veilchen und Maiglöckchen, kritzelte rasch seinen Namen auf eins der stets vorrätigen Kärtchen und gab die Adresse an. Nachdem er das Ver- sprecheu erhalten hatte, daß der Strauß sofort hinbesorgt werden sollte, ging er, ein wenig zerstreut grüßend, fort. Mit einem wehmütigen Blick sah das große schlanke Mädchen ihm nach. f ' * ... Zwei Stunden später — der Laufbursche mit dem Strauß bereit» seit längerer Zeit fort - klirrte der Säbel de» hübschen Offiziers abermals vor ihrer Tür vorüber. Er war letzt im Helm und sichtlich in großer Eile. 9TP1ert: erschien sein Gesichtsausdruck. Nicht ohne spätet f)ntte ganz gegen seinen Wunsch arg ver- Der Bursche war, wie immer, wenn er am nötigsten gebraucht wurde, nicht dagewesen, als er zu Haus ankam, und der junge -Lffizier hatte oie Seckretärswitive, von der er die beiden Zimmer gemietet hatte, gebeten, ihn nach, t'1" Stunde zu wecken. Totmüde war er sofort fest ein- geschlafen und von der mitleidigen Witwe, die's nicht übers Herz gebracht hatte, ihn deni süßen Schlummer zu ent- reißeu, eine halbe Stunde zu spät geweckt worden. Das' ^"tte ihn schließlich der endlich erschienene « / der, eigentlich mit Recht, ein sehr gekränktes, f®1" Leutnant ihn nach einem Blick dw Uhr Mit den dümmsten Vertretern des Tierreichs Teiifeln wünschte" bCr Witwe zu allen „.Ehe Trautendorf im Mantel und Helm auf die Straße eVta?e all em Uf)r geworden und gerade, fv, die Fenster, hinter denen er das geliebte Mädchen seinerwartend ivuhte, in Sicht bekam, schlug es vom Turm bumpsdröM-nd Ne r,1.1 ^eweguug setzenden Lokomotive folgte. Es war der Schnellzug, der von Berlin kommend, die Weiterreise nach Oberschlesien antrat. Der Offizier hatte den Kopf erhoben, nvie deutlich man jetzt das Rollen des Zuges Wind mußte von dieser Richtung her wehen und dst?, d?ste herubertragen. Nun, bald würde er hoffentlich "t1<: dwsem Zuge nach L. fahren, um die schöne junge Braut QW* IVvL VLH. Ter letzte Rest seiner Verstimmung verflog. Er pfiff bw ""s der Fledermaus, als er säbelrasselnd erbeppe zum ersten Stockwerk hinaufsprang. Auf sem Klingeln öffnete ihm nieniaud. ^Y „\!sOTtcte bsts Weilchen und dann drückte er ein zweites Sh rJi tCsUTÖYla)er Ef den weißen Knopf. Nichts regte ; 'Zm bunte,: Glasscheiben. Dia bemerkte er, daß ! £ S "Nb.kurz entschlossen trat k . .m dgS matt erleuchtete Entretz. Er wollte, soeben. vor-! — 239 iiterit des Horizonts schweifende Ange laben kann, und doch eine Muhe, die auch die wallendste Ungeduld besänftigt, joenn stundenlang nichts fick folgt als das leise Wehen der im Winde schau- Mideu Gräser, das Glühen der Steppeblumm, das rastlose Schleifen und Zirpen der Feldgrillen und — sonst gar nichts. Die Kultur raubte auch sckon in Ungarn der steppe titel von ihrer bilden Pracht, aber die Landschaften nördlich von Debrezin und zwischen Budapest und Szegedin blicken auch heute noch so brennend und unschuldsvoll at:f den Wanderer, als zur Zeit, da Hmmengüitle ihr dürres Gras abweideten. ' Die Steppe ist bekanntlich ein Land, das keinen Wald aufkommetr läßt, auch wenn der Magyare baumsreundlicher iväre, als er ist. Was ich an anderer Stelle von deut Grasflurklima sagte, das trifft für die ungarischen Pichten bis zum letztett Worte zu. Hunfalvy, der angesehenste der ungarischen Meteoro- logen, sagt in seinem Werke über die klimatischen Verhältnisse seiner Heimat: „Der Gang der Temperatur ilt im Herzen Ungarns so, wie er in einem deut ozeanischen Einflug entrückten Binneulande zn sein pflegt: sehr schwankend, schnell veränderlich und extrem. Der Winter ist int allgemeinen streng, doch phr wechselnd. Bis Mitte Mai wechseln gewöhnlich warme Tage mit windigen und rauhen ab: Nachtfröste dauern bis April und Mai. Int ganzett genommen sind die trockenen und heißen Sommer häufiger ais die feuchten und kühlen. In solchen heißen sommern bleibt nun das Thermometer oft wochenlang auf 22 bis .30 Grad int Schatten stehen. Daun beginnt die schwüle .Yttze schon des Morgens um 7 biß 8 Uhr und dauert bis abends 6 und 7 Uhr. Tie Lust ist außerordentlich trocken, und kein Tautropfen labt die Vegetation. Wochenlang erhebt sich saft teden Morgen ein Wind, der bis zum Abend gleichmäßig webt. Infolge dieser gr-oßeit Hitze, Dürre und der durch den Wind erzeugten außerordentlichen Transpiration welken die Blätter der Bäume und Gesträncher, die Saaten vergilben, die Grasnarbe der Wtesen vertrocknet gänzlich." , , _ Und aus seinen Tabellen sieht man, daß die größten Nteder- schläge int Frühsommer, also in der Hauptvegetattonchctt der Gräser, fallen (der Mai hat durchschnittlich zehn Regentage!) und daß der Winter überaus ■ trocken und kalt ist. Das erklärt die SteppeNveMation, vor allem den vollständigen Mangel an Bäumen. Ebenso gewinnen wir dadurch Verständnis, warum die Steppe überhaupt nur flüchtige Schönheit verträgt, mit zauberhafter Schnelligkeit ausblühend und ebenso rasck wieder vergehend — so wie die Schönheit der Frauen ihrer Bewohner. Im Mai und anfangs Juni erschauern diese weiten Landschaften vor Blumen und Leben. In weiten Wellen fluten die üppigsten Gräser int Winde, silberweiß wie Reiherfedern das Thyrsafeld, das „ärvaleänyhaj" (Waisenmädcheuhaar), nut das sich sentimentale Sagen ranken, goldig schimmernd im Süden die Goldbartflur, die natürliche, meterhohe Kornfelder bildet, und dazwischen rot, blau, gelb, violett in berückender Pracht ein Blumenmeer, zwanzig Tragantarten, blaue Jrideen, Zwiebelgewächse, Ranunkeln, Disteln, Karden, Salbeien, Euphorbien, Gräser in einer Mamng- faltigkeit, von der unsere nordischen Wiesen, nur ein schwaches Abbild gewähren. Aber es gehen keine zwei Wochen ins Land, so hat die Sonne die ganze bunte Schar zu Tode gebrannt; aschfahl und dürrgelb, knisternd unter dem Tritt klagt die Steppe in süßem Heuduft schwimmend um ihre verlorene Schönheit. Verbrannt und dürr bleiben sie bis zum nächften Herbst, dessen Regen sie zwar mit neuen Blumengewinden schmückt, die aber den Vergleich mit der Frühlingspracht nicht aushalten. Ihre Lieblingsfarbe ist dann das schmutzige Grün der Melden und Gänsefüße, dazu gleißen bleiche Mifußgewächse, die stacheligen, ordinären Xanthien und einige Euphorbien zu Millionen im Temeser Komitat. Gekennzeichnet ivird diese Herbstvegetation durch das llcberwiegen behaarter, filziger und dorniger Gewächse, lunS ihr etwas Graues, Düsteres, unsäglich Lechzendes verleiht. lind so wie die ungarische Steppe, in die sich Salzlachen mit ihrer Halophytenvegetation, aber auch ganz öde und pslanzcn- leere Sandstrccken eiumengcn, ist auch'die berühmte „Ursteppe" tut Süden Rußlands, int einstigen Chersonesus, wohin Sage und dumpfe Erinnerung in Urs eiten die Amazonenvölker verlegte. Auch dort sind die natürlichen Federgrasfluren Vorhanden, auck dort hält das Frühjahr farbenfrohe Feste ab, hinken im Herbst die filzigen Gesellen nach, und ihre Flora ist bis auf untergeordnete Unterschiede identisch mit der ungarischen — ist doch diese wie jene ein Abkömmling der landerweiten, inncrasiatischeit Hoch- steppen, die ins ferne Wendland in grauer Vorzeit die Welt erobern gingen, als ob sie den Boden vorbereiten wollten für die Stcppenvölker, die dann auf ihrer Spur wie ein Ungewitter nachstürmten. Auch die nordamerikanische Prärie ist zum grössten Teil nichts als eine Steppe. Eintönige Ebene, ohne Bäume, ohne Sträucher, ohne hohe Kräuter; die Lebensform ist völlig identisch, aber die Erdgeschichte erfüllte sie mit ganz anderem Inhalt. Nur die Goldbartflur meldet sich auck dort, aber sonst halten Büffelgras, Cvelcriagrüser, Andropogongräser den Boden beseht, und an Stelle unserer Tornenstaudeit treten Kakteen, an Stelle des Frühlingsslors meist ganz fremdartige Geschlechter und nur selten eineBeisitß-, Kerbeiia- oder Asterart, die auch unsere Flora kennt. Wie das Korsett entstand. hl.6.0. Wenn in diesen ersten schönen FrühlingLtagen die Frauen allenthalben sich an ihre Ausstattung für die warme Zeit des Jahres machen, so wird gewiß hier und dort die alte Frage: ob das Korsett bei« beibehalten oder abgeschafft werden soll, mit erneuertem Eifer diskutiert werden. Und da ist es wohl nicht uninteressant, einmal nachznsorschen, woher dieses von den Einen so fanatisch befehdete, von den Anderen so hartnäckig verteidigte Hilfsmittel der weiblichen Kleidung eigentlich stammt. Ganz genaue Auskunft ist freilich, das fei von vornherein bemerkt, hier schwer zu geben. Ja, man könnte sagen, daß der Zeitpunkt, zu dem daS Korsett entstand, mindestens ebenso ungewiß ist als der, zu dem es ver« schwinden wird. Denn schon die Griechinnen und die Römerinnen kannten eine Am von Mieder, einfache Tuchbänder, die von zwei schmalen ledernen Schulterflreifen gehalten wurden. Immerhin waren diese antiken Korsetts, wenn man sie überhaupt als solche bezeichnen kann, nur sehr bescheidene Vorläufer jenes Marterinstrumentes, dessen sich im Mittelalter die Frauen zur vermeintlichen Verschönerung ihres Wuchses bedienten, und dem gegenüber das heutiae Korsett wiederum als fast ebenso harmlos erscheint. Em französischer Gelehrter hat nun die Entdeckung gemacht, daß es eine tfiu-ffut aus dem Hause Wittelsbach, die Prinzessin Jsabean von Bayern, die Gattin Karls VI. von Frankreich, war, die als erste ihrem Mieder metallene Stäbchen einfügte und unter den Damen ihres Hofes selbstverständlich schnell Schule machte. Damit war der verhängnisvolle Schritt getan, der ans Jahrhunderte hinaus seine Nachwirkungen üben sollte. DaS Korsett jener Zeit wurde „Basqnine" genannt und bestand meist aus L>amtstoff mit Stäben ans Eisen, während der Schnüreinsatz vorne nicht immer aus Metall, sonderu auch aus Holz oder Horn gearbeitet wurde. Kanu man sich den Aufenthalt in einem so ungelenken, die Bewegungen hindernden Fiitteratt schon unbequem genug vorstellen, so feiert das Korsett als Tyrannin des weiblichen Geschlechts doch feinen eigentlichen Triumph erst int Di. Jahr« ßunbert als das eiserne Korsett von Venedig und Florenz anS sich ganz Europa unterwarf. GS war ein richtiger, ost mit schönen Ziselierungen versierter Panzer und die uns erhaltenen Exemplare davon besitzen cm so erhebliches Gewicht, daß eine Frau unserer Zeit ihre Last kaum zu tragen vermöchte. Schließlich trug indessen doch die Vernunft wieder dem Lueg davon, und die Niederländer waren es, die bic italrentfche Mode willkürlich abänderten und ein leichteres Korsett herstellten, das wenigstens nicht nur ans Eisenteilen, sondern auch ans Leder zusammengesetzt wurde. Hundert Jahre später erst sangen Stäbchen aus Fischbein die metallenen an zu ersetzen ohne daß jedoch ans das Korsett, sein Material und seine Formen eine belondere Aufmertsamkcit verwandt wurde. Und im Zeitalter des Rokoko wurde bti5 Korsett bann ein Lnxusartikcl; Seide verdrängte den Samt und hat bis hente ihren Platz hier siegreich behauptet. Rach der oreben Revolution, zur Zeit des Dtrectoire und des Empire schiel', das Korsett in seiner Existenz ernstlich bedroht. Es schrnmpfte, als das antike, unmittelbar unter der Brust znsammengehalteue Gewand in Ausnahme nelanat war, wiederum, ganz wie im klassischen Altertum, zu einem ftyrnalen Bande zusammen, das mit zwei dünnen Streifen über den Schultern oe- festiat ward. Aber mit der Restauration kam die Rückkehr zur Zweiteiluug der Tracht in Rock und bis zur Hüfte reichende Taille, luie sie sich bis auf den heutigen Tag erhalten hat. Und die Wandelungen, die da» Korsett in diesem letzen Zeitabschnitte, der wechselnden Kleidermode entsprechend, durchaemacht hat, haben im wesentlichen nur dazn gesiihrt, es etwas dichter, dein Ban des Körpers angepaßter — und etwas kostbarer als früher zu gestalten. ________________ VsVmrschtss» • Spinne am Morgen. Woher mag wohl das bekannte Sprichwort kommen: „Spinne aut Morgen — Kmmner nnd Sorgen; Spinne am Abend — erquickend und labend!"? Ein französischer Entoinologe — in Frankreich lautet das Sprichwort: ,,Araign6e du matin, chragrin; araignöe du soir, espoir!“ — gibt dafür folgende Erklärung: Die Spinne gibt ein beinahe unfehlbares Mittel an die Hand, das Wetter des Tages vorauszusagen. Wenn am Morgen viel Tau gefallen ist, was stets als ein Zeichen von schönem Wetter gelten kann, sieht man niemals eine Spinne; dagegen bemerkt man sie in trockenen, taulosen Morgenstunden in ihrem Netz; ihr Erscheinen ist also ein Zeichen, daß das Wetter schlecht sein, daß cs regnen wird, daher: „Spinne au, Morgen, Kummer ttitb Sorgen". An warmen Abenden verläßt die Spinne gern ihr Netz, um die Insekten zu fangen, die bei schönem Weiter in großer Zahl in dec Luft spielen und auch für den nächsten Morgen schönes Wetter erivarten lassen, daher: „Spinn- am Abend, erquickend und labend". « Die fingierte Todesanzeige. JQoi1 einigen Jahren machte eine junge Daine durch ihre Schönheit und den geradezu verschtvenderischen Lnzms, mit dem sie in Wien austrat, allgemeines Aufsehen. Man ivußte nicht recht, >ver sie war und ivoher sie kam; bald legte sie sich den Namen einer alten grüslichen Familie bei, bald den einer englischen Adelssamilie. Sicher war nur, daß sie eine ausgezeichnete Klavierspielerin war, daß sie trotz ihrer großen Jugend ein 240 Dutzend curopciische Sprachen vollkonnnen beherrschte, und daß sic sich mit fabelhafter Eleganz zu kleiden verstand und Unsummen zur Bestreitung ihres Luxus benötigte. Eines Tages verschwand sie plötzlich aus Wien und hinterließ eine große Menge unbezahlter Rechnungen. Die Gläubiger setzten Gericht und Polizei in Bewegung. Allein cs half alles nichts. Der Aufenthaltsort der Daiue >var nicht zu erfahren. Eines Tages wurden die Wiener Gläubiger von Paris aus unterrichtet, daß die junge Dame gestorben sei. Wie sich nun heranSgestellt hat, war diese Todesanzeige ein ebenso wirksamer wie origineller Trick. Die junge Daine hatte in I Paris das Wiener Spiel wiederholt, dort auf großeni Fuße I gelebt, Schulden in enormer Höhe kontrahiert, und als sie I sich eines Tages nicht nrehr zu helfen ivnßte, reiste sic Heini- j lieh ab, bestimmte aber vorher eine gute Freundin, Zettel, die ihren Tod anzcigten, an die leidtragenden Firmen in Paris zu versenden. Sie hatte damit in der Tat erreicht, was sic bezweckte: Die Firmen stellten die Prozesse ein. Die junge Dame aber hatte inzwischen im Süden von Frankreich einen exotischen Souverän kennen, gelernt, der ihr den Antrag machte, seine Frau zu werden —• allerdings seine dritte oder vierte. Er durfte sich diesen Luxus erlauben, denn er ist Mohammedaner und unterhält in seiner Residenz im nördlichen Afrika einen großen Harem. Die junge Dame ging auf den Vorschlag ein, trat zum Islam über rind residiert nun seit einiger Zeit in Glanz und Pracht - an der Seite ihres geliebten Fürsten. Er hat auch die Rechnungen der Pariser und Wiener Firmeir in voller Höhe bezahlt. Tie Auferstehung der Totgeglaubten bildete so wenigstens für deren Gläubiger keine Enttäuschung. * Ein Pantoffelheldenklub existiert in Leeds (England). Er umfaßt 43 Ehemänner dieser Stadt rmd benachbarter Orte und hielt dieser Tage in Todmorden sein Jahresmahl ab. Nach dein Mahl wurden acht neue Mitglieder ausgenommen, von denen jeder, itm seine Würdigkeit zum Eintritt in den Verein nachzuweiscn, beschwören inußte, daß er: 1. seiner Fran das Frühstück einholte, 2. kochte und Bestecks putzte, wenn kein Dienstmädchen da war, 3. regel- mäßig Kohlen zutrng und 4. nachts, während die Ehefrail ausging, das Kind versorgte. — Man sieht, cS gibt noch Helden, Reifet«, 7 Studicn ?a hr t en iIN So IN mer 1906. Der Berk. Touristcnklub Nord-Süd veranstaltet in diesem Jahre Studicn- fahrten ins Mittelmeer. Die Reisen dauern vom 9.-22, Inti und vom 22. Juli bis 5. August. Die Fahrten beginnen in Luzern und gehen über Mailand nach Genua, von hier mit dem Dampfer über Civitavecchia (für Rom), Neapel, Pompeji, Capri mit blauer ©rolle, Amalfi, Palermo nach Tunis und Carthago. Die Rückfahrt führt über Sardinien (Cagliari), Korsika lAjaccio), Monte- carlo nach Genua und mit der Bahn nach Luzern. Der Preis beträgt 830 Mk. Dem Klub wurden vom deutschen Rcichsansschuß für Olympische Spiele (Vorsitzender Graf v. d. Asseburg, Exzellenz) die Arrangements für eine Athensahtt übertragen. Ferner hat die Vereinigung Berliner Studenten den Klub mit der Ausführung zweier „A k a d e m i f ch e r S t u d i e n f a h r t c n n a ch Italien und Griechenland" betraut, welche von Geheimrat Prof. Dr. Kekule v. Stradonitz und Proi. Dr. Dorpfcld protegiert ivcrden. LrreF«r»Lfcyes. — Das Kind, seine geistige und körperliche Pflege bis zur Reife. Unter Mitwirkung verschiedener Aerzle und Schulmänner herausgegeben vom Geh. Mcdizinal- rat Prof. Dr. PH. Biedert. Lieferung 1 und 2. gr. Oft. 1906. Geh. jede Lfg. 1.60 Mk. (Verlag von Ferdinand Enke in Stuttgart.) Dieses Buch, welches bestimmt ist, den Eltern bei der Pflege und Erziehung ihrer Kinder ein treuer Berater zu werden, üt in dieser, das geistige und körperliche Gedeihen des Kindes bis zur völligen Reife zusainmenfassendcn Darstellung ohne Vorgang in unserer Literatur und darf der weitesten Beachtung m allen gebildeten Familien unseres Vaterlandes sicher sein. Der Inhalt deS Werkes gliedert sich in folgender Weise: 1. M- 14)1110: Normale Entwicklung im 1. und 2. Lebensjahre. — 2 Anchmtt: Erkrankungen im 1. und 2. Lebensjahre. — 3. Abschnitt: Körperliche und geistige Pflege des gesunden Kindes vom o. Jahre ab, besonders inl neutralen Kindesalter. —. 4. Ab- Mitt: Verhütung und Pflege von Erkrankungen. =; 6. W- schNltt. und Erziehung während der Schulzeit. Schul- HmFfFtrFu.» ff« Veife. Der Name des in der wissen - v W? lMchaugeichenen Herausgebers und der Stab ^rtarbecker bieten vollste Gewähr für eine tüchtige, zwecke cntzprechende Leitung. Die Ausgabe erfolgt in Lieferungen, d!s "scheint eine Lieferung, sodaß Mitte Mal das Buch vvllstaudig vorliegen wird. Werre Wucher. . Biedert, PH., Geh. Medizinalrat, Prof. Dr., n. ä. Das K ind, seine geistige rmd körperliche Pflege bis zur Reife. 1. Lieferung. 96 S. (Stuttgart, Ferdinand Enke.) Z^ier ni e r, Magnus, Prof. Dr. Sammlung nationälokono- miicher Aufsätze und Vorträge. 1. Bd. Heft 9. Der Streit tittf dZe ruf, ischen Finanzen der Gegemvart. 47 S. (Gießen^ VS1HU yiOil);) m M es Haus- und Volksbibliothek hygienischer Schriften. f i6: r Malier, Dr. med. Die Nervosität. Ihre Grund- mcsache, sowie deren Heilung. 78 S. — Nr. 48: Schultz, G. Dr. Was federmaun von der Erkennung der Krankheit cif und der Voraussage des Krankheitsverlaufes aus dem Uriu tvisieii muß. 25 o., (Leipzig, Edmund Demme.) .. Dournier, Alfred, Prof. Für unsere Söhne, ivenn te achtzehn Jahre alt werden. Einige ärztliche Ratschläge. 42 S. (Berlin W. 30. Oskar Coblentz.) Halberstadt in Wort und Bild. Mit 8 farbigen Voll- buvern, 51 Textillustrationen und 4 kartographischen Beigaben. 120 e>. (Halberstadt, Louis Koch.) /n. Lesser, Erich. Fritz von Fleck. Bilder von Paul .Haase. (Berlin W. 35, Harnionie, Berlagsgcsellschast für Literatur und Künst.) Bluruerrpftege. Blätter der Phönix- und Fücherpalmerk lnüpen recht oft mit lauwarmem Wasser leickt abgcwascheu werden: überhaupt ist das Betauen durch den Zerstänber diesen Pflanzen ganz, besonders von Nutzen. Es gibt für die Atmung der Pflanzen, die ja durch die Blätter geschieht, keinen größeren Feind, als Staub und trockene Luft, welche der Epidermis, dem Hauptgewcbe der Blätter, zu viel Feuchtigkeit cutziehen. — Will man Ar au kar i en v er Pf l au z en, so kann dies jetzt geschehen. Paffende Erde hierzu stellt man sich zusammen aus 2 Teilen Laub-, 1—2 Teilen Mistbeet- und 1 Teil Heideerde mit scharfem Sand. Gute Scherbenunterlage ist vorteilhaft. Auch sollen die frischen Töpfe nur so viel größer sein, baß zwischen Ballen lind Topf ein fingerdicker Raum ist. Werden zum Verpflanzen alte Töpfe verivendet, so müssen sie vorher, gilt gewascheir und scharf getrocknet werden. Vexrrvild. Nachdruck verboten. Na, Fritze, hast Du den alten Fuchs? Nein, wer weiß, wo er steckt! Auflösung in nächster Nummer. i Auflösung des Versteckrätsels in voriger Nummer: Auch das längste Lied hat ent Ende. Redaktion: Ernst Heß, — Rotationsdruck und Verlas der Brkhl'kcken UniversttätZ-Vuch- rmd Steindruckerst, R. Lange, Gießen.