m Sillff *«F'! L * SfHÄö RsSilOm ^NDWL»j ^WWWlMMW^WUW Wittkllose Mädchen. Roman von H. E h r h a r d t. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) 4. „Arme Ruth!" Das Wort verfolgt sie die ganzen nächsten Tage hindurch mit marternder Pein. So oft sie sich über ihr heroisches Opfer hinaus zu neuem Lebensmut aufraffen will, tlingt's wie dre Devise ihrer ganzen Zn- kunft in ihre Ohren uni) sie fühlt sich dann wirklich arm, bettelarm und unsäglich elend. Sie zittert vor einer Begegnung mit Hans Hansen, sie fürchtet, ihre Kraft könne zu einem zweiten Kampfe nicht mehr ausreichen. Und doch muß sie Vorbereitungen treffen für den Abend, der ihr das gefürchtete Wiedersehen bringen inuß. Sie näht und putzt an ihren Ballsachen herum, während ihr .Herz wund und zerrissen ist und die Tatsache, daß sie zu dem nicht mehr ganz frischen vor- jährigen Kleide eine neue Blurneugarnitur haben muß, verbittert nur noch mehr ihre Stimmung. Am Nachmittag des Balltages packt die Rätin eine Garnitur tiefroter Mohnblumen vor ihr aus und spricht aufgeregt davon, wie prächtig die leuchtende Farbe zu dem gelben Seidenkleids und dem blassen Gesicht der Tochter passen wird. _ „Du siehst ein bißchen matt aus!" setzt ftc zum Schlug ängstlich hinzu, „leg' Dich mir zu Gefallen ein Stündchen hin und versuche zu schlafen. Ich will doch abends stolz jein können auf meine Tochter." Ruch sträubte sich heute nicht wie sonst gegen die Zu-- utUiung, am Hellen Tage kostbare Arbeitszeit zu verschlafen, sondern rafft hastig die Blumenzweige zusammen uni) verschwindet damit in das kleine Stübchen, das an dem Korridor zwischen dem Berliner Zimmer und der Küche liegt und dessen einziges Fenster auf das Hinterhaus und einen schmalen .Hofraum hinausblickt. Auf der weißen Decke des Bettes ist ihr Ballstaat ausgebreitet, das mit so vieler Mühe aufgearbeitete „Gelbseidene", einfache, blendend weiße Wäsche, die auflackierten Tanzschuhe, der kleine Helle Gazefächer — vor der offenen Röhre des weißen Kachelofens baumeln die gewaschenen weißledernen Handschuhe, damit sie in der Wärme den häßlichen Benzingeruch verlieren, der in der Luft noch immer bemerkbar war. Ruth heftet erst mechanisch die Mohnblüten um den runden Ausschnitt der Kleidertaille. Dann wird sie plötzlich müde und nickt ein. Als sie erwacht, ist ihr freier zu Mute. Dichte Finsternis umgibt sie nun, und gerade, als sie sich erhebt, stürmt Suse tote ein Irrwisch ins Zimmer, um die Schwester ans Toilette machen zu mahnen. „Du wirst la nicht fertig, Ruth — hier schickt Mutter Dir eilt paar Wurstschnitten, damit Du nicht schwach ton'ff,: iß nur schnell. .Hast Tu denn kein Ballfieber?" Und beim Schein der rasch entzündeten Kerze jteQt sie staunend tu das vom Schlaf gerötete, ruhige Gestcht der Schivester. Tie verneint, obgleich sie heute eigentlich dre Unwahrheit damit sagt. Biel ruhiger rst sie ja geworden und sie verzehrt mit wirklichem Appetit die sparlrch belegten Brote, während Suse in quecksilberner Unruhe weiter schwatzt: „ . „ „Du brauchst ja auch keine Airgst zu haben, daß Du Mauerblümchen spielst — so schön wie Du bist, gerade heute, nein, wirklich, Du siehst tadellos ans und wenn rch ein Mann wäre, ich verliebte mich Hals über Kopf in Dich" „Bei Deinem Temperament gäbst Du einen gefährlichen Liebhaber!" fcherzt Ruth amüsiert. „Ach ja." Suse reckt die beiden runden Arme und die blauen Augen sprühen. „Ich könnte jemanden auffressen vor Liebe, glaube ich, ganz tolt möcht' ich sein und meinen Bräutigam werd' ich mindestens mal tot küssen, das ist bombensicher —" „Aber Suse!" „Das sckickt sich wieder nicht, ich weiß schon!" die Klein« hält sich die rosigen Ohren zu, „schilt nur nicht, Ruth, komm, laß mich Dein Haar aufmachen." Und die Aeltere schweigt still und duldet mit geschlossenen Augen, daß Suse ihr das reiche, schwarze Haar löst und durchkämmt. Nur mit halbem Ohr hört sre, was der roiige Plappermund ihr dabei vorschwärmt, jedenfalls ist viel von Musik und Tanz, schönen Kleidern und netten Herren die Rede, Zukunftsbilder, an denen die Sprecherin sich vorahnend berauscht und über deueir sie ihren Kummer, noch nicht ausgehen zu dürfen, vergißt. Kaum eine halbe Stunde später steht Ruth fertig an- gekteidet vor dem schmalen Trumeauspiegel im Wohnzimmer. Ihre Erscheinung ist von königlicher Schönheit. Weich, mit goldenen Lichtern, schmiegt die gelbe Seide sich um ihre vollendet ebenmäßige Gestalt, die Mohnblüten heben sich glühend rot von dem schneeigen Weiß des Nackens ab und werfen einen zartrofigen Schimmer über ihr edles, ein wenig strenges Gesicht, ans dem die dnnckeN Augen in feuchtem Schnrelz leuchten. An den üppigen, tiefschwarzen Haarknpten schmiegt sich eine einzelne groß« Mohnblume. , Eine Weile starrt sie geistesabtvejend ihr eigenes berückendes Spiegelbild an. Sie ist allein im Zimmer. Sus« ist zur Mutter gelanfeti, um die „zweite Balldame", tot« sre sich ausdrückt, „schön zu machen". Leise kocht die offen« Gasflamme in der flachen mattgeschliffenen Glasschale über Ruths Haupt, wirft zuckende Lichter über den blottden Scheitel des schönen Weibes an der Wand, das tvieder, wie in schicksalsschwerer Stunde, in lächelndem Staunen auf die Tochter niederzublicken scheint. Ueber diese kommt die Erinnerung an jene Stund« und di.e alte, heiße Angst vor der kommenden. Sie sieht 174 — sich dem Mann gegenüber, der sie begehrt. Sie fühlt vor ihrem Spiegelbilde, daß er sie so leicht nicht aufgeben Wirb, Wenn sie heute vor ihn hintritt. Muß es nicht unermeßliche Wonne sein für ein Weib, das sich einem geliebten Manne zu eigen gibt, Wenn es ihm so viel Schönheit bieten kann, wie sie es vermag? Man ist nicht alt, Wenn man so schön ist. Eine süße Willenlosigkeit beschleicht sie, verwirrt ihre Sinne. Ta klingelt es im Flur draußen scharf und hell. Ein polternder Kuabeuschritt klingt hinterdrein, ein Klappen der Entreetür und bald darauf erscheint im Türspalt Walters brauner Lockenkops, dem schnell, als er die Schwester erblickt, der ganze schlanke Körper nachfolgt. „Hier, Ruth, einen Brief. Die Mutter hat auch einen gekriegt. Suse kam raus und nahm rnir'n weg!" setzte er hinzu, da er Ruths fragenden Blick cmffängt. Bewundernd umstreicht er die glänzende Gestalt der angebeteten Schwester, deren Gesicht nervöse Spannung verrät, da sie den Brief aufreißt. Er kommt von ihrem Zweitältesten Bruder, der sich auf Anraten eines dem Vater befreundeten Bergrats der Bergwerkskarriere gewidmet hat und seit zwei Monaten in einer oberschlesischen Kohlengrube durch praktische Arbeit sich für das Studium vorbereitet. Der Brief lautet: „Meine liebe Schwester! Du bist böse, daß ich solange nicht schrieb, aber Was soll ich schreiben? Lügen mag ich nicht, indem ich melde, daß es mir gut geht, und vor- janrmern, das grämt einem auch, besonders, wenn man weiß, daß man mit seiner eigenen Misere eine andere noch verstärken hilft. Ich fühle mich, Wie im Anfang, sehr unbehaglich hier und bin in elender Stimmung. Meine un- aewohute Tätigkeit strengt mich furchtbar an. Und der Gedanke läßt mich nicht mehr los: Was soll ich anfangen, Wenn ich die praktische Arbeit in der Grube nicht aushalte, Wenn ich krank Werbe? Tann ist meine Karriere sntsch und ich kann Wo anders noch mal von vorn ansangen. In der Grube zu schuften ist entsetzlich. Manchmal ist der Pulverdampf vom Sprengen so dicht, daß man nichts sieht und zu ersticken meint. Ich muß viel husten, fühle mich so matt, wie zerschlagen, und ganz durchschwitzt komme ich oben an und muß so durch die kalte Nacht nach Hause wandern. Dort empfängt mich ein ungemütliches. Zimmer, für das ich ein horrendes Geld bezahlen muß. Die Karriere paßt für einen kräftigen und sehr reichen Menschen, in keinem Fall aber für mich. Tn kannst den Baker unterdeß ruhig darauf vorbereiten, daß es faul mit mir steht. Weißt Du vielleicht einen guten Rat für mein Elend, so hilf damit bald 'Deinem treuen Bruder Franz." Ruth faltet langsam den Brief wieder zusammen. „Auch das noch!" murmelt sie leise. „Was sagst Du, Ruth?" Walter, der angefangen hat, a>n Tisch in einem Buche zu blättern, kommt diensteifrig zu der Schwester herüber, die auf seine Anwesenheit ganz vergessen hat und nervös zusammenschrickt. Sie sieht auf den Knaben mit heiß emporquellendem Schmerz. Was für ein Los Wirb ihm, ihrem behüteten Liebling, einst fallen? „Geh!" drängt sie hastig, „laß mich allein, Walter!" „Du bist traurig!" schmeichelt er, die tiefdunklen Augen zärtlich zu ihr emporhebend, „kann ich Dir nicht helfen?" „Nein, mein Junge, nein, Tu ahnst noch nichts von meinem Leid" — flüstert sie halberstickt und schlingt den Arm um seine schmalen Schultern — „Du sollst auch nicht Wissen darum, auch die anderen nicht. Geh, laß Dir nichts merken." Fest drücken die Knabenarme sich um ihren Hals. „Warte nur, bis ich groß bin!" sagte er ernsthaft, „dann sollst Du's gut haben. Ich werde viel Geld verdienen und Tu kannst dann alles haben, was Tu Tir wünschest." „Mein guter Junge!" Sie küßt ihn bewegt uub schiebt ihn dann liebevoll zur Tür hinaus. Kaum, daß sie Zeit sindet, den Brief des Bruders in rhrenr Kleide zu verbergen und die wildstürmenden Gedanken zu sammeln, da bringt Suse auch schon die Mutter „angeschleift". „Ist sie nicht hübsch? Mama, Tn machst heute noch eine Eroberung." ' (Fortsetzung folgt.! Dem Wahren, Gdlett, Schönen. Ein Großstadtrontan von Fedor v. Zobeltitz. (Nachdruck verboten.) . (Fortsetzung.) Imhoff War der Bevollmächtigte seines Schwiegersohns geworden. Zwischen ihm und Berndal begann nun ein freundschaftlicher Verkehr. Man sah sie häufig zu- sammen, sie Waren ein Herz und eine Seele geworden. Auf Veranlassung Berndals Wurde eines Tages der Auf- sichtsrat znsammenberufen, und diesem legte Jinhoff ein eingehendes Promemoria zur „Hebung" des Prinz Ferdinand-Theaters vor. Die Zahlen sprachen klar, «und deutlich. Auf dem bisherigen Wege konnte das Defizit nicht verringert Werden; im Gegenteil: es sprachen alle Anzeichen dafür, daß es noch Wachsen ivürde. Nun stand fest und konnte ziffernmäßig belegt Werden, daß die Opernabende, an denen als Zugabe noch ein Ballett gegeben Wurde, stets am weiften besucht Waren. So schlug denn Imhoff mit ruhiger Kaltblütigkeit vor, die Oper ganz fallen zu lassen, das Schauspiel einzufchränken und künftighin das Hauptgewicht im Repcrtoir auf Balletts, Feerien und glänzende Ausstattungsstücke mit Gesang und Tanz zu legen. Da stand Hammer, der etwas Aehnliches erwartet hatte, auf und sagte: „Meine Herren, wenn Sie dem Vorschläge Imhoff zustimmen, müßten Sie zunächst die Inschrift über dem Portale fortnehmen oder ändern lassen. So lange ich aber noch einen Anteil habe an dem Theater, soll das nicht geschehen, denn diese Inschrift gehörte zu jenen Bedingungen, unter denen die verstorbene Madame Peretti uns das Bauterrain zinslos überließ." „Pardon, Herr Baumeister", warf Imhoff ein, „der einzige Erbe der Peretti ist mem Schwiegersohn Priestap, und ich bin dessen Bevollmächtigter. Nun aber noch etwas Weiteres. Ter alte Wraugel pflegte zu sagen: was nützt mich der Mantel, Wenn er gerollt ist. Lieber Baumeister, was nützt uns die Inschrift, wenn nischt dahinter ist?! . . . Gestehen wir es uns doch zu: wir haben uns vergaloppiert — wir sind reingefallen —" „Nicht ich, Herr Imhoff — ich kann immerhin zu- fricben sein —" „Auch Sie, Baumeister — seien Sie mir nicht böse. Ten Ruhm, den Sie mit dem Bau geerntet haben, kann Ihnen natürlich niemand mehr nehmen; den haben Sie auch redlich verdient. Aber trotzdem: auch, Sie haben falsch kalkuliert, auch Sie sind remgefalleu. Wir haben die Anziehungskraft des Hauses mit in Anschlag gebracht. Aber nach dem ersten halben Jahre war der Reiz der Neuheit vorüber. Auch Tressel will kündigen, wenn wir nicht die Pacht herabsetzen; das ist unsere letzte Planke im Schiffbruch." „Der Schiffbruch wäre nicht nötig gewesen", ries Hammer, „wenn die Direktionen ihre Schuldigkeit getan hätten!" „Es ist manche Dummheit gemacht worden", bemerkte Fridolin Meyer. Es waren nur wenige anwesend. Arenstein weilte in Walsungen, die meisten anderen befanden sich noch in der Sommerfrische. „Gewiß", sagte Berndal, „Dummheiten sind gemacht worden; sie kommen überall vor. Aber man kann sie wieder gut zu machen versuchen. Man soll nicht störrisch sein. Mein Anteil repräsentiert ein stattliches Kapital. Ich möchte auch einmal Zinsen sehen." Imhofs nahm wreder das Wort. „Mein lieber Baumeister, vergeben Sie mir die aufrichtige Bemerkung: unsere größte Dummheit war, daß Wir Ihre Kalkulationen nicht genauer revidiert haben. Die haben sich von Monat zu Monat neu gestaltet. Nach der ersten Ausstellung hätten wir ganz hübsche Geschäfte machen können. Da war der Bau noch keine Verschwendung. Aber dann kam eins zum anderen, und mit jedem Hunderttausend mehr wurde das Fragezeichen der Verzinsung drohender. Und auch ein Theater ist ein Zinshaus." „Aber wie", sagte Herr Berndal. „Herr Baumeister", fuhr Imhoff fort, „es liegt mir weiß Gott fern, Leute wie Serben, Giesecke und Rafaöli in Schutz nehmen zu Wollen. Es sind ausbüudige — na, ich Will mir eine nähere Charakteristik ersparen. Doch man muß auch gerecht fein. S£be§ anständige Theater hat 175 mit einem Gagenetat Von zirka zweitausend Mark täglich zu rechnen, die Oper mit einem bedeutend höheren. Aber ich rechne fite uns insgesamt nur vier- bis fünftausend pro Tag heraus; daun erst würden ivir uns ein leidliches Ensemble schaffen können. Und soviel konnten wir von vornherein bei der Zinshöhe des Hauses nicht aulegen." „Glauben Sie vielleicht, daß Ihr Ausstattungszauber Ihnen billiger zu stehen kommen würde?" fragte Hammer grollend. „Ja", erwiderte Imhoff ohne weiteres. „Das Personal käme uns bei weitem nicht so kostspielig. Und die allerdings teure Ausstattung würde durch die voraussichtlich' große Zahl der Aufführungen amortisiert werden, voraussichtlich sage ich; ich kann getrost zweifellos dafür setzen. Das dumme kleine Ballett „Waldzauber" zieht heute noch." „Ich möchte mir das Wort erbitten", rief Bernd«! lebhaft. „Sie haben es ja schon", sagte Geheimrat Meyer mürrisch. Bis zu einer gewisen Grenze hörte auch bei ihm in Geldsachen die Gemütlichkeit auf. „Ich betone", fuhr Bernd«! fort, „daß wir ans den bisher eingeschlagenen Wegen nicht weiter kommen — nein, immer mehr zurück. Ich will die Gründe und Ursachen nicht erst lange untersuchen; ich halte mich an die Tatsachen. Vielleicht ist auch eine gewisse unkontrollierbare Strömung gegen uns; wir haben zuviel versprochen und konnten zu wenig halten — da hat man das Vertrauen verloren. Jedenfalls müssen wir mit etwas ganz neuem kommen, wenn wir die Leute wieder in unser Hans ziehen wollen —" . „Richtig!" rief Imhoff, und tatsächlich besitzen wir hier in Berlin nach dem Abbruch des Viktoria- Theaters überhaupt teilte Bühne mehr für das große Ausstattungsstück. Meine Herren, sagen Sie, was Sie wollen: das große Publikum liebt derlei, liebt schöne Dekorationen in raschen Verwandlungen, den ganzen Theaterspuh schwebende Genien, viel Donnerwetter, Flammen aus der Erde, prachtvolle Kostüme und rosa Trikots —" „Was ja auch ganz hübsch ist", warf Fridolin Meyer ein. . „Ist es auch, Herr Geheimrat! Man kann nicht immer zu Ibsen gehen, und die Braut von Messina hat ihre Schattenseiten, wenn man sich amüsieren will. Ich sage Ihnen aber: Berlin will sich zuerst amüsieren — und dann literarisch bilden. Der Kreis, der aus Bildungsfreude das Theater besucht, ist verflucht klein; die meisten find Mitläufer aus Snobismus — um der Mode willen. Die ungezählten Hunderttausende aber, die sich nm diesen engeren Kreis gruppieren, die gehen aü feie Theaterkasse, um sich für ein paar Mark einen vergnügten Abend zu machen, um eine Augenweide zu haben, um einntal lachen zu können — kurzum, nm sich zu amüsieren." „Bravo!" ließ sich ein anwesender Generalkonsul vernehmen. Hammer zuckte nervös zusammen. „llnser Hans ist der Kunst errichtet worben.” sagte er, „und nicht dem wohlfeilen Amüsement. Herr Generalkonsul, ich kann Sie versichern, daß ich meine Pläne nicht ausgeführt haben würde, hätte ich vorher gewußt, daß man auch im Prinz Ferdinand-Theater den Erfolgen des Duhendgeschmacks uachjagen will.« „Mein Himmel, Herr Baumeister," rief Berndal, „was sollen wir denn anders machen! Weder Oper, noch Schauspiel schlägt bei uns ein; in die Matineen kommt keine Seele, selbü die billigen Nachmittagsvorstellungen sind nur spärlich besucht, feit uns das Schiller-Theater in die Quere gekommen ist. Das Doppel-Personal hat das Budget überlastet . . . er, wär überhaupt eine verfehlte Idee, Oper und Schauspiel auf derselben Bühne einzuquartieren." „Bor drei Jahren hielten Sie es für eine geniale Idee," gab Hammer bitter zurück. . »Herrschaften, kommen wir zur Entscheidung," mahnte Frtdolin Meyer. „Ich verstehe und begreife unseren Baumeister durchaus. Daß es ihm nicht gleichgiltig sein kann, ob in seinem Hause das Peplon oder der Ballettrock herrscht, ist natürlich. Ich bi« im Grunde genommen derselben Ansicht. Aber wir müssen schließlich auch an eine gesunde materielle Weiterentwickelung des Unternehmens denken ■—* Bon allen Seiten wurde ihm zugestimmt. (Fortsetzung folgt.) Weitöirrg, die Werte des cSaOnfafs. Dir Stadt Weilburg an der Lahn, die wegen ihrer reizenden Lage und unmutigen Umgebung mit Recht die Perle des Lnhntals genannt wird, rüstet sich zur Jubelfeier ihres tausendjährigen Bestehens. Es ist zwar nicht zu leugnen, daß der Ort weit älter ist als tausend Jahre, aber als Stadt kommt Weilburg urkundlich nachweisbar im Jahre 906 zuerst vor. In den ältesten Urkunden lautet der Name der freundlichen Lahnstadt Biiinaburg, Visine- burg, Vilinaburgnm, nach dem nahe bei der Stadt in die Lahn mündenden Bache Weil, lat. vilina, benannt. Nach anderer Lesart soll der Name von der heiligen Jungfrau Wnlpurgis herrühren, einer Nichte des Heidenbekehrers Bonifatius. Man findet nämlich in manchen Urkunden auch die Schreibweise Walpurg. So in einer Bittschrift eines Dominikaner-Münchs an einen Weilburger Grafen, in der es heißt: „Wein; Euer Gitadeu das Huß hie in Wilpurgk halten." Wir geben der ersten Namensableituug den Vorzug. In Weilburg ivar eine Stammburg fränkischer Gaugrafen, denen der Niederlahugan unterstand. Einer derselben, Konrad der Aeltere, wurde Herzog von Unterfranken, geriet mit den ober- fränkischen Grafen in Fehde und siel in der Schlacht Bei Fritzlar 905. Er liegt in Weilburg begraben. Sein Sohu, Konrad der Jüngere, mürbe 911 deutscher König; er hat wiederholt in Weilburg Aufenthalt genommen. Er begründete 913 das männliche Stift der heiligen Jungfrau Walpurgis, aus deren Namen wir oben schon Bezug genommen haben. Man schreibt dem Könige Konrad die fromme Stiftung zu, einmal aus dem Grunde, weil ältere auf dos Stift bezügliche Urkunden als von ihm herrührende nicht vorhanden sind und zum andern aus' dem Grunde, weil er das Slist reichlich beschenkte. Tas Walpurgisstift hatte im 15. und 16. Jahrhundert etwa 6 bis 9 Känouiker, die um diese Zeit das Zusammenleben sin einem gemeinsamen Stistshause schon aufgegeben hatten. Sie wohnten vielmehr hier^ und da in einzelnen, dem Stifte gehörigen Häusern der Stadt zerstreut. Die Häuser standen zum Teil in den drei Straßen, welche vom Marktplatz nach Westen und Südwesten laufen und die mit der heutigen Laug- oder Toten- gasse und einigen Nebengäßchm das alte Weilburg ausniachten. In der ersten Straße, welche von der Mauer des herrschaftlichen Gartens nach der Vorstadt läuft, stand am Ende ein Stiftshaus. Am Lustgarten war die Dechantei, die Wohnung des Stiftsdekans. In der mittleren oder Bogengnfse stand ein weiteres Stiftshaus, das mutmaßlich dem Stiftsschulmeister als Wohmnig diente. Auch in der dritten, nach dem Gymnasium hinlanfenden Straße scheinen mehrere Stijtshäuser gestanden zu haben. Als Beweis mag der Umstand gelten, daß der Straßenname heute noch die Pfaffengasse heißt. Die Stiftsbrüder lebten von den Gütern, Gefällen und Zehnten des Stifts, mit denen dasselbe hinreichend dotiert war. Dennoch war das Stift, wie Eichhvff in seiner nassauisch-weilburgischen Reformatiousgeschichte schreibt, durch nu- ordentlichc Haushaltung im 16. Jahrhundert so heruntergekommen, daß es feinen Schulmeister nicht bezahlen konnte. Die Brüder hatten in der Stiftskirche zu Weitburg, sowie in beit Kapellen der umliegenden Orte Essershauscn, Edelsberg, Kubach und anderen Messe zu lesen und andere kirchliche Pflichten zu üben. Die Stiftskirche stand da, wo die heutige Stadtkirche steht. Sie. ist aber nicht zu verwechseln mit der mittelalterlichen Stadtkirche der Weilburger Bürger, welche die St. Martins'lirche genannt wurde. Sie hatte ihren eigenen Stadtpfarrer, dem als Filialen die Kapellen und Kirchen zu Kirchhofen, Gräveneck, Ahausen, Drommershausen und Hirschhausen unterstellt waren. Die Martins- kirche, 1508 erbaut, wurde mit der Stiftskirche während der Reformation 1538 zu einer Kirche vereinigt. Es entstand eine neue Kirche, die 1707 niedergerissen wurde, in welcher Zeit Graf Ernst die jetzige erbauen und 1711 einweihen ließ. Sie kostete 32 642 Gulden, ohne Glocken und Fuhren. Als geistliche Kolonie betäub sich ferner in Weilburg das Johanniterkloster im Pfann- stiel, eine Talsenke in dem Waloe bei Hirschhausen und Drominers- hausen. Auch Tviniuikauer und Franziskaner hatten Stationen in Weilburg. Wer sich hierüber eingehender beschäftigen will, dem empfehlen wir die vortreffliche Abhandlung von Eichhvff, Weilburg, 1832. ' Wenden wir uns nach dem kleinen Abschweif aufs geistliche Gebiet wieder der politischen Geschichte zu, so sei daran erinnert, daß der oben erwähnte Konrad der Jüngere von 911—918 als! König regierte und als solcher bestrebt war, die politische Einheit der deutschen Nation, welche durch den tatkräftigen Willen Karls des Großen geschaffen worden war, zu ekhatten und zu befestigen. Aber obschon er sich hierbei der vollen Mitwirkung der Geistlichkeit erfreute, so war sein Streben dach nicht von dem wünschenswerten Erfolg begleitet. Verwüstende Einfülle der Ungarn, Empörungen der Großen tu Schwaben, Myern und Sachsen, sowie der Lothringer bereitetet» dem König« eine Reihe von Widerwärtigkeiten und Kämpfen bis an feinen Lod. NM - 176 — dn Brübl'icben Unwerlitäts-Bucb- und ©telnbnidteret, R. Sange, Redaktion: Ernst Heb.— Notalionsdruck und Verlag In Henniren (Belgien) hat die Frau des Arbeiters Struy? mit vier Kindern auf einmal ihre» Llai» „beschenkt". Diese Vierlinge wurden unter K^ßen Fes l'chke ten ge tauft. Zu Sufi, zu Rad und zu Wagen waren zahllose Neuglerrg nach dem Ort geeilt, um dem Schauspiel beizuwohnen. Der TaM -bestand ans vier Wagen, die >Pa e'waar'M 'einem Batenkinde enthielten, das auf dem Schoß emer Warten» ruyw. Um Verwechselungen der Kinder bei der Tanfezu man jedem ein Band von anderer Farbe um dm HaU aeieou Ter Zug wurde mit Jubel begrüßt und '"ußtewrederhothalten, um photographische Abnahme» zu gestatten doch durfte dwse raum einen U-berblick über die vier klenren Helden des Tages gevm da die Wagen geschlossen waren. Dafür tverden AnsichtSpofttaile» mit bem Bilde der Vierlinge auf den Straßen verkauft. Bräutigam zu halten und' mit ihm an zwei oder an drei Abenden ür der Woche anszugehen. All diesen, Wenden tvrrd Madame die Betteil höcksteigenhäudig machen müssen. . ” » D er 23 a u e r." Ein Sextaner hat für d,e den sche Stunde einen Aussatz zu liefern, dessen Theina „Der Bauer lautet. -rer Schüler weiß darüber zii sagen: „Der Bauer ist ein Mann lind wohnt auf dem Lande. Dieses pflügt er und wirft Samen l)ineul. Der geht auf und dann wächst Roggen und Mehl und Brot und Glichen tvelcben icl) üctn effc» SDcitutn ift ber Sbnuev ein ni tj iÄ7Menfch Wenn er einen Vogel hat, dann heiß, er das Bauer und ist von Draht. Unser Lehrer hat auch erneu Vogel. Der ist groß und kann sprechen. Dari»» heißt er Papagei. Wenil der Bauer pflügen will, dann macht er erst maS aufS Laild. Das nennt er Dünger. Guter Dünger ist die lmlbe Emte. Doch kann man daraus keinen Kuchen backen. Der Baum hecht auch'Sa» mann, weil er nicht in der Stadt wohnt. Er hat em sehr schwere Leben, denn er muß immer früh aufstehen. Darum mochte '*1 Bauer sein, weil ich gern lange schlafe. Kleinen I 'ig » ut der Schlaf gut, weswegen die Schulstunden sehr kurz und bloß nach mittags fein müßten. Manchmal ist Bauer auch em sch.mp vork, beim man sagt manchmal zu einem, du bist er» richtiger . Bauer. Aber das ist falsch, uub er ut gar fern ®auei. Ww dunen das in der Schule nicht sagen, weil es nicht schon ist und ww dann nächsten müssen. Dann ist mein Papa sehr bo!« und,zankt nn mir. Manchmal macht er auch noch was anderes, womit ut) Magisches Dreie«. Nachdruck verboten. In die Felder nebenstehender Figur smo I die Buchstaben a, a a b e c g g n n n n r « » —- derart einzutragen, daß die emmibec ent sprechenden wagerechten imd senkrechten Reihe» gleichlauteud Folgendes bedeuten: 1, Mädchennamen. 2. Ungarisches Komitat. 3. Nebenfluß der Donau. 4. Teil von Spanien. 5. Einen Buchstaben. (Auflösung iir nächster Nummer.? Auflösung der Charade in voriger Nummer: Ameise. Qut Mosen schildert uns den Vorgang . ' 'Ä”“Z “»ei* d-r ,»°-di«tz, ®er «6 erretten wird wir Äe“"LäS. $$ tfÄW, Du sollst des Reichs Kleinodien ihm bringen, Der erste, der ihm huldiget. ft»,-. Draus nahm er meine Hand, legt sie aufs ..WWHsMi-SS WMDpMZW WWMLi-MZL-- ZMMWMZH UM r .......... O T 1G23 VbilivvIII (1523—1559), von dem zu I Ludwig I. K^2-lo23), Ä . ^e Reformation im I '. erwähnen ist, daß unter >emcr megi j Searünber I einen SÄ’ SeTeÄS&r JSJg? « A. gTÄ * SiwK” Sm“ si«W B&U «nd Mei» >,»»'«-. »er x««-»rn M -Z«--»» gli|lca„d)e„ fielen, die im Laufe der Zeit alle der Weilb^ Lime zugesattm werden Sie Ihren Mann wohl etwas i^amer n waren Ihm folgten die Grafen Ernst, Kafinnr ltw(, f 8 Küffen finden?" — Frau Erabshaw: „Noch kmtmmev felftÄ 'M LMchM citeMHid?«. Herzog Adolf, der von 1839—1866 folgte, hatnicht oft auf dem I _ Gx^nows grammatisches Na ch s ch l a g e buch ■ ? einen für Weilburg getan haben, das ön schildern würde z des demfM e-ms eingerichtet: es gibt den Inhalt der weit führen. Sehenswert ist noch immer das Schlot; nut feinen i m garw aus ow w.^fische Zwecke in Betracht kommt, 320 Zimmern, die reich sind ian ErinnerungMichen der ehemaligen I lik, b . , in bet modernen Umgangssprache Semn «tu» di- U« bum M MM-LsLÄSSL L-»'die R-«?I d-, Kumuiu«! 9em«»t »erben m» es 6; äwä^ä rÄi»? gfes«. rÄSSttög Wfe HR. » bei diel-m t..,,« x'-EZLZkSL °ALL,L«"' MmK'b-N'" Run ,L""FdS bnrgS. reiche Ge chichte. ®E ^ 'anch das ganz gut gebildete Wort „drahtlich") ut ---- Sm f^st durchaus eutpsehlenswerten Buche zu begegnen. VermLschtSS. I Der geringe Preis ermöglicht es jedem, ^r mlE^svderMeig- * Die Dienstboten frage, die bei uns so „brennend" I UUß schriftstellerisch tätig ist, sich das kleine Werk awWl ’• ift, hat sich in den großen englischen und amerikanischen stabten I (Leipzig, Fr. Wilh. Grnnvw.) zu einem schier unlöslichen Problem ausgewachsen: man sagt ------- nicht zu viel, ivemi man behauptet, baß vor allem der Lcadchen- dienst fast illnsorisch geworden ist, weil dw Anfprüche der „malbs I immer kühner werden. Die Geschichten von den amerikanischei Dienstmädchen, die einen besonderen Aufbewahrungsorn für ihr Zweirad oder die Mitbenutzung des Klaviers der Herrsch-ft beanspruchen, sind durchaus Niryr erfunden. In ^ondon amr scheint es jetzt noch weit schlimmer werden zu sollen — für die Herrschaften nämlich. Die Londoner Dienstmädchen haben^uamlick ein Syndikat gebildet, das zugleich eine Akademie und em Klub __ hpr — ift. ÄefagiEA <51)iibikit ftellt aus, und die mit diesen Diplomen ausgerüsteten ^enstmadchen dlirfen ttnr nach in solchen Häusern bienen, wo man ihnen für die groben Arbeiten eine „Hilfe" stellt. Der Klub verbietet feriier „jede Familiarität zwischen Herrschaft und Dienstmädchen , man soll nicht mehr das Recht haben, etn Dienstmädchen einfach bei ihrem Taufnamen — Anna, Emma oder Anguste zu.,rufen, rmd das „Miß" wird von jel,t an obligatorisch sein., „Miß wirb jedoch bas Recht haben, sich einen Freund oder vielmehr einen