Montag den 24. Stpftmbcr 1866 fflM Zur Manne des He^eimnrsses. Roincin von H. v. Raesfeld. Nachdruck verbotet. (Fortsetzung.) „Gut, zugegeben, dos," sagte er; „und ivas, glaubst du, ist dies gewisse Etwas?" „Das ist die Frage," versetzte sie mit grosser Lebhaftigkeit. „Ein Weib kann hundert Geheimnisse und darüber in ihrem Leben haben, die niemand errät. Sic mag des Geldes willen geheiratet und vielleicht all die Zeit einen anderen geliebt haben. Sie kann jemanden geliebt haben, der tot ist; oder, wie ich vorhin sagte, es ist vielleicht ein noch dunkleres Geheimnis — vielleicht eins, was deine Nachfolge sichert." „Das sollst du mir nicht noch einmal sagen!" rief er leise, aber zornig. „Wie du nur dergleichen von ihr sagen kannst, das verstehe ich nicht. Sie ist so jung — ein reines Lind." „Sic ist vierundzwanzig," envidcrte Mrs. Wayne scharf, „obivohl — das gebe ich zu — sie nicht älter wie achtzehn aussicht." „Dann musst du die Abgeschmacktheit deines Verdachts doch-cinsehen. Vierundzwanzig; sic hat noch keine Zeit zu irgend einem großen Geheimnisse gehabt, Vella." „Du wirst sehen, Noch etwas ist mir ausgefallen. Sic hat in eine der ältesten Familien Englands geheiratet; hat alles, was ihr Herz nur verlangen kann; ihre Schwester, die einzige Verwandte, die sic zu haben scheint, kommt hierher und bleibt bei ihnen. Man sollte natürlicherweise doch an- nehmen, ihr Herz fließe über von Glück; und doch, gestern abend — sie war kaum drei Minuten allein gewesen und ich ging zu ihr ins Gcsellschaftszimincr — stand sie in ganz niedergeschlagener, gottverlassener Haltung da, und die Augen standen ihr voll Tränen. Wieder fragte ich mich, was wohl der Gegenstand ihrer einsamen Gedanken gewesen, der ihr Tränen entlockt?" Ta aber lachte Algernon Wayne laut aus. „Vielleicht war es gerade der Gedanke an ihr Uebermaß von Glück! Tu Scharfsinnigste aller Scharfsinnigen! Hast du denn nie gehört, daß gerade sehr zarte, gefühlvolle, verfeinerte Naturen —" „Rede keinen Unsinn, Algy," unterbrach ihn sein Weib ungeduldig. „Ihr Männer besitzt alles, nur keinen gesunden Menschenverstand. Ich ivcrde jetzt kein Wort mehr darüber verlieren. Wer zuletzt lacht, lacht an: besten, nur das eine will ich dir noch sagen: ich werde auf der Lauer liegen. Falls etwas dabei hcrauszubckommen ist. so mache ich eine Wette gegen sämtliche Londoner Geheimpolizisten, daß ich es auch herausbekomme. Ich weiß zu warten — sie nicht." Und damit rauschte Mrs. Wayne von dannen, und mit einem Seufzer der Erleichterung, daß diese ihm so unbehagliche Unterhaltung vorbei, nahm ihr Gemahl seine unterbrochene Zcituiigslektürc wieder auf. Während ihre Gäste sich so unterhielten, machte Lady Evelun Wayne die Runde durch das prächtige Heim, worin sie jetzt Herrin und Königin war. Ihre Ucberraschung und ihr Entzücken kannten keine Grenzen. Die königliche Pracht der Gemächer mit ihren Kunstschätzen, namentlich den zahlreichen Gemälden — die große Gemäldegalerie an und für sich hatte mir wenige ihresgleichen in England überhaupt — riß sie hin. Dort, in langer Reihe, hingen die Porträts der Waynes, Frauen, bekannt wegen ihrer Schönheit, Männer, bekannter noch durch den Ruhm, der sich an ihren Namen geknüpft. Dort, zuletzt von allen, hing auch das Porträt von Mortimer Lord Mayne. Das hübsche, edle Gesicht blitzte strahlend aus dem breiten kostbaren Nahmen; daneben war eine freie Stelle. Lord Wayne blickte hin und lächelte. „Weißt du, wofür der Platz da noch frei ist?" fragte er. „Nein," versetzte sie. „Für mein Weib," sagte er, sie an sich drückend. „Weißt du, Evelyn, vor zwei Jahren kam ich regelmäßig hierher, betrachtete den Fleck und dachte, ob wohl jemals ein liebes Gesicht neben mir hängen würde, ob ich wohl je ein weibliches Wesen fände, welches ich lieben und heiraten könnte. Ich dachte dann an alle Gesichter, die ich kannte, und versuchte, mir eins davon hier zwischen vorzustcllen, aber keins gefiel mir. Ich sah kein Gesicht, das ich lieben konnte, bis ich deins gesehen." Sic erhob die schönen Augen zu ihm. „Bin ich deine erste Liebe, Mortimer?" fragte sie, „hast du dich nie um irgend eine andere gekümmert?" „Nie!" versetzte er. „Meine Ideen darüber sind eigentümlich — vielleicht wirst du sie für überspannt halten —, ober ich glaube nur an eine Liebe, und das ist die erste. Es gibt keine andere, keine wahre und wirkliche; es ist unmöglich. Die erste Liebe absorbiert die ganze Romantik, die Hingabe, das Ideale, sowohl beim Manne, wie bei der Frau. Und deshalb schätze ich deine Siebe gerade so hoch, Evelyn." Ihre Wimpern hatten sich langsam wieder gesenkt, und das Lächeln, das ihre Lippen umspielte, erstarb ganz langsam. Er beachtete cs nicht, sondern fuhr begeistert fort: „Du hast nie einen anderen geliebt, bis du mich gesehen. Ich weiß das, mein Liebling! Ich würde dich nie gebeten haben. — 562 mein Weib zu werden; würde dich nie so verehren, wie ich es jetzt tue, wenn ich nicht diese feste Ueberzeugung hätte. —- Nun, denke ich, haben wir alles gesehen, was sehenswert ist; wir sind schon über drei Stunden daran; und doch bist du noch nicht einmal im westlichen Flügel gewesen; wir müssen das auf morgen verschieben. Du siehst so blaß aus, Herzlieb, — habe ich dich ermüdet?" „Nein," flüsterte die süße Stimme. „Ich, bin nicht müde; aber es ist spät; Marian wollte um drei llhr hier jein —" „Es ist jetzt fast drei," sagte Lord Wayne. „Wir wollen auf die Terrasse hinuntergehen, um zu sehen, ob nichts von dem Wagen zu entdecken. Nun lächle, Evelyn, und hab wieder diesen lieblichen, rosigen Schimmer. Wo ist er jetzt hin? Ich wünsche, daß Marian sieht, daß ich gut für dich gesorgt habe." „Sie wird nicht umhin können, das anzuerkennen," sagte die junge Frau, mit sehnsüchtigem Ausdruck sich an den starken rechten Arm ihres Gemahls hängend; „Marian wird es gleich sehen, wie gut du mit mir gewesen bist." Eine halbe Stunde später, und Marian West wurde mit größter Herzlichkeit auf Kenninghall bewillkommnet. Lord Wayne küßte sie auf die Stirn und begrüßte sie mit so herzlichen Worten, daß ihr die Tränen in die Augen traten. „Willkommen zu Hause, Schwester," sprach er warm; „erinnere dich stets, daß du von heute an hier deine Heimat hast!" Dann wurde sie Algernon Wayne vorgestellt, der sie in seiner gewohnten nachlässigen Art und Weise, gleichwohl aber herzlich bewillkommnete. Mrs. Wayne, die sie scharf ins Auge faßte und sich dann heimlich ehrlich eingestand, daß sie in Mrs. West höchstwahrscheinlich eine ebenbürtige Gegnerin gefunden habe; Lady Beverley, — die, wie gegen alle — liebenswürdig und freundlich gegen sie ivar und ihr sagte, sie freue sich herzlich darüber, daß sie gekommen fei, um bei ihrer lieblichen Schwester zu bleiben. „Sie dürfen sie nicht von der Welt verderben lassen, Miß West; sie ist so schön, daß sie sicher von allen Seiten umschmeichelt und verzogen werden ivird. Geben sie es nicht zu, daß sie auf diese Weise verdorben wird. Lord Wayne wird ihr nie „nein" sagen können. Sie mässen fester sein." Marian lächelte und versprach, „nein" sagen zu lernen. Ein sehr nötiges Wort in dieser Welt, Miß West, glauben sie mir's", fuhr Lady Beverley fort; „doch leider eins, das zu äußern nur wenige Leute den Mut haben." Dann, in der Annahme, daß die beiden Schwestern gern allein sein würden, begab Lord Wayne sich in sein Arbeits- zimmer, unter dem Vorwande, er habe noeh einige dringende Briefe zu erledigen. — Evelyn und Marian standen auf der Terrasse, gegen die Stein-Balustrade gelehnt, und sahen beide mit entzückten Blicken auf die rings sieh dehnende prächtige Landschaft. Dann wandte Marian sich und sah der Schwester ins Gesicht. „Du hast ein großartiges Heim," sagte sie. „Nie hätte ich mir träumen lassen, daß Kenninghall etivas derartiges feil" „Es ist sehr großartig, ja," sagte die klare, ruhige Stinune Evelyn's. „Und du, bist du glücklich, recht glücklich, Eve? Sag's mir, Liebling. Das ist alles, was ich wirklich 51t hören wünsche. Du bist vollkommen glücklich, nicht wahr?" „Ja," versetzte sie; „Mortimer ist mehr als gut mit mir; ich habe alles, was mein Herz verlangt. O, Marian vergieb mir, wenn ich unsere Abmachung dies eine Mal breche. Glaubst du, daß es sicher ist? Marian, sag mir, ist es sicher?" „Dein Geheimnis?" flüsterte sie zurück; „jawohl, Eve, so sicher, als ob jeder, der es bewahrt, tot im Grabe läge." „Dann bin ich glücklich, sehr glücklich," sprach Lady Wayne mit einem tiefen Seufzer der Erleichterung. „Das war die einzige Sorge, die mich quälte." „Laß dich nie wieder davon quälen, Kind; es ist tot und begraben. Und du weißt ja, was tot ist, das kann nicht reden." 5. Kapitel. Lady Wayne zu Hause. Einige Wochen verflossen. Lady Wayne begann sich von der Ueberraschnng über all' das Neue und Großartige, das sie umgab, etwas zu erholen — sich zu Hause zu fühlen. Die gesamte Elite der Nachbarschaft hatte ihre Besuche abgestattet. Großartige Festessen und glänzende Feierlichkeiten waren ihr zu Ehren gegeben worden, und auf jeder derselben war sie erschienen — strahlend, bezaubernd schön — der Neid aller jungen Damen und aller jungen Frauen. Wer war so glücklich wie Mylady Wayne? Wer so schön, so reich? Wer trug solch' prächtige Toiletten? Wer besaß solch' kostbare Juwelen? Wessen Antlitz war so hold und schön — wessen Lächeln so ruhig und süß? „Wie ich Sie beneide, Lady Wane," sagte Lilly Ather- stone eines Tages zu ihr. „Sie müssen eine Fee zur Pathin gehabt haben; Sie haben alles, was Sie in dieser Welt glücklich machen kann!" Lady Wayne hörte diese Rede mit ruhigem, lächelndem Antlitz an Wer wußte, was in ihrem Herzen vorging? In guter Gesellschaft enthüllen wir das Antlitz unserer Toten nicht; wir verbergen es irgendwo, gleichviel wie und wo. Wenn ein plötzlicher Schmerz ihr Herz durchdrang, als sie sich eines fernen kleinen Grabes erinnerte, so erriet Lilly jedenfalls nichts davon. , „Du bist sehr glücklich, mein Liebling", sagte ihr stolzer, liebevoller Gemahl eines Tages, als er beobachtete, wie sie blumenbeladen vom Garten hereinkam. Keine Spur von Schatten lag in den strahlenden, zu ihm erhobenen Augen. .. „Ja, ich bin sehr glücklich", sagte sie. „Weshalb fragst du mich, Mortimer?" „Weil ich nie ein Gesicht so ruhig und sich gesehen habe, wie deins", versetzte et. , Wenn ein Schmerz so scharf wie ein Schwert sie dnrch- bohrte bei dem Gedanken, wie vollkommen et sich auf sie verließ, wie ohne jeden Hintergedanken er ihr vertraute, so machte sie doch keine äußere Bewegung. Die größte Besitzung in der Nähe von Kenninghall, wenigstens innerhalb Besuchs-Entfernung, war Belvoir Eastle, der Sitz des Herzogs von Ehisledon. Der Herzog von Chis- ledon galt allgemein als der stolzeste und exklusivste Magnat Englands. Sein Stolz war nicht von der Art der Waynes, der von einem uraltadeligen Geschlechte ausstrahlende Glanz und Ruhm; et war stolz aus sein Geld, seinen Titel, seinen Rang; er hatte sich zu einer gesellschaftlichen Größe entwickelt, seine Ansichten wurden mit allgemeiner Ehrerbietung und Unterwürsigkeiit aufgenonunen; es gehörte förmlich zum guten Ton, zu ihm aufzublicken und seine Urteile und Au- sichteii als unfehlbare Gesetze hinzunehmen, Das Siegel drückte er feiner Größe erst recht auf durch feine Heirat mit einer deutschen Prinzessin — nicht etwa einer Dame mit einem leeren hochtönenden Titel, sondern einer aus königlichem Geblüt, deren Familie Europa viele Herrscher gegeben. Er war stolz und exklusiv vor seiner Heirat gewesen, wurde es aber lioch erst ganz anders nachher. Er sah die Liste seiner Be- kannten durch; alle, deren Ansprüche an alten Adel nur irgenbmie zweifelhaft, strich er sofort aus ihren Reihen. Höher und höher nahm er seinen Flug; die ganze Nachbarschaft geriet in Bewegung über den Besuch eines königlichen Prinzen bei ihm; eine Gimst, welche nicht so ost einem Untertanen widerfuhr. Dies ivichtige Ereignis trat etwa vier Monate nach Lord Waynes Verheiratung ein, und die Aufregung, die es in der Grafschaft hervorrief, war ungeheuer. Wer würde zu den Festlichkeiten, die es aus diesem Anlaß gab, em- geladen werden? Das war die große Frage. < i z (Fortsetzung folgt.) Graf Jippeün üver das Lenkbare Luftschiff. Nachdruck verboten.- Auf dem Deutschen Naturforscher- und Aerztetage in Stuttgart war das Ereignis des Tages das Erscheinen des Grafen v. Zeppelin am Rednerpult. Der unermüdliche Vorkämpfer für die Lenkbarkeit des Luftschiffs mittels eines Motors hat bekanntlich mit seinen vielfachen Versuchen, die er an den Usern des „schwäbischen Meeres", des Bodensees, angestellt, bisher nur sehr geringe Erfolge erzielt, Erfolge, die dazu noch ganz ungeheure Summen verschlungen haben, während auf der anderen Seite von wissenschaftlicher Seite vielfach Bedenken gegen die Richtigkeit der Zeppelinschen Berechnungen erhoben wurden. Umsomehr mußte beiden Teilen der Anlaß der Naturforscher- Versammlung willkommen sein, um hier einmal vor einem kompetenten Forum die Idee des lenkbaren Luftschiffs zur Erörterung zu bringen. Der Vortrag würde von zu diesem Zwecke vereinigten Mteilungcn sür angewandte Mathematik, Physik, Jngenieurwissenschaften, Elektrotechnik, Geophysik und Meteorologie gehalten und hatte ein überaus zahlreiches Publikum auch aus anderen Abteilungen angelockt. Graf v. Zeppelin führte aus: Die Tatsache schon, daß ihm die hohe Ehre zuteil geworden sei, vor einer Versammlung von Gelehrten über Motorluftschiffahrt zu sprechen, beweise, wie diese aus dem Reich der Träumer hereinzuwachsen beginne in das Gebiet ernsthafter Denker. Aber ein schwacher Anfang nur sei angebahnt in der Verbreitung klarer Gedanken über die dem Befahren des Luftraumes zugrunde liegenden Naturgesetze. Klein noch sei die Schar derer, denen beivußt sei, lute viel unabhängiger und selbständiger als z. B. unsere zum Lauf in ewige Bahnen gezwungene Erde im Weltenraum, wie viel unabhängiger und selbständiger so ein Luftschiff im Luftraum sich tummele; eine kleine, freie Welt für sich allein, deren jedesmalige Dauer als solche nur leider mit dem Verbrauch des hochgetragenen Vorrats an Mitteln zum Schweben und zur Eigenbewegung ihr Ende erreicht. Ein bewegungslos im Luftraum schwebendes Luftschiff ist mit der Stelle, in der es sich befindet, gewissermaßen verwachsen; es bleibt immer von derselben Luft umgeben, indem es deren Bewegungen vollkommen nfttmacht. lind diese Bewegungen sind keine geringen: wenn wir Erdenbewohner Windstille empfinden, dann hat der Luftraum eben genau die Geschwindigkeit der Erddrehung und diejenige ,mit welcher die Erde im Weltall dahinfährt. Eine tote kleine Abweichung davon ist ein Vorlausen oder Zurückbleiben, das wir Wind nennen, in seinen Abstufungen vom gelinden Hauch bis zum wütenden Orkan. Das Motorlustschiff vermag sich durch seine ihm innewohnende Kraft an der es umgebenden Lust abzustoßen und sich damit in derselben zu verschieben, nach allen Richtungen, seitlich, wie auf- und abwärts; außerdem steigt es Bet Auswerfen von Ballast hoch und sinkt es, wenn es Gas ausläßt, herab. Die Geschwindigkeit der Ortsver- schiebung findet ihre Grenze bei der Herstellung des Gleich- drucks zwischen abstoßender Kraft und Größe des Widerstandes der Luft gegen ihre Durchdringung. Letzterer ist abhängig von der Gestalt und Größe der vor getriebenen Flüche. Das führt zu den Fragen, in welcher Weise sich die Motorkraft am wirksamste!: in luftabstoßende Kraft Umsetzer: läßt, und welch.es dis zweckmäßigste Gestalt für ein Luftschiff ist? Daß letztere ein möglichst langgestreckter, den lleinst- möglichen Querschnitt bietender Rotationskörper sein n:uß, haben auch die wunderbarsten Projektenmacher begriffen; aber darüber, ob dem Hauptkörper zylindrische oder mehr die von Renard, Santos-Dumont, Lebaudy und anderen angewandte sogenannte Tränenform zu, geben sei, sind die Gelehrten noch keineswegs einig: zur Tränenform oder allgenreiner zu einer solchen mit kürzerem, stumpferem Vorderteil und einem sich vom Hauptspant langsamer verjüngenden Hinterteil hat Wohl am meisten die Vergleichung mit der Natur, dein Bau der Vögel und der Fische, sowie mit den Schiffen, wo sie sich durchs Jahrhunderte bewährte, Veranlassung gegeben. Die Gestalt der Spitze ist derart zu Wahlen, daß die Lust bei der Borausfah-rt durch eine möglichst große, nirgends konkave Fläche verdpängt wird, weil bann die wenigst dichten Stauungen eintreten. Demnach ist der Kegel der Ebene vorzuziehen; die Wölbung dem Kessel; die höhere Wölbung der niedrigeren. Die zweckmäßige Länge dep Spitze bestimmt sich daraus, daß das Gewicht des Man-! tels nicht zu ungünstig groß im Verhältnis zu dem für die Aufnahme von Traggas bestimmten J'nnenraum werden darf. Es empfiehlt sich, dem Hinteren Ende des Luftschiffes' dieselbe Gestalt zu geben tote der Spitze, hauptsächlich weil das Wegziehen eines Körpers von der Lust ähnlichem Wider- starid begegnet, wie das Vordrücken in dieselbe. Bei ähnlicher Gestalt steigern sich die Eigenschaften der Luftschiffe in höherem Verhältnis als ihre Größe zunimmt. Da nun die Verhältnisse bei einem durch die Luft bewegten Körper ähnlich denen bei e'inem durch die Lust angeströmten Körper sind, so wächst auch der Widerstand eines Luftschiffes in geringerem Maße, als sein Querschnitt zunimmt. Bet dem Entwerfen von Luftschiffen ist immer daran zu deirken, daß der todbrirrgende Absturz so sicher zu vermeiden sein muß, tote das Untersinken eines Schiffes. Am wirksamsten loird die Motorkraft bis jetzt in lustabstoßende Kraft rnittels der Luftschraube umgesetzt. Ob man ein Luftschiff klein oder groß, unstarr oder starr baut, das hängt lediglich von den Aufgaben ab, die dasselbe lösen soll, r:nd von den: kleineren oder größeren Maß an Sicherheit des Betriebes und an Schnelligkeit, Fortdauer und Tragsähig-, kett, welche diese Aufgaben beanspruchen. Mit dem frm:i zwischen Kriegsluftschiff von Lebandy, dem zur Zeit besten Repräsentanten des nicht starren Systems, ist 1904 eine durchschnittliche Fahrt von 11 Meter-Sekunden gleich nahezu 40 Kilometer in der Stunde und eine Höchstgeschwindigkeit von 11,8 Meter-Sekunden erreicht worden. Dabei konnte für 11 Stunden Fahrzeit Benzin mitgeführt werden. Der Vortragende bespricht die Gefahren des unstarren Systems und sagt, unstarre Motorluftschiffe werden immer nur dem Sport oder wissenschaftlichen Zwecken von solcher Bedeutung dienen, daß ein Wagnis gewollt, gerechtfertigt oder geboten ist. Im Kriege, der solche Rücksichten nicht kennt, werden sie trotz ihres geringen Aktionsradius schon mit großem Vorteil zu gebrauchen fein. Aber die Verwendung von unstarren, nur 12 Stunden fahrenden Luftschiffen (auch die doppelte Fahrzeit würde daran noch wenigs ändern) im Feldkriege, — also nicht nur im Festungskriege —. nötigt — zur Aufstellung von Abteilungen, die von Offizieren, Mannschaften, Pferden und Fahrzeugen für jedes Luftschiff einer Batterie annähernd gleichkommen. Die Notwendigkeit dieser Beschaffungen und ihrer Unterhaltung fällt bei der Kostenveranschlagung sehr zu Ungunsten des unstarren Systems ins Gewicht. Für den Seekrieg können Luftschiffe mit so kurzen Fahrzeiten jedoch höchstens in der Nähe der Küsten Verwendung finden. Der einzige Nepräseutant des starren Systems ist mein eigenes Luftschiff, das der Vortragende genau ^beschreibt. Im Gegensatz zu dem unstarren besteht das starre Prinzip in dem Vorhandensein eines festen Gehäuses, das seine Gestalt bewahrt ■— unabhängig von dem Füllungsgrad der in demselben untergebrachten Gaszellen. Dieser Umstand beseitigt alle Gefahren deS unstarren Systems. Die Luftströmungen erhöhen im Durchschnitt die Fahrleistungch der Luftschiffe, weil 1) für die Hälfte der Fahrten die Winde überhaupt fordernd wirken, 2) sehr häufig seitwärts oder über dem geraden und niedrigen Fahrstriche eine Windströmung zu finden ist, welche einer an: Auffahrtsorte etwa ungünstigen entgegengesetzt ist, und 3) in vielen Fällen das Eintreten eines die Reise beschleunigenden Windes abgewartet werden kann. —; Daraus ergibt sich der außerordentliche Nutzen, den die Meteorologie der Luftschiffahrt zu bringen vermag. Gerade zu rechter Zeit gibt Herr Archeuhold, Direftor der Treptow-Sternwarte, eine sehr einfache Methode zur Vorausbestimmung hoher Luftströme an, indem die Lustdruckkarteir-i schnitte mit dem Barogramm verglichen werden. Er hält diese Methode für geeignet, der Luftschiffahrt in ihrer gegenwärtigen Lage ungefähr die Sicherheit der Segelschiffahrt auf den Meeren zu verschaffen. Auch die Kenntnis der höchsten Hohe des Nebels dieses gefährlichsten Feindes der Lustschiffahrt, über den verschiedenen Landbreiten wäre von großem Wert. Es würde nichts nützen, bei Tag und bei Nacht über Land und Meere lange Zeit fahren zu können, wenn nicht zugleich die Orientierung in aus^> reichendem Maße möglich toäre. Da sich Schnelligkeit und Richtung der Fahrt finden lassen, so geschieht die Ortsbestimmung" auf astronomischem Wege. „ Wenn aus den bisherigen Ausführungen hervorgeht, daß Luftschiffe von der Art des Zeppelinschen -bet Reisen von im Mittel 4800 Kilometer Länge bald sicher werden gesteuert und, geführt werden können, so darf man an die Frage Ijeraittreten;, welcher nützliche Gebrauch sich davon machen läßt. .Da sport-, liche Leistungen anregend, belehrend und fördernd auf die Entwicklung der Motorlustschiffahrt xinwirken, so darf auch dieser Stzoxx 664 Kunst. Redaktion: Ernst Hetz. — Rotationsdruck und Verlag der Brübl'schen Universitäts-Buch- und Steindnickerei, R. Lange, Gieße«* abnahm, in den Körper des Reptils hinunterglitt. Ein zweiter Frosch wurde von der anderen Schlange gefasst, und nun kommt die Geschichte, die vielleicht viele Leute nicht glauben werden. Glücklicherweise kam Todd (Spitzname eines anderen Freundesgerade zur«ns, und cs waren also drei Paar glaubwürdiger Augen, welche die Sache mit ansahen. Vorausschickcn muh ich, daß beide Schlangen ziemlich von gleicher Größe sind, b. h. etwa zwei Fuß lang und etwa so dick wie ein Daumen. Wie gesagt, der Frosch wurde beim Schopf gepackt, und die hungrige Cobra schickte sich an, ihn mit ihrer gewöhnlichen lethargischen Gemütlichkeit zu schlucken, als die andere Schlange trotz ihrer ersteir Mahlzeit auch Lust danach bekam, und am anderen Ende des Frosches zu schlucken ansing. Hier ein Ruck, da cm Ruck, und die beiden Nasen der Schlangen begegneten -ich. — Was nun? Mit atemloser Aufmerksamkeit sahen wir zu, da öffnete -ich das Maul der einen — schnapp! — der ganze Kopf der anderen Schlange war drunten, jetzt ein Viertelzoll vom Hafte — noch einer und so weiter. Bald guckte nur noch der Schwanz aus dem Maule der Unersättlichen und wand sich peitschenartig umher, jedoch auch dieser mußte hinunter, und endlich schloß sich das Maul über dem letzten SHwanzspitzchen. „Pfui Teufel st riesen wir aus, als das geschwollene Biest einen tiefen Atemzug nach vollbrachtem Mahle tat. — Das ist die ganze Geschichte, die Schwestermörderin lebt und befindet sich wohl, wird aber demnächst im Spiritus süfc ihr Verbrechen büßen müssen. — Meister d e r F a r b e. Europäische Kunst der Gegenwart. 3. Jahrg. Heft 6-8. Verlag von E-. M, Seemann, Leipzig. Preis des Heftes im Avonnemcnt 2 Mark, Einzelpreis 3 .mark. — Auch diese Lieferungen des anerkannten Unternehmens bringen einige Meisterstücke der modernen Kunst und vermitteln n. a. die Bekanntschaft mit künstlerisch so heterogenen Naturen wie es beispielsweise der Belgier Knopfs und der Franzose Degas sind. Za den Perlen moderner Malerei aber darf man Max Kl'nacrs Ge- nrnthp Rtmie Stunde" rechnen, das zu den Zierden des Leipziger Magisches Dreieck. Nachdruck verboten. __________ In die Felder nebenstehender Figur sind die I Buchstaben aaaaoiiillnno as der- --------- art einzutragen, daß die einander en - sprechenden ivagcrechtcn und senkrechten Reihen --- gleichlautend folgendes bedeuten: 1. Propheten des Alten Testamentes. 2. Weiblichen Vornamen. 3. Muthologischen Namen. 4. Teil von Savoyen. 5. Einen Buchstaben. Auflösung in nächster Nummer. Auflösung des Rätsels in voriger Nummer: i man Max Klinac mälde^Blaue Stunde" rechnen, das zu den Zierden des £< Museums gehört und in der Kunstentwicktung de» geschätzten Meisters selbst als ein bedeutsames Denkmal zu gelten hat Whistlers Porträt seiner Mutter aus dem Luxenbourg ist wohl eins der bekanntesten Bilder dieser Sammlung und stellt im Oeuvre des Meisters, der ein Vermittler spanischen Stilge-uh.s in europäischer Auffassung gewesen ist ein Zeugnis da^ aus dem wie ans wenigen seiner Bilder auch die Stimme de^ Herzen, zu uns redet. — Eine hochinteressante Erfcheinung ist der Ungar Nandor Katona, von dem das 8. Heft des Werkes eine Wmter- landschaft reproduziert, die in zarte atheri-che Blaue getaucht ist und einen Meister von eigenartigem Nacur- und Stilgefühl verrät In seiner Heimat ilt der Maler hauptsächlich durch Bilder bekannt geworden, die gewisse Abend- und Nacht,limmungen festhalten, in denen eine Symphonie von Frieden und -schweigen und eine tiefe ungestillte Sehnsucht verborgen scheint. Außer den genannten Meistern sind n. a in diesen Lieferungen noch Herkomcr mit dem Auswaudererbilde des Leipziger Museums, der Berliner Landschafter Otto Engel, Fritz v. Uhde, der ^taliencr Angelo Morbelli, ein Schüler Segantmis, der , treffliche Münchener Landschaftsmaler Edmund Steppes, die in Paris tätige Schweizerin Luise Breslau nut charakteristischen ducken vertreten. — Auch der Spanier Sorolla y Basnda, der inngst mit feiner Ausstellung bei George Petit in Paris einen durchschlagenden künstlerischen Erfolg zu verzeichnen hatte, wird mit einem -einer typischen Fischerbilder vom Strande von Valencia vorgesuhrt Besonders interessant dürste auch für manchen Kimst-reund die nah. r^ B-- kanntschast mit dem schwedischen Künstlerehepaar Hanna und Georg Pauli sein, die gieft 7 dieser Sammlung vermittelt. Ghnm besonderen Hinweis verdient auch diesmal die literarische 4.ext- beilage, aus der vor allem Max Osborns ausgezeichneter Beitrag über „Farbe und Linie" erwähnt sei. Alles in allem ein Unternehmen, das einzigartig ist und. wie kein anderes als eine Vermittlerin internationalen Kunstschaffens der Gegenwart gelten darf. als ein nutzbringender angesehen werden. Für Sportzwecke lassen sich >l r zwischen Europa und Amerika bei guter Benützung stetiger Windströme bercits^als kein zu großes Wagnis mehr ansehcn. Meine mit 11 Meter-Sekunden die Luft durchschucideuden Luftschiffe würden gegen biefen, den Hrtstcn Luftstrom, noch mit 5 Meter-Sekunden gleich 18 Kilometei^tunbe vorwärts kommen, und in 48 ehmben rund 8ö0, in si.agen 1700 Kilometer zurücklegen, wobei noch em Rückhalt an Betriebsmitteln für 24 stündige Fahrt verbliebe. Demnach tonnen unter ungünstigsten Windverhältnissen 1700 Kilometer entfernte tUe'e sicher erreicht werden, bczw. kann man sich von einem Ort, zu welchem man zurückkehren will, bis 850 Kilometer ent- ferncii In den von Berlin aus erreichbaren Umkreis lallen i>?e Skandinavische Halbinsel bis zu den „La oten, Petersburg, Moskau, die Krim, Konstantinopel, das nördliche Griechenland, Palermo, das nördliche Spanien und die Britischen RU-eln tn icher ganzen Ausdehnung. Von Friedrichshafen aus waren auch Athen 0 Tunis, Algier und Madrid sicher erreichbar. Der Wert solcher Fahrten kann sich durch verfügbaren Auftrieb zur Mitnahme von weiteren Personen» Posten, Instrumenten und dcr- gl eichen sehr steigern. Will man z. B. von Berlin nur nach Christiania, Stockholm, Riga, Warschau Pest, Wien, München, Paris oder London fahren, so lassen sich schon leinst lo00 Kilogramm Auftrieb für solche nützliche Lasten freimachen; für Paris- Loudon m-indestens 2000 Kilogramm Besonderem Nutzen werden solche Luftschiffe, die sich über 800 Kilometer auf das Meer hinaus- begeben können, der Schiffahrt gewähren, als bewegliche, fern- wirkendc Stationen für drahtlose Telegraphie. In die Kriegführung bringen sie ein ganz neues Element von verschiedenartiger Verwendbarkeit und ledeufalls von -chwcr- wicgcnder Bedeutung. Sie werden die strntegichf wicytigen Vorgänge bis an die äußersten Grenzen des feindlichen Gebiete, auf den Meeren bis hinein in die feindlichen Hafen, erkennen und mit Funkenschnelle darüber berichten. Vielleicht Wirb man sie auch mit Schußwaffen und Wurfsprengkörpcrn ausrustcu, womit sie dem Gegner erheblichen Schaden würden zufugen können. _ Wohl fordert die Starrheit gewaltige Ausmaße „Alle Laien haben es beim Schiffbau schon erfaßt; mit der Große wachen Fahrsicherheit und Fahrtdauer, wachsen die Leistungen nach allem Richtunoen, und vermindern sich verhältnismäßig die Besthaffungs- und die Betriebskosten. Genau so beim Luftschiff: um em geringes kleiner als ich cs gebaut, laugt es überhaupt nichts mehr; aber 1 Meter Durchmesser des Lragzistinders mehr und entsprechende Verlängerung des ganzen Fahrzeugs, so werden schon 6000 Kilogramm weiterer verfügbarer Auftrieb gewonnen: Es lassen sich 50—60 Passagiere aufnehmen; nut Etappen bett Nordpol zu erreichen, sie Verbindung zwischen unseren ost- und westafrikauischen Kolonien herzustellen, unseren Truppen in Siidwcstafrika Lebensmittel, Wasser umd Munition zuzutrageu, sich zur Beobachtung von Sonnenfinsternissen über die Wolken zu erheben, werden mit Sicherheit zu erfüllende Aufgaben feilt. Lebhafter Beifall folgte den Stusfuhrungeu des illustren Vor- tragenden, obwohl viele der Zuhörer die Schlußfolgerungen des Grafen als zu weitgehend erachteten. sh. VermisMss. * Kannibalismus einer Brillenschlange. Dem „Kosmos, Handweiser für Naturfreunde", entnehmen wir folgende interessante Schilderung: Jeder, der Gelegenheit gehabt hat. eine Schlange beim Fressen zn beobachten, wird bemerkt haben, daß sie Tiere von weit größerem Körperumfange als dem eigenen ohne Schwierigkeiten verschlingt, und daß es der einmal erfaßten Beute infolge der Rückwärtsrichtung der Schlangenzahue nicht möglich ist, sich dem Rachen zu entiviuden. Ein seltsames Beispiel für dieses Festhalten der Beute ist mir beim Lc-cn der Reisebriefe meines Vaters bekannt geworden, der viele Jahre m Jiidien und auf Ceylon zugebracht und sich sehr viel mit b er Beobachtung unb Sammlung dort lebender Schlangen be-cha-tigt hat. Die darauf bezügliche Stelle des aus dem Jahre 1863 stammenden Briefes hat folgenden Wortlaut: „Eine merkwürdige Szene habe ich neulich bei meinen Brillenschlangen (Cobra di Capello) beobachtet. Es war ein heißer, fauler Sonntagnachmittag, und wir trieben uns gähnend im Hause herum von eenem Sofa auf das andere, als cs mir einfiel, daß ich meinen beiden Brillenschlangen schon lange kein Futter mehr „gegeben hatte. Vch beorderte also einen Kuli, eilt paar Frösche zu fangen. Nach einiger Zeit brachte er einen, und Krämer, (ein Bekannter meines Vaters) und ich wollten uns dessen Verschlingen mit anschen. Der Frosch wurde in bett Schlangenzwinger gesetzt, und nach einigem halblethargischcm Schnappen bekam ihn die eine am Bem zu fassen und begann ihn langsam und ohne merkliche Anstrengung hinunterzuschlucken, obwohl er ca. dreimal so dick -var wie die Schlange. Der Kopf der Schlange erweiterte sich, und der Rachen umgab den Frosch wie ein Sack, bis er den Blicken entschwand und als ein Knoten, der sich mehr und mehr verlängerte und an Dick;