Sl J6| Ä ,n ii hia ÄÄ MU Haftes Wiitellgse Mädchen. Roman von H. E h r Hard t. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) halten. „Einen Kuß noch, Schätzet." „Ach, bitte, nicht mehr", sie wich zuruck, „wenn uns! jemand hier findet." Und ohne sich an sein ehrlich betrübtes Gesicht zu kehren, eilte sie zur Tür. Er folgte ihr zögernd mit eurem fast ivchmntlgen Ab- schiedsbtick ans beit prosaischen Raum, in dem er nun hoch fern Tornrvscherr wachgelüßt hatte. Eine leichte Unruhe hatte sich auch ihm mitgeieilt. Suse war doch sonst solch em leckes, natürliches. leb- Geschöstfchen. Warum diese seltsame Schert vor je in eit schütter — er sah das eingestickte Monogramm, das UM so oft geärgert. - Sein Mäntel! Mit einem Schlage er* faßte er ihr kindisches, rührendes Beginnen. Trunken vov. Seligkeit, nichts mehr bedenkend, neigte er srcl; über die Schlafende und preßte seine heißen Lippen aus das halb* geöffnete Mündchen. Sie erwachte nicht gleich,. Noch ich Traum stahl ihr weicher, nackter Arm sich um seinen „Fritz, lieber Fritz!" mnrmelie sw. „Mein süßes Mädchen!" Er zog sie zärtlich empor. Da erst wurde sw munter. Sie zwinkerte verwirrt, hilflos mit den geblendeten Augen,: „Wo bin ich denn?" "Bei Deinem Herzallerliebsten, Süßes", flüsterte er "^Ehr^ungläubig erstaunter Blick hob sich empor -„sie sah sein schönes, dunkles Gesicht in leidenschaftlicher Zart- ichkeit strahlend dicht über dem ihren und blutüberströmt barg sie dias ihre an seine Schulter. Er druckte den Mundi in das weiche, lichtblonde Haar. „Suse, Liebling, sieh mich doch noch mal an, schämst Tu Dich denn, daß Sat mir gut bist?" Sie nickte heftig, ohne ihre Stellung zu verändern. „Aber, kleines Dummerle, warum denn? Du weißt doch/ wie sehr lieb Dich Dein Fritz schon lange hat und dast Tu sein süßes, angebetetes Francherl werden sollst. Komm, rasch noch einen Kuß, Maus, und dann znrück itt den Ballsaal. Tie Leute sollen nicht erst schandmanlen übet; Dich und sagen dürfen wir's doch nicht, ehe Deine Eltern nicht dravon wissen. Nur Brockhaus möchten wir ms -Ber* tränen ziehen." „Nein, ach, nein!" ■ J Ein Schauder ging über Snses Herz. Alles wurde plötzlich lebendig tu ihr — die Szene mit dein Hauptmann! im Stall, das abscheuliche Empfinden, das sie bei feiltet«; glühenden Kuß überkommen, die häßliche Ausemandersetzimg mit der verratenen Frau, das drohende Gespenst ihrer morgigen Abreise — eine gräßliche dumpfe Verzweiflung löste bas überschwängliche Wonnegefühl in ihr ab. Sie hatte ja kein Recht imeh-r, glücklich zu sein tu der Liebe bes ahnungs* loseii Mannes. r, In ihrer impulsiven Weise entwand )te sich so schnell feiner Umarmung, daß es ihm unmöglich war, sie sestzu- Jn der Pause, die dem Tischwalzer folgte, stahl sw sich Ms deni Kreise der jungen Mädchen, lief durch den Korridor und gelangte unbemerkt vt eins der zum Ablegen der Garderoben bestimmten Ziminer. Es war leer. Tie Zofe der Kommandeuse war wohl im Extra.- toilettenzimmer der Damen und harrte dort etwaiger abgerissener Kleidetsäunw ober zerstörter Frisuren. Suse warf sich aufatmend in einen Stuhl neben dem Mit Mänteln mtb Tüchetii überhäuften Tifche. Eme Weile blieb sie mit geschlossenen Augen liegen, bann blinzelte sw ittübe in bettt kahlen Raum umher. Trüben an bet Wand hing ein grauer Offiziersmantel an dem anderen. Sie stand plötzlich aiif den Füßen und lief hinüber. crrt dem Gefühl körperlichen Uebelbefindens hatte sie eine Sehnsucht, wie nur kindliche Verliebtheit erwecken kann, sie wollte wenigstens seinen Mantel haben, den heißen Kops hitwmschmiegen. . „ , , .. Jku-e kalten Hände, von betten sw un Herlaufen Die 5tanbschuhe abgestreift, wühlten unter den vielen, gleich* farbiqen Mänteln — da war er ja schon — das einge- stickte Monogramiit F. T. ans der inneren Tasche — eine hübsche Cousine hatte ihm diese Geschmacklosiglett znge- mutet — wie et ihr lachend erzählt. .. Mit Anstrengung hob sie den Mantel herunter, breitete ihn ans dem Tisch aus, zog sich bett Stuhl dichter heran und sich hinsetzeitb, bettete sie das Köpfchen aus bas gran- feibene Futter. Tie Hälfte bes Mantels schlug sw über die nackten Schultern. Wie warm und behaglich ihr gleich würbe! Und wie Die Berührung bes Mantels ihr bas wonnige Gefühl seiner körperlichen Nahe gab. „Fritz, mein Einziggeliebter!" flüsterte sie in seligem Rausch. Ihre Augen schlossen sich. Die Aufregung des! Tages forderte int Verein mit dem reichlich geno,jenen Sekt ihr Recht. Sie schlief ein. So fand fie Fritz Trautendorf, der ihr Verschwinden bald 6enterbt hatte und in bet Hoffnung, sie irgendwo allem treffen zu können, auf bte Suche nach, ihr gegangen war. Mit Purpur geröteten Wangen und halbgeöffneten Lippen schlummerte sie süß und friedlich, — bas echte Dornröschen. Dem jungen Offizier stieg bas heiße Blnt ms Gesicht. Wenn er sie nun mit einem Kusse weckte! Aber nein, es wäre nicht Gentlemensart. Noch wat er ja nicht sichet, ab sie ihn liebte. Jedenfalls aber mußte et sie wecken, bamit ihr langes Fernbleiben im Saal nicht mit gehässigen Andeutungen glossiert ttmtbe. Da bewegte sie sich leicht. Der Offiziersmäntel, den er erstaunt jetzt erst bemerkte, glitt von der weihen Mädchen — 230 — wirklich nur mädchenhafte Zurückhaltung sein? Der voranschreitende Hauptmann ist an der Tür beiseite getreten und zwingt sic dadurch, sich von ihrem Begleiter einen Moment zu trennen. Ihr ist wirklich recht katzen- jämmerlich zumute, wie sie seht in den grau heraufdämmcrn- dcn Morgen blickt. Das finstere Gesicht des Hauptmanns, die mühsam erzwungene Freundlichkeit seiner Iran bilden arge Wennuts- tropfen in den Becher ihres jungen Glücks. Aber ein Blick in die sonnigen Augen des Geliebten verscheucht rasch alles Bittere ans ihren Gedanken, das kleine Küssen? Sollte das ~ Sic würden es nicht für möglich halten, daß cs ihm diesmal wirklich erlist ist, Selbst dann noch nicht, luemi sie oe» heißen, innigen Blick säheii, mit dem er das Erscheinen der kleuieii Suse begrüßt, die ein wenig hinter dem Hauptmannsehepaar die breite Treppe herabkommt. Sie trägt ein Als habe Si st s.fl.. liavll Frau K. * Geehrter Herr Lehrer! Der unterzeichnete bittet um entfchuidigung für meinen Sohn, da er in die Schule wollte, noch ein Buch im Zimmer hatte und meine Fran den Schlüssel in der Tasche hatte, und ist mit auf den Mark, somit ist er verspätet in die Schule gekommen. Freundlichst Grüßt Sebastian B. Weichenwärter. Durch schnelle Abfarth meiner Frau, Wollen Sie, meinen Sohn Emil Dienstag und Mitwog aus der Schule lassen. Mit aller Hochachtung M. * Hochgeehrter Herr Professor! Friedrich H. tonte am Dienstag den 3. Dezember die Schule nicht besuchen, wegen Abwesenheit, was Herrn Professor gütigst entschuldigen möchte. Achtungsvoll F. H. * Herrn Lehrer K. Wohl demselben erstade ich ganz Ergebenst das Karl heute Bormittag die Schule nicht besuchen hüt fönen wegen heftigen Zahnschmerzen welcher sich jetzt hat ziehen lassen. Hoch Achtungsvoll Bernhard H. Postschaffner. Aufsatz des Quartaners Karl B. Die A m e i s e. Eine der wichtigsten Hautflügler die wir wohl alle kennen, ist kleine Waldameise, von dieser wollen wir etwas näher (beschreiben,.) hören. Ihr Bau besteht aus kleinem Holze, und Tannen- oder Fichtenreis und kleinen Steinchen. Die gewöhnliche, hat ihren Wohnsitz unten geflasten Steinchen, oder in ihrem Bau, dieser ist gewöhnlich ein Meter hoch und einen eineinhalb in. so breit. Bei den Ameisen unterscheidet inan drei Stämme, Männchen, Weibchen und Arbeiter, die Männchen sind von der ganzen Arbeit abgeschlossen, aber die Weibchen legen nur die Eier ab, die Arbeiter haben alles auf sich, sogar die Eier an die Sonne tragen und wenn es regnet wieder zurück in den Bau. Ihre Nahrung besteht aus Hönig süßes Obst, und kleine Leich- nahine. Ja! Am eignen Bau findet kein Kampf stadt, sondern wenn eine Ameise in den Bezirk einer andern läuft, so entsteht eilt Kampf, bei biefent Kampf stehen die Ameisen der einen Bartei auf die Hinterfüße und spritzt einen Atzenden Saft ans. Die Besiegten werden von den Siegern mit, in ihren Ban geschleppt, und müssen sie als Arbeitssklaven dienen. Die Ameisen haben eine Art Melkkühe, diese dienen zum, melken. Dieses melken ist den Blattläusen oft sehr recht, daß sie gemolken werden. Bon den Ameisen können wir ein gutes, arbeitsames Beispiel nehmen. * Die Trompete von Vionville. (Aufsatz eines Quintaners, den er im Arrest unfertigen mußte). Ice der Schlacht bei Vionville, haben viele Soldaten Tod und Verderben gespie'n. Sie haben es nicht gelitten. Es waren in der Schlacht bei Vionvill viele Kvlonen Fußvolk und zwei Batterien. Die Soldaten von Vionwill haben sie niedergeritten. Sie haben den Säbel geschwungen, die Zäune verhängt. AW haben wir sie znsammengesprengt, die Kürassiere und Ulanen. Es war ein blutiger heißer Tag. Von vielen Soldaten war die Brust zerschossen, die Stirn zerklafft. Manche Soldaten lagen bleich auf den Rasen da. Und als er in die Trompete hauchte, und es ging in die herrliche Schlacht hinein. Und ein klagloses Geschrei und Wimmern, entguoll aus Munde. Und die Verwundeten klagten um die Wunde. Die Brüder die heut' gefallen, denen ging es durch Mark und Bein. Und- als die Nacht anbrach dachten die lebendigen Soldaten an der Toten. L., nach Besprechung von „Stadt- und Feldmaus" bezüglich der Zufriedenheit, gefragt, warum wohl mitunter einem Reichen seine guten Speisen nicht so gut schmecken wie dem Armen seine einfachen, antwortet verständnisvoll: „Weil se sind gewesen so teuer." * An der Realschule zu P. werden kleine Sünden der Schüler mit einem „Blies" gestraft, in welchem das Vergehen ausführlich geschildert ist. Einige Proben: Ein Quintaner: Geehrter Herr P. . . als Sie in der Turnstunde stillgestanden kommandiert hatten, himmeite ich in den Saal, dafür bekam ich einen Brief. Ms Hornbogen ans das Kloset ging, gab ich ihn einen Tritt dafür wurde mir der Brief verlängert. Ich will es gewiß nicht wiedertun. Ihr Schüler Bruno Z. Ein Sextaner: Geehrter Herr Dr. H . . . . da Ich nm Donnerstag den Schüler Bruno Z., als er tu die Klasse trat mit dem Atlas auf den Kopf schlug will ick gewiß nicht wiedertun. Ihr Schiller Kürt Fr. Mein Mann ist krank. Skizze ans deut Alltagsleben von Pauline Zell. (Nachdruck verboten.) Mein Mann ist krank! — Wo gäbe cs eine Gattin, die das Ansrusungszeichen, das ick diesem Satze folgen lasse, nicht zu würdigen verstände, und die vier, inhaltsschweren Worte ohne inneren Schauder auzuhören vermöchte?! — Irrtümlichen Auffassungen vorzubeugen, sei bemerkt, daß ich hier nur solcke Krank, Heiken des Gatten im Slüge habe, die — tote sage ich nur gleich, um die in diesem Punkte sehr empfindlichen Männer nicht zu beleidigen? — nun, die allem Mischdine nach eine baldige Bessertmg zuversichtlich erhoffen lassen. — — In düsterem Schweigen tritt mein Herr Gemahl ins Zimmer, gebt mit seltsam beängstigenden Gesichtsverziehungen ein paar Male auf und ab, um endlich in die verhängnisvollen Worte auszubrechen: „Frau, ich bekomme den Schnupfen!" „Du bekommst den Schnupfen?" wiederhole ich, entgeistert in meinen Sitz zurücksinkend. „Er bekommt den Schnupfen!" hallt es! echoartig tu den verschiedensten Modulationen durch das ganze Haus, bis zum entferntesten Winkel der Küche. Und er bekommt wirklich den Schnupfen. Was soll ich dieser Tatsache weiter hinzusügen? Die Sckstlderung des Martyriums, das ich als Frau zwischen den einzelnen Niesanfällen zu erdulden habe, sei einer gewandteren Feder überlassen. Schlimmer, als wenn mein Mann den Schnupfen, kann nur eins sein, nämlich —z wenn er Zahnweh hat. Noch nie gab es einen Philosophen, der Zahnweh geduldig ertragen konnte. Beim Zahnweh hört Philosophie und Heldenmut auf. Sich in das Grauen der Schlacht stürzen, durch Wasser oder Feuer gehen, wenn es sein mutz —i Kleinigkeit! Aber geduldig die Schmerzen eines hohlen Zahns ertragen? Lieber sterben! Wie verzagt, klein- und weichmütig selblt ein unbedeutendes Unwohlsein die meisten Männer zu machen pflegt, das wäre überhaupt herzzerbrechend, wenn es nicht so lächerlich wäre, und wie schnell die Männer sich unter Umständen zu erholen verstehen, das wäre lächerlich, wenn es nicht zuweilen für die Frau so herzbrechend wäre. Daß der Leser sich in dem nachstehenden Bilde, das meinen Mann zeichnet, wiedererkennen sollte, das erwarte ich nicht; der freundlichen Leserin hingegen dürfte dasselbe möglicherweise nicht ganz fremd Vorkommen. ~ Mein Mann ist krank! — Er liegt aus dem «opha mit alleii Anzeichen schrecklichen Leidens, einen kalten Umschlag um die Stirn, die ganze Gestalt schlaft und hinfällig, em Bild! des Jammers. „Ach, Paulcken, wenn du bloß wüßtest, tote nur än Mute ist! Stein, st) elend hast du dich in deinem Leben noch nickt gefühlt. Wie das hämmert und bohrt in meinem Kopse! Du kaniist es glauben, ich werde gewiß sterben!" „Warum nicht gar: du hast dir beit Magen tüchtig verdorben, gestern abend mit dem frischen Brote. Ich habe dich gewarnt Ötmi,/$aii6f$ vit, daß es von dem frischen Brote sein kann? Ich 232 — habe doch nur ein ganz kleines Stück davon gegessen." „Ein kleines Stück? Na höre mal, ein Pfund wird's gewesen sein!" „Ach, hättest du es mich nur nicht essen lassen! O Weh, v weh, wie elend mir ist! Ich bitte dich, gib mir einen neuen Umschlag. — Menn du nur nicht so viel hin- und hergehen möchtest", fahrt er nervös auf, „das ist nickt zum aushalten! Weshalb siehst du denn immerfort nach der Uhr?" „O, ich dachte mir, daß es gerade noch Zeit wäre, um zu dem Konzert, zu dem inich Frau Susa eingeladen hat, zurecht zu kommen." „Was? Du wirst mich dock nicht in diesem Zustande allein lassen wollen? Das wäre doch eine himmelschreiende Gefühllosigkeit! Da sieh her, Ivie matt ich bin, kaum den Arm kann ich bewegen. Wie kannst du nur an ein Konzert denken, wenn du mich so. leiden siehst! — Wer klingelt denn da schon wieder? Sieh doch mal nach; nicht einmal wenn man krank ist, kann man Ruhe haben." „Nun?" fragt er ungeduldig mir beiin Wiedereintreten entgegen. „Ach, cs !vnr nur dein Freund Balduin. Er war da, nm dich zu fragen, ob du nickt mit in eure Loge kommen willst. Ich habe ihn natürlich weggeschickt, ivei( du viel zu krank dazu bist." „Natürlich, natürlich, viel zu krank", wiederholt er gedehnt und bleibt eine Weile ganz still liegen. „Weißt du", sagt er dann plötzlich, „das; es mir vorkommt, als hätte mein Kopf- Iveh schon etwas nachgelassen? Was meinst du, wenn ich versuchte, ein wenig aufzustehen?", „Besser ist es .gewiß, du bleibst ruhig liegen." „Aber vielleicht wird mir wohler in der frischen Luft. Gib nur meinen Ueberzieher, .Hut und Stock. Nein, solches Kopf- weh, ich fciitit kaum allein gehen." „Soll ich dich führen?" „Nein, nein, mein Kind, wenn mir schlechter ivird, lasse ich inich von einer Droschke nach Hause bringen. Aber ivarte nur nicht auf niich, vielleicht gehe ich doch auf einen Augenblick in die Loge." Er wankt zur Türe, aber im Hinausgehen wendet er sich noch einmal zurück. „Vergiß nicht, etwas Ordentliches zum Abendessen zu besorge!!, Vielleicht habe ich Appetit, wenn ich nach Hause komnre. Mer ctivas .ganz leicht Verdauliches, weißt du! Und sieh, daß gutes Brot zu Hanse ist, nicht gar zu altbacken, du weißt, das vertrage ich nicht. Und nun leb wohl, iver weiß, ob du mich iviedersiehst!" — Er schüttelt melancholisch mit dem Kopfe .und läßt mich allein. Ja, mein Mann ist krank! — — Volkszählungen im Tierreich. Gelegentlich der unlängst im deutschen Reiche vorgenommenen Volkszählung erinnerte der „Kosmos, Handtveiser für Naturfreunde", , deir die in Stuttgart ansässige Gesellschaft gleichen Namens jetzt allmonatlich ihren beiläufig 16 000 Mitgliedern liefert, an jene früheren Versuche, auf statististhenl Wege eine Uebersicht über die Tierivelt zu gewinnen. Selbstredend ist eine Zählung der auf der ganzen Erde Vorhandenen Tierindividuen schlechterdings unmöglich, dagegen könnte eher daran gedacht werden, die Anzahl der . vorhandenen einzelnen Arten wenigstens annähernd festzustellen, wenn dem nicht entgegenstäude, daß die Gelehrten noch gar nicht einig darüber sind, was eine Art sei, und ivas man unter diesen Begriff zusainmenzufassen hat. Es kann sich deswegen auck bei den nachstehenden Angaben znnieist nur um annähernd zutreffende Schähuugsversuche handeln. 77 Der Altmeister der Systematik, Karl v. Linus, nahm nm die Mitte des 18. Jahrhunderts 1100 lebende Tierarten an, deren Anzahl etiva 100 Jahre später bereits auf ungefähr 130 000 gestiegen war. Nach einer kürzlich veröffentlichten Statistik der Tierwelt des Pariser Musenins für Naturgeschickte gibt es gegenwärtig auf der Erde und in den Meeren gegen 400 000 den Gc- lehrien bekannte intbjwit ihnen beschriebene Tierarten. Darunter befinden sich 2300 Säugetierarten, von denen auf Deutschland etwa 100 kommen. Die Vögel sind mit 11000 bis 1.3 000 Arcen vertreten; Deutschland hat über 400 (davon 227 brütend) ans- zuweisen, während weitaus die nrcisten in den Tropen beheimatet find, zumal. in Mittel- und Süd-Amerika, wie denil Amerika überhaupt die • reichste Tierwelt besitzt, da mehr als die Hälfte aller Säugetier- und Vogelfamilien auf diesen Erdteil entfallen; das Gleiche gilt von den Reptilien, Almphibien und Tagsckmetter- lingcn. Im ganzen zählt man 10- bis 12 000 Fischärten, dar- itHiec 300 Süßwasserfische. Von den Reptilien (Schildkröten, Krokodile, Echten und Schlangen) sind gegenwärtig 2500 lebende Arten bekannt, unter denen gegen 1000 auf die Schlangen kominen. .An Lurchen oder Amphibien iverden etwa 1200 Arten gezählt, Mebsarten 8000, Spinnentiere 2000 und mindestens cbensoviäe Würmer, ivährend man für die Weichtiere oder Mollusken («chnecken, Muscheln, Tintenfische usw.) über 10 000 lnach andern Angaben sogar 50 000) Arten herausgereckmet hat. Die Stachelhäuter (seewalzen, Seesterne, Seeigel) schätzt man auf 4000, dagegen sind dl« am niedrigsten stehenden Urtiere ihrer Artenzahl noch ganz unbestimmt. Weitaus d Artenreichtum hat die JNsektenwelt aufzuweisen, die allein mindesteils 280 000 liefert, darunter 120 000 Kö Schmetterling«, 38 000 Hautflügler usw. Gesmldhsrtspsteüe. . Dr. med. Liebe aus Elgershausen bei Wetzlar hielt neulich m Berlin einen Vortrag über „Die Wirkungen deslUl-- lohvls auf die inneren Organe". Der Redner berührte zuerst, wie wir in der „Kreuzztg." lesen, die MisicÄ, daß die Wirkung des Alkohols auf den einzelnen Menschen von geringer Bedeutung sei. Jeder sei doch Herr seiner Person, und wenn .er, sich zu schänden richte, so gehe das die anderen nichts an. Die folgenden Ausführungen sollen aber beweisen, daß man diese ganze Frage doch etwas anders betrachten muß. Es wurde zuerst dargelegt, daß der Alkohol ein starkes Gift sei. Wenns er, tvysenschlaftlich-theoretisch auch hier und da eine Eigenschaft die für Nahrungsmittel charakteristisch ist, so hat das doch praktisch keine Bedeutung, da die giftige Wirkung wesentlich überwiegt. Alkohol ist ein Protoplasmagift, d. h. er wirkt auf die fernsten inneren Bestandteile der Zellen ein, aus denen sich der Körper zusammensetzt; entzieht ihnen Wasser, lähurt sie und tötet Jtc schließlich. Diese giftige Wirkung wurde an zahlreichen Beispielen aus der Tier- und Pflanzenwelt nachgewicseu. Im Menschen werden der Reihe nach die einzelnen Organe geschädigt, mrt, denen er in Berührung konrmt. Es entstehen Katarrhe des Rachens rrnd der oberen Luftwege, Katarrhe und Verdauungsstörungen des' Magens, hier kommt es auch zu Geschwüren, deren Narben eine besondere Vorliebe zu krebsiger Entwicklung zeigen. Die Leber verfettet und schirumpst und kann keine Galle mehr absondern. Die Nieren werden durch die gleiche Veränderung geschädigt. Das Herz wird durck Zufuhr großer Uüssigkeits- mengeir überanstrengt und im Muskel durch Alkohol vergiftet, erschlafft und versagt schließlich vollständig. Die Gefäße verkalken. Hirn und Nervensystem, tvo sich 'wohl die feinsten Wrper- zellen befinden, werden ganz besonders angegriffen; die Folge sind die vvn andereii Rednern behandelte!! seelischen Störungeil. Endlich werden die Keimzellen vergiftet. Dadurch kommt es zur Degeneration der Nachkommert. Literarisches. —7 Die bekannten kulturgeschichtlichen Illustrierten Monographien, die Hanns von Zobeltitz im Berlage von Velhagen und Klasing (Melefeld und Leipzig) herausgibt, haben durch ihren jüngst erschienenen Baud „Das Kostüm", Preis 4 Mark, eine dankenswerte Bereicherung erfahren. Der Verfasser dieser Monographie, Dr. Georg Buß, verstand es, auf verhältnismäßig knappem Raum ein übersichtliches und interessantes Bild der wechselvollen Geschichte des' Kvstnms zu entrollen, die er bis zu den neuesten Wandluugeil der Mode fortführte. Ein Vorzug des Werkes beruht auf der Art seiner Illustration: es sind für alle Perioden Abbildungen ans dern Schatze der zeitgenössischen .Kunst gewählt worden. Humoristisches. 9)1 0 b e r 11 c V 0 rsi ch t. Gnädi g e bet der Vermittlerin: „So, eilte Köchin hätte ich glücklich wieder; nun stellen Sie mir nur gleich noch eine vor, wenn die erste austritt, daß ich ivieder versorgt bin ©el» 11 fic». Ein Sekundärbahnzug bleibt an! offener Strecke stecken. Alle Passagiere mühen sich, durch Schieben ihn über die Steigung zu bringen, nur ein Bauer ■ steht mit der Pfeile im Munde da und grinst. Da meint der Schaffner zu ihm: „Na, warum schiebst denn du nicht mit ? . . . Hast du vielleicht ein Bittet erster Klasse?" Ä u f d e m B a ! l e. A.: „Sehen Sie nur, wie der Maier dort dem Fräulein Süßlich die Cour schneidet und wie unbeholfen er sich dabei anstellk." — B.: „In der Tat, der reine Courpsuscher." Seuszer. Schwindler: „Hier in dem neuen Grand- Restaurant ist wirklich eine elende Bedienung I. . . Nun pumpe ich schon den fünften Kellner um einen Taler an und keiner gibt ihn mir. _____________ Bersteck-Niitsel. Nachdruck verboten. Man suche ein Sprichwort, deffen einzelne Silben in folgenden Wörtern versteckt sind, wie die Silbe „an" in „Wanderer". Bauchredner — Dassoiv — Orgettläuge — Saudstei« — Fliederstrauch — Nachtschatten — Heiuzelmäuncheu — Gänse« braten — Nudelsuppe. (Auslösung in nächster Nummer? Auflösung des Logogriphs in voriger Nummer: Maus, Haus. hinsichtlich n größten von ihnen er, 50 000 Redaktion: Ernst Heß. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'fchm Universttäts-Buch. und Steindruckerei, R. Lange, Gießen,