Mittwoch den Z4. Olrtoöer ®8® M >SLZ I“ ril WM! »41 Im Wanne des Geheimnisses- Roman von H. v. Raesfeld. Nachdruck verboten., (Fortsetzung.) „Sie sind Lord St. Gilbert," sagte sie einfach. „Wie sehr haben Sie sich verändert." „Ich war ein nichtsnutziger Bengel, als Sie mich zuletzt sahen, und Sie nannten mich „Bald"; jetzt bin ich ein Mann." Vielleicht fühlte er, daß das erst keimende Flaumbärtchen auf seiner Oberlippe die Wirkung dieses großen Wortes einigermaßen beeinträchtigte, denn er fuhr schnell fort: „Und nun, Miß Wayne, lassen Sie mich Ihnen meinen liebsten Freund und mehr als Bruder, Herrn Jefferies, vorstellen, der mir das Leben gerettet." Und wieder aufblickcnd sah Elsie in Wcrncr's jugendlich schönes, geistvolles Gesicht. „Also Sie sind's, der Lord St. Gilbert mit eigener Lebensgefahr vom Tode gerettet hat?" fragte sie und hielt ihm das schlanke Händchen hin. „Ich war sehr gespannt darauf, Sie einmal zu sehen." Dann errötete sie, im Glauben, sie habe zu frei gesprochen; und Werner hielt dies liebliche, errötende, graziöse junge Wesen, halb Kind, halb Jungfrau, inmitten ihrer Blumen für das schönste Bild, das ihm je vor Augen getreten. Er lenkte das Gespräch auf die Rosen rmd den wundervollen Duft derselben, und bald plauderten alle drei munter zusammen, ohne an das bevorstehende Diner zu denken. „Dem Glücklichen schlägt keine Stunde," zitierte wie von ungefähr Lord St. Gilbert im Verlauf der Unterhaltung; und damit überfiel Elsie ein gcivaltiger Schrecken int Gedanken daran, was sie getan. Anstatt im Gesellschaftszimmer zu sitzen und die offizielle, so oft bei Madame Grignaud cinstudierte Begrüßungs-Verbeugung zu machen, lief sie hier im Garten umher und plauderte mit diesen beiden jungen Leuten, als ob sie dieselben Zeit ihres Lebens gekannt. Purpurne Röte überzog ihr liebliches Gesichtchen. Wie sollte sie sie los werden, was sollte sic nur tun? Jeden Augenblick konnte die gefürchtete Klingel erschallen. Lord St. Gilbert mußte ihre Verlegenheit wohl erraten haben. „Wir sollten uns eigentlich entschuldigen, daß wir zuerst den Garten aufgesucht," sagte er, „aber Lord Wayne brachte uns her." Und, o Glück über Glück! da tauchte auch der Vater auf, schloß sich der Gruppe an, und in heiterster Stimmung betraten alle das Ecsellschaftszimmcr. Mrs. Gizzard ivar da mit Aice und Elaire — beide in Wolken von iveißcm Tüll und Spitze, im übrigen genau wie alle anderen jungen Dämchen. Marian West faß im Schatten des großen Bogenfensters. Wie sie dein Himmel dankte, daß jedermanns Aufmerksamkeit sich auf die beiden jungen Herren richtete, rmd sie fast unbeachtet blieb! Ihr Gesicht wurde blaß wie der Tod, ihr Herz hörte fast ntif zu schlagen, als Werner in's Zimmer trat. Es war Jahre her, daß sie ihn gesehen — lange Jahre — damals war er ein Knabe geivescn, hatte in dem ärmlichen Schlaf« zimnierchen in Ferryhill gelegen und geschlafen. Ach, rmd wären Jahrhunderte seitdem verflossen — sie hätte das Gesicht überall wieder erkannt — diese weiße, breite Stirn so voll idealer Gedanken, das lockige Haar, die leuchtenden Augen und den schönen Mund. Er ivar seiner Mtitter so ähnlich, daß sie fast ohnmächtig tvurde, als sie ihn betrachtete. Es hätte sie nicht überrascht, wenn alle Menschen in dem Gemach hier einstimmig in den Ruf ausgcbrochcn warn: „Es ist Eve's Sohn!" Und dann sah sie Lady Wayne, mit süßem Lächeln auf dem strahlenden Gesicht, vortrctcn und ihm entgegen gehen. Sie sah ihrer Schwester Hand die scinige drücken, und danit kaut eine barmherzige Dunkelheit vor ihren: Blick, und einige Minuten lang konnte sic nichts tuchr scheu. Als die Sinne ihr zurückkehrten, hörte sie sich murmeln r „Barmherziger Himmel, hab' Mitleid mit mir!" . Als sic diese beiden zuletzt zusammen gesehen, hatte Evelyn mit dein Schatten des Todes auf ihren Zügen, gänzlich beivtißtlos für alles, was verging, und er als winziger hilfloser Säugling ihr im Arme gelegen. Das glänzende Gesellschaftszimmer schien vor ihr zu verschwinden, und an seiner Stelle erhob sich das altertümliche kleine Zimmer auf dem Mühlenhofe in Abbotsvillc. Sic sah Dr. Rurkc, ernst, gesetzt, voll Sorge und Spannung sich über die Kranke beugen. Sie 'erinnerte sich, tvie sie das liebe Kindergesichtchen in leidenschaftlichem Kummer und Gewissensbissen geküßt hatte, als sie den Kleinen Kate Jefferies übergeben. Und mm waren sie wieder zusammen — Mutter und Sahnt Dann hatte sie all ihre Kraft zufammenzunchmen, denn Lady Wayne führte die beiden Herren zu ihr. Lord St. Gilbert schüttelte ihr herzlich die Hand. . Er hatte die liebe häusliche Tante Marian immer gut leiden können. Dann stellte Evelyn lächelnd Marian und Werner einander vor. 628 Es feint ihr vor wie ein Traum, als Werner Jefferies ihr die Hand drüekte und mit ihr sprach. Sie blickte ihm halb verwirrt, halb geistesabwesend ins Gesicht und antwortete ihm, sie wußte nicht was und wie. Werner legte sich die Verwirrung dieser bescheidenen Frau ganz anders aus. Gutmütig nahm er neben ihr Platz und begann mit ihr zu plaudern. In wenigen Minuten erholte sie sich. „Es ist alles sicher", sagte sie sich; „alles sicher; niemand hat es entdeckt, daß es Eves Sohn ist". Damit kehrte ihr die volle Selbstbeherrschung und Geistesgegenwart zurück, und sie war imstande, mit ihm zu plaudern. — Ach, kein Wunder, daß Eve von ihm entzückt gewesen, kein Wunder, daß Lord Wayne eine solche Vorliebe für ihn gefaßt. Lady Wayne betrachtete die beiden, lächelte und dachte, daß der junge Mann sicherlich irgend einen wunderbaren Zauber an sich haben müsse, der jetzt auch sogar bei ihrer ruhigen, gesetzten Schwester zu wirken beginne. Die Aukün- dignng des Diners unterbrach das Tete-ä-Tete. ES war eine so fröhliche Gesellschaft; Lord Wayne sah umher auf die lachenden, sonnigen jungen Gesichter; er blickte auf fein schönes Weib, strahlend in Juwelen, lächelnd, anmutig und glücklich — und ein Gefühl des'Friedens und der Sicherheit beschlich fein Herz — ein warmes schauerndes Glücksgefühl, das ihn inmitten dieser glänzenden Gesellschaft mit froher Dankbarkeit gegen den Allgütigen erfüllte. Keine Ahnung von den sich langsam in der Ferne zusammenballenden schweren Wetterwolken überkam ihn, von dem Unheil, das sich über Kcnninghall entladen sollte!-- Denselben Abend war Lord St. Gilbert einen Augenblick allein mit Werner zusammen. „Nie werde ich dies liebliche Bild, das wir heute sahen, vergessen, Werner", sagte er — „Miß Wayne unter den Rosen. Wie schön sie ist — wie lieblich und anmutig! Kann ich sie nicht als mein Weib gewinnen, so werde ich nie eine andere lieben." „Sie ist sehr hübsch, sehr lieblich", sagte Werner ruhig, „aber ich glaube, mit ihrer Mutter ist sie nicht zu vergleichen!" lind oluvohl Werner durchaus im Ernste sprach, lachte Lord St. Gilbert doch herzlich über seine Worte. 22. Kapitel. Miß West verzweifelt. „Marian", sagte Lady Wayne, „ich werde ganz unruhig Hin dich, und Mortimer geht es auch so. Weist du auch, wie verändert du bist? Deine Augen brennen und sehen aus, als ob du gar nicht mehr schliefest, deine Hände zittern. Du warst sonst so ruhig, so gleichmütig, so wacker, — und jetzt bist du nervös, zerfahren. Was stimmt nur nicht, Liebe?" Es war ein sehr blasses, verändertes Gesicht, das Miß West ihrer Schivester zuwandte. Sie versuchte zu lächeln und zu versichern, daß es nichts als Unwohlsein fei, doch Lady Waynes rege, liebende Teilnahme war nicht so leicht abzu- wehren und zufriedenzufteNen. Sie betrachtete sie gespannt und fuhr dann plötzlich fort: _ „Marian, du hast doch sicher nichts auf bem Herzen — ks liegt doch nichts vor — keine Gefahr!" „Nein, nein, Eve; was sollte ich auf dem Herzen haben? Sprich doch keinen Unsinn. Uebcrlass' mich nur mir selber — es wird mir bald wieder besser gehen". „Aber", beharrte Lady Wayne, „du hast das schon feit langem gesagt; wir haben dich auch gewähren lassen, aber du wirst und wirst nicht anders, — nicht besser". Miß West sah wirklich sehr angegriffen aus. Es war eine schreckliche Probe für sie gewesen, zu sehen, wie der Sohn ihrer Schwester als Fremdling Gastfreundschaft bei 'eines Mutter genoß und niemand von dem Sachverhalt etwas wußte, wie sie. Sie zwang sich, alles schweigend zu tragen, und cs war bisher auch leidlich gegangen; seit heute morgen aber lastet ein große Furcht auf ihr, eine schreckliche Angst, die sie keine Minute verließ und stets stieg. An diesem Morgen, als die ganze Gesellschaft beim Frühstück gesessen, hatte Elsie lachend von einem kleinen Perlen-Medaillon erzählt, das sie trug. „Es besitzt einen Zauber", sagte sie, „einen wirklichen Zauber, es ist ein Talisman. So lange ichs trage, kann mir nichts Uebles widerfahren." Werner wandte sich ebenfalls lachend zu ihr: „Ich habe auch einen Talisman, aber keinen so hübschen wie Sie; der meinige ist eine grünseidene Börse." „Zeigen Sie her", sagte Elsie gebieterisch. „Gern, nachher. Sie ist aus meinem Zimmer. Ich gehe ohne sie nirgendwo hin." „Warum tragen Sie sie denn nicht?" fragte Elsie. „Sie sollten ein Goldstück hineintun und sie stets bei sich tragen." „Nein; ich fürchte sie zu verlieren, und Sie wissen nicht, wie abergläubisch ich bin; es scheint mir all' mein Glück mit ihrem Besitz verknüpft. Ich habe eine Ahnung', daß, wenn ich sie verlöre, alb mein Glück mich verlassen würde." „Ich bin ganz neugierig auf Ihren Talisman", sagte Elsie. „Nach dem Frühstück werde ich sie Ihnen mit Vergnügen zeigen." Und diese wenigen Worte hatten Miß West aller Selbstbeherrschung beraubt und sie säst zur Verzweiflung getrieben. „Eve wird diese Börse unter allen Umständen sofort wiedererkennen", dachte sie. „Sie hat sie selbst gemacht und war so stolz darauf feiner Zeit. Wie konnte ich nur so verrückt, so dumm, so gedankenlos sein? Wer hätte es sich aber auch träumen lassen können, daß er je hierher kommen würde? O, mein Gott, mein Gott!" stöhnte die unglückliche Frau leise, „ist es deine Hand, die das getan?" Sie richtete ihre ganze Energie darauf, Werner und Elsie von dem Gegenstand ihrer Unterhaltung abzubringen. Sie plauderte mit ihnen, erzählte ihnen Anekdoten, zog sie auf, bis alle sich über ihre Aufgeräumtheit wunderten. „Nun", sagte sie gegen Ende des Frühstücks, „laßt uns heute keine Zeit verlieren. Der Morgen ist wundervoll; wir wollen ein paar Bücher mitnehmen und in den Park Yinausgehen, und zwar bis zur Königs-Ceder; dort sollen Herr Jefferies und Lord St. Gilbert uns dann vorlesen." „Hurrah! Tantchen", rief Elsie, „du wirst bald durch und durch lyrisch. Eine prächtigere Idee hätte ich selbst nicht erfinden können — Sonnenschein, Blumenduft, im' Schatten der Ceder, und ein schönes Buch!" „Wirklich, das wird hübsch", lächelte auch Lady Wayne. Lord St. Gilbert war alles gleich, wenn er nur in der Nähe seiner bezaubernden Eliie bleiben konnte. „Mir wollen also keine Zeit verlieren", sagte Miß' West; und keiner aus der kleinen Gesellschaft, wovon die meisten über den Eifer, womit sie zum Aufbruch trieb, lächelten, ahnte auch nur etwas von der fieberhaften Angst und Qual, die sie mittlerweile litte. Sie redete und sprach so viel, von dem Buch, das sie nehmen sollten, wer zuerst und wer dann vorlesen sollte, wie hübsch und schön es draußen wäre, bis Werner und Elsie, von der Idee ganz begeistert, alles andere, Börse,; Versprechen, Talisman, vollständig vergaßen. Dann, als sie alle aufbrechen wollten und Werner mit der ihm eigenen freundlichen Liebenswürdigkeit sich zum! Begleiter Miß West's erboten, erinnerte sie sich plötzlich, daß sie etwas sehr Wichtiges noch nicht besorgt habe. „Geht nur, geht nur schon ohne mich", sagte sie zu Lady Wayne; „ich werde Euch folgen — es wird nicht lange dauern." Man ging; Lady Wayne mit dem heimlichen Gedanken, daß ihre Schwester in letzter Zeit doch recht merkwürdig geworden. Lord St. Gilbert schwamm in Glückseligkeit — er hatte sich der ausschließlichen Begleitung Elftes versichert. Sie gingen voraus und ihr munteres Geplauder und fröhliches Gelächter klang wie Musik durch die klare ruhige Sommern lüft herüber. t . j Werner wandelte an Lady Waynes Seite. ' „Weshalb heißt dieser Baum die Königs-Ceder?"- fragte er. „Ach, Mr. Jefferies, es gibt so viele Sagen und Legenden auf Kenninghall — ich glaube, das ist auch der Grund, warum es mir hier so aßerordentlich gut gefällt. Die Geschichte ist also die: König Karl'II. war dem da- Maligen Lord Wayne auf Kenmnghall wiegen mancherler Dienste sehr verpflichtet und nach Wiedererlangung der Regierung kam er persönlich hierher nach Kenninghall, nnt ihm zu danken. Natürlich lustwandelte er auch im Parke und sah bei dieser Gelegeuheit die Ceder, deren Schönheit und Großartigkeit ihm derart gefiel, daß er den Wunsch äußerte, unter ihrem Schatten das Frühstück einzunehmen. Man willfahrte sofort dem königlichen Wunsche und als man unter dem Baume saß, füllte Karl Stuart einen silbernen Becher mit Malvasier und trank auf die Gesuudheit den Wohlstand und das Glück der Lords von Kenninghall. Man sagt, daß kein Zweig dieses Baumes eher abbrechen wird, als bis Kenninghall ain Vorabend eines schrecklichen Unglücks steht." „Dann wünsche ich, einer für alle, daß nie ein Zweig von dem Baume abbrechcn möge," sagte Werner, und Lady Wayne lachte. „Ich wills nicht hoffen. Ich habe übrigens auch keine große Furcht. Gott sei Dank, scheint unser Glück gut begründet." Nach wenigen Minuten erreichten sie die Ceder, und Werner rief voller Begeisterung: „Ha, wie prächtig! O, Lady Wayne, das ist ein Anblick zum Malen!" Nachdem der Baum gebührend bewundert, ließen sich alle in seinem duftigen Schatten nieder. -,Jch fiije da, wo König Karl gesessen," sagte Lord St. Gilbert, „und, wie er, so sage auch ich von Herzensgrund: Friede, Glück und Wohlergehen den Waynes von Kenninghall!" Dann begann Werner, auf den einstimmig die Wahl als Vorleser gefallen, aus Miltons „Verlorenem Paradies" vorzulesen. Es ist zu befürchten, daß weder Elsie noch Lord St. Gilbert die einem so großartigen Werke gebührende Aufmerksamkeit besaßen; sie weilten beide mit ihren Gedanken offenbar anderswo; doch Lady Wayne war entzückt. Etwas in dem Klange der Stimme brachte ihr die Jugend zurück, wiegte sie in die süßesten Träume und erweckte Gedanken und Erinnerungen in ihrem Herzen, die sie längst tot und vergessen geglaubt. Sie sah ihn an, als er eine Pause eintreten ließ. „Mr. Jefferies," sprach sie, „wo mag ich wohl früher Ihre Stimme gehört haben? Sie klingt mir wie die Melodie eines halbvergesscnen Liedes." „Ich wüßte wirklich nicht —" erwiderte er und sah sie verwundert an. Ihr schönes Gesicht war lebhaft erregt, ihre Augen voll Thräuen. „Es gibt oft Aehnlichkeiten in Stimmen und Gesichtern," sagte er ebenfalls bewegt, „die uns seltsam ergreifen. Vielleicht haben Sie früher eine Stimme wie die meinige gehört. Der Klang der Stimme beim Sprechen ist bekanntlich von dein beim Lesen sehr verschieden." „Ich weiß cs nicht," antwortete sie nachdenklich. „Sie lautet mir wie Glockenläuten, das ich als Kind gehört. Beachten Sie übrigens meine Zwischenbemerkung nicht, Mr. Jefferies; bitte, entschuldigen Sie diese Ablenkung. Lassen Sie uns mit Milton fortfahren." „Sicher," sagte er, betroffen über ihr trübes Lächeln, „Sie, Lady Wayne, so strahlend, so glänzend und glücklich; sicher, Sie haben keine traurigen Erinnerungen." „Weshalb sollte ich?" fragte sie etwas aufgeräumter. >/Jch glaube," sagte der junge Mann ernst, „es gibt kein größeres Unglück, als sein ganzes Leben durch, einen Schatten m der Jugend verdunkelt zu sehen." „Kein solcher Schatten schivebt über mir," sagte sie, und Mutter und Sohn blickten einander mit fast liebenden Blicken an. Ach, ivenn sie nur die Wahrheit gewußt! »Unser Tantchen bleibt aber lange," warf Elsie plötzlich dazwischen. , Sie war sehr anhänglich an Miß West, und Lord St. Gilbert fühlte etivas Ivie Eifersucht, daß sie, wo er doch zugegen, noch die Abivesenheit irgend einer anderen Persönlichkeit bemerkte. Miß West hatte mittlerweile ihre Aufgabe nicht so leicht gefunden. Es scheint gar nicht so schwierig, in das Zimmer eines Freniden zu gehen und etivas daraus zu cntivenden, als sie aber daran fam, den Gedanken in die Tat umzusetzen, fand sie die Sache keineswegs so einfach, wie sie aussah. Sie eilte sofort die Treppe hinauf und sah, als sie auf ihr eigenes Ziminer ging, daß die Tür z>i Werners Zimmer offen war. "Es war nicht nötig, hineinzusehen, denn sie hörte, daß das Dienstmädchen darin war. (Fortsetzung folgt.) Mom elsässisch?« Kroßen Welchm.' Von Adrian Mayer (Straßburg). Einiveihung des vergrößerten Belchen Hauses' am 7. Oktober. Unter Teilnahme mehrerer Mitglieder der Vogesen klub- Sektion Großer Belchen-Gießen, die mit den beiden Schwestersektionen Geb Weiler und Großer Belchen-Geb-^ Weiler den Bau gefördert und zu der Vollendung die Einladung hatte ergehen lassen, fand an deni durch herrliches Wetter begünstigten jüngsten Sonntage die festliche Einweihung des neu vergrößerten Gasthauses an der Spitze des Belchens, des höchsten Gipfels' der Vogesen und der linksufrigen deutschen Nheinlande, statt. Denjenigen Festtcilnehmern, die auf dem Berge übernachteten, schenkte dieser in der Sonutagsfrühe das Beste was er hatte: einen Sonnenaufgang von seltener Farbenpracht mit umfassendem Panorama der ganzen Alpen kette, sowie der V o g e s e n. Die Mittagsstunde brachte dann die eigentliche Festgabe: ein neues behagliches und stimmungsvolles Heimchep Bergfreunde ans dieser vorgeschobenen obersten Warte des Elsaß. Der Ausstieg führte von Lautenbach über die sehenswerten Secbachsälle zum Belchensee. Der trockne Sommer hat die Wassersülle des einst von Bauban geschaffenen Staubeckens, das durch' den Dammbruch in der Dezembernacht 1740 das Gebweiler Tal verwüstete, sehr zurückgehen lassen, so daß auf der Westseite die Felseu mit den selten sichtbaren Gletscherschliffen offen lagen. Bor dem Gipfel begegnete uns aus dem Rückweg zu Tal der Braune, welcher den trefflichen Altmeister der Vogesen, Geheimrat Prof. Dr. Enting, nach oben getragen hatte. Nach der Abendtafel blieb die etwa 20 Teilnehmer zählende Runde, darunter mehrere Damen, im alten Klubzimmer versammelt und da war er cs auch wieder, der in unerschöpflicher Laune, durch Vortrag von Dichtungen aus vergilbten Blättern, „Muscnklängen aus Deutschlands Leierkasten", dann auch in schwäbischer Mundart, unterstützt von Gaben anderer Anwesender, den Kreis bis zu später Stunde angeregt beisammen hielt. Doch schon bald kündete das Alphorn des Belchenwirts, daß ein neuer Tag zu neuen Ufern lockte. In Blutrot und Gold spielte der Osthimmel; der Schwarzwald zeigte nur einige der höchsten Spitzen. Als schwarze Wand zuerst, dann von den Firnen abwärts erglühend, lag die ganze Alpenkctte von Bünden bis zur Dauphinö frei, an der Silhouette des Finsteraarhorus sofort bestimmbar. Weit schöner als vom Schwarzwald stellt sich, von den Vogesen ans gesehen, das ganze Berner Hochland dar; weiter im Wallis Ivar das Wcißhorn als hohe Eisnadel gut zu erkennen, daneben auch das Haupt des Matterhorns bei Zermatt, während ganz rechts der Montblanc sein Riesenhaupt gewaltig über den Jura cmporreckte. Dann die Vogesen: im Norden die beiden Donons, weiter der ganze alpine Hochkamm Weißer See-Hohneck und im Vordergründe die reich gegliederten Südtäler und herbstlich gefärbten Wälder, ein malerisches Gebirgsbild. Im Laufe des Vormittags besichtigte der Zentralausschuß des Vogescnklnbs die Plätze auf dem Nordgipfel, die für das Denkmal von Curt Müudel, dem Herausgeber des weitbekannten Vogescnführcrs, in Aussicht genommen sind. Einige Teilnehmer besuchten den benachbarten Starken ko Pf, den zweithöchsten Vogesenberg, der einen guten Blick ans den Belchen und das Tal von St. Amarin bietet. Zum Festakte hatten sich nach und nach wohl gegen 300. Personen von allen Seiten her auf dem Belchen versammelt. Werfen wir noch zunächst einen Blick zurück auf die Ge-, schichte des B c l ch eu h a u s e s. Im Jahre 1873 war der erste Bau, eine steinerne feucht-kalte Schutzhütte, errichtet worden, die 1876 niedergclegt wurde; die Trümmer sind noch zu sehen.. . 1886 begann der Vogesenklub mit dem zweiteu Bau, dem brs- herigcu Belchenhause, einem aus Balken gefügten Holzbau. 1888 zur Zufriedenheit vollendet, hat dieser den Verkehr nach dem Belchen sich beleben lassen, so daß in neuerer Zeit das Bedürfnis einer Erweiterung entstand. Zu diesem wurde ein vorläufiger Plan von Architekt Groß in Zürich geliefert, der Spezialist für Hüttenbauten ist. Dieses erste Projekt fand eine erhebliche Ausgestaltung in Bezug auf Wohnlichkeit und Stimmung, als Oberbauinspektor Lang, brs-> her Beigeordneter von Colmar, die Leitung ehrenamtlich, übernommen hatte. Er brachte künstlerische Stimmung in die ursprüngliche Schablone; um die Ausschmückung des Inneren hat sich auch seine kunstverständige Gattin verdient gemacht. Im Juli 1905 fand die Grundsteinlegung statt und kam der Rohbau uoch im gleichen Jahre unter Dach. Baumeister Sautier aus Mülhausen hatte die Ausführung für 29 000 Mark übernommen. Der Boden, auf dem das Haus steht, gehört zur Gemeinde Sulz, nach der auch der Belchen vielfach benannt wird. Zu den zehn Zimmern des alten BelchenhauseS sind sechs neue dazu gekommen; im ganzen enthält das Rasthaus nun 20 Betten und läßt sich der geräumige Dachraum als Liegehalle Herrichten. Der Neubau ist aus Holzfachwerk mit Backstein-Ausmauerung erstellt; die Außenmauern sind mit Holzschindeln verkleidet. Durch den hohen Giebel des Neubaus, die beiden Altane, sowie die kleinen Scheibchen der Oberfenster, erscheint der Bau nicht ohne modern künstlerische Wirkung, ohne daß hierzu das alte Haus in Gegensatz träte. i ; Im Innern hat, wohl zum ersten Mal bei einem Bcrggasthause, armierter Beton in einem, dem großen Speisesaal eingefügten doppelten Gerippe Anwendung gefunden, wodurch Säulen unnötig wurden. Stylisierte Jlexranken, das Abzeichen des Wasgen- waldcs, schmücken die Wände, nebst farbigen Künstler-Steindrucken. Ein mächtiger Kachelofen, der vom Vorraume her befeuert wird, dient als Mittelpunkt, der Heizung für das Haus und bieten um ihn herum und in einer Nische Sitzbänke dem an- konnnenden Wanderer behaglich warme Ruhegclegenheit. Ein dem Speisesaale vorgelegtcr breiter Korridor schützt letzteren im Winter gegen die Nordseite und dient als Garderobe, im Bedarssfalle auch zu Wirtschaftszwecken. Im Obergeschoß ist ein kleiner Raum für den meteorologischen Landesdienst frei geblieben, während auf der Vorderseite ein größeres Zimmer mit Altan zu einem Klub zimmer des Vogesenklubs bestimmt wurde. Es soll dieser Raum eine besonders künstlerische Stimmung erhalten und hat die erste Ausstattung schon die Sektion Gebweiler geliefert, in der Erwartung, daß die übrigen Sektionen folgen werden. Bis heute sind einige Möbel und eine alte Schwarzwalduhr vorhanden. Schon aber hat auch die Sektion Gießen die Zusage gegeben, alte Zinngeschirre für den Raum zu stiften. Vivant seqnentes! Das Gasthaus hat ferner eine Beleuchtungsanlage mit Ace- tylengas erhalten. Eine Tafel im Speisesaale enthält die Namen der Förderer, die sich mit Schenkungen von mehr als 500 Mark um den Bau verdient machten. An der Spitze stehen der Kaiserliche Statthalter von Elsaß-Lothringen, sowie der Ehrenpräsident des Vogesenklubs, Exzellenz Dr. I. v. Schlumberger in Gebweiler. Es folgen der Zentralausschuß des Vogesenklubs, die Sektionen Geb- tveiler, Großer Belchen, Gießen und Straßburg, sowie eine Reihe von Fabrikanten der Familien de Bari), Frey und Schlumberger aus Gebweiler, sowie Mieg-Köchlin, Mülhausen. Zur Eröffnungsfeier des Neubaus, die mit einem Festliede eingeleitet wurde, überreichte Fräulein Otto aus Geb- Weiler, die schon bei der Grundsteinlegung Kelle und Hammer geführt hatte, den Schlüssel des Hauses dem Bauleiter, Herrn Laug, der seine für den wachsenden Bau stets gehegten Wünsche nun dem fertigen Hause mit auf den Weg gab. Ihm schloß sich Direktor Dr. Grober-Straßburg, als Vorsitzender der Sektion Großer Belchen-Gebweiler mit den Worten an: „Stehe stolz dem Sturm zur Wehr, dem Vogesenklub zur Ehr." Unter Mithülfe der übrigen Sektionen stehe bet Bau das Werk nun vollendet da; kein „Hotel", aber doch ein stolzer Bau im Sinne der Bergfreunde, der Sturm und Wetter trotzen werde. Nunmehr übernahm der Vorsitzende des Vogesenklubs, Geheimer Negiernngs- rat Dr. Euting, den Schlüssel und erklärte, das Haus nach Kräften schützen und pflegen zu wollen, in der Phantasie schon einen zweiten Erweiterungsbau den wohlgelaunten Festgästen vor- zaubernd. „Und nun lade ich Sie ein, in die Pforte des Paradieses einzutreten!", welch fröhlicher Aufforderung nun die Gäste, Voran die Damen, folgten. Beim Festmahle, an dem sich etwa 100 Personen beteiligten, gedachte der Vorsitzende, in Vertretung des Ehrenpräsidenten Herrn v. Schlumberger, des Kaisers, in dem man einen Freund der Vogesen und wohlwollenden Förderer verehre. Amts- tzerichtsrat Dr. Raeder-Gebweiler sprach ßuf die erschienenen Gäste namens der einladenden Sektionen; sodann feierte Dr. Grober die Förderer des Baues, in erster Linie den Kaiserlichen Statthalter Fürsten Hohenlohe, der durch eine reiche Zuwendung den Anfang gemacht habe. Eine Mitteilung geschäftlicher Natur brachte der Kreisdirektor von Gebweiler; sie betraf die neue Belchenstraße, die in der nächsten Zeit den Kreis- und Bezirkstag beschäftigen wird. Geheimrat Dr. Euting sprach auf den verdienten Bauleiter, Oberbauinspektor Lang, welch' letzterer in humorvoller Rede aufforderte, weiter für das Belchenhaus und ?st^"tlich das Vogesenklubzimmer durch Stiftung von künstlerischen, wenn auch einfachen Gaben zu wirken. , Dwv- Schlumberger sandte der Versammlung und dem Hause dilrch^ Telegramm seine guten Wünsche. Weitere telegraphische Begrüßungen kamen von der Sektion Gießen, Prof. Neubert-Gie- ßen, Oberförster Reichardt-Sk. Amor in, Gasthaus St. Unna und Kreisdirektor Kleemann-Bolchm. Von der Versammlung wurden Telegramme abgesandt an den Kaiserlichen Statthalter, den Be- zirkspräsidenten Prinzen Hohenlohe, soivie Exz. v. Schlumberger. Während der Tafel trugen Sänger vom „Liederkranz" und Touristenklub „Wasgcm"-Mülhausen, die sich unter den Besuchern des Gipfels befanden und über gute Stimmen verfügten, Lieder vor. „Jung-Deutschland", bemerkte ein alter Bogesenwarrderer zufrieden. Aus Frankfurt stellte Redakteur Fr. Meißner, der dem Feste beiwohnte und von der Schönheit der Landschaft überrascht war, dem Vogesenklub neuen Zuwachs in einer künftigen Sektion Frankfurt in Aussicht. So hüt das Fest zu dem neuen wohlgelungenen Hause manche Anregung und gute Erwartmlg für die Zukunft gebracht. Die im nächsten Jahre kommende Ausgleichung der Eisenbahntarife wird jedenfalls auch das Gute haben, manche heute noch vorhandene^ Ungleichheit des Reisens int Elsaß gegenüber Nachbargebieten aufznheben. Mit der Eröffnung der einstweilen bis zum Judenhutplan in Aussicht genommenen Belchenstraße werden neue Kreise von Touristen auch auf den Gipfel gelangen und einst wird kommen der Tag, an dem das erste Automobil trotz der vom Baumeister vorgesehenen doppelten Fenster seine Verflüchtigungsprodukte in das Innere des Belchenhauses entsenden wird. Möge auch bann stets ber Belchen bas Ziel und bie Freude alter echter Bergfreunde stets bleiben, wie er es heute ist. Darauf und allen Förderern des Werkes, insbesondere der vogesentreuen Sektion Gießen der alte Berggruß „W a s i g e n H o ch!" Vermachtes, . * 'Fröhliche Ehescheidungen. Die besondere Auf-< fassung, die viele Amerikaner von der Ehe haben nich die sich in der zunehmenden Zahl der Ehescheidungen äußert) zeigt sich' nun auch darin, daß „Scheidungsgesellschaften" immer mehr in Mode kommen. Es scheint in den Vereinigten Staaten fast ein Ehrentitel zu werden, ein geschiedener Mann oder eine geschiedene Frau zu sein, denn sonst würden die Geschiedenen sich nicht so ungezwungen ins Licht der Oeffentlichkeit stellen. Die Scheidungsgesellschaften werden gewöhnlich in einem vornehmen Restaurant veranstaltet und am nächsten Morgen bringen die Blätter die Liste ber Gäste, bie daran teilgenommen haben. Am letzten Samstag hat wieder eine solche VeMnstaltung von besonderem Umfang stattgefunden, an ber nur Geschiedene als Gäste teilnahmen. Eine reiche Dame aus Pittsburg war die Wirtin, bie ihre „Befreiung aus Ehebanben" feierte. Das Haus ihres Vaters) in dem sie ihre Gaste empfing, war herrlich mit Blumen ausgeschmückt. „Gewöhnliche" Geschiedene . waren nicht eingeladen/ nur solche, deren Prozeß eine Besonderheit gehabt und daher die allgemeine Aufmerksamkeit erregt hatte. Da waren Leute/ die ihre Scheidung in einem Staate erkämpft hatten,, in dem,es ihnen nicht leicht gemacht wurde, neben anderen, die nur eine „Dakota-Scheidung" aufzuweisen hatten — Dakota ist heute der Zufluchtsort aller Ehemüden, da dort die Scheidung eine Kleinigkeit ist und in kürzester Frist erledigt wird. Auch einige der! „bestbekannten Mitglieder der Newhorker Alimeuten-Kolonie" waren zugegen, wie denn auch demnächst ein „Alimentenklub" gegründet werden soll. Alle Gäste waren ganz bei ber Sache und wünschten ihrer hübschen Wirtin, „baß sie den Tag noch recht oft glücklich erleben möchte". Das fröhliche Fest bauerte bie ganze Nacht, und am nächsten Morgen brachten bie Blätter ganze Spalten voll Schilderungen. Silbenrätsel. Nachdruck verboten. ar, ch, ch, cy, gen, der, e, e, ha, her, ich, iv, n, lo, 1er, li, lii, per, rel, s, nio. sa, sa, tt, sehe. Ans vorstehenden Silben und Buchstaben sollen acht Wörter gebildet und derart unter einander gesetzt werden, daß bie Ansangs- buehstaben von oben nach unten, und die Endbuchstaben von unten nach oben gelesen, den Namen eines Astronomen und dessen Vaterstadt bezeichnen. Es bedeuten aber die einzelnen Wörter Folgendes: 1. Deutschen Dichter. 2. Einen Baum. 8. Sammlung wichtiger Schriftstücke. 4. Biblischen Namen. 5. Türkische Insel. 6. Figur aus dem Nibelungenliede. 7. Einen Propheten. 8. Belgische Stadt. Auflösung in nächster Nummer. Auflösung des Rätsels in voriger Nummer: Geige, Feige. Redaktion: Ernst tz e ß. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Eirßm.