1906. ' :v?; 8 ä s ! K D I F» ZE jfxRv DM8 - L s' VW M - M Dem Wahren, Edlen, Schönen. Ein Großstadtvoman von Fedor b. Zobeltih. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) Graf Jrehlinghaus sah sehr enrst mtS. „Ich fürchtete Aehnliches", sagte er; „all' dieser schmutzige persönliche Meinkram wird uns ersticken. Ich kann nur warnen; ich kann nicht selbst eingreifen. Aber icl) habe das Wort Baumeister Hammers, daß er nach Möglichkeit die Ideale hoch halten wird —" „Und mich die Fahne der Moral", ergänzte Prinz Aren- fiein mit Freudigkeit. j Der kleine Serben schaute den Prinzen zwinkernden Auges von der Seite an. Die beiden verstanden sich ohne weiteres. Serben lächelte diskret. „Meine Hauptsorge ist dieser Monsieur Imhoff. Er hat eine Tochter, für die sich Hammer zu interessieren scheint. Sie ist als erste Soubrette engagiert worden. Ich habe mir von ihr etwas vyrsingen lassen. Sie singt ungefähr so wie eine mittelmässig begabte Kanzleiratstochter im Verein Blaue Sehleife. Aber sic ist sehr hübsch. - Was will ich machen! Hammer hat sie engagiert." „Herr von Serben", entgegnete der Graf, „ich glaube, Sie werden auch Hammer gegenüber zuweilen energischer Auftreten müssen. Er ist zu weich, zu leicht zu leiten — ich will sagen: zu sehr Künstlernatur und zu wenig Praktiker. Stoßen Sie diesen Imhoff ab. Mir ist, als habe ich schon einmal von ihm gehört. Er muß der Kulissier gewisser Finanzkreise fein. Die prädominieren ja auch im Aufsichtsrat. Ta ist der Kommerzienrat Meyer —" „Geheimer Kommerzienrat", korrigierte der Prinz. „Also ja: ein dicker Mann, ein Spediteur mit hangen, der Unterlippe. Und dann ein gewisser Verndal — von dem großen Warengesehäft — und noch einige. In diesen Kreisen bevorzugt man das Theater wegen des Femininen — Sie verstehen mich —" „Ah ja wohl, ah ja wohl!" „Nun brauchen wir ja die Finanz. Ich brauche sie auch. Aber, Herr von Serben: nicht über den Kopf wachsen lassen! Keinen entscheidenden Einfluß gewähren! Das käme einer Zerstörung aller Ideale gleich. Da ist dieser Prieslap — Baron Priestap —” „Ja, Baron. San Marino. Eine Baronie von der Pereiti Gnaden —" Frehlinghaus zuckte mit der rechten Schulter. „Die Verhältnisse liegen eigentümlich. Ich will mich nicht äußern. Lch will mir such nicht' den Mund verbrennen. Aber ich traue dem jungen Menschen nicht. Das ist da§ große Unglück: cS treten bei dem ganzen Unternehmen zu viel fragwürdige Persönlichkeiten in die Erscheinung." „So ist cs", sagte Herr von Serben bekräftigend. Der Prinz betrachtete mit Aufmerksamkeit seine Stiefel- spitzen. Es zuckte immer etwas Spöttisches um seine Mundwinkel. Zuweilen fühlte er ein lciscs Brennen und Jucken wie von Nadelstichen in seinen Fingerspitzen. Er hatte das Bedürfnis, den Grafen mit der rechten und Herrn von Serben mit der linken Hand an den Kragen zu packen und ein wenig zu schütteln. Um dieses lebhafte Empfinden abzulenken, benötigte er eine Gesprächspause und wandte sich mit der Frage an Frau von Soeben: „Gnädigste Fran bringen dem Theater naturgemäß auch ein lebhaftes Interesse entgegen —?" Die Wangen der Angeredeten röteten sich ein wenig, „Interesse ja," Durchlaucht", antwortete sie, „aber keine Passion". „Wie merkwürdig!" rief Gräfin Frcda; „wo Ihr Herr Gemahl doch so viel mit der Bühne zu tun gehabt hatl Ich bin eine enragierte Theaterfreundin. Ich könnte wochenlang allabendlich das Theater besuchen. Man schreibt und spricht so häufig gegen die Ucberschätzung der Bühne, als verdränge sie das Buch und die Freude am Gedruckten. Ich finde das nicht oder finde cs doch nur natürlich. Das gesprochene Wort war immer das wirksamere. Und in Zellen so stark flutender Gedankenhetze wie heutzutage sucht man unwillkürlich nach kräftigeren Eindrücken . . Es wurde darüber gestritten. Der Gras behauptete zunächst, alles habe seine' zwei Seiten, und dem widersprach niemand. Dann aber erhob er seine Stimme gegen das moderne Tendenzdrama; die Bühne sei kein Rednerpult noch ein forensischer Sessel. „Gewiß nicht", sagte der Prinz. „Tendenz und Kunst vertragen sich auch nicht recht. Aber cS ist Sitte geworden, in Kunstwerke Tendenzen hineinzutragcn, die der Künstler gar nicht beabsichtigt hat. Und im übrigen: trotz der Zensur läßt sich von der Bühne herab manches aussprechen, was gut zu sagen ist, was man aber sonst nicht zu sagen wagt. Die Wahrheit braucht nicht immer ein Tcndcnzmäntelchen zu tragen." „Das Publikum liebt es", entgegnete Herr von Serben. „Es fehlt dem Publikum an künstlerischer Schulung." „Es fehlt an Dichtern", sagte der Graf mit tiefer lieber» zeugung. „Es fehlt an künstlerisch geleiteten Theatern", bemerkte Prinz Arenstein. Tie Gräfin lachte. „Es fehlt also an allem. Herr von Serben, lassen Sie Ihre Naketen steigen. Beleuchten Sie UÄimi i.ii ].ukiui*USiliUtiik 1 {imLl/u/IHHl 11 m.l -1 jiA'?WM 7? ATM HW -s n-rni — 46 —* bas dunkle Termin. Schade, daß Sie nicht auch das Schauspiel unter sich haben," »Gräfin, ich hätte so gern die Gesaiutleitung übernommen, aber auch bei dein neuen Unternehmen spielt leider Gottes schon wieder das Persönliche mit. Giesecke ist engagiert worden, weil er, ich glaube ein Vetter des Herrn Berndal ist . . Ein Diener war eingetreten. „Nun?" fragte Frehlinghaus. „Herr Graf verzeihen: Ihre Hoheit die Frau Prinzessin haben telephonieren lassen, Hoheit möchten um zwei einige Kunstsalons besuchen und lassen um die Begleitung des Herrn Grafen bitten." „Schön", sagte Frehlinghaus. „Den dunklen Paletot, Zylinder und Stock. Die Herrschaften vergeben . . ." Prinz Arenslein wünschte viel Vergnügen. Herr und Frau von Serben empfahlen sich. „Kommst Du mit?" fragte der Graf. „Ich fahre Dich bis zu Deinem Hotel." „Tausend Dank", wähnte bereits vorhin, brot ausbitten möchte. entgegnete Arenstein, „aber ich er- - daß ich mir von Freda ein Butter- Hast du etwas dagegen?" Frehlinghaus hätte gern ja gesagt. Aber er sagte nein und mußte dazu noch verbindlich lächeln. Er küßte feiner Fran artig die Hand. „Vergiß nicht, mein Kind, daß um acht kleine Tafel ist." Auf dem Korridor stand ein junges Mädchen. Es trat aus dunkler Ecke hervor, als Frehlinghaus die Wohnung verlassen wollte. „Verzeihung, Herr Graf . . „Ah — Fräulein von Sorben! Warum haben Sie sich nicht anmelden lassen?" DaS Mädchen errötete. „Ich hörte, der Herr Graf seien beschäftigt. Da wollte sch warten." Frehlinghaus starrte einen Augenblick in das süße, blasse Gesicht. Die Favoris zitterten wieder. „Liebes Fräulein, ich glaube, ich kann Ihnen gefällig sein. Baumeister Hammer sucht eine neue Sekretärin. Meinen Sie, daß das etwas für Sie sein könnte?" „Ich nehme jede Stellung an, die ehrlich ist," antwortete das Mädchen. „Da nielden Sie sich bei ihm. Er ivohnt — ja, wo wohnt er denn gleich „Ich finde ihn schon," sagte das Fräulein, und mit leichter Verneigung fügte die hübsche Kleine hinzu: „Herr Graf, meinen herzlichsten Dank für Ihre gütige Vermittlung." „Bitte, bitte," entgegnete Frehlinghaus. Noch ein letzter Blick flog über das blasse Gesicht. „Bitte, bitte," wiederholte er, „gern getan ..." Dann ging er. „Also ein Butterbrot?" fragte die Gräfin. „Oder war das nur Kriegslist?" „Hunger wars," antwortete Heros. „Ich habe noch nicht gefrühstückt. Aber ich bitte in Untertänigkeit um folaendes: ich bitte, daß Du das Butterbrot eigenhändig be- reiteu und daß ich es in Deinem Zimmer verzehren darf. Oder ist das zu auffallend?" Freda lachte.- „Die Dienerschaft weiß, daß ich krausen Sinnes bin. Und vom Hofstaat ist keiner hier. Aber auch da gelte ich als ausfallend. Ist es der Rotkopf oder bin ich es wirklich? Ich weiß es nicht." „Es ist immer auffallend," sagte Heros, „ist jemand anders als der Nachbar rechts und links. Da hat man mich nun ins Herrenhaus berufen, zci sagen, was wahr ist. Aber ich merke, meine Wahrheit verstimmte diesen und jenen unter den Freunden. Ich fiel sichtlich auf. Man muß mitziehen am großen Seil, das ist das Richtigste"' „Und muß sich fügen, Heros. Das Justemilieu und die Kompromisse spielen eine gewichtige Rolle in der Diplomatie. Auch das Leben verlangt diplomatische Einsicht. Man verliert dabei das beste von seinem eigenen Ich, aber man bewahrt sich sein Glück." „Oder das, was so heißt, Freda . . / Arenstein war in das Zimmer der Gräfin getreten. Es lag abseits der großen Repräsentationsräume, nach dem Garten zu, und es war nicht nach der Mode eingerichtet. Keine englischen Möbel; alles helles Birkenholz, freundlich, aber in derben Formen. Als Freda eingesegnet ivurde, hatte die Mutter ihr das Meublement für das eigene Zimmer geschenkt. Die Berliner Ateliers für Innendekoration aber waren der Fürstin zu teuer. Da hatte der Dorftischler zeigen müssen, was er konnte. Und er hatte seine Sache ganz brav gemacht. Die Zofe deckte den Frühstückstisch. „Gut so," sagte Heros, „ich bin gar zu gern in Deinem Zimmer, Freda. Es heimelt mich an, daß Du cs gerade so, !vie es in Bisingen war, mit nach Berlin genommen hast. Ich wittere Landluft. Hie Bisingen allewege. Da steht der Schreibtisch genau auf seinem alten Platz und davor der merkwürdige Stuhl, dessen Lehne Euer Tischler gern hätte schweifen wollen; aber eS gelang ihm nicht. So entstand nur ein schiefer Winkel, der jedes behagliche Zurücklehnen verbietet. Doch das ist von Zweckmäßigkeit. Am Schreibtische hat nur die Arbeit das Mort. Und mir scheint wirklich, Du arbeitest zuweilen. Ich sehe da Bücher und mehr Papier, als es sich für eine junge Frau von hohem Adel ziemt. Ich sehe auch einen fetten Klecks nm Rande des Tintenfasses —" Freda stand am Tische und belegte kunstreich das Bntter- brot mit einem zerschnittenen Ei. „Tu siehst zu viel, Vetter", entgegnete sie. „Kleckses und was fte entstehen ließ, sollen eigentlich der Verborgenheit angehören. Aber Dir gegenüber will ich ehrlich sein. Ich langweile mich, und da habe ich einen Zeitvertreib! erfunden. Ich übersehe aus dem Französischen und Italienischen. Jetzt habe ich- einen Roman von Chateaubriand! vor, der im christlichen 'Altertum spielt." „Ich frage die Welt!" rief Heros. „Sie übersetzt! Un8 noch dazu Chateaubriand!" „Zola steht nicht in Engens Bibliothek", warf die Gräfiu ein. i „Es wäre auch noch schöner. Frau Hofmarschall, sprecht rnir nicht von Zola. Treibt nicht Spott mit den heiligsten Gefühlen der Prinzeß Luise Hoheit. Ach, Freda, w i e mußt Tu Dich langweilen! Und warum, sage mir? Nein, sag' es mir nicht. Ärmer Kerl, wärst Tu lieber in Bisingen geblieben! . . ." Ter Teller in der Hand der Gräfin klirrte gegen ihre« Ringe. Heros nahm eines der Brote, und Freda setzte sich als sei sie plötzlich müde geworden. Es glitt wie ein rascher Dämmerschein über ihr Gesicht. „Ja — wär'ich es nur!..." Das klang einem Seufzer gleich. . . „Heros, nimm ein Glas Wein. Wer konnte das alles voraussehen! Wer wissen, daß ich so wenig — hierher passen würde. Und dabei ist es noch ein Mich daß mich die Prinzessin Luise nicht leiden kann. Da verschont sie mich wenigstens mit ihrer Gunst. Tas erste halbe Jahr — Heros, das war fürchterlich! ..." . ., (Fortsetzung folgt.) X ''XXj ArmrMös Jodcsfahrt*) Vo n F. L i e u h a r d. Nach der nordischen Sage imiröe Sigurd (Sigfrid) nachts! auf feinem Lager ermordet, an der Seite der schlafenden Gudrun (Kriemhild), auf Befehl der tiefgekränkten Brunhild. Als die Tat geschehen, gab Brunhild sich selbst den Tod. Auf ihrer! Fahrt ins Schattenlaud — so erzählt die Edda — kam Brunhilds Geist durch das Gehöft einer Riesin, ward angehalten und wegen ihres Verbrechens zur Rede gestellt. Stolz gibt die ehemalige Walküre und spätere Königin Antwort und fährt weiter. Dies kurze Bild ist im folgenden neugestaltet. Die Begegnung! findet statt am Eingang von Helheim. DaS Weib, das am Boden kauert und bei der Anklage drohend zur Riesin emporwächst —j Brunhilds .verkörpert Gewissen — ist hier Hel selber, die Göttin! der Unterwelt. Brunhild. Furchtbar dies' Tor. . . Kein Balken, kein Erz — offen die Halle! . . . Und doch ein Tür, — vor! ~ *) AnS Lienhards Monatsblättern „Wege nach Weimar (Stuttgart, Greiner u. Meister), die 'wir wann empfehlen. J 47 dem der trotzigste Wanderer teil Fuß hemmt... Du dort am Boden, Weib, Verhüllte du: steh' ich am Tor zum Reiche der Hel? Hel. Stehst nm Tor zum Reiche der Hel. Brunhild. In Helheims lichtloser Holle hör' ich ein Rieseln und Rauschen — Hel. Tropfen von Eis' — geschmolzen in Glut! Brunhild. Woher die Glut? Hel. Ms Menschenqualen! Glut ihre Seelen == ihre Gespräche Rauch — doch die kristallenen Wände Eis'! Brunhild. Kein wohnlich Haus. Doch willst du mich schrecken, unnütz Weib, so spare die Müh'. Schau hinter mich: Mannen und Mägde genug, getötet auf meinem Grab! Ich könnte sie senden, den Weg zu erkunden. Doch mir ziemt der Bortritt auch hier: der^ Königin! ■— Weiche, Zwergin! Hel. Fragst du die Zwergin nicht, wer vor kurzem hier einging? Brunhild (kalt). Wer ging vor kurzem hier ein? H e l. Ein Mann. Brunhild. Frei oder unfrei? Hel. Frei. — Brunhild. König? Hel. König. Brunhild. Woran erkennbar? Hel. Mn klaffender Wunde —■; rot wie das Blut, das aus deiner Brünne quillt. Brunhild. Kampfgefallene fliegen nach Walhall, empor- getragen von Odins Walküren = H e l. Der nicht! Brunhild. Der auch! H e l. Der nicht! Denn Tücke hat ihn getötet — (Reckt sich emMr, riesengroß.) Du hast ihn getötet, Budlis Tochter! Du, Gunnars Gemahlin, Mörderin Sigurds! Brunhild. Ja denn, Weib, Sigurd such' ich! Sigurd, der mich zum Leben geweckt — H e l. Sigurd, dem du das Leben geraubt — Brunhild. Sigurd, den ich mir hole nach Walhall, ich, die Walküre! Hel. Keine Walküre betritt mein Reich! — (Sic enthüllt sich.) Brunhild. Bist du Hel —?! Hel. Hel gebietet Brunhild: Steh'! Unnütz, Gunnars Weib, wirbst du bei mir um den Buhlen! Brunhild. Buhlen?! Blind Gewürm', du bist nicht Hel! Bist keine Göttin! Sonst sähest du taghell: ich suche den Gatten! Hel. Wo ist dein Ring, Gattin? Wo dein Ausweis? Brunhild. Hier mein Ring; schau meine Wunde! Ms- weis? Schau mein harmvoll Antlitz! Und willst du Worte, o blutlos Weib, so sag'ich: Treue: So sag' ich: Stolz—। und unerträgliche Schmach! . . . (Vor sich hinstarrend, eintönig beginnend, aber zu tiefstem Schmerz anwachsend, erzählt sie nun ihr Leben.) Mein Los' war Leid, solang' ich gelebt. . . Einst war ich die unberührte, die lachende Maid — Helm auf dem Haupte, Schild am Arm — die Schlachtwalküre! — Doch da ich in Kampflust Odin niißachtet, legte mich Odin in flammende Lohe, umschildete mich und gab mir Schlaf. „Wer die Lohe durchreitet" — so sprach der Gott — „der sei der Träumerin Gatte!" Merke das Wort, Hel! Lange träumte die Jungfrau — da scholl der Huf, da sielen die. Schilde, da küßte mich wach mein Königssohn! Und Wunder in: Auge, Lust im Herzen lag ich und lachte den Fremdling an — Gunnar. Denn Gunnar — merke das' Wort, Hel! — Gunnar nannte sich jener. Ich lag und lachte Gunnar an und zupfte spielend sein Sonnenhaar, der Brünne beraubt, des Schildes entlastet, ein Weib nur, keine Walküre mehr, des Gatten gewärtig . . . Doch >er: — drei Nächte lang lag er auf Brunhilds Fels — zwischen uns das Schwert! Staunend oftmals, im Blaßlicht der Nacht, lag ich, gestützt auf den nackten Arm, und beschaute den Schläfer. Er schlief — verkreuzt die Arme, vcrtrotzt die Lippen — wonnig Wangen und Mund. Und im Mondlicht glühte das Schwert... Da warf auch ich die Lohe des Haares um den unnütz begehrenden Leib, hüllte mich ein, zerbiß die Lippen in Wut — und wachte wohl, doch weinte nicht. . . Wir ritten zu Hofe. Frauen' empfingen die Jungfrau, und Gunnar lächelte: „Bald!" Frauen hüllten die Nordlandsmaid in Königsgewand und führten mich herrlich verwandelt heraus. Auch Gunnar kam verwandelt, auch er kaum zu erkennen! „Der Zierling dort — das wäre Gunnar?" Doch war's wohl Gunnar . . . . ich wurde sein Weib. . . Nach herben Tagen und Nächten zeigten sie mir einen Fremdling: den starken Sigurd. Als ich den Fremdling erblickte, bebte mein Herz — und die Stirn bedeckend sann ich und saun . . . Sigurd? Nie hört' ich den Rainen. Doch den Mann —, wo hab' ich ihn traumhaft geschaut? — Doch freite Sigurd Gunnars Schwester, die weichliche Gudrun. . . Und dann — unabwendbar fielen die Lose. . . Wir rühmten beim Bade die Stärke der Männer, Gudrun und ich — und Gudrun schwatzte, schnatterte hell, wie stark ihr Sigurd. —- „Gunnar ist stärker!" — „Dein Gunnar? Zwang er die Dänen?" — „Gunnar ist stärker!" — „Dein Gunnar? Erschlug er den Lindwurm?" — „Gunnar ist stärker!! Denn Gunnar durchritt und zerstampfte die Lohe! Gunnar, der mich gefreit, Gunnar, mein Gatte, Gunnar, der Stärkste!" Da lachte — lachte —- lachte das mitleidlose Weib! „O Träumerin Brunhild, weißt du denn nicht? In Gunnars Gestalt, mit Gunnars Gewand und Waffen ritt durch die Lohe Sigurd! Mein Gatte Sigurd, der dich gefreit dem Schwächling Gunnar! Sigurd, der Stärkste!" (Sie bedeckt stöhnend das Gesicht und steht lange bewegungslos. Dann läßt sie die Hände langsam sinken und fährt tonlos fort) Mein Los war Leid, solang' ich gelebt . . . Ich wußte die Wahrheit — und sollte nun dulden, tote Sigurd, mein Gatte, Gudrun im Arm lag!! Ich wußte die Wahrheit — und sollte nun dulden, wie Gunnar, der Hund, die Walküre befleckte! Ha ■— aufspringend des Nachts aus wilden Gedanken ergriff ich den schlummernden König und band den bebenden Gunnar gürtelfest an die Holzwand! Und rief die Knechte: „Knechte, nehmt mir dies Schwert, schleicht euch zu Gudruns Buhlen —j erschlagt mir Sigurd!" Und als ich lag auf den zottigen Fellen, furchtbar lauschend — Gunnar aber am Balken winselte hündisch--Hel, da erscholl aus der fernen Kamnier Sigurds Schrei — Hel, da liefen die Knechte vorüber: „Wir haben's getan!" Hel, und Gudruns schrille Stimme gellte — gellte jäh und schwieg dann lang' — hingestürzt ihr Leib auf den toten Gatten! Und Brunhild lachte! Lachte gewaltig, die Walküre, durch Kammern hallend-m —, und lag und weinte wilder als Gudrun. . . (Sie schweigt, bebend vor Erregung.) So kam der Morgen. . . Das' Sigurdsweib lachte nicht M'ehr ob der Träumerin Brunhild. . . Ohne Eile band ich den Wicht vom Balken, rief die Mannen und legte mir um mein Walkürengcwand. „Bringt mir das Schwert, womit ihr's getan!" Sie brachten die Waffe — ich küßte das blutige Naß —, und tat mir, was sie Sigurd getan.-- (Kalt und stolz.) So fuhr die Walküre herab nach Helheim — reuelosö Ich komme, den Gatten nach Walhall zu holen, den mir Ijfr Gott versprach! — Weiche, Hel! (Hel versinkt, Brunhild tritt ein.) Der denische Student als Vorbild. Cs' vergeht jetzt kaum ein Tag, an welchem nicht in einem spanischen Blatte lehrreiche Betrachtungen über deutsche Sitten und Bräuche zu finden sind. So konnte inan beispielsweise in einer der letzten Nummern des Jmparcial eine nicht uninteressante Betrachtung über deutsches Studentenleben lesen, eine Studie, die um so wertvoller ist, als sie von einem in Berlin studierenden Spanier herrührt. Der junge Südländer geht ganz energisch ins' Zeug, indem er seinen „ewig revoltierenden und protestierenden" Kommilitonen in Spanien einen Spiegel vorhält und den deutschen Bruder Studio als nachahmenswertes Muster preist. „Der deutsche Student", schreibt er, „bat viele Zerstreuungen. In erster Linie das Studium: von hundert deutschen Studenten sitzen achtzig fleißig bei den Büchern, und man kann behaupten, daß vierzig ihrer Arbeit mit wirklichem Eifer nachgehen. Aber jene zwanzig, die nicht so fleißig sind, finden auch Zerstreuungen: zunächst im Sport, fei es Automobil- (!), Ruder-, Turnsport oder Instrumental- und Vokalmusik; dann die „Verbindung", die in der Hauptsache aus einigen guten Freunden und einem Tönnchen Bier besteht. Jede Verbindung hat iHv Lokal, ihre Tracht, ihre Farben, ihr Baud, ihre Statuten und ihren Mundschenk (!). Man bleibt stundenlang beisammen und leert große Schoppen Pilsener oder Münchener, wobei frisch äe- sungen wird. Wenn den Bruder Studio wirklich einmal die Langeweile mit ihrem grauen Flügel berührt, kann er zum Rapier seine Zuflucht nehmen und sich brnmt vergnügen, daß er einem Kollegen ins Fleisch schneidet. Die Zahl der Verbindungsstudenten ist aber nicht groß. Gewöhnlich ist der Student „wild". Es gibt endlich' noch eine andere Zerstreuung, die nur in Deutschland (?!) möglich ist, wo Tausende und aber Tausende von Mädchen unabhängig sind und in Fabriken, Schneidereien, Betriebswerkstätten, Warenhäusern usw. von ihrer Hände Arbeit leben. Diese Zerstreuung tft in Deutschland unter dem Namen „Verhältnis" bekannt. Kurz bevor ich diese Zeilen niedev- schrieb, saß idji in einem Hörsaale der Universität. In dem großen unbesetzten Saale mit einer unendlichen Perspektive von Bänken und Schreibpnlten herrschte eine Art Dämmerungsb stimmung; hinter dem Katheder wischte ein Potell langsanr die Erinnerungen an die soeben verflossene Vorlesung von der Tafel. Durch die hohen Fensterscheiben fiel der Blick auf den Universitätsgarten mit den dunklen Bäumen. Inzwischen wurden im Saale die elektrischen Lampen angezündek, und herein strömte eüte Schar von Hörern, junge Leute mit roten Gesichtern, mit wirren Haaren, mit ungeschickten Bewegungen; unter dem Arm hatten sie Mappen mit Büchern und Schreibpapier. Sie setzten sich einer nach dem andern aus die Bänkd, und ich zählte 322, darunter 40 Damen, fast lauter Mssinnen und Schwedinnen. In diesem Augenblicke hörte mnu ein Geräusch im Saale: die An- — 4'8 Wesende u begannen alle mit den Füßen zu trampeln. War das der Beginn einer Protestkundgebung? Nein, meine Herren, so wird hier der Professor bei seinem Eintritt Begrüßt. Sicher gab cs unter den Hörern viele von der Sorte, die in der Universitätssprache „Bierstudenten" genannt wird, nicht wenige, die im „Verhältnis-"-Garten schwelgen, und einige, die für einen schönen „Schmiß" dem Teufel ihre Seele verschreiben Würben; trotzdem öffneten alle ihre Mappen und schickten sich an, mit der Feder dem Vortrag des Professors zu folgen, der über die „Philosophie des 19. Jahrhunderts von Fichte bis Nietzsche sprach. Fast alle können stenographieren;, sie haben es auf dem Gymnasium oder zu Hause gelernt. Zwei nur blieben untätig inmitten dieses Galopps, dm die Federn aus deut Papier tanzten : einer von diesen beiden war der spanische Student, der diese Zeilen schreibt und bem niemand Stenographie beigebracht hat; der mtbcre ein kleiner Japaner, der alles, was hier über Schterer- macher vorgebracht wurde, lächelnd über sich ergehen Itefj. Die Studenten hören täglich sechs bis sieben Vorlesungen und schreiben, wenn sie nach Hause kommen, die stenographischen Notizen ins reme; dann erst gehen sie in die Verbindungen oder zum Verhältnis. Und Wenn man in die Universitätsbibliothek ober in die Königliche Bibliothek geht, findet man viele von ihnen mit Haufen von Büchern, die sie in ihrem bescheidenen Zirmner- chen durcharbeiten. Weit intensiver noch als in der Universität wird in den Laboratorien und in den Kliniken gearbeitet. Niemals aber hört man, daß sich die Studenten verbinden ober verbünden, um gegen den Unterricht betreffende Angelegenheiten zu protestieren. Die Verbindungen tragen einen rein privaten Charakter, außer etwa, daß sie bei öffentlichen Festen oder Aufzügen in ihren Galatrachten erscheinen. Im allgemeinen vereinigen sich die deutschen Studenten nur, um zu studieren, wenn es auch scheint, als ob unter ihnen der Klasseugeist mehr entwickelt ist als anderswo. Das kommt daher, weil der Staat und das Bürgertum dem Studenten mancherlei Privilegien zu- erfeinten. Gewöhnlich lebt der deutsche Student Allein ober höchstens mit zwei oder drei intimen Freunden, und diese Intimität ist nicht einmal das hingebungsvolle Vertrauen der lateinischen Freundschaft, sondern ein Austausch von Idealen, von Gedanken und von Ansichten über Welt und Leben. . . ." NeL'MßMMS« * K indergeschichteu. Zu den nie versiegenden und selten versagenden Kindergeschichten werden der „Voss. Ztg." folgende selbsterlebte mitgeteilt: Als nicht Töchterchen zwei Jahre zählte, fragte eine Freundin der Mutter das Kind: „Sage mal, wo hast du nur deine niedlichen Beinchen her?" Die prompte Antwort lautete: „Die waren gleich dran!" Am zweiten Weih- nachtsfeicrtage fanden wir das Kind beim eifrigen Zerbrechen einer Arche Noah, die es in dem üblichen Stil roher Holzfiguren bekommen hatte. Den Tieren wurde erbarmungslos ein Bein abgebrochen oder sonst ein Leids getan. Warum beim? „Ich mache das Spielzeug für die armen Kinder zurecht!" Und als das Kind einmal erkrankt war und im Fieber durch das laute Schlagen einer Wanduhr erschreckt wurde, da meinte es ärgerlich : „Die Uhr schimpft so." Der Knabe, hatte zum Weihnachts- fest ein herrliches Pferd von Holz gekriegt, das war schön! schwarz lackiert und mit weißen, breiten Strichen bemalt. Er nannte es seinen „Rappen mit etwas Schimmel drauf!" Bon einem wirklichen Kamel, wie sie in kleinen Orten durch die Straßen geführt werden, erzählte er, daß es „einen Bauch auf dem Rücken" gehabt habe. Einen freigebliebeneii Raum zwischen zwei Krügen auf dem Paneel nannte er „die Freiung", sprach von einem „Morgenteuer", das er früh im Garten erlebt habe, führte seine Tante in diesen Garten, wo ihm ein für alle Mal das Wpflücken und Essen von Schnittlauch verboten war und zeigte stolz „den heimlichen Schnittlauch". Ein Gedicht wollte er nicht aussagen, weil et wohl den Anfang wissen, den „Hinterfang" aber vergessen habe, und als' er eines Sonntags lernen sollte, äußerte er betrübt: „Da möchte man nun das dritte Gebot halten, aber man darf ja nicht!" Das Lernen stieß überhaupt manchmal auf Widerstand und Aergernis, denn einmal nahm er seinen treuen, krummbeinigen Teckelhund tiefseufzeiid auf den Arm, streichelte ihn traurig und raunte ihm zu: „Ach, Dackel, wenn du wüßtest, wie ekelhaft es ist, ein Mensch zu sein!" Da nahm ihn nun der Vater vor und sagte halb scherzend: „Wer Hans —i du bist ein Pessimist!" worauf er klageud zur Mutter lief und dein Vater mit den Worten anschwärzte: „Papa sagte eben, ich wäre „ein bißchen Mist!" Als aber dieser Vater selbst noch ein Kind war und eines Tages das damals übliche Knrellasche Brustpulver nötig hatte, das ganz wo anders helfen sollte, als gerade auf der Brust, da lief er andern Tages jubelnd dem Hausärzte mit den Siegesworten entgegen: „Herr Dokter, ich Wtrfe, ich wirke!" !i' Blnme»pflege im Zimmer. Wer nur irgendwie Pflanzeusreund ist, der wird dann, wenn draußen nichts blüht, innerhalb seiner vier Pfähle gern sich der Blumenpflege widmen. Emtge Pflanzen im Zimmer machen dasselbe stets freundlich und anheimelnd, und man muß sich wunbern, daß nicht ein jeder sich diesen lieblEeu und dabei wohlfeilen Schmuck deS Heims zulegt. „Ich habe kein Glück mit Blumen", sagen die meisten, „bei mir kommt nichts fort." Das ist eine recht lächerliche Ausrede, denn zur ÄlumenpUege gehört kein Glück, sondern lediglich eine liebevolle Fürsorge, sowie ein gewisses Verständnis für die Lebeusbedirigungen der betreffenden Gewächse. Dieses in unseren Leserinnen zu wecken, soll die Aufgabe nachstehender Zeilen sein. Drei Dinge sind es, die eine Pflanze unumgänglich zu ihrer gedeihlichen Entwicklung braucht: Lust, Licht und Wärme. Man sorge also zunächst für einen lustigen, nicht zu kalten Raum, dessen Temperatur sich möglichst gleich bleibt und in dem nicht allzuviel geraucht oder Gas gebrannt wird, beim der Zigarrenqualm verschlechtert die Lust, und das Gas trocknet sie aus. Ferner stelle man die Pflanzen nicht an dunkle Orte ober in Stuben, die nach Norden gelegen sind und in die niemals ein Strahl Sonne dringt. Hier werden die Pflanzen bald krank, ober sie siechen dahin, wenn man sich dieses Ausdrucks bedienen darf. Das Begießen der Blumen har während des Winters täglich nur einmal und zwar am besten gleich morgen» zu geschehen. Man nehme hierzu kein kaltes Wasser, da dies leicht eine Erkältung der Wurzel herbeiführt, sondern solches, das schon einen Tag lang im geheizten Zimmer gestanden hat und dem man gern ein wenig pulverisierte Holzkohle zusehen darf. Bon einem Begießen der Pflanzen mit warmem Wasser ist jedoch abzuraten. Das Gewächs blüht bann' rasch und üppig empor, fällt aber auch ebensoschnell wieder zusammen. Die Blumentöpfe selbst sind stets sauber zu halten. Sie sind daher hin und wieder außen abzuwaschen, beim der grünliche, ans Mgeir bestehende Belag, der sich bei einer Vernachlässigung in dieser Beziehung sehr bald an den Töpfen zeigt, verhindert einerseits deren Ausdünstung und geht andererseits nur zu leicht auf die Oberfläche der Erde über, wo er schließlich ent Kränkeln und Eingehen der Pflanzen zur Folge hat. -"Erfreuliches zurFremdwört erfrage. Wir lesen! in der Zeitschrift des Allgemeinen Deutschen Sprachvereins: , Die Mitglieder des sächsischen Landtages wurden bei der königlichen Tafel, zu der sie nach der Eröffnung der Sitzungen wie üblich eingeladen waren, durch eine Neuerung angenehm überrascht. Während bisher am sächsischen Hofe die Tafelkarten nach alter Hof- sitte in ganz französischer Sprache abgefaßt waren bis,auf beitrre und fromage, fanden Jie zu ihrer Freude eine rein deutsche „Speisenfolge" vor. e>ie lautete folgendermaßen: „Speisens- folge. Klare Suppe nach Tallehrand. Türkische Törtchen. Saibling kalt. Gedünstetes Rindsstück garniert. Hühner-Wflauf mit Champignons. Gänselebcrspeise. Fasanen, Salat, Früchte. Ananas mit Reis. Käse. Gefrorenes. Nachtisch." Der neue König Friedrich August III. hat also mit der alten, und man darf wohl sagen, veralteten lieberliefe rang gebrochen und der deutschen Sprache auch auf diesem Gebiete zu ihrem Rechte verholfen. Daß diese Beseitigung eines alten Zopfes auf, seine eigene Anregung zurückzuführen ist, darf man um so sicherer annehmen, als er bereits als Prinz ebenw wie sein Bruder Prinz, Johann Georg rein deutsche Tafel karten in seinem Hofhalte eingeführt hatte. ____________ Königspromsnadc. mann Herz heit im bufen glücke kind lich rücke then sich wem ein schlägt der mut() und blli tot nicht weh !. nach rech seufzt bäum fruchte wünscht seine gute j nicht mit bet der trägt Man darf die einzelnen Wörter und Silben nur in bet Weise mit einander verbinden, daß man — wie der König aus dem Schachbrett — stets von einem Feld aus auf ein benachbartes übergeht. ------:— ------ zu ein Auflösung in nächster Nummer. Auflösung des Gitterrätsels in voriger Nummer: A A P A 1 p e n g r a s P e d r 1 a A n d r o m e d a g m i r e 1 P a 1 a d i 1 h e s a e Redaktion: Ernst Heß. — Rotationsdruck und Verlaa der B r ü b Pichen Unlversttäts-Buck- und Steindruckerei. R. Lanae. Gießen,