1906 Samstag den 24. Wovemöer W W in KM »» MM M Hoken-Sonntag. Feuchtkalte Nebel lagern in der Runde llnb die Natur ist jeden Schmucks beraubt, Stein Vöglein bringt mehr frohen Sanges Knude Und auch der Wald senkt nn'ibe hext sein Haupt. Ein kalter Ranhreii liegt aus den Gefilden, Mit melken Blättern spielt der rauhe Wind, 9!ni öder Flur kein Blümchen mehr zu finden, Tas uns erfreut durch farbenreiches Bild. Tod) welch ein Blühen rings auf Grabeshügeln» Als wenn der Frühling seinen Einzug hält, Als ob nach langer Nacht auf Frührots Flügeln 'Der Sonne Gold begrüßt die trübe Welt. Es gilt ja dem Gedächtnis unsrer Sieben, Tie heimgegangen in ein bess'res Land, Wo etrüge Wahrheit, ero’ge Siebe thronen Und Tränen trocknen eines Engels Hand. Trum nahen mir euch heut mit frischen Kränzen, Wird auch der Schmerz von neuem angefacht, Und ob im Ange bang die Tränen glänzen. Wir senden Grüße euch in Grabesnacht. Schlait wohl, ihr Sieben, die in Golt geschieden, SD, schlummert sanft in friedlich-stiller Grnit, Bis euch dereinst nach langem Grabesfrieden Zum ewigen Licht des Vaters Liebe ruft. Gießen, 1906. Tt> eodor Loos. Zm Manne des Geheimnisses. Roman von H. v. Raesfeld. Nachdruck verboten!.. ' (Fortsetzung.) 53. Kapitel. Eine fixe Ide. Wir verließen die beiden Schwestern, als sie sich in Todesangst ratlos anstarrten. Marian's blasse Lippen mühten sich vergebens, einige Worte des Trostes zu flüstern,, sie brachte kein Wort heraus. Die weißen Arme umklammerten sie, das schöne verzweiflungsvolle Gesicht starrte sie an. „D, Marian, Marian, hilf mir! O Himmel, was soll ich tun? Was soll aus mir werden?" Treu, wie sie ihr ganzes Leben hindurch gewesen, versuchte Marian, sie zu beruhigen. „Mein Liebling, du hast ja nichts zu fürchten, sieh, ich bin hier, sei doch ruhig". „Aber er ist tot!" rief sie mit wildem Schrecken in ihren Augen, „er ist totl* „Das ist nicht dein Fehler, herzliebste Eve. Du hast nichts damit zu tun. Es kann dich ja gar nichts angehen.," Doch alles war vergebens. Mit einem gellenden Aufschrei, der Marian sah emporfahren ließ, siel Lady Wayne in eine todesähnliche Ohnmacht. Angst und Slot malten sich in Miß West's Zügen. Hastig schellte sie und befahl der herbeicilenden Zofe, sofort einen reitenden Boten nach Kenningsthorpe zu Dr. Roberts zu schicken, Lady Wayne sei gefährlich krank. Die Zofe eilte davon, und Marian setzte sich ängstlich am Bette ihrer Schwester nieder, horehte, wie die Equipagen mit den Gästen wieder abfuhren, und fragte sich bange, was in diesem Hause, worüber seit einigen Stunden ein wahres Verhängnis zu schweben schien, demnächst wohl vorfallen würde. Wie viel mochte ihre Schwester wissen? Jack hatte sicherlich sein Geheimnis nicht verraten. Schnüffler und Spion mochte er sein, aber sein feierlich beschworenes Versprechen zu brechen, dazu war er doch wohl nicht niedrig und gemein genug. Nein, es war keine andere Erklärung für Lady Wayne's Aufregung und Angst möglich, als die Gemütserschütterung über die Kunde, daß ein derartiges, unheimliches Verbrechen sozusagen auf der Schwelle ihres Hauses verübt worden war. Marian grübelte und bemühte sich, das Geheimnis zu enträtseln, das alle Bewohner Kenninghalls beschäftigte. Was hatte Jack Jefferies dorthin gebracht? Hatte elf s i e vielleicht sehen und sprechen wollen? Er konnte doch kein Geld nötig haben — das war unmöglich. Sie hatte ihm auf sein Verlangen das ganze erste jährliche Einkommen im voraus gegeben. Er hatte nicht einmal Zeit gehabt, das Geld auszugeben. Es war also kaum wahrscheinlich, daß er hergekominen war, um eine Aussprache mit ihr herbeizuführen; oder- konnte es fein, daß er ihr schlechte Nachrichten hatte bringen, ihr vielleicht hatte Mitteilen wollen, daß schließlich noch andere dem Geheimnis auf der Spur seien? Aber angenommen, es wäre so — wie würde das dag Geheimnis seines Todes erklären? „Für mich", dachte Marian, „könnten einige denken, fei sein Tod eine Erleichterung. Ich glaube, ich bin die einzige, die dabei gewinnt. Ich gewinne tausend Pfund jährlich und die Sicherung eines gefährlichen Geheimnisses; doch Gott weiß, ich bin unschuldig an seinem Tode. Und hätte ich seinen Tod bloß wollen brauchen, ich hätte es nicht getan". Hier wurde ihre Grübelei unterbrochen; das Mädchen meldete Dr. Roberts, und ihr auf dem Fuße folgte hastig und erhitzt der Arzt selbst. „Bedauere außerordentlich, von MyladyS Krankheit zu hören, Miß West. Kenninghall sieht heute ordentlich ganz 694, bewölkt aus. Ist die Geschichte von einem MmL Ätsöchlich Seiber", erwiderte Marian, «und die unvermutet durch Dienstboten überbrachte Nachricht hat meine Schwester derartig aufgeregt, dass sie seit einer halben Stunde bereits m dieser todesähnlichen Ohnmacht liegt." m . ,, Co so", äußerte der Doktor. Bei sich dachte er: Merkwürdig, daß eine vornehme Dame sich den Tod emes fremden Menschen so sehr zu Herzen nimmt" Er schritt auf das Bett zu und heftete b,e Hand auf den Puls, einen langen, ernsten Blick auf das marmor- Silvas Ernstlicheres, wie eine bloße Ohnmacht", "sagte er dann, „es ist der. Anfang von Gehirn- Entzündung. Ihre Schwester muß «ne äußerst heftige Gemütserschütterung erlitten haben, Miß West. Ich kann es mir nicht erklären", entgegnete sie gedankenvoll. „Ach sieh, sie bewegt sich." Ein plötzliches Rot schien tn die marmorblassen Wangen zu schießen ; ihre Augen öffneten sich, aber em wilder, feuriger Glanz lag darin. Sie ergriff die seidene Steppdecke und rieb ihre Hände, als ob sie einen Flecken davon entfernen wollte. . Sie ist nicht bei Sinnen", murmelte Dr. Roberts. Ich" fürchte, sie wird ernstlich erkranken. Wollen sehen, was ein starkes Sedativ tut." Gerade trat Lord Wayne ms Zimmer. Voll Erstaunen blickte er auf den Arzt. „ ■0, Mortimer!" rief Miß West, „Evelyn ist so kraue. Dieser schreckliche Vorfall hat sie furchtbar aufgeregt." 1 Der Ruf schien Lady Waynes Aufmerksamkeit zu er- XeSejftortimer" murmelte sie; „Mortimer, im Laubwalde; Mortimer, unter den Lindenbäumen; Mortimer, mein Wann." „ r T .. .. . , , Und während sie dies murmelte, fuhr sie eifrig fort, ihre 5Mde mit der Decke abzureiben. . , o „Mortimer", murmelte sie wieder, „bring mir heißes Wasser — brennend, kochend heiß — uni sie rein zu waschen. Dieser rote Flecken will nicht tveg. O, nimm ihn weg!" Und mit einem lauten Aufschrei schleuderte sie ihre Hände, so weit sie konnte, von sich. „Ewe", sagte Lord Wayne zärtlich, „du hast jrt nichts an deinen Händen." , , ,. „Alles in der Welt", murmelte sie wieder, „kann sie nicht rein waschen, nicht alles Wasser in der See und int Meere kann cs abwaschen. Rot und warm — o, mein Gott!" 1 Lord Waynes Gesicht ward leichenblaß, als er dies vernahm. t . ..... „Welche Gedanken hat sie sich nur m den Kops gesetzt?" sagte er. „Tas Mädchen erzählte uns brühwarm und ganz unvermutet die unheimliche Neuigkeit", erwiderte Marian, „und dieser Gedanke scheint sie sortwähreud zu verfolgen/ „Ich werde Lady Wayne ein starkes Sedativ geben", bemerkte der Doktor, „was hoffentlich ihre Nerven wieder beruhigen und der drohenden Gehirnentzündung vorbeugen wird." . z „Marian, ums Himmels willen, tu* irgend etwas y schrie Lord Wayne. „Ich kann dies nicht ansehen." Tenn seine Gemahlin hatte die Decke ergriffen und rieb sich die weißen Hände so heftig wie möglich damit. „Rot und warm — o, wie gräßlich", murmelte sie, >,und alles Wasser aller Meere kann's nicht abwaschen." Marian ging zu ihr und faltete mit sanfter Gewalt die zuckenden, weißen Hände, sobald sie aber, wieder losließ, kehrten sie zu ihrer einförmigen Befchäftigung zurück, und Lord Wayne, unfähig, den Anblick zu ertragen, verließ das Zimmer. 54. Kapitel. Kunstkritiker Sinclair'.. <- f" Lord Wayne saß in feinem Arbeitskabinett, er hatte vielleicht nie so niedergeschlagen und sorgenvoll ausgesehen. Vierundzwanzig Stunden waren seit diesem unseligen Fund verflossen, und der letzte der enttäuschten Gäste hatte Kenninghall längst verlassen. Werner Jefferies war mit der ihres Sohnes beraubten Mutter noch nicht zurück-- gekehrft Lady Wayne befand sich bedeutend besser; das Fieber war den kräftigen Beruhigiingsmitteln gewichen, und My-, lady war nur zu dankbar, ihr von gräßlichen Fieberträumen erfülltes Zimmer verlassen und in andere, freundlichere Gemächer gehen zu können. „ Allen fiel die mit ihr vorgegangene Veränderung auf; sie sah zehn Jahre älter aus. Marian West hatte heute ihr Zimmer nicht verlassen; Mut und Kraft schienen sie zu verlassen. Manan hütete das Bett und war nicht imstande, aufzustehen. , Es war ein trüber, langweiliger Tag auf Kennmgball. Elfte ging trostlos im Garten und Park umher; und Lord St. Gilbert, der die Gesellschaft seines Freundes vermißte, ging hinüber, um sie zu trösten. Für diese beiden war die Unbehaglichkeit weniger empfindlich. Lord Wayne saß allein in seinem Kabinett. Sergeant Elliot hatte um eine Unterredung mit ihm nachsucyen lassen, mit dem Bemerken, es handle sich um sehr «wichtiges, und Kenninghalls Gebieter fühlte sich nicht gerade erfreut darüber. „ Was für ein Schatten lagerte über seinem Hause? Welche Wolke ballte sich zusammen, machte die Atmosphäre seines Hauses drückend und beklemmend. Ein Klopfen; Sergeant Elliot trat ein; Mit scharfem Auge bemerkte er sofort das niedergedrückte Wesen des Schloßherrn und zog daraus seine Schlüsse. „Sie haben mich zu sprechen gewünscht, Sergeant , be- aanu Mylord, auf einen Sessel deutend. „Jawohl, Mylord, ich möchte mir Ihre Zustimmung zu einigen Maßregeln erbitten, die meiner Ansicht nach von Gerichts wegen getroffen werden müssen. „Ich habe Ihnen doch carte blanche gegeben", sagte Lord Wayne hastig. „Sie können handeln, wie es ^hnen ^^Doch dies wird in Eurer Herrlichkeit Hauswesen ein- qreifeu, und deshalb hielt ich für nötig, es zu erwähnen, -Derartige Fälle sind immer imangenehm, besonders aoer, wenn sie häusliche Unannehmlichkeiteii verursachen." „MaS kann dies mit meinen häuslichen Angelegenheiten zu schaffen haben?" forschte Lord Wayne. „Ich fürchte, sehr viel. Ich muf? Eure Herrlichkeit bitten, nicht glauben zu wollen, daß ich bloß belästigen will. Ich tue nur das, was ich für meine Pflicht halte/- „Natürlich, und ich wünsche, daß Sie das tun." , „Es sind jetzt vierundzwanzig Stunden fett deinMoroe verflossen, und ich bin seitdem keinen Augenblick müßig gewesen, um zu entdecken, von wem die Tat begangen worden ist. Gewisse Schlußfolgerungen bringen mich zu dem Glauben, daß der Täter inneryalb des Hauses sich befindet." ,, , ., „Das ist ganz unmöglich", sagte Lord Wayne mit Bestimmtheit. „Der unglückliche, junge Mann war uns nur sehr oberflächlich bekannt. Nur wenige der Diener, wenn überhaupt welche, haben ihn gesehen. Welches Interesse hätte irgend einer von ihnen an seinem Tode haben können?" , , , „Das ist's, was ich ausfindig zu machen habe. Ich hoffe. Eure Herrlichkeit nehmen mir die Frage nicht übel - aber glauben Sie, er habe vielleicht ein Verhältnis oder eine Liebschaft mit einem der Mädchen gehavt? Nichts derart", erwiderte Lord Wayne. „Wie konnte das möglich sein? Er ist nie in seinem Leben auf Kenninghall gewesen." „ t . „Das glauben Sie, Mylord; aber der Herr emes Hauses weiß oft am allerwenigsten, was darin alles vorgeht." , „Ich kann mich dafür verbürgen, daß mente Dienerschaft so ist, wie sie sein soll", sagte Lord, Wayne, „sagen Sie mir aber gleichwohl, Sergeant, was Sie zu tun beabsichtigen, und es soll geschehen." „Ich bin also der Ansicht, daß sofort — ehe vielleicht noch vorhandene Beweise vernichtet werden können — em Geheimpolizist im Schloß stationiert wird, um das Geheimnis zu enträtseln, während ich die Untersuchung draußen fortsetze." , „Glauben Sie wirklich, das fei notig? fragte Lord Wayne mit verdrießlicher Miene. . „Wenn ich davon nicht überzeugt wäre,, MYwrd, so würde ich mir nicht erlaubt haben, es Ihnen in Vorschlag zu bringen." ,c . . „Sv tun Sie also, was notwendig ist", erwiderte der 695 Schloßherr müde. „Es wird sehr ungemütlich sein, das läßt sich aber nicht ändern." „Es wird nicht so ganz schlimm sein", fuhr Sergeant Elliot fort. „Ich kenne einen Detektiv, der ein feingebildeter Mann ist, Inspektor Sinclair; und wenn irgend etwas Unangenehmes in einer Familie sich ereignet, so wird er stets für die Sache gewählt." „Tun Sie, wie Sie wollen", wiederholte Lord Wayne. „Ich habe nur auf Eurer Herrlichkeit Zustimmung gewartet", fuhr der Sergeant fort. Es wird am besten sein, wenn der Zweck seines Besuches geheim gehalten wird; denn wäre er bekannt, so würden die Absichten, die uns leiten, natürlich von vornherein vereitelt sein. Vielleicht wäre es das Beste, wenn er als Künstler zum Studium der Gemälde ins Schloß eingeführt würde." „Machen Sie das, wie Sie wollen", war die Erwiderung. „Mir ist die Idee, einen Geheimpolizisten mitten unter uns zu wissen, im höchsten Grade zuwider; wenn es Recht und Gerechtigkeit aber verlangen, — nun gut, so mag's geschehen." „Tann will ich die Sache also unverzüglich in die Wege leiten", sagte Sergeant Elliot. Das Ergebnis dieser Unterhaltung war, daß binnen einer Stuilde das ganze Schloß wußte, daß ein Zimmer für Herrn Sinclair instand gesetzt werden sollte, einen Herrn, der die Gemälde besichtigen wollte. In weniger denn sechs Stunden war Herr Sinclair bereits in seinem Zimmer installiert. Er wurde von Sergeant Elliot an der Bahn abKholt, und die beiden hatten zunächst eine lange Unterhaltung auf dem Privatzimmer Elliots. Im Verlauf derselben zog der Sergeant ein sorgfältig in Papier gewickeltes Armband ans der Tasche, worauf Blutflecken und Schmutz wie von feuchter .Erde sich befanden. „Verlassen Sie sich darauf", bemerkte der Sergeant, „wir sind dabei auf der richtigen Spur, was für ein Geheimnis auch noch dahinter stecken mag." „Was für eine Frau ist es?" fragte Herr Sinclair. „Sehr schön — sehr stolz und würdevoll, eine, von der Cie zu allerletzt denken würden, daß sie in etwas Derartiges verwickelt sein könnte." „Aelter oder jünger, als der Ermordete?" fragte Herr .Sinclair. „Aelter, fünfzehn oder sechszehn Jahre älter", war die ^Erwiderung, worauf Herr Sinclair nichts weiter fragte. Er wurde bald sehr populär im Schlosse. Er sagte den Mädchen so reizende Komplimente, daß sie alle hingerissen waren. Wenn er aber eine von ihnen bevorzugte, so war es augenscheinlich Jeannette, Myladys Zofe. Er folgte ihr wie ein Schatten, schmeichelte ihr, trug die unwandelbarste Hingebung für sie zur Schau. „Ich habe gehört", sagte er ihr am Tage nach seiner Ankunft, „daß in Lady Waynes Ankleidezimmer ein präch- tiger Correggio hängt." „Was ist ein Correggio?" fragte die hübsche kokette Jeannette. „Ein Gemälde von einem alten italienischen Meister, den ich besonders studiert habe und dessen Werke ich beinahe allo kenne, bis auf dieses. Das nächste Mal, wenn Mylady ausgeht, möchte ich eS sehr gern einmal betrachten ~ das heißt, wenn Sie solche Schätze zeigen dürfen." Jeannette warf den Kopf kokett zurück. „Hat sich was zeigen zu dürfen", sagte sie. „Ich weiß jetzt, welches Bild Sie meinen. Jeder, der nach zpenning- hall kommt, sieht es sich an." „Dann wollen Sie doch gegen mich sicher nicht unfreundlicher sein, wie gegen alle anderen Fremden, nicht wahr?" schmeichelte er galant; worauf das hübsche Kammerkätzchen nur verheißungsvoll lächelte. Dte Gelegenheit kam noch am selben Nachmittag. Lady Wayne sah so angegriffen und ganz anders wie sonst aus, daß ihr Gemahl daraus bestand, sie zu einer Spazierfahrt mit hinauszunehmen. Vergeblich weigerte sie sich. „Du mußt mitkommen, Evelyn, bestand er. „Die frische, reine Luft wird die Erinnerung an diese Schrecken wegblasen." Sie fürchtete, durch fortgesetzte Weigerung Erstaunen oder. Bemerkungen wachzurufen, und ging (Fortsetzung folgt.). Aas Museum in Aarmstadt. Eine historische Skizze 1 von Hermann Knispel (Darmstadt)'. (Unberechtigt, c ' druck verboten.) (Fortsetzung.) Kürz, das Diarmstädter Museum wuchs rasch empör und erregte die Bewunderung aller Kunstfreunde und -kenner. Auch Goethe» hat dies rückhaltlos anerkannt. Sein Urteil in den eingangs erwähnten Reisebriefen gibt eine ungemein lebendige Schilderung über die junge Kunstanstalt und ihre damalige Bedeutung. Es möge daher an dieser Stelle mit nur wenigen Kürzungen Platz finden: „D a r m st a d t. Das hiesige Großherzogliche Museum wird wohl immer unter den Anstalten dieser Gegenden zu den vorzüglichsten gezählt werden, und dessen nmster- hafte Einrichtung wird allen ähnlichen Unternehmungen billig zur Richtschnur dienen. In dem geräumigsten Lokal sind die mannigfaltigsten Gegenstände ohne Prunk, aber mit Ordnung, Würde und Reinlichkeit ausgestellt, so daß man durchaus mit Bewunderung im Genüsse belehrt wird. Die herrlichsten Statuen in vortrefflichen Gipsabgüssen verdienen wohl zuerst genannt zu werden, an die sich zahlreiche Büsten, Körperteile, Basreliefe anschließen, alles in anständigen Räumen, der Betrachtung, so wie den Studien gleich günstig. Die Nachbildungen in Kork von allen bedeutenden römischen, ja italienischen Monumenten, wozu sich ältere deutsche gesellen, geben dem Baukünstler zu den bedeutendsten Vergleichungen Anlaß. Eine zahlreiche Gemäldesammlung, in welcher jeder Liebhaber sich' nach seinem besonderen Interesse nn älteren und neueren Meistern geschichtlich unterrichten oder gemütlich ergötzen kann, ist durch mehrere Zimmer verbreitet. Sucht man vergebens von den übrigen Schätzen einige Notiz zu liefern, so muß man wünschen, daß ein Katalog, wenn auch nur das Allgemeinste andeutend, dem Reisenden bald in dit Hände gereicht werde: denn wie soll man sich sonst aus dem unendlichen, obgleich vortrefflich geordneten und zusammcnge- stellten Reichtum herausfinden? Man sagt nicht zu viel, wenn man behauptet, daß Musterstücke der Kunst und Merkwürdigkeiten aller Jahrhunderte und Gegenden, welche uns betrachtungswürdig überliefert werden, hier anzutreffen sind. Vasen und Urnen aller Art, Trink- und Scherzgefäße, Bronzen aller Jahrhunderte, worunter man die köstlichsten Kandelaber und mehr- dochtige eherne Lampen bewundert, Reliquienkästchen der ältesten byzantinischen Zeit, von Erz und Schmelz, elfenbeinerne etwas später, Kirchengeräte jeder Art, unschätzbare Handzeichnungen der größten Meister, so gut ältere als neuere chinesische und japanische Arbeiten, Glasgeschirre, durch Materie, Form und Schleifknnst kostbar. Und so müßte man fortfahren, ein allgemeines Bild einer musterhaften Kunstsammlung aufzustellen, und man würde dennoch das Ganze nicht ergründen. So finden sich z. B. eine große Anzahl altdeutscher Kirchengemälde, welche, restauriert und aufgefrischt, einer Scheinkapelle zur vorzüglichsten Zierde dienen würden. Was jedoch beinah noch mehr als die Schätze selbst den Beschauer anspricht, ist die Lebendigkeit, welche man dieser Sammlung, als einer sich immer fortbildenden, anmerkt. Alle Fächer sind in Bewegung; überall schließt sich etwas neues an; überall fügt sich's klarer und besser, so daß mhn von Jahr zu Jahr den schaffenden und ordnenden Geist mehr zu bewundern hat. Selbst wenn man iit Bezug auf Köln die Sammlung des Herrn von Hüpsch dem Darmstädti- schcn Museum mißgönnte, so freut mau sich hier des glücklichen Geschicks, welches diesem Chaos zu teil ward, entwickelt, gesondert und einer schon lebendig geordneten Welt einvcrleibt zu werden. Eine naturhistorische Sammlung von gleichem Reichtum und Vollständigkeit fleht dieser Kunstsammlung zur Seite. In hellen Galerien aufgeordnet, finden sich die drei Reiche der Natur, an welchen immer durch tätige Männer Reinlichkeit erhalten, das Erfreuliche für den Beschauer vermehrt und die Ordnung für den Wissenden und Wißbegierigen immer klarer eingerichtet wird. Wenn auch hiervon nur int allgemeinen die Rede sein kann, so darf man wenigstens insbesondere der Sammlung gedenken, welche, der vergleichenden Anatomie gewidmet, jene merkwürdigen Fossilien, Reste der gigantischen Tiere ans der Urzeit, wie sie in dem weiten Rheintale so ost ausgegraben werden, geordnet und erhalten vor Augen stellt. Rührend war es dem Befchaer, viele Stücke hier zu finden, welche, von dem verblichenen Jugendfreunde Merck mit Liebe und Leidenschaft gesamnielt, nun durch landeK- herrliche Neigung und durch Sorgfalt eines nachfolgenden Naturforschers hier gerettet und gesichert lagen. Auch fand man jenen Wunsch schon erfüllt, daß nämlich seltene Naturgegenstande, die man schwerlich je mit Angeit sehen wird, neben anderen wirklichen Seltenheiten aufgestellt würden. Das ungeheure Geweih, wie man sie in Irland ausgräbt, ward zur Bewunderung des Anschauenden versitchsweise auf eine Papier- fläche gemalt. ... Eine höchst reiche, eben so würdig als reinlich ausgestellt« Bibliothek setzt den Reisenden alsdann in Verwunderung und erregt in ihm den Wunsch, längere Zeit von diesen Schätzen Gebrauch machen zu können. Wie er denn auch, wenn er völlig fremd und mit hiesigen Verhältnissen ganz unbekannt wäre, not- tveitbig auf den Geist, der einem solchen großen Körper Leben gibt und erhält, aufmerksam werben müßte. Ihm könnte nicht einen Augenblick verborgen bleiben. Daß die Neigung des Fürsten zu solchen Unterhaltungen groß und entschieden sein müsse,, daß er einem einsichtigen Manne, der planmäßig, und tätig hierin ungestört wirken kann, das volle Vertrauen schenkte; woraus denn wieder folgt, daß dem Vorgesetzten nur solche Mitarbeiter zu- und untergeordnet werden, die in gleichst»! Sinne, mit gleichem Schritt, ohne Pause und Uebereilung, in einer Richtung fort- arbeiteii. Freilich wird alsdann eine solche vortreffliche Einrichtung nicht als ein Wunder erscheinen, aber doch auf unserm Wcltbodcn, wo Trennung, Unordnung und Willkür so sehr begünstigt ist, möchte sie noch immer wunderbar bleiben. Erfreust») wird cs daiin jedem sein, zu sehen, daß Ihre königliche Hoheit der Großherzog ' so lange Jahre lmter den ungünstigsten Umstanden solche schöne Neigung ununterbrochen gehegt, daß Herr Geheime Kabinetts'rat Schleierniacher das höchste Vertrauen in solchem Grade zu verdienen und sich zu erhalten gewußt, und unter seiner Leitmig seine Herren Söhne den Kunstsammlungen und der Bibliothek vvrstehen, ja einen physikalischen Apparat durch Vorlesungen nutzbar zu Machen. . . . Findet man nun beim Durchschauen der vielen Säle alles wie aus einem Gusse, bemerkt man, daß in Jahresfrist alles planmäßig zugenommen, so wird man wohl den Wunsch hegen, daß jeder Konservator diese Sammlung von der artistischen, antiquarischen, naturwissenschaftlichen, literarischen, am meisten aber von der ethischen Seite studieren und zum Vorbildc nehmen möchte. . ." So weit Goethe. (Schluß folgt.) Totensonntag. Von Richard Staben. Nachdruck verboten. Das Meer brandete in einförmigem Wellenschläge gegen die Küste. Es stand ein harter Nordost auf, der die Mole mit gischtsprühendem Schaum überschüttete. Die Fischerboote hatten sämtlich im Hafen festgemacht, nicht eines war seeklar. Draußen, am Rande der Düne war ein Friedhof gelegen, der Friedhof der Namenlosen. Was das Meer an Leichen im Laufe des Jahres an den Strand geworfen hatte, war hier beerdigt worden. Schmucklose Hügel, mit Ginster überwuchert, bedeckten die Grabstätten. Eine hochgewachsene, schwarzgekleidete Frau watete vorwärts in dem Dünensande, in dem sie bis an die Knöchel versank. Sie stapfte die Reihen der Grabhügel auf und ab und endlich, — da hinten, ein verwittertes Holzkreuz, auf dem eingekritzelt noch zu lesen war: Karl Stüwcr von der „Hejmdahl", über Bord am... . Die weiteren Buchstaben hatten Wind und Wetter fortgewaschen. An diesem Hügel blieb die Frau stehen und hing einen Kranz aus Lorbeerblättern um das Holzkreuz. . Karl Stuwer, — das war ihr Sohn gewesen, auf den sie einstmals all ihre Hoffnungen gesetzt hatte. , Ein toller Streich, eine Jugendeselei hatte Karl aus dem Elternhause getrieben, •— oh, in der kleinen Stadt standen Moral und gute Sitte auf dem Höhepunkt und so wurde dem „Gefallenen" das Elternhaus- verschlossen. Er bat vergeblich um Verzeihung; er fand zugemachte Türen, denn der Kodex der „anständigen" Leute schlug sogar das Mutterherz in Banden, in Banden der engbrüstigen Anschauungen, der Lieblosigkeit. Karl Stüwcr wurde Seemann, er ging nach Amerika, in das Dollarland, in welches all die ungeratenen „Früchte!" ab- geschobeu wurden. Niemand wußte, wie es ihm dort ergangen war. Wahrscheinlich gut, denn sein letzter Brief kündete seine Rückkehr auf der „Hejmdahl" an. Das Schiff war im Kanal gescheitert mit Maus und Mann. Nach Monaten erst waren die Leichen der Ertrunkenen an der deutschen Nordseeküste ange- tricbcn worden. Auf dem Friedhof der Namenlosen hatte man sie beigesetzt. Ein Medaillon, das einer der Angeschwemmten um den Hals trug, ermöglichte nach langem Forschen die, Feststellung der Persönlichkeit. Das Medaillon trug die Einzeichnung: Meinem Karlchen seine Mutter Konstanza Stüwcr. — — Nun stand die gestrenge Frau Kvnstanza auf dem einsamen Friedhof. Der Sturm zerzauste ihr Haar, niemand bemerkte ihre Tränen, — Totensonntag ! Gesundheitspflege. — Blinddarmentzündung. Im Verlag der „Aerztlichen Rundschau" (Otto Gmeltn), München, erschien eine Abhandlung über Blinddarmentzündung mit der Frage „Wann soll operiert werden?" von Med.-Rat Dr. I. Baumgärtner, dirig. Arzt des städd. Krankenhauses Baden-Baden; mit 32 Abbildungen im Text. (Preis 1.50 Mk.) Eine kurze Betrachtung über die Stationen der Nahrungsaufnahme und der Verdauung geht der illustrierten Beschreibung des Blinddarmes und seines Anhangs sowie der Lageveränderung derselben voraus. Die verschiedenen Grade der Entzündung sind durch Photographien der durch Operation gewonnenen Wurmfortsätze veranschaulicht. Auch die Exsudate, Eiterherde, sind mit ihren möglichen Folgen charakterisiert. Prägnante Erzählungen unterstützen das Verständnis und würzen den Vortrag, der präzis die Frage, wann operiert werden soll, beantwortet. Blumenpflege. — Eitle atlge nehme und lohnende Beschäftigung bildet die Pflege der Zimmerpflanzen. Wenn draußen im Garten, in Wald und Feld die Natur zuv Niiste geht, möchte lvohl jeder gemütvolle Freund ihrer Schönheiten sich wenigstens ein Stückchen davon in Gestalt einer Blume vor dem starren Winter hinüberretten in das trauliche Heim, um sich hier an der lieblichen Gabo Floras weiter zu erfreuen. Doch sie will dafür richtig gepflegt (fein, und nicht jedem« gelingt dies, denn alles muß gelernt sein. Mit wie wenig Mitteln man sich eine Fülle solcher Freuden zu jeder Jahreszeit bereiten kann, das zeigt so recht ein in dein bekannten Sonntagszeitungs- Verlage von W. Vobach u. Co. in Berlin erschienenes Büchlein: „Anleitung zur richtigen Blumenpflege im Zimmer, sowie die Bepflanzung des Balkons und das Ueberwintern bei Blumen" von I. Barfuß. (Preis 1.20 Mk.) In einer leicht faßlichen, von zahlreichen Abbildungen begleiteten Darstellung alles Wissenswerten für die Blumenpflege werde» sowohl dem Laien wie dem erfahrenen Blumenfreunde wertvolle Ratschläge erteilt und zum Teil ganz neue Wege gewiesen, seine Liebhaberei mit Freude und Erfolg zu betreiben. Das hübsch ausgestattete Büchlein wird sich infolge seiner überaus praktischen Eigenart sicherlich bild die Gunst des blumenfreundlichen Publikums erwerben. Eingegangene Bücher. Folgende Bücher sind bei der Redaktion unseres Blattes eingegangen (ausführliche Befvrccknngen einzelner Werke bleiben Vorbehalten ; Zurückfendung von Büchern findet nicht statt): F, L. Rhodes praktisches Handbilch der Handelskorrespondenz und des Geschästsstils. 2.-6. Lieferung. Frankfurt a. M., I. D. Sauerländers Verlag. Tr. Will). N. Do e r k es - Boppard, Die Immunität der Reichstagsabgeordneten. 80 Pig. Berlin, Puttkamer u. Mühlbrecht» Banernflerß. Hoach draobii ni da Vergloah* waos schivindelt oan bold bia-t ackert zan Feld um da Bauer fei Hold. Ta Grund is vuü Wurzeln und hort iviar a Stoa, do' ackert ern völli za Brökeln fao kloa. Kimlnts Troad ait in d' Erdn und d' Sunn draus und Regn do säuselt da Wind stad den himmlischn Segn. Do schlogn astn d' Wochielw im Fruijohr ihr Liad — und d' Müah ts vagessn waons Troad fao fchö blüahti Und is nocha d' Fechsung — Hot glaohnt st da Schweiß: do raufchn d' vullu Aehrn ast den Bauern sein Fleiß. Wien. I o s e f R e i ch l. Anagramm. Nachdruck Verbote». Willst du mich hören sagen, Geh' in den Wald hinein. Stellst du die Zeichen recht, Werd' ich ein Mägdelein. Auflösung in nächster Nummer. Auflösung des Arithmogriphs in voriger Nummerr Miebuhr — Inn — Eher — Birne — Uhu — Heu — Euhrj Niebuhr. Redaktion: Ernst Heb. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'scheu UniversitätS-Buch- und SteMdruckeret» R. Langem Vietze»