1906 Ar. 107 fil „MW Käi^HnHi b ikai|8|l!| JlFuf in KA M Der Stern. Roman von'Ulrich Frank. Nachdruck verboten. (Fortsetzung.) „Entschuldigt, daß ich euch warten ließ. Aber Luise hat Migräne." „Von der Reise wohl?" fragte Alfons etwas malitiös. „Wahrscheinlich!" Ein sehr ernster Blick heftete sich auf den Bruder, der jede unpassende Bemerkung zurttckwieS. Dann flog sein Auge auf den Fremden, der soeben die Zeitung niederlegte und sich erhob. Einen Augenblick hafteten beider Blicke ineinander, wie zweier Gegner, die sich messen. „Kennst du den Herrn?" fragte Karl Viktor. „Ich ... ich weiß nicht .... es kommt mir so vor." „Es war mir, als sähet ihr euch an wie Menschen, die sich kennen und sich nicht mögen." „Zufall! Wer ist es denn? Kennt ihr ihn?" „Ja, aber nur von der Bühne," sagte der Offizier, ) ein Kommödiant!" „Es ist der bekannte Wittelsbach," fügte der junge unat hinzu. „Du hast wohl schon von ihm gehört?" Er zuckte zusammen. „Ach so? Der? Ich habe von gehört." „Von den Leuten steht ja immerfort was in den ngen," sagte Alfons Giersdorf hochmütig. „Enfin, ich Hunger." „Das Dejeuner ist serviert," meldete in diesem Äugender Kellner, schlug die Portiere zurück, um die Herren lszulassen, und schritt ihnen gravitätisch nach dem Speise- voran. „Befehlen der Herr Graf hier?" Er deutete auf einen n, in einer Nische stehenden Tisch, für drei Personen „Kommt Luise nicht herunter?" „Sie hofft euch später zu sehen. Sie hat ein Anti- pulvcr genommen und will noch einige Stunden ." Dabei nahm er die Weinkarte und sagte zu dem seiner che harrenden Kellner: „Zum Kaviar weißen Burgunder, vierundsechziger I" Während die Brüder miteinander plaudernd beim Früh- saßen, hatte Wittelsbach sich in sein Zimmer begeben, ^orübergehen hatte er beim Portier um 1 Uhr ein Bad t und angeordnet, daß, sobald er läute, ein Bote bereit einen Brief fortzubringen. Als er oben angelangt rv.ni'f er sich auf die Caiselongue, reckte sich behaglich, zog nit wunderbaren Applikationen gearbeitete Decke aus dunkelrotem Plüsch über sich, steckte eine Zigarette in Brand und träumte in die bläulichen Rauchwolken hinaus. „Das also sind die Gu.. Dorfs? Wie merkwürdig, daß ich ihnen zu allererst begegnete in Berlin!" „Ein gutes Zeichen? Vederemo! Jedenfalls werden wir uns nicht aus bcnt Wege gehen können, wie ich glaube! Und so sprechen sie von Della? Eigentümlich! Und doch ganz charakteristisch. Der Leutnant, der flotte Lebemann, etwas wegwerfend, der junge Diplomat und, wie cs scheint, recht ernste, solide Herr mit Verehrung und Hochachtung, der dritte ... gar nicht! Das aber war am vielsagendsten! Und wie er mich anschaute I" Er blies nachdenklich den Rauch der Zigarette vor sich hin. „Und so wird es immer bleiben. Der Leichtsinn, die Frivolität werden sie schmälen, weil sie niemals mit ihnen in Kontakt kommen wird, der Ernst, die Gemessenheit werden sie bewundern, denn ihnen ist sie innerlich verwandt, und jene, die schweigen . . . werden sie lieben!" Er war jäh cmporgesprungen. Die Decke lag auf dem Teppich und achtlos schob er sie mit dem Fuß zur Seite. Unruhig ging er im Zimmer auf und nieder. Es war ein großer, eleganter Raum, mit jenem Komfort ausgcstattet, der darauf bedacht ist, der Nüchternheit der Hotelzimmer einen Schein von Individualität und Intimität zu leihen. Künstlerische Nippes standen auf dem Kaminsims, eine Bronze- figur hielt einen Strauß zu elektrischer Beleuchtung bestimmter Blumen. Das Meublement war im Stil Louis quatorze gehalten und mit schwerem Gobelinstoff gepolstert. Es fehlte weder die große, von der Erde aufragcnde Lampe mit einem Schirm aus gelber Seide und Spitzen, noch ein Blumentisch, der mit Alpenveilchen und weißen Syringen besetzt war, von einer riesigen, in dichter rosa Blütenfülle prangenden Azalie bekrönt. Der Schreibtisch trug unzählige Gerätschaften und Bilder. Dinge des persönlichen Bedarfs, wie Wittelsbach sie um sich aufbaute, auch wenn er nur für kurze Zeit sich häuslich niedcrließ. Gegenstände, die er immer um sich zu sehen wünschte, weil sie einen Teil seiner Persönlichkeit ausmachten. Auf der obersten Etage des Schreibtisches das Porträt einer jungen Dame, die mit schwermütigem, fast schüchternem Auge sinnend vor sich hinblickte: Es trug die Unterschrift: „Ihrem Lehrer und Meister in dankbarer Ergebenheit. Della Brandt." Lächelnd blieb er vor dem Bilde stehen, und etwas Kaltes, Grausames trat in seine Züge. Ein unbezähmbarer Hochmut, der seine ganze Erscheinung beherrschte. Selbst jetzt, wo er allein war. „So bist du immer, Törin!" murmelte er leise vor sich hin, „und so bleibst du, vermeinst du, bleiben zu können... 426 itei Sippen, „wir! Täub- wir", er na! Rührung: , , „Vater, geliebtes Batchen . . . mein gute' Papa. . ■“ Er strich beruhigend über ihr Haar und so „Mein Kind! Meine Tochter!" , Der Kellner, der ihn hinaufgeleitet hatte, ftai eines Befehls gewärtig, an der Tür wahrend ! grüßungsszene. Die Bedienten des vornehmen Hot unten lächelnd und etwas geringschätzig den al gemustert, der in einem altmodischen, aber petni reu, langen schwarzen Rock, den hohen, blanken von längst vergessener, beinahe komischer Form v den Händen drehend, nach Fräulein Della Brau Dann hatte man ihn hinaufgeführt, und er war beinahe etwas ängstlich hinter dem voranschrmtend die breiten teppichbelegten Treppen hrnaufgestrec war hier so glänzend und prunkvol.. daß es A drückte. So wohnte seine Tochter! Em Gesuhl vo keit beschlich ihn. Er hatte sie nicht tmedergeseH nach Beendigung ihrer Studien. iv die Oeffentl treten Ivar. Länger äks vier Jahre. Wie wü Am vorhergehenden Tage schon War Kantor B Berlin eingetroffen. Er war nicht zu bewegen geh „Kaiserhof" Wohnung zu nehmen, wo seine Tocht:: und auch Frau Justizrat Handtke mit Lucie sich ein bei mir zu sehen. Ich wünsche es, liebes, gutes, folgsames Kir kommst ! Dein Ada! Er überlegte einige Sekunden, ob er den B senden solle, ob er sie nicht dadurch beunruhigen Erfolg ihres Auftretens gefährden könne; dann raschem Entschlüsse steckte er ihn in ein Kuvert, die Adresse darauf und übergab ihn dem eint Zimmerkellner. „Sofort zu besorgen." Der Diener verneigte sich. „Ist mein Bad bereit?" Er warf einen Blick Uhr, die auf dem Kaminsims stand. „In zehn Minuten, gnädiger Herr!" „Gut! Nachher soll man mir das dojeuner du meinem Zimmer servieren. Flasche Sekt dazu. . „Welche Marke befehlen Sie?" immer!" Ein höhnisches Lachen! „In dankbarer Ergeben- J Della, hörst Du! Und Tu sollst wollen! Und deshc heit! Wie fein! Wie schlau! - Nein, weiß Gott, das ist sie ich Drr nach hier, wo der größte Triumph Deine: nicht — leider! Sonst wär' der Liebe Müh' nicht erfolglos, wie bis heut' . . , ja . . . jetzt, wo jie in den Kreis der Menschen tritt, die ihr teuer sind.., jetzt, mit dem goldenen Lorbeer des Ruhmes geschmückt . . . Wahrhaftig! Nun aber werde ich sie nicht länger fernhalten können Von allem, was das Leben ihr bieten wird und von ihr verlangen — das Leben? Die Männer, die sich ihr huldigend nahen werden und sie begehrend. Bis jetzt war sie mein . . . mein Werk! Und nun soll sie mein werden ganz mein! Mein Weib!" Er hatte, vor dem Bilde stehend, diese Worte ausge- stoßen, halb flehend, halb drohend . . . wie im Kumpf und Widerstreit mit unsichtbaren Mächten. Plötzlich riß er das Bild empor, drückte es in glühender Leidenschaft an seine Lippen und warf es dann zornig von sich. „Du. . . drk .... in dankbarer Ergebenheit! Tas hust du dir wunder-; voll ausgedacht, mein Püppchen! Aber nein . . . nein, das geht doch nicht . . . jetzt nicht mehr!" Das Bild war, als er es fortschleuderte, auf die Decke gefallen und blieb unversehrt auf dem Weichen Stoffe liegen. „Das schützte dich", spöttelte er, „die andere. . . ja, die andere: ich glaube, diese Decke hat mir die Elton geschenkt, wie sie behauptete, sogar selbst gestickt, damit ich unter den bunten Blumen, unter Rosen und Lilien von ihr träume. Nettes Ding", er hob das Bild und mit ihm zugleich die Decke auf, „köstliche Arbeit. . . und Wonnige Traume ... von heißen Rosen und sausten Lilien . . . Leidenschaft und Unschuld." Dann betrachtete er das Bild aufs neue und stellte es behutsam auf seinen Platz zurück. Allmählich wich seine Erregung. Ermüdet von dem Seeleukampfe, der in ihm getobt hatte, ließ er sich nieder Und starrte nachdenklich vor sich hin. Nach einigen Mru..''n der Sammlung trat er wieder an den Schreibtisch, zrg langsam, als zaudere er noch vor fester Entschließung, oie Platte heraus, nahm die Schreibmappe zur Hand und glättete, wie überlegend, den Briefbogen, den er darauf ausbreitete. Er betrachtete das große, goldene Monogramm, das die Hälfte der ersten Seite ganz einnahm, dann schrieb er, dicht an die großen, aus dem Papier plastisch heraus- tretenden Buchstaben sich anschmiegend: „Della!" Es sah 'gus, als lehne das Wort hilflos und ängstlich an dem goldenen Riesenmonogramm, als habe es sich in den Schutz eines Gewaltigen begeben. Und wieder trat es wie Spott und Hochmut in sein Antlitz: „Das sind toir beiden . . . ..... ' die Feder zwischen die Li bestellt hatten. Es passe nicht für einen Lehrer und Kantor a stadt, im vornehmsten Hotel der Reichshauptstadt zu nehmen, hatte er an Adele geschrieben, als von Wien aus bat, ihrem Auftreten in Berlin beiz und im Hotel „Kaiserhof", wo sie Zimmer beste abzusteigeu. Er Wolle in der Dorotheenstraße i kleinen Hotel garni wohnen, das er schon von einem Aufenthalt in Berlin kenne und das gut und b sauber sei. Er wisse zwar nicht, ob es noch besti es sei fast achtundzwanzig Jähre her, seit e: wesen sei, damals noch im Auftrage des selig« Grafen Giersdorf, um für Guido und Alfons eint zu gewinnen, der, wenn er das Haus Verlassei um zu heiraten, die Knaben bis zur Sekunda vr könne. Es sei damals zwar nichts daraus aewori er sei jedenfalls nach Berlin gereist, habe in der D straße gewohnt und denke, er würde dort nnebi kunft finden. Im anderen Falle würde er ein kleines Hotel garni aufsuchen, wie es für ihn f die Bernftädter Gewohnheiten ... sie foUe, ihr Vater ja nicht für unbeholfen halten, der wurde zurechtfinden in Berlin und sie am Vormittag de- Tages, fein Zug träfe abends in Berlin ein, in ch: besuchen . . . Und nun War er bei ihr eingetr weinend und lachend hing sie an seinem Hals küßte sie seine Stirn, seine Hände und rief i soll sich dies Wunder vollziehen. Du wirst in singen, wie man es nie vorher gehört hat, d singen, als ob alle Schönheit und Reinheit der Di in Deiner Kehle säßen, Du wirst fingen, bezaubernd, hinreißend, in welterlösenden Harmonien.... 5 es! Und ich werde dieses Glück mit Mr erleben um Ich wohne im Palast-Hotel, Zimmer Nr. 1 Etage, und ich hoffe, Dich heute zwischen 6 und Röderer . . . dry . . ." * äieii und Adler!" Das Lachen, mit dem er diese Worte begleitete, war nicht gut, dann schrieb er, ohne sich zu unterbrechen, mit großen dicklinigeri Schriftzügen: „Ich bin gestern abend hier eiilgetrofsen, allen Wsichten und allen Vereinbarungen zum Trotz! Ich konnte es mir nicht versagen, Zeuge zu sein Deines Erfolges in Berlin. Ich wollte mein Kind! Du weißt, daß ich Berlin nicht liebe mit seinen halb barbarischen Kunstzuständen, aber es gilt als ein geistiges Zentrum ersten Ranges, und es war nötig, daß Du den Erfolgen, die Du überall gehabt, auch den Berliner anreihest. Deshalb ließ ich Dich ziehen, nachdem ich Dich solange ferngehalten, bis Du hinkommen konntest, eine steg- ■ hafte Göttin, unantastbar ut Deiner künstlerischen Vollendung, überwältigend und jede Krittelet niederschmetternd! So muß man ihnen nämlich kommen, diesen Berlinern — Und so entließ ich Dich zu ihnen. Ein Stern von erhabenes Klarheit, von unendlicher Schönheit und Reinheit, von hellstrahlendem Licht! Mein Stern! Konnte ich zurückbleiben in Nacht und Dunkel, wie es um mich ist, in mir, wenn Du fern bist! Das kannst Tu nicht wollen, wenn wir es auch noch so klug überlegten. Das kannst Tu nicht wollen, darfst Du nicht wollen, hörst Tu, Della, denn ich will nicht! Wozu die Klugheit Und feine Erwägung, wenn der Wille mächtiger ist als alle diese subtilen, schlau erdachten, Wohlüberlegten Bedenken, mit denen die Alltagsseele der Menschheit sich ihre Pfade glaubt ebnen zu muffen. Gut genug für die engen, kleinen Seelchen, die ein Leben heucheln und doch keius haben, die nur vegetieren und den Boden düngen für die Großen, Starken! Ich, ^ella, bin ein solcher, jauchzend empfinde ich es, und Du — sollst einer werden! Ich mache Dich dazu! Ich! Und tote sch Dir meine Kunst gab, werde ich Mr auch mein Leben Men. M Min und Dein wird Eines feilt! Ich will, 427 ftnben? Freilich, ihre Briefe waren lieb und gut n,tn der Zeit! Sie waren wohl aufbewahrt mit -rsten, den sie damals schrieb, als sie das Eltern - ^und^Zweifel' ü^eI,e§ if)n plötzlich wie « tÄ to &&?tE M ’SjSr c stand vor chr, er fühlte sich von ihren Armen« M. ^n alter Kindeszärtlichkeit schmiegte sie sich an ± T wußte er, daß all dieser äustere'Glanz sw °!WAm ■ wsrerßen könne, von ihm und der Mutter » mi> ®IüBc8 ä'“OTta- l-i- Mxttchm? M- Heine ® e Schleie ihre tn aller Anmut stolze n Wink bedeutete dein Kellner, daß er entlassen sei: ’Tn«^s,uaud zu sprechen heute vormittag." u Befehl, gnädigstes Fraulein." J untt schloß er die Tür geräuschlos hiiiter sich zu imd zu ernem Hinaufsturmenden, ihm begegnenden Iden, wahrend er die Treppe hinabeilte: „Merk- altmodische Leute! Der alte Herr und die be- Sangerm ... die haben noch Jefühle! Janz un-- U^Provinziell!" Das war der höchste Ausdruck seiner (Fortsetzung folgt.) . en tjwrben und werde eines schönen Tages mit jener ~ " ", die wir unseren Festen geben, aufs neue sterium von Karlsruhe hat einen Vertreter e entsandt, der Stadtkommandant ist in rm erschienen, Regierungsräte und Banräte starrm die Bürgerkorona harrt in Schweigen und Durst (aber h Brunnenwasser), der Bürgermeister spricht so schön wzen gehen>, wie je und endet mit vor Rührung bebender „Und um,, Wasser, fließe!" Aber das Wasser fließt in Studenten haben die Röhren tief drinnen mit Kitt s der „Dtsckm. Wochenzeitung für die Niederlande und Wom Kridelörrger Karzer.*) Bon Professor Dr. Ed. Heyck. ehrter Leser! Lasciati, wie Dantes ewige „Comedia" etreten der schreckensvollen Hölle sagt, laß alle deine StaatSburgKlichkeit oder auch dein holdes weibliches zu Hause, ich führe dich an einen Ort, der merkwürdiger res „Fnferny ist, denn man „brummt" dort, ohne zu und drangt sich freiwillig zu dieses Kerkers Geheim- Und in eine Idylle geleite ich dich, die als seltene übrig geblieben ist aus der guten alten Zeit. Wäh- d-n meisten Universitätsstädten die abgebrochenen Karzer- durch Warenhäuser, Restaurants oder sonstige Errunaen- erner sortgeichrittenen Neuzeit ersetzt worden sind, schmiegt ) immer unter den rückwärtigen Flügel des mächtigen ^^-.??5°^bngebäudes em Häuschen, das Manchem reich- stichhaltige Erinnerungen als das ganze Kollegicnhaus semen Hörsälen erweckt. Drin residieren im Erdgeschoß, folgend und ablösend, wie die Dynastien der großen ’> die Heidelberger Oberpedelle nebst Familie; der Ober- r XL l}£teir bcn milden Auspizien der hohen akademischen i seit Menschengedenken der studentischen Einsiedelei und, zlerch zu sagen, einer höchst spezifischen Abart der Heidel- »tudentenfröhlichkeit gewidinet. und warum kommt der Student in den Karzer? Ja, erm, wie man's anfängt, in den Karzer zu kommen, , zerbricht sich mancher Heidelberger Musensohn mehr s, als über die sublimsten Fragen der Philosophie oder kgen Jurisprudentia. Viele probieren's, aber wenigen s. Den meisten bringt statt des ersehnten Karzermandats : der Gerechtigkeit . einen prosaischen Strafbefehl über er 12 Mark auf die Bude und verwundet damit den >n an seiner empfindlichsten Stelle. Solches ist aber ise von dem hochpreislichen „Biergericht", wie der ©tu» >herzig seine Disziplinarbehörde nennt, ausgedacht, denn m gedes törichte Randalieren oder geistlose Lateruen- i sogleich durch ein paar lustige Karzertage belohnen rüßte das altehrwürdige Gefängnis ausgebant und durch arackenlager vermehrt werden, und damit iväre seine ! dahin. Es wird mit Recht verlangt, daß der Karzer- feinen Witz ein wenig anstrengt. Wentt er mit einem on Originalität diesen oder jenen Punkt des allgemeinen ens zu treffen versteht, der im vielverzweigten Preis- der Polizei nicht ohne weiteres seine feste Taxe hat, er schon eher Aussicht. Zum Beispiel: es sei einer Aschen Röhrenbrunnen, die in der alten Kurpfälzerstadt lungener Zeiten Geschmack und fürstlicher Herrlichkeit plätschern, durch die ausgezeichnete Neuzeit stilvoll verstopft, unter dem schützenden Mantel der DenkinalSlmlle »»h bet wundervollen Heidelberger Sommernacht Derlei »i«, liches, wird durch Karzer gebüßt. "yerlet unb * Er prunkt nicht mit Nsentüren und Kunstschlöfsern mit blanke» Korridoren, darinnen die Schritte hallen, mit keinem Gefängnis ««f«« humanitären Zeit. Es fehlt X äiwXS Sf U^bmentsmäßige des neueren Ordnungsstaats. S em» mal Zellennnmmern hat er, die Gemäcker beiben a „Sanssouci", „Solitude" und „PalaisRhyal'?& ^a6esb^rreme LZ oBellevue", weil dort ein DÜchbUck 2 das Seidelberger schloß genossen wurde. Aber man baut seitdem Mc » lrt Holzwurm als Vorbild gelehrter hie erv'JirieS $3e^n.X?l6t' bringen anregende Äbwechs- M XXlr, /nb. kalkgetünchten Wände. Eine gemütliche Bodentreppe fuhrt mit kurzem Bogenschwung ( Kav der ^5^N"""9X,bmauf. „Salve!" steht in ihrer Tür und^ i'n^ ICF Ö£”r ^fber". An den Treppenwänden liest der Muscn- ahnungsvoll hlnanklimmt, die Zusicherung: , Bäder @na«fhefhnfrn" s? -^bidelberg besonders beruhigend'wirkt: SCT^X<1 ftwfen . Ums Kap der guten Hoffnung beschreitet er raum m.w b^?°Xerzimmer harmonisch verbindenden' Boden- ' ifc,1® e ist er angelangt. Und alsbald yebt ihm eine allen Studenten teure Gestalt, Vortrefftick in §?ben gemalt, den hoffnungsgrünen Pokal entgegen, Pe keo der Zwerg vom großen Heidelberger Fasse: ' wieher, schwankende Gestalten, bekümmert zu mir aufwärts schleicht! ««$ schwer, den Kopf hier auftecht halten: Auch hujus loci Genius ist feucht!" Wiese und unzählige andere Inschriften, Verse und Bildei Eigens nicht der sonst so gütigen Behörde verdankt, sondern sie sind eine freiwillige Erinnerungsgabe der Studentengenerationen die seit Menschengedenken die fteundlichen Räume bewohnt haben. Kem Fleckchen, kein Quadratzoll an Wand Asbalk oder Decke, wo nicht Namen, Verbindungszeichen und Zirkel, bemutzte Wpfe, bunte Wappen oder geheimnisvolle Symbole prangen, unter denen namentlich das in allen Geinütslagen vertretene stilisierte „Bierhuhn" bemerkenswert ist. Die Technft XXot"08 o/odemicae welche der philologischen Akribie noch harren, beruht im Ganzen mehr K : t&tyniäe dein Heim"!, als auf berufener Eipr fhpÄ^ m 'wmer im Universitätswesen gilt auch hier der ^>ater Brauch- vor launenhafter Modernität Ten Er- rungenschafien des Pleinair ist ohnedies die Oertlichkeit nicht h?ld. An Abwechslung fehlt es sonst dieser Technik nicht. In Xefi W’Ta®? gräbt der Inhaber, vorausgesetzt, Matz findet, em rechteckiges Loch, tut fein wohl- 9 ?lchtbildnis hinein, die eigens zu diesem Zweck mit» ^VZ L^^latte darüber und fügt sie mit dem so vielseitigen Glaserkckt ein. Den Namen und ähnliche Runen ritzt man mit dem Messer m Balken, Tut, Fensterrahmen, Tisch, B.-ttgestell und Holzstuhl. ^ch erinnere mich, in „Solitude" auf der Sitz- ?latte des hurtigen Stuhles — des einzigen natürlich — einen kräftig eingetieften großen Zirkel angetroffen zu haben, daß icy, cs war im dünnbeschwingten Sommer, nur noch tagelang uackher — ich will lieber nicht sagen hinterher — als das'wobl- gelungene Positivrelief zu diesem anspruchsvollen Verbindungs- emblein vorgekommen bin. Die Bilder und Wappen der Wand verfertigt inan mit der zu Studienzwecken bewilligten Tinte und anderweitig mitgebrachten Farbe, letztere, je nachdem man me&r ßchs Aquarell ober für die ältere Freskentechnik gestimmt ist. Die Portratkopse dagegen entstehen in der Stille des vielvev- längerten Abends; und sie kann man auch nicht allein entwerf-n es müssen immer Zweie sein. Außerdem ist dazu notwendig: erstens, eine Kerze, die auf den Tisch gestellt wird — elektrisches Licht ist glücklicherweise meines Wissens auch jetzt noch nicht cmgefuhrt —, und zweitens, daß der Delinquent still hält, wahrend der hckfteiche Genosse das Schattenbild auf der aus- gewählten Wandstelle sorgfältig umzieht. Dann wird am andern Morgen das Porträt mit Tinte oder besser mit chinesischer Tusche ausgeführt und an Mütze und Band die ganze stilgerechte Pracht der Farben und Goldtinkturen entfaltet. Die Inschriften an der Decke wiederum werden auf die Weise hervorgebracht, daß man auf den Tisch steigt und das brennende, rußig schwelende Talglicht als schwarze Schristfackel benutzt. Natürlich hat die tarifmäßige Versorgung auf dem Karzer mit Wein, Bier und magenstärkenden Bittern ihre Grenzen, denn auch die wohlmeinendste Pedellenftan kann nicht immer so viel leisten, wie die Bevölkerung dort oben verlangt. Das übrige müssen schon die Freunde, die zu Besuch kommen, und die Speisewirte ,bie das Essen schicken, dazu schaffen. Bedenkt man, daß der Karzer noch ein Hort der sonst von nivellierender Skatbildung mehr und mehr verscheuchten Quodlibet, Cerevis und andere altakademischer sogenannter Bierspicle ist, die sich nicht nach der Polizeistunde richten, so versteht man auch, daß man des Morgens durch die Zahl der leeren Flaschen überrascht wirb, die anstatt der hier entbehrlichen Stiesel vor der Tür dess für 428 Redakiion: Ernst Heß. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'kAm Universitäts-Buch. und Steindruckerei. R. Lange, ®i Kunst. — Der Kun st wart. Rundschau über Dichtung, Theater, Musik und bildende Künste. Herausgeber Ferdinmid Avenarms, Verlag von Georg D. W. Callwey in München. (V^telrahrüch 3 50 Mk, Preis! des Rembrandtheftes 1 Mk.) Inhalt des Rembrandt-Heftes: Rembrandt. Vom Herausgeber. — »Borgeschlagen zum Nobelpreis". Vom Herausgeber. —. Stimmen der Völker in Liedern. Von Richard Batka. — Die Dresdnern Kunstgewerbeausstellung. Von Fritz Schumacher — Lose Blatter: Ms Frederik van Eedens „Kleinem Johannes . — Rundschau, u. a.: „Statuen deutscher Kultur". Neue Erzahllmgen Neu- Dramen. Ibsen-Nachrufe. Deutsch! Münchner Theater. Von der Tonkünstlerversammlung in Essen L Zur oflentlichen Musik- pflege. Dorfmusik. Vom „-stilvollen, bei Schulfchen. Denk malet. Die deutsche Kiinstausstellung m London. Die si> stimmen, so brauchen sie auch ihr Damals heute nicht mehr voi humorloser Philisterkritik zu verantworten; die Pedelle von damals deckt der grüne Rasen, und die jovialen „Bierrichter" Sld Exzellenzen und Oberbürgermeister geworden. Aüch die ände schauen zum Teil anders aus; denn der Platz ist schmal, ber Bewohner sinb viele; mancher, um selber zu Wort zu kommen, zerstört bas, was ber Bormann hübsch gemalt ober gedichtet hat. Denn leiber ist hier nicht bas Bessere, sondern oft nur die rücksichtslose UeberHebung des Guten und Wien Feind. Außerdem sendet der ordnungsliebende akademische Senat von Zeit zu Zeit einen prosaischen Tüncher, der den Rittersaal und die umliegenden Eremitagen nach seinem Gutbefinden in stand setzen soll. Und dagegen Hilst kein noch so grimmiges Protestieren, dem in einer älteren Inschrift die Wort geliehen „Den Schmierfink, ber wohl alle Jahr Es wagt, bie Wanb zu tünchen, Den sollte man mit Haut unb Haar Ganz unnatürlich lynchen!"